Windenburg - Neue Wege Klinik

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20.08.2023 13:31 (zuletzt bearbeitet: 15.11.2023 21:31)
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Bestseller-Schmied

Marga kommt von Brindleton Bay Nr 3. - Haus der Garcias

Charaktere: Stephen / Bertl / Marga
Geschichtsstrang: Besuchszeiten mit Trouble


Immernoch ist kein Brief oder sonst etwas gekommen, was Lyn und ihre Klage betrifft. Geht das wirklich so lange oder hat sie es doch nicht getan? Stephen ist sich nicht sicher, er wurde noch nie verklagt.
Er hat nochmal mit seinem Bewährungshelfer geredet und der meinte, neben seinem Gott-sei-uns-gnädig-Gelaber, dass er nicht darauf warten solle, dass etwas passiert sondern endlich mit ihr sprechen soll. Sie lässt aber nicht mit sich sprechen, wann kapiert der Mann das..? Dafür hat er seinen Job zurück. Obwohl er ihn gehasst hat, ist es besser als hier mit dem schrägen Vater von Adi rumzuhängen. Der Bauer, dem die Farm gehört braucht dringen neue Arbeiter und ist froh, wenn Stephen zurück kommt und wieder den Stalljungen macht. Außerdem kommt Geld rein und vielleicht zählt das als gute Führung und die zwei zusätzlichen Monate fallen wieder weg. Geistesabwesend schlurft Steph auf dem Weg nach draußen um eine zu rauchen die Treppe hinab am Empfang vorbei Richtung Hintertür und bemerkt gar nicht wer dort im Essbereich auf zwei Stühlen sitzt.



Mit einem etwas surrealen Gefühl rührt Marga in ihrer Kaffeetasse. Ihr Mann hat sie wie versprochen eingeladen und das will erst einmal verarbeitet werden, genau wie die ungewohnte Umgebung. Bertl trägt einen ihr unbekannten Pullover und hat sich einen Bart stehen lassen, der offensichtlich frisch geschnitten ist. Das sind alles Zeichen, die Margas Hoffnung Nahrung geben. Er scheint etwas Fuß gefasst zu haben. "Wie fühlst du dich hier? Ist es besser geworden mit deinen Ängsten wegen der Gesprächsrunde?" Sie trinkt einen Schluck des starken Gebräus und sieht ihn aufmerksam an.
Bertl, der gerade versucht sich zu erinnern, wann er mit Marga zuletzt irgendwo gesessen hat um etwas zu trinken, fühlt sich ertappt. Die Hand, die sich auf die seiner Frau legen wollte, zuckt zurück und er beginnt diesen staubtrockenen Keks auszupacken, den er normalerweise nicht anrühren würde. Er stupst das Gebäck in den Kaffee und nickt. "Mmh, es geht schon." Nein, tut es nicht



Er schiebt die Süßigkeit in den Mund und kaut bedächtig um Zeit zu gewinnen. Schließlich würgt er die klebrige Masse mit einem weiteren Schluck hinunter. "Es ist nie angenehm sein Innenleben ausbreiten zu müssen...verdammt, wo ist denn nur wieder der Zuckerstreuer..vergessen." Er macht Anstalten aufzustehen, doch Marga stoppt ihn. "Ich mach das, bleib sitzen. Ich hol mir noch den Kakaopulverstreuer dazu."
Sie erhebt sich und geht Richtung Theke, als ihr Blick auf eine Gestalt fällt, die ihr bekannt vor kommt. Das ist doch..Marga kneift die Augen leicht zusammen..ja, das ist doch Stephen. Adrians Freund. Er hat es also wahr gemacht und ist in eine Klinik gegangen. Vor Freude macht ihr Herz einen Sprung. Sie vergisst ihr eigentliches Vorhaben und läuft schnell zu ihm. "Stephen. Wie schön dich hier zu sehen. Du hast es also geschafft und gehst auch neue Wege." Das Wortspiel geschieht unbewusst. Sie hakt ihn unter. "Komm, ich sitze mit meinem Mann dort drüben. Sicher erinnerst du dich noch an Adrians Vater? Ach, was bin ich dumm...wahrscheinlich habt ihr euch schon längst getroffen."



Vollkommen perplex, wird Stephen mitgezogen und kriegt kein Wort heraus. Moment Mal, was?! Adis Mom? Das heisst... Moment? Was?!! Zu spät. Wenige Sekunden nachdem Marga Steph aufgegabelt hat sitzt er schon mit seinem Erzfeind am Tisch. Stephs erster Impuls ist es aufzuspringen und sich sofort wieder zu verziehen, sein zweiter lässt ihn ruhiger werden. Er sieht Bertl emotionslos an, nimmt die Kippe aus dem Mund und steckt sie hinter sein Ohr. Er blinzelt und unerwartet lächelt Steph. Er sieht zu Marga. "Mrs Töpfer, Sie besuchen ihren... Mann. Das ist ja ne Überraschung...." sagt er angepasst an Margas eigenen Ton und sieht Bertl an, der ein unheilbringendes Funkeln in Stephs Augen blitzen sehen kann.



Katastrophe. Bertl verflucht die Seite an Marga, die er gleichzeitig am meisten liebt. Ihre aufrichtige Simfreundlichkeit und ihr großes Herz. Wie zum Teufel ist das jetzt passiert? Er sitzt auf einem Pulverfass und den Funken, der das Ganze zur Explosion bringen kann, sieht er in Stephens Blick. Ehe er eine Entscheidung treffen kann was zu tun ist, redet Marga schon wieder. Sein Kopf ruckt herum, er öffnet den Mund, aber seine Frau ist nicht zu bremsen.
"Ja, nicht wahr? Es freut mich, dass ihr beide euch wieder trefft hier. Das letzte Mal ist sehr lange her..du warst ja fast noch ein Kind, Stephen." Sie sieht zu Bertl, ohne auf seinen konsternierten Gesichtsausdruck zu achten. "Erkennst du ihn denn nicht? Adrians Freund. Er und Sullivan waren doch oft bei uns früher und Stephen wollte dann immer, dass ich Kirschkuchen backe." Marag schwelgt in Erinnerungen. " Was du nicht wissen kannst, Bertl..Du und dieser junge Mann, ihr habt einen ähnlichen Leidensweg hinter euch." Sie sieht wieder zu Steph. "Nach der Nacht in unserem Wohnzimmer hätte ich nicht gedacht, dass du die Kraft finden würdest, ich hab nur gehofft und gebetet. Du warst so aufgewühlt und zuwendungsbedürftig, ich hatte das Gefühl am besten wäre es, dich im Arm zu behalten."



Vor Margas innerem Auge steigen Bilder auf, wie sie und Adrian sich um Stephen gekümmert hatten, als er völlig am Boden war.
Nacht im Wohnzimmer? Im Arm behalten? Was redet Marga da? Bertl vergisst kurz die drohende Gefahr, die von Stephen ausgeht und blickt sein Gegenüber verwundert an.

Der Abend im Haus der Töpfers ist Stephen nur noch schwammig im Gedächtnis. Aber es war ausschlaggebend um Angel zu packen und abzuhauen. Ihm fällt die Verwirrung in Bertls Gesicht auf und er sieht Marga an. "Da wäre ich am liebsten auch geblieben... nach dieser.. Nacht." sagt er zu Marga mit einem dankbaren Blick und wirft Bertl einen Zweideutigen zu. Zufrieden verschränkt er die Arme und lehnt sich zurück.



Was wird hier gespielt? Unangenehm berührt rutscht Bertl auf seinem Stuhl hin und her. Er versteht nur Bahnhof, aber Stephens Gesichtsausdruck verheißt nichts Gutes. Irgendwas hat sich abgespielt zwischen seiner Frau und ihm. Wenn er irgendein Psychospiel mit Marga angefangen hat...aus Rache für...dann Gnade ihm Gott..nein, das ist an den Haaren herbei gezogen. Er blinzelt nochmal, fasst sich und sagt in möglichst neutralem Ton:" Ich weiß zwar nicht worum es genau geht, aber schön dass du deinen Weg gefunden hast, Stephen." Bertl trinkt vom Kaffee und denkt fieberhaft über einen Fluchtweg nach.



Kauft er ihm wohl nicht ab, dass er seine Frau flachgelegt hat. Naja er hat noch mehr im Petto. Stephen lächelt. „Jo. So wie du, stimmts?“ sagt er, „Hast den Account eigentlich noch?“ er sieht ihn an und hebt erwartungsvoll die Brauen.

Marga hat gerade zu einer Erklärung angesetzt und stutzt gedanklich. Wieso redet Stephen plötzlich so vertraut mit Bertl? Acka was? Sie sieht zwischen den beiden hin und her, immer noch ein Lächeln auf den Lippen. Sicher ist das Klinikjargon und hat mit der Behandlung oder den Sitzungen zu tun. Unbekümmert kratzt sie den Milchschaum vom Tassenrand und hört weiter zu.
Darauf ist er also aus.. Rache. Und Marga mit rein ziehen. Soweit kommt's noch. Bertl wird es heiß und kalt bei der Frage. Ein flüchtiger Blick zu seiner Frau zeigt ihm, dass sie keine Ahnung hat worum es hier geht. Mit zusammengezogenen Brauen sieht er Stephen an. "Nein. ich habe nichts mehr außer dem Willen hier gesund raus zu kommen, genau wie alle anderen hier." Die Luft zwischen ihnen beginnt zu knistern.
Marga bekommt davon nichts mit. Genüsslich leckt sie sich den letzten Rest Schaum von den Lippen.Ah, also tatsächlich Klinikjargon Sie lächelt Bertl an. "Das ist schön, dass du das nicht mehr brauchst." Dann blickt sie Stephen an. "Hast du denn noch ein Ackadingsda? Brauchst du sowas noch?" Vielleicht sagt er ja noch was Erklärendes dazu.



Acka? "Nö das hat mir dein Kerl vermiest." sagt Stephen trotzig. "Wusstest du eigentlich das er knapp volljährige Jungs scharf findet?" ergänzt er, müde von der Ausweicherei und dem nebeneinander her reden. Er nimmt dabei das Handy aus der Tasche und tippt beiläufig darauf herum.



Marga fällt klirrend der Löffel aus der Hand. Mit schreckgeweiteten Augen sieht sie Stephen an. "W..wi...was?! Warum sagst du sowas??!"
"Du Bastard!"
Bertl platzt der Kragen. Er steht auf und packt Margas Hand. "Du bist doch krank. Wenn du was sagen willst, dann sag die Wahrheit!" Er sieht zu Marga. "Wir gehen! Der durchgeknallte Junkie kann mich mal!" schnaubt er laut genug, dass ein paar Köpfe in dem Bereich in dem sie sitzen herum fahren.



Bertls Griff am Handgelenk tut weh. Maraga versteht überhaupt nichts mehr. Die Tränen steigen ihr in die Augen. Einerseits vor Schmerz, andererseits weil gerade die Welt noch in Ordnung war und plötzlich alles eskaliert. Wie oft muss sie das noch erleben? Hilfe- und gleichzeitig Erklärung suchend hängt ihr Blick an Stephen.

Stephen wurde zwar noch nie verklagt, aber beleidigt zu genüge und sein Panzer der Gleichgültigkeit ist dahingehend beinahe undurchdringbar. Er schaut von seinem Handy auf und schiebt es Marga zu. "Bittesehr... die Wahrheit." der Chatverlauf der letzten Monate mit Bertl aka SweetAngel18.
„Sein Doppelleben weil ihm die Familie nicht ausreicht.“
Stephen sieht vom Handy zu Marga zu Bertl und sein Gesichtsausdruck ist alles andere als freundlich. „Du fickst mich, ich fick dich. Arschloch.“



Bertls Herz rast. Das was auf dem Handy sichtbar ist, war nie der Plan gewesen. Als ob er ihn hatte verletzen wollen, geschweige denn verarschen..oder seine eigene Familie in den Schmutz ziehen.. Die Komplexität der ganzen 'Beziehung' und ihr unglückseliger Verlauf wird niemals in Worte gefasst werden können und soll es auch gar nicht, aber sein Leben nochmal ruinieren lassen durch Fremdeinwirken? Niemals. Er greift nach dem Handy, aber seine Frau ist schneller.
Stephens letzte Worte lassen Marga aufkeuchen. Sie kann die Informationen immer noch nicht zusammen setzen, nichts ergibt Sinn. Aber dass die Angelegenheit ernst ist, das muss ihr niemand erklären. Sie befreit energisch ihr Handgelenk aus Bertls Griff und lässt sich mitsamt dem Telefon wieder zurück auf ihren Stuhl fallen. Weil ihm die Familie nicht genug ist hat er was getan? Verständnislos sieht sie auf die Textblasen von Stephen und einem blonden Mädchen, die der Bildschirm zeigt. Sowas kennt sie von Adrian. Sie zieht das Handy näher zu sich. "Wer ist denn das da auf dem Bild? Das hübsche Mädchen?"



Bertl zieht scharf die Luft durch die Zähne. Er explodiert jetzt gleich richtig oder schafft es einen Weg zu finden, das hier zumindest für den Augenblick zu beenden.

"Weiss wahrscheinlich keiner." sagt Stephen und so blöd es auch ist es zuzugeben, für Bertl ist es noch viel beschissener, deshalb sagt er, "Hat er benutzt um mich zu ködern." Ja, Steph hat 'sie' zu erst angeschrieben und nicht anders herum, auf Grund der Beschreibung und ohne Bild aber danach... War einfach ne miese Nummer. So viel verschwendete Zeit, so viel Geheimnisse, alles für die Katz.



Marga sieht wie paralysiert vom Display auf. Langsam sickert die Erkenntnis durch worum es hier geht. Sie schaut ihrem Mann in die Augen und erkennt darin unbändige Wut, aber auch Schmerz. In Stephens Wortwahl und Tonfall hört sie Verletztheit und Zorn. In ihrem eigenen Inneren toben die unterschiedlichsten Gefühle. Langsam, als wolle sie möglichst viel Distanz zwischen sich und den Inhalt des Geräts bringen, schiebt sie das Handy in die Tischmitte. "Ist das wahr Bertram? Hast du mit uns allen gespielt?" fragt sie leise. Gleichzeitig denkt sie an Maryama. Geh deinen Weg, sag was du denkst, du bist stark Marga. An Delsyn. Du kannst das schaffen Marga, weil du nie allein bist. Ihr Blick wandert zwischen den beiden Männern hin und her. Sie erinnert sich an die Nacht, als Stephen von seiner Mutter und dem Leben dass er auf der Straße führen musste erzählt hat. Und an ihr Leben bevor Bertram dem Alkohol verfiel. Sie hat das Gefühl, als ob sich die Tragik des Lebens genau hier am Tisch konzentriert. "Oder wart ihr nur zwei einsame Seelen, die sich an einen Strohhalm geklammert haben?" Müde sieht sie ihren Mann an. "Weil uns die letzten Jahre ausgelaugt haben und weil dich.." Sie blickt Stephen an. "..niemand wertschätzt?"



Geschockt blickt Bertl sie an. Das hat er nicht erwartet. Die Marga, die banale Liebesfilme schaut und nebenbei Pralinen futtert, das ist nicht die Marga, die hier spricht. Ihre unerwartete Reaktion lässt ihn spontan offen werden. Er hatte genug Zeit in den letzten Wochen über sich und sein verkorkstes Leben nach zu denken. Allein die Erlebnisse in der Zukunft würden ausreichen, um einen Toten noch zur Vernunft zu bringen. "Es wäre bequem jetzt 'ja' zu sagen." Er wirft Stephen einen Blick zu. Natürlich trifft sie damit ins Schwarze, das weiß er aus den Gesprächen mit ihm. "Ich war ein versoffenes Wrack und innerlich fast tot. Ich hab dich hintergangen." Jetzt sieht er auf zu Marga. "Und dich.." wieder ein Blick zu Stephen. ".. getäuscht. Es war der zweit größte Fehler meines Lebens und ich kann nichts davon rückgängig machen, auch wenn ich es gerne tun würde." Kurz flammt die Wut wieder auf. "Trotzdem wollte ich Schach spielen verdammt nochmal und wie du dich erinnern wirst auch kein Bild hoch laden. Alles andere kam danach und war keinesfalls der Plan!" Er schiebt das Handy wieder zu Marga. "Wenn du willst lies alles, ich hab keine Lust mehr irgendwen zu belügen."



Stephen rührt sich nicht. Er sieht das Handy an dann Marga. Er hat weder den Drang die Entschuldigung anzunehmen noch Marga am lesen zu hindern. Er kann sagen was er will. Bertl wusste von Anfang an wer er war weil Stephen immer ein Bild drin hatte. Der Junge der mit Adi befreundet ist und ebenfalls sein Sohn sein könnte und er hat es nicht aufgeklärt. Egal was Steph von dieser 'Beziehung' hatte, es ist und war pervers!

Übelkeit steigt in Marga hoch. Das ganze Ausmaß wird ihr klar. Da sitzt der Kindheitsfreund von Adrian und Bertl hat...oh Gott. Sie will das nicht lesen und sich auch gar nicht vorstellen, was geschrieben wurde. Ihr ist, als fiele sie in ein bodenloses Loch.
Mittlerweile ist die Wut in Bertl abgeflaut und hat unendlicher Scham Platz gemacht. Hier in Margas Gegenwart über diese Dinge sprechen zu müssen, bringt ihn fast um. Er hatte sich nach der ersten Sitzung vorgenommen, alles ohne Beschönigung in diesem geschützten Rahmen auszusprechen und aufzuarbeiten. Es gibt keinen Grund sich selbst zu schonen. Er weiß wie grausam und verwerflich alles ist, was er Stephen angetan hat. Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn und er fühlt, wie sich unter den Achseln das Wasser sammelt.



Nicht jetzt, bitte nicht jetzt Er schluckt. Wenn jetzt ein Wodka auf dem Tisch stünde, er würde ihn auf Ex kippen. Die Anonymität hatte ihm Sicherheit gegeben, der Alkoholpegel ihn dazu gebracht die verdammte Flirtnummer anzufangen, aus der Angst heraus, diese Quelle an Zuwendung und Aufmerksamkeit könnte ansonsten versiegen. Und irgendwann war es normal geworden und eben die Basis, auf der die Gespräche, um die es ihm eigentlich ging, funktionieren konnten. Niemals wäre er auf die Idee gekommen, dass das Ganze solche Ausmaße annehmen würde oder Stephen so massiv auf ein Treffen drängen könnte. Es war das einzig Richtige gewesen, das alles durch das Treffen im Bowling Center zu beenden...dort hatte er ja auch erfahren, dass...er sieht Stephen an.
"Ich wusste nicht wer du bist. Wer jahrelang säuft wie ein Loch, hat kein Gedächtnis. Das macht es nicht besser, aber ich will das du das weißt." Der Schweißgeruch unter den Achseln wird beißend, er spürt die größer werdenden Ringe.



Marga macht keine Anstalten das Telefon zu nehmen. Ihrem Gesichtsausdruck nach, scheint sie es auch so zu glauben. Stephen nimmt da Handy und steckt es ein, dann steht er bedächtig vom Stuhl auf. "Jo cool..." sagt er emotionslos zu Bertl, "Hab ich also nich nur dem fetten Vater meines Kumpels all den Scheiss erzählt, statt ner heissen Tusse, sondern auch noch Zeit verschwendet, weil besagter Vater besoffen war und sowieso keinen Dunst hatte was er da eigentlich antwortet." Stephen steckt die Hände in die Taschen und greift mit einer das Handy. Er war echt verknallt gewesen in diese Persönlichkeit und das tut mehr weh als er zugeben will. Er verdrängt dieses Gefühl mit unterdrückter Wut. "Danke für nichts, Mann."



Bertl schweigt. Ihm ist alles recht was Stephen hilft darüber weg zu kommen. Wenn er ihn dafür hassen muss, soll er das tun, auch wenn ihn seine Worte bis ins Mark treffen. Er selbst wird diese Episode seines Lebens im tiefsten Inneren verwahren und keiner erfährt jemals, wieviel diese Gespräche dazu beigetragen haben, dass er die Kraft gefunden hat, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Margas Stimme lässt ihn den Blick von Stephen los reißen.
Müde rückt Marga den Stuhl nach hinten, erhebt sich und stützt sich mit beiden Armen auf der Tischplatte ab. Sie fühlt sich, als wäre sie im Zeitraffer gealtert. Für zwei Sekunden schließt sie die Augen, atmet tief durch, richtet sich gerade auf und schaut zu Stephen. "Ich bitte dich hiermit um Verzeihung für das Unverzeihliche. Behalte deine Kraft und geh deinen Weg, Stephen. Du schaffst das." und der Himmel hilf, dass NIEMALS ein Wort davon zu Adrian über deine Lippen kommt Dann sieht sie beherrscht ihren Mann an. "Der eigentliche Grund für meinen Besuch ist wohl etwas untergegangen. Du wirst Großvater demnächst. Adrian und Denize erwarten ein Kind." Sie nimmt ihre Handtasche vom Stuhl weg und dreht sich um. "Und komm nicht auf die Idee mir nach zu laufen." Damit eilt sie, die aufsteigenden Tränen unterdrückend, aus der Klinik.



So schade Stephen es findet das die beste Kirschtortenbäckerin die er kennt grade die gesamte Fröhlichkeit verloren hat, die sie noch hatte als sie ihn ansprach, so gut verdrängt er auch die Tatsache dass er Schuld daran hat, weil er nur die Rache an Adis Dad im Kopf hatte, dessen Sohn.... Vater wird? Stephen muss verblüfft die Brauen heben und sieht Marga nach. Als er registriert was Bertram für ein Gesicht macht, und wohl komplett ins Loch fällt mit dieser Information, ist das Genugtuung genug für Stephen und seine Stimmung macht einen Satz. Adrian und Vater? Adi? Mit der kleinen verrannten vom Festival? Stephen kann nicht anders und prustet lauthals los. Er sagt nichts, lacht einfach nur, dreht sich um und geht ohne das schallende Gelächter einzustellen, eine Träne wegwischend nach oben in sein Zimmer.







(in Zusammenarbeit mit @simscat2)

Marga geht nach Oasis Springs Nr.11 - Familie Töpfer
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21.08.2023 14:47 (zuletzt bearbeitet: 21.08.2023 14:47)
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Charaktere: Jan / Bertl
Geschichtsstrang: Erste Schritte




Die Werkzeuge hängen fein aufgereiht an der Wand der Werkbank. Schraubenschlüssel, Zangen, Feilen, Bohrer, nach Größe geordnet und in Topzustand. Bertls Blick schweift zur Seite, wo diverse Hobel, Hämmer, Schleifpapier, Nägel und Schrauben aller Art in einem Regal untergebracht sind. Die Beine leicht gespreizt und mit verschränkten Armen steht er vor dem Arbeitstisch und starrt auf die Platte. Seit Marga gestern davongestürmt ist, fühlt sich sein Inneres vollkommen taub an. Nur langsam ist die Information über das Baby, dass Adrian mit einer Denize? erwartet, in sein Bewusstsein gesickert und hat ihn so erschüttert, dass er weder ein Abendessen, noch ein Frühstück zu sich nehmen konnte. Drei Tassen starker Kaffee lassen ihn funktionieren, obwohl er nachts kaum ein Auge zugetan hat. Er hat geträumt das Marga ihn verlässt und Stephens Lachen schallte durch das leere Haus in Oasis Springs, wurde von den Wänden zurückgeworfen und ließ ihn im Traum, schreiend die Hände auf die Ohren gepresst, hinaus in die Wüste fliehen, wo er im Sand über ein verlassenes Baby gestolpert war, dass ihn mit Adrians hasserfülltem Blick anstarrte. Morgens klebten Laken und Bettdecke an seinem mit kaltem Schweiß bedeckten Körper, so dass er sich regelrecht aus dem Bett kämpfen musste. Auch der kalte Wasserstrahl der Dusche, den er über Kopf und Körper prasseln ließ, hat keine Erleichterung gebracht. Bertl weiß, dass er etwas tun muss, etwas Praktisches, etwas mit seinen Händen erschaffen. Nur eine hauchdünne Barriere trennt ihn von einem Rückfall und das wäre .. Ein Geräusch aus Richtung der Türe lässt ihn aufblicken.

Gedankenversunken tritt Jan in den Werkraum. Seiner Meinung nach gibt es nicht viel was er kann aber seinen Job hat er bis zur Depression gut gemacht. Jetzt ist die Arbeit mit Holz nur noch ein verkümmertes Hobby. Überrascht darüber, dass jemand an der Werkbank steht, hebt er den Kopf und grüsst den Mann mit dem er bisher nur einmal ein paar Worte gewechselt hat. Bei der Gesprächsrunde. "Hallo." sagt er deshalb. Enttäuscht das die Bank für heute besetzt ist kommt er näher. "Ich will nur.. was holen." ergänzt er und zeigt auf ein angefangenes längliches Stück Holz mit ein paar groben Mustern, neben der Werkbank. Sein Gesicht behält er wie immer unter der Mütze.



Bertl nickt und tritt einen Schritt zur Seite, um ihn durch zu lassen. Schweigend beobachtet er den jungen Mann. "Wo gibt's denn das Holz, wenn man was arbeiten will?" Er weist mit dem Kinn auf das Stück in Jans Hand.

Jan duckt sich an Bertram vorbei, nimmt das Teil und tritt wieder zurück. Gleichzeitig nimmt er das angefangene Schleifpapier was auf der Ablage liegt. Er sagt: „Es gib draussen ein Stapel, das muss man sich selbst zurecht hacken.“ kurz schaut er zu Boden. „Ist das auch dein Beruf… gewesen? Mit Holz?“

Nachdem Bertls Blick erst dem Fingerzeig von Jan gefolgt war, springt er jetzt zurück und verweilt am Schirm der Mütze, die durch den nach unten gerichteten Blick das Einzige ist, was er im Moment sehen kann. Ihm ist nicht nach Worten, aber etwas an Jans Haltung oder die Tonlage lässt ihn den Mund öffnen. "Nein." Er seufzt. "Ich muss meine Hände beschäftigen, sonst greifen sie nach der Flasche." Es ist ungewohnt diese Dinge auszusprechen, aber auf eine Art befreiend. Bertl ist sich sicher, das wird außerhalb dieser Einrichtungsmauern nie wieder passieren...eventuell Marga gegenüber, aber ob die überhaupt... Er runzelt die Stirn. "Ich bin nicht ungeschickt handwerklich.. warum sagst du 'auch'? Bist du Schreiner? Tischler?"

"Verstehe." Jan reibt sich den Kopf der unter der Mütze steckt und nickt zur Antwort. "Ja, Tischler. Hab den Job gern gemacht."



Nachdenklich sieht Bertl ihn an. Jan wirkte in der Runde ehrlich und war der Einzige, der mit seiner Problematik konstruktiv umgegangen ist. "Wie alt bist du eigentlich?" fragt er ihn direkt. Das wurde im Kreis nicht angesprochen und Bertl hat ihn sehr jung geschätzt. Er hat eine abgeschlossenen Ausbildung und Praxiserfahrung?

"26." antwortet Jan. Er fragt nicht nach dem Alter vom Bertram, weil er sein Vater sein könnte nur schon vom Aussehen. Der Jüngere hebt jetzt leicht den Kopf, so dass er unter der Kappe hervorschauen kann. Er fand die Unterhaltung im Kreis gut. Abgesehen von der Kriselei zwischen dem Mann und Stephen. Jedoch merkt Jan das Bertl sich hier Mühe geben will. Anders als sein Kontrahent.

Überrascht hebt Bertram die Brauen. "Du siehst jünger aus." bemerkt er und will sich zum gehen wenden, als sein Blick wieder auf das Stück Holz in der Hand seines Gesprächspartners fällt. Innehaltend wendet er sich ihm noch einmal zu. "Was hast du vor damit? Ist das nur Spielerei oder ein Teil von etwas?" Vielleicht könnte Jan ihm nützlich sein mit seinem Fachwissen.

Jan lächelt kurz müde. "Fühlen tu ich mich viel älter." Er folgt Bertrams Blick und hebt die Hand mit dem Werkstück leicht an. "Ja naja, ich wurde gebeten ein Geburtstagsgeschenk zu machen. Für meine Grossmutter ein Schaukelstuhl. Und ich soll mir Zeit lassen. Nicht dass ich mich überfordere." jetzt lächelt er echt und die letzte Worte klingen nach gespieltem Sarkasmus. "Aber nicht zu viel, weil Oma ist schon alt." fügt er an. Sein Lächeln verschwindet als er fortfährt:
"Was ist dein Plan?" fragt er anschließend langsam aufgetaut.



Beinahe widerwillig muss Bertl schmunzeln, wird aber sofort wieder ernst. Der Entschluss was es werden soll, ist vor zehn Minuten gefallen, kurz bevor Jan den Raum betreten hat. "Ich stell mir ein Babybett vor, am besten so eins, dass man danach noch ohne die Stangen weiter verwenden kann, wenn das Kind größer wird." Es ist, als spräche er eine Rolle für einen Film. Adrian wird Vater und er Großvater. Es ist einfach unglaublich...und unglaublich beängstigend, wenn er ehrlich zu sich selbst ist. Wird er überhaupt weiter einen Platz in 'seiner' Familie haben können? Er sieht Jan an und hebt einen Mundwinkel. "Also gerade das Gegenteil von deinem Projekt und ich weiß auch gar nicht, ob ich das noch drauf hab, aber ich bin willens es zu versuchen." Er schweigt kurz. "Wir können uns abwechseln an der Werkbank, gibt ja auch Sachen zu tun, die ohne gehen."

"Ja machen wir so." Jan, der die Bank für den nächsten Schritt des Stuhllehnenteils nicht unbedingt braucht, nickt. Während Bertram nach draußen geht, bastelt Jan vor sich hin und hat keinen Zeitdruck, obwohl es unterschwellig von seiner Mutter danach geklungen hat. "Ich weiß eine gute Holzlasur auf Wasserbasis die nicht schädlich ist, dann bleibt das Holz schön, auch wenn die Kleinen dran rumknabbern." fällt Jan ein als Bertl mit Holz zurückkehrt und die Worte machen ihn ein wenig sentimental. Er ist jung und hatte noch nicht mal im Traum an eigene Kinder gedacht aber er hätte irgendwann vielleicht die Chance dazu. Paula nie wieder.. Er muss das Thema wechseln, "Du und ähm Stephen. Kennt euch?" Auch nicht besser. "Sorry, geht mich eigentlich gar nix an."

Bertl liegt eine positive Erwiderung bezüglich der Holzlasur auf der Zunge, als er bei Jans nächstem Satz beinahe die Bretter, die er an der Säge auf die richtige Länge kürzen will, fallen lässt. "Verdammt." Er rafft den Stapel wieder zusammen und knallt ihn auf die Werkbank, dann dreht er sich zu Jan und sticht mit dem Finger in seine Richtung. "Das ist ein Scheiß heikles Thema und.." Er stockt. "..und ...warum interessiert dich das?"
Irgendwas hat dieser junge Mensch an sich, was bewirkt, dass er sich nicht komplett mürrisch verschließt, wie er es jahrelang getan hat, um sein Inneres zu schützen, wie er jetzt durch die Therapie weiß.



Jan hebt die Hände abwehrend und beruhigend als Bertls Stimme sich hebt. "Ja. Tut mir Leid. War reine Neugier." die Hände machen sich wieder an die Arbeit und schleifen die groben Kärben in seinem Stuhlholz aus. Das Dach der Kappe senkt sich in Jans Gesicht. "Stephen war der einzige bisher der ein paar Worte mit mir gewechselt hat bevor du her kamst. Seit der letzten Sitzung aber irgendwie nichts mehr. Dachte das hängt vielleicht zusammen."

Schweigend ordnet Bertl die Bretter nebeneinander an und zieht einen Bleistift hinter dem Ohr hervor, den er gerade gefunden hat. Er legt den Meterstab an und beginnt das Holz zu markieren. Jan hatte darüber geredet, dass er viel darüber nachdenkt, was die an einer Situation oder Aktion Beteiligten dazu gebracht hat zu tun, was sie taten und dass man es irgendwann leid ist zu hassen..und man verzeiht. "Daran glaube ich." das hängt Bertl noch im Ohr. Das nächste Brett greifend antwortet er schließlich:" Das ist gut möglich. Das Thema der letzten Sitzung war weder für mich noch für ihn ein Einfaches und...wir wussten nicht, dass wir uns begegnen würden." Er sucht Jans Blick. " Du hast schon viel nachgedacht und aufgearbeitet." Dann beugt er sich wieder über das Brett und legt erneut den Maßstab an. "Das ist ein langer Weg, ich stehe noch am anfang und ..Stephen wohl auch."



Jan der sich auf den Boden gesetzt hat und vor sich hin schmirgelt, schweigt eine Weile. Er denkt nach wie es ihm vor einem halben Jahr noch ging. „Zu akzeptieren das man am Anfang steht, ist viel wert.“ Jan arbeitet weiter ohne aufzusehen. „Ich dachte damals es gibt weder Ende noch Anfang. Und es war extrem wichtig für mich, dass meine Familie an mich glaubt.“ Wäre seine Mutter oder sein Vater sauer auf ihn und würden ihm alles was er getan hat nachtragen, hätte er keine Chance gehabt. Was wen Stephen Bertls Sohn ist?

Das trifft. Bertl ordnet die Bretter und trägt sie ohne ein Wort zur Säge, um sie auf das richtige Maß zu kürzen. Für eine Weile ist nur das Geräusch der kleinen Kreissäge zu hören, die in der Ecke des Raumes steht. Dann kehrt er zurück zur Werkbank und nimmt sich Schleifpapier, um die Kanten zu glätten. "Und wenn du nicht nur eine andere Person, sondern auch die wichtigsten Sims in deinem Leben, deine Familie, furchtbar verletzt hast? Wenn dir schon mal verziehen wurde und es dann nochmal passiert ist? Da gibt es kein zweites Mal verzeihen." Seine Schleifbewegungen werden energischer.



Das klingt als wären sie wirklich verwand. Denkt Jan. Er hält in der Arbeit inne. „Ich schätze, dann können nur noch Taten sprechen und…“ erneut faltet er das Schleifpapier neu, „naja das geht am Besten wenn man damit beginnt von sich selbst überzeugt zu sein. Aber dafür muss man sich selber verzeihn.“

Taten? Der Junge hat leicht reden. Bertl betrachtet einen Augenblick lang das Brett in seiner Hand und fährt prüfend mit dem Daumen über die zuletzt bearbeitete Ecke, bevor er es sorgfältig auf den Stapel zu den anderen legt. Er sieht Jan an, zieht sich einen Stuhl heran und setzt sich ihm gegenüber hin. Wenn er könnte, würde er sich neben ihm am Boden platzieren, damit er ihn nicht überragt, aber das geben die Knochen nicht mehr her. Er nimmt sich wieder ein Brett und fängt an zu schleifen. "Warum bist du von dir überzeugt? Oder besser, was überzeugt dich an dir? Obwohl all das passiert ist, was du in der Gruppe erzählt hast." Für Bertl klingt das alles nach Lehrbuch, aber nicht nach dem realen Leben. Sollte er spontan etwas benennen, warum er von sich selbst überzeugt sein könnte, müsste er mindestens sechs oder sieben Jahre zurück gehen in der Zeit.



Jan überlegt. Soweit ist er selbst noch nicht. „Sagen wir so…“ er schaut zu Bertl auf, „Ich verstehe, dass ich und kein anderer es ändern kann und das ich fortan damit leben werde.“ Bertl kann jetzt die Narben gut sehen. „Ich hab immer noch Schuldgefühle und es tut scheiss weh daran zu denken…“ Jan spürt wie seine Augen feucht werden und blickt wieder auf sein Holzstück. „Aber ich..“ er schleift weiter daran herum und wartet bis der Klos im Hals und die bröckelnde Stimme verschwindet und schluckt. „Aber ich werde irgendwann hier raus gehen und dazu stehn dass ich Fehler gemacht und daraus gelernt hab.“

Der hörbare Stimmungsumschwung bei seinem Gesprächspartner lässt Bertl auf-und gleich wieder wegschauen. Er sieht die Qual und spürt aufrichtiges Mitgefühl. Das Schwierige daran ist, dass es ihn selbst auch aufwühlt und das kann er gerade nicht zulassen. Er räuspert sich energisch. "Ja, die Schuldgefühle machen einen fertig..ich weiß nicht wie ich die los werden kann..es klingt schön, wenn du das sagst, aber es fühlt sich an, als hätte ich nicht das Recht dazu so zu denken." Er legt das Holz in den Schoß und sieht nun doch wieder zu Jan. "Ich werde Großvater und das macht mir Angst, weil ich schon als Vater versagt habe. Es fühlt sich an, als hätte ich in allen Bereichen versagt...als Ehemann, als Vater, als Arbeitskraft, als ..Freund. Wo soll ich die positiven Gedanken her nehmen? " Er knetet das Schleifpapier in den Händen und überlegt. "Wo nimmst du die Kraft her? Bist du gläubig?"



Jan schüttelt den Kopf ohne aufzusehen, stockt und macht eine wage Bewegung. „Ja naja, nicht im herkömmlichen Sinn denk ich.“ erklärt er, „Ich glaube, dass es etwas gibt was dafür sorgt, dass die Dinge so laufen wie sies tun. Sowas wie ein vorbestimmter Weg… weiss nicht… ist schwer zu erklären… einfach damit nichts sinnlos ist…“ endet Jan. „Jedenfalls heisst das für mich zum Beispiel…“ der Jüngere überlegt, „Wäre Paula nicht gestorben… wäre ich nicht hier. Ich würde wahrscheinlich immer noch mit den gleichen Leuten rumhängen und scheisse bauen… und ich würde nicht hier sitzen und mit dir darüber reden. Wer weiss wann das mal nützlich ist.“ Jan schaut halb auf und versucht ein Lächeln. Er hat sich sehr gesteigert was positive Gedanken angehen und es fällt ihm bei sich selbst langsam etwas leichter, aber bei anderen noch mehr. „Ein Kind ist doch perfekt.“ sagt er, „Es ist ein Neuanfang, eine Chance zu zeigen wie du sein willst, nein… wie du bist. Und das wird auch deiner Familie beweisen das dus ehrlich meinst.“ Wenn du durchhältst. Denkt der negative Teil in Jan, sagt aber, „Wenn du weisst was du alles falsch gemacht und jetzt anders machen willst.“



Wieder ein junger Mensch der weit reflektierter mit ihm spricht, als Bertl es sich selber zutraut. Das erinnert ihn an Stephen und schnürt ihm die Kehle zu. Ein vorbestimmter Weg? Etwas, dass dafür sorgt, dass die Dinge so laufen wie sie es tun? Seit der Reise in die Parallelwelt ist das ein Gedanke, der ihn umtreibt. Es ist sicher nicht ohne Grund passiert und seine Pflicht ist es, daraus zu lernen und dafür zu sorgen, dass das Leben einen anderen Verlauf nimmt. Plötzlich durchfährt es Bertl siedendheiß. Was, wenn Adrian in der Zukunft nicht die ganze Wahrheit gesagt hat, weil er für ihn ein Fremder war. Es ist möglich, dass er irgendwie von der Sache mit Stephen Wind bekommen hat. Gab es Stephen dort? Warum nicht...Zwiesel war ja auch da. Während er denkt, formt sich immer mehr die klare Überzeugung, dass es so gewesen sein muss. 'Für mich ist er gestorben' hatte Adrian über ihn, seinen Vater, gesagt. Natürlich. Das kann nicht nur wegen Alkohol und den Aliens so gekommen sein...er hat irgendwie von der Sache mit seinem Kumpel erfahren. Unwillkürlich ballt sich seine Hand zur Faust und zerknüllt das Schleifpapier. Was bedeutet das? Marga würde ihrem Sohn gegenüber keine Silbe davon erwähnen...also bleibt nur Einer übrig. Stephen. Er hat's ihm erzählt. Das gilt es im Hier und Jetzt also um jeden Preis zu verhindern. Bertl sieht auf. "Vielleicht hast du Recht, Jan. Die Dinge passieren nicht ohne Grund und wir müssen alle Chancen nutzen. Ich weiß was ich falsch gemacht habe, aber ich hab noch einen langen Weg vor mir." Er zeigt auf das Holz. "Das Kinderbett ist der erste praktische Schritt auf diesem steinigen Pfad."



(in Zusammenarbeit mit @simscat2)


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22.12.2023 14:22 (zuletzt bearbeitet: 22.12.2023 14:23)
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<<< Stephen Schmitt kommt von Mt. Komorebi <<<

Charaktere: Stephen / Tanyl
Geschichtsstrang: Morgen danach




Mit einem ohrenbetäubenden Quietschen löst sich der Deckel der Mülltonne, während sich zittrige Fingerspitzen an der Kante festkrallen. Aus der Finsternis taucht Stephs abgekämpfter, zerknautschter Kopf auf, von wirrem Haar umrahmt, während er sich mit mühsamer Beharrlichkeit aus der Enge emporhangelt. Sein Gesicht trägt die Spuren endloser, skurriler Eskapaden, während der sanfte Morgentau die Umgebung in eine kühle Stille hüllt. Die nächtlichen Geräusche verblassen langsam, und das leise Zwitschern der Vögel mischt sich mit dem fernen Rauschen des nahenden Verkehrs. Er hangelt sich unbeholfen heraus, fällt auf den harten Beton und rappelt sich wieder auf.



Im Bus, auf dem Weg nach Windenburg, sitzt er allein, mit leerem Gesichtsausdruck und heruntergesackten Schultern, in einer Sitzreihe. Vor und hinter ihm sitzt ebenfalls niemand. Um in herum ist eine Blase leerer Sitze, obwohl der Bus rappelvoll ist. Sie alle halten abstand und drängen sich vor und hinter ihm zurück.
5 Stationen bevor er aussteigen muss, fällt dem Busfahrer auf was da hinten los ist und setzt den, nach Abfall stinkenden Stephen auf die Strasse.
Er wehrt sich nicht, sondern setzt sich einfach Schritt für Schritt in die Richtung in Bewegung, in die der Bus dröhnend weiter rauscht. Die Gesichter die ihn durch die Scheiben anstarren, kümmern ihn nicht.



In der neuen Wege Klinik, trottet er auf die Treppe zu und erkennt Tanyl hinter dem Empfang. Steph versucht ihn nicht zu beachten, da ihm auffällt, das er zwei Meter bevor er Tanyl erreicht, körperlich auf ihn reagiert. Höfflich wie er ist, sagt er nichts, doch er kann sehen dass dem Betreuer Fragen auf der Zunge brennen. Um ihn abzuwimmeln, geht Stephen mit den Worten, „Schon klar... Ich geh duschen“ einfach weiter.






Zwei Tage Später

„Stephen. Hier ist dein Ergebnis.“ Tanyl setzt sich ihm gegenüber und faltet die Hände.
Steph nimmt den Wisch und überfliegt ihn. Dann verengen sich seine Augen. „Das sind nicht meine.“ sagt er und lässt den Zettel fallen.
Tanyl sieht ihn einfach nur musternd an und Stephen reagiert, „Das kann nicht stimmen. Ich hab nichts genommen.“
„Der Test hat eindeutig Methylendioxyamphetamin bei dir nachgewiesen, Stephen.“
„Aber das stimmt nicht! Ich war auf dieser Party, und ich hab nichts geschluckt. Ehrlich!“



„Du hast auch Alkohol getrunken.“
stellt Tanyl fest.
Steph schliesst den Mund. „N-nein, hab ich nicht.“
Tanyl hebt eine Braue.
„Man ich schwörs, ich hab doch diese…“ er tastet in seiner Tasche nach dem 60er Chip, „Mann wo ist das Ding…?“ Stephen hört auf zu wühlen und legt die tätowierten Hände wieder auf den Tisch als ihm etwas einzufallen scheint. „Okay, ich hatte einen Drink. Und nen Shot. Aber das wars! Im ernst Tanyl, ich hab kein…“ er schaut auf den Zettel, „MDMA gefressen.“
„Du hast unterzeichnet, dich auch vom Alkohol fern zu halten.“



„Ja ich weiss…“
Steph lehnt sich wie ein trauriger Kartoffelsack zurück.
„Du hast damit gegen deine Auflagen verstossen. Herr Prather ist schon informiert und wird sich mit dem Richter austauschen.“ Tanyls Stimme ist sachlich.
Besorgt sieht Steph ihn an, „Das mit dem Alk, okay. Aber ich hab nichts eingeworfen,“ er lehnt sich mit zusammen gelegten Händen über den Tisch, „Mann bitte, glaub mir.“
„Das ist bei deiner Vorgeschichte nicht einfach, Stephen.“
„Das muss mir wer in den Drink getan haben oder so, bitte, Tanyl, ich sag die Wahrheit.“




Tanyl schweigt. Er kann erkennen, dass Stephen angst vor den Konsequenzen hat. „Stephen, du hast dich selbst eingewiesen und du hast mit Herr Prather ausgehandelt, dass deine Bewährungsstrafe verkürzt wird, wenn du dich hier anstrengst. Der Richter hat dir unter anderem nur deshalb geglaubt. Weil du diesen Schritt von dir aus gemacht hast. Ich rate dir ehrlich zu sein, wenn sie dich danach fragen.“



„Ich BIN ehrlich, verdammt!“
„Das entscheide nicht ich. Tut mir Leid.“
sagt Tanyl. Er wirkt so enttäuscht, wie damals im Krankenhaus, als er ihn und Lyn wegen der Muskatnussexpedition besucht hat. Dann steht er auf und lässt den Patienten zurück. Stephen atmet schwer aus und stützt die Stirn in die Handfläche. „Scheisse…“ flüstert er, schielt zum Papier und schüttelt den Kopf.


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29.08.2024 09:09 (zuletzt bearbeitet: 31.08.2024 12:31)
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Charaktere: Stephen / Ramiro
Geschichtsstrang: Alles kommt zusammen


Steph sitzt in der kleinen, kargen Gemeinschaftslounge der Klinik, sein Kopf hängt tief zwischen den Schultern, während er gedankenverloren auf den abgenutzten Tisch starrt. In seiner Hand hält er eine Zigarette, aber sie bleibt unangezündet, als wäre selbst der Gedanke ans Rauchen zu anstrengend. Er fühlt sich ausgelaugt, als hätte das Leben ihm den letzten Rest Energie geklaut. Er hatte sich schon gedacht, dass dieser Mist noch nicht vorbei ist, aber so? Der Brief kam heute Morgen, und Steph hatte ihn nur halbherzig geöffnet, nicht ahnend, dass sein Inhalt ihm den Boden unter den Füßen wegziehen würde. Eine Anzeige von Lyn. Verdammt nochmal, Lyn.



Steph nimmt den Brief in die Hand, starrt auf die Worte, die ihm noch immer unwirklich erscheinen. „Sexuelle Belästigung.“ Was zur Hölle soll er jetzt machen? Wie soll er sich aus diese Scheisse wieder rausholen?

Plötzlich öffnet sich die Tür, und Prather tritt ein. In seiner Hand hält er einen weiteren Umschlag – den Testbericht, den Steph nur allzu gut kennt. Sein Blick fällt sofort auf den Brief in Stephens Hand. „Stephen,“ sagt Prather ruhig, als er sich setzt, den Umschlag auf den Tisch legend. „Ich habe deinen Testbericht und den Brief gelesen.“ Er deutet auf das zerknüllte Stück Papier vor Steph. „Das hier ist ein ernstes Problem. Wir haben schon darüber gesprochen, was passieren könnte, wenn diese Anzeige kommt,“ fährt Prather fort. „Und nun ist sie da. Gott hat uns manchmal Wege vorgelegt, die schwer zu beschreiten sind, aber es liegt an uns, wie wir darauf reagieren.“
„Sie lügt, verdammt nochmal!“
schnauzt Steph. „Die spinnt komplett!“



Prather bleibt still, sein Gesichtsausdruck unbewegt, aber die Anspannung ist deutlich. Er faltet die Hände und sieht Stephen an. „Ob sie lügt oder nicht, Stephen, das ist jetzt nicht das Entscheidende. Die Anzeige ist da, und das bedeutet, dass die Justiz nun ihre Schritte einleiten wird. Du bist kein Neuling in diesen Dingen, du weißt, was das bedeutet.“
„Verdammte Scheisse!“ Stephens Stimme ist laut, aber Prathers bleibt ruhig.. „Sie macht mich fertig, Mann. Ich hab schon genug am Hals! Und jetzt das? Alle sind gegen mich, obwohl ich nichts gemacht hab!“
„Nichts gemacht?“ Prathers Stimme wird fester, als er Stephens Worte zurückwirft. „Du hast Alkohol getrunken, Stephen. Du hattest MDMA im Blut. Ob du es wusstest oder nicht, das spielt jetzt keine Rolle mehr. Die Fakten stehen gegen dich. Du weißt das.“
Steph lehnt sich zurück, seine Fäuste geballt. „Ich hab doch gesagt, dass mir das Zeug untergejubelt wurde, Mann!“
Prather sieht ihn scharf an, sein Blick wie ein prüfender Scan, der keine Ausflüchte zulässt. „Du bist auf Bewährung, und das bedeutet, dass solche Anschuldigungen nicht einfach ignoriert werden können. Egal, ob sie wahr sind oder nicht.“



Steph öffnet den Mund, doch Prather lässt ihn nicht zu Wort kommen. „Du hast mit dem Muskatnuss-Vorfall und dem Alkohol schon gegen deine Auflagen verstoßen, Stephen. Beweise werden wichtig sein und ich denke Lyndseys Anklage wird nicht bestehen, aber...“ sagt Prather, „aber bis dahin musst du dich an die Regeln halten. Das bedeutet, keinen Kontakt zu Lyn, keine weiteren Vorfälle. Und Stephen…“ Er lehnt sich vor, seine Stimme wird eindringlicher. „Du musst die Wahrheit sagen, wenn du gefragt wirst. Jede Lüge, jeder Versuch, die Tatsachen zu verdrehen, wird gegen dich verwendet.“ sagt Ramiro, als wüsste er, dass Stephen vor hat die Tatsachen schönzureden.
Steph senkt den Blick, seine Wut verwandelt sich in Verzweiflung. „Alles fällt auseinander, und ich weiß nicht mal wieso..“
Prather atmet tief durch, doch die Enttäuschung ist spürbar. „Stephen, es gibt einen Weg durch diese Dunkelheit, aber es wird nicht leicht. Der Herr prüft uns manchmal mit Feuer, um unser wahres Ich zu zeigen. Du hattest hier eine Chance, ein Licht zu finden, und jetzt hast du es fast ausgelöscht.“
Stephs Atem stockt. Er hatte gehofft, dass Prather ihm einen Ausweg zeigen könnte, doch er sieht jetzt nur noch die harten Konsequenzen. „...Was passiert jetz?“ fragt er schließlich, seine Stimme leiser.



Prather seufzt tief und lehnt sich vor. „Das erste, was passieren wird, ist, dass der Richter über die Anzeige informiert wird. Und er wird das ernst nehmen, Stephen. Du wirst vorgeladen, und es wird eine Anhörung geben. Und ja, die Anzeige von Lyndsey wird dabei genauso ins Gewicht fallen wie dein positives Testergebnis.“
Stephs Augen weiten sich. „Eine Anhörung?“
„Das Risiko ist hoch, dass deine Bewährungsstrafe widerrufen wird. Du könntest zurück ins Gefängnis gehen.“ sagt Prather ruhig, aber bestimmt.
„Aber ich hab nicht...“ Stephs Stimme bricht ab. Wie oft soll er es noch wiederholen?
„Das mag sein,“ sagt Prather und lehnt sich zurück. „Aber du weißt auch, dass du dich mit den falschen Leuten eingelassen hast. Du wusstest, dass du auf Bewährung bist, du wusstest, dass jeder Schritt, den du machst, unter Beobachtung steht. Und dennoch hast du dich in eine Situation gebracht, die dir jetzt das Genick brechen könnte. Du hast selbst entschieden, in diese Klinik zu gehen, um dein Leben in den Griff zu bekommen. Aber du benimmst dich, als ob du machen kannst was du willst. Als ob du unantastbar bist. Und das bist du nicht.“



Steph schüttelt den Kopf, seine Hände verkrampfen sich um den Brief. „Scheiße...“ flüstert er. "Ich weiß, das war alles beschissen. Aber es ist so scheiss unfair."
Prather sieht ihn ernst an. „Jetzt hast du nur noch eine Wahl, Stephen. Du musst darüber nachdenken, wie du dein Leben weiterführen willst. Diese Spielereien – sie führen dich direkt zurück in die Hölle, aus der du versuchst herauszukommen.“
Steph sitzt da, schweigend, während Prather ihn ansieht, die Stille schwer und unerträglich. Schließlich nickt Steph langsam. „Ich versuch es nicht wieder zu verkacken,“ murmelt er.



„Dann fang an, gewissenhafter zu leben,“ sagt Prather ruhig, erhebt sich und geht zur Tür. „Zu bereuen ist simlisch und Gott wird das zu deinen Gunsten in die Waagschale legen wenn du ehrliche Reue empfindest. Und wenn nicht hier, dann am Tag des jüngsten Gerichts, das ist die wahre Gerechtigkeit. Die von Gott. Gott segne dich, mein Sohn..“
Mit diesen Worten verlässt Prather den Raum, und Steph bleibt allein zurück, starrt auf den verdammten Brief in seiner Hand, der sein Schicksal besiegeln könnte.

>>> Steph geht nach Willow Creek Nr. 2 - Gerichtsgebäude (2) >>>


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29.08.2024 12:28 (zuletzt bearbeitet: 05.09.2024 01:04)
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<<< Stephen Schmitt kommt von Willow Creek Nr. 2 - Gerichtsgebäude (2) <<<

Charaktere: Stephen
Geschichtsstrang: 3 Wochen Später




Steph versucht, seinen Atem zu kontrollieren, sich auf das Ein- und Ausatmen zu konzentrieren. Jan, der Typ aus der Klinik, hat ihm gesagt, dass Meditation ihm helfen würde, sich zu konzentrieren, klarzukommen – aber stattdessen treiben ihn alte Erinnerungen an den Rand des Wahnsinns. Dann muss er ständig daran denken, dass er sich keine Fehltritte mehr erlauben darf. Er hat Angst vor dem Knast. Panische, gottverdammte Angst. Er tut die Zeit dort vor Freunden immer ab, aber es ist nicht so leicht zu vergessen wie scheiße es sich anfühlt allein eingesperrt zu sein, umringt von Typen die ihn fertig machen, weil er ein leichtes, dürres Ziel ist. Dabei kennt er das aus der kurzen Schulzeit schon. Die meisten hielten ihn für einen Spinner der nur Blödsinn macht. Im Gefängnis fand er nicht einen Freund, obwohl er sich sonst leicht verbinden kann, wenn er will. Wie Damlas, als er Sully im Bus ansprach und der ihm darauf zusammen mit Adi in den Abgrund gefolgt war...



Er sitzt in seinem Zimmer auf dem Boden, neben ihm ein Buch von einem Kerl namens Andy Puddicombe. Der Autor war irgendwann mal ein Mönch gewesen und verbreitet jetzt seine Meditationstechniken.
Er zieht tief Luft ein, zählt dabei bis vier, hält den Atem an, so wie’s im Buch steht, und lässt die Luft dann langsam wieder raus. Aber diese verdammte Ruhe, die er sucht, bleibt aus. Stattdessen kommen die Bilder, drängen sich auf, weil sie nicht verschwinden wollen, egal wie oft er versucht, sie weg zu meditieren.
Er war 15, als seine Mutter ihn rausgeschmissen hat. Ein verdammtes Kind, das von einem Tag auf den anderen auf der Straße leben musste. Keine Schule mehr, keine Regeln, nur die Straße, die ihn verschlungen hat. Damals dachte er, er hätte alles verloren, aber dann traf er diese Leute in San Sequoia. Sie zeigten ihm, wie man all das Scheißgefühl mit richtig geilem Zeug vergessen konnte. Er weiß kaum noch, wie die Tage und Nächte damals abliefen – nur verschwommene Gesichter.
Es war ein reines Überleben, ohne Plan. Und jetzt, wenn er daran denkt, wird ihm schlecht. Was, wenn er damals mehr Mist gebaut hat, als er sich eingestehen will? Ohne es zu merken?



Und dann ist da Lyn. Er hat keine Ahnung, wie sie in dieses Bild passt, aber das macht die Sache nur noch schlimmer. Was, wenn sie einfach eine weitere Konsequenz seiner Dummheit ist? Eine weitere Erinnerung, die ihm jetzt auf den Kopf fällt, weil er zu high war, um es damals zu begreifen?
Stephs Hände zittern, er ballt die Fäuste. Er hat keine Kontrolle mehr. Nicht damals, nicht jetzt. Die Meditation sollte ihm helfen, aber stattdessen bringt sie all das hoch, was er so lange verdrängt hat.
„Fuck,“ flüstert er in die Stille, seine Stimme kaum mehr als ein Krächzen.
Er öffnet die Augen, lehnt sich an die Wand seines Zimmers und nimmt das Buch. Er blättert eine Seite um, überfliegt die Wörter. „Beobachte die Gedanken, lass sie kommen und gehen“ Die simplen Sätze wirken lächerlich, aber da ist was dran. Vielleicht ist es die Art, wie Andy das rüberbringt, als hätte er den ganzen Scheiß selbst durchgemacht. Und vielleicht hat er das ja auch. Steph schnaubt leise. Wer hätte gedacht, dass er mal in einem Buch nach Antworten suchen würde? Was soll er auch sonst tun? Sich weiter im Kreis drehen, bis er wieder ganz unten landet?


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31.08.2024 12:18
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Charaktere: Stephen / Lyn
Geschichtsstrang: Lyns Problem


Steph sitzt auf dem Bettrand, seine Hände in den Taschen, während er durch die offene Zimmertür auf den Flur starrt. Das Summen der Leuchtstoffröhren nervt ihn. Alles hier nervt ihn. Aber er weiß, dass er keinen Mist bauen darf. Die Angst vor dem Knast sitzt ihm im Nacken. Er schnauft, zieht die Schultern hoch, lässt sie wieder fallen. Fuck, er hat keinen Bock, mit Lyn zu reden, aber diese Ungewissheit frisst ihn auf. Was zur Hölle ist damals passiert? Das macht ihn irre.



Mit einem schnellen Ruck steht er auf. Scheiß drauf, er will wissen, was Sache ist. Er geht den Flur entlang, auf Lyns Zimmer zu. Als er vor ihrer Tür steht, hält er kurz inne und atmet tief durch. Shit, warum macht ihn das nervös? Er klopft nicht mal, drückt einfach die Klinke runter und tritt ein.
Sie liegt auf dem Bett, die Beine angewinkelt, ein Buch in der Hand. Die andere Hand über der Hose zwischen den Beinen. Als sie Steph sieht, hebt sie nur eine Augenbraue und lässt das Buch sinken. Ihr Gesichtsausdruck bleibt neutral, fast gelangweilt.
„Kannst du nicht klopfen? Was willst du?“ Ihre Stimme kühl.
„Reden“, sagt er knapp und ignoriert, dass er sie möglicherweise bei etwas gestört hat.



Lyn blickt ihn an, ihre Augen sind kalt, aber da ist auch etwas Tieferes, Dunkleres, das kurz aufblitzt, bevor sie es wieder unterdrückt. „Es gibt nichts zu reden“, sagt sie abweisend und legt das Buch ganz weg. Sie schwingt die Beine vom Bett und steht auf.
„Doch, verdammt, das gibt es. Du sagts, dass ich dir irgendwas angetan hätte. Du hast mich angezeigt, hast mir Scheiße eingebrockt. Jetzt darf ich noch ein verficktes Jahr hier hocken. Was ist dein Problem, Lyn?“
Ihre Miene verzieht sich, ihre Lippen pressen sich zu einer dünnen Linie zusammen. „Was damals passiert ist?“, fragt sie leise.



Er spürt, wie ihm die Hitze ins Gesicht steigt, aber er hält ihren Blick fest. „Wenn ich's wüsste, müsste ich nicht fragen. Also, spuck's aus.“ Er mag keine Rätsel, und schon gar nicht welche, bei denen er der Depp ist, der die Lösung nicht checkt.
Lyn lacht, aber es ist kein fröhliches Lachen. Es klingt eher wie das Kichern eines Wahnsinnigen. Sie geht auf ihn zu, ihre Bewegungen bedacht, ihre Augen funkeln und bohren sich in seine, als würde sie in seinem Kopf nach Antworten suchen. „Die Nacht vor drei Jahren..“
Stephs Stirn legt sich in Falten. „Ich hab keine Ahnung, wovon du redest.“



„Das hab ich gemerkt!“
, zischte Lyn, ihre Stimme plötzlich voller Gift. „Weil du zu high warst, um dich an irgendwas zu erinnern. Und während du deine dreckigen Finger überall hattest, hab ich das für dich ausgebadet. Du warst alles für mich, ich wollte dir helfen. Du hast mir gesagt, dass du für mich da sein würdest, dass wir zusammen durch die Scheiße gehen würden. Und dann treff ich dich hier wieder und du kennst mich nicht mehr? Weißt du wie weh das getan hat?“
Stephs Herz setzt einen Schlag aus. „Was?“ Seine Stimme ist jetzt leiser, unsicherer.



„Du hast mich einfach in der Scheiße sitzen lassen, Stephen.“ Lyns Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern. „Du hast mich reingeritten, und dann hast du dich einfach verpisst, als ob ich nichts wert bin.“
Stephs Augenbrauen zucken leicht. Es erschließt sich ihm nicht was sie meint. Für einen Moment ist er sprachlos, doch dann spürt er, wie das Blut in seinen Adern zu kochen beginnt. Sie lässt ihn im Dunkeln tappen und das kann er nicht leiden. Ales was er versteht ist, dass sie ihm die Schuld für irgend eine dummes Erlebnis auf der Straße gibt.



Er knirscht mit den Zähnen, und bevor er es richtig realisiert, hat er bereits einen Schritt nach vorn gemacht, sodass er jetzt direkt vor ihr steht. Seine Augen funkeln gefährlich, und ein bitteres Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. „Ach ja? Du gibst mir die Schuld für dein verkacktes Leben?“ Er lacht kalt. „Newsflash, Süße: Auf der Straße gibt es keine Regeln. Was auch immer ich dir angeblich angetan hab, du übertreibst!“
Lyns Augen verengen sich, und ihre Hände ballen sich zu Fäusten. „Du bist ein Mistkerl, Stephen“, zischt sie, aber ihre Stimme wackelt leicht.



Er zuckt mit den Schultern. „Vielleicht bin ich das“, gibt er zurück, „aber ich geb's wenigstens zu."
Sie hebt eine Hand, als wollte sie ihn schlagen, doch sie lässt sie wieder sinken. „Wenn du wüsstest, was du mir angetan hast...“, sagt sie leise, ihre Stimme zittert vor aufgestautem Schmerz, aber sie spricht nicht weiter als wäre es egal.
Sie will über damals reden? Bitte! „Ich hab niemanden gehabt, der sich um mich gekümmert hat. Ich war auf mich allein gestellt, und das hat mich zu dem gemacht, der ich bin.“
Er tritt einen Schritt zurück, fährt sich durch die Haare, die jetzt wirr über seine Stirn hängen. „Aber scheiß drauf, Lyn. Glaub, was du willst. Ich bin nicht hier, um um deine beschissene Vergebung zu betteln.“



„Du hast mich kaputtgemacht, Stephen. Und du hast es nicht mal gemerkt.“
Während sie spricht geht sie auf angriff über und drängt sie ihn zur offenen Tür hinaus.
Steph schüttelt verständnislos den Kopf beim rückwärst gehen. „Du redest, als hätte ich irgendwas geplant! Als hätte ich ne verdammte Liste geführt: ‘Heute fick ich Lyns Leben!’. Scheiße, ich war im Arsch damals, okay?“
Sie hält seinem Blick stand, aber da ist etwas in ihren Augen, das ihn noch mehr auf die Palme bringt.
„Deswegen wollte ich dir helfen, aber du hast mich zerstört. Ich will, dass du dafür bezahlst.“ sagt sie.
„Ach, verpiss dich mit deinem Scheiß!“ Seine Stimme ist jetzt ein donnerndes Gebrüll, das durch den Flur hallt. „Du hast keine Ahnung, wie es war, auf der Straße zu leben!“
Lyns holt tief Luft, als wolle sie ihn anschreien, aber sie sagt nichts. Stattdessen schießt sie ihm einen Blick zu – voller Hass, voller Verachtung.



Steph spürt, wie seine Kontrolle schwindet, wie die Wut die Oberhand gewinnt. „Du heulst rum nur weil du damals den Kürzeren gezogen hast? Scheiße, Lyn, du weißt gar nicht, wie verdammt gut du es im Vergleich hattest! Ich hab mich durch den Scheiß durchgekämpft, ohne auch nur eine verfickte Ahnung, wie ich den nächsten Tag überleben soll!“ Er packt sie unbedacht am Arm, seine Finger bohren sich in ihre Haut, während er sie näher zu sich zieht, bis ihre Gesichter nur noch Zentimeter voneinander entfernt sind. „Sag mir, was so schlimm war, dass du mir das Leben zur Hölle machst!“



Lyns Augen füllen sich mit Tränen, aber sie hält sie zurück, starrt ihn mit einem stählernen Blick an. „Ich bereue es, dass ich dich nicht härter getroffen habe. Ich bereue es, dass du immer noch hier stehst und auf mich spucken kannst.“ sie reißt sich los und tritt zurück.
Steph lässt sich davon nicht beeindrucken, im Gegenteil. Sie weicht ständig nur aus. Bei allem! Seit er sie kennt! Als wäre sie nicht in der Lage einfach Klartext zu reden. „Weißt du, was ich mich frage?“ Seine Stimme spöttisch. „Ob du überhaupt noch weißt, was wirklich passiert ist, oder ob du dir das alles in deinem kleinen, kaputten Kopf zusammenfantasierst.“ sagt er und tippt ihr gegen die Stirn.



Lyndsey zuckt nicht mal. Sie mustert ihn mit einem Blick, der ihn frösteln lassen sollte, aber Steph lacht einfach nur. „Was ist? Hab ich recht? Du bist einfach nur eine Irre. Du lügst rum, weil dir dabei einer abgeht, stimmts?“
Ihr Kiefer spannt sich an. Sie dreht sich abrupt um, marschiert in ihr Zimmer. Die Tür schlägt laut ins Schloss und kurz drauf dreht sich der Schlüssel. Er bleibt stehen, seine Hände ballen sich zu Fäusten. „Ah, komm schon, hau nicht einfach ab!“ ruft er gegen die geschlossene Tür. Die Wut kocht in ihm hoch. Er hämmert mit der Faust gegen die Tür, seine Stimme ist jetzt laut. „Öffne die verdammte Tür, Lyn! Komm raus und sag mir ins Gesicht, was dein verficktes Problem ist!“



Er ist voll in Fahrt, seine Gedanken rasen, während er noch mal hart gegen Lyns Tür donnert. „Feige Sau!“, brüllt er, doch die Tür bleibt fest verschlossen, unbeeindruckt von seiner Wut. Seine Hände zittern vor Zorn, der in ihm brodelt, heiß und unerbittlich. Er ist sich unsicher was damals betrifft. Ihm ist bewusst, dass er viel Mist gebaut hat und das er sich an vieles nur schwer erinnern kann. Aber sie könnte es ihm auch einfach sagen, damit er entscheiden kann ob es für ihn damals nötig war. Und vieles von dem Scheiß früher, WAR nötig. Er könnte sich rechtfertigen, wenn er wüsste was los war. Und wenn sie es verstehen würde, dann müsste sie nicht mehr so eine irre Bitch zu ihm sein. Oder er entschuldigt sich halt. Aber nicht so lange er nicht weiß was war.

Er lehnt sich schwer gegen die Tür, seine Stirn drückt er dagegen, seine Atmung ist schwer und unregelmäßig. „Scheiße...“, murmelt er, als die Wut langsam in ihm abklingt, nur um Platz für etwas anderes zu machen – ein bitteres Gefühl von Niederlage. Was war das für eine Unterhaltung..? Er hat es satt sich im Kreis zu drehen.


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03.09.2024 17:41 (zuletzt bearbeitet: 05.09.2024 19:25)
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Charaktere: (Stephen) / Lyn
Geschichtsstrang: Lyns Problem II


Lyn sitzt auf dem Bett, die Hände umklammern das Buch. Sie erinnert sich an den Tag, an dem sie Steph zum ersten Mal sah.



Sie saß auf dem Rücksitz des Wagens ihrer Eltern, ihr Kopf lehnte gegen das kühle Glas des Fensters. Sie hatte den Blick auf die vorbeiziehenden Straßen gerichtet, aber ihre Gedanken waren weit entfernt, irgendwo zwischen Langeweile und dem stillen Wunsch, der Monotonie ihres Lebens zu entfliehen.

Dann sah sie ihn.

Er saß auf einer alten Steinmauer, seine Augen müde, sein Blick leer, als ob er von der ganzen Welt enttäuscht war. Es war nicht die Art von Blick, die man leicht vergisst, und irgendwie fühlte sie sich damals sofort zu ihm hingezogen. Seine Haare fielen ihm wirr ins Gesicht, und seine Hände hingen schlaff über seinen Knien.



Der Wagen rollte langsam an ihm vorbei, und für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Sie wusste sofort, dass sie nicht einfach weiterfahren konnte. Dieser Junge, dieser Fremde, der auf der Mauer saß, war wie ein Spiegel, der einen Teil von ihr zeigte und sie musste mit ihm sprechen. Als das Auto schließlich an einer roten Ampel zum Stehen kam, öffnete Lyn die Tür, ohne ein Wort zu sagen, und stieg aus. Die überraschten Rufe ihrer Eltern hörte sie kaum, ihre Aufmerksamkeit war nur auf ihn gerichtet.



Mit zögerlichen Schritten ging sie auf ihn zu, ihre Füße führten sie fast wie von selbst zu ihm. Ihr Herz klopfte schnell, aber sie fühlte sich von einer unbestimmten Kraft angezogen, als ob es ihr Schicksal war, genau in diesem Moment bei ihm zu sein. Als sie vor ihm stand, hob er den Kopf, und ihre Augen trafen sich erneut. Er musterte sie, seine Miene ausdruckslos.
„Hi“, sagte Lyn, ihre Stimme zitterte leicht. „Ich… ich hab dich gerade gesehen und… na ja, ich dachte, ich sag einfach mal Hallo.“



Er schwieg einen Moment, als ob er überlegen müsste, ob er überhaupt antworten wollte. Schließlich zuckte er mit den Schultern und murmelte: „Hi.“
Sie wusste nicht genau, was sie erwartet hatte, aber die Tatsache, dass er überhaupt antwortete, war genug.



„Ich bin Lyn“, stellte sie sich vor und setzte sich neben ihn auf die Mauer. Es war ihr egal, dass ihre Eltern sie wahrscheinlich suchen würden, dass sie einen Aufstand machen würden. Im Moment zählte nur dieser Junge, der irgendwie das Gefühl in ihr weckte, dass er sie brauchte.



„Steph“, sagte er knapp, ohne sie anzusehen. Er hatte immer noch diesen müden, distanzierten Blick, als wäre er hier, aber gleichzeitig ganz woanders.
Sie sprachen nicht viel an diesem ersten Tag. Sie saßen nur da, Seite an Seite, während die Stadt um sie herum summte. Obwohl sie ihn kaum kannte, fühlte sie sich sicher bei ihm, als hätte sie endlich jemanden gefunden, der das selbe fühlte wie sie.



Einige Zeit später kam die Nacht, die alles veränderte.

Die Nacht war düster und klamm, die feuchte Kälte schlich sich durch ihre Kleidung, während sie in der alten, verlassenen Fabrikhalle standen, wo Steph und seine „Freunde“ oft herumhingen. Die kaputten Fenster ließen kaum Licht herein, aber der schwache Schein einer Straßenlaterne draußen reichte aus, um die Umrisse der Junkies zu erkennen, die sich im Raum verteilten. Einige lagen apathisch auf dem Boden, andere lehnten sich gegen die bröckelnden Wände, während der Geruch von Rauch und Schweiß in der Luft hing.



Steph war high, das wusste sie, aber es störte sie nicht. - Nicht bewusst. Sie mochte ihn, so wie er war, obwohl sie ihm helfen wollte. Seine Augen waren glasig, sein Atem schwer und er lachte leise über etwas, das nur in seinem Kopf Sinn ergab. Lyn spürte, seinen Arm, der um ihre Schultern gelegt war, und sie lächelte.
Lyn legte ihre Hände auf seine Brust und blickte in seine Augen, die fast schwarz erschienen. „Du siehst müde aus“, murmelte sie, ihre Stimme sanft, aber besorgt. Er antwortete nicht, sondern beugt sich vor.



Sie küssten sich, erst vorsichtig, dann leidenschaftlicher. Seine Hände waren warm auf ihrer Haut. Er schmeckte nach Rauch und etwas Bitterem, aber sie kümmerte sich nicht darum. Sie spürte die Hitze, die durch ihren Körper zog und verlor sich in ihm, in dem Gefühl, dass sie beide hier und jetzt die einzigen Sims auf der Welt waren.

Dann kamen die Lichter – blendende, unnachgiebige Lichter, die durch die zersplitterten Fenster fielen und die Dunkelheit zerschnitten. Lyns Herz setzte einen Schlag aus, als sie die Straßenpatrouille erkannte. Steph wirkte plötzlich aufmerksamer. Er griff nach Lyns Arm und zog sie in eine Ecke, weg von den neugierigen Blicken der Beamten. „Lyn, du musst mir helfen“, flüsterte er, seine Worte drängend.



Er zitterte, als er in seine Tasche griff und ein kleines, in Papier gewickeltes Päckchen herauszog. „Nimm das. Wenn sie es bei mir finden, bin ich am Arsch. Versteck es, okay? Wenn was schiefgeht, ich schwör’s, ich hol dich raus.“



"Aber..."
"Bitte!"
Stephs Stimme wurde plötzlich eindringlich und hörte sich viel klarer an als man vermuten sollte. "Solang wir zusammen sind, kann uns keiner was, ok?"
Lyn zögerte, aber sein flehender Blick ließ ihr keine Wahl. Schließlich nickte sie, steckte das Päckchen in ihre Jackentasche und nahm seine Hand, als sie versuchten, unauffällig durch eine Seitentür zu entkommen.



Die beiden rannten durch die schmalen, düsteren Gassen von San Sequoia, ihre Schritte hallten auf dem nassen Pflaster wider. Steph stolperte immer wieder, doch Lyn hielt ihn aufrecht, zog ihn mit sich, versuchte, sie beide in Sicherheit zu bringen.
„Stopp!“, rief ein Polizist, der wie aus dem Nichts vor ihnen auftauchte, die grelle Taschenlampe auf sie gerichtet. Steph stockte, stieß sich von Lyn ab und bog in eine Nebengasse ab. Lyn folgte ihm, aber kurz darauf wurde sie hinter ihm gepackt. Steph lief weiter ohne sich umzusehen.
Sie spürte, wie ihre Tasche durchwühlt wurde, während sie die Gasse entlang der Silhouette nachstarrte die immer dunkler wurde, und dann das kalte, schwere Gefühl, als das Päckchen entdeckt wurde.
„Wir haben was“, sagte der Beamte. Die Handschellen klickten, und Lyn wurde in einen Streifenwagen geschoben, während Steph irgendwo in der Dunkelheit verschwand. In ihrer Erinnerung hallten seine Worte wider: „Ich hol dich raus“, doch das tat er nie.


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05.09.2024 18:52
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#18
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Charaktere: Stephen
Geschichtsstrang: Lyns Problem III


Steph sitzt auf dem Boden seines Zimmers, den Rücken an die Wand gelehnt. Seine Hände liegen schlaff auf den Knien, während er versucht, seinen Atem zu beruhigen. Er atmet tief ein, tief aus. Es fühlt sich nicht nach Ruhe an, eher wie ein Kampf. Gedanken drängen sich immer wieder in seinen Kopf, obwohl er sie versucht 'gehenzulassen'. Aber das klappt nicht. Alte Bilder tauchen auf, dann verschwinden sie wieder, und er muss sich zwingen, den Fokus auf das Hier und Jetzt zu halten. Doch dann kommt sie plötzlich.



Ihr Lächeln auf dem Sommerfestival letztes Jahr, vor dem er sich verschlossen hatte. Die Wärme in ihrem Blick, als sie ihn über Dinge gefragt hatte, über die er sonst nie sprach. Sie hatte ihn nicht direkt gedrängt. Es hatte sich anders angefühlt. Nicht wie eine erzwungene Beichte, sondern wie ein freies Eingeständnis, weil sie aufrichtig zugehört hatte. Er war überrascht gewesen, wie leicht ihm die Worte von den Lippen gingen, als sie ihn auf seine Vergangenheit angesprochen hatte.
„Nur weil jemand Mutter ist, heißt das nicht, dass sie gut ist,“ hatte er gesagt. Und dann hatte er einfach weitergeredet, über seine Mutter, über den Moment, als sie ihn mit 15 vor die Tür gesetzt hatte. Er hatte das Bild vor Augen, wie er mit seinen zwei läppischen Koffern da stand, der Schnee fiel leise, und er hatte nirgendwo hin gekonnt. Er lachte sogar, als er daran dachte, wie absurd es gewesen war, als er sie am nächsten Morgen gesehen hatte. Sie hatte ihm kein Frühstück gekauft. „Und dann stand ich da, mit meinen Koffern und ohne Frühstück. Musste noch zur Schule.“
Er hatte das alles erzählt, ohne zu zögern. Kein Problem. Vielleicht, weil sie... die Kleine von Adi... wie heisst sie.... Denize ihm irgendwie vertraut vorkam. Nicht nur wegen ihrer Fragen. Es war... etwas anderes.



Stephen schaut auf. Die Erinnerung trifft ihn plötzlich, wie ein Schlag in die Magengrube. Das Gefühl überwältigt ihn. Sein Herz beginnt schneller zu schlagen, als der Gedanke an Lyn sich in den Vordergrund drängt.
Es war nicht nur Denize gewesen, die ihn unbewusst dazu gebracht hatte, sich zu öffnen. Nein. Es war Lyn gewesen. Lyn, die vor Jahren den Weg zu seinen verschlossenen Gedanken geebnet hatte. Der selbe Gesichtsausdruck. Daher kam das Gefühl, dass Lyn ihm bekannt vor kam!

Er schließt die Augen wieder, atmet tief durch, versucht die Bilder klarer zu fassen. Es sind keine lebhaften Erinnerungen, eher Schatten, die verschwommen am Rande seiner Gedanken schweben. Lyns Blick hatte ihn irritiert. So viel Mitgefühl, wie er es lange nicht mehr erlebt hatte. Er hatte es nicht verstanden, warum sie sich für ihn interessierte. Aber irgendwie... fühlte es sich gut an.



Die Bilder verschwimmen erneut. Die Nächte mit ihr vermischen sich in seinem Kopf. Sie war oft da gewesen, wenn er sich mit seinen Freunden in den schmutzigen Ecken der Stadt traf. Sie hatte zugehört, ihn verstanden.

Und dann...

Sein Atem stockt, und er öffnet die Augen. Was genau war passiert? Er kann sich nicht erinnern. Alles davor ist verschwommen, und alles danach war… anders. Sie war einfach verschwunden. Er weiß nicht mehr wann und warum. Nur, dass sie plötzlich nicht mehr da war. Kein Abschied, nichts. Er hatte auch nie versucht, sie zu finden. Zu betäubt, zu verloren.

Steph reibt sich über die Stirn. Es gibt so viele Tage, so viele Nächte, an die er sich nicht erinnern kann. Zu oft war er richtig übel high gewesen. Aber jetzt… jetzt, wo Lyn wieder in seinem Leben ist, beginnt er sich zu fragen, wie er sie jemals vergessen konnte. Wie konnte er sie so einfach aus seinem Leben streichen, wenn sie ihm so gut getan hatte? Warum hat er sie nicht gesucht, wen sie so besonders war? Warum hatte er nie nachgefragt, nie versucht, herauszufinden, warum sie einfach weg war?
Er weiß warum. Weil es ihm egal war. Wahrscheinlich....



Frauen bedeuteten ihm nie etwas. Sie waren da, wenn er etwas brauchte. Nähe, Ablenkung, vielleicht auch nur Sex. Sie waren austauschbar. Wie verdammte Kippen, die er ausdrückte, wenn er fertig war.
Lyn war wahrscheinlich nichts anderes. Sie hatte ihm geholfen, ihn verstanden, ihm zugehört. Und er hatte sie weggeworfen, wie all die anderen. Wenn er so darüber nach denkt, stört ihn das jetzt. Vielleicht weil er mit ihr hier zusammenleben muss. Oder weil er glaubt, dass das total dumm war... jemanden wegwerfen der einem gut tut. Es sei denn es ist doch etwas vorgefallen was ihn dazu trieb...?
Dreck. Früher war das viel einfacher... Der nächste Schuss und gut. Das geht jetzt nicht mehr. Jetzt muss er darüber nachdenken. So ne Scheiße...

Der erste Tag, als er Lyn in der Klinik wieder gesehen hatte.



Tanyl hatte sie gebeten, sich vorzustellen. Lyn war abweisend geblieben. Keine Antwort, nur ein harter Blick. Erst nach einer Weile kam ihr Name heraus: „Lyn.“ Ihre Art, ihn anzusehen, ohne dass er verstand, warum. Jetzt fängt er an, die Puzzleteile zu sehen, aber sie fügen sich nicht zusammen. Sie behandelte ihn, als wäre er nur ein weiterer Idiot, den sie nicht ernst nehmen konnte. Wie sollte er wissen, dass an dem Gefühl etwas dran war?

Später, nach der Sache mit dem Muskatnuss, war es eskaliert. Sie hatte ihn beschuldigt, sie belästigt zu haben. Er hatte es abgestritten, hatte sich verteidigt. Und dann war der Satz gefallen...



„Du hast mich verpetzt, du Arschloch!“

und vor zwei Tagen sagte sie:

"Und während du deine dreckigen Finger überall hattest, hab ich das für dich ausgebadet..."

Steph blinzelt. Er dachte er meint die Aktion mit dem Muskatnusszeug als sie sagte sie habe ihn verpetzt. Schließlich hat er das auch. Aber es ist sowieso total seltsam, dass sie so auf diese sexuelle Belästigung beharrt. Dabei ist er sich zu 99% sicher, dass er nichts dergleichen getan hat. Ja okay, er war manchmal... oft ein Arschloch Frauen gegenüber aber wenn sie ihn abgewiesen haben, dann hat er es dabei belassen.
Aber jetzt, drängt sich etwas anderes auf. Ein Moment in der Sitzung, der ihm vorher entglitten war. Nach seinem Vorwurf - 'Nur weil er sie verpetzt habe und sie sei nicht ganz dicht' - hatte sie geschwiegen. Ihr Gesichtsausdruck...
Es war nicht normal. Das war der Moment, den er verpasst hatte. Hat er sie damals doch belästigt? Nein. Das wüsste er doch... oder?



Das Schweigen sagt ihm, dass es da mehr gibt. Etwas, das er nicht greifen kann. Ihr Schweigen ist jetzt lauter als jedes Wort.
Er steht auf, läuft im Raum auf und ab, sein Kopf voller Fragen. Was war diese Nacht? Was war geschehen, dass Lyn so reagiert? Dass sie ihm die Schuld gibt? Wieso kann er es nicht einfach dabei belassen? Warum kann es ihm nicht wieder egal sein? Fuck.



Er greift nach seinem Handy. Scrollt durch die alten Kontakte. Ein Name taucht auf. Nick war oft da gewesen. Einer von denen, die immer in der Nähe waren, wenn es dreckig wurde. Wenn die Nächte verschwommen waren und er nichts mehr mitbekam. Vielleicht weiss Nick, was damals passiert ist.
Sein Finger zittert, als er den Namen antippt. Soll er wirklich zurück in diesen Abgrund? Soll er wirklich herausfinden, was passiert ist?
Er tippt eine kurze Nachricht. Fragt nach Lyn. Dann legt er das Handy zur Seite. Jetzt bleibt nur das Warten.


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07.09.2024 21:37 (zuletzt bearbeitet: 14.09.2024 15:54)
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Charaktere: Stephen / Jan
Geschichtsstrang: Lyns Problem IV


Steph sitzt auf der Bank im Hinterhof und starrt auf die Kippe zwischen seinen Fingern. Jan setzt sich neben ihn, das unvermeidliche Cap tief ins Gesicht gezogen. Seit er mit Jan über dieses Meditations-Ding gesprochen hat, ist er ihm nicht mehr so abweisend und überlegen gesinnt. Im Gegenteil. Jan ist zwar ruhig, aber dahinter steckt sehr viel mehr. Nach den vielen Sitzungen, in denen Jan mehr oder weniger allein über sich gesprochen hat, sickerte das langsam in Stephs Bewusstsein.



„Alles klar bei dir?“ fragt Jan, seine Stimme ist ruhig, aber wachsam.
Steph schnaubt. „Nichts ist klar, Mann. Nichts.“
Jan zieht leicht die Augenbrauen hoch. „Lyn, oder?“ Die Sache mit der Anzeige, ging schnell durch die ganze Klinik. Das Drama zwischen den Beiden ist wahrscheinlich das interessanteste Gesprächsthema überhaupt, wenn die Patienten sich nicht grade mit sich selbst beschäftigen.
„Natürlich.“ Steph rollt die Kippe zwischen den Fingern hin und her. „Hab versucht, mit ihr zu reden. Sie ist ausgerastet. Ich auch.“
Jan nickt langsam. „Klingt, als würdest du dich selbst im Kreis drehen.“ Recht hat er. Egal was Steph macht, es endet immer genau gleich.



Steph sieht ihn an. „Ja, genau das. Jetzt steh ich hier und hab keinen Plan, was ich machen soll. Soll ich sie wieder ansprechen? Abstand halten? Ich hab keine Ahnung, wie ich da rauskommen soll.“
Jan bleibt einen Moment still, als würde er die Worte abwägen. „Okay. Hör zu. Ich würde an deiner Stelle erstmal auf Abstand gehen. Lyn scheint nicht bereit zu sein, dir zu sagen, was los ist. Vielleicht will sie’s auch nie. Aber du kannst nichts machen, wenn du selber so labil bist, dass du bei jedem ihrer Ausbrüche gleich mit durchdrehst.“
Steph verzieht das Gesicht. Früher hätte er ihm so eine Aussage richtig übel genommen, aber Jan ist 'weise' und Steph respektiert das.. „Abstand halten? Und dann? Soll ich einfach warten? Auf bessere Zeiten?“
Jan schüttelt den Kopf. „Ne, das meine ich nicht. Du solltest Abstand halten, aber nicht untätig sein. Fang bei dir an. Versuch herauszufinden, warum du so reagierst. Was macht dich bei ihr so fertig? Warum rastest du aus? Vielleicht hängt das gar nicht alles mit ihr zusammen.“



Steph starrt vor sich hin. „Und wie find ich das raus?“
Jan zögert kurz, dann gibt er ihm einen entschlossenen Blick. „Setz dich mit deiner Vergangenheit auseinander.“
Steph blinzelt, als die Worte bei ihm ankommen. „Meine Vergangenheit? Ich hab das doch alles hinter mir. Das ist alter Scheiß.“
„Glaubst du,“ sagt Jan und schaut ihn direkt an. „Aber alter Scheiß hat die Angewohnheit, immer wieder hochzukommen, wenn du ihn nicht klärst. Wenn du herausfindest, was dich wirklich antreibt – warum du wütend bist, warum du immer wieder in denselben Kreislauf gerätst – dann kommst du vielleicht auch bei Lyn weiter.“
Steph zieht an der Kippe, sein Blick ist nachdenklich. „Also... Abstand halten und mich um meinen eigenen Mist kümmern. Und wie mach ich das?“



Jan lehnt sich wieder zurück. „Vielleicht solltest du dir Zeit nehmen und darüber nachdenken, was in dir abgeht. Sprich mit Tanyl, wenn du Hilfe brauchst. Oder rede in den Sitzungen drüber.“
Steph nimmt einen tiefen Zug und starrt in den Himmel. „Ich hab kein Bock im bescheuerten Stuhlkreis über meinen Scheiß zu reden.“
Jan zuckt die Schultern. „Wenn du es nicht versuchst, weißt du nie ob es hilft.“
Steph bläst den Rauch in die Luft, schaut Jan an. Bevor er etwas dazu sagen kann, beginnt sein Telefon zu klingeln.

Er zieht es aus der Tasche, und Nicks Name blinkt auf dem Display. Mit einem tiefen Atemzug, steht er auf, tritt etwas abseits und nimmt den Anruf entgegen.



„Nick.“

„Steph. Lange her, Mann.“ Nicks Stimme klingt rau, als ob er gerade erst eine Zigarette ausgedrückt hätte. Es ist eine Stimme, die nach zu vielen schlaflosen Nächten und endlosen Drinks klingt. Nick ist Stephs bester Freund seit der Straße. Ein Mentor, eine Stütze, einer der zwar auch oft Dreck am Stecken hatte, high war oder sonst wo rumlag und deswegen Steph nicht unbedingt eine Hilfe war, aber als Steph ihn mit 15 kennengelernt hat war er eine Art... Vorbild. Auf der Straße haben diese Wörter eine ganz andere Bedeutung. Und trotz Zeiten in denen sie kaum Kontakt hatten, oder nur lose hin und her schrieben, ist es jedes Mal so als wäre keiner von beiden je weg gewesen.

„Jo. Was geht?“ Stephs Augen auf den trüben Himmel gerichtet.

„Ich hab deine Nachricht gelesen,“ sagt Nick direkt. „Was läuft mit Lyn?“

Steph zögert kurz, bevor er antwortet. „Sie ist hier. In der Klinik.“ Nick weiß von Stephs Entscheidung den Entzug zu machen. Es war auch sein Geld gewesen, wegen dem Steph vor anderthalb Jahren im Gefängnis gelandet war. Nick hatte ihm aus der Ferne 'unterstützt'. Nicht so wie es ein Tanyl machen würde, mit gut zureden und Lob. Steph kann nicht genau sagen wie ihre Freundschaft ist. Es ist ein stummes Einverständnis und Versprechen, ohne viel Worte aber echter als alles was Tanyl je sagen könnte.

Nick bleibt kurz still, bevor er antwortet. „Sie ist in der Klinik? Verdammt, hätte nicht gedacht, dass du sie jemals wieder siehst. Was will sie?“

Steph reibt sich über die Stirn. „Ich wusste nicht mal, dass es ein 'wiedersehen' ist. Ich hab sie komplett vergessen... Keine Ahnung. Sie hat mich angezeigt. Scheint irgendeine Rache wegen etwas von vor drei Jahren zu sein. Ich erinnere mich kaum an irgendwas.“

„Ach...“ Nicks Stimme wird nachdenklich.

Steph knurrt leise. „Ja, kein Scheiß. Ich hab kein Plan, was sie meint. Ich weiß nur, dass sie abgefuckt drauf ist und mir ne Menge Ärger macht.“

Nick lacht leise, aber es klingt nicht fröhlich. „Ja, klingt nach Lyn. Sie war immer ein bisschen... naja, komisch, weißt du? Aber was genau willst du wissen?“

Steph atmet tief ein und hält einen Moment inne, bevor er spricht. „Ich will herausfinden, was damals passiert ist. Kannst du dich noch an irgend ne spezielle Nacht erinnern?“



Nick seufzt schwer. „Das eine oder andere weiss ich noch. Lyn war dauernd irgendwie... nervös. Aber ich weiß nicht, warum. Irgendwas lief bei ihr, aber was, keine Ahnung.“

Steph blinzelt. "Sie sagt ich hätte sie sitzen lassen."

"Bei was?"

"Kein Schimmer, Mann! Sie sagts mir nicht. Sie sagt ich hätte sie irgendwo reingeritten und mich dann verpisst, aber, boah.. Junge, ich erinnere mich an gar nichts."

„Okay ja... Die Cops kamen öfter mal vorbei, wenn's das ist...." Eine Pause in der Nick an einer Kippe zieht, Doch ja, da war was. Sie haben sie mitgenommen, weil sie irgendwas dabei hatte. Aber ich erinnere mich nicht an Details. ... keine Ahnung, Mann.“

"Drogen?"

"Das weißt du besser als ich."

Steph seufzt frustriert. „Scheiße, das hilft mir nicht weiter.“

Nick bleibt einen Moment still, dann schlägt er etwas vor. „Vielleicht solltest du nach Sequoia kommen. Da, wo wir immer waren. Vielleicht bringts was, wenn du die Orte nochmal siehst.... Wenn du das denn willst.“

Steph bleibt still, denkt nach. „Vielleicht,“ murmelt Steph. „Ja... kann sein...“

Nick lacht leise. „Okay, dann treffen wir uns dort. Ich bin sowieso in der Nähe..“

Steph nickt, auch wenn Nick es nicht sehen kann. „Okay. Ich komm vorbei.“

„Gut,“ sagt Nick. „Pass auf dich auf, Mann.“

„Du auch.“ Steph legt auf und starrt auf das Display. Er war vor einer kleinen Weile dort gewesen, hat Dennah und Boom zufällig getroffen und sich an die eine oder andere Sache erinnert. Aber nie an Lyn... aber was solls... Wenn Nick dabei ist, ist es vielleicht anders. Was kanns schaden..



>>> Steph geht nach San Sequoia >>>


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28.11.2024 18:40 (zuletzt bearbeitet: 06.08.2025 22:35)
#20
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<<< Anna-Maria kommt von Newcrest Nr. 13 - Waisenhaus Heimathafen (2) <<<
<<< Dennah kommt von Newcrest Nr. 13 - Waisenhaus Heimathafen (2) <<<



Charaktere: Anna-Maria, Dennah
Geschichtsstrang: Nein!



"Wir sind da." Anna-Maria stellt den Motor des Wagens ab und wendet sich ihrer Beifahrerin zu. "Wie geht es dir? Brauchst du noch ein paar Minuten?"
Nervös dreht Dennahs Daumen den Ring am Zeigefinger hin und her. Sie schenkt der Betreuerin keine Aufmerksamkeit, stattdessen starrt sie regungslos auf das Gebäude, das vor ihnen liegt. Hier sind ihre Eltern also seit Wochen untergebracht. Sie hatte es sich gefängnissiger vorgestellt. Trostloser.

"Dennah." Sanft legt Anna-Maria ihr eine Hand auf die Schulter. Das Mädchen erwacht aus ihrer Starre. "Hm? Oh, ehm ja... Gehen wir." Augenscheinlich voller Entschlossenheit steigt sie aus und marschiert strammen Schrittes zum Eingang. In Wahrheit war sie selten so unsicher. Der Gedanke daran, ihre Eltern zu sehen, ohne zu wissen, in was für einem Zustand sie sich befinden, treibt ihr ein übles Gefühl in die Magengegend.

Sie weiß, was zu tun ist, wenn ihre Elten ohnmächtig am Boden liegen. Sie kann das hirnlose Junky-Geschwafel als nicht ernst zu nehmendes Gelaber einordnen und sie erinnert sich daran, wie sie als junges Mädchen mit ihnen durchs Haus getanzt ist. Damals verstand sie nicht, dass sie sich im Vollrausch befanden. Sie hatte einfach Spaß mit ihnen. Noch heute denkt Dennah gern zurück an diese Zeit, als sie mit ihren Eltern zusammen gelacht hat. Jeder Tag war eine Feier. All das kann sie greifen. Aber sie clean und nüchtern zu sehen, ist etwas Neues. Worüber soll sie mit ihnen reden? Noch immer am Eingang verharrend, wird ihr klar, dass sie keine Ahnung hat, wer ihre Eltern sind. Was sie mögen und nicht mögen. Worüber sie sich freuen und was sie traurig macht. Und was sie zu denen gemacht hat, die sie zuletzt waren.

Sie ist im Begriff, völlig fremde Sims zu treffen. Was ist, wenn sie sich nicht verstehen? Wenn die beiden enttäuscht von ihr sind - oder sie von ihnen? Können sie überhaupt einander gerecht werden?
"Dennah?" Anna-Maria reißt das Mädchen aus den Gedanken. "Es ist okay, Liebes. Wir machen das zusammen."
Die Brauen tief ins Gesicht gezogen, schüttelt Dennah den Kopf. "Nein." Ihre Stimme klingt zuerst brüchig, gewinnt dann jedoch an Kraft. "Nein!", wiederholt sie entschlossen. "Ich geh da nicht rein." Sie wendet sich herum, mit erhobenem Haupt steuert sie den Parkplatz an. "Wir fahren zurück."

Verdutzt schaut Anna-Maria ihr hinterher. "Aber ... wir sind extra her gefahren. Bist du sicher, dass du ni-"
"Ich sagte, wir fahren zurück!" Düster funkelt Dennah die Ältere an.
"Na gut, wenn du das möchtest. Aber ich finde schon du soll-"
"ICH WILL DAS NICHT HÖREN!" Mit einem Fuß aufstampfend brüllt Dennah so grell, dass ihre Stimme sich beinahe überschlägt. Die Mine zornig verbissen, steigt sie auf der Beifahrerseite ein, die Arme vor der Brust verschränkt, wartet sie darauf, dass ihre Betreuung endlich losfährt.

Während der Fahrt nach Newcrest sprechen sie kein Wort. Stur schaut Dennah aus dem Seitenfenster, in der Hoffnung, dass Anna-Maria die Tränen nicht bemerkt, die vereinzelt über ihre Wangen rinnen.


>>> Anna-Maria geht nach Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) >>>
>>> Dennah geht nach Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Doris und Marvin Minze >>>


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