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Windenburg
#11
>>> Brooke kommt von >>> Windenburg Nr. 8 - Narwal Arms (3)
Charaktere: Brooke, andere
Ort: Bushaltestelle
Geschichtsstrang: Angst
*Gewalt
*Diskriminierung
Angetrunken schwankt Brooke über die Straße. Auf der anderen Seite ist die Haltestelle. Sie kennt zwar den Plan nicht, aber irgendwann wird schon ein Bus kommen.
Mit gemischten Gefühlen lässt sie sich auf der Bank nieder. Was ist heute abend nur schief gelaufen? Sie wollte doch einfach nur ein bisschen tanzen. Party machen. Teenager sein. Vielleicht hat sie doch zu scharf ausgesehen. Nicht alle Jungs können mit ihren Hormonen umgehen, wenn sie heiße Hüften sehen. Aber bedeutet das, dass sie sich deswegen nicht mehr herausputzen kann?

Wie machen das denn andere Mädels in ihrem Alter? Oder hat sie einfach nur Pech gehabt? Idioten gibt es schließlich überall.
Sich selbst in Gedanken zustimmend, schlägt Brooke die Beine übereinander.
Trotz der warmen Jacke kriecht ihr die Kälte unter die Haut - ein klarer Nachteil, wenn man gut aussehen will.

"Was zum ... Was ist das denn für einer?!"
Aus dem Augenwinkel bemerkt Brooke die drei Typen, die ihren Weg kreuzen. Sie anstarrend kommen sie näher.
"Was soll das? Bist du son Perverser oder sowas?"
"Was?" Brooke sieht sich irritiert um. Der Kerl scheint wirklich sie zu meinen. Mit Unverständnis im Gesicht schaut sie zu ihm auf.

"Was soll dieser Aufzug?", bleibt der Vordere hartnäckig.
"Ich war Party machen. Was geht dich das überhaupt an?" Noch so ein Vollspast. Genervt wendet Brooke den Blick ab. Das kann sie jetzt echt nicht brauchen.

"So... Du warst Party machen." Der Typ äfft sie nach, wendet sich zu seinen Kumpels und wiederholt: "Er war Party machen. Ist das zu glauben?!" Vor ihr baut der Kerl sich auf, als er fordert: "Steh auf, man. Ich will dir was erklären."

Brooke schluckt. Der Kerl lässt nicht locker. Angst breitet sich in ihr aus. Die Taktik, ihn links liegen zu lassen, läuft nicht gut. Sie ist dem Proll und seinen Lakaien schutzlos ausgeliefert. Tränen schießen ihr in die Augen. Das ist ein verdammter Albtraum.
"Bitte. Lass mich in Ruhe." Verängstigt bleibt ihr nur, auf seine Gnade zu setzen. Ihn anzusehen schafft sie allerdings nicht.
Trotz aller Vorzeichen ist sie überrascht, als seine Finger sich in ihren Haaransatz krallen. Den Mund weit geöffnet, gibt Brooke einen stummen Schmerzenslaut ab, ihre Hände greifen an den Arm des Typen. Es gelingt ihr nicht, ihn von sich zu lösen. Scheinbar mühelos zieht er ihren Körper von der Bank und wirft sie zu Boden.

"Wir dulden hier keinen perversen Abschaum!" Sein Fuß legt sich kraftvoll auf ihren Brustkorb. Mit zugekniffenen Augen versucht Brooke auszuweichen, als er auf sie herunterspuckt. Ein ekliger Klumpen Glibber landet auf ihrer Wange, direkt unter dem Auge. "Sieh zu, dass du Land gewinnst!", faucht er, den Druck auf die Brust verstärkend. "Sonst machen wir dir Beine. Verstanden?!"
Brooke nickt. Tränen fließen ihr übers Gesicht.
Einen Moment schwankt der Boden unter ihr, als ein taumelnder Schwindel in ihren Körper schießt. Die Angst lähmt sie förmlich und für einen kurzen Moment füllt sich ihr Kopf mit dumpfer Schwere.

Den Bruchteil einer Sekunde drückt sich sein Fuß hart auf ihr Brustbein, bevor er sie frei lässt.
"Widerlich!", hört sie ihn noch schimpfen, als die drei ihr den Rücken zuwenden.
Dann wird es dunkel.
Denize kommt von Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Jordyn und Tania
Chip kommt von Windenburg - Eventhalle
Charaktere: Chip, Denize
Geschichtsstrang: Zukunftspläne und Stolpersteine I 
"Hier ist es?" Chip steht Hand in Hand mit Denize vor einem großen Appartementhaus in Windenburg und blickt an der Fassade hoch. Sie haben in den letzten zwei Wochen den reinsten Marathon bei diversen Ämtern durchlaufen. Chip kann immer noch nicht glauben, dass sämtliche Anträge für Gelder und Zuschüsse endlich ausgefüllt und mit den nötigen Unterlagen auf dem Weg zur Bearbeitung sind. Bei der Beratungsstelle für Schwangere, gab es eine Einmalzahlung für Anschaffungen wie Möbel, Babykleidung und Kinderwagen und sie haben erfahren, dass ihnen Wohngeld zusteht. Für heute hat Denize einen Besichtigungstermin für ein freies Appartement organisiert und Chips Herz klopft mächtig aufgeregt in seiner Brust, beim Gedanken daran, hier vielleicht bald mit ihr zu wohnen. "Wo liegt denn die Wohnung? Oben oder im Erdgeschoß?"
"Die." sagt sie und zeigt nach oben links. Ihr Herz klopft ein wenig schneller, weil sie sich nicht sicher ist, was er sagen wird, wenn er rausfindet das Tani ihre Nachbarin werden könnte. Ganz zu schweigen, wenn sie ihm endlich sagt, dass sie für ihren Mitbewohner arbeiten wird. Dazu kommt, dass Chip für sie einspringen muss, wenn sie wegen des Babys nicht kann.
Obwohl sie ihre Finanzen mit all den helfenden Beamten aufstocken konnten, macht Denize sich sorgen um das Geld. Das Minimum zu haben, ist eine Sache, aber nicht die mit der sie sich zufrieden geben will.
"Komm lass uns mal rein gehen und bisschen schauen, bis der Hausmeister da ist." Chip legt eine Hand auf die Klinke des schmucken, weißen Törchens, dass den Innenhof des U-förmigen Baus begrenzt und zieht Denize mit. Im selben Moment kommt ein untersetzter Mann, mittleren Alters auf sie zu. Er trägt eine Brille, die Chip ins letzte Jahrhundert einordnet und als er bei ihnen ankommt, bemerkt er Eigelbspuren im dichten Gestrüpp seines Vollbarts.
"Guten Tag, ich bin der Hauswart hier." Sein Blick wandert abschätzend zwischen den beiden hin und her und verweilt kurz auf Denize' Bauch. Die Wölbung ist mittlerweile unübersehbar. "Hagedorn mein Name. Seid ihr die Interessenten für die Wohnung im oberen Stock?" fragt er zweifelnd und sieht Denize an. "Haben wir beide telefoniert?"
„Das ist richtig. Ich bin Denize, das ist Adrian.“ verlegen reicht sie ihm eine Hand, weil Blicke wie diese sie immer öfter verunsichern. „Die Wohnung hat die perfekte Lage.“ sagt sie ohne anzudeuten weshalb.
Der Mann nickt und befördert einen Schlüsselbund ans Tageslicht. „Folgt mir…“, meint er und geht klimpernd voraus. Denize wirft Chip einen zuversichtlichen und engelsgleichen Blick zu und tappt dem Mann hinterher, bevor er sie etwas fragen kann. 
Beide beobachten den Hauswart, wie er die Nase hochzieht, bevor er den richtigen Schlüssel ins Schloss steckt und die Tür öffnet. „Bitte sehr…“ murmelt er, tritt zu erst hinein und hält beiden die Tür auf.
Ihre Schritte hallen im unmöblierten Raum, es riecht nach Farbe und auf den Fenstersims liegt eine Vielzahl an toten Insekten.
Es wirkt gross auf Denize und sie ist aufgeregt, denn sie möchte diese Wohnung unbedingt. Preislich liegt sie in ihrem Budget. Sie schaut sich um und dreht sich fragend zu Chip um, die stumme Frage auf den Lippen, was er dazu meint.
Interessiert geht Chip durch den Raum, blickt aus dem Fenster und inspiziert das Bad. "Es gibt keine Badewanne, schade." sagt er mit vielsagendem Blick zu Denize. "Aber sonst ist alles da und die Dusche ist geräumig." 
Zunehmend begeistert von der Vorstellung, ein selbstständiges, freies Leben mit seiner Freundin hier zu führen, erkundet er weiter. Eine Tür führt vom Wohn-/Küchenbereich in einen kleinen, hellen Raum. In die Wand sind bereits Regale eingelassen und es gibt einen kleinen Wandschrank. "Perfekt." Er dreht sich zu Denize. "Das wird das PC-und Fernsehzimmer." 
Nach dem Herr Hagedorn ihnen ein paar allgemeine Infos, über Anschlüsse, Wasser und Strom gegeben hat, steht er wieder an der Tür und wartet auf das Urteil. Zögernd senkt Denize den Blick, wirft kurz einen zum Hausmeister und dann wieder auf die Hände vor ihrem Bauch. Chip ist der Volljährige. „Wollen wir die nehmen?“
"Ja, wollen wir." Chip nimmt ihre Hand und drückt sie sanft. Kurz streift ihn der Gedanke, dass es beinahe wie ein Ehegelübde klingt, aber das ist schnell wieder weg gewischt. Hr. Hagedorn nickt. "Dann wird sich Fr. Wenzel, die Besitzerin der Wohnung, per E-Mail mit Ihnen in Verbindung setzen, um die abschließenden Formalitäten abzuwickeln." Er sieht zu Denize. "Sie wohnt im Ausland und ich erledige die Angelegenheiten vor Ort in Vertretung. Die Dame hat ein großes Herz. Diese Wohnungen hier sind sehr begehrt." Wieder streift sein Blick den Babybauch. "Wir sehen uns zur Schlüsselübergabe, wenn alles Schriftliche unter Dach und Fach ist und mir Frau Wenzel das Okay gibt. Ihre Nummer habe ich ja." Er nickt beiden zu und geleitet sie hinaus.
Nachdem sie sich verabschiedet haben, zieht Chip Denize in seine Arme. "Du wirst sehen, es wird alles gut. Ich freu mich so darauf mit dir und dem Baby zu wohnen." sagt er leise und küsst sie zärtlich auf die Schläfe. "Was für ein Glück, dass wir dieses Wohngeld bekommen."
„Ja. Aber wir sollten uns nicht darauf ausruhen, okay?“ sagt Denize zögernd, denn es ist nicht das was sie eigentlich ansprechen will.
"Wieso ausruhen? Demnächst hab ich den Führerschein und kann andere Jobs annehmen als bisher." Er löst sich von ihr und sieht sie zuversichtlich an. "Besser bezahlte."
Sie lächelt und nimmt seine Hände um nicht danach auszusehen, das er sich das ganz schön einfach ausmalt, zu einfach. „Ich werd dich dabei unterstützen. Und auch finanziell….“ er merkt das sie um etwas herum zu reden scheint.
"Was meinst du?" Stirnrunzelnd sieht Chip sie an. "Hast du ne Erbschaft gemacht?" scherzt er. Zu spät kommt die Erkenntnis, dass ihre Mutter nicht mehr lebt und das durchaus im Bereich des Möglichen liegt.
"Mh... nein.." druckst sie und kratzt an einem ihrer Fingernagel herum. "Ich habe einen Job."
"Einen Job?" Chips Blick wird misstrauisch. "Und das Baby?"
Denize zieht den Mund zur Seite und sieht ihn einen Moment nur an. "Weisst du noch, als ich Sarah gefragt habe, wie andere Mütter sich über Wasser halten und wir dann auf das Thema, arbeiten bis zum Schluss kamen... und dass ein Baby damit weitestgehend klar kommt?" Sie hält inne, in der Hoffnung er versteht.
"Du willst JETZT eine Job annehmen? Während du schwanger bist? Spinnst du?" entgegnet Chip hitzig. "Wenn du angestellt bist stellt man dich frei sechs Wochen vor der Geburt. Soviel zu 'bis zum Schluss, egal was Sarah gesagt hat." Die Vorstellung, ihr oder dem Ungeborenen könnte etwas zustoßen, macht ihm Angst.
„Nein ich spinne nicht.“ sagt Denize eingeschnappt, „Ich möchte, dass unser Baby alles bekommt was es braucht. Und ich werde nicht darauf warten, dass diese Dinge vom Himmel fallen. Ich werde einem blinden Jungen ein bisschen zur Hand gehen und ich wünsche mir, dass du mich unterstützt.“ Sie sieht ihn eindringlich an obwohl sie am liebsten weinen würde.
"Einem blin..w-was??" Ungläubig sieht Chip sie an. "Was für ein Junge?"
"Warum regst du dich jetzt so auf?" fragt sie ihn iritiert.
"Weil es nicht deine Aufgabe ist Geld zu verdienen, sondern dafür zu sorgen, dass du, dein Körper und das Baby gesund bleiben." Sein Ton wird nachdrücklich. "Du sollst für EUCH gut sorgen, nicht für irgendwelche Jungen, die vermutlich auch Mütter haben."
"Das ist ja wohl meine Entscheidung." sagt sie und stemmt die Hände in die Hüfte, "Ich werd schon nichts gesundheitlich schädliches tun."
"Ach? Das ist also auch wieder allein deine Entscheidung? Wie alles? Von Anfang an?" Ein zynischer Unterton schleicht sich in Chips Stimme, während er innerlich zu brodeln anfängt. "Wärst du dann vielleicht so gnädig, und sagst mir um wen es geht und was du genau tun willst?"
"Er heisst Jordyn und er wohnt da!" Sie zeigt etwas zu energisch auf die Wohnung unter der, die sie grade besichtig haben. "Ich werd ihm ein bisschen im Haushalt helfen, damit er sich zurecht findet, mehr nicht." spielt sie herunter, "Wenn wir hier einziehen, ist das perfekt." 
In Chips Kopf arbeitet es. Er wohnt hier? Sie hilft ihm im Haushalt? "Wie alt ist dieser..'Junge'?" fragt er scheinbar ruhig.
Denize zuckt mit den Schultern, "Etwa so wie wir, glaub ich. Hör zu, ich mach doch sowieso unseren Haushalt, was ist schon dabei wenn ich kurz rüber gehe und dort auch sauber mache, wieviel Dreck wird ein Blinder" ...und Tani... "schon machen..." Sie greift nach seinen Händen, "Ich will doch nur das es uns gut geht."
So alt wie sie? Nachdenklich wandert Chips Blick Richtung untere Etage und langsam zurück zu Denize. Misstrauisch kneift er die Augen leicht zusammen. "Und warum hat der keine Mutter oder Freundin, die sich um ihn kümmern kann? Ist der Vollwaise oder was?" Die ganze Geschichte wird ihm immer suspekter. Vielleicht irgendein Psycho, der sich als blind ausgibt und dann über sie her fällt.
"Was spielt das für eine Rolle?" fragt sie, "... du hast auch nicht das beste Verhältnis zu deinem Vater... was wenn es bei ihm auch so ist? Es fehlt einfach die Zeit um alles so beizubehalten wie er es als Nicht-Sehender braucht und er will dafür bezahlen. Das ist alles was zählt." 
Stumm hört Chip zu. Nur ein Zucken am Kieferknochen verrät, dass er die Zähne zusammen beißt. Schließlich nickt er. "Gut. Ich will den sehen." Ohne ein weiteres Wort macht er kehrt und stürmt, Denize Behäbigkeit durch den Babybauch mit ein berechnend, die Treppe hinunter. Mehrere Stufen auf einmal nehmen hat er im Zusammenleben mit Bertl perfektioniert, so dass er mit Vorsprung vor der beschriebenen Wohnungstüre zum stehen kommt. Ungeduldig drückt er den Klingelknopf, während er das Namensschild an der Türe liest. Lamont/Winter. Heißt nicht Jay so? Und ..Winter? Sein Finger beschleunigt den Druck auf den Knopf. Da ist doch was faul.
Bevor jemand die Tür öffnen kann, sagt Denize, die endlich neben ihm zum stehen kommt, "Tania wohnt auch hier..."
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha)
Chip geht nach Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Jordyn und Tania
Denize geht nach Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Jordyn und Tania
<<< Chip kommt von: Oasis Springs <<<
<<< Nouki kommt von: Brindleton Bay Nr. 10 - Brindleton High <<<
Charaktere: Chip, Nouki
Geschichtsstrang: Hört das denn nie auf? (Teil II)
Etwas später
Die Hände in den Hosentaschen, streicht Chip ziellos am Hafen von Windenburg herum. Noch eine Sache, die er Denize erklären muss. Das Thema Sozialstunden ist auch noch nicht angesprochen. Jeden Tag hofft er, dass sie nicht vor ihm am Briefkasten ist, das Schreiben vom Gericht mit seinen Einsatzauflagen findet und dann Fragen stellt.
Die Aufregung mit Jinoh war schon schlimm genug. Sie soll endlich ein bisschen zur Ruhe kommen. Kein Sim weiß, wie sich der ganze Trubel auf das Baby auswirkt.
Kurz geistern die Bilder jener Nacht durch seinen Kopf. Der aufwühlende Moment, Blaze in die Augen zu sehen, nach dem alles vorbei war. Denize, die in San Myshuno bange Stunden verbracht hatte, in Angst, er könnte das Ganze nicht überleben. Sie hatte geweint vor Erleichterung, als sie sich endlich umarmen konnten. Unglaublich, wieviel unnötigen Bockmist sie schon mit ihm erlebt und durchgestanden hat.
Chip stößt einen unwilligen Atemlaut aus und plumpst auf eine Bank neben dem großen Springbrunnenbecken. Das plätschernde Wasser erinnert ihn an den Fluss in Oasis Springs. Wie gern wäre er jetzt an seinem Platz dort und könnte die Welt für ein paar Stunden vergessen. Wieder entringt sich ihm ein gequälter Atemzug. Okay. Sie haben also eine Einkommensquelle weniger. Ersatz muss her. Chip zieht das Handy aus der Tasche, beginnt zu tippen und durch die Stellenanzeigen zu scrollen. Es ist beinahe unmöglich, für die wenigen freien Stunden, die ihm bleiben etwas zu finden. Nachmittagsunterricht und der Job im Steakhouse engen den Zeitrahmen ein und wenn er nicht regelmäßig Stoff nachholt und büffelt, wird das nichts mit dem guten Abschluss für einen sinnvollen Job in der Zukunft. Ihm wird das Herz in der Brust schwer. Immer wieder dieselbe Mühle. Ein Schritt voran gelingt, man freut sich und dann passiert wieder etwas unvorhergesehenes und macht den Fortschritt zunichte. Was ist das für ein Scheiß Gesetz? Versunken studiert er die Ausschreibungen und bemerkt nicht, das sich neben ihm jemand nieder lässt.
„Bist du ansprechbar?“ erschreckt ihn eine vertraute Stimme. - „Alter!“ Chip zuckt zusammen und blickt auf. „Nouki!“ grinst er, als er in ihr vergnügtes Gesicht blickt. Wie so oft, wischen ihre leuchtenden Augen ein paar der Sorgenwolken beiseite. „Wo kommst du her?“
Seine Freundin zeigt mit dem Daumen über ihre Schulter. „Endlich Feierabend. Ich hab in den Ferien wieder nen Kellnerjob in einem Café. Ist schon das zweite Jahr. Nervig, aber ich kenn die Kollegen und bekomm ganz ordentlich Trinkgeld.“ -“ Ah.“ Chip hebt leicht das Kinn an und lächelt verhalten. „Brauchst das Geld für was Bestimmtes?“ erkundigt er sich und schaut nebenbei wieder aufs Handydisplay. - „Mhm. Ich würd gern mal mit Artjom ein paar Tage weg fahren. Er ist zwar ein bisschen sperrig bei dem Thema, aber ich klopf ihn schon noch weich.“ Nouki nickt siegessicher und grinst.
„Da hab ich keine Zweifel.“ erwidert Chip amüsiert und senkt erneut den Kopf.
Neugierig beugt sich Nouki zu ihm rüber und runzelt die Stirn. „Was hast du denn da so Wichtiges? Nicht mal Zeit ein bisschen zu quatschen?“
Hörbar durchatmend wendet Chip sich ihr zu. „Ich würd viel lieber nur mit dir reden, aber ich hab grad einen meiner Jobs verloren und muss schnell was Neues finden.“
Er hebt gespielt abwehrend eine Hand. „Frag nicht. Ist ne längere Geschichte.“ sagt er und stößt verdrossen zischend den Atem aus. „Sowas kann ich gut.“ resümiert er frustriert und sieht Nouki wieder an. „ Ist dringend weil...ich brauch das Geld auch für was Bestimmtes.“
Während er spricht, fährt sein Daumen nervös über das Display und wischt unbeabsichtigt zur nächsten Seite weiter. Überrascht bleibt sein Blick an einer App hängen, die er vollkommen vergessen hat. Quickmillion. Kein Casino, eher eine Art mobile Spielautomaten für nebenbei. An seinem 18.Geburtstag hat er das heruntergeladen und einen Account angelegt. Das war nach dem Brief einwerfen..um sich abzulenken. Ah ja. Eine Reihe weiter unten entdeckt er auch noch ein Onlinecasino. Simsino. Jetzt erinnert er sich wieder, eine Weile gezockt zu haben, um dann mit dem Handy in der Hand einzuschlafen. Es war ein Riesenact diese Accounts zu machen. Warteschleifen, Personalausweisdaten, Finanzen regeln und so weiter. Das ganze funktioniert jetzt über Simosafe Karte, aber seitdem hat er nicht wieder gespielt.
„Wann kommt 'das Bestimmte' denn zur Welt?“, hört er Nouki fragen, die ihn damit aus seinen Gedanken holt. -“Hm? Keine Ahnung.. „Ich weiß nicht genau. Im Mai glaub ich? Scheinbar kann man das nicht so exakt sagen.“ antwortet Chip unsicher.
„Ich bin jetzt schon aufgeregt, wenn ich daran denke.“ Nouki legt einen Finger ans Kinn. „Vielleicht habt ihr ja noch keine Tante für das Kind.“ flötet sie, unschuldig mit den Wimpern klimpernd und grinst. - „Bist du reich?“ Chip grinst aufblickend zurück und hebt die Brauen. Nouki zieht eine Schnute. „Nöö. Nur ein bisschen Trinkgeldreich.“, lacht sie.
Chip schalzt bedauernd mit der Zunge. „Tja, dann geht 's nicht. Kommt nur ne betuchte Patentante in Frage. Sorry.“ Er wiegt nachdenklich den Kopf hin und her. „Aber weisst du was, einen Glücksbringer können wir brauchen.“ 
Den Kopf schräg legend mustert er sie erwartungsvoll. „Sag mir eine Zahl zwischen eins und 10.“ - „Sieben.“ Nouki verfolgt interessiert, wie er auf dem Display verschiedene zur Auswahl stehende Spiele überspringt und das siebte auswählt. Eine Weile tippt er herum, Klingeltöne und piepsende Geräusche sind zu vernehmen, bis Chip schließlich einen enttäuschten Laut von sich gibt. „Nochmal.“ fordert er sie auf. - „Zwei.“
Die Geräuschkulisse beginnt von vorn, nur diesmal boxt Chip sie kurz darauf freudig in die Seite. „Hey! Du bringst mir wirklich Glück. Drei Freirunden!“ 
Begleitet von einigen 'Uuuhs' und 'Aaaahs' der beiden, tanzen die bunten Bilder auf dem Display und versprechen schnelles cash,
„Okay. Letzte Runde, dann ist Schluss für heute.“ Chip blickt Nouki auffordernd an, während sein Zeigefinger wie ein Pendel über dem Display kreist.
„8! Symbol für Neuanfang und Glück.“ sagt Nouki entschlossen lächelnd. - „Ist das so?“ Chips Miene drückt leichte Zweifel aus, aber er befolgt die Anweisung und überlässt ihr auch im Verlauf die Entscheidungen, was, wann angetippt wird.
„Ich glaub's ja nicht!“ Ungläubig starrt Chip auf das Endergebnis.
Wir haben grade fünfundfünfzig Simoleons gewonnen! Alter..“ Chip blickt breit grinsend auf. „Du bleibst mein Talisman.“
Nouki wackelt bedeutsam mit den Brauen und lacht leise. „Betrachte es als Anzahlung von meinem 'zukünftige Tante' - Konto.' “ 
Sie hängt sich ihre Tasche wieder um und steht auf. „Das hat Spaß gemacht, aber ich hab noch was vor heute Abend, mach's gut. Wir sehen uns.“
Chip steckt das Handy weg. „Warte. Ich geb uns wenigstens irgendwas aus. Ist ja nicht nur mein Verdienst.“ sagt er gut gelaunt und erhebt sich.
Nouki schmunzelt. „Keine Zeit, ich muss mich noch stylen.“ - „Ach so.“ Chip zeigt seine Grübchen. „Dann grüß mal Artjom von mir.“
Er sieht Nouki noch einen Augenblick nach, wie sie beschwingt davon geht und beneidet sie um ihre Leichtigkeit. Er kann sich nicht vorstellen, dass sie jemals mit inneren Abgründen kämpft oder irgendein Problem nicht löst. Mit lautem Knurren durchbricht sein Magen die Gedanken. Currywurst und eine große Portion Ketchup/Mayo erscheint Chip ein guter Plan zu sein. Fünfundfünfzig Simoleons, das ist eine solide Basis, denkt er zufrieden und schlägt den Weg zum Steakhouse ein, dort gibt es auch Rabatt.
>>> Nouki geht nach Windenburg Nr. 6 - Familie Jaspers >>>
>>> Chip geht nach Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Chip und Denize >>>
<<< Mayve kommt von Britechester - Vereinshalle Britechester Tigers <<<
<<< Eva kommt von Britechester - Haus der Kamrads <<<
Charaktere: Mayve, Eva
Geschichtsstrang: Lauf, Eva, lauf!
Die Straßen sind vom letzten Regen noch nass, so dass sich die Sonne in kleinen und größeren Pfützen spiegelt. Sie gewinnt bereits an Kraft, doch die Luft ist noch immer frisch. Eine herrliche Mischung, findet Mayve. Für eine Sekunde schließt sie die Augen, das Gesicht der Sonne entgegenstreckt, und genießt diesen Frühlingsmoment. Der Laufweg im Wald wird matschig sein, aber das hat sie und Eva nie von ihrem gemeinsamen Lauf abgehalten.
Das Fahrrad, wie gewohnt, auf dem Parkplatz am Ständer angeschlossen, zieht Mayve das Handy aus der Tasche und öffnet die Nachricht ihres Freundes im Pulldown Menü.
Zitat
'Lauf schnell, Birdy. Ich vermisse dich. Kuss'

Verträumt lächelt sie ihr Display an, als wenige Meter neben ihr Evas Auto das Kies zum Knirschen bringt. Mayve steckt das Handy zurück in die Tasche und hebt den Blick. Freudig winkt sie Eva zu - und verharrt. Etwas stimmt nicht.
Der Schock sitzt noch immer in ihren Knochen. Die Ehe mit Alex war nicht immer einfach, aber eigentlich war sie glücklich. Auch, als Emma in ihr Leben trat. Eva wagt es nicht, ihre Freundin anzusehen. Sie betrachtet die nassen Kiesel unter ihren Füßen. Zerbrochen…
Eine Weile hatte Eva überlegt, das Treffen mit Mayve abzusagen, erst mal ihr eigenes Leben wieder in Griff zu bekommen. Doch sie braucht die Freiheit, die das Laufen ihr bringt. Um abzuschalten. Sie hasst es, in dieser Ratlosigkeit gefangen zu sein. Eva mag es, einen Plan für ihr Leben zu haben. Wie die Taktik-Sheets, die sie sich vor wichtigen Spielen überlegt. Doch manchmal braucht es einen Plan B – im Sport wie auch im Leben. Während sie im Sport schnell schalten kann, reißt Alex Geständnis ihr den Boden unter den Füßen weg.
Eine Weile bleibt Eva stehen, schweigt. Bis sie Mayves Blick auf sich spürt. Zu gerne würde sie Stärke zeigen. Doch Eva weiß auch, dass Mayve sie viel zu gut kennt um auf so eine Maske hereinzufallen. „Alex hat eine Affäre.“, platzt es schließlich aus ihr heraus.

Beide Frauen schweigen. Für einen Moment scheint die Welt den Atem anzuhalten. Die Augen weit aufgerissen starrt Mayve die Freundin an. Bitte WAS?? "Das ...", beherzt zieht sie Eva in ihren Arm.
Emotionales Chaos überflutet Mayve, wie zu wässrige Tusche, die sich in den feinen Kapilaren eines alten Tuches immer tiefer in den porösen Stoff hineinfrisst. Tränen brennen in ihren Augen und für einen Moment glaubt sie, vor Schmerz kaum atmen zu können. Dass so etwas Eva widerfährt ... "Was für eine Scheiße. Das tut mir so leid." Die Umarmung lösend schaut sie Eva in die Augen. "Bist du dir da auch wirklich sicher? Woher weißt du es?"
"Er hat es selbst zugegeben!", bricht Eva unter Tränen hervor. "Wenigstens.. schnief .. wenigstens diesen Anstand hatte er noch! Hatte sich in die Arzthelferin verliebt." Eva hat geahnt, dass etwas nicht stimmt, dass sie sich auseinander leben. Doch sie hätte nie erwartet, dass er sie so hintergehen würde.

Was für ein Klischee. "Verdammter Schweinehund ..." Während Eva sich um Kind, Haushalt, Tier und bestimmt noch einiges mehr kümmert, ohne sich je beklagt zu haben, macht der feine Herr Doktor 'unbezahlte Überstunden.' "Wenn ich den in die Finger kriege." Leise vor sich her fauchend, ballt Mayve die Fäuste. "Wie kann er es wagen, dich so zu hintergehen?!" Energisch läuft sie wirre Schritte über den Parkplatz. Er hat eine Affäre. Er hat. "Warte mal." Abrupt schwenkt sie zurück. "Sag nicht, er will diese Schlampe behalten?! Wie geht's denn jetzt weiter?"
Eva umfasst ihren Schlüsselanhänger. Ihre Hand zittert, doch es hilft ihr, klare Gedanken zu fassen. Der Schlüsselanhänger hat die Form eines Sterns. Er wurde ihr vor Jahren von Alex geschenkt. Zu einer Zeit, als noch alles in Ordnung war. "Er will die Schlampe behalten.", wiederholt Eva diesen Satz. "Und was wird aus mir? Was wird aus Emma?" Die letzten Worte schreit Eva, als die Wut sie doch noch erreicht.

"Wir kriegen das hin." Aufbauend nickend kommt Mayve wieder auf Eva zu. Noch immer kocht die Wut in ihr. Es fällt ihr schwer, dem Impuls zu widerstehen, sofort Alex aufzusuchen und ihm die unheiligsten Flüche ihrer Gedankenwelt an den Kopf zu feuern. Aber Eva jetzt allein lassen ist keine Option. So legt sie beide Hände an dessen Oberarme und sieht sie intensiv an. "Im Moment ist es einfach nur beschissen. Aber du und Emma - ihr seid nicht allein. Wir sind immer für euch da." Mayve weiß selbst, dass sie und Arnim dem Kind keinen Vater ersetzen können. Aber sie werden tun, was in ihrer Macht steht, um ihren Freundinnen beizustehen. Schuldgefühle breiten sich in ihr aus. Sie selbst lebt in dieser perfekt anmutenden, harmonischen Beziehung. Darüber vergisst sie manchmal, dass nicht jeder solch ein Glück hat. Ihre Freundin so leiden zu sehen, vermittelt Mayve eine Hilflosigkeit, die sie lange nicht spüren musste. Wenn Arnim doch nur hier wäre. Er wüsste, was zu tun und zu sagen wäre. Er könnte ihr die notwendige Objektivität geben, um zu verstehen, dass Alex all das nicht aus Bosheit getan hat. Doch jetzt und hier, mit ihren eigenen Gedanken und Gefühlen konfrontiert, bleiben nur Evas Schmerz und der Zorn auf den Mann, den sie bis vor wenigen Minuten noch einen guten Freund genannt hatte.

Eva umarmt Mayve dankbar. „Ich weiß auch noch gar nicht, wo ich jetzt wohnen soll. Alex zahlt mich aus. Großzügig zwar, das muss ich zugeben, aber was hilft mir das? Bis ich was gefunden habe, kann ich wohnen bleiben, aber spätestens wenn die Scheidung durch ist, muss ich ausziehen.“ Scheidung... Eva hätte nie gedacht, dass sie dieses Wort mal aussprechen müsste. „Was mit dem Sorgerecht wird, weiß ich auch nicht. Alex hat gemeinsames Sorgerecht vorgeschlagen.“ Sie ist froh, dass Mayve bei ihr ist.
"Eins nach dem Anderen.", zitiert Mayve ihren Lebensgefährten. Immer dann, wenn sie sich in Gedanken verstrickt, in einem Strudel aus Gefühlschaos zu versinken droht, sagt Arnim zu ihr "Eins nach dem Anderen. Zuerst mal tief durchatmen." Mayve schließt die Augen und befolgt ihren eigenen Rat. "Wir gehen jetzt etwas trinken.", versucht sie, sich zu sortieren. "Oder ... willst du lieber laufen? Wir könnten auch ins Sportstudio gehen und boxen." Abbrechend muss sie sich eingestehen, dass sie vollkommen überfordert ist. "Was denkst du, würde dir gut tun?"

"Laufen klingt gut!", lässt Eva hören, "den ganzen Frust hinter mir lassen!" Dabei ist der Monat so gut losgegangen mit dem Sieg über Newcrest beim Fußballturnier. Bis Alex' Geständnis kam. "Das Laufen wird helfen einen klaren Kopf zu bekommen." Sie wischt sich über ihre Augen, blickt Mayve mit traurigem Blick an. Aber sie ist Kämpferin. Sie wird nicht aufgeben. Nicht aufgeben!
Mayve nickt ihr zu. Dann wird der Lauf heute wohl etwas energischer werden. Auffordernd klopft sie der Freundin auf den Oberarm und läuft in gemäßigtem Tempo los. Sie selbst ist durch die Fahrt auf dem Rad bereits aufgewärmt, doch Eva sollte sich langsam steigern. "Ich hab eine Idee.", verkündet sie nach wenigen Schritten in den Wald hinein. "Mach mit, wenn du willst." Tief Luft holend ballt Mayve die Fäuste und schreit aus voller Brust. "HAAAAAAAAAAHH! SO EINE VERDAMMTE SCHEISSE!" Die letzte Silbe entgleist ihre Stimme und wird zu einem schrillen Kreischen. Adern treten auf ihrer Stirn hervor, das Gesicht rot anlaufend nickt sie Eva auffordernd zu.
Eva versucht es mit einem Lächeln. Als sie Mayve eingeholt hat, macht sie es ihr nach. "AARRGH!! VERDAMMTER ALEX!!" Ein aufgeschreckter Vogelschwarm erhebt sich in die Lüfte, doch Eva ist das egal. Es tut gut, die Wut herauszulassen... Bis sie dazu auch keine Kraft mehr hat. Eva erinnert sich an Mayves vorherigen Vorschlag: "Wenn du jetzt noch was trinken willst, bin ich dabei!" Gut, dass sich die Studenten um Emma kümmern, während sie hier ist. Sie hätte nicht die Kraft gehabt, der Kleinen jetzt alles zu erklären, noch nicht. Schlimm genug, dass sie auf lange Sicht da nicht drumrum kommen wird. Wenn sie etwas mehr Ruhe dazu hat.
In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon
>>> Mayve geht nach Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Arnim und Mayve >>>
>>> Eva geht nach Britechester Nr 11 - Evas Wohnung im Wohnkomplex >>>
<<< Pablo kommt von Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) <<<
<<< Irina kommt von Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) <<<
<<< Lilly kommt von Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) <<<
Charaktere: Pablo, Irina, Lilly
Geschichtsstrang: Zwischen Hoffnung und Angst II
Der sterile Geruch der Arztpraxis schnürt Irina die Kehle zu und verstärkt ihre Übelkeit. Ohne Pablos und Lillys stützende Arme hätte sie sich kaum auf den Beinen halten können. Als ihr Name schließlich aufgerufen wird, bietet ihr die Frauenärztin, Dr. Meinhardt, ein Glas Wasser an. Irina lehnt mit einem schwachen Kopfschütteln ab. Sie weiß, dass ihr Körper es nicht behalten würde.
„Frau Blutzahn,“ beginnt Dr. Meinhardt mit sanfter Stimme. „Wie lange hält das starke Erbrechen schon an?“ Bevor Irina antworten kann, übernimmt Lilly das Wort. Sie hat während der Fahrt mit Pablo über alles gesprochen und kennt die Einzelheiten. „Seit mehreren Tagen. Selbst Wasser bleibt nicht drin.“ Irina nickt langsam, mühsam.

Dr. Meinhardt bleibt ruhig, doch Lilly erkennt ein Aufflackern von Besorgnis in ihrem Blick. Stirnrunzelnd macht die Ärztin Notizen, misst dann Irinas Blutdruck, Puls und Gewicht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Der Blutdruck ist bedenklich niedrig, das Gewicht drastisch gefallen – ein ernstes Warnzeichen, vor allem in der Schwangerschaft.
„Wir machen jetzt einen Ultraschall, um nach dem Baby zu sehen,“ erklärt Dr. Meinhardt und beginnt, das Gerät über Irinas Bauch zu führen. Lilly wirft Pablo einen besorgten Blick zu. Er versucht sich nichts anmerken zu lassen, doch seine Augen verraten dieselbe Angst, die auch in ihr brodelt. Äußerlich wahrt sie die Fassung, um Irina nicht noch mehr zu verunsichern, obwohl deren blasses, gequältes Gesicht schon alles sagt.
"Was sehen Sie?", fragt Pablo besorgt beinahe sogar aufdringlich. Der Blick der Ärztin gefällt ihm gar nicht und er hat Angst, dass dem Baby etwas zugestoßen sein kann. Geht es Irina deswegen so schlecht?
Nach einigen Momenten erscheint tatsächlich das Flimmern eines winzigen Herzschlags auf dem Monitor. Dr. Meinhardt atmet erleichtert aus und lächelt. „Da ist es ja!“ Doch plötzlich hält sie inne, verzieht die Stirn und verändert die Position des Ultraschallkopfes. Ihr Blick wird konzentriert, als hätte sie etwas Ungewöhnliches entdeckt. „Oh… das erklärt einiges.“
Verwirrung und Neugier liegen in der Luft, während die Ärztin erst Irina, dann Pablo und Lilly ansieht. Einen Moment der Spannung später verkündet sie mit einem kleinen Lächeln: „Ich habe eine Überraschung für Sie – es sind Zwillinge!“

Irina starrt die Ärztin fassungslos an. „Was? Aber... wie kann das sein?“ Ihre Gedanken rasen. Bei der ersten Routineuntersuchung war davon noch keine Rede gewesen.
Entsetzt blickt Pablo zuerst zu Irina und dann zur Ärztin. "Das muss ein Irrtum sein", stammelt er. "Ich … ich habe doch noch nie Zwillinge gezeugt. Nein, gucken sie noch mal auf ihr Ultraschallgerät."

„Dass die Zwillinge bisher unentdeckt geblieben sind, lässt sich gut erklären,“ sagt Dr. Meinhardt und sieht in die erstaunten Gesichter ihrer Zuhörer. „Manchmal liegen die Embryos so dicht beieinander, dass eines das andere verdeckt – vor allem, wenn sie sich eine Fruchtblase teilen und die Schwangerschaft noch nicht weit fortgeschritten ist. In solchen Fällen kann es vorkommen, dass ein Baby zunächst übersehen wird.“ Sie lächelt sanft, während ihre Finger gedankenverloren über das Ultraschallgerät gleiten. „Ihr letzter Termin bei mir liegt ja schon einige Wochen zurück. In dieser Zeit sind die Babys gewachsen, und jetzt kann sich das zweite nicht mehr verstecken. Es besteht kein Zweifel: Sie erwarten Zwillinge.“
Obwohl Dr. Meinhardts Ton völlig frei von Vorwurf ist, fühlt Irina ein unangenehmes Ziehen in der Brust. Hätte sie nicht früher kommen sollen? Gerade als ihr Zustand sich verschlechterte? Ihre Stimme ist leise, fast zögernd: „Meine Übelkeit… liegt das an den Zwillingen?“

„Zwillinge bedeuten oft eine höhere Hormonbelastung,“ stimmt die Ärztin zu, „und das ist wahrscheinlich der Grund für Ihre extreme Übelkeit. Es handelt sich um eine Erkrankung namens Hyperemesis gravidarum. Das ist eine schwere Form der Schwangerschaftsübelkeit, die bei Mehrlingsschwangerschaften vorkommen kann. Sie ist zwar selten, aber behandelbar.“
Pablo gerät in Panik. Sein Herz rast, während unzählige Gedanken durch seinen Kopf schießen. Zwei Babys? Wie sollen wir das schaffen? Seine Kehle fühlt sich trocken an. Er kann kaum klar denken.
"Muss Irina jetzt ins Krankenhaus?", fragt er hastig. "Diese Krankheit … wird sie die Geburt überhaupt überleben? Und die Zwillinge?" Die Angst übermannt ihn. Er sieht Irina an, so blass und schwach und fragt sich verzweifelt, ob er das alles durchstehen kann. Zwei Babys, eine kranke Partnerin, und ich … was, wenn ich versage? Wenn Irina stirbt, Zwillinge alleine großziehen? Seine Gedanken drehen sich im Kreis, während die Panik immer weiter steigt. Egal, wie sehr er versucht, sich zu beruhigen, es fühlt sich an, als würde er den Boden unter den Füßen verlieren.
„Um Ihrer Frau und den Babys den bestmöglichen Schutz zu bieten, werde ich sie ins Krankenhaus überweisen,“ erklärt Dr. Meinhardt mit beruhigendem Ton und richtet ihren Blick auf den besorgten Vater. Weder er noch Irina korrigieren sie – dass sie nicht verheiratet sind, scheint in diesem Moment unwichtig. Beide konzentrieren sich auf das, was die Ärztin weiter ausführt.

Dr. Meinhardt wendet sich nun direkt an Irina: „Ihr Körper verliert durch das ständige Erbrechen zu viele Nährstoffe und Flüssigkeit. In meiner Praxis sind die Möglichkeiten begrenzt, aber im Krankenhaus kann man Ihnen eine Infusion geben, um das auszugleichen. Zudem werde ich Ihnen Medikamente verschreiben, die die Übelkeit lindern sollen.“
Um die Sorge in ihren Gesichtern zu mildern, fügt sie mit einem aufmunternden Lächeln hinzu: „Machen Sie sich keine allzu großen Sorgen. Hyperemesis gravidarum ist gut behandelbar, wenn man früh genug eingreift.“
Pablo springt abrupt auf. "Dann fahren wir jetzt sofort ins Krankenhaus!", sagt er entschlossen und sein Blick wandert zwischen Irina und der Ärztin hin und her.
In Zusammenarbeit mit @Spatz
(Dr. Meinhardt wurde gespielt von mir)
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>>> Pablo geht nach Windenburg Nr. 18 - Krankenhaus (2) >>>
>>> Irina geht nach Windenburg Nr. 18 - Krankenhaus (2) >>>
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Charaktere: Dylan, Karlotta
Geschichtsstrang: Herumgehühnere
Den viel zu großen Pullover am Ausschnitt zusammenraffend krallt sich Karlottas Hand in den festen Stoff. Wenigstens wärmt das Teil einigermaßen. Die Luft ist noch feucht vom Regen, der irgendwann die Straßen gesprengt hat, aber die Klarheit bringt eine angenehme Frische in ihren alkoholgeschwängerten Kopf. Der Asphalt schwankt unter ihren Füßen hin und her, so dass sie sich auf ihre Schritte konzentriert, bis der Körper sich mit diesem Zustand arrangiert. Eine Weile schlendern Karlotta und Dylan Hand in Hand die Straße entlang. Ihre Gedanken führen erbitterte Schlachten um anerzogenen Anstand und überwältigendes Verlangen, während unwirkliche Bilder in ihrem Geist vorüberziehen. Dylan so nah zu sein, war unvergleichlich mit allem, was sie bisher erlebte. Trotzdem nagt ein Gefühl der Scham an ihr, das sie nicht abzuschütteln vermag. So respektlos, dem Eigentum Anderer gegenüber, hat sie sich selten benommen. "Das war nicht okay.", hört sie sich leise sagen. Ihre Stimme klingt gedankenverloren, als würde sie zu sich selbst sprechen, und so setzt sie bekräftigender nach: "Sowas macht man nicht." Einen Moment schaut sie auf, in Dylans Gesicht, kann dem Anblick nicht standhalten und senkt das Augenmerk auf ihre Hände, die ineinander verschlungen zwischen ihnen baumeln. Seine warmen Finger auf ihrem Bauch treiben ihr aufregende Hitze unter die Haut. "Ich meine, ...", angespannt versucht sie die Erinnerung beiseite zu schieben, "... nicht ... so."
Dylans Haut, klebrig vom angetrockneten Sekt, spannt unangenehm unter dem kuscheligen Innenfutter des Hoodies. Passend zu seinem Innenleben. Obwohl sie Händchen haltend gehen, fühlt er das Schweigen zwischen ihnen körperlich. Die Stille spinnt mit jedem Schritt einen dichteren Kokon um sie herum, scheint immer undurchdringlicher zu werden. In Dylans Kopf tanzen die Gedanken im Kreis. Ist sie sauer auf ihn? War er zu ungeduldig? Hat er sie überrumpelt, ohne es zu merken? Warum sagt sie nichts? Seine Mutter fällt ihm ein. 'Dylan, renn nicht schon wieder los, bevor einer 'Start' gerufen hat.' Mehrmals setzt er an, etwas zu sagen, aber nichts erscheint richtig. Der Alkohol tut sein übriges. Glücklicherweise hat die frische Luft heute eher ernüchternd gewirkt und ihn nicht, wie sonst manchmal, fast ausgeknockt. Als Charlie leise anfängt zu sprechen, zuckt er zusammen. Ihre Worte verwirren ihn mehr, als dass sie etwas erklären würden. Es war nicht okay für sie. Also doch.Sie war noch nicht so weit. Oder schämt sie sich wegen David so sehr? Scheiße.
Er stoppt, löst seine Finger und zieht sie in eine Umarmung. "Es tut mir leid.", sagt er leise, streicht mit den Händen über ihren Rücken und fühlt sich ungeschickt. "Ich..ich wollte dich nicht drängen." Dylan rückt etwas ab und sieht ihr in die Augen. "Ehrlich." Betreten senkt er den Blick. "Ich hatte das Gefühl..also..es war..es hat sich angefühlt, als fändest du's schön und ich wollte dich einfach spüren Er atmet laut durch. "Es ist wohl mit mir durchgegangen." 
"Nein, nein." Hektisch den Kopf schüttelnd weiten sich Karlottas Augen. "So war das nicht - ..." Wärme strömt in ihr Gesicht, die Mimik wird weich und formt ein breites Lächeln. "Es WAR schön." Ihre Finger beginnen, mit dem Kapuzenband seines Hoodies zu spielen. "Nur ..." Beschämt senkt sie den Blick. "... der falsche Ort." Einen Atemzug lang bewegt sie Worte in ihrem Kopf hin und her, bis sie schließlich zu erklären beginnt: "Es war das Schlafzimmer von Marvins Mutter. Das ... gehört sich einfach nicht."
Das ist es? Der Ort? Nichts, was mit ihm zu tun hat? Unendlich erleichtert stiehlt sich ein Lächeln auf Dylans Lippen. "Bitte fang den Stein auf, der dir grade entgegenpoltert." Er zieht sie an sich und drückt sie so fest, dass Charlie leise aufstöhnt. Grinsend tritt er einen Schritt zurück. "Das musste sein." Die Hände erneut mit ihren verschränkend, nimmt er den langsamen Gehrhythmus wieder auf. Er kann mit ihren Empfindungen nicht viel anfangen. Marvin hat eine Party geschmissen mit einer Riesenmenge Leute. Bei sowas zählt jeder Quadratzentimeter Boden und jedes Stück Inventar als 'zur beliebigen Verwendung'. Er wäre nie auf die Idee gekommen, dieses Bett in der Form zu personalisieren, wie es Charlie gerade macht. Für ihn ist es Partymobiliar, nichts weiter. Obwohl er sich um einen verständnisvollen Ton bemüht, fühlt es sich ein wenig so an, als würde er sich auf Glatteis begeben. "Ookay?" Aus dem Augenwinkel wirft er Karlotta einen kurzen Blick zu. "Was beunruhigt dich daran so? Es war eine wilde Party. Wenn Marv nicht abschließt, bedeutet das übersetzt der Raum ist frei gegeben." Das ist vermutlich nicht der richtige Kurs. "Also..vielleicht war 's gar nicht ihr Bett und es war deshalb offen?" Dylan hat keinen Schimmer ob ihr das hilft.
Schräg schmunzelnd sendet Karlotta einen nicht ernst nehmenden Blick zu ihm. Er glaubt doch nicht wirklich, dass sie ihm das abkauft. "Du bist süß. Aber das ist Blödsinn." Eine Braue hebt sich skeptisch in die Stirn. "Wem hätte es denn sonst gehören sollen? Und freigegeben heißt nicht, dass man sich daneben benehmen kann. Es gibt Grenzen. Und die haben wir überschritten." Karlottas Blick wendet sich nach vorn, auf den Weg, der vor ihnen liegt. Die Lichter der Straßenlaternen schimmern auf dem nassen Asphalt, was der Welt einen malerischen Anblick verleiht. "Das ist überhaupt nicht tragisch.", redet sie weiter beruhigend auf sich ein. "Sowas passiert schon mal. Man muss sich seine Fehler nur eingestehen." Am Ende dieser Straße hält der Nachtbus, der Passagiere mit viel Geduld und Bereitschaft, diverse Umwege zu fahren, bis nach Copperdale bringt. Karlotta kennt weder den Fahrplan, noch die genaue Route. Es ist durchaus möglich, dass sie Stunden brauchen, bis sie den Pier erreichen. Ob Lasse bereit wäre, sie abzuholen? "Wir sollten uns bei ihr entschuldigen." Ihre Stimme wirkt immer leiser und gedankenverlorener. "Das wäre anständig."
Je länger Dylan ihr zuhört, um so mehr drängt sich ihm ein Gedanke auf. "Darf ich dich etwas fragen, bevor ich antworte?" Karlotta nickt stumm, als sich ihre Blicke treffen. "Kann es sein, dass du nicht viel auf Partys gehst? Auf solche wie heute? Bei denen man nicht weiß, kommen 20 oder 100 Leute und das auch so gewollt ist?"
Karlottas Mimik verfinstert sich für einen Moment, nur um sich kurz darauf wieder zu erhellen. Der erste Impuls, sich angegriffen zu fühlen, verfliegt bei seiner weiteren Ausführung. Sie ist bisher tatsächlich eher im kleinen Kreis unterwegs gewesen. "Was hat das damit zu tun? Ist es in Ordnung, einen Haufen auf den Teppich zu setzen, wenn hundert Leute da sind, aber falsch, bei nur zehn Gästen?" Belustigt sieht sie zu ihm auf. "Das ergibt doch keinen Sinn. Entweder man benimmt sich oder nicht."
"Du würdest also einen Haufen auf dem Teppich mit dem, was wir gemacht haben, gleichsetzen?" Unwillkürlich zeichnet sich auf Dylans Wange ein Grübchen ab.
Gegen ein breites Grinsen ankämpfend boxt sie ihn liebevoll in die Seite. "Wenn es ein besonders schöner Haufen ist?"
Jetzt ist es an Dylan zu grinsen. Das ist es, was er so mag an ihr. Sie ist um keine Antwort verlegen. Einen Teil ihrer Ansichten und Gefühle kann er nachvollziehen und verstehen, aber in dieser Konsequenz? Er bleibt stehen und wendet sich Charlie zu, damit er ihr in die Augen sehen kann. „Jetzt mal im Ernst. Ich verstehe, wenn du sagst, dass dir die location und das ganze Drumherum unangenehm und zu öffentlich waren." Zärtlich zwirbelt er eine vom Sekt steife Haarsträhne wieder locker und streicht sie ihr sanft aus der Stirn, während er überlegt, wie er den Rest formulieren soll. "Aber zum einen sind wir nicht eingebrochen dort, haben nichts zerstört und auch keinen Haufen in das Bett gesetzt." Schmunzelnd forscht er in ihrer Mimik. "Und zum anderen gibt es keine Regeln auf solchen Parties. Nicht wenn der Gastgeber nen Haufen Alkohol zur Verfügung stellt und die Räumlichkeiten nicht abschließt. Es ist mit allem zu rechnen und auf jeden Fall mit Sachen, die sehr viel unangenehmer sind, als ein ..verliebtes Pärchen auf einem Bett." Mit sanftem Nachdruck zieht er sie in seine Arme. "Sei nicht so streng mit uns.", raunt er leise. 
Verliebt?! Karlottas Herz stolpert haltlos im Brustkorb herum. Er hat verliebt gesagt. Ungläubig sieht sie zu ihm auf, ihr Mund deutet ein gerührtes Lächeln an. Zwei, drei Sekunden sieht sie ihn an, dann wirft sie sich in seine Arme. Ihr warmer Atem streift seinen Hals, als sie sich fest um seinen Nacken schlingt. Momente vergehen, bis sie sich regt und ihn zu sich herunter zieht. Fordernd pressen sich ihre Lippen auf seine und sie küsst ihn ungehemmt. Ja, sie ist sich sicher. Sie ist verliebt in ihn. Ihr Bauch kribbelt vor Wärme und Aufregung. So etwas hat sie bisher noch nie empfunden. 
Ehe Dylan recht bewusst wird, was er eben gesagt hat, reißt ihn Charlies leidenschaftlicher Ausbruch mit. Die Außenwelt verschwimmt. Er fühlt, riecht, schmeckt und versinkt in diesem Kuss, bis sie sich irgendwann atemlos von einander lösen. So hat und wurde er noch nie geküsst. Wie schützend liegen seine Hände noch an ihren Wangen. Schweigend und ernst verschmelzen ihre Blicke für ein paar zeitlose Momente miteinander, während sich in Dylans Bewusstsein ein stetig klarer werdender Gedanke formt. Räuspernd versucht er etwas zu sagen, aber mehr als ein Krächzen dringt nicht aus seiner Kehle. Die Buchstaben vollführen einen wilden Tanz, ohne jede Choreografie, in Dylans Gehirn. Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, gleiten seine Hände von ihren Wangen über die Schultern zum Rücken und umfangen Charlies Körper beinahe haltsuchend. "Ich fänds schön..also..wenn wir.." Eine Feuersbrunst von Aufregung und Verlegenheit flammt von seiner Magengegend in den Brustkorb hoch und raubt ihm den Atem. "Willst du meine Freundin sein?" Die Welt steht still, nur sein Herz dröhnt ihm in den Ohren. "So richtig?" Kehlig und rau kommen die Worte über seine Lippen und das Feuer steigt bis ins Gesicht. Dylans ganzer Körper scheint zu glühen. Gut dass die Dunkelheit ihn schützt. In gespannter Erwartung ihrer Antwort zieht er sie noch näher an sich heran. Soll sie ruhig hören, dass er kurz vor einer Herzattacke steht.
Am liebsten würde sie in ihn hineinkriechen. So eng an seinen Körper geschmiegt, genügt es einfach nicht. "So richtig!", haucht sie in sein Ohr.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon)
>>> Charlie geht nach Copperdale - Haus Familie Sølberg >>>
>>> Dylan geht nach Sulani - Clemens Ferienhütte >>>
<<< Sullivan 'Blaze' Blaisdell und Dennah Delany kommen von Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Doris und Marvin Minze <<<
Charaktere: Dennah / Blaze
Geschichtsstrang: Marvins Cosplay-Party IV
Blaze zieht Dennah durch die leeren Strassen, während der kühle Frühlingswind an ihnen zerrt. Es riecht nach feuchtem Stein, der Asphalt ist nass. Es muss vor ein paar Stunden geregnet haben. Die Strassenlaternen werfen sanfte, warme Kreise auf den Boden.
Er sagt nichts, hält ihre Hand fest, während sie ihm folgt. Der Baseballschläger ruht über seiner Schulter, und sein Atem bildet leichte Wolken in der frischen Luft.
Die Stadt schläft, die Bürgersteige sind sauber, keine zerbrochenen Flaschen, keine Müllberge. Alles wirkt ordentlich – wie ein Bühnenbild, das jemand vergessen hat abzubauen.
Sie biegen um die letzte Ecke, und der leere Parkplatz eines kleinen Einkaufszentrums breitet sich vor ihnen aus. Wenige Autos, keine Menschen.
Blaze bleibt stehen, lässt Dennahs Hand los und wirft ihr einen kurzen Seitenblick zu. Sie, in seinem etwas zu grossen Pullover. Die Ärmel hängen über ihre Hände, der Saum schwappt um ihre Oberschenkel. Eine Erinnerung an Sulani blitzt auf.
Er spürt, wie sein Herz schneller schlägt, doch nicht vor Aufregung, sondern weil er etwas merkwürdiges neben ihr fühlt. Etwas, das ihn gleichzeitig zu ihr zieht und auf Abstand hält. Er kratzt sich am Hinterkopf, seine Finger gleiten kurz über den Baseballschläger, bevor er schnaubt. „Du siehst in dem Ding besser aus als ich. Fast unfair.“ Er grinst, aber es ist ein Grinsen, das etwas in sich trägt – ein bisschen Verlegenheit, ein bisschen Ehrlichkeit. Er zieht eine zerdrückte Zigarettenschachtel aus der Jackentasche und hält sie ihr hin. „Willst du?“ fragt er.
Blaze' Duft vom Pullover in der Nase tappst Dennah an seiner Seite. Seine Hand in ihrer fühlt sich angenehm an und aus einem Grund, den sie nicht erfassen kann, wagt sie es nicht, ihn anzusehen. So richtet sich ihr Augenmerk bewusst geradeaus, während sie im Geiste das fahle Mondlicht auf seinem Oberkörper leuchten sieht. Ungefragt hatte er sich vor ihr im Bad entblößt, um ihr seinen Pulli zu geben - eine Geste, die sie tiefer berührt, als er ahnen könnte. Kurz flammt der Wunsch in ihr auf, sie könnte mit ihm zu Chips gehen und bei ihm bleiben, anstatt sich weiterhin ein Zimmer mit Dunja zu teilen.

Blaze' Worte befördern sie zurück ins Hier und Jetzt. Ihre Hand wird kühl, als er sie loslässt, beinahe bedauernd zieht sie die Finger im wärmenden Ärmel zurück. "Darf ich ihn behalten?", fragt sie ungewohnt zurückhaltend. "Ich mag ihn." Daumen und Zeigefinger lugen knapp unter dem Saum hervor, als sie eine Zigarette aus der Schachtel zieht und sie zwischen die Lippen klemmt. Im Schein des Feuerzeugs leuchten Blaze ihre Augen verspielt entgegen. "Und was willst du mir jetzt zeigen?" Von seiner Idee mit dem Baseballschläger angetan zucken ihre Brauen wenige Sekunden später fordernd in die vom ersten Zug verschleierte Stirn. Wohlig kribbelnde Aufregung steigt ihr in den Brustkorb bei dem Gedanken, ihn gleich in Aktion zu sehen.
„Klar, behalt ihn,“ sagt Blaze und sieht sie kurz an. Da ist diese seltsame, undefinierbare Unruhe in ihm, die er nicht wirklich wahrnimmt, die ihn aber dazu bringt, noch etwas hinterherzuschieben, um die Geste abzuwerten, als wäre sie nichts Besonderes:
„Chip hat auch schon X Klamotten von mir. Eins mehr oder weniger juckt mich nich,“ murmelt er, mit einem kleinen Schulterzucken, als würde er damit endgültig jede Exklusivität wegwischen wollen. Seine Worte hängen einen Moment in der kalten Nachtluft, bevor er sich wieder in Bewegung setzt, den Schläger locker auf der Schulter, den Blick auf den dunklen Horizont gerichtet. Blaze hebt den Arm mit dem Baseballschläger, kneift ein Auge zu und tut so, als wäre der Schläger ein Gewehr mit einem Korn. Langsam zielt er zuerst auf die Eingangstür des Einkaufszentrums, dreht sich dann weiter zu einem einzelnen Auto, das abseits auf dem Parkplatz steht, und schliesslich zu den überdachten Einkaufswägen, die ordentlich aneinander gekettet sind.
Für einen Moment hält er inne, den Schläger immer noch leicht erhoben, und zieht an seiner Zigarette. Sein Blick bleibt auf den Wägen hängen, und etwas verändert sich in seinem Gesicht. Seine Augen leuchten, als würde ein Bild aus der Vergangenheit durch ihn hindurchziehen – eine Zeit, in der noch alles einfacher war, egal wie viel Mist sie gebaut haben. Es ist ein Ausdruck, der ihn fast jünger wirken lässt, wie ein Kind mit einem Plan, das weiss, dass es dafür Ärger geben wird, aber sich nicht darum schert.
Mit einem breiten Grinsen lässt er den Schläger sinken, atmet den Rauch aus und setzt sich in Bewegung. „Komm,“ sagt er, dreht sich im Gehen zu Dennah um und winkt sie mit, sein Ton leicht und fast verspielt. „Ich zeig dir jetzt, wie du diese ganze Scheisse vergisst.“
Ohne darauf zu warten, ob sie folgt, stapft er zum Einkaufswagenunterstand, den Baseballschläger lässig auf die Schulter gelegt, als würde er wie einer des verdammten Suizide Squad in eine Schlacht ziehen.
Vor den Einkaufswagen bleibt Blaze stehen, zieht noch einmal an der Kippe und wirft sie dann mit einem schnippenden Schwung weg. Der Baseballschläger senkt sich langsam, bis er die Kette des ersten Wagens fixiert. Eine Sekunde lang verharrt er, als würde er die Szene in sich aufsaugen, dann holt er aus und schlägt mit voller Wucht zu. Das scheppernde Geräusch hallt durch die Nacht, und mit ihm kommt ein seltsames Gefühl von Leichtigkeit über ihn. Er fühlt sich so viel jünger, als wären die Jahre zwischen jetzt und damals einfach verschwunden. Obwohl er mit seinen lächerlichen 18 Jahren eigentlich keinen Grund hat, sich alt zu fühlen. Das Bild blitzt auf – wie er Viola angeschrien hatte, voller Wut, weil sie ihn an seinem Geburtstag fast in die Scheisse geritten hatte. Die Argumente, die er vorgebracht hatte, dass er das volle Strafmass kassieren könnte. Es prallt gegen das verräterische Gefühl, das ihm jetzt hochkriecht: Mit Dennah ist es ihm scheissegal, ob ihn das hier in den Knast bringt oder nicht.
Mit einem klappernden Ruck zieht er den Wagen aus dem anderen und testet die Rollen. Er klappt den Getränkeständer unterhalb des Griffes aus, testet seine Trittfestigkeit und sieht zu Dennah. Wie selbstverständlich sagt er lächelnd: „Steig ein.. Eva.“

Verschmitzt lächelnd beobachtet sie Blaze' Vorgehen. Er ist nicht weniger zielstrebig als Boom Boom, mit der Dennah sich in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal ein solches Gefährt geborgt hatte. Allerdings waren die Methoden der Freundin mit mehr Schaden verbunden. Wehmütig schiebt sie den Gedanken beiseite. Es verletzt sie, dass nicht einmal Boom sie in dem Irrenhaus besucht. Früher hatten sie jeden Tag Kontakt, soweit sie zurück denken kann. Der unfreiwillige Umzug hat einen Keil zwischen sie getrieben und diese ganze Verwandlungssache ... Wer kann schon ahnen, wie sich das auf Boom auswirken wird?
Blaze vertreibt das beißende Gefühl der Einsamkeit scheinbar mühelos. Er stellt Dennahs Gefühle nicht in Frage, sagt nicht, sie muss sich nur zusammenreißen oder gibt dumme Ratschläge, die nicht zu ihr passen. Er ist einfach nur da. Er bemüht sich, sie aufzufangen. Das ist mehr, als sonst jemand für sie tut.
Dennah zertritt den Filter am Boden und klettert in den Wagen. Das kalte Gitter an der Haut entlockt ihr ein gehauchtes 'Whoo', als sie sich setzt. Schon eine Sekunde später reißt sie die Arme jubelnd in die Luft. "Los geeeehts!"
Blaze grinst breit, begeistert davon, wie zwanglos und ohne Zögern Dennah mitmacht. Sie wirkt so viel leichter, freier – keine Spur von dem Mädchen mehr, das eben noch auf dem Toilettendeckel gesessen hat. Das Gefühl steckt ihn an.
Er schiebt den Einkaufswagen vom Parkplatz, das klappernde Rattern der Räder auf dem nassen Asphalt hallt durch die leeren Strassen. Vor ihnen erstreckt sich eine Reihenhausstrasse, flankiert von Vorgärten, Hecken und sauber aufgereihten Mülltonnen. Neben jedem Tor steht ein schnieker Briefkasten auf dünnen Holzbeinen, fast schon einladend, als hätten sie nur auf die beiden gewartet.
Blaze hält den Wagen an, stellt sich neben Dennah und blickt mit einem Funkeln in den Augen die Strasse hinab. Dann greift er nach dem Baseballschläger, wie ein Trainer vor dem grossen Spiel, und drückt ihn in ihre Hände.
„Zehn Punkte für jeden Treffer,“ sagt er grinsend, ein schiefes, schelmisches Lächeln im Gesicht. Ohne eine Antwort abzuwarten, stellt er sich wieder hinter den Wagen und reibt sich die Hände, bevor er den Griff fest in die Finger nimmt.
„Das wollt ich schon immer mal machen,“ meint er, als er die Räder langsam in Bewegung setzt. In seiner Vorstellung war es ein Auto – sein eigenes, wenn er sich irgendwann eines leisten könnte. Aber das ist ebenso perfekt. Für jetzt.
Der Wagen gewinnt an Fahrt, das Rattern wird lauter, und Blaze spürt das Adrenalin durch seinen Körper rauschen. Als er nicht mehr mitkommt, springt er auf die Getränkeablage, das Gewicht bringt den Wagen ins Wanken, doch er hält sich am Griff fest und lacht laut.
Die ersten Mülltonnen kommen links ins Blickfeld, dicht gefolgt von einem Briefkasten. Blaze nickt nach vorn, der Schläger ragt aus Dennahs Händen.
„Hau weg die Scheisse!“ ruft er, halb lachend, halb herausfordernd, während der Wagen weiter durch die Strasse donnert.
Dennah nimmt den Schläger entgegen, ihr Blick folgt dem von Blaze. Sie hat keine Ahnung, ob sie auch nur einen von den Dingern treffen wird, aber die Idee ist genial. Sie bringt sich in Position, holt einmal mit dem Schläger aus, um den Radius zu checken, stabilisiert sich, indem sie die Knie weiter auseinander bringt und nickt schließlich. Aufgeregt schießt ihr das Blut durch den Körper. Sie will ihre Sache gut machen. Die Finger krallen sich eng um das Holz, als die Fahrt beginnt. Der Wagen poltert und ruckelt, Dennah konzentriert sich auf das erste Ziel. Blaze springt auf und sie verliert kurz das Gleichgewicht. Eilig pendelt sie sich neu aus, bringt sich etwas weiter nach vorn, um seinem Gewicht entgegenzuwirken, den Schläger bereit hinter der Schulter.
Der Kasten kommt näher. Dennah spannt die Muskeln an, schlägt die Arme nach vorn - und verfehlt. Mist! Sie hat die Entfernung unterschätzt. Hastig zieht sie den Schläger zurück, fixiert das zweite Ziel. 'Konzentrier dich, Bitch!' Krachend poltert der Wagen weiter voran, die nächste Mülltonne zieht vorüber und Dennah schlägt zu - einen kurzen Moment zu früh, so dass der Schläger im Vorbeifahren den Briefkasten zwar antippt, aber für mehr als ein kurzes Schaukeln reicht der Treffer nicht. "Fuck!"
Dennah ärgert sich merklich darüber. Sie darf die Sache nicht vermasseln. Blaze wollte das schon immer mal machen. Wenn sie den dritten nicht trifft, kann sie ihm unmöglich jemals wieder in die Augen sehen. Sie atmet tief durch, der Schläger ruht über ihrer Schulter. Der dritte Kasten rückt näher ... 'Warte ... waaaarte ... jjjjjjjjjjjjjjjjjETZT!' Mit allem, was sie hat, jagt sie das Holz nach vorn. Ein lautes Scheppern kracht in ihren Ohren, als das Blech unter der Wucht nachgibt. Der Widerstand in den Armen, als sie trifft, bringt sie kurz ins Schwanken. "Yesss!" Schnell richtet sie sich wieder auf, jetzt ist sie angeheizt. Konzentriert pressen sich ihre Schneidezähne auf die Unterlippe, Kasten Nummer vier ist dran und dieses Mal sitzt der Schlag wie bei einem Profi. Polternd reißt das Blech von seinem Standbein und bleibt demoliert an einer Seite herabängend hinter ihnen. Laut johlend reißt Dennah die Arme in die Luft. Der war spitze. Sogleich bringt sie sich in Position für das nächste Ziel. Das macht mega Spaß!

Blaze treibt den Einkaufswagen an, das Rattern der Räder auf dem nassen Asphalt wird zur Hintergrundmusik ihres irren Ausflugs. Die nächste Mülltonne rückt in Sicht, und Dennah hebt den Schläger, ihr Fokus ungebrochen. Sie sind ein chaotisches Duo in ihrem eigenen kleinen Universum, wo nichts zählt ausser Adrenalin und die Freiheit des Moments. Doch dann zerreisst ein grelles blaues Licht die Nacht, und die Realität schneidet ihnen brutal den Weg ab.
Ein Polizeiwagen zieht quer über die Strasse, direkt vor ihnen. „Fick!“ Blaze rammt beide Füsse in den Boden, um den Einkaufswagen zu bremsen, doch das ist zwecklos. Mit einem ohrenbetäubenden Geräusch knallt der Wagen gegen die hintere Tür des Streifenwagens.
Blaze reagiert instinktiv, packt Dennah mit beiden Armen und zieht sie an sich, bevor sie nach vorn geschleudert wird. Der Aufprall drückt ihn selbst hart gegen den Griff des Einkaufswagens, und ein dumpfer Schmerz fährt ihm in die Rippen. „Alles okay?“ fragt er atemlos, seine Stimme heiser, während er sie loslässt und schnell checkt, ob sie unverletzt ist.
Ohne zu zögern greift er nach dem Baseballschläger, nimmt ihn locker auf die Schulter. Die Fahrertür des Polizeiwagens geht auf, und ein Beamter tritt heraus. Sein Gesicht ist neutral, doch seine Augen sprechen Bände.
„Legen Sie den Schläger auf den Boden,“ sagt er, die Hand kurz an den Gürtel wandernd, bereit, falls Blaze einen falschen Zug macht.
Blaze hebt langsam eine Hand, die andere immer noch am Schläger, als wolle er betonen, wie harmlos er ist. „Schon gut, ich leg ihn ja hin.“ Langsam senkt er den Schläger, lässt ihn mit einem hölzernen Klirren auf den Asphalt fallen. Sein schiefes Grinsen bleibt, ein stiller Akt des Trotzes, der den Beamten sichtlich irritiert.
„Aussteigen,“ fordert der Polizist und deutet auf Dennah. Sie klettert langsam aus dem Wagen, während Blaze sich gegen den Einkaufswagen lehnt, die Hände in die Taschen geschoben.
„Was ist das hier?“ fragt der Beamte streng. Er ist Jung. vielleicht noch in Ausbildung und sein Vorgesetzter ist absichtlich im Auto geblieben um ihn machen zu lassen. Vielleicht nicht die beste Idee.
Blaze grinst noch breiter, zuckt die Schultern und sagt trocken: „Würd sagen, der beste Abend seit langem.“
„Kein Schlaumeiern,“ zischt der Polizist und richtet die Taschenlampe auf die Strasse hinter ihnen. Zerbeulte Mülltonnen, umgekippte Briefkästen und verstreute Trümmer erzählen die Geschichte ihres Chaos. „Sachbeschädigung,“ sagt er trocken. „Sie gefährden den Verkehr und zerstören Eigentum. Meinen Sie, das ist ein Spielplatz?“
Blaze schnauft und zuckt nur lächelnd die Schultern.
Der Beamte seufzt genervt, zieht ein Notizbuch hervor und blättert es auf. „Ausweise her.“
„Hab ich nicht dabei,“ sagt Blaze, ohne zu zögern, während er auf seine leeren Taschen klopft, als wolle er beweisen, dass er nichts versteckt.
Der Beamte kneift die Augen zusammen. „Name?“
„Adam.“ Blaze spricht den Namen mit einer solchen Selbstverständlichkeit aus, dass es fast glaubwürdig klingt.
Der Polizist schreibt, während Blaze sich sichtlich bemüht, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen.
Schliesslich dreht sich der Polizist zu Dennah. „Und Sie?“ fragt er, sein Tonfall unnachgiebig, während Blaze den Kopf leicht abwendet, um sein Grinsen zu verbergen. Dabei fällt ihm etwas ins Auge was grade richtig kommt.

Erst in dem Moment, in dem das Gitter des Einkaufwagens in die Karosserie kracht, setzt Dennahs Gehirn alle Puzzelteile zusammen. Von Blaze' kräftigen Armen vor einem hässlichen Sturz gesichert, entfährt ihr beim Aufprall ein lautes Ächzen. Kurz dreht sie sich zu ihm zurück und nickt. Er hat eine krasses Reaktionsvermögen, denkt sie beeindruckt, ehe sie der Aufforderung folgend, umständlich das Gefährt verlässt. Dicht neben Blaze stellt sie sich auf, wie ein unschuldiges Lamm schauend, verfolgt sie die Unterhaltung. "Der beste Abend seit Langem", hört sie ihn sagen und spürt das Lächeln auf ihrem Gesicht. Einen Moment später stellt er sich mit Adam vor und Dennah stockt der Atem. Jetzt nur nicht lachen. Mit unerschütterlichem Ernst blinzelt sie dem Uniformierten entgegen. "Eva."
In dem Moment, in dem er die Angabe notiert, wirft Dennah einen warmen Blick zu Blaze herüber.
"Sehr witzig.", registriert der Polizist die mögliche Anspielung. "Auf den Arm nehmen kann ich mich allein." Streng mustert er zuerst das Mädchen, dann den Jungen. "Also noch einmal: Name!"
Blaze will gerade den Mund öffnen, als er hinter der Schulter des Polizisten Bewegung wahrnimmt. Eine Frau steht am Tor eines nahen Hauses, in einem bauschigen Bademantel, mit rosa Lockenwicklern im Haar und einem Telefon in der Hand. Die Haustür hinter ihr steht weit offen, und durch den hell erleuchteten Flur erkennt Blaze eine Hintertür. Die Frau wirkt sauer und mürrisch. Wahrscheinlich hat sie die Polizei gerufen. Dafür schuldet sie ihnen jetzt was.
Blaze' Herz schlägt schneller, und er zwingt sich, das Grinsen zurückzuhalten, während er die Szene blitzschnell analysiert. Keine Sirene. Keine Verstärkung. Noch nicht. Aber wenn sie lange genug bleiben, könnte das anders aussehen.
Blaze merkt, dass der Polizist langsam die Geduld verliert. Der Stift in seiner Hand schwebt über dem Notizblock, seine Augen bohren sich in Blaze, während er ungeduldig auf eine Antwort wartet. Doch Blaze hat längst einen anderen Plan.
Mit gespielter Überraschung hebt er plötzlich die Hand und zeigt hinter den Polizisten. „Sehen Sie da!“ Seine Stimme klingt fast schockiert. „Zwei Idioten in einem Einkaufswagen!“
Der Polizist dreht sich instinktiv um.
„Verdammt noch mal—!“ Der Polizist will sich wieder zu ihnen drehen, doch Blaze hat keine Sekunde verschwendet.
Er packt Dennahs Hand. Sie rennen los, direkt in Richtung der offenen Haustür der Frau mit den Lockenwicklern. „Sorry, Ma'am!“ ruft Blaze im Vorbeirennen.
Blaze schlängelt sich durch den Flur, zerrt Dennah hinter sich her. Der Polizist ruft ihnen etwas hinterher, doch die Worte gehen in ihrem Fluchtadrenalin unter.
Die Hintertür kommt näher. Blaze stösst sie auf, die kalte Nachtluft schlägt ihnen entgegen. Er hatte sich vorgestellt, hier über einen Zaun klettern zu können aber stattdessen ist der Garten mit einer Hecke umzäunt...
Lachend stürzt Dennah mit ihm mit. Es ist beinahe wie früher in Sequoia. Ihr Herz pumpt kräftig in der Brust und sie könnte unmöglich sagen, ob es an dem Bullen liegt oder ...
Durch die Hintertür stolpern sie in den Garten. "Was jetzt?!", schnauft sie, sich nach allen Seiten umblickend. Eine Falle. Dieses verdammte Kraut ist ringsherum dicht ineinander verwachsen. "Da!" Nach oben zeigend deutet Dennah aufs Vordach des Wintergartens. Eine halb gefüllte Regentonne bietet immerhin eine Möglichkeit, wenn auch eine wackelige. Kaum hat sie den Gedanken beendet, setzt sie den ersten Fuß auf die schmale Kante. An der Außenwand Halt findend stellt sie sich auf und erreicht mit ausgestreckten Armen den oberen Holzbalken. Mit etwas Schwung von Blaze gelingt es ihr, hinaufzuklettern. Eilig krabbelt sie ein Stück beiseite und reicht ihm den Arm herunter, um ihn hochzuziehen. Kaum sind seine Füße aus dem Blickfeld des Gartens verschwunden, schießt der Polizist aus der Tür, gefolgt von der in Schlappen schlurfenden Petze. Dennah duckt sich flach herunter, den Finger vor die gespitzten Lippen deutet sie Blaze, ihr zu folgen. Bedächtig schleicht sie über die Schindeln weiter aufs Dach, wo sie in einer geschützten Ecke in der Hocke sitzen bleibt und sich sichtlich das Lachen verkneift.

Blaze setzt sich schweigend neben sie, während unter ihnen die Uniform schimpfend in die Hecken tritt und schließlich im Haus verschwindet. Die Alte folgt ihm, kommt kurz darauf zurück, bewaffnet mit einem Besen, dessen Stiel sie in regelmäßigen Abständen in die Büsche treibt. Amüsiert beobachtet Dennah ihr Tun, bis Ruhe einkehrt und die Stille zwischen ihnen befangen wird. "Das war cool.", flüstert sie mit einem seligen Ausdruck, dem sich, je länger sie ihn ansieht, mehr und mehr Wärme beimischt. Vorsichtig lehnt sie sich zu Blaze herüber und presst ihre Lippen auf seine Wange. "Danke.", lächelt sie, einen Atemzug verharrend. Er hat sich Adam genannt, denkt sie. Das war irgendwie witzig. Und irgendwie ... schön. "Wir sollten einen Weg hier runter suchen.", flüstert sie und krabbelt voran, geradewegs zu einem kleinen Fenster im oberen Stockwerk. Einen winzigen Spalt geöffnet, gelingt es ihr einen Arm hindurchzuzwängen und die Verriegelung von innen zu lösen. Triumphierend grinst sie Blaze zu, schiebt das Fenster weiter in den Rahmen und klettert hinein. Ein Fuß landet direkt in einer flachen Plastikschale, gefüllt mit etwas Schmierigem. Erst beim genauen Hinsehen erkennt sie, dass es sich um Katzenfutter handelt. Angewidert zieht die den Schuh aus. Das sieht aus wie Kotze. Sich im Raum umschauend findet sie eine voll gehaarte Decke und pult, so gut es geht, den Sott von der Sohle, ehe sie wieder in den Schuh hineinschlüpft.
Blaze setzt sich neben Dennah, das Dach unter ihnen ist überraschend kühl, selbst durch die Schicht seiner Jeans spürt er die Kälte. Sein Herz schlägt noch immer schnell, mehr vom Adrenalin als von der körperlichen Anstrengung. Neben ihm liegt Dennah, halb in den Schatten gedrängt, den Finger vor den Lippen, und er sieht, wie ihr Brustkorb sich hebt und senkt, während sie versucht, das Lachen zu unterdrücken.
Ihr Gesicht ist nur halb im Mondlicht zu sehen, das Restlicht der Strassenlaternen spiegelt sich in ihren Augen, und für einen Moment fühlt es sich surreal an. Alles – das Rennen, die Flucht, der Schläger, sogar die verdammte Frau mit dem Besen – scheint meilenweit entfernt. Blaze starrt sie an, seine Gedanken treiben irgendwo zwischen der wackeligen Regentonne und der Art, wie sie so selbstverständlich die Führung übernommen hat, als wäre es das Normalste auf der Welt. Dann duckt er sich ein wenig tiefer, als unter ihnen der Polizist erneut flucht und die Alte mit ihrem Besen aufgebracht in die Büsche sticht.
Dennahs Stimme bringt ihn zurück ins Hier und Jetzt. Sie dreht den Kopf zu ihm, und plötzlich spürt er die Berührung ihrer Lippen auf seiner Wange. Warm, weich, und kurz genug, um ihn zu verwirren. Er kann nichts darauf sagen, nur ein leises, kaum merkliches Zucken in seinem Mundwinkel, das nicht weiss, ob es ein Lächeln sein will oder nicht.
Als sie flüstert, dass sie einen Weg nach unten suchen sollten, nickt er stumm. Er sieht ihr nach, wie sie vorsichtig über die Schindeln krabbelt, und folgt ihr. Ihre Bewegungen sind flink, fast katzengleich, und Blaze merkt, wie sich seine Gedanken wieder in die falsche Richtung bewegen. Er schüttelt sie ab, fokussiert sich auf das Jetzt, darauf, wie sie das Fenster entriegelt und sich hineinzwängt. Drinnen ist es dunkel, aber er hört sofort ein leises Fluchen. Blaze schwingt sich durch das Fenster hinter ihr und landet leicht auf den Füssen. Der Raum ist winzig, ein Vorratskämmerchen mit ein paar Regalen voller Dosen und Reinigungsmittel. Der Geruch nach abgestandener Luft und schalem Katzenfutter hängt in der Luft. Er zieht vorsichtig die Tür auf und späht hinaus in den Flur. Die Alte poltert immer noch irgendwo draussen im Garten herum. „Komm,“ murmelt er und macht eine Geste, ihr zu folgen.
Sie schleichen durch das Haus, vorbei an einem Wohnzimmer, das vollgestellt ist mit kitschigen Porzellanfiguren und einer Couch, die aussieht, als hätte sie die Siebziger nicht nur gesehen, sondern nie verlassen. Der Flur knarzt unter ihren Schritten, und Blaze hält die Luft an, als sie die Klinke der Haustür erreicht. Mit einem letzten Blick über die Schulter öffnet er die Tür, und sie schlüpfen hinaus.
Draussen atmet Blaze tief durch, spürt die kalte Luft in seinen Lungen, die Freiheit. Ohne ein Wort dreht er sich zu Dennah um, sieht ihr in die Augen, und für einen Moment ist da wieder dieses seltsame Gefühl. Wie eine Kante, an der er steht, aber nicht weiss, ob er springen soll.
„Nicht übel.. und jetz weg hier.“ murmelt er schliesslich, das schiefe Grinsen zurück auf seinen Lippen, bevor er sich nochmal umsieht, feststellt das die Luft rein ist und sie am Strassenrand entlang heimlich den 'Tatort' verlassen.

Blaze steckt die Hände in die Jackentaschen, während sie gehen, und zieht eine zerdrückte Schachtel Zigaretten hervor. Mit einem Klicken zündet er eine an, der Rauch steigt in die kühle Nachtluft. Er hält Dennah die Schachtel hin, und als sie sich eine nimmt, reicht er ihr wortlos das Feuerzeug.
Sie schweigen, nur ihre Schritte durchbrechen die Stille. Blaze spürt, wie seine Gedanken unruhig umherwirbeln, fast wie ein alter Trockner, der nicht richtig läuft. Er will etwas sagen, irgendetwas Cooles, aber die Worte kriegt er nicht zu fassen. Stattdessen sieht er kurz zu Dennah hinüber, die neben ihm hergeht, und die Frage rutscht ihm einfach heraus: „Was machst du nächstes Wochenende?“
Er zieht an seiner Kippe, als ob das helfen könnte, die Spannung zu überspielen, und richtet seinen Blick geradeaus. Gleichzeitig fühlt sich der Gedanke, sie bald wiederzusehen, nicht falsch an. Nicht falsch, aber kompliziert.
"Da hab ich Geburtstag!", ruft sie fröhlich aus. Tänzelnd hüpft sie zwei Schritte voran und bleibt vor Blaze stehen. "Kommst du zu meiner Party?" Ihre Augen funkeln ihn aufgeregt an. "Ich feier in der Hütte in Sulani. Bitte komm auch." Zeichnete ihr Mund zuerst ein breites Lachen, nimmt er nun eine ernste Haltung ein und verdeutlicht, wie wichtig es Dennah ist. Er muss einfach ja sagen. Ohne ihn ist es nicht perfekt.
Blaze nimmt einen Zug von seiner Zigarette, mehr um sich Zeit zu verschaffen, als weil er sie wirklich geniessen würde. Seine Gedanken springen sofort zu der Hütte, zu den Erinnerungen, die sie für ihn trägt. Sand, Meer, wie sie zu dritt dort schliefen... Boom...
Er nickt, langsam, fast wie zu sich selbst. „Ja… klar. Warum nicht?“ sagt er schliesslich, und Vorfreude regt sich in ihm. Aber dann kommt der zweite Gedanke, unwillkommen, aber hartnäckig. Sulani. Eine Party. Ihre Party. Sicher hat Dennah eine Menge Leute eingeladen, Freunde, vielleicht auch mehr als nur Freunde. Das Funkeln in ihren Augen, die Begeisterung in ihrer Stimme – das teilt sie nicht nur mit ihm, oder? Immerhin war da dieser Typ der mit ihr aus dem Zimmer kam. Er lässt die Zigarette fallen, tritt sie mit dem Fuss aus und sieht sie an. „Wer kommt denn alles?“ fragt er, seine Stimme so beiläufig, wie er es hinkriegt.
"Yessss!" Beide Fäuste neben dem Körper anziehend, wirkt sie, als hätte sie den besten Strike ihres Lebens geworfen. Zufrieden nimmt sie wieder den Platz neben ihm ein und den Weg aus Windenburg heraus auf. "Ach, keine Ahnung. Boom natürlich, David und Stäffi. Er hat einen Tag vor mir. Wir feiern zusammen.", brabbelnd führt sie die Zigarette zum Mund, zieht beiläufig, als ihr noch jemand einfällt. "Oh, und Chips. Ich hab ihn noch nicht gefragt, aber er soll dabei sein. Er ist so lustig. Und sonst ..." als wäre es ihr egal, zieht sie die Schultern hoch in den Nacken, "möglich, dass Boom noch paar Leute aus Sequoia anschleppt. Aber da weiß ich nix drüber." Ein weicher Ausdruck legt sich auf ihr Gesicht, als sie Blaze von der Seite anschaut. "Und du. Darüber freue ich mich am meisten." Ihre Hand greift nach seiner und hält sie fest umschlungen. Ihr Herzschlag nimmt fröhlich polternd Fahrt auf. Den Kopf an seine Schulter anschmiegend, atmet sie tief durch. Wenn er bei ihr ist, ist einfach alles besser.
Ihre Hand schliesst sich um seine, warm und fest, und Blaze spürt, wie sein Herz einen Sprung macht. Das sollte er jetzt fühlen, oder? Glücklich. Er sollte sich darüber freuen, dass sie ihm so etwas sagt, dass sie ihn mit so einer Selbstverständlichkeit in ihrer Nähe haben will. Aber da ist noch etwas anderes. Als sie ihren Kopf gegen seine Schulter lehnt, ihre Nähe so vertraut und doch irgendwie zu viel, nimmt Blaze einen tiefen Atemzug. Es ist schön, dass sie so glücklich wirkt, so mühelos fröhlich. Aber gleichzeitig fühlt er sich unsicher. Was erwartet sie überhaupt? Was erwartet er? Er hat keine Ahnung. Er weiss nur, dass er Zeit mit ihr verbringen will, ständig. Dass es sich seltsam anfühlt, wenn sie nicht da ist, und noch seltsamer, wenn sie so nah ist. Als würde er sich immer wieder an eine Grenze herantasten, vor der er Angst hat.
Er runzelt die Stirn, versucht, die Gedanken abzuschütteln, und hebt seine freie Hand, um eine neue Zigarette anzuzünden. Die Flamme des Feuerzeugs flackert. Blaze bläst den nächsten Zug aus und sagt es einfach, ohne groß darüber nachzudenken: „Sag mal… hattest du eigentlich schon mal jemanden, mit dem’s… ernst war?“ Er spürt, wie sie sich leicht bewegt, aber er schaut sie nicht an. Sein Blick bleibt auf die Strasse vor ihnen gerichtet. Er fragt nicht, weil er kitschige Antworten hören will, sondern weil er wissen muss, warum er sich so fühlt. Warum sie ihn so verwirrt. Es ist dieser Typ aus dem Zimmer, der ihn nicht loslässt. Die Art, wie sie immer so offen ist, fast naiv, und doch nicht – es wirkt fast, als würde sie die Wirkung, die sie auf andere hat, ausnutzen. Ihre Leichtigkeit. Ihr Lachen. Die Tatsache, dass sie sich halb nackt zeigt und keine Sekunde daran denkt, dass es Leute wie ihn in den Wahnsinn treiben könnte. Er fragt, weil er keine Ahnung hat, wie jemand so sein kann. Und weil er sich fragt, ob sie für irgendjemanden genauso war wie jetzt bei ihm.
Blaze nimmt noch einen Zug, spürt das Nikotin in seinem Kopf. „Ich mein… jemand, der dich so richtig gekannt hat,“ fügt er hinzu, seine Stimme ein bisschen tiefer, als er wollte. „Nicht nur oberflächlich..“
Es fühlt sich an, als würde er eine Antwort erwarten, die er vielleicht gar nicht hören will. Er weiss nicht, was er sich davon verspricht. Vielleicht Klarheit. Vielleicht, dass sie ihn auslacht und das Thema abwinkt. Oder dass sie eine Antwort gibt, die ihm das seltsame Gefühl in der Brust nehmen könnte.
"Wozu soll das gut sein?" Sie nimmt den Kopf von Blaze' Schulter und sieht mit einem resignierenden Ausdruck auf die Straße vor ihren Füßen. Die Frage beschert ihr ein ungutes Gefühl. Beklemmungen werfen einen grauen Schatten über die Leichtigkeit, die gerade noch die Oberhand hatte. Wenn sie eins auf den Straßen von Sequoia gelernt hat, dann, dass ein Mädchen sich entscheiden muss, wenn es nicht allein sein will. "Entweder sie mögen dich oder sie wollen dich."
Er weiss nicht, wie er darauf reagieren soll. „So denkst du?“ fragt er schliesslich, seine Stimme leise, fast ungläubig. Er wirft ihr einen schnellen Seitenblick zu, sieht, wie sie die Strasse fixiert, der resignierte Ausdruck in ihrem Gesicht. Blaze beisst sich kurz auf die Innenseite der Wange, versucht, seine Gedanken zu ordnen. „Weil… keine Ahnung. Ich mein, ist das alles? Magst du jemanden, oder willst du ihn?“ Er merkt, dass er stockt, die Worte kommen langsamer, als ob er sie mit sich selbst abgleichen müsste. „Und… wenn du jemanden magst, heisst das, du willst ihn nicht? Und umgekehrt?“
Er schnaubt leise, schüttelt den Kopf. „Das klingt irgendwie... beschissen.“
Es klingt nach Friendzone oder One Night Stand...
Sein Blick wandert zurück zu ihr, zögert. Er versucht, irgendwas in ihrer Haltung, in ihrem Gesicht zu lesen, aber sie ist wie ein verschlossenes Buch. Und es bringt ihn fast um, nicht ein winziges Zeichen erkennen zu können, wo er bei ihr steht. Zumal, wenn es nur zwei Optionen gibt, sich beide nicht sonderlich gut anfühlen. Aber was weiss er schon.
Dennah schnaubt ein überraschtes Schmunzeln. Er müsste es doch raffen. Er ist ein Kerl. "Ich doch nicht. Ihr seid so." Ihre großen Augen sehen ihn an, als ob sie ihn erwischt hätte, sie veräppeln zu wollen. "Meine Rolle ist es, das zu sortieren. Klar ist das beschissen, aber was soll ich machen?" Das Gesicht wendet sich wieder ab. Einen letzten Zug inhalierend wirft Dennah den Zigarettnstummel achtlos hinter sich. "Ich hab die Regeln nicht aufgestellt. Ich spiele nur mit, so gut es eben geht."
Er nimmt einen letzten Zug von seiner Zigarette, bevor er sie auf den Boden schnippt. Sie spielt 'nur' mit. Das ist doch Bullshit. „Und? In welches von den beiden packst du mich?“
Er schaut sie direkt an, sein Blick intensiv, fast herausfordernd. Blaze merkt, wie sein Herz schneller schlägt, als er die Worte ausspricht, und das Gefühl kriecht ihm bis in die Brust. Er weiss nicht, ob er ihre Antwort wirklich hören will. „Mag ich dich?“ Er macht eine Pause, um die Spannung in der Luft spürbar zu machen. „Oder will ich dich nur ficken? Was denkst du?“ Er versucht es locker und selbstverständlich zu sagen, als wäre das eine Unterhaltung über das Wetter.
Dabei merkt er, wie sein Puls immer stärker pocht, während er ihre Reaktion abwartet. Sag es. Zeig mir, was du denkst. Zeig mir, ob ich nur eine Figur in diesem Spiel bin, das du so beiläufig beschreibst.
Seine Gedanken springen zurück nach Sulani, zu den Momenten, in denen er das Gefühl hatte, dass sie ihn wie einen Schwanzgesteuerten Idioten in bestimmte Handlungen lenken will, wie sie es offenbar doch mit jedem tut.
"Wenn du mich ficken wolltest, hättest du es längst getan." Dennahs Stimme klingt erschreckend nüchtern, doch ihre Augen sprechen eine andere Sprache, als sie ihn für einen Moment ansieht. Bei Chips ist es einfacher einzuschätzen. Der Typ will sie. Jedes Mal, wenn er sie ansieht, stellt er sich vor, wie er sie nimmt. Sie spürt es. Sieht es in seinen Augen. Wenn dieses Walross nicht wäre, hätte er sie bestimmt längst aufs Klo geschleift. Dann hätte sie diesen Abschnitt endlich hinter sich. Aber Blaze? Der ist anders. Etwas Schweres mischt sich in ihren Blick. Ein Teil von ihr bedauert, dass Blaze nicht über sie hergefallen ist. Es hätte ihr bestimmt gefallen. Aber sie versteht und akzeptiert seine Entscheidung. "Naja, das ist okay." Sie ringt sich ein wenig überzeugendes Lächeln ab. "Nicht jeder kann was mit einer Bitch anfangen." Die Nüchternheit weicht einem traurigen Unterton. "Ich glaub, ich bin froh, dass du nicht so bist. Ich hab nicht viele Freunde, weißt du? Die meisten sehen nur, was sie sehen." Tief einatmend setzt sie ein fröhliches Gesicht auf. "Aber hey - das ist besser als gar nichts, oder?" Ihre Schultern ziehen kapitulierend in den Nacken und untermalen das Schauspiel mit einer zweifelhaften Geste.
Findet sie das gut? fragt er sich, den Blick auf die Strasse vor ihnen gerichtet. Er sieht sie kurz aus dem Augenwinkel an, ihre Haltung, wie sie die Schultern ein bisschen hängen lässt, auch wenn sie ein fröhliches Gesicht aufsetzt. Ist das der Grund, warum sie sich so anzieht? Weil sie denkt, dass es das Einzige ist, was die Leute an ihr interessiert?
Blaze merkt, wie ihm der Gedanke eine seltsame Unruhe beschert. Denn er weiss, dass er scharf auf sie ist, ständig. Aber er will sich nicht zu diesen Typen zählen lassen, die sie ansehen und sie nur in eine Schublade stecken, die sie verbrauchen und dann abhaken.
Und gleichzeitig fragt er sich, ob er wirklich mehr will. Ob er überhaupt das Recht hat, mehr zu wollen, wenn sie ihn vielleicht schon längst in diese „Freund“-Kategorie gesteckt hat.
Oder macht ihn der Gedanke an all die anderen Typen wahnsinnig, die dieses Spiel mit ihr spielen? Deren Absichten so offensichtlich sind, dass er sie fast beneidet, weil sie keinen Zweifel daran haben, was sie wollen. Vielleicht ist sein Denken für sie eh zu langweilig.
Blaze streicht sich durch die Haare, sein Blick auf die Strasse vor ihnen fixiert. Seine Hände bleiben tief in den Jackentaschen, als hätte er Angst, sie könnte etwas in seinem Gesicht lesen, was er selbst nicht ganz versteht. „Wenn du meinst,“ sagt er, fast resigniert.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )
>>> Blaze geht nach Oasis Springs - Delsyns Camper (3) >>>
>>> Dennah geht nach Sulani - Clemens Ferienhütte >>>
<<< Alma kommt von Del Sol Valley <<<
Charaktere: Alma
Geschichtsstrang: Wenn plötzlich alles anders ist - Teil 1
Alma schlendert durch die Straßen von Windenburg, als ihr Handy vibriert. Eine SMS von 'Mama'. Sie entsperrt das Display und liest die Nachricht.

Zitat von {{Mama}}
Alma, bitte komm sofort ins Krankenhaus in Windenburg. Es ist etwas passiert.
Ein ungutes Gefühl breitet sich in ihr aus. Sie hat all die letzten Wochen nichts mehr von ihr gehört. Und jetzt ganz unerwartet bekommt sie eine SMS und dann mit solch einem Inhalt. Ihr Herz schlägt schneller, als sie erneut die Zeilen liest. Was meint sie damit? Was ist passiert?!
Ohne nachzudenken, dreht sie sich um und beginnt zu rennen. Sie ist nicht weit entfernt, nur ein paar Straßen trennen sie vom Krankenhaus. Bitte lass es nichts Schlimmes sein!
>>> Alma geht nach Windenburg Nr. 18 - Krankenhaus (3) >>>
#19
<<< Dennah und Blaze kommen von Del Sol Valley (2) <<<
>>> Nari >>> Start
Charaktere: Dennah, Nari, Blaze
Geschichtsstrang: Konkurrenz oder Freundschaft?
Angespannt schaut Dennah auf das Display ihres Handys - schon wieder. Seit dem letzten Kontrollblick sind keine zwei Minuten vergangen. Sie kann es kaum erwarten, Blaze endlich zu treffen. Am Morgen hatten sie miteinander geschrieben und sich verabredet. Am liebsten wäre sie gleich nach Oasis Springs gefahren, um ihm und seinem Bruder Gesellschaft zu leisten. Aber Cordula hatte darauf bestanden, dass sie UNBEDINGT etwas Anständiges für die Verhandlung kauft. Zugeknöpft und brav. Gedanklich rollt Dennah mit den Augen. Das brave Dorfmädchen glaubt ihr doch ohnehin niemand. Schon gar nicht diese alten vertrockneten Säcke vom Jugendgericht.
Drei Minuten sind vergangen. Genervt stöhnend legt sie den Kopf in den Nacken. 'Beeil dich, ich vermiss dich krass hart!' tippt sie in den Chat und sendet die Nachricht ab, ehe sie die Schultern strafft. Bald wird er hier sein. Dann kann sie ihm diesen furchtbaren Fummel zeigen. Bestimmt lacht er sie aus. Es sei denn ... Eine Braue hebt sich in ihre Stirn. Die Lippen gespitzt, öffnet sie mit beiden Händen die Tüte, um das Stück Stoff darin zu betrachten. Wenn sie die Naht auftrennt und den Ausschnitt versetzt... nur ein klein wenig tiefer. Vielleicht bauchfrei? "Ach ist doch alles kacke!" Maulend kickt sie einen Stein vom Weg. Erneut zückt sie ihr Handy. Was zum ... Vier Minuten? Ernsthaft?! Gelangweilt lässt sie sich auf einen Poller am Rande der Straße fallen und starrt mit aufgeblasenen Backen in die Kleinstadt hinein. Windenburg ist soooo lame. Mit jeder Sekunde, die sie dort sitzt und Leute betrachtet, schaltet ihr Gehirn mehr und mehr ab, bis sie zusammengesackt und stumpf ins Nichts blickend die Zeit vergisst.
Mit federndem Schritt verlässt Nari das kleine, gemütliche Häuschen, das noch ihr Zuhause ist. Kaum draußen, blendet die Sonne so grell, dass sie die Augen zusammenkneift – und plötzlich muss sie niesen. Hoch, gequetscht, quietschend wie ein kleines Ferkelchen. Sie lacht über sich selbst, schüttelt den Kopf und strahlt umso mehr. Ferien! Endlich Sommer, endlich Sonne.
Mit festem Vorsatz schlendert sie los. Von ihrem schmalen Taschengeld will sie sich einen neuen Rucksack gönnen – der alte hat endgültig den Dienst quittiert, die Riemen hängen nur noch schlaff herunter. Sie stöbert durch kleine Läden, lässt Düfte von Parfümproben aufsteigen, greift nach glitzernden Anhängern und Ketten … doch der erhoffte Rucksack bleibt aus.
Irgendwann sinkt ihr Blick aufs Handy. Vielleicht online? Ein kräftiges Rot schwebt ihr vor. Oder doch ein nerdiges Modell mit ihrem Lieblings-Animehelden? Je weiter sie scrollt, desto unübersichtlicher wird alles. So viele Modelle, so viele Optionen – und sie ist sich immer unsicherer.
Mit einem tiefen, genervten Stöhnen lässt sie die Umgebung aus dem Blickfeld verschwinden – und stolpert prompt über ein paar Beine, die sich ihr in den Weg stellen. Sie rudert mit den Armen, doch ihr Handy schießt im hohen Bogen davon und klatscht klirrend auf den Boden.
"Aua!" Sie greift sich an ihrem Arm, verzieht das Gesicht und rappelt sich hastig hoch. "Oh Gott, Entschuldigung! Hoffentlich hab ich Sie nicht verletzt!"
Im nächsten Moment stürzt sie auf ihr Handy zu, hebt es auf – heil! Die Schutzfolie hat den Sturz abgefangen. Ein neues könnte sie sich unmöglich leisten. Erst dann sieht sie zu der Person, über die sie gefallen ist – und diesmal genauer.
"Ehrlich, ich hoffe, ich hab Ihnen nicht wehgetan."

Vollkommen aus den Nicht-Gedanken gerissen schreckt Dennah zusammen, als ihr Bein unsanft zur Seite gerissen wird. "Scheiße, pass doch auf!" Natürlich muss die blinde Nuss genau in den blauen Fleck reinlaufen, den Vaas ihr mit gleich zwei Paintballtreffern bis ins Knochenmark gehämmert hat. Blaze hatte sie gewarnt, dass einige Spuren lange schmerzen könnten, aber das ... Luft zwischen den Zähnen einatmend reibt sie sich das Unterbein. Erst nach einigen Sekunden hebt sie den Blick zu dem Mädchen, das in etwa ihr Alter haben dürfte. Dennahs Mine verzieht sich missbilligend. Blond, schlank, weiche Haut, große Lämmchenaugen - süß. Genau der Typ Mädchen, auf den die Jungs abfahren. Na toll. Bestimmt ist die auch noch nett oder sowas. Muschipilz. "Geht schon. Hast ne blöde Stelle getroffen." Die Klamotten geradezupfend steht Dennah auf und taxiert die Kleinere. "Mach das nächste Mal die Augen auf."
Mit großen, unschuldigen Augen sieht Nari zu Dennah auf. Natürlich. Ausgerechnet bei ihr, einem der coolsten Mädchen weit und breit, hat sie sich so richtig blamiert. Am liebsten würde sie sich dafür selbst in den Hintern beißen. Ein leiser Seufzer entringt sich ihr, während ihr Blick, fast wider Willen, fasziniert an Dennah hängen bleibt.
Da spürt sie plötzlich, wie etwas Warmes ihren Arm hinabläuft. Irritiert folgt ihr Blick der Bewegung – und erst als ihre Finger das helle Rot auffangen, zuckt sie zusammen. Blut. Ein brennender, stechender Schmerz meldet sich verspätet, lässt sie das Gesicht verziehen.
Trotzdem ringt sie sich ein Lächeln ab. "Kann ich das mit einem Eis wieder gutmachen? Ich geb dir eins aus?" Ihre Stimme schwankt zwischen Ernst und einem Hauch von Hoffnung, als sie zu Dennah aufsieht. Die Sonne verfängt sich in ihrem Haar, lässt es golden aufleuchten – fast, als wolle sie ihr einen Moment von Glanz verleihen, trotz aller Peinlichkeit.
Blaze steigt aus Delsyns Wagen, der noch kühl ist von der Klimaanlage, und schiebt die Sonnenbrille hoch. Die Hitze schlägt ihm wie eine Wand entgegen. Der Asphalt flimmert, strahlt die Wärme von unten gegen seine Haut, und es ist fast ein Wunder, dass die Sohlen seiner Springer nicht direkt schmelzen. Er checkt automatisch das Handy, und als er Dennahs Nachricht liest, zuckt es ihm sofort in den Mundwinkeln. Vermiss dich krass hart. Verdammt. Genau das Gefühl liegt ihm auch in der Brust.
Er zieht das Shirt vom Körper weg, versucht ein bisschen Luft reinzulassen, während er losgeht. Die Hitze klebt an ihm, aber es ist ihm egal. Er will zu ihr. Alles andere ist Hintergrundrauschen – selbst der Schweiss, der ihm den Nacken runterläuft. Heute war lang, der ganze Kram fürs Camp, Schleppen in der Sonne, reden, organisieren. Er könnte sich eigentlich wie ein nasser Sack fühlen. Tut er aber nicht. Das Kribbeln in der Brust hält ihn wach.
Zwischen den Häusern sieht er die Strasse, auf der sie sein müsste. Er beschleunigt. Seine Gedanken springen zu dem Moment, wenn er sie gleich vor sich hat – wie sie lacht, wie sie ihn mit diesem Blick mustert, der sich irgendwo zwischen Spott und "komm her" bewegt. Er merkt erst, dass er die Zigarette schon im Mund hat, als das Feuerzeug klickt. Ein Zug, Rauch in der Lunge, und er läuft weiter, den Blick wie ein Scanner über die Szene.
Eine Frau mit Hund. Ein Typ mit Kippe. Irgendwer blond, Top, kurze Hose, lange Beine. Sein Kopf registriert sie nur am Rand, bis der wild rote Fleck von Dennahs Haaren ins Sichtfeld kommt. Zack. Alles andere verschwimmt.
Er sieht den Ausdruck in ihrem Gesicht und wie sie sich das Bein reibt. Irgendwas stimmt nicht. In ihm regt sich dieser kurze, hitzige Impuls, dazwischenzugehen, bevor er überhaupt weiss, was los ist. Chill...
Die Kippe fliegt halb geraucht auf den Boden. Der Blick bleibt auf Dennah.
„Jo…“, sagt er zur Begrüssung. „Hab dich vermisst.“ Das Grinsen, das er dazu aufsetzt, gehört nur ihr. Danach wirft er einen neutralen Blick zur Blonden. Er registriert das Blut an ihren Fingern - zu wenig um ihm noch etwas auszumachen, er hat inzwischen Schlimmeres gesehen - während er Dennah den Arm um die Schulter legt. „Alles ok?“, fragt er die Runde, in dem er erst die Fremde kurz mustert und dann zu Dennah in seinem Arm schaut.

Tief einatmend registriert Dennah den Blick der Blonden. Die Unsicherheit, die ihr entgegenstrahlt, irritiert sie. Wie kann so ein Mädel zu ihr aufsehen? Sicher, sie ist schon irgendwie heiß. Aber auch nur, weil sie keine andere Wahl hat. Die da hat das nicht nötig. Die ist ... süß. Gerade will sie demonstrativ die Arme vor der Brust verschränken, als ihr der rote Rinnsal am Arm der Anderen auffällt. "Ich brauch kein - Oh, du blutest ja." Besorgt weiten sich Dennahs Augen. Das fürsorgliche Muster will gerade ausbrechen, als Blaze plötzlich wie aus dem Nichts neben ihr erscheint - und sie vollkommenen aus der Situation reißt. Augenblicklich beginnt ihr ganzes Dasein zu leuchten. "Hey, du.", flüstert sie, den Rücken durchstreckend neigt sie sich ihm entgegen, um ihn zu küssen. Es fällt ihr schwer, zuerst die Lippen, dann den Blick von ihm zu lösen. "Mhm,", nickt sie kurz auf seine Frage. "Wir sind ... zusammengestoßen." Von ihrer anfänglichen Feindseligkeit ist nichts mehr zu spüren, als sie sich dem Mädchen zuwendet. Bedacht, aber nicht schüchtern, greift sie nach dem Handgelenk, um die Andere ein Stück näher zu sich zu holen. "Hast du dich geschnitten? Das muss gereinigt werden. Bist du geimpft? Warte, ich hab da ..." Kurzerhand kniet sie sich zur Einkaufstüte herunter und kramt nach dem anständigen Fummel, schlägt ihn aus und fischt nach der Naht am unteren Saum. "Verdammt, scheiß Qualitätsware!" Vor sich her schimpfend muss sie schnell erkennen, dass sie den Faden mit bloßen Fingern nicht zu fassen bekommt. Wild entschlossen, erste Hilfe zu leisten, fängt sie an, auf dem Stoff herumzubeißen, bis ... endlich ... Ratsch "Geht doch." Sie reicht Blaze ein Ende des Stoffes und zieht kräftig, so dass sich ein ungleichmäßiger Streifen abtrennt. "Wär doch gelacht.", lächelt sie warmherzig. Gewissenhaft wickelt sie das Stück Stoff um den Arm des Mädchens. "Damit es zu bluten aufhört.", erklärt sie knapp.
Nari senkt beschämt den Blick, als sie den irritierten Ausdruck bemerkt, und fährt sich nervös übers Gesicht.
Hab ich schon wieder etwas Falsches gesagt? Wieso bin ich bloß so?
Fast ist sie erleichtert, als Blaze auftaucht – auch wenn sein prüfender Blick sie nicht unbedingt beruhigt. Für einen kurzen Moment lässt sie sich von der niedlichen Szene ablenken, die sich neben ihnen abspielt: Ein kleines Mädchen quietscht vergnügt, während ein tapsiger Dalmatinerwelpe um sie herumhüpft. Unwillkürlich huscht ein Schmunzeln über Naris Lippen.
Doch kaum beginnt Dennah ihre Geschichte zu erzählen, verfliegt ihr Lächeln wieder. Irgendetwas stimmt nicht – so hat es sich nicht zugetragen. Unbehagen macht sich in ihr breit. Verwirrt zwirbelt sie eine ihrer blonden Locken, während ihr Blick suchend an Dennah hängt.
Was soll das? Warum stimmt hier nichts mehr?
Überrascht reißt Nari die Augen auf, als Dennah plötzlich ihr Handgelenk packt. Einen Moment lang starrt sie sie irritiert an, dann spürt sie, wie der Griff sanfter wird – beinahe vorsichtig. Wärme steigt ihr in die Wangen, und sie bringt nur ein gepresstes:
"Ach, das ist nichts! Mach dir keine Umstände."
Doch als Dennah unbeirrt am Stoff zerrt, rudert Nari hastig mit den Händen.
"Wirklich, das ist nicht nötig – es ist doch nur ein Kratzer!"
Das Lächeln, das ihr entgegenstrahlt, ist jedoch so warmherzig, dass Nari nicht anders kann. Ihr Herz macht einen kleinen Satz, und zaghaft lächelt sie zurück. Fasziniert beobachtet sie, wie Dennah das Stoffstück um ihren Arm wickelt, die Bewegungen erstaunlich sanft und bedacht.
Als Nari schließlich das Ergebnis betrachtet, hellt sich ihr Gesicht auf, und sie strahlt.
"Das ist soooo viel besser! Daaaanke! Dafür schulde ich dir jetzt aber eine ganze Packung Eis!"
Ein leises Kichern entringt sich ihr, dann streckt sie die freie Hand aus.
"Ich bin Nari."

Blaze Herz setzt wie immer aus, als sie ihn küsst. Und kurz darauf macht er einen Ausfallschritt weil sie ihm den Stoff aus der Tüte in die Hand drückt und dran zieht. Breit grinsend, richtet er sich auf und schiebt die Sonnenbrille wieder grade.
„War das der ‚anständige‘ Fummel den ihr heute kaufen solltet?“ fragt er und kommt nicht um hin sich vorzustellen wie Cordula darauf reagieren wird. Er sieht sie vor sich, wie sie umkippt, wenn sie das verunstaltete Teil sieht. Grinsend betrachtet er die modifizierte Kleidung in seinen Händen, legt sie zusammen, steckt sie zurück in die Tüte.
Blaze mustert Nari, die sich vorstellt. Sie wirkt nervös, fuchtelt mit den Händen, plötzlich der Umschwung in der Stimme. Unwillkürlich muss Blaze lächeln. Nicht wegen Nari, sondern wegen deren Dankbarkeit für Dennah. Weil Dennah keine halben Begegnungen kennt. Sie kippt ihr ganzes Ich in den Moment. Wärme, Fokus, Blickkontakt, als gäbe es nur das. Sims lieben sowas. Er auch. Das zieht ihn an, ohne, dass er sagen könnte, warum.
Blaze fallen Naris Klamotten, die blonden Haare, die grossen Augen, vollen Lippen und Piercings auf. Seine Hände wandern unwillkürlich in die Taschen, während er sie hinter der dunklen Brille mustert. Sie erinnert ihn an irgendwen… jemand aus der Schule? Ne.. vom Skateplatz? Auch nicht… Nari.. da klingelt nichts. Komisch.
Er stellt sich als Blaze vor und beschliesst abzuwarten.
"Ja, das Ding geht gar nicht. Aber Cornelia hat keine Ruhe gelassen." Dennah rollt mit den Augen. "Ich werds bisschen pimpen. Hab schon Ideen." Auf Naris wiederholte Einladung hin winkt sie ab. "Ach, ich brauch kein Eis." Ruckartig wendet sie sich Blaze zu, so dass einzelne Strähnen durch die Luft peitschen. "Du? Willst du Eis?" Ihr Körper rückt einige Zentimeter näher an ihn heran. "Ich könnte ... dich mal lecken lassen." Das freche Grinsen weitet ihre Lippen, bis sich deutliche Mimikfalten auf den Wangen abzeichnen. "Na komm, wir holen uns was zum Mitnehmen. Du kannst bestimmt eine Erfrischung gebrauchen." Nari zugewandt legt sie eine flache Hand auf Blaze' Brustkorb. Seine Haut strahlt heiß durch das Shirt hindurch. "Er hat den ganzen Tag geschuftet." Sie schenkt ihm einen Augenaufschlag, der ihm zeigt, wie sehnsüchtig sie seinen Heldentum belohnen wird, wenn sie allein sind. Ihre linke Hand nimmt seine, die andere schnappt die Tüte. "Komm, Nadine, da vorn ist ein Eiscafé. Ach so,", abrupt stoppt sie, blinzelt der Blonden entgegen. "Ich heiße Dennah." Den Weg wieder aufnehmend lässt sie ihrer natürlichen Neugier ungebremst freien Lauf: "Wohnst du hier irgendwo? Gehst du in Brindleton zur Schule oder in Tatunga? Ich muss ja das letzte Jahr da machen, aber ich kenn da niemanden. Sowas nervt total. Wie siehts bei dir aus?" Die Brauen abschätzend erhoben mustert sie das Mädchen. "Hast nen Freund?"
Nari beobachtet Dennah genau, während diese sich Blaze zuwendet. Jede kleine Mimik, jede Geste fesselt sie – und unwillkürlich huscht ihr dabei ein Lächeln über die Lippen.
Sie ist nicht nur obercool, sie ist auch… wirklich lieb. Und dieses Selbstvertrauen… beneide ich sie dafür.
Doch dann bemerkt sie den vielsagenden Blick, den die beiden miteinander tauschen. Plötzlich fühlt Nari sich fehl am Platz – als sei sie das dritte Rad an einem Fahrrad, das eigentlich perfekt rollt. Das Lächeln erstirbt, ihre Züge werden ernst. Ihr Blick gleitet zum Brunnen, dessen Wasser leise plätschert. Ein paar kleine Vögel planschen vergnügt darin, lassen feine Tropfen glitzern und zwitscheren fröhlich. Die friedliche Szene lässt Naris Herz für einen winzigen Moment aufatmen, während sie wie in Trance neben den beiden herschreitet.
Erst als Dennah sie anspricht, hebt sie den Kopf. Nari musst schmunzeln über diese unerwartete Neugier.
"Ja, ich wohne hier ganz in der Nähe… also noch. Ich suche gerade etwas Neues. Für das neue Schuljahr habe ich mich in Brindleton eingeschrieben."
Sie senkt den Blick wieder, beobachtet ihre eigenen Schritte, die wie von selbst den Weg finden.
"Dann geht es dir wie mir… ich kenne dort auch niemanden." sieht sie auf – und diesmal strahlen ihre Augen begeistert zu Dennah.
"Aber du wirst bestimmt keine Schwierigkeiten haben, Leute kennenzulernen… ich meine… du bist doch obercool."
Kaum sind die Worte ausgesprochen, stockt sie, als würde ihr erst jetzt bewusst, dass sie ihre Gedanken laut geteilt hat. Hitze schießt ihr ins Gesicht, ihre Wangen verfärben sich rosig.
Bei der nächsten Frage beschleunigt sie unwillkürlich ihre Schritte, sodass sie wieder direkt neben den beiden geht. Ihre Hände flattern nervös in der Luft, als könnten sie ihre Unsicherheit nicht verbergen.
"Nein… ich war bis jetzt eigentlich immer allein."
Dann siegt doch die Neugier, und sie blinzelt neugierig zu den beiden hinüber.
"Wie lange seid ihr denn schon zusammen?"
Es fährt heiss durch seine Leiste, als Dennah diesen Ton anschlägt – rau, anzüglich, als würde sie genau wissen, wie tief er das spürt. Gott. Ein Schlag ins System, der ihn gleichzeitig grinsen und den Atem stocken lässt.
Er weiss jetzt schon, wenn sie gleich mit einer Eiswaffel dasteht, könnte er ihr stundenlang auch einfach nur zusehen. Jede verdammte Bewegung geniessen. Wie ihre Zunge über den Schmelz gleitet, wie sich ihre Lippen darum schliessen, wie ihr Blick dabei spielerisch zu ihm rüberwandert. Trotz Hitze kriegt er Gänsehaut.
Dann sagt sie vor Nari, dass er den ganzen Tag geschuftet habe. So, als wäre es das Normalste und Beste der Welt, stolz auf ihn zu sein. Und dieser Stolz, den sie für ihn empfindet, schwappt wie eine warme Welle in ihn hinein und breitet sich aus. Das ist das verfickt schönste Gefühl der Welt.
Er will etwas sagen, irgendwas, das das Ganze kleiner macht. Weil – sind wir ehrlich – das, was er da den ganzen Tag tut, bringt nicht wirklich viel ein. Es ist ein Kompromiss, eine Abmachung von Bruder zu Bruder. Aber er sagt nichts. Er findet keinen Begriff, der auch nur ansatzweise beschreiben kann wie es sich anfühlt, von Dennah so gesehen zu werden, wie sie es tut.
Blaze drückt Dennahs Hand unbewusst fester, als der Gedanke in ihm nachklingt.
Die drei setzen sich in Bewegung, und er wirft Nari einen Blick zu, als Dennah ihre letzte Frage stellt. Will sehen, wie sie reagiert. Lustig, dass sie den Namen „Nadine“ einfach hinnimmt. Oder hat sie ihn gar nicht richtig gehört? Sie wirkt so ein bisschen fuchtelig, nervös. Vielleicht ist es ihr auch egal.
Als Nari sagt, dass sie allein ist, rutscht unwillkürlich ein Gedanke in den Vordergrund, eine Assoziation – Denize. Klassenbeste, grosse unschuldige Augen, weiches Gesicht, damals das schönste Mädchen auf dem Planeten. Zumindest bis sie sich für Chip entschied. Und schwanger wurde. Und dann irgendwie … anders war. Sie hätte jeden haben können... so wie Dennah........... und vermutlich könnte Nari das auch...
„Wundert mich“, seine Stimme nachdenklich neutral. Passt überhaupt nicht zu ihm, unüberlegt was rauszuhauen. Die Überlegungen fühlen sich nicht gut an. Also kommentiert er nicht weiter, sondern beantwortet stattdessen die Frage.
„Zwei Wochen?“ Er sieht Dennah an und wünschte, es wären schon viel mehr. Ehrlich gesagt weiss er nicht mal, ab wann das zählt. Ab dem Moment, als er sie endlich bei der Pflegefamilie gefunden hatte, weil die auf seine bescheuerte Zeitungsanzeige geantwortet hatten? Davor wusste er nicht mal, ob sie überhaupt gefunden werden wollte. Wegen Boom... Oder zählt der Kuss, bevor der Heim-Heini sie ihm wegnahm..?
„Wir suchen grad auch was Neues“, sagt er zu Nari, als Erklärung ihrer eigenen Wohnsituation. Er kommt derzeit bei Delsyn und in Granite Falls unter und es beunruhigt ihn, dass Boom weiss, wo Dennah wohnt. Er hat es eigentlich eilig, das zu ändern.
Sein Blick wandert erneut zu Nari. Er ist sich nicht sicher, ob sie einfach nur jung aussieht oder es auch ist. Ihre Unsicherheit lässt sie irgendwie jünger wirken. „Suchst du ne Wohnung oder … also … musst du die Miete selbst zusammenkratzen, oder zahlen dir deine Eltern was?“

"Hörst du das?" Grinsend beginnt Dennah an Blaze' Hand zu tänzeln. "Ich bin obercool." Strike! Nur einen Augenblick später erstirbt ihre Fröhlichkeit. Wundert ihn? Dass sie keinen Kerl hat?! Wieso wundert es ihn? Weil sie ... süß ist? Gefällt sie ihm etwa?? Er redet weiter, sein Blick trifft sie. Und sie lächelt. Wie sie es immer getan hat. Zuckersüß, mit einer Prise Chili. Weil es das ist, was Jungs sehen wollen - und Mädchen eine Warnung ist. Kaum merklich, aber effektiv, streckt sie den Rücken etwas durch. Bauch rein, Brust raus, Po angespannt.
Die letzten Meter zur Eisstation schweigt Dennah, auf ihre Körperhaltung konzentriert, Blaze' Aufmerksamkeit für Nina im Auge behaltend und die Ohren gespitzt, was die neue Bekanntschaft zu erzählen hat. Deren Unsicherheit, die Nervosität, könnte gespielt sein. Eine alte Masche, um Jungs Unschuld und Hilflosigkeit vorzugaukeln.
Zum ersten Mal nimmt Nari Blaze wirklich wahr. Bisher hat sie den Kontakt zu ihm bewusst gemieden zu groß war die Angst, Eifersucht zu wecken. Sie kennt das nur zu gut: Ein falscher Blick, ein missverstandenes Wort… und schon ist eine Freundschaft zerbrochen. Genau so hatte sie damals ihre beste Freundin verloren. Doch jetzt ausgerechnet er, der mit einem der coolsten Mädchen der Stadt zusammen ist und vermutlich selbst zu den Coolsten zählt, wundert sich, dass sie niemanden an ihrer Seite hat. Diese beiläufige Bemerkung trifft sie völlig unvorbereitet und lässt ihr Gesicht sofort so rot anlaufen wie eine Tomate.
Während sie antwortet, wagt sie immer wieder kurze Blicke zu ihm, weicht aber jedem längeren Blickkontakt aus. "Ich hatte keine Zeit, jemanden kennenzulernen." Es ist die knappste Antwort, die ihr einfällt. Sie verrät nichts von ihrer Vergangenheit, und genau so will sie es. Dieses Schuljahr wird ohnehin ihr erstes sein nach langer Zeit. Der Gedanke lässt sie unruhig, aber auch ein wenig hoffnungsvoll lächeln. Sie streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, legt den Kopf leicht in den Nacken und sagt: "Das ist ja noch ganz frisch! Ich hoffe wirklich für euch, dass es richtig lange hält.“ Doch als sie zu Dennah sieht, verändert sich deren Mimik schlagartig. Schweigen, wo eben noch Worte waren. Verwundert blinzelt Nari und sofort kriecht die Unsicherheit in ihr hoch. Hab ich schon wieder etwas Falsches gesagt? Ein widerliches Ziehen breitet sich in ihrem Magen aus, schwer und brennend zugleich. Angst, Scham, die peinliche Ahnung, einen Fehler gemacht zu haben. Es schnürt ihr die Kehle zu, so sehr, dass sie für einen Augenblick kaum Luft bekommt. Die aufsteigende Panik droht, sie zu überwältigen doch mit all ihrer Willenskraft hält sie die Fassade. Sie zwingt sich zu einem Lächeln, klein und unsicher, aber immerhin ein Lächeln. Niemand soll sehen, wie sehr es in ihr tobt.
Da ist er wieder – dieser vertraute Schmerz, der sich wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht. Sie spielt ihre Rolle perfekt, versteckt die Angst hinter einem gezwungenen Lächeln. Doch als sie spricht, bricht die Wahrheit doch hindurch – zögerlich erst, dann fast trotzig ehrlich:
"Meine Pflegefamilie möchte ein weiteres Pflegekind aufnehmen… und für mich ist quasi kein Platz mehr. Ich war nicht gewollt – eher ein Unfall, dass ich überhaupt dort gelandet bin. Sie zahlen mir die Wohnung, bis ich volljährig bin. Danach… muss ich sehen, wie’s weitergeht."
Ihre Stimme ist leiser geworden, brüchig fast, und sie hebt den Blick in den wolkenlosen Himmel, als könne sie dort Trost finden. Der warme Wind streicht durch ihr Haar, wirbelt einzelne Strähnen ins Gesicht, die sie immer wieder ungeduldig hinters Ohr schiebt. Den Blickkontakt meidet sie nun konsequent – zu groß die Gefahr, dass jemand die Verletzlichkeit in ihren Augen lesen könnte.
Insgeheim ist sie erleichtert, als die Eisdiele in Sicht kommt. Ein Ausweg, ein Themawechsel, eine Pause für ihr Herz. Doch natürlich ist die kleine Oase bei diesem Wetter heillos überfüllt: Die Schlange vor dem Tresen zieht sich weit hinaus, und beinahe jeder Tisch ist besetzt.
"Wollen wir uns dort hinsetzen?" fragt Nari schließlich und deutet auf den einen freien Platz, der ihr sofort ins Auge fällt.
Für einen winzigen Moment blitzen ihre Augen auf – dort, direkt am Rand eines kleinen Busches, hat sie etwas entdeckt: Eine Spatzenmama, die hingebungsvoll ihr Küken mit einem Stückchen Waffel füttert. Dieses kleine Bild von Fürsorge und Wärme lässt ihr Herz unwillkürlich heller schlagen – ein stiller Kontrast zu all dem, was sie selbst nie hatte.
Obercool? Nicht mal annähernd passend, aber es macht Dennah glücklich und das reicht, um ihm ein schiefes Grinsen zu entlocken. Trotzdem merkt er, wie der Vibe zwischen ihnen schlagartig kippt – ohne es greifen zu können. Nari deutet auf den freien Tisch mitten im Gedränge. Blaze verzieht kurz das Gesicht, schiebt die Brille ein Stück höher und wirft einen Blick Richtung Ausgabe.
„Lass lieber was mitnehmen und irgendwo im Schatten chillen.“ Windenburg hat garantiert eine Bank, wo kein halber Jahrmarkt drumrum tobt.
Während sie in der Schlange stehen, greift er das Thema wieder auf: Pflegefamilie. Er hat genug von Dennah gehört, um zu wissen, was das für ein mieser Film sein kann. Die beiden Alten mochten ihn am Anfang ja sogar irgendwie. Jetzt gilt er als der Typ, der das Mädchen verdirbt. Ironie pur. Ein kurzes Grinsen zuckt über sein Gesicht.
„Warte mal …“ Er dreht den Kopf zu Nari, fädelt den Gedanken neu ein.
„Es war n Unfall, dass du bei denen gelandet bist – und die zahlen dir trotzdem ne eigene Bude?“ Die Mundwinkel senken sich anerkennend. Das muss man erst mal schaffen.
"Ha, ich bin auch in einer Pflegefamilie." Dennahs Ausruf klingt begeisterter, als es gemeint ist. Es ist nichts cool daran, bei Fremden untergebracht zu sein. Aber Gemeinsamkeiten sind trotzdem irgendwie nice.
Die ausgehangene Karte studierend spitzt sie die Lippen. Ihr Zeigefinger dreht den Daumenring vor und zurück. Man, keine Ahnung, ey. "Ja, lass mitnehmen.", stimmt sie murmelnd zu. Sie spürt schon jetzt die Blicke der Anderen. Väter, die mit ihr gern ihre Frauen betrügen würden - dessen Frauen, die sich früher nie so angezogen hätten, - Opas, die denken, sie wäre selbst schuld bei diesem Outfit und Omas, die ihr die Haare waschen, bürsten und aufdrehen wollen. "Ich nehmeeeeeee ... Schoko-Chili und Kirsch-Joghurt." Erleichtert, diese anspruchsvolle Aufgabe erledigt zu haben, schafft ihr Gehirn wieder Platz für Blaze' Äußerungen. Hm, stimmt eigentlich. Das ist schräg. Vermutlich hat sie was mit dem Alten gehabt und darum muss sie raus. Und damit sie nicht petzt, blecht er - vollkommen klar. Kluges Miststück. Wäre es zu spät, sowas mit Blaze' versnobbten Dad durchzuziehen? Nein, nein. Sie macht das nicht mehr. Blaze ist jetzt der Einzige, der sie anfassen darf - und den sie anfassen will. Wenn sie das schon nicht für sich selbst macht, dann für ihn. Ihm ist dieses Ding mit der Treue megawichtig. Ganz abgesehen davon sollte die Geschichte mit Stäffi ihr eine Lehre sein.

Überrascht von Dennahs Ausruf hebt Nari kurz eine Augenbraue, ehe sich ihre Miene entspannt. Ein kleines, erleichtertes Lächeln stiehlt sich auf ihr Gesicht – und der Knoten in ihrem Magen, der sich eben noch bedrohlich zusammenzog, löst sich schlagartig.
"Ja, genau so ist es! Nein, ehrlich, es ist dort alles andere als cool. Ich bin froh, wenn ich endlich weg bin. Viel zu viele Regeln – und manchmal fühle ich mich wie die Putzfrau vom Dienst. Boah, und ständig streiten sie sich hinter geschlossenen Türen. Aber wehe, wir sind draußen oder haben Besuch – dann wird wieder auf perfekte Familie gemacht. Ich hasse das!"
Die Worte sprudeln aus ihr heraus, schneller, heftiger, als sie es geplant hatte. Alles, was sich in den letzten Wochen aufgestaut hatte, bricht sich Bahn – roh, ehrlich, ungebremst. Erst als ihr bewusst wird, wie sehr sie sich verrennt, stockt sie. Hitze steigt ihr ins Gesicht, und sie rudert verlegen mit den Händen, als könne sie die Worte zurückwinken. Wieso muss ich immer so peinlich sein… "Entschuldigt… das war wohl ein kleiner Ausbruch."
Blaze hebt leicht den Kopf, als Nari so unvermittelt austeilt. Die Augenbraue zieht sich hoch, überrascht über die Offenheit. In seinem Kopf zieht er den Vergleich zu den Leuten, die er von der Strasse kennt und kommt zum Schluss, dass sie trotz allem noch vergleichsweise gut weggekommen ist. „Ich hoffe, du warst nich in Sequoia auf der Straße“, meint er, mehr feststellend. Der Gedanke hängt nach. Wäre sie von dort, würde sie heute vermutlich härter wirken. Boomiger… oder Vaasiger..
Er lässt den Blick einen Moment auf ihr, sucht in ihrem Gesicht nach Spuren von so einem Leben – findet aber nichts, was dazu passen würde. Schwer vorstellbar, dass so ein Gesicht in dem Chaos überlebt. Vielleicht ist sie deshalb so konfus, so … unberechenbar in ihren Reaktionen.
Sein Blick rutscht weg, weil der Gedanke ihn in eine Richtung zieht, die er nicht will. Steph. Was er Dennah angetan hat. Und was das danach mit ihr gemacht hat. Er vergräbt den Moment unter einem knappen „Ähm…“, fixiert stattdessen die Karte über der Theke und wählt doppelt Schokolade.
Ewig hat er kein Eis mehr gegessen, schon gar keinen Süsskram. In der Villa gabs Dosenfutter, Chips, vielleicht mal Reste – aber nie was, das den Namen Dessert verdienen würde. Und Del vermeidet baren Zucker. Keine Ahnung warum. Er sieht zu, wie der Typ hinter der Theke die Kugeln formt, und allein der Anblick lässt ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. Gratis Eis. Er grinst innerlich. Der Tag läuft.
Er bedankt sich bei Nari als sie die Simoleons auf die Theke legt und sich alle mit Eis von der Ausgabe abwenden.
Sie schlendern ohne gross drüber nachzudenken in Richtung eines breiten Baumes, dessen Schatten sich kühl über eine Bank legt. Blaze schiebt einen Löffel seiner Eiskugel in den Mund, kaut kurz auf der Kälte herum und meint zwischen zwei Bissen:
„Also… dafür, dass die dich hassen… ist doch ganz chillig, dass die dich beim Auszug noch supporten. Kann ich von meinem Alten nich behaupten.“
Mit einem leichten Satz springt er auf die Sitzfläche, balanciert einen Moment, bevor er sich lässig auf die Rückenlehne hockt. Sein Blick wandert von der schmelzenden Kugel in seiner Hand zu Dennah. Ohne zu überlegen, streckt er den Arm aus und zieht sie mit einem sicheren Griff neben sich auf die Bank.
Dennah direkt an seiner Seite, Naris Geschichte im Hinterkopf, der lange Tag in den Knochen, das warme Licht, das durch die Blätter flirrt – all das mischt sich zu diesem träge-ruhigen Moment. Er lehnt sich mit den Unterarmen auf die Knie und löffelt weiter. Selbstsicherheit sickert unbemerkt in seine Haltung, in den Ton seiner Stimme. Unausgesprochen wird ihm klar, dass er schon in viel beschisseneren Situationen gewesen war. Der Gedanke daran, wie weit er aus diesem Dreck in dem er steckte, rausgekommen ist, schmeckt fast so süss wie das Eis. Er lässt den Blick über den kleinen Platz schweifen, fühlt die sommerliche Ruhe unter dem Baum, und irgendwo in ihm macht sich so etwas wie Dankbarkeit breit – ohne dass er es in Worte packen könnte.
Das alte Problem mit den Regeln - da kennt Dennah etwas von. Zu Hause vollkommen ohne jede Einschränkung aufgewachsen, weil es schlicht niemanden gab, der sich um Vorschriften scherte, wurde sie zuerst im Heim und jetzt bei den Falcks mit den Gesetzen des Vormundes konfrontiert. Noch immer begreift sie nicht, warum sie sich nicht einfach allein um sich kümmern kann. Sie ist kein Baby mehr. "Ich glaub, in Sequ wären wir ihr mal über den Weg gelaufen.", sinniert sie auf Blaze' Gedanken bezugnehmend. "So viel Platz gibt's da nicht für Unseresgleichen."
Neben ihm sitzend rückt sie noch ein Stück näher an ihn heran, so dass sie seine Körperwärme an der nackten Taille spürt. Er riecht ein bisschen nach getaner Arbeit, aber das stört sie nicht. Sie mag es, wenn Sims Leben ausdünsten und sie liebt seinen Duft.
"Was ist mit deinen Eltern?", fragt sie, den Blick aufs Eis gerichtet. "Sind die Arschlöcher oder hatten sie nur Pech im Leben?" Die Frage kommt mit der für sie typisch kindlichen Unschuld daher, ohne einen Hauch von Wertung. Sie weiß, dass die Dinge nicht immer so simpel sind. Manchmal geben sich Leute Mühe und schaffen es trotzdem nicht. Etwas wehmütig schweift ihr Gedanke zu Brigitte und André ab. Wie es den beiden wohl inzwischen geht?
Nari nickt auf die Bemerkung. "Ich war in Newcrest auf der Straße – allerdings nicht lange, weil mich dann meine neuen Pflegeeltern aufgriffen.“ Nari wirft einen gedankenverlorenen Blick zu einem älteren, gemächlich schlendernden Pärchen und verliert sich einen Moment in Tagträumen. So sehr ist sie in ihre Gedanken versunken, dass sie gar nicht bemerkt, wie das Eis auf ihre Hose tropft. Erst als die kühle Feuchtigkeit sich unangenehm ausbreitet, registriert sie den Vorfall. Doch anstatt sich zu ärgern, tunkt sie ihren Zeigefinger in den klebrigen Fleck und leckt ihn ab. Solche kleinen Missgeschicke sind typisch für sie.
Als Dennah ihr die Frage zu ihren Eltern stellt, zieht sich in Nari der Knoten in der Magengegend endgültig zusammen, und ihr wird übel. Trotzdem will sie nicht unhöflich wirken und antwortet knapp: "Sie existieren für mich nicht. Ich bin mit fünfzehn abgehauen – da war mir die Straße lieber.“ Mit einem sanften Lächeln versucht sie ihre Gefühle zu überspielen und sieht Dennah liebevoll an.
"Und was ist mit dir, Dana? Dhenna? Nee… Dennah, richtig? Wieso bist du bei einer Pflegefamilie gelandet?"

"Ach,", die Dreadhead zuckt beiläufig mit einer Schulter, "meine Alten sind Junkies. Sitzen in der Klinik und mich haben sie ins Heim gesteckt. Hat aber nicht gut funktioniert und darum gabs nur diese Alternative." Schmatzend gleitet ihre Zunge kreisend über die schmelzenden Eiskugeln. Gerade hat sie verhindert, dass von der süßen Masse etwas über die Rückseite läuft, da entdeckt sie auf der gegenüberliegenden Hälfte die nächste tropfende Spur. Mühevoll umrundet sie mit der Zunge die Köstlichkeit und wird nur langsam Herrin der Lage. Erst als alle Rinnsäle beseitigt sind, hat sie Zeit, Blaze einen verführerischen Blick zu schenken. "Ganz schöner Schmierkram...", raunt sie ihm heiser zu. "Genau wie ich es mag." Lasterhaft schmunzelnd legt sie die freie Hand auf seinem Schenkel ab, lässt die Finger leicht zur Innenseite gleiten und freut sich heimlich über die Anspannung in seinen Muskeln. "Sie sind eigentlich keine schlechten Sims.", knüpft sie mit weicher Stimme wieder an. "Sie haben es nur voll verkackt."
Nari lauscht aufmerksam, ihr Blick ernst, aber offen. Ein leiser Hauch von Erleichterung durchzieht sie – anscheinend ist sie hier nicht die Einzige mit einem zerbrochenen Hintergrund. Sie nickt langsam, fast schon erkennend. "Das klingt… hart. Es tut mir wirklich leid, dass du das durchmachen musstest." Ihre Stimme ist ruhig, aber voller Mitgefühl. "Wie alt warst du, als du ins Heim gekommen bist?"
"Eigentlich ..." Dennah schaut mit nachdenklich gerümpfter Nase zu Blaze, "war das erst dieses Jahr. Im ... März? April? Irgendwie so."
Kurz wandert Naris Blick zu Blaze, tastend, fast hoffnungsvoll. "Und du?" fragt sie, diesmal direkter, das Interesse in ihren Augen deutlich. "Hattest du wenigstens ein Zuhause, das halbwegs funktioniert hat?"
In ihrem Inneren regt sich etwas – ein vager Gedanke, vielleicht sogar eine Ahnung: Vielleicht ist sie hier nicht nur unter Fremden. Vielleicht hat sie Gleichgesinnte getroffen.
Blaze Blick fällt zwischen seinen Armen auf Dennahs Hand, die sich warm und selbstverständlich auf seinem Oberschenkel ausgebreitet hat. Seine Augen wandern von dort langsam zu ihr hoch, und er erwischt sich dabei, wie seine Mundwinkel sich ein Stück weiter heben. Er lehnt sich zu ihr, um den kühlen Geschmack von etwas geschmolzenem Eis von ihrem Mundwinkel mit einem Kuss aufzunehmen. Seine freie Hand gleitet unterdessen mit vom Eisbecher kalten Fingern über die warme Haut an ihrer nackten Taille. Der Blick, den er ihr schenkt, ist ein stummes Versprechen für später.
Er kann nicht anders, als aufzulachen, als Nari die Frage an ihn richtet. „Das beste“, gibt er zurück, der Sarkasmus tropft förmlich aus den Worten. „Ich kenn alle drölfzig Bestecksorten aufm Tisch.“ Er zieht eine Augenbraue hoch, grinst sie an. „Mein Dad redet nicht mehr mit mir, weil ich die Schule geschmissen hab und jetzt halt kein studierter Bänker-Sohn, den er an Geschäftsessen vorzeigen kann, aus mir wird.“ Seine Stimme verliert für einen Moment an Schärfe, bevor er sich wieder fängt. Über seine Mutter verliert er bewusst kein Wort. Stattdessen kippt er das Gespräch elegant in eine andere Richtung.
„Und sonst?“, fragt er, während er mit dem Löffel das Eis ankratzt. „Was machst du so, wenn du Fremden grad mal kein Eis spendierst?“
Dennah schließt die Augen, als Blaze sich zu ihr herüberlehnt. Seine Lippen sind so wundervoll weich. Die unerwartete Berührung seiner kalten Finger auf ihrer warmen Haut lässt sie zusammenzucken. Sein Blick entlockt ihr ein prickelndes Lächeln. Verdammt, sie könnte sich den ganzen Tag an ihm reiben. So muss sie sich regelrecht zwingen, den Blick von ihm ab- und der neuen Bekannten zuzuwenden.
Nari lächelt, während sie den beiden zuhört. Ihre Augen ruhen kurz aufmerksam auf Blaze, und obwohl er nicht viel preisgibt, hat sie das Gefühl, dass es ihn von allen am härtesten getroffen hat. Es ist keine Tatsache, nur eine Intuition – aber eine, die tief in ihr nachhallt. Also nickt sie nur verständnisvoll und verzichtet darauf, weiter nachzubohren. Im nächsten Moment wirft sie den letzten Rest ihres Eises in einen nahegelegenen Mülleimer. Irgendetwas liegt in der Luft – vielleicht ist es die untergehende Sonne, vielleicht die Atmosphäre zwischen den dreien? Sie grinst schief, streckt sich genüsslich und streicht sich eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ich zeichne sehr gerne … am liebsten schöne Sims", sagt sie schließlich mit einem kleinen Augenzwinkern. Einen Moment lang zögert sie, dann fasst sie sich ein Herz. "Habt ihr Lust, am Wochenende mit auf ein Open-Air-Konzert zu kommen? Es gibt Freigetränke den ganzen Abend – ihr müsst nur den Eintritt zahlen.“
Ihr Lächeln ist offen und einladend, während sie langsam ihre Sachen zusammenrafft und sich auf den Rückweg vorbereitet.

Blaze hebt den Kopf, sobald Nari das mit dem Zeichnen sagt, und sein Blick bleibt einen Moment länger auf ihrem Gesicht. „Du zeichnest Sims?“, hakt er nach, als wolle er es bestätigt haben. Er lehnt sich ein Stück vor, die Ellbogen locker auf den Knien, Augen direkt auf sie gerichtet. „Hab ich früher auch gemacht. Gesichter vorallem… und… wir haben gesprayt..“ Während er redet, schleicht sich ein fast kindliches Glimmen in seine Augen. In letzter Zeit hat er kaum daran gedacht, doch jetzt fühlt es sich an, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Bilder tauchen auf – die Wände hinter der alten Bahntrasse, die Dosen in seinem Rucksack, der Geruch von Farbe in der Nacht. Er schiebt den letzten Löffel Eis in den Mund, stellt den Becher zwischen die Füsse. „Mann… das muss ich echt mal wieder machen.“ Seine Stimme klingt nicht wie ein vager Vorsatz, sondern wie eine Entscheidung, die schon in ihm greift. Fast automatisch öffnet er den Chat mit Chip auf seinem Handy. Er starrt ein paar Sekunden auf den Bildschirm, als würde er gleich loslegen, dann sperrt er den Bildschirm.
„Und was für Bands spielen da?“, fragt er schliesslich, den Faden zu Naris Einladung aufnehmend. „Weil… wenns nicht kompletter Müll ist, überleg ichs mir.“ Dabei blickt er zu Dennah um zu sehen was sie von der Idee hält.
Dennah entgeht das plötzliche Interesse in Blaze' Körpersprache nicht. Ihre Hand, noch immer auf seinem Schenkel, wird von seinem Bauch eingedrückt, als er sich vorlehnt, die vielen Ringe an ihren Fingern pressen sich unangenehm in die Haut, so dass sie zurückweicht.
Mit der anderen schiebt sie das letzte Stück Waffel zwischen die Zähne. Beschäftigter, als es nötig wäre, kaut sie darauf herum, während sie mit Skepsis die auffallenden Schwingungen zwischen den beiden beobachtet.
Das kann nicht sein Ernst sein?! Nana bringt seine Augen zum Leuchten?! 'Denkst du, das hier könnte dich irgendwann langweilen?' Dennah verkrampft innerlich. Was, wenn er sich langweilt? Außer ihren Reizen und ihrer fragwürdigen Erfahrungen hat sie ihm nichts zu bieten. Sie hat kein Geld, ist nicht witzig oder klug. Sie kann nicht einmal gut zeichnen und das einzige Instrument, das sie beherrscht, ist seine Flöte. Was, wenn das nicht reicht? Blaze ist nicht wie die anderen Jungs. Ein wildes Sexleben ist nicht alles für ihn. Was bedeutet, dass sie austauschbar ist. Sie MUSS dafür sorgen, dass er bei ihr bleibt. Sie darf ihn nicht verlieren. "Ist doch egal, wer da spielt." Aus großen sinnigen Augen sieht sie ihn an. "Lass hingehen. Dann passiert wenigstens was." Sie lehnt sich vor, um seinem Gesicht näher zu kommen. Beide Hände stemmen sich sanft auf sein Bein, als würde sie ihn anflehen, ihrer Bitte nachzukommen. "Heino und Carmen geben mir bestimmt Geld für den Eintritt. Und wenn nicht ... naja, dann ..." Ein tiefer Atemzug durchfährt sie. Sie muss sich etwas einfallen lassen. "Ich beschaff uns schon was. Ich krieg das hin. Das wird cool." Zaghaft zieht eine Schulter in ihren massigen Schopf, ihr Mund formt sich zu einem warmen Lächeln.
Nari nickt mit einem warmen Lächeln, ein sanftes Leuchten in den Augen. "Ja… ich liebe es, Porträts von Sims zu zeichnen, die mich faszinieren.“ Während sie spricht, funkeln ihre Augen wie kleine Lichtpunkte, und man spürt sofort: Das ist mehr als nur ein Hobby, es ist ein Stück von ihr selbst. "Gesichtszüge sind so spannend", fährt sie leise fort, fast wie im Träumen. "Jeder Blick erzählt seine eigene Geschichte… und auf dem Papier bekommt er ein ganz eigenes Leben."
Als er von seinen Erlebnissen berichtet, beugt sie sich unwillkürlich ein Stück näher. "Gesprayt? Das ist ja verrückt!" Ihre Stimme klingt hell vor Überraschung. "Das wollte ich schon ewig mal machen, aber… ich wusste nie, wo."
Nari wirft Dennah einen kurzen Blick zu, gerade in dem Moment, als Blaze die Frage stellt. Ihre großen Augen werden rund vor Begeisterung, und noch bevor sie antwortet, bricht ein freudiges Lachen aus ihr heraus. Sie klatscht in die Hände, als hätte jemand einen lang ersehnten Traum wahr gemacht.
"Oh, das ist perfekt! Ich dachte schon, ich müsste alleine hingehen – aber zusammen wird’s viel schöner: ein bisschen was trinken, die Sommerluft im Gesicht spüren, Musik hören…"
Bei Blaze’ nächster Frage verzieht sie nachdenklich die Lippen. "Die Bands sind alle eher unbekannt", gibt sie zu, doch ihre Stimme wird sofort wieder lebendig. „Aber weißt du… gerade die spielen manchmal Musik, die dir richtig unter die Haut geht."

Blaze blinzelt in die Sonne, während Nari erzählt. Er nickt an den richtigen Stellen, sagt: „Klingt nice“, doch sein Blick geht ins Leere. In Gedanken ist er längst woanders. Gesichter zeichnen – das hatte ihm früher oft den Kopf freigepustet. Seine Stimme klingt als würden ihre Portrait-Skills tatsächlich berühren. Und in gewisser Weise tun sies auch – nur anders, als man nach aussen hin denkt. Unbewusst lehnt er sich etwas in Naris Richtung.
„Wenn du mal sprayen willst.. Am besten da, wo keiner zuschaut“, sagt er mit verschwörerischem Unterton. „es gibt so ne Seitenstrasse bei der alten Druckerei. Da sind ganze Wände frei. Ich könnte dir zeigen, wie man nen Stencil baut.“
Seine Stimme klingt hilfsbereit. Aber innerlich sieht er keine Sekunde lang Nari mit der Dose. „Und hinterm alten Containerhof in Oasis.. bei den Gleisen zum Beispiel – da kümmert sich auch kein Schwein drum.“ Er grinst still in sich hinein.
Dann wendet er den Kopf zur Seite und sieht zu Dennah. Sie weiss es noch nicht, aber er hat - jetzt grade - beschlossen, sie mitzunehmen. Er vorne weg mit der Taschenlampe, Dennah in seinem alten Hoodie, der ihr etwas zu gross ist und trotzdem geil aussieht.
Gerade, als er sich zurücklehnt, spürt er, wie sich Dennahs Hände fester auf seine Oberschenkel legen. Sie ist ihm so nah, dass er ihren Atem spürt. Er sieht ihr in die Augen und er versteht eins: Sie will zu diesem Festival.
„Okay“, sagt er einfach, 'Dann passiert wenigstens was.' zieht leicht die Augenbraue hoch und lächelt. „Kriegen wir schon zusammen, die Kohle.“
Nari wendet den Blick ab und hebt ihn zum Himmel. Die Mittagssonne brennt gnadenlos herab, selbst der warme Wind fühlt sich inzwischen wie eine Last an. Sie nickt auf seine Antwort zum Sprayen, ein sanftes Lächeln umspielt ihre Lippen.
"Sehr hilfsbereit – danke dir. Wenn ich das wirklich mal durchziehe, nehme ich dich beim Wort." Während eine kurze Stille zwischen ihnen entsteht, schweift ihr Blick hinauf zu den Vögeln, die unbeschwert durch die flirrende Luft flattern. Gedankenverloren folgt sie ihrem Tanz – bis ihr Gesicht plötzlich aufleuchtet. Mit einem strahlenden Nicken kramt sie in ihrer Tasche.
"Verdammt… wo steckt das Ding nur?" Ein triumphierender Glanz flackert in ihren Augen, als sie endlich findet, wonach sie sucht. Sie zieht einen Zettel hervor, schreibt ihre Nummer auf und reicht ihn Dennah und Blaze.
"Ich würde eine Gruppe erstellen – dann können wir absprechen, wann und wo wir uns treffen." Ein schelmisches Funkeln liegt in ihrem Blick, als sie hinzufügt: "Und jetzt lasse ich euch beiden Turteltauben mal alleine." Verspielt fährt sie sich mit den Fingern durch ihre blonden Locken, zwinkert und winkt schließlich herzlich zum Abschied.
Blaze verabschiedet Nari, nimmt den Zettel mit einem knappen, aber freundlichen Nicken entgegen. „Hau rein“, meint er, tippt die Nummer rasch ins Handy, schickt ein kurzes Hi und lässt das Gerät ebenso schnell wieder in der Hosentasche verschwinden.
Mit einem Satz steht er auf, dreht sich zu Dennah, greift beiläufig unter ihre Knie und legt die Hände um ihre Beine, um sich zu ihr hinzulehnen. Nichts in seinem Ausdruck verrät, dass er irgendetwas von veränderten Stimmungen bemerkt hätte.
Sein Blick gleitet über sie, bleibt kurz am Ausschnitt hängen, dann an der nackten Taille, schliesslich wieder an ihren Augen. Voller Zuneigung sagt er: „Hab ich dir heute eigentlich schon gesagt, wie sexy du bist?“
Sein Blick fällt auf ihre Tasche. „Müssen wir uns noch was überlegen wegen dem kaputten Fummel? Damit Cordula nich komplett ausflippt? Oder machen wir noch was..?“
Eine Hand zum Abschied erhoben schaut Dennah dem Mädchen hinterher. Noch weiß sie nicht, was sie von der halten soll. Ein Teil von ihr kauft der Blonden diese süße Unschuldsnummer nicht ab. Sie hat selbst genug Zeit zwischen Junkiehaushalt und Straße verbracht, um zu wissen: Da draußen brauchst du Eier, wenn du überleben willst. Dennah ist sich ziemlich sicher, dass Nala es faustdick hinter den Strähnen haben muss. Und wenn sie eine Sache von Boom Boom gelernt hat, dann, wie leicht man sich in Sims täuschen kann. Vorsicht ist geboten.
Nachdem Blaze scheinbar gleich ihre Nummer gespeichert hat, pflückt sie ihm das Papier aus der Hand, faltet es und schiebt es in die Hosentasche. Nahtlos geht ihre Aufmerksamkeit zu Blaze über, als er sie, sich ihr entgegengelehnt, berührt. Seine Worte zaubern ihr ein breites Grinsen ins Gesicht.
"... was ... Lustiges?" Verspielt neigt sie den Kopf leicht nach vorn, sich auf die Unterlippe beißend schenkt sie ihm einen verführerischen Augenaufschlag. "In dem Ding sehe ich aus, wie eine alte Witwe. Willst du's sehen?" Beide Hände legen sich auf seine Arme, gleiten hinauf über seine Schultern, bis sich ihre Finger hinter dem Nacken verschrenken. "Wir könnten es einweihen." Sanft berühren ihre Lippen seine. "Dann wirds vielleicht...", sie haucht einen zweiten Kuss, "ein bisschen..", ein dritter folgt, "weniger spießig."

Blaze Augen funkeln belustigt, während er sich ihrem Spiel nicht entzieht. Ihre Finger an seinem Nacken, ihre Lippen, die sich in kleinen Dosen auf seinen Mund legen. „Spiessig ist echt das Letzte, was mir in den Sinn kommt, wenn du so guckst“, murmelt er gegen ihren Mund, bevor er sich mit einem kehlig weichen Laut ganz kurz geniessend an sie lehnt. Er lässt sie spüren, wie locker und elektrisiert er sich gerade fühlt.
Dann lehnt er sich leicht zurück, seine Hände bleiben locker auf ihren Oberschenkeln liegen. „Ja lass sehn“, sagt er mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen neckisch und lüstern pendelt. „Und wehe, du siehst nicht aus wie ne heisse Witwe.“
Er deutet mit einem Nicken Richtung Weg. „Gehen wir ins Camp oder suchen wir uns was? Irgendwas mit Tür wär schon geil...“
Ja, so mag sie es. So braucht sie es. Zu wissen, dass er nur bei ihr ist, körperlich und geistig, lässt die Zweifel für einen Moment in den Hintergrund treten. Liebevoll lächelnd funkelt sie ihm entgegen. Manchmal vergisst sie, dass die meisten Sims Privatsphäre bevorzugen. Als wäre Sex etwas, für das man sich schämen müsste. Sie hätte kein Problem damit, sich sofort hier und jetzt auf dieser Bank von ihm nehmen zu lassen.
Langsam schließen sich ihre Augen, mit einem tiefen Zug atmet sie seinen Duft ein - pure Geborgenheit - ehe ihr Mund über seinen Wange wandernd das Kiefergelenk erreicht. Sie weiß, dass er drauf steht, wenn sie ihn am Hals berührt. "Überrasch mich.", haucht sie in sein Ohr. Mit den Zähnen streift sie wie zufällig seine Halsmuskeln, als sie sich lamgsam entfernt, ein Stück zurücklehnt und innerhalb weniger Sekunden das Shirt über den Kopf zieht. Der warme Wind streift ihren leicht verschwitzten Rücken, so dass sich Gänsehaut auf ihrem Oberkörper ausbreitet. Als wäre es vollkommen normal, oben ohne in der Öffentlichkeit des Stadtrandes zu sitzen, pult sie in aller Ruhe das Kleid aus der Tasche. "Du musst mir helfen. Das hat einen Reißverschluss am Rücken.", murmelt sie, als sie aufsteht und die Jeans in die Knöchel zieht. Nur mit Slip bekleidet steigt sie in den Stoff, rupft unelegant daran herum, bis es figurbetonend anliegt. Ihre Hände streifen den Stoff glatt, dann schaut sie Blaze an und lächelt resignierend. "Wie magst du sie lieber? Traurig?" Dennah zieht die Mundwinkel tief ins Kinn, die Unterlippe schiebt sich leicht vor, die Augen blinzeln ihm groß entgegen. "Weil sie ihren lieben Gatten verloren hat und getröstet werden muss, oder eher unterkühlt?" Ihre Mimik nimmt einen undurchdringlichen Ausdruck an, den Kopf leicht gehoben blickt sie zu ihm herunter. "Weil sie ihren Mann kalt gemacht hat, weil er sie daran hindern wollte, mit ihrem viel jüngeren, viel besser aussehenden Liebhaber durchzubrennen."
Blaze Mund wird trocken, als er sieht, wie sie sich auszieht, als wäre das hier eine Privatinsel statt eine halbverlassene Bank am Rand der Stadt. Ein Schatten von Nervosität huscht über sein Gesicht, weil er instinktiv die Umgebung scannt - prüfend, ob ihnen jemand zusehen könnte. Keiner. Gut. Er lacht leise, eher überrascht als amüsiert. Er muss an die schlimmen Nachmittage denken, bei denen er mit Megan Marken-Kleider shoppen musste. Er geht einen Schritt auf sie zu, seine Hände finden ganz selbstverständlich ihren unteren Rücken. Ihre Haut elektrisiert ihn bei jeder Berührung. Der Reissverschluss, den sie angesprochen hat, gerät zur Nebensache. Statt ihn sofort zu schliessen, streichen seine Finger langsam über die Wirbelsäule.
„Traurig will ich dich nicht sehn“, sagt er, während er ihr in diesem zerknitterten Kleid hinterherschaut, das trotz allem an ihr sitzt, als wärs massgeschneidert. „Und kalt… bist du auch nicht. Du bist hilfsbereit. Clever. Sexy as fuck. Und du machst, was du willst.“ Er kommt auf sie zu und deutet mit dem Kinn auf den zerschlissenen Saum. „Selbst kaputter Stoff sieht an dir besser aus als an jeder anderen ne Designerklamotte.“
Er bleibt nachdenklich vor ihr stehen, als würde er noch was sagen wollen. Dann grinst er plötzlich, packt sie sich mit einem Ruck über die Schulter, als wäre sie nicht mehr als ein frecher Rucksack, und schlägt sich die andere Hand unter ihre Oberschenkel, um sie zu halten.
„Genug Fantasie für heute“, ruft er mit rauem Lachen, während sie - selbst lachend - über seinem Rücken hängt. „Jetzt gehn wir wo hin, wo man nich gleich verhaftet wird.“
Mit der anderen Hand schnappt er sich lässig die Tüte, dreht sich um und läuft los – Richtung Auto.
(In Zusammenarbeit mit @Ripzha und @Salia )
(Bilder von @Salia )
>>> Nari geht nach Sulani (2) >>>
>>> Dennah geht nach Tartosa - Haus Fam. Falck Sr. >>>
>>> Blaze geht nach Oasis Springs
<<< Chase Rodríguez kommt von Sulani Festivalgelände (2) <<<
<<< Maja Trasker Start <<<
Charaktere: Chase, Maja
Geschichtsstrang: Hallo?
Maja blickt in den Spiegel. Sie muss sich erstmals selbst motivieren, bevor sie das Haus verlässt. Sie schaut an sich herunter, zieht und zupft an ihrer Kleidung herum, atmet schwer aus und beißt sich auf die Unterlippe das tut sie immer, wenn sie nervös ist. Und die Welt außerhalb ihrer Bücher sorgt dafür. Nachdem Maja die Tür schließt, begrüßt sie der Geruch von Regen und Erde. Sie hält noch einmal inne, bevor sie losgeht. Den Blick auf die hervortretende Stadt gerichtet, erklingen Stimmen, Glocken, Kindergelächter. Die Menschen in Windenburg begrüßen sich untereinander freundlich, so, als würden sie sich alle schon ewig kennen vermutlich tun sie das sogar. Maja ist neu hergezogen und kennt hier niemanden. An manchen Tagen ist sie froh darum, an anderen bewundert sie diese Vertrautheit untereinander. Sie denkt darüber nach, wie es wohl ist, hier aufzuwachsen, wie leicht es ihr heute fallen könnte, auf Menschen zuzugehen, weil jeder vertraut miteinander ist. Wieder teilweise im Hier und Jetzt, zieht sie den Pullover enger um sich und bewegt sich nun direkt auf den Markt zu.
Auf dem Platz in Windenburg, bewegen sich um diese Uhrzeit allerhand Leute. Einige gehen zu Arbeit, zur Uni, zur Schule, einkaufen, joggen... und einer steht mitten drin und quatscht sie alle an.
„Hey! Kurze Frage, hast nen Moment?“ Chase hält einen jungen Typen auf, der ein Skateboard unter dem Arm und eine Cola in der Hand hält. „Glaubst du, Menschen sind eher gut, oder schlecht?“
Der andere kratzt sich am Kopf. „Bro, das ist 'ne harte Frage für neun Uhr morgens.“ Der Skater überlegt. „Ich glaub, Menschen sind... neutral. So n Mix aus Egoismus und Gewissen.“
Chase nickt, hält das Gespräch am Laufen. „Also gut, wenns ihnen gut geht – schlecht, wenn sie in der Scheisse stecken?“
„Ja, so ungefähr.“
„Dann wärs also nur ne Frage der Umstände, ob du mich anlächelst oder mir gleich eine reinhaust?“
Der andere grinst. „Hast Glück heute, Mann. Wars das?“
Chase’ Mundwinkel zucken, hebt die Hand. „Eine Frage noch: Wenn du siehst, wie einer n Baum fällt, würdest du was sagen oder zuschauen? Oder hoffen das jemand anderes was sagt? Oder mitmachen? Oder würdest nur an guten Tagen was sagen? Oder an schlechten?“
Sichtlich überfordert, tritt der Kerl einen Schritt zurück. „Boah, das sind aber mehr als eine Frage... keine Ahnung, Mann. Ich studier nicht Philosophie.“
„Ich auch nicht.“ Chase lehnt sich leicht vor, das Grinsen bleibt. „Ich frag aus reinem Interesse...“
Der andere spürt den Unterton, sein Lächeln kippt. „Okay... du bist so einer.“
„Was meinst du mit ‚so einer‘?“
„Na – anstrengend.“
Chase lacht laut auf. „Danke! Ich nehm das als Kompliment.“
Der Typ hebt abwehrend die Cola. „Ich muss los, Bro. Peace.“
„Peace“, gibt Chase zurück und lässt ihn ziehen. Der Typ ist offensichtlich nicht das was er sucht. Dann atmet er kurz durch, dreht sich um und fixiert schon das nächste Gesicht.
„Hey, darf ich dich was fragen?“
Er blickt auf eine junge Frau, die knapp 30cm kleiner ist als er. Sie wirkt konzentriert auf dem Weg... irgendwo hin. Eingehüllt in einen warmen Pullover. „ich schwör, ich verkauf nix – ist nur was zum Nachdenken.“ seine Stimme ehrlich neugierig und der Blick aufmerksam.
Leicht stolpernd bleibt sie stehen. In Situationen wie dieser stottert sie sich normalerweise schnell eine „Ausrede“ zum dringenden Weitermüssen zusammen. Aber zugegeben, ihre Neugierde ist geweckt, sie ist zu langsam gewesen und seine Worte klingen ehrlich und authentisch. Maja sieht auf und hebt eine Braue. „Kommt drauf an, was du fragst.“ Die Worte bringt sie zu ihrem persönlichen Erfolg kontrolliert und selbstsicher hervor. Sie sieht ihn nach ihrer Antwort fragend an, während sie sein Äußeres genauestens studiert und hofft, dass er das nicht bemerkt.
Chase mustert sie aber denkt sich nicht viel dabei, weil er heute schon so viele Leute angesprochen hat, dass sie langsam in der Erinnerungsmasse verschwimmen. Sie haben alle unterschiedlich reagiert – manche genervt, manche verwirrt, ein paar immerhin interessiert. Wobei… nein. Die meisten waren abweisend. Aber das kennt er schon.
„Gut, dann was Einfaches“, sagt er schliesslich, und seine Mundwinkel ziehen sich zu einem leichten, verschmitzten Grinsen nach oben. Er tut so, als müsste er überlegen, hebt den Blick nach oben, blickt wieder zu ihr und kaut dabei auf einem seiner Piercings herum.
„Du siehst aus wie eine von den Guten“, sagt er dann ganz unironisch. „Du weisst schon. Moralisch.“
Ein kurzer Moment Stille. Der Wind weht ein paar ihrer Haare über die Schulter und Chase beobachtet ihre Reaktion.
„Wenn du jetzt jemanden siehst, der Müll in den Fluss kippt – was tust du?“
Etwas in ihr will widersprechen, aber sie fühlt sich teilweise ertappt. Maja setzt ein höfliches Lächeln auf und hinterfragt seine Worte. „Und wenn ich gar nicht so gut bin, wie ich aussehe?“
Maja ist es gewohnt, in eine Schublade gesteckt zu werden, und doch ist sie irritiert, dass ein Fremder sich eine Art Urteil über ihre Person bildet und dieses auch noch so offen und ehrlich ausspricht.
Maja bewundert Ehrlichkeit die Größe, Gedanken, Gefühle sowie Meinungen auszusprechen und sich den daraus resultierenden Konsequenzen zu stellen. Sie spricht viel, tiefgründig und ehrlich aber nur in ihrem Kopf.
Ein kurzer Moment der Stille. Sie holt sich seine Frage wieder ins Hier und Jetzt, schüttelt einmal leicht ihren Kopf und die damit verbundenen Gedanken. Sie blickt ihm nun in die Augen, formt ein schmales, fast entschuldigendes Lächeln.
„Ich würde wohl was sagen“, fügt sie direkt hinzu, „oder hoffen, dass jemand anderes das übernimmt.“
„Moral und Mut sind ja nicht das Gleiche, oder?“
„Wenn du nicht so gut bist,“ sagt Chase grinsned, den Blick fest auf ihr Gesicht gerichtet, „dann hab ich mich wohl vom Einband blenden lassen.“
Er lehnt sich leicht zur Seite, das Gewicht von einem Fuss auf den anderen verlagert. Er versucht dahinter zukommen, was in ihr vorgeht.
„Du hast recht,“ meint er nach einer kurzen Pause, „Mut und Moral sind nicht dasselbe.“
Er nickt gedankenversunken und ein feines, kaum wahrnehmbares Lächeln huscht über seine Lippen, bevor sein Blick wieder zu ihr zurückkehrt.
„Aber wenn du sagst, du würdest hoffen, dass jemand anderes was sagt… heisst das dann, deine Moral ist Theorie? Und heisst DAS dann wiederum, dass du nicht gut bist? Oder muss man Mut besitzen um Gut zu sein?“ Seine Augen leuchten sie an, gespannt auf ihre Antwort wartend.
Maja hält seinem Blick stand.
Die Stirn in Falten gelegt, verfolgt sie jede seiner Bewegungen, als wolle sie ihn durchschauen.
Nachdem sie kurz ihre Gedanken sortiert hat neigt sie den Kopf zur Seite und lächelt..neugierig, als wolle sie ihn testen.
„Gut zu sein heißt nicht, keine Angst zu haben, oder?“
Noch bevor er antworten kann, sagt sie ergänzend:
„Vielleicht bin ich gar nicht gut. Vielleicht bin ich nur echt, und ich denke, echt zu sein ist manchmal das Mutigste, was man tun kann.“ Sie lächelt sanft und fügt ein leises, aber hörbares „Oder …?“ hinzu.
Entschlossen, dass er dieses Gespräch nicht lange durchhält, fühlt sie sich siegessicher und klopft sich innerlich auf die Schulter.
Chase legt die Hand ans Kinn. Denkt kurz darüber nach was sie sagt. Dann hebt sich ein Mundwinkel, zu einem schiefes provokanten Grinsen.
„Bist du echt,“ meint er, „wenn du dabei zuschaust, wie einer Müll in den Fluss wirft?“
Ihre Augen funkeln, und ein provokantes Lächeln spielt um ihre Lippen.
„Wenn ich zuschaue, dann, weil ich glaube, dass alles, was wir in die Welt werfen, irgendwann zu uns zurückkommt.“
Ihr Lächeln wird schmaler, verlässt sie aber nicht.
„Jeder Mensch kann einen kleinen Teil dieser Welt verbessern nämlich sich selbst.“ Sie spricht die Worte ruhig, aber nicht unsicher, weil sie wirklich daran festhält.
Sie ist neugierig, lässt ihren Blick von seinen Mundwinkeln zu seinen Augen wandern und fragt:“Jetzt sag schon, für welche Organisation du noch Mitglieder suchst?“
Maja realisiert direkt, was sie da gerade ausgesprochen hat, und eine leichte Hitze spielt sich auf ihren Wangen nieder. Sie presst die Lippen aufeinander zu spät, wie sie erkennt.
Chase hebt die Brauen und schürzt dann nachdenklich die Lippen. Einen Moment sagt keiner was. Die Stille steht dicht zwischen ihnen, aber er stört sich nicht dran.
Er mustert sie, als würde er abwägen, ob sie wegläuft, wenn er jetzt was sagt.
„Bist du auf dem Weg zur Arbeit oder Uni?“ Seine Stimme klingt beiläufig. Er blickt kurz zum Café nahe dem Platz, dann zurück zu ihr, legt den Kopf schief und fügt schmunzelnd hinzu, „Oder hast du Zeit auf n Tee? Ich lad dich ein.“

Maja hält inne, seine Frage hallt im Kopf noch einmal nach. Sie nutzt diesen kleinen Moment der Stille, um nachzudenken. Ihre innere Stimme versucht, sie zu beruhigen.
„Maja, er fragt dich nach einem Tee. Beruhige dich wieder, was soll schon passieren?“
Sie atmet einmal tief ein und aus und kommt wieder zurück ins Hier und Jetzt.
„Selbstständig“, antwortet sie so gelassen, wie es die Umstände möglich machen.
Aber die Röte ihrer Wangen verrät sie. Sie legt eine Haarsträhne zwischen ihre Finger, um diese einzudrehen. Sie lässt ihn kurz mit ihrer Antwort warten.
Maja rollt lächelnd mit den Augen. „Warum nicht? Tee klingt gut …“
Ihr Blick wandert zu dem Café und dann zurück zu ihm.
„Aber ich wähle die Sorte.“
Chase lächelt schief, als sie sagt, dass sie die Teesorte auswählt. „Machst du das immer so? Entscheidungen treffen für andere?“ Er meint es nicht spöttisch aber grinst. „Gefällt mir. Mach ich zwangsläufig ganz oft so.“
Er setzt sich mit ihr in Bewegung. Der Wind trägt den Geruch von Kaffee zu ihnen herüber, je näher sie dem Laden kommen.
„Ich bin Chase, by the way.“ Er streckt ihr im gehen die Hand hin und beugt sich leicht vor. Als sie das kleine Café an der Ecke erreichen, hält er ihr die Tür mit einem kurzen, kaum merklichen, aufmerksamen Blick auf.
„Ladies first, oder wie man so tut.“
Drinnen sucht er den Platz am Fenster aus, setzt sich und lehnt sich zurück. „Selbständig also, ja? Womit hast du dich selbständig gemacht?“
Sie lächelt in sich hinein.
„Kommt drauf an, wer der andere ist.“ Ihr Blick ist auf ihn gerichtet, während sie versucht, seinem Tempo Schritt zu halten.
Sie nickt ihm zu, als er sich vorstellt. „Maja“, sagt sie sanft. Sie zögert einen Moment zu lange, bevor sie seine Hand nimmt. Maja versucht, sich gedanklich zu sortieren.
„Händeschütteln. Ganz normal. Machen wir alle. Gar kein Problem.“
Sie nimmt sie schlussendlich und drückt kaum spürbar zu.
Am Café angekommen hört man das Geschirr klirren, Menschen, die sich teilweise zu laut unterhalten, und verschiedene Düfte verteilen sich schon vor der Tür des Cafés – Kaffee, frische Brötchen und Gebäck.
Maja hat sich schon oft vorgenommen, herzukommen, aber sich alleine in ein Café zu setzen, hat oft einen bitteren Beigeschmack von Einsamkeit.
Sie schenkt ihm ein ehrliches Lächeln und nimmt seine Geste mit einem fast flüsternden „Danke“ an.
Der Platz am Fenster ist perfekt – alles ist in Sichtweite und trotzdem ein wenig abseits der anderen Tische.
Bevor sie sich zu ihm setzt, nutzt sie den Moment, um kurz durchzuatmen und zwei große Tassen Früchtetee mit Honig zu bestellen. Die Dame lächelt Maja freundlich zu und informiert sie darüber, den Tee zum Tisch zu bringen, wenn er fertig ist.
Sie nickt ihr dankend zu und geht auf den Platz am Fenster zu. Maja setzt sich Chase unbeholfen gegenüber und schaut ihm nun tief in die Augen.
Nachdem er das Gespräch mit einer Frage startet.
„Ich hatte zuerst eine Frage an dich gerichtet, aber ich akzeptiere es das eine Mal“, sagt sie, während sie nervös mit dem Bein wippt.
„Ich schreibe … Geschichten, Gedanken, manchmal auch nur halbe Sätze.“ Sie sagt es mit einem Hauch von Stolz und Leichtigkeit.
„Und du? Was machst du, wenn du nicht auf dem Markt stehst und Leute in ein Gespräch verwickelst?“
Sie fragt interessiert und beobachtet seine Mimik und Gestik, während sie fast belustigt lächelt.
„Du hast nach meiner Organisation gefragt“, sagt er ruhig. „Die hab ich nicht.“ Dann hebt er den Zeigefinger. „Im Moment noch nicht.“ Ein Lächeln schleicht sich über sein Gesicht. Er lehnt sich weiter vor, die Unterarme auf dem Tisch, und sieht sie an – jetzt auf gleicher Höhe.
„Ich studiere Sozialwissenschaften in Britechester. Manchmal.“ Das letzte Wort klingt wie ein Geständnis und ein Witz zugleich.
Das Grinsen bleibt verschmitzt. Jetzt, wo sie ihm gegenüber sitzt, kann er sie besser ansehen. Er lässt den Blick über ihre Züge wandern – die Nase, den Mund, die Art, wie sie ihn beobachtet. Wirkt wie Zurückhaltung, aber auch Neugier, vielleicht auch Trotz. Eine Mischung, die ihm gefällt.
„Du wärst schon ein halbes Fallbeispiel“, sagt er mit einem leichten Funkeln in den Augen. „Aber keine Sorge, ich bin nicht im Auftrag der Uni unterwegs.“
Sein Grinsen bleibt. „Du bist also Autorin. Das ist stark.“ Er neigt den Kopf leicht. „Wie gut kommen halbe Sätze bei deiner Leserschaft an?“ Der Ton hat etwas Neugieriges, aber der leichte Zug in seiner Stimme verrät, dass er spielerisch testet. „Hast du schon Bücher veröffentlicht?“
Sein Lächeln ist ansteckend, ihre Neugierde ist geweckt und sie überlegt kurz ihre nächsten Worte.
Wie weit kann sie fragen, hinterfragen, ohne seine Grenzen zu überschreiten? Die Frage schwingt mit, hält sie aber nicht auf.
„Das heißt, du solltest eigentlich gar nicht hier sein?“
Maja legt ihren Kopf schief, ihre Mundwinkel zucken.
„Ein Fallbeispiel also?“
Ihre Worte sind ruhig und verspielt. Sonnenstrahlen blitzen durch das Fenster, der Moment ist filmreif, ihre braunen Augen funkeln, ihr Gesicht ist von der Sonne umschmeichelt.
„Dann hättest du ja Glück, die halben sind meist die interessanteren.“
Sie sagt es nicht arrogant, aber neckend.
„Und nein, noch kein Buch. Ich schreibe nicht für Regale, eher für Köpfe.“
Sie spürt, dass er zuhört, was selten ist.
„Ich schreibe über das, was man nicht laut sagt, diese kleinen Momente, in denen Menschen kurz echt sind, bevor sie es wieder verstecken.“
Sie atmet einmal tief ein und aus.
„Ich schreibe Texte für Menschen, die ihre Gedanken, Gefühle nicht ausdrücken können oder eben nicht wissen, wie.“
Maja hält kurz inne, ihr Traum ist es immer, Bücher zu schreiben, Texte mit ihrem Namen drunter, aber dazu gehört eben mehr.
Sie will die Erwartungen von niemandem erfüllen müssen.
Sie lenkt die Aufmerksamkeit zu ihm.
„Du studierst Sozialwissenschaften, also Menschen … versuchst du sie zu retten oder zu verstehen, Chase?“
Majas grinsen ist verspielt, und ihre leichten Grübchen stechen hervor.
Chase mustert sie offen. Sie grinst, was er mag, aber es passt nicht richtig zu dem was er hört. Benennen kann er es nicht, es ist nur ein Bauchgefühl.
Die Bedienung tritt heran und stellt jeweils eine Tasse Tee vor ihnen ab. Chase nickt ihr zu, greift automatisch zum Zuckerpäckchen ohne Maja aus den Augen zu lassen. Er will seine Worte ausgewählt an sie richten und sehen was passiert.
„Die Simsheit ist nicht zu retten.“ sagt er ungewohnt pessimistisch und zuckt die Schultern. „Ich will vorallem, dass sie den Arsch hoch kriegen - naja oder wenigstens Bewusstsein schaffen für den ganzen Scheiss um uns herum. Am Nachmittag findet eine Vorlesung statt. Es geht um Verantwortungsdiffusion… und damit ich genug Munition für die Diskussion am Ende habe, hol ich mir Inspiration auf der Strasse.“ Jetzt lächelt er wieder als er Maja ansieht. Ihre Ausstrahlung erinnert ihn an Stonie, aber irgendwie verworren.
„Du musst mir jetzt aber kurz helfen.“ sagt er und lehnt sich auf die Unterarme vor. „Was bedeutet das? Für Köpfe, nicht für Regale? Wer ist deine Zielgruppe?“ Chase richtet sich ruckartig auf, hebt eine Hand, klappt den Finger in ihre Richtung aus. „Warte. Bist du Ghostwriterin? Dann bist du aber verhältnismässig, sehr kryptisch unterwegs.“ grinst er.
Majas Mundwinkel zucken, als Chase das Zuckerpäckchen öffnet. Sie fragt sich: „Hätte ich ihn davor warnen sollen, dass der Tee bereits mit Honig gesüßt ist?“
Sie schlägt die Beine übereinander und rührt nun in ihrem Tee herum.
Ihre Stimme wird weicher.
„Vielleicht geht’s ja nicht ums Retten, sondern ums Hinsehen?“, fragt sie, während sich ein zartes Lächeln um ihre Lippen legt.
„Ich schreibe für Menschen, die den Anfang nicht finden, manchmal reicht eine helfende Hand, die dich lenkt, um das zu tun, was du liebst.“
Sie sieht in ihre Tasse und dann wieder zu ihm, ihr Blick bleibt auf ihm hängen.
„Vielleicht schreibe ich auch für mich und lese in anderen das, was ich noch nicht sagen kann.“ Gesteht Maja.
Sie lächelt entschuldigend.
Sie fügt dem nach: „Aber keine Sorge… ich schreibe keine Happy Ends. Ich schreibe die Wahrheit.“
„Und du? Suchst du in deiner zukünftigen Organisation ein Happy End oder die Wahrheit?“
Sie lehnt sich vor und lächelt nicht weit entfernt von seinem Gesicht.
Chase mustert sie weiter. Es fällt ihm schwer es nicht zu tun. Alles was sie sagt, sagt ihm rein gar nichts. Nicht retten, sondern hinsehn? Nein es geht ums Handeln.
Für Menschen die den Anfang nicht finden? Also doch Ghostwriter für Autoren dies nich drauf haben?
Keine Happy Ends, sondern die Wahrheit?! Ihm fällt nichts darauf ein, ausser ein trockenes okay…?
Im letzten Seminar, über Interpersonelle Kommunikation in Beziehungen jeder Art, hat er stundenlang darüber debattiert ob man besser clever oder verständlich kommuniziert. Er war Team verständlich und wenn er mit Maja spricht, weiss er auch wieder ganz genau warum.
In einem anderen Fach, gibt es einen Dozenten, der kryptischer nicht reden konnte. Der sprach, als würde er Gedichte inhalieren und wieder auskotzen. Nutze Worte, die niemand im Alltag sagt. Und erwartete, dass die Studenten auf dem gleichen Level abliefern. Chase hatte ihn angegangen, da keiner jemals eine Arbeit abgeben konnte, die gut genug war. Wie auch, wenn keiner verstand was der Typ da vorn laberte. Es machte Chase sauer, dass der Mann von den Studenten ein gewisses Niveau erwartete ohne ihnen den Weg zu ebnen. Er ist der fucking Dozent und es wäre sein Job.
Es hat alles nichts gebracht – ausser, dass der Prof ihn jetzt auf dem Kieker hat.
Seitdem weiss Chase, wie schnell Gespräche kippen, wenn man jemanden dort kritisiert, worauf er stolz ist. Es ist eine Frage des richtigen Framings, des „Wie‘s“. Denn er will ausnahmsweise nicht streiten.
„Weder noch.“ Antwortet er etwas ernüchtert, auf die Frage. Eine Pause entsteht. Sein Blick ist bei ihr, nachdenklich. Auf der Suche nach den richtigen Worten um auszudrücken was ihm auf der Zunge brennt, ohne wie der letzte Arsch da zu stehen oder womöglich noch Verbrennungen ersten Grades durch Tee davon zu tragen.
„Ich finde…“, startet er, der Mundwinkel angedeutet freundlich, „das was du erzählst, über deine Selbstständigkeit, klingt schön, aber...“ Er spricht langsamer, weil er bedacht ist, nichts falsches zu sagen. Sein Gefühl sagt ihm, dass die zierlichen Frau vor sich, tough ist, aber er fühlt auch, dass sie sich versteckt. Auf eine Weise die schwer zu greifen ist. „Ich sags einfach ehrlich, ja?“
Er hebt minimal die Hand, als würde er um Erlaubnis bitten.
„Vielleicht bin ich auch zu doof.“ Ein kurzer Grinser, der die Spannung rausnimmt. „Aber nach allem, was du gesagt hast, weiss ich immer noch nicht, was du eigentlich machst. Oder für wen.“
Er tippt mit dem Finger leicht auf den Tisch und kratzt an einer Rille entlang. „Und erst recht nicht, wie du davon lebst. Versteh mich nicht falsch“, beschwichtigend hebt er leicht die Hände, „ich finds spannend, wie du denkst, nur...“ Er bricht den Satz ab. Seine Stimme ist sanft genug um die Worte nicht abschreckend, aber bestimmt an sie zu richten. „Wie würdest dus einem Kind erklären?“
Maja sieht ihn an, entschuldigend.
„Ich erkläre es dir… meine Worte sind manchmal ein unlösbares Rätsel.“
Ihr Blick wird nachdenklich, und sie klammert sich an ihre Tasse.
Sie atmet einmal tief ein und aus – sie will nichts Falsches sagen, also versucht sie, ihn wirklich als eine viel jüngere Version von sich selbst zu sehen.
„Ich treffe mich mit wirklich wundervollen Sims. Sie erzählen mir, was sie schreiben möchten, aber wofür die Worte fehlen… Worte, die im Hals feststecken und die dieser Sim sich nicht traut zu sagen. Wie ein Geheimnis. Aber ein gutes Geheimnis.“
„Mal werde ich dafür bezahlt, mal nicht. Du kannst es gerne so sehen – vielleicht wollte ich es einfach nicht definieren“, sagt Maja sanft, aber ehrlich.
„Klingt das leichter?“ hakt sie nach.
Ihr Lächeln ist ein Stück weit verblasst, und sie hält inne.
„Bin ich wirklich so kompliziert?“ fragt sie sich.
„Bisschen.“ sagt Chase. „Ich versuch das mal zu spiegeln.“ Er rückt in eine Haltung, die ihr die volle Aufmerksamkeit schenkt. „Angenommen, ich will einen Brief an meine Ex schreiben. Ich will ihr sagen, dass es mir Leid tut wies gelaufen ist aber auch das ich verstehe warum. Ich will sie nicht zurück, weil den Kompromiss den sie verlangt, kann ich nicht eingehn. Trotzdem wars eine gute Zeit. Und es ist wahrscheinlich gut, so wie es gekommen ist.“ Chase richtet sich auf. „Wenn ich jetzt nicht wüsste, wie ich das rüberbringen sollte, komm ich zu dir und du schreibst mir den Brief? Ich meine… würde dir das an Infos reichen?“ Seine Stimme ist ehrlich interessiert, aber in seiner Mimik liegt Skepsis. „Oder du meinst sowas wie: Ich schreib meiner Chefin statt ‚Ich brauch mehr Lohn‘ einen Text von dir und sie gibt mir dann… mehr Lohn?“
Er faltet die Hände, sein Blick wirkt unschuldig, entschuldigend. „Sind vielleicht dumme Beispiele.“
„Beides…“, sagt Maja fast vorsichtig.
„Von Biografien, Reden, verschiedenen Texten – persönlich sowie sachlich. Der Auftraggeber entscheidet, aber mit meinem Glanz, Filter oder meiner Hilfe, nenn es, wie du möchtest.“
Sie lächelt sanft und sagt: „Wenn du mich nach einem Brief für deine Ex-Freundin fragst, schreibe ich ihn nicht für dich, sondern mit dir.“
„Ich wähle die Worte so, dass sie dich besser versteht – das erfordert viele Gespräche und Zusammenarbeit“, fügt sie anschließend hinzu.
„Und im Bezug auf deinen Lohn – ich denke nicht, dass es der richtige Weg ist, es über Texte zu probieren, aber ich bin immer für neue Projekte offen.“
Maja legt den Kopf schief und lächelt ihn nun wieder an.
Test bestanden, denkt er. Mit ihm schreiben. Gut. Alles andere wäre Bullshit und seelenlos. Klingt trotzdem nach einem Risiko. Sobald ihr Filter drüberläuft, gehört der Text ihr zu viel und ihm zu wenig. Der Gedanke kratzt. Am Ende muss der Auftraggeber abnicken, klar. Nur… woher soll jemand wissen, was gut ist, wenn er genau deshalb Hilfe braucht? Komisches System.
Was den Lohn angeht. Er hat sich mit grossen Firmen befasst, unter anderem um zu verstehen wie sie aufgestellt sind. Er muss öfter an Warren denken, der sagte er wolle die Firma seines Vaters von innen heraus ändern. Chase muss immer noch leise lachen bei dem Gedanken. Nichtsdestotrotz würde man wohl in einer Mail um ein Meeting bitten wenn man um eine Lohnerhöhung bittet. Wahrscheinlich ein guter Zeitpunkt, dort schon aufzulisten weswegen man die Gehaltserhöhung verdient. Vielleicht ist mit dem richtigen Framing, gar kein Meeting nötig. Das wäre wahrscheinlich ein gutes Geschäftsmodell. Mit direktem Resultat. Seine Gedanken schweifen ab zu einem Szenario in denen die hälfte aller ausbeuterischen Grossfirmen in den finanziellen Ruin stürzen, weil alle Mitarbeiter so scharfzüngig nach einer Lohnerhöhung fragen, dass sie sie ihnen entweder geben oder sie feuern müssen. Das amüsiert ihn. Dann wandern die Gedanken wieder zu Maja. „Du bist also eine Art Coach.“ stellt er fest. „Find ich gut. Ich selbst bin kein Freund vom Texten,“ sagt er schulterzuckend. „Wenn ich was sagen will, dann face to face. Aber ich verstehe, dass das nicht jeder kann. Oder das geschriebenes Wort manchmal mehr Gewicht hat… und es eignet sich hervorragend als Beweismittel. Manchmal auch gegen einen, daher….“ er grinst und hebt nochmal die Schulter, zieht seine Tasse näher, fischt den Teebeutel raus, drückt ihn am Löffel ab und nimmt einen Schluck. Zu süss. Viel zu süss.
Er versucht, den Zuckerschock nicht im Gesicht zu zeigen aber scheitert. Seine Augen kneifen sich leicht zusammen, Mundwinkel spannen und die Brauen gehen hoch.
„Holy… ähm.“ Er setzt die Tasse ab, räuspert sich und nickt mit gespielter Würde. „Jup.. Gute Wahl.“

Sie hält kurz inne.
„Coach klingt streng, da habe ich direkt das Bild eines schreienden Fußballtrainers im Kopf, der die rote Karte zeigt.“ Ihr Lächeln ist weich.
„Mir ist es wichtig, dass die Worte echt sind, nicht perfekt. Mein Ziel ist es nicht, die Sims zu verändern, ich will ihnen zeigen, dass es in Ordnung ist, sie selbst zu sein.“
„Vielleicht…“ ihre Worte sind abgehackt, fast stotternd – „…kann ich es dir ja irgendwann mal zeigen.“
Majas Blick wandert zum Fenster und dann wieder zu Chase.
„Ich bewundere Menschen, die sagen können, was sie denken… ich kann es eher aufschreiben“, gesteht sie.
Sie verliert sich in Gedanken. „So gerne, würde ich sagen was ich denke ohne Angst zu haben was andere von mir denken oder ganz egal welche Konsequenzen sich darin verstecken..Frei fühlen ohne, dass jemand urteilt.. für jemanden besonders sein ohne überzeugen zu müssen.. kämpfen, weil es sich lohnt nicht, weil man es muss.. bedingungslos Lieben.. einfach echt sein.“
Sie schüttelt den Kopf kaum merklich und sieht wie Chase zur Tasse greift.
Maja beobachtet gespannt, wie Chase den ersten Schluck vom Tee trinkt.
Sie hält sich die Hand vor den Mund, aber ihr entgleitet ein warmes Lachen, ihre Grübchen stechen hervor – sie kann nicht anders.
„Ich muss zugeben, ich hätte es dir fast abgekauft, dass du ihn immer so süß trinkst.“
Sie nimmt sich ihre Tasse und trinkt selbstbewusst einen Schluck daraus.
„Und, hast du schon Diskussionsmaterial für die Vorlesung?“
Ihr Lachen trifft ihn unerwartet warm. Er hält kurz inne, beobachtet den Moment, wie sie die Hand vor den Mund hält und diese Grübchen auftauchen. Ohne dass er es verhindern kann, zieht es auch an seinem Mundwinkel.
„Ich mag dein Lachen.“ sagt er ohne umschweife und lächelt sie an.
Er lehnt sich zurück, streckt die Beine aus, lockert die Stimmung mit einem kurzen Atemzug durch die Nase. „Diskussionsmaterial hab ich genug. Ich kann mich wieder problemlos unbeliebt machen..“
Dann lässt er die Hand über die Tischkante gleiten. Er wirkt fast ein wenig verlegen. Untypisch. Vielleicht auch nachdenklich. „Du meintest vorhin, du könntest mir zeigen, was du machst.“ Sein Blick wird direkter. „Ich würd mir das gern zeigen lassen.“
Ein kleiner Moment Stille, den er bewusst setzt.
Dann kippt er das Gewicht leicht nach vorn, sein Knie streift zufällig ihres unter dem Tisch.
„Aber…“ die Mundwinkel ziehen sich zu einem frechen Grinsen, „…nur, wenn ich dir im Gegenzug auch was zeigen darf.“
Ihre Wangen färben sich in einem leichten Rosaton.
„Dankeschön…“, sagt sie fast kleinlaut.
Sie versucht, sich nichts anmerken zu lassen, aber ihre Hände klammern sich zitternd an die Teetasse, ihr Körper verrät sie.
Sie würde zu gern wissen, ob er auch über sie reden wird in seiner Vorlesung, korrigiert sich aber schnell im Kopf damit, dass er bestimmt viel spannendere Themen heute hatte.
Sie atmet einmal tief ein und aus, greift zu ihrem Handy, das in der Hosentasche verstaut ist, und holt hinter ihrer Handyhülle eine Visitenkarte hervor. Darauf steht ihr kompletter Name, ihre Telefonnummer und ihre E-Mail-Adresse.
Sie nimmt sie in die Hand und streckt sie ihm vorsichtig entgegen. „Sag mir wann und wo“ sagt Maja selbstbewusst, aber man merkt ihr die Verlegenheit an.
Chase streift ihr Knie, aber sie zieht es nicht weg. Sie versucht weiterhin, ruhig zu bleiben, aber ihre Gedanken explodieren.
„Warum ziehe ich mein Knie nicht weg? War das Absicht von ihm? Ist das Absicht von mir? Was passiert hier gerade? Flirtet er? Quatsch, das bilde ich mir ein.“
Wieder fokussiert auf Chase, kaut sie auf ihrer Unterlippe.
„Was möchtest du mir zeigen?“, fragt sie neugierig.
Chase nimmt die Karte, betrachtet den Druck. Visitenkarten. Denkt er, verwirft es und blickt zu ihr. Er bemerkt die Uhr über der Theke und dass er höchst wahrscheinlich zu spät zum Treffen mit Lola kommen wird. Sie wollte ihn auf den neusten Stand bringen.
Egal.
Nein. Nicht egal.
Doch.
Er schaut Maja an. „Das kann ich so nicht sagen“, antwortet er gelassen, zieht sein Handy aus der Tasche, die Karte immer noch in der anderen Hand. Er will nicht zeigen, dass sein Mund schneller war als sein Hirn. Wär zu peinlich, jetzt zuzugeben, dass er selbst noch nicht weiss, was er da überhaupt vorhat. Also einfach durchziehen.
„Sorry, falls du keine Überraschungen magst“, erweitert er, während er ihre Nummer von der Karte in sein Gerät speichert. Er ignoriert den Gedanken, wie weird es ist, einer fast Fremden was anzubieten, ohne Details. Auch den Gedanken, dass sie ihn für komplett gestört halten könnte, wenn sie das jemandem erzählt.
Dumm.
Kein Meter weiterüberlegt.
Langsam wirds kritisch.
„aber…“ er legt die Karte auf den Tisch und beginnt jetzt mit beiden Daumen zu tippen.
Wenn sie nicht will, dann ist es dann eben so.
„ich würds feiern, wenn dus einfach selbst siehst.“ Er hört auf zu tippen und schaut lächelnd auf. Sein Daumen bewegt sich ein letztes Mal und einen Herzschlag später vibriert Majas Handy auf dem Tisch. Grade als sie danach greifen will, legt er seine Hand auf ihre. „Warte noch.“ Ihre Hand ist warm von der Tasse, ihre Finger gepflegt, die Haut weich. Er lächelt, aber nachdenklich. Dann, zieht er die Hand zurück, bevor er die Tasse nimmt und noch einen Schluck trinkt, als bräuchte er Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Sie fällt. Er steht auf.
„Sorry, ich muss jetzt los.“ sagt er, „Hat mich gefreut Maja. Wir hören...“ er hebt grinsend kurz das Handy an.
Bevor er das Lokal verlässt, bezahlt er die Tees und ist kurz darauf mit einem souveränen Lächeln verschwunden. Innerlich jedoch ziemlich aufgekratzt. Vielleicht auch irritiert. Lola wird stolz auf ihn sein, wenn er ihr erzählt, dass er mal die Klappe gehalten hat bevor er - wie so oft - alles zerredet.
Auf Majas Display, leuchtet seine Nachricht:
Zitat von {{name}}
‚War kurz davor, nur noch Quatsch zu reden, um länger zu bleiben.
Freu mich, von dir zu lesen 😉‘
Maja beobachtet ihn, irritiert, aber auch neugierig verfolgt sie jede seiner Bewegungen.
Sie ist verwirrt und kann seinen Worten nicht folgen.
Das Handy vibriert auf dem Tisch, sie greift automatisch danach und hält inne.
Er berührt ihre Hand, nur kurz, doch der Augenblick fühlt sich an wie in Zeitlupe. Seine Hand ist warm, größer als ihre eigene. Als er diese wieder wegzieht, ist sie immer noch mit der Hand auf ihrem Handy.
Seine Worte sind nicht in ihrem Fokus, sie realisiert absolut gar nicht, dass er jetzt aufsteht und geht.
Sie zwingt sich noch zu einem höflichen Lächeln, aber nachdem er das Café verlassen hat, ist ihr dieses aus dem Gesicht entwichen. Sie bleibt noch einen Moment sitzen, kann ihre Gedanken nicht sortieren.Maja atmet durch, sie braucht einen Moment, bevor sie auf ihr Handy schaut. Sie liest seine Nachricht zwei Mal durch.
Sie hat so viele Fragen und doch tippt sie:
Zitat von {{name}}
„Das klingt ja fast wie ein Kompliment..“
Maja ist hin und hergerissen, reicht das, ist das zu viel, was wird er drüber denken, sollte ich noch mehr schreiben?
Zu spät, abgeschickt..
(in Zusammenarbeit mit @Simirechen )
>>> Chase geht nach Windenburg Nr. 2 - Maja's Haus >>>
>>> Maja geht nach Windenburg Nr. 24 - Park von Windenburg >>>
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