Henford-on-Bagley

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28.04.2024 16:12 (zuletzt bearbeitet: 10.06.2024 12:43)
#21
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Schicksalslenker

Marga kommt von Oasis Springs Nr. 11 - Familie Töpfer
Marina kommt von Brindleton Bay Nr. 3 - Haus der Garcias


Charaktere: Marga, Marina
Geschichtsstrang: Mama mia!

Marina sitzt am frühen Nachmittag alleine in einem Café, um sich mit ihrer Freundin Marga zu treffen. Während sie auf Marga wartet, reflektiert Marina über die jüngsten Ereignisse in ihrem Leben. Die Kinder sind ausgezogen, der Kontakt ist sporadisch und ihre Ehe mit Joachim befindet sich im Trennungsjahr auf dem Weg zur Scheidung. Diese Umstände haben Marina dazu gebracht, sich nach einem Anker in ihrem Leben zu sehnen und die Arbeit in der Werkstatt ist dabei zu ihrem Halt geworden. Dennoch spürt sie eine Leere in sich.



Gestern war sie mit Joachim beim Scheidungsanwalt, um wichtige Angelegenheiten zu klären und obwohl dies ein Schritt in Richtung Veränderung ist, ist Marina noch immer dabei, sich an die neue Realität anzupassen.
Inmitten dieser Ereignisse sehnt sich Marina nach Ablenkung und simlischen Kontakten. Sie hofft, dass das Treffen mit Marga nicht nur eine willkommene Abwechslung darstellt, sondern auch eine Chance bietet, ihre Freundschaft zu vertiefen. Es ist lange her, dass Marina eine enge Freundin hatte und sie hofft, in Marga genau das zu finden.

Aufgeregt steigt Marga aus dem Bus, der sie aus dem trockenen Oasis Springs ins grüne Henford-on-Bagley gebracht hat. Obwohl das Frühjahr langsam näher rückt und die härteste Winterzeit überstanden, ist die Luft auf dem Lande noch merklich kühl. Die Arme näher an den Körper ziehend, streift sie sich die vorsorglich mitgebrachten Handschuhe über und sieht sich neugierig um. Was für eine Wohltat all das Grün durch die dünne Schneeschicht schimmern zu sehen Und die Parkanlage erst! In Oasis Springs gibt es auch kleinere Pflanzungen, aber selbst im Sommer wirken die Gewächse dort nicht so saftig und gesund, wie die schön zurecht geschnittenen Büsche und Hecken in diesem Park.



Ein paar Schritte weiter breitet sich vor ihrem verzückten Blick der Dorfkern mit schnuckeligen Häusern und ein paar Marktständen aus. Das ist genau die richtige Inspiration für ihr Gespräch mit Marina. Interessiert betrachtet sie im vorbei gehen die landwirtschaftlichen Produkte, die angeboten werden und vergleicht die Preise mit denen ihres Heimatortes.

Ungefähr dasselbe Niveau, aber völlig neue Produkte. Vielleicht bleibt später noch Zeit mit Marina zusammen genauer zu schauen, jetzt muss sie das Café finden in dem sie erwartet wird. Nach wie vor kommt Marga selten aus Oasis Springs heraus, so dass ein Besuch in einer neuen Umgebung immer wieder eine Herausforderung darstellt. Gut dass der Ortskern übersichtlich ist. Sie entdeckt das kleine Café in einer ruhigen Ecke und Marina winkt auch schon, kaum dass sie das Lokal betreten hat.



Erfreut nimmt Marga Platz, stellt ihre altmodische Handtasche auf die Polster neben sich und lächelt ihre Bekannte an. Während sie die Handschuhe auszieht sprudelt schon die Begeisterung über diesen heimeligen Ort aus ihr heraus. "Marina, wie schön dich zu sehen. Du lebst ja in einem zauberhaften Dorf, so ganz anders als unser trockenes Oasis. Bin ich froh, dass wir uns hier treffen, ich hatte ja keine Ahnung." Offen lächelt sie Marina an. "Wie geht es dir? Die Party bei deiner Familie liegt ja schon eine ganze Weile zurück. Was gibt es Neues?"

Marina erwidert Margas Lächeln und fühlt sich sofort wohl in ihrer Gegenwart. "Marga, es freut mich auch, dich zu sehen!", sagt sie herzlich. "Ja, Henford-on-Bagley ist wirklich ein bezauberndes Fleckchen Erde. Man fühlt sich hier einfach sofort zuhause." Da Marina bald ein Umzug bevorsteht, wird sie vermutlich die schöne Idylle von Henford vermissen, doch darüber möchte sie jetzt nicht sprechen.

"Mir geht es soweit gut", fährt Marina fort. "Die Party war wirklich toll, aber es ist schon eine Weile her. Seitdem ist nicht viel passiert, um ehrlich zu sein. Ich habe viel Zeit alleine verbracht, seit die Kinder ausgezogen sind. Aber jetzt, wo ich dich treffe, freue ich mich auf etwas Gesellschaft und Ablenkung." Ihre Augen leuchten voller Vorfreude auf das bevorstehende Zusammensein."Und wie geht es dir? Was hast du in letzter Zeit erlebt?"



Die Kellnerin tritt an den Tisch, gibt auf Nachfrage Empfehlungen für Kuchen und Getränke ab und entfernt sich dann mit der Bestellung.
"Ja, ich verstehe dich." Marga nickt teilnahmsvoll. "Es ist schwer, wenn man plötzlich allein in einem Haus sitzt und für niemanden mehr sorgen muss." Sie denkt an das Gespräch auf der Party zurück. "Unser Sohn Adrian ist jetzt wirklich dabei auszuziehen. Er ist kürzlich achtzehn geworden." Sie zögert kurz und sieht Marina dann offen an. "Seine Freundin und er bekommen ein Baby, deshalb suchen sie eine gemeinsame Wohnung. Du kannst dir vorstellen wie aufregend das ist und was an Herausforderungen auf uns zu kommt." Margas Augen beginnen zu schwimmen. "Denize ist erst siebzehn." Eine Träne kullert über ihre Wange. Schniefend beginnt sie in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch zu wühlen.

Mitfühlend reicht Marina eine Tempopackung an Marga. "Hier, bitte." Nachdem sich die Blondine die Tränen weggewischt hat, nimmt Marina Margas Hand und drückt sie beruhigend. "Da habt ihr eine aufregende und überwältigende Zeit vor Euch." Für einen Augenblick fragt sich die Mutter von drei Kindern, wie ihr es ergehen würde, wenn eines ihrer Kinder ein Baby bekommen würde. "Das ist eine große Veränderung für Euch alle, aber ich bin mir sicher, dass ihr das gemeinsam meistern werdet. Ihr unterstützt Eure Kinder, egal wie herausfordernd es sein wird."
Die Kellnerin bringt die Getränke und Marina trinkt einen Schluck, bevor sie fortfährt. "Du bist eine großartige Mutter, Marga. Ich bin mir sicher, dass Adrian und Denize sich glücklich schätzen, dich an ihrer Seite zu haben. Und ich bin auch für dich da, wenn du jemanden zum Reden brauchst, okay?"

Eine großartige Mutter, ist sie das wirklich? Marga schnieft erneut und nickt dankbar. "Du hast ein gutes Herz Marina. Ich bin froh dich kennen gelernt zu haben." Sie legt beide Hände um die Tasse ihres Milchkaffees und genießt für einen Augenblick die Wärme, die ihre eiskalten Finger wieder zum Leben erweckt. Wenn sie sich aufregt, weicht jedes Mal das ganze Blut daraus. "Weißt du, es ist auch eine finanzielle Frage. Ich möchte sie unterstützen können, wenigstens ab und zu." Marga trinkt und fährt etwas unsicher fort. "Ich hatte dir doch erzählt, dass ich überlege mich selbstständig zu machen. Die Idee ist, einen fahrbaren Essenstand zu haben und dort frisch zubereitete heimische Kost zu verkaufen." Sie wirft der neuen Freundin einen hoffnungsvollen Blick zu. "Das wäre zu zweit natürlich leichter und auch unterhaltsamer...ich dachte an dich, Marina. Was hältst du von der Idee?"



Warm lächelt die Gefragte und nickt Marga zu. "Das ist eine großartige Idee! Ein fahrbarer Essensstand mit heimischer Küche könnte durchaus erfolgreich sein." Ihre Miene wird nachdenklich, als sie über den Vorschlag nachdenkt mit einzusteigen. "Ich muss zugeben, dass ich überrascht bin, dass Du an mich denkst. Ich danke Dir für dein Vertrauen! Allerdings muss ich erst einmal intensiv darüber nachdenken. Wie hast Du Dir vorgestellt, die Selbständigkeit anzugehen?"

"Du hast alle Zeit der Welt um drüber nach zu denken." antwortet Marga verständnisvoll. "Weißt du, erst hab ich mich daran erinnert, dass du sagtest du kennst dich mit Steuer -und Finanzwesen etwas aus." Sie rutscht aufgeregt auf ihrem Platz hin und her und ein vergnügter Funken zeigt sich in ihrem Blick. "Dann dachte ich an José oder Nael als Berater für diese Dinge und daran, dass du sicher eine gute Köchin bist." Verschmitzt grinsend stupst sie mit dem Teelöffel durch die Luft, in Marinas Richtung. "Wir haben beide Kinder groß gezogen und ich hab das im Gefühl, dass du Leckeres zaubern kannst." Mit verschwörerischem Gesichtsausdruck lehnt sie sich etwas über den Tisch. "MArina ...MArga.." raunt sie gedämpft. Das Grinsen wird breiter. "Nirgends schmeckt es besser als bei MAMA!" beendet sie lauter werdend. "Wie hört sich das an?" Der Telöffel beschreibt einen 'Tadaaah' - Bogen durch die Luft. Marga lehnt sich zurück und lacht vergnügt, beflügelt von ihrer Idee.



Marina betrachtet ihre Gesprächspartnerin mit einem nachdenklichen Ausdruck. Lecker Essen bei MAMA, schwirrt in ihrem Kopf und der Gedanke zaubert ihr erneut ein Lächeln ins Gesicht. "Wir müssten uns auf jeden Fall vorher beraten lassen von meinem Schwager. Wie man solch einen Essensstand aufzieht und was man beachten muss, wüsste ich auch nicht auf Anhieb." Mit Sicherheit würde José die beiden Frauen unterstützen und Hannah wäre begeistert von der Selbstständigkeit. "Ehrlich gesagt wird diese Idee immer greifbarer für mich. Kochen kann ich, daran sollte es nicht scheitern." Sie erinnert sich an die vielen Male, wo die Kinder und Joachim die Teller leer gegessen und kaum Reste übrig gelassen haben. Doch diese Zeit ist vorbei und will Marina wirklich ihr Leben lang in der Kfz-Werkstatt arbeiten und in ihrer Freizeit alleine zu Hause hocken? "Was sagt denn dein Mann dazu?", fragt sie interessiert.



"Wir sind dabei unsere Beziehung in neue Fahrwasser zu leiten. Dazu gehört auch, dass wir lernen uns gegenseitig ernst zu nehmen und zu unterstützen. Das ist eine neue Erfahrung für mich." Marga zeichnet mit dem Teelöffelstiel Muster auf der Tischdecke, während sie nachdenklich erzählt. "Bei uns zuhause steht ein ungenutzter Verkaufsstand herum. Bertl und andere fleißige Helfer bauen ihn so um, dass er für .." Sie sieht auf und lächelt Marina an. "..für unsere Zwecke genutzt werden kann." Sie reißt die Augen auf. "Oh! Da kommt mir ein Gedanke. Der Stand braucht noch einen Gestell auf Rädern..wie soll ich das ausdrücken..einen Untersatz, damit man ihn von Ort zu Ort bewegen kann. Meinst du in der Autowerkstatt könnte man so etwas bauen lassen? Aus gut erhaltenen Schrotteilen vielleicht?"

Ein fahrbarer Unterstand.. ein bereits vorhandener Verkaufsstand.. die Ideen von Marga hören sich für Marina gut durchdacht an, aber kann das in der Realität umgesetzt werden? "Ich kann mal Jochen und Hans fragen, ob es da eine Möglichkeit gäbe. Die beiden kennen sich da deutlich besser aus als ich, ich mache ja nur die Buchhaltung", lachend hält Marina eine Hand vor ihr Gesicht und trinkt anschließend einen Schluck aus ihrer Tasse. "Jedenfalls freue ich mich, dass dein Mann und du einen Weg gemeinsam finden. Besonders jetzt, wo ihr beide Großeltern werdet."

"Der Weg ist das Ziel hab ich mal gelesen und nicht verstanden." sinniert Marga. "Jetzt weiß ich ungefähr was damit gemeint ist. Wir werden sehen, mehr als einen Fuß vor den anderen setzen kann man nicht."



Es sind die kurzen und stillen Momente, in denen sich Marina trotz allem, was passiert ist eine Zukunft mit Joachim und den Kindern vorstellt. Doch diese wird es nicht mehr geben und das muss unbedingt auch in ihrem Herz ankommen. Ihre Gedanken lenkt sie erneut zur Selbständigkeit und sieht einen weiteren Pluspunkt dieses Projekt mit ihrer Freundin gemeinsam anzugehen: Eine Ablenkung, als auch Perspektive für die Zukunft.

"Wunderbar." Marga klatscht in die Hände. "Lass uns nichts überstürzen. Wir sollten bestens vorbereitet sein und jeden Rat einholen, den wir bekommen können." Klirrend stellt sie ihr Gedeck zusammen und sieht Marina aufmunternd an. "Möchtest du uns besuchen kommen? Wir können uns den Stand ansehen und ich würde zu gern hören was du für Ideen zur Gestaltung hast." Sie zieht Marinas leeres Geschirr ebenfalls heran und stapelt es ordnend. "Für uns beide ist es wichtig positive Gedanken zu entwickeln, das hilft die schmerzlichen Dinge zu verarbeiten." Über sich selbst erstaunt, muss Marga schmunzeln. Was die Gespräche mit Maryama für Früchte tragen.

Ein warmes Lächeln huscht auf Marinas Gesicht, als Marga sie einlädt. Ihre ermuntenden Worte und die Idee des Verkaufsstands fühlen sich wie ein Lichtblick an."Das klingt wunderbar. Ich freue mich sehr Euch zu besuchen." Während Marga das Geschirr zusammen räumt, wird sie von Marina beobachtet. "Für mich passt es eigentlich immer", fährt die dreifach Mutter fort. "Wie wäre es am Wochenende? Ich könnte Samstag vorbei kommen, wenn es Dir passt."

"Ja, das passt wunderbar." Marga strahlt. "Und jetzt schlendern wir noch ein bisschen über den Dorfplatz hier. Ich hab gesehen, dass es dort auch Verkaufsstände für landwirtschaftliche Produkte gibt, vielleicht erfahren wir etwas Nützliches von den hiesigen Geschäftsleuten."



(in Zusammenarbeit mit @Spatz)


Marga geht nach Oasis Springs Nr. 11 - Familie Töpfer (6)
Marina geht nach Evergreen Harbor Nr. 4 - Evergreen Werkstatt (2)


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22.08.2025 19:17 (zuletzt bearbeitet: 13.03.2026 20:12)
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Bestseller-Schmied

<<< Pita kommt von Britechester Nr. 11 (E) - Wohnung von David Janko <<<
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Charaktere: Pita, Dalia
Geschichtsstrang: Worum es wirklich geht




Niemals stillstehend plätschert das Wasser im Flussbett seine Bahnen entlang, hin und wieder wird das leise Rauschen von einem hellen Glucksen untermalt. Den Ursprung suchend tastet Pitas ansonsten entrückter Blick jedes Mal das Wasser ab, ehe er wieder in die Leere der Landschaft driftet. Die Nachmittagssonne scheint angenehm wärmend auf ihre Haut. Dennoch wirkt es, als wäre ihr kalt, wie sie da sitzt - die Arme um sich selbst geschlungen, streicht der Daumen der linken Hand gedankenversunken auf und ab. Die Beine nah am Körper hockt sie im Gras ihrer kleinen Sein-Insel, wie sie diesen Ort als Mädchen nannte. Sie wusste natürlich, dass es keine Insel ist. Nur eine Grasfläche, umrundet von den Windungen des Flusses, der sich durch beinahe ganz Henford zieht. Aber oft stellte sie sich dieses kleine Fleckchen Erde als Insel vor - abgeschnitten vom Rest der Welt, wo sie ihren Gedanken nachhängen und einfach nur sein kann.
Es ist merkwürdig, wieder hier zu sein, findet sie. Beinahe zwei Jahre lang hatte sie ihrer Heimat den Rücken gekehrt - sich versteckt vor den Geschehnissen, vor ihrer Mutter, ihrem Vater, David und sich selbst. Vielmehr dem Teil von sich, der all diesen Schmerz losgetreten hatte.
All diese Sims nun wieder zu sehen, hatte sie mit Angst erfüllt. Sie wusste nicht, ob sie ihr inzwischen verziehen hatten, doch sie war bereit gewesen, sich den Konflikten zu stellen. Und nun stellt sich heraus, dass niemand ihr Vorwürfe macht. Sie sagen es nur nicht. Sie schonen mich. Anders kann sie es sich nicht erklären.



"Hier steckst du.", erklingt die weiche Stimme ihrer Mutter hinter ihr. "Darf ich mich zu dir setzen?"
"Natürlich.", deutet Pita mit einem einladenden Nicken neben sich.
Die Ältere hebt den Saum ihres Kleides an und lässt sich auf dem Gras nieder. Als ihre Mädchen jung waren, haben sie oft so zusammen gesessen und kleine und große Picknicks veranstaltet. Das ist lange her und viel ist seitdem passiert.
"Er meint es nicht böse.", beginnt Dalia zaghaft. "Er ist ein guter Mann."
"Das muss er wohl sein," Pitas Blick ruht auf dem Fluss, ihre Stimme ist ruhig und voller ungebrochener Wärme, "wenn du ihn heiratest."
Dalia seufzt. Der unterschwellige Vorwurf schmerzt sie. Es fällt ihr schwer, sich in ihre Tochter hineinzuversetzen. "Du warst nicht hier.", erklärt sie. "Ich musste mich um alles kümmern. Deine Schwester, das Haus, den Betrieb - und um die Versorgung deines Vaters." Ihre Aufmerksamkeit wandert zum Fluss, als ihr ein zartes Lächeln über die Züge huscht. "Dann kam Gunther. Er hat mir seine Hilfe angeboten. Und ich sah mich nicht in der Lage, abzulehnen. Wir wurden Freunde und dann ..." Ihre Worte versiegen im Nichts.
Erst jetzt sieht Pita zu ihrer Mutter herüber. "Liebst du ihn?"
Dalia weicht ihren Blicken aus. "Weißt du, ... in unserem Alter geht es nicht mehr um Liebe."
"Dann führt ihr eine Zweckehe?"
Erneut lächelt Dalia. "Ganz so ist es auch nicht."
Einen Moment zögert Pita. Wie ist es dann, fragt sie sich. Erklär es mir doch einfach. Doch sie wendet schweigend den Blick ab. Ihre Mutter war immer sehr liebevoll und bemüht. Aber die Kinder in ihre innere Welt mitzunehmen, lag ihr nie. Das scheint sich nicht geändert zu haben. "Wirst du mit ihm sprechen?", fragt sie stattdessen.
"Schatz, ...", seufzend zupft Dalia an ihrem Kleid herum, als müsste sie es auf eine ganz bestimmte Art drapieren, "bist du sicher, dass ... Nun ... Wäre eine ... andere Tätigkeit nicht besser für dich?"
"Mama, ich kann das." Mit Nachdruck wendet Pita sich nun zu ihrer Mutter herum. "Ich bin gut darin. Und es erfüllt mich."
"Das mag ja sein. Ich weiß nur nicht ..." Ohne es zu beabsichtigen, springen Dalia die tiefen Narben an den Handgelenken ihrer Tochter ins Auge.
"Ihr wolltet doch immer, dass ich mit einsteige." Pita reißt die Gelenke auf Brusthöhe hoch. "Das hier hat gar nichts damit zu tun."
"Nein." Dalia wendet sich ab. Sie kann diesen Anblick nicht ertragen. "Nein, Schatz, es ist unsere Schuld. Wir haben dich Dingen ausgesetzt, denen du nicht gewachsen warst. Wir hätten das alles von dir fernhalten müssen."
"Mama, das ist nicht wahr." Pitas Augen suchen den Kontakt, bleiben aber erfolglos. DAS! war es. Genau DAS. Enttäuschung flimmert in ihren Augen. Wie damals schon, ist ihre Mutter auch heute nicht in der Lage, ihr beizustehen. Sie sieht einfach weg, wenn ihr Kind sie braucht. "Ich möchte und werde diese Arbeit machen, Mama." Sie legt die Hände in den Schoß, den Blick auf Dalia haltend. "Wenn nicht bei euch, dann in einem anderen Institut." Einen Atemzug lang wartet sie auf eine Reaktion. Nichts. In sich hineinnickend, erhebt sie sich. "Lass mich wissen, wie du dich entscheidest." Einige Schritte führen sie davon, ehe sie noch einmal stehen bleibt und nachsetzt: "Nächste Woche schreibe ich Bewerbungen." Ohne sich ein weiteres Mal umzusehen verschwindet sie hinter der Biegung des Weges.

>>> Pita geht nach Sulani Festivalgelände >>>
>>> Dalia geht nach Bestattungsinstitut Peerscheid-Kalim >>>


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