Brindleton Bay Nr. 3 - Haus der Garcias

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03.09.2024 12:06 (zuletzt bearbeitet: 15.09.2024 12:50)
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#311
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<<< José kommt von Willow Creek Nr. 2 - Gerichtsgebäude (2) <<<

Charaktere: José
Geschichtsstrang: Urteil ist da

Es ist Nachmittag, einen Tag nach Logans Verhandlung, als der Postbote am Haus der Garcias hält. José tritt aus der Haustür und nimmt die Briefe entgegen. Unter den üblichen Rechnungen und Werbebriefen entdeckt er auch das Urteil von Logans Prozess.

Genervt von den ständigen Ablenkungen und dem Lärm setzt sich José an seinen Schreibtisch. Die Arbeit in seinem eigenen Haus fällt ihm zunehmend schwer - das Chaos um ihn herum lässt keinen klaren Gedanken zu. Am liebsten würde er während der Renovierungsarbeiten ein Büro anmieten, um in Ruhe arbeiten zu können. Doch Hannah hat ihm das ausdrücklich untersagt.

Seufzend beginnt er, die Post zu sortieren und zu öffnen. Als er schließlich den Brief mit Logans Urteil in den Händen hält, zögert er kurz, bevor er das Schreiben aufreißt. Er liest die Zeilen sorgfältig durch und sieht bestätigt, was bereits im Gerichtstermin verkündet wurde.



Nach einem Moment des Überlegen wählt José die Nummer von Logan, um ihm das Urteil mitzuteilen. Doch niemand geht ans Telefon - nur der Anrufbeantworter meldet sich. José hinterlässt eine kurze Nachricht auf dem Band, bevor er auflegt und sich wieder seiner Arbeit widmet.

"Gute Tag Herr Logan, ich wollen sage, Urteil ist da. Ich bringen heute zu Post - morge per Einschreibe bei Ihne sein. Bitte Sie melde fur weitere Wege."


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08.09.2024 09:10
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#312
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<<< Nael kommt von Willow Creek Nr. 2 - Gerichtsgebäude (2) <<<

Charaktere: José, Nael
Geschichtsstrang: Schwerwiegende Konsequenzen

Es sind bereits einige Tage vergangen, seit José eine Nachricht auf Logans Anrufbeantworter hinterlassen hat. Doch bisher hat Logan nicht darauf reagiert. Daher hat sich Nael entschlossen, ihn persönlich aufzusuchen. Aus dem, was er inzwischen erfahren hat, vermutet er, dass Logan sich in seinem Zimmer verschanzt und unter Drogen nichts mehr von seiner Umgebung mitbekommt. Das wäre fatal, besonders jetzt, wo sein Klinikaufenthalt kurz bevorsteht.

Nael ist nicht lange weg, als er schon wieder nach Hause zurückkehrt. Sein Vater wartet gespannt auf eine Antwort, doch Naels Gesichtsausdruck verrät bereits, dass es keine guten Neuigkeiten gibt. "Ich war bei seiner Wohnung", beginnt Nael seufzend. "Einer seiner Mitbewohner hat mir die Tür geöffnet und gesagt, dass Logan seit dem Tag der Verhandlung verschwunden ist. Niemand hat ihn mehr gesehen. Du weißt, was das bedeutet."



José nickt besorgt, denn beide wissen, dass die Lage ernst ist. Wenn jemand nach einem gerichtlichen Urteil sieben Tage Zeit hat, um sich in eine Entzugsklinik oder psychiatrische Einrichtung zu begeben, aber dieser Anordnung nicht nachkommt, drohen schwerwiegende Konsequenzen. In so einem Fall kann ein Haftbefehl erlassen werden und die betroffene Person muss die Strafe in einem Gefängnis absitzen. Für Logan könnte das der Anfang vom Ende sein.


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15.09.2024 12:41 (zuletzt bearbeitet: 27.09.2024 08:10)
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#313
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Charaktere: Nael
Geschichtsstrang: Reflexion

Nael steht in seiner kleinen Mini-Wohnung, in der auch Bauarbeiten stattgefunden haben. Neue Fenster wurden eingesetzt, und die Wände sind teilweise noch nicht richtig tapeziert. Er wird wohl als letztes mit der Renovierung an der Reihe sein, aber das stört ihn nicht besonders. Ursprünglich wollte er gar nicht, dass in seinem Bereich groß etwas verändert wird, doch wegen des Wintergartens musste sein Balkon weichen. An dessen Stelle soll nun ein weiteres Zimmer für ihn hergerichtet werden.

Durch das Fenster beobachtet Nael die Bauarbeiten, die draußen noch immer in vollem Gange sind. Die Garagen stehen bereits und auch der Wintergarten mit seinem Glasdach ist deutlich zu erkennen. Er sieht die Arbeiter, die fleißig am Werk sind. Der Garten hinter dem Haus, mit der Türe, die zu Theos Haus führt, ist ebenfalls schon fertig und die letzten Feinheiten werden abgeschlossen. Als nächstes steht die Einliegerwohnung rechts neben dem Haus an. Dort wurden schon die ersten Steine gelegt und der Boden vorbereitet, damit in den nächsten Wochen auch dieser Bau voranschreiten kann.

Es hat sich vieles verändert, nicht nur äußerlich. Die familiäre Situation ist derzeit sehr angespannt. Da ist zuerst die Sache mit Alma, die sich seit Monaten nicht mehr gemeldet hat. Dann die Verhandlung um Logan, der jetzt ebenfalls verschwunden ist, ohne ein Lebenszeichen zu hinterlassen. Und schließlich die ständigen Auseinandersetzungen zwischen seinen Eltern und seinem Großvater, der mittlerweile kein Blatt mehr vor den Mund nimmt und offen zeigt, wie unzufrieden er mit der Gesamtsituation ist. Nael kann es der Familie nicht verdenken, dass alle mit den Nerven am Ende sind.



Den Tod seiner Großmutter in Spanien hat Nael weitestgehend verarbeitet, doch sein Vater leidet noch immer sehr darunter. Und dann gibt es da noch die Sache mit seiner Möchtegern - Freundin. Miss Payne hat sich seit ihrer letzten Auseinandersetzung nicht mehr gemeldet, aber Nael ist sicher, dass dies nicht das letzte Wort zwischen ihnen war. Er vermutet, dass sie sich noch einmal melden wird. Allerdings ist ihm klar, dass er diese Beziehung endgültig beenden wird. Erst dann kann er wirklich nach einer richtigen Frau suchen, auch wenn das Thema Beziehung momentan schwierig erscheint. Er würde lügen, wenn er sagen würde, dass er sich keine feste Freundin wünscht, doch bei allem, was gerade passiert und noch vor ihm liegt, ist jetzt vermutlich nicht der richtige Zeitpunkt dafür.

>>> Nael geht nach Windenburg Nr. 17 - Cafe zum Waschbär (3) >>>


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17.09.2024 19:04
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#314
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Charaktere: Hannah
Geschichtsstrang: Einer dieser Tage

Hannah hat ihrem Schwager Theo klare Anweisungen für den anstehenden Arzttermin mit ihrem Vater gegeben. Nun betritt sie ihre Wohnung, die trotz aller Bemühungen immer noch chaotisch wirkt. Der Anbau nimmt allmählich Formen an – der Wintergarten ist bereits deutlich zu erkennen, es fehlen nur noch die letzten Feinarbeiten wie Streichen und das Verlegen des Bodenbelags. In den nächsten Tagen soll alles endlich abgeschlossen sein. Doch immer wieder fragt sich Hannah, ob der ganze Umbau nicht doch zu viel war. Erst im letzten Jahr wurde schon einmal gebaut und jetzt geht es schon wieder los. Die finanziellen Reserven sind bald erschöpft und der neue Anbau soll eine zusätzliche Einnahmequelle schaffen, indem er vermietet wird. José war von dieser Idee nicht gerade begeistert, doch irgendwann hat er aufgehört zu diskutieren und Hannah einfach machen lassen.

Sie weiß, dass nicht all ihre Entscheidungen immer richtig sind. Doch sie hat stets versucht, das Beste für ihre Familie zu tun und das tut sie noch immer. Doch sie selbst denkt dabei auch an sich. Wenn sie eines Tages alt und vielleicht alleinstehend sein sollte – falls José vor ihr gehen würde – möchte sie im neuen Anbau bleiben, während ihre beiden Kinder das Haupthaus übernehmen könnten. Ihre beiden Kinder ... Hannah denkt an Alma. Wie es ihrer Tochter wohl geht? Ist sie in Sicherheit? Diese Fragen quälen sie, auch wenn sie versucht, sie zu verdrängen. Doch das gelingt nicht immer. Heute ist einer dieser Tage, an denen sie den Schmerz nicht loslassen kann.



Hannah zieht sich ins Schlafzimmer zurück, legt sich ins Bett und starrt an die Decke. Tränen laufen ihr übers Gesicht. Sie hat heute einen freien Tag und könnte sich eigentlich um die Handwerker oder andere Pflichten kümmern, doch in diesem Moment kümmert sie sich um nichts und niemanden. Ist diese schwierige Phase in ihrem Leben nur eine vorübergehende Belastung oder ein Vorzeichen für tiefere Veränderungen? Nicht nur die Ungewissheit über Alma belastet sie, auch ihre Ehe steht unter keinem guten Stern. Was, wenn der Umbau das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht hat?

Früher kam sie mit José immer gut zurecht, auch wenn es ab und zu schwierig war. Doch die andauernden Streitigkeiten sind kaum noch zu ertragen. Im Schlafzimmer läuft schon lange nichts mehr, es gibt weder Gute-Nacht-Küsse noch liebevolle Umarmungen. Jeder lebt sein eigenes Leben und Hannah wird klar, dass sie und José sich voneinander entfernt haben. Ihre Tränen verwandeln sich allmählich in Wut. Warum muss immer sie alles regeln? Sie kümmert sich um ihren Vater, organisiert den Umbau, sorgt für die Kinder – und was tut José, um die Situation zu verbessern? In ihren Augen nichts. Sie schlägt frustriert mit der Faust auf die Matratze. Vielleicht wäre es besser gewesen, statt eine Mietwohnung im Anbau zu schaffen, José dorthin ziehen zu lassen, damit sie mehr Ruhe im Haupthaus hätte. Aber das kann sie nicht verlangen. Schließlich hat er einen großen Teil dazu beigetragen, dass sie sich das Grundstück überhaupt leisten konnten.

Plötzlich wird Hannah aus ihren Gedanken gerissen – das Handy klingelt. Es ist Nael. Sie wischt sich hastig die letzten Tränen vom Gesicht, setzt eine normale Stimme auf und erinnert sich daran, dass sie jetzt wieder funktionieren muss. "Hallo mein Sohn!"


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29.09.2024 12:56
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#315
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Charaktere: Hannah
Geschichtsstrang: Ein Blick nach vorn

Hannah steht vor den neuen Carports und sieht sich zufrieden um. Die Handwerker sind eben gegangen und die Außenanlagen sind endlich fertig. Der ganze Stress der letzten Wochen fällt für einen kurzen Moment von ihr ab. Endlich eine Baustelle abgehakt, denkt sie und atmet tief durch. Die Carports sehen genau so aus, wie sie es sich vorgestellt hatte – schlicht, aber funktional und vor allem fügen sie sich perfekt ins Gesamtbild des Hauses ein.



Auch die Solaranlagen auf den Häusern und den Carports sind inzwischen installiert und das Gefühl, etwas Nachhaltiges für die Zukunft geschaffen zu haben, beruhigt Hannah. Sobald die Anliegerwohnung nebenan fertiggestellt ist, soll auch dort eine Anlage installiert werden – ein weiterer Punkt auf ihrer langen Liste, den sie bald abhaken kann.



Hannah geht weiter in den Garten und betrachtet die jüngsten Veränderungen. Der Whirlpool hat einen neuen Platz gefunden, da an seiner alten Stelle jetzt der Wintergarten steht. Eine dichte, gepflegte Hecke umgibt den Whirlpool und sorgt für die nötige Privatsphäre. Unter dem alten Baum, der glücklicherweise bleiben durfte, hat sie eine gemütliche Sitzecke eingerichtet. Im Schatten des Baums kann sie sich gut vorstellen in Ruhe die Abende zu verbringen.



Anschließend geht Hannah in Theos Gartenecke. Die neu eingebaute Tür zum Garten sieht perfekt aus und fügt sich harmonisch in die Umgebung ein. Sie setzt sich auf eine der Bänke und lässt den Blick über Theos Bereich schweifen. Er hat es sich wirklich gemütlich gemacht – eine hübsche Sitzecke lädt zum Verweilen ein und der moderne Grill daneben verspricht entspannte Abende im Freien. Theo hat ein gutes Händchen für Details, denkt sie lächelnd und genießt für einen Moment die Ruhe.



Es ist ein Blick nach vorn, der sie ihre Sorgen der letzten Wochen und Monate für einen Augenblick vergessen lässt. Doch die Liste der Bauarbeiten ist noch lang. Da wäre die Einliegerwohnung, die gerade mal mit den Grundmauern steht und Naels Wohnbereich, der ebenfalls noch einen neuen Schliff benötigt. Hannah nimmt sich vor für den heutigen Nachmittag im Wintergarten sauberzumachen, damit sie die neuen Möbel stellen kann. Schließlich konnte in den vergangenen Tagen sowohl der neue Bodenbelag gelegt, als auch die Wände frisch verputzt und gestrichen werden.


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12.10.2024 14:13 (zuletzt bearbeitet: 24.01.2025 20:50)
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#316
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<<< Marina kommt von Henford-on-Bagley - Haus der Winters (3) <<<

Charaktere: Hannah, Marina
Geschichtsstrang: Vorübergehende Bleibe

Marina fährt nach dem Treffen mit Joachim zu ihrer Schwester Hannah. Als sie ankommt, erwartet Hannah sie bereits an der Tür. Drinnen angekommen, setzt sich Marina erschöpft auf einen Stuhl und beginnt zu erzählen. "Vanice hat kaum ein Wort mit mir gesprochen", sagt sie mit einem Seufzer. "Ich weiß nicht, wie ich wieder an sie herankommen soll."

Hannah hört geduldig zu und versucht, ihrer Schwester Mut zu machen. "Gib ihr Zeit. Das wird schon wieder zwischen euch", sagt sie beruhigend. "Manchmal dauert es einfach, bis man sich wieder näherkommt." - "Das hat Joachim auch gesagt", antwortet Marina nachdenklich. "Ich bin überrascht, wie freundlich er in den letzten Wochen war. Er kommt mir vor, als hätte er sich verändert."



Hannah runzelt die Stirn. Sie traut ihrem Schwager nicht mehr über den Weg, will aber Marina nicht verunsichern. "Vielleicht hat er ja aus seinen Fehlern gelernt und wird die Sache jetzt friedlich beenden", sagt sie vorsichtig. "Wer weiß, vielleicht meint er es ja dieses Mal ernst."

Marina lässt ihren Blick durch den Wohnbereich von Hannah schweifen. Die Küche ist fertig eingerichtet, ebenso der Essbereich und das Büro, in dem José seine Mandanten empfängt. Sie bemerkt den neuen Eingang zum Schlafzimmer, der nicht mehr durch die Küche führt. Besonders die großen Fenster, die einen Blick in den neu gestalteten Wintergarten bieten, findet Marina beeindruckend. "Das ist wirklich toll geworden", sagt sie begeistert.





Hannah lächelt stolz. "Ja, Nael, Julius, Theo und ich haben in den letzten Tagen alles eingeräumt, sauber gemacht und sogar die Wände im Wintergarten gestrichen. Im Wohnzimmer fehlt nur noch etwas Deko, aber der Rest steht."

Marina bedankt sich noch einmal bei ihrer Schwester dafür, dass sie in Almas Wohnung wohnen kann. "Das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit, danke dir."

"Ach, das ist doch kein Problem", winkt Hannah ab. "Die Wohnung steht sowieso leer. Ich freue mich, dass du sie nutzen kannst. Es ist mir wichtig, dass es dir gut geht. Wenn die Einliegerwohnung fertig ist, kannst du auch dorthin ziehen, wenn du magst."



Doch Marina schüttelt den Kopf. "Ich möchte mir schon gerne eine eigene Wohnung suchen. Am liebsten mit ein, zwei Zimmern, falls Vanice oder Kilian irgendwann doch zu mir ziehen wollen." Hannah nickt verständnisvoll. "Das kann ich gut nachvollziehen. Mir würde es genauso gehen."



Nachdem die Schwestern noch eine Weile weiterreden, erzählt Hannah von den letzten Details der Renovierung und ihren Plänen für die Wohnung. Anschließend steht Marina auf. "Wie wäre es, wenn ich jetzt erst mal meine Kisten aus dem Auto nach oben hole? Danach helfe ich dir gerne im Wintergarten mit der Dekoration und wir hängen noch die Bilder auf." Hannah lächelt erleichtert. "Das klingt nach einem guten Plan. Zu zweit geht das bestimmt schneller."

Gemeinsam machen sich die beiden Frauen ans Werk. Während Marina ihre Kisten in die Wohnung trägt, bereitet Hannah alles für den Wintergarten vor.


>>> Marina geht nach Copperdale - Haus Familie Sølberg >>>
>>> Hannah geht nach Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) >>>


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10.11.2024 18:05 (zuletzt bearbeitet: 24.01.2025 20:50)
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#317
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Schicksalslenker

Charaktere: José
Geschichtsstrang: Unschöne Post

Wie jeden Morgen um 10:00 Uhr nimmt José die Post entgegen und setzt sich anschließend an seinen Schreibtisch. Beim Sortieren findet er einen Brief, den er unverzüglich öffnet.



Betreff: Gerichtliche Anordnung zur Unterbringung in einer Entzugsklinik / psychiatrischen Einrichtung – Androhung eines Haftbefehls bei Nichterfüllung

Sehr geehrter Herr Jona Logan,

wir beziehen uns auf die gerichtliche Anordnung, die Sie verpflichtet, sich innerhalb von sieben Tagen in einer Entzugsklinik oder psychiatrischen Einrichtung zu begeben. Nach unseren Erkenntnissen sind Sie dieser Verpflichtung bislang nicht nachgekommen und es liegt keine Meldung vor, die auf eine freiwillige Erfüllung dieser Auflage hinweist.

Bitte beachten Sie, dass die Missachtung dieser gerichtlichen Anordnung ernste Konsequenzen nach sich ziehen wird. In Übereinstimmung mit den gesetzlichen Bestimmungen kann das Gericht folgende Maßnahmen ergreifen, sollte Sie weiterhin der Anordnung nicht nachkommen:

Erlass eines Haftbefehls: Aufgrund Ihrer Nichtauffindbarkeit und des Verdachts, dass Sie sich mit Vorsicht der Anordnung entziehen, wird das Gericht prüfen, ob ein Haftbefehl gegen Sie erlassen wird.

Zwangseinweisung: Im Falle Ihrer Auffindung kann eine zwangsweise Einweisung in eine entsprechende therapeutische Einrichtung erfolgen, um den gerichtlichen Auflagen gerecht zu werden.

Vorübergehende Inhaftierung in einer Justizvollzugsanstalt, bis eine geeignete therapeutische Einrichtung für Sie zur Aufnahme bereit ist.

Um die Einleitung solcher Maßnahmen zu verhindern, wird Ihnen dringend empfohlen, sich unverzüglich bei den zuständigen Behörden oder Ihrem anwaltlichen Beistand zu melden und einen Nachweis Ihrer Einleitung in einer geeigneten Klinik vorzulegen. Sollten Sie aufgrund besonderer Umstände eine Verlängerung oder Änderung der Auflagen beantragen wollen, ist dies ebenfalls unverzüglich mitzuteilen.

Wir appellieren an Sie, die gerichtliche Anordnung ernst zu nehmen und die nötigen Schritte zu umgehen, einzuleiten.

Mit freundlichen Grüßen
Lucy Spatz
Rechtspflegerin am Amtsgericht


>>> José geht nach Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) >>>


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15.03.2025 23:55 (zuletzt bearbeitet: 21.03.2025 20:56)
#318
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Bestseller-Schmied

<<< Dennah kommt von San Sequoia - Haus S. Schmidt <<<
<<< Blaze kommt von San Sequoia - Haus S. Schmidt <<<
<<< Holger kommt von Windenburg Nr. 18 - Krankenhaus (2) <<<
<<< José kommt von Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) <<<



Caraktere: Dennah, Blaze, Holger, José
Geschichtsstrang: Die Sache mit Stephen V




Nervös spielen Dennahs Daumen an den Fingerringen herum, als sie sich der Adresse des Anwalts nähert. An der Straßenseite erkennt sie den Wagen des Heimleiters. Sie ist erst siebzehn - natürlich muss einer von denen dabei sein, wenn sie ihre Aussage macht. Wenigstens nicht der blöde Volker.
Nachdem Blaze den Rechtskundelehrer um Rat gefragt hatte, dachte sie unentwegt über ihre Möglichkeiten nach. Sie hat gelogen - ein Verbrechen vorgetäuscht. Sie wird mit Sicherheit Ärger dafür bekommen. Aber nach dem, was Blaze ihr von dem Gespräch wiedergegeben hatte, könnte sie mit mildernden Umständen davon kommen. Anders als Stephen.
Unsicher, ob sie dem inneren Druck standhalten und alles zu seinen Gunsten aufklären kann, bleibt sie plötzlich stehen und krallt ihre Finger in Blaze' Ärmel, so dass auch er zum Stehen kommt. Angst flackert in ihren Augen. "Glaubst du, das ist richtig? Was ist, wenn sie mir verbieten, dich wieder zu sehen?" Ein scheuer Blick springt zum Wagen, aus dem Holger gerade aussteigt und streng in ihre Richtung schaut.
Blaze betrachtet sie, und dieses Gefühl, sie zu küssen, trifft ihn so heftig, dass er irgendwas tun muss, um es loszuwerden.
„Das werden sie schon nicht,“ sagt er ruhig, auch wenn er denkt: Sonst find ich schon einen Weg... Sein Blick wandert zu Holger, der sich in seine Richtung bewegt, die Hände in die Jackentaschen geschoben, mit diesem prüfenden Ausdruck, der ihn irgendwie abfuckt.
Er dreht sich wieder zu Dennah, dann, ohne weiter nachzudenken, zieht er sie in seine Arme. Seine Finger vergraben sich in den Stoff ihres Pullovers, er lehnt sein Kinn kurz an ihr Haar. Dann flüstert er: „Ich warte hier, ok?“ Er will das nicht, will nicht, dass sie da allein durchmuss. Damals hatte er wenigstens Chip, als es um Sid ging...
Sein Blick folgt ihr, als sie sich zögernd löst. Als würde er sich diesen Moment merken müssen.



Dennah atmet Blaze' Duft tief ein. Er riecht nach Geborgenheit. Seit dem Tag in der Klinik ist ihr die Berührung jeder anderen Person zuwider. Doch nicht seine. Bedächtig legt sie die flachen Hände auf seinem Rücken ab. Sie kann seinen Atem fühlen.
Seine Wärme verdampft viel zu schnell, als sie sich von ihm löst. Sie spürt Holgers Blick hinter sich und dreht sich widerwillig zu ihm herum.
Dem Erwachsenen entfährt ein helles Seufzen. Was soll er nur mit ihr machen? Eigentlich müsste er sie einsperren. "Hallo, Dennah." Sein Anblick zeigt deutlich die Reibereien, die sie ihm und seinen Kollegen beschert. "Bist du die ganze Zeit bei ihm gewesen?"
Sie presst die Lippen aufeinander und schaut stur auf den Boden.
"Holger Karde.", stellt er sich dem Jungen freundlich vor. "Gesetzlicher Vormund der jungen Dame. Auch wenn es ihr nicht gefällt." An seine Schutzbefohlene gerichtet versucht er zu erklären: "Du weißt, dass ich verantwortlich für dich bin. Du kannst nicht immer wieder davon laufen."
"Aber ich hasse es in dem Irrenhaus."
Holgers Brauen ziehen sich ratlos in die Stirn. "Dann müssen wir einen Weg finden, der es dir erträglicher macht. Gemeinsam. Aber zuerst bringen wir diese Sache hinter uns." Einen Arm Richtung Gebäude ausladend, deutet Holger ihr, zum Eingang zu gehen.
Sie wirft Blaze einen besorgten Blick zu, bevor sie sich in Bewegung setzt. Vor der Tür stehend steigt ihre Anspannung ins Unermessliche. Am liebsten würde sie weg rennen, doch Karde steht dicht neben ihr und hat soeben die Klingel betätigt.
Kurz darauf öffnet sich die Tür und Jose steht vor ihnen. Sein Blick wandert zu den Besuchern, während er sich innerlich bereits auf das Gespräch vorbereitet. Herrn Karde kennt er noch vom Eröffnungstag des Waisenhauses.



"Gute Tag", begrüßt er sie freundlich und bittet sie hinein. "Folge Sie mir." Gemeinsam gehen sie zu seinem Bürobereich. Am Schreibtisch angekommen, deutet er auf die Stühle. "Setze Sie sich", sagt er und nimmt ebenfalls Platz. Die Akte liegt bereits vor ihm.
Mit einem Lächeln blickt er seine Mandantin an. "Und du biste Dennah?" Da es sich um keinen einfachen Fall handelt, hat er sich vorab mit Hannah kurzgeschlossen. Seine Frau hatte ihm bereits einiges über das Mädchen erzählt, besonders über die längere Fehlzeit in der Schule. Doch darauf will er jetzt nicht eingehen. Viel wichtiger ist, dass die Mandantin ihre Sicht der Dinge schildert, unabhängig von den Berichten.
Ein Seufzen unterdrückend nickt das Mädchen. Ihre Hände liegen im Schoß vergraben, die Finger fummeln unter den Ärmeln versteckt unruhig an den Ringen herum. Verstohlen blickt sie sich im Raum um. Die Einrichtung wirkt irgendwie bieder. Am liebsten würde sie sofort wieder verschwinden. Sich in Blaze' Arme stürzen und mit ihm die Stadt verlassen - irgendwohin, wo niemand sonst ist. Es ist merkwürdig, ihn hinter der Mauer zu wissen. Sie müsste nur raus gehen. Stattdessen hockt sie eingepfercht zwischen der Wand und dem Heimleiter, dem Kerl mit starkem Akzent gegenüber, der sie bemüht freundlich ansieht. Vielleicht ist er sogar einer der Guten. Aber Dennah fühlt sich mit jeder Sekunde zunehmend unwohl.
José bemerkt die Unruhe in Dennah. "Ich wolle sicherstelle, alle wichtige Informationes habe, um Fall voranzubringe." Er sieht von Dennah zu Karde hin und her und fährt dann fort. "Ich haben die Akte und ich lesen dir deine Berichte aus Hospitale vor, die Policia aufgenomme habe." Daraufhin erklärt er, dass es wichtig ist, dass sich Dennah genauestens konzentriert und sollte etwas falsch aufgenommen sein, dies sofort mitteilt. Er liest den Bericht leise vor und sieht dann auf. "Alle richtige Informationes da?"Es ist nicht einfach, behutsam vorzugehen, da er weiß, wie entscheidend jede Information für den Fall ist. Er will sich gar nicht erst vorstellen, wie es wäre, wenn Alma dort sitzen würde.
Holger schluckt betreten. Er erinnert sich an die Szene im Krankenhaus. Es war ihm schwer gefallen, sich nicht schuldig zu fühlen. Immerhin ist es seine Aufgabe, sich um Dennahs Wohlergehen zu kümmern. Oft hat er darüber nachgedacht, wie er ihr seine guten Absichten klar machen kann. Doch dieses Mädchen scheint sich nicht im Geringsten für ihre gesetzliche Situation zu interessieren.
Hatte er sich während ihrer Aussage bemüht, sie nicht schockiert anzustarren, beobachtet er sie nun interessiert. Nur um sie emotional auffangen zu können, sollte es nötig sein.



Unter den Ärmeln werden Dennahs Hände schwitzig, während sie ihrer eigenen Aussage lauscht. Falsch. Falsch. Nicht ganz Falsch.
Den Kiefer angespannt zusammengepresst entweicht ihr jeder Tropfen Spucke, so dass ihr Mund sich beinah staubig anfühlt. Beide Männer sehen sie erwartungsvoll an. Sie warten auf ihre Antwort. Sie müsste nur nicken. Dann wäre alles besiegelt. Sie wäre raus. Und Stäffi bekäme zehn Jahre. Ihre Kehle schnürt sich zu. Das Herz schlägt ihr bis zum Hals. Sie öffnet den Mund, um etwas zu sagen, doch die Lippen schließen sich wieder, als ihr Tränen in die Augen steigen. 'Sie wird drüber hinweg kommen.' Stumm schüttelt sie den Kopf. Sie will nicht Brigittes Weg gehen - nicht werden wie sie. Dennah schließt die Augen und atmet tief aus. "So war das nicht." Ihre Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern. Die kräftesammelnde Ankündigung eines gewaltigen Sturms. Langsam öffnet sie ihre Augen wieder, sieht zu dem Anwalt, dann entschuldigend zum Heimleiter, ehe ihr Blick sich senkt und ihr Körper beschämt in sich zusammensackt. "Ich ..." Das Sprechen fällt ihr sichtlich schwer. Spucke sammelnd, würgt sie die Angst herunter, sich selbst das Leben zur Hölle zu machen. "Ich hab gelogen." Die Worte pressen sich widerwillig hervor, während sie sich Blaze' Gesicht vor Augen führt. Wie er da draußen steht und auf sie wartet, rauchend und daran glaubend, dass sie das Richtige tun wird.
Ein ungutes Gefühl breitet sich in dem Anwalt aus. Er war fest entschlossen, vor Gericht für Gerechtigkeit zu kämpfen und überzeugt davon, dass seine Mandantin das Opfer ist und der Täter hinter Gitter gehört. Doch nun ist alles anders. Sie hat zugegeben, eine falsche Aussage gemacht zu haben ... und er weiß es jetzt. Seine Aufgabe hat sich verändert. Er muss die Wahrheit ans Licht bringen und dafür sorgen, dass derjenige, der unschuldig in Untersuchungshaft sitzt, so schnell wie möglich freikommt. Doch zuerst muss er mit seiner Mandantin sprechen. Er sieht sie ernst an. "Du verstehe, was das bedeute?" Seine Stimme bleibt ruhig, aber bestimmt. "Mann sitze im Gefängnis fur nichtse." Er lehnt sich vor und mustert ihr Gesicht. "Warum haben du gelogen?" Er braucht die ganze Geschichte. Nur so kann er retten, was noch zu retten ist.



Holger traut seinen Ohren nicht. Gelogen! Bei einer so ernsthaften Angelegenheit. Den Drang unterdrückend, ihr eine gehörige Standpauke mitzugeben, zwingt er sich zur Beherrschung. Herr Garcias hat bereits die Frage gestellt, die beiden unter den Nägeln brennt.
"Ich weiß! Ich weiß, es tut mir leid." Das Gesicht in die Hände vergrabend, bricht Dennah in Tränen aus. Sie schüttelt sich, begleitet von herzzerreißendem Schluchzen und unverständlichen, immer wieder abbrechenden Wortfetzen. Es dauert eine Weile, bis sie sich beruhigt und ihre Sprache wieder findet und schließlich zu erzählen beginnt. Sie redet und redet, erzählt alles, was sie vor einigen Tagen Blaze sagte - und noch mehr. Von dem Besuch in der Klinik, als sie den Plan gefasst hatte, sich ein für allemal an Stephen zu rächen, weil er aus ihr gemacht hat, was alle in ihr sehen. Das unangenehme Treffen mit ihrer Mutter, das sie aus dem Gleichgewicht brachte, von den darauffolgenden Verführungskünsten, die aus dem Ruder liefen und dass all das alte Dämonen in ihr weckten, die sie längst begraben glaubte. Sie erzählt davon, wie in ihrem Elternhaus wilde Orgien gefeiert wurden, und dass sie erst verstand, dass so etwas keinesfalls normal ist, als es längst zu spät war - als Stephen sie dazu getrieben hatte, sich wie eine hemmungslose Erwachsene zu verhalten, weil es das war, was alle von ihr wollten.
Unter Tränen beichtet sie, alles geplant zu haben, aus einem Gefühl tiefster Abscheu für Stephen und dass ihr, aus Hass den Verantwortlichen gegenüber, die Kontrolle verloren ging. Doch nun hat sie verstanden, dass nicht er - Stephen - für alles die Schuld trägt, sondern ihre Eltern und der Mann, der entschieden hatte, sie - die naive Tochter zweier schwerstabhängiger Junkies - zu einem Druck- und Zahlungsmittel zu machen.
Eine gefühlte Ewigkeit redet sie ohne Pause zu machen oder aufzusehen. Sie hat nicht die Kraft, erneut den Fluss zu finden, wenn sie aufhört zu sprechen und so fährt sie unbeirrt fort, während erneute Weinattacken manche ihrer Worte vernuscheln. Erst als sie jeden Gedanken geäußert hat, versiegt ihre Stimme. Unfassbar müde und beschämt sinkt ihr Kopf aufs Brustbein. Sie will nur noch schlafen. Für den Rest ihres Lebens.
Betretenes Schweigen erfüllt den Raum, in das sie in unregelmäßigen Abständen hinein schnieft. Holger räuspert sich unbeholfen. Er hat das Gefühl, etwas sagen zu müssen und entscheidet sich für ein "Das war sehr mutig von dir."
"Was passiert jetzt?", fragt sie schuldbewusst. "Kommt Stäffi frei? Und ... muss ich ..."



Jose atmet tief durch, lehnt sich vor und faltet die Hände. Seine Stimme bleibt ruhig, aber bestimmt. "Er musse freikommen!" Daraufhin erklärt er, dass Dennahs Aussage der zentrale Beweis war und nun korrigiert werden muss. Zunächst wird Jose eine eidesstattliche Erklärung aufsetzen, in der sie ihre Falschaussage richtigstellt. Danach wird er die Staatsanwaltschaft kontaktieren, damit Stephen freikommt. Mit ernstem Blick spricht er über die Konsequenzen: Eine falsche Aussage sei kein Kavaliersdelikt. Sie habe eine Unschuldigen ins Gefängnis gebracht und das Vertrauen in die Justiz beschädigt. Laut Strafgesetzbuch bekäme sie für eine falsche Aussage eine Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe. Wenn sie kooperiert und von nun an absolut ehrlich sei, könne er versuchen, eine Strafmilderung für sie zu erreichen.
Dennah nickt wortlos, während Holger inständig hofft, man möge ihre familiäre, psychologische und soziale Situation berücksichtigen. Er kennt sie noch nicht lange - oder gut - aber er hat den Eindruck, dass sie im Grunde genommen ein gutes Herz hat. Nur fehlt es ihr an den richtigen Einflüssen. Nichts, was man nicht mit etwas Geduld hinbekommen könnte.
In der nächsten Stunde greift José erneut die Aussage von Dennah auf und stellt gezielte Fragen, um sich ein genaueres Bild zu machen. Besonders interessiert ihn, wie er sie bei der eidesstaatlichen Erklärung unterstützen kann, insbesondere bei deren Formulierung, um die Staatsanwaltschaft milde zu stimmen. Zudem befragt er Herrn Karde zum Heimaufenthalt und notiert sich wichtige Punkte. Darüber hinaus lässt er sowohl von Dennah als auch von ihrem gesetzlichen Vormund eine Vollmacht zur Mandatierung unterzeichnen. Nachdem alle Formalitäten geklärt und die relevanten Informationen aufgenommen sind, verabschiedet sich José von seiner Mandantin. "Bitte keine Sorge machen, wir finde eine Weg."



"Vielen Dank." Holger schüttelt zum Abschied die Hand des Anwalts, ehe er Dennah sanft aber bestimmt vor sich her aus dem Haus drängt. Insgeheim rechnet er damit, dass sie jeden Moment davon stürmt, um ihn nicht nach Newcrest begleiten zu müssen. Doch stattdessen wendet sie sich zu ihm herum, nachdem sie Blaze erblickt, schuldbewusst und klein bittet sie darum, sich verabschieden zu dürfen. Sie weiß, dass sie zurück ins Heim muss und ohne genau zu wissen, warum, wird sie sich ihrem Schicksal fügen. Vielleicht ist es die permanente Müdigkeit, die ihr weder geistig noch körperlich Energie für die Flucht lässt. Vielleicht sie betrachtet die ungeliebte Unterkunft als einen Teil ihrer Strafe.
Holger nickt ihr freundlich zu und beobachtet ihre Körpersprache, während sie mit jedem Schritt schneller auf den Burschen zusteuert und schließlich in seine Arme fällt. Ein Kuss bleibt aus, vermutlich sind sie kein Paar, denkt der Heimleiter bei sich, aber es ist nicht zu übersehen, dass beide viel füreinander empfinden - in welche Richtung auch immer diese Bindung gehen mag.

In kurzen Worten schildert Dennah ihrem Begleiter von dem Termin, zitiert den Anwalt, so gut es ihr Gedächtnis zulässt, und erklärt mit gesenktem Kopf, dass sie nicht mit nach Sequoia gehen kann. "Lass dich nicht von Vaas anscheißen, hörst du?" Gegen Tränen ankämpfend nestelt sie an Blaze' Ärmel herum. "Denk immer daran, dass er dir nicht das Wasser reichen kann. Er ist nur ein blödes Großmaul." Langsam, voller sehnsüchtiger Selbstbeherrschung ihn nicht stürmisch zu küssen, hebt sie den Blick. Sie kann sich nicht erinnern, jemals so tiefe Verbundenheit für irgendwen empfunden zu haben. Ihre Lippen leicht geöffnet, ihr Körper seinem nah, sieht sie ihn intensiv an. Für einige Sekunden setzt ihr Herz aus, als er den Blick erwidert. Schwer schluckend räuspert sie sich kaum hörbar. "Danke, Blaze.", flüstert sie. "Dass du bist, wie du bist."



Draußen warten ist die Hölle. Blaze hat keine Ahnung, wie viele Zigaretten er geraucht hat, aber es müssen verdammt viele gewesen sein. Die Kippenstummel liegen in einer kleinen Ansammlung neben seinem Schuh. Sein Kiefer tut weh vom ständigen Pressen. Er hasst das Gefühl, keinen Einfluss darauf zu haben, was drinnen passiert. Was, wenn sie sich umentschieden hat? Was, wenn sie jetzt denkt, dass er nur alles noch schlimmer gemacht hat?
Aber dann steht sie da... umarmt ihn...
Blaze hört ihr zu, ohne sie zu unterbrechen. Ihre Finger sind warm, leicht zittrig. Wie kann sich das hier wie ein Abschied anfühlen? Newcrest ist nicht das Ende der Welt. Sie schaut ihn an, diese Art Blick, der ihn festhält, ihn mit irgendwas füllt, das sich so unverschämt richtig anfühlt. Sie sagt Danke. Und er weiß nicht, was er sagen soll. Es gibt keine Worte, die das treffen, was er fühlt. Es gibt nur dieses drückende Bedürfnis, nach ihr zu greifen, sie festzuhalten und zu verhindern, dass sie geht. Aber das wäre schwachsinnig. Also sagt er nichts davon. Stattdessen nickt er.
„Ich schreib dir...“ seine Augen verraten ihn. Sie sagen, dass er das hier nicht einfach so geschehen lassen wird. „Das wird schon...“ glaub ich...
Dennahs Mimik wird weich, ein zaghaftes, aber ehrliches Lächeln umspielt ihre Züge. Sie legt die Arme fester um ihn und das Kinn auf seine Schulter. Mit geschlossenen Augen liegt sie zwei lange Atemzüge in seinem Arm, nimmt seinen Duft auf. "Ich werd dich furchtbar vermissen." Ihre Stimme haucht nah an seinem Ohr entlang, bevor sie sich schweren Herzens von ihm löst. Lange sieht sie ihn an, während sie langsam rückwärts ihrem Schicksal entgegenschleicht. Neben dem geduldig wartenden Heimleiter angekommen, hebt sie die Hand zu einem Winken aus dem Ärmel hervorlugend, wendet sich um und schenkt Blaze einen letzten Blick, bevor sie auf der Beifahrerseite des Autos einsteigt. Die Angst, ihn nicht wieder zu sehen, schnürt ihr den Brustkorb zu, als sich der Wagen in Bewegung setzt.



Was, wenn er sie vergisst? Oder sie ihm egal wird?
Hätte sie ihn küssen, ihm zeigen sollen, was sie für ihn empfindet? Nein, das hätte ihn nur verschreckt. Er will eine Freundschaft. Nicht mehr.
Aber was, wenn ihm klar wird, dass er ohne sie viel stressfreier durchs Leben kommt oder wenn er eine kennenlernt und sich in sie verliebt? Vielleicht zieht er dann weg.
Dennahs Gedanken beginnen zu rasen. Sie wird ihn verlieren. So oder so.
"Halt an." Panisch starrt sie vor sich her, die Worte gemurmelt, nimmt Holger kaum wahr, dass sie etwas gesagt hat. "Halt AN!" Lauter, dringlicher rufend wiederholt sie, so dass der Wagen wenige Sekunden darauf zum Stehen kommt. "Hast du etwas vergessen?", fragt er irritiert.
Dennah antwortet nicht. Eilig schnallt sie sich ab, reißt die Tür auf und rennt Blaze hinterher, der ihr gerade den Rücken zugewandt hat, um seinen Heimweg anzutreten.
Dennahs Herz hämmert so hart gegen ihre Brust, dass es beinahe schmerzt. "BLAZE!" Laut rufend nähert sie sich ihm, so dass er sich zu ihr herumdreht, kurz bevor sie ihn erreicht. Ohne abzubremsen, rennt sie in ihn hinein, wirft sich um seinen Hals und drückt ihren Mund auf seinen. Außer Atem saugt ihre Nase gierig Sauerstoff ein, während ihre Lippen sich öffnen, um den Kuss eindeutig zu gestalten. Sie will das Risiko eingehen. Sie muss. Wenn sie ihn nie wieder sieht, soll er wenigstens Klarheit haben. Ihre Haut beginnt zu kribbeln, als ihre Zungenspitze seine berührt und um sie herum zu tanzen beginnt.

Blaze' Kopf war ein einziges Chaos, noch bevor sie aus dem verdammten Auto sprang.
Kein Abschied. Das hier ist kein Abschied, sagt er sich. Sie sehen sich wieder, ganz sicher. Wenn er nach Newcrest fahren muss, dann fährt er nach Newcrest. Wenn sie irgendeinen Scheiß für die Staatsanwaltschaft abarbeiten muss, dann wartet er verdammt nochmal auf sie. Und wenn’s hart auf hart kommt? Wenn sie tatsächlich in den Knast muss? Dann sitzt er ihr wohl gegenüber, mit Telefonhörer in der Hand und eine Scheibe zwischen ihnen... stopp. Das passiert nicht.
Er ist so in Gedanken versunken, dass er erst realisiert, dass etwas nicht stimmt, als sie ruft.
Sie rennt. Direkt auf ihn zu. Was...?! Er hat keine Zeit nachzudenken, keine Zeit zu reagieren, da prallt sie schon gegen ihn, ihre Arme schlingen sich um seinen Hals, ihre Lippen auf seinen. Scheiße. Sie küsst ihn und er braucht genau keine verfickte Sekunde, um zu verstehen, dass das nicht wie mit all den anderen ist denen sie gefallen musste. Seine Arme schließen sich um sie, seine Hände finden ihren Rücken, drücken sie an sich. Und er küsst sie zurück. Gottverdammt, ja.



Seine Gedanken explodieren und setzen sich im selben Moment neu zusammen. Sie küsst ihn.
Scheiße, wie sehr hat er das gewollt? Wie lange schon? Wenn auch mit Unterbrechungen aber... Es fühlt sich an wie ein Kurzschluss in seinem Kopf. Sie schmeckt nach… nach ihr, ihre Haut ist warm, ihr Körper passt so unverschämt gut in seine Arme. Sein Herz hämmert wie bescheuert, als ihre Zunge seine berührt. Es ist kein nervöses Kribbeln, sondern etwas, das sich durch seinen ganzen Körper zieht. Heiß, elektrisierend. Zeit steh still... bitte steh still...
Blaze öffnet die Augen einen Spalt als er einen Knall hört, sieht, wie der Typ aus dem Auto steigt. Er schließt sofort die Augen wieder. Nein. Nicht jetzt. Verpiss dich, Alter.
Er könnte mit ihr weglaufen. Einfach ihre Hand nehmen und rennen, irgendwohin, wo keiner sie findet. Dumme Idee. Aber die schönste, die er je hatte.
Er verlangsamt sich, sein Griff lockert sich, aber er kann nicht einfach aufhören. Also noch ein Kuss. Ein tiefer Atemzug. Noch ein Kuss. Er lässt eine Hand an ihrem Hals ruhen, seine Finger streichen über ihre Haut. Ein Kuss. Dann sieht er sie an, ihre Augen, die glänzenden Lippen, ihr Ausdruck, der ihn völlig aus dem Konzept bringt. Und er lächelt. Er kann nicht anders.



Es ist der beste, schönste, intensivste Kuss aller Zeiten! Die Welt um sie herum verstummt für endlose Sekunden. Blaze stößt sie nicht davon, sondern holt sie weiter zu sich. Seine Hände an ihrem Rücken, sein Duft, sein Geschmack - das ist episch. All der Stress, der Kummer, die Ängste sind vergessen. Dennah glüht vor Glück. Ihr Herz zerspringt und durchflutet den gesamten Körper mit etwas, das sie nie zuvor spürte. Nicht auf diese Weise.
Ihre Hände gleiten über seine kräftigen Schultern, ertasten seine Muskeln und sie würde ihn am liebsten nie wieder loslassen. Es dauert eine wundervolle Ewigkeit, bis sie sich voneinander lösen. Er lächelt und sie tut es ihm gleich. Ihr Gesicht strahlt vor Glück, in ihren Augen liegt ein Glanz, den es zuvor nie gab, als sie sanft auf ihre breit lachende Unterlippe beißt. Eine Hand streicht zart über seine Wange, als wolle sie sich jede Pore seiner Haut einprägen, bevor sie gehen muss. Ein stummes, tiefes Seufzen begleitet die Geste, während Holger etwas unbeholfen hinter ihnen steht und mit einem Räuspern ihre Zweisamkeit unterbricht. "Es tut mir wirklich leid. Ich würde euch gern mehr Zeit geben." Das würde er - er war selbst einmal jung und frisch verliebt. "Aber ich muss darauf bestehen, dass wir jetzt losfahren, Dennah."



Das Mädchen schluckt, ohne den Blick von Blaze abzulassen. Noch immer lächelt sie. Einige ihrer zahlreichen Sommersprossen verschwinden in den tiefen Mimikfalten, als würden sie ein Spiel mit dem Betrachter spielen wollen.
Sie haucht ihm einen letzten Kuss auf die Lippen, bevor sie sich abwendet und zurück zum Wagen geht - nicht ohne sich alle paar Schritte zurück zu drehen und Blaze einen tiefen Blick zuzuwerfen, bis das Fahrzeug sie zu verschlingen scheint und davon fährt.


(in Zusammenarbeit mit @Ripzha und @Spatz )


>>> Blaze geht nach San Sequoia - Haus S. Schmidt >>>
>>> Holger geht nach Newcrest Nr. 13 - Waisenhaus Heimathafen (2) >>>
>>> Dennah geht nach Newcrest Nr. 13 - Waisenhaus Heimathafen (2) >>>


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29.03.2025 08:04 (zuletzt bearbeitet: 06.05.2025 16:31)
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#319
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Schicksalslenker

<<< Theo kommt von Chestnut Ridge Nr. 8 - Pferderanch (3) <<<
<<< Hannah kommt von Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) <<<
<<< Nael kommt von Windenburg Nr. 17 - Cafe zum Waschbär (3) <<<
<<< Horst und Julius kommen von Brindleton Bay Nr. 1 - Altersheim Shady Pines (8) <<<

Charaktere: Theo, Nael, Horst, Julius, José, Hannah
Geschichtsstrang: Der Ring

"Und dann knie ich vor ihr und frage sie, ob sie meine Frau werden will", beendet Theo seine Erzählung. Hannah gibt ein lautes "Oh, wie schön!" von sich und umarmt ihren Schwager. Er hat endlich eine neue Liebe gefunden und möchte sie heiraten. "Wann gedenkst du, den Antrag zu machen?", fragt Opa Horst.

"Nun, ich werde noch mit Marley und Raphael sprechen, damit sie mir bei den Vorbereitungen helfen und dann denke ich, dass es nächsten Monat soweit sein wird. Den Ring habe ich auch schon – schaut mal!" Gespannt öffnet er die Schatulle und wartet auf die ersten Reaktionen.



Wie erwartet sind alle ganz aus dem Häuschen und freuen sich mit ihm. "Tolle Ring!", sagt José und denkt für einen Moment an den Verlobungsring, den er einst Hannah geschenkt hat. Sie hat ihre Ringe schon lange nicht mehr getragen. Doch bevor er weiter nachdenken kann, spricht Nael. "Aber unser Männerwochenende bleibt, oder?"

Nael, Julius und Theo haben geplant, am letzten Schultag gemeinsam wegzufahren und das Wochenende in Ruhe ohne die Familie zu genießen. Jedes Jahr sind sie weggefahren und auch diese Tradition möchten sie fortführen. "Aber natürlich! Ich habe mir extra an dem Freitag freigenommen", antwortet Theo.

Nael wird für seine Klasse die Zeugnisse ausgeben und ebenfalls gegen Mittag zu Hause sein. Auch Julius berichtet, dass er mit der Leitung des Seniorenheims gesprochen hat und an dem Tag früher gehen kann. Eigentlich hätte er einen Kurs, aber den kann er ein paar Stunden vorverlegen.

"Hach, wenn ich noch jünger wäre, würde ich auch gerne mitkommen", sagt Opa Horst und lächelt wehmütig. Tatsächlich würde er gerne dabei sein, doch seine Gebrechen lassen es nicht zu. Er freut sich jedoch für seine Enkel und seinen Schwiegersohn. "Wir machen uns schöne Tage zu Hause", sagt Hannah und geht auf ihren Vater zu.


>>> Hannah geht nach Brindleton Bay Nr. 10 - Brindleton High (11) >>>
>>> Theo, Julius und Nael gehen nach Evergreen Harbor (2) >>>


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05.05.2025 18:39 (zuletzt bearbeitet: 07.05.2025 11:13)
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#320
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Schicksalslenker

<<< Hannah kommt von Brindleton Bay Nr. 10 - Brindleton High (11) <<<

Charaktere: Hannah, José
Geschichtsstrang: Noch ist alles gut

"Vielen Dank und ein schönes Wochenende", verabschiedet sich Hannah an der Tür und zieht sie hinter den Handwerkern ins Schloss.

Endlich! Der Umbau bei den Garcias ist erledigt, kein Lärm mehr, kein Staub mehr.

José kommt ihr im neu gestalteten Flur entgegen und blickt sich für einen Moment um. Die neue Garderobe gefällt ihm gut. Das werden die Mandanten sicher auch so sehen. "Geschafft", sagt er, sowohl erleichtert, als auch müde.

Hannah nimmt ihren Mann in den Arm. Der letzte Schultag war heute, für sie bedeutet das nur eine Pause, für ihn war es ein Abschied. An der BBH wird er nicht mehr unterrichten.



Auch die Streitereien haben Spuren hinterlassen. Der Wohnraum im Wintergarten ist zwar neu, doch nicht ihre Ehe. Die nun kommende freie Zeit kann das Paar nutzen, um an ihren Problemen zu arbeiten.

"Wir müssen los", murmelt Hannah. Sie greift nach der Kuchenbox, in der ein warmer Apfelkuchen duftet. "Pablo und Irina warten. Ich hab auch die Kiste mit Marinas alten Babysachen durchgesehen." José nickt und nimmt die schwere Stofftasche.

Das Ehepaar steigt ins Auto. Hannah setzt sich auf den Beifahrersitz und schnallt sich an. "Jetzt können die Ferien beginnen!"

… Oder nicht? …

>>> Hannah und José gehen nach Windenburg Nr. 18 - Krankenhaus (3) >>>


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