Del Sol Valley

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07.05.2025 20:42 (zuletzt bearbeitet: 22.05.2025 18:16)
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Bestseller-Schmied

<<< Vaas Del Toro und Jack kommen von Del Sol Valley - Wohnkomplex 4er Studenten-WG Betsy, Wade, Sam <<<

Charaktere: Vaas, Jack
Geschichtsstrang: Playtime


Nacktszenen


Vaas steht noch einen Moment da. Die Tür ist zu. Die Blonde weg. Die Musik verstummt. Und dieser verklemmte Lulatsch hinter der Tür glaubt, gewonnen zu haben.
Er seufzt theatralisch als käme jetzt eine Sache die er wirklich und ganz ehrlich hätte vermeiden wollen. Aber leider…
Er löst wortlos seinen Gürtel. Öffnet die Hose. Tritt einen halben Schritt vor. Und pinkelt. Erleichtert. Mit geschlossenen Augen.
Der Strahl trifft genau mittig auf die teure, schwarze Tür, verläuft langsam an der Metallkante entlang und bildet glitzernde Rinnsale auf dem Designerboden.
Unten im Hausflur Stimmen. Sims die gezwungen sind die Party zu verlassen, weil nichts mehr geht.
Als er fertig ist, schüttelt er demonstrativ ab – zwei, drei Mal zu viel – und zippt sich grinsend die Hose wieder zu. Dann, bevor er sich umdreht, streckt er beide Mittelfinger Richtung Tür, während er rückwärts Richtung Treppe geht.



Vor dem Haus mustert die Suchende die Umgebung und die anderen Party-Sims. Was für ein überwiegend gelacktes Volk. Verächtlich lächelt sie zurück, als sie Blicke von den auf den Bus(?!) oder ihr Uber-wartenden Schnittchen abschätzig begutachtet wird. Steif wie Bretter, manche sogar mit Perlenketten Pffff, Määäuschen... zu ner Party?, manche in süßen, braven, auf Keinen Fall zu freizügigen Outfits. Maniküre und alles an ihnen teuer. Sie ist soooo satt von dieser Spezies, ähnlich wie ihre Schwestern. Obwohl Jack schon an ihnen vorbeigezogen ist, entscheidet sie sich spontan für ein paar Schritte rückwärts. Mit dem maximal trockensten Wimpernaufschlag, zieht sie ihr Ober- inklusive Bikiniteil kurzweilig seitlich über ihre Nippel weg und fügt ein "Bääääh", mit ausgestreckten Zunge an. Dann dreht sie den Weibsbildern den Rücken zu und steuert mit schneller schlagendem Herzen eine schwarze Beanie an, die 100m weiter weg steht.

Happy und entrückt beißt sie ich auf die Unterlippe, als sich ihre Blicke treffen. Breit grinsend kommt sie schwungvoll vor Vaas zum stehen und hüpft ihm aus dem Stand auf die Hüfte. Wollüstig seufzend krallt sie sich an ihm fest. "Hi." leuchtet sie ihn gierig an. "Bevor wir bei dir oder mir landen: Wollen wir noch den letzten Schub des Tütenpowers ausnutzen und noch irgendwo ein Feuer legen oder Glitzerfummel auftreiben? Und danach oder dazwischen schaukeln gehen? Was sagst du?"



Die Tür fällt mit einem dumpfen Klick ins Schloss. Noch immer knistert das Koks in seinen Adern. Er schaut sich kurz um, zieht sich die Mütze tiefer ins Gesicht, schiebt die Hände in die Hosentaschen – und dann passierts.
Sie knallt an ihn wie eine abgefeuerte Rakete, die genau wusste, wo sie landen will. Ihr Becken drückt sich gegen ihn, genau auf diese Stelle, die beim Gedanken an ihren letzten Bodenkontakt schon wieder rebellisch zuckt.
„Hi“, haucht sie, und es ist das schmutzigste, schönste „Hi“, das er je gehört hat.
Er taumelt, stöhnt auf. „FUCK! Ne Warnung wär geil gewesen, du Abrissbirne!“
Er hält sie, die Hände unter ihren Schenkeln, als sie ihm ihre Ideen flüstert.
„Boah, Strubbel…“, keucht er, sein Blick völlig entgleist vor Geilheit. „Sag das nochmal. genau so. Ich… will alles. Jetzt. Feuer, Schaukel, nackt durch die Nachbarschaft, egal – JA!“
Er küsst sie, kurz, scharf, will gerade nachsetzen, da –
KLACK.
Die Haustür geht wieder auf. Scotts Stimme, tief, wütend:
„DU!! HAST AN MEINE HAUSTÜR GEPISST!?—“ Und sein Blick sagt: Du kleiner Totenkopfwichser, jetzt wirst du sterben.
Vaas zögert keine Sekunde. „Abflug.“ kommentiert er, setzt Jack abrupt auf den Boden, reisst sie hinter sich her, ihre Hand fest in seiner, stolpert halb die Auffahrt runter und brüllt:
„ICH WARS NICHT! – Also doch, ABER ICH BIN NICHT STOLZ DRAUF! - nah auch gelogen!“ er lacht laut, während er absolut keine Ahnung hat wohin er grade in dieser fremden Stadt zu steuert.



Zum Glück ist sie sportlich genug, um mit ihm davonzujagen, als ob der Leibhaftige hinter ihnen her ist. Nach einem guten halben Kilometer mit Haken schlagen um Häuserecken, bremst sie ihn japsend aus, gestoppt durch eine kleine Leuchtreklame. "Ich denke nicht, dass er uns hinterher geflitzt ist... Der Stock in seinem Arsch würde das nur schwer zulassen.", lacht sie trocken auf. Nickend ergänzt sie, "Schnelles gehen ist das höchste, denke ich." Noch immer seine Hand haltend, zieht sie anerkennend die Brauen hoch und lacht aus vollem Hals, so sehr dass sie sich krümmen muss. Nachdem sie wieder aufrecht stehen kann, schwappt es aus ihr heraus, "Du hast ihm echt an die Tür geschifft?!?" erkundigt sie sich. "Vaas, du bist der wildeste, süßeste und integritätsstärkste Sim, der mir wohl jemals begegnen wird." Verlegen streicht sie sich mit der freien Hand die Frontmähne zurück, küsst ihn innig und verlangend, löst sich widerwillig, um zu vervollständigen, was raus will.
"Du bist schnell, gewitzt und irre! Direkt und ohne Angst. Ich kann dir gar nicht sagen, wie heiß und begehrenswert ich dich finde! UND: Deine Berührungen-", sie macht eine Pause, um zu atmen. " Deine Berührungen sind der Wahnsinn." Jack löst ihren Blick, schaut auf den Boden und nimmt seine zweite Hand um diese an ihre Taille zu legen. Ein tiefer Seufzer entfährt ihr, als seine Finger unter ihre kurze Jacke gleiten, ihren Rippenbogen empor, gierig aber langsam. Sie könnte sofort explodieren. "Lass uns unser Feuer auf dem nächsten Spielplatz entzünden und dann weiterziehen, wohin auch immer. Ich will dich.", haucht sie ihm an den Hals und gibt seinem Adamsapfel eine zärtlich neckende Knabberei. Schelmisch grinst sie ihn an, bevor sie zur Leuchtschrift nickt. "Aber lass uns erst was vom Späti holen, ich bin wahnsinnig durstig."



Vaas steht da, keuchend, die Hände auf den Knien, als würde er gleich in einen Mülleimer kotzen - komplett überhitzt, das Hirn weiter auf Kokspingpong. Als sie mit ihren Worten loslegt – wild, süss, integritätsstark (was zum Fick?) – blinzelt er, als hätte man ihm ins Gesicht geleuchtet. Er friert ein. Kurz. Einfach so. Als hätte jemand einen inneren Ladebalken aktiviert: Verarbeitung temporär nicht möglich. Bitte warten.
„Uff… Alter, wow, okay… das war... jetzt viel…“ Er blinzelt, atmet, fährt sich fahrig übers Gesicht, grinst verlegen. „Also… ähm... danke, schätze ich. Niemand sagt mir sowas. Also.. wirklich niemand. Also eigentlich sagen die Leute eher so Dinge wie ‘Verpiss dich du Wichser!’ oder ‘Ich ruf die Polizei’.“
Er schnaubt, guckt zur Seite, dann zurück zu ihr.
„Und jetzt kommst du da an, mit deinem sexy, abgefuckten Feuerwerkskörper-Mundwerk und schmeisst mir Lob in die Fresse wie mit ner Schneeschaufel! “
Er kichert, nervös, kippt fast in sie rein, seine Stirn lehnt einen Moment an ihrer.
„Und dabei… Scheisse, ich hab grad so ne Latte, dass ich kaum grade stehen kann.“
Er hebt beide Hände und wedelt in der Luft. „Sorry. Not sorry.“



Ihr Geruch, ihre Nähe, ihr Wahnsinn - alles schreit Boom Boom, nur irgendwie anders. Ungefilterter. Reizender. Fast wie Boom Boom eben früher war. Nur dass Boom inzwischen Röhriche zerstört und ihm sagt, er soll ihre Küche... küchiger lassen.
Strubbels Hände ziehen ihn näher, ihr Körper schmiegt sich an ihn – und sein Becken reagiert sofort. Automatisch. Er stöhnt leise, als sie an seinem Hals knabbert, sein Kinn kippt nach oben, seine Finger wandern unter ihre Jacke, über warme Haut, spüren ihre Hitze. Und ja – sein Körper hat sich längst entschieden. Diese Frau: Unfair geil.
„Ooooookay. Plan: Erst Späti. Dann Spielplatz. Deal?“
Er reisst den Kopf hoch, strahlt, greift nach ihrer Hand.
„Aber vorher musst du mir sagen, wie du heisst. Ich kann dich nicht weiter in meinem Kopf als Strubbel-Göttin-mit-Zungentechnik abspeichern. Wobei—kann ich schon. Aber… klingt halt nicht so alltagstauglich, wenn ichs später stöhnen will.“
Er zieht sie hinter sich, Richtung Späti.
„Und hey… also... nur so fürs Protokoll: Ich find dich auch heiss. Also so richtig. Wollts nur... ähm... sagen, falls dus noch nicht gespürt hast, ok? ok!“

"Okay.", erwidert sie, "Und ich heiße Jack."



Mit wenigen Laufschritten sind die beiden an der Tür angekommen und stürmen hinein. "Wasser, Wodka, Sprite, Eis", zählt sie dicht bei ihm stehend mit aufgerissenem, gierigen Blick auf. "undbedingt Eis. Und Becher!.... Und Snacks?! " Aus der Hosentasche zieht sie einen ramponierten Schein und grinst. "Und Snacks! Nachos und Chips mit Sauce!" Nun wuselt sie vorweg und beläd sich mit einem Teil der laut gedachten Wunschliste.
"Fine für dich? Was möchtest du noch haben?" Wartend steht sie vor ihm und nickt ihm auffordend zu.

Während sie mit kindlicher Gier ihre Beute zusammenträgt, murmelt er: „Wasser, Sprite, Eis, Becher, Nachos, Chips, Sauce…“
Er grinst, verpackt den Schein in ihrer Faust. Dreht sich langsam um und mustert die Regale. Er greift nach der Wodkaflasche – und murmelt:
„Ich hab exakt null Geld, dafür aber Prinzipien. Und wenn ich zwischen Moral und Alkohol wählen muss – tja.“
Er schnippt die Flasche geschickt in die durchlaufende Tasche des Hoodies.
„Dann betet für die Alarmanlage.“
Vaas’ Blick streift durch den Späti – über Überwachungskameras, Chipsregal, Eistruhe, bis zu dem pickligen Kassierer, der apathisch auf sein Handy glotzt, den Daumen rhythmisch zu irgendeinem Game zuckend.
„Okay, Jack-Jack“, raunt Vaas, während er sich eine Tüte Eis unter den Arm klemmt und eine Packung Becher unterm Hoodie verschwinden lässt.
„Der da vorne…“ – er deutet unauffällig mit dem Kinn – „…hat weniger Sozialkompetenz als ne feuchte Steckdose. Wenn du dich jetzt da vorne hinstells und ihn vielleicht was total Verwirrendes fragst – ich weiss nicht, irgendwas, sei kreativ – dann kann ich hier noch schnell die Luxusvariante vom Picknick klar machen.“
Er grinst schief.
„Biste dabei?“



Scheiße ja, ich bin bei allem dabei. "Oh Boy! Ich dachte nich das ich noch spitzer werden kann.", presst sie hervor. "Du bist der Knaller! Stell dir vor, dass meine Begeisterung und ich dir ein bisschen in deine Brustwarzen beißen, okay? Bis gleich." Mit hitzigem Blick und wippenden Haaren rauscht sie in Richtung Kasse, um den jungen Kerl in ein Gespräch über Kronkorken zu verwickeln. Kreativer gehts gerade nicht, sie will nur raus hier und auf ihn rauf.

Ricky, - laut Namensschild - der Kassierer, glotzt träge auf sein Handy, bis Jack sich vor ihm aufbaut und mit einer Begeisterung, die zwischen betrunken und verrückt pendelt, loslegt. Er blinzelt irritiert, schiebt langsam die Kopfhörer von den Ohren und hebt seinen Blick vom Smartphone zu ihr hoch.
„…eh?“, entfährt es ihm. Seine Augen verengen sich skeptisch. „Kronkorken… was?!“



Vaas, grinst schief, schiebt sich lässig Richtung Ausgang – die Taschen bis zum Anschlag voll mit Snacks, Flaschen und Bechern. Kurz vor der Tür stoppt er, blickt zurück zum Tresen und hebt einen Arm in die Luft.
„EY, Mann! Eines Tages wirst du verstehen, dass du heute hier Zeuge eines historischen Moments geworden bist!“
Vaas wirft Ricky einen Kuss zu, dreht sich einmal tanzend um die eigene Achse und springt mit einem gezielten, theatralischen Hüftstoss gegen die Glastür.
Ein schriller Piepton zerreisst augenblicklich die Luft. Ricky zuckt zusammen, springt erschrocken auf, stolpert, schlägt dabei das Handy zu Boden.
„HEY!“, schreit er auf, stolpert um den Tresen herum. „Bleib stehen, du Arsch!“
Vaas aber steht bereits grinsend mit einer dramatischen Geste in der offenen Tür, hält sie mit seinem ganzen Körpergewicht auf und verbeugt sich vor Jack, als wäre sie Königin der Nacht und er ihr persönlicher Hofnarr.
„Madame, wenn Sie die Flucht jetzt antreten möchten – ich wäre bereit!“
Jack stürmt lachend aus dem Laden, und Vaas hetzt direkt hinter ihr her. Beide rennen, lachen, stolpern fast, scheppern mit ihrer Beute die Strasse hinunter. Rickys wütendes „Ich ruf die Bullen, ihr Spinner!“ verschwindet schnell in der Ferne.





Ein paar Blocks weiter erreichen sie atemlos einen verlassenen Spielplatz. Vaas lässt sich schnaufend auf das Ende einer Rutschbahn fallen, fischt das Wasser aus seiner Tasche und hält es ihr hin, während der Rest der Snacks um ihn herum auf den weichen Boden purzelt. Cola. Sprite. Becher. Chips. Nachos. Eis. Wodka.
Popcorn. Gummizeugs. Die Flasche Wodka rollt bedrohlich langsam Richtung Sandkasten, wird aber von der Chipstüte gestoppt.
„Hier…“, keucht er. „Dein Wasser. Wusst ichs doch… du hast den armen Dude völlig zerstört, Mann.“ Er lacht, ringt nach Atem. „Hoffentlich hast du ihm keine falschen Hoffnungen gemacht, der sah aus, als hätte er dir jeden verdammten Kronkorken dieses Universums gesucht.“
Vaas nimmt den Wodka, kippt einen Schluck nach dem Anderen, bis es ihm scharf in die Nase steigt. Er spürt, das Koks hat sich fast verpisst – sein Hirn fährt runter, aber nicht in die Ruhe. Eher in diesen ADHS-Modus zwischen ‚boah, was glänzt da?‘ und ‚ich hab grad sieben Ideen, aber alle sind geil und illegal‘. Also fast wieder Normalzustand.
Er sitzt da, stellt die Flasche ab, die Beine breit, Unterarme auf den Knien. Der Blick flackert zu Jack. Ihrem wilden Haar, der Narbe über dem Auge, dem Körper… dem freien Bauch. Nicht müde werden wollend. Dann sagt er, als wärs die natürlichste Frage der Welt:
„Sag mal… sollen wirs jetzt gleich hier auf der Rutsche tun? Ich glaub das fänd ich jetzt geil.“



Dankend nimmt sie das Wasser entgegen und trinkt in großen Schlucken. Das leicht gekühlte Nass tut ihrer Kehle so gut. Ohne zu überlegen beugt sich erschöpft von der Rennerei etwas vor, kippt ihren Kopf vornüber und schüttet sich vom Wasser einen Schwall über ihre Nackenpartie. DAS war schlau. Jack begutachtet die um sie beide herumliegenden Genussmittel und freut sich, als sie das Popcorn erblickt. Eine super Idee. Vaas hat die Wodka-Flasche angerissen - eine noch bessere Idee. "Hoffnungen gemacht?", greift sie den Gesprächsfaden auf. "Hahaha. Ich glaube, er war ehr überfordert von einem etwaigen Arbeitsauftrag. Der wollte doch nur schnell zurück zu seinem Bildschirm. Darum war er zu allem bereit.", grinst sie ihn an, als er die Flasche abstellt und sie auf eine ultra sweete Art und Weise anblickt. Noch nie wurde sie so angesehen. Aufregung stellt sich bei ihr ein, sowie die Erinnerung an ihre quasi zwei ersten Male. Falsch, seltsam und auch etwas bizzar waren diese. Nun, ohne Zauberpulver im Blut und im Gehirn, beginnt sie unsicher zu werden. Aber sie will ihn so sehr und es fühlt sich so gut und natürlich mit ihm an. Alles. Jede Minute. Da muss sie schmunzeln. 'Geil' ist das Stichwort, welches jede Zelle Ihres Körpers beschreibt und sie aus ihren weniger schönen Erinnerungen raus holt. "Ich auch, aber einen kleinen Moment brauch ich grad noch.", bittet sie ihn und schließt kurz klärend die Augen, bevor sie entschlossen und flink einen Becher aus dem vor ihr liegenden Pack löst, Eiswürfel und Sprite einfüllt und auf ihn zugeht. Die freie Hand schnappt sich die Flasche mit den Prozenten und kippt großzügig auf. Vorsichtig trinkt sie ab, bevor sie die Flasche zur Seite, sowie sich zwischen seine Bein- und Unterarm-Paare stellt. Vor Erregung beginnt sich ihr Atmen zu verschnellern. Langsam kniet sie sich hin und reicht ihm nach ein Paar tiefen Zügen den Becher. "Willst du?", fragt sie dicht vor seinem Mund.
Er nimmt ihr den Becher ab, sie legt ihre Hände auf seine Oberschenkel und wandert mit leichtem Druck über den Hosenstoff in Richtung seiner Körpermitte. Dabei schaut sie ihm in die Augen.



Ihre Finger streifen sich. Er trinkt. Lässt die Eiswürfel gegen die Lippen knallen, dann lässt er das Ding neben der Rutsche fallen. Alles fühlt sich irgendwie gedämpft an. Weicher. Kein Knall mehr im Kopf, sondern so ein müder Nachhall – wie das Dröhnen nach nem Konzert.
Sie kniet sich hin. Ihre Hände auf seinen Oberschenkeln, langsam wandernd. Ihr Atem ist schneller geworden. Alles an ihr schreit ‚Ich will das‘.
Fast alles.
Da war dieser Moment. Eine dieser feinen Mikrobewegungen. Vielleicht wars, als sie kurz die Augen schloss. Oder der winzige Ruck, als sie sich entschloss, doch nicht sofort über ihn herzufallen und sich vorher den Cocktail zu mixen.
Es ist fast wie das Ausweichen von Bambi, als er ihr die Nase Koks anbot, sie aber nicht direkt nein sagen konnte um nicht uncool zu wirken.
„Okay“, murmelt er. „Ich hab grad ne krasse Erektion… und trotzdem noch genug Restgehirn, um was zu sagen.“
Er atmet tief durch, sieht sie mit seinen blauen Augen an, die so kontrastreich zu seinem restlichen, tintengeschwängerten Gesicht sind, dass sie leuchten.
„Du wirkst grad wie jemand, der denkt, er kann nicht mehr umdrehen weil er schon zu weit gegangen ist. Kann mich auch irren, ich kenn dich ja nicht“, direkt, mit Blick in ihre Augen.
Dann hebt er die Hand, fährt ihr ganz leicht über die Wange – fast beiläufig.
„Also. Wenn du einfach nur hier chillen willst, mit Popcorn und Wodka, bin ich dein Typ. Und wenn du in zehn Minuten sagst ‘Okay, Vaas, jetzt will ich, dass du mich gegen die Rutsche drückst’, dann… bin ich auch dein Typ.“ Er grinst wieder. „Ich nehm dir rein gar nichts übel jetzt, weil ist nicht meine erste Party. Ich bin wie ne Bushaltestelle. Du kannst einsteigen, aussteigen, wegbleiben, wiederkommen…. Deine Wahl. Aber sei ehrlich. Ich mag den Nachgeschmack von Reue nicht. Auch nicht bei anderen.“



"Was? Himmel nein!" Erschrocken zieht sie die Brauen hoch und wird ernst. "Wie könnte ich auch nur eine Minute von diesem Abend und der Zeit mit dir bereuen? Noch nie habe ich das Leben und mich so intensiv gespürt und gemocht.", gesteht sie ihm und bekommt einen glühenden Blick. "Ich will dich soooooo sehr, das ich fast blind werde vor Gier." Jack fährt mit ihren Händen über seine Brust und Schultern, um ihre Finger in seinem Nacken ineinander zu haken. Langsam schließt sie die Augen, küsst ihn tief und lang. Währenddessen krabbelt sie vorsichtig auf seinen Schoß. Als sie sich nach einer kurzen Weile aus seiner Umarmung lößt, grinst sie entschuldigend. "Aber da ist auch noch was, ja. Der Selbstbewusstseinsbooster, der Turbosprit is nun aus und mich haben da ein paar unschöne Erinnerungen und Selbstzweifel eingeholt." Verlegen zieht sie ihren Mund in die Breite. "Bitte. Lass uns knutschen, fummeln, und vögeln, bis wir nicht mehr laufen oder sprechen können und uns im Anschluss nur wieder der Wodka mit Popcorn aufzustellen vermag."



Er grinst, als sie es sagt.
„Popcorn, Wodka und bis zur Bewusstlosigkeit vögeln?“, wiederholt er, sein, jetzt lüsterner Blick auf ihren Lippen.
„Strubbel… du hast damit grad offiziell mein Hirn abgestellt.“
Er muss nicht überlegen. Grübeln ist was für Philosophie-Studenten und Leute mit Therapiestunden. Sein Körper feuert direkt den Startschuss.
Seine Hände gleiten an ihre Seiten, heben sie leicht, bis sie richtig auf seinem Schoss sitzt. Sie finden den Weg unter ihr Shirt, über die warme, weiche Haut. Sein Daumen streift knapp unter ihren BH, als würde ers nur versehentlich tun. Tut er nicht. Er zielt. Präzise und er spürt, wie sie eine Gänsehaut bekommt. Es macht ihn irre. Sie ist so wild, und offen und das ist so verflucht selten. Tatsächlich ist sein Sex-Leben auf gelegentliche Eskapaden mit Boom beschränkt, aber das hat er sich mit dem Tattoo selbst eingebrockt - naja… also… unter anderem.
Er bereut nichts.
Er presst seine Lippen fordernd, süchtig, auf ihre.



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Optionale Szene - [18+] Del Sol Valley

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„Verdammt…“, murmelt er schliesslich erschöpft, fast ein bisschen schlaftrunken.
Dann lacht er leise. Sein Körper ist weich geworden, sein Blick glasig.
„Wenn ich mich jetzt noch bewege, fall ich aus’m Leben.“
Er grinst, schwach, dreckig. „Glaub, du hast mir grad auch noch das Resthirn rausgevögelt….“

Seine Stimme und sein Atem prallen wohlig an ihre verschwitzte, leicht klebrige Haut. Sie lacht erneut, ihn fest und sichernd umgreifend, ihre letzte Lustwelle genießend. Nach einigen ruhigen, schönen Sekunden in denen sie beide nachbeben, äußert sie einen beschlossenen Gedanken. "Ich will eine Schaukel. In meinen vier Wänden. Eine, die wir zusammen bauen." Sie prustet ihm auf die Stirn. "Was sagst du! Machen wir das zusammen?"

Die Schaukel schwingt noch sanft unter ihnen, ein quietschendes Echo zwischen zwei Körpern, die gerade alles miteinander geteilt haben – fast alles.
Er hört sie lachen, spürt ihre Arme, ihre Wärme. Und während sie von einer Schaukel spricht, in ihren vier Wänden, etwas zum zusammen bauen, da hebt er mühsam den Kopf.
„Ich... also... ich liebe die Idee“, sagt er, ein halb gequältes Lächeln auf den Lippen, das man auch in einem Krankenhausflur finden könnte. Irgendwas in ihm spannt sich. Unmerklich, aber wie ein feiner Haarriss im Glas.
Er ist müde. So müde. Das Koks ist raus. Der Schuss ist raus. Er hat Hunger.
„Aber... woher zur Hölle hast du diese Energie? Ich bin... durch. Komplett.“
Er zieht sich leicht aus ihr zurück. Weich geworden, langsam. Als müsste er vorsichtig was abwickeln, das sich zu eng um ihn geschlungen hat.



Als er sich rauszieht, läuft warmes, flüssiges „Vaas“ aus ihr. Er sieht es. Die Pille danach wäre wahrscheinlich angebracht. Er sagt aber nichts. Körperlich war er noch nie prüde. Gefühle? Anderes Kapitel.
Sein Blick trifft ihren jetzt, ernst und direkt.
„Ich sags dir jetz was, weil ich will nicht der Typ sein, der nachm Kommen nett spielt und innerlich schon die Notausgänge checkt. Das hier...“ – er macht eine vage, kreisende Geste zwischen ihren Körpern, sie noch auf seinen Beinen sitzend – „war geil. Geiler als alles, was ich erwartet hab. Ich mein das nicht böse, aber ich hab keinen Bock auf… Struktur. Oder auf ‘Liebling, wir müssen reden’. Ich kann das nicht und ich will das nicht.“
Er atmet tief durch.
„Du bist heiss. Du bist geil.…Aber ich bin kein Typ für... irgendwas, was nicht genau das ist, was grad passiert ist..“ Er muss an Boom denken, die ihm glücklicherweise nie so ein Gefühl gegeben hat. Es war immer was es war. Sex... wenn auch manchmal ein bisschen krank.
„Ich will das nur klarstellen, ja? Wenn du das hier so willst – frei, schmutzig, ehrlich und ohne Trugschluss – dann helf ich dir, ne verdammt gute Schaukel zu bauen. Scheisse, ich bau dir einen ganzen Spielplatz für dein Wohnzimmer und helf dir auch ihn einzuweihen. Aber wenn du glaubst, das hier wird was mit Blumen, Zukunft und gemeinsam Fotos in die Wand dübeln, dann… dann wär jetzt der Punkt, wo du von mir runter solltest“
Er hebt die Hände leicht, als wolle er ihr zeigen, dass er sie nicht runterschiebt – aber er macht auch keinen Versuch, sie zu halten.



Ihre Energie? Woher sie die hat? Sie weiß es. Es ist ihr gegenwärtiges Lebendigkeitsgefühl und die Euphorie darüber, auf den ersten tapsigen (und/ oder zervögelten) Schritten einfach zu tun, worauf sie Lust hat. Ungesehen, unüberwacht und frei. Und er, Vaas, ist schlichtweg einfach per Party-Zufall zum größten Teil dieses Gefühls geworden. Vorhin hatte sie es ja schon mal gesagt: Sie mag ihn und seine direkte, authentische Art. Ungebremst, schnell, humorvoll und ohne Spielchen. Das sagt sie ihm nun, zum Teil erneut.
"Weißt du, ich komm ganz ganz frisch aus einer sehr kranken, fies reichen und manipulativen Familie. Ich wurde gezeugt, um als Instrument für ihre Machenschaften herzuhalten. Ausschließlich. Es gab nie Zuneigung, Anerkennung, oder irgendeine Form der Liebe. Produziert um einen Zweck zu erfüllen. Jack atmet ruhig ein. "Sorry für die mittellange Version, ich sehe wie müde du bist, aber ich will das du mich mit meiner Begeisterung für das hier zwischen uns," sie deutet zwischen sie beide, "richtig verstehst." In kleinen Schüben rinnt ihre Vereinigung weiter aus ihr heraus, warm, angenehm. Viel. Sie versucht den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. "Ich hab auch keine Kapazität und Lust auf Verantwortung, über meine eigene Scheiße hinaus. Ich will meinen Plan durchziehen, meiner Drecksfamilie von hinten die metaphorischen Rücken aufzuschlitzen, ohne dass sie damit rechnen." Ihre Augen flackern und sie schluckt schwer. " Das heißt ich will keinen Partner, kein Haustier.... nicht mal Pflanzen kann ich zur Zeit brauchen." Eine kurze Pause entsteht, ein Windhauch streift sie fried oll. "Und dennoch hab ich mich heute sooooo gut und lebendig gefühlt. Sex hat mir zum erstem Mal Spaß gemacht. So. R I C H T I G.
Und davon will ich mehr. Und ich will mehr von dir, weil du der erste Sim bist, der - wie schon gesagt - einfach echt ist und sagt was für ihn geht und was nicht. Klarheit. Ohne Umwege. Und ohne Verpflichtungen? Wunderbar."
Sie grinst breit und wirft Ihre Haare zurück. "Da werd ich auch gern zur Bushaltestelle. Solange wie's Spaß macht, läuft's."



Vaas lacht. Laut und befreit, als hätte sie gerade die letzte Kette gesprengt, die ihn unruhig gemacht hat. Er wirft die letzten Überreste seiner erschöpften Kraft zusammen, schlingt die Arme um ihren verschwitzten Körper und drückt sie an sich, bis er ihren Herzschlag fühlen kann.
„Fuck, danke“, sagt er in ihre Haare. „Danke an alle Götter, Dämonen oder sonstige übernatürliche Gestalten, dass du genauso verkorkst tickst wie ich. Ich mein, ich hatte echt kurz Panik.“ Er kichert müde und lässt den Kopf gegen ihre Schulter fallen. „Ich muss jetzt kurz zehn Jahre schlafen oder sterben. Oder beides gleichzeitig. Schlafsterben.“
Als wäre es perfekt choreografiert mit ihren Worten, dröhnt genau in diesem Moment das vertraute Brummen eines Busses am Rand des Spielplatzes. Die ersten Sonnenstrahlen fluten bereits den Morgen und färben die Welt in weiches, goldiges Licht. Er hebt den Kopf.
„Apropos Bushaltestelle – mein Abgang steht vor der Tür. Perfektes Timing, oder?“
Er richtet sich auf, zieht Jack dabei behutsam mit hoch, stellt sie auf die Füsse und sucht eilig seine Kleidungsstücke zusammen, die überall verstreut liegen.
Shirt wirft er sich über, Mütze findet er nicht, Hose hochziehen geht im Hüpfschritt Richtung Bus. Währenddessen ruft er ihr über die Schulter seine nahezu lächerlich simple Handynummer zu, die sich sogar Steph merken konnte:
„Ja, kein Witz. Kriegst du hin. Wenn nicht bist du selbst schuld!“
Er erreicht den Bus, der gerade die Türen schliessen will.
„Ey! Halt! Ich hab grad Sex auf öffentlichem Eigentum gehabt – ich hab Heimfahrrecht!“
Der Fahrer ist zu müde für Fragen. Die Türen öffnen sich nochmal. Vaas steigt ein.
Der Moment friert ein als er am Fenster steht. Zeitlupe. Herzschlag. Blickt zu Jack, wie in einem billigen Indie-Film. Alles schreit nach bedeutungsvoller Verabschiedung. Nach Hand auf Scheibe, tiefer Blick, nach einem stummen „Miss you...“ – aber Vaas ist Vaas.
Er presst lang, lasziv und mit viel Nachdruck die Zunge gegen die Fensterscheibe. Ein genüsslicher, sabbernder Gruss und verdächtig nah an dem, was sie vor kurzem zwischen den Beinen gespürt hat. Er grinst dreckig und formt mit den Fingern ein „Call me“-Zeichen – direkt neben dem Abdruck. Eine ältere Dame im Bus starrt ihn entgeistert an. Vaas bemerkt es und sagt schulterzuckend: „Was? War n guter Abend.“



(In Zusammenarbeit mit @S.Bin. )

>>> Vaas geht nach San Sequoia (2) >>>


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11.08.2025 17:11
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<<< Ellie kommt von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers (2) <<<
<<< Jack und Vaas kommen von San Sequoia (3) <<<
<<< Blaze und Dennah kommen von Oasis Springs (2) <<<
<<< David kommt von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers (2) <<<



Charaktere: Ellie, Jack, Vaas, Blaze, Dennah, David
Geschichtsstrang: Pain(t)ball



Zwei Teams. Jungs gegen Mädchen. Ellie spürt, wie ihr Puls leicht anzieht, während sie auf die Paintball-Gun in ihren Händen starrt. Zum ersten Mal hält sie so ein Teil – und ehrlich gesagt, sie hat keine Ahnung, ob sie damit umgehen kann. Aber David hatte Geburtstag, und natürlich hat er gleich die halbe Truppe eingeladen. Sie, Dennah, Jack... und auf der anderen Seite: Blaze, Vaas und David selbst.

Immerhin hat sie mitgedacht: Alte Jogginghose, abgetragenes Hoodie – perfekt zum Schmutzigwerden. Die Ausrüstung kommt vom Veranstalter: eine wuchtige Maske, die das Gesicht fast komplett verdeckt, und die Gun, die schwerer ist, als sie gedacht hätte.
„Die wichtigste Regel zuerst: Die Maske bleibt IMMER auf dem Gesicht, sobald ihr das Spielfeld betretet – auch wenn ihr denkt, es ist sicher. Kein Hochziehen, kein Abnehmen – auch nicht für Fotos oder zum Kratzen. Erst außerhalb des Spielfelds im Sicherheitsbereich darf sie abgenommen werden.“ Ellie nickt, als das Personal sie einweist. Das bekommt sie hin. Auch die Regeln zur Gun werden erklärt.
Ihr Blick wandert zur Glastür, hinter der sich der Spielbereich erstreckt. Hinter dem leicht beschlagenen Glas erkennt sie die Umrisse von Deckungen: Aufgestellte Fässer, grobe Barrikaden, schiefe Mauern – sogar ein verbeulter, rostiger Kleinwagen steht da mitten im Raum. Nicht schlecht. Vielleicht... wird das ja sogar cool.
Ellie sieht zu Dennah und Jack. Sie hätte nie gedacht, dass sie je in einer Gruppe mit den beiden landen würde, um gegen Blaze, Vaas und David zu kämpfen. Sie dreht sich zu Jack neben ihr: „Hast du schon Erfahrung mit so etwas?“, fragt sie.

"Leider nein.", lächelt Jack schief. "Um der Wahrheit die Ehre zu geben muss ich sagen, dass ich sogar ein bisschen die Hosen voll hab. Zwar auf ne gute, vorfreudige Art, aaaaaaber wenn ich mir so die Boys angucke...", sie zieht den Gürtel mit den Ersatzkatuschen noch ein bisschen enger, "wirds nich einfach werden." Sie nimmt die Thermosflasse zur Hand und schraubt sie auf. An Dennah gewand wiederholt sie, "Du meintest, dein Typ hat irgendwie Army-Erfahrungen oder sowas?!" Bedeutungsschwanger zieht sie die Augenbrauen kurz hoch und die Mundwinkel runter, bevor sie trinkt und fortfährt. "Wenn das Geburtstagskind so schießt wie es tanzt...., dann..., tja dann wirds auf jeden Fall krass gut. Also gut für die, schlecht für uns." Während sie die Flasche zuschraubt, blickt sie zwischen den beiden Mädels hin und her. Mit breitem Grinsen kommentiert sie den letzten ihrer Gegner. "Und zu Vaas brauch ich, glaub ich, nichts sagen?!? Sein Level von allem, ist schwer zu greifen. Das kann von 'ich schieß mir selbst ins Bein' bishin zu 'mit geschlossenen Augen baller ich dir übern Rücken die Frisur vom Kopp' alles sein." Sie schnallzt mit der Zunge scharf auf. "Denke, wir sollten uns im Vorfeld ne Strategie ausdenken, um unsere Chancen zu erhöhen. Ich bin mir nicht sicher, ob mein Level an Chaosliebe reicht, um sie genug zu verwirren, damit ihr sie platt machen könnt." Mit der rechten Hand fährt sie sich durch die Haare. "Oder bist du ne krasse Paintballerin, Dennah? Oder lieber Bitch? Der Aufzug steht dir zumindest hart." Anerkennend wie hoffnungsvoll nickt sie zu der Dreadhead herüber, die aussieht, als würde sie öfter ein Schießgerät halten.

Die Maske sitzt fest auf seinem Gesicht, drückt gegen die Stirn und schliesst alles ein, was Blaze nicht zeigen will. Sein Atem staut sich im Innern, schlägt gegen das Plastik und lässt die Sicht beschlagen, bis nur noch Schemen bleiben. Es stört ihn nicht. Es beruhigt ihn sogar, auf eine seltsame, verzweifelte Art. Solange niemand ihn richtig sehen kann, ist es leichter, diesen Moment auszuhalten. Die Paintballgun in seinen Händen fühlt sich so verflucht falsch an. Weil sie Erinnerungen weckt, die nicht verblasst sind. Er sagt sich, es sind nur Farbkugeln. Immer wieder. Aber sein Körper glaubt ihm nicht.
Das Bild ist zu stark. Bullock, am Boden. Das Handgemenge. Der Knall. Diese unmögliche Sekunde, in der aus Bewegung Tod wurde. Blaze hatte nicht geschossen. Aber es spielt keine Rolle. Die Schuld hat sich trotzdem festgebissen.
Er steht ruhig da, wie man es von ihm erwartet. Der coole, undurchdringliche Blaze, der sogar mit beschlagener Maske noch aussieht, als hätte er alles im Griff. Die Schutzausrüstung stützt seine Wirkung nach aussen. In Wahrheit spannt sich aber jede Faser in ihm gegen den Impuls, die Waffe einfach fallen zu lassen und zu gehen.
Er hat gelernt, wie man unbeteiligt wirkt, selbst wenn innerlich alles schreit. Deshalb presst er die Lippen zusammen und atmet langsam ein. Es ist nur Farbe.

Die Tür zwischen Umkleide und Vorraum knallt auf als wäre ein Sturm in Person eingetreten. Vaas marschiert rein, die Haltung eines Generals, der Blick eines Wahnsinnigen, die Paintballgun lässig geschultert. Nackter Oberkörper, bemalt wie ein psychedelisches Kriegsbanner, voller Linien und Kreise aus Filzstifft, die garantiert keinen Sinn ergeben. Aber bei Vaas ergibt sowieso selten was Sinn. Er bleibt abrupt stehen, grinst breit unter der hochgeschobenen Maske hervor und ruft laut und deutlich:
"Okay, Ladies – ich hoffe, ihr habt verdammt noch mal euer Testament gemacht. David, du Geburtstagsgranate, und Blaze, Prinzessin der Verdammten – ihr seid ab jetzt meine Familie. Wenn einer fällt, weinen wir nicht. Wir rächen uns!"
Ein Veranstalter hastet hinterher, in der Hand ein Brustschutz. "HEY! Schutzweste ist Pflicht! Kein Eintritt ohne – auch nicht für... was auch immer du bist!"
Vaas bleibt stehen und dreht sich dramatisch um. Dann zeigt er sich selbst mit beiden Händen auf die Brust.
"Digga, das ist mein Schutz. 100% purer Wahnsinn."
"Kein Diskussionen. Maske auf, Schutzweste an oder du kannst gehen", knurrt der Mitarbeiter.
Vaas rollt mit den Augen, reibt sich über die Stirn wie ein Schauspieler, der aus der Rolle fällt und seufzt theatralisch.
"Jajaja... aber dann hörst du auf mich vor meiner Mannschaft zu blamieren! Ok? Ok!"
Er nimmt dem Typen die Weste aus der Hand und wirft sie sich fahrig über. Dann greift er in seine Hosentasche, zieht eine prall gefüllte Farbkugel hervor, beisst sie leicht an, und öffnet sie mit zwei Fingern.
Mit einem grimmigen Grinsen malt er sich zwei dicke Streifen rote Farbe unter die Augen.
"Wo war ich? Ah ja!"
Vaas dreht sich zu seinem Team.
"Hört mir zu, Soldaten von Team Penis. Macht euch bereit für die Vaasokalypse. Ich will kein Match. Ich will ein Gemetzel!"
Er wirbelt herum und zeigt direkt auf Ellie, Jack und Dennah.
"Ihr süssen Zielscheiben mit Busen da drüben! Ich weiss, was ihr denkt: ‚Oh Gott, nicht der Irre.‘ Richtig! Ich bin der Irre. Mit Zielwasser. Und ich hab heut gute Laune, das heisst – keine Gnade. Ich bete, das ihr eure letzten Selfies gemacht habt. Denn wenn ich gleich fertig bin, erkennt euch nicht mal mehr eure Mama!“
Dann hebt er demonstrativ die Paintball-Waffe hoch, küsst sie liebevoll und murmelt laut genug, dass es jeder hören kann:
"Dieses Baby… wird heute Magie machen."
Dann setzt er die Maske richtig auf. In dem Moment ändert sich sein ganzer Ausdruck. Vaas spannt die Finger um den Griff der Waffe. Körper gestrafft. Blick fixiert. Die Show ist vorbei.
Jetzt kommt der Psycho.
"Vamos, Bitches. Let’s paint some trauma."

Verstohlen hebt Dennah den Blick, um Blaze mit einem Drittel ihrer Hirnmasse zu mustern. Wie er da steht - sackcool, als könnte ihm niemand etwas anhaben. Das ist sowas von sexy.
Ein Teil in ihr bedauert, dass sie nicht mit ihm im Team ist. Sie beide gegen den Rest der Welt. Das wäre episch. Andererseits ist es irgendwie lustig, Mädels gegen Jungs zu batteln. Ein Klischee, zu dessen Erfüllung sie noch nie gehört hat.
Während das zweite Drittel ihrer Aufmerksamkeit beiläufig die Erklärungen des Typen aufnimmt, der die Sicherheitsvorschriften ohne Punkt und Komma herunterrattert, spielen ihre Finger an den Bolzen und Hebeln, Öffnungen und Verschlüssen ihrer Plastikwaffe. Noch nie hat sie sowas in der Hand gehalten. Das ist beinahe so befremdlich, wie der Gedanke, regelmäßig zur Schule zu gehen.
"Oder bist du ne krasse Paintballerin, Dennah?", reißt es am letzten Drittel ihrer Kapazitäten. Überrascht schaut sie auf und direkt ins Gesicht um diese wirklich fiese Narbe herum. Wer ist die eigentlich? Sie ist als Vaas' Anhängsel mit in diese ungewöhnliche Truppe geraten. So wie Blaze als ihr eigener Anhang. Und Abby? Woher kennt die David eigentlich? Was hat er mit so einem stillen Mäuschen zu tun?
"Bitch ist tot.", antwortet Dennah, die Waffe anhebend, um sie wie eine richtig coole Pocke über die Schulter zu legen. "Dennah ist der Name, den sie alle winseln werden." Beim Versuch eine fiese Mine zu machen, entgleisen ihr die Mundwinkel. Auf dicke Hose rumprollen macht einfach Spaß. Das Grinsen wird breiter, als Jack das Outfit erwähnt. "Findeste? Könnte bisschen Ausschnitt vertragen, oder? Mal sehen, wo ich hängen bleib." Abenteuerlustiger Schalk blitzt in ihren Augen auf.
"Hey, hört ihr zu?" Fordernd sieht der Paragrafenreiter zu ihnen herüber.
"Melde gehorsamat - Schutzbrille niemals gar überhaupt nein nicht abnehmen. Sir.", nimmt Dennah Haltung an. Das wird niemals klappen, denkt sie. Durch das Ding lässt sich vor Beschlagenheit kaum etwas erkennen. "Ich hab schon ne Taktik.", nimmt sie den Gesprächsfaden wieder auf. "Fleißig nachladen und drauf halten, bis er nicht mehr aufrecht steht - bisschen wie beim Blowjob." Lässig setzt sie die Schutzbrille vom Haaransatz aufs Gesicht.
"Ich würde sagen,", wendet sie sich mit zunehmend beschlagener Sicht an Team Penis, "Team Busen ist bereit, euch die Eier zu bemalen." Schade, zu Ostern käme der Spruch klasse.

Amüsiert grinsend lässt David die Szene auf sich wirken. Geiler Zusammenwurf an Leuten. Das wäre ein Fest für jeden Psychologen.
Bewusst hatte er sich für eine kleine Gruppe entschieden, um seinen Geburtstag nachzufeiern. Wegen der Übersicht. Mit Blaze und Jack hatte er zwar nicht gerechnet, aber die beiden passen gut in die Show - zumal Pita und Pascal abgesagt haben. So ist heute von schüchtern bis Egoboost alles dabei.
Gespannt darauf, wie sie sich schlagen wird, wirft David einen neugierigen Blick zu Ellie herüber. Inzwischen ist ihm klar, dass er dazu neigt, sie zu unterschätzen. Die Tatsache, dass sie ihn immer wieder überrascht, lässt ein aufgeregtes Prickeln durch seine Glieder fahren. Was hast du dieses Mal auf Lager, Ellie Hawk? Als sie seinen Blick erwidert, weicht er nicht aus, sondern zwinkert ihr frech zu. Ein Zeichen dafür, wie cool er es findet, dass sie hier mitmacht.

Während Dennah und Vaas sich verbal austobend auf den Kampf einstimmen, wirft der Mitarbeiter verzweifelt die Hände in die Luft. Wenn die Spinner ihm bei der Wiederholung nicht zuhören, kann er auch nichts machen. Sein Job ist hiermit erledigt. Sollen die sich doch gegenseitig die Birnen zermatschen. "Na dann, ihr Kampfmaschinen." Unbeeindruckt gibt er den Zugang zum Action-Areal frei, woraufhin die Teams aufs Schlachtfeld ziehen.



Zwölf Augen kleben an der Ampel. Rot. Noch rot. Die Sekunden dehnen sich, schwer wie Blei. Die Luft flirrt vor Spannung – dann zack – grün!

Chaos bricht los. Schuhe trommeln über Beton, Farbkugeln zischen durch die Luft wie Wespen auf Koffein. Ellie wirft sich reflexartig zur Seite – ein Schuss knallt an ihr vorbei, zerplatzt an der Wand hinter ihr in einem grellen Klecks. Sie hat keine Ahnung, von wem der kam. Keine Zeit zum Nachdenken. Sie hastet hinter eine bröckelige Mauer, presst sich in den Schatten, Herz im Hals. Alles in ihr schreit: Lauf. Versteck dich. Doch eine andere Stimme flüstert: Jetzt sei kein Feigling. Mach einfach.

Ellie lugt um die Ecke – und da ist er. Blaze. Nur wenige Meter entfernt. Jetzt oder nie, denkt sie.
Langsam, immer hinter der Deckung bleibend, nähert sich Ellie ihrem Ziel. Blaze hat sie noch nicht bemerkt. Ihr Moment...
Sie springt hervor. „Nimm das!“ Und sie schießt.. Die Farbkugel trifft genau. Mitten in die Brust. „Yes!“ Ellie brüllt triumphierend, selber überrascht, wie gut ihr der Schrei tut. Roh, ungefiltert. Das sollte sie öfters mal tun... Schüchtern oder nicht, auch Ellie ist nicht vor Adrenalin gefeit. Das geht ja doch besser als gedacht!

Blaze tritt als Letzter ins Feld. Der Lärm ist gedämpft, aber das Blut rauscht ihm trotzdem in den Ohren. Irgendwas in ihm verzieht sich, sobald die Tür hinter ihm zufällt. Er blinzelt, sieht nichts Greifbares, nur Farben, und Bewegungen. Seine Muskeln spannen sich an. Alles in ihm schreit: Achtung. Halt dich klein. Beweg dich nicht. Oder renn. Scheiss drauf, renn einfach. Aber er tut weder noch. Seine Knie fühlen sich fremd an und sein Nacken kribbelt. Er hört das Echo eines Schusses, der zu nah einschlägt. Es ist Farbe, sagt er sich. Es ist nur Farbe. Aber sein Magen zieht sich trotzdem zusammen, sein Atem geht kürzer, und sein Blick springt unkontrolliert über die Hindernisse. Weil nicht die Farbe das Problem ist.
Sein linker Fuss tritt in einen Fleck, er rutscht leicht, fängt sich wieder. Das reicht, um die Panik kurz hochzuschicken. Er steht hinter einer Tonne, presst sich dagegen, hält die Waffe. Sein Herz schlägt ihm bis in die Zähne. Und während sein Kopf noch versucht, das Spiel zu begreifen sieht er einen Schatten im Augenwinkel. Dann der Aufprall.
Die Farbe läuft über seine Brust und sickert langsam in die Schutzweste. Und in diesem Moment… fällt alles ab. Die Luft die er angehalten hat, entweicht. Der Druck lässt nach. Gott sei dank...
Er hebt die Hand und... darf gehen. Im Sicherheitsbereich setzt er sich auf eine Bank, stellt die Waffe dagegen und setzt die Maske ab. Er reibt sich kurz das Gesicht. Blickt dann hoch durch die Scheibe zu den noch Spielenden. Erleichtert.

Zwischenbilanz. Während sich der Wuschelkopf weiter unterhält sowie kampfbereit macht, preschen die Gedanken umher, bewerten und kategorisieren die erlebten zwischensimslichen Interaktionen und Selbstpräsentationen der Geburtstagstruppe. Ihre Nervosität konnte Jack bisher gut überspielen, aber je näher das Match rückt, desto mehr scheint sie die Kontrolle zu verlieren. Sie hasst es, wenn sie ihre Mitsims nicht gänzlich 'greifen' kann. Besonders, wenn sie in einem Abhängigkeitsverhältnis steht. Was kann ihr Team? Welche tatsächlichen Ressourcen hat es? Sind unsicher wirkende nicht doch unerwartet am rumkrassen und voller Talent? Sind die, die aus kriegstaktischen und sich selbst Stärke reinholenden Gründen einen auf dicke Hose machen auch wirklich die, die zuverlässig und strategisch sind? Und was ist mit ihren gemeinsamen Gegnern?!? Für Jack wird diese Nummer hier nicht nur eine Fun-Veranstaltung, bei der sie neue Leute kennenlernt. Nein. Sie wird sich mit Waffen ausprobieren. Und zwar unauffällig. Das ihre Alten sich nicht an die Vereinbarung halten werden, ihr ein viertel Jahr ohne Überwachung zu gewähren, ist wahrscheinlich. Und falls es so sein sollte, ist sie einfach random unterwegs. Unauffällig.
Gerade, als sie mal wieder Gefahr läuft, sich gedanklich einzuschleifen, holt sie das laute Regelgelaber mit den aller(!)wichtigsten Sicherheitsanweisungen, welche der Instructor wiederholt, versucht in die Gehirnwindungen der Genitalien-Teams zu drücken, zurück. Hektisch überprüft sie ein letztes Mal ihre Schutzkleidung und zieht sich als vorletzten Step die Fingerhandschuhe an, bevor der finale Vorbereitungsschritt vor der Farb-Armageddon stattfindet. 2, 1, Risikooooo!, singt es in Jacks Kopf. Sie schmunzelt bei der Erinnerung an die Tanzflächenshow auf der Party. Dann bindet sie sich theatralisch ein Stirnbandtuch a la 'Rambo' als I-Tüpfelchen ihrer Einstimmungsschritte um.
Angesteckt durch die Kriegermanie von Dennah und Vaas, brüllt sie, ihre Kameradin unterstützend, in Richtung der Jungs. "Let's paint some little Klötis, giiiiirls!" Mit dem Ausruf fixiert sie absichtlich irre blickend und die Zähne bleckend (so wie sie es von Mel Gibson aus 'Lethal Weapon' abgeguckt hat), dass selbsternannte Team Penis.
Während sie nun mit ihrem Retro-TV-Attitüde-Lehrgangs-Mindsets flott die Schutzbrille anlegt, ist der Erklärbar-Heini des Veranstaltungsortes abgezogen und die anderen setzen sich - bis auf Blaze? - in Bewegung Richtung Feld. Das Adrenalin ballert, die Schutzbrille, zu schnell aber glücklicher Weise gut sitzend, löst ein unangenehmes Feeling aus und sie haben nur Dennahs Strategie in Petto! Das ist schlecht. Sehr schlecht. Auch wenn das Traubenhyazinthchen und die Ex-Bitch entschlossen und geil prollig auftreten, hat sie ein Problem mit der vorhergesehenen Ineffizienz des Einfach-draufhalten-Plans.
Als beide Teams binnen Nanosekunden bei grün losgestürzt sind, verblasst der zwanghafte Drang nach Strategie. Jack ist sofort voll drin und fügt sich ins Geschehen ein. Die Tipps und Lehrvideos, die sie sich zu dem Thema reingestellt hat, helfen dabei, trotz des ohrenbetäubenen Pumpens in ihrem Schädel, fachmännisch den Markierer mit ihrem Oberkörper in der Sicherheitsweste verschmelzen zu lassen. Die Spielzeugwaffe an den Körper gepresst, huscht sie in die letzte Deckung, die zwischen Ellie und Dennah liegt. Sie registriert trotz beschlagendem Sichtfeld, dass das von ihr klar unterschätzte Mäuschen den Soldaten ins Aus gejagt und die Dreadhead es sich scheinbar zum Ziel gesetzt hat, Vass wie zuvor verbal, nun auch mit Kugeln zu beballern und ihm gehörig den Arsch aufzureißen. Sehr gut! Dann ist ihr Ziel klar.
Dennahs Dauerbeschuss nutzend, springt sie geduckt hinter ihrer Deckung hervor und bringt sich unbeschossen zwei Schutzstände hinter sich lassend, dichter an den Geburtstagstiger heran. Ob er sie während seiner Verteidigung oder seines Angriffs auf Ellie mitgeschnitten hat?

Vaas sitzt hinter einer rostigen Tonne wie ein Soldat im Schützengraben. Die Knie angewinkelt, der Rücken krumm. Er schiebt die Paintballgun zwischen die Beine und zieht einen alten, abgegriffenen Schraubenzieher aus der Seitentasche. Immer dabei. Wie andere Leute Kondome.
"So, du kleine, Leckmichmaschine… Zeit für ein Upgrade", murmelt er, während er das Gehäuse aufschraubt. Eine der unteren Schrauben ist locker. Das Magazin sitzt wacklig. Die Dichtung ist durchgenudelt. Und der Druckabzug ein Witz. Vaas schnaubt leise durch die Nase. Er nimmt das Magazin raus, spuckt drauf, reibt die Kontaktstelle an seinem Hosenbein ab und pustet den Dreck aus der Führung. Dann zieht er ein Stück Isolierband aus seinem Stiefel – ja, auch da hat er was versteckt – und fixiert das klapprige Magazin mit zwei schnellen Umwicklungen. Schliesslich schiebt er eine kleine, flache Schraube aus dem hinteren Verschluss weiter nach vorne und überbrückt das Ventilspiel. Der Druckpunkt wandert. Die Reaktion wird kürzer. Technisch gesehen eher fragwürdig. Für Vaas aber perfekt.
"Klick-bumm, motherfucker", flüstert er. Dann testet er. Er 'rüttelt' gegen den nun loseren Abzug und zielt dabei auf die Tonne vor ihm. Klonk! Klonk! Klonk! Klonk! Massiv verstreut aber was solls. Fast schon liebevoll streicht er über den Lauf. "So will ich dich, Baby."
Vaas lehnt sich langsam aus der Deckung, sieht die Gegener vor sich. Er grinst unter der Maske.
Vaas schnauft tief ein, dann prescht er im Stand, mit einem Satz hoch auf die rostige Tonne, die Beine stemmen ihn hoch wie Stahlfedern. Die Paintballgun hält er fest, Finger am Abzug, die Augen glühen. Ohne zu zögern ballert er los – Farbkugeln zischen wie wilde Geschosse durch die Luft, treffen alles, was sich bewegt und nicht bewegt, als würde er die Welt in Farbe ertränken wollen. Und aus seinem Mund ein lautes, breit gegrinstes "RATATATATATATATATA!"

Farben platzen auf Wände, Fässer, Barrikaden, ein paar streifen Jack, einer klatscht direkt neben Ellies Kopf in die Deckung – aber nur eine trifft. Und zwar Dennah.
Die Kugel erwischt sie am Oberschenkel, ein sattes Plock, gefolgt von einem knallpinken Fleck, der sich sofort ausbreitet.
"HEADSHOT INS BEIN, BABY!" brüllt er euphorisch. „DAS WAR FÜR DICH!! TOTE PRINZESSIN!“
Bevor er laut und überdreht lacht, küsst er symbolisch zwei Finger und schickt den Gruss zu Blaze hinter der Scheibe. Dann rutscht er von der Tonne. Bereit für Runde zwei.

Voller Eifer, dafür ohne jede Vorsicht, hält Dennah das Zielrohr gerade in den Raum, der Finger am Abzug zuckt unaufhörlich, während sie hinter der Brille kaum etwas erkennt und deshalb gar nicht erst versucht, irgendetwas oder utopischerweise irgendwen zu treffen. Das ruckelnde Gefühl der Schüsse, das dumpfe Geräusch der platzenden Patronen und die immer buntere Umgebung genügen, um ihre kindliche Freude zu wecken. So registriert sie nichts von dem irren Spektakel am anderen Ende des Feldes und ist lediglich freudig überrascht, wie effektiv ihr farbenfrohes Geballer zu sein scheint, bis ein stechender Aufprall in ihren Oberschenkel beißt. "Aaauu!" An sich herunterblickend realisiert sie nur mit Mühe, dass irgendwer sie ins pinke Aus geschossen hat. Was bedeutet das? Muss sie jetzt echt gehen? Och neeeeee... Ein freches Grinsen stiehlt sich in ihr Gesicht. Na warte, du kleiner Saftsack! Das Gewehr fest in beiden Händen haltend, stürmt sie nach vorn, ohne auf umherfliegende Geschosse zu achten - im Aus ist sie ohnehin schon. Was nicht bedeutet, dass sie nicht noch ein bisschen Spaß haben kann. "GERONIMOOOOOOO!"
Hinter dem Schleier der Beschlagenheit sieht sie die Schemen eines Verrückten, der gerade von einer rostigen Tonne rutscht. Der Andere ist von ihrer Pisotion aus nicht zu sehen. Den Finger am Abzug macht sie einen letzten Satz und landet knappe zwei Meter von Vaas entfernt in Angriffsstellung. Ihr lautes glucksendes Lachen schlägt ihm fröhlich entgegen, als die erste Hülse klatschend auf seiner Pobacke zerplatzt, noch ehe er sich ihr zuwenden kann. Lachend macht sie zwei Schritte hinter die Tonne, ohne sich dahinter zu verstecken, und setzt einen weiteren Treffer direkt über seine Kniescheibe, während er wie eine Kampfmaschine auf sie zustapft und ihr seinerseits ein schmerzhaftes Geschoss an die Hüfte feuert. "Argh!" Zuckend knickt sie für einen Moment ein, richtet sich aber sogleich wieder auf und wirft ihm einen suchenden Blick zu.
Sein Gesichtstattoo, zum größten Teil von der Schutzmaske verdeckt, schimmert wie verschmierter Dreck unklar hinter dem beschlagenen Material hervor, ohne dass sie klare Konturen deuten könnte. Lediglich das herausfordernde Funkeln seiner Augen dringt zu ihr durch und entlockt ihr kindlich unschuldige Freude am Spiel. Erneut setzt sie an und feuert zwei Schüsse ab. Der erste schlägt an seinem Rippenbogen ein, der zweite streift knapp an ihm vorbei und hinterlässt einen schmalen Streifen auf der Weste. Lachend rennt Dennah los, im Kreis um ihn herum, und feuert immer wieder willkürlich in seine Richtung, so dass mindestens die Hälfte der Schüsse ihr Ziel verfehlen, doch das tut ihrem Vergnügen keinen Abbruch.

Hinter einer halbhohen Mauer hockend erfasst David die Positionen der Mitspieler. Nachdem Blaze direkt vom Feld geholt wird, weicht die Schützin zurück in den Schatten.
Vaas zu seiner linken steht unter Dauerbeschuss. Irgendwo im hinteren Eck sitzt eine Furie mit Mordsspaß im Abzugfinger oder mächtig Wut im Bauch. Den Rücken gegen die Wand gepresst, lugt David vorsichtig um die Kante. Sein Atem liegt ihm in den Ohren, doch sein Puls geht ruhig und gleichmäßig. Mit stressigen Situationen kann er gut umgehen. Hinter unklarer Sicht erkennt er eine Figur, die geduckt von einer Deckung zur anderen eilt, geradewegs auf ihn zu. Gut - sie ist bereits zu nah dran, um diejenige zu sein, die sich gerade zurückgezogen hat. Heißt, Eine in der linken Ecke, Eine hinten rechts, Eine bewegt sich auf ihn zu.
Als Vaas beginnt, wie ein Berserker alles abzuknallen, schleicht David im Schutz der Mauer zwei Schritte zum anderen Ende herüber, um seinen Platz heimlich zu verlassen. Seine auserwählte Gegnerin wird durch die umherfliegenden Farbgeschosse zur Deckung gezwungen, was ihm sehr entgegenkommt. Die Waffe schussbereit angesetzt bleibt er dicht über dem Boden, während er sich minimal aus dem Sichtschutz herausschiebt, um einen Warnschuss auf sie abzugeben. Es macht viel mehr Spaß, wenn sie ihn zumindest erahnt.
Doch seine Geste bleibt in Vaas' Kugelhagel unbemerkt.
Okay, dann eben frontal. Zielsicher huscht David hinter der Mauer hervor, um einige Meter entfernt hinter der nächsten Deckung Schutz zu finden und von dort aus hinter Jack zu gelangen. Während Vaas und Dennah unter ihrem fröhlichen Gelächter die Arena in Kunterbunt färben, macht der Größte der Truppe einen letzten Satz auf die Gegnerin zu. Mit zwei Fingern nimmt er einen kräftigen Klecks Farbe vom Boden auf, bereit ihr den Beweis ihrer Niederlage an die Kleidung zu streifen, sobald sie sich umdreht - das ist wie ein Schuss aus nächster Nähe, nur ohne den brutalen Schmerz.
Das breite Grinsen ist hinter dem Gesichtsschutz bestenfalls zu erahnen, als er den Lauf des Gewehres zwischen ihre Schulterblätter stubst. Die totbringende Hand zu einem siegessicheren Winken erhoben.

Mittlerweile hat sich Ramboline an die beschränkte Sicht durch ihre vom Atem bedampfte Schutzbrille gewöhnt. Helfen tut es nur gar nicht. Tatsächlich steigt in ihr ein ungewohntes Gefühl von Panik auf, dass sie noch nicht zuordnen kann. Jack ist so sehr damit beschäftigt, dass sie ihr geplantes Manöver vorerst abbricht und in ihrer Deckung bleibt. Fuck was ist das? Wieso wird mir schlecht? FUCKFUCKFUCK!
Klick. Die Erinnerung kommt, schlimmer... ihre Umgebung ändert sich schlagartig. Zooooomm... Pooowww! Sie ist wieder zurück. Im Arbeitszimmer ihres Vaters, mit einer von hinten an sie gehaltenen Waffe.
Jack erstarrt und hebt, beide Arme leicht zum Zeichen dafür, dass sie sich ergibt. Mit aller Kraft, die sie aufbringen kann, dreht sie sich halb über ihre linke Schulter, bevor sie sich und ihre Gun plötzlich fallen lässt. Am Boden liegend umklammert sie die Beine ihres Angreifers und reißt sie zu sich ran, dann verlagert sie ihr Gewicht nach vorne und bringt den Langen zu Fall. Mit einem Kampfschrei der Nahe an Raserei und der totalen Verzweiflung ist, stemmt sie sich auf seinen durch die Schutzweste bepanzerten Oberkörper. Eine Sekunde später bohren sich ihre Knie in seine Oberarmmuskulatur, mit aller Kraft die sie aufbringen kann. Ich werde nicht sterben, ich werde nicht sterben, ich werde nicht..., ballert es durch ihr Gehirn. Der linke Ellenbogen drückt unter die Maske, die dieses Mal ganz anders aussieht?!? Keine Zeit für Fragen, sie schnappt sich umständlich den Lauf seiner Waffe, bekommt sie irgendwie ganz zu fassen. Nachdem sie das Tötungswerkzeug an sich gerissen hat, rollt sich von ihm runter und zielt auf seine Brust, bevor sie zwei Mal abdrückt. Danach wird ihr schwarz vor Augen.

Vollkommen überrumpelt landet David auf dem Boden. Dann geht alles so schnell, dass er nicht sagen könnte, wie es dazu kam. Plötzlich rollt Jack sich ab und knallt ihm zwei Schuss aus direkter Nähe in die Brust. Der Schmerz raubt ihm für eine Sekunde die Luft, doch ein beeindrucktes Lachen kann und will er nicht unterdrücken. Was für ein mieser Move. Was für eine Power. "Okay, okay." Nach Luft schnappend hebt er die Hände resignierend. "Ich ergebe mich." Kraftvoll stellt er den stechenden Oberkörper auf. "Das werd ich bestimmt ne Woche mer-" mitten im Satz stutzt er, als sein Blick auf die Gegnerin trifft, die nicht etwa triumphiert, wie sie es müsste. Stattdessen steht sie leicht gebeugt, zart schwankend, eine Hand haltsuchend ausgestreckt. "Was ist los?", fragt er, als er eilig auf die Füße kommt. Kreislauf? Vorsichtig legt sich eine Hand auf ihr Schulterblatt, fährt beruhigend über die Kluft, bis er sie schützend umgreifen kann. "Hey, Jack. Bist du bei mir?" Absichernd wirft er einen Blick in die Arena, ehe er sie langsam vom Platz führt, zum Rand des Geschehens und sie behutsam auf eine der Bänke setzt. Dort angekommen, zieht er, vor ihr kniend, zuerst seine eigene Maske ab, widmet sich dann ihrer. "Komm, nimm das ab. Dann kannst besser atmen. Du bist hier sicher, okay?"



Nachdem die Kugeln treffen und Jacks Angreifer sich an die Brust packt, verliert sie die Kontrolle über ihren Körper. Ihre Beine fühlen sich fremd an, ihr Kopf dröhnt, ihre Gesichtsmaske - warum hat sie die auf und wieso sagt ihr Unterbewusstsein, dass das besser so bleibt?!? - ist so heftig verdunstet, dass sie fast nichts mehr erkennt. Angst und Ohnmacht lullen sie ein, als die falsche Maske sich plötzlich rettend verhält. Ihre Übelkeit hängt ihr in der Kehle wie eingefroren, die Gliedmaßen haben die Verbindung zum Hirn gekappt, sie folgen dem Fluchtinstinkt nicht. Sie kann sich nicht mal mehr aus der sanften und freundschaftlichen (??? 'Fuck... Was ist hier los? Alles ist irgendwie falsch und anders?! ...') Umarmung winden. Sie wird einfach aus dem Büro mit der schweren, überdimensionalen Tür in den dunklen Flur getragen.
Erst der Höhenunterschied von aufrechter Gang zu sitzen auf einer Holzbank lässt die verschleierte, nebelige Sicht sich anders anfühlen. Nicht mehr nach trockenem Rauchgas, sondern nach feuchtem Atem. Jack blinzelt schmerzhaft, als hätte sie es einen halben Tag lang nicht getan. Ein rationaler Gedanke flackert auf. 'Deine Augen brennen nicht. Kein Gas.' Und kein Flur! Es ist zu hell! Mit zittrigen, hektischen Fingern fummelt sie an der Maske herum, ihr Atem wieder fließender und schwer bebend. Nachdem ihr ein Verzweiflungsgeräusch entfährt, kommt ihr weißblonder Entführer wieder vorsichtig näher, und redet sanft und beruhigend auf sie ein. Seine Hände bewegen sich langsam auf ihren Kopf zu und befreien sie. Von der Maske, und von der teilweise, blitzartig wiedererlebten Vergangenheit.


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11.08.2025 17:13 (zuletzt bearbeitet: 12.10.2025 16:56)
#13
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Bestseller-Schmied

Ellie duckt sich hinter ein rostiges Fass und lugt vorsichtig hervor. Am anderen Ende des Felds sieht sie David und Jack gemeinsam Richtung Ausgang trotten. Haben die sich gegenseitig erledigt? Ernsthaft? Sie wirft einen Blick zur Seite – auch Vaas und Dennah sind längst markiert, knallbunt von Farbtreffern. Aber offenbar ist denen das völlig egal: Sie feuern immer noch wie besessen aufeinander.
Ellie schnaubt leise. Was soll sie tun? Vaas ablenken? Wird kaum etwas nutzen, so fokussiert wie er ist. Soll sie einen eigenen Angriff wagen? Na gut. Sie hebt den Blaster, visiert an, doch sie zögert. Wenn sie jetzt schießt, dann weiß er wo sie steckt. „Nicht jetzt die Nerven verlieren, Ellie. Du kannst das.“ Sie atmet tief durch, mustert die Kontrahenten aus der Ferne. Schließlich wagt sie sich vor und drückt ab. Der Schuss zischt vorbei, trifft nur Luft. „Mist! Ich dachte, ich wär besser.“ Vielleicht war Blaze doch nur Glück gewesen. Sie beißt die Zähne zusammen. Aber es ist ja immerhin auch ihr erstes Mal Paintball.

Vaas hockt hinter der Deckung, seine Maske tropft Farbe. Die Waffe warm, seine Handflächen klebrig, das Herz hämmert. Aber nicht wegen Angst. Das hier ist Gold. Dennah rennt irgendwo links im Zickzack, quietscht vor Lachen wie ein durchgeknallter Kindergeburtstag, Ellie zielt wie ein Blinder und Jack liegt rausgetragen. David hinterher. Vaas sieht das alles. Speichert es.
„Okay“, murmelt er, „alle Puppen sind umgefallen, nur Bambi kackt sich noch nicht ein. Und Barbie-Rambo da drüben denkt, sie ist unsterblich. Zeit für den Endgegner.“
Er springt aus der Deckung, aber diesmal nicht schreiend, sondern völlig ohne Waffe – die lässt er provokant hinter der Tonne zurück. Mit offenen Armen geht er auf Dennah zu, die ihn gerade entdeckt und schon wieder den Abzug spannt.
„B- DENNAH!“ ruft er mit theatralischem Schmerz in der Stimme. „Wir… wir hatten was. Farbe! Gewalt! Und jetzt… willst du mich KALT MACHEN?!“
Er wirft sich auf die Knie. Öffnet die Arme. Er sieht kaum was.
„Wenn du schiesst, dann tu es JETZT. Gib mir den Tod, den ich verdiene! Direkt zwischen die Rippen oder in die Eier, ich bin flexibel!“

Einen Moment zögert sie. Das Gewehr in beiden Händen haltend, wandert ihr Blick über Vaas' opferbereiten Körper. Warum tut er das? Ist das ein Trick? Oder steht er auf den Schmerz, wenn er getroffen wird? Würde zu ihm passen. So ein SM-Gehabe.
Dennah hebt die Waffe an und spürt das Lächeln in ihrem Gesicht. Eigentlich ist er ein guter Kerl. Er verdient es, farbenfroh unterzugehen. Wenn es ihn glücklich macht, wird sie ihm sämtliches Gefühl aus dem Leib ballern.
Aus etwas weniger als zwei Meter Entfernung zielt sie und drückt ohne Zögern ab. Einmal in die Schulter, ein zweites in der Nähe des Herzens, der dritte Schuss trifft knapp darunter, ein vierter in die linke Leiste. Sie pausiert, betrachtet ihr Werk. Etwas fehlt noch. Hinter der Maske sucht sie nach seinen Augen. Doch da ist nichts zu erkennen. Nur unterhalb des Plastiks, wo das Tattoo am Hals hervorlugt, um daran zu erinnern, dass hinter dem Schutz diese fiese Fratze verborgen sitzt. Diese hässliche Grimasse wie ein Überbleibsel aus einem schlechten Trip. Die ihr so oft ein gruseliges Gefühl unter die Haut getrieben hat. Und plötzlich weiß sie, was sie tun muss.
Der Schuss trifft genau an die Stirn. Ein pinker Rinnsal läuft dickflüssig in der Mitte der Maske herunter.
Klangvoll, wie nach dem letzten Handgriff einer anstrengenden, aber befriedigenden Arbeit, lässt sie die Schultern sinken. Die Waffe schleift auf dem Boden hinter ihr her, als sie zufrieden das Spielfeld verlässt.

Er kniet da, bereit für sein Märtyrertum. Sie soll glauben, er ergibt sich. Dabei hat er schon die Schritte im Kopf. Eine Bewegung und sie wär aus dem Gleichgewicht und ihre Waffe sein. Aber sie hebt die Waffe. Und sie zögert nicht.
Der erste Schuss – linke Schulter. Autsch.
Zweiter – Brust. Ja, Baby, so ungefähr fühlt sich Liebe an.
Dritter – Seite. Unnötig. Aber okay.
Vierter – Leiste. Uncool. Echt jetzt. Das war mein Lieblingsbein.
Er schwankt leicht, bleibt stehen. Tut so, als wär das Teil des Plans. Innerlich schreien die blauen Flecken.
Dann hebt sie nochmal die Waffe.
Sie zielt. Zögert kurz. Und ballert ihm das pinke Finale mitten auf die Stirn.
Farbe läuft langsam über die Maske. Vaas grinst.
Holy shit, denkt er. Er steht noch einen Moment da, dann lässt er sich mit einem tiefen, pathetischen „Uff.“ gegen die Tonne sinken. Dramatisch natürlich. Und ein bisschen absichtlich.
Die Farbe tropft von seinem Kinn. Er lacht, hebt einen Finger und zeichnet mit dem Farbschleim ein kleines Herz auf seine Weste.
„Note to self: Niemals mit Dennah zocken, wenn sie lacht wie ein Serienkiller.“

Blaze sitzt im Sicherheitsbereich auf der Bank. Ein oder zwei Meter vor ihm ist die Plexiglasscheibe, durch die man den Spielbereich betrachten kann. Sie ist leicht schmutzig, hat Risse, aber er sieht sie sowieso nicht. Seine Hände sind tief zwischen den Knien ineinander verschränkt und sein Bein wippt leicht. Sein Blick ist verschwommen. Er sieht nur die Schatten hinter dem Glas, die herumwirbeln. Dennah. Er hört ihre Stimme, aber sie ist weit weg, und er weiss nicht genau, ob ihn das beruhigt oder be-un-ruhigt.
Er wünschte, er könnte Spass an diesem Spiel haben. Und er will sich zusammenreissen. Aber es ist unbegreiflich, warum das nicht geht. Eine nicht fassbare Blockade zwingt seine Mundwinkel nach unten, obwohl er vor nicht mal einem Jahr zu hundertneunzig Prozent richtig abgegangen wäre auf diesem Schlachtfeld. Sorglos. Ohne diesen – keine Ahnung – erwachsenen Scheiss.
Er hat sich in letzter Zeit oft erwachsen gefühlt. Weil er nicht mehr in der Nähe seines Vaters ist. Weil er von seinem eigenen Geld leben muss. Weil er kein Haus hat, in das er zurückkehren kann. Selbst die Vorstellung, dass er bald in eine Wohnung in Tartosa zieht, fühlt sich viel erwachsener an, als er sich eigentlich fühlt. Und dass er jetzt Delsyn im Camp helfen wird, so als... Job. Das ist noch absurder.
BAMM!!
Erschrocken zuckt Blaze zusammen. Eine Kugel zerplatzt direkt vor ihm am Glas und er blinzelt. Der Schreck zieht sich jedoch schnell zurück, als er erkennt, wo er ist. Er sieht Dennah ausgelassen, fröhlich herumballern und würde alles, alles, alles geben, um mit ihr so zu lachen. Aber er sieht den direkten Vergleich zu sich von früher – kontrolliert, leichtsinnig, ein Fick auf alles gebend – zu heute – angespannt, sorgenvoll und verdammt noch mal begreifend, was es heisst, auf sich allein gestellt zu sein und für jeden Scheiss selber grade stehen zu müssen. Keine Möglichkeit mehr, alles wegzulachen oder sich von seinem Vater rauskaufen zu lassen, was ja irgendwie dessen Form von „den Rücken stärken“ war. Auch wenns zu wenig war.
Blaze fühlt sich null vorbereitet auf das Leben und hat das Gefühl, so ziemlich bei jeder Abzweigung falsch entschieden zu haben. Nichts ist geblieben. Oder er erinnert sich nicht. Und so zieht ihn plötzlich diese Spirale immer tiefer... Fast.
David und Jack unterbrechen ihn, als sie rauskommen, und er hebt den Kopf. Irgendwas scheint nicht zu stimmen. Direkt versucht er, eine Lösung für ein noch nicht erkanntes Problem zu finden, aber alles, was er sieht, ist ein Schuss in den Kopf, Blut aus einer zerfetzten Wangen-Nasen-Partie und ein Körper der noch nicht ganz tot ist als er auf dem Boden aufschlägt. Nichts was man retten könnte.
„Was ist passiert?“, fragt er, die Maske aufrechterhaltend, vorsichtig nach.

"Keine Ahnung," sieht David kurz zu Blaze auf, "sie ist einfach zusammengeklappt." Prüfend tastet sein wacher Blick die Spielkontrahentin ab. Ihr Brustkorb hebt und senkt sich schwerfällig, ihre Pupillen sind riesig, ihre Hände zittern. Das ist nicht der Kreislauf. Es ist eine Panikattacke. Was hat das ausgelöst? "Reich mir mal das Wasser." Blaze den Arm entgegengestreckt deutet eine Kopfbewegung in die Ecke, in der eine große Sportflasche auf ihren Einsatz wartet. War ich das? Es begann, als er sich ihr von hinten näherte. Vielleicht wurde sie mal überfallen.
"Hey, Jack. Es ist alles gut. Du bist unter Freunden." Blaze ein dankendes Nicken schenkend, als der die Flasche neben Jack abstellt, zieht er ihr die Handschuhe aus, legt ihre Hand in seine und beginnt, mit dem Daumen sanft die Finger zu massieren. Sinneseindrücke schaffen. "Atme ruhig durch die Nase ein, ganz tief, und durch den Mund aus. Wir machen das zusammen." Wie zum Beweis seiner Worte, atmet er tief ein, zählt dabei langsam und gerade laut genug, dass sie es hören kann, bis fünf, während er ihren Blick sucht und zuversichtlich lächelt, als sie ihn zu fokussieren scheint. "Sehr gut.", nickt er. "Das machst du großartig. Noch mal. Ein ... eins, zwei, drei, vier, fünf." Sie folgt seiner Anleitung, ihr Blick wird klarer, ihr Gesicht bekommt langsam wieder rosige Farbe. "... und aus. Eins, zwei, drei, vier, fünf. Sehr gut." Mit ruhigen Bewegungen greift er zur Flasche, öffnet sie und drückt sie in ihre Hand. "Trink einen Schluck Wasser, das wird dir gut tun. Nicht wundern,", sein Lächeln wird unmerklich breiter, "das ist mit Traubenzucker gesüßt. Das gibt dir einen kleinen Boost."

Am Spielfeldrand angekommen, löst Dennah die Riemen ihrer Gesichtsmaske. Wegen der massigen Haarpracht war kein Helm zu finden, der ihr passte, und so hatte das Personal ein einzelnes Visier aufgetrieben, um wenigstens das Gesicht der Kundin zu schützen.
Ein erleichtertes Aufatmen löst sich aus ihrer Brust, als sie die Luft ungefiltert auf der Haut spürt. Tut das gut. Dann trifft ihr Blick auf Blaze. Und sie lächelt. Wie er da steht, beherrscht, kontrolliert, voller Muskelspannung. Diese Macker-Masche macht ihn so wahnsinnig sexy. Bilder durchfluten ihre Gedanken. Wie sich sein Gesicht verändert, wenn es ihr gelingt, ihn von diesem Zwang zu lösen. Seine Mauer zu durchbrechen und ihn in eine Welt voller Wärme und Weichheit zu entführen. Wenn er die Coolness fallen lässt und sich dieses unwillige Lächeln über seine Mimik legt, beinahe, als könne er selbst nicht glauben, dass ihn Freude erfüllt.
Lachend hüpft sie auf ihn zu, stürzt sich schwungvoll in seine Arme, so dass er keine andere Wahl hat, als sie zu empfangen. Als hätte sie ihn Monate nicht gesehen, schmiegt sie sich an ihn, ihre Arme umschließen seinen kräftigen Nacken, in der selben Sekunde, in der ihre Lippen sich auf seine legen, um ihn lange und leidenschaftlich zu küssen, während sich ihr Leib an ihn presst. Widerwillig löst sie sich, um mit den Lippen seine Wange entlang zu tasten, bis zum Unterkiefer, wo sie sanft in seine Haut beißt. "Hast du mich vermisst?", haucht sie dicht an seinem Ohr, entfernt sich dann einige Zentimeter, um seinen Blick zu suchen.
Geschmeidig wendet sie sich herum, darauf bedacht, dass er dabei ihren Körper spürt, und betrachtet David, der noch immer vor Jack hockt. "Was ist mit Jane?", fragt sie mit der unverfänglichen Neugierde eines Kindes.

Ellie reißt sich den Helm vom Kopf, die Haare feucht vom Schweiß, und stapft mit einem breiten Grinsen zu den anderen. „Na, das lief doch besser als gedacht für Team Busen“, verkündet sie lachend und lässt sich neben ihre Mitspieler fallen. Sie ist stolz darauf, nie selbst getroffen worden zu sein. Doch das Lächeln gefriert ihr im Gesicht, als ihr Blick auf Jack fällt.
Die aufkeimende Euphorie verpufft, als hätte jemand die Luft aus ihr rausgelassen. Ihr Kommentar sticht schmerzhaft und das schlechte Gewissen macht sich breit.
Bin ich wirklich so blind? Warum ist es ihr nicht früher aufgefallen? Aber ihrer Teamkollegin geht es wirklich nicht gut, das sieht man ihr an. Ein Trauma, das ausgelöst wurde?
„Und ich Idiot denke noch, ihr geht gleichzeitig raus weil ihr euch gegenseitig abgeschossen habt.“, murmelt sie, den Kopf peinlich berührt gesenkt, „Tut mir leid.“
Sie hatte die Szene nur am Rande mitbekommen, von ihrer Position aus war nichts genau zu erkennen gewesen. Aber jetzt, aus der Nähe, wird ihr klar: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Vor allem, weil sie an Jack keine einzige Farbspur entdecken kann.

IHR Name fällt, 'alles gut' und 'unter Freunden'. Jack kann nicht reagieren, es ist, als würde ein Elefant auf ihrer Brust sitzen. Atmen gelingt ihr nur spärlich. Das freundlich helle Gesicht vor ihr sendet zu seinem in Kampfmontur verpackten Körper in Kontrast stehende Signale. Oder doch nicht? Sie bekommt Hilfe?!?? Sie wird nicht weiter angegriffen, aus dem Raum gezerrt, oder... einfach von Angehörigen zurück gelassen? Was??? Sie keucht kurz und scharf auf, dass ihr Handschuhe entfernt werden (wieso trägt sie welche?) merkt sie erst, als Luft über ihre Haut streicht und andere, große warme Hände beginnen, beruhigend sowie belebend ihre Finger zu massieren. Rambo blinzelt. Einmal, zweimal, dreimal. Die dunklen Umgebungsfarben des Elterndomizils im 2. Stock werden heller, klären sich, ein anderer Ort arbeitet sich quälend durch. Ihr Gegenüber... Ja! Irgendwie bekannt! 'Keine Gefahr.' Sie versucht ihn zuzuordnen, hört seine Stimme, die sie einlädt mitzuatmen.
Das Wort 'Zusammen' erhascht ihr Bewusstsein, David's (!) Gesicht bekommt schärfere Konturen, sie kämpft darum, seine Züge deutlicher und präsenter wahrzunehmen, den letzten Rest ihrer Albtraumreise in die Vergangenheit wegzuschieben, da sie sich noch nicht ganz aufgelöst haben - die Gerüche von dem damaligen Fremdschweiß, dem Zigarrendampf des Büros... 'Mitatmen, Mädchen! ...drei, vier, fünf... und aus. Eins, zwei, drei...' Noch ehe Jack aufhört übers Zählen nachzudenken, hat sie eine Trinkflasche in der rechten Hand. Tröstliche Süße und erlösendes Wasser benetzt ihre Lippen und Sinne. Zittrig und gierig trinkt sie erst in kleinen, dann in großen Schlucken. Während sie die Flasche leert, sieht sie Im Augenwinkel Blaze und Dennah aufploppen und Ellie ankommen. Das Gesicht vom Traubenhyazinthchen und ihre Worte sind gezeichnet von... Schlechtem Gewissen? - Echt jetzt? Das ist doch Schwachsinn! Jack setzt mit einem zutiefst erschöpften Geräusch die Flasche ab, gibt sie mit einem dankbaren "Sorry, is alle." an ihn zurück. Die Blicke der anderen sind beinahe unerträglich. Sie ist Kein Opfer! 'DOCH, BIST DU. UND ZWAR SOWAS VON!', keift ihr Unterbewusstsein rein. Tränen arbeiten sich hoch. Nicht das auch noch! Sie hat das letzte Mal vor knapp zehn Jahren geheult. 'NICHT JETZT, JACK!' Um sich halbwegs unter Kontrolle zu halten, lässt sie ihre Augen geschlossen, als sie Ellie antwortet, "Dir muss gar nix leid tun. Ich hatte... hatte... ein Irgendwas, dass ist nicht eure Sache. Ich muss damit klar kommen. 'Allein.' Ihr seid hier... und seid echt, dass ist schon mal was." Bitter lacht sie auf, hebt den Blick und lässt es, bei all diesen beschissen mitfühlenden Gesichtern einfach zu. Sie kann nicht mehr. Tränen kommen. Einfach so. Ohne jemanden anzugucken, sagt sie, was sie denkt. "Es ist scheiße und schön das ihr da seid, fürchte ich." Glasig wandern ihre Augen Flucht suchend in den Himmel.



Dennahs Wärme, das Gewicht. Sie knallt in seine Arme, wie ein Geschoss. Blaze' Reflexe übernehmen. Er fängt sie und hält sie fest. Ihr Geruch drängt sich in seine Nase und dann dieser Kuss. Tief und lang. Er erdet ihn sofort. Seine Finger graben sich automatisch in ihren Rücken, fest genug, um zu spüren, dass er nicht mehr in alten Erinnerungen herumschwebt.
Als sie sich löst, sind ihre Zähne an seinem Kiefer. Kurz hält er den Atem. Und er muss unwillkürlich lächeln als sie ihm die Frage stellt.
Sie dreht sich, streift dabei seinen Körper. Sie redet über Jack, und er schaut rüber.
Bevor jemand etwas sagen kann stapft Vaas rein wie eine wandelnde Farbbombe. Die Brust voller pinker Treffer, Haare nass vom Schweiß, das Grinsen schief. Die Maske hängt um den Hals, er reißt sie runter, schmeisst sie in die Ecke und mustert die Runde.
Jack. Auf der Bank. Kopf gesenkt, Haut fahl, Augen… Scheisse... Glasig. David hockt daneben, macht auf Lebensretter. Blaze steht still und Dennah klebt an ihm wie ein Deko-Aufkleber. Bambi steht Jack mit Abstand gegenüber und schaut auf sie. Oder hat geschaut. Jetzt schauen alle zu Vaas.
Dieser bleibt stehen. „Okay? Stopp, stopp, stopp! Wer hat hier die Musik ausgemacht?! Warum guckt ihr alle, als hätte jemand euren Hund gefickt?!“
Er geht zwei Schritte rein, knallt sich zwischen Jack und David auf die Bank. Dabei schmiert er die noch feuchte pinke Farbe auf seine direkte Umgebung.
„Yo, Davey-Boy. Was ist los?“ Er lacht. Schiebt den Ellbogen gegen Davids Seite, als wollte er ihn aus der Komfortzone brechen.
„Bist du der Grund, warum sie hier so sitzt?? Hast du Mist gebaut? Sag ehrlich. Ich hau dich auch nicht. Vielleicht.“
Stille. Vaas hasst Stille.
Er dreht sich abrupt zu Jack. Ihr Gesichtsausdruck ist.. echt. Nicht, dass er ihr Theater unterstellen würde. Aber das ... ist... nicht... gut.
Er springt auf und streckt die Arme aus.
„Maann!! Alle gucken wie Witwen, Alter! Soll ich n Stripper holen? Soll ich SELBST strippen? Ich schwör, ich hab Skills!“
Er dreht sich. Keiner lacht. Also dreht er den Pegel hoch. „Hey, Lady-Boss, willstn Shot? Oder zwei? Oder zehn?“
Blaze spürt Dennah an seiner Seite und alles in ihm schreit: Lass es so. Aber Vaas läuft quer durch den Raum wie ein Sturm, reißt die Energie aus der Luft, schmeisst sich neben Jack, labert mit dieser Gift-und-Witz-Mischung rum, die Blaze kennt. Zu gut kennt.
„Gib ihr doch mal ne Minute, Mann.“ sagt er und bereut es sofort als Vaas Kopf sich zu ihm dreht.
„Wie bitte?“ Er dreht sich ganz zu Blaze.
Der bleibt reglos, denkt kurz ob er sich wiederholen soll. Es erinnert ihn aber zu sehr an irgend eine uralte Situation auf dem Skateplatz. Also sagt er: „Ob du behindert bist, hab ich gefragt...“
Die Worte sind trocken, direkt und Blaze verzieht keine Miene.
Vaas lacht laut. „OHHH! Holy shit, Prinzessin! Ich liebe das! Du hast echt gesagt, was ich-“
Er bricht ab.
Vaas kommt rüber. Breit. Lautlos jetzt. Unberechenbar. Dennah drückt sich dichter. Er spürt sie. Seine Hände lösen sich von ihr, wandern automatisch und schiebt sie hinter sich. Schutz, ohne drüber nachzudenken.
Vaas bleibt nicht stehen. Geht weiter. Sieht Blaze Schutzmassnahme und denkt sich ein so irritiertes 'Was zum Fick, übertreib.' dass er den Gesichtsausdruck fast dem Gedanken anpasst. Aber irgendwas in Vaas knallt durch. Ganz leise.
„Ahhh, verstehe.“ Seine Stimme weich. Noch ein Schritt. Jetzt ist er nah vor Blaze und spürt den Strom zwischen ihnen.
Er sieht auf Blaze’ Hand. Wie sie Dennah sichert. Hebt den Blick. Und irgendwas in ihm wird still. Sein Grinsen ist weg. Nur ein leichtes Zucken der Mundwinkel, mehr Schmerz als Spass. Er tippt sich mit den Farbfingern gegen die Brust. Einmal.
„Das tut echt weh, Prinzessin. Hier drin. Du kleiner Miesepeter...“
Vaas sieht Blaze an. Lange.... Blaze kann nicht lesen was in seinem Gesicht vorgeht. Er wirkt nachdenklich? Prüfend?
Vaas Kopf kippt leicht, als wäre der angefangene Gedanke langweilig oder überflüssig geworden. Oder er hat entschieden, dass Blaze es nicht Wert ist zu sagen was er denkt.
Blaze starrt ihn an, kann absolut nicht einschätzen was jetzt kommt.
„Weisst du, was dir fehlt?“ fragt Vaas, freundlich. Sein Grinsen platzt zurück und wirkt ehrlich vergnügt.
„Ein Lächeln, Mann!“
Er hebt die Hand mit den pinken Fingern.
„Ich mal dir eins, okay?“
Die Finger erreichen Blaze nicht. Denn dieser schlägt zu wie ein Schalter. Wie ers gelernt hat. Militärisch. Ohne Warnung. Seine Hand schnappt Vaas Arm, dreht ihn brutal runter. Gelenke knacken. Ein Ruck nach oben.
Vass macht einen Ausfallschritt, hängt nach vorn gebeugt in der Falle.
„Fuck... Junge.“
Er lacht rau. Vielleicht etwas irre.
„Ich hätte wetten sollen. Ich wusste das kommt.“
Sekunden vergehen. Blaze hält ihn. Zunehmend wird er unsicher über seine Reaktion, die nur ein Reflex war. Weil er geladen ist, von der ganzen Situation und weil er es nicht erträgt, wenn ihm ein Wichser wie Vaas ins Gesicht fasst. Blaze lässt los. Vaas stolpert zwei Schritte und richtet sich auf. Streckt sich. Grinst weiter.
Blaze schüttelt den Kopf, ein stummes 'Fick dich' auf den Lippen.

Dennahs Mimik ändert sich schlagartig, als Vaas hereinprescht und seine Maske in die Ecke feuert. Mit aufgerissenen Augen verfolgt sie jede seiner Bewegungen - bis er auf sie zukommt. Ohne es zu registrieren, krallen sich ihre Finger in den Stoff von Blaze Schutzkleidung, während sie sich Zentimeter um Zentimeter hinter seinen Rücken schiebt, der angsterfüllte Blick flimmernd über Blaze' Schulter auf den Irren gerichtet. Erst als Vaas die Hand erhebt, zieht Dennah den Kopf schützend zwischen die Schultern, die Augen zugekniffen, zuckt ihr Körper zusammen, als Blaze' Reaktion wie aus dem Nichts nach vorn schießt. Den Oberkörper zusammengekrümmt, heben sich ihre Arme zu einer angedeuteten Abwehrhaltung - jeden Moment darauf gefasst, sich von dem Angreifer los reißen zu müssen.
Doch der erwartete Griff um den Unterarm bleibt aus. Endlose Sekunden vergehen, bis der Schmerzenslaut aus Vaas' Kehle zu ihr durchdringt und sie zaghaft aus einem halb geöffneten Auge die Szene erfasst. Blaze hat ihn fest im Griff.
Dennahs Geist lässt die Anspannung los, ehe es ihr Körper tut und öffnet die Schleusen für ein Gefühlschaos, das ihr den Hals zuschnürt.
Durch einen Tränenschleier blinzelnd, betrachtet sie Blaze - ihren Freund - wie ein Standbild. Sein Bizeps spannt unter der festen Kleidung, der Nacken wirkt hart wie Stein. Er ist kaum größer als sie selbst und dabei so unglaublich stark. Er kann tun, wozu André nie in der Lage war - er kann sie beschützen. Solange Blaze an ihrer Seite ist, wird ihr niemand Leid zufügen. Ihn so zu sehen, treibt ihr Hitze in den Bauch, von wo sie sich ausbreitet in Richtung Brust, bis in den Kopf hinein, gleichzeitig strömt sie wellenartig tief in den Unterleib und endet in einem kurzen, intensiven Glühen. Dennahs Herz setzt einen Schlag aus. Sie muss dafür sorgen, dass er sie nicht verlässt. Niemals.

"Jungs! Chillt mal." David richtet sich auf, ernst zwischen Vaas und Blaze hin und her schauend. "Blaze bricht bitte niemandem die Knochen und Vaas hört auf zu provozieren. Wir machen keine Sprüche über Behinderte und du ..." Er geht auf Vaas zu, bleibt unmittelbar vor ihm stehen und schaut zu ihm herunter. "Ich liebe dich, wie einen entgleisten Bruder, aber ich will nie wieder einen Witz über Sodomie hören. Auch nicht von dem König des Bullshits." In seinen hellen Augen blitzt etwas Bedrohliches auf, das jeden Irrtum, er könnte seine Worte nicht ernst meinen, ausräumt. "Sonst brech ich dir die Knochen." Zwei endlose Sekunden hält er den starren Blick in Vaas Augen. Dann nickt er, seine Stirn fragend in Falten gelegt, und klopft ihm kameradschaftlich mit der flachen Hand auf den Oberarm. "Danke sehr.", ertönt seine Stimme in gewohnter Freundlichkeit, ehe er sich abwendet und neben der inzwischen etwas weniger zerstörten Jack auf der Bank Platz nimmt.
"Also,", sendet er themenwechselnd ein entspanntes Lächeln durch die Runde, verharrt bei Ellie, als stummes Zeichen, dass alles in Ordnung ist. "Team Busen hat nachweislich gewonnen. Ich gratuliere ergebenst, die Damen. Ihr habt uns die Hintern versohlt." Prüfend schweift sein Blick über die teils angespannten Gesichter, ehe er fortfährt: "Ich schätze, eine Revanche fällt aus. Darum schlage ich vor, wir ziehen uns um und wer Lust und Appetit hat, darf sich von mir zu einer Stärkung eingeladen fühlen. Mein Erspartes ist zwar bescheiden, aber für eine Imbissbude dürfte es reichen."

Ellie steht abseits, der Helm noch in der Hand, ihre Finger umklammern den Griff. Ihr Blick ruht kurz auf Jack – dann auf David, dann auf Blaze, Dannah, Vaas. Die ganze Szene wirkt, als wäre sie aus einem anderen Film. Es reicht ihr so langsam. Sie haben Paintball gespielt, und ihr Team hat gewonnen. Sie hat jetzt keine Lust mehr auf Kindergarten. Sie möchte ihren Sieg feiern. Sie nimmt all ihren Mut zusammen: „Ruhe jetzt!“
Sie verschränkt die Arme, sammelt sich, bevor sie fortfährt: „Ich wollte eigentlich einfach nur Paintball spielen. Stattdessen krieg ich Männerdrama deluxe, und Reviergehabe auf Testosteron-Basis gratis obendrauf.“ Sie schiebt sich zwischen die Beiden. „Jetzt reißt euch zusammen. Oder ich fang an, über Gefühle zu reden. Eure.“ Sie schnaubt. „Ist doch wahr. Es ist eindeutig, dass es Jack nicht gut geht, und euch fällt nichts besseres ein als euch gegenseitig zu provozieren.“ Fast überrascht über ihren eigenen Mut dreht sie sich zu den David um. „Du hast Recht, wir sollten hier raus. Was Trinken gehen klingt gut. Ich nehme die Einladung gerne an.“ Mit einem leichten Schmunzeln fügt sie noch hinzu: „Und wir müssen 'Team Busen' unbedingt noch in die Hall of Fame eintragen.“

"Danke Ellie, es geht wieder und ich bin auch absolut für Imbiss, Getränke und Hall of fame... eine Runde geht auf mich, David.", richtet Jack ans ehemalige Geburtstagskind, um sich dann wackelig neben Vaas zu bringen. Unterstützend berührt sie ihn zwischen den Schulterblättern. Jack schiebt sich etwas um ihn herum und somit zwischen ihn und die anderen, nichtsitzenden. An ihn gewandt, aber für alle vernehmbar, murmelt sie: "Ich dank dir für deinen stimmungsverändernden Einsatz - das war erlösend, wirklich!" Dann nimmt sie vorsichtig sein Handgelenk, streicht sachte über den Bereich seiner Daumenwurzel. Dabei schaut ihn so direkt an, dass er ihren Blick annehmen muss. "Du darfst MIR gerne ein Lachen zurück ins Gesicht geben. Aber dann wie der Joker, bitte." Mit einem Schmalspurgrinsen, dass deutlich wieder mehr zu ihr passt, wendet sie sich nach ein paar Sekunden an Blaze. "Ich hab keine Ahnung was ihr da miteinander für ein Ding zu laufen habt," stellt sie in den Raum, zwischen den beiden prüfend hin und her schauend, "es geht mich auch nichts an." Nun ist das Grinsen verschwunden. "Aber! Und das möchte ich klarstellen, bevor wir - Dank Ellie - bitteschön Team Busen feiern: Vaas würde niemals gewalttätig gegenüber deiner oder einer anderen Frau werden." Sie mustert den noch immer Angespannten, dann Dennah. "Egal was das war oder ist." Jacks Stimme wird kräftiger, bleibt aber freundlich. "Er ist irre, ja, aber das, was ihr angedeutet habt, ist ne andere Hausnummer. Und die passt definitiv nicht." Dann nimmt sie die farbigen Finger seiner genommenen Hand und legt sie an ihre rechte Wange, ihr Kopf ruckt auffordern und zwinkert ihm zu. "Joker timeeeeee, Baby. Und dann gerne die Shots."

Was zur Hölle geht hier gerade ab? Jack hat fast geweint. Und Blaze hat verdammt nochmal reagiert, weil Vaas eben Vaas ist. Eine Welle Ekel kriecht ihm den Hals hoch. Und der Dank gehört Ellie!?
Und dann auch noch David. Nicht das Blaze nicht schon kennengelernt hätte wie der tickt, aber was glaubt der, wen er vor sich hat? Blaze braucht keine verdammte Anleitung, wie er sich benehmen soll.
Sein Blick gleitet zu Dennah. Sie wirkt noch immer kleiner als sonst, eingeschüchtert von diesem Idioten. Und Jack bedankt sich auch bei Vaas!? Hat die Lack gesoffen? Sieht die denn überhaupt nicht, wie Dennah fast im Beton verschwunden wäre, nur weil Vaas wieder seine Grenzen neu auslotet? Vielleicht fasst er keine Frauen an. Aber Kerle. Warum auch immer. Ungefähr dreimal täglich. Was spricht dagegen sich zu verteidigen wenn er voraussieht was passiert? Aber hey, was weiss Blaze schon – er hat ja nur wochenlang mit diesem Grenzidioten in einem Haus gelebt. Sein Puls hämmert heiss in seinen Schläfen. Er atmet langsam aus, versucht irgendwie diesen Druck aus seinem Brustkorb zu kriegen. Die Luft ist hier drin zu dick. Jeder Satz, jedes Gesicht, jedes Wort: zum Kotzen. Mit einer Bewegung dreht er sich ganz zu Dennah um – ihre Augen treffen sich. Erde mich, denkt er nur, ganz kurz. Er senkt den Kopf, seine Lippen finden ihre, sanft. Leise murmelt er gegen ihren Mund: „Ich würd jetzt lieber abhauen...“ Als sie nickt, greift er ihre Hand, zieht sie mit sich, dreht sich nicht mal mehr um, während er Richtung Ausgang geht.
„Feiert mal schön“, sagt er in die Luft, ohne die Gesichter anzusehen. „Wir sind raus.“

Was zum Fick, Blaze? Mach aus ihr keine verdammte Porzellanpuppe.
Vaas’ Kiefer mahlt einmal, bevor er das Grinsen zurückzwingt. Lauter Pegel, lauter, lauter. Immer lauter, bevor einer was merkt. „Ohhh, guckt euch das an! Happy End! Prinzessin rettet seine Dread-Queen aus den Klauen des Bösewichts. Fucking romantisch. Ich heul gleich.“
Er ruft ihnen nach, die Hände trichterförmig vor dem Mund: „Sie hat mir vorhin in die Eier geschossen, Mann! Pass gut auf!“
Ein kurzes Lachen. Dann ist es weg. Sein Blick wandert zu Jack. Direkt neben ihm. Sie hat seine Hand genommen und ihre Wange dagegengelegt. Seltsamer Moment. Schnell zieht er sie einfach ran, den Arm wie bei einem Kumpel um ihre Schultern gelegt. Mit der anderen Hand malt er ihr das pinke Grinsen auf die Wange. Rechts und Links an den Mundwinkeln hoch. Krumm, breit und frech.
„Das schlabber ich dir später wieder runter“, raunt er, dicht an ihrem Ohr. „Kannste drauf wetten.“
Er grinst noch einen Moment, dann löst er sich. Schnell. Irgendwas ist schräg. Irgendwas was keinen Namen hat und das ihm auf den Sack geht..
Also reisst er den Blick zu David, der ihn mustert wie ein Schulpsychologe. „Davey-Boy. Big Daddy Energy. Ich liebe das. Aber hör mal –“ Vaas geht zwei Schritte näher, fingert nach Davids Schulter und klopft dreimal, fester als nötig. „Wenn du mir nochmal drohst, bring ich dir das Tanzen bei. Mit nem Baseballschläger. Deal?“
Ein kurzes Blitzen in den Augen, dann ein breites, sonniges Grinsen, als wärs nie ernst gemeint gewesen.
„So! Jetzt trinken wir. Oder wir boxen. Oder wir boxen beim Trinken. Oder wir strippen alle. Ich fang an!“
Er greift an seinen Hosenbund, zieht ihn dramatisch ein Stück runter – gerade genug, um Unterwäsche blitzen zu lassen – und johlt wie ein Berserker:
„WOOOO! PAINTBALL IST VORBEI, IHR FICKTROMPETEN – JETZT KOMMT DIE AFTERSHOW!“
Vaas stapft voran, reisst die Tür zum Vorraum auf und lässt sie gegen die Wand krachen. Seine Stiefel knallen über den Boden. Die Schutzweste zieht er im Gehen auf, lässt sie ohne Blick zurück fallen. Darunter wie zuvor, nichts ausser nackte Haut, bemalt mit krummen Filzstift-Linien, Spiralen, Symbolen, die keinen Sinn machen. Dann dreht er abrupt den Kopf zu Ellie, die leicht hinter ihm läuft. „Ey, Bambi! Glaub nicht, ich hätte das vorhin überhört!“ Seine Stimme hallt in der Halle. „Du wolltest über Gefühle reden, ja? Geil. Machen wir jetzt. Hier ist eins: Ich fühle… HUNGER. Und…“, er legt den Kopf in den Nacken, zieht die Luft ein, macht die Augen gross, „ich glaube, ich… LIEBE… Pommes. Und jetz du! Sag mal!“ Die Hand an den eigenen Brustkorb geklopft. „Was fühlst du, wenn du mich so siehst? Ganz ehrlich.“ Er grinst breit, als hätte er was im Sinn, während er um die Truppe hüpft. „Komm schon, Bambi. Lass mich nicht hängen. Ich bin emotional verletzlich und so! Dr. Phil hat auch gesagt, man soll drüber reden.“ Er geht rückwärts weiter, Blick auf sie gerichtet, breites Grinsen im Gesicht, während die Tür zu den Umkleiden immer näher kommt.

Ellie mustert Jack nachdenklich. Gut, dass es ihr wieder besser geht. Sie scheint Vaas sein Verhalten auch nicht übel zu nehmen. Ellie beschließt, das nicht weiter zu kommentieren. Sie selbst findet Vaas zu laut, zu aufdringlich. Aber sie wird sicherlich nicht Jack reinreden, was sie über ihn denken soll. Wer weiß, wie Vaas wirklich ist hinter seiner Fassade. Bestimmt weiß Jack das besser als sie selbst. Mit einem leichten Schmunzeln erinnert sich die Blauhaarige an die Party zurück. Auch da hattten Vaas und Jack ein... spezielles Verhältnis.
Als Vaas sie anspricht, reißt er sie aus ihren Gedanken. Sie beißt sich auf die Lippen. Der Spruch mit den Gefühlen ist ihr einfach so rausgerutscht und sie hatte gehofft, nicht wirklich darauf antworten zu müssen. Aber diesmal versteckt sie ihre Nervosität gut. „Wenn ich dich sehe? Ich sehe einen Clown. Aber nicht den lustigen. Den, der zu laut lacht, weil’s sonst still wäre.“ Ihre Augen verengen sich leicht. „Du hast das Publikum gern – aber keine Ahnung, was du sagen würdest, wenn mal niemand lacht.“
Sie zuckt die Schultern, als wäre damit alles gesagt. „Aber ehrlich: Pommes klingt jetzt wirklich gut!“

Jack ist so froh, dass Vaas' Ab- beziehungsweise Vorausgang die Blicke auf sich zieht, auch wenn die Gruppe sich leider entzweit hat. Der Nachhall und der Schreck über den unvorhergesehenen Flashback beginnen in ihr zu arbeiten, ihre Hände zittern bereits ein wenig. 'Shit!' Unter keinen Umständen will sie jetzt Fragen oder Mitgefühl haben, von stummen Blicken der Einschätzung und Bewertung ganz zu schweigen. Sie will den Aftershow-Imbiss, mit allen Ablenkungen und Vertiefungen, die rauszuholen sind. Sie will es heute nochmal krachen lassen, b r a u c h t den Umgang und das Zusammensein mit normalen Sims, bevor sie für zwei ätzende Wochen zurück muss. Zurück, zu ihrer verhassten Familie. Diesen Haufen an Narzissten, Psychopathen, Lügnern und Intrigenspinnern. Ihr altes "Zuhause", ihr Gefängnis und die Geburtsstätte ihrer schlimmsten Erfahrungen. Entschlossen nickt sie sich selbst zu, zieht ihr Rambo-Stirntuch noch einmal fest und stimmt mit in die Pommesbegeisterung mit ein, danach lockert sie die Oberkörpereinengende Schutzkleidung im Gehen. "Okay Leute, zwei Kilo Geburtstags-Pommes sowie ne Runde Lieblingscocktails gehen auf mich."

(in Zusammenarbeit mit @Murloc @Ripzha und @S.Bin. )
(Bilder von @S.Bin. )


>>> Blaze geht nach Windenburg (2) >>>
>>> Dennah geht nach Windenburg (2) >>>
>>> Vaas geht nach San Sequoia - Haus S. Schmidt (2) >>>
>>> Jack geht nach San Sequoia - Haus S. Schmidt (2) >>>
>>> David geht nach Brindleton Bay Nr. 16 - Tierauffangstation (2) >>>
>>> Ellie geht nach Forgotten Hollow (3) >>>


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25.09.2025 18:48 (zuletzt bearbeitet: 05.11.2025 19:22)
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<<< Dennah Delany kommt von Tartosa - Haus Fam. Falck Sr. <<<
<<< Sullivan 'Blaze' Blaisdell kommt von Oasis Springs (2) <<<
<<< [WEG] Stephen Schmitt telefoniert von Windenburg - Neue Wege Klinik (3) <<<


Suizid


Charaktere: Dennah, Blaze, Steph
Geschichtsstrang: Die Sache mit Stephen VI




Es fühlt sich gut an, was er dabeihat – nicht nur, weil die Spraydosen im Innern des Rucksacks klimpern, sondern weil der Moment etwas bedeutet. Er läuft neben Dennah her, durch die flirrende Hitze von Del Sol Valley. Ihre Hand wie selbstverständlich in seiner. Die Strassen sind leerer als sonst, es ist später Nachmittag, kurz vor Sonnenuntergang. Sein Blick geht immer wieder zu ihr hinüber. Und je näher sie dem Spot kommen, desto mehr beginnt sein Herz schneller zu schlagen. Er spürt den warmen Druck in der Brust, der nur auftaucht, wenn sie bei ihm ist.
„Ich war letztens mit Chip unterwegs“, sagt er beiläufig, als sie die kleine Seitengasse betreten, in der die Wand liegt. „Wir haben ne Unterführung bei Newcrest gesprayt.“ Seine Stimme klingt entspannt. „War gut. Hat wieder gepasst. So wie früher irgendwie.“



Er sagt das einfach, während er mit der Schuhspitze ein zerknittertes Pappstück von der Strasse kickt. Die Dynamik zwischen Chip und ihm ist schwer zu erklären. Seit elf Jahren funktioniert sie einfach – egal, was für Scheisse passiert.
Die Wand die er im Sinn hatte, taucht vor ihnen auf. Ein klägliches, blass gewordenes Kind, das Fußball spielt, prangt auf dem Beton. Blaze verzieht das Gesicht.
„Total lahm, oder?“, sagt er, während er den Rucksack von den Schultern gleiten lässt. Die Bewegung ist vertraut. So als würde er eine Kiste voller Erinnerungen abstellen. Er kniet sich hin und öffnet den Reissverschluss. Seine Finger gleiten über die Dosen, bevor er sie herausnimmt. Platziert eibe nach der anderen sorgfältig neben dem Rucksack. Neonpink. Schwarz. Tiefblau. Kirschrot. Das ganze Spektrum liegt zwischen seinen Händen, aber keine davon leuchtet so wie sie.
Ohne hochzusehen, fragt er: „Was lief bei dir eigentlich so? Sorry… Ich hab irgendwie gar nicht gefragt…“ Seine Stimme klingt vorsichtig. Es interessiert ihn wirklich. Auch wenn er sich zeitweise dabei ertappt, das er die Frage aus Angst vor der Antwort nicht stellt – und es dann doch tut, weil er will, dass sie weiss, dass er an sie denkt. Dennah bedeutet ihm mehr, als er oft in Worte fassen kann. Er schaut auf, sucht ihren Blick, während er eine der Dosen testweise schüttelt. Das Klackern im Innern ist vertraut. Eine Melodie aus Vorfreude.



Dennah schiebt ihre Hand tiefer in seine, als er von Chip zu erzählen beginnt. Von der Seite schenkt sie ihm ein ehrliches Lächeln. "Du glaubst gar nicht, wie mich das für euch freut.", sagt sie und spürt dabei einen schneidenden Hieb hinterm Brustbein. Blaze hat endlich seinen besten Freund zurück und sie ist Booms heimliche Sklavin. Das blasse Kind an der Wand glotzt sie hohl an, zieht ihr die Gedanken fühlbar aus der Stirn, so dass sie schweigsam den Kommentar über die schnöde Kunst zwischen ihnen stehen lässt. Erst, als Blaze sie erneut direkt anspricht, wandert ihr Blick zu ihm herunter. Die Farben, die er ausgewählt hat, sehen schon cool aus. Ein neuer Gedanke blitzt in ihrem Hinterkopf auf. Was hat er wohl vor? Sie hat ihn noch nie beim Rumkünsteln beobachten können. Neugier steigt in ihr auf, als er vorbereitend Dosen sortiert. "Ich hab das Kleid umgenäht.", erzählt sie tonlos von dem Ereignis, das sich am harmlosesten anfühlt und das trotzdem so eng mit den Schatten in ihr verknüpft ist. Einen Atemzug lang ziehen leere Worte hinter ihrer Stirn von einer Seite zur anderen. Ist es die Schuld Blaze gegenüber, die sie so träge macht? Weil sie ihm gern erzählen würde, was passiert ist. Weil sie keine Geheimnisse vor ihm haben will und es ihr dennoch nicht gelingt, die Scham zu überwinden. Nicht nur für das, was sie in der Nacht getan hat. Sondern auch - vielleicht sogar viel mehr - dafür, dass sie versucht hatte, ihm aus dem Weg zu gehen. Einen ganzen Tag lang hatte sie sich nicht bei ihm gemeldet, den zweiten nur sporadisch. Sich heute mit ihm zu treffen hatte sie nervös gemacht. "Entschuldige, dass ich so rar war.", fügt sie leise an - mehr aus dem Gefühl heraus, etwas sagen zu müssen. Die Stille zwischen ihnen füllen. Oder eher in sich selbst. "Es war schön, mal wieder zu schneidern." Ihr zartes Lächeln wirkt belegt, schuldbewusst und beinahe abwesend.



Blaze lässt den Blick kurz über ihre Gesichtszüge wandern. Sie wirkt anders… und ehrlicherweise war ihm der eine Tag an dem sie nicht schrieb nicht mal aufgefallen. Er dachte daran, aber er hatte so viel zu tun und war abends müde, dass es ihm kaum auffiel.
„Weil du ne Künstlerin bist - sag ich doch die ganze Zeit“, sagt er wie eine Tatsache und grinst. Er erinnert sich kaum an seinen Geburtstag, aber an ihre Begegnung schon.
Dann greift er eine Dose und hält inne, schüttelt den Kopf, nachdenklich grinsend. Eigentlich war eine Idee da aber die zerfällt nach und nach aus einem schwer definierbaren Grund. Sie war nicht übel. Nur… nicht für jetzt.
Er sieht sie an, länger diesmal. Ihr Blick liegt ein wenig tiefer, irgendwie abwesend.
Er denkt kurz an Viola. An das Steinchenspiel. Mit den Aufgaben, bei denen es darum ging, Viola kennenzulernen. Wie jemand entscheidet. Was er zeigt, wenn man ihm die Wahl lässt. Ob er überhaupt was zeigt.
Sein Blick bleibt voller Zuneigung und Neugier auf Dennah.
„Hey.“ Seine Stimme ist weich. „Was willst du machen?“
Er tritt auf sie zu, drückt ihr die Dose in die Hand. „Also… was für ein Bild? Was geht dir durch den Kopf?“



Durch den Kopf? Dennah fühlt sich ertappt. "Wird das sone therapeutische Verarbeitungssache?", lächelt sie beschämt. Beide Schultern ziehen bis zu den Ohren hoch. "Keine Ahnung. Ich bin nicht gut darin. Und ich will nicht malen, was in mir ist." Sie schluckt, schaut auf, sein Blick findet ihren und wie ein Fausthieb trifft sie diese Wärme. "Irgendwas, das uns beschreibt." Für einen kurzen Moment flimmert es in ihren Augen, dann lächelt sie wieder. Tief und von Herzen. "Wir zwei gegen den Rest der Welt. Alles geht in Flammen auf und wir reiten auf einem Baseballschläger davon." Kindlich glucksend lacht sie auf. "Sorry, das ist total dämlich."

Blaze hebt eine Augenbraue, bleibt aber still, während sie spricht. Ihr Versuch, das Thema ins Lächerliche zu ziehen, entgeht ihm nicht. Auch nicht, wie ihre Schultern hochgehen, wie sie sich mit einem Lächeln tarnt. Runterzuschlucken was in einem ist, ist Gift. Es braucht ein Ventil für solche Sachen. Das weiss er besser als jeder andere. Obwohl er sich selbst oft nicht dran hält. Er weiss aber, dass Sprayen ein Ventil sein kann. Würde er ihr so aber nicht aufzwingen… zumal er auch gar nicht darauf hinaus wollte, dass sie malt was sie grade beschäftigt. Es muss aber was Grosses sein, wenn das erste, woran sie denkt, etwas ist, was sie nicht sagen will. Ihm nicht sagen will. Hm..
Unsicher woher ihr Unwohlsein kommt, nimmt er ihr die Dose ab, gibt ihr eine andere - orange. Dann wendet er sich um und tritt hinter sie. „Okay.“ sagt er, zeigt auf das dämliche Bild und grinst. „Fackel die Scheisse ab.“
Sie würde es ihm sagen, wenn es ihn was angeht, redet er sich ein. Ganz sicher… deshalb bohrt er nicht nach, sondern fordert sie auf, es an der Wand auszulassen.



Ihre Lippen formen sich zu einem breiten Lächeln, das kaum echter sein könnte. Sie liebt es, wenn er sie umsorgt. Selbst dann - oder besonders wenn es diese kleinen Gesten sind, die er ihr schenkt.
Dennah schüttelt die Dose, das charakteristische Klappern ertönt, als sie einen Schritt näher an die Wand macht. Die ersten geschwungenen Linien setzt sie spitz zulaufend auf den Hintern des Kindes - der ist für Stäffi, weil morgen die Anhörung ist. Was sie Wochen lang versuchte, in die dunklen Ecken ihres Seins zu vergaben, wühlt sich jetzt gewaltvoll an die Oberfläche. Wie in diesen peinlichen farblosen Zombiefilmen, wenn das Böse aus der Erde hervorbricht. Sie wusste die ganze Zeit, dass es kein Zurück gibt, doch jetzt, nur noch Stunden vor dem Termin, schiebt ihr die Erkenntnis schwere Übelkeit in den Leib. Sie hatte gedacht, er hätte es verdient. Sie lag falsch.



Die zweite Flamme kommt auf den Rücken - für Boom, die ihr in den selbigen gefallen ist und sie bis in alle Ewigkeit besitzen wird. Es sei denn, Dennah findet einen Weg, ihr zu entkommen - ohne dass sie sich an Blaze rächen kann. Man müsste sie außer Gefecht setzen.



Dennah lässt den Arm sinken, tritt einen Schritt zurück, seufzt. Der Gedanke, Boom als Gegnerin, als Feindin, zu betrachten und gegen sie vorgehen zu müssen, schmerzt. Wühlt auf. Nicht nur, weil sie ihre längste, beste Freundin war. Der emotionale Missbrauch, den sie über sich ergehen lassen muss, kickt aggressiv gegen alte verschlossene Kisten im Seelenkeller - sprengt die Schlösser, die sie fest verschlossen glaubte. Spätestens mit Blaze' Zuspruch, seiner Geduld und Wärme, seiner Unterstützung und Führung aus diesen verbitchten Mustern heraus, hatte sie gedacht, dieses Kapitel sei geschlossen. Ein neues Leben. Eine neue Dennah.
Dennah.
Aber die Rolle der Bitch lässt sie nicht los. Boom tackert sie zusammen.



Ein Seitenblick zu den Dosen tastet die Farben ab. Hellblau? Da - Nicht hell genug, aber passt schon. Dennah reißt den Deckel ab, schüttelt und verpasst dem Kind zwei große stechende hellblaue Augen. Sie kann nicht gut malen, und noch weniger sprayen, aber es geht nicht darum, dass es gut aussieht. Es geht um das Gefühl. Boom brennen sehen!
Der Kiefer angespannt, tritt sie wieder zurück, bleibt neben Blaze stehen und angelt nach seiner Hand. Im ihrem Hals bildet sich ein beißender Kloß. Nicht heulen jetzt.

Als sie die hellblauen Augen setzt, wird aus dem lachenden Kind eine Fratze. Das Bild bekommt etwas Groteskes. Fast ein bisschen wie aus einem üblen Albtraum, wenn sich Bekanntes verzieht und zu etwas Fremdem wird.
Blaze spürt, dass sie nicht einfach irgendwas hingemalt hat. Vermisst sie Boom als ihre Freundin? Das Bild löst etwas völlig Gegensätzliches aus. Macht Boom ihr Angst? Fürchtet sie sich, dass sie bald kommt und das Vaas' Worte wahr werden?
Als sie den Arm sinken lässt und neben ihm stehen bleibt, schliesst sich ihre Hand fest um seine. Sein Blick geht zu ihr, ohne Lächeln. Er sieht keine Tränen. Aber er sieht, dass was brodelt. Er hebt den Arm, zieht sie sacht zu sich und umarmt sie.



„Wenn sie dir Angst macht, bleiben wir im Camp. Du musst nicht zurück - scheiss auf die Pflegeeltern.“ Seine Stimme ist ruhig, obwohl er plötzlich etwas unsicher ist, was es damit auf sich hat, das sie einen Tag nichts von sich hören lies.
Dann vibriert sein Handy irgendwo in der Seitentasche. Ist ihm egal wer jetzt anruft. Er lässt es klingeln und hält sie.

Ihre Arme hängen wie krafttlos an ihr herunter. Für einen winzigen Moment will sie sich gegen Blaze' Nähe wehren, doch das Vertrauen in ihn siegt. Sein Duft hüllt sie ein, seine Wärme umschließt sie und Dennah lässt sich in seinem sanften Griff fallen. Das Kinn auf seiner Schulter atmet sie tief aus, die Augen geschlossen. Wenn es doch nur so einfach wäre. "Das geht nicht.", haucht sie mit hörbarer Enttäuschung in der Stimme. "Die schieben mich doch wieder ins Heim ab. Da will ich nicht sein." Das Gesicht seinem Hals zudrehend atmet sie seinen Duft ein, ihre Nasenspitze reibt sich liebevoll an seiner Haut. "Ich wünschte, wir könnten einfach abhauen. Nur wir zwei. Weit weg von allen. Wo sonst keiner ist." Die Lippen gespitzt haucht sie einen Kuss auf seinen Hals. Die freie Hand hebt sich an seine Wange, so dass sie sein Gesicht ihrem eigenen zuwendet, um ihn zu küssen. Zuerst zaghaft. Es fühlt sich schmutzig an, schmeckt nach Schuld. Einen Atemzug saugt sie das Gefühl in sich auf, wie eine Bestrafung. Dann erinnert sie sich, dass es schon einmal so war. Sie weiß, dass es vorbei gehen wird. Irgendwann.



Sie schiebt ihre Hand in seinen Nacken. Den Schmutz überspielen, bis sie ihn vergisst. Blaze' Zuneigung hat sie wohl kaum verdient, und wenn er herausfindet, dass sie sich wieder hat kaufen lassen, wird er sie zum Teufel jagen. Bis dahin wird sie ihn genießen, so sehr sie kann. Unvorstellbar, dass sie jemals wieder so ein Glück haben wird.
Sie presst sich gegen ihn, ihre Zunge streichelt seine, bis sein intensiver werdender Duft das Bild von Booms hässlicher Fresse aus ihrem Geist vertreibt.
Langsam öffnet sie die Augen, blinzelt ihm träge entgegen - und lächelt sanft. Danke. Noch immer die Dose in der rechten Hand, drückt sie sie ihm entgegen. "Du bist dran.", sagt sie leise. "Mach, dass es schön wird."




Er wünschte, sie hätte unrecht. Blaze nimmt die Spraydose aus ihrer Hand, warm noch von ihrem Griff, und tritt einen Schritt zurück. Er will was sagen, irgendwas, aber das penetrante Vibrieren in seiner Tasche reisst ihn aus dem Moment. Er flucht leise und wirft einen Blick aufs Display.
Steph.
Was will der jetzt? Ist morgen nicht dieses komische Gerichts-Ding? Die Anhörung, bei der alles über sie entschieden wird? Sein Daumen zögert, bevor er doch die Wischbewegung nach links macht. Er hebt das Handy ans Ohr.
„Was?“, knallt es aus ihm heraus. Sein Blick ruht trotzdem auf Dennah.



Sie kann sehen, dass sich sein Gesicht im Sekundentakt verändert. Erst ist da Wut. Dann, mit dem nächsten Atemzug, zieht sich seine Stirn zusammen. Die Augenbrauen senken sich. Ein kurzer Blick zur Seite, weg von ihr. Irritation breitet sich aus und verdrängt den Zorn.
„Alter, ich versteh kein Wort“, sagt er.
Sein Kiefer bleibt angespannt, aber etwas anderes kommt dazu – eine Art innerer Alarm, der gerade los schrillt. Seine Augen weiten sich, dann verengt sich der Blick auf einen Punkt in der Luft, als könnte er das Gesagte dort irgendwo lesen, als müsste er sich rückversichern, dass er sich nicht verhört hat.
„Du hast was!?“, sagt er, lauter, und das Entsetzen rutscht ihm in die Stimme. Dennah sieht, wie wie sein Griff um die Spraydose fester wird. Aus einem plötzlichen, viel tieferen Gefühl. Blanke Überforderung.

Den Kopf um wenige Grad geneigt, beobachtet Dennah das Schauspiel mit zunehmender Besorgnis. Wer ist da dran und was zum Teufel ist passiert? Die andere Stimme klingt verzerrt durch den Lautsprecher. Ist das Chips? Ne. Aber sie kennt die Person. Stäffi? Blaze' Körper spannt sich und Dennah überkommt ein richtig. böses. Gefühl. Scheiße, das ist Stäffi! Geht es um morgen? Aber wieso? Ihre Gedanken stürzen aufgeregt übereinander. Das ergibt keinen Sinn. Was erzählt er ihm? Fuck! Hat Boom es Stäffi erzählt und der petzt es jetzt Blaze? Unbewusst tritt sie einen zaghaften Schritt zurück. Ne, kann nicht sein. Warum sollte es Stäffi interessieren, was in dem kranken Dreiergespann abläuft?
'DU hast was?!' Nicht 'Sie'. Sollte die Erkenntnis sie eigentlich beruhigen, schlägt ihr Herz nur umso heftiger. Was ist denn passiert? Unsicherheit schleicht sich in ihren Blick, als sie wieder näher heran tritt. Forschend angelt ihr Zeigefinger nach seiner Hand, ihr Blick sucht seinen. Der Kloß im Hals meldet sich zurück. Was ist denn?? Scheiße, das sieht echt ernst aus.



Blaze nimmt Dennah kaum wahr, obwohl seine Finger ihren suchen. Aber sein Körper steht nur noch da. Starr. Alles in ihm schnürt sich zusammen, noch bevor Steph richtig zu reden beginnt.
Die Stimme am anderen Ende klingt wie eine Mischung aus Kotzen, Weinen und Keuchen.

„Ich… fuck, sorry, ich weiss nicht, ich weiss nicht warum ich dich anrufe, ich hab kein Plan, es is so-“

Blaze presst das Handy fester ans Ohr, um besser verstehen zu können was Stephs verrotzte Stimme sagt.
„Ey, beruhig dich, was ist los? Was hast du vor?“ Panik bricht in ihm hoch.

„Sully...., weisst du, ich…-“

Blaze zuckt zusammen. Sully. Keiner nennt ihn so. Nur Steph. Nur damals. Als Blaze noch klein war und Steph gross. Der eine, der Scheisse gebaut hat und dem er trotzdem hinterhergelaufen ist, als wär er sein verdammter Held. Er schluckt hart.
„Steph, wo bist du?“, fragt er. Ganz vorsichtig.

„Ich dachte, wenn ich noch mit jemandem rede, vielleicht… jemand der nicht... aber das stimmt nicht, du gehörst auch zu denen…“

Stephs Stimme zerbricht in der Mitte des Satzes, als hätte er erst jetzt etwas erkannt. Es ist ein Würgen.
Blaze steht da, wagt es kaum zu atmen. Das hier ist nicht irgendein Typ. Das ist Steph. Und es ist der gleiche Steph, der Dennah zerstört hat. Der in Blaze Welt kein Recht mehr hatte, zu reden.
Und jetzt steht er da - völlig blank - ruft ihn an - den Jungen, der mal mit ihm an Flipperautomaten stand, Zigaretten klaute, Wände besprühte, illegal Alkohol trank.

„Ich wollt Dennah anrufen. Aber ich kann das nicht. Nicht nach dem allem. Und ich weiss auch nich was es ändert..“

Blaze fährt sich mit dem Handrücken durchs Gesicht. Die Dose klackert. Er will ihn anschreien. Will sagen, dass er das Maul halten soll.
„Steph, wo bist du?! Gib mir nen Ort. Ich hol dich, okay? Ich komm jetzt. Jetzt gleich.“
Ein Zucken in seinem Nacken. Er merkt, wie seine Stimme bricht. Wie alles verschwimmt. Er hat keine Ahnung, wo er hin soll mit dieser Mischung.
Wut.
Angst.
Verachtung.
Mitleid.
Verdammt nochmal, Mitleid für jemanden, der…

„Die sehn mich alle an, als wär ich ein Monster. Ich hab das nie gewollt, verstehst du? Nie. Ich war-, Mann, scheisse, ich weiss nicht mehr, was ich bin.“

Blaze Blick flackert. Er sieht Dennah kurz. Ihre Augen. Ihre Lippen, die ihn vorhin geküsst haben. Und er hasst sich, dass er Stephs Stimme nicht einfach abschalten kann.
„Steph…, du musst das lassen, ok? Leg das Ding weg. Ich meins ernst. Du bekommst Hilfe.“
Jetzt hört er sich selbst, wie er zittert. Wie seine Stimme nicht mehr ihm gehört. Dass er nur noch aus Reflex spricht. Alles sagen würde.

„Hilfe ist durch, Mann! Hilfe war vor zwei Monaten. Hilfe war, als sie die Anzeige zurückgezogen hat und ich trotzdem weiter auf allen Listen stehe!“

Blaze drückt das Handy so fest ans Ohr, dass es weh tut.

„Ich kann nicht mehr schlafen. Keiner hört zu wenn ich was sage. Ich will einfach… dass es aufhört.“

„Steph, hör auf. Du hast ne zweite Chance. Auch wenns grad nicht so aussieht. Aber du kriegst das hin. Wir beide wissen das. Ich… du hast schon viel grösseren Scheiss durchgestanden, oder nich? Bleib dran, Mann, bitte. Sag mir wo du bist.“
Ein Teil von ihm weiss, dass das, was er sagt, für Steph zu spät kommt.
Aber er sagt es trotzdem. Wie ein Gebet.

„Sorry.“

„Steph-“, ein leises Klicken. „VERDAMMT, STEPH—!“

Dann der Knall.

Blaze zuckt zusammen und das Telefon fliegt ihm aus der Hand als hätte er sich dran verbrannt. Als könnte er die Wahrheit von sich werfen. Es klackt auf den Boden, das Display knackt und zerspringt. Blaze starrt es an und sieht verschwommen Bullocks blutendes Gesicht an Stelle des Handys. Es wird zu Stephen der irgendwo, ganz alleine sass, die Waffe in der Hand, weinend. Und jetzt liegt er dort, Rauch steigt aus dem Lauf aus, die Knarre vielleicht noch in seiner halb geöffneten Hand, der Kpf zurück geworfen, die Augen geschlossen, der Mund leicht geöffnet... reglos... blutend... Blaze Körper komplett erstarrt und zum zerreissen angespannt, steht er mit gradem Rücken da und starrt das Telefon an. Es ist immer noch mit Stephs Handy verbunden.



Der Knall bricht aus dem Lautsprecher, als wäre er nicht Teil des Telefonats, sonden würde alles Leid direkt zwischen ihnen entladen. Dennah zuckt zusammen, erstarrt mit hochgezogenen Schultern. Mund und Augen weit offen, brennt sich ihr Blick auf Blaze' Handy am Boden. Sekunden vergehen, in der die Zeit still steht. Was war das? Das klang wie ... Fassungslos springt ihr Blick zu Blaze' Gesicht über. Er ist kreidebleich.
Sie will etwas sagen. Irgendwas. Um die Stille zu füllen. Um den Moment enden zu lassen. Um zu begreifen, was gerade geschehen ist. Doch es ist, als hätte jemand in ihrem Kopf auf die Pausetaste gedrückt.
Schweigen.
Nur langsam erwacht sie aus der Lähmung. "Stä- ..." Ihre Stimme ist ein kaum hörbares Flüstern. Das Wort bleibt ihr im Hals stecken. Hat er gerade ... Dennah schluckt. Übelkeit presst sich in ihren Rumpf. "Was-" Ihre Augen beginnen zu brennen, doch sie realisiert weder, dass sie nicht blinzelt, noch dass Tränen ihre Sicht fluten. Zittrig macht sie einen Schritt vor, das Atmen fällt ihr schwer, als würden zwanzig Mann ihr den Brustkorb zerdrücken. Taubheit legt sich um sie, als sie das Handy mit zitternder Hand aufhebt und langsam zu ihren Ohr führt. "Sch-Stäff-Stäffi?" Ihr Herz hämmert durch den ganzen Körper. Am anderen Ende der Leitung bleibt es still und ihr Körper beginnt zu schmerzen. Ein Gefühl, als würde er sich von innen nach außen kehren. Heiße Tränen laufen ihr über die Wangen, das Gesicht färbt sich rot. "Sch-Stäffi?", wiederholt sie lauter. "STÄFFI!"
Stille.
Was hat er getan?
Was hat SIE getan?!
Ihr Atem flackert, Körper und Geist scheinen wie gelähmt. Das Handy fällt zurück auf den Boden, als ihr Arm schlaff herunter sinkt.

Sie ... hat Stäffi getötet.

(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )


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