Bestattungsinstitut Peerscheid-Kalim

05.03.2026 15:42 (zuletzt bearbeitet: 05.03.2026 20:07)
#1
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Bestseller-Schmied

Henford Nr 7 (Nicht in Welt)



Im Erdgeschoss befindet sich der Kundenbereich des Bestattungsinstituts. Der Wohnbereich beginnt im 1. OG
Es gibt mehrere Badezimmer, aus Gründen werden hier nicht alle Räume gezeigt.














Parkplatz


Eingang vorn


Terrasse zum Garten















Garage mit Zugang zum UG
















































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13.03.2026 20:07 (zuletzt bearbeitet: 13.03.2026 20:09)
#2
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Bestseller-Schmied

<<< Pita kommt von Sulani Festivalgelände <<<
<<< Dalia kommt von Henford-on-Bagley (3) <<<
<<< Gunther - Start <<<
<<< Nova - Start <<<


Charaktere: Pita, Gunther, Dalia, Nova
Geschichtsstrang: Familienidylle



"Gut, dann komm heute abend her." Pita nickt ins Gespräch hinein, obwohl David es am anderen Ende der Leitung nicht sehen kann. "Um zehn gehen hier die Lichter aus. Dann treffen wir uns vorm Haus."
Ein prüfender Blick wandert über die Arbeitsmaterialien, um sicherzustellen, dass alles wieder an seinem Platz ist. Gunther ist penibel, was seine Ordnung angeht und sie hat Verständnis für diese Eigenart.
Zwei Finger drücken zaghaft gegen das Glas mit der Watte, so dass es sich um kaum merkliche Millimeter dreht. Nun ist es perfekt zu den anderen Gläsern ausgerichtet.
"Weil das keiner mitbekommen muss.", sagt sie ins Telefon. "Das gäbe nur Diskussionen. Darauf kann ich verzichten."
Das Handy zwischen Schulter und Ohr klemmend, zieht sie den Saum des Schutzhandschuhs über den Handrücken, dann die Finger, bis sie ihn in der linken Hand zusammenknüllt.
"Wir arbeiten noch daran.", schmunzelt sie beklommen.
Die Handschuhe werden gezielt in der kleinen Tonne versenkt, ehe sie einen Hub Desinfektionsmittel in die hohle Hand spritzt und routiniert auf der Haut verteilt.
"Ich muss jetzt Schluss machen. Die warten bestimmt schon."
Beide Hände hinterm Rücken angelt sie nach der Schleife, um die Schürze zu lösen.
"Ja, gut. Bis dann."
Das Handy wird kurz auf der Arbeitsfläche geparkt, um die Schutzkleidung abzulegen. Dann nimmt sie eilig den Weg durch den sterilen Gang, das kleine Büro, die Treppe hinauf.



Das Haus ist weitläufig und so braucht sie einen Moment, bis sie schließlich im Esszimmer ankommt. Der Duft von guter Hausmannskost schlägt ihr entgegen und nicht zum ersten Mal fällt ihr auf, dass ihre Mutter die Mahlzeiten dem Geschmack des Gatten angepasst hat.
"Entschuldigung." Beinahe lautlos tritt sie an den Tisch heran, wo sie den Stuhl beiseite zieht, um sich zu setzen. Der strenge Blick des Hausherren entgeht ihr nicht.
"Ich habe noch unten aufgeräumt.", erklärt sie mit schuldbewusster Miene.
Gunther hält den Ausdruck unter einem Zucken des Mundwinkels. "Wir wollten gerade ohne dich anfangen."
"Jetzt bin ich ja da." Pita schaut kurz zu ihrer Mutter herüber. Natürlich gibt sie sich beschäftigt, drapiert Teller und Schüsseln in winzigen Bewegungen hin und her, nur um nichts sagen zu müssen.
In sich hineinseufzend kann Pita ein enttäuschtes Wippen der Brauen nur mit Mühe unterdrücken. Vielleicht war es doch keine gute Idee, wieder hier zu wohnen. Es ist offensichtlich, dass sie nicht mit dem neuen Mann im Haus harmoniert. Beinahe kommt es ihr so vor, als hätte ihre Mutter nicht den Partner erneuert, sondern dem alten ein anderes Gesicht gegeben. Gruselig. Schon öfter hatte sie den Gedanken, Nova darauf anzusprechen. Vielleicht bildet sie sich die Ähnlichkeit zum Vater nur ein. Wie ein scheues Reh sieht sie auf zu ihrer Schwester, die ihr gegenüber sitzt, und ringt sich ein Lächeln ab. Viel gesprochen haben sie nicht seit ihrer Rückkehr. Vielleicht ergibt sich ja heute etwas.
"Wie geht es dir mit der Arbeit, Schatz?" Dalia durchbricht das angespannte Schweigen am Tisch, während sie zu den Kartoffeln greift. "Bist du sicher, dass du nicht zu viel machst?"
Innerlich mit den Augen rollend, räuspert Pita sich in den Handrücken. Wie oft denn noch?! "Es ist alles gut, Mama."
Dalia nickt zurückhaltend, ein unsicheres Lächeln legt sich auf ihr Gesicht.
"Wenn morgen die Angehörigen kommen, erwarte ich, dass du anständig zurecht gemacht bist." Gunthers Stimme schneidet schwer durch den Raum.
Pitas Blick hebt sich unter einer fragenden Braue. Was soll das heißen? Sie sorgt immer für ein gepflegtes Erscheinungsbild.
"Dieses ganze Blech im Gesicht." Seine Hand zieht mit der Gabel einen fahrigen Kreis in der Luft. "So dürftest du dich eigentlich gar nicht zeigen." Scharf schielt er in Richtung der jüngeren Tochter. "Du genauso. Mit dieser Frisur und diesen ... Pullovern. Ihr seht aus, wie von einer Gang davon gejagt."



Die Tischkannte drückt ihn Novas Knie, weil sie immer mit einem angezogenen Bein auf dem Stuhl sitzt. Die Finger tippen konzentriert auf ihrem Handy herum. Beide Daumen nutzend, damit es schneller geht. Von der Unterhaltung bekommt der Teenager erstmal nichts mit. Bis das Wort Pullover fällt. Nova schaut auf und blickt zwischen ihrem Stiefvater und ihrer Mutter hin und her, bevor sich ihr Blick automatisch verhärtet.
"Das ist Bodyshaming, weisst du das? Also lass mich." Im nächsten Moment vibriert ihr Handy und ihr Kopf zeigt wieder auf den Bildschirm.
"Ja, dafür solltest du dich auch schämen." Gunther Stimme ist leise, aber bissig. "Du repräsentierst mit deinem Auftreten das Geschäft deines Vaters." Schwer schnaufend sinkt die Hand mit der Gabel auf den Tisch. "Und jetzt leg das Ding weg und setz dich ordentlich hin. Wir sind hier zu Tisch, verdammt!" Ein fordernder Blick geht zur Ehefrau, neben dem Mädchen, die daraufhin ihrer Jüngsten sanft bestimmend eine Hand auf das Knie legt, um die Haltung zu korrigieren.

Er hat ja keine Ahnung, wie eine Gang aussieht. Pita senkt den Blick. Diese Art Tonfall macht ihr nach all der selbstreflektierenden Charakterarbeit noch immer zu schaffen. Obwohl Gunthers Ausdruck deutlich ruhiger ist, als der ihres Vaters, sieht sie die Ähnlichkeit der Formulierungen. Ihr alter Herr hätte energisch polternd auf den Tisch geschlagen. Im Nachhinein kommt er ihr oft vor, wie ein herumbockendes Kleinkind, das seine Energie nicht unter Kontrolle hat. Dass sie noch nicht den Mut fand, ihn zu besuchen, erfüllt sie mit bedrückender Scham. Nur ein einziges Mal sah sie ihn nach dem Unfall. Oder was auch immer es war, das ihm zustieß.



Beide Füsse auf dem Boden, immer noch zusammengesunken wie ein Kartoffelsack sieht Nova den Mann gegenüber an. Sie kann nicht zugeben, dass laute Töne wie diese sie einschüchtern. Es bleibt nichts anderes übrig als maulend nachzugeben. Sie schmeisst das Telefon klappernd neben ihren Teller und verschränkt die Arme. Der Kopf geht zur Seite, weg von ihrer Mutter. „Soogle lieber mal mehr…“ murmelt sie eingeschnappt.

"Möchtest du denn gar nicht essen?" Dalia betrachtet ihre Jüngste mit diesem flehenden Blick. Sie hat sich solche Mühe mit dem Abendessen gegeben. Wie jeden Tag setzt sie all ihre Hoffnung auf das Beisammensein am Tisch, um eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Wenn sie nur gut genug kocht, ihren Mädchen zeigt, wie sehr sie sie liebt, dann kann sie diese energiefressende Stimmung vertreiben. Aber wieder einmal scheint es nicht zu genügen. Die Enttäuschung lässt sie sich nicht anmerken. Es hilft niemandem, wenn sie aufgibt.
"Wenigstens ein paar Kartoffeln?" Die Mutter schiebt die Schüssel näher zum leeren Teller. "Oder soll ich dir ein paar Pommes machen?"
"Du verhätschelst sie zu sehr.", kommt es von Gegenüber. "Kein Wunder, dass sie uns auf der Nase herumtanzen." Gunthers Blick ist schärfer, als er es seiner Stimme gestattet. "Zu meiner Zeit wurde gegessen, was auf den Tisch kam und damit hatte es sich. Da hat niemand rumgemäkelt."

Nova hat zwar Hunger, aber sie hat andere Pläne. Sie schielt zu ihren Eltern und fragt sich was passiert, würde sie...
"Ich ess später." Ihre Augen fallen automatisch auf das Telefon neben dem Teller. Sie zögert, dann schnappt sie es sich, wie ein Frosch die Fliege und checkt ihre Nachrichten.



Pita würgt den Broccoli herunter. Obwohl es köstlich schmeckt und sie wirklich hungrig ist, vergeht ihr bei dieser Gesellschaft der Appetit. Der Drang, aufzustehen und dem neuen Hausherren zu sagen, was sie über diese Urzeit-Phrasen denkt, hämmert sich mit jedem Herzschlag tiefer in ihre Eingeweide. Sie hasst es, dass sie sich nicht dazu äußern kann. Sie hasst es, dass ihre Mutter ihn gewähren lässt. Und sie verabscheut sich selbst dafür, diese Eigenschaft mit ihr zu teilen. Nichts hat sich verändert. Sie dachte, sie hätte sich in den vergangenen zwei Jahren entwickelt. Sie hat so hart an sich gearbeitet und nun muss sie erkennen, dass all das umsonst war. Es ist, als würde dieser Ort sie zu einem Duckmäuschen machen.
Beherrscht räuspert sie sich, würgt den Brocken des flauen Unwohlseins herunter und nimmt das Besteck wieder auf. Nur noch den Teller leeren, dann kann sie aufstehen und gehen. Der Gedanke ist kaum zu Ende gedacht, da breitet sich der nächste Druck in ihr aus. Du bist zweiundzwanzig. Du bist erwachsen. Du musst nicht fragen, ob du aufstehen darfst.
Immer wieder blinzelnd hält sie das innere Chaos unter Kontrolle, bringt automatisiert eine Gabelladung nach der nächsten hinter die Lippen, kaut, schluckt. Dann ist es geschafft. Das Ticken der Uhr und das klappernde Besteck der Anwesenden liegen bleischwer im Raum. Verhalten greift Pita zu ihrem Glas, trinkt es leer und stellt es ab. Die Flüssigkeit ist wohltuend im schmerzlich trockenen Hals.
Steh jetzt einfach auf und geh. Ihr Körper weigert sich, der Anweisung zu folgen.
"Möchtest du noch etwas, Schatz?" Dalias unerträglich weiche Stimme jagt Pita abertausend kleine Nadeln unter die Haut.
Sie schüttelt den Kopf. "Danke. Es war köstlich, Mama."
Die Ältere lächelt beseelt.
"Ich..." Pitas Stimme fühlt sich zittrig an. Hören die das? Oder ist das nur in ihrem Kopf? "... werde jetzt wieder runter gehen." Sie wagt nicht, den Blick zu heben. Sieht er sie an? "Ich möchte noch ein paar Notizen nachholen.", fügt sie sicherheitshalber hinzu, doch ihre Stimme verliert auf halber Strecke an Kraft.
"Ist gut, Schatz.", nickt Dalia ihr müde lächelnd zu. "Mach nicht mehr so lange, ja? Du musst dich auch um dich kümmern."
Pita nickt - gequält und hastig. Dann greift sie fahrig nach dem Geschirr, bekommt es nicht sauber zu fassen, so dass das Scheppern ihr in den Ohren dröhnt.
"Lass stehen, Liebes.", winkt Dalia ab. "Ich mach das schon."
Ein heiseres "Danke." hervorpressend springt Pita viel zu energisch vom Stuhl auf. Eine Mikrosekunde zögert sie. Ist das richtig so? Sollte sie nicht trotzdem - Geh endlich! Die Haare fliegen durch die Luft, als sie sich hastig herumdreht und zur Balkontür nach draußen verschwindet.



Nova sieht ihrer Schwester nach. Selbst wenn sie nichts mit ihr zu tun haben will, gelten doch wohl die selben Regeln auch für sie. Nova steht ruckartig auf. Der Stuhl schiebt sich nach hinten. Im Gegensatz zu Pita macht sie keine Ansage warum, sondern wendet sich einfach vom Tisch ab, in der Hoffnung, dass auch bei ihr keiner was sagt.

(In Zusammenarbeit mit @Ripzha )


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