Sulani Festivalgelände

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25.10.2025 12:07
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27.10.2025 16:58 (zuletzt bearbeitet: 05.11.2025 18:44)
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Charaktere: So einige
Geschichtsstrang: Musikfestival in Sulani

Lilly / Vik / Rin 1


Schon seit dem Nachmittag treibt Rin sich hier herum, und doch weiß er längst nicht mehr, was er mit sich anfangen soll. Um ihn herum tobt das Leben, lautes Lachen, Gläser, die im Takt der Musik klirren, Jugendliche, die wild tanzen und sich im Rausch des Sommers verlieren. Selbst eine Prügelei hat er beobachtet sie wurde von den Umstehenden bejubelt wie eine seltsame Showeinlage.
Und doch fühlt er sich fremd, so unendlich allein. Die Musik hämmert in seinen Ohren, zu laut, zu drängend. Jeder Bassschlag fährt ihm unangenehm durch den Körper. Ein Seufzen entweicht seinen Lippen, während er finster dreinblickt. Vielleicht war es ein Fehler, herzukommen.
Als Vampir das spürt er in diesem Moment deutlicher als sonst trennt ihn eine unsichtbare Wand von all den feiernden Menschen. Er versteht ihre Euphorie nicht, ihre schrille Musik, das gierige Auskosten jedes Moments. Sie werden trinken, tanzen, lachen, bis die Sonne längst wieder aufgegangen ist. Für ihn bleibt das alles fremd, zu schnell, zu hell.
Rin zieht sich tiefer in den Schatten unter der breiten Pangola zurück, ein Stuhl sein einziger Begleiter. Dort sitzt er, die Arme verschränkt, sein Blick düster auf die Menge gerichtet, während die Abendluft flimmert und die Nacht langsam Gestalt annimmt.

Und für die Tageszeit habe ich schon eine Bar in der Nähe gesehen. Vulkanbar heißt sie.“ Lilly zeigt in die Richtung. Schade, dass der Sonnenwendetrank, den sie von Viola bekommen hat, nun aufgebraucht ist. Aber die Bar ist nah genug, dass die Musik auch dorthin dringt, wenn sie dort Schutz vor der Sonne sucht. Viktor nickt. „Ich weiß. Habe mich informiert.“ Lilly schmunzelt. Natürlich hat er das. Viktor fährt fort: „Und laut Recherche ist auch eine Höhle in der Gegend, als Alternative zur Bar. Die ist zwar etwas weiter weg, aber dafür auch etwas ruhiger.



Es scheint ihm ja wirklich wichtig zu sein. Als Lilly ihn so ansieht, kommt sie ins Grübeln. Auch wenn Viktor es zu verstecken versucht, weiß sie genau, dass ihn der Lärm und die Menschenmassen stressen. Und trotzdem hat er darauf bestanden, Rins Einladung anzunehmen. Warum das Ganze? Rin zuliebe? Oder ist es das selbe wie beim Mondfestival in Ravenwood? Dass er sich bewusst aus seiner Komfortzone wagt, um ein Zeichen zu setzen?

Vielleicht ist seine Motivation auch eine Mischung aus beidem. Sie fragt sich, ob das wirklich so gut ist. Ihrer Meinung nach wäre es besser für ihn, sich auch mal etwas Erholung zu gönnen. Aber er ist auch alt genug, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie hat ihre Bedenken eingeworfen, hat ihm gesagt, was sie denkt. Aber wenn Viktor sich erst mal etwas in den Kopf gesetzt hat, ist er nur schwer davon abzubringen.

Die beiden Vampire sehen sich auf dem Festivalgelände um. „Da vorne ist er!“, ruft Lilly aus, als sie Rin schließlich erblickt.



Rins Blick wird heller, auch wenn sich seine Mundwinkel nur zaghaft bewegen und es nicht ganz zu einem Lächeln reicht. Doch innerlich durchströmt ihn Freude, als er die beiden entdeckt. Man sieht es ihm vielleicht nicht an, aber er ist erleichtert: Sein alter Freund ist da. Und selbst dessen Gattin hat er inzwischen ins Herz geschlossen – spätestens seit jenem Abend, als sie gemeinsam die kleine Katze holten.
Langsam erhebt er sich, verbeugt sich leicht und begrüßt Lilly galant mit einem Handkuss, ehe er Vik fest in eine Umarmung zieht.
"Schön, dass ihr hier seid. Ich war schon kurz davor, wieder zu gehen.“ Seine Stimme klingt entspannter als noch vor wenigen Minuten. Dann klopft er Vik auf die Schulter. "Wollen wir uns was zu trinken holen, Viktor? Deine Lady kann uns hier den Platz freihalten.“
Als er die beiden ansieht, legt sich eine wohltuende Ruhe über ihn. Zum ersten Mal an diesem Abend fühlt er sich wirklich angekommen mitten im Trubel des Festivals, zwischen buntem Lichtermeer, wummernden Bässen und lachenden Menschen.

Viktor schnaubt leicht. „Meine Lady ist mehr als nur ein Platzhalter!“ Er mustert Rin, „Vielleicht will sie ja selber was trinken.“ Lilly schmunzelt, doch sie winkt ab. „Unsinn, Vik. Geht ihr zwei nur was trinken. Ich bleibe hier und genieße die Musik.“ Insgeheim ist sie froh darüber, dass sich Vik auch andere Bezugspersonen sucht als nur sie. Sie lächelt. „Ich bin nicht beleidigt, wenn du mal mit Rin etwas unternimmst.“
Viktor atmet hörbar aus, dann huscht ein amüsiertes Lächeln über sein Gesicht. „Na gut. Aber wehe, wenn ich zurückkomme und du hast dir schon eine ganze Tanzgruppe angelacht.“ Er zwinkert ihr zu.



So meint Rin es eigentlich nicht und doch sagt er nichts weiter dazu. Als würde er Lilly jemals so betiteln. Nach den wenigen, kurzen Begegnungen steht ihm das nicht zu. Er meint es nur gut, möchte ihr die Möglichkeit geben, einen Moment zur Ruhe zu kommen. Die wummernden Bässe, die sich durch den Boden und die Körper fressen, machen bestimmt auch ihr als Vampirin zu schaffen. Also geht er mit Vik zur Bar. Menschen schieben sich an ihnen vorbei, Lichter flackern, der Geruch von süßlichem Rauch und verschüttetem Bier hängt in der Luft. "Ist alles klar mit dir?“ fragt Rin schließlich, seine Stimme leiser, fast besorgt. Sein Blick huscht zu seinem Freund, während sich dieses ungute Gefühl in seiner Brust weiter festsetzt – etwas liegt in der Luft, das ihn unruhig macht.

Viktor macht eine abweisende Handbewegung. „Ich schätze, das war der Stress. Ich versuche es... wieder zu funktionieren und all das. Aber das klingt einfacher als es eigentlich ist.“ Er lässt seine Schultern sacken. „Aber Lilly... sie ist so unglaublich stark.“ Er blickt zurück, sieht, wie sie sich auf dem Kissen gemütlich macht und der Musik auf der Bühne lauscht. „Ich schätze, ich sollte ihr wirklich mal etwas Ruhe gönnen. Damit das auch so bleibt.
Einen Moment schweigt Viktor, setzt langsam einen Schritt vor den anderen. Es fällt ihm schwerer sie zurückzulassen als gedacht. Er weiß, dass sie sofort für ihn da wäre, wenn er sie bittet ihn zu begleiten. Aber ist das fair ihr gegenüber? Muss er nicht langsam auch mal ohne sie funktionieren? Wenigstens für ein paar Minuten?
Der Vampir versucht sich nichts anmerken zu lassen. Er erreicht nun die Bar, gemeinsam mit Rin, setzt sich auf einen der Hocker. „Ich nehme einmal Rotwein!“, bestellt er beim Barkeeper. Der schmunzelt. „Rotwein? Sorry, Kumpel, gibt’s hier nicht! Wir sind schließlich auf ’nem Strandfestival und nicht auf ’ner Weinmesse. Ich kann dir Cocktails anbieten! Oder Bier, oder auch Cider. Such's dir aus!“ Viktor rümpft die Nase. „Eine Schande.“ Er kontrolliert die Getränkekarte. „Na schön, dann eben Cider. Zweimal bitte.“ Viktor seufzt leicht. Er fühlt sich dezent fehl am Platz.



Rin nickt ihm zu. Gespräche sind nie wirklich sein Ding. Doch er glaubt seinem Freund – immerhin, so denkt er, gibt es keinen Grund, ihn anzulügen. Trotzdem spürt er, wie sehr es Vik zurück zu Lilly zieht; sein Blick zu ihr hat ihn längst verraten. Für einen Moment überlegt Rin, ob er die beiden vielleicht gleich wieder alleine lässt. Überlegt ein Schlachtplan das er mit Absicht sein Getränk etwas schneller trinkt, aber noch immer so langsam, dass es nicht auffällt. Er fühlt sich in Viks Nähe gerade nicht wirklich gewünscht. Und schlimm ist das für ihn nicht im Gegenteil, er gönnt seinem Freund die Zeit mit der Frau, mit der er sein Herz teilt. So bestellt er sich einen Whisky, der golden im Glas schimmert, und macht sich etwas rascher als nötig zurück auf den Weg zu Lilly. Für Außenstehende wirkt es, als wolle er einfach den Abend hinter sich bringen. Innerlich jedoch wird ihm immer unklarer, warum er überhaupt auf die Idee gekommen ist, hierherzukommen inmitten von Lärm, Lichtern und Menschen, die ihm fremder scheinen als je zuvor.

Viktor folgt Rin. Auch Rin fühlt sich hier nicht zugehörig, das ist eindeutig. „Tut mir leid, alter Freund. Die Umgebung sorgt nicht gerade für Entspannung.“, murmelt Viktor entschuldigend, während er seine Gläser festhält. Eines davon reicht er an Lilly, sobald er wieder bei ihr steht.

Rin lässt sich wieder auf seinen Platz sinken, blickt zu seinem alten Freund und schenkt ihm nach dessen Worten ein warmes, anerkennendes Nicken.
"Man muss auch mal aus seinem Schneckenhaus raus,“ sagt er mit einem leichten Lächeln. „Ich versuche es auch … aber manchmal frage ich mich, ob es nicht ein Fehler war.
Er nimmt einen Schluck aus seinem Becher, während sein Blick kurz zur tanzenden Menge wandert zu den bunten Lichtern, den rhythmisch wogenden Körpern, der Musik, die wie ein Herzschlag durch die Nacht pulsiert. Dann wendet er sich wieder Vik und Lilly zu.
Sein Ausdruck wird sanft, als er die beiden betrachtet. Sie passen so gut zusammen. Man sieht Lilly an, wie sehr sie Vik liebt es strahlt aus ihren Augen, aus jeder kleinen Geste.
"Bleibt ihr nach dem Fest noch in Sulani?“ fragt Rin schließlich. "Ich hab mir hier ein Hotel gebucht, will die Insel ein bisschen erkunden. Es wäre schön, wenn wir das gemeinsam machen könnten.“



Lilly betrachtet Rin lächelnd. „Eigentlich ist nichts in die Richtung geplant. Wir haben uns Möglichkeiten gesucht, den Tag zu überstehen. Wie eine Bar oder eine Höhle zur Not. Aber nichts wo ein Bett stehen würde. Und wir hatten auch erst gerade eine Urlaubsreise und wollten es nicht überstürzen mit einer weiteren Geldausgabe.“ Sie lächelt. „Aber wenn es nur um das Erkunden geht, lässt sich das ja auch mit wenig Geld bewerkstelligen. Das lässt sich auch spontan einrichten. Wir könnten uns morgen gegen Abend wieder treffen und dann gemeinsam erkunden.“ Sie nippt an ihrem Glas, lehnt sich zurück und genießt die Festivalstimmung. Viktor setzt sich neben sie. Er sieht, wie sie lächelt, wie sie mit dem Fuß zur Musik wippt. Und er lächelt selbst. Egal wie sehr ihn das alles stresst... wenn sie glücklich ist, ist es all das wert gewesen. Es wird besser. Er findet immer wieder die Kraft, ihr etwas zurückzugeben. Ein weiterer Erfolg, den er im Tagebuch verbuchen kann. Und doch lässt ihn der Lärm nicht los. Am liebsten würde er sich jetzt schon auf den Weg machen um die Insel zu erkunden. Fort von der Menschenmasse. Fort von dem Lärm. Er ist nicht wie Lilly. Sie ist Extrovertiert. Sie mag es zu tanzen, und sie mag das Leben. Er blickt sie an. Es hilft nichts. Er wird sich durchbeißen, wird ihr diesen schönen Tag schenken. Morgen... hat er dann bestimmt wieder mehr Ruhe. „Ich bin auch gerne dabei bei der Erkundung.“, sagt er daher.



Rin nickt langsam. "Wenn ihr Geld für eine Bleibe braucht, sagt gerne Bescheid. Ich gebe mein Geld selten für mich selbst aus – deswegen hab ich wohl so viel davon.“ Sein Blick schweift erneut zu der tanzenden Menge. Das bunte Lichtermeer flackert über verschwitzte Gesichter, Arme schnellen in die Höhe, Körper bewegen sich im Takt des wummernden Basses. Rin versteht einfach nicht, wie man zu dieser Art von Musik so ausrasten kann. Heutzutage scheinen die Menschen generell offener für alles zu sein eine Zeit, in der er sich schwer zurechtfindet. Vielleicht hat er sich zu sehr im Labor eingeigelt, vielleicht hat er die Chance verpasst, eine Frau fürs Leben zu finden. Viks Stimme reißt ihn aus seinen Gedanken. Rin dreht den Kopf zu ihm und sein Gesicht bleibt fast unbewegt, wie in Stein gemeißelt. Doch in seinem Inneren brodelt eine stille Freude, größer, als es seine Miene je verraten würde. "Das freut mich zu hören,“ sagt er leise. "Wir werden sicher großartige Entdeckungen machen. Ich bin schon sehr gespannt.“ Er nippt an seinem Getränk und fügt nach kurzem Zögern hinzu: "Eine Dame hat mir vorhin erzählt, der Vulkan soll sich lohnen. Den sollten wir unbedingt besichtigen.“



"Davon habe ich auch schon gehört."
, lächelt Viktor nun. "Ein wirklich schönes..." Er unterbricht seinen Satz, blickt genervt Richtung Bühne. So viel Geschrei, so viel Krach. Er hält sich ein Ohr zu, verkrampft das Gesicht. Bloß nicht wieder zurück in die Starre fallen... Lilly bemerkt es, und sie legt ihre Hand auf seine Schulter. Er spürt sie und die Ruhe, die sie ausstrahlt. Er hört, wie Lilly ihn und auch Rin gleichzeitig anspricht. "Und Schwimmen wäre vielleicht auch eine Idee. Wir haben die Badesachen mitgenommen, wenn wir schon mal hier sind." Sie zwinkert den beiden zu. "Wie sieht's aus? Ich seh euch doch an, dass ihr nicht hier bleiben wollt. Auch wenn ihr nicht schwimmen wollt, müsst ihr das nicht. Abseits ist es bestimmt etwas ruhiger."

Rin nickt, erhebt sich mit seinem Glas in der Hand und schlendert etwas abseits über die Wiese dorthin, wo auch Avaluna und Vaas gerade sitzen. Für einen Moment bleibt sein Blick auf den beiden haften. Er schüttelt den Kopf leise für sich. Sie sind das perfekte Beispiel für das, was ihm eben noch durch den Kopf gegangen ist. Plötzlich überkommt ihn das Gefühl, beobachtet zu werden. Er hält inne, seine Schritte erstarren, bis er merkt, dass die Blicke gar nicht ihm gelten, sondern zwischen den anderen beiden hin und herfließen. Ein leiser Atemzug entweicht ihm, und er entspannt sich wieder. Schließlich lässt er sich ins Gras sinken, so wie es die anderen hier ebenfalls tun. Er lehnt sich zurück, nimmt einen Schluck und schaut mit einem fast verschmitzten Lächeln zu Lilly. "Nicht der gemütlichste Platz,“ sagt er, seine Stimme ruhig und ein Stück trocken, "aber um einiges stiller.“ Dabei nickt er anerkennend in ihre Richtung ihr Vorschlag hat ihn überzeugt.

Lilly folgt Rins Blick. Auch sie bemerkt die beiden Leute. Suchen sie auch etwas Ruhe hier? Sie hört Viktor neben sich. "Schon besser!", sagt er, lässt sich fallen. "Die Partykids haben wirklich keine Ahnung von Kultur!" Lilly wendet ihren Blick von den beiden jungen Menschen ab, sieht wieder zu ihm. Auch hier hört man die Musik noch wimmern, aber nicht mehr so stark. "Auch AC/DC ist Kultur.", schmunzelt sie. "Aber ich versteh schon. Es ist wirklich laut und eng da drüben. Hier können wir etwas aufatmen."

Rin nickt zustimmend auf Viks Worte, fast schon automatisch, wie so oft. Es ist diese merkwürdige Harmonie zwischen ihnen, die ihn an dieser Freundschaft so fasziniert – sie denken gleich, spüren gleich. Keine langen Erklärungen nötig.
"Es ist seltsam, findest du nicht?“ Seine Stimme geht beinahe im Wummern der Bässe unter, die wie ein pochender Herzschlag durch die Nacht jagen. Überall tanzen Körper, lachende Gesichter glänzen im flackernden Licht der Bühnen, als könnte der Morgen niemals kommen. „Obwohl für jeden von ihnen der Morgen das Ende sein könnte… feiern sie, als würden sie ewig leben.“
Einen Moment schweigt er, die Augen auf die Menge gerichtet, die sich wie eine lebendige Welle bewegt. Dann presst er leiser, fast fragend, hervor: "Wann höre ich auf, so zu sein wie sie? Oder war ich es überhaupt jemals?
Die Gedanken reißen einfach aus ihm heraus, ehrlich, ungebremst. Und während die Menschen sich in Ekstase verlieren, spürt Rin diesen Knoten in sich – ein schweres Unverständnis. Wie können sie so glücklich sein? Wie können sie so leicht im Moment versinken, als gäbe es keine Schatten?
Ein Teil von ihm beneidet sie darum. Vielleicht sogar mehr, als er sich eingestehen will. Er wünscht, er könnte in ihre Köpfe sehen, das Geheimnis ihrer Sorglosigkeit ergründen. Doch je länger er in dieser Existenz wandelt, desto klarer wird es: Mit jedem Jahr als Vampir entfernt er sich weiter von den Sims. Sie feiern das Leben – während er es längst hinter sich gelassen hat.

Du weißt nie, was sie dir vielleicht nicht zeigen.“, sagt Lilly nachdenklich. „Jeder hat irgendeine Fassade, die er aufrecht hält. Aber loslassen zu können ist ebenso wichtig.“ Viktor dreht sich für einen Moment zu ihr um. Der letzte Satz trifft ihn mehr als er zugeben möchte. Loslassen... Es klingt einfacher als es ist. Wenn ihn die Sache mit Rasputin ihn eines gelehrt hat, dann, dass Depression jeden treffen kann. Er sieht in Richtung der Bühne. „Ich wünschte jedenfalls, sie wären etwas leiser beim Loslassen.“



"Wäre möglich.
“ Rin zuckt kaum merklich mit den Schultern. „War nur ein Gedanke, nichts weiter.“ Auf Viks Worte entgleitet ihm ein kleines, schiefes Lächeln. „Wie recht du hast! Alles wird lauter, die Zeit rast schneller. Man kommt kaum noch hinterher.“ Seine Augen gleiten über die tobende Menge, die Musik pulsiert in seinen Adern. "Aber könnt ihr das Adrenalin riechen? Ich kann ihr Blut förmlich vor mir schmecken.“ Ein kaltes Funkeln liegt in seinem Blick. "ich esse selten von Sims… doch heute habe ich richtig Appetit.“

„Ich versuche mir jedenfalls diesen Teil der Menschlichkeit zu bewahren. Wäre schwierig, wenn ich mich einerseits für Toleranz einsetze und mich andererseits an simlischen Opfern vergreife
.“, erklärt Lilly, „Aber es ist nicht immer einfach. Blut sättigt eben mehr als diese Plasma-Tränke.“ Sie überlegt einen Moment. „Dein Geruchssinn ist außergewöhnlich stark, nicht wahr? Ich kenne das eigentlich nur dann, wenn ich wirklich Durst habe. Im Moment kann ich mich noch zurück halten. Vielleicht bin ich Menschenmassen mittlerweile auch einfach besser gewohnt als du.“ Sie denkt an die Rocknacht zurück, als sie die Bestie in ihr nur mit Mühe zurück halten konnte. Aber mittlerweile geht auch das besser. Das Toleranz-Event, die Konzerte... alles Momente mit vielen Menschen. Alles Training. Sie lächelt leicht. „Aber du tust ja auch aktiv was gegen deine Einsamkeit. Das finde ich bedeutsam und wichtig. Es braucht Mut, die eigene Komfortzone zu durchbrechen.“ Nun sieht sie auch Viktor an.



"Das ist eine ehrenhafte Eigenschaft.“ Rin sieht sie anerkennend an, seine Augen glänzen im flackernden Schein der Scheinwerfer. Er weiß ihre Beherrschung zu schätzen. Doch für ihn wird es zunehmend schwer, still zu bleiben. Der Schweiß, das Adrenalin, das durch die Venen der Menge jagt all das sickert in seine Sinne, reizt ihn, lockt ihn. Er will kosten. Nur ein winziges bisschen, ein Hauch auf der Zunge… doch er zwingt sich zur Ruhe. Noch. Seine Finger krallen sich in den Stoff seiner Hose, als würde allein der Griff ihn am Platz halten. Unüberlegte Taten sind gefährlich und so bleibt er brav sitzen, den Blick starr auf die tanzende Masse gerichtet. "Ich bin das erste Mal in einer so großen Simsmenge“, gesteht er schließlich, die Stimme leiser, als würde er ein Geheimnis preisgeben. Und dann auch schon so lange. Es fällt mir schwerer, als ich dachte.“ Ein unsicheres Lächeln huscht über seine Lippen, ehe er hinzufügt: „Ja… vielleicht sollte ich das wirklich trainieren.“

„Sehr löblich.
“, nickt Lilly. Sie erkennt, wie schwer es Rin fällt. Auch Viktor scheint wieder in Melancholie verfallen sein. Kein Wunder. Er stellt sich ständig neuen Herausforderungen. Der Reise nach Ravenwood. Dem Mondfestival. Und jetzt hier... Aber was macht IHM Spaß? Eines ist sicher.. beide Männer müssen lernen, loszulassen. Sie schweigt für einen Moment, bis sie einen Entschluss fasst: „Los, gehen wir für einen Moment schwimmen! Das habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Erst recht nicht im Meer.“



"Danke, Lilly!
“ Rin sieht sie an, als hätte sie ihm gerade etwas völlig Absurdes vorgeschlagen. Schwimmen – das letzte Mal war er im Meer gewesen, da war er noch ein Sim. Der Gedanke wirkt fremd, beinahe unwirklich. Doch er möchte nicht unhöflich sein und nickt schließlich. "Gut… schwimmen wir.“ Er erhebt sich und geht in Richtung Meer. Mit jedem Schritt entfernt er sich von der Musik, die Bässe verklingen, werden schwächer, bis sie nur noch wie ein fernes Echo in der Nacht hängen. Dafür treten andere Klänge in den Vordergrund: das stetige Rauschen der Wellen, das rhythmische Atmen des Ozeans. Rin atmet tief ein. Die Salzbrise streift seine Haut, legt sich auf seine Lippen. Ein Gefühl steigt in ihm auf – undefinierbar, flüchtig. Ist es Nostalgie? Er weiß es nicht. Doch er lässt es zu, denkt nicht weiter darüber nach. Schweigend zieht er sich bis auf die Boxer aus, der kühle Nachtwind fährt ihm über die Haut. Für einen Augenblick steht er da, lauscht dem Rauschen, ehe er langsam ins Dunkel der Wellen tritt.



Lilly lächelt. "Einen Moment, ich zieh mich noch um." Sie verschwindet hinter einem Felsen, um sich umzuziehen. Viktor sieht ihr nach. Er wusste, dass es dazu kommen würde. Aus welchem Grund sonst hätte sie darauf bestehen sollen, auch Badesachen mitzunehmen? Aber es ist ihm nur ganz recht. Sie hat Spaß, und es ist immer noch besser als die ganze Zeit dem Lärm ausgesetzt zu sein. "Frag mich nicht. Ich weiß auch nicht, woher sie immer diese Energie nimmt.", murmelt Viktor in Rins Richtung. Und doch zeigt sich ein kleines Schmunzeln auf seinen Lippen. "Und ich würde etwas vermissen, wenn es nicht so wäre." Auch er zieht sich um, legt seine Klamotten sorgfältig unter eine Palme.

Rin sieht Lilly nach, wie sie sich entfernt, während er selbst mit den Zehen das Wasser berührt. Die kühle Oberfläche kräuselt sich um seine Füße. Er nickt Vik zu, als dieser spricht.
"Beneidenswert“, murmelt Rin. "Ich hätte auch gern wieder so viel Energie. Doch im Moment fühle ich mich... rastlos. Als würde mir etwas die Kraft rauben.“
Er lächelt schwach. „Vielleicht sollte ich mich wirklich anstecken lassen. Könnte mir guttun.
Er beugt sich hinunter, das Wasser glitzert im Mondlicht. Da bemerkt er einen kleinen Krebs, der zwischen den Steinen hervorblinzelt. Rin taucht die Hand ein, und der kleine Geselle schnappt sich neugierig seinen Finger.
Rin hebt ihn vorsichtig hoch, betrachtet ihn aufmerksam. "Dein Leben liegt nun in meinen Händen“, sagt er mit gespielt düsterer Stimme fast, als würde er ein uraltes Urteil sprechen.
Einen Moment lang hält er inne, dann schmunzelt er und lässt den Krebs sanft zurück ins Wasser gleiten. Die winzigen Scheren verschwinden wieder zwischen den Steinen, als wäre nichts gewesen.
"Bist du weiter gekommen mit deiner Suche nach der Wahrheit?", fragt Viktor beiläufig. Er sieht zum Felsen. Noch ist Lilly beschäftigt und zu weit entfernt, das Gespräch zu hören, doch er senkt trotzdem seine Stimme und bleibt leise.
Rins Miene hellt sich auf. "Ja, ich habe etwas aufgeschnappt — offenbar soll in den Wäldern von Moonwood eine Vampirin gesichtet worden sein.“ Er zuckt mit den Schultern, halb nachdenklicher Miene "Die Beschreibung könnte passen, aber viele Vampire sehen einander ähnlich. Noch nichts Handfestes, und das Ganze ist schon Wochen her. Trotzdem will ich mir die Wälder ansehen. Schadet sicher nicht.“



Er wird ernster, die Stimme kühler. "Außerdem ist mein Foltermittel für sie bereit.“
Bei diesen Worten legt sich ein dunkler Schatten über sein Gesicht, so als würde etwas Kaltes durch die Luft wehen
Viktor mustert Rin. Es gefällt ihm nicht. Trotz seiner Warnung ist sein alter Freund noch immer tief in seiner Rache gefangen. Aber was hat er auch erwartet? Er selbst konnte sich auch nie davon befreien. Er legt seine Hand auf Rins Schulter. "Tu nichts überstürztes.", sagt er nur. Zu mehr kommt er nicht. In diesem Moment kommt auch Lilly wieder zurück. Sie wirkt nicht so, als hätte sie etwas mitbekommen. "Also dann, Jungs! Seid ihr bereit für die Abkühlung?", fragt sie fröhlich.

Rin sieht Vik an; er kennt dessen Haltung. Doch kann er wirklich auf seine Rache verzichten? Wie wird es sein, wenn er dieser Frau gegenübersteht, die seine Familie ins Verderben gestürzt hat? Kann er sie einfach laufen lassen? Sie ist schuld daran, dass sein Leben sich von einem Tag auf den anderen verändert hat — und nicht zum Besseren. "Ich versuche es, Vik. Ich kann nichts versprechen.“ Seine Stimme ist rau, aber er bemüht sich um Beherrschung. Kurz schaut er zu ihr, zuckt mit den Schultern. „Wir werden sehen.“ Wasserliebhaber war er nie, doch er will hier niemanden enttäuschen. Also fügt er sich, zieht die Füße tiefer ins kühle Nass und macht einfach mit — nicht aus Lust, sondern aus Pflichtgefühl.



Viktor blickt Rin lange an. Er würde später mit ihm reden, unter vier Augen. Erst einmal ist Lilly das Thema. Er folgt ihr ins Wasser. Für einen Moment denkt er an die Nacht zurück, als er mit ihr im Magnolienblütenpark war. Das war das letzte Mal, als er schwimmen war, und es fühlt sich so an als sei eine Ewigkeit vergangen. Noch vor der Depression. Seine Füße berühren das Wasser. Er sieht zu Lilly, die bereits tiefer im Wasser ist. Nicht weit von ihr entfernt blinken noch immer die Lichter vom Festival. Vik atmet tief ein. Er sollte wirklich versuchen, etwas abzuschalten. Kaum ist der Gedanke ausgesprochen, lässt sich Lilly auf den Rücken fallen. Er taucht unter, tut es ihr nach. Für einen Moment treiben beide nebeneinander im Meer.



Er sieht Vik fragend an, versucht zu erraten, was wohl gerade in dessen Kopf vorgeht. Einen Moment später folgt sein Blick den beiden und ein leises Schmunzeln huscht über seine Lippen. Irgendwie… passen sie zusammen, denkt er. Da ist etwas zwischen ihnen, etwas Echtes. Er hebt den Blick zum Himmel. Die Sterne glitzern klar über dem ruhigen Wasser, der Mond spiegelt sich silbern auf der Oberfläche. Eine atemberaubende Kulisse – still, friedlich, fast unwirklich. Für einen Augenblick vergisst Rin alles andere. Er lässt das turtelnde Paar gewähren und zieht sich innerlich zurück. Die Ruhe tut gut. Das leise Plätschern, die Nachtluft, das sanfte Glühen des Mondes – all das scheint die Unruhe in ihm zu besänftigen. Zum ersten Mal seit Langem fühlt er sich... einfach nur da.

Die Musik des Festivals ist von hier aus kaum noch zu hören. Lilly blinzelt zu Viktor. Endlich scheint er ein wenig entspannen zu können. Es tut auch ihr selbst gut. Sie hätten von Anfang an hierher kommen sollen.



Rin wirft einen kurzen Blick zu den beiden hinüber. Ein warmes Lächeln huscht über sein Gesicht – es tut gut, seinen Freund so glücklich zu sehen. Und gerade deshalb will er sie nicht stören. "Ich denke, ich werde mich ins Hotel zurückziehen“, sagt er ruhig, während er sich erhebt. „Für heute reicht’s mir. Ich freu mich auf morgen.“ Er hebt kurz die Hand, winkt den beiden Liebenden ein letztes Mal freundlich zu und macht sich dann auf den Weg. Seine Schritte verhallen leise im Sand, während die Nacht sich langsam über die Landschaft legt und nur das Rauschen des Wassers hinter ihm bleibt.

Viktor sieht Rin nach, will ihm noch etwas hinterher rufen, doch er ist schneller. Fühlt er sich wie das fünfte Rad am Wagen? Er sieht zu Lilly, die ebenfalls überrascht über Rins plötzlichen Aufbruch wirkt. "Nanu, hätten wir ihn mehr einbeziehen müssen?", fragt sie, "Es war nicht meine Absicht ihn auszugrenzen." Viktor schmunzelt. Empathisch wie eh und je. "Ach mach dir keine Sorgen, Lilly. So wie ich ihn einschätze, ist er nicht beleidigt. Er will sich nur niemandem aufdrängen. Wir sehen ihn ja morgen." Lilly erhebt sich. "Na ich hoffe, es ist alles in Ord..." Weiter kommt sie nicht. Ein Schwall Wasser platscht ihr ins Gesicht. "Da muss wohl jemand lernen, auch mal loszulassen!"



Lilly schaut ihn perplex an. Ausgerechnet Viktor! Ihr sturer, kontrollierter Viktor! Nun fällt sie doch in ein Lachen. "Na warte!" Für einen Moment ist Rin vergessen, nur die kindliche Freude am Rumalbern im Meer ist noch übrig. Es tut gut, ihn so zu sehen. So gut. Eine Weile bleiben die beiden noch im Meer, bis auch sie sich zum Aufbruch entscheiden. "Du wirst sehen, Lilly.", erklärt Viktor, während er seine Sachen zusammen sammelt, "So schlimm wird das schon nicht werden. Wir machen es uns richtig gemütlich in der Höhle, ich habe dafür schon einiges mit eingepackt." Weiter plaudernd machen sie sich auf den Weg. Viktor ist zufrieden mit der Unterschlupf-Wahl. Die Bar ist zu nah am Festival, da wäre es ihm zu laut geworden. Doch in der Höhle haben sie ihre Ruhe.


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05.11.2025 18:43
avatar  Ripzha
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Die salzige Meeresbrise kitzelt Avaluna wieder in der Nase. Sie atmet tief ein, doch in ihrer Brust liegt noch immer ein schwerer Stein, der vom Abschied zurückgeblieben ist. Der Abend hängt ihr in den Knochen wie ein Schatten, der nicht weichen will. Sie schüttelt den Kopf, bereut, dass sie ihn nicht einfach gefragt hat. Aber heute – heute wird nicht gegrübelt. Heute wird gefeiert.
Schon von Weitem dröhnen die Boxen, wummern Bässe über den sandigen Boden bis in ihre Glieder hinein. Stimmen schallen über das Gelände, ausgelassenes Lachen mischt sich mit dem Knacken von Dosen, dem Klirren von Gläsern, dem dumpfen Pochen der Musik. Ava hält ihre Karte hoch, ein kurzes Nicken am Eingang, dann tritt sie durch das Tor.
Die Abendsonne taucht den Himmel in Gold und Orange, blitzt ihr grell ins Gesicht. Sie blinzelt, hebt eine Hand gegen das Licht, und ein kleines Lächeln huscht über ihre Lippen. Dieses Leben – dieses Chaos, diese Freude, die von all den Menschen um sie herum ausstrahlt – genau das braucht sie jetzt. Ein kleiner Fluchtweg vor dem Gewicht, das noch immer auf ihrem Herzen lastet.



Dass Nari kurzfristig absagen musste, ist bitter. Ava hätte sich gewünscht, heute nicht allein hierherzukommen. Doch sie hat sich nicht davon abhalten lassen. Wenn sie den Abend eben alleine verbringt, dann soll es so sein. Immerhin gibt es Musik, vielleicht auch neue Begegnungen. Und zur Not sie klopft auf die Tasche, in der ihre Jolly sicher verstaut ist hat sie eine kleine Geheimwaffe für ihre Laune.
Sie reiht sich an der Bar ein, der Geruch von Bier, süßem Sirup und frittierten Snacks hängt schwer in der Luft. Das Knistern der nahen Fackeln mischt sich mit dem Rhythmus der Musik. Ein Getränk – das ist jetzt genau das Richtige.

Vaas lümmelt schon länger an der Bar. In der Hand ein Becher mit Bier, während er McRoz erklärt, dass diese Band da vorne eigentlich schon morgen pleite ist, wenn sie nicht lernt, wie man die Menge richtig fickt. Sein Blick schweift über die Menge ohne dass ihn McRotz' Antwort interessiert, bleibt mal an einem Kleid hängen, mal an einer Grimasse, mal an einem Typen, der seine Freunde mit einem Tanz beeindrucken will. Alles ist ein Spielplatz. Alles ist Beute.



Dann sieht er jemanden. Er schiebt sich von der Bar weg, ignoriert McRotz der noch mitten in der Antwort war und irritiert abbricht. Grinsend, als hätte er den Jackpot gezogen, stellt er sich direkt neben die Frau mit den Dreads. Er zieht dann die Augenbraue hoch und bohrt sich den Finger in die Wange. „Sag mal,“ beginnt er, die Stimme viel zu laut für die Distanz zwischen ihnen, „komm ich dir bekannt vor?“
Das Grinsen wird schief, ein Hauch von Herausforderung darin. „Weil du kommst mir vor wie jemand, der mich kennt. Oder jemanden kennt, der mich kennt.“ Er kippt den Rest seines Bechers runter, stellt ihn mit einem dumpfen Schlag auf den Tresen. „Also ja oder ja?“ grinst er.



Ava dreht sich zu dem Fremden um und mustert ihn aufmerksam. Sein Stil wirkt eigen, fast schräg doch genau das hat etwas. Mut muss er auf jeden Fall haben, und dieser Mut gefällt ihr.
Zuerst hält sie seine Worte für einen plumpen Anmachspruch. Genervt will sie sich schon abwenden, doch als er weiterspricht, verändert sich ihr Blick. Allmählich versteht sie, worauf er wirklich hinauswill, und ein Grinsen schleicht sich über ihre Lippen.
Kurz schaut sie sich um, die wummernden Bässe mischen sich mit dem Rauschen der Stimmen, grelle Lichter zucken über das Festivalgelände. Dann greift sie nach seinem Arm, zieht ihn entschlossen neben die Bar und steuert auf die Toiletten zu. Dort dreht sie sich so, dass ihr Rücken die Menge abschirmt.
Mit einer geschmeidigen Bewegung kramt sie in ihrer Tasche, zieht ein kleines Tütchen Gras hervor und hält es so, dass nur er es sehen kann. Ihr Blick ist spitzbübisch, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch:
"Da du neu bist, mache ich dir einen guten Preis. Nenn es Neukundenbonus.“
Ein Lächeln blitzt auf ihrem Gesicht, frech und selbstsicher, während der Bass von draußen wie ein zweites Herzschlagen hämmert.



Vaas blinzelt, als sie ihn so resolut am Arm zerrt. Seine Stirn runzelt sich vor lauter hä?. Sie zieht ihn Richtung Klos, und er denkt: oah krass, direkt Action, und seine Finger sind schon am Gürtel. Doch dann sieht er, was sie aus der Tasche zieht und hält inne.
„Ahaaa…“ Vaas kippt in pure Belustigung. Er mustert das Grünzeug, das sie ihm wie einen geheimen Schatz hinhält. „Dacht schon, du willst mich gleich hier in der Kabine vögeln. Wär auch n Angebot gewesen.“ Er drosselt die Stimme, als er die Tüte entgegennimmt.
Zwischen den Fingern wiegt er es, dreht es gegen das Licht, schnuppert theatralisch daran. Ein tiefes, anerkennendes Schnauben, dann ein skeptisches Zucken mit der Augenbraue. „Nicht schlecht… aber riecht n bisschen wie das Zeug, das sie den Schulkindern in Sequoia andrehen.“

Er blinzelt sie schief an. „Ganz ehrlich – ich kauf ungern Katze im Sack. Auf einer Skala von 1 - 10 wie gestreckt ist das Zeug?“ Ein schiefes, fast zu freundliches Grinsen leuchtet sie an.

Sie hebt eine Augenbraue, erinnert sich flüchtig an die letzte Flaute. Noch immer ist sie überzeugt, dass es nicht an ihm gelegen hatte. Ein One-Night-Stand, der ihr vielleicht dieses flüchtige, fiebrige Gefühl vom letzten Mal zurückbringen könnte? Darauf kann sie heute verzichten.
Doch dann, als seine nächsten Worte an ihr Ohr dringen, bricht sie in schallendes Gelächter aus. Für einen Moment war sie überzeugt gewesen, einer ihrer Kunden hätte ihn vorgeschickt. Aber nein es ist tatsächlich ein Anmachspruch. Ein unbeholfener, fast schon rührender Versuch.



"Dein Ernst, Kleiner? Das war dein Spruch, um eine Frau rumzukriegen?“ Ihre Stimme tanzt zwischen Spott und Neugier. Mit verschränkten Armen mustert sie ihn, die bunten Festivallichter werfen flackernde Muster auf sein Gesicht.
"Sei ehrlich – wie oft klappt das?“ fragt sie und ihr Blick bohrt sich neugierig in den seinen.
Er grinst, und plötzlich wirkt er nicht mehr nur plump, sondern fast schon niedlich. Sie lächelt zurück, lässt sich von der ausgelassenen Stimmung mitreißen, tritt näher an ihn heran, so nah, dass ihr Atem sein Ohr streift.
"Ganz ehrlich, ja?“ flüstert sie, während im Hintergrund der Bass des nächsten Tracks wie ein Herzschlag vibriert. "Ich rauche selbst. Und ich will nichts Gestrecktes. Also… gaaaaaanz ehrlich. Es ist nicht gestreckt? Was ist? Rauchen wir einen zusammen? Und du überzeugst dich selbst, wie gestreckt es ist?“

Vaas lacht auf und schüttelt den Kopf. „Ich glaub DU bist n bisschen gestreckt, Baby. ICH mach doch keine Sprüche. Das mein ich so todernst wie mein Gesicht.“, er rollt breit grinsend die Augen als wäre das, das absurdeste der Welt. „Ich dacht echt, du kommst mir bekannt vor… aber is halt einfacher, dich zu fragen, ob ich DIR bekannt vorkomm. Weil… sieh mich an… die Fresse vergisst man nich so schnell.“ Er tippt auf sich und zwinkert verspielt.
Sein Blick bleibt bei ihr, als sie so nah steht, dass er ihren Atem an seiner Haut spürt. Er bewegt sich keinen Zentimeter zurück. Im Gegenteil. Ein Grinsen, breit und dreckig, bricht über sein Gesicht. „Aber! Klappt trotzdem ziemlich gut, wa? Beweisstück A.“ Er weisst auf sie, die jetzt hier mit ihm steht und er ist um einen Joint reicher. Mit dem Finger schnippt er gegen den Joint, den er noch hält, und schiebt sie ohne Diskussion raus aus der stickigen Kabine, zurück ins Dröhnen der Menge. „Den ziehen wir auf jeden Fall jetzt durch. Ob gestreckt oder nich is mir eigentlich egal.“
Zwischen den Lichtern draussen hält er das Zeug hoch, als wäre es ein Preis. Ganz egal wer das sieht. „Ich wollt nur wissen wessen Mittelsfrau du bist. Ich hätt vielleicht n Deal für den Gärtner.“ Seine Stimme locker, aber in den Augen liegt ein scharfes Funkeln.



Ava lacht leise über seine Bemerkung, lässt sie aber ohne weitere Antwort einfach im Raum stehen. "Ja, das stimmt nein, dich habe ich noch nie gesehen! Also kennen wir uns wohl tatsächlich noch nicht.“ Mit einem spielerischen Funkeln in den Augen zwinkert sie ihm zu. Sie beobachtet gespannt seine Reaktion, während ein amüsiertes Schmunzeln ihre Lippen umspielt. Es ist lange her, dass sie jemanden so interessant und gleichzeitig so herrlich witzig fand. Irgendetwas an ihm wirkt erfrischend, fast ansteckend genau das Richtige, um ihre trübe Stimmung ins Gegenteil zu verkehren. "Super! Zu zweit raucht es sich eh viel besser“, sagt sie, und auf seine nächste Frage legt sich ein breites Strahlen auf ihr Gesicht. Als sie die Kabine verlassen flimmert um sie herum ferne Bässe, vereinzeltes Lachen, der süße Geruch von Sommer und Freiheit. Neue Bekanntschaften waren hier fast so kostbar wie kalte Getränke. "Ach echt? Der kommt ja wie gerufen!“ Sie lacht, lehnt sich ein wenig näher zu ihm und fügt mit verschwörerischem Tonfall hinzu: „Ich bin die Gärtnerin. Also los lass hören. Ich bin ganz Ohr.“

„Na guck mal, Jackpot. Direkt die Gärtnerin erwischt.“ Er deutet mit zwei Fingern auf sie, als würde er sie offiziell ernennen. Vaas lässt sich mit einem Plumps ins Gras fallen. Er kramt ein Feuerzeug hervor, steckt sich den Joint zwischen die Lippen und zündet ihn an.
Der Rauch kringelt sich sofort vor seinem Gesicht hoch. Er kneift die Augen ein bisschen zusammen, zieht genüsslich und stösst die Wolke dann schief grinsend aus. Dann tippt er sich gegen die Brust. „Vaas. Strassenmechaniker, wenn dir die Karre verreckt. Kabelkünstler, wenn du Strom brauchst, wo eigentlich keiner sein sollte. Bastler, Tüftler, Schrauber – und wenn gar nix mehr geht, dann bin ich das Genie, das es trotzdem zum laufen kriegt.“
Sein Grinsen wird breiter, während er den Joint zu ihr hoch reicht.
„Also… ich hab da nämlich n Plan. Und wenn du das Zeug anbaust, und ich so gut bin, wie ich behaupte, dann heisst das doch, wir könnten was starten, stimmts?“



Sie lacht über seine übertriebene Geste, macht es ihm nach und lässt sich ebenfalls mit einem Plumps auf den Boden fallen. Der Untergrund ist weich von Gras und Staub, der Geruch von Erde mischt sich mit einer süßen Wolke, die in der Luft hängt. Hier, ein Stück abseits vom bunten Treiben, ist die Musik gedämpfter, doch noch laut genug, dass die Melodien klar zu erkennen sind.
Mit einem neugierigen Lächeln nimmt sie den Joint entgegen. Ihre Finger zittern kaum merklich, als sie den Rauch tief einzieht. Die Lunge füllt sich, die Welt hält für einen Herzschlag inne, dann stößt sie die dichte Wolke wieder aus. Ein Schleier legt sich über alles, und mit ihm fallen die letzten Spannungen des besagten Abends von ihr ab. Sanft, fast wie von einer warmen Decke, wird sie vom Rausch eingehüllt.
Gras sei Dank“, denkt sie und muss grinsen.
Sie reicht Vaas den glimmenden Stummel zurück, lauscht seinen Worten und kichert immer wieder über seine schrägen Vergleiche. Bei seiner letzten Bemerkung schüttelt sie lachend den Kopf, die Augen glänzend vom Licht und Rauch.
"Du hast echt einen Knall! Aber genau das gefällt mir an dir. Also willst du tatsächlich für mich verkaufen?“
Der Gedanke überrascht sie selbst. Noch nie hatte sie so etwas ernsthaft erwogen. Aber seit sie ihre zweite kleine Plantage gehegt hat, spürt sie, dass sie Hilfe gebrauchen könnte. Vielleicht kommt er wirklich wie gerufen.
"Ich bin übrigens Avaluna“, fügt sie hinzu, während ihre Stimme sich zwischen die Bässe der Musik legt. "Vaas, hab ich das richtig verstanden?“



„Der einzig Wahre, Baby.“
Vaas nimmt den glimmenden Joint zurück, zieht einmal tief und lehnt sich im Gras zurück, den Blick auf sie gerichtet. Ein paar Sekunden lässt er den Rauch durch die Nase steigen, dann grinst er breit, beugt sich leicht vor. „Pass auf, mit Grünzeug hab ichs nich so. Ich krieg sogar scheiss Plastikblumen tot. Frag nicht wie, das is n Talent.“ erzählt er mit beiläufiger Handbewegung, während er sie nicht aus den Augen lässt. „Die Strasse is meins. Ich verkauf dir den Shit nicht nur, ich mach ihn bekannt. Wenn wir zwei Partner werden – du mit deinem grünen Daumen, ich mit meinem Maul und meinen Verbindungen – dann expandierst du fett. Bis wir rund um Sequoia nen Ring haben, in dem jeder Strassenköter kifft.“
Er zieht noch mal und lehnt sich nach hinten, fängt sich bevor er auf den Rücken fällt und grinst. „Fuck, ist echt gutes Zeug.“ Kurz vergisst er, was er erzählen wollte, schaut auf den Joint und nickt anerkennend.
Er reicht ihn ihr wieder. „Ich kenn jede Ecke in Sequ, jeden kleinen Bastard, der was will und nicht weiss, woher ers kriegen kann. Ich hab Kontakte ohne Ende. Dein Zeug braucht nur n Namen. Schwör, wir machen das weltbekannt. Die Leute werden fragen, ob das original von dir is. Dein Shit….! Unser Shit!!“
Dann lehnt er sich zurück, lächelt. „Wie hört sich das an? Und…!“ er tippt sich gegen die Schläfe, zieht die Braue hoch, „wenn du was brauchst, was dir die Arbeit leichter macht. Lampen, Bewässerungsanlage, weis der Geier, ich kanns bauen. Ich bastel, du züchtest. Ich vertick in Sequ du in… wo auch immer du her kommst. Geil oder?“



Avaluna runzelt die Stirn, während sie Vaas zuhört. Sie spürt seine Euphorie fast hätte sie sich davon mitreißen lassen, bis das eine Wort fällt: "Wir machen dich weltbekannt.“
Ein Schauer durchfährt sie, Angst fährt ihr in die Knochen. Ihre Hände beginnen zu zittern, ihr Gesicht verändert sich schlagartig, von Angst gezeichnet. Die sanfte Ruhe, die der Joint ihr eben noch geschenkt hat dieses Gefühl, in Watte gepackt zu sein zerreißt in einem Augenblick, als wäre sie nie da gewesen.
Nein! Er … und sie … so könnten sie mich finden.



(In Zusammenarbeit mit @Salia)


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05.11.2025 19:19 (zuletzt bearbeitet: 06.11.2025 12:45)
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<<< Sullivan 'Blaze' Blaisdell kommt von Del Sol Valley (2) <<<
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Blaze Dennah David, Pita, Elena


Am Einlass zieht eine Helferin Blaze das Stoffbändchen ums Handgelenk. Ein Stück hängt über. Er sagt nichts, nimmt es hin, wie alles gerade. Eine Zigarette steckt zwischen seinen Lippen, das Feuerzeug klickt. Die Flamme lodert kurz und er zieht kräftig, bis die Glut aufleuchtet. Rauch füllt seine Lunge, kratzt wohltuend und beruhigt zugleich. Auch wenn Nari meinte, sie kommt nicht – sie sind trotzdem hier. Vielleicht gerade deswegen. Weil es besser ist, sich unter die Menge zu mischen, als irgendwo rum zu sitzen, wegen...
Halt mal“, murmelt er und reicht Dennah das überstehende Ende des Bändchens. Sie zieht es straff, er setzt die Flamme an. Als es durchtrennt ist, drückt er das glühende Ende mit den Fingern platt, schnell genug, um sich nicht zu verbrennen. Ein dumpfer Geruch steigt auf, dann ist es erledigt.
Er steckt das Feuerzeug weg, nimmt die Kippe zwischen die Finger und stösst rauch aus. Mit der freien Hand legt er wie selbstverständlich den Arm um Dennah, zieht sie leicht zu sich heran und sie verschwinden im Getummel.
Blaze blinzelt zu ihr, ein leichtes Grinsen in den Mundwinkeln. „N Drink?“

Seit Tagen sind sie nicht voneinander gewichen und haben dabei kaum gesprochen. Es ist als hätte der Knall sie mit einem unsichtbaren Band aneinander gebunden. Ein Band, das ihnen die Köpfe leer gefegt hat. Sie beide haben keine Worte für das, was passiert ist und so teilen sie ihr Schweigen.
Ein flüchtiger Blick streift Blaze, während Dennah ihm assistiert. Noch immer trägt er etwas Abgeklärtes in seiner Mimik. Das Gefühl, dass das jetzt wohl zu ihm gehört, drängt sie weit in den Hintergrund. Sie sind zusammen. Das ist, was zählt.
Ihre Hand schiebt sich in seine Gesäßtasche - als Antwort auf seinen Arm um ihre Hüfte. Die freie Hand zupft die Zigarette aus seinen Fingern, um einen tiefen Zug zu nehmen, ehe sie sie ihm, knapp, aber unmissverständlich auf die Frage nickend, wieder zurück reicht. Ein paar Meter weiter sieht sie David in Begleitung zweier Mädels stehen. Die Kleine identifiziert sie als seine Schwester, während die freie Hand sich zu einem Gruß hebt. "Irgendwas starkes. Überrasch mich." Mit einer eleganten Drehung schwenkt sie vor Blaze ab, nicht ohne ihm einen kurzen, aber kräftigen Kuss auf den Mund zu geben. "Ich sag kurz hallo und geh pinkeln." Ihre Finger streifen seine Brust, dann den Arm, als würde sie sich nur widerwillig von ihm trennen und sie schenkt ihm ein zartes Lächeln, dem trotz aller Mühe irgendwie etwas Trauriges anhaftet.
Eiligen Schrittes läuft sie auf die kleine Gruppe zu, wo David sie warm lächelnd in die Arme schließt. Zwei Atemzüge wiegt er sie sanft hin und her, seine Hände fest an ihrem Rücken. Auf Zehenspitzen reckt sie sich an ihm hoch, nimmt genüsslich seine Körperwärme auf. Er riecht nach Sommer, Vertrauen und nach David. Wenige Worte werden gewechselt, Namen ausgetauscht, ehe Dennah mit einem Ausfallschritt winkend Richtung Toiletten verschwindet und David auf Blaze zusteuert.



"Das is so eklich." Elena rümpft angewidert die Nase.
"DU bist eklig." Breit grinsend verpasst David ihr einen sanften Schubs in den Oberam, woraufhin sie zwei Schritte zur Seite taumelt. Haltsuchend greift sie nach der Hand des Bruders, der sie prompt auffängt. "Trink lieber noch was, du Saufschraube. Unter drei Promille bring ich dich nicht nach Hause."
"Das würde ich ja machen, wenn mir jemand noch was besorgen würde."
Elena ext den letzten Schluck und drückt David mit einem seligen Grinsen das leere Glas in die Hand.
Pita lacht zurückhaltend fröhlich. Als sie die rote Mähne auf die Gruppe zukommen sieht, formen ihre Züge ein aufgeschlossenes Lächeln. Wie könnte sie diese Erscheinung vergessen? Ihr Herz macht einen kleinen Sprung, drei Jahre in die Vergangenheit. Ihr war damals schon klar, dass aus diesem wilden Mädchen etwas Besonderes werden würde.
In einer fließenden Bewegung nimmt David zuerst das Glas, dann Dennah entgegen. Herzlich drückt er sie an sich. "Mal wieder eine ganz spezielle Augenweide.", schmunzelt er in ihr Ohr. Sie löst sich von ihm, die Mine gespielt ernst. "Ich seh gut aus, klar?!"
"Niemand würde was anderes behaupten.
", nickt er ernst zurück, ehe er nacheinander auf die Begleiterinnen deutet. "Du erinnerst dich an Lleennaa und Piiitaaa?", spricht er die Namen langsam und überdeutlich aus.
"Hast du nen Schlaganfall oder sowas?"
"Ja,
", nickt er Dennah funkelnd entgegen, "ich bin der mit dem kaputten Gehirn." Ein Kopfrucken zeigt Richtung Tresen. "Ich hol der Crew mal noch was."
Dennah folgt seinem Blick und landet schließlich auf Blaze, der bereits auf die Bestellung zu warten scheint. "Sei nett." Dennahs Stimme klingt ehrlich besorgt.
"Was denn? Ich bin ein Charmebolzen."
"Dietsch!"

Lachend hebt er eine Hand zur beschwichtigenden Geste, "Chill.", wendet sich um und erreicht kurz darauf die Bar.
Neben Blaze kommt er zum Stehen, beide Arme auf dem Tresen gelehnt, wirft er dem Bekannten einen aufgeschlossenen Blick zu, widmet sich dann aber dem Personal, das ihn fragend anschaut. "Ein Zitronenwasser, zwei Cola Rum bitte."
Die Frau macht sich sofort ans Werk und David wendet sich Blaze zu. "Ich werd nicht drum rum reden.", beginnt er leicht herüber gebeugt, um weniger intensiv gegen die Soundkulisse anbrüllen zu müssen. "Sie hats mir erzählt." Der Blick richtet sich Abstand gebend auf die Tresenfrau, doch der Körper bleibt in der Position. "Hör mal, ... es ist okay, wenn du mich nicht leiden kannst, aber Dennah ist wie ne Schwester für mich und du bedeutest ihr wirklich viel." Aufrichtig sieht er ihm nun direkt in die Augen. "Also lasst mich wissen, wenn ich was für euch tun kann. Das gilt für euch beide."
Er erwartet weder eine Antwort, noch eine Geste und so zückt er sein Portemonnaie, um die Getränke zu zahlen, bereit Blaze wieder seine Ruhe zu lassen, sobald das Geschäft abgewickelt ist.



Blaze lehnt am Tresen, das Gewicht auf einen Unterarm gestützt. Als David neben ihm auftaucht, reagiert er kaum. Er merkt, wie er sich innerlich sofort strafft, wie das Pokerface an seinen Platz rutscht, noch bevor der erste Satz fällt.
Dann hört er die Worte. Sie hats mir erzählt.
Ein Schlag in die Magengrube. Natürlich hat sie geredet. Sie musste reden. Irgendwohin musste das alles ja. Und er hatte es weggeschoben, dichtgemacht, jedes Mal, wenn das Thema an die Oberfläche wollte. Und sie hat stattdessen David gewählt. Er spürt keine Wut, nicht mal wirklich Enttäuschung. Es ist etwas anderes. Bitter und schwer einzuordnen. Vielleicht so etwas wie Eifersucht.
Steph bohrt sich von allein in seine Gedanken. Er lebt und Blaze sollte erleichtert sein, dass kein Blut an seinen und vor allem nicht an Dennahs Händen klebt. Doch was bleibt, ist unfassbar. Was macht man mit jemandem, den man schon beerdigt hatte? Schreibt man? Hält man die Klappe? Und was, wenn keine Antwort kommt? Er weiss, dass er es nicht aushalten würde auf eine Antwort von jemandem der sterben wollte zu warten. Vielleicht kann er gar nicht antworten... Also schiebt er auch das weg, tiefer, in die berühmte Box in der hintersten Ecke seines Verstandes.
David sieht ihn offen an. Blaze erwidert den Blick, aber sein Blick ist so neutral, dass es kalt wirkt.
Ok“, sagt er schliesslich. Dann greift er die beiden Becher, schiebt sich vom Tresen weg und dreht sich um.
Blaze bahnt sich einen Weg zurück durch die Menge. Als er bei Dennah ankommt, stellt er sich dicht vor sie, reicht ihr beide Becher. Noch bevor sie danken kann, schiebt er ihr Gesicht mit den freien Händen sanft hoch, seine Finger warm an ihrern Wangen. Der Kuss beginnt weich, dann zieht er sie näher, tiefer, inniger. In ihm drängt sich etwas nach vorne, das sich anfühlt wie eine Entschuldigung – dafür, dass sie zu David musste. Ein verzweifelter Versuch, das brennende Gefühl niederzuringen, ihr nicht zu genügen. Die Stimme wegzudrücken die ihm einflüstert, dass sie auch andere Bezugspunkte hat, andere, die sie berühren, trösten, sehen und er ihr eigentlich gar nichts nützt.
Sein Atem streift ihr Ohr, als er ansetzt. „Können wir vielleicht später r…-“ Doch das Wort erstickt.
Dennah zieht leicht den Kopf zurück, die Augen fragend, ein „Was?“ auf den Lippen.
Er schüttelt kaum merklich den Kopf, zwingt ein kurzes Lächeln in die Mundwinkel. „Schon gut. Nichts.“
Er nimmt seinen Becher zurück und stösst mit ihr an. Dann hebt er den Becher leicht zu den Umstehenden, ein kurzer Gruss, als wäre alles normal.




Auf dem Weg von der Toilette zurück streift Dennahs Blick die Gestalt von Vaas. Der hier? Sie weiß nicht sicher, warum, aber mit ihm hatte sie nicht auf diesem Festival gerechnet. Augenblicklich schießt ihr Nervosität ein. Ob Boom dann auch hier ist? Blödsinn. Strand ist nicht ihr Ding. Besonders nach dem letzten Aufenthalt in Sulani kann Dennah sich nicht vorstellen, dass die ehemalige Freundin noch einmal freiwillig auf die Insel kommt. Dennoch tastet ihr Blick sorgenvoll die vielen Gesichter der Umgebung ab. Angespannt erreicht sie Pita, die ihr prompt ein warmes Lächeln zuwirft. "Alles okay?", fragt die Ältere.
Dennah zwingt den rechten Mundwinkel in die Wange. "Jaja, hab nur nicht Lust auf jeden, der hier rumlaufen könnte."
"Das verstehe ich." Pita mustert das Mädchen. Wie schön sie in ihrer Wildheit ist. Der dünn bekleidete Oberkörper lässt Pita leise aufseufzen. "Bleib bei uns. Hier bist du in einem sicheren Kr-." Sie verstummt, als Blaze an Dennah heran tritt, ihr zwei Becher in die Hände drückt und sich in ihr Gesicht wirft. Ihr Ausdruck bleibt weich, während sich vor ihren Augen eine intensive Kussszene abspielt, von der sie noch vor einigen Jahren gewünscht hätte, sie wäre an Blaze' Stelle gewesen. Friedengebende Ruhe durchströmt sie, als sie erkennt, dass von diesen Gefühlen nichts weiter als freundschaftliche Zuneigung übrig geblieben ist.



Dennah empfängt ihn mit genussvoller Wärme, raunt, die Hüfte leicht vorschiebend, in den Kuss hinein. Das war schön. Langsam blinzelt sie ihm entgegen. Was hat David bloß zu ihm gesagt, dass er ihr so innig begegnet? Stumm tanzt ihr Blick zwischen seinen Augen und Lippen hin und her. Etwas ist anders. Sie kann es nicht in Worte fassen, aber der Unterschied ist deutlich. "Das ist Blaze.", sagt sie in die kleine Runde, den Blick nur widerwillig von ihm nehmend. "Das sind Marina und Rita."
"Elena.
", berichtigt die Jüngste.
"Pita.", fügt die Älteste an.
Dennahs Schultern deuten ein 'was auch immer' an, gerade als David von der Seite ins Bild geschlendert kommt und beide alkoholische Getränke abgibt.
Neugierig betrachtet Pita ihren alten Freund. "Bleibst du nüchtern heute abend?"
"Er trinkt doch ni
e.", raunt Dennahs Stimme beinahe maulig gegen ihren Becher. "Voll die Verschwendung."
"Tatsächlich
." Hinter Pitas braunen Augen leuchtet ein verwundertes Fragezeichen auf, als ihr Blick den Blonden trifft.
"Hab ich mir abgewöhnt.", entgegnet David sachlich.
Pitas Mundwinkel hebt sich zu einem angedeuteten Lächeln. "Wieso? Du warst gut darin."
Seine Mimik bleibt ernst. Zu ernst, um gespielt zu sein. "Man weiß nie, wann man sein Hirn am dringendsten braucht." Er sieht sie an, ohne zu blinzeln - und sie versteht. Ihr Lächeln erstickt zu einem trockenen Schlucken. Als hätte jemand ihr eine brutale Abfuhr erteilt, senkt sie den Kopf, schaut bemüht gefasst in ihr Glas, das sie daraufhin leicht schwenkt, bevor sie einen großen Schluck nimmt. "Das war unnötig." Ihre Stimme klingt noch immer weich.
"Du hast gefragt." Davids Mimik ruht regungslos auf ihrem Gesicht.



"Ich möchte jetzt tanzen.", hebt Pita den Blick mit einem neuen Lächeln in die Runde. "Begleitet mich jemand?"
Dennah wirbelt von der Idee angetan zu Blaze herum. "Komm, tanz mit mir." Das Getränk stürzt sie herunter, wirft den Becher unachtsam hinter sich und legt die Arme über seine Schultern.
"Findest du das richtig, oder was?" Genervt deutet David auf den Becher. Kein Wunder, dass die Welt so aussieht, wenn jeder seinen Müll einfach hinter sich wirft.
"Scheiße, hör auf vierzig zu sein!" Mit einem Blick totaler Missbilligung meckert Dennah ihm über die Schulter entgegen, ehe sie Blaze an die Hand nimmt, um ihn mit zu ziehen. "Kommt, wir feiern uns jetzt die Scheiße ausm Leib!"


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06.11.2025 07:13 (zuletzt bearbeitet: 06.11.2025 12:14)
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<<< Jack kommt von Del Sol Valley - Jacks Eigentumswohnung <<<

Jack


Mit hochrotem Wutkopf tritt Jack an ihrem Reißverschluss nestelnd so heftig aus der Toilettenkabine, dass sie ohne aufzublicken in die nächst wartende Person rennt. Dass sie diejenige ist, die verantwortlich für den Zusammenstoß ist, interessiert sie nicht. Was sie interessiert, ist das verfluchte Mistding an ihrem neuen Mit-dir-am-Leib-fühl-ich-mich-rebellisch-und-sexy-Hosenkauf. Mit der Entschlossenheit einer beleidigten Teenagerin hatte sie sich das heiße Spandex-Teil in einem gehobenen Erotikladen gekauft, nachdem sie von der zweiwöchigen Heimatreise zurück kam. Das Beinkleid hatte sie sofort angesprochen, da es nicht zu billig, zu nötig habend, zu offensiv und zu sehr mit dem Zaunpfahl winkend sein kann. Stilvoll, mit der - wenn entsprechend gestylt - nötigen Aussage, oder eben auch nicht, beziehungsweise nur zu einem dezenten Teil. Lady Boss-ig a la Jack.
Dieser recht neu entdeckte Seite ihrer Persönlichkeit konnte sie bisher noch nicht so viel Raum und Ausdruck schenken. Autonachversorgung, Villa, Familienbesuch... da war kein Platz für Mode-Eskapaden der Selbstfindung und Rebellion. Allerdings hatte sich der Versuch gelohnt. Bis eben. Der erste Ausflug, dass zweiten Mal getragen und Zack! Der Zipper mit dem Wegweiser aus kleinen ineinander greifenden Zähnchen, der so herrlich zierend unverdeckt eingenäht wurde, GEHTJETZTNICHTMEHRBISNACHOBENZU! Jacks Nasenflügel beben. Mit finsterer Mine marschiert sie fluchend am Shisha-Spot mit den herrlich süßen Tabbackdüften vorbei an die Bar. Sie sieht keines der umstehenden Gesichter an, auch nicht die freundliche Bartenderin. Ihr Gesicht noch immer auf ihre Problemzone gerichtet, bestellt Strubbel sich einen Eimer Sangria, mit ordentlich Eis. Als die junge Frau ein großes Trinkgefäß, welches circa einen halben Liter fasst, gefüllt vor ihr abstellt, schaut sie ihren Hosenstall ignorierend auf. "Ich wollte einen E i m e r Sangria. Eimer!"



Mit festem Blick fixiert sie die Augen der Barfrau, dann fischt sie umständlich einen unangemessen großen Schein aus ihrem Hosenbund. "Ich möchte jetzt meine Bestellung, bitte."
Die Blondine verschwindet, kurz unter dem Tresen, um ihr kurzerhand einen kleinen Putzeimer zu präsentieren und erklärt, "Besser wirds nicht." Beide starren sich einen Moment lang an, bevor Blondi trocken meint, "Und hygienisch auch nicht."
"Ich scheiß auf die Hygiene. Denke, dass bei dem Trinkgeld
", sie deutet mit ihren wippenden rotbraunen Locken in der Stirn auf den Schein, "eine kleine Handwäsche drin ist, oder?" Ihr Gegenüber pflückt sich elegant und mit schwindender Freundlichkeit das Geld, mit dem sie gut den Abend nicht mehr weiterarbeiten müsste und macht sich ans Werk. Fünf Minuten später steht Jack mit ihrem Getränkeeimer, einem Strohhalm und halboffenem Stall zwischen hübschen, schwebenden Lampions. Unter einem Fadenkreuz der Lichterketten bleibt sie stehen und beginnt mürrisch sich ihren Abend schön zu saufen, die Hose offen wie bei einem Kleinkind das keine Lust mehr hatte Zeit zu investieren. Was für ein geiler Start. Der Plan ist nun, erstmal den halben Eimer zu leeren und in etwas nettere Stimmung zu kommen, bevor sie sich auf die Suche nach Vaas begeben wird. Oder, falls ihre Stimmung sich hält, auch nicht. Dann wird sie sich mit ihrem Putzeimer in der Fotobox verschanzen und jeden wegbeißen, der seinen scheiß Kopf hineinhält.



Zur Musik mitwippend umklammert Jack ihren Trinkeimer mit beiden Armen vor der Brust. Genüsslich saugt sie an dem Strohhalm in kleinen, sachten Zügen. Das leise Klimpern der Eiswürfel heitert sie auf. Na bitte. Sie lässt ihren Blick wandern und ihren Körper mehr und mehr zur Musik mitgehen. Das Tanzen hat ihr gefehlt. Das Abendlicht und die Lichter des geschmückten Veranstaktungsortes ziehen sie in ihren Bann. Später wird sie sich von Kistes Päckchen ein bisschen MDMA gönnen. Sie war während des Heimat'urlaubes' sparsam gewesen und hat genug dabei um hinreichend zu teilen. Als ihre Vorfreude von ihren Vorstellungen weiter beflügelt wird, fällt ihr eine bekannte Gestalt mit Beanie und Schädeltattoo mit einer ihr unbekannten Gestalt vor der Toilette auf. 'Sind die da gerade zusammen drin gewesen?' Jack stutzt und ihre Lippen lassen den Strohhalm los. Keine in die Villa passende Person, keine, zu der eine Erinnerung von Erwähnungen passt. In ihrer Magengegend verhärtet sich irgendwas, fast unmerklich, als sie die knappe Distanz zwischen den beiden wahrnimmt. Strubbel blinzelt irritiert. Ein paar Sekunden passiert nichts, dann ist die weißhaarige an seinem Ohr und... verweilt da? Ihre erste Einschätzung, dass die beiden bloß zusammen etwas konsumiert haben, macht einer anderen Platz. Theoretisch ist das kein Problem, sie haben dahingehend eine klare Vereinbarung getroffen. Es läuft solange, wies Spaß macht. Theoretisch, kann jeder tun und lassen was er will, vorallem mit wem er will.
Aber praktisch... Strubbel zieht scharf die Luft durch Mund und Nase. Mit so einer Frau? Bisschen viel Alles und unnatürlich nach ihrem und sie hätte auch gedacht nach seinem Geschmack. Ihre Augenbrauen hängen nun zusätzlich in ihrer Stirn wie festgetackert.



Ihre Mundwinkel ziehen sich nach unten, Eimi ist ihr Partner in der wachsenden Überraschtheit. Ein unangenehmer Gedanke schleicht sich dazu. Vielleicht ist sie über, vielleicht ist es mit ihr einfach nicht mehr so unbeschwert und spaßig wie zu Beginn? Der letzte Villa-Besuch war etwas durchwachsen.
Mit einem herausgefischten Eiswürfel im Mund holt sie sich mit ihrer Aufmerksamkeit zurück in das Bild vor sich. "Es ist Okay, dass er mit ner anderen Ollen auf Klo geht und nun...", Jack kneift die Augen zusammen um besser sehen zu können, "auch noch den Dübel danach raucht?!? Pffffffft....!" Ihre Miene verfinstert sich. Warum zum Teufel verabredet er sich hier, nach knapp 2,5 Wochen, zur erstbesten Möglichkeit nach ihrer furchtbaren Heimatreise mit ihr, um dann unangekündigt mit ner Tussi am Start aufzuschlagen? Für Klo-Sex? Das macht keinen Sinn. Vielleicht hat sie da was fehl interpretiert? Der Klumpen im Magen will sich nicht auflösen. Im Gegenteil, der nervt sie hart und drückt auf diesen ziemlich wunden Triggerpunkt des über-seins. Und passend dazu, ist da jetzt ein sehr intensiver Blick mit einem breiten Grinsen in seinem Gesicht. Jack merkt, wie ihr ihre Züge entgleisen, wie ihre Gedanken unkontrolliert losrasen. Vaas ist immer zu fünfhundert Prozent im Moment und schnell zu begeistern, schnell 'all in'. Zum Glück kann sie nicht erkennen, wie die Königin der Makeup Branche zurück schaut, ob sie ihn mit sich zieht, welchen 'Spaß' sie anzubieten hat. Tick, tick Trigger... 'Stopp!' bringt sie sich zur Ordnung. Es hat sie nicht zu stören, Basta! Und sie kommt auch alleine klar, braucht niemand vertrautes um sich.



Jack stellt ihren Eimer ab und fährt sich mit den Händen über das Gesicht, dann schüttelt sie ihre Haare auf, ihr Blick ist auf den Boden gerichtet. Die schimmernde Oberfläche des Getränkeeimers passt farblich schön zu ihrer nächsten Fehlentscheidung, die sie über ihren Reißverschluss verdrängt hat. Die neuen Schnürr-Highheels. Schön luftig geschnitten, allerdings auch scheiß unpraktisch für ein überwiegendes Beach-Festival - sie hätte sich informieren sollen. Jedenfalls sah Lady Boss heute einmal scharf und damenhaft aus, bevor sie das Gelände betrat. Immerhin kann sie die Dinger morgen auf vereinzelten Flächen und ihrem Nachhauseweg tragen.
Als sie den Blick wieder hebt, treffen sich Loverboys und ihre Augen. Wie eingefroren steht sie kurz da, weiß nicht ob er sich über sie freut oder über Tussnelda und einfach nur versehentlich sie anguckt... . Egal jetzt. Eins ist klar: Sie wird sich auf GAR keinen Fall etwas anmerken lassen und auf jeden Fall ihre eigene Party starten. Entschlossen stapft sie mit ihrem Sangria-Eimer in der einen und den Schuhen in der anderen Hand Richtung Fotobox, keinen weiteren Augenkontakt suchend. "Fick dich, Vaas.", brubbelt sie vor sich her.



Das Geräusch des auf den Ringen laufenden Vorhangs der kleinen Kabine ist schnell, flüssig, energisch und binnen drei Sekunden vorüber. Jack stellt den Eimer auf der schmalen Sitzbank ab und schmeißt die Schuhe in die Ecke. Als sie sich setzt, knackt ihr Reißverschluss leise - gefühlt kapitulieren mindestens zwei der kleinen Zähnchen. Sie schließt die Augen und nickt mit mauliger Schnute vor sich her. Beim Öffnen der Augen erhascht sie ihr Spiegelbild. "Besser ausm Verkehr ziehen", brubbelt sie und lässt den Vorhang mit einer rückwärtigen Handbewegung wieder zuschwingen und klingen. Die Geräusche von draußen sind etwas dumpfer und das Licht ist schummerich. Gut. Nun gibt's nen Tacheles-Monolog mit sich selbst, außerhalb der bunten und schönen Stimmung, um wieder in die Spur zu kommen.
"Du wirst dich jetzt zusammenreißen, dass Beste draus machen und dich entspannen - bist erst seit ner dreiviertel Stunde hier und fühlst dich schon abgehängt und fallen gelassen, noch bevor du 'Hi' gesgt hast." Ihr Spiegelbild hat nur noch einen halben gezogenen Flunsch, zur Mauligkeit gesellt sich Entschlossenheit. "Es ist in Ordnung, dass du nicht die Zauberfrau bist, für die alles und jeder stehen gelassen wird. Warst du nie und wirst du auch nie sein. Das ist nicht deine Rolle.", erklärt sie bestimmt ihrer Reflexion. "Das ändert sich auch nicht, nur weil du umgezogen bist und jetzt sechs Sims mehr kennst." Jack macht eine Pause, in der sie ihren Eimer auf ihren Schoß zieht und ein paar Schlucke trinkt, um sich dann weiter zu betexten. "Das ist Okay - damit hast du deinen Frieden schon seit Jahren gemacht! Also was soll das jetzt? Warum triggert es dich so hart, dass du dich maulig in eine Kiste zurück ziehst?" Ein fragender Blick geht durch die kleine, graue und billig wirkende Räumlichkeit, die ihr gerade den Schutzpanzer gibt, den sie braucht. Ein tiefer, jetzt weicher Seufzer arbeitet sich etwas lösend aus ihr heraus. "Du hast zu große Freude 'Gefühle?' und Erwartungshaltung an eine einzelne Person gehängt. Plus: Nimm dich nicht so wichtig, mach was sich gut anfühlt. Mach dich unabhängig von einzelnen Sims und suche dir auch andere, die zu dir passen. Finde neuen Anschluss wenn die Vibes stimmen und wenn es sein muss, findest du auch andere Leute mit großen, schönen Händen!" Ein Ziehen in ihrer Brust erscheint und Strubbel steht auf. "Und jemanden, der diesen SCHEISS ZIPPER REPARIERT KRIEGT! Jawohl!", brüllt sie knurrend ihrer Hose zu, bevor sie sich sammelt.



Voller Tatendrang beginnt sie eine Bilderreihe von sich zu knipsen.
Entschluss eins: 'Kaputte Hosenschlitze versauen mir nicht das Fest hier. Sims vielleichtjaokaydoch - Gegenstände und dumme Entscheidungen auf keinen Fall!!!' Jack positioniert ihre halb geschlossene Hose mit einem hochgereckten Daumen davor - knips.
Entschluss zwei: 'Zukünftig weitere Freundschaften aufbauen, auch wenn du in ein paar Jahren wahrscheinlich draufgehen wirst.' Sie beugt sich vor das Kamerafenster, ganz dicht, zieht ein Proll-Poser-Gesicht - knips.
Entschluss drei, besser gesagt Zuspruch: "Du bist jetzt Jack. Nicht mehr Felicitas!" Drei Sekunden Pause. Dann, "Du bist Lady Boss, nicht abhängiges Plus Eins." Sie klaubt ihre Schuhe aus der Ecke, nimmt die Schnürung beider zwischen die Zähne, setzt sich auf die Bank, zieht die Oberlippe hoch und - knips. Das letzte Bild der Serie wird Eimi, locker in ihrer Hand gehalten. Jack entnimmt die Bilder der Ausgabe und begibt sich wieder etwas gefasster nach draußen. "Erstmal jemanden zum Sangria teilen finden!", fällt der letzte Entschluss und sie stürzt sich wahllos zurück in die Menschen, die Hände voll mit ihren Fehl- und Empowermententscheidungen, bereit angesprochen zu werden, egal von wem.


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09.11.2025 23:36
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#6
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Bestseller-Schmied

Ohne es zu merken, rutscht Ava etwas von Vaas zurück. Ihr Atem geht schneller, dann zwingt sie sich, tief durchzuatmen. Langsam glättet sich ihr Gesicht wieder, sie zwingt ein wenig Ruhe zurück in ihre Züge. Den Joint, den er ihr hinhält, lehnt sie mit einer kaum merklichen Handbewegung ab.
"Wir machen das“, sagt sie leise, aber bestimmt. „Unter einer Bedingung: Alles, was du mir vorgeschlagen hast – ja. Aber mein Name bleibt raus.“
Kurz überlegt sie, wie sie es ihm erklären soll. Schließlich entscheidet sie sich, wie so oft, für die Wahrheit – nur nicht in all ihren Farben. „Ich darf nicht gefunden werden. Wenn mich jeder kennt, wäre das nicht mehr möglich. Nur du wirst mich kennen. Ich baue für dich das Zeug an, wir teilen 60/40, weil ich die Stromkosten tragen muss – und die sind nicht ohne. Außer im Sommer, da können wir 50/50 machen. Ich habe zwei Plantagen, das reicht.“
Für sie klingt der Deal fair. Mit einer fließenden Bewegung steht sie auf, klopft sich den Staub vom Po und streckt ihm die Hand entgegen. Ihre Augen funkeln dabei entschlossen.
"Deal?“



Vaas verengt die Augen, als sie von ihm abrückt. Er sieht das Zittern in den Fingern, der Atem, der kurz zu schnell geht. Sein Grinsen bleibt, aber er lehnt sich nach vorne, stützt die Ellenbogen auf die Knie und sieht sie von unten an.
„Easy, Baby. Ich mach dich nich weltbekannt, ich mach das Zeug weltbekannt.“ Er tippt sich mit dem Finger an die Schläfe. „Dein Name bleibt sauber, keine Sorge. Ich wär ja schön blöd, wenn ich meine Gärtnerin ins Schaufenster stell. Riskier ich doch alles für nix.“
Er schnaubt, zieht tief und lässt den Rauch zwischen den Zähnen heraus. „Aber hör zu. Fünfzig, fünfzig. Minimum. Ich steh auf der Strasse, ich trag das Risiko. Und wenns nur um Strom und Wasser geht - komm schon, das kann ich dir besorgen. Kabelkünstler, erinnerst du dich?“ Sein Grinsen blitzt kurz frech auf. „Also denk dir n geilen Namen für dein Zeug aus. Und alle werden danach fragen.“
Er will gerade ansetzen, das Wort „Deal“ auszusprechen, da bleibt sein Blick hängen auf jemandem hinter Ava.
Er erkennt Strubbel die ihn anstarrt und dann eine Kehrtwendung macht die ihn irritiert. Innerlich leicht überfordert von zu vielen Impulsen auf einmal, zuckt sein Blick zurück zu Ava, dann suchen seine Augen wieder Jack und finden.... einen Schopf so rot wie Flammen und direkt daneben diese Blonde. Gepflegt, wie frisch aus der Vitrine, mit einer zurückhaltenden Eleganz.
Ein hämisches Grinsen breitet sich aus. Den vorangegangenen Wuschelkopf, wie aus den Gedanken gewischt. „Ach du Scheisse…“ murmelt er mehr zu sich selbst.
„Komm, Gärtnerin. Showtime.“, sagt er zu Ava, ohne sie anzusehen, während er schon aufsteht. Den Joint klemmt er sich zwischen die Lippen, seine Hände frei, um sie grob aber kumpelhaft am Ellbogen mitzunehmen. „Zeit, alte Bekannte heimzusuchen.“



Avaluna sieht ihn nach seinen Worten wieder entspannt an und nickt langsam.
"Einverstanden. Fünfzig-fünfzig. Ich hoffe, du wirst dein Wort halten.“
Noch bevor sie reagieren kann, wird sie schon lachend von ihm zu seinen beiden Freunden mitgezogen.

Vaas pflügt mit langen Schritten durch die Menge. Als er die Tanzfläche erreicht, weitet sich sein Grinsen schlagartig. Da sind sie. Blaze mit Dennah, nah aneinander. Ein paar Schritte weiter David, der mit Pita tanzt, während Elena irgendwas ähnliches tut.
Ohne zu zögern tritt er mitten rein. Sein Arm schnappt sich Blaze von hinten an der Schulter, der andere hängt sich mit demselben Gewicht auf Dennah.
„Guuuten Abend, Kinder!“ donnert seine Stimme, viel zu laut für die Nähe, aber genau richtig, um Köpfe herumfahren zu lassen. „Habt ihr mich vermisst? Ne!? Tja, guckt mal – ich bin trotzdem hier.“
Seine Augen blitzen, er scannt die Gruppe, bis sie bei Pita hängenbleiben. Sein Grinsen wird noch breiter. „Mann, du hast dich kein Stück verändert.“ Der Blick fährt langsam an ihr runter den Beinen entlang und wieder hoch. „Ausser dass du gewachsen bist wie n verfickter Bambus.“ Er lässt Blaze und Dennah los und tritt zwischen ihnen hindurch zu Pita.



Blaze stockt, als er einen Schritt zurück treten muss und wirft Vaas einen genervten Blick zu, bevor er wieder Dennah ansieht. Er hat beschlossen, einen Fick auf alles zu geben. Heute gibts kein Stephen und es gibt keine Boom und es gibt keine beschissenen Sorgen. Er ist hier, auf dem sandigen Sulani, mit dem verdammt nochmal schönsten Mädchen der Welt, die Musik ist laut und der Alk steigt ihm langsam in den Kopf. Er vergisst die Störung, lächelt und will Dennah wieder an sich ziehen, als er angesprochen wird.



„Hey, Blaze?“
Die Stimme zieht ihn herum. Einen Herzschlag lang braucht er, um zu checken, wer da vor ihm steht. Artjom. Den hat er irgendwie anders in Erinnerung.
„Alter, krass. Lange nich gesehen.“
„Rate mal wessen Schuld das ist.“, spielt Artjom auf den Schulabbrecher an.
Sie schlagen ein und Artjom erzählt, dass er gerade für SimsWelt News unterwegs ist. Fotos machen. „Wenn ihr wollt – ich brauch bisschen Festival-Stimmung. Habt ihr Bock?“



Blaze wirft Dennah einen Blick zu. Ein kurzes Grinsen, dann nicken beide. Sie stellen sich zusammen hin, sein Arm fest um ihre Taille, ihr Gesicht nah an seinem, Arme in die Luft. Strahlend. Klick. Artjom lacht, schaut auf die Kamera. „Perfekt.“ Artjom richtet sich wieder auf. „Wie findest ihr die Musik?“ fragt er nebenbei, während er die Kamera überprüft.
Blaze zuckt mit den Schultern. „Is okay..“ Er bricht ab, zieht den Mund schief.
Artjom schaut auf. Wartet darauf das der Satz weiter geht.
Ein Moment Stille zwischen ihnen. Blaze spürt etwas in seiner Brust flackern, das er seit Monaten tief vergraben hatte. Das ist ein Festival. Ein fucking Festival!! Er lacht leise und küsst Dennah.
„Ich komm gleich wieder.“ er zeigt auf Artjom, „Du, warte hier!“



Die Gedankengänge sind Pitas Gesicht anzusehen. Dieser Typ ... Die Stimme, die Art zu reden, diese blauen Augen, irgendwo zwischen Wahnsinn und Wärme ... Langsam rieselt die Erkenntnis in ihren Verstand. Ihr Mund öffnet sich zu einem ungläubigen Staunen. "Vaas?" Die Brauen heben sich überrascht in die Stirn, ihre braunen Augen weiten sich. "Was ist denn mit deinem Gesicht passiert?" Einen Schritt auf ihn zugehend hebt sie beide Hände, legt sie an seine Wangen. "Du hattest ein so schönes Gesicht. Wieso ...?" Ihr Blick verändert sich zu einem Ausdruck, mit dem man kleine Kinder ansieht, wenn sie Dummes tun, man aber nicht mit ihnen schimpfen kann, weil sie irgendwie auch niedlich sind.

Vaas blinzelt sie an, als ihre Hände seine Wangen berühren. Dann zieht er langsam den Joint aus dem Mundwinkel und grinst so breit, dass die Linien des Tattoos sich noch grotesker dehnen. Es stört ihn nicht, dass sie ihre Hände da lässt und ihn ansieht als hätte er dieses Mal wirklich was dummes gemacht. Im Gegenteil. Er lehnt sich sogar provokant in die Berührung, dreht den Kopf leicht, so dass ihre Finger die tätowierten Linien nachzeichnen.
„Also … hm, tja. Ich hab morgens in den Spiegel geguckt und gedacht: ‚Wow … das geht so nicht. Der Typ da ist viel zu hübsch, der kriegt ja nie seine Ruhe.‘“ Er klopft sich mit der flachen Hand gegen ihre Hand auf seiner Wange. „Also hab ich das Problem gelöst.“



Warm lacht Pita mit leuchtenden Augen. "Ja, das hast du." Langsam lehnt sie sich vor, bis sie in seinem Arm liegt und ihn herzlich an sich drückt. "Es ist schön, dich wieder zu sehen." Einen halben Atemzug schmiegt sie sich warm an ihn, ehe sie sich ebenso ruhig wieder löst, ihr Blick bleibt in seinen Augen. "Und zu wissen, dass du immer ein Unikat sein wirst."

„C'moon, Marshmallow, mach mich hier nicht zum Softie.“ Er drückt sie fest an sich, geniesst die Umarmung ehrlich. Es hat etwas von einer schönen Zeit die es nie wieder geben wird, aber an die man gerne denkt. Die blauen Augen verschwinden im Schwarz, als er dabei die Augen schliesst und strahlen umso blauer wieder auf als sie sich löst. Ein schiefes lächeln, dann kippt er den Kopf ein Stück zur Seite. „Wo wir von Unikaten reden… wo hast du dein Gesicht die ganze Zeit versteckt? Bist einfach so verschwunden, als hätte ich dich nur geträumt.“ er hebt den Finger fast bis unter ihre Nase und zieht die Brauen gespielt streng zusammen. „Fand ich beschissen! Mach sowas nich mit mir! Ich bin sensibel, mann.“



Schuldbewusst senkt sie den Blick für einen Moment, nickt kaum merklich und als sie aufschaut, streift sie David, ehe sie wieder bei Vaas landet. "Tut mir wirklich leid." Daumen und Zeigefinger beider Hände liegen aneinander, als würde sie etwas winzig kleines mit unpassend viel Gewicht dazwischen halten. "Ich brauchte ... " Luft? Abstand? Freiraum? Einen Neuanfang? Unzählige Male hatte sie Gespräche dieser Art in Gedanken geführt. Nun steht sie hier und weiß nicht, welches Wort geeignet ist. "Ich wusste nicht, wie ich hier überleben sollte." Ein schwerer Augenaufschlag senkt den Blick erneut, nur um direkt darauf mit tapfer erhobenen Mundwinkeln nicht länger auszuweichen. "Aber jetzt weiß ich es."

„Ich hab gedacht, ich bin der mit den kaputten Ideen.“ Ein kurzes, schiefes Lächeln. „Is irgendwie unfair, dass du mir Konkurrenz machst.“ Er reicht ihr den Joint, seine Augen hängen einen Moment zu lang an ihren Handgelenken. Das Grinsen bleibt, nur sein Blick wird weicher. „Hier. Rauch. Leb.“

Sanft schiebt sie seine Hand ablehnend zurück. "Ich darf nicht." Ihre Nase kräuselt sich. "Verträgt sich nicht mit meinen Medikamenten."



„Aaaach komm, Marshmallow! Jetzt lässt du mich echt hängen. Ich hab hier grade mein ganzes sentimentales Pulver auf dich verschossen und du verweigerst die Friedenspfeife?“ Er klopft sich selbst mit übertriebener Theatralik gegen die Stirn. „Na dann rauch ich eben für uns beide.“
Er zieht lang, demonstrativ, lässt den Rauch kunstvoll durch die Zähne tanzen, bevor er die Arme hochreisst.
„WOOOHOO! Doppelte Dosis Leben, Baby!“ ruft er. Dann schwenkt er übertrieben zu David rüber.
„Ey! EY! Warum, zur beschissenen Hölle, hast du mir nicht gesagt, dass Marshmallow wieder da ist, du verpeilter Wichspfosten?!“
Er geht auf ihn zu, als wolle er ihn schubsen, bleibt aber einen halben Meter vorher stehen und zeigt nur dramatisch anklagend mit beiden Händen auf ihn.
„Ich meins ernst, das ist unterlassene Weitergabe! Dafür kommste in die Hölle! Direkt zwischen die Leute, die bei gelb anhalten und die, die Wein aus Tetrapaks saufen!“

David hebt lachend beide Hände zu einer resignierenden Geste an. "Schuldig im Sinne und so weiter. Ich werd mich nicht rausreden, man."


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11.11.2025 15:22
#7
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Bestseller-Schmied

<<< Bea kommt von Sulani (2) <<<
<<< Mayve kommt von Granite Falls <<<
<<< Arnim kommt von Brindleton Bay Nr. 1 - Altersheim Shady Pines (9) <<<
<<< Jarred kommt von Evergreen Harbor Nr. 13 - Wohnung Jarred Cunningham <<<
<<< Keylam kommt von San Myshuno (5) <<<


~ Bea, Jarred, Mayve, Arnim, Ava, Keylam ~

Beas Fischschwanz peitscht durch das Wasser, treibt sie voran. Die Musik ist bereits laut und deutlich zu hören, und bald kommt auch die Festbühne in Sicht. Den ganzen Weg von zu Hause aus legte sie schwimmend zurück, ganz ihr Element. Ihr Geldbeutel und anderes ist sicher in einer wasserdichten Tasche versteckt, die sie mit sich trägt. Sie lächelt bei den Gedanken. Die Tasche hat sie sich extra für das Festival gekauft. Und so sollte nichts mehr im Wege stehen, um das Festival zu genießen, auch ohne Nari. Sogar Theo hat Interesse bekundet, doch Bella war dagegen, dass er so spät noch herum treibt. Vielleicht wird sie ihn morgen sehen.

Die Meerfrau erreicht das Gelände, steigt elegant aus dem Wasser. Ihr Fischschwanz verwandelt sich in zwei Beine zurück. Musik umfängt sie, reizt sie zum Tanzen. Sogar die Vulkanbar, in der ihre Mutter ihr Geld verdient, ist in der Nähe und auch geöffnet. Einen Moment fragt sie sich, ob sich das Geschäft lohnt, nun, da plötzlich so viele Partygänger in der Gegend sind. Oder ob die Getränke, die auf dem Festival selbst verkauft werden, dann doch zu viel Konkurrenz machen. Aber eigentlich egal. Bea lächelt. Sie ist schließlich nicht hier, um rumzugrübeln, sondern um Spaß zu haben.



Bea lässt den Blick über das wogende Meer aus Menschen schweifen. Niemand Bekanntes in Sicht. Aber wen stört’s? Der Bass hämmert, die Gitarren jaulen, und die Menge springt im Takt. „Die sind echt gut!“, ruft sie gegen den Lärm an, auch wenn es niemanden gibt, der zuhört. Die Band ist ihr völlig unbekannt, doch das Riff erkennt sie sofort: AC/DC – You Shook Me All Night Long. Selbst die Coverversion jagt ihr eine Gänsehaut über die Arme, und sie spürt, wie ihre Beine schon von allein zu tanzen beginnen.



Die Ellenbogen auf dem Holztisch abgestüzt, betrachtet Jarred seine Umgebung. Ihm gegenüber sitzen Mayve und Arnim, reichen sich gegenseitig kleine Portion ihrer Gerichte zum Probieren an und bewegen sich stetig zwischen liebevollem Necken und heißen Turteln. Es ist für ihn unbegreiflich, wie sie nach fünf Jahren noch immer so tief in der Phase der Verliebtheit stecken können, dass es nach außen den Eindruck erweckt, sie seien gerade erst in eine rosarot-frische Beziehung eingetaucht. Wie in drei Teufels Namen schaffen sie das? Was machen sie richtig, was er offensichtlich nicht beherrscht?
Auf einem Bissen Süßkartoffel herumkauend lässt er den Blick über die Freunde hinwegschweifen, weiter in die Ferne, zuerst zur Bühne, auf der sich gerade eine vierköpfige Coverband durch verschiedene Jahrzehnte spielt. Einige Meter davor liegt die gut besuchte Tanzfläche. Unzählige Körper bewegen sich meist unelegant und oft neben dem Takt, dafür aber voller Enthusiasmus - manch einer bereits verstrahlt und alkoholvernebelt. In sich hineinseufzend wünschte Jarred, er könnte dazu gehören. Frei und ungezwungen einfach genießen, was das Leben an diesem Abend bietet. Doch danach ist ihm nicht zumute. So sehr er sich bemüht - am liebsten würde er sich mit einer großen Packung Amarenaeis aufs Sofa lümmeln, eine Flasche Rotwein dazu und irgendeine kitschige Schnulze ansehen. Die Idee, dem Drang des Einigelns nicht zu folgen, war gelinde gesagt, richtig beschissen. Stattdessen sitzt er hier zwischen Liebespaaren und Freundschaften, um gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wie er es immer tut. Weil nur wertvoll ist, wer stets ein Lächeln auf den Lippen trägt. Diese gepflanzte Lebenslüge herunterwürgend, erhebt er sich plötzlich. "Möchtet ihr noch etwas zu Trinken?"
"Och, ich würde ein Bier nehmen.", nickt Arnim, während Mayve sich für eine Weißweinschorle entscheidet. "Soll ich dir helfen?", fügt sie an und will schon ein Bein von der Bank heben.
"Lass nur, das geht schon.", winkt Jarred zuvorkommend ab und macht sich auf den Weg zur Bar.

Müde vom Tanzen begibt sich Bea schließlich zur Bar. Etwas zu trinken wird ihr gut tun, zumal sie als Meersim immer mehr Flüssigkeit braucht als die Menschen. Fröhlich tänzelt sie Richtung Bar, noch immer im Rhythmus der Musik, die durch die Lautsprecher dröhnt. Die Coverband ist noch immer mit AC/DC zugange, und spielt nun „Touch too much“



So ganz anders als die Lieder aus sulanischer Tradition, so ganz anders als die Inselmusik. Doch sie singt fröhlich mit.
„Seems like a touch
A touch too much
Too much for my body, too much for my brain
This damn woman's gonna … Oh, Verzeihung!“


Sie spürt, dass sie im Überschwang der Gefühle und ihrer tanzenden Schritte jemanden angerempelt hat und dreht sich um. Die Person bückt sich, offenbar ist ihm durch die Rempelei die Geldbörse heruntergefallen. „Warte, ich helfe Ihnen.“ Doch der Mann ist schneller und erhebt sich schließlich, nachdem er das Verlorene wieder an sich genommen hat. Jetzt erkennt Bea ihn. Das ist doch ihr Karatelehrer!
„Oh, hallo Jarred!“, ruft sie fröhlich, „Sorry nochmal. Ich lad dich als Entschuldigung ein, okay?“

Zaghaft nippt Jarred am Rotwein, noch ehe er zur Geldbörse greift. Gerade will er es aus der Hosentasche ziehen, da wird er unsanft von hinten angestoßen, so dass ihm das Portemonnaie aus der Hand fällt.
"Bea.", erkennt er die Schülerin einen Augenblick später. Seit einigen Wochen hat er sie nicht gesehen, da zu seinem Bedauern der Kurs in den Ferien pausiert. "Das ist wirklich nicht nötig," schüttelt er freundlich lächelnd den Kopf. "Kann ja mal passieren."

Bea mustert ihn. "Na schön. Aber ich bestell mir etwas." Sie lächelt, winkt den Barkeeper zu sich und bestellt einen Cocktail. "Echt schön, dich hier zu sehen. Das erste bekannte Gesicht." Gut möglich, dass auch weitere Personen hier sind, die sie kennt. Doch bisher hat sie niemand weiteren entdeckt.

Jarred zahlt und steckt die Börse zurück in die Tasche. "Eine aufgeschlossene junge Frau wie du wird doch kaum Schwierigkeiten haben, Anschluss zu finden." Sein Lächeln wird wärmer. "Ich bin mit Freunden hier. Wenn du möchtest, kannst du dich uns anschließen." Einen Moment verharrt er, ehe er schmunzelnd anfügt: "Falls wir dir nicht zu alt sind."

Bea sieht sich um. Und lächelt. Es kümmert sie nicht, dass Jarred so viel älter ist. Sie will ihn schließlich nicht heiraten. "Ja, ein bisschen Gesellschaft tut mir gut.", erklärt sie lächelnd. "Ich hole mir nur grad noch was zu Futtern, dann stoße ich dazu." Sie lächelt, sieht zu, an welchen Tisch sich Jarred setzt. Dann geht sie zum Futterstand, um auch für den Hunger zu sorgen.

Mit drei Gläsern ausgestattet erreicht Jarred das befreundete Paar. "Ich habe gerade eine Schülerin aus dem Kurs getroffen. Ich hoffe, es ist okay, wenn sie sich gleich zu uns gesellt?"
"Natürlich.", nickt Mayve aufgeschlossen, während sie mit einer Hand nach Arnims Gesicht schlägt, wie nach einer lästigen Fliege, weil er in leicht angetrunkenem Zustand nicht aufhört, mit spitzem Mund in ihr Haar zu pusten.
Die Szene beobachtend schmunzelt Jarred in sich hinein. Er hat schon bemerkt, dass Arnim zu Verspieltheit neigt, doch in diesem Moment erinnert er ihn mehr an ein übermüdetes Kleinkind, als an den verantwortungsvollen Pfleger einer Wohneinrichtung. Dennoch ist das Vertrauen zwischen ihnen nicht zu übersehen. Beide können sich im Beisein des Anderen fallen lassen und sein, wie sie sind. Wie beneidenswert.
"Wann geht denn dein Kurs wieder los?", fragt Mayve - jetzt die flache Hand gegen Arnims Gesicht gedrückt, um ihn fernzuhalten.
"Sobald die Ferien zu ende sind. Dann bekomme ich selbst auch wieder mehr Bewegung. Das wird herrlich." Jarreds Augen leuchten kurz auf, bei dem Gedanken.
Ein Blick zur Seite erhellt seine Mimik. "Da kommt sie ja." Mit einem einladenden Lächeln hebt er die Hand, um Bea zuzuwinken.



Mit einer Packung Pommes gesellt sich Bea zum Tisch zurück, an dem sie Jarred gesehen hat. "Ha, das sollte erst mal für den größten Hunger..." Sie unterbricht sich, als sie Frau Odenthal erblickt. Die Kunstlehrerin! Überrascht blinzelt sie auf. "Oh, Sie sind auch hier?" Ihre Stimme ist freundlich, aber auch überrascht. Sie setzt sich mit an den Tisch, breitet ihre Sachen aus.

"Bea, das ist ja eine Überraschung." Mayves Augen strahlen der ehemaligen Schülerin entgegen. "Bitte, wir sind nicht in der Schule. Ich bin ab jetzt 'Du Mayve'."
"Ihr kennt euch?" Überrascht schaut Jarred von einem Gesicht zum anderen.
"Von der BBH.", nickt Mayve amüsiert.
"Haaahaaa du hast BH gesagt.", blubbert Arnim von der Seite und sorgt für ein kräftiges Augenrollen seiner Freundin.
"Ist das zu fassen?" Mit einem Finger deutet sie auf ihn, als würde er nicht hören, was sie sagt. "Jetzt siehst du die wahre 'Frau Odenthal'.", lacht sie Bea entgegen.

Bea fühlt sich wohl in der Gesellschaft, trotz des Altersunterschied. Jarred ist wie der Vater, den sie nie wirklich hatte. Mayve wirkt fröhlich und humorvoll, vor allem jetzt, wo ihr das Du angeboten wurde. Nur der dritte im Bunde, offenbar Mayves Partner, wirkt auf den ersten Blick ein wenig albern... Innerlich rollt Bea mit den Augen. Haaahaaa du hast BH gesagt Es kann aber auch einfach im Überschwang der Gefühle einfach rausgerutscht sein. Es ist deutlich, dass er und Mayve wirklich tief ineinander verliebt sind. "Schon cool. Ich wollte im Herbst dann mit meinem Biologie-Studium anfangen.", erklärt Bea lächelnd, "Da geht dann wirklich der Ernst des Lebens los. Umso schöner, wenn man vorher beim Festival noch einmal richtig feiern kann!"

"Ich wusste, dass du etwas Wissenschaftliches machen würdest.", nickt Mayve anerkennend. "Das ist ein viel festeres Standbein als die Kunst. Auch wenn Kreativität mindestens genauso wichtig ist." Sie hebt ihr Glas zu einem Toast. "Auf die Zukunft - was auch immer sie uns bringen mag."
Stumm in sich hineinseufzend folgt Jarred der Aufforderung. Die Zukunft ist unausweichlich. Was auch immer sie ihm bringen mag. Vermutlich wird es ewig so weiter gehen - eine gescheiterte Beziehung nach der anderen wird seinen Lebensweg pflastern.
Die Gläser stoßen leise klirrend aneinander, der Reihe nach sieht er Mayve, Arnim und zuletzt Bea in die Augen. Er kennt sie kaum. Und doch weiß er, dass sie ehrgeizig ist. Sie wird ihren Weg machen, daran besteht kein Zweifel.
Das Glas zu den schmalen Lippen führend nimmt er einen zaghaften Schluck. Vollmundig und fruchtig, wie er es mag.

"Ursprünglich hatte ich ganz andere Pläne. Hatte an Fremdenführerin gedacht, oder irgendwas, wo ich über die sulanische Kultur berichten kann. Aber ich denke, dass ich als Biologin auf lange Sicht bessere Berufschancen habe. Ich werde mich auf Meeresbiologie spezialisieren." Man hört den Stolz in Beas Stimme. Auch der Rest der Familie, Bella und Theo, waren beide unterstützend. "Und die Wissenschaft birgt schon immer sehr spannende Geheimnisse."

"Ach, die wenigsten Leute landen in ihren Kindheitsträumen." Mayve winkt gelassen ab, ehe sie einen Schluck der Schorle aufnimmt. "Als wir noch zur Schule gingen, war ich mir sicher, später mal einen Reiterhof zu besitzen. Jarred wollte Tänzer werden und Arnim ...", hinter einer hochgezogenen Schulter lacht sie verspielt spöttisch in seine Richtung.
"Wag es ja nicht!" Der Blick des Blonden wird scharf, doch gegen ihr lauter werdendes Lachen kommt er nicht an. "Halt den Mund.", lacht er mit, greift mit einem Arm um sie herum, um ihren Oberkörper zu fixieren und zeitgleich die Hand auf ihre Lippen zu pressen.
"Er wollte Sa-ahahaha..." unkontrolliert windet sie sich hin und her, so dass er sie nicht greifen kann. Mit einem Stoß fegt sie ihn von sich weg, plumpsend landet er auf dem sandigen Boden. Mayve stützt sich mit beiden Händen auf dem Tisch auf, die Augen weit aufgerissen, bereit jede Sekunde die Flucht zu ergreifen. "Er wollte Sandmännchen werden!", platzt es aus ihr heraus. "Taaaahahahhaa! Ist das süß?!" Begeistert glotzt sie von Bea zu Jarred, bevor sie sich eilig in Sicherheit bringt.
"Na warte!" Lachend rappelt Arnim sich auf und stürzt in unsauberen Bahnen hinter ihr her, irgendwo in die Masse hinein, wo noch immer ihr lautes Johlen zu vernehmen ist.
Leise lacht Jarred den beiden hinterher. Die Freude an der Geschichten ist echt, doch erreicht sie sein Inneres nur für einen kurzen Moment, ehe die Realität ihn wieder in die Schranken weist. Dass Mayve auch seinen früheren Wunsch ausplauderte, als wäre nichts dabei, lässt ihn verlegen am Glas nippen. "Sie sind ein wundervolles Paar.", denkt er laut, ehe er sich der Bekannten widmet. "Ich weiß gar nichts über dich.", stellt er fest. "Erzähl mal - hast du jemanden an deiner Seite?"

Bea muss lachen bei dieser Antwort. So langsam wird ihr Arnim doch sympathisch, trotz seines etwas albernen Kommentar am Anfang. Sie sieht den beiden hinterher, bis Jarreds Frage wieder ihre Aufmerksamkeit auf ihn zieht. "Oh, nein, das ist vorbei." Einen Moment denkt sie an Kurt zurück. Sie war freundlich zu ihm. Aber war es von ihrer Seite jemals wirklich Liebe? "Er wurde am Ende zu obsessiv."

Betroffenheit blitzt in Jarreds Augen auf. "Oh, das tut mir leid. Das war sicher keine schöne Erfahrung." Nachdenklich schaut er in sein Glas, lässt die rote Flüssigkeit darin gleichmäßige Kreise ziehen, ehe er hinzufügt: "Beziehungen, egal welcher Art, sind manchmal nicht leicht."




Die Musik wummert durch den Boden, die bunten Lichter tanzen über Gesichter,. Der Geruch von süßem Räucherwerk und gebrannten Mandeln mischt sich mit dem Rauch der Lagerfeuer.
Ava wirft Vaas ein Lächeln zu. Ihr Herz geht jedes Mal auf, wenn sie Menschen so herzlich miteinander sieht. Dieses Gefühl, diese Wärme – sie wünschte, es könnte immer und überall so sein. Ihren neuen Geschäftspartner so ausgelassen zu erleben, lässt sie unwillkürlich noch breiter lächeln. Eine Weile steht sie einfach nur still da, schaut den dreien zu, und genießt die Stimmung und das lachen. Als es ein wenig ruhiger wird, tritt sie zu den beiden Fremden "Hey, ich bin Avaluna! Schön, euch kennenzulernen.“ Ihre Stimme klingt klar und freundlich, fast ein bisschen leuchtend in der Nacht.
Sie spürt, dass es Zeit ist, ihrem neuen Partner wieder Freiraum zu lassen. Aus ihrer Tasche zieht sie einen Stift, findet aber kein Papier. Also zerreißt sie kurzerhand ihre Zigarettenschachtel, kritzelt ihren Namen darauf, ihre Nummer und die Adresse ihres Hausboots. Mit einem kleinen Lächeln drückt sie Vaas den Zettel in die Hand.
"Meld dich bei mir. Dann bequatschen wir alles in Ruhe.“
Sie sieht den drei noch einmal in die Augen. "Es war wirklich schön, euch kennenzulernen. Habt einen wunderbaren Abend.“ Ein Zwinkern, dann dreht sie sich um und schlendert Richtung Bar.
Da ertönt plötzlich eine Durchsage aus den Lautsprechern, verzerrt und doch klar genug, um jedes Gespräch für einen Moment zu übertönen:
"Dieses Lied widme ich jemandem, der bereits weiß, dass es für sie ist.“
Avaluna erstarrt. Diese Stimme. Der Gedanke schießt wie ein Blitz durch ihren Kopf. Unbewusst beschleunigt sie ihre Schritte, drängt sich durch die Menge, während die ersten Töne des Liedes einsetzen.
Ihr Herz hämmert im Rhythmus der Bässe. Sie versucht, den Gedanken zu verdrängen, dass es genau das Lied sein könnte das eine, an das sie glaubt. Doch jeder Akkord, jede Silbe zieht sie tiefer hinein.
Ja sie ist sich sicher. Es gibt keinen Zweifel mehr.
Doch sofort kriecht der nächste Gedanke in ihr hoch: Hat er sie an ihre Eltern verraten?
Avaluna schüttelt heftig den Kopf, als könne sie ihn so abschütteln. Vielleicht ist alles nur ein Zufall. Doch dieses Lied, diese Worte, diese Stimme – das hier ist kein Zufall.
An der Bar angekommen bleibt ihr Blick an einem Mädchen hängen, das angeregt mit der Bardame plaudert. Die Bedienung dreht sich schließlich zu Ava um, ein warmes, beinahe vertrautes Lächeln im Gesicht.
"Was darf’s sein?“
"Geben Sie mir irgendwas, das direkt gut reinhaut, bitte.“
Ihre Stimme klingt gebrochen. Heute war alles andere als ein guter Abend. Auch wenn Vaas’ überraschend ihr kurz das Herz erfreut hat etwas liegt in der Luft, schwer und unsichtbar, das ihr Angst macht.
Der Gin wird vor ihr abgestellt, das Glas kalt, die Flüssigkeit klar wie ein Versprechen. Ava nimmt einen tiefen Schluck, spürt, wie die Schärfe in ihr brennt und gleichzeitig Wärme in die Glieder jagt.
Mit dem Glas in der Hand dreht sie sich zur Menge. Lichterketten flackern über den Köpfen der Tanzenden, Schweiß glänzt auf Gesichtern, Nebelschwaden kriechen über den Boden. Ein Beat hämmert von der Bühne herüber, während Stimmen, Lachen und Gläserklirren sich zu einem wirren Teppich verweben.
Langsam schlendert sie zu den Sitzmöglichkeiten. Sie weiß: wenn er wirklich hier ist, wenn es wirklich er ist, dann wird er sie nicht lange warten lassen. Nicht, um ihr seine Verachtung ins Gesicht zu schleudern.
Und genau dieser Gedanke lässt ihr Herz schneller schlagen – irgendwo zwischen Angst und düsterer Erwartung.



Beim Schlendern durch die Menge traut sie plötzlich ihren Augen kaum.
Wie viel hat sie getrunken? Wie viel geraucht? Fantasiert sie?
Dort vorne – dieser Mann. Der Bart wirkt ein wenig anders, voller vielleicht, kantiger. Aber die Haltung, die Art, wie er den Kopf leicht zur Seite neigt … ihr Herz schlägt einen Takt schneller.
Ist der Wunsch so groß, dass ich ihn mir einbilde?
Der Gedanke nagelt sich in ihr fest, brennt heißer als der Alkohol in ihren Adern. Ihre Schritte werden langsamer, fast zögernd, und doch zieht es sie näher. Sie starrt ihn beinahe ungeniert an, unfähig, den Blick abzuwenden.
Und je dichter sie kommt, desto klarer wird es. Das ist keine Fantasie, kein Rauschbild, keine Spiegelung im Licht der Bühne.
Nein. Mit jedem Schritt, jedem Atemzug wächst die Gewissheit in ihr: Das hier ist keine Einbildung. Das muss Jarred sein!



Bea lehnt sich zurück. „Das stimmt wohl. Auch die Beziehung von meiner Mutter ist früh in die Brüche gegangen. Nun hat sie aber jemand neuen kennen gelernt.“ Irgendwie ist es nicht so einfach, sich Phönix als Ersatzvater vorzustellen, wo sie so lange ohne Vater auskommen musste. Aber wer weiß schon, in welche Richtung sich das entwickelt.
Verstehend nickt Jarred mit ruhendem Blick, das Glas noch immer in der Hand haltend. "Und wie ist das für dich? Kommst du mit ihm zurecht? Magst du ihn?"
"Ich mag ihn schon.", erklärt Bea. "Es ist nur eine noch sehr neue Vorstellung für mich. Ich kann es noch nicht wirklich einschätzen, welche Auswirkungen das auf mich oder Theo haben wird. Aber ich glaube, es ist etwas ernstes zwischen beiden."
"Es wird vermutlich deinen Bruder mehr betreffen, als dich. Du bist eine erwachsene Frau." Er hebt den Blick und lässt ihn schweifen, ein sanftes Lächeln auf den Lippen, die sich für einen Schluck Rotwein leicht öffnen. Anders als Bea, ist er selbst das jüngste Kind der Familie, doch auch er wuchs den größten Teil der Jugend ohne Vater auf. Er weiß um diese Art von Schmerz. Doch seine Mutter ging nie wieder eine feste Bindung ein. Vielleicht trug auch die romantische Einsamkeit zur ihrer Verbitterung bei. Er könnte nicht sagen, wie er als Junge mit einem neuen Mann im Haus umgegangen wäre. Aber aus heutiger Sicht hätte er ihr jemanden an der Seite gewünscht. "Deine Mutter ist eine sehr selbständige und starke Frau. Zumindest strahlt sie das aus." Etwas entschuldigendes liegt in seinem Blick. Er kann sich eigentlich kein Urteil erlauben, hat er Bella doch nur einige Male gesprochen. "Denkst du, sie konnte dir etwas nicht geben, was eine Vaterfigur hätte auffangen können?"
Überrascht hebt Bea ihren Kopf. Sie hätte nicht mit dieser Frage gerechnet. "Sie hat viel für uns getan. Hat hart gearbeitet. Ich würde meine Familie jetzt nicht als arm bezeichnen. Wir haben ein Haus, und es geht uns eigentlich relativ gut. Aber das liegt auch daran, dass sie so fleißig war um das Geld zu verdienen. Und ich habe ausgeholfen. Indem ich auf Theo aufpasste, wenn sie selbst keine Zeit hatte. Vielleicht... bin ich deshalb so verantwortungsbewusst wie jetzt. Ich mag Musik und Gesellschaft und ich mag Tanzen. Aber im Vergleich zu anderen Partygängern bin ich doch recht zahm." Einen Moment fragt sie sich, ob das anders gewesen wäre, wenn sie einen Vater gehabt hätte, auf den sie sich verlassen könnte. Vielleicht hat ihr diese Sicherheit gefehlt, auch mal loszulassen, auch mal sie selbst zu sein.
Intensiv sieht Jarred ihr tief in die Augen. "Hast du Freiheiten vermisst?"
Sie nickt. "Aber ich schätze das liegt auch an mir. Dass ich sie mir selbst nicht die Freiheiten genommen habe." Gut, dass Jarred jemand ist der auch zuhört. Es gefällt ihr, so offen über das Thema reden zu können.
Warm mustert er das Mädchen. Diese Denkweise, sich selbst verantwortlich zu machen, kommt ihm bekannt vor. Diese eine Frage macht den entscheidenden Unterschied: "Hättest du sie dir nehmen können? Oder wurdest du ganz automatisch eingespannt?" Die Brauen deuten das steigende Interesse an, als er sich ihr leicht entgegen lehnt, die Beine überschlagen, der Arm mit dem Weinglas am Ende auf dem Knie liegend. "Hattest du die Wahl, jederzeit das Brudersitten abzulehnen? Wer hätte dann auf Theo geachtet?"
Bea nimmt einen Bissen ihrer Pommes. "Ich weiß nicht. Unsere Kultur setzt viel auf Gemeinschaft. Aber eben auch auf die Familie. Die Familie ist das Wichtigste, die hält zusammen. Da war es umso schlimmer für uns, als unser Vater das in den Wind schlug und trotzdem das Weite suchte. Damit hatte keiner gerechnet. Ich glaube es war richtig, dass ich für Theo da war."
"Das war es bestimmt." Jarred lächelt herzlich. In seinen Augen leuchtet ein warmer Schatten auf und verleiht seinem Ausdruck für einen winzigen Moment etwas Sehnsüchtiges, als sich das Bild von Deborah in seinem Geist aufbaut. "Es muss schön sein, in so einer Gemeinschaft aufzuwachen."
"Aber es macht auch in gewisser Weise Druck. Vielleicht ist mein Vater deshalb abgehauen. Vielleicht suchte er die Freiheit, die ihm diese Kultur nicht gibt.", überlegt Bea. "Ich weiß es nicht, was letztendlich der Auslöser dafür war."
"Und genau deswegen bringt es gar nichts, sich mit solchen Fragen zu quälen." Nachdenklich schaut er ins Glas. "Versuch, dich davon zu befreien. Er hatte seine Gründe. Ich bin mir sicher, er hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht." Unter den Brauen schaut er zu ihr auf. "Was auch immer es war - es hat dich zu der Frau gemacht, die du heute bist." Das warme Lächeln kehrt in sein Gesicht zurück. "Und ich glaube, daran ist nichts Schlechtes."
Bea sieht Jarred lange an, fühlt sich von ihm verstanden. "Da ist wohl was Wahres dran.", sagt sie schließlich, in Gedanken versunken.



Avaluna schlendert durch das wogende Meer aus Menschen, ohne es zu merken wird ihr Schritt langsamer. Soll sie einfach an ihm vorbeigehen? Oder ihn wirklich ansprechen? Ein kurzer Gedanke flackert auf ist Alma vielleicht auch hier? und wenn schon, es muss Schicksal sein, dass sich ihre Wege an diesem Ort kreuzen.
Ihr Blick bleibt an ihm hängen, als gäbe es nichts anderes um sie herum. Die Musik dröhnt, das Lachen der Menge brandet auf, doch für sie verschwimmt alles. Endlich steht sie vor seinem Tisch. Sie stellt ihr Getränk ab, als bräuchte sie die Hände frei für diesen Moment. Ihre Augen füllen sich mit Tränen, während sie ihn ansieht einfach nur ansieht, als wolle sie prüfen, ob er wirklich echt ist.
Sie hat niemals geglaubt, ihn wiederzusehen. ihre Hände zittern. Die Tränen steigen schneller auf, als sie atmen kann. Sie sieht ihn an, wortlos, und in diesem Blick liegt die ganze Last ihres letzten Abend. das Ungesagte, das Vermissen. "Hey, Jarry“, sagt sie, ihre Stimme kaum hörbar gegen die Bässe des Festivals. "Es ist schön, dich zu sehen.“

Ungläubig richtet Jarred den Oberkörper auf, das beinahe leere Glas Wein noch immer in der Hand, und sieht das bekannte Gesicht an, als würde er seinem Verstand misstrauen. "Ava ..." Den zweite Fuß auf dem Boden aufsetzend dreht er sich zu ihr herum, beide Hände liegen nun auf dem Tisch vor ihm. Ein Wust von Gefühlen schwemmt in seine Brust - ein wilder Knoten aus Freude und Schmerz, Verlangen und Scham, Sehnsucht und Trauer, Verzweiflung und Zorn. Kurzum - brutale Überforderung flutet jede Zelle seines Körpers, legt den Verstand für endlose Sekunden lahm. Einige Male öffnet er den Mund, um etwas zu sagen, schließt ihn wieder, ohne Worte gefunden zu haben. Momente vergehen, bis er sich räuspernd soweit erdet, um seine junge Gesprächspartnerin vorzustellen. "Würdest du mich entschuldigen ...?", murmelt er verlegen in Beas Richtung und erhebt sich von der Sitzgruppe. Mit wenigen Schritten steht er eine halbe Armlänge vor Avaluna, um sie in eine ruhigere Ecke des Geländes zu bitten. Er wagt es nicht, sie anzusehen und so klammert sein Blick sich an den letzten Schluck Wein, während verschiedenste Gesprächsanfänge hinter seiner Stirn übereinander stolpern. "Ich hatte nicht erwartet, ..." Seine Worte laufen ins Leere und hilflos lässt er die kleine rote Pfütze aus dem Glas hinter den Lippen verschwinden.

Avas warmes Lächeln erlischt. Hastig wischt sie sich die Tränen von den Wangen und nickt nur auf seine Bitte. Ihre Finger umschließen das Glas Gin, kühl und schwer in ihrer Hand – und erst jetzt bemerkt sie die fremde Frau an seiner Seite. Ein kurzer Stich fährt ihr durchs Herz. Unsicher hebt sie den Blick zu ihm, sucht Halt, doch findet nur Leere. Keine Begrüßung, kein wirkliches Erkennen in seinen Augen. Sie atmet tief durch, als müsse sie Mut sammeln für Worte, die sie nicht sagen will. Vielleicht hätte sie sich von ihm fernhalten sollen. Er hat sie nicht einmal richtig willkommen geheißen. Zögernd beißt sie sich auf die Lippe, während ihr der Gedanke an das Motorrad in den Sinn kommt – und mit ihm die Frage, ob es ein Fehler war, ihn überhaupt anzusprechen. Alles in seinem Blick, in seiner Haltung, schreit danach, dass er alles andere als erfreut ist, sie zu sehen.
Zum ersten Mal seit langer Zeit wünscht sie sich eine Zeitmaschine.
Wie dumm… wäre ich doch einfach an ihm vorbeigegangen. Er hätte mich nicht mal bemerkt. Dann hätte ich mir diese peinliche Begegnung, diese Abfuhr, ersparen können. Ihr Herz hämmert heftig gegen ihre Brust, so laut, dass sie fürchtet, er könne es hören. Sie hat Angst vor den nächsten Worten, die er gleich sprechen wird – Worte, die alles nur noch schwerer machen könnten. Schließlich hat er sie nicht grundlos aus der Menge gezogen. Vielleicht, denkt sie bitter, ist sie einfach kein Mädchen, mit dem man sich in der Öffentlichkeit zeigen möchte.
Wieder rollt eine Träne ihre Wange hinab, diesmal nicht aus Freude, sondern aus Schmerz. Mit einer fahrigen Bewegung greift sie in ihre Tasche, zieht eine Zigarette hervor. Den Jolly hebt sie sich für später auf – für nach diesem Gespräch, das wie ein Sturm über ihr hängt.
Traurig sieht sie ihn an, während sie innerlich versucht, sich zu wappnen. Bereit für das, was gleich kommen wird.

Jarred bleibt stehen, berührt zaghaft Avalunas Arm, um sie auf selber Höhe anzuhalten. Sein Körper wendet sich ihr zu, doch den Blick kann er noch immer nicht heben. Es ist alles so kompliziert. Er schließt die Augen, atmet tief ein und macht einen Schritt auf sie zu. Ohne Worte schmiegt er sich an sie, seine Arme schieben sich unter ihren hindurch, das Gesicht sinkt auf ihre Schulter. Sein Atem geht tief, ruhig und gleichmäßig, während die Hektik in seinem Kopf allmählich nachlässt. "Es tut mir leid.", flüstert er kaum hörbar in ihre Halsbeuge.



Sie beobachtet ihn, sucht in seinem Gesicht nach Antworten und wundert sich, warum er ihr nicht in die Augen sieht. Ein leiser Zweifel kriecht in ihr hoch, doch sie drängt ihn zurück. Vorsichtig legt sie die Arme um seinen Hals, achtet darauf, dass das Glas in ihrer Hand ihn nicht berührt. Mit der freien Hand streicht sie sanft über seinen Kopf, krault sein Haar, als wolle sie ihn beruhigen oder vielleicht auch sich selbst.
Seine Worte erreichen sie, doch sie versteht sie nicht. Ein leiser Schatten huscht über ihr Gesicht. "Ich verstehe nicht…?“ flüstert sie, während sie ihren Kopf an seinen schmiegt.
Kurz ist sie wie erstarrt, perplex über das, was er sagt. Eben noch war sie sicher, dass er sie von sich weisen will, dass er sie auf Abstand halten möchte. Und jetzt entschuldigt er sich obwohl er doch gar nichts falsch gemacht hat?

Ihre Finger in seinem Haar beruhigen ihn, ihr Duft lullt seine Sinne ein. Ihre Nähe ist wie eine friedenbringende Droge. Die Vergebung, die er so sehnlichst sucht und die niemand ihm gewährt. Ohne ein Gefühl dafür, wie viel Zeit an ihm vorüberzieht, verharrt er in der Position, saugt jede Sekunde in sich auf, während sie alles Schlechte der vergangen Tage, Wochen und sogar Jahre aus seinen Gedanken zu spülen scheint.
Als er sich von ihr löst, liegt ein erschöpftes Lächeln auf seinen Lippen, so zaghaft, dass es kaum zu erkennen ist.
"Es ist so schön, dich zu sehen.", flüstert er nah an ihrem Gesicht. "Entschuldige. Ich hatte ..." eine furchtbare Woche. "nicht damit gerechnet, dich hier zu treffen."

Sie verharrt in seiner Nähe, so lange er es zulässt, und ihre Hand streichelt ihn zärtlich, als wolle sie jede Sekunde dieses Moments in sich einbrennen. Sein Geruch steigt ihr in die Nase vertraut, warm, längst vermisst seit jener Nacht, die sie nicht vergessen kann. Für einen Augenblick existiert nichts anderes mehr als sie beide, eingehüllt in ein unsichtbares Band, das sie umschließt und die Welt aussperrt.
Als er sich schließlich löst, hebt sie den Blick zu ihm. Seine Worte treffen sie, und unwillkürlich beißt sie sich auf die Lippe, nur um nicht impulsiv über ihn herzufallen. Stattdessen huscht ein Lächeln über ihr Gesicht, ein Zittern von Erleichterung, als würde all die Spannung, die sie getragen hat, endlich von ihr abfallen.
"Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns je wiedersehen würden“, haucht sie und leert ihr Glas in einem Zug, stellt es vorsichtig auf den Boden. Die Zigarette, die sie schon in den Fingern hält, steckt sie zurück in die Tasche jetzt, da ihre Hände frei sind, fühlt es sich richtiger an.
Sie macht einen zögerlichen Schritt auf ihn zu. Unsicherheit liegt in ihrer Bewegung, doch ihr Herz treibt sie voran. Mit sanfter Bestimmtheit hebt sie sein Kinn an, zwingt ihn, in ihre Augen zu sehen.
"Ich habe dich unsagbar vermisst“, sagt sie leise, ihre Stimme bricht beinahe vor Gefühl. "Das ist nichts, was mir sonst passiert. Du bist… du bist etwas Besonderes für mich. Und ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, was du mit mir gemacht hast. Es waren nur drei Begegnungen, aber es fühlt sich an, als würde ich dich schon ewig kennen.“

Die Augen halb geschlossen, nähert Jarred sich Avanlunas Gesicht. Zwischen ihren Wangen flirrt eine milimieterdünne Schicht heißer Luft. Es ist wie auf dem Boot, bevor das Unheil seinen Lauf nahm. "Mir geht's genauso.", flüstert er in ihr Ohr. Es ist die gleiche Szene - seine Lippen dicht vor ihren, ihre Körper nah aneinander, beide voller Spannung. Aufregung vor dem, was als nächstes geschehen wird. Wieder ist der Wunsch, sie zu küssen, unbändig. Wieder ist nicht er es, der diesen Schritt tut. Er wartet, hält das aufregende Kribbeln in sich. Wieder huscht Almas Präsenz durch seine Gedanken und so wie bei der letzten Begegnung mit Avaluna löst dieses innere Bild einen Konflikt tief in ihm aus. Doch dieses Mal ist es anders. Es ist nicht die Entscheidung, sie zu hintergehen oder ihr treu zu sein. Nicht das Abwägen von seinen gegen ihren Bedürfnissen. Es ist das Wissen, dass all das keine Rolle mehr spielt. Es ist längst geschehen. Die Würfel sind gefallen. Herzen sind gebrochen.
Ein Teil in ihm beginnt, sich vorzustellen, es war alles nur ein Traum. Eine Vorschau auf das, was passiert, wenn er Avaluna jetzt küsst. Als wäre dies der Moment, in dem sich sein Charakter zeigt. Er durchlebte die Variante, in der er seiner Sehnsucht nach Nähe folgt. In der er das Gefühl bekommt, von Bedeutung zu sein.
Was wäre, wenn er widerstanden hätte? Wenn er der Verlockung nicht gefolgt wäre? Ein Moment der heiß ersehnten Sinnlichkeit, voller Intimität und wärmender Nähe, gegen die Sicherheit zweier Seelen, die sich einander entfremdet haben. Die sich, müde gekämpft, nichts mehr zu geben haben.
Der Schmerz sitzt tief. Ein weiteres Mal hat er für Trauer und Leid gesorgt, Vertrauen zerstört, die Liebe mit Füßen getreten.
Resignierend seufzt er, Avalunas Lippen noch immer so nah, dass er ihre Wärme auf der Haut spürt. Seine Augen schließen sich, der Kopf sinkt geschlagen ein winziges Stück tiefer.
"Sie hat mich verlassen." Seine Stimme ist heiser, gebrochen und durchtränkt von Schuld.

Die Musik dröhnt gedämpft aus der Ferne, das Licht der Bühne flackert zwischen den Bäumen, und doch scheint hier, abseits vom Trubel, alles stillzustehen. Seine Worte lassen einen wohligen Schauer durch ihren Körper fahren – einen, der zugleich Angst in ihr aufsteigen lässt. So wollte sie nie wieder fühlen. Und doch… hat dieser Mann es geschafft.
Ihr Herz pocht heftig, als er sich ihr nähert, so dicht, dass sie seinen Atem spüren kann. Sie verliert sich in seinen schönen Augen, halb geschlossen, warm und gefährlich zugleich. Ein heimlicher Wunsch flammt in ihr auf dass er endlich den letzten Schritt macht, dass seine Lippen die ihren finden.
Zögernd hebt sie die Hand, streicht über sein Gesicht, über den feinen, neuen Bart, spürt die rauhe Wärme seiner Haut unter ihren Fingern. Ihr Körper drängt sich fester an seinen, als wolle sie ihn in sich aufnehmen, als könne Nähe all das auflösen, was zwischen ihnen steht. Wie sehr hat sie das vermisst – dieses Gefühl, dieses Brennen, das ihn offenbar genauso trifft. Ihr Herz hämmert, als wolle es durch ihre Brust brechen.
Gerade, als sie ihre Lippen anhebt, nur einen Hauch von seiner entfernt, ihre Münder sich beinahe berühren, spricht er. Seine Stimme ist leise, rau und die Worte schneiden durch die gespannte Luft: Sie hat sich getrennt.
Für einen winzigen Moment flammt in ihr etwas auf, das sie sofort beschämt. Freude. Ein gefährlicher, stiller Funken Hoffnung. Er ist frei. Nicht für sie und doch wünscht sie es sich so sehr, dass es weh tut.
Doch in seinem Ton liegt Schmerz. Schwere. Sie sieht ihn an, sieht die Erschöpfung in seinen Zügen, und alles in ihr will ihn halten. Statt ihn zu küssen, so legt sie die Arme um ihn, zieht ihn fest an sich, so fest, als könne sie ihm die Last von den Schultern nehmen.
"Wenn du mich lässt,“ flüstert sie gegen sein Ohr, ihre Stimme kaum hörbar im gedämpften Beat des Festivals, "bin ich für dich da. Egal wie.“ Für einen Moment scheint die Welt stillzustehen – nur sie, er und das leise, gefährlich schöne Knistern zwischen ihnen.



Keylam springt von der Bühne, das letzte Echo seines Songs hängt noch in der warmen Nachtluft. Das Publikum jubelt, die Lichter flackern bunt über seine verschwitzte Haut, und für einen Moment fühlt er sich schwerelos, völlig im Rausch der Musik.
Doch als er sich umblickt, ist sie verschwunden. Die Menge wogt, Leute lachen, tanzen, stoßen an aber ihr Gesicht ist nirgends zu sehen. Unruhe breitet sich in ihm aus.
Er bahnt sich einen Weg durch die Menge, vorbei an klebrigen Tischen und halbleeren Bechern, bis er an dem Platz steht, an dem Jarred eben noch gesessen hat. Stattdessen sitzt dort jetzt eine fremde Schönheit, deren Augen im Licht der Scheinwerfer glitzern.
"Hey!“, ruft er, ein wenig außer Atem. "Weißt du, wo der Typ hin ist der hier eben saß? Ich wollte mit ihm reden.“
Keylam seufzt genervt, rollt mit den Augen und streicht sich die Haare aus der Stirn. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Sein Plan zerbröselt, noch bevor er richtig begonnen hat.

Bea sieht auf. "Ist mit der Frau in die Richtung verschwunden!" Sie zeigt dorthin. Irgendwie stört es sie, so aus dem Gespräch gerissen worden zu sein. Aber jetzt kann sie Jarred nicht mehr erblicken. "Wo er jetzt genau ist, weiß ich nicht. Irgendwo in der Menge verschwunden." Sie sieht den Fragesteller nun genauer an. "Moment, du warst ja eben auf der Bühne. Cooler Auftritt übrigens!" Sie isst die letzten Pommes.

Keylams Gesicht hellt sich plötzlich auf, als ihm ein Gedanke kommt.
"Hatte die Frau Dreads?“, fragt er eifrig, und in seinen Augen blitzt Hoffnung auf.
Als die Fremde ihn lobt, breitet sich ein stolzes Grinsen auf seinen Lippen aus.
"Danke!“, sagt er, fast triumphierend. "Mach das sonst nur so hobbymäßig, weißt du? Aber heute musste ich einfach eine Ausnahme machen.“
Er greift sich ungeniert die letzte Pommes von ihrem Teller, beißt hinein und zwinkert ihr frech zu. Der salzige Geschmack mischt sich mit dem süßen Duft von Zuckerwatte und Bier, die über das Festivalgelände wehen.
"Ich bin übrigens Keylam“, sagt er, noch immer mit diesem charmanten Funkeln in den Augen. "Und mit welcher schönen Frau habe ich das Vergnügen?“

"Dreads, genau. Und helle, lange Haare." Bea wirft den nun leeren Pappteller in den nächsten Mülleimer, ohne vom Tisch aufzustehen. Sie trifft sogar. Grinsend wendet sie ihren Kopf wieder zu Keylam. "Und ich bin Bea."

Keylam applaudiert lächelnd, als die leere Pommes-Schale zielsicher im Mülleimer landet.
"Zielsicher, mhm?“ sagt er grinsend und lehnt sich leicht nach vorne.
Als sie sich vorstellt, nickt er anerkennend.
"Alles klar, Bea“, wiederholt er ihren Namen, als wolle er ihn sich auf der Zunge zergehen lassen.
Für einen Moment schweift sein Blick über die Menge das flackernde Licht der Bühne, die Musik, die dumpf durch den Boden vibriert, die lachenden Gesichter um sie herum. Dann schaut er wieder zu ihr, die Stimmung spielerisch, leicht.
"Was steht an?“ fragt er, ein schelmisches Funkeln in den Augen. "Lust zu tanzen?“

Bea mustert ihn von oben bis unten. Er scheint etwa in ihrem Alter zu sein, vielleicht auch etwas älter. Dann sieht sie zur Bühne. Ist das nicht Blaze? Und Artjom? Gibt also doch Leute hier, die sie kennt, außer Jarred und Mayve. "Ein bisschen Übung habe ich halt auch mit Basketball.", schmunzelt sie, "Wer kann, der kann!" Was das Tanzen betrifft, gibt es keinen Grund es nicht zu tun, auch wenn sie Keylam nicht kennt. "Also dann, gehen wir tanzen!"

Keylam geht mit Bea auf die Tanzfläche. Die Musik dröhnt, Lichter flackern über die Menge, und er versucht, halbwegs im Takt zu bleiben doch ehrlich gesagt, hat er keine Ahnung, was er da tut. Singen kann er ein bisschen, zumindest genug für Feiern wie diese, aber Tanzen? Das war noch nie seine Stärke. Da sieht er sie. Avaluna.
Sie tanzt und zwar mit dem Fremden, mit dem sie eben noch verschwunden ist. Etwas zieht sich in ihm zusammen. Immer wieder wandert sein Blick heimlich zu ihr, auch wenn er so tut, als wäre er mit Bea beschäftigt.
"Sag mal, Bea“, fragt er Lächelnt und mit ehrlichen interesse, "was machst du eigentlich gern?“
Doch in dem Moment bemerkt er, wie Jarred die Tanzfläche verlässt allein. Avaluna bleibt zurück, ihr Blick ruht noch immer lächelnd auf ihm. Etwas in Keylam flammt auf.
Plötzlich packt er Beas Arm, dreht sie in einer schnellen Bewegung herum und nutzt den Schwung, um näher an Avaluna heranzukommen. Mit voller Absicht rempelt er sie an.



Avaluna stolpert, fast fällt sie zu Boden. Ein stechender Schmerz durchzuckt ihre Rippen. Genervt hebt sie den Blick und da steht er. Keylam. Er grinst frech, als wäre es nur ein Spiel, und verschwindet dann wieder mit Bea in der tanzenden Menge.
Avaluna bleibt stehen. Reglos. Ihr Blick folgt ihren Bruder, während ihr Körper zu versagen droht. Ein Schatten breitet sich in ihr aus – Angst.
Ihre Beine fühlen sich schwach an, der Boden scheint zu verschwinden.
Nein... nein... er wird mich verraten, schießt es ihr durch den Kopf
Ringsum tobt die Musik, Lichter tanzen über Gesichter doch sie steht da, gefangen in der Bewegungslosigkeit, mitten in einer Menge, die tanzt, als wäre nichts geschehen.

Bea sieht Keylam an. Sie kommt gar nicht dazu, ihm auf seine Frage zu antworten, da ist er mit ihr schon zur Frau mit den Dreads gewirbelt, hat diese umgestoßen. Sie will ihr aufhelfen, doch sie entfernt sich schnell. Ist das Angst in ihrem Blick? Kennt sie Keylam vielleicht? Bea schluckt. Wer ist dieser Keylam wirklich? Warum hat die Frau so viel Angst vor ihm? Sie spürt, wie auch bei ihr Angst hoch kommt und löst sich aus seinem Griff. „Was... was hat das jetzt zu bedeuten?“, fragt sie nervös. Ist der Kerl ein Triebtäter? Oder sonst was schlimmes?

Keylam ist zufrieden mit sich – beinahe stolz auf seine kleine Nummer. Er hat genau das erreicht, was er wollte, auch wenn alles etwas anders verlaufen ist, als geplant. Nur eines überrascht ihn: dass die hübsche Frau so heftig reagiert hat, damit hatte er wirklich nicht gerechnet. "Ich habe meiner Schwester nur einen kleinen Denkanstoß verpasst, mehr nicht“, sagt er mit einem schiefen Lächeln. "War ein Auftrag unserer Eltern – und sieht ganz so aus, als hätte es Wirkung gezeigt.“ Er tanzt sich entspannt zurück, der Schalk blitzt in seinen Augen. "Warum so neugierig?“

Geschwister also... jetzt wo er das sagt, ist eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen... "Sie sah ängstlich aus...", stellt Bea fest. Sie sieht sich um. Hier sind so viele Leute, die notfalls eingreifen könnten, wenn Keylam doch irgendwas versucht. Das gibt ihr den Mut, weiter zu fragen. "Warum hat sie Angst?"

Er zuckt mit den Schultern. "Keine Ahnung… jedenfalls nicht vor mir! Eher die Massage, die ich für sie habe.“ Ein schmaler, beinahe spöttischer Zug legt sich auf seine Lippen. "Selbst schuld, dass es so weit gekommen ist. Aber das sind Familiendramen, die würden dich nur langweilen.“ Mit einer beiläufigen Bewegung dreht er sich wieder um, sein Blick gleitet zu Ava. Sie steht noch immer da reglos, als hätte jemand die Zeit um sie herum angehalten. Ihre Augen sind geweitet, der Ausdruck zwischen Fassungslosigkeit und Entsetzen gefangen.
Vielleicht hat er Recht. Seine Schwester ist noch immer hier, und ist nicht komplett abgehauen, was wohl der Fall wäre, wenn sie vor ihm als Person Angst hätte. Aber das ändert nichts daran, dass er das einfach mit einem Schulterzucken abtut. Familiendramen... Wenn es in ihrer Familie ein Problem gibt, dann wäre sie sofort da. Sie hätte Theo geholfen. Oder ihrer Mutter. Egal wie. Das ist es, was die sulanische Tradition ausmacht. Die Familie hält zusammen. Und er? Er grinst nur schief, und freut sich ganz offensichtlich über das Problem seiner Schwester. Ohne ein weiteres Wort dreht sich Bea um und geht zu der nervösen Frau. Keylam beachtet sie nicht weiter. "Alles in Ordnung?"

Keylam schnauft genervt auf, bevor sie kurzerhand abdampft. Ava ihr Blick haftet an der fremden Frau. Ist das nicht dieselbe, die eben noch mit Keylam getanzt hat? Unsicher mustert sie sie, sucht in ihrem Gesicht nach einem Hinweis. Dann nickt sie, die Hände zittern leicht. "Ja… es geht schon.“ Doch plötzlich trifft sie die Erkenntnis wie ein Schlag. Diese Frau – sie ist dieselbe, die vorhin noch bei Jarred saß. Ein unangenehmes Ziehen breitet sich in ihrer Magengegend aus. Weiß er etwa von Jarry? Nervös fährt sie sich durch die Dreads versucht, den Gedanken abzuschütteln und sieht mit liebevollen Blick zu Jarred rüber. Es kann Zufall sein… oder auch nicht. Ihr Blick wandert erneut zu Bea. "Ich hol mir was zu trinken“, murmelt sie hastig, bevor sie sich abwendet und mit schnellen Schritten die Tanzfläche verlässt.

Bea sieht ihr nach. Sie fragt sich, ob die Frau zurück kommen wird oder nicht. Irgendwas sagt ihr, dass es eine Ausrede war, um das Weite zu suchen. Die Meerfrau seufzt. Sie beschließt, einen Moment zu warten. Und wenn sie doch nicht wieder kommt, ist es eben so. Sie kennt weder sie noch Keylam wirklich gut. Zu wenig, um wirklich eine Verbindung zu einem der beiden zu spüren.


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11.11.2025 15:23
#8
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Bestseller-Schmied

Der Duft von Avaluna weicht Jarreds Wahrnehmung nur langsam, beinahe so, als hätte sein Shirt ihren Geruch angenommen, scheint die feine Note ihn zu begleiten, wo auch immer er hingeht.
Nicht sicher, ob es der Wahrheit oder nur seiner Einbildung entspricht, steht er etwas verloren inmitten einer ausgelassenen Gemeinschaft und sieht sich um. Mayve und Arnim sind nirgends zu sehen und auch Bea ist nicht mehr an dem Tisch, an dem sie zuvor zusammen saßen. Für einen Moment spielt er mit dem Gedanken, das Festival hinter sich zu lassen und nach Evergreen Harbor zurück zu kehren. In seine Wohnung, die ihm seit Kurzem kleiner und einsamer vorkommt. Seufzend schüttelt er die Idee ab. In dieser Stimmung, aufgewühlt, unsicher und voller schuldbringender Selbstzweifel tut ihm das Allein-Sein nicht gut. Mit einem tiefen Seufzen begibt er sich zur Bar, um sich ein Glas Wein zu bestellen. Ein oder zwei Gläser wird er sich noch erlauben können. Auch wenn die Getränke verhältnismäßig günstig sind, muss er seine Finanzen beisammen halten. Die zusätzlichen Kosten durch Alma haben sein Konto gefährlich geschrumpft. Wenige Meter von der Bar entfernt, drängt sich eine bekannte Erscheinung in sein Blickfeld - Bea. Ohne Zögern wechselt er die Richtung und steht kurz darauf neben ihr. "Da bist du ja." Routiniert setzt er sein freundliches Lächeln auf. "Entschuldige bitte. Das war ...", ein Räuspern legt sich zwischen die Worte, "... wichtig. Ich hoffe, du hast dich nicht abgewimmelt gefühlt."

Bea setzt sich zurück an den Tisch. "Oh, keine Sorge. Ich wurde selbst abgelenkt." Sie sieht noch einmal zurück, kann nun aber keines der Geschwister mehr erkennen. Sie sieht Jarred an. "Ich hoffe es ist alles in Ordnung!"
Der Ausdruck ungebrochen, senkt sich sein Blick. "Sicher.", sagt er mit deutlicher Zurückhaltung. "Möchtest du noch etwas trinken? Ich hole mir ein Glas Wein. Und ich freue mich über Gesellschaft."
Nun grinst Bea wieder. "Gerne, ich habe Durst." Sie sieht zum Meer zurück. "Und falls du Lust hast, können wir danach weiter zum Meer, oder tanzen gehen."
"Also,", fragt er einen Moment später, mit dem Glas Wein in der Hand, "warum Karate? Was fasziniert dich daran?" Bedächtig geht er neben ihr her zur Außenseite des Geländes, wo eine gemütliche Sitzecke unter einem zart behangenen Pavillon bereit steht. Dort angekommen, lässt er sich sanft in einen der Sessel sinken, ein Bein über das andere schlagend, nippt er von dem vollmundigen Getränk und betrachtet sie mit wachsender Neugier.
Bea denkt an Lashawn zurück und wie ihr Selbstvertrauen davon profitierte, als sie in der Sporthalle am Boxsack trainierten. "Der Hauptgrund ist ganz simpel: Es ist wichtig, sich verteidigen zu können. Vor allem als Frau.", erklärt sie ruhig. Sie macht es sich auf der Bank gemütlich, streicht mit den Fingern nachdenklich über den dünnen Vorhang. "Aber das ist auch nicht alles." Sie spricht weiter. "Ich interessiere mich auch für die Kultur dahinter. Der gegenseitige Respekt, wenn man sich vor den Kämpfen verbeugt, ist tief in der japanischen Kultur verwurzelt. Und dass Stärke Verantwortung heißt, nicht Überlegenheit. Ich finde das interessant in einer Gesellschaft, in der es oft darum geht, stärker, besser, oder schöner zu sein."
"Das sind gute Argumente.", nickt Jarred. Sein Blick ruht auf Bea, ihrer braunen, reinen Haut. "Ich wünsche dir, dass du die Kampfkunst nie ernsthaft anwenden musst." Sein Ton klingt leicht gedankenverloren. Gäbe es unter den Leuten mehr Respekt, bräuchte man sich über so etwas keine Sorgen machen. Seine Arbeit als Security wäre unnötig und er könnte sich schöneren Dingen widmen. "Gegenseitiger Respekt ist das Bindemittel einer Gesellschaft. Uns bliebe viel Kummer erspart, würden die Sims einander respektieren." Nachdenklich führt er das Glas zu den Lippen und lässt einen kleinen Schluck auf der Zunge zergehen. "Sind wir überhaupt dafür geschaffen?", fragt er in die Leere zwischen ihnen.
Er hat sich äußerst respektlos Alma gegenüber verhalten - obwohl ihm diese Eigenschaft durchaus wichtig ist und er sich Mühe gibt, stets danach zu leben. Warum also hat er getan, was er tat? "Was bedeutet es, respektvoll mit Anderen umzugehen? Wo beginnt das und wo endet es?"
Nachdenklich sieht Bea ihn an. "Interessante Frage. Die Menschheit ist in vielen Teilen einfach nicht bereit dazu. Die Gier einiger weniger ist unstillbar, obwohl sie nie in der Lage sind, ihren Reichtum auch auszugeben. Wir können nichts anderes tun als bei uns selber anzufangen. Als zu zeigen, dass es auch anders geht. Mit gegenseitigem Respekt anstatt Ausnutzung."
Den Fuß des Glases auf dem Knie stützend, streicht Jarred mit dem Daumen über einen Kondenstropfen. "Was bedeutet das im kleinen Rahmen?", fragt er weiter. "Hat dein Vater sich respektlos verhalten, als er euch zurückgelassen hat? Selbst, wenn er gute Gründe dafür hatte?"
"Naja, ich denke schon. Ich weiß seine genauen Beweggründe nicht. Mama sagt immer, er hatte einfach keine Lust auf die Verantwortung. Ihn reizte die Freiheit. Aber entschuldigt das wirklich so ein Verhalten? Die eigene Familie einfach so zu verlassen? Ohne Erklärung und ohne Vorbereitung?"
Sein Blick wird weich, beinahe mitfühlend. "Was, wenn hinter 'einfach keine Lust haben' etwas viel Tieferes steckt?" Sinnierend schaut er in die rote Flüssigkeit vor sich. "Hilflosigkeit zum Beispiel. Oder Angst." Oder das brennende Gefühl, den Erwartungen nicht gerecht werden zu können. Nicht genug zu sein. Jarreds Aufmerksamkeit schweift in die Ferne und verliert sich irgendwo zwischen den Festivalbesuchern, auf der unbewussten Suche nach weißen langen Haaren. Und da - im Scheinwerferlicht flammt es hinter den Köpfen einiger Tanzenden auf. Nur kurz. Weniger als drei Sekunden. Und doch reicht dieser kurze Augenblick, um ihm ein aufgeregtes Kribbeln durch den Körper zu jagen.
Ein Blitz, der ihn elektrisierend durchfährt, nur um sogleich das dumpfe Grollen seiner Schuld hinterher zu schicken. Und plötzlich fragt er sich, ob diese beiden Dinge nun für immer miteinander verknüpft sein werden. Avaluna und Alma. Liebe und Sünde. Hoffnung und Schuld.
Bea kratzt sich am Kinn. "Auch das ist möglich. Es gab einfach keine Erklärung. Und das macht es so schwer!" Sie seufzt.



Avaluna greift nach ihrem Glas und nimmt einen tiefen Schluck. Der Abend hatte schon genug Nerven gekostet – doch zu allem Überfluss taucht jetzt auch noch ihr Bruder auf. Natürlich. Mit einem genervten Seufzen lässt sie sich ein paar Tische entfernt von Jarred nieder, Keylam im Schlepptau. Er grinst sie an, dieses typische, schelmische Grinsen, das sie seit ihrer Kindheit in den Wahnsinn treibt. Avaluna verdreht die Augen. "Guck nicht so, Schwesterchen“, sagt er spöttisch. "Du weißt, warum ich hier bin.“
"Ja, und die Antwort ist nein“, zischt sie zurück. „Sag Paps, dass ich nicht in seine Geschäfte einsteigen werde. Ich will einfach nur meine Ruhe.“
Keylams Blick wird düster, der Schalk in seinen Augen verschwindet. "Du weißt, so einfach ist das nicht“, murmelt er. „Dein Blick hat dich verraten, als ich dich angebufft habe.“
Avaluna greift sich an die Seite, wo er sie gestoßen hat. „Das hat übrigens wehgetan, Blödi. Das kriegst du zurück.“ Sie kippt den Rest ihres Glases hinunter, stellt es mit einem dumpfen Klonk auf den Tisch und steht auf. "Also, Keylam du kannst Daddy ausrichten, dass seine große Tochter dich weggeschickt hat. Ich werde nicht die Marionette in den Machenschaften unseres geliebten Vaters! Sag ihm das!“ Ihr Blick wandert zu Jarred. Für einen Moment bleibt ihr Herz stehen. Sein Ausdruck – diese Mischung aus Schmerz und Verständnis – trifft sie tiefer, als sie erwartet hatte. Schuld steigt in ihr auf, brennt heiß in der Brust. War er glücklicher, bevor sie in sein Leben trat? Wäre es besser gewesen, wenn sich ihre Wege nie gekreuzt hätten?
Avaluna will gerade gehen, als Keylam ihre Hand packt grob, fast verzweifelt. "Wenn du die Firma nicht übernimmst, muss ich es tun! Und du weißt genau, dass ich das nicht schaffe.“
Sie bleibt stehen, sieht ihn an. Erst kalt, dann weicher. "Ich überleg mir was“, sagt sie leise. "Ich melde mich bei dir, Keylam.“

Ava atmet tief durch, als sie ihren nervigen Bruder endlich losgeworden ist. Der Bass wummert durch den warmen Sand, irgendwo mischen sich Lachen, Musik und das Rauschen des Meeres. Sie bahnt sich ihren Weg über das Festivalgelände, vorbei an tanzenden Menschen, Salz in der Luft, Schweiß und Sonnencreme in der Nase. Im grellen Licht der Damentoilette flackert eine Neonröhre. Kaum tritt sie ein, sieht sie zwei Mädchen, die sich lautstark ankeifen – eine Szene, wie sie auf jedem Festival vorkommt. Nicht meine Angelegenheit, denkt Ava und greift nach ihrem Deo. Der kühle Sprühnebel legt sich auf ihre Haut, als plötzlich ein Schrei die stickige Luft zerschneidet. Die beiden schlagen jetzt wirklich aufeinander ein. Ava seufzt. Wegsehen kann sie nicht. "Hey! Hört auf damit!“, ruft sie und geht dazwischen sofort merkt sie, wie wenig sie von sowas versteht. "Ey, Hippie, misch dich nicht ein!“, faucht eine der beiden, das Make-up verschmiert, die Bierdose in der Hand. Ava reagiert nicht auf den Spruch. Doch als die andere nach ihren Dreadlocks greift und fest daran zieht, reißt ihr der Geduldsfaden. Sie dreht sich um und stößt das Mädchen weg. Die taumelt, betrunken, prallt unsanft gegen die Wand und sackt zu Boden. Für einen Moment herrscht Stille nur draußen dröhnt die Musik dumpf durch die Wände. Die zweite Frau funkelt Ava an.

Ava hebt die Fäuste, stellt sich breit hin als würde sie gleich einen Karate-Move auspacken. In Wahrheit blufft sie. Sie hat keine Ahnung von Kampfsport.
"Freak!“, zischt die Fremde und verschwindet.
Ava lässt die Schultern sinken, ihr Herz hämmert. Sie tritt ans Waschbecken, betrachtet sich im Spiegel und wischt sich eine kleine Schramme an der Lippe ab. Zum Glück hat ihr Piercing nichts abbekommen. Draußen tost das Meer, irgendwo jubelt eine Gruppe Feiernder. Ava atmet tief ein, der Geruch von Salz und Rauch liegt in der Luft. Dann lächelt sie schwach. Der Abend ist noch lange nicht vorbei.



"Woooooohhhh.." Mit ausgebreiteten Armen 'fliegt' Mayve, über Arnims Schulter geworfen, durch die Festivalbesucher. Ihre Wangen schmerzen vom Dauergrinsen und doch kann sie nicht aufhören. Es ist so schön, dass er sich das Wochenende hat frei nehmen können, um mit ihr herzukommen. An einem der Picknicktische stellt er sie so sanft wie möglich in den Sand, legt seine Hände an ihre Hüften und küsst sie innig. "Ich muss pipi.", murmelt sie breit grinsend gegen seinen Mund.
"Mh-mh." Seine Hände umschließen sie ein wenig fester.
Verliebt blinzelt sie ihn an, löst sich von ihm. "Doch, ich muss."
Sein Gesicht formt sich zu einer kindlich-mürrischen Schnute. "Nich weg gehn. Lass laufn."
Mayve lacht kaum hörbar durch die Nase. "Ich komm gleich wieder."
"Versprochen?" Angetrunken schwerfällig schaut er ihr aus halbgeschlossenen Augen entgegen und hebt er die Brauen.
Sie nickt, noch immer strahlt sie übers ganze Gesicht.
"Hmokeee..." Sein Griff um ihre Hüfte wird lockerer. "Aber nich fesskwadschn. Ich holuns was ßum schlürfen." Mit einem unerwarteten Ruck zieht er sie näher an sich heran, öffnet den Mund umschließt ihre Nase, um sie wie einen mit Süßigkeiten beschmierten Finger abzulutschen, bevor er sie schließlich entlässt.
Mayve kneift die Augen zu, die Schultern heben sich bis an die Ohren. "Iiiiirrrghhh..." Mit der flachen Hand reibt sie die Spucke von ihrer Nase und wankt kichernd zu den Toiletten. Das Gefühl der Nässe begleitet sie bis zur Tür, die ihr plötzlich entgegenschlägt, als eine junge Frau herausstürmt. Na, ob die wohl Verstopfung hatte ... Schulterzuckend betritt Mayve den kleinen Innenraum und bleibt abrupt stehen. In der Ecke hockt jemand, augenscheinlich nicht ganz bei sich, während eine Andere sich seelenruhig im Spiegel betrachtet. Irgendetwas an diesem Bild kommt ihr merkwürdig vor und ihr angetrunkener Verstand braucht einen Moment, um die Puzzelteile zusammen zu setzen. "Ööhhm ... Alles okee bei euch?", fragt sie schließlich in den Raum.

Ava nickt. "Sicher. Danke der Nachfrage.“ Sie lächelt breit und mustert die Fremde. Ihr gefällt ihr Stil, die selbstbewusste Haltung. Hübsches Mädchen, denkt sie, fast überrascht von dem Gedanken. Die Fremde richtet sich nun ebenfalls auf, wischt sich den Staub von der Shorts und wirft Ava noch einen letzten, giftigen Blick zu, bevor sie ohne ein weiteres Wort hinaus ins wummernde Festivallicht verschwindet. Ava atmet durch, fährt sich prüfend über die Dreadlocks, die sie erst vor ein paar Tagen frisch gefärbt hat. Kein Schaden. Erleichtert streicht sie sich eine Strähne aus dem Gesicht, streckt sich und zieht eine zerknitterte Zigarettenschachtel aus der Tasche. Mit einem leisen Klicken zündet sie sich eine an, inhaliert tief und bläst den Rauch zur Decke, wo er sich im flackernden Neonlicht verliert. "Und bei dir?“ fragt sie schließlich mit einem schiefen Grinsen, "Genießt du den Abend?“

Irritiert verfolgt Mayve die Szene. Was ist hier gerade gelaufen?! "Ehm, ja, aber ... Du ..." Ihr Zeigefinger tippt gegen die Unterlippe. "Deine Lippe blutet." Die Informationen klicken innerhalb ihres Kopfes ineinander. Als würde sie Dinge sehen, die nicht mehr da sind, schaut sie in die Ecke, wo gerade die andere Frau kauerte, und wieder zur Weißhaarigen. "Habt ihr euch geprügelt?" Die Augen erstaunt geweitet neigt sie sich ein Stück vor.

Ava fährt sich erneut mit den Fingern über die Lippe. "Ja, das ist nichts. Ein kleiner Kratzer, halb so wild.“ Sie zieht an ihrer Zigarette, der Glutpunkt leuchtet kurz auf, während sie den Rauch langsam in die stickige Luft bläst. "Ich hab wohl eine abbekommen, als ich versucht hab, die beiden Mädels auseinanderzuhalten.“ Ein schiefes Lächeln huscht über ihr Gesicht. "Selbst schuld, oder?“ Der Rauch kringelt sich über ihr, mischt sich mit dem süßlichen Duft von Parfüm und dem dumpfen Bass, der von draußen hereinwummert. Ihre Schultern entspannen sich ein wenig – das Adrenalin fällt langsam ab, und plötzlich wirkt der Moment beinahe friedlich.

"Ouh.." Verstehend nickt Mayve, ehe ihr ein neuer Gedanke einschießt. Irgendwoher kennt sie sie doch. Wäre sie eine Kundin, würde sie sich daran erinnern. Ihr Blick streift die Tätowierung am Arm. Vielleicht eine von Amys Kundinnen ... Der Stil könnte passen. "Dann bist du sowas wie eine Heldin, hm?", beendet sie die Überlegungen und geht in eine der Kabinen. "Geile Haare.", ruft sie durch die Tür. "Mein Freund hat auch Dreads. Aber nicht so lange wie du." Das Geräusch des plätschernden Strahls mischt sich unter die Worte, doch sie plappert unbeirrt weiter: "Hatte auch mal überlegt, aber meine sind so dünn, da gäbs höchstens zehn Zöpfchen. Das sähe ja eher albern als cool aus." Die Spülung ertönt und die Tür öffnet sich. "Dann meinte er, ich könnte mir ja Fakes mit rein machen lassen, so zum auffüllen und so. Aber nee." Aufs Händewaschen konzentriert fährt plötzlich ein neuer Ausdruck in ihre Mimik. Der Mund geöffnet schnellt ihr Blick hoch in den Spiegel zu der Unbekannten. "Jetzt weiß ich!", flüstert sie halblaut. Mit triefenden Händen wirbelt sie herum und deutet mit dem Zeigefinger auf sie. "Jarred. Ich hab dich mit Jarred gesehen. Vorhin."

Ava winkt bescheiden ab. "Blödsinn, ich kann nur kein fremdes Blut sehen.“ Sie nimmt noch einen tiefen Zug, der Rauch brennt leicht in der Kehle, bevor sie die Zigarette auf dem Boden ausdrückt. Gerade will sie sich zum Gehen umdrehen, als die Fremde plötzlich Jarreds Namen erwähnt. Avas Augen weiten sich. Für einen Moment bleibt ihr die Luft weg. Der Bass draußen, das ferne Lachen, alles scheint kurz zu verschwimmen. "Jarred?“ bringt sie schließlich hervor, ihre Stimme etwas zu hoch. "Ja, richtig… du kennst ihn?“ Sie tritt einen Schritt näher, neugierig, fast ungläubig, und streckt ihr die Hand hin. "Ich bin Avaluna,“ sagt sie mit einem offenen Lächeln, das noch leicht nachhallt halb Verlegenheit, halb Freude.

Belustigt nickt Mayve. "Isn ganz alter Freund von mir. Aus Kindertagen." Die flache Hand öffnet die Tür nach draußen. "Ich bin Mayve. Kommst mit? Mein Freund wartet bestimmt schon. Ich stell ihn dir vor. Wenn du willst." Eine Schulter zuckt fragend ins Haar, noch während sie in die frische Luft tritt.

Ava schmunzelt belustigt und versucht, sich Jarred als Kind vorzustellen doch beim besten Willen will ihr das nicht gelingen. "Ach ja? Wie war er denn so als Kind?“ fragt sie und neigt leicht den Kopf, ein neugieriges Funkeln in den Augen. Als die Mayve vorschlägt, ihren Frend kennen zu lernen, nickt Ava. "Gern.“ Kaum treten sie ins Freie, schlägt ihnen die Musik entgegen laut, vibrierend, wie ein lebendiges Herz, das irgendwo im Sand schlägt. Ava blinzelt gegen das grelle Licht der Scheinwerfer, die sich im feinen Staub und den tanzenden Körpern brechen. Ein warmer Wind streicht ihr übers Gesicht, bringt den Geruch von Salz, Bier und Sommer mit sich. Es ist ein schwüler Abend, und die Menge scheint die Luft noch dichter zu machen. Trotzdem genießt Ava den Moment – das Rauschen des Meeres hinter der Bühne, das ferne Lachen, das Gefühl, für einen Augenblick einfach hier zu sein.
"Och ...", Mayve legt den Kopf in den Nacken und schaut in die Sterne. Nur wenige schleierhafte Wolken ziehen vorüber. Was für ein herrlicher Abend für Romantik. "Eigentlich wie heute. Meine Mom mochte ihn lieber, als meinen Bruder.", kichert sie verspielt. "Er war schon immer lieb, höflich, sportlich, ... Ein bisschen kleiner als heute. Und ... fröhlicher vielleicht." Seufzend sieht sie Avaluna an und wird ernst. "Er lächelt zwar viel, aber in ihm drin ...", zwei Finger tippen auf ihre Brust in Herzhöhe, "... er spricht nicht darüber. Nie. Macht alles mit si-"
"Du!" Plötzlich steht Arnim vor ihnen, Zeigefinger und verschwommenen Blick auf Mayve gerichtet. "Du has gesagd du vakwadschdich nich. I hab jedss beide Gedränge indus. Undu bis schuld." Wankend hält er mit ausgestreckten Armen auf sie zu, bereit sie jeden Moment zu packen, doch Mayve stürzt sich hinter die neue Bekanntschaft. Lachend klammert sie sich, hinter ihr stehend, an ihren Armen fest und schiebt sie wie einen Schutzschild vor sich hin und her.
"Ich grigg dich ehwieso.", nuschelt er, richtet sich auf, so gut es ihm möglich ist, sein schiefer Blick peilt die Weißhaarige an. "Ey, du biss.." ein kurzes Schwanken auspendelnd pustet er durch aufgeblasene Wangen, fängt sich aber sofort wieder, "Avala... Abra.. irndwas mit Ava."
"Du kennst sie?" Hinter der Schulter hervorlugend blinzelt Mayve ihn an.
"Jaaaahh, ihre Gran wohndo bei unsss. Diiiiee..", die Finger der rechten Hand schnippen in der Luft, "Trudy." Stolz, die Zusammenhänge gezogen zu haben, nickt er den Frauen ein schiefes Grinsen zu.



Avaluna sieht Mayve neugierig an, hängt an jeder Silbe, als könnte sie gar nicht schnell genug erfahren, was sie über Jarred weiß. "Ach ja? Fröhlicher?“ fragt sie, ihre Stimme leicht ungläubig. "Ist er das jetzt nicht mehr ? Also fröhlich?“ Während Mayve antwortet, schweifen Avas Gedanken ab. Sie erinnert sich an Jarreds Lachen an den Moment, als sie ihn nassgespritzt hatte, oder an das alberne Topfschlagen, bei dem er so ehrlich gelacht hatte, dass sie selbst nicht anders konnte, als mitzulachen. Und doch … manchmal war da dieser Schatten in seinem Blick, dieses Nachdenkliche. Sie lässt den Blick über die Menge schweifen, das Flimmern der Lichter, die wogende Masse aus Körpern, Stimmen, Musik. Ihr Herz macht einen Sprung, als sie ihn entdeckt – Jarred. Obwohl Mayve die Worte nicht ausgesprochen hat, versteht Ava, was sie meint. Er steht da, mitten im Trubel, redet mit Bea. Für einen Moment bleibt Avas Blick an ihm hängen. Ein kurzes, zärtliches Lächeln huscht über ihr Gesicht, bevor sie eine Stimme aus der Nähe ablenkt. Arnim steht plötzlich vor ihr, leicht schwankend und ein Grinsen im Gesicht. Ava kichert, als sie sieht, wie betrunken er ist, und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. "Ganz korrekt – die bin ich,“ sagt sie und zwinkert ihm zu. "Danke übrigens, dass du den Umschlag entgegengenommen hast. Das war mir wirklich wichtig.“
"Swarn das fürn Schlüssl?" Schalk blitzt Arnim aus dem Grinsen hinterm Vollbart, während Mayve sich, inzwischen wieder entspannt an beiden vorbeiziehend, an den Holztisch setzt. Bevor Arnim sich neben sie fallen lassen kann, hebt sie die Hand in einer aufhaltenden Geste. "Du schuldest mir noch ein Getränk." Seine Schultern sacken seufzend zusammen. Für einen kurzen Moment scheint er darüber nachzudenken, Widerworte einzulegen, wendet sich dann aber kopfschüttelnd ab und schlendert Richtung Bar. Als er außer Reichweite ist, fokussiert Mayve ihre Gegenüber. "Du hast ihn gern, hm?"

Avaluna setzt ihr Pokerface auf, doch in ihren Augen glimmt ein warmes Grinsen. "Frag ihn das lieber selbst,“ sagt sie ruhig. Natürlich kann sie nicht einfach herumposaunen, dass sie einem fast fremden Mann ein teures Geschenk gemacht hat. Allein der Gedanke daran, was die Leute reden würden, lässt ihr Herz schneller schlagen. Was würden sie wohl denken? Sie lacht auf Arnims Worte hin, leicht und unbeschwert. "Das sollst du bekommen,“ sagt sie, noch immer lächelnd. "Ich muss mir auch noch was holen.“ Sie guckt Mayve in die Augen. "Ist das so offensichtlich?“ fragt sie, leicht erschrocken. Avaluna seufzt, nickt und murmelt: "Und das ist nicht gut …“ Ein kurzer Moment Stille. Die Musik donnert weiter über den Strand, bunte Lichter tanzen über ihre Gesichter. In Avas Magen breitet sich ein warmes, flirrendes Gefühl aus irgendwo zwischen Verlegenheit und diesem bittersüßen Kitzeln, das nur Jarred in ihr auslöst.

"Hmhm..", nickt Mayve mit aufeinandergepressten Lippen, "schon, ja." Sie neigt den Kopf mit vorsichtig fragendem Blick. "Du weißt, dass er verlobt ist?"
Ava zündet sich eine Zigarette an. Die Flamme zittert kurz im Wind, bevor sie erlischt. Sie blickt nicht mehr auf – zu groß ist die Scham, die sich in ihr ausbreitet. Seine Freunde wissen also nichts …WTF – verlobt? Hieß es nicht Freundin? Der Gedanke trifft sie wie ein Schlag. Mit jedem Zug spürt sie deutlicher, dass sie sich in etwas verstrickt hat, das viel größer ist, als sie je gedacht hätte. Ein leises Zittern geht durch ihre Finger. Es ist meine Schuld, denkt sie. Sie sind bestimmt meinetwegen getrennt. Deshalb ist er so traurig. Ein brennender Kloß schnürt ihr die Kehle zu eng, wie eine Schlinge, die sich immer weiter zuzieht. Sie hat ihm wehgetan. Dem ersten Menschen seit langer Zeit, bei dem sie wieder etwas gefühlt hat. Die Erkenntnis trifft sie hart: Sie hat ihn nicht verdient.
Einen Moment lang ist alles still, nur der Bass in der Ferne hämmert dumpf durch den Sandboden. Sie weiß nicht, was sie sagen soll, ihre Stimme steckt fest. Schließlich bricht sie das Schweigen. "Jetzt weiß ich es,“ sagt sie leise, fast tonlos als hätte sie den Satz mehr an sich selbst gerichtet. In ihrem Kopf schwirrt eine neue Frage: Haben sie die Umarmung vorhin bemerkt? Mayve hatte gesagt, sie habe sie mit ihm gesehen. Ava senkt den Blick, die Zigarette brennt zwischen ihren Fingern weiter, winzige Funken fallen in den Sand.
"Hey." Mayves Hand greift über dem Tisch nach Avalunas. "Wenns dich tröstet... seine Mutter ist ein Drachen. Der wahrgewordene Albtraum als Schwiegermutter." Unbeholfen zuckt der Mundwinkel ein Stück nach oben, als sie ihren Blick sucht.
Ava lächelt matt, fast gezwungen. "Ein Drache also?“ sagt sie und stößt ein leises, tonloses Lachen aus. "Klingt… das ich dieses verpassen muss mhm?.“ Sie zieht an ihrer Zigarette, der Rauch kratzt in der Kehle. "Aber ehrlich?“ sie guckt nun Mayve an um jedes zucken des Gesichts deuten zu können "Macht Alma ihn glücklich?.“ Für einen Moment sieht sie auf das flackernde Glimmen der Zigarette, als würde sie dort Antworten finden. "Manchmal“, sagt sie leise, "macht man einfach alles falsch, obwohl man’s gut meint.“ Dann hebt sie den Blick, lächelt wieder, diesmal etwas wärmer, fast entschuldigend.



Mayves Brauen verschwinden unter dem Pony, ihr Blick richtet sich zur Seite in die Landschaft. Einen Moment schweigt sie, denkt über die wenigen Begegnungen nach. "Das ist eine gute Frage.", beginnt sie. "Alma ist .. aufgeschlossen und lustig. Aber auch verdammt unsicher, wenn du mich fragst. Ich weiß nicht, ob sie glücklich sind. Ich merke aber, dass er heute anders ist. Abwesender. Keine Ahnung, warum sie nicht hier ist." Sie streicht sich schulterzuckend ein fliegendes Haar aus dem Gesicht. "Er sagte nur, sie ist bei der Familie. Ich fand zwar komisch, dass er sie nicht begleitet, aber naja ... Was weiß ich schon, hm?" Die erste Begegnung mit Alma ploppt in ihr auf. Wegen irgendetwas waren die beiden sich uneinig gewesen und Mayve hatte deutlich gespürt, dass die Kommunikation stagniert hatte. "Ich glaube, sie machen es sich manchmal nicht leicht miteinander. Aber das sind Sachen, in die ich mich nicht einmischen sollte."
Ihre Mimik beginnt zu leuchten, als sie Arnim zurück kehren sieht. Er ist einfach zu süß, wie er mit seinem benebelten Grinsen kaum geradeaus laufen kann und sich doch sichtlich Mühe gibt, möglichst wenig zu verschütten. Wieder einmal spürt sie die tiefe Dankbarkeit dafür, in einer so harmonischen Beziehung leben zu dürfen. "Was hast du denn falsch gemacht?", fragt sie, interessiert wieder zu Avaluna schauend. Kaum hat sie die Frage ausgesprochen, erreicht ihr Freund die beiden im Gepäck drei Gläser, gefüllt mit einer klaren Flüssigkeit, in der Eiswürfel und je eine Scheibe Zitrone schwimmen.

Ava hört Mayve aufmerksam zu, jedes Wort saugt sie in sich auf, als könne zwischen den Sätzen irgendwo ein kleiner Funken Hoffnung versteckt liegen die leise Möglichkeit, dass Alma vielleicht doch nicht gut genug für ihn war. Nur ein winziger Gedanke, um sich selbst nicht ganz so verloren zu fühlen. Heimlich wirft sie einen Blick zu Jarred hinüber. Er sitzt ein Stück entfernt, unterhält über irgendetwas, und für einen Moment brennt etwas Warmes in ihr auf Sehnsucht, weich und schmerzhaft zugleich. Doch jetzt, da sie Mayve reden hört, fühlt es sich an, als hätte sie etwas falsch gemacht. Dann sagt Mayve, sie hätten es sich nicht leicht gemacht und in Ava flackert dieser Funken Hoffnung wieder auf, hartnäckig wie eine Glut, die sich weigert zu erlöschen. Sie wendet den Blick schnell ab, bevor es auffällt, will nicht wie eine Stalkerin wirken. "Naja …“ Ihr Gesicht wird ernster, fast traurig. Sie sucht nach den richtigen Worten, als müsse sie sie erst aus einem dichten Nebel fischen. In diesem Moment taucht Arnim mit den Getränken auf, und Ava lacht, erleichtert über die Ablenkung. Doch die unausgesprochene Antwort bleibt in ihr hängen, klebt an ihrem Herzen wie ein Rest Asche so antwortet sie schließlich. "Etwas zu bekommen, das nicht richtig ist“, sagt sie schließlich, die Stimme weich, fast zögerlich. "Man nimmt es, obwohl es eigentlich woanders hingehört.“ Klingt, als hätte ich geklaut, denkt sie. Aber vielleicht trifft es das ganz gut. Dann hebt sie den Blick, lächelt wieder, heller jetzt, fast spielerisch, und wendet sich an Arnim. "Hey, ich wollte doch ausgeben! Nächste Runde geht auf mich.“ Sie zwinkert und nimmt das Getränk dankbar entgegen. Der Becher ist kalt in ihrer Hand, und für einen kurzen Moment fühlt sich alles wieder leicht an.

Eine Mischung aus Skepsis und Verwunderung legt sich auf Mayves Gesicht. Etwas bekommen, das nicht richtig ist ... obwohl es woanders hingehört ... Oh nein! Das klingt nicht, als würde sie über etwas Gegenständliches sprechen. Sie hatte sich vorhin nichts dabei gedacht, als die beiden sich in den Armen lagen. Das kommt vor unter Freunden. Doch so langsam dämmert ihr, was ihr an dem Bild unpassend vorkam. Schweigend nickt sie vor sich her.
Mit einer alkoholisch-ausladenden Geste und einem langen "Naaaaach" winkt Arnim Avalunas Einwand ab. "Isdo egal wer beßahld. Haubsache jeman fadiehnd anuns, hm?" Seine Brauen hüpfen auf, als ihm eine Erinnerung einschließt. Er schuldet ja Mayve noch etwas. Schmal grinsend greift er mit drei Fingern unelegant in sein Glas, um beliebig viele Eiswürfel herauszufischen. So schnell es sein Zustand erlaubt, lehnt er sich ein wenig nach hinten, um das kalte Gut in den kleinen Spalt in Mayves Hosenbund fallen zu lassen.
Augen und Mund weit aufgerissen streckt sie den Rücken durch. "Haaaaaaaww!" Ihre Stimme schlägt laut durch die Luft, so dass Leute von den Nachbartischen sich verwundert herumdrehen - während Arnim in ungehaltenes Lachen ausbricht. "Bist du des Wahnsinns?!", jappst sie, mit den Händen in der Hose herumfummelnd.
"Du has anefang. I hab immer noch Ridse im Sannd." Mit der Entrüstung eines Betrunkenen richtet er sich kopfschüttelnd an Avaluna: "Das wie Schleifbabier ßwischen den Backen. Ungeil."

Der Ausdruck in ihrem Gesicht gefällt Ava gar nicht. Doch sie sagt nichts, lächelt nur matt und beobachtet die beiden, wie sie miteinander turteln – zu süß, fast schon kitschig. Ein leises Lachen entweicht ihr trotzdem. Diese spielerische Neckerei steckt an, wärmt den Moment, auch wenn sie sich selbst dabei ein bisschen außen vor fühlt. Ob ihr so ein Glück wohl auch irgendwann vergönnt ist? Ihr Blick wandert zu Jarred. Vielleicht … mit ihm? Für einen Herzschlag bleibt ihr Atem stehen, bevor sie den Gedanken hastig verdrängt. Sie sieht wieder zu den beiden zurück, beobachtet, wie sie sich ansehen, wie leicht alles zwischen ihnen wirkt. "Jep, ungeil!“, ruft sie lachend, hebt ihr Glas und kippt es in einem Zug hinunter. Dann hebt sie die Hand, bestellt mit einem schelmischen Funkeln in den Augen ein ganzes Tablett nach.
Kurz darauf steht sie mit den Drinks vor ihnen. "So! Hiermit ist meine Schuld beglichen!“ Sie zwinkert, ihre Stimme klingt spielerisch, doch in ihrem Inneren zieht etwas. Eigentlich würde sie jetzt am liebsten ihren Jolly anzünden, einfach durchatmen, runterkommen. Doch sie reißt sich zusammen – nicht vor ihnen, nicht jetzt. Stattdessen zündet sie sich eine Zigarette an, zieht tief daran, lässt den Rauch langsam entweichen und lächelt in die flirrende, laute Festivalnacht hinaus.

(Bilder von Salia, Murloc und Riva)


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12.11.2025 08:29
avatar  Murloc
#9
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<<< Nari kommt von Evergreen Harbor (2) <<<

Nari / Ava


Nari betritt endlich, spät in der Nacht, das Festivalgelände. Musik wummert durch den Sand, bunte Lichter tanzen über tanzende Körper, der salzige Geruch des Meeres mischt sich mit Rauch und süßem Alkohol in der Luft. Es nervt sie, dass sie den größten Teil der Party verpasst hat. Noch mehr nervt sie der Gedanke, dass sie jetzt vermutlich einen richtig miesen ersten Eindruck bei den coolsten Mädchen der Stadt hinterlässt. Das kotzt sie am meisten an. Aber wer hätte ahnen können, dass selbst wenn sie endlich alleine wohnt, ihre Pflegefamilie ihr einen lebenden Wachhund hinterherschickt? Den abzuschütteln hat sie den ganzen Abend gekostet. Jetzt will sie sich davon nicht runterziehen lassen. Sie ist hier und sie wird den Rest der Nacht genießen. Nari sieht sich suchend um, doch zunächst erkennt sie kein bekanntes Gesicht zwischen flackernden Lichterketten und Menschenmengen. Dann – ein vertrautes Lachen. Ihr Blick bleibt an Avaluna hängen. Erleichtert stürmt Nari los, springt Ava von hinten auf den Rücken. Ava, völlig überrumpelt und offenbar nicht mehr ganz nüchtern kippt vornüber, lacht auf, und beide landen kichernd im Sand. "Nari? Was machst du denn hier? Wie hast du das geschafft?“ fragt Ava, noch halb lachend, während sie sich aufrappelt und sich den Sand von den Klamotten klopft.



Nari grinst stolz. "Tja, ihr habt mich alle unterschätzt! Ich hab doch gesagt, ich lass mir das Festival nicht entgehen!“ Ava lacht, schüttelt den Kopf und deutet auf die anderen. „Darf ich vorstellen meine quirlige, nervige Cousine Nari. Nari, das sind Mayve und ihr Freund Arnim.“ - "Freut mich, euch kennenzulernen“, sagt Nari freundlich dann blitzt ihr Blick schelmisch auf. "Nervig, ja? Na warte!“ Mit einem Satz springt sie Ava erneut an. Ava quietscht lachend auf, stolpert ein Stück zurück, während Nari versucht, ihr in die Dreads zu greifen genau dort, wo Ava am empfindlich reagiert. "Ist ja gut, hör auf!“, ruft Ava lachend und weicht zurück. Nari blinzelt überrascht. "Du hast schon ohne mich geraucht? Ich rieche es!“ Ava schmunzelt, hebt eine Augenbraue. "Nur einmal gezogen kaum der Rede wert.“

(Bild von Salia)


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22.11.2025 10:41
avatar  Ripzha
#10
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Bestseller-Schmied

Blaze kommt mit funkelnden Augen zu Dennah und Artjom zurück, als hätte er gerade die Lösung für alle Probleme gefunden. Er schneidet Artjoms Satz ab den er grade an Dennah richtet.
„Ich hab ne geile Idee. Das machen wir jetzt.“ Kurz streift sein Blick Vaas. Ein winziger Moment stockt er, dann dreht er sich entschlossen um und stapft direkt auf ihn zu.



„Alter,“ haut Blaze raus, ohne Umschweife, „ich brauch dein Shirt.“
Vaas blinzelt, ein schiefer Grinser schleicht sich über seine Lippen. „Du brauchst… mein Shirt?“ Er tippt sich auf die Brust, schaut dann gespielt verwirrt zu Pita. „Hast du das gehört? Der Junge will mich ausziehen. Öffentlich. Vor all den Leuten. Ich habs immer gesagt – er konnte noch nie die Finger von mir lassen.“
Blaze verzieht nur das Gesicht, reisst sich sein eigenes Shirt über den Kopf. „Jetzt gib her. Sei mal nützlich.“
Vaas Grinsen wird kindlich begeistert. Er kneift ein Auge zusammen, streckt die Arme in Zeitlupenpose hoch. „Na schön, Ladies und Gentlemen, es ist soweit. Ihr wolltet es nie, ihr kriegt es trotzdem – Vaas Del Toro, Oben-ohne-Show!“ Er zieht sich das Shirt mit einem Ruck über den Kopf, schleudert es Blaze entgegen und lacht rau. „Aber wenn du mich schon nackig machst, Prinzessin, dann will ich gefälligst sehen, wofür das gut ist.“



„Siehst du gleich.“ Blaze fängt das zerknüllte Shirt, drückt Vaas sein eigenes grünes in die Hand und schlüpft ohne Zögern in das schwarze, ärmellose Teil. Es hängt locker, riecht nach Rauch, Schweiss und irgendwas Metallischem aber egal. Er streicht es grob glatt, grinst zufrieden und schaut sich um. Sein Blick wendet sich Pita zu. Genauer, auf ihre Handtasche.
„Hey,“ sagt er, während er näher kommt und auf die Tasche zeigt, „hast du Kajal oder sowas dabei?“

Dennahs Mimik leuchtet auf, als Blaze zurück kehrt. Neugierig folgt sie seinen Handlungen. Was hat er vor? Ein amüsiertes Grinsen mischt sich unter ihre Züge. Wenn er so guckt, wirds immer cool.



Pita neigt den Kopf, als er sie anspricht. Irritiert heben sich Braue und Mundwinkel zeitgleich an. "Ehm, ... ja?" Mit fließenden Bewegungen öffnet sie die kleine Tasche und zieht nur Sekunden später einen langen dünnen Stift heraus, um ihn Blaze zu reichen. Ihre fragenden Augen huschen von ihm zu Dennah, die nur mit den Schultern zuckt.

Blaze nimmt den Stift dankend, rollt ihn zwischen den Fingern und dreht sich aus Ermangelung eines Spiegels, mit einem breiten Grinsen zu Dennah. „Kannst du mal…?“ Er tippt mit dem Finger unter sein Auge, macht eine kurze Wischbewegung, die alles sagt. „Bisschen einfach.“
Artjom steht daneben und versteht. „Ernsthaft jetzt?“
Blaze hält Dennah sein Gesicht hin und sagt, „Aber sowas von.“

Seinen Blick haltend nimmt Dennah die Aufgabe an. Mit sanfter Bestimmtheit zieht sie die Haut ein wenig straff und zeichnet eine saubere Linie. "Steht dir.", haucht sie. Die Frage, wofür das alles brennt ihr auf der Zunge, doch sie fragt nicht. Es ist ein bisschen wie eins seiner kleinen Abenteuer, die sie so mag, weil sie sie immer überraschen. "Du auch?", wendet sie sich grinsend zu Artjom um.



Artjom schüttelt den Kopf. „Ne du, lass mal.“ Blaze richtet sich auf, reicht Pita den Stift zurück und greift gleich wieder nach Dennahs Hand. „Du kommst auch mit. Das wird dir Spass machen.“ Ohne weitere Erklärung zieht er sie ein Stück mit, seine Energie so ansteckend, dass man kaum widersprechen könnte. Dann wendet er sich kurz zu Artjom. „So schnell wie du damals reingekommen bist, hast dus sicher nicht verlernt, oder?“
Artjom verzieht das Gesicht und rollt die Augen. „Natürlich nicht, aber ich-“
„Gut. Komm.“ Blaze geht voran, Artjom seufzt hörbar, trottet aber doch hinter Dennah her. Unterwegs ruft er nach vorne: „Was willst du machen? Den alten Kram?“ Blaze dreht sich halb um, läuft rückwärts ein paar Schritte und grinst. „Reicht doch.“
Er wuschelt sich mit der freien Hand durch die Haare, während er Dennah hinter sich herzieht, vorbei an den wartenden Grüppchen, bis sie seitlich hinter die Bühne kommen. Die Security erkennt ihn von grade eben, nickt nur knapp und lässt sie durch. Hinter den Lautsprechertürmen, wo die Luft vibrierte vom Bass der laufenden Show, steht ein Kerl mit Headset und Klemmbrett in der Hand. Sein Blick huscht hoch.
„Okay, braucht ihr noch was?“



„Gitarre, Schlagzeug, Mic“, sagt Blaze wie selbstverständlich. „Geht doch klar oder?“
Der Typ mustert ihn kurz, dann nickt er. „Ja, denk schon. Hey, Janine!“, ruft er über die Schulter, zeigt irgendwohin. Die Frau nickt, macht sich direkt auf den Weg. „Ihr könnt rauf, wenn die da oben durch sind. Soundcheck musst halt gucken. Aber nicht überziehn.“
Blaze Grinsen wird noch breiter. „Danke, Mann. Is schon ok, sie sollen da währenddessen rumschrauben - passt schon.“
„Ja, grüss Joe, wenn du ihn siehst.“
„Mach ich.“ Blaze nickt und dreht sich zu Dennah um. Sein Herz schlägt heftig vor Aufregung aber er lässt nicht zu sich davon überwältigen zu lassen. Das wird jetzt durchgezogen. Mit beiden Händen nimmt er ihre, drückt sie fest und sieht sie an, als ginge es nur noch um die beiden.
„Ich will dich neben mir da oben. Also hast du Bock zu tanzen?“

Dennahs kehliges Lachen weht hinter ihnen her, während er sie durch die Leute zieht. Versucht, dem Austausch zwischen ihm und dem Klemmbrettheinz zu verfolgen, muss sie schnell erkennen, dass sie keinen Schimmer hat, was hier gerade abgeht. Sie soll auf der Bühne tanzen? Na, das kann ja was werden. Und er wird spielen? Woah, was zum Fick?! Wenn er ihr ein Mikro unter die Nase schiebt, ist er schuld, wenn die Publikümmer fliehen. Mit leicht geöffnetem Mund und beginnend vernebelndem Verstand kichert sie vor sich her.
"Mit dir hab ich immer Bock." Ihre Stimme ist ein heiseres Raunen, das Gesicht eine Mischung aus kindlicher Aufregung und aufsteigender Hitze, als wolle sie jeden Moment über ihn herfallen, um alle Dinge mit ihm zu tun, die ihr einfallen könnten.



"Wie willst du mich?" Sie tritt einen Schritt näher, beißt sich kurz auf die Unterlippe. "Backgroundwackeln oder soll ich mich an dir reiben?" Ihre Augen funkeln verspielt und ein breites Grinsen kann sie sich nicht verkneifen.
„Mach, was immer dir Spass macht da draussen, D.“
Artjom beobachtet die beiden und spürt, wie sich etwas zwischen Stolz und Unruhe in ihm regt. Er erinnert sich an Nouki, wie sie ihn vor ein paar Tagen gefragt hatte, ob er aufs Festival geht, weil sie gerne mit ihm hingegangen wäre. Er hatte es ihr ausgeredet. Gesagt, er müsse arbeiten, Fotos machen für Simswelt News. Es stimme ja auch - sein Herz hängt an der Zeitung. Da kann er was bewirken.
Sie hatte gezögert. Sie wusste inzwischen, wann sie besser nicht diskutiert. Gut so.
Er hatte das Gefühl, das Richtige zu tun. Sie wäre hier zwar nur abgelenkt gewesen, hätte ihn aber aus dem Konzept gebracht, sich betrunken, mit irgendwem getanzt. Nein.
Das hier ist wichtig. Damit sie beide irgendwann etwas haben, worauf sie stolz sein können – seiner Meinung nach.
Aber jetzt steht er hinter einer Bühne. Wieder einmal nicht dort, wo er dachte, zu sein. Er will das Praktikum nicht versauen - zu viel Zeit investiert und zu viele kalkulierte Gespräche mit diesem Redaktionstyp. Doch ein Teil in ihm, geniesst das Rampenlicht.



Die Band auf der Bühne verabschiedet sich. Jubel. Lichterwechsel. Eine kurze Lücke.
Das ist ihre Chance.
Blaze dreht sich zu ihm. „Ich dachte an Der Weg.“
Artjom hebt die Brauen. „War das nich noch WIP?“
„Nur der Text. Egal. Wird schon.“
Er nickt langsam. „Ja. Klar.“
Die Worte schmecken nach Selbstbestätigung.
Die Menge tobt. Techniker rennen rum, Kabel werden gezogen, jemand schreit Anweisungen. Blaze steht schon mit der Gitarre in der Hand. Er weiss, dass Artjom das hinbekommt. Drummer habens eh im Blut. Irgendwie läufts bei denen einfach. Bei sich selbst ist er sich nicht ganz so sicher - obwohl er in letzter Zeit wieder öfter gespielt hat.

Die ersten Reihen des Publikums drängen näher, als die Bühne im Scheinwerferlicht aufleuchtet. Blaze wirft Dennah einen Blick zu, die schon neben den Lautsprechern steht.
„Los gehts.“
Er atmet tief ein und spürt, wie das Adrenalin in seine Finger schiesst. Das Licht ist grell und die Gesichter der Leute die weiter als drei Reihen weg stehen verschwinden in Schatten. Artjom läuft wortlos an ihm vorbei, setzt sich hinter das Schlagzeug, überprüft kurz die Hi-Hat und die Snare und klopft sich mit zwei trockenen Schlägen ein.
Blaze zieht Dennah mit zur Bühnenmitte, zum Mikrofon, das ihn zuerst völlig ignoriert. Er tippt dagegen, nichts. „Ok … läuft wohl noch nicht.“ die letzten Worte seines Satzes werden hochgedreht und kommen verstärkt aus den Boxen. „Ah doch!“
Er hebt die Hand in Richtung der Tonleute auf der anderen Seite des Platzes, die ihn mit einem Nicken und erhobenen Daumen quittieren. „Danke, Jungs!“
Dann beugt er sich wieder vor, stützt sich lässig mit einer Hand auf den Mikroständer. „Also - kleine Zwischeninfo für alle, die sich grad fragen, wieso wir hier rumlungern.“ Ein kurzer Blick über die Menge, die ihn jetzt ansieht. „Ich hab die Jungs und Mädels hier einfach gefragt, ob wir kurz übernehmen dürfen und die haben gesagt: Scheiss drauf, macht doch. Ist das ne geile Crew hier oder nich?!“
Das Publikum reagiert mit Klatschen, Gelächter, Rufen. Blaze grinst, das Adrenalin pulsiert unter seiner Haut. „Wir sind Deffekt – na ja, die hälfte davon… aber is auch egal. Wir sind hier zum Party machen! Mit euch!“
Ein kurzer Blick zu Artjom, der mit den Sticks hochzählt.



Blaze steht breitbeinig am Mikrofon, die Gitarre hängt tief, das schwarze Shirt von Vaas klebt ihm schon jetzt am Rücken. Er schlägt den Einstieg hart und alles andere als perfekt an. Blaze beugt sich zum Mikrofon, der Körper bewegt sich im Takt.

Ich habe dich gefunden, ich hatte einfach nur Glück…

Er singt, den Kopf schief am Mikrophon, damit er Dennah ansehen kann. Sie ist der rote Faden, der ihn durch den Song zieht.

Mit Dir an meiner Seite
Und immer hinter mir
Du hast keinen Zweifel
Wohin wir auch gehen
Und ich bin an deiner Seite
Denn wir sind auf dem selben Weg
Und gehen ihn immer weiter, diesen Weg,
Den die Verlierer gehen


Er singt die Zeile direkt in ihre Richtung, mit allem, was er hat. Dann reisst ihn das Instrumental mit. Er dreht sich zu ihr und wippt im Takt. Die Gitarre bleibt an seinem Körper, seine Finger spielen weiter. Sie bewegt sich mit ihm und es wirkt fast wie geplant.



In seinem Kopf rauscht es. Aber auf die gute Art. Boom. Steph. Chip. Alles, was sich aufgestaut hat. Alles, was ihn oft mürbe gemacht hat. Hier darf es raus.
Er lehnt sich zurück ans Mikrofon.

Ich wollte oft aufgeben
Denn ich sah keinen Sinn
Zog jeden mit mir runter
Sagte, dass ich bin wie ich bin
Und ich sah so viele Freunde gehen
Bis keiner übrig war
Und dann, alles war längst zu spät
Warst du als einzige noch da


Dennah bewegt sich, lebt den Song mit. Er spürt sie, ohne sie anzusehen.
Als das Solo kommt, kippt er nach hinten, spielt, während er sich in der Bewegung verliert. Seine Finger tanzen über die Saiten, sein Körper folgt dem Rhythmus. Er dreht sich um Dennah, lehnt sich an sie, die Nähe elektrisiert ihn.



Wir wurden oft getestet
Denn wir waren noch nicht eins
Liebe muss sich beweisen
Zu lang sah ich sie als Selbstverständlichkeit
Doch ich würde alles geben
Nur um bei dir zu sein
MEINE SEELE, MEIN BLUT, MEIN LEBEN,
ICH BIN FÜR IMMER DEIN!


Dann der letzte Refrain, das letzte Riff. Der Ton hallt nach, bricht über die Boxen, schwingt in der Menge. Blaze reisst die Hand in die Höhe, das Plektrum zwischen den Fingern, während der Sound langsam ausläuft. Der Applaus brandet, aber er hört ihn kaum. Er sieht nur Dennah, ausgelassen, glücklich. Und er lächelt breit und atemlos.

Vaas steht zuerst einfach da. Die Arme verschränkt, der Joint längst runtergebrannt zwischen den Fingern. Ava hat sich verabschiedet – mit einem kleinen Grinsen und einer Nummer und Adresse auf einer Zigarettenpackung, krakelig, aber lesbar. Da wird er die Tage mal aufschlagen. Er ist gespannt, was ihn erwartet.
Dann sieht er das schwarze Shirt.
Sein.
Scheiss.
Shirt.
Dieser Bastard, dieser ruhige, kontrollierte, immer ein bisschen distanzierte Blaze, steht mitten im Licht. Und er zerlegt die Menge.



Vaas Mund klappt auf, bevor er grinst. Breit. Ungläubig. „Na leck mich ma einer am Kabelbaum.“
Er reisst den Arm hoch, wirft den Jointstummel und Blaze’ Shirt weg, stampft mit dem Fuss in den Sand. Noch ein Mal. Dann packt er den Typen neben sich – David – am Oberarm.
„Na los, Digga!“ brüllt er. „Mach dich locker, wir tanzen jetzt!“
Ohne Takt oder Plan stösst er David in die Brust, lässt sich selber schubsen, lacht, fängt sich wieder, prallt mit dem nächsten Körper zusammen, stösst zurück.
Die Leute weichen, dann machen sie mit.

Plötzlich steht sie auf der Bühne. Das Wissen, von unzähligen Augenpaaren angestarrt zu werden, durchflutet sie mit Unsicherheit und treibt ihr Adrenalin ins Blut. Sie hatte keine Ahnung, dass man von hier oben die Gesichter nicht sieht. Gucken sie fröhlich? Interessiert? Belustigt? Genervt? Angewidert? Hilfesuchend geht ihr Blick zur Seite und fängt Blaze ein. Er spricht mit den Leuten, als hätte er nie etwas anderes getan. Offen, frei, losgelöst. Das hier ist es, was in seinen Adern fließt. Und er will es mit ihr teilen. Er zeigt ihnen allen, dass sie zu ihm gehört. Dennah Delany, nichtsnutzige Junkietochter, nicht ihrem Alter entsprechend entwickelt, minderer Intelligenz, kein Empfinden für Richtig oder Falsch - und doch steht er nicht nur zu ihr, sondern präsentiert sie voller Stolz allen, die es wissen und nicht wissen wollen. Etwas Neues tut sich in ihr auf. Etwas, das sie nicht kennt und nur schwer beschreiben könnte. Es ist das Gegenteil von dem, das sie klein, nutzlos und schmutzig macht. Mit einem Schlag weiß sie, dass sie nie wieder unsichtbar sein wird, solange sie und Blaze sie und Blaze sind. Es fühlt sich an, als hätte er ihren Brustkorb gesprengt. Mit wundervoll betörender Gewalt platzt alles auf und aus ihr heraus. Sie könnte sich die Kleider vom Leib reißen und nackt gegen den Wind rennen, laut jubeln und rufen, dass sie zu ihm gehört und für immer an seiner Seite sein will. Dass sie ihn liebt mit aller unterentwickelter Umvollkommenheit, die sie zu bieten hat.
Ein tiefer Atemzug hebt ihren Brustkorb. Tränen steigen ihr in die Augen. Und sie lacht ihm entgegen. Sie liebt ihn.



Kaum zu glauben, dass gerade ihr so etwas passiert. Wie in Glück und Stolz gebadet strahlt sie aus jeder Sommersprosse und allen Poren dazwischen.
Blaze schlägt das Riff an und Dennah reißt johlend die Arme über dem Kopf in die Luft. Sie wirbelt herum, springt, tanzt, wackelt mit den Hüften, dann mit den Möpsen und beginnt von vorn. Nicht immer elegant, aber dafür voller Elan gibt sie alles, schaut immer wieder zu Blaze herüber, flirtet und spielt mit ihm das Spiel, das sie schon immer mal spielen wollte: Rockstar und Groupie. Tanzend bewegt sie sich auf ihn zu, umwirbt und umrundet ihn verspielt, während sie sich beherrschen muss, nicht über ihn herzufallen und ihn hier sofort vor all diesen Leuten zu nehmen und denen mal eine richtige Show zu liefern. Nicht dass es sie stören würde - im Gegenteil. Aber er soll zuerst die Gitarre ficken. Sie selbst wird der Nachtisch.

Er prescht ein letztes Mal auf die Saiten ein, reißt die Hand hoch, lässt den Akkord verklingen. Applaus fegt zu ihnen hoch und als würde der rauschende Sound sie anstoßen, wirft Dennah sich an Blaze Brust, kaum dass er aus dem Gitarrengurt geschlüpft ist. Das Instrument noch in der Hand strauchelt er, als sie stürmisch in ihm landet. Ungestüm fällt sie über ihn her, küsst ihn wild und fordernd, eine Hand kneift ihn in den Hintern, presst ihn eng an sich heran, während ihre Leiste sich vorn an ihm reibt. Ein amüsiertes Raunen geht durchs Publikum, Pfiffe und Rufe mischen sich darunter. Dennah nimmt kaum Notiz davon. Selbst wenn dem so wäre, würde es sie nicht stören. Zu Hause haben es ständig irgendwelche Leute mit- und voreinander getrieben. Vollkommen im Rausch brennender Lust zieht sie das transparente Shirt über den Kopf, lässt es fallen und entreißt sich den zweiten Part ihres Oberteils.
"Okay, das reicht jetzt." Der Klemmbrettheinz eilt herbei, packt sie am Arm und schleift sie mit sich in den Bereich hinter der Öffentlichkeit. "Geht schwimmen oder sucht euch nen Busch."



David staucht ächzend zusammen, als Vaas unerwartet in ihn hineinrammt. Sofort legt sich das breite Grinsen auf sein Gesicht. Herausforderung angenommen! Einmal in die Luft springend, wirft er Vaas einen funkelnden Blick zu, bevor er seinerseits in dessen Brust kracht, sich abrollt und zwei Schritte zurück hüpft, um neuen Anlauf zu nehmen. Innerhalb weniger Wimpernschläge bildet sich eine kleine Traube aus testosterontprügelndem Amüsement.
Lachend tritt Pita einige Schritte zurück. Sie schaut gern bei dem primitivsten aller Tänze zu, selbst mitzumachen, ist allerdings nicht ihr Ding - zu wenig Kraft und Widerstand bietet ihr schlanker Körper. Amüsiert wandert ihr Augenmerk zwischen den Freunden und der Bühne hin und her, bleibt letztlich mit einem liebevollen Kichern an Dennah haften. Es ist schön, sie in einer Beziehung zu sehen. Zu wissen, dass da jemand ist, der sie mit Halt und Gefühl stabilisiert.

Als Jack mit ihrem Fotostreifen, den Heels und ihrem seelischen Aufbaugetränkeeimer die Bühne ansteuert, merkt sie den Sangria. "Shit, so langsam muss ich aufpassen.", ruft sie sich zurecht. In der Bewegung stehen bleibend registriert sie, dass dort auf der Bühne zwei Leute sich positionieren, die sie KENNT. "Woooohhh", ruft sie zur Unterstützung laut, 'Wie geil! Dann gibt's hier ein paar mehr bekannte Gesichter!', hellt sich ihre Stimmung auf. Was die da veranstalten werden, ist so ziemlich egal. Sie wird jetzt 'all in' gehen und die Crew unterstützen, mit allem was gefordert oder einfacher gedagt: gebraucht wird. Denn eins ist klar. Die Nummer ist spontan entstanden, dass fällt ihr nicht schwer aus ihrem Auftreten heraus zu lesen. Und dennoch ist ihre Außenwirkung geschlossen und sicher. Mega! Mit wenigen Schritten hat sie sich an den linken Rand der Bühne gebracht und erspäht ein Simslein, dass ihr wie gerufen erscheint! Ein ruhiger interessierter und vor allem glücklich im Beobachtungsstatus seiender Typ, der dass das Bühnengeschehen gut unterhalten verfolgt. Ohne Stopp und Umschweife nimmt sie Kurs auf den jungen Mann und drückt ihm mit einem "Hi, kannst du bitte für circa 5-10 Miniten auf meinen Kram aufpassen? Danke!!!" ihr Zeug auf. "Ich muss umgehend vor die Bühne...",erklärt sie und verschwindet in der Menge.



Die Energie des Publikums nimmt sie mit einem Pogo Pit auf: Scheiße JAAAAH! Ohne ihrer Barfüßigkeit auch nur eine Achtung zu schenken, stürzt sie sich mitten rein und lässt sämtliche Schubskräfte walten, die sie zu bieten hat. Diese wilde Form der an- und aufeinanderprallenden Sims bietet ihr den ventilartigen Raum für ihre aufgestaute Wutenergie und wird von ihrem Beleidigte-Leberwurst-Weingetränk nebelig mit aufgemischt - es ist herrlich! Worum im Text geht, ist ihr scheißegal. Nach einer unbestimmbaren Zeit rückt erst eine bekannt riesige, weißblonde Hünengestalt und dann auch noch eine weitere nicht ganz so große aber um so vertrautere Person in ihr Blickfeld. 'David und Vaas - das ist gut! Noch mehr save space.' Ohne Worte, dafür aber mit umso mehr Pogolaune und dem fettesten und glücklichsten Strahlen hoppst sie gegen die beiden und die anderen bereitwilligen Körper - es bedarf keines Gelabers. Hier ist sie zwischen gleichgesinnten und den beiden liebenswürdigsten Kloppies, seit simsgedenken. Wie vor einigen Wochen auf der Party, ein Stockwerk unter ihrem neuen und vielleicht bald sich echt anfühlendem Zuhause. Pure Freude und Erdung durchströmt sie. "DREI, ZWEI, EINS - RISIKOOOOO!", bounced sie die beiden Compañeros krakeelend an.

Dennah. Wie sie auf ihn zustürzt, wie sie lacht, wie sie ihm einfach die Luft aus den Lungen küsst. Er lacht atemlos, kopflos und glücklich in den Kuss hinein.
Die Leute grölen, Pfeifen schneiden durch den Lärm, irgendwer ruft was von „Auszüüüüühn“. Blaze hört es, aber es ist weit weg. Er spürt nur sie. Ihr Gewicht an seiner Brust, ihre Hände überall. Er zieht sie dichter ran, bis er kaum noch weiss, wo sie endet und er anfängt.



Dann taucht der Typ mit dem Klemmbrett auf und greift nach Dennahs Arm. Blaze stolpert einen Schritt zurück, hebt die Hand beschwichtigend und grinst ein bisschen benommen. Er bückt sich, sammelt ihre Klamotten vom Bühnenboden, das Shirt, den BH. Dann ein Zwischenstopp am Mikro:
„So, Leute… war schön mit euch, aber....“ Er zeigt mit einem breiten Grinsen auf Dennah, die gerade vom Bühnenrand gezerrt wird. „meine Aftershowparty fängt früher an!“
Gelächter brandet auf. Er hebt die Faust, ruft noch ein kurzes „Danke, Sulani!“ in die Menge, wirft Artjom einen schnellen Blick zu, rennt hin, stösst mit ihm die Fäuste zusammen.
„Danke, Mann. Ich schuld dir was.“
Artjom nickt knapp, grinst und will noch was sagen aber da ist Blaze schon weg.
Er springt von der Bühne, rennt Dennah hinterher. Als er sie erreicht, greift er nach ihr, schlingt die Arme um sie, hebt sie vom Boden, dreht sich mit ihr im Kreis.



Ihr Lachen schneidet durch den Lärm, sie klammert sich an ihn, küsst ihn, wild, weich, alles auf einmal. Er küsst sie zurück, tiefer, drängender. Er hört nur noch das Blut in seinen Ohren, ihren Atem gegen seinen Hals. Sie drückt sich an ihn, noch immer halb entblösst und schlingt ihre Beine um ihn. Er trägt sie weg, nur ein paar Meter, bis das grelle Licht schwächer wird. Der Sand knirscht unter seinen Schuhen, Gras streift seine Beine, der Wind trägt den Geruch von Meer zu ihnen heran. Ihre Lippen lösen sich kaum voneinander. Sie lachen beide, taumeln ein paar Schritte, dann rutscht ihm der Fuss weg. Der Sand gibt nach, das Gras bremst und sie fallen auf den weichen Boden.
Einen Moment lang ist alles still. Nur Atemzüge, vermischt mit einem Lachen. Kurz sieht er sie an, stützt sich mit einer Hand neben ihr im Sand-Gras-Boden ab, um sich zu vergewissern, dass sie sich nicht weh getan hat. Sie zieht ihn an sich, ihre Finger verfangen sich in seinem Haar. Er beugt sich nur zu gern zu ihr. Ihre Lippen treffen sich, hungrig, und immer wieder. Der Rhythmus ihrer Bewegungen verschmilzt und Atem und Herzschlag geraten durcheinander.
In Blaze Kopf existiert jetzt nichts mehr was vor dem Auftritt passiert ist.
Und das, was folgt, ist alles – ausser jugendfrei.

Jack kracht frontal in ihn rein, mit vollem Körpereinsatz, und Vaas verliert fast das Gleichgewicht. Der Schub schleudert ihn halb gegen David, halb in eine fremde Schulter, und ehe er überhaupt begreift, was da gerade passiert ist, steht er schon wieder grinsend im Sand.
Dann – abrupt – reisst die Musik ab. Nur noch das leise Nachhallen des letzten Tons. Die Menge reagiert sofort. Stimmen, Rufe, Schreie.
Vaas richtet sich auf, schwer atmend. „Was zum…?“ Er hebt den Blick und sieht, wie sich da oben jemand auszieht. Er braucht ein paar Sekunden, um zu checken, was Dennah da macht.
Dann sackt er wieder runter, weil es im Bauch zieht, die Hände auf den Knien, keucht ein Lachen, das ihm halb im Hals stecken bleibt. „Verdammte Scheisse …“ Er bekommt keine Luft, hustet und lacht wieder. Zu viel Gras, zu viel Sport.
Er atmet so tief ein wie es seine Schmerzgrenze erlaubt und sieht rüber zu Jack.
Sie ist barfuss. Ein wunder das ihr keiner auf die Füsse gestampft ist. Haare zerzaust. Und verdammt nochmal maximal overdressed für diese Nummer. Eine enge, hochtaillierte Hose, die jeden Zentimeter ihrer Hüfte betont, das Oberteil irgendwas zwischen.. vielleicht Partybus und Bürosekretärin. Der Reissverschluss der Hose aber... Halb offen. Genau bis da, wos drunter aufhört brav zu sein.
Er streckt den Zeigefinger aus, deutet locker in Richtung ihres Bauchnabels. „Hey... da unten… willst du das nich zu ziehn? Oder is das gewollt? Weil, ich sags ehrlich, ich finds stark. Sehr… zugänglich.“ Dann grinst er sie von unten herauf an.



Es dauert nicht lange und Strubbel erkennt vor lauter eigenen, umherfliegenden Haaren und dem durch die Gegend springen nichts mehr. Ihr ganzer Körper ist angespannt - jeder Muskel ein Brett. So, wie sie es sonst auch beim Kickboxen macht. Nur, dass hier die Schläge und Stöße andere Zielrichtungen haben und Musik zusätzlich die Sinne anheizt. Gerade als sie mit hartem Schwung in jemandem landet und sie erneut versucht sich zu mobilisieren, beruhigt sich der Pit. Jack hält ihre Körperspannung noch aufrecht, solange bis die Klatschgeräusche und das auffordernde Gejohle nach 'Ausziehen' das hämmern ihres Herzschlages aus den überpulsten Ohren überdecken. Man war das geil, morgen wird sie 1.000.000 blaue Flecken haben. Ihr Blick schwenkt wild und begeistert zur Bühne und dort sieht sie Dennah, der ganze zierliche Körper am strahlen, inklusive schöne, blitzende Bürste. 'Nice!'



Da Jack noch nicht sprechen kann, steigt sie mit dem besten Pfeifen auf zwei Fingern ein das sie drauf hat, bevor sie sich Zeit nimmt und Blaze betrachtet. Bisher hat er mit seinen beiden Auftritten ihrer Gegenwart n u l l ihr intensieveres Beobachtungsinteresse geweckt oder sie in irgend einer Form tangiert. Aber jetzt, jetzt sieht er aus, als wäre er... Er selbst?! Nicht mehr dieser verstockte Misepeter. Er wirkt... happy und in seinem Element, ja. Ohne Mauer und Maske. Ohne den angepissten, Kieferplatten zusammpressenden Unnahbaren zu geben, der über allen Dingen und allen Anwesenden steht, einzig und allein in Zuneigung zu seinem Plus, Dennah. Anerkennend nickt sie ein Mal. Schon ehr jemand, den man sympathisch finden kann. Sie beschließt gerade, den Kerl bei einer nächsten Gegebenheit mal genauer in Augenschein zu nehmen, um hinter seine Fassade zu linsen, als sie einen ausgestreckten Finger, 'gewollt', 'stark' und 'zugänglich' aufschnappt.

Wie ein Rehkiz mit Kaffeepüberdosis springt David auf und ab, vor und zurück, landet in einer Schulter, prallt ab und rumpelt gegen einen Rücken. Als die Musik verstummt, ist das Shirt bekleckert und verschwitzt, die Schuhe sind voller Sand und er braucht einige Sekunden, um sich zu sortieren. Pustend klopft er Vaas aufs Schulterblatt. Das war mal richtig nice. Deutlich schneller als der Ältere findet er seinen Atem wieder und widmet sich dem laufenden Haarbüschel, das sich mittendrin von irgendwoher ins Spiel geworfen hat. Eine Hand zum Abklatschen erhoben, schlägt er mit ihr ein, ehe er sie herzlich an sich drückt. "Geil , dass du da bist!" Sich aufrichtend deutet er auf Jacks gesprengten Reißverschluss. "Ist das Kunst oder Pragmatismus?" Sie möchte gerade zu einer Antwort ansetzen, als David auf sie zukommt. Gerade noch rechtzeitig kann sie ihren rechten Arm heben und einen Begeisterungslaut ausstoßen. Es klatscht, Zwiebel auf der Handfläche und dann wird sie in eine ultra herzwärmende und wohltuende kurze Umarmung eingeschlossen, die übelst gut tut. 'Geil. NOCH jemand, den du kennst!' Nach dem Drücker des Jahres, löst sich noch mehr Spannung und Strubbel kippt lachend auf den Boden, kann ihr Steißbein gerade noch durch hinter sich ausgestreckte Arme vor einem zu heftigen Aufprall schützen. Mit ausgestreckten Beinen, den hinter dem Rücken aufgestützen Armen und dem Kopf im Nacken sitzt sie da und versucht das Lachen loszuwerden. Als es ihr gelingt, klappt sich ihr Kopf wieder in eine gesunde Ausgangsform. Vaas' Grinsen aufnehmend, bringt sie die Erklärung raus. "Nichts von beidem.", nickt sie David zu. "Der Bastard von Zipper hat beschlossen mich rumlaufen zu lassen wie ne notgeile Vollidiotin... der will nicht mehr zu.", erklärt sie den beiden Jungs. "Kann mir einer von euch helfen? Ich mag die Nummer nich alleine weiter versuchen, will die Hose nicht zerstören. Sie gefällt mir."



Vorsichtig zieht Jack ihre Beine über die rechte Seite angewinkelt unter ihrem Hintern hindurch, um sich erstmal langsam auf den Knien aufzurichten. Ihre Handflächen und Arme auf den Oberschenkeln abgestützt, hält sie ihren Körperschwerpunkt aufrecht. "Das soll nämlich meine neue Irgendwann-tret-ich-euch-alle-in-den-Arsch-Hose sein.", atmet sie tief aus und setzt dann erläutern hinzu, "Der zweiwöchige Tripp zur Fam war scheiße as fuck, sag ich euch. Und in ein paar Jahren, Lande ich mit diesem Baby hier meinen Supercoup." Ein kurzer Moment Ernsthaftigkeit zieht ein. 'Und dann breche oder vernichte ich sie, einen nach dem anderen. So, wie sie mich allesamt gebrochen haben.' Durch ihr Aufstehen versucht Jack ihre dunklen Gedanken zu verdrängen. "Egal.", schüttelt sie sich mit einer Kopfbewegung frei. "Was meint ihr? Bekommt IRGENDWER das Teil wieder funktionstüchtig?", will sie mit flehendem Blick und Biss auf die Unterlippe wissen. "BITTE, Leute! Denn das Dreieck zwischen Bändern, was die mir dazu verkauft haben ist nichts, was hier als Bikini-Höschen durchgeht. Und ich will nicht vom Platz gejagt oder mit Tüchern behangen werden. Ich hab noch ein bisschen was vor heute, war genug Klops des Abends, es darf gerne jemand anderes sich jetzt zum Horst machen." Interssiert studiert David Jacks Gesichtszüge, während sie erzählt. Noch jemand mit komplizierten Familenverhältnissen? Das scheint eher die Regel, als eine Ausnahme zu sein. Ein amüsiertes Schmunzeln legt sich auf seine Mimik. "Na, lass mal gucken.", beugt er sich auf ihre halbe Körpergröße herunter, um das Problem zu inspizieren. Die Griffplatte zwischen zwei Fingern testet er den Zug. Nach unten scheint freie Fahrt, während nach oben irgendetwas blockiert. Die Augen halb zusammengekniffen sucht er nach abstehenden Gliedern, Rissen im Stoff oder Ähnlichem. Als er nichts dergleichen findet, richtet er sich nickend auf.

"Ich denke, ich weiß, was wir probieren." Ein Kopfrucken deutet auf die alte Freundin zwei Meter entfernt. "Kann ich deinen Fettstift mal haben?"



"Klar."
Ein gezielter Griff in ihre Handtasche genügt, um den Lippenbalsam hervorzuholen. "Die Herrschaften haben ja heute reges Interesse am Inhalt meiner Tasche.", lächelt Pita vergnügt. "Möchte noch jemand einen Tampon?", richtet sich ihr Blick an Vaas. "Das ist Pita. Pita - das ist Jack.", nimmt David den Stift entgegen, bereit die Zahnreihe des Verschlusses einzuschmieren. Im Hintergrund leuchtet die junge Frau Jack entgegen, zieht die Hand zum freundlichen Gruß in einem Halbkreis durch die Luft und beißt sich mit besorgtem Blick auf die Unterlippe, als sie sieht, wie David den Fettstift an Jacks Hose malträtiert. In wenigen Zügen hat sich ein tiefer Spalt in den Lippenbalsam gefräst, was Davids Pragmatismus nicht zu kümmern scheint. "Danke.", reicht er das misshandelte Produkt zurück. Einen siegessicheren Blick zu Jack nickend packt er erneut dessen Reißverschluss, der daraufhin mit einem geschmeidigen Geräusch bis zum Anschlag schließt. "Gerne doch.", murmelt Pita indessen mit zwei erhobenen Brauen, ehe sie mit einem trauernden Ausdruck das zerfetzte Elend in die Hülse zurückdreht und den Deckel darüber stülpt. Jack schwebt zwischen überfordert und aus dem Häuschen sein. Ohne Gehässigkeit, dummer Sprüche oder verachtendem Schnauben gibt's direkten Hilfseinsatz. Noch dazu, von Sims, die sie a) kaum und b) gar nicht kennt. Von einer jungen Frau mit unglaublich zauberhafter Ausstrahlung, verstörend schönem urin-blondem Haar und einem Namen wie Brot. Und dann David, der sich wie beim Paintball d i r e k t um sie kümmert.



Hinter Strubbels Stirn prickelt es mit einem ungewohnten Gefühl. Ist... das... Rührung? Sie kann es nicht greifen. Bevor sie sich weiter verstrickt, fängt sie sich rettend in Vaas' Blick, der auch einiges sagt. Nur was??? 'Keine Ahnung, ich lass das jetzt mit dem interpretieren, ich bin scheinbar unter sowas wie Freunden?!' Das wäre zuviel, da muss sie sich irren. Aber auch das wird auf dem Egal-Gleis abgestellt. Als der Zipper in seiner Endhaltestelle ankommt und sie wieder nach zurechnungsfähiger Person aussieht, kann sie einfach nur dankbar grinsend in die Runde strahlen und sich freuen.

Vor ihm kniet David vor Jack, das Gesicht auf Höhe ihres Bauchnabels, die Stirn konzentriert, die Finger am Reissverschluss. Vaas hebt eine Braue, legt den Kopf leicht schräg und pfeift leise durch die Zähne. „Na sieh einer an…“ Er lehnt sich ein Stück vor, die Hände in den Taschen, beobachtet, wie David mit ernster Miene den Lippenbalsam ansetzt. „Ich dachte immer, das Zeugs is für Lippen obenrum. Wobei.. macht ja Sinn. Is ja beides ne Öffnung, die gepflegt sein will.“, lacht er dreckig. David zieht gerade den Reissverschluss wieder zu „Ich wusste gar nich, dass Schmiermittel die Lösung für son Reissverschlussding is.“ Er zieht aus seiner Seitentasche eine kleine WD-40-Dose, hält sie hoch und schüttelt sie mit einem scheppernden Geräusch. „Hätt ich gewusst, dass das so geht, hätt ich geholfen... Das Multifunktions-leck-mich-gleit-heilmittel für alles was klemmt oder quietscht. Türen, Motors, Beziehungen und Verschlüsse jeder Art! Glaubt ihr mir nicht? Na, dann benutzt ihrs falsch.“ Vaas steckt die WD-40-Dose grinsend zurück in die Hosentasche. Dann schaut er zwischen Jack, David und Pita hin und her. „So“, sagt er, „Problem gelöst, Helden geehrt, Hose gerettet. Ich würd sagen, das ruft nach Medizin.“ Er deutet mit dem Kinn Richtung Bar, wo das Licht in bunten Strahlen über die Flaschen tanzt. „Shots. Und zwar welche, die brennen wie Hölle. Ihr kommt mit, oder ihr seid Lappen.“ Er wartet nicht, sondern geht direkt los.


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