Rin Mc Cain Vergangenheit Mystery Fate!

07.10.2025 12:37 (zuletzt bearbeitet: 07.10.2025 12:45)
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Bücherstapler




Brindleton Bay, 4:55 Uhr morgens.
Der Nebel liegt schwer über den schlafenden Straßen, als würde er die letzten Geheimnisse der Nacht verschlucken. In einem unscheinbaren Haus am Rande der kleinen Vorstadt sitzt Dr. Rin McCain – ein Mann, den die Welt längst vergessen hat. Seine Tage vergehen still, seine Nächte sind lang. Er meidet die Menschen, und sie meiden ihn.



Die Nachbarn nennen ihn den „Geisterarzt“, flüstern, er habe den Verstand verloren. Denn Rin glaubt an Dinge, die kein Licht dulden – an Schatten, die zu leben scheinen, an Wesen, die zwischen den Welten wandeln.

Doch sein Glaube wurzelt nicht in Fantasie.
Er erinnert sich.

Damals, als er noch ein Kind war, sah er, wie das Unmögliche geschah.
Wie seine Eltern von einer Kreatur verschlungen wurden – ein Ding aus Albträumen, aus kaltem Atem und blutrotem Blick. Er schrie, erzählte, flehte um Gehör – doch niemand glaubte ihm.



Die Polizei hielt ihn für verrückt.
Die Ärzte wollten ihn heilen.
Und so wurde er von Anstalt zu Anstalt gereicht, bis irgendwann seine Stimme versiegte.



Seitdem spricht er kaum noch – doch in seinen Augen glimmt etwas wie Glut unter Asche.
Etwas, das nie erloschen ist.
Etwas, das darauf wartet, endlich wieder zu erwachen.

So zog er sich ganz zurück, zog die Türen zu und setzte zwischen sich und die Welt eine Mauer aus Schweigen. Die Leute von Brindleton Bay redeten weiter — über seltsame Lichter, über den zurückgezogenen Doktor — doch Rin hörte sie nicht. In seinem Kopf war längst ein anderer Plan gereift: Wenn niemand seinen Schmerz teilt, wenn niemand glauben will, dann würde er selbst das Schicksal dieser Wesen in die Hand nehmen. Er würde sie finden. Und er würde sie auslöschen.



Das Schicksal, so schien es, klopfte bald an seiner Tür. Ein Labor, verborgen hinter Glas und verschlüsselten Akten, suchte einen Forscher für ein ungewöhnliches Projekt. Die Beschreibung war vage: „Experimente an magischen Entitäten.“ Die Formulierung war ein Schleier — doch für Rin fiel das Dunkel schnell: Hier lag die Chance, die er suchte. Nicht um Geld zu verdienen. Nicht um Ruhm. Sondern, um eine Waffe zu schmieden.

Rin arbeitete ohne Freude, ohne Zorn, nur mit einer kalten Logik, die aus jahrelanger Zurückweisung gewachsen war. Gefühle — Liebe, Zärtlichkeit, Reue — waren für ihn ferne Legenden. In seinem Innern klaffte eine Leere wie eine alte Narbe; sie trieb ihn an, machte ihn unaufhaltsam. Jeder Blick in den Spiegel zeigte nur die Hülle eines Mannes, der von einem einzigen Ziel besessen war: Rache.


Sein Entwurf war perfid und präzise zugleich. Er wollte kein simples Mittel zur Auslöschung; das wäre zu schnell, zu barmherzig gewesen. Die Kreaturen, die seine Eltern verschlungen hatten, sollten mehr als nur sterben — er wollte, dass ihnen zuvor ein Schmerz begegnete, der ihnen die Unsterblichkeit zur Bürde machte. Also entwickelte er ein Virus, zugeschnitten auf die Physiologie jener, die im Schatten wandelten. Kein rasches Ende, sondern ein langsames Verblassen, begleitet von Qualen, die sich einer nüchternen Wissenschaft entzogen und an altes, archaisches Leid erinnerten.

Doch Rin war nicht nur Virologe; er war auch Forscher an etwas, das die Welt nicht offiziell anerkennen mochte. Sein eigentlicher Auftrag — die experimentelle Arbeit mit magischen Wesen — hätte andere Wege öffnen können. Die Laborleitung erwartete Protokolle, Phasen, ethische Richtlinien. Rin erfüllte sie mechanisch, als hinge alles nur von seiner Präzision ab. Innerlich aber verwob er die Parameter mit seiner eigenen Agenda: eine Mischung aus nüchterner Wissenschaft und eines Eifer, die Schatten zu reinigen.



Die Experimente selbst verliefen leise, im Zwielicht hinter verschlossenen Türen. Rin betrachtete die Probanden mit demselben ruhigen Blick, mit dem man ein Objekt betrachtet, das darauf wartet, verwandelt zu werden. Er registrierte Herzschläge, Pupillenreaktionen, die Veränderungen in Atemmustern doch nie sah man in seinem Gesicht die Regung eines Mannes, der Mitleid kennt. Er war ein Instrument der Vergeltung; jeder Datensatz war für ihn eine Zeile in einem unsichtbaren Testament gegen das Dunkel, das seine Kindheit raubte.

Und während die Kälte seines Herzens wuchs, näherten sich draußen die Schatten. Manche sagten, in Brindleton Bay habe die Nacht selbst begonnen, anders zu atmen tiefer, fordernder. Für Rin war das nur ein Vorzeichen. Er war bereit, seinen Plan in die Welt zu entlassen. Denn in der Leere, die er trug, brannte ein Funke: nicht von Hoffnung, sondern von unbarmherziger Entschlossenheit.

Das Telefon riss ihn aus einem Halbschlaf, ein schriller Ton, der im stillen Haus wie ein Messer klang. Rin fuhr hoch, das Display warf ein hartes, bläuliches Leuchten an die Wand unbekannter Anrufer, erwartete er das Schlimmste, und das Schlimmste kam nie leise.


Er nahm ab, bevor der Anruf noch einmal gezischt hatte. Am anderen Ende die Stimme seines Chefs: scharf, rauchig, kein Platz für Fragen. "Schwing deinen Arsch ins Labor! Ich bezahle dich nicht dafür, dass du zuhause dein Leben verrottest. Wir haben eine neue Kreatur vermutlich eine Hexe. Sau ihr die Kräfte aus dem Leib. Sie ist mächtig. Präzise. Ich will jeden Tropfen Magie dann kann sie keinen Schaden mehr anrichten.“



Rin hörte die Befehle wie Regen gegen Glas. Ohne ein Wort legte er auf. Sein Daumen zitterte noch einen Moment über dem Telefon. Er rollte mit den Augen, müde, gereizt — er war erst vor vier Stunden aus dem Labor zurückgekommen und die Müdigkeit klebte ihm wie eine zweite Haut. Doch Pausen waren Luxus, den sein Arbeitgeber nicht kannte; Druck war hier eine konstante, kalte Währung.

Er stand auf, zog den Mantel über die Schultern, die Hände routiniert, als wollte er ein Ritual vollziehen. Draußen schluckte die Nacht die Bordsteine; Nebel kroch über die Straße wie dunkles Tuch. Der Motor heulte, ein kurzer, zähneknirschender Ton, dann beruhigte er sich unter seiner Kontrolle. Das Auto zog durch die leeren Straßen von Brindleton Bay, Scheinwerfer streiften umgefallene Verkehrsschilder und die gelegentlichen Laternen, die wie stumme Wächter in der Ferne standen.


Während er fuhr, sammelten sich in ihm die bekannten Empfindungen: ein dumpfes Ziehen hinter den Augen, der bittere Nachgeschmack von zu wenig Schlaf und zu viel Gewissenslast. Doch das war nicht, was ihn wirklich bewegte. Tief darunter lag die alte, glühende Leere — die Idee von Rache, wie die Klinge eines Instruments, das er stets bereithielt. Die Mission des Chefs war nur ein weiterer Hebel, eine Gelegenheit, seine eigenen Rechnungen mit der Dunkelheit zu begleichen.

So fuhr er los, nicht aus Pflicht, nicht aus Loyalität, sondern weil jede Fahrt ihn dem Ziel ein Stück näherbrachte: dem Augenblick, in dem er einer weiteren Kreatur die Macht entreißen würde — und vielleicht, wenn die Sterne es so wollten, ein Stück seiner eigenen Dämonen.


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