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Moonwood Mill - Hütte von Dexter und Rose
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Charaktere: Rose, Dexter, Felenia
Geschichtsstrang: Rudelgesetz
Rose lehnt sich an die Wand. Endlich ist der Bau der Hütte abgeschlossen. Auch der Weg zum Schrottplatz hat sich gelohnt. Einige Einrichtungsgegenstände ließen sich dort finden. Sie setzt sich auf das alte Sofa, die Beine auf den Tisch. Ihr Blick fällt auf Felenia, die am Esstisch sitzt und in irgendeinem Buch liest. Rose blinzelt. "Wie?", fragt sie schließlich. "Wie hast du es geschafft, dass Dex dir vertraut?"
Felenia sitzt tief in ihr Buch versunken, während draußen das rhythmische Schlagen von Dex’ Axt durch die klare Luft hallt. Holzsplitter fliegen, und jeder Schlag kündigt an, dass der nächste Winter kommt. Sie hatten Glück irgendwo am Wegesrand eine große Plane gefunden. Nun stapeln sich unter dem provisorischen Dach erste Vorräte, sicher vor Regen und Schnee. Und noch mehr Glück: der alte, rostige Heizofen, der trotz seines Alters Wärme verspricht.Drinnen hebt Felenia langsam den Kopf. Ihr Blick gleitet zu Rose kalt, schneidend, als könne er jede Maske durchbohren. Dann kräuseln sich ihre Lippen zu einem kleinen, neckischen Lächeln. Mit süßlich-bitterem Ton, fast ein Flüstern, sagt sie:
"Das bleibt wohl mein Geheimnis.“. Felenia genießt das leise Spiel, dieses Herausfordern, und doch weiß sie: Roses Blicke und Anmerkungen brennen sich in sie hinein, tiefer als sie zugeben würde. Wären sie nicht Verbündete, würde Felenia sich solch eine Spitze niemals gefallen lassen. Doch so reizt sie das Spiel gefährlich weiter.

Rose lehnt sich vor, lässt die Vampirin nicht aus den Augen. "Behalte dein Geheimnis. Ich werde deine Nähe tolerieren, wenn es das ist was ER will." Nun funkeln ihre Augen warnend: "Aber wenn du Dex auch nur ein Haar krümmst, dann bist du dran." Sie schnaubt, zwingt sich, nicht die Fäuste zu ballen. Sie weiß, sie sollte Ruhe bewahren. Versuchen, Felenia zu vertrauen. Doch jedes Mal, wenn sie in diese vampirischen Augen blickt, kehren die Schatten zurück. Das Eisen der Käfige. Der metallische Geruch von Blut. Das Zittern ihrer Hände, damals.

Nicht jetzt... nicht vor ihr! Rose schüttelt sich, als könnte sie dadurch ihre Erinnerungen vertreiben. Doch die Bilder bleiben. "Es war nicht sie... es war ein komplett anderer Vampir!", versucht sie sich einzureden. Es gelingt ihr einigermaßen, sich nichts anmerken zu lassen.
Felenia verzieht das Gesicht, genervt, die Stirn leicht gerunzelt. Sie blinzelt rose an, als könne sie die Worte nicht fassen.
"Warum sollte ich das tun? Das ergibt doch keinen Sinn. Ich bin kein Monster mehr!“
Felenia schweigt einen Moment, spielt mit der Kante der Buchseite, als wäge sie ab. Noch nicht alles. Nicht jetzt. Aber etwas muss Rose wissen. Sie hebt den Kopf, ihre Stimme leiser, ernster:
"Es gibt einen Grund, warum Dex mir hilft, Rose. Und du solltest ihn kennen – weil auch du dadurch in Gefahr bist. Dex hat geschwiegen, um meinetwillen. Aber ein anderer Vampir jagt mich. Er ist voller Hass… und er hat allen Grund dazu. Ich habe etwas Schreckliches getan.“
Die Luft im Raum scheint schwerer zu werden. Felenia legt das Buch langsam beiseite, atmet tief ein, als müsse sie sich selbst Mut einflößen.
Felenias Stimme bricht, als sie fortfährt:
"Es gab eine Familie, die mir Schutz geben wollte. Bis zum letzten Blut haben sie es versucht. Aber ich… ich konnte mein Verlangen damals noch nicht zügeln. Als das Blutrauschen lauter wurde, als es mich umklammerte, war ich verloren. Er war noch ein Kind… und er hat alles mit angesehen. Ich musste trinken – sonst wäre ich gestorben. Aber es war zu viel… viel zu viel.“
Die Worte sterben in ihrem Hals. Felenia steht auf, als könne sie der Schwere ihrer eigenen Beichte nicht standhalten, und tritt ans Fenster. Draußen schwingt Dex die Axt, Holzsplitter fliegen im rhythmischen Takt. Ein grausames Bild der Normalität, während in ihrem Inneren alles bebt.

Für einen Moment verliert Rose' Gesichtsausdruck an Schärfe. Felenia wirkt nicht so, als würde sie Lügen erzählen. Und doch... wirkt sie auch nicht so, als sei sie stolz auf das, was geschehen ist. Eine Weile schweigt die Wölfin. "Vielleicht bist du kein Monster mehr.", sagt sie schließlich, "Du hast bisher zumindest nicht versucht uns anzugreifen." Sie betrachtet Felenias Reaktion. "Ich glaube dir, dass du nicht in Kontrolle warst, bei diesem Angriff. Aber es ist schon einmal passiert. Wer sagt, dass das nicht noch einmal passiert?" Sie seufzt, versucht es mit Diplomatie: "Ich danke dir für deine Offenheit. Aber welche Sicherheit haben Dex und ich jetzt?"
Felenia nickt nur, langsam, bestimmt. In ihren Augen steht das unausgesprochene Genug. Sie will nicht weiter darüber reden, nicht tiefer graben in einer Wunde, die längst vernarbt sein sollte und doch immer noch brennt. Auf Roses Nachhaken reagiert sie mit einem genervten Seufzen.
"Ich bin kein Jungvampir mehr,“ sagt sie scharf. "Ich habe meinen Durst jetzt im Griff. Sobald die Sonne untergeht, geht ihr beide euren Weg. Ich werde heute Nacht selbst auf die Jagd gehen.“
Sie will gerade noch etwas hinzufügen, da öffnet sich die Tür. Dex tritt herein, verschwitzt, seine Haut glänzt, und ein schwerer Geruch hängt sofort im Raum. Felenia rümpft angewidert die Nase.
"Na, Mädels, habt ihr euch vertragen?“ fragt er grinsend, als hätte er die Spannung der letzten Minuten gar nicht gespürt. "Ich hab mörderischen Hunger! Und weißt du was, Rose?“ Er fährt sich mit dem Arm über die Stirn, zieht eine Grimasse und lacht. "Ich denke, ich werd mir ’nen Job suchen. Dann können wir uns auch mal was Besseres leisten als dieses ewige Dosenfutter.“
Mit einer lockeren Handbewegung winkt er ab, als sei es die einfachste Sache der Welt, und stapft Richtung Dusche. Das Holz unter seinen Stiefeln knarrt, während er verschwindet. Felenia bleibt zurück, und für einen Augenblick wirkt es, als sei der Raum leichter geworden doch in der Stille, die bleibt, pocht ihre Beichte noch immer wie ein dunkles Echo zwischen den Wänden.
Aus dem kleinen Nebenraum ist bald das Rauschen von Wasser zu hören der provisorischen Dusche, die Dex aus alten Rohren und viel Mühe zusammengebaut hat. Keine echte Kanalisation, eher ein kümmerlicher Abfluss, aber immerhin: ein Stück Normalität inmitten einer Welt, die längst nicht mehr normal ist.

Rose blickt Dexter nach. "Wozu haben wir die Fähigkeit zu jagen?", fragt sie kopfschüttelnd, doch Dex ist bereits wieder verschwunden. Was war das jetzt? Rose braucht keinen Luxus. Die primitive Einrichtung stört sie nicht wirklich. Sie hält sich ohnehin lieber draußen auf. Hat auch den Vorteil, dass sie da vor der Vampirin sicher ist, zumindest tagsüber.
Apropos Vampirin… Rose dreht den Kopf wieder zu Felenia. Ihr Blick bleibt an deren Gesicht hängen, länger, als sie will. Wie es wohl ist, mit solchen Schuldgefühlen zu leben? Ein Gedanke, der sie überrascht. Mitleid? Für eine Vampirin? Sie presst die Lippen zusammen. Lass dich nicht einlullen, Rose. Sie ist immer noch gefährlich!
Ihre Finger trommeln unruhig auf der Sofalehne, bis sie den Drang bändigt und tief durchatmet. Hass wird sie hier nicht weiterbringen. Doch zu blindes Vertrauen wäre ebenso töricht. Schließlich richtet sie sich auf, den Blick fest auf Felenia geheftet. "Okay… okay", sagt sie rau, fast so, als müsste sie das Wort erst schmecken, bevor sie es aussprechen darf. "Ich werde es versuchen. In dir mehr zu sehen als nur eine Feindin." Einen Moment lang liegt etwas wie Erschöpfung in ihren Augen, dann verengt sich ihr Blick wieder, stahlhart. "Aber vermassel das bloß nicht." Rose schließt die Augen für einen Moment, ganz so als wollte sie ihr Vertrauen beweisen. "Ich werde wachsam bleiben."

Felenia spürt den Blick auf sich ruhen schwer, prüfend, fast lauernd. Doch sie schenkt ihm keine sichtbare Beachtung. Stattdessen bleibt sie wachsam, innerlich angespannt. Wölfe, die einen im Auge behalten, können jeden Moment zuschlagen.
Langsam dreht sie sich vom Fenster weg und richtet ihre Aufmerksamkeit wieder auf Rose. Ein kleines, kaum merkliches Lächeln huscht über ihre Lippen.
"Wir sind jetzt ein Team,“ sagt sie leise, aber bestimmt. „Respekt sollte reichen.“
Die Stille, die darauf folgt, wird von dem Quietschen der Badezimmertür gebrochen. Dex tritt heraus, nur in eine ausgewaschene Jogginghose gekleidet. Seine Haare sind noch feucht, und er rubbelt sie achtlos mit einem alten Hemd trocken. Wasserperlen glänzen auf seiner Haut, während er grinsend in den Raum tritt .
Natürlich hat er jedes Wort gehört. Das verrät sein schiefes Lächeln, dieses eigentümliche Funkeln in seinen Augen. Und obwohl er es nicht ausspricht, liegt Stolz darin Stolz auf Rose.
Mit einer Lässigkeit, die nur ihm eigen ist, schlendert er zu ihr, lässt sich neben sie fallen und legt dann dreist seinen Kopf auf ihre Beine. Er schaut zu ihr hinauf, ein unverschämtes Grinsen im Gesicht.
"Kochst du uns was?“ fragt er, als wäre die ganze Welt nichts weiter als ein Spiel.

"Wenn du mit aufgewärmten Dosen-Nudeln zufrieden bist.", schmunzelt Rose mit einem Zwinkern. Aber Dex war hart arbeiten beim Holz hacken. Er hat es verdient, dass auch sie mal eine Aufgabe übernimmt. Auf Felenia geht sie nicht weiter ein. Das Ganze muss sie erst einmal sacken lassen.
Rose greift zu den Kochutensilien, dreht die Dose in ihren Händen. Kein wirklich leckeres Mahl. Aber für heute wird es reichen müssen. Langsam köchelt das Mahl vor sich hin. Rose schielt immer wieder zu Dexter. Sie lächelt leicht. Wenn er der Vampirin vertraut... dann kann sie das auch lernen, oder? "Na, wenigstens müssen wir das Futter nur durch zwei teilen.", murmelt sie mit Blick auf die kleine Portion. Obwohl er es nie in ihrer Gegenwart tut, weiß Rose, dass Dexter dafür sorgt, dass auch Felenia zu ihrer Blutspende kommt und überlebt. Wenn er sich sogar dazu bereit erklärt, muss er ihr wirklich vertrauen.

Rose verzieht das Gesicht bei dem Gedanken. Vielleicht sollte sie mithelfen, um Dex zu entlasten. Und auch ihr eigenes Blut anbieten. Aber allein der Gedanke daran lässt ihr den Schauder über den Rücken laufen. "Nein.", entscheidet sie sich. "Dazu ist es noch zu früh." Erst muss das Vertrauen wachsen. Oder aber, Dex muss dadurch so schwach werden, dass ihr keine andere Wahl bleibt.
Dex grinst breit. "Ich verdrück alles.“
Er bleibt einen Moment stehen, beobachtet Rose beim Kochen, doch seine Gedanken schweifen längst ab. Wie lange können sie hier so weiterleben? Wie lange wird diese Hütte noch Schutz sein oder ein Gefängnis? Kann man eine Vampirin überhaupt beschützen? Würde Rose es tun, wenn es hart auf hart kommt? Und will er selbst das überhaupt?
Es gefällt ihm nicht, sich ausmalen zu müssen, dass er sich während eines Kampfes Sorgen um Rose macht. Es wäre so viel einfacher gewesen, wäre sie zu Hause geblieben. Doch trotz allem trotz aller Gefahren ist er unfassbar froh, dass sie hier bei ihm ist.
Die Dämmerung legt sich langsam über den Wald, färbt den Himmel in ein fahles Rot und treibt die Schatten tiefer ins Dickicht. Felenia sitzt schon unruhig auf der Kante des Stuhls, wie eine Raubkatze, die eingesperrt wurde. Der Geruch der Hütte, schwer von Wolf, macht es ihr fast unerträglich. Sie zählt die letzten Strahlen des Tages, und als die Sonne schließlich verschwindet, springt sie auf. Ein kurzes, flüchtiges Winken, dann gleitet sie hinaus in die Nacht.

Dex verfolgt sie mit den Augen, und für einen Moment huscht ein leises, beinahe zärtliches Lächeln über sein Gesicht. „Und schon sind wir wieder allein!“ sagt er schließlich. Er dreht sich zu Rose, die Worte spielerisch, doch sein Blick bleibt an ihr hängen. „Ich bin stolz auf dich. Dass du das Gespräch gesucht hast.“
Seine Miene verändert sich – das spöttische Funkeln tritt zurück, etwas Ernsteres schimmert durch. Zum ersten Mal bricht er mit dem Spiel.
"Aber wir müssen auch was klären, Rosi,“ sagt er mit tieferer Stimme. "Darum kommen wir nicht herum.“
Rose nippt an ihrem kargen Abendessen, in Gedanken versunken. "Ja, und es ist mir verdammt nicht leicht gefallen.", funkelt sie. Warum ist es so weit gekommen? Weil Felenia so offen von ihrer Geschichte erzählt hat? Es gefällt ihr nicht, jetzt wo sie etwas Ruhe zum Nachdenken hat. Oder war das doch nur Manipulation? Dex wirkt nicht so, als hätte er ein romantisches Interesse an der Vampirin, und sie nicht an ihm. Aber wer weiß schon, was wirklich hinter all dem steckt. Und doch weiß Rose, dass ihre Entscheidung richtig war, und dass sie es zumindest versuchen muss mit dem Vertrauen. "Schieß los.", sagt sie schließlich, "Was willst du besprechen?"
Er nickt ihr zu, ein leiser Ausdruck von Verständnis in seinen Augen, und er möchte ihr damit zeigen, dass er begreift und dass er es zu schätzen weiß. Tief holt er Atem, als müsse er den nächsten Worten Mut verleihen. Das Thema liegt ihm schwer im Magen, doch er weiß, wie wichtig es ist.
"Wir müssen den Alpha von uns beiden noch bestimmen,“ sagt er schließlich. "Auch wenn wir nur ein kleines Rudel sind es ist unausweichlich.“
Er nimmt den nächsten Bissen Nudeln, schlürft gedankenverloren und sein Blick verliert sich in der Ferne. Unweigerlich stellt er sich vor, wie dieser Kampf wohl enden wird. Bisher war es nie von Bedeutung gewesen, wer von ihnen beiden das Sagen hat oder wer der Stärkere ist. Doch nun flammt die Frage auf – könnte diese Entscheidung ihre Beziehung verändern?

Der Wolf in Rose sträubt sich. Ihr gefällt der Gedanke nicht, unterschiedliche Ränge zu verteilen. Sie ist Dex auch so gefolgt, ohne dass er sie hätte zwingen müssen. Doch während der Jagd ist das anders: Da vertraut er auf ihren Instinkt. "Wenn wir jetzt einen Kampf austragen riskieren wir mehr als nur ein paar Kratzer.", sagt sie schließlich bestimmt, "wir riskieren uns!"
Er nickt langsam, doch seine Stirn legt sich in Falten. Er weiß, dass sie recht hat und trotzdem liegt es in der Natur eines Rudels, einem Alpha zu folgen. "Wenn wir keinen Alpha haben,“ sagt er leise, "könnte es eines Tages passieren, dass wir auseinandergerissen werden. Wenn einer von uns sich einem anderen Rudel anschließt … Aber wenn wir unser eigenes Rudel formen, dann haben wir die Chance, zusammenzubleiben. Ein Leben lang. Und das ist es, was ich will, Rose.“
Langsam erhebt er sich und geht auf sie zu. Noch immer tropfen seine Haare, dunkelblonde Strähnen kleben an Stirn und Hals. Seine Schritte hallen schwer, während er sich vor ihr aufbaut, und sein Blick findet den ihren fest, unerschütterlich.
"Ich weiß auch nicht, was das Richtige ist,“ haucht er schließlich. Seine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern, ein Laut, der beinahe von der Stille verschluckt wird.
"Wir sind kein klassisches Rudel, Dex. Wer sagt, dass wir nach den selben Regeln funktionieren müssen, die du dein ganzes Leben lang kennst? Oder glaubst du, ein Rudel hätte eine Vampirin in ihren Reihen akzeptiert? Glaubst du, ich wäre jetzt hier, wenn ich mich danach gerichtet hätte, was das Rudel sagt?" Rose' Stimme ist fest, nicht gewillt, sich auf ein Kräftemessen einzulassen. "Ich möchte, dass wir zusammen bleiben. Aber warum dann nicht nach unseren eigenen Regeln? Als gleichberechtigte Partner. Zwei Stimmen, die stärker sind als eine." Sie schnaubt herausfordernd. "Wenn du wirklich einen Kampf willst, werde ich nicht zurück schrecken. Aber ich will weder herrschen noch mich unterwerfen müssen."

Dex runzelt die Stirn. Der Gedanke an ein Rudel ohne Anführer lässt ihn unruhig zurück.
"Es ist nicht der Plan, dass sie für immer bei uns bleibt,“ sagt er langsam, fast so, als wolle er sich selbst überzeugen. "Nur so lange, wie es nötig ist. Ich wollte mich ihrer Sache annehmen, ihr zu einem freien Leben verhelfen … und dann, dann wären wir beide wieder allein. Wir könnten uns ein neues Rudel suchen. Gemeinsam. Oder aber …“
Seine Stimme bricht ab. Der Gedanke trifft ihn unerwartet, wie ein Blitz im Dunkel: er und Rose. Doch sofort kämpft er mit sich. Könnte er das überhaupt? Sie, die an seiner Seite aufgewachsen ist, fast wie eine Schwester. Und dennoch … in einer tieferen Schicht seines Instinkts pocht eine Wahrheit, die er nicht leugnen kann.
Was, wenn ihre Hitze kommt? Würde er stark genug sein, sich zurückzuhalten? Der Gedanke an den Duft, der sich unausweichlich ausbreiten würde, lässt ihn schwer schlucken. Ein Verlangen, das ihm Angst macht, drängt sich in sein Bewusstsein.
Er beschließt, es nicht laut auszusprechen. Noch nicht. Zuerst gilt es zu klären, wann der Moment überhaupt eintreffen würde. Seine Entschlossenheit, eben noch fest wie Stein, bröckelt. Verlegenheit legt sich über seine Züge, und als er Rose ansieht, ist seine Stimme kaum mehr als ein brüchiger Hauch: "Wann … wann genau hast du deine Hitze?“

Rose fühlt sich überrumpelt. Nein... keine Schwäche zeigen jetzt! "Warum fragst du? Willst du dir schon mal den Kalender freihalten?" Ein heiseres Lachen, um die Stimmung aufzulockern. Die Angst kommt hoch. Noch ist es nicht so weit, aber... Wie geht es dann mit ihnen weiter? Was, wenn irgendwann Welpen aus der Verbindung entstehen? Ist sie überhaupt bereit für diese Art von Verantwortung? Sie nimmt sich vor der Sache ins Gesicht zu sehen. "Im Herbst ist es so weit.", sagt sie schließlich, "Also ein paar Tage ohne diese Sorgen bleiben noch auf jeden Fall."
Dexter nickt, doch schwer und widerwillig, als sei jede Bewegung ein Ringen mit sich selbst. Ein Gedanke sticht in sein Bewusstsein wie ein Dorn: Herbst schon.
Ein Sturm aus Bildern fährt durch seinen Kopf. Rose, nah, zu nah. Ein Verlangen, das nicht dorthin gehört, wo sie beide stehen. Er zwingt sich, den Kopf zu schütteln, als könne er die Vorstellung vertreiben. Doch sein Körper verrät ihn längst.
Ein Zucken in seiner Hose lässt ihn hart schlucken. Ein Teil von ihm erschrickt, der andere … giert. So ist es, wenn der Mond ruft, raunt eine leise Stimme in seinem Inneren, uralt, tief wie aus einer anderen Welt.
Hastig dreht er sich von ihr weg, als könnte er damit nicht nur ihren Blick, sondern auch den seinen entkommen. Ein trockenes Räuspern, forciert und hart, bricht aus ihm heraus.
"Vielleicht sollten wir uns in dieser Zeit besser aus dem Weg gehen,“ sagt er, und seine Stimme klingt rau, beinahe heiser. "Ich könnte vorübergehend in Felenias Zimmer ziehen. Oder … siehst du das anders?“
Seine Ohren spitzen sich, wachsam wie bei einem Jäger, der die Antwort fürchtet und zugleich ersehnt. Denn tief in seiner Brust, dort, wo Herz und Instinkt ineinanderfließen, regt sich ein Funken Hoffnung. Ein Glimmen, so schwach, dass er es kaum wagt, es wahrzunehmen und doch brennt es.
Was soll das bedeuten? Sie sind Freunde. Waren es immer. Nicht mehr. Und doch … warum fühlt sich dieser Gedanke nicht so klar an, wie er es gerne hätte?
Rose nickt. "Vielleicht sollten wir das wirklich tun.", murmelt sie. Doch dann huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. "Aber die Zeit bis dahin sollten wir genießen! Komm!" Sie verwandelt sich in ihre Wolfsform, trabt spielerisch aus der Hütte. Endlich.. endlich wieder Gras unter den Pfoten. Sonst ist es meistens Dex, der zum Spielen anregt, doch diesmal braucht Rose die Ablenkung. Sie hat genug von Grübeleien für heute, genug von Sorgen. Wenigstens für einen Moment will sie diese vergessen können.

In Zusammenarbeit mit @Salia
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