San Sequoia Nr. 3 - Veronikas Boutique

14.05.2025 17:02 (zuletzt bearbeitet: 31.05.2025 17:15)
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21.05.2025 18:48 (zuletzt bearbeitet: 29.05.2025 16:21)
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<<< Veronika kommt von Windenburg Nr. 12 - Luigi's Pizza (2) <<<
<<< Irina kommt von Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) <<<
<<< Aurelia kommt von Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) <<<
<<< Jim kommt von Windenburg Nr. 12 - Luigi's Pizza (2) <<<
<<< Valentin kommt von Brindleton Bay Nr. 3 - Haus der Garcias (33) <<<

Charaktere: Veronika, Irina, Aurelia, Jim, Valentin, "Kunde" (Gastrolle von Riva)
Geschichtsstrang: Der Stoff aus dem Träume sind


Veronika lächelt. Die Einweihung ist im vollen Gange. Nicht nur, dass viele Bekannte dabei sind – z.B. die WG-Mitglieder, Irina, Aurelia, auch viele Passanten waren neugierig genug, hier hereinzuschauen. Auf einem kleinen Tischchen werden Snacks und Getränke für die Gäste bereitgestellt. Veronika hebt ihr Glas, stößt mit Irina an. „Schön, dass du kommen konntest, trotz deines Nachwuchs.“ Irina hebt den Kopf. „Ja, Lucía macht die Babysitterin. Natürlich nicht umsonst. Ich zahle ihr was dafür.“ Sie seufzt. „Mit Pablo lässt sich momentan ja wirklich nichts anfangen!“ Veronika hebt eine Augenbraue. „Was ist mit Pablo?“ Irina schüttelt den Kopf. „Erzähle ich dir später mal. Jetzt...“, nun lächelt sie doch, „gibt es erst mal was zu feiern! Deine neue Boutique!“ Die Modedesignerin grinst. „Oh ja, das war Arbeit genug!“ Aber als sie das alte Gebäude gesehen hat, war sie sofort Feuer und Flamme. Mit dem Geld aus der Versicherung und den Verkauf des Grundstücks konnte sie es sich leisten, hier anzufangen. „Die WG-Leute haben mir beim Umzug geholfen.“ Und sich dabei ebenfalls etwas dazu verdient. Sogar Valentin hat sich daher zum Arbeiten überreden lassen. „Und jetzt ist es endlich geschafft!“ Hoffentlich läuft die Boutique und die Kunden bleiben nicht aus.



Aurelia sieht sich begeistert um. Überall hängen Kleider und Outfits, so viele schöne Stücke – hoffentlich findet sie auch etwas in ihrer Größe. Doch das ist jetzt erstmal zweitrangig. Sie freut sich wirklich für Veronika, dass sie es geschafft hat, ihre Boutique zu eröffnen. Gleichzeitig belasten Aurelia Schuldgefühle, denn ihr Bruder Gregorius hat zu Veronikas Misere beigetragen. Trotzdem hat sie sich von ganz unten hochgekämpft und endlich ihr Ziel erreicht. Doch eigentlich sorgt sie sich um jemand anderen. Irina. Sie ist froh, dass Pablos älteste Tochter auf die Zwillinge aufpasst. Irina braucht wirklich mal Zeit ohne die Kinder. Seit Pablo ständig bei seinem Bruder José ist, vernachlässigt er das Familienleben. Aurelia kann ihren Schwager irgendwo verstehen, aber Irina kümmert sich alleine um die Zwillinge und Hugo. Drei Kinder, die alle Aufmerksamkeit brauchen, das ist nicht leicht. Und wenn Irina denkt, sie hat mal Ruhe, hält sie doch wieder einer der Kinder auf Trab. Selbst wenn es nur Lucia ist, die über ihre Umzugspläne sprechen möchte. Irina ist mehr als fertig mit den Nerven. Wenn Pablo mal zuhause ist, streiten sich die jungen Eltern oft, was dem Familienleben keineswegs guttut. Aurelia versucht, ihrer Schwester so gut es geht zu helfen, doch sie arbeitet selbst Vollzeit im Pflegedienst. Da kann sie sich nicht wie Pablo einfach verdrücken, wie es ihr passt. Den Ärger über Pablo will Aurelia jetzt aber nicht in den Vordergrund schieben, schließlich will Irina auch nicht darüber reden. Also hält die Schwester sich zurück und genießt den Moment. "Hier ist es wirklich klasse geworden, Veronika." Sie nimmt sich ein Glas und stößt mit an. "Auf dein neues Leben!" Nachdem sie einen Schluck getrunken hat, sieht sie sich weiter um. "Wer waren denn die WG-Leute?", fragt sie neugierig.



Veronika grinst, zeigt mit dem Daumen in die hintere Ecke, dort wo die Umkleidekabinen sind. "Der schweigsame Typ da ist Jim. Und der andere daneben ist Valentin." Sie schmunzelt. "Aber Achtung! Der hält sich für den größten Casanova." Sie muss selber lachen. "Da komm selbst ich nicht mit, Schätzchen!" Irina ist ungewöhnlich ruhig. Der Stress mit Pablo sitzt ihr noch in den Knochen. Und auch die Frage, was ist, wenn Lucía umgezogen ist... Wer hilft ihr dann mal mit den Zwillingen aus, wenn der Vater der Babys sich rar macht?

Aurelia folgt Veronikas Blick in die Ecke zu den Umkleidekabinen. Sie erkennt sofort, wen Veronika meint, der eine sieht wirklich aus, als würde er am liebsten mit der Wand flirten. Auf angemacht werden hat Aurelia heute aber gar keine Lust. Sie ist frisch getrennt, innerlich noch viel zu aufgewühlt und für etwas Neues ist sie absolut nicht bereit. Selbst angeblicher Spaß ist ihr im Moment einfach zu viel. Sie wendet den Blick ab, nimmt einen Schluck aus ihrem Glas und versucht, sich wieder auf das Positive zu konzentrieren. Doch kaum hat sie sich beruhigt, spürt sie plötzlich einen Blick. Als sie unauffällig zur Umkleideecke schielt, sieht sie, wie Valentin direkt zu ihr herüberschaut – als hätte er genau gespürt, dass sie ihn zuvor beobachtet hat. "Hey, ein neues Chick", murmelt er gen Jim und grinst breit. "Die schau ich mir mal genauer an."



Gerade in diesem Moment wird Veronika von einer Kundin abgelenkt und dreht Aurelia den Rücken zu. So bekommt sie Valentins Blick nicht mit. Jim jedoch reagiert sofort: "So kennt man dich ja.", murmelt er unbeeindruckt. Er macht es sich auf der Bank bequem, lässt seinen Blick streifen. "Immer auf dem Sprung, immer dabei, Frauen auf die Nerven zu gehen." Er sieht zu der Vampirin, die zu ihm und Valentin rüber schaut. Eigentlich hat Valentin einen guten Geschmack. Sie ist wirklich gut aussehend. Aber er wird sie ja doch wieder in Ruhe lassen, so wie immer. Im Gegensatz zu Valentin, der sein neues Ziel offenbar schon erfasst hat. Jim seufzt, nippt an seinem Glas Sekt. Wenigstens gibt es hier Alkohol.



Selbstbewusst macht Valentin sich auf den Weg zu Aurelia, die ihren Kopf leicht zur Seite geneigt hat, in der Hoffnung, dass er es als Abwehr empfindet. Doch davon lässt sich Valentin nicht beirren. "Na hallo, schöne Frau", sagt er mit seinem vermeintlich verführerischen Tonfall und bleibt direkt vor ihr stehen. Aurelia wendet sich ihm langsam zu mit ernstem Blick. "Kein Interesse", sagt sie kühl. Valentin blinzelt und weicht keinen Zentimeter zurück. "Warte erst mal ab, bis du mich besser kennst", entgegnet er unbeeindruckt. Doch plötzlich bleibt sein Blick an jemand anderem hängen. Irina. Valentin runzelt die Stirn. Da war doch was. Kommt sie ihm nicht bekannt vor? Sein Blick senkt sich kurz zu Irinas Bauch. War da nicht ...? Er versucht sich zu erinnern, doch das Bild bleibt verschwommen. Vielleicht irrt er sich auch.



"Wenn sie dich besser kennt, hat sie erst Recht kein Interesse.", mischt sich Jim nun doch noch ein, eher um Valentin zu necken als um Aurelia zu retten. Sie sieht so aus als wüsste sie selbst genau, wie sie sich wehren kann. Das scheint auch unnötig, denn Valentin hat sich bereits ein weiteres Ziel ausgeguckt... Jim traut seinen Augen nicht, als sie Valentins Blick verfolgt. Veronikas Freundin... die damals noch schwanger war, als er sie das letzte Mal gesehen hat. Aber die ist doch auf jeden Fall vergeben! Oder interpretiert er Valentins Blick nur falsch? Er zuckt die Schultern, widmet sich wieder seinem Glas. Irina fühlt sich beobachtet, dreht sich um, und bemerkt, wie Valentin ihren Bauch mustert. Sie interpretiert diesen Blick falsch. "Ja, die Babys sind mittlerweile geboren!", erzählt sie stolz, "Zwillinge, das war vielleicht eine Überraschung. Mailo und Elodie." Veronikas Freunden kann sie doch vertrauen, oder? Also lächelt sie: "Sie sind so süß. Aber auch sehr anstrengend. Hoffentlich findet sich bald ein Babysitter." Sie mustert Valentin: "Also, falls da Interesse besteht, ich zahle natürlich auch." Veronika dreht sich um und kann sich ihr Lachen nur schwer verkneifen. Valentin als Babysitter ist eine unglaubliche Vorstellung.

Grinsend sieht Aurelia zu Jim hinüber. Sein trockener Kommentar gefällt ihr und sie weiß es zu schätzen, dass er die Situation entschärft. Nicht, dass sie Hilfe nötig hätte. Interesse an einem näheren Kennenlernen mit Valentin? Fehlanzeige. Und selbst wenn, sie wäre die Letzte, die sich selbst in Versuchung bringen würde. Doch bevor sie etwas erwidern kann, dringen Gesprächsfetzen von Irina und Valentin zu ihr durch. Neugierig spitzt sie die Ohren. Valentin hingegen steht plötzlich wie versteinert. Die Schwangere! Jetzt fällt es ihm wieder ein. Die Szene von damals in der WG, sein erster Gedanke, dass sie mit ihrem Babybauch bald zwischen den Kisten auftaucht und für Drama sorgt. Und jetzt steht sie da, die Babys schon geboren und spricht mit ihm. Für einen Moment schaltet Valentins Hirn auf Durchzug. Geld? Babysitten? Warum nicht. Schnell verdientes Taschengeld – besser als sich zu bewegen oder irgendwo mithelfen zu müssen. Doch kaum malt er sich zwei schreiende Babys aus, verzieht sich sein Gesicht. Zwillinge. Zwei. Gleichzeitig. "Nein, nein, nein", wiederholt er hastig und hebt seine Hände abwehrend. "Da habe ich kein Interesse dran", sagt er dann mit fast derselben Tonlage, mit der Aurelia ihn zuvor abgewiesen hatte. Veronikas Lachen ignoriert Valentin gekonnt. Er fühlt sich ohnehin überlegen. Veronika kann ruhig in ihrem neuen Laden schuften, Tag für Tag. Er hingegen liegt mit dem Hintern auf der Couch, lässt andere malochen und bekommt trotzdem Geld. Das muss ihm erst mal jemand nachmachen.



Veronika muss lachen. „Das war gut, Irina. So hast du seine Flirtversuche gekonnt unterbrochen!“ Irina lächelt. Doch im Inneren fühlt sie sich gebrochen. Natürlich hat sie kein romantisches Interesse an Valentin. Aber der Mann, dem ihr Interesse gilt, macht sich rar. Was, wenn all das in die Brüche geht? Was wenn es endet? Eine Sorge lässt sie nicht mehr los: Hat sie zu schnell gehandelt, ihr Häuschen zu verkaufen? Irina reißt sich zusammen. Jetzt wein hier nicht rum. Veronika hat auch ein wenig Glück verdient nach dem Brand. Lass sie diesen Tag genießen und erzähle ihr einem anderen Tag von deinen Sorgen.
Veronika ist zu sehr auf ihre Boutique fokussiert, dass sie Irinas Körpersprache nicht registriert. Stattdessen wendet sie sich lautstark an die Kunden: „Willkommen, willkommen.“ In ihrer typischen Art breitet sie die Arme aus, tänzelt fröhlich ein paar Schritte vor: „Und einen guten Abend euch allen! Ich kann es selbst kaum glauben, dass wir heute hier stehen. Vor nicht allzu langer Zeit war alles noch Chaos – der Brand, das ganze Durcheinander... Aber manchmal bringt gerade ein Neuanfang die besten Möglichkeiten. Ich danke euch allen, die ihr mich begleitet, unterstützt, motiviert habt – besonders Aurelia, Jim und Valentin fürs Schleppen und Einrichten – und Irina, die trotz frischer Zwillingsgeburt noch Energie für mich übrig hatte. Dieser Laden ist nicht nur mein Arbeitsplatz – er ist mein Traum. Und heute darf ich ihn mit euch teilen.“ Jim hebt grinsend sein Glas. Er weiß nicht, was außergewöhnlicher ist: Dass er gelobt wird, oder dass Veronika in ihrer Rede nicht einmal das Wort Schätzchen verwendet hat. Aber das liegt bestimmt daran, dass sie ihre Gäste hier als Gesamtheit anspricht und nicht eine einzelne Person. Und... „Also, Schätzchen, willkommen in meiner kleinen Boutique. Und jetzt: Esst was, trinkt was – und kauft euch was Schönes!“ Jim muss beinahe laut auflachen. War ja klar!



Die Sterne verbergen sich hinter dem trüben Schein der Lichtverschmutzung, deren Schleier die Stadt weit in den frühen Nachthimmel trägt. Die Straßen sind bei weitem nicht so belebt, wie die von Paris oder London, dennoch herrscht buntes Treiben in den Gassen. Die neue Boutique feiert Eröffnung zu ungewöhnlicher Stunde. Ein Blick ins Innere bietet die Erklärung. Die Besitzerin ist ein Vampir. Es stimmt also, was ihm zu Ohren gekommen ist. Auf diesem Kontinent leben Okkulte und Nicht-Okkulte friedvoll zusammen. Ein Bild, das es nicht an vielen Orten zu sehen gibt. Gerade Vampire leben zwar auch in Europa und Amerika, doch halten sie sich dort noch immer bedeckt und gelten daher seit unzähligen Jahren als Fantasiewesen. Die meisten Sterblichen wissen nicht einmal um ihre Existenz. Hier allerdings gehen sie in normale Schulen, bewirtschaften gewöhnliche Arbeitsplätze - und eine von ihnen, Veronika, dem Namen des Geschäfts nach zu urteilen, eröffnet ihre Boutique. Ob sie wohl noch Angestellte sucht? Er wird auf lange Sicht einen Job benötigen, wenn er sich in dieser Gegend niederlassen möchte. Dabei spielt es kaum eine Rolle, womit er Geld verdient. Genügsamkeit ist eine seiner hervorstechendsten Eigenschaften - sei es aus materieller oder geistiger Sicht. Schon seit Ewigkeiten definiert er sich nicht durch das, was er tut. Und Erfüllung findet sich nahezu überall, wenn man sich ihr öffnet. Dennoch ist das Stadtleben nichts, was er sich für die nächsten Jahre vorstellt. Nachdem er gerade die Metropole verlassen hat, ist es Zeit, sich mal wieder etwas Landleben zu gönnen. Mit offenem Blick betritt er den Verkaufsraum. Hell und großräumig gestaltet, bietet sich ihm ein übersichtliches, freundliches Bild. Die Ware ist gut sortiert, in höherer Preisklasse wirkt sie von hochwertiger Qualität. Die Nähte sind sauber verarbeitet, die Stoffe stabil. Doch für einen Einkauf mit reinem Gewissen benötigt er weitere Informationen.

Mit warmem Ausdruck in den tiefbraunen Augen wendet er sich offenherzig an die Gruppe von Damen hinter dem Tresen. "Verzeihung,", den Oberkörper kaum merklich vorgebeugt, ruht seine Hand flach auf seinem Solar Plexus, als Geste des Respekts für sein Gegenüber, während sein Blick von einem Gesicht zum anderen übergeht. "Dürfte ich der Betreiberin dieser Boutique einige Fragen stellen?"



Veronika ist zufrieden. Immer mehr neugierige Gäste drängen sich ins Innere, durchstöbern ihre Kleiderständer, und viele sehen durchaus zufrieden aus und steuern die Umkleidekabinen an. Natürlich wird es nicht jeden Tag so voll werden wie zur Eröffnung. Aber es scheint zu laufen, bisher, auch wenn sicher nicht jeder Besucher heute etwas kaufen wird. Sie lehnt sich auf den Tresen, als sie angesprochen wird. Veronika dreht sich zu dem Mann um. Dunkle, lange Haare, T-Shirt, lässige Hose.. Er wirkt hier, in dieser Boutique, eigentlich fehl am Platz. Aber das muss nichts heißen. „Natürlich, Schätzchen. Schieß los!“, fordert sie ihn auf, seine Fragen zu stellen.

Die Frau mit dem extravaganten Stil schenkt ihm ihre Aufmerksamkeit. "Mich würde interessieren, woher Sie diese Ware beziehen. Arbeiten Sie mit einem Großhändler zusammen?"

„Großhändler? Aber nein Schätzchen
.“ Veronika zeigt ihr freundlichstes Lächeln. „Ich arbeite schon lange mit lokalen Stoffhändlern zusammen. Oder manchmal werde ich auch auf Märkten fündig. Du ahnst nicht, was für Schätze dort verborgen sind. Manchmal finde ich Stoffe, da spürst du beim ersten Griff: Die haben eine Geschichte. Und genau sowas liebe ich.“ Sie zwinkert.
Auch für ihre Auftragsarbeiten bevor sie die Boutique kaufte nutzte sie Stoffe aus dieser Quelle. „Für besondere Anlässe stelle ich die Stoffe gelegentlich auch selber her. Was du hier siehst...“... mit einer schwungvollen Geste lässt sie ihren Arm durch den Raum schweifen, „ist das Ergebnis langer Monate von Arbeit.“ Sie schmunzelt. Selbst während sie bei Irina untergekommen ist, hat sie an Ideen gearbeitet. Aurelia und Irina haben ihr bei der Verarbeitung auch ein wenig geholfen.

Interessiert heben sich die Brauen des Kunden kaum sichtbar in die Stirn. Ihm gefällt, was er hört. "Geschichte ist es, die nicht nur Lebewesen Seele verleiht." Ein zaghafter Schatten auf seiner Wange deutet ein Lächeln an, das auf den Lippen ungesehen bleibt. "Und wer schneidert aus diesen prächtigen Schätzen die ebenso prächtige Kleidung, die ich hier sehen kann? Ich habe nicht den Eindruck, dass es sich um Einzelstücke handelt. Das deutet auf eine Maschinerie hin. Oder kennen Sie ein fleißiges Schneiderlein, dessen Stich sicher genug ist, um eine gewisse Verfügbarkeitshäufigkeit herzustellen - ohne den Gebrauch von Industriemaschinen?"



Veronika lacht. „Wo bliebe dann die Leidenschaft? Nein, keine Industriemaschinen. Die Designs stammen allesamt aus meiner Feder. Und bei der Verarbeitung hatte ich Zeit. Und auch Hilfe.“ Sie hatte die einfachen Arbeitsschritte delegiert und den Rest selber übernommen. Gut, dass die Finanzspritze höher ausgefallen ist als erwartet. So konnte sie ihre Freunde auch entlohnen für die Hilfe.
Wenn es hier wirklich gut läuft, werde ich nicht nur einen Verkäufer, sondern auch einen Näher fest einstellen müssen.“, erkennt Veronika an. Hoffentlich.

"Beachtlich.", nickt der junge Mann. "Sie beweisen nicht nur außerordentliches Geschick, sondern auch Leidenschaft für Ihre Arbeit." Das warme Lächeln breitet sich unter dem dichten Bart zart aber ehrlich auf den Lippen aus. "Ich danke Ihnen und wünsche den bestmöglichen Erfolg für Ihre Boutique. Er wäre verdient." Freundlich nickt er den Umstehenden zu, als sich erneut seine Hand unter den Brustkorb legt. "Ich werde mich nun weiter umsehen. Einen schönen Abend, die Damen ..."

Veronika nickt zufrieden. "Danke, ebenfalls, Schätzchen.", grinst sie fröhlich, "Ich gebe mir Mühe." Sie verbeugt sich leicht, ohne dass es übertrieben wirkt. Die Worte des Mannes tun ihr wirklich gut. Sie lächelt Aurelia und Irina zu. "Und das alles verdanke ich der Hilfe guter Freunde." Ihr Blick fällt auf Irina, die noch immer sehr still ist. Vielleicht sollte sie sie mal auf Pablo ansprechen. Sobald die Kunden wieder fort sind. Doch noch ist die Eröffnung im vollen Gange.



In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon und @Spatz

>>> Aurelia geht nach Magnolia Promenade Nr. 1 - Kleiner Lebensmittelladen >>>
>>> Jim geht nach Magnolia Promenade Nr. 1 - Kleiner Lebensmittelladen >>>


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13.02.2026 10:58 (zuletzt bearbeitet: 05.04.2026 13:39)
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Bücherstapler

<<< Freya kommt von Chestnut Ridge <<<

Charaktere: Veronika, Freya
Geschichtsstrang: Haltung gegen Handwerk

Die Glocke über der Tür klingelt. Freya schlägt die Tür so hart auf, dass sie gegen den Anschlag knallt. Freya tritt rein, als würde ihr der Laden gehören. Freya verzieht das Gesicht. Sie bleibt mitten im Raum stehen und lässt den Blick einmal über die Boutique gleiten. „Wow“, murmelt sie trocken. „Sterile Barbie-Hölle.“ Ihre Stiefel schlagen hart auf die Fliesen. Sie setzt den Fuß auf eine der Sitzbänke. Selbstverständlich. Ohne zu fragen. Sie zieht den Stiefel aus, legt ihn mit einem dumpfen Schlag auf den Tresen. Ihre Finger bleiben darauf liegen. „Die haben mehr gesehen als dein ganzes Schaufenster“, sagt sie spöttisch. „Der Reißverschluss ist raus.“ Sie tippt mit dem Finger gegen das Leder. „Und bevor du auf die Idee kommst, mir irgendwas Neues anzudrehen, vergiss es.“ Sie lehnt sich über den Tresen. Zu nah. Ein schiefes Grinsen. Messerscharf. Freya dreht sich um, geht zu einer der Kleiderstangen. Sie greift nach einem zarten Stoffzipfel, lässt ihn zwischen den Fingern gleiten. Fast prüfend. „Reißt wahrscheinlich beim ersten echten Moment.“ Sie dreht sich zur Verkäuferin. „Also ?“



Entgeistert starrt Veronika die junge Frau an. Es gibt immer wieder Kunden, die rein schauen, aber dann an der Ware doch kein Interesse haben und ohne etwas zu kaufen wieder gehen. Aber die meisten davon fangen nicht gleich mit dummen Sprüchen an. „Und was ist daran mein Problem, Schätzchen?“ Entgegen ihrer sonstigen Art, kommt das Wort ‚Schätzchen‘ dieses Mal nicht wie ein fröhlicher Flirt rüber. „Zieh deinen Schuh wieder an, und dann verschwinde. Oder frage höflicher, vielleicht hilft das ja auch schon.“



Freya schaut sie an. Unbeeindruckt. „Und was ist daran mein Problem, Schätzchen?“ Freya lacht. Kurz. Scharf. Sie hebt den Stiefel an, dreht ihn in der Hand, prüft das Leder, als würde sie selbst entscheiden, ob dieser Laden würdig ist. Ihr Blick wird schärfer. „Du willst, dass ich höflicher frage?“ Sie kippt den Kopf leicht zur Seite. Studiert die Verkäuferin. Wie ein Objekt. „Interessant.“ Langsam setzt sie den Stiefel wieder auf den Tresen. „Ich brauch kein Höflichkeitstraining.“ Sie grinst frech. „Ich brauch jemanden, der sein Handwerk beherrscht.“ Sie hebt den Reißverschluss an, der lose baumelt. „Die hier haben Straßen gesehen, von denen deine Schaufensterpüppchen Albträume kriegen würden.“ Freya lässt den Reißverschluss wieder fallen. Das Metall klirrt leise auf dem Tresen. „Also?“
Ihr Blick ist wach. Herausfordernd.

„Und du bist dann wohl die Expertin für dumme Sprüche.“ So langsam ist Veronika genervt von der Besucherin. Klar, ihre Mode ist nicht unbedingt straßentauglich, aber dafür wurde sie auch nie gemacht. Doch das heißt noch lange nicht, dass Veronika zimperlich ist. Sie nimmt den Stiefel in die Hand, mustert ihn von allen Seiten. „Weißt du, was diesem Teil wirklich fehlt, Schätzchen? Ein paar niedliche Rüschchen.“ Ein leichtes Grinsen. „Ich seh es schon bildlich vor mir. In Rosa natürlich. Dazu ein hübsches Blümchenmuster. Wenn du also möchtest, kann ich mich direkt daran setzen!“ Eigentlich gehören Rüschen und Blümchenmuster nicht zu Veronikas Repertoire. Ihre Mode ist schick, aber nicht kitschig. Nicht nur zarte Kleider, auch Anzüge, und sogar ein paar Sachen für Männer. Doch sie konnte sich nicht zurück halten, die Besucherin ein wenig zu testen.



Freya ist unbeeindruckt, fast gelangweilt. Rosa. Rüschen. Blümchen. Sie grinst, ihre Augen leuchten. „Mach.“ Sie stützt beide Hände auf den Tresen und beugt sich leicht vor. „Wenn du dich traust.“ Ihr Blick gleitet über die Frau. Bewertend. Wach. „Aber eins sag ich dir.“ Sie tippt mit dem Finger gegen das Leder. „Wenn du auch nur einen Faden da ransetzt, der nicht passt, trag ich die Dinger trotzdem.“ Ein schiefes Grinsen. „Und jedes Mal, wenn jemand fragt, wo ich sie hab machen lassen…“ Sie lehnt sich noch ein Stück näher. „Sag ich deinen Namen.“ Freya verschränkt die Arme. „Also überleg dir gut, ob du aus ’nem Straßenstiefel ein Barbie-Projekt machen willst.“ Sie zieht den Stiefel leicht zurück. „Oder…“ sagt sie zu ruhig. „…du zeigst mir, was du wirklich kannst.“

Veronika fährt mit den Fingern über den kaputten Reißverschluss. „Hmm… das wäre ein Leichtes“, sagt sie, stolz auf ihr Können. „Das Leder ist vielleicht etwas zickig, aber kein Problem. Alte Naht raus, Reißverschluss anpassen und einnähen, Leder glätten. 30 Minuten, maximal 40.“ Doch um diese Uhrzeit sind kaum noch Kunden da. Die Zeit hätte sie. Veronika sieht Freya direkt an und lächelt leicht spitz. „Aber das ist ja auch etwas zu einfach, Schätzchen.“ Ein kurzes Funkeln in ihren Augen, dann lehnt sie sich über den Tresen. „Wenn du wirklich sehen willst, was ich kann, dann machen wir das richtig. Mit den Rüschen. Den Reißverschluss erledige ich gleich mit, während ich schon dabei bin.“ Sie klappt die Hände auf den Tresen. „Das dauert natürlich länger. Ist schließlich echte Handarbeit. Für beide Stiefel mit Rüschen rechne ich etwa sechs Stunden. Dazu die Zeit, die das Einbauen des Reißverschlusses dauert. Kostet dich natürlich.“ Sie nennt ihren Stundenpreis. „Oder eben nur den kaputten Stiefel. Sag mir einfach, ob du nur den einen willst oder das komplette Programm!“

Freya hört sich den Preis an. Keine Reaktion. Kein Zucken. Dann lacht sie. Kurz. Trocken.„Sechs Stunden? Für Rüschen?“ Sie schiebt den Stiefel langsam zu sich zurück. Überlegend. „Weißt du was?“ Ihr Blick wird heller. Gefährlicher. „Wenn ich Zirkus will, geh ich ins Theater.“ Sie kommt einen Schritt näher. Ihr Blick eiskalt. „Und noch was.“ Sie legt den Stiefel wieder auf den Tresen. Mit Nachdruck. „Wenn du glaubst, ich kann mir das nicht leisten, nur weil ich nicht aussehe wie dein Schaufenster.“ Noch einen Schritt näher. Zu nah. „Dann unterschätzt du mich gewaltig.“ Ihr Lächeln ist frech. „Ich zahl für Können. Nicht für Spielchen.“ Sie tippt einmal mit dem Finger auf den kaputten Reißverschluss. „Also reparier ihn. Oder ich such mir jemanden, der weniger redet und mehr kann.“

Veronika hält ihrem Blick stand. „Ich habe keine Vermutungen über deinen finanziellen Status gestellt. Nur meinen Preis genannt. Wie ich das bei jedem Kunden mache. Nennt sich Professionalität.“ Doch so langsam reicht es ihr. Sie beschließt, das Gespräch jetzt nicht noch weiter auf die Spitze zu treiben. „Aber gut. Dann kümmere ich mich eben um den Reißverschluss. Ohne Rüschen.“ Sie nimmt den Stiefel vom Tresen. „Du bezahlst im Voraus, aber dann sind wir quitt. Du kannst entweder hier warten oder in etwa 30 bis 40 Minuten wieder kommen um den Stiefel abzuholen.“

„Professionalität …, dass ich nicht lache.“ Sie greift in die Hosentasche, zieht ihr Portemonnaie raus. Scheine landen auf dem Tresen„Behalte den Rest“, sagt sie kühl „Mach’s ordentlich.“ Ihre Augen blitzen. „Wenn ich zurückkomme und das Ding sieht aus wie ein Rosa-Kitsch-Traum …“
Sie tritt einen halben Schritt näher.„reiße ich dir die Naht persönlich wieder auf.“ Kein Lächeln mehr. Nur Feuer.„Ich bin pünktlich zurück. Du besser auch.“ Die Tür klingelt. Sie geht.

Und nach all dem Mist kommt noch so ein dummer Kommentar? Veronika lässt sich normalerweise nicht schnell aus der Ruhe bringen. Aber dass ihre Professionalität in Frage gestellt wird ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. "Weißt du was? Ich habe meine Meinung geändert. Ich verzichte auf dich als Kundin." Veronika steht auf, stellt Geld und Stiefel vor die Tür und dreht sich wieder um. So was muss sie sich nicht bieten lassen.

Sie hebt den Stiefel auf. Nimmt das Geld. Zählt es nicht einmal. Sie grinst. Ihre Augen leuchten. Dann greift sie nach dem Stiefel. Einmal kurz das Gewicht prüfen. Und dann. SCHLAG. Der Stiefel kracht gegen die Scheibe. Das Glas vibriert. Kein Bruch. Nur eine Warnung. Freya fängt den Stiefel wieder auf, als hätte sie nie vorgehabt, ihn zu verlieren. Freya tritt einen halben Schritt näher ans Schaufenster. Ihr Spiegelbild im Glas. Kapuze tief. Blick hart. Sie sucht Veronikas Augen durch das Glas. Dann dieses Grinsen. Breit. Frech. Unverschämt. Sie winkt ihr zu. Dann dreht sie sich um. Als hätte sie gerade eine Bühne verlassen. Und geht.



>>> Freya geht nach Evergreen Harbor Nr. 6 - Old Station Bar (2) >>>

[b]in Zusammenarbeit mit ( @Murloc )


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18.02.2026 15:31
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Charakter: Veronika
Geschichtsstrang: Riot in Rosé


Der Stift huscht über das Papier. Veronika vergisst alles andere um sich herum, sie ist in ihrem Element. Nur leises Murmeln: „Sterile Barbie-Hölle? Ich zeig dir Sterile Barbie-Hölle, Schätzchen!“ Sie lacht auf, spürt die Inspiration, die diese unschöne Begegnung hinterlassen hat. Wenigstens etwas Gutes. Veronika steht auf, stellt auch ihr Projekt in eine höhere Position. Mit ausladenden Gesten zeichnet sie weiter: ein Anzug. Blazer und Hose. Nicht irgendein Anzug. Ein Anzug mit Aussage. Mit Sinn! Und mit mehr Rüschen, als sie normalerweise verwendet. Und doch… fühlt es sich jetzt richtig an.

Sie geht einen Schritt zurück, betrachtet ihre Skizze von weitem. Das Material: Leder natürlich. Gemischt mit weichen, fließenden Stoffen. Mit pinkem Rüschenkragen und überzogenen Volants. Und – ganz wichtig – mit quergelegten, groben Reißverschlüssen. Romantik trifft Straßenästhetik. Zufrieden mit den ersten Entwürfen bringt Veronika nun Farbe ins Spiel: Leichtes Rosé, kombiniert mit Schwarz und Bordeaux.

Barbie-Hölle ist keine Schwäche. Das ist eine Waffe!“ Die Modedesignerin lehnt sich zurück. Das Feuer der Leidenschaft brennt noch immer in ihr. Nur noch ein paar Details überarbeiten, Feinheiten hinzufügen, und dann steht nichts mehr im Wege, ihrer Kreation auch Leben einzuhauchen. Der Anzug ist nur der Anfang. Auch Kleider, Röcke, Stiefel… alles wird später folgen, in diesem Stil. Radikal. Rosé. Rebellisch. Auch der Titel für die Kollektion steht bereits fest: Riot in Rosé.



Veronika ist sich dessen bewusst, dass ihre Kreation kein Kassenschlager werden wird. Keine Geldgrube, sondern eine Nische. Sie lacht laut auf, als sie der Gedanke trifft. „Versteht halt nicht jeder die Kunst. Das ist es, was es ist. Ein Statement. Provokation. Leben. Und keine billige Massenware!“


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04.07.2026 20:29 (zuletzt bearbeitet: 23.07.2026 18:07)
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<<< Jack kommt von Evergreen Harbor Nr. 6 - Old Station Bar (2) <<<

Charaktere: Veronika, Jack
Geschichtsstrang: Maßgeschneidert


Mit vor Ärger gerunzelter Stirn und einem Kaffeebecher to go Chai Latte hockt Jack mehr auf der Sitzbank in der Haupt-U-Bahn-Linie von San Sequoia, als dass sie sitzt. Sie starrt finster durch die Scheibe ihres auserwählten Vierer-Sitzblocks. Noch immer hängt ihr die totale Arbeitsverweigerung ihrer Hauswirtschafterin in der Magenkuhle. So eine miese Schnepfe! Es ist doch ihr verdammter Job, sich um alles Haushaltliche zu kümmern, was in ihrer Wohnung anfällt! Dafür wurde sie engagiert und bis auf die Nieren von den Leuten, die für ihre Familie die Background-Checks erledigen, überprüft und für fähig befunden. Daraufhin wurde die Frau knapp nach ihrem Strubbel-Einzug in Del Sol, so in der zweiten Woche, eingestellt. Zum Aufräumen, Wäschewaschen, Ordnungschaffen und Einkaufen. In der Nachverhandlung hatte sie eine zusätzliche Vergütung herausgeschlagen. Okay – auf Jacks verzweifelte Bitte hin. Aber sie war für sechzig Simoleon monatlich damit einverstanden, auch zu putzen! Und nun? Nun v e r w e i g e r t sich diese Uschi, weil da jetzt auch ein Welpe und ein Huhn mit am Ver- und Umsorgungsstart stehen. Dabei hatte Jack es ihr mehrfach ruhig und deutlich erklärt, für Begriffsstutzige.

a) Dass sie vorgestern Abend quasi über einen Hund g e s t o l p e r t war. Nicht buchstäblich, aber fast.

b) Dass dieses verflixte Kücken, nebst einem verrecken Geschwisterchen, am nächsten Morgen nach dem Köterchenfund einfach von irgendeinem ARSCHLOCH vor ihrem Zelt abgestellt worden war. In einem Käfig, der etwa die Größe von zwei aneinandergehaltenen Postkarten im Quadrat hat.

c) Dass die Tierauffangstation, in der ihr Freund David arbeitet, voll ist und vorerst keine weiteren Fund-Viecher beherbergen kann.

d) Dass sie unter keinen Umständen, auch wenn sie Hunde nicht leiden kann, den kleinen Kerl mit seiner neuen Busenfreundin auf die Straße setzen wird. Weil sie d e f i n i t i v nicht kaltherzig ist, wie sie es für sich evaluiert hat. Sie, Jack, ist ganz und gar nicht wie der Rest ihrer Familie.

Die Bahn kommt wieder geräuschvoll zum Stehen. Haltestelle Ankerpunkt. Jack überprüft ihre Handyuhr. In Ordnung – trotz der Debatte mit der Haushälterin wird sie es schaffen, pünktlich zum spontanen Termin mit der Modedesignerin zu kommen. Vier Minuten später steht Jack vor einem irren Schaufenster, das eine vielversprechende Kollektion ausstellt. „Riot in Rosé“, grinst sie vorfreudig. „Also über diese Form von Rüschen-Pow-Wow werden wir uns unterhalten“, freut sie sich auf das Gespräch und die Planung mit der Boutique-Besitzerin und tritt breit grinsend durch die Ladentür. Mit einem: „Hi, ich bin Jack. Danke, dass du dir so kurzfristig die Zeit für mich nimmst.“



Veronika hebt ihren Kopf, als die Kundin herein kommt. Energetische Person, erkennt Veronika. Und sie weiß was sie will. Zumindest dem ersten Eindruck nach. Umso mehr freut sie sich auf das Gespräch mit Jack und die Gelegenheit, die sich dadurch bietet.. "Ah, Schätzchen, ich weiß schon. Wir hatten ja telefoniert!" Mit einer ausladenen Geste dreht sich Veronika zu einer zierlichen Frau um: "He, Tina, ich bin im Büro und wünsche nicht gestört zu werden!" Veronika öffnet schwungvoll die Tür hinter der Verkaufstheke. Der kleine Raum, der ursprünglich eigentlich nicht für Kunden gedacht war, bietet zumindest mehr Ruhe als im Verkaufsbereich. Heute ist einer dieser Tage, da läuft es gut und immer wieder gibt es Kunden, die vorbei schauen. Hoffentlich ist Tina dem gewachsen. Sie arbeitet erst ein paar Tage als Aushilfe hier.

Veronika führt Jack hinein, setzt sich quer auf ihren geliebten Stuhl und bietet dem Gast das Sofa an. "Also dann, Schätzchen!", lächelt Veronika, "So wie ich dich verstanden habe, geht es um eine neue Ausstattung." Sie greift nach einem Zeichenblock, samt Bleistift. Die ersten Entwürfe entstehen bei ihr immer per Hand, bevor sie das Grafiktablett für die Details nutzt. Nun ist der Block jedoch noch leer, und so landet Veronikas Blick auf Jack. "Was ist dir wichtig, Schätzchen?"



Jack findet sich so schnell auf dem schlichten, aber bequemen Sofa wieder, dass sie sich gar nicht darüber empören kann, von dieser Fremden 'Schätzchen' genannt zu werden. Und das schon zum zweiten Mal. Veronikas Äußeres passt nicht ganz und dennoch total zu der Stimme, die sie heute morgen durchs Telefon gehört hat. Sie hatte sie sich jünger vorgestellt. Die Frau mit dem modisch kürzer getragenen, naturgrauem Haar hat etwas an sich, dass sie noch nicht benennen kann. Jack überlegt noch, bevor sie antwortet. Die Designerin macht zwar nicht den Eindruck als wolle sie sie mit ihrer Schätzchen-Ansprache herabwürdigen. Vermutlich ist das einfach ihre Art, überlegt sie. "Mir gefällt, dass du gleich Startbereit bist." nickt sie der Älteren zu. "Also. Das Lilly dich empfohlen hat, hatte ich dir ja schon gesagt. Sie hat schwer von dir geschwärmt und ich bin bereit, eine Vision, die ich schon länger in mir herumtrage, umzusetzen. Aber ich möchte klar sagen: Wenn du es nicht auf den Punkt triffst, werde ich nicht bezahlen, was du verlangst. Dann müssen wir neu verhandeln. Es ist mir wichtig, dass es g e n a u meine Vision trifft.", stellt sie klar. Wenn ihr sonstiges Leben völlig out of ihrer control läuft... Dieser Mantel muss einfach werden, wie sie es sich wünscht. Aus ihrer Gesäßtasche zieht sie ein gefaltetes Blatt und legt es, kurz von dem Sofa aufstehend, vor Veronika auf den Tisch.



Veronika nimmt das Blatt entgegen und faltet es auseinander. Eine Collage aus ein paar Grafiken, offenbar aus dem Internet ausgedruckt. "Du kommst also vorbereitet. Gut.", kommentiert sie. "Was ist der Rahmen, den du mir bietest?" Nachdenklich streicht sie über das Papier. Sie liest die dazu geschriebenen Worte: "Musterstoff" So einen ähnlichen hat sie tatsächlich vorrätig, allerdings nicht genau den selben. Sie betrachtet die einzelnen Fotos. Eines für den Kragen, eines für Handschuhe..., die Stiefel.. "Ich sehe schon, du hast eine ziemlich genaue Vorstellung." Veronika hebt ihren Blick. "Schätzchen, hör zu. Normalerweise habe ich gerne einen groben Rahmen, an den ich mich halten kann, doch mit genug Freiheit, auch selbst kreativ zu werden. Wenn ich einfach nur die Arbeit anderer Designer kopieren und zusammenfügen soll, ist das nicht ganz das selbe. Was wäre dann mein Job? Nur das zusammen nähen? Ich hatte auf eine Herausforderung gehofft."



Auf Veronikas Worte, lehnt sich Jack mit verschränkten Oberarmen zurück in den Couchstoff. 'W a s bitte, war das jetzt?!' Ihre in etwa bis zum Hals gekrochene Euphorie bleibt mit einem Ruck stehen und schnürt ihr die Luft ab. Jack schließt die Augen und öffnet sie erst wieder als sie spricht. "Ich habe eine klare Vorstellung von einem epischen Masterpiece von Mantel über ein Jahr hinweg entwickelt, mit dem ich mehr als als nur ein Statement setzen möchte." Sie schaut der Designerin fest in die gelben Augen. "Ich dachte, du bist die Frau, die Sagen umwobene Damenoberbekleidung herstellt, mit denen Stücken sich die Träger unwiderrufbare Alleinstellungsmerkmale und Prestige verschaffen!" Ohne das Jack es merkt, presst sie die Kiefer aufeinander. Was ist denn nur los? Sie hatte sich schon während Lillys Schwärmerei in völliger Begeisterung und Hoffnung wiedergefunden. Hatte umgehend die Recherche-Bilder mithilfe ihres Pinter-sim-rest Accounts aus ihrer Erinnerung wieder vor ihr inneres Auge geholt, nachdem sie mit Köterchen und Put zu der unchristlichsten Zeit die man sich als Twen vorstellen kann, Gassi gegangen war. Das ganze hatte sie insgesamt drei Stunden und fünfzehn Minuten gekostet und sie von all ihren überreizten Gedanken und von ihren Hirn zerfickenden Stressoren abgelenkt. Mehr noch! Die prokarstinative Entscheidung, sich jetzt sofort und unbedingt auf modische Rachefeldzüge zu begeben, mit denen sie ihrer Familie beim nächsten Besuch so richtig eins in die Fresse donnern kann, kam genau richtig.

Und nun scheint auch dieser so emotionale, hoffnungsvolle Wunsch zerschlagen zu werden. Von dieser Person, die 'Herausforderungen' haben und keine Kopier-Queen sein will. Jack seufzt. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch in der Modebranche schon alles ein Mal gab und du somit auch sonst nicht das Rad für dich oder andere komplett neu erfindest." Sie sieht, dass der Vampirin ihre Worte nicht gefallen, sie sich aber mit Professionalität in der ruhigen Spur hält. Beschwichtigend, obwohl es ihr widerstrebt, hebt Jack kurz beide Hände defensiv in die Luft. "Nix für ungut, aber ich hatte erwartet, dass du mehr als nur deine Visionen bereit bist umzusetzen, dass dein Ego groß und bestätigt genug ist um einer sehr! sehr verzweifelten jungen Frau mit einem Arsch voll überfordernden Problemen bei der Umsetzung eines spektakulären Traums zu helfen."



Veronika bleibt ruhig. Sie legt ihren Zeichenblock zur Seite und erhebt sich. "Hör zu, Schätzchen. Natürlich hat es alles schon mal gegeben. Aber normalerweise kann ich selbst entscheiden, zumindest im Rahmen der Kundenwünsche, was ich wie übernehme, und welche Details ich kombiniere. Du scheinst aber schon zu 100% zu wissen, wie er auszusehen hat. Da bleibt dann wenig kreative Freiheit für mich übrig." Nun lächelt sie. "Ich kann das respektieren, wirklich." Vor allem, weil Jack mehr Respekt an den Tag legt als Miss Schuh. "Leute, die ihren eigenen Kopf haben und wissen, was sie wollen. Das trifft aber auch auf mich zu. Und ich bin mehr als eine Näherin, die sich einfach nur zu 100% an die Vorlage hält." Sie betrachtet den Zettel noch einmal, jedes Detail, jede Notiz. Dann streckt sie den Daumen hoch. "Aber ich mag deine Vision, den Stil, den du dir gewählt hast. Du hast ein gutes Auge für Kombinationen."

Veronika beobachtet die Reaktion ihrer Kundin, dann fährt sie fort: "Und deshalb mach ich es. Aber ich sag dir eines, ich habe nicht ganz den selben Stoff vorrätig. Ähnlich extravagant, ähnlich vom Stil, aber nicht zu 100% das selbe. Ich kann dir die Musterkiste zeigen, so dass du schauen kannst, ob es auch alternativen Stoff für dich gibt... oder aber, ich werde recherschieren, bis ich genau den selben Stoff auftreiben kann. So oder so können wir zum Ziel kommen, auch wenn es im zweiten Fall länger dauern wird, bis alles fertig ist. Wenn ich den passenden Stoff erst finden muss."

Jack atmet auf, vor Erleichterung bekommt sie nicht mal ein 'Danke' heraus. 'Fuck yeah!' freut sie sich über ihren ersten Erfolg des Tages. Oder den zweiten. Je nachdem, ob man drei Mal 'rechtzeitig genug rausgekommen, damit das Köterchen nicht in die Bude schifft', mitzählen will. Sie nickt. "Das ist phantastisch. Es reicht auch ein ähnlicher Stoff. Aber es ist unerlässlich, dass er durchmustert und im Grundton rot ist. Zumindest im Oberstoff." 'Die Farbe, die sie mir zuteilten.' Stiefel und Hose werde ich selbst besorgen. 'In Schwarz und Braun, repräsentativ für die Mörderin und meinen Vater-Lakaien, den eingeheirateten BASTARD, der zumindest Stark genug war, seinen Vornamen zu behalten. VERRECKE, Brian!'

Jack merkt, wie sie bei den nun zum Teil ausgesprochenen Gedanken an ihre Verwandtschaft hart wird und eine leichte Form von Tunnelblick sich einstellt. Jetzt, wo ihre Vision, ihr erster Rückschlag, in eine realisierbare Richtung rückt. Sie räuspert sich. "Die Schwarzen Handschuhe sind aber sehr wichtig. Auch, dass sie eine Kombination aus mattem und an den Fingern glänzenden Stoff haben. So wie Latex aussieht." 'FICK DICH, ALEXIA, SCHLIMMSTE GROßMUTTER ALLER ZEITEN' brüllt es in ihrem Schädel. "Der opulente Kragen spricht denke ich, einfach für sich selbst. Ich habe eine Chest-Peace, das darin auch gut hervorgehoben wird." 'Nur für dich, Athena, du unglaublich erbärmliche M U T T E R.' "Des weiteren müssen sich irgendwie lila und ein orange wiederfinden lassen, diese Farben können sich allerdings absolut unterordnen." 'Und FICKT euch kleine Bitches. Dafür, dass ihr mich schon seit Kleinkindtagen ausgeschlossen habt .' Ihre Augen beginnen zu brennen, als die höhnisch blickenden, hell weiß blondierten Gesichter ihrer eineiigen Zwillingsschwestern vor ihrem inneren Auge erscheinen. 'Kassiopeia und Kassandra, bei euch werde ich schon vor dem großen Knall in ein paar Jahren beginnen, euch bezahlen zu lassen für das, dass ihr mitzuverantworten habt!' Das waren sie, bis auf einen. Mario der Consiglire des Elliot'schen Mafia-Imperiums. Seine Farbe ist gelb. Aber sie will nicht, dass er ein Teil dieses Mantels wird. Der ist nur für ihre direkten Blutsverwandten. Mit dem inneren Abschluss ihrer aufgezählten Abrechnungsliste, wollen sich Tränen hochschieben, gegen die Jack versucht anzuhalten. "Die Mantellänge soll wie bei der Beispiel-Mausi sein."

Veronika sieht sich die Vorlage noch einmal an. „Schätzchen, das ist eindeutig Jacquard, der hier genutzt werde. Gute Qualität! Kein Wunder, dass dir das Muster so gut gefällt!“ Sie erhebt sich und geht zu einem Regal. Während sie sich nach der Kiste bückt, redet sie weiter: „Der Unterschied ist simpel: Bei den meisten Stoffen wird das Muster nachträglich aufgedruckt. Bei Jacquard entsteht es direkt beim Weben. Unterschiedliche Fäden, unterschiedliche Bindungen, so kommt das Muster zustande. Deshalb wirkt es plastischer und hält deutlich länger.



Sie stellt die Kiste neben Jack auf die Bank. „Qualität habe ich auch vorrätig. Rot also. Das lässt sich einrichten.“ Sie wühlt kurz in der Kiste. „Nein… das hat nicht die richtige Aussage.. Das hier auch nicht… Ah hier, das war was ich suchte!“ Sie reicht Jack das Stück Stoff. „Ich würde diesen hier empfehlen.“ Der Stoff zeigt ein feuriges Muster, mit Phoenix und allem. „Natürlich auch Jacquard, es muss ja alles richtig sein! Ist mein persönlicher Favorit und passt zur Extravaganz des Schnittes.“

Während Jack den Stoff von allen Seiten betrachtet, wühlt Veronika noch nach weiteren Alternativen. „Oder der hier! Ebenfalls Jacquard, aber mit einem abstrakterem Muster.“

Mit wachsender Anspannung beobachtet 'Schätzchen', wie die Designerin Stoff um Stoff als kleinere Musterstücke oder sogar als Meterware präsentiert. Zwischendurch haben beide Frauen stummen Austausch per Augenkontakt - Veronika ließt in ihrem Gesicht wie in einem Buch. Minute um Minute landen Jacquard, feste Spitze, Cord, Brokat und Damast Stoffe auf dem Tisch. Alle edel und dem geplanten Stück entsprechend. Wunderschön sind sie fast alle, aber so richtig klicken tut keiner, bis die Vampirin einen hervorwühlt der bei ihr nahezu Schnappatmung auslöst. "HALT" ruft Jack und grabscht nahezu nach dem Stoff.
Mit einem mal wird ihr so schwindelig, dass sie kurz taumelt. Kraniche! Auf roten Blumen! "Fuck DAS ist er!!!!"



Veronika klatscht begeistert in die Hände. "Dann ist es entschieden! Ich seh' das Meisterwerk direkt vor mir!" Liebevoll streicht sie über das Kranichmuster. "Habe das gute Garn erst seit kurzem auf der Stoffmesse erstanden. Fast so, als ahnte ich da schon, wie wichtig es ist." Sie legt die übrigen Stoffe zusammen. Es ist klar, dass Jack ein Statement setzen will, und Veronika ist stolz darauf, dass ausgerechnet sie bei dabei helfen darf.

Sie holt ihren Zeichenblock hervor. Mit flinken Fingern macht sie eine Skizze des Mantels, sogar mitsamt Kranich-Stoff. Während sie zeichnet, spricht sie weiter: "Ich muss nur sagen, dass so ein Stück seine Zeit braucht. Ich rechne mit fünf bis sechs Wochen Arbeit. Das geht leider nicht anders. Ich arbeite alleine. Und vor allem bei dem Musterstoff ist es wichtig, dass die Kraniche nicht krumm und schief auf dem Mantel liegen. Das wäre mit einfarbigem Stoff einfacher gewesen." Sie lächelt. "Nichtsdestotrotz ist es die Mühe wert. Das wird ein Meisterstück!"

Währens Veronika zeichnet, hält Jack den Stoff weiter in ihren Händen. Sie liebt Klamotten, unabhängig von Designern oder Preis. Wenn es sie anspricht, spricht es sie an. Ganz einfach. eigentlich rastet sie nur bei glitzernden oder kunstfelligen Sachen aus. Ok, der Handschuh-Nippelbedecker aus grünem Satin, mit Bindeschleife auf dem Rücken war eine Ausnahme. Den hatte sie mit David zusammen entdeckt und jeweils einen für sie beide gekauft. Aber DAS hier... auf der Skizze landet Strich um Strich. Strubbels Augen folgen verklärt den routinierten Bewegungen. Und ob das ein Meiserstück wird. anders als sie es geplant hatte. Der Jacquard-Stoff mit den Blumen in genau den genannten Farben, war eigentlich das Wichtigste, wenn man von dem Statement setzenden Schnitt mal absieht, der unumgänglich ist. Jack schnauft. Shit! Jetzt, wo der erste Rausch der Begeisterung abebbt geht ihr auf, dass SCHON WIEDER etwas nicht so läuft, wie SIE es für sich geplant hat. Beziehungsweise rückt sie selbst von ihrem ursprünglichen Plan ab?! 'Verfluchte Scheiße!' Soll sie Veronika stoppen und ihr Angebot von der Suche nach einem Stoff ihrer Vorstellung annehmen? Sie braucht das Teil erst zu Halloween, zum großen Geburtstag und der großen Feier ihrer Großmutter. Zeit wäre also noch da. Was soll sie tun?



Jack befühlt die feste Spitze in schwarz, mit den blutroten Blumen und den Kranichen darüber. Dann beginnt sie die Details der Vögel zu betrachten und ohne das sie es steuern kann, öffnet sich ihr Mund und Wörter kommen einfach so heraus - unaufhaltsam. "Diese Vögel sind die Lieblingstiere meines Opas gewesen. Und dieser Stoff hier" hält sie die Meterware in ihren Händen hoch "kombiniert auf fast schon unheimliche Weise eine nie von mir gewollte oder angenommene Farbe, die man mir zugeteilt hat, so wie es der Brauch will." Sie schweigt kurz. "Und im Herbst habe ich 'meine' Farbe auf einem wichtigen Familien-Event zu präsentieren." Der Blick der Designerin hebt sich, als wüsste sie, dass Jack jetzt mit ihr über etwas elementares reden m u s s, auch wenn es der jungen Frau sichtliches Unbehagen bereitet.

Veronika hält in ihrem Tun inne. Jacks Familie hatte ihr eine bestimmte Farbe zugeordnet? Das erinnert sie an etwas. Ein raubtierhaftes Lächeln: „Ein politisches Statement par excellence“, murmelt sie und betrachtet Jack mit ganz neuem Respekt. „Wenn es um familiäre Kriegsführung geht, ist Kleidung die beste Waffe, Schätzchen. Das wusste schon Marie Antoinette.“ Sie lässt den Vergleich so stehen, ohne ihn zu erklären. Für einen kurzen Moment wird die exzentrische Designerin etwas ruhiger: „Du mochtest deinen Großvater, oder? Wenn du seinen Lieblingsvogel als dein eigenes Wappentier nutzt.“

"Nein"
antwortet Jack knapp. "Ich habe ihn geliebt." Ihr Blick wird von einem tiefen Honig-gelb aufgefangen. "Und er mich." Strubbel spürt ein eigenartiges ziehen, dass in ihren Hals greift und Wort für Wort herausziehen möchte. Ihre Gedanken beginnen sich zu überschlagen, während alte und gleichzeitig stets präsente Gefühle sie mehr und mehr überrollen. 'Fuck. Womöglich ist sie ein Sim, mit dem ich darüber reden kann, ohne ihn in Gefahr zu bringen! Ich kann es ihr sagen, weil wir bis auf dieses eine Telefonat keine weitere Verbindung zu einander haben. Ich könnte es einfach mal laut aussprechen, was ich mich nicht traue mit meinen Freunden zu besprechen. Meinen Verdacht.... den Grund für meine angedachte Rache! Fuck Fuck FUCK! Es e i n Mal von meiner scheiß Seele reden...' Ja. Sie muss es tun. Viel zu viel wühlt in ihr herum. Mit dem gefassten Entschluss legt sie den feinen Zwirn bei Seite und setzt sich auf das Sofa, die Beine fest und schulterbreit auf dem Boden abgestellt. Mit einem sich selbst bestätigendem Nicken zückt sie ihr Handy und öffnet die Aufnahme App. Sie wird sich dabei aufzeichnen, wie sie es ausspricht. Um sich zu erinnern. Um sich zu beweisen, dass sie es gewagt hat mit einem Gegenüber aus Fleisch und Blut darüber gesprochen zu haben und nicht nur ihrem Spiegelbild. Sie drückt erneut auf das Display, dann legt sie das Mobile neben sich ab und ihre Hände mit durchgestreckten Armen auf ihre Knie. Jacks Haarschopf hängt nun vor ihren beiden Augen, sodass sie Veronika nicht mehr sehen kann. "Mein Großvater war alles für mich. Anstelle meiner Eltern hat er mich geliebt und beschützt wie sein eigenes Kind. Soweit er es konnte." Ihre Stimme bricht leicht ein. "Er gab mir Liebe, Wärme, Hoffnung, Vertrauen und Freundschaft. Auch das Autofahren hat er mir beigebracht und leider war es das Letzte, was er mir mitgeben konnte. Zu fahren wie der Teufel höchstselbst." schmunzelt sie bei der Erinnerung an seine Worte.



"Auch wenn ich damals erst zehn Jahre alt war, ich höre seine Stimme noch heute so klar in meinem Kopf. 'Felicitas,' hat er gesagt, 'eines Tages bin ich nicht mehr da um auf dich aufzupassen. Aber ich bereite alles für dich vor, damit du dann, wenn du willst, von hier fliehen kannst. Um irgendwo ein neues Leben anzufangen. Du kennst die mir wichtigsten Freunde, sie wissen wer dir helfen wird, ohne das die Spur zu ihnen selbst zurück zu führen sein wird. Und wenn alles gut geht, entkommst du den kranken Fängen und der Mafia - unserer Familie. Vielleicht schaffst du es, dem Obskura-Imperium zu entkommen.' Das waren seine Worte." Jack - Felicitas Gabriela Elliot hebt ihren Kopf mit glasigem Blick. "Ich erinnere mich an jedes seiner Worte so genau, weil es anfing, dass er sie unregelmäßig regelmäßig zu sagen pflegte. Und dann... eines Tages..."

Veronika spitzt die Ohren. Sie hatte nicht erwartet, dass das Treffen mit der Kundin so emotional werden würde. Das ist ungewohntes Terrain für sie. Mafia? Obskura Imperium? Sie ist sich sicher, diesen Namen noch nie gehört zu haben. Aber kriminelle Organisatoren sind auch nicht das Umfeld, das sie normalerweise umgibt. Sie spürt, dass Jack zögert. Es ist kein einfaches Thema, so viel ist sicher. Als Jack schließlich mitten im Satz stoppt, rückt selbst Veronikas berufliche Professionalität in den Hintergrund. Das hier ist wichtiger. „Dann hattest du einen besseren Opa als ich.“, sagt Veronika plötzlich. In ihrer Stimme ist jedoch kein Frust zu hören. Mit allem hat sie schon lange abgeschlossen. „Mein Großvater hatte sehr genaue Vorstellungen davon, was ich zu sein habe. Hat ihn nie interessiert, was ich eigentlich kann.“ Sie zuckt die Schultern. „Also habe ich meine eigenen Regeln gemacht. Mit meinem eigenen Stil. In meinen eigenen Farben.“ Veronika lacht auf. „Du schaffst das auch, Schätzchen! Mit allem, was dir dein Opa mitgegeben hat!

Für einen Moment schweigt Veronika. Jacks Familie ist weitaus schlimmer als ihre eigene. Ist es richtig, so zu tun als sei es ‚no big deal‘? Lilly würde wissen, wie sie reagieren muss, sie hat ein feineres Gespür für so etwas. Erst nach einer Weile setzt Veronika wieder an: „Was ist denn passiert?“

Es fällt Jack schwer, aus ihrer Gedanken- und Erinnerungswelt herauszutreten, um Veronika zuzuhören. Aber die Vampirin trifft mit ihrer kleinen Erzählung erneut ins Schwarze und zieht sie zu sich. Irgendwie seltsam, dass es bei ihr der Großvater war. Aber wahrscheinlich ist das er die Norm. Das in ihrer Familie eine Frau das Oberhaupt ist, ist wohl auch ehr selten. Tatsächlich hat sie noch nie darüber nachgedacht! Oftmals oder meistens sind es alte weiße Männer, die andere mit einer Selbstverständlichkeit nach ihrem eigenen Bild formen und unterdrücken. "Das klingt einerseits absolut ungeil und andererseits so, als hätte es dich auch zu der starken, unabhängigen Frau gemacht, die du heute zu sein scheinst" nickt sie ihr anerkennend zu. 'Was ist denn passiert?', hat sie gefragt. Jack stöhnt auf und steht auf. Bewegt sich durch den Raum. Ihre Augen huschen über Muster und Farben von Tapeten, Teppichen, Stoffmustern, Zeichnungen und dem Mobiliar, das nun den Charakter der Designerin noch mehr formen. Jetzt, wo sie ein wenig von sich erzählt hat. Krass. Gefühlt, ist da eine kleine, absurde Verbindung, die durch die Geschichte von Veronika sich einzuschleichen beginnt. 'Riskiere es. Sprich es einfach aus. Jetzt oder nie, Jack. Erzähle es mal einem lebendigen Gegenüber. Einem Mitsim. In laut.' Der Wuschelkopf greift sich einseitig in die Haare, durchquert den halben Raum und kommt schwer ausatmend vor der Frau mir dem resignierten, aber warmen Honig-Blick zum halten. "Sie hat ihn umbringen lassen, einfach so.", schnippst sie theatralisch und ihre sachliche Aussage unterstreichend. "Einfach so."



Veronika ist sprachlos. Sie hatte schon geahnt, dass Jacks Opa tot ist – allein schon, weil sie von ihm in der Vergangenheitsform spricht – aber Mord? Sie blickt auf Jack, die längst nicht mehr sitzen bleiben konnte, spürt, wie die Emotionen sie Schritt für Schritt lenken. Wer ist ‚Sie‘? Seine Frau? Oder seine Tochter?

Das klingt für mich, als hätte sie dich brechen wollen.“, schnaubt Veronika. Nun funkeln ihre Augen voller Wut. „Am liebsten würde ich dir Zuversicht geben, und Kampfgeist. Ich verstehe den Drang, mit dem Mantel ein Statement zu setzen. Mit seinem Lieblingstier. Aber…“, nun wird Veronika leiser, „ich kann nicht behaupten, selber in so einer Situation gewesen zu sein. Ja, es war nicht einfach in meiner Familie. Aber Mord habe ich nie befürchten müssen. Mein Opa lebt auch jetzt noch, auch wenn ich den Kontakt abgebrochen habe.“ Sie sieht Jack ernst an. „Bist DU sicher, Jack?“ Das Thema ist ernst. Ernst genug, um das ‚Schätzchen‘ fallen zu lassen. „Oder musst du damit rechnen, dass sie dich als Nächste aus dem Weg räumt?

Die Frage trifft sie unvorbereitet. Nicht, weil sie so schrecklich ist. Sondern weil Jack die Antwort darauf schon seit Jahren kennt und ihren Frieden damit gemacht hat. Mehr noch. Eben aus diesem Grund, den sie gleich bestätigen wird, schöpft sie ihre Kraft für ihre eigenen Rachepläne. Weil sie sich genau deshalb dazu entschieden hat, eines Tages mit einem gehörigen Abriss und einem für die Familie hinterlassenem, desaströsen Chaos plant, zu verschwinden. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn sie sie aufspüren und sie das selbe Schicksal ereilen wird, wie ihr Opi. Dann wird sich der Kreis schließen. Und damit ist sie fine. Strubbel atmet ruhig aus und will gerade einen Schritt auf die eigentlich fremde Frau zugehen, mit der sie überraschender Weise ein paar Gemeinsamkeiten teilt und ihre Frage beantworten, als ihr Telefon zu klingeln beginnt.

Mit gerunzelter Stirn geht sie ran. "Was ist?" will sie knapp wissen. Der Klingelton hatte ihr verraten, das ihre Haushälterin anruft. Und wie befürchtet, ist es nichts gutes. Jack sagt kein Wort. Wozu auch? Alles was sie hört und darauf zu erwidern hat, hat sie gestern wie heute schon mal gesagt. Lediglich der letzte Satz hing zuvor nur im Raum zwischen ihnen. "Du kündigst. Jetzt, zu genau dieser Minute" nickt Jack dem Telefon zu, dass sie nun wie ein Funkgerät vor sich hält und anstarrt. Sie läuft weiter durch den Raum und ihr Gesicht wird zu einer unsteuerbaren Maske der Verachtung und Wut. "Das ist sehr schlau von dir. Natürlich legst du jetzt, wo ich nicht da bin und dir ins Gesicht sagen kann was ich von dir halte, deine Schlüssel auf den Tisch und gehst. Lässt zwei traumatisierte Viecher alleine zurück, weil sie dich nichts angehen." fasst sie, ihr Mobile wieder am Ohr, die Situation zusammen. "Ich verstehe das. Irgendwo. Glaub ich. Ein Welpe und ein Küken sind ernst zu nehmende Endgegner für Oberflächen, ja. Trotzdem ist es ein feiger, hinterfotziger Abgang. Hast du wenigstens noch was mitgehen lassen vom Bargeld oder so? Damit ich einen Grund habe mich nie wieder mit dir zu beschäftigen?" erkundigt sie sich kalt. "Gut. Dann nimm dir so viel, wie du denkst das es angemessen ist für diesen Monat. Wenn du übertreibst und mir somit einen Grund gibst mich doch erneut gedanklich mit dir zu beschäftigen, besuch ich dich zu Hause und zünd' dir deine Blusen an, nachdem ich dir den Schädel rasiert hab. Verstanden?" Ohne eine Antwort abzuwarten, legt sie auf.



Veronika spitzt die Ohren. Ohne, dass sie es plant, bekommt sie jeden Teil des Anrufs mit – zumindest das, was Jack sagt. Das reicht aus. Auch so wird deutlich, dass bei ihr eine Reinigungskraft gekündigt hat, wegen eines Welpen und eines Kükens?

Das war genau die richtige Antwort, die so jemand verdient!“, mischt sich die Modedesignerin ungefragt ein, die nichts für Feigheit übrig hat. „Sie traut sich ja nicht mal, dir das ins Gesicht zu sagen.“ Sie schiebt den Vorhang zur Seite, der das Zimmer von ihrem Privatbereich trennt. Der weiße Kater kommt direkt angetrabt, und bleibt einen Moment neugierig stehen, als er den Besuch bemerkt.

„Ja, Tiere machen auch mal Dreck. Aber sie geben viel mehr zurück als das!“ Sie erinnert sich an den Brand und wie sie ihr eigenes Leben riskiert hat, weil sie ihren Kater Snow nicht finden konnte. Sie wusste da noch nicht, dass er sich selbst hatte aus den Flammen befreien können. Es wäre ihr nicht im Traum eingefallen, ihn einfach sich selbst zu überlassen.



Jack starrt für einen Moment vor sich hin, ohne das ihr Blick etwas konkretes ins Auge fasst. Erst als das Vierbeinerchen angetapst kommt, kann sie ihren Glotz ablegen und Veronica wieder anschauen. "Wahrscheinlich ist das so, ja. Ich kenne nur die zwei unangenehmen Wadenbeißer meiner Großmutter näher. Und die sind... Nicht zu unterschätzen. Fiese Töhlen. Aber womöglich liegt das daran, dass sie scharf gemacht worden sind. Keine Ahnung. Ich mache mir nichts aus Tieren." Sie bleibt ruhig stehen und betrachtet den weißen, gelbäugigen Flausch auf vier Beinen. "Ich bin durch Zufall an Huhn und Hund gekommen. Und bis ich ein neues Zuhause für sie finde, bin ich wohl sowas wie ne Pflegestelle." Jack schluckt schwer und schaltet das Telefon aus. Keine weitere Aufnahme und kein weitere Nachricht will sie jetzt mehr empfangen. Sie merkt, dass sie erschöpft und durch ist. Gleichzeitig fällt ihr auf, dass der letzte Satz der Vampirin etwas in ihr anstößt. Strubbel seufzt. Sollte sie ihren letzten Gedanken - die beiden Fell- und Federfluser doch einfach schnellstmöglichst abgeben? Irgendwohin? So, wie das Schicksal sie einfach ihr vor die Füße gekotzt hat? Kleine Knopfaugen und Babytiergeräusche lullen ihre Gedanken ein. "Fuck" murmelt sie, dann massiert sie sich mit Daumen und Mittelfinger die Nasenwurzel. Nach einigen Sekunden strafft sie ihren Rücken. "Ich denke, ich habe kein Problem mit Dreck. Oder damit, dass ich eines Tages mit dem Umstand rechnen muss, dass meine Familie mich ermorden lassen wird. Echt nicht. Nicht mehr. Aber!" ruft sie laut aus und schüttelt ihre Wellen erbost, "ich habe ein Problem damit, meine Bude und meinen Haushalt alleine zu schmeißen! Kannst du mir sagen, wo ich am besten nach einer netten, fleißigen und großherzigen Fachkraft suchen kann, die keine Angst vor Tierbabys hat?"

Veronika krault Snow hinter den Ohren, jedoch ohne Jack aus den Augen zu lassen. „Ich glaube du machst dir selbst auch nur etwas vor.“, schmunzelt sie, „dass du dir gar nichts aus Tieren machst. Du hättest sie direkt bei der Tierauffangstation abgeben können, wenn sie dich überhaupt nicht kümmern. Wer bist du hinter dieser Fassade, Jack?“

Veronika lässt diese Frage im Raum stehen, ohne eine Antwort zu erwarten oder sie selber zu beantworten. Stattdessen wechselt sie das Thema und greift Jacks Frage wieder auf. „Ich habe eine Anzeige in der SimsWeltNEWS geschaltet, um meine Aushilfe zu finden. Die ist auch immer noch aktiv, denn Tina ist vorerst nur zur Probe hier.“ Noch hat Veronika nicht das Gefühl, dass es wirklich etwas langfristiges mit ihr wird, aber noch gibt sie Tina zumindest eine Chance. Sie bringt Snow zurück in den Wohnungsbereich, bevor sie fortfährt: „Vielleicht hilft dir das weiter bei deiner Suche.“

"SimsWeltNEWS also, okay. Das kann ich ja mal versuchen. Danke."
Mit aufgeblasenen Backen starrt Jack die Frau an, die sie gerade, ohne es beabsichtigt zu haben, zu einer Mitwisserin gemacht zu haben. Mehr noch. Sie hat sich mit jemandem unterhalten, der sie ein bisschen verstehen kann und der ihr Mut zugesprochen hat. Jemanden, mit dem sie etwas teilen konnte, ohne das Angst und Abstand zu ihr entstand. Eine gestandene Frau ohne Furcht. Langsam stottert das Mafia-Kid die Luft aus ihrer Mundhöhle und nimmt ihre gewohnte Haltung wieder an. "Veronika, du hast mir mehr als nur geholfen, einen modische Vision umzusetzen. Ich kann das gerade alles nicht in Worte fassen. Danke. Ich freue mich wahnsinnig auf dein Masterpiece, mit dem ich meinen ersten Streich gegen meine Verwandten setzen kann. Der Kommisarsmantel bekommt geschichtsträchtige Konkurrenz." lächelt sie jetzt verschwörerisch und reicht ihr die Hand um sie zum Abschied sowie Abschluss des Deals partnerschaftlich zu schütteln. "Du meldest dich, wenn ich zum Maßnehmen kommen soll? 'Schätzchen' muss sich jetzt umgehend um ihre... Schätzchen kümmern, du weißt...", schmunzelt sie ihr Gegenüber an.

In Zusammenarbeit mit @S.Bin.

>>> Jack geht nach Innisgreen >>>


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