San Myshuno Nr. 4 - Culpepper-Haus

12.03.2025 14:19 (zuletzt bearbeitet: 12.03.2025 15:53)
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Bücherstapler

Wohnung von Marten Linde


Grundriss

Blau: Eingangsbereich, Wohnzimmer, Essbereich mit Schreibtisch
Grün: offene Küche
Rot: Gäste- und Hauptbad
Orange: Schlafzimmer


Wohnzimmer


Essbereich und Schreibtisch


Küche


Schlafzimmer


Badezimmer


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13.03.2025 19:00 (zuletzt bearbeitet: 13.03.2025 19:23)
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#2
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Bücherstapler

Charakter: Marten
Geschichtsstrang: Ein neues Zuhause für Geschichten


Der Regen prasselte sanft gegen das Autodach, während Marten in seinem Wagen saß und die Hände um das Lenkrad schloss. Er atmete tief durch, versuchte, die Aufregung in seinem Inneren zu zügeln. Eine Mischung aus Vorfreude, Unsicherheit und der leichten Angst, ob er wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte, schwirrte ihm durch den Kopf. Die Lichter von San Myshuno spiegelten sich in den regennassen Straßen wider, während der Motor langsam verstummte. Dies war es also. Sein Neuanfang.

Er griff nach seiner Tasche auf dem Beifahrersitz und stieg aus. Seine Schritte hallten auf dem nassen Pflaster wider, während er auf das große, alte Gebäude zuging. Mit einem tiefen Atemzug drückte er die Tür seiner Wohnung auf – und sofort umfing ihn der Geruch von Staub, altem Holz und einem Hauch von Feuchtigkeit. Ein leichtes Frösteln lief ihm über den Rücken.

„Na, das wird ein Spaß“, murmelte er, als er über die knarrenden Dielen schritt. Spinnweben zogen sich über die Ecken, die Wände waren fleckig und rissig, und die Luft war abgestanden. Der Boden fühlte sich feucht an, und die alte Einrichtung wirkte, als hätte sie seit Jahren niemand mehr beachtet. Marten hält kurz inne und genoss die Ruhe. Leise hörte man ein Auto vorbei fahren, dass sich durch den Regen kämpft. Und da war ein leises Summen. Das muss der alte Kühlschrank von den Vormietern sein.
Wie lange hatte da wohl keiner mehr reingeguckt?
Er genoss die Stille und das allein sein.
Er nahm die sanften Geräusche und die Gerüche auf.



„Viel zu tun…“

Seine Stimme verhallte in der Stille, während er durch die dunklen Räume ging. Die großen Fenster waren von schweren, staubigen Vorhängen verdeckt, die kaum Licht hineinließen. Die Möbel, die noch von früher übrig waren, wirkten völlig deplatziert: zwei abgegriffene Stühle, eine durchgelegene Matratze und eine Küche, die eher an eine alte Kneipe erinnerte als an einen Ort, an dem Inspiration wachsen konnte.



„Das kann ja heiter werden.“ Er öffnete die Schränke und betrachtete zerbrochenes Geschirr und abgestellte Tassen. Doch er richtete sich auf und atmete tief durch. „Aber das hier ist mein Schritt. Hier fängt alles an.“



Er krempelte die Ärmel hoch und machte sich an die Arbeit. Der Staubsauger röhrte, der alte Teppich gab widerwillig seinen Dreck preis, und der Staub wirbelte in der Luft. Er nieste, fluchte und schimpfte – doch mit jeder Bewegung wurde der Raum ein Stück heller, ein Stück mehr sein eigener. Beim Wischen des Bodens bemerkte er, wie das Holz unter dem Dreck zum Vorschein kam. Dunkel, abgenutzt, aber mit einer versteckten Schönheit. Vielleicht hatte diese Wohnung eine Geschichte. Vielleicht war sie jetzt sein Zuhause.

„Es wird gut, Marten. Du schaffst das“, murmelte er und begann, die alten Tapetenbahnen abzureißen. Schicht für Schicht offenbarte sich das wahre Gesicht des Raumes. Ein frischer, warmer Farbton ersetzte das verblasste Braun, die Wände begannen zu atmen. Bald würden Regale hier stehen, gefüllt mit Büchern. Geschichten, die darauf warteten, geschrieben zu werden.



Als der Möbelwagen eintraf, hatte die Wohnung bereits eine ganz andere Ausstrahlung. Die neuen Möbel fügten sich ein, als hätten sie nur auf diesen Platz gewartet. Ein stabiler Schreibtisch aus dunklem Eichenholz, ein einladendes Sofa, Pflanzen, die den Raum mit Leben füllten – Efeu, Farn, kleine Sukkulenten. Ein Hauch von Frische, von einem neuen Kapitel.

„Viel besser“, sagte er zufrieden, während sein Blick durch die Räume wanderte. „Hier kann ich arbeiten. Hier werde ich meinen Krimi fertigstellen.“



Er stellte das letzte Buch ins Regal, lehnte sich zurück und sog die Atmosphäre ein. Es roch nach frischer Farbe und Holz, doch es war mehr als das – es war ein Ort mit Seele. Die Mischung aus dunklem Holz, gedämpftem Licht und den sanften Farben schuf eine Stimmung, die ihn beruhigte und gleichzeitig anspornte. Hier würde er schreiben. Hier würde es weitergehen.

Er trat ans Fenster und zog langsam die schweren Vorhänge auf. Draußen war es dunkel, doch die Stadt flimmerte in der Ferne. „Es ist der richtige Ort“, flüsterte er und spürte die Zufriedenheit in sich aufsteigen.

Er griff zum Handy und wählte die vertraute Nummer.



„Mama“, sagte er, als sie abhob. Seine Stimme klang ruhig, fast gelöst. „Die Wohnung ist endlich eingerichtet, es fühlt sich langsam richtig an. Es ist ruhig hier, ich habe genug Platz für meine Bücher, und die Pflanzen machen alles viel angenehmer.“

„Das freut mich so für dich, mein Schatz“, kam es warm zurück. „Ich wusste, du wirst einen Ort finden, an dem du dich wohlfühlst. Und weißt du was? Ich bin so stolz auf dich. Das ist ein großer Schritt.“

Er lehnte sich an das Fensterbrett, ein Lächeln auf den Lippen. „Danke, Mama. Ohne deine Unterstützung hätte ich mich das nie getraut. Ich vermisse dich“

„Ach Marten, du warst schon immer mutig. Ich erinnere mich noch, wie du als Kind dein erstes kleines Buch geschrieben hast. Du warst so aufgeregt, dass du mir jede Seite laut vorgelesen hast. Und jetzt hast du dein eigenes Zuhause, in dem du weiterschreiben kannst. Das ist wunderschön.“

Er lachte leise. „Ja, daran erinnere ich mich auch. Du hast immer zugehört, egal wie verrückt meine Geschichten waren.“

„Und das werde ich auch weiterhin tun. Ruf mich jederzeit an, ja?“

„Versprochen.“

Als er das Gespräch beendete, fühlte er sich leichter. Das Handy landete auf dem Tisch, sein Blick wanderte noch einmal durch die Wohnung. Die Veränderung war nicht nur äußerlich – sie lag in ihm selbst. Hier konnte er schreiben. Hier würde er neu beginnen.

Und so setzte sich Marten auch schon an seinen Laptop und begann seinen Krimi fortzusetzen.


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20.03.2025 22:52 (zuletzt bearbeitet: 24.03.2025 08:54)
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Bestseller-Schmied

<<< Ben kommt von Newcrest Nr. 10 - Tropenbad <<<
<<< Ellie kommt von San Sequoia - Doppelhaushälfte der Familie Janko <<<

Charaktere: Ben, Ellie, Marten
Geschichtsstrang: Besuch für Marten


Ben lehnt am Gartenzaun, blickt lächelnd zum Wohnungsbau. „Sieht so aus, als hätten wir neue Nachbarn!“ Ellie neben ihm nickt. Erinnerungen kommen hoch an ihren eigenen Einzug vor etwa einem Jahr. Lotta war damals noch hier, und hatte gerade einen Gartenverkauf gestartet. Manchmal fragt Ellie sich, was aus der lebensfrohen Frau und ihrer kleinen Tochter geworden ist. Irgendwann waren die beiden einfach fort, ohne sich zu verabschieden.

„Jetzt sind wir zumindest nicht mehr die 'Neuen'“, lächelt Ellie. Ben grinst: „Was hältst du davon, wenn wir uns mal vorstellen? Ich bringe einen Blumentopf mit Pflanzen mit und wir schauen mal, wer dort so ist.“ Ellie ist es recht. Sie ist noch immer eher introvertiert, aber so lange wird so ein Besuch ja schon nicht dauern. Und so machen sich die beiden kurz darauf auf zum Culpepper-Haus.



Marten sitzt am Schreibtisch und er hat mal wieder eine Schreibblockade. Die Zeilen im Schreibprogram bleiben leer. Frustriert wirft er seinen Kopf in die Hände und streicht mit diesen durchs Gesicht in der Hoffnung, dadurch was aus seiner Fantasy zu locken, um sein Krimi fortzusetzen. Doch vergeblich. Er schlürft den Kaffee leer der schon lange ausgekühlt ist. Ein schriller Ton ertönt und er wird aus seinen Gedanken gerissen. „Was zur Hölle?“ Marten braucht einen Moment um zu verstehen, dass das nur die Klingel war. Er hört die alte Klingel der Wohnung zum ersten Mal. Hier hat noch nie jemand geklingelt. Wie sollte er auch wissen, wie sich das alte Ding an der Wand anhört. Er hatte ja noch nie Besuch gehabt. „Vielleicht hat sich nur jemand verklinget“ sagt er zu sich, um sich zu beruhigen. Doch dann ertönt wieder die alte Klingel. Er geht zum Schalter und nimmt den Hörer ab. „Marten Linde“. - „Hallo, wir haben von Draußen gesehen, dass hier jemand neues Wohnt und auch das Klingelschild ist mit einem neuen Namen versehen. Wir wollten nur mal Hallo sagen.“ sagt jemand an der anderen Seite der Leitung. Marten überlegt kurz. „Wie nett. Gerne kommt doch rauf.“ Er wartet bestimmt 2 Minuten bis er es an der Tür klopfen hört. Daraufhin öffnet Marten die Tür und er sieht einen jungen Mann und eine junge Frau vor seiner Wohnungstür stehen. Die blauen Haare der jungen Frau fallen ihn sofort ins Auge. Der junge Mann hält einen Blumentopf mit einer bezaubernden Pflanze drinnen. Die Pflanze lächelt ihn förmlich an.



"Also ich bin Ellie. Hallo, Nachbar!", grüßt die Teenagerin. Ben grinst. Und stellt sich ebenfalls vor. "Und Ben. Okay, Marten, also wir wohnen in der Nähe." Ben lächelt. "Das Haus mit dem Teich auf dem Grundstück. Hast du vielleicht schon gesehen." Er blickt auf die Pflanze in seinen Händen und reicht diese an Marten. "Als kleines Gastgeschenk habe ich etwas mitgebracht. Das hier ist eine Grünlilie. Die hält so einiges aus, braucht kaum Pflege und sorgt nebenbei noch für bessere Luft." Besser, es ist erst mal etwas einfaches. Immerhin kennt Ben Marten nicht. Wer weiß, wie gut er sich mit Pflanzen auskennt.

Ellie sieht sich Marten an. So viele Tattoos. Nicht dass sie damit ein Problem hat. Sie selbst hat ja ebenfalls eines, obwohl sie noch nicht lange 18 ist. Erinnerungen kommen hoch an das Musikfestival, als sie sich das Bild von Toby stechen ließ.

„Ich bin Marten. Hallo ihr zwei.“ Der warme Empfang lässt Martens Laune steigen. Marten nimmt die Pflanze dankend entgegen. „Ich liebe Pflanzen. Vielen lieben Dank. Kommt doch gerne für einen Augenblick rein.“ Ben und Ellie treten über die Türschwelle und nehmen die etwas stickige Luft auf. Die Tür fällt ins Schloss. „Es tut mir sehr leid. Ich bin schon den ganzen Tag am Schreibtisch und hier ist nicht die beste Luft.“ Daraufhin geht Marten zum Fenster und machte es einen Spalt auf, um die frische Luft hinein zu lassen. "Möchtet ihr was trinken oder eine Kleinigkeit essen?"



"Gerne! Apfelsaft, wenn so etwas da ist, ansonsten tut es Wasser auch.
", meldet sich Ellie zu Wort. Auch Ben nickt. "Das, oder grüner Tee. Aber nur, wenn es keine Umstände macht." Er macht es sich auf dem Sofa gemütlich. Und sieht sich neugierig in der Wohnung um. So viele Bücher. Da liest wohl jemand gerne. "Freut mich, dass du Pflanzen magst. Aber Bücher ganz offensichtlich auch."

Währenddessen bemerkt Ellie den PC. Auch vom Sofa aus zeigt sich eindeutig das Standard-Schreibprogramm. Doch etwas genaueres kann sie nicht lesen, nicht aus dieser Entfernung. Es sieht so aus als wäre Marten am Arbeiten gewesen, als sie klingelten. Zumindest am Schreiben. Sie dreht sich wieder um. "Hoffentlich ist unser Kommen nicht ungünstig. Wenn wir stören, kannst du aber einfach ehrlich sein."



„Ellie ihr stört nicht. Ich bin eigentlich ziemlich froh gerade mal was Anderes zu machen außer vor meinen Computerbildschirm zu sitzen “.
Marten stellt ein Glas Apfelsaft und eine Tasse grünen Tee auf den Couchtisch. Die Tasse hat ihm seine Mutter mal geschenkt, als er noch kleiner war. Erinnerungen fliegen durch seinen Kopf. Bens Frage zu den Büchern holt ihn wieder zurück. „Ich liebe Bücher. Ich bin Autor und habe viele von den Büchern selber geschrieben. Hauptsächlich schreibe ich Krimis und Thriller. Gerade bin ich auch dabei ein Buch zu schreiben. Es soll mein bestes Buch werden aber seit ein paar Tagen habe ich keinen einzigen Satz schreiben können. Der Wurm ist irgendwie bei mir drinnen. Ich verbringe viel Zeit am PC aber gerade macht mir das Schreiben nicht so viel Spaß. Ich dachte der Umzug wäre eine tolle Chance um neu anzufangen. Aber Momentan spüre ich davon noch nichts.“ Marten setzt sich mit aufs Sofa neben Ben. Dabei bemerkt er die dreckigen Fingernägel von Ben. „Du arbeitest also gerne mit Pflanzen?“ fragt er. „Entschuldigung ich wollte nicht aufdringlich sein. Ich analysiere nur gerne und mir sind deine etwas dreckigen Finger aufgefallen. Und die Pflanze, die ihr mir geschenkt habt war auch ein Indiz dafür, dass du eventuell gerne mit Pflanzen arbeitest“



"Richtig, ich arbeite als Gärtner."
, erkennt Ben an. Er nimmt einen tiefen Schluck. "Der Tee ist wirklich gut.", lobt er, bevor er zum Thema zurück kommt: "War schon immer mein Traumberuf. Ich mag die Natur, und ich mag es, etwas mit meinen Händen zu machen. Zum Krimi schreiben würde mir die Fantasie fehlen." Er lächelt. "Bald ist auch die Einweihung für Green Fingers... Ich und eine gute Freundin machen uns selbstständig damit. Wir verkaufen unsere selbst angebauten Pflanzen. Das betrifft Nutz- als auch Zierpflanzen. Und sonstiges Gärtnerzubehör, wie auch Samen und so. Vielleicht hast du ja auch Lust zu kommen. Leider nicht hier in San Myshuno. Wir brauchten eher guten Nährboden dafür, den finden wir hier in der Stadt nicht. Aber in Brindleton Bay."

Ellie grinst. "Er hat immer Dreck unter den Fingernägeln!", sagt sie und stößt ihren Bruder liebevoll in die Seite. "Und Bücher schreiben finde ich spannend. Ich selbst male gerne." Einer plötzlichen Idee folgend blickt Ellie nun Marten an: "Also, wenn du jemals ein von mir designtes Cover für deine Bücher brauchst, melde dich ruhig. Dann mache ich dir einen günstigen Preis." Etwas nervös ist sie schon, so etwas vorzuschlagen. "Ich kann natürlich vorher Werke von mir zeigen, wenn du willst. Ob dir der Stil zusagt und so." Überrascht dreht sich Ben zu ihr um. Es freut ihn, wenn er sieht, dass sie an Selbstbewusstsein gewonnen hat.



Marten lehnt sich zurück und nimmt einen Schluck seines inzwischen kalten Kaffees. Er verzieht das Gesicht. "Warum trinke ich den Kram eigentlich immer noch?" Mit einem Seufzen stellt er die Tasse auf den Tisch. Den Gedanken, dass seine Cover gemalt werden findet er eher unrealistisch. Er geht nicht drauf weiter ein in der Hoffnung, dass es einfach vergessen wird. Seine Gedanken kreisen weiter um sein Buch. Seit Tagen starrt er auf ein leeres Dokument, und nichts will sich fügen. Vielleicht ist der Umzug doch keine so gute Idee gewesen. Vielleicht liegt es aber auch nicht am Ort, sondern einfach an ihm.

Er lässt den Blick durch den Raum schweifen und bleibt bei Ben hängen. Der sitzt entspannt da, als würde er sich keine großen Sorgen um die Welt machen. "Sag mal, war das eigentlich immer dein Plan, mit Pflanzen zu arbeiten? Oder bist du da mehr reingerutscht?" Marten reibt sich das Kinn. "Ein eigenes Geschäft aufbauen klingt jedenfalls nicht gerade einfach. Wie lange planst du das denn schon?"

"Mein Vater war gerne in der Natur unterwegs. Er hat mich angesteckt mit seiner Vorliebe
." Ben möchte das negative Thema über dessen Tod jetzt nicht anschneiden. So sehr er es auch versucht, kann er jedoch nicht vermeiden, dass man es seinem Blick für einen Moment anmerkt. Von seinem Traum zu erzählen hilft ihm dabei, wieder entspannter zu werden: "Ich wusste also früh, dass ich etwas mit Pflanzen machen möchte. Die Idee mit der Selbstständigkeit kam allerdings nicht sofort. Da war ich noch in der Ausbildung, die mittlerweile nun abgeschlossen ist."



Ellie nippt an ihrem Saft. Da auf ihr Angebot nicht eingegangen wurde, seufzt sie kurz, lässt sich davon jedoch nicht die Laune verderben. Sie schweigt eine Weile, in Gedanken versunken.

Marten merkt, dass Ben etwas schlucken musste, als er über seinen Vater erzählt hat. Was da wohl vorgefallen ist. Gab es Streit? Lebt er überhaupt noch? Was ist mit der Mutter? Er nimmt die Pflanze, die Ben mitgebracht hat, und dreht den Topf in den Händen. "Grünlilie, oder? Soll ja ziemlich pflegeleicht sein." Er mustert die Blätter und stellt sich vor, wie sie sich in den nächsten Wochen ausbreiten werden. "Vielleicht sollte ich mir ein Beispiel daran nehmen. Einfach wachsen lassen, statt ständig darüber nachzudenken."
Während er die Pflanze auf die Fensterbank stellt, fällt sein Blick auf einen Stapel alter Notizen. Vielleicht sollte er sich nicht so sehr auf das Neue konzentrieren, sondern auf das, was ihn überhaupt erst zum Schreiben gebracht hat. Vielleicht ist die Lösung längst da – er muss nur wieder lernen, sie zu sehen.
Er dreht sich zu Ben und Ellie um. "Danke euch, übrigens. Ich hab echt nicht gedacht, dass ich nach dem Umzug so schnell Besuch bekomme." Er lächelt leicht. "Und dann auch noch welchen, der mir eine Pflanze schenkt und mich daran erinnert, dass nicht alles perfekt sein muss, um gut zu werden."



"Das ist eine gute Einstellung
.", lächelt Ben, "Etwas, dass viele Menschen lernen müssen." Ihm gefällt die Idee, dass die kleine Pflanze Marten zu solchen Worten inspiriert hat. Er scheint die richtige Wahl getroffen zu haben, was sein Gastgeschenk betrifft. Er trinkt seinen Tee leer. Auch Ellie leert ihr Glas. "War schön, dich kennen zu lernen.", verabschieden sich die beiden Geschwister schließlich. Ellie fügt noch hinzu: "Und wenn ich irgendwo mal einen Krimi finde, und als Autor 'Marten Linde' angegeben ist, werde ich mir das Buch sofort kaufen!" An den Nachnamen hat sie sich erinnert, als sie diesen noch an der Sprechanlage der Tür gehört hat. Ein baumiger Nachname.

In Zusammenarbeit mit @Nenon

>>> Ben geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>
>>> Ellie geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>


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26.03.2025 19:23
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Bücherstapler

Eine vergessene Nachricht

Marten sitzt an seinem Schreibtisch und starrt auf die Tastatur. Das Schreibprogramm vor ihm blieb leer, die leeren Linien schienen ihn zu verhöhnen. Seine Gedanken sind träge, zerstreut – als würde er nach Worten greifen, die sich in Luft auflösten kaum, dass er sie berührte.



Er hasste dieses Gefühl.

Die Wohnung war endlich so, wie er sie sich vorgestellt hatte. Das Abschleifen der Dielen, das Überstreichen der Wände. Nun gehörte alles ihm: der große Schreibtisch aus dunklem Holz, das Sofa in der Ecke, die schweren Bücherregale voller Werke, die ihn über die Jahre begleitet hatten.
Und doch … etwas fühlte sich noch nicht ganz richtig an.
Er steht auf und geht ans Fenster und zieht die Vorhänge beiseite. Die Stadt draußen ist lebendig – Autos ziehen in endlosen Strömen durch die Straßen, Menschen laufen aneinander vorbei, Lichter flackern hinter Fenstern und werfen verzerrte Schatten auf die Fassaden.
Hier war er also. In San Myshuno. Sein Neuanfang.
Aber warum fühlt er sich nicht angekommen?
Sein Blick wandert zurück zum Schreibtisch, wo das leere Schreibprogramm auf ihn wartet. Er will schreiben. Er musste schreiben. Doch alles, was er denkt, fühlt sich belanglos an. Es ist, als würde er auf etwas warten.
Seine Finger klopfen unbewusst auf die Tischplatte. Und dann – eine Erinnerung, plötzlich und ungebeten.
Vergilbtes Papier. Eine hastige, unruhige Handschrift. Ein einziger Satz.
Er hält inne.
Woher kam das?

Seine Stirn legt sich in Falten, während er in seiner Erinnerung kramt. Es ist eine Kleinigkeit, beinahe bedeutungslos – und doch hat sie ihn jetzt wieder eingeholt.
Er dreht sich um, sein Blick wandert über den Raum. Das Regal. Das Notizbuch.
Ohne zu zögern greift er danach, blättert hastig durch die Seiten. Seine eigenen Schriftzüge, Gedanken, Skizzen für Geschichten.



Und dann – ganz hinten, zwischen Kritzeleien und halbfertigen Sätzen – ein kleiner, eingeklebter Zettel.
„Erzähl meine Geschichte, bevor sie mich vergessen.“
Ein kalter Schauder läuft ihm über den Rücken.
Er erinnert sich wieder.
Vor einer Woche, als er die Wohnung herrichtete, hatte er eine lose Bodenleiste gefunden. Und dahinter dieses Stück Papier. Es war ein Moment gewesen, der ihn kurz hatte stutzen lassen, doch er hatte es als Zufall abgetan. Vielleicht eine Notiz eines alten Mieters, vielleicht ein Satz aus einer längst vergessenen Geschichte.
Aber jetzt – jetzt lässt es ihn nicht mehr los.
Seine Finger gleiten über die vergilbten Ecken des Zettels. Wer hatte das geschrieben? Warum war es dort versteckt gewesen?
Er schluckt. Vielleicht sollte er es herausfinden.

Seine Finger streichen über das vergilbte Papier. Der Satz war mit zittriger Hand geschrieben, die Tinte an einigen Stellen leicht verschmiert. Jemand hatte das in Eile geschrieben – oder in Angst.
Marten spürt ein leises Ziehen in der Brust.
Wer hatte das geschrieben? Und warum hatte er es versteckt?
Er sinkt zurück auf den Stuhl, dreht den Zettel zwischen den Fingern. Die Worte scheinen ihn anzustarren, als fordern sie etwas von ihm.
Erzähl meine Geschichte. : sagt er leise für sich
Er lehnt sich nach hinten und massierte seine Schläfen. Vielleicht ist es ein dummer Zufall. Vielleicht nichts, das überhaupt eine Bedeutung hat. Aber was, wenn doch?
Er greift nach seinem Laptop. Vielleicht kann er herausfinden, wer vor ihm hier gewohnt hatte.
Die Wohnung ist alt – eine dieser renovierten Altbauten, die einen gewissen Charme versprühte, aber oft mehr Geschichte in sich trug, als man auf den ersten Blick sieht.



Er gibt die Adresse in eine Suchmaschine ein und scrollt durch die ersten Ergebnisse. Meistens sind es Anzeigen, alte Immobilienanzeigen mit verschwommenen Bildern.
Doch dann stößt er auf eine Erwähnung in einem älteren Artikel.
„Vermisstenfall Elena Voss: Junge Frau verschwand spurlos aus ihrer Wohnung in San Myshuno“
Ein leichter Schauer läuft ihm über die Haut.
Er klickt auf den Link.



Das Foto zeigt eine junge Frau mit dunklen Haaren, ernsten Augen und einem blassen Gesicht. Laut dem Artikel war sie vor fünf Jahren aus genau dieser Wohnung verschwunden. Kein Zeichen eines Kampfes, keine Spur von Gewalt. Sie war einfach weg gewesen.
Marten liest den Artikel ein zweites Mal. Dann ein drittes Mal.
Sein Blick fällt zurück auf die Notiz in seinen Händen.
„Erzähl meine Geschichte, bevor sie mich vergessen.“
Er schluckt.
Das kann nicht sein.
Das kann unmöglich sein.

Und doch … fühlt es sich plötzlich nicht mehr so bedeutungslos an.
Draußen, hinter dem Fenster, zucken die Lichter der Stadt. Ein Auto fährt vorbei, seine Scheinwerfer werfen für einen Moment lange Schatten in den Raum.
Er recherchiert weiter und weiter bis er irgendwann auf dem Sofa mit dem Laptop auf dem Schoß einschläft.


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