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Del Sol Valley - Haus Clemens
#1
#2
<<< David kommt von Sulani - Clemens Ferienhütte <<<
<<< Anita kommt von Sulani <<<
>>> Ralph >>> Start
Charaktere: Anita, Ralph, David
Geschichtsstrang: Versprechen
Es ist bereits kurz nach Mittag, als Anita sich mit einer frischen Tasse Tee zu ihrem Mann an den Esstisch setzt. "Was machen wir jetzt? Willst du Anzeige erstatten?"
Müde von der kurzen Nacht streicht Ralph sich den Bart glatt. Wenn er nur wüsste, was er darauf antworten soll. Mit dem Kauf der Ferienhütte in Sulani hatte er sich einen Lebenstraum erfüllt. Unzählige Kinderbücher hatte er dafür illustrieren müssen und hätte es sich doch nicht leisten können, wären nicht Anitas Ersparnisse hinzugekommen. Die Nachricht über den Brand erschüttert ihn noch immer. Er begreift nicht, wie es dazu kommen konnte. David hatte schon früh in der Kindheit Verantwortungsgefühl gezeigt - nur deshalb hatte Ralph ihm die Hütte anvertraut. Und dann stand sein Ältester plötzlich völlig aufgelöst im Wohnzimmer, mitten in der Nacht und sagte nur: "Die Hütte ist abgebrannt."
"Ralph?" Fürsorglich legt Anita eine Hand auf seinen Unterarm.
"Hm? Ich weiß nicht." Seine Hand greift nach ihrer, drückt sie sanft. "Wenn es wirklich seine Ex-Freundin war ..." Nachdenklich unterbricht er seinen Gedanken. Die eigene Ex ans Messer zu liefern, kann er kaum von seinem Sohn verlangen - auch wenn David einen starken Gerechtigkeitssinn hat. "Es müssten Gutachten erstellt und Zeugen befragt werden."
"Das wird die Versicherung sowieso veranlassen.", entgegnet Anita.
"Naja, dann wäre ich wenigstens nicht der hinterhältige Mistkerl, der die Freundin seines Sohnes verrät." Ralph ringt sich ein müdes Lächeln ab.
"Du musst tun, was du tun musst." David steht in der Tür, mit einer Hand am Rahmen angelehnt sieht er auf seine Füße herunter und wirkt ungewohnt niedergeschlagen. "Ich sehe nicht ein, warum sie auch noch geschützt werden sollte.", fügt er leiser an, als würde er zu sich selbst sprechen.
"Komm her und setz dich.", lädt seine Stiefmutter ein. "Möchtest du frühstücken? Ich kann dir ein Omelette machen."
"Ne, danke. Ich hab keinen Appetit." Er setzt sich dazu und schweigt betreten.
"Aber einen Kaffee trinkst du doch?" Anita steht auf, um ihm eine Tasse einzuschenken.
"Ich hab keine Ahnung, wie ich das wieder gut machen soll." Davids Blick richtet sich an seinen Vater.
"Das weiß ich auch nicht.", sagt Ralph ernst.
"Es gibt nichts gut zu machen." Anita stellt die Tasse vor David ab, ihre Hand auf seiner Schulter drückt ihn aufmunternd. "Es ist ja nicht so, dass du das geplant hast. Nehme ich an."
"Ich hätte sie nicht aus den Augen lassen dürfen. Man kann ihr einfach nicht trauen."
"Hör auf damit, David." Anitas Stimme nimmt einen ernsten Ton an. "Es ist geschehen und niemand kann das rückgängig machen. Wir sind dankbar, dass niemand verletzt wurde. Und jetzt sehen wir nach vorn."
Die Männer werfen sich stumme Blicke zu, ehe beide zu ihr herüber sehen. "Sie hat recht.", bekundet Ralph. "Ich werde morgen bei der Versicherung anrufen. Dann sehen wir weiter."
David trinkt vom Kaffee, lässt die Worte auf sich wirken und nickt. "Ich gehe nachher ins Krankenhaus. Ich will sehen, wie es Pascal geht - der mit der Gehirnerschütterung. Vielleicht kann er mir sagen, was genau passiert ist." Vor seinem inneren Auge spielen sich die Ereignisse zum unzähligen Mal ab - wie er mit dem Feuerlöscher versucht, die Flammen einzudämmen, bis Ellies Rufe zu ihm durchdringen. Wie sie den deutlich schwereren Sim versucht, nach draußen zu bringen. Wieso nur hat ihr niemand geholfen? Wie kann es sein, dass Sims so selbstsüchtig sind, dass sie einander nicht einmal in höchster Not helfen? Sie war die Einzige, die Courage bewies. Hat David ihr gedankt? Er erinnert sich daran, dass sie zusammen da standen und den Einsatzkräften zusahen. Keiner von ihnen hatte ein Wort gesprochen, bis er ihr anbot, sie nach Hause zu fahren. Einen Krankenhausaufenthalt hatten die Sanitäter nicht für nötig befunden, dennoch wäre es David lieber gewesen, sie wäre auf eine Rauchvergiftung untersucht worden. Scheinbar konnte sie dem Schlimmsten entgehen. Das Tuch, das er ihr gegeben hatte, hat ihn schon vor manchem Schaden auf diversen Aktionen geschützt. Das Ding ist ein verdammter Glücksbringer. 
"Aber dann solltest du dich ausruhen." Anita wendet sich ihrem Ältesten zu und reißt ihn aus den Gedanken. Zwar ist er nicht ihr leiblicher Sohn, dennoch hat sie ihn mit aufgezogen und liebt ihn wie ihre eigenen Kinder. Seine Stärke und Reife haben sie schon oft beeindruckt, so dass sie manchmal beinahe vergisst, dass er noch immer ein Teenager ist. Es kommt nicht oft vor, dass sie ihn aufgewühlt oder ratlos erlebt. "Versprich mir, dass du dir etwas Gutes tun wirst. Du musst dich jetzt um dich kümmern. Verstehst du das?"
"Ja." Davids Stimme klingt trotzig.
"Das reicht mir nicht. Versprich es mir."
Er atmet klangvoll aus. "Schon gut, ich verspreche es. Ich werde mir Ruhe gönnen. Okay?"
Skeptisch versucht Anita seine Konturen zu erfassen. Durch ihre Sehbehinderung kann sie seinen Gesichtsausdruck nicht klar erkennen, aber sie hört die Sturheit in seiner Stimme. "Wehe dir, du hältst dich nicht daran. Ich überprüfe das."
Ihre Drohung treibt dem Teenager ein Schmunzeln auf die Lippen. "Ich weiß.", nickt er. Er kennt sie gut genug, um zu wissen, dass sie es ernst meint. "Ich verspreche es.", wiederholt er, dieses Mal wohlwollend. Irgendetwas wird ihm schon einfallen, um sich von den Ereignissen abzulenken.
>>> David geht nach Britechester Nr. 11 (A) - Neue Wohnung von Jenna und Delaila >>>
>>> Anita geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>
>>> Ralph geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>
#3
<<< David kommt von Oasis Springs (2) <<<
<<< Anita und Ralph kommen von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers <<<
Charaktere: David, Anita, Ralph
Geschichtsstrang: Interessant
Ein letztes Mal tritt David in die Pedale, ehe er das Tempo auslaufen lässt. Vor dem Haus seines Vaters springt er vom Rad. Der alte Heckingen steht am Nachbargrundstück vor den Büschen, eine elektrische Schere in beiden Händen, und arbeitet sich durch das Grün, als hätten die Pflanzen ihm irgendwann einmal persönlich Unrecht getan.
"Guten Morgen, David", grüßt er freundlich. Die Schere verstummt.
"Morgen, Herr Heckingen." David betrachtet den sauber gestutzten Teil der Hecke, dann den noch unangetasteten Rest. "Großes vor heute, was?"
"Muss ja mal ordentlich werden."
"Die linke Seite sieht schon eingeschüchtert aus." Davids Brauen heben sich kühl. "Mit bisschen Glück vertreiben Sie die letzten Insekten."
Der Alte lacht, hebt die Schere zum Gruß und lässt den Motor wieder aufheulen.
David schiebt sein Fahrrad auf den Hof, lehnt es bedacht an die Außenlampe und nimmt das sorgfältig in eine Decke eingeschlagene Bild vom Gepäckträger. An der Haustür angekommen, klingelt er, mehr aus Höflichkeit als aus der Erwartung, man müsse ihm öffnen. Der glockenähnliche Ton ist noch nicht ganz verhallt, als er die Klinke herunterdrückt und sich ins Innere schiebt.
"Hallooo. Ich bin's. Jemand zu Hause?"
Kurz lauscht er, doch es kommt keine Antwort. Aus einem der hinteren Zimmer schwappt ihm undeutliches Kindergebrabbel entgegen. Darauf folgt ein empörtes Quieken, das beinahe sofort in Gelächter umschlägt.
Ein stummes Schmunzeln legt sich über Davids Züge, als er das schmale Wohnzimmer durchquert und auf halber Strecke ein leises Summen aus der Küche vernimmt. Er erkennt die Melodie nicht, wohl aber die Stimme. Anita singt selten richtige Texte. Meist nimmt sie drei oder vier Töne, die ihr gefallen, und formt so lange an ihnen herum, bis ein neues Lied daraus geworden ist.
Sie steht an der Arbeitsplatte und verteilt Apfelschorle auf zwei kleine Trinkflaschen. Hinter ihr auf dem Tisch steht ein Korb mit nasser Wäsche. Künstlich blumiger Duft steigt daraus empor.
"David", sagt sie, ohne sich umzudrehen. "Ich hatte keine Ahnung, dass du vorbeikommen wolltest."
"War eine spontane Entscheidung."
Anita dreht die Verschlüsse auf die Flaschen und wendet sich nun dem Stiefsohn zu. Ihr Blick bleibt etwas neben seiner Schulter hängen, doch ihr Lächeln wirkt warm und freudig. Sie hebt beide Arme und winkt ihn mit einer auffordernden Bewegung heran.
"Komm her, Großer."
David stellt das Bild gegen die Wand und tritt in ihre Umarmung.
Anita schließt die Arme fest um ihn. Für einen kurzen Moment liegt ihre Hand an seinem Hinterkopf, als wolle sie prüfen, ob er noch vollständig ist. Ihre Fingerspitzen fahren über seinen Nacken und die Linie seines Kiefers.
"Deine Haare sind länger", stellt sie fest.
"Das ist eine gemeine Unterstellung." Er verkneift sich das Grinsen.
"Und du brauchst ein anderes Aftershave. Deine Haut ist trocken."
"Jetzt wirst du persönlich."
Anita tastet über seine Schultern bis hin zu den Oberarmen.
"Isst du genug?" Mütterliche Aufmerksamkeit schwingt in ihrer Stimme mit. "Du bist dünner."
"Das sagst du jedes Mal."
"Weil du jedes Mal dünner bist. Du solltest doch auf dich achten. Gesund essen, regelmäßig schlafen und viel trinken."
"Wann soll ich das alles schaffen bei all den Parties und Drogenexzessen?" Er macht einen Schritt an ihr vorbei und stibitzt ein Stück Apfel aus der Schale auf der Arbeitsplatte.
"Mir geht's ausgezeichnet, Nitschi."
Anita lächelt sanft. Er klingt wirklich gelöst, beinahe beschwingt.
"Bleibst du zum Essen?", fragt sie, als sie nach den Flaschen greift. "Oder genügt dir das geklaute Obst?"
"Ich hab nicht so viel Zeit", erklärt er. "Ich muss noch zur Buchhandlung. Ich wollte Papa nur kurz sprechen."
"Immer in Bewegung", säuselt sie, schon auf dem Weg zum Kinderzimmer. "Er ist oben im Atelier."
"Okay, danke." David schnappt sich das Bild und geht mit großen Schritten nach oben. 
Die Tür zum Atelier ist angelehnt. Zweimal klopft er gegen das Holz, dann öffnet er vorsichtig die Tür. "Hey, Papa."
Sein Vater sitzt mit dem Rücken zu ihm gewandt an seinem Zeichentisch. Vor ihm liegt die Skizze eines Hasen in einer viel zu großen Regenjacke. Umringt von Büchern, Papierbögen und unterschiedlichen Behältern mit Stiften und Pinseln scheint er beinahe in seiner Arbeit zu verschwinden.
Ralph dreht sich auf dem Stuhl herum, und sein Gesicht geht in einem breiten Lächeln auf, als er seinen Sohn erblickt. "David."
Ohne Zögern steht er auf und drückt den Überraschungsbesuch herzlich an sich. "Wie geht es dir, mein Junge?"
"Alles gut", nickt David und deutet auf die Zeichnung.
"Woran arbeitest du?"
"Das?" Ralph folgt seinem Blick, schwenkt dann zu einem kleinen Stapel mit fertigen Illustrationen um und berichtet von dem umfangreichen Auftrag eines bedeutenden Verlags.
"Die bringen eine Kinderbuchreihe heraus und wollen zu jedem Band fünfzehn Zeichnungen. Ich hänge etwas hinterher im Zeitplan, aber das klappt schon." Einen gewissen Stolz über das Zutrauen des Auftraggebers kann er nicht verbergen. "Aber deswegen bist du nicht hier. Ich kenne diesen Blick." Sein Zeigefinger hebt sich zwischen sie. "Was gibt es Wichtiges?"
"Du hast mich erwischt." David stellt das Bild auf die freie Staffelei neben dem Fenster und schlägt die Decke zurück.
Ralph tritt näher, legt den Kopf ein wenig schief und schweigt.
David kennt diesen Ausdruck. Er weiß, dass sein Vater beginnt, das Werk zu zerlegen.
"Interessant."
"Gut oder höflich interessant?"
"Sei still."
David hebt beide Hände und lehnt sich gegen den Zeichentisch.
"Der Stilbruch zwischen dem Pfau und der Landschaft ist ungewöhnlich markant." Ralphs Zeigefinger tippt an seine Oberlippe. "Das Tier ist viel stärker stilisiert, allein durch die Arbeit mit einem Edding. Das ist schonungslos. Ein Edding verzeiht keine Fehler. Es wirkt beinahe ornamental im Gegensatz zu der weicheren und natürlicheren Umgebung."
Er beugt sich etwas vor.
"Es funktioniert aber. Der Pfau wirkt dadurch fremd in seiner Umgebung, ohne fehl am Platz zu sein." Sein Finger schwebt über der Leinwand, ohne sie zu berühren. "Die Farben sind harmonisch. Für meinen Geschmack könnte der Pfau ein wenig mehr Feinheiten im Gefieder vertragen. Nur ein paar klare Akzente, damit er sich stärker gegen die Landschaft behauptet."
David nickt aufmerksam.
"Die Linien sind klar und sauber", fährt Ralph fort. "Auch da, wo sie leicht wirken sollen. Die Strichführung ist kontrolliert, ohne steif zu werden. Und sieh dir die Lichtpunkte im Hintergrund an. Die sind nicht gedankenlos verteilt worden. Da hat sich jemand überlegt, wohin der Blick geführt werden soll." Er richtet sich nickend auf. "Ein wirklich gutes Bild."
David lächelt zufrieden. "Finde ich auch."
"Von wem ist es?"
"Ellie."
Ralph schaut ihn erwartungsvoll an.
"Eine Freundin. Und Kollegin aus der Station. Es ist für Abs. Eigentlich für Antonia."
Ralph hebt belustigt die Brauen. "So viele neue Frauennamen? Was treibst du?"
David lacht. "Es ist etwas verzwickt, aber total unschuldig."
"Das ist es doch immer bei dir." Ralph verschränkt die Arme vor der Brust.
"Also, Ellie hat das Bild gemalt", beginnt David zu erklären. "Zuerst nur die Landschaft. Dann hat Abs es gekauft und es um den Pfau erweitern lassen. Ein Geschenk für Antonia. Das ist ihre Mutter. Aber die ist eine ziemliche Kröte und hat es nicht verdient. Und darum hab ich es wieder mitgenommen."
"Das hast du entschieden?"
David zieht seufzend die Schultern an.
"Abs war aufgewühlt, Antonia ein sozialer Fiebertraum und ich fand, Ellies Arbeit hat mehr verdient, als auf dem Müll zu landen. Also, ja, ich hab das entschieden."
Ein kurzes Lächeln zieht über seine Lippen, als er an vorgestern denkt. Trotz der emotionalen Katastrophe auf der Feier nahm der Abend doch noch ein schönes Ende. Nach dem Ausflug in den Dinopark war Abeena auf Getränke und Gespräche mit zu ihm gekommen und schließlich auf der Couch eingeschlafen. 
Ralph betrachtet seinen Sohn und wendet sich kommentarlos wieder dem Bild zu.
David stößt sich vom Tisch ab.
"Ich hab mich gefragt, ob man damit etwas anfangen kann."
"Man kann es aufhängen."
"Beruflich."
Ralph blickt über die Schulter.
"Ellie möchte gern in diese Richtung", erklärt David. "Sie will zeichnen, gestalten, illustrieren. Irgendetwas, bei dem sie nicht nur für sich selbst malt und darauf hofft, dass irgendwann zufällig jemand darüber stolpert."
"Hat sie eine Mappe?"
"Vermutlich."
"Du weißt es nicht."
David zuckt mit den Schultern. "Sie hat sich an der Uni eingeschrieben."
Ralph streicht sich über den Bart.
"Das Bild ist gut." David tritt neben ihn. "Du sagst selbst, dass es gut ist. Also dachte ich, vielleicht taugt es als Referenz. Nicht gleich für den großen Durchbruch, schon klar." Er deutet mit der flachen Hand auf die Leinwand. "Aber für ein Praktikum. Einen kleinen Auftrag. Ein Nebenjob. Irgendetwas, womit sie Erfahrung sammeln und zeigen kann, was sie drauf hat."
"Du glaubst an sie."
"Sonst würden wir nicht darüber sprechen."
Ralph sieht ihn an, als würde er sein Inneres studieren. "Weiß Ellie davon?"
"Nein."
Ralphs Brauen heben sich.
"Sie soll sich zu nichts verpflichtet fühlen", fügt David sofort hinzu. "Ich will ihr nicht ungefragt irgendeinen Lebensplan vor die Füße werfen. Aber falls sich eine Tür finden lässt, könnte ich ihr sagen, wo sie steht. Was sie daraus macht, muss sie selbst entscheiden." 
Sein Vater sieht ihn einige Sekunden lang an. Dann klopft er ihm mit der flachen Hand auf die Schulter und wendet sich erneut zur Leinwand.
"Drei Leute fallen mir spontan ein."
Davids Blick erhellt sich.
"Maren Vollmer betreut die Gestaltung einer kleinen Kinderbuchreihe. Sie sucht immer wieder jemanden für Hintergründe, Tiere und einzelne Innenillustrationen. Meistens sind es kleinere Aufträge, aber sie bezahlt zuverlässig." Er deutet auf die Landschaft hinter dem Pfau. "Das hier könnte sie interessieren."
Ralph geht zum Zeichentisch, schiebt einige Papiere beiseite und greift nach einem Notizblock.
"Dann Henrik Albers. Er führt ein kleines Grafikatelier und nimmt gelegentlich Praktikanten. Die Arbeit ist nicht besonders glamourös. Viel Reinzeichnung, Scannen, Farben korrigieren, Dateien vorbereiten. Dafür lernt man dort etwas Echtes über diese Arbeit."
"Klingt brauchbar", nickt David.
"Und Nora Feldkamp. Sie organisiert Kunstkurse und Ferienprojekte für Kinder. Dafür braucht sie regelmäßig Unterstützung bei Vorlagen, Kulissen und Material. Das wäre kein klassischer Einstieg in die Illustration, aber ein bezahlter Anfang."
Ralph schreibt die drei Namen untereinander.
"Das ist großartig, Papa." Davids Augen leuchten aufgeregt.
"Ich sage nichts davon zu", bremst Ralph seinen Sohn. "Ich höre mich um. Unverbindlich. Ich frage, ob grundsätzlich Interesse besteht und was sie sehen müssten. Eine Mappe, Skizzen, weitere Arbeiten, vielleicht ein kurzes Gespräch."
"Und wenn jemand Ja sagt?"
"Dann reden wir zuerst mit Ellie."
David nickt mit einem breiten Lächeln. "Klasse. Genau so."
"Sie muss selbst entscheiden, was sie zeigen möchte." Ernst hält Ralph den Blick. "Und ob überhaupt."
David will ansetzen, um etwas zu entgegnen, wird aber von seinem Vater unterbrochen.
"Ich kenne dich."
"Ich will ihr helfen, keinen Verlag übernehmen."
"Das eine kann bei dir schnell zum anderen führen."
David beißt sich auf die Zunge. Das Augenrollen lässt sich nur mit Mühe unterdrücken. 
"Ich mache ein vernünftiges Foto und frage herum", beschließt Ralph. "Danach bekommst du es zurück."
David blickt zur Leinwand, dann zu seinem Vater. "Pass gut darauf auf."
Ralph sieht ihn an, als hätte David ihm gerade aufgetragen, beim Verlassen des Hauses die Schwerkraft zu beachten.
"Natürlich."
"Danke, Papa." David drückt den Arm seines Vaters.
"Deine Freunde sind meine Freunde. Das weißt du doch."
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