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Ravenwood
<<< Viktor kommt von Forgotten Hollow Nr. 4 - Villa Blutrose (22) <<<
<<< Lilly kommt von Windenburg Nr. 1 - Friedhof Windenburg <<<
<<< Gary kommt von Del Sol Valley Nr. 1 - The Black 'n' Red Theater <<<
Charaktere: Viktor, Lilly, Gary
Geschichtsstrang: Schritte über die Schwelle
Tag 1
Lilly streicht mit den Fingern über die alten Möbel. Das Hotel – ein umgebautes Herrenhaus – ist ganz im alten Stil der Gegend gehalten. Mit antiken Möbeln und einem gewissen altertümlichen Charme. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass das wirklich passiert ist.“, erzählt sie schmunzelnd, „Ein spontaner Urlaub. Wer bist du, und was hast du mit Viktor gemacht?“
Der kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Vielleicht habe ich ja auch einfach nur so getan, als sei es spontan. Und in Wirklichkeit habe ich alles fünf mal durchgeplant und bis ins kleinste Detail berechnet.“ Lilly fällt in ein helles Lachen. „Ja, das sähe einem Mastermind wie dir ähnlich. Da bin ich aber beruhigt.“ Viktors Lächeln wird breiter: „Oder aber, der alte Herr schafft es immer noch, dich zu überraschen.“ Lilly lässt die Möbel los, kommt näher und streicht Viktor über die Wange. „Damit hast du wirklich ins Schwarze getroffen. Gerne wieder.“ Sie schenkt ihm ihr fröhlichstes Lächeln.
Viktor versucht gar nicht erst seine Freude darüber zu verstecken, dass Lilly die Überraschung als positiv ansieht. „Und Gary? Bist du genauso geschockt?“, fragt er grinsend, während er seinen Koffer weiter ausräumt.

"Geschockt?" Amüsiert sieht Gary den Vampir an. "Nein, das kann man so nicht sagen. Ich bin Team: du bist immer für eine Überraschung gut." Vor ein paar Tagen hat ihn Viktor spontan eingeladen, mit auf einen Kurztrip nach Ravenwood zu kommen. Normalerweise hätte er aus finanziellen Gründen abgelehnt, aber Vik meinte es täte ihnen allen gut und er solle es gewissermaßen als Anerkennung für seinen Anteil an Lillys Bühnenkarriere mit Kommissar Berger, sehen. Sie einigten sich darauf, dass Viktor die Kosten für Garys Einzelzimmer übernimmt, was sich schon seltsam genug anfühlt, aber die laufenden Kosten von Gary selbst getragen werden. Der Plan ist eigentlich, die Gage irgendwie für seine Kinder zu verwenden, aber Garys Überlegungen dazu sind noch nicht abschließend beendet. Jetzt residiert er hier in einem alten Herrenhaus mit schöner Aussicht auf die kleine Stadt und fühlt sich dezent fehl am Platz. Allzu ungewohnt sind solch gepflegte vier Wände mittlerweile für ihn. Ab und zu streift ihn ein Engegefühl, das ihn jetzt gerade motiviert, das Fenster zu öffnen.
"Ich sitze auch hier mit Lilly in einem Boot.", fügt er schmunzelnd an und atmet tief die frische Luft ein, die ihm entgegen schlägt. "Was meint ihr? Wollen wir gleich los, uns ein bisschen umschauen im Örtchen?"
Sein Blick schweift über die Häuser und bleibt an einem größeren Gebäude mit spitzem Türmchen hängen. "Vielleicht schauen wir mal ins Rathaus. Die haben bestimmt Veranstaltungskalender oder ähnliches."

„Pff... Erzähl' mir nichts von Booten! Reicht schon, wenn wir eines flicken müssen.“ Viktor schiebt den leeren Koffer nun unter das Bett, „Aber ja, gehen wir!“ Er hakt sich bei Lilly unter, klopft Gary beim Verlassen des Zimmers noch einmal auf die Schulter und geht schnellen Schrittes weiter. Erst unten in der Lobby bleibt er stehen. Für einen Moment kommt die Unsicherheit zurück. Wenn er das Hotel jetzt verlässt.. ist es wirklich Urlaub.. Lilly merkt sein Zögern, streicht ihm schweigend über seine Hand, ohne, dass die Szene viel Aufmerksamkeit bei anderen Gästen erregt. Sie spürt, wie er tief einatmet und dann schließlich seinen Schritt nach draußen setzt. Lächelnd blickt sie zu ihm auf. Er ist ein Kämpfer. Ein verdammt mutiger Kämpfer.
Kaum sind die ersten Schritte in das Örtchen getan, merkt man ihm auch gar nichts mehr an. „Ah, Krähenhort.“ Er streckt sich, lässt seinen Blick schweifen. „Lange ist's her, dass ich hier zuletzt war. Wenn ich in Ravenwood war, dann normalerweise im Institut, wo ich gearbeitet habe, und eher selten in diesem Viertel hier. Dabei hat es viel zu bieten. Es ist der einzige Ort, den ich kenne, der von einer Ziege gegründet wurde.“ Schmunzelnd führt er seine Begleiter zu einer Statue, die tatsächlich eine Ziege zeigt. „Das ist Zottel.“, verkündet er stolz, „Die Gründungsmutter. Sie war es, die den verirrten Nomaden fruchtbares Land gezeigt hat, nachdem diese von der berühmten Kartenleserin Madame Gundelinde Grusel in die Irre geführt wurden.“ Er zwinkert. „So sagt es zumindest die Legende!“

"Ach? Gundeline wäre allerdings auch ein passender Name für eine Ziege, finde ich." Gary studiert interessiert die Hinweistafel an der Statue und schmunzelt über die Geschichte. "Na sieh mal einer an." Im weiter gehen erreichen sie einen gemauerten Springbrunnen. "Gundeline hat wohl eifrig für Nachwuchs und Expansion gesorgt." Er weist auf die Ziegenfiguren, die rund um das Innere des Brunnens verteilt sind und zur Wasserfontäne hoch blicken, als wäre es der heilige Gral.

Sie schlendern weiter, bis sie das imposante Rathausgebäude erreichen. "Lassen wir uns mal ganz klassisch am Touristenschalter beraten.", sagt Gary und drückt die schwere Holztüre mit Eisenbeschlägen unternehmungslustig auf. Kurz darauf erklärt ihnen die Angestellte im Touristoffice, wie sie bequem die Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung erreichen können und lächelt dann verschmitzt. "Als hätten Sie' s erraten.." Sie fächert ein paar Flugblätter in der Hand auf und wartet, bis jeder eins genommen hat. "..haben Sie das große Glück, morgen ein Festival in Whispering Glen miterleben zu können." Sie strahlt und schlägt einen bedeutungsschwangeren Ton an. "Sims von überall her pilgern auf das Gelände, um das berühmte, mystische und .." Sie zwinkert verschwörerisch. "..freizügige Fest zu Ehren des Mondes zusammen zu zelebrieren."
Verdutzt nimmt Viktor das Flugblatt von der Angestellten entgegen. Er dreht sich zu Gary, sieht, dass er durchaus interessiert wirkt. „Und da willst du hin?“ Seine Lippen zucken. Man sieht ihm an, dass er nicht gerade begeistert ist. „Kenne das Festival. Von damals.“ Vor seinem inneren Auge sieht er die nackten, tanzenden Gestalten... Er atmet tief ein. „Ist denn wirklich schon wieder Vollmond morgen?“ Lilly betrachtet das Flyer. Ein Lagerfeuer in der Nacht. Rund herum tanzende und singende Sims – einige sogar im Wasser. Sie ist sofort Feuer und Flamme: „Ich spüre die Musik schon allein durch das Bild!“, grinst sie, „Ich wäre so was von dabei!“ Sie sieht zu ihrem Gefährten. „Aber ich glaube nicht, dass ER begeistert ist...“
Viktor will absagen, alles sträubt sich gegen ein freizügiges Festival. Aber sollte er es für Lilly tun? Auch eine andere Stimme meldet sich bei ihm: „Ist es für dich nicht auch eine Herausforderung? Ein Zeichen, dass dich die Depression nicht mehr steuert, wenn du dich bewusst aus deiner Komfortzone wagst?“
Er seufzt, dreht sich um zu Lilly. „Na gut, du Hippie. Aber dafür hörst du dir auch meine historischen Vorträge an!“ Er lacht auf, um seine Unsicherheit zu verstecken. „Whispering Glen ist etwas abseits, aber es ist eine geschichtsträchtige Gegend. Mit alten Ruinen, weiten Landschaften... und einem Festival, das Gary und Lilly unbedingt gesehen haben müssen!“ Er umfasst nervös sein Handgelenk. Gut, dass die Freizügigkeit optional ist und ihn keiner zwingen kann, sich ebenfalls auszuziehen.
Der Vampir sagt nichts weiter zu dem Thema: „Aber das ist ja auch erst morgen. Für heute würde ich vorschlagen, bleiben wir in Krähenhort und schauen uns die alten Häuser an, gehen vielleicht in ein Café...“ Schon bald ist das Festival aus seinen Gedanken verdrängt und der Rest der Nacht verläuft in eher ruhigeren Bahnen.
Fortsetzung folgt...
In Zusammenarbeit mit @simscat2
Tag 2
Lange bevor die ersten Sims ins Blickfeld geraten, ist die Musik schon von weitem zu hören: Trommeln, Flöten, auch mittelalterliche Lauten und Gesang. Lilly wirft einen verstohlenen Blick auf Viktor. Sie freut sich auf das Festival, ihr Herz hüpft bei den Bildern von tanzenden Lichtern und singenden Menschen. Und doch drängt sich ein unangenehmes Ziehen in ihrer Brust. Ist es fair, Viktor da mit reinzuziehen? Hätte sie deutlicher machen sollen, dass sie auch eine Alternative zum Festival akzeptiert hätte? Er wirkt nach außen stoisch, wie immer. Aber sie kennt ihn. Und die Maske, die er trägt.
Er sagt nichts, scheint in Gedanken versunken zu sein. Aber andererseits... er hat doch selbst entschieden, dass er bereit ist, oder? Tat er das nur wegen ihrer Euphorie? Oder steckt da mehr Strategie dahinter als das? Endlich bemerkt er ihren Blick, und lächelt leicht. Sie nickt ihm zu, lässt ihre Sorgen unausgesprochen. Am liebsten hätte sie ihm versichert: „Wenn es dir zu viel wird, sag Bescheid.“ Doch sie schweigt. Manchmal bedeutet Fürsorge eben auch, loszulassen, so schwer es ihr auch fällt. Seine Autonomie ist ihm wichtig. Das sollte sie akzeptieren. Nun ist so langsam auch der Feuerschein in der Ferne wahrzunehmen. „Dann mal los!“, ruft Lilly aus.

Der Nachthimmel färbt sich langsam schwarz und die Sterne blitzen mittlerweile schon durch die dichten Kronen der Laubbäume, unter denen sie gerade her gehen. Gary hat keine feste Vorstellung davon, was ihn auf dem Festival erwartet. Innerlich befindet er sich in einem leichten Zwiespalt. In den gemeinsamen Jahren mit Sarah, haben sie ihre Urlaube in teuren Ressorts verbracht. Große Poolanlagen, exotische Cocktails an der Bar, Wellnessprogramm rund um die Uhr, falls gewünscht. Einfach alles, was das Herz sich an Luxus ausmalen kann. Im Winter Skiurlaube oder ab in die Karibik. Im Sommer Segeltörns und Wasserski fahren im Mittelmeer. Das liegt hinter ihm und nichts zieht ihn in diese Scheinwelt zurück. Dieser Kurztrip nach Ravenwood und das angepeilte Mondfestival hier ist Neuland. Plötzlich lichtet sich der Wald und melodische Gesänge dringen zu ihnen durch. Die Begleitinstrumente zaubern ihm ein Lächeln ins Gesicht. Fröhlich, rhythmisch und zum tanzen anregend. Unwillkürlich beschleunigt Gary sein Tempo, bis sie das Wäldchen verlassen und er mit einem verblüfften Laut stehen bleibt. „Ja, sag mal...was..?“ Vor ihnen liegt der mit Girlanden und Lichterketten geschmückte Festplatz auf einer großen Wiese. In der Mitte wird gerade ein großes Lagerfeuer entzündet und überall sieht man schon begeisterte Sims allein oder in Grüppchen tanzen. Ein munter plätschernder, kleiner Fluss glitzert im Hintergrund im Mondlicht. Wie ein überdimensionaler Wächter thront über allem ein riesiges Gesicht, das in eine, das Gelände überragende, Felswand gehauen wurde. Verwundert dreht sich Gary zu den beiden Vampiren. „Das ist gewaltig! Die Person muss eine große Bedeutung für die Region haben.“ Er sieht Viktor an. „Weißt du wer da verewigt wurde?“

So laut, so grell... Viktor hält sich die Hand vor die Augen. Die Klänge dröhnen in seinen Ohren, die Lichter blenden. Zu viele Reize stürmen gleichzeitig auf ihn ein. Garys Frage zieht an ihm vorbei, erreicht ihn nicht. Er starrt nur ins Leere.
Lilly spürt, wie sich ein ungutes Gefühl in ihr breit macht. Verdammt. Sie hätten hier nie herkommen dürfen. Sie umfasst Viktors Arm. „Wer ist das auf dem Felsen?“, wiederholt sie Garys Frage, zeigt auf das Gesicht, „Weißt du das, Viktor?“ Ihre Stimme ist laut, übertönt den Lärm. Das und ihre Berührung holt ihn zurück. Er fasst sich an die Stirn, sagt sich in Gedanken sein Mantra auf: „Fokus, Viktor! Fokus!“ Seine Starre ist ihm peinlich. Aber er fasst sich wieder. „Das ist der Ahnenfelsen.“, erklärt er. Während Viktor erzählt, fokussiert er sich auf Lillys Gesicht, ihr Lächeln. „Der Name ist nicht überliefert. Genausowenig wer ihn in den Felsen geschlagen hat. Aber es heißt, es ist ein lang verstorbener Herrscher.“ Das Thema gibt ihm etwas Ruhe, etwas Routine. „Und...“ Nun zwinkert er sogar schelmisch, „es heißt, an Vollmondtagen weint der Felsen. Ein Zeichen, dass die Verbindung zwischen Leben- und Totenreich dann besonders dünn ist.“

Die tanzenden Sims werden mehr. Verblüfft beobachtet Gary, wie einige von ihnen beginnen sich ihrer Kleider zu entledigen. Was wird das hier? Sein Blick schweift wieder zu dem monumentalen Felsenkunstwerk. "Seht mal...es stimmt." Aus einem der jetzt geschlossenen Augen Wie ist das möglich?! quillt wie auf Kommando ein gigantischer Wassertropfen, bahnt sich den Weg durch steinige Furchen und Ritzen, rinnt tänzelnd über das kantige Kinn und landet schließlich mitten im Fluß. Der Vollmond schiebt sich hinter dem Berg heraus und wirft sein fahles Licht auf Festplatz und Wasser. In diesem Moment eskaliert die Stimmung. Die Musik wird lauter, die Gesänge schwellen an und immer mehr Sims beginnen sich zu entkleiden, fassen sich an den Händen und tanzend ausgelassen um das hoch lodernde Feuer oder Richtung Fluss. Ehe Gary richtig verarbeiten kann, was passiert, kommt eine junge Frau auf sie zugehüpft. Sie trägt ein weites, buntes Gewand, das wie ein luftiger Vorhang hinter ihr her weht und ihre nackten Füße tänzeln beinahe schwerelos durch das Gras. "Es ist soweit!", ruft sie im näher kommen und streckt ihre Arme aus. "Kommt mit! Unser Beschützer spendet die segnenden Tränen!" Sie ergreift Garys Hand und streckt den anderen Arm Richtung Lilly und Viktor aus. "Lasst ihn uns mit dem Wassertanz danken."

Wassertanz? Ohne einen klaren Gedanken fassen zu können, festigt Gary ihren Griff, in dem er ihre Hand umschließt und zum Fluss blickt. Um die Stelle, an der sich die Träne und das Wasser vereinen, hat sich ein ausgelassener Kreis von Sims gebildet, die singend und jauchzend dem Ereignis huldigen.
Lilly weiß nicht, wo sie zuerst hinschauen soll. Der Lärm nimmt an Fahrt an. Jubel bricht aus. Sie blickt zu Viktor, erkennt seine Überforderung. Er versucht sich nichts anmerken zu lassen, schenkt ihr sogar ein leichtes Lächeln. Doch ihr entgeht nicht, dass seine Hände zittern. Er scheint mit dem Gedanken zu ringen, sich die Ohren zuzuhalten. „Ich bin bei dir! Konzentriere dich auf mich!“ Er nickt, greift nach ihrer Hand und lässt sich von Lilly sogar weiter zum Fluss ziehen.
Die Lauten beginnen eine liebliche Melodie, die bald von Trommeln, Flöten und lautem Gesang unterstützt wird. Die Tänzer bewegen sich mit rhythmischen Bewegungen vorwärts, laufen tanzend mitten in den Fluss, bis das Wasser ihnen bis zu den Knien reicht. Sie drehen sich um sich selbst, heben die Arme, mit Jubelschreien untermalt, und tanzen wieder ans Ufer. Einige haben Blüten dabei, die sie ins Wasser segeln lassen, bis sie erneut die Tanzschritte in den Fluss lenken. Die ganze Prozedur wiederholt sich. Wieder und Wieder. Lillys Füße wippen im Takt der Musik. Sie blickt zu Gary, der mitten im Wasser steht und Spaß zu haben scheint. Am liebsten hätte auch sie mitgemacht. Aber das hieße, Viktor alleine zu lassen. Und so bleibt sie mit ihm am Ufer.
„Sie gehen hinein, drehen sich… und kehren zurück,“ murmelt er leise, fast mehr zu sich selbst als zu Lilly. „Erinnert mich ein wenig an das Bild des Gjöll. Der Grenzfluss zwischen Leben und Tod. Jeder Schritt ins Wasser ist ein Schritt auf die Schwelle. Jeder Tanz hinaus… eine Rückkehr ins Reich der Lebenden.“
Verwundert dreht sich Lilly zu ihm um. Sie bemerkt, dass sein Blick nicht auf sie gerichtet ist, sondern auf das Ritual. Ein Lächeln bildet sich bei ihr. Seine Neugier scheint die Angst ein wenig gedämpft zu haben. Er schweigt kurz, verfolgt mit ernster Miene die rhythmischen Bewegungen „Vielleicht… laden sie so die Ahnen ein, für einen Moment mitzutanzen.“
„Und du?“, fragt sie lächelnd, „Willst du nicht vielleicht auch mittanzen?“ Viktor sieht sie an, als hätte sie einen Scherz gemacht. Doch in seinen Augen flackert Unsicherheit, kein Spott. „Ich… weiß nicht, ob das klug wäre.“ Er macht einem Atemzug Pause. „Vielleicht später. Wenn du mir vormachst, wie es geht.“ Sie nickt, streift sich ihre Schuhe ab und begibt sich zu Gary ins Wasser. „Dann zeigen wir unserem Historiker mal, wie das geht!“, grinst sie.

Die Vollmond Nixe umtanzt Gary strahlend, während er wie unter dem Einfluss einer fremden Kraft, hastig seine Kleider abstreift. Er schickt einen prüfenden Blick zur bleichen Scheibe am Nachthimmel, schlüpft aus der letzten schützenden Textilhülle und stürzt sich mit ihr in das kalte Flusswasser. Alle Gedanken sind ausgeknipst. Wie selbstverständlich reihen sie sich in den Kreis der Tanzenden ein und lassen sich von der Musik tragen. Noch nie hat sich Gary in der Öffentlichkeit nackt gezeigt, geschweige denn nackt mit fremden Sims getanzt. Doch die Kombination aus froher Ausgelassenheit und ernsthafter Choreografie schlägt ihn in ihren Bann. Jede Felsenträne wird huldigend empfangen, der Kreis verneigt sich und tanzt wieder gen Ufer, nur um kurz darauf erneut im tieferen Wasser lachend und freudig umher zu springen. Ein unglaubliches Erlebnis. Das prickelnde, kalte Wasser auf seiner Haut. Die zarte Hand der Nixe in seiner. Ihr weißes Kleid, dass mittlerweile völlig durchnässt an ihrem Körper klebt. Die Trommeln und Gesänge, die durch die Vollmondnacht schallen. All das ist berauschend und beglückend zugleich. Als die nächste Welle Richtung Land tanzt, erkennt Gary die beiden Vampire am Ufer. Lilly zieht die Schuhe aus, wagt sich ins Nass und wird sofort in den Sims Reigen integriert. "Und ob wir ihm das zeigen.", lacht Gary und dreht sich einmal um sich selbst. "Frei wie noch nie, zu Ehren des Vollmonds." Er umtanzt erst Lilly, dann die Nixe und winkt dabei Viktor, der beobachtend am Ufer steht auffordernd zu.

Entgeistert starrt Viktor auf Gary. Was ist nur in ihn gefahren? Ist es die Magie des Mondes? Aber nicht jeder ist vollständig entblößt. Auch Lilly trägt – zu seiner Erleichterung – noch ihre Kleidung, mit Ausnahme der Schuhe. Er versucht, die Szene einzuordnen, eine Erklärung zu finden. Sein sicherer, kleiner Rahmen. Ist das symbolisch? Sich zu entblößen, Schwäche zu zeigen, um den Ahnen zu zeigen, wie sehr man vertraut? Vielleicht ist es auch ein Zeichen der Reinigung. Ein Zeichen der Erneuerung, Wiedergeburt, nach dem Gang ins Totenreich? Er sucht nach Mustern, um der Angst keinen Raum zu geben. Aber warum ziehen sich dann nicht alle aus?

Das Wasser spritzt ihm entgegen, als der Kreis sich wieder dem Ufer nähert und sich besonders wild dreht. Fast so, als wollten ihn auch die anderen Tänzer locken, endlich mitzumachen. Er wendet den Blick von Gary ab, fokussiert sich auf Lilly. Viel besser... Beneidenswert, mit welcher Leichtigkeit die beiden tanzen, inmitten einer Menge, teils nackter Fremder. Er atmet tief ein. Und wenn er es selber versucht? Und sei es nur Lilly zuliebe? Er ringt mit sich, zögert.. und fasst schließlich einen Entschluss. Du bist schon so weit gekommen, Viktor. Einen Schritt weiter kannst du auch noch machen.
„Aber nur die Schuhe!“ Er zieht sie aus, stellt sie fein säuberlich am Ufer ab. Dann wagt er den ersten Schritt. Er spürt, wie das kühle Nass seine Füße umspielt. Es ist nur Wasser... Ein weiterer Schritt, bis auch Lilly ihn bemerkt und in ihrem Tanz innehält. Sie hält ihm lächelnd die Hand entgegen. Er ergreift sie, noch immer vorsichtig.
Lilly streicht ihm über den Handrücken. Sie spürt sein Zittern. Und doch sieht sie nur den Mut, den er zeigt, die innere Stärke. Er bleibt stehen, scheint nicht weiter zu wollen. Aber das ist okay. Auch jetzt schon hat er einen riesigen Schritt gewagt. Sie drängt ihn nicht weiter und lässt die Entscheidung ganz bei ihm. Sie lächelt ihm zu.

Er erwidert ihr Lächeln. Wie schön sie doch ist... Und so geduldig. Er weiß, dass sie sich gerne wieder in den Tanz gestürzt hätte... doch je länger er dem Lärm und der Menschenmasse ausgesetzt ist, desto eher sehnt er sich nach Ruhe. Viktor weiß, dass das noch etwas warten muss. Er ist zu stur, ausgerechnet jetzt aufzugeben. Er wird sich nicht mitten ins Getümmel wagen. Aber hier, am Rand, könnte er es wagen, oder?
Eine Minute bleibt er noch unschlüssig stehen, dann legt er seine Hand auf ihre Schulter, zieht sie etwas abseits und führt sie in einen Tanz. Sie erkennt die Schritte, folgt seinem Beispiel. Im Kontrast zu den wilden Sprüngen voller Ekstase tanzt er mit ihr einen langsamen Walzer. Der Rhythmus passt nicht, die Musik zu laut, zu wild... und doch sieht er in diesem Tanz ein Muster, das er kennt. Er sieht den Stolz in ihrem Blick, erkennt, dass er ihm gilt. Für einen kurzen Moment kann er den Lärm um sich herum ausblenden.

Nur am Rande bekommt Gary mit, wie Lilly und Viktor etwas abseits vom wilden Geschehen ein Tänzchen wagen. Für einen Moment zieht er innerlich den Hut vor beiden, ehe der kollektive Jubel der Tanzenden um ihn herum seine Aufmerksamkeit wieder in Beschlag nimmt. Die Blicke der Sims sind gen Himmel gerichtet, wo wie ein bleiches Mahnmal die Mondscheibe genau über dem Felsenmonument steht. "Jetzt, die Steine. Die Steine!" Überrascht sieht Gary, wie alle im tanzen inne halten und statt dessen jeder Sim im Flussbett einen Stein heraus fischt und ans Ufer trägt. "Du musst mit geschlossenen Augen tasten und den, der sich richtig anfühlt aufheben.", erklärt seine Begleitung lächelnd. "Am Ufer entsteht daraus ein Turm zu Ehren unserer Ahnen." Während sie spricht, liegen beide Hände wie schützend auf ihrem Bauch. Jetzt erst wird Gary bewusst, was ihn immer wieder unterschwellig irritiert hatte beim Tanz. Sie ist schwanger. Die Wölbung ist nicht sehr ausgeprägt, aber jetzt, da sie so ruhig und nass vor ihm steht, deutlich zu sehen. "Okay, ich finde meinen Stein.", sagt er und geht in die Hocke. Dieses archaische Ritual weckt alle seine Sinne und schenkt ihm ein Gefühl von Lebendigkeit, das er so noch nie erlebt hat. Er schließt die Augen, fühlt das kühle Nass, die feinen Kiesel im Flussbett und dreht und wendet Steine jeder Größe, bis er sich für ein völlig glatt geschliffenes Exemplar entscheidet, das sich in seine Handfläche schmiegt, als wären sie füreinander geschaffen. Das ist es. Gestein, dass über Jahrzehnte eine beinahe samtene Oberfläche entwickelt hat. Geschliffen und poliert in quirligen Stromschnellen. Sanft gewiegt an den Ufergestaden, um sich dann in Hochwasser und Regen an anderen Artgenossen zu reiben, bis es schließlich heute, in seiner Hand, eine besondere Bedeutung bekommt.
Kurz darauf knien sie vor dem stetig wachsenden Steingebilde und legen ihre Gaben dazu. Zufrieden sieht Gary zu seiner Wasserfee. "Es fühlt sich gut an, all das getan zu haben. Lass uns zu den anderen ans Feuer gehen. Ich hole noch meine Sachen." Suchend hält er nach Viktor und Lilly Ausschau. Sind sie noch im Wasser? Suchen sie auch den einen, besonderen Stein?

Der Lärm lässt nach, die Musik verstummt. Viktor blinzelt. Dieses ganze Festival hat an seinen Energiereserven gezehrt und so langsam sehnt er sich nur noch nach Ruhe. Er fühlt nicht einmal Stolz, dass er bis hierhin gekommen ist, nur blanke Müdigkeit. Er sieht, wie die Leute nach Steinen suchen. Er kennt das Muster: ähnliche Rituale um die Ahnen zu ehren gibt es in vielen Kulturen. Er fühlt er einen Stich in seinem Herzen. Er denkt an Amandas Gesicht, ihr Lachen. Und an den Humor seines Vaters, den er zwar selten, aber immer wieder mal zeigte... Er kann nicht. Es fällt schon jetzt schwer genug, die Tränen zurück zu halten, wo die Erschöpfung einsetzt. Aber wenn er sich jetzt noch aktiv mit dem Thema auseinander setzt, gäbe es kein Halten mehr. Und das hier, vor so vielen Fremden? Nicht auszudenken...

„Mach du.“, flüstert er zu Lilly, „Für mich reicht es für heute.“ Sie nickt. „Dann gehe ich für uns beide.“ Ein Lächeln bildet sich. „Und danke für den Tanz.“ Ist das eine Träne in ihrem Auge? Viktor erwidert nichts darauf. Während er zum Feuer schleicht, um sich zu wärmen, folgt Lilly Garys Beispiel. Mit geschlossenen Augen greift sie ins Wasser, dreht die Steine in ihrer Hand, bis sie schließlich ihre Wahl trifft: Ein kleiner Stein, handlich und leicht von Gewicht. Lilly hebt ihn hoch, betrachtet ihn von allen Seiten. Dann legt sie ihn schweigend zum Steingebilde hinzu. In diesem Moment sind ihr ihre Gedanken nicht anzusehen.
Fortsetzung folgt...
In Zusammenarbeit mit @simscat2
Tag 3 frühe Morgenstunden
Ruhelos wälzt sich Gary zum x-ten Mal im Bett auf die andere Körperseite. Die wilde Vollmondfeier lässt ihn nicht los. Sein aufgewühltes Inneres arbeitet im Traum weiter, weckt ihn jede halbe Stunde, so dass an Erholung im Schlaf nicht zu denken ist. Als dann auch noch eine herrenlose Fliege anfängt seine Nasenspitze als Ruheort zu nutzen, ist der Zenit überschritten.
Murrend schiebt er sein verschwitztes Kopfkissen zur Seite, schwingt die Beine aus dem Bett, sitzt einen Augenblick am Bettrand und wirft sich dann entschlossen in seinen Trainingsanzug. Am besten ist es, einen kleinen Spaziergang zu machen, die Ereignisse nochmal in Ruhe Revue passieren zu lassen und dann vielleicht später nochmal versuchen zu schlafen.
Als er zehn Minuten später die Eingangstüre des Herrenhauses aufstößt, empfängt ihn frische Nachtluft und die helle Mondscheibe, die unbeeindruckt von turbulenten Ehrenfeiern, unbeirrt ihren Bahnen folgt.
Ohne einen bestimmten Plan, lenkt Gary seine Schritte zum Ziegenbrunnen und biegt dann in irgendeine Seitenstraße ab. 
Das Städtchen schläft. Bis auf das leise Surren der Straßenlaternen und dem dumpfen Geräusch seiner Turnschuhe auf dem Pflaster, liegt Krähenhorst in friedlicher Ruhe. Die Gedanken beginnen zu wandern. Alles was am vergangenen Abend passiert ist, hat nichts mit der Persönlichkeit Gerhard Bärenklau zu tun, die ihm seit nunmehr 32 Jahren vertraut ist. Der disziplinierte, überlegte, Gerhard, der ihm auch in seinem neuen Leben dazu verholfen hat, so etwas wie erfolgreich zu sein.Und heute Nacht? Mutiert zu einem wildeste Hippie Fantasien auslebenden Träumer, der sich von einer ebensolchen Träumerin in lunare Abenteuer verwickeln lässt. Spontan, unüberlegt, frei. Gerade als er dem letzten Gedanken nachspüren will, dringt ein knarzender Laut an sein Ohr. Aufblickend erkennt er, wohin ihn seine Schritte gelenkt haben. Er hat die nächtlichen Straßen hinter sich gelassen und die Rückseite des örtlichen Friedhofs erreicht. Anscheinend war er dermaßen in Gedanken versunken, dass er den Wechsel von Häuserwänden zu Bäumen und Natur gar nicht bemerkt hat.
Neugierig schweift sein Blick zu dem Nebengebäude, von dem das Geräusch kam. Es sind die Scharniere einer schweren Eisentür, die von Knarren zu leichtem Quietschen übergehen, als sich ein Mann hindurch schiebt. Er blickt nach links und rechts, verharrt kurz bei Gary, wendet sich um und bugsiert einen großen Rucksack und zwei prall gefüllte Plastiktragetaschen der stabileren Sorte, ebenfalls hindurch. Bedächtig und leise schließt er die schwere Türe und legt, als er sieht, dass Gary sich in seine Richtung wendet, einen Finger an die Lippen. Leise ächzend schultert er den Rucksack, nimmt die Tragetaschen wieder auf und steuert zielstrebig an Gary vorbei ein Gebüsch an. Zweige und Grünzeug verdecken kurzzeitig die Sicht, dann taucht er mit einem beladenen, klapprigen Fahrrad wieder auf und nickt Gary zu.
Aufmerksam registriert Gary das Äußere des offensichtlich Obdachlosen. Der leicht verfilzte Bart, die auseinanderfallenden Schuhe, der Rechte mit Bändern umwickelt um die Sohle an Ort und Stelle zu halten, die Hosenbeine zerfranst und der im näher kommen deutlich wahrnehmbare Geruch von feucht gewordener, lang getragener Kleidung, den auch mehrfaches Waschen nie vollständig tilgen wird. All das sagt ihm, dass dieser Sim kein festes Zuhause hat und ein ähnliches Nomadenleben führt, wie er selbst.
Er hebt die Hand zum Gruß, als sie gleichauf sind. „Guten Morgen.“ - „Na, ob es ein guter ist, wird sich die nächsten zwei Stunden zeigen.“ Der Fremde mustert Gary. „Hast du zufällig was zu essen dabei? Könnte mir ne Menge Zeit sparen. N Kanten Brot würd mir reichen.“ Erwartungsvoll ruht ein dunkles Augenpaar auf Gary.
„Ähm..leider nicht, aber wir könnten gleich irgendwo etwas frühstücken. Die Bäckereien öffnen bald.“
Der Gesichtsausdruck seines Gegenübers wechselt zu amüsiert. „So gepflegt, mit Servietten und Besteck, hm?“ Mit einer fließenden Bewegung deutet er an sich herab und winkt ab. „Ist nett gemeint,aber lass stecken.“ Er macht Anstalten, sein Rad an Gary vorbei zu schieben.
„Warte.“ Aus irgendeinem Grund fällt es Gary schwer, ihn einfach ziehen zu lassen.“ Bist du von hier? Lebst du hier in Krähenhort?“
Ein undefinierter Laut geht der Antwort auf seine Frage voraus. „Derzeit ja, wo ich in ein paar Tagen lebe, das weiß höchstens der Wind.“ - „Du ziehst also umher.“ Etwas an dem Unbekannten berührt Gary zutiefst, auch wenn er es nicht genau benennen kann.
„Was dagegen?“ Misstrauisch verengen sich die Augen des Mannes. „Wer bist du überhaupt, dass du so neugierige Fragen stellst?“
„Nein, natürlich nicht. Ich...entschuldige..“ Gary stockt. „Ich heiße Gerhard..und du?“ - „Nenn mich wie du willst, es spielt keine Rolle. Was bedeuten schon Namen?“ Wieder setzt der Mann an auf sein Fahrrad zu steigen, wieder bremst ihn Gary. „Warte..ich komme aus Copperfield..wenn du mal dorthin kommen solltest, frag in der Bäckerei nach Gary, die wissen wo du mich finden kannst. Du kannst bei mir schlafen...ich lebe ähnlich wie du..“ Schon als die Worte über seine Lippen wandern, bereut Gary jede Silbe. Wie dumm. Wie unglaublich dumm und unsensibel von ihm..
Mit einer Mischung aus Unglauben und Spott zuckt eine Braue des Obdachlosen nach oben, dann wandert sein Blick von Garys Gesicht über den Trainingsanzug und die Schuhe, bis er ihm schließlich wieder in die Augen sieht. „Ähnlich wie ich, hm? Soll das ne fromme Lüge sein oder was bildest du dir ein?“ 
Er schiebt den Drahtesel zwei Meter und dreht sich nochmal um. „Aber seis drum, ich werd daran denken, falls es mich irgendwann in die Gegend verschlägt. N sauberes Bett ist Gold wert.“ Damit geht er seiner Wege, ohne noch einmal zurück zu blicken.
In Garys Kopf ploppt das Bild seines Hotelzimmers auf. Ich leb so ähnlich wie du...
Beschämt und nachdenklich lenkt er seine Schritte wieder zur Ortschaft zurück, permanent sein goldenes Bett vor Augen...
Tag 3 - Abends
Viktor öffnet die Augen. Er fühlt sich gerädert wie noch nie. Er blickt zum Fenster. Die Gardine ist immer noch zugezogen. Lilly hatte ihm Ruhe gönnen wollen nach der Reizüberflutung vom Vortag. Keine Lichter, die durchdringen. Er wälzt sich aus dem Bett. Er zieht die Gardine wieder auf, blickt in den abendlichen Himmel. Schon wieder abends? Wie lange hat er geschlafen?
Es ist still hier. Er blickt zu Lillys Bettseite. Leer. Viktor findet einen Zettel auf ihrem Kopfkissen.
Zitat
Ich bin in Krähenhort spazieren. Erhol dich gut. Lilly

Er streicht über das Papier und das kleine Herzchen, das sie dazu gemalt hat. Und lächelt. Aber wenn Lilly gerade unterwegs ist, gibt es auch für ihn keinen Grund, alleine auf dem Zimmer zu bleiben. Die kalte Dusche hilft ein wenig gegen die Erschöpfung. Er zieht sich an. Vielleicht kann er in der Souvenirecke des Hotels etwas als Erinnerung finden. „Solange es mich nicht nur an den Lärm erinnert!“ Aber der Walzer gegen Ende, der war doch schön. Der Urlaub soll nicht in Vergessenheit geraten.
Die kleine Ecke mit Souvenirs gibt es direkt am Check In. Diesmal bleibt er länger dort stehen, nimmt die Postkarten einzeln in die Hand. Fotos vom Ziegenbrunnen, dem Ort... Er sucht sich zwei aus, will gerade bezahlen.. als sein Blick auf das Regal fällt. Sind das Notizbücher? Viktor kommt näher, blättert nachdenklich in den kleinen Büchlein in DinA5 Größe. Es gibt verschiedene Cover im Angebot, mit ähnlichen Motiven wie auf den Postkarten. Doch eines fällt ihm besonders ins Auge: Anstatt eines Fotos prangt Zottel diesmal als Comic-Zeichnung auf dem Cover. Es gefällt ihm. Eben weil der Stil so anders ist wie auf den anderen Büchern. Und weil sie eine Decke über den Körper geworfen hat, auf dem steht „Follow me to a better future.“ Viktors Blick bleibt auf diesen Worten hängen. Eigentlich ist das eine Anspielung auf die örtliche Legende. Oder lässt sich das auch auf sein eigenes Leben münzen?
Hatte Gary nicht mal gesagt, dass ihm Tagebuchschreiben geholfen hat? Viktor streicht nachdenklich über das Ziegenbild. Vielleicht kann er das auch ausprobieren. Was hat er zu verlieren? ... Er grinst schief. Jetzt auch noch Tagebuch schreiben. Noch ein Hobby, neben Stricken, das er vor der Öffentlichkeit geheim halten sollte...
Aber er hat sich entschieden. Muss ja keiner wissen, dass das Büchlein nicht für normale Notizen gedacht ist. Er bezahlt an der Rezeption. Gerade in diesem Moment öffnet sich die Tür und Gary tritt in die Lobby.

Energetisch passt alles wieder, aber die Begegnung des heutigen Morgens beschäftigt Gary innerlich weiter. Er kann das leise nagende Gefühl in seinem Inneren noch nicht greifen, die Ursache nicht konkret bestimmen. Noch ganz gefangen in seinen Überlegungen stößt er die Tür zur Lobby auf, um vor dem Abendessen, dass er hoffentlich gemeinsam mit Lilly und Viktor einnehmen wird, noch kurz einen Snack zu erwerben. Ein Müsliriegel oder Erdnüsse schweben ihm vor. Überrascht entdeckt er Viktor dort, der scheinbar etwas eingekauft hat. Im näher kommen erkennt er eine kleine , gebundene Kladde in seinen Händen.
"Viktor, schön dich zu sehen.", begrüßt er ihn aufgeschlossen. "Bist du allein hier?" Sein Blick wandert durch den Raum, entdeckt Lilly aber nirgends. "Ich hatte bei euch geklopft, aber das Nest war verlassen." Er zeigt Richtung Verkaufsecke. "Ich hol mir noch was zum naschen. Hast du Lust, dich irgendwo mit mir hin zu setzen? Draußen vielleicht?"
„Ja, Lilly ist unterwegs.“, bestätigt der Vampir knapp. Er sieht zu Gary. „Ganz entspannt irgendwo zu sitzen. Das klingt gut.“ Er lächelt, klemmt sich das Notizbuch unter den Arm und folgt Gary nach draußen. Auf eine der Bänke lässt er sich fallen. Viktor lehnt sich zurück, lässt seinen Blick über die alten Häuser des Ortes schweifen. „Ich mag die Architektur hier.“, sagt er, mehr zu sich selbst als zu Gary.
"Du auch?" Gary streckt Viktor die kleine, und völlig überteuerte, Tüte Paprikachips entgegen, während er knuspernd kaut. Sie sitzen leicht erhöht, mit Ausblick auf den beschaulichen Ort. In einiger Entfernung, werden eine kleine Bühne und Lichterketten aufgebaut. Alles in schwarz. "Ja, ich mag den Ort auch. Die Gebäude sind glaub ich auch schon recht alt teilweise." Er legt genüsslich eine weitere Portion Chips nach. "Was genau gefällt dir daran?"

„Die Gebäude haben Geschichte.“ Viktor macht eine Kunstpause, bevor er fortfährt: „Es ist nicht alles perfekt. Und genau das gibt ihnen Charakter. Sie fügen sich in die Natur ein.“ Als Vampir braucht er keine menschliche Nahrung. Trotzdem versucht er vorsichtig einen der angebotenen Chips. Er dreht ihn in seiner Hand, bevor er ihn in den Mund steckt.. was er fast sofort bereut. Nicht wirklich seins. Aber er lässt sich nichts anmerken. „Schade, dass wir gestern nicht die Zeit für die Burgruinen haben. Die bieten noch einen komplett anderen Kontrast zu den Häusern hier.“
"Allgemein scheint mir die Gegend hier recht geschichtsträchtig." Er schweigt und lässt erneut den Blick über das Städtchen und die dahinter liegende Landschaft schweifen. Gestern. Gary merkt auf und sieht Viktor an, der sehr verhalten an einem einzelnen Chip herumknabbert. Schmunzelnd senkt Gary den Kopf. Er will nicht den Eindruck erwecken, dass er sich innerlich über den Vampir lustig macht. Viktor ist ziemlich experimentierfreudig, seit sie hier im Urlaub sind. "Apropos gestern.." Er hebt den Kopf wieder und atmet durch. Auch zu diesem Thema beschäftigt ihn verschiedenes. Ist Viktor die richtige Person, um darüber zu sprechen? In den vergangenen Wochen gab es öfter Situationen, in denen der Vampir seine Komfortzone verlassen und sich in Gesprächen mit Gary geöffnet hat. Mit wem soll er sonst darüber sprechen? Lilly ist in diesem Fall keine Option, sagt ihm sein Innerstes. Er räuspert sich unnötigerweise und sieht Vik von der Seite an. "Wie war das für dich? Der gestrige Abend dort in Whispering Glen?"

Viktor lässt sich Zeit mit seiner Antwort. Er blickt über die Dächer der Häuser. Auch wenn er versucht sich nichts anmerken zu lassen, wächst sein Respekt. Gary hat den Mut, auch unbequeme Fragen zu stellen. „Es war... von allem zu viel. Zu viele Leute, zu viel Lärm.“ Er seufzt. „Aber... es war wichtig.“ Als sei damit alles gesagt, schweigt er nun eine Weile. Erst nach einer Pause fügt er noch hinzu: „Und ich darf nicht aufgeben, nur weil etwas unbequem ist.“ Genau wie bei der Jagd auf Rasputin. Auch die war nicht immer einfach.
"Ich bin bei allem bei dir. Bei zu viel und bei wichtig.", sagt Gary nickend. Er presst kurz die Lippen aufeinander, beinahe als wolle er sich selbst daran hindern weiter zu sprechen, dann hüstelt er erneut. Unbequem. Hm.. "Für mich war und ist es sehr befremdlich, was gestern alles passiert ist." Er kratzt sich am Kinn. "Oder besser gesagt...worin ich mich habe verwickeln lassen." Trifft es das? "Nein, das ist es auch nicht. Ich habe aktiv an allem teil genommen und Vik, das sag ich jetzt nur dir.." Er schluckt und muss ein bisschen grinsen. "In meinem ganzen Leben hab ich mich noch nie nackt in der Öffentlichkeit gezeigt, nicht mal in der Sauna." Sein Herzschlag beschleunigt sich dezent. "Also, nicht dass ich Nacktheit verwerflich finde, aber es war mir nie ein Bedürfnis und irgendwie war das einfach Sarah vorbehalten.", sagt er und spürt, wie ihm die Röte in die Wangen steigt. "Und gestern hab ich mich einfach mit reißen lassen von dieser zugegeben, bezaubernden Vollmondfee und es fühlte sich vollkommen richtig an. Richtig und befreiend." Er wendet den Kopf ein wenig seitlich, um seine Verlegenheit zu verbergen. "Heute frage ich mich...wie kann das sein? Das war nicht der Gary, den ich seit nun mehr 32 Jahren kenne." Er schielt zu Viktor hinüber. "Verstehst du was ich meine?"
Viktor sieht Gary einen Moment nachdenklich an. Er hätte nicht erwartet, jetzt in ein Gespräch verwickelt zu werden das in diese intime Richtung geht. Er rechnet es Gary hoch an, dass er den Mut hat darüber zu reden. "Musik hat die Sims schon immer verbunden.", fängt er an, "Und das Ritual, der Vollmond und..." Nun schmunzelt Viktor, "... deine Nixenbegleitung.. taten ihr übriges, um die Euphorie auszulösen. So passte dann alles zusammen."

Er streckt sich, macht ein ernstes Gesicht: "Oder aber, die Tränen des Ahnen haben auch deine Hemmschwelle fortgeschwemmt." Er lehnt sich zurück, lächelt nun doch wieder: "Es gibt immer wieder Gerüchte über die Magie der Tränen. Ob du daran glaubst oder an eine rationale Erklärung wirst du selbst entscheiden müssen." Er lässt offen, was er selber glaubt. Viktor schließt seine Erzählung mit einer eigenen Frage ab: "Und? Was denkst du was es war?"
"Gute Frage.", murmelt Gary und lässt die Gedanken zur Vollmondnacht zurück wandern. Hatte wirklich alles mit dem Fluss der 'Tränen' begonnen? Oder ist etwas in ihm aufgebrochen, dass schon lange darauf gewartet hatte, ans Licht geholt zu werden? Würde er sein gestriges Verhalten heute beliebig wiederholen? Wohl kaum. Er wendet sich Viktor zu und lächelt. "Ich tendiere zu fünfzig / fünfzig. Auf jeden Fall stimmt es mich nachdenklich." Er mustert den Vampir und neigt den Kopf. "Was ist mit dir, Vik? Du sagtest eben es war in mehrerlei Hinsicht unbequem und trotzdem hast du das Tänzchen mit Lilly gewagt. Hast du von dir gedacht, dass du so etwas tun würdest an diesem Abend?"
Bei Gedanken an Lilly wird Viktors Blick weich. „Nein. Ich habe entschieden, das Festival zu besuchen, weil ich ein Zeichen setzen wollte gegen die Depression.“ Er vertraut Gary mittlerweile genug, um offen über dieses Thema zu reden. „Aber ich dachte nicht, dass ich auch tanzen würde. Ich dachte, ich steh' das schon irgendwie durch, wenn ich mich an den Rand verkrieche. Aber im Endeffekt war es wichtig. Gerade dieses Tänzchen, inmitten des Chaos, brachte mir Ruhe.“ Er zuckt die Schultern. „Das war wohl eher Lillys Magie als die der Tränen.“
Er sieht Gary an. „Ich bin nicht naiv. Ich glaube nicht, dass dieser Moment ausreicht, um die Depression wie durch Zauberhand zu vertreiben. Aber es hat mir etwas Selbstbewusstsein zurück gegeben.“ Dieses Mal hört man den Stolz in seiner Stimme.

Gary macht eine verspielt abwägende Handbewegung, als Gary über Lillys Magie spricht. Dann schmunzelt er und nickt. "Ja, es lagen wohl verschiedene Arten von Magie in der Luft, an diesem Abend. Ich habe mich gefreut euch beide so zu sehen, wohlwissend, dass es dir nicht leicht fällt in diesem Augenblick." Er nickt sinnend. "Weißt du, das hat mich beschäftigt. Ich habe eine Seite an mir entdeckt gestern, die mir völlig unbekannt war. Und du kannst mir glauben, dass ich dir, noch vor ein paar Jahren, ganz genau meine Stärken und Schwächen aufgezählt und, dank Managerseminaren, auch gleich noch die passenden Strategien dazu geliefert hätte. Aber nicht im entferntesten wäre mir diese Seite an mir eingefallen...niemals." Er sieht Viktor ernst an, sucht den Blickkontakt. "Das beschäftigt mich..wieviel Facetten werde ich noch entdecken, von denen ich keinen Schimmer habe? Wie ist das bei dir? Du hast mir viele, viele Lebensjahre voraus und trotzdem arbeitest auch du noch an dir und überwindest innere Schranken...es scheint mir fast, als wäre das ein kosmisches Spiel ohne Grenzen." Plötzlich wird ihm der Wortstrom bewusst, mit dem er den Vampir belegt und er verstummt. Geräuschvoll ausatmend lehnt er sich auf der Bank zurück und verschränkt die Arme hinter dem Kopf. Durchatmen.
Viktor erwidert Garys Blick, sieht ihm in die Augen: „Wenn ich dich heute so anschaue, ist es kaum vorstellbar, was du früher einmal beruflich gemacht hast. Und ich? Ja... ich arbeite an mir. Weil ich ja sehe, dass ich Fortschritte mache. Das spornt mich an.“ Er seufzt. „Aber glaub mir, das war nicht immer so. Ich habe viele Jahre damit verbracht, den Mörder meiner Eltern zu jagen, samt Tunnelblick. Und dabei meine eigene Entwicklung völlig vergessen.“ Er erinnert sich, wie Kovac sein Problem nannte. „Post-Ziel-Leere... Der Name passt perfekt.“ Er lächelt schief. „Aber mittlerweile glaube ich, dass es wichtig ist, und unvermeidlich, dass ich da durch muss. Ich wollte Historiker werden, weil mich das Thema interessiert, weil ich diesen Funken Neugier hatte. Aber durch die Jagd wurde eher ein Mittel zum Zweck aus meinem geschichtlichen Wissen, keine Leidenschaft mehr. Das ändert sich nun auch wieder zum Besseren.“ Er grinst, jetzt wo die Erschöpfung langsam dem Stolz weicht.

"Das ist wirklich eine harte Erfahrung, die du gemacht hast, was den Tod deiner Eltern betrifft. Es zeugt von starkem Willen und großem Durchhaltevermögen, dass du diese Jagd erfolgreich beenden konntest. Das darfst du nie vergessen." Anerkennend nickt Gary ihm zu, wird dann wieder nachdenklich. "Du bist Historiker und unsterblich, was für eine perfekte Kombination. Du kannst in der Vergangenheit forschen, aber auch irgendwann die Gegenwart entsprechend zu Papier bringen....und wenn wir das Thema neue Seiten entdecken und an sich arbeiten nimmt...auch ein nie endendes Feld für dich. Zumindest in der Theorie, also, wenn dir nichts zu stößt." Er richtet sich auf und rückt etwas auf der Bank nach hinten, um aufrechter zu sitzen. "Das ist ziemlich...beeindruckend, was sich da an Möglichkeiten auf tut. Beinahe ehrfurchtsgebietend. Stell dir vor, was du vielleicht in hundert Jahren, wenn ich schon längst in irgendeinem Sarg begraben wurde, für ein Vampir sein wirst." Er sieht Vik interessiert an. "Was glaubst du? Wer wirst du sein? Was wirst du erreicht haben bis dann? Wohin soll deine Reise gehen?" Er lächelt eine Spur verschmitzt, meint es aber durchaus ernst. "Spannend, finde ich."

Viktor sieht Gary lange nachdenklich an. „Ich möchte...“, er zögert, die Worte sorgfältig wählend, „...wieder den inneren Frieden finden, den der Mord mir entriss. Gemeinsam mit Lilly. Dann ist schon viel erreicht.“ Er überlegt einen Moment. „Und wenn ich auch die eine und andere spannende historische Entdeckung machen kann, ist das nur ein guter Bonus!“ Nachdenklich blickt er in die Ferne, als der Rotschopf seine Aufmerksamkeit erregt. Er winkt Lilly zu.
„Ach, hier seid ihr!“ Lilly eilt zu den beiden, lehnt sich an die Banklehne. „Wirklich schön hier!“ Sie schwärmt eine Weile von der Natur, und auch die Architektur der Gegend, bevor sie das Thema wechselt: „Habe doch glatt eine alte Frau gesehen, mit Tarotkarten. Wie eine richtige Wahrsagerin. Das scheint in der Gegend wirklich Tradition zu haben.“ Sie grinst. „Habe mir die Karten lesen lassen. Die Frau meinte, ich müsste loslassen, um meine Ängste zu überwinden.“ Sie lächelt. „Vage genug, dass es alles heißen kann oder nichts. Aber irgendwie passt es auch zu meinem Vater.“ Sie macht eine kurze Pause, dann fährt sie fort: „Ich weiß nicht, ob sie echt ist oder eine Hochstablerin. Es war eine interessante Erfahrung, mehr nicht. Es ist gut, Pläne zu haben. Aber man sollte auch immer noch offen sein, was die Zukunft bringt.“ Sie lächelt Viktor an.

Viktor runzelt die Stirn. Interessant, dass Lilly genau jetzt das Thema Zukunft einbringt, wo er gerade mit Gary darüber geredet hat. Hat sie die Frage noch mitbekommen? Doch er fragt nicht weiter nach: „Dann würde ich sagen, suchen wir was für Gary zum Futtern. Damit er sich nicht nur von Chips ernähren muss. Und danach gehen wir es gemütlich an, damit wir morgen früh fit für die Abreise sind!“ Er lächelt „Hier in der Nähe gibt es auch ne alte Burg, über deren Geschichte ich euch viel erzählen kann. Darauf hätte ich Lust.“
In Zusammenarbeit mit @simscat2
>>> Viktor geht nach Forgotten Hollow Nr. 4 - Villa Blutrose (22) >>>
>>> Lilly geht nach Forgotten Hollow Nr. 4 - Villa Blutrose (22) >>>
>>> Gary geht nach Willow Creek Nr. 17 - Magnolienblüten Park
<<< Viola kommt von Britechester Nr. 7 - Violas kleine Hütte <<<
<<< Lucía kommt von Britechester (4) <<<
Charaktere: Viola, Lucía
Geschichtsstrang: Brücke ins Nebelreich
Tag 1
„Und es waren ausgerechnet meine Eltern, die mich auf die Idee mit dem Reiseziel brachten!“ Viola grinst, hüpft über einen auf den Boden liegenden Baumstamm und erzählt gleich weiter. „Waren selbst in Ravenwood. Und dabei vergessen sie glatt die spannendste Ecke dort.“ Die 18-jährige senkt ihre Stimme, setzt eine geheimnisvolle Miene auf: „Es heißt, die Geister und Toten leben in Mourningvale weiter! Und dass es dort spukt!“
Mit funkelnden Augen strahlt Lucia vor Vorfreude. "Ich bin total gespannt auf den Trip! Mal sehen, was uns erwartet. Vielleicht treffen wir ja sogar jemanden … oder vielleicht haben die Einheimischen auch Angst vor uns, weil wir Vampire sind, und verstecken sich alle." Nachdenklich legt sich ihre Stirn in Falten. "Ich bin auch neugierig, wie die Leute so drauf sind. Aber eines weiß ich schon jetzt: Ich hoffe, dass wir dort keine Magier treffen. Du weißt ja, Magie und ich … das geht gar nicht mehr."
"Ich glaube nicht, dass Magier dort wohnen.", versichert Viola, "zumindest habe ich nichts darüber gehört." Sie pausiert, holt eine selbst gezeichnete Karte aus ihrer Tasche.

"Nach meinen Recherchen ist der einzige Zugang zum Geistergebiet eine alte Brücke. Manchmal ist es gut, einen Historiker als Vater zu haben. Dad konnte mir das eine oder andere erzählen. Er mag nach außen hin ja eher schweigsam sein, aber kaum interessiert ihn ein Thema endet es in ganzen Vorträgen." Sie lacht laut auf. "Ich weiß nicht, ob er ahnt, dass wir wirklich versuchen, diesen Ort zu finden, oder ob er mir wirklich glaubte, ich sei nur an der Theorie interessiert."

Sie zeigt auf die Karte. "Irgendwo, weit im Norden." Tatsächlich sieht man eine schnell hingekritzelte Brücke auf dem Papier.
Interessiert beugt sich Lucia über die Karte. "Vielleicht hat dein Vater ja nur so viel erzählt, weil er denkt, wir finden den Ort sowieso nicht." Sie hebt den Blick und sieht sich um. "Ehrlich gesagt sehe ich gerade nichts außer Grau. Überall Nebel. Wie sollen wir da bitte hinfinden?"
"Eben über diese Brücke. Einen Moment." Viola hebt sich in die Lüfte. Doch auch in Fledermausgestalt sieht sie nichts als Grau und Nebel. Ein kühler Schauer läuft ihr über den Rücken. Für einen Moment kommen Zweifel. Ist das wirklich eine gute Idee? Oder wird ihr die Abenteuerlust zum Verhängnis? Doch als sie wieder neben Lucía landet, ist ihr nichts mehr anzumerken. "Du hast Recht, nichts als Grau. Aber wir müssen einfach weiter nach Norden." Zur allergrößten Not würden sie den Rückweg nach Krähenhort noch immer finden.
"Gut, dass ich Wanderschuhe angezogen habe", sagt Lucia und obwohl sie ein bisschen besorgt ist, fühlt sie sich auch aufgeregt auf positive Art und Weise. Sie folgt Viola Schritt für Schritt.

Die Häuser auf ihrem Weg gefallen ihr wirklich gut, etwas ganz anderes als in Forgotten Hollow oder gar Britechester. Hier hat jedes Haus Charakter, Stil und Geschichte, die sich in den Fassaden und den verwitterten Türen widerspiegelt. Keine einheitlichen Neubauwohnungen, bei denen alles gleich aussieht. Bis jetzt könnte sie sich gut vorstellen, hier zu wohnen.
Es dauert nicht lange und die beiden erreichen einen kleinen See. Eine kleine Holzbrücke geht über das Wasser, doch Lucia grinst und schüttelt den Kopf. "Das wirds vermutlich noch nicht sein", sagt sie und zeigt auf ihre Entdeckung. Auch hier scheint viel Geschichte dahinterzustecken, das Holz wirkt alt, mit Macken und eingeritzten Zeichen. In den Ritzen des alten Holzes hat sich Moos festgesetzt und man hat den Eindruck, dass hier schon lange niemand mehr darüber gegangen ist.

Viola lacht. "Wohl kaum. Hier ist es noch viel zu dicht besiedelt." Sie sieht sich um. Einzelne Häuser zeugen nun wirklich nicht von einer dichten Besiedlung... aber nach dem Reich der Toten sieht es auch nicht aus. Sie nimmt Anlauf und springt über den Fluss, der an dieser Stelle nicht wirklich breit ist. Es gelingt ihr sogar. Das Fußballtraining scheint sich auszuzahlen.
Eigentlich hätten Viola und Lucía auch den Luftweg wählen können. Aber in Fledermausgestalt ist es schwierig, eine Unterhaltung zu führen. Zumal es im Nebel leichter wäre, sich aus den Augen zu verlieren, wenn sie in der Luft unterwegs sind. Und so gehen sie zu Fuß weiter.
"Wird sicher noch ein weiter Weg. Gut, dass wir Zelte dabei haben. Wir haben ja noch Zeit." Viktor hatte ihnen angeboten, das selbe Herrenhaus zu mieten, in dem er selbst auch übernachtete. Doch Viola hatte abgelehnt und beschlossen, dass ein Zelt für ihre Zwecke viel besser sei. Sie schlendern weiter. "Moment, schau mal, da ist eine Burgruine. Hast du Lust, dort erst mal etwas Pause zu machen?", fragt Viola.
Überrascht blickt Lucia zur Ruine. "Oh ja, vielleicht finden wir ja ein Buch", zwinkert sie und geht entschlossen voran. Vorsichtig betritt sie die alten Mauern. Zwischen kaputten Steinen und von der Natur besiedelten Ecken entdeckt sie alte Bilder, die schon ziemlich mitgenommen aussehen. "Die liegen wohl schon länger hier", murmelt sie. Fragend blickt sie sich um. Was könnte hier passiert sein? Warum wurde die Burg verlassen? "Hat dein Vater dir noch mehr erzählt, zu den einzelnen Ortschaften oder gar zu der Burg hier?"

"Nein, nur dass es hier wohl verschiedene alte Burgen gibt. Er hat eine besucht, sagt er. Aber ich weiß nicht ob es die hier war oder irgend eine andere in der Gegend." Viola lehnt sich an die Burgwand. "Ich bin sicher, er hätte dir bis auf das kleinste Detail erklären können, was es jetzt mit genau dieser Burg auf sich hat. Aber du wirst dich wohl mit meinem Halbwissen zufrieden geben müssen." Sie streicht mit den Fingern über die alte Mauer. "Aber eine dieser Burgen wurde wohl renoviert und dient nun als Gebäude für das Institut der Geheimnisse, da wo er früher mal gearbeitet hat." Viola lächelt. Irgendwie fühlt sie sich zu Burgruinen hingezogen. Die haben immer etwas geheimnisvolles.
"Na solange dein Halbwissen uns nicht in Gefahr bringt", sagt Lucia lachend und legt ihrer Freundin eine Hand auf die Schulter. Dann sieht sie sich weiter um, findet jedoch nichts wirklich Spannendes. Einen Blick wirft sie auf ihre Armbanduhr. "Ich würde sagen, wir gehen noch ein Stück weiter. Vielleicht finden wir ja die große Brücke. Falls nicht, müssen wir unser Zelt aufschlagen."
Als Lucia aus der Ruine tritt, schweift ihr Blick über die Landschaft. "Weißt du, was ich komisch finde?", sagt sie nachdenklich. "Ich habe nirgends einen Einheimischen gesehen, weder hier noch im Krähenhort. Findest du das nicht seltsam?"
"Liegt wohl an der Uhrzeit.", vermutet Viola, "Ravenwood ist nicht dicht besiedelt. Weder in Krähenhort, noch hier etwas abseits." Sie lässt ihren Blick über die Gegend schweifen. Umzäunte Höfe, ländliche Gegend. Erinnert sie ein wenig an Henford. "Aber wir sind nicht alleine. Schau!" In der Ferne kann sie tatsächlich einige Personen entdecken. Ein Zeichen dafür, dass es zu ihrem Ziel noch sehr weit entfernt ist. "Wir können jedenfalls nicht davon ausgehen, dass es bald soweit ist. Lass uns mal eine Weile in Fledermausgestalt weiter reisen. Dann kommen wir etwas schneller voran."
Die Mädchen fliegen die nächsten Meter weiter und gleiten in Fledermausgestalt über Felder, Höfe und durch Wälder.
Irgendwann bleibt Lucias Blick an einem ungewöhnlichen Felsen hängen. "Oh … oh mein ...", entfährt es ihr und erschrocken fliegt sie zu Boden und verwandelt sich wieder zurück in ihre normale Gestalt. Dann kann sie ihre Begeisterung kaum zurückhalten. "Schau mal da!", ruft sie und zeigt auf den Felsen, der wie ein Gesicht geformt ist.

Viola erinnert sich an die Fotos, die Lilly gezeigt hat. "Mom und Dad waren auch hier!", erkennt Viola sofort, "Aber auf ihren Fotos hatte der Felsen geschlossene Augen, nicht so wie jetzt." Neugierig blickt Viola in den Himmel. "Heute ist auch kein Vollmond, so wie bei ihnen." Sie sieht sich um, blickt auf ihre Karte. "Ich schätze, wir sind auf dem richtigen Weg. Müssen noch weiter nördlich." Sie streckt sich. "Aber nicht mehr jetzt. Lass uns morgen weiter machen."
Sie blickt sich um, blickt in das Felsengesicht, blickt weiter über die Gegend. "Nur nicht direkt hier. Ich fühle mich hier beobachtet." Nicht nur wegen des Felsens. Auch, weil sie nicht die einzigen Sims in der Nähe sind. Immer wieder kommen kleine Grüppchen an, betrachten das Gesicht. Sind das Touristen? Oder Einheimische? Viola weiß es nicht. Es ist ihr auch egal. Besser, sie bleiben etwas abseits.
Ohne sich weiter um die felsige Sehenswürdigkeit zu kümmern, flattern die Mädchen weiter, bis schließlich niemand mehr zu sehen ist. "Hier ist es besser.", ruft Viola aus.
Fortsetzung folgt...
In Zusammenarbeit mit @Spatz
Tag 2
Schon lange flattern die beiden Fledermäuse nordwärts, bis der Nebel zu dicht wird. Viola landet, und Lucía folgt ihr. "Jetzt kann es nicht mehr so weit sein!" Sie braucht nicht viel Schlaf, und so ist sie trotz der kurzen Zeit im Zelt fit und abenteuerlustig. "Jedenfalls wird es hier schon deutlich nebliger." Das ist eine Untertreibung. Man sieht kaum die Hand vor den Augen. Doch als Vampirin erkennt sie trotzdem genug. Selbst die Anreise hat bereits einen gewissen Touch von Abenteuer. Wie wird es erst sein, wenn sie angekommen sind?
Bald ist tatsächlich eine Brücke in der Ferne zu sehen. "Das muss es sein!" Viola umfasst aufgeregt Lucías Hand und zieht sie weiter.

Die beiden laufen auf die Brücke zu und noch immer ist dichter Nebel um sie herum . Lucia bleibt immer wieder stehen und betrachtet die Umgebung. Die Farben hier sind so anders als zu Hause ... das Wasser wirkt dunkler, die Bäume schimmern in ungewöhnlichen Tönen, die sie weder in Forgotten Hollow noch in Britechester gesehen hat. Unwillkürlich denkt sie daran, wie spannend es wäre, diese Eindrücke eines Tages in Bildern festzuhalten. Kunstgeschichte könnte ihr dafür noch ganz neue Ideen geben.
Als sie die Brücke erreicht haben, tritt sie vorsichtig darauf. Plötzlich hört sie leise Glocken. Irritiert schaut sie auf die Uhr ... es ist weder volle noch halbe Stunde, eine Zeit, zu der normalerweise keine Glocken läuten würden.
Mit jedem Schritt über die Brücke bekommt Lucia eine Gänsehaut. Je weiter sie geht, desto unwohler fühlt sie sich. Irgendetwas sagt ihr, dass noch etwas passieren könnte. Das Gefühl ist unangenehm und langsam wird sie wieder ängstlicher. Am liebsten würde sie umkehren, doch vor Viola will sie nicht wie eine Angsthäsin dastehen und geht weiter.
Viola schluckt einen Moment, bevor sie den letzten Schritt von der Brücke geht. Sie blickt noch einmal zurück. Der einzige Weg hierhin. Auch dann, wenn man fliegen kann. Der einzige Weg, um sich nicht im Nebel zu verlieren. Und es gab niemanden, keinen Wächter, der sie aufgehalten hätte. Vielleicht, weil der Weg so unbequem ist, dass sich eh nicht viele hierhin wagen, erst Recht keine Sterblichen? Auch als untote Vampirin spürt sie die ungewöhnliche Kälte in Mourningvale.

Sie schreitet weiter, hört das düstere Läuten der Glocke, die ungewöhnlichen Geräusche... und sie fühlt sich mit einem Mal wieder zurück in die Gruselvilla versetzt. Unwillkührlich greift sie sich an den Hals. Noch immer hat sie Probleme mit dem Trauma, auch wenn es sie die meisten Tage über nicht weiter behindert. Doch hier, wo sie erneut daran erinnert wird, dass es mehr gibt als die Wissenschaftler erklären können, kommt auch die Angst wieder hoch. Sollten sie umkehren? Viola wirft einen Blick auf ihre Freundin. Auch Lucía wirkt nervös. Und doch ist sie hier dabei. Viola rechnet es ihr hoch an. Und wenn Lucía ihre Angst überwinden kann, dann kann sie es auch.
"Schön gruselig hier!", ruft Viola aus, in der Hoffnung, so ihre Angst überspielen zu können. Sie läuft den felsigen Weg weiter, bis sie tiefer in die geisterhafte Ortschaft kommen. Niemand ist zu sehen.. weder Sterblicher noch Geist. Die einzigen Lebewesen sind die dürren Bäume.. Ihr Blick fällt auf einen See in der Nähe und ein einsames Ruderboot. "Hast du Bock?", fragt sie Lucía, und nun huscht doch noch ein kleines Lächeln über ihr Gesicht.

Lucia nickt kurz und steigt mit Viola in das Ruderboot. Sie drehen eine kleine Runde auf dem See. Das Wasser wirkt merkwürdig verfärbt und keine Fische sind zu sehen. Auch wenn Lucia ihre Angst für einen Moment vergisst, bleibt das Gänsehautgefühl bestehen. Immer wieder schaut sie sich um, als könnte jeden Moment etwas aus dem Nebel auftauchen.
Enttäuscht zieht Viola die Ruder an Bord, lässt das Bötchen mitten auf dem Wasser treiben. Ja, die Ruderbewegung ist ein gutes Training und tut ihr gut... aber irgendwie hatte sie sich mehr erhofft. Die Atmosphäre hier ist nice. Gruselige Glocken, dürre, karge Vegetation, unheimliche Geräusche hier und da. Aber wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, ist es auch ein wenig... langweilig. Sie hat keine Geister gesehen bisher, und auch kein Seeungeheuer tauchte plötzlich auf. Was hat sie nur erwartet? Bestimmt sind die Gerüchte übertrieben.. entstanden, weil der Nebel zu Halluzinationen anregt. "Lass uns mal wieder zurück an Land.", sagt Viola, nimmt die Ruder wieder in die Hand und steuert das Ufer an. "Hier passiert ja doch nichts mehr." Sie sieht sich um. Auch ohne Geister gibt es hier bestimmt irgendwelche alten Gebäude zum erkunden. Lost Places. Auch etwas, das sie fasziniert. Die Mädchen steigen aus, lassen das Boot da, wo sie angelegt haben einfach stehen.
Sie gehen vom Ufer ein Stück weiter und bleiben in der Nähe des Sees. Zwischen den Steinen und dem feuchten Boden entdeckt Lucia plötzlich eine Pflanze, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregt. Die Blätter sind groß und dunkel und in der Mitte öffnet sich etwas, das fast wie ein Maul aussieht. Fasziniert tritt sie näher.
Ein Schauer läuft ihr über den Rücken, als sie erkennt, was es sein könnte. "Oh … weißt du, was das für eine Pflanze ist?", sagt sie leise zu Viola. "Das ist die Kuhpflanze. Wir müssen vorsichtig sein … aber sie sieht so merkwürdig aus." Irritiert mustert die Vampirin die Pflanze.

Viola folgt Lucías Blick. Tatsächlich, eine Kuhpflanze. Diese Dinger sind verdammt selten.. Viola schnaubt amüsiert. "Wenigstens ein Geist, den wir hier sehen!" Sie blickt auf die durchscheinende Pflanze, die auch in Geistform nicht weniger bedrohlich wirkt. Sie kennt sich mit Kuhpflanzen nur wenig aus. Sie weiß, dass diese Pflanzen nicht immer aggressiv sind, nur wenn sie hungrig sind. Aber woher soll sie wissen, ob sie hungrig ist oder nicht? "Wer weiß schon, ob Geisterpflanzen überhaupt noch Nahrung brauchen!", ruft Viola aus. Sie streckt den Finger aus, fast so, als wollte sie die Kuhpflanze berühren. Doch den letzten Schritt wagt sie dann doch nicht. Und so belässt sie es dabei, diesen bizarren Fund weiter nur zu beobachten.
"Das ist dann schon cool.", findet Viola und beschließt, dass sich die Reise nun doch gelohnt hat. "Eine Erkenntnis, die bestimmt auch Dad noch nicht wusste. Pflanzen haben auch eine Geisterform." Sie lächelt, ein wenig stolz darüber, etwas zu wissen, von dem der Historiker (vermutlich) keine Ahnung hat. "Aber lass uns weiter gehen, bevor wir hier noch den Opfern meiner Gärtnerfähigkeit begegnen!" Schmunzelnd schießt Viola noch ein Foto von der Geisterpflanze, dann geht sie mit Lucía weiter.

Vor einer alten Krypta bleiben die Mädchen stehen. "Und das ist bestimmt auch interessant!", murmelt Viola neugierig. "Komm mit!" Erst jetzt fällt ihr auf, dass Lucía alles andere als begeistert aussieht.
"Das ist viel zu gefährlich, wir können da nicht reingehen", sagt Lucia angespannt. Anders als Viola macht ihr die Reise gerade überhaupt keinen Spaß. Sie würde am liebsten umdrehen. "Wer weiß, was da drin ist? Nachher treffen wir doch noch auf irgendwelche Einheimischen ... oder auf Geister. Offensichtlich gibt es die ja hier schon, wie du bei der Kuhpflanze gesehen hast. Und ich habe sowieso die ganze Zeit das Gefühl, dass uns jemand folgt oder beobachtet. Wir können da einfach nicht reingehen!"

Viola sieht sich um. Sie sieht niemanden, der ihnen folgt. Am liebsten hätte sie die Angst ihrer Freundin verworfen, hätte ihr mutmachende Worte zugeworfen. Aber wie? Viola kommt näher, nimmt Lucía in die Arme. "Das ist bestimmt nur der Nebel. Ich glaube nicht, dass uns jemand folgt." Das glaubt sie wirklich nicht... Sie verwirft den Gedanken was ist, wenn Lucía doch Recht hat.
Eine Weile sitzt sie da, mit Lucía im Arm, bevor sich Viola doch noch erhebt. Das Abenteuer reizt sie einfach zu sehr. "Aber ich möchte kurz reingehen und mich umschauen. Du musst nicht mitkommen. Wartest du dann hier auf mich?"
Einen Moment zögert Lucia. "Okay …", sagt sie leise, doch dann entscheidet sie sich um. "Nein, ich komm mit. Wenn schon, denn schon." Entschlossen und mutig sieht sie ihre Freundin an.
Gemeinsam betreten sie die alte Krypta. Das Tor knarrt leise, als sie es aufstoßen. Lucia spürt ein mulmiges Gefühl, bleibt aber dennoch an Violas Seite.
Viola lächelt. Sie schleicht weiter, streift mit den Fingern über die alten Wände, spürt die Risse. Ganz schön baufällig hier! Vielleicht hatte Lucía doch Recht und es ist zu gefährlich... Doch Viola ist nun zu weit gekommen, um jetzt noch umzukehren. Wird schon nichts passieren. Immerhin steht die Krypta was weiß ich wie lange schon. Sie sieht die Spinnenweben, die munter von den Decken hängen. "Hier war schon lange niemand mehr!", stellt Viola fest. Die beiden Vampirinnen braucht nicht lange, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Eine dunkle Treppe führt nach unten. Die Mädchen streifen weiter, das Echo ihrer Schritte hallt im alten Gemäuer wider. Viola ist froh darüber, nicht alleine zu sein. Auch wenn sie das nie zugeben würde.
Sie betreten einen Raum. Viola blinzelt. Hier unten reicht das Licht kaum aus, selbst für sie nicht. Sie kann grob Kerzen ausmachen, auf einem dunklen Podest. Sie holt ein Feuerzeug hervor, entzündet diese. "Viel besser. Jetzt sehen wir wenigstens etwas!"

Im Kerzenlicht sieht sich Lucia neugierig um. Die Wände sind dunkel gefliest, nur der Boden hat hier und da helle Akzente. Alles wirkt schwer und alt, verlassen und düster. Während Viola noch weitere Kerzen anzündet, entdeckt Lucia Bilder von bunten Totenköpfen an den Wänden. Das Motiv ist überall gleich. Fasziniert streicht sie über eines davon. Das Material fühlt sich rau unter ihren Fingern an, fast wie alte Leinwand, die schon lange niemand mehr berührt hat.

Sie schaut weiter. Den hellen Akzenten auf den Boden folgend, entdeckt sie am Ende einen Altar, worauf ein alter Sarg platziert wurde. Vorsichtig geht Lucia näher und streicht mit der Hand über das Holz. Plötzlich beginnt es zu knarren. Erschrocken schaut sie hoch ... in diesem Moment löst sich ein Stein aus der Decke und fällt direkt auf ihre Hand. "Ahhh!", ruft sie erschrocken und zieht ihre Hand zurück. Doch der Schmerz zieht durch ihren ganzen Körper.
Viola hat kaum Zeit, sich hier umzusehen, als sie Lucías Schrei vernimmt. Sie dreht sich um, sieht den Stein... als sich ein weiter Ziegel löst und nur knapp neben ihr einschlägt. "Hier stürzt alles ein, wir müssen raus!" Violas Stimme zeigt Panik, sie versucht nicht einmal, sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen. Sie packt Lucía an der unverletzten Hand, holt sie aus der Starre und zieht sie nach draußen...
Erschöpft bleibt sie stehen, voller Schweiß. Sie blickt zurück. Es bleibt ruhig. Offenbar ist nur ein kleiner Teil eingestürzt, vielleicht eine Deckendekoration, aber nicht die gesamte Krypta. Schlimm genug! Sie sieht zu Lucía. "Alles in Ordnung?"
"Alles in Ordnung?!", wiederholt Lucia mit bissigem Unterton. "Dein Ernst? Ich habe enorme Schmerzen in der Hand!" Sie versucht, ihre Finger zu bewegen, doch schon die kleinste Bewegung schmerzt heftig. "Das war so eine blöde Idee!", ruft sie hinterher, ohne zu merken, wie sehr sie gerade die Fassung verliert. Mit den Nerven völlig am Ende schüttelt sie nur den Kopf.

Das ganze ungute Gefühl der letzten Zeit bricht nun mit einem Mal aus ihr heraus. Es dauert einige Sekunden, bis sie wieder etwas ruhiger wird. "Entschuldige … mir geht es einfach so dermaßen schlecht", sagt sie leiser. Dann blickt sie Viola flehend an. "Ich glaube, wir sollten nach Hause. Am besten direkt zu einem Arzt ... Aber so kann ich nicht fliegen."
Viola fasst sich an die Stirn. Erst jetzt, wo sie draußen ist, kann sie wirklich einen guten Blick auf die Hand ihrer Freundin werfen. Sie erschrickt: Die Hand ist längst angeschwollen, dunkelrot und bläulich verfärbt. Der Handrücken wirkt schief und unnatürlich abgewinkelt. Sie zuckt zusammen, kann den Blick aber nicht abwenden. Und all das ist meine Schuld... Lucías schmerzverzerrtes Gesicht, die Schreie, als es passierte... Erst Vero, jetzt Lucía... alles, was ich kann, ist Schmerzen verursachen... Ich hätte auf sie hören sollen... Wir hätten hier nie rein gehen sollen...
"Sorry, ich..." Weiter kommt sie nicht. Tränen laufen ihr über die Wange, entstanden aus Schock und Schuldgefühlen. "Ich bin so ein verdammter Idiot!", stammelt sie. Es dauert eine Weile, bis ihre Rationalität wieder die Oberhand hat. "Aber wir müssen das schienen oder so. Und dann zum nächsten Arzt." Sie läuft zum nächsten Baum, bricht einen Ast ab und fixiert es mit ihrem Gürtel. "Und jetzt los..."
Die beiden machen sich auf den Rückweg. Zu Fuß, von der Möglichkeit des Fliegens beraubt. Egal wie stoisch Viola sich nach außen gibt, eine Frage lässt sie nicht mehr los: Warum hast du es so weit kommen lassen? Warum hast du Lucías Angst nicht ernst genommen?
In Zusammenarbeit mit @Spatz
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