Windenburg Palazzo - Dinner, Tanz & Show

19.11.2024 21:06 (zuletzt bearbeitet: 13.04.2025 10:55)
#1
avatar
Bestseller-Schmied

Windenburg 9





]



links und rechts befinden sich mehrere Separees









In der Mitte des Saals kann eine Bühne aufgebaut werden.
2 Bars und eine notdürftige Küche befinden sich hinter den Vorhängen, damit die Chars versorgt sind. Achtung: Dieser Bereich ist nicht durchgestylt.


 Antworten

 Beitrag melden
20.11.2024 02:58 (zuletzt bearbeitet: 20.12.2024 21:55)
#2
avatar
Bestseller-Schmied

<<< Jarred kommt von Britechester - Vereinshalle Britechester Tigers <<<
<<< Alma kommt von Britechester - Vereinshalle Britechester Tigers <<<


Charaktere: Jarred, Alma
Geschichtsstrang: Wow!



Jarred zieht die Krawatte zurecht und atmet tief durch. In der Hand hält er einen Strauß Blumen, tiefrot, wie die Leidenschaft, die er für Alma empfindet. Sich selbst belächelnd ermahnt er sich innerlich zur Ruhe. Er ist schon öfter mit seiner Freundin ausgegangen - warum ist er heute nur so nervös? Er fühlt sich wie ein Teenager, der seine Flamme zum ersten Date abholt.
Sein Finger betätigt die Klingel, als für den Bruchteil einer Sekunde die Erinnerung an das Fußballspiel aufglimmt. Es war ihm nicht gelungen, den Grund für Almas Stimmungsschwankungen herauszufinden. Aus irgendeinem Grund verschließt sie sich noch immer vor ihm. Lange und häufig hat er über sie und ihr Verhalten nachgedacht und ist nur zu einem Schluss gekommen: Er begreift sie nicht. Unter anderen Umständen würde er Eifersucht in Betracht ziehen. Aus logischer Sicht ergibt es keinen Sinn - Alma weiß, dass sowohl Mayve, als auch Eva zu keiner Zeit Liebschaften von ihm waren. Aber Sims sind eben nicht immer logisch. Wenn sich Alma nicht so selbstsicher fühlt, wie sie sich nach außen gibt, wird sie vielleicht durch andere Frauen verunsichert. Voller Stolz, wie sie ist, würde sie so etwas wohl kaum zugeben. Jarred sieht es als seine Aufgabe an, ihr ein gutes Gefühl zu geben. Sie muss erkennen, was sie ihm bedeutet. Die Einladung zum Tanz ist genau das Richtige. Er wird ihre Gesellschaft zelebrieren. Er wird sie umwerben, mit allem, was er hat, betören - und wenn er sein letztes Geld dafür ausgeben muss. Alma ist all das wert.



Unterdessen steht Alma vor dem Spiegel und betrachtet sich schweigend. Das dunkle Kleid schmiegt sich elegant an ihre Figur und äußerlich könnte sie eine Frau sein, die genau weiß, wie sie auf andere wirkt – stark und selbstbewusst. Doch innerlich fühlt sie sich zerrissen. Vor einer Stunde hatte Jake noch mit ihr über die steigenden Kosten für Strom und Wasser gesprochen. Mit ernster Miene hatte er sie daran erinnert, dass es an ihr sei, Verantwortung zu übernehmen. Alma hat immer wieder Ausreden gefunden, um sich vor einem Job zu drücken, doch sie weiß, dass ihr Spielraum immer kleiner wird.

Widerwillig wandern ihre Gedanken zu Jarred. Die Einladung zum Tanzabend kam überraschend. Seit dem Abend beim Fußballspiel hat sie sich bewusst distanziert, doch Jarred ist trotzdem an ihrer Seite geblieben. Das Foto, als auch Mayve und Eva verunsichern Alma weiterhin. Vielleicht wird der Tanzabend ein Schritt sein, um die Distanz zu überwinden.



Als sie das Türklingeln hört, holt sie tief Luft und läuft zur Haustür. Als sie öffnet, sieht sie zunächst die Rosen. Begeistert lächelt sie ihn an. "Jarred", haucht sie leidenschafltich.
Den Mund leicht geöffnet tastet sein Blick Almas Körper ab. "Wow.", flüstert er zurück, die Mundwinkel heben sich und lassen ihn die Ausstrahlung eines Kindes im Süßigkeitenladen annehmen. "Du wirst die heißeste Schönheit der ganzen Stadt sein." Zaghaft zieht er sie an sich heran, um ihr einen Kuss zu geben. Dabei fällt ihm der Strauß ein, der beinahe zwischen ihnen zerdrückt wird. Im letzten Moment schwenkt er das Geschenk beiseite, berührt Almas Lippen länger, als geplant, da er sich einfach nicht losreißen kann. Mit geschlossenen Augen richtet er sich auf. Ein genüssliches Brummen entweicht ihm, ehe er sie schließlich verliebt ansieht. "Sie haben mich an dich erinnert.", hebt er den Strauß zwischen ihren Körpern in die Luft.
"Danke", flüstert sie sanft, während sie eine Blume mit den Fingerspitzen streift. "Sie sind wunderschön." Alma spürt, wie ihre Zweifel und Unsicherheiten für einen Augenblick in den Hintergrund treten, überwältigt von der Zärtlichkeit, die zwischen ihnen liegt. Heute Abend will sie nichts anderes als bei ihm sein und die Welt draußen lassen.

"Ich stell sie schnell ins Wasser", murmelt sie und wendet sich ab, um in Richtung Küche zu gehen. Nachdem sie eine passende Vase gefunden hat und sie mit Wasser befüllt, mustert sie den Strauß. Sie kann den Blick kaum abwenden. Wann hat ihr zuletzt jemand so schöne Blumen geschenkt?



Sie kehrt zurück zu Jarred und nimmt seine Hand. "Bereit."
Dieser Moment ist perfekt. Jarred umschließt ihre Hand, schaut Alma tief in die Augen und für einen Moment ist ihm, als bliebe sein Herz stehen.


---


Ihre Finger liegen warm in seiner Hand, als Jarred seiner Begleitung galant aus dem Wagen hilft. Er bedankt sich beim Taxifahrer, wünscht ihm einen angenehmen Abend und führt Alma ins Gebäude hinein. Ein geräumiger Saal tut sich vor ihnen auf, die Tanzfläche wird von kleinen Tischgruppen umrundet - insgesamt wirkt alles elegant und stilvoll, wenn auch spärlich besucht. Bewusst hat Jarred den Dienstag gewählt, denn zum Wochenende hin kosten Speisen und Getränke beinahe das Doppelte. Auch wenn er Alma liebend gern die Welt zu Füßen legen würde, muss er sich gut überlegen, wofür er sein Geld ausgibt. Dieser Abend ist etwas Besonderes und so schnell wird er sich etwas Ähnliches nicht wieder leisten können. Allein die Fahrt hierher hat ein kleines Vermögen gekostet. Aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen, hätte die Stimmung ruiniert.



An einem der Tische nehmen Alma und Jarred Platz. Seine Augen leuchten vor Freude und Stolz, sie mit diesem Besuch überraschen zu können. Es muss ihr einfach gefallen.
Alma sieht sich um und ist begeistert von dem Ort – stilvoll, elegant, genau das Richtige für diesen besonderen Abend. Sie spürt, wie viel Mühe Jarred sich gegeben haben muss und ein warmes Gefühl breitet sich in ihr aus. Ein kurzer Gedanke kommt ihr in den Sinn. Wie es wohl wäre, bei ihm einzuziehen, ihn häufiger um sich zu haben? Doch sie behält ihre Gedanken für sich.
"Warst du schon mal hier?", fragt sie leise, während sie ihn mit einem interessierten Blick mustert.
Verlegenheit mischt sich unter Jarreds Ausdruck. Ein Schmunzeln verkneifend zeichnet sich das Grübchen auf seiner linken Wange ab. "Ich habe mal einen Blick hinein geworfen. Aber ich hatte keine Gelegenheit, zu bleiben." In Wahrheit konnte er es sich nicht leisten. Es fand eine Show statt, die er sich gern angesehen hätte. "Am Wochenende gibt es hier Veranstaltungen.", erklärt er. "Magieshows, Tanzvorführungen, Akrobaten und bestimmt noch viel mehr. Dann kostet es natürlich Eintritt."
"Haben Sie schon bestellt?", tritt eine Kellnerin an den Tisch.
Jarred verneint höflich, lässt Alma den Vortritt und bestellt für sich einen Chardonnay.
"Ich freue mich unheimlich, mit dir hier sein zu können." Langsam erhebt Jarred sich aus dem Stuhl, umrundet den Tisch und reicht Alma eine Hand. "Ich möchte gern mit dir tanzen. Machst du mir die Freude?"
Alma lächelt und nimmt seine Hand. "Gern", antwortet sie leise und steht auf, ihre Augen leuchten ein wenig bei dem Gedanken, gleich mit ihm zu tanzen.



Während sie ihm auf die Tanzfläche folgt, denkt sie kurz an die Tanzstunden zurück, die sie als Jugendliche besucht hatte. Ihre Eltern hatten darauf bestanden, doch ihre Begeisterung hielt sich damals in Grenzen – all die Schritte und Regeln kamen ihr eher lästig vor. Heute ist es anders, es geht einfach darum, diesen Moment mit Jarred zu genießen.
Als sie in der Mitte der Tanzfläche ankommen, legt sie eine Hand leicht auf seine Schulter und lässt sich von ihm führen. "Ich war nie die beste Tänzerin, also verlass dich besser nicht darauf, dass ich die Schritte richtig mache", sagt sie schmunzelnd.
"So wie du bist, bist du perfekt." Eine Hand auf Almas Rücken ruhend küsst er ihre Nasenspitze. "Hast du schon mal Tango getanzt?" Mit sanfter Bestimmtheit zieht er ihren Körper näher an sich heran, so dass sie sich beinahe berühren. "Er ist genau wie du." Leicht zu ihr heruntergebeugt schließt Jarred die Augen und flüstert dicht an ihrem Ohr: "Voller Leidenschaft. Erotisch. Intuitiv." Sein warmer Atem streift ihre Wange, während Jarred darauf bedacht ist, wenige Millimeter Abstand zu Alma zu halten. Seine Haut beginnt zu kribbeln, als würde sie elektrisch aufgeladen. Er liebt dieses Knistern und genießt jede Sekunde davon. Bedächtig bewegt er das linke Bein in einem Halbkreis unter Almas Körper entlang, schmiegt es an ihr Knie und führt es geschmeidig eine Schrittlänge nach außen. "Lass dich fallen.", haucht er. "Und folge mir."



Mit stockendem Atem vernimmt sie seine Worte. Ihr Herz schlägt schneller und ein leiser Schauer überläuft sie, als er sie näher an sich zieht.
Zögernd lässt sie sich in die Bewegung hineinfallen, spürt die Führung von Jarreds Bein, wie er sie sicher führt. Tango hat sie noch nie getanzt, aber in diesem Moment scheint das völlig egal. Es geht nicht um die Schritte, sondern um das Vertrauen, das er in ihr weckt.
Mit einem Lächeln hebt sie den Blick zu ihm. "Zeig mir, wie es geht."
Mit gleichmäßiger Geschmeidigkeit führt Jarred sie in einfachen Bewegungen über die Tanzfläche, so dass Alma ein Gefühl für Rhythmus und Temperament bekommt. Es dauert nicht lang, bis sie sich seiner Führung anpasst und so probiert er etwas Neues. Am langen Arm bringt er Alma in eine Pirouette, nähert sich ihr auf halber Strecke, so dass sie mit dem Rücken an seiner Brust landet. Von seinen Armen umschlungen muss sie in dieser Position verharren. Jarred senkt den Kopf, als wolle er in ihr Ohr flüstern, doch das Einzige, was sie vernimmt, ist sein tiefer, beinahe lustvoller Atem. Jarreds Hand gleitet an ihrem Körper entlang, bis zum Bauch, deutet ihr durch sanften Druck, ihm zu folgen, als er einige Schritte, zuerst seitwärts, dann um die eigene Achse macht.



Im Rhythmus der Musik wiegt er ihre Oberkörper fordernd hin und her, gibt Alma etwas Raum, so dass sie sich ihm wieder zuwenden kann. Seine kräftige Hand ruht jetzt in ihren Nacken, lädt sie ein, sich in seinem Griff fallen zu lassen. Einen Kuss andeutend, senkt er den Arm, ihr Oberkörper neigt sich, von ihm getragen, nach hinten, woraufhin sich ihre Lenden beinahe berühren. Intensiv betrachtet Jarred Almas Körper. Er hätte nicht übel Lust, sie an einen ruhigeren Ort zu bringen, wo er leidenschaftlich über sie herfallen könnte. Das Zügeln der Begierde gehört zum Spiel. Er atmet dieses Gefühl tief ein und wünschte, er hätte sich zuerst auf einen koketten Flirt eingelassen, anstatt gleich eine körperliche Ebene anzusteuern.
Jarreds freie Hand streicht zu Almas Oberschenkel, umfasst ihn anhebend, so dass ihre Wade sich um seinen Schenkel legt. Das Verlangen nach ihr zügelnd, führt er sie wieder zu sich herauf, ihr Bein umfasst ihn noch immer und ihre Blicke treffen sich. Seine Augen funkeln vor innerer Hitze, als er schwer schluckend herauspresst: "Wir sollten ... etwas trinken." Seine Augen schließen sich, er atmet noch einmal tief ein und gibt ihren Oberschenkel frei, so dass ihr Bein sich langsam aufstellt.



Alma folgt Jarred, sie ist noch ganz benommen vom Tanz und dem überwältigenden Gefühl seiner Nähe. Die Musik, die Bewegung, der Rhythmus seines Atems – alles hat sich zu einem Rausch verbunden, dem sie sich kaum entziehen kann. Ihre Hand ruht noch in seiner und sie spürt die Wärme seiner Finger.
Am Tisch angekommen, löst sich ihre Hand nur zögerlich von seiner. Sie greift nach einem Glas Wasser mit zittrigen Fingern. Alma nimmt einen Schluck und für einen Moment ist sie wieder klarer. Ihre Augen suchen seinen Blick. "Das ... war unglaublich."




(in Zusammenarbeit mit @Spatz )


>>> Alma und Jarred gehen nach Evergreen Harbor - Wohnung Jarred Cunningham >>>


 Antworten

 Beitrag melden
21.04.2025 21:39 (zuletzt bearbeitet: 20.07.2025 18:01)
#3
avatar
Schicksalslenker

<<< Nouki kommt von Windenburg Nr. 6 - Familie Jaspers<<<
<<< Artjom kommt von Windenburg Nr. 6 - Familie Jaspers <<<


Charaktere: Nouki, Artjom
Geschichtsstrang: Überraschung II



Als sie vor dem Palazzo stehen – diesem Prunkbau in Elfenbeinoptik mit vergoldeten Türgriffen, Kellnern in schwarz-weiss wie aus einem alten Mafiafilm, schiebt er sich mit Nouki untergehakt die letzten Stufen hoch und wirft einen Blick auf die Fassade, dann zu ihr.
„Also, zwei Dinge, bevor wir da reingehen,“ beginnt er und bleibt vor dem Eingang stehen, die Stimme ganz ruhig. „Erstens: Wenn mich einer dieser Kellner duzt, bin ich raus.“ Er scherzt, da das offensichtlich nicht der Fall sein wird und weil er betonen will, wie edel der Laden ist.
Dann lehnt er sich leicht zu Nouki, das Kinn etwas gesenkt. „Und zweitens: Du musst mir versprechen, dass du dich heute Abend nicht fragst, ob wir hier reingehören, klar? Weil, wenn jemand hier reingehört, dann ist das der Typ, der mit dem hübschesten Mädchen auf dem ganzen Kontinent auftaucht.“
Pause.
„Und ja, ich hab grad ganz uneigennützig dich gemeint.“
Er richtet sein Hemd, mustert noch einmal spielerisch ihren Look, dann schnippt er zur Seite wie ein Zauberer, der einen Vorhang lüftet. „Komm. Lass uns so tun, als hätten wir Geschmack. Und... wenn uns einer fragt, ob wir das regelmässig machen, lächelst du einfach und sagst: ‚Nur an Tagen mit t drin.'“
Mit diesem Satz schreitet er los und öffnet ihr selbstverständlich die Tür.



Drinnen angekommen, blickt er sich gespielt kritisch um und nickt dann zufrieden. „Das Ambiente hat definitiv was. Etwas mehr Champagner-Brunnen, ein oder zwei Pfauen und es wäre perfekt – aber gut, man kann ja nicht alles haben.“
Er tritt näher zu Nouki heran, legt ihr sachte eine Hand an den unteren Rücken und führt sie zielstrebig zur Empfangsdame. „Reservation auf den Namen Komarow“, sagt er und zwinkert Nouki zu. Er hat das selbst noch nie gemacht - mit Reservation und so - aber das fühlt sich an, als wäre er 10 Jahre älter geworden, just in dem Moment als sie die Türschwelle überwunden haben.
Nachdem die Empfangsdame sie zu ihrem Tisch begleitet, zieht Artjom den Stuhl für Nouki zurück. „Bitte sehr, Babe.“

Jedes Wort von Artjom nimmt etwas von Noukis Nervosität. Er ist so selbstsicher und wortgewandt, das hilft. Sie liebt ihn so sehr, dass es schmerzt in der Brust. Stolz lächelnd nickt Nouki und betritt das Restaurant.
Vor einigen Jahren haben ihre Eltern hier den zehnten Hochzeitstag gefeiert. Damals kam ihr das Lokal wie ein Märchenpalast vor und sie war den halben Abend damit beschäftigt, sich Geschichten auszudenken. Sie hatte sich vorgestellt eine Prinzessin zu sein und die Angestellten hier seien Schlosspersonal, das ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen muss. Teils interessierte, teils abschätzende Blicke streifen sie, als sie vom Personal zu ihrem Tisch geleitet werden. Artjoms Worte hallen nach. Du musst mir versprechen, dass du dich heute Abend nicht fragst, ob wir hier reingehören, klar?
Ja, sie sind ein schönes Paar, gehören zusammen und werden diesen Abend genießen. Punkt. Selbstbewusst hängt sie ihre kleine Handtasche an einen dafür vorgesehenen Haken am Tisch und gleitet auf ihren Stuhl.
Babe. Unverhofft schwingt dieses Wort wie ein Flammenschwert in ihrer Magengegend. Sie hat Artjom schon so oft gebeten, sie bei ihrem Namen zu nennen. Es fühlt sich an, als sähe er sie nicht, wenn er sie 'Babe' nennt. Austauschbar. Jede könnte sein 'Babe' sein...Trotzdem sagt er es immer noch und beharrt darauf, dass es liebevoll gemeint ist.
Geübt fasst sie sich, froh, dass er noch in ihrem Rücken steht, und bedankt sich gedämpft, ehe sie sich setzt. Als Artjom ihr gegenüber Platz nimmt, empfängt er schon wieder ein strahlendes Nouki Lächeln.
Mit Blick auf das eingedeckte Besteck und die edle, cremefarbene Tischdecke kommt kurz der Wunsch auf, wieder acht Jahre alt zu sein und sich keinen Kopf um Benimm - Knigge und eventuell entstehende Flecken von Soßen oder Getränken zu machen. Tief durchatmen. Nouki weiß zwar in welcher Reihenfolge sie das Besteck benutzen muss, trotzdem will sie sich auf keinen Fall irgendeine Blöße geben. Artjom soll weiter stolz auf seine Freundin sein können.
Hoffentlich steht nicht so viel französisches Zeugs auf der Karte, das kein Sim kennt, geschweige denn aussprechen kann. Und überhaupt. Alkohol oder Wasser? Sie sind beide noch nicht achtzehn, hoffentlich gibt es keine Diskussionen, denn Nouki stünde schon der Sinn nach Wein. Nachdem sie beide eine Weile die Speisekarte studiert, sich ausgetauscht und den ersten Gang gewählt haben, nimmt Artjom ihr zusammen mit dem Ober die Entscheidung ab.
Bewundernd verfolgt sie, wie er sich beraten lässt und dann souverän die Weinbestellung abwickelt, als hätte er nie etwas anderes getan. Kaum ist der Ober verschwunden, grinst sie vergnügt. „Wir sehen wohl sehr erwachsen aus.“ Leise, aber unverkennbar im Tonfall des Kellners von eben, imitiert sie: “Sehr wohl, der Herr.“, und kann sich ein leises Kichern nicht verkneifen. Entspannt lehnt sie sich im Stuhl zurück. „Ich freu mich so, dass wir endlich wieder Zeit für uns haben. Erzähl mal das Neueste bei dir vom Studium und so.“

Artjom lehnt sich locker zurück und betrachtet den Kellner aufmerksam, als dieser ihm einen Schluck Wein einschenkt. Innerlich keine Ahnung, was er da eigentlich genau tun soll – aber spielt das eine Rolle? Nein, tut es nicht. Denn solange man das Richtige tut, ohne dabei eine Miene zu verziehen, kauft einem jeder Sim diesen Unsinn ab. Genau das hat er immerhin von seiner Mutter gelernt. Wenigstens für etwas sind ihre mühsamen Lektionen gut gewesen.
Mit betont lässiger Selbstverständlichkeit - als wären sie grade im Theaterunterricht in der Highschool - nimmt er das Glas, dreht es leicht, hebt es kurz gegen das Licht, nickt knapp und riecht sogar daran, bevor er einen winzigen Schluck trinkt. Der Wein schmeckt… nach Wein. Trocken. Irgendwie… fruchtig? Oder holzig? Ach, was weiss er schon. Trotzdem nickt er dem Kellner ernst zu. „Ja, hervorragend..“



Nachdem auch Noukis Glas eingeschenkt ist und der Kellner wieder diskret verschwunden ist, wendet sich Artjom zu ihr zurück. Er zuckt mit den Schultern, nimmt einen weiteren Schluck und meint: "Ich muss in den Sommerferien noch dieses gottverdammte Anwaltspraktikum machen." Er blinzelt, um sich zu sammeln, dann kommt der Stolz zurück in die Stimme. "Aber ich hab mich bei Journalismus, Medien- und Kommunikationswissenschaften eingeschrieben UND ich wurd angenommen. Nicht dass das überraschend kam... - Nach den Sommerferien geh ich da hin. Studium. Uni. Freiheit." Er lächelt breit. "Ich mein, klar, noch sind die Prüfungen in der Brindleton High – aber danach..."
Er hebt das Glas zum Toast.
"...schreib ich, was ich will. Egal was meine Mutter sagt. Ich muss nur meinen Durchschnitt behalten - ist Bedingung - aber pff", er rollt mit den Augen. "Kinderspiel."
Er lehnt sich energiegeladen vor und prostet ihr mit einem Augenzwinkern zu. "Und wenn ich dann umgezogen bin, kriegst du natürlich Vorabzugang zu allem. Ehrensache. Als meine Muse."

Während Artjom erzählt, versucht Nouki sich nicht anmerken zu lassen, wie schwierig es ist, mit den ungewohnt langen Nägeln nach dem dünnen Stiel des Weinglases zu greifen und es auch entsprechend elegant wieder zurück zu platzieren. Hoffentlich wird das mit dem Besteck gleich einfacher. Er will also das Praktikum doch machen? Wenn nicht, dann gäbe es wohl mehr als kalten Krieg im Hause Komarow. Es ist auf jeden Fall besser, noch einmal nachzugeben und dann ab in die Freiheit. Liebevoll lächelt Nouki ihm zu und will Artjom gerade bestärken, als sie über seine letzten Worte stolpert. "Was meinst du mit .. Vorabzugang?" Verunsichert greift sie zum Weinglas und verharrt auf halber Strecke, weil der Ober die Vorspeise serviert.

Artjom lehnt sich etwas zurück. Versteht sie das Wort nicht, oder was? Oh mann.. “Ich meine, ich geb dir jeden einzelnen Text, bevor die Redaktion überhaupt ‘Veröffentlichung’ buchstabieren kann.”
Er greift sein Glas, hebt es ein paar Zentimeter an, schwenkt den Wein und ergänzt: “Du bist doch schliesslich meine erste Leserin. Meine inoffizielle Lektorin. Mein, äh… moralischer Kompass.” Er nimmt einen kleinen Schluck, setzt das Glas ab, betrachtet sie kurz. “Ich brauch deine Meinung.“ nicht „Zum Beispiel wenn ich in einem Absatz alle SW-Politiker mit Schnecken vergleiche, weil sie denselben Schleim hinter sich herziehen. Oder so.” Süffisant grinsend nimmt er die Hand vom Glas und öffnet sie damit sie ihre reinlegen kann. „Oder willst du mich nicht unterstützen?“

Beinahe hätte Nouki laut aufgeseufzt vor Erleichterung. Gedanklich bei 'wenn ich dann umgezogen bin' hängen geblieben, hatte sie an sein Zimmer auf dem Campus gedacht. Ob er allein wohnen würde oder mit einem Mitstudenten zusammen. Ob sie übernachten kann dort und so weiter. In diesem Zusammenhang war 'Vorabzugang' ziemlich irritierend. Wer sollte denn nach ihr Zugang bekommen? Sie schüttelt leicht den Kopf. Wie absurd. Das mulmige Gefühl in der Magengrube verfliegt und weicht dem Drang laut los zu lachen. Stattdessen legt sie ihre Hand in seine und grinst. "Doch klar. Ich werde dein größter Fan und deine schärfste Kritikerin sein." Sanft streicht sie mit ihrem Daumen über seine Handfläche. "Es ist mir eine Ehre, Maestro." Zufrieden lehnt sie sich wieder zurück und widmet sie sich ihrem Teller, der mit verschiedenfarbigen Mousseklecksen dekoriert, wie eine Künstlerfarbpalette wirkt. Ellie hätte ihre Freude daran. "Bei mir läuft's nicht ganz so gut.", sagt sie fast beiläufig ohne Artjom anzusehen.

Er lässt sie nicht aus den Augen, eine Braue angehoben. Sich fragend was für eine Art ‘nicht ganz so gut‘ ihn jetzt erwartet. „Läuft nicht ganz so gut in Mathe? Oder…“ Sein Blick bleibt an Nouki hängen, aber nicht suchend – eher lauernd.



Bemüht ihren Finger elegant auf Messer-und Gabelrücken platziert zu lassen, ohne durch die Nägel etwas ins Wanken zu bringen, zuckt Nouki mit einer Schulter. "Ich werd die Sportnoten für das Stipendium nicht schaffen, das weiß ich. Deshalb muss ich mir einen Plan B überlegen." Sie nimmt den letzten Bissen Brokkolimousse, legt das Besteck sorgfältig nebeneinander auf dem Teller ab. „Vielleicht werde ich erstmal eine Weile lang arbeiten gehen nach den Prüfungen, um Geld zu verdienen und dann mal sehen."

Artjom hebt langsam die Augenbrauen und setzt ein schiefes, sehr deutlich nicht ganz ernst gemeintes Lächeln auf. „Aha, Kellnern also....“ Er lehnt sich ein Stückchen näher, seine Stimme leise und eindringlich. „Versteh mich nicht falsch, Nouki, aber schau dir diese Pinguine hier drin doch mal an... Du willst eine von diesen wandelnden Serviertabletts werden, die sich hinter der Fassade fragen, ob sie dem Gast am liebsten mit seiner eigenen Stoffserviette ersticken wollen?“ Er macht eine kurze Pause, lässt die Worte wirken, bevor er ergänzt: „Sag mir bitte, dass du irgendwas anderes im Köcher hast, als diesen traurigen Plan B, der eigentlich eher ein Plan Z sein sollte...“



Ihr Kehlkopf fühlt sich wund an, als Nouki krampfhaft den sich in ihrer Mundhöhle sammelnden Speichel herunter würgt. Es ist nicht die richtige Umgebung, nicht der richtige Anlass um ihm alles zu erklären. Keine Tränen jetzt, auch wenn jedes seiner Worte eine heiße, schneidende Klinge in ihren Brustkorb versenkt. Leos Weggang hat alles gesprengt. Das Trainingsgefüge, ihre Motivation, ihr Durchhaltevermögen. Jetzt ist Artjom ihr ganzer Halt. Natürlich hat er Recht, aber warum muss er ihr das so gefühllos rüber bringen? Stattdessen könnten sie doch zusammen überlegen, was es für eine Lösung geben könnte. Eine, die ihrer Liebe gerecht wird. "Ich hätte die Chance in Selvadorada ein Jahr als Au-pair zu arbeiten, bei meinen Freunden dort." Ihre Stimme wird leiser. "Die Sprache zu lernen und vielleicht würden sich dort Möglichkeiten auftun. Die Ausbildungsvoraussetzungen sind außerhalb von Simswelt oft weniger anspruchsvoll. Darauf könnte ich dann aufbauen." Nouki ringt sich ein zuversichtliches Lächeln ab. "Ich möchte aber nicht von dir getrennt sein, deshalb mach ich jetzt erstmal einen guten Abschluss, auch ohne Stipendiumsaussichten, und dann findet sich schon alles." Umsichtig greift sie zu ihrem Weinglas und hält es ihm zum anstoßen entgegen. "Auf unsere Zukunft."

Ein kleines, gezwungenes Lächeln verzieht seine Mundwinkel, als er zum Anstossen sein Glas hebt und es leicht gegen ihres klirren lässt.
„Interessante Wahl.“ Er nimmt einen Schluck Wein und lässt sich kurz Zeit, ehe er weiterredet. „Ich meine klar, es klingt erstmal nach Abenteuer und Freiheit und was weiss ich – Sonne, tropische Strände und vermutlich ein paar süsse kleine Kids, die deinen Namen in einem entzückenden Akzent falsch aussprechen.“ Seine Lippen verziehen sich ein bisschen mehr, beinahe wie bei einer wohlwollenden Grimasse.
„Aber weisst du, Babe,“ beginnt er dann mit gespielter Nachdenklichkeit, während er das Glas langsam abstellt, „Ich sag dir was: In Selvadorada - weisst du ja eigentlich, du warst schon dort -verschwinden jedes Jahr rund zwanzig Leute spurlos. Touristen. Junge Frauen. Und dann sind da noch die Schlangenarten, die dich zwar nicht sofort umbringen, aber dafür sorgen, dass du drei Tage lang halluzinierend dein eigenes Bein essen willst...“
Artjom lehnt sich ein Stück nach vorne, seine Stimme jetzt sehr leise und eindringlich. „Ganz zu schweigen davon, dass ein Jahr Trennung ja jetzt nicht gerade der perfekte Cocktail für unsere Beziehung wäre. Aber.. wenn du meinst, dass wir das unbedingt herausfinden müssen…“
Er zieht sich wieder zurück, setzt sich aufrechter hin und wirkt, als würde er über etwas nachdenken. Dann lächelt er schmal und seufzt betont. „Aber vielleicht hast du ja recht. Vielleicht sind wir ja die Sorte Paar, die das problemlos schafft. Ich meine, ich kann mich dann ja in der Zwischenzeit damit anfreunden, dich alle drei Wochen kurz via Videochat zu sehen, während du dort unten mit deinen neuen Freunden Abenteuer erlebst und ich hier mein Studium durchziehe. Klingt richtig toll, so in der Theorie.“
Seine Finger spielen kurz mit der Tischdecke, bevor er abrupt nach dem Kellner winkt, damit der ihm die Rechnung bringt. „Lass uns doch erstmal schauen, dass du deine Prüfungen packst. Vielleicht ergibt sich ja noch was anderes. Irgendwas, das für uns beide passt.“ Er wirft ihr ein versöhnliches Lächeln zu. „Wir wollen ja beide nicht, dass du hier irgendwann unzufrieden als Kellnerin endest, oder?“



Noukis Atem geht flach und stoßweise, während er spricht. Das ist es doch, was sie gerade gesagt hat? Oder? Sie hat doch gerade gesagt, dass sie nicht von ihm getrennt sein will. Warum denkt er, dass sie es ernsthaft in Erwägung zieht weg zu gehen? Hat sie sich missverständlich ausgedrückt? Ihn wieder verletzt? Aufsteigende Panik reckt triumphierend die Arme und schnürt allen klaren Gedanken den Lebenssaft ab. Sie hat diesen wunderbaren Abend ruiniert. Das muss richtig gestellt werden, er darf nicht glauben, dass..
'Klingt richtig toll, so in der Theorie.' Damit sinkt Noukis letzter Rest Mut, in die unberechenbaren Tiefen ihrer Schuldgefühle. Er IST verletzt. Immer wieder ihre ungeschickte Wortwahl. Den Atem anhaltend verfolgt sie, wie Artjom dem Ober das Signal zum zahlen gibt. Also kein Nachtisch. Natürlich nicht.
Wie eine Ertrinkende greift sie nach seinem Lächeln, als er weiter spricht und hangelt sich daran wieder an die Oberfläche zurück, um es zu erwidern.
"Ja, ich will doch auch, dass es für uns beide passt."Sie greift nach seiner Hand, um sie zu drücken. "Ich liebe dich, Artjom." Versehentlich ritzt einer ihrer Nägel sein Handgelenk. Kleine Hautschuppen recken sich als rötlicher Strich empört auf und Artjom entzieht ihr mit einem leisen Schmerzenslaut die Hand. Im selben Moment kehrt der Kellner zurück. Nouki schluckt nervös ihr 'Entschuldigung' herunter und wartet mit klopfendem Herzen auf die ausstehende Summe. Er gibt so viel Geld aus..nur für sie. Wahnsinn.

Artjom zieht scharf die Luft ein und betrachtet irritiert den kleinen roten Strich an seinem Handgelenk. „Wow, Babe,“ sagt er gedehnt, „deine Waffen sind heute ja brandgefährlich.“ Er grinst schief, doch in seinem Blick liegt ein Hauch von Missbilligung. In diesem Moment kehrt der Kellner zurück und legt elegant die kleine Ledermappe mit der Rechnung auf den Tisch. „Vielen Dank,“ murmelt Artjom freundlich, wartet, bis der Kellner ausser Hörweite ist, bevor er die Mappe öffnet. Sein Gesicht verändert sich minimal. Mit ruhiger Bewegungen greift er in die Hosentasche, zieht seine Brieftasche hervor und öffnet sie langsam. Dann hält er abrupt inne, sein Blick auf den Inhalt gerichtet, und seine Miene verhärtet sich.
„Fantastisch. Einfach fantastisch,“ murmelt er sarkastisch, klappt die Brieftasche wieder zu und lässt sie frustriert auf den Tisch fallen. „Meine Mutter muss wieder mal der Meinung gewesen sein, dass ich zu viel ausgebe und es eine geniale Idee wäre, mein Taschengeld kurzfristig einzubehalten.“ Er seufzt tief, wirkt aufgebracht und verlegen zugleich.
„Tut mir leid, Nouki,“ sagt er mit gespielter Ruhe, sieht sie dabei direkt an. „Das ist so typisch für sie..“ Er verdreht die Augen und zieht dann sein Handy hervor. „Keine Sorge, ich regle das sofort. Wart kurz.“
Er tippt schnell auf dem Display herum, tut so, als würde er eine Nachricht verfassen, hält dann inne und steckt das Handy wieder ein. „Okay, ich glaub, ich muss später nochmal mit ihr reden. Bist du vielleicht so lieb und kannst heute aushelfen?“ Er sieht sie mit grossen, entschuldigenden Augen an, während er die Schultern hebt. „Ich gebs dir natürlich so bald wie möglich zurück. Versprochen.“



Unmöglich. Das ist nicht real. Die Wände mit ihren vornehmen Lampen scheinen in Zeitlupe näher zu rücken, bis Nouki wie eine zu Stein erstarrte Figur in einem Käfig, keine Luft mehr bekommt. Sie hat kaum Geld dabei. Ein paar Münzen, sonst nichts. Mit der Erkennntnis, dass Artjom das ernst meint, setzt der Lavastrom in ihrem Innerem ein. Flutet vom Magen in ihr sich überschlagendes Herz, reizt den Hals bis zum würgen und leuchtet ihrem Freund rot glühend, aus ihrer sonst eher blassen Gesichtshaut, entgegen.
Ttffhhhhae..." Nouki holt schnappend Luft, den Blick immer noch wie paralysiert auf Artjom gerichtet. Dann schnellt ihr Kopf wie bei einem wild pickenden Huhn auf und ab. "Ich muss zum Geldautoamten. Bin gleich wieder da."



Aufgeregt fummelt sie ihre Handtasche vom Haken am Tisch und erhebt sich. Die Toiletten liegen Richtung Ausgang. Es wird niemandem auffallen, wenn sie kurz nach draußen geht. Artjom ist vor Ort und ihr könnte ja auch schwummrig geworden sein aus irgendeinem Grund. Mit gemessenen Schritten verlässt sie den Speiseraum des Lokals und gelangt unbehelligt ins Freie. Kaum um die Ecke, außer Sichtweite, verfällt Nouki in Trab. Artjom darf nicht zu lange warten, das wäre megapeinlich. Die Straße runter gibt es einen Geldautomaten in einer Nische zwischen zwei Geschäften. So schnell es die Absatzschuhe zulassen, eilt Nouki ihm
entgegen.



Angekommen, zerrt sie ihr Portemonnaie aus der Handtasche und fingert nervös die Bankkarte aus dem Seitenfach. Diese verdammten Nägel behindern einfach alles. Endlich steckt das Ding im Schlitz und sie kann die Geheimzahl eintippen. Wenn man die Finger ganz flach hält, klappt das trotz der Nägel flott. Sie hat eine große Summe für Haare und Nägel ausgegeben, aber das restliche Geld auf dem Konto müsste eigentlich noch reichen. Mit besorgt pochendem Herzen tippt sie weiter. Betrag eingeben und bestätigen. Bitte, bitte , bitte lass es klappen!!Bitte! Angespannt verfolgt sie die Vorgänge auf dem Bildschirm und atmet erlöst auf. Es reicht. Das Geld kann ausgezahlt werden. Bitte Karte entnehmen. Zielgerichtet greift sie nach dem Plastikteil und rutscht ab. Was zum...? Sie fasst nach. Wieder hindern die langen Nägel sie daran, den Teil der Karte zu packen, der sich ihr auffordernd entgegen geschoben hat. Nein, nein, nein... Immer hektischer krallen die Fingernägel in den Spalt, finden keinen Halt. Sie darf nicht eingezogen werden! Es ist Freitag. Wenn das jetzt passiert, geht vor Montag gar nichts mehr. Der Abend wird ruiniert sein. Artjom und sie werden beschuldigt werden, die Zeche zu prellen.
Unverzeihlich. Alles nur wegen dieser Bitch von Mutter. Panisch überschlagen sich Noukis Gedanken, während sie mit Tränen der Verzweiflung, weiter versucht dieses verdammte Stück Plastik zu greifen. Es sind doch nur Millimeter. Das muss doch..
Spitternd bricht der Mittelfingernagel ab, ein akustisches Signal ertönt und gleichzeitig verschwindet das Unglücksteil mit einem leisen Surren im Geldautomaten. Aus Sicherheitsgründen eingezogen. Fassungslos steht Nouki einen Moment regungslos, dann dringt der Schmerz von ihrem Finger ins Gehirn. Die ersten Tränen rinnen. Die Pein zur Seite drängend beißt sie sich auf die Lippe und fummelt mit fliegenden Händen ihr Handy aus der Tasche. Erst im dritten Versuch erreicht sie Artjom, weil ihre Fingerkuppe über dem Wiederwahlfeld nicht still halten will. "Sorry, ich bin in der Bank, aber die Karte ist weg. Was soll ich machen? Ich hab kein Bargeld..also..nicht genug.", keucht sie panisch in das Mikrofon, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen.

Der Teller ist leer, das Glas halb voll, und sein Blick auf die Tür gerichtet, durch die Nouki vor einer gefühlten Ewigkeit verschwunden ist. Er tippt nervös mit dem Finger auf die Ledermappe. Ein Kellner geht vorbei und schaut. Artjom lächelt. Nicht so ein Lächeln mit Zähnen. Eher so ein 'Wenn du mich jetzt noch einmal ansiehst, verwandle ich mich in deine schlechteste Yelp-Bewertung'-Lächeln. Natürlich war das mit dem 'Meine-Mutter-hat-mir-die-Kohle-gesperrt'-Ding gelogen. Soweit kommts noch. Er hat das Geld. Aber er hatte einfach null Bock, für ein paar löffelgrosse Schaustücke auf Tellern mit Pinselstrichsoße eine halbe Tankfüllung rauszuballern. Und dann noch für ein Mädel, das ihm kurz davor erklärt, sie überlege ernsthaft, ein Jahr in ein Schlangennest auszuwandern wenn sich nichts besseres ergibt. Wow. Danke für nichts.
Und jetzt ist er der Idiot, der in einem Elite-Restaurant auf dem Trockenen sitzt. Allein.
Sein Handy vibriert. Er sieht den Namen aufleuchten. Zögert. Dann nimmt er ab.
„Na endlich.“ Seine Stimme ist leise, aber geladen. Er hört ihre panischen Worte, runzelt die Stirn. Dann... seufzt er. Laut. Deutlich. Dann senkt er die Stimme:
„Okay. Weisst du was? Ist egal. Ich regel das. Ich... kümmere mich drum.“ Er betont es, als würde er sich gerade freiwillig für eine Nieren-OP ohne Betäubung melden.



„Ich krieg das hin – irgendwie. Ich bring mich halt sozial in die Bringschuld, muss den Kellner anhimmeln oder was auch immer. Vielleicht wasche ich später hinten das Geschirr, wer weiss. Ich mein, was ist schon ein bisschen Demütigung unter Verliebten, oder?“ Ein bitteres Lachen. „Hauptsache, du musst dich nicht schämen.“
Dann wird er wieder ernster.
„Geh nach Hause, Nouki. Echt jetzt. Passt schon. Das hat sich ja wohl erledigt hier. Ist nicht dein Abend – und auch nicht meiner. Ich... meld mich später.“
Er legt auf, bevor sie antworten kann. Lässt das Handy auf den Tisch fallen und greift nach seinem Glas, um den letzten Schluck zu kippen.



Und wie sie sich schämt. Auf keinen Fall wird sie ihn dort sitzen lassen mit dem Schlamassel. Ihr Finger pocht weiter bis in ihr Gehirn und verhindert jeden sinnvollen Gedanken. Nouki packt kurzerhand ihre Tasche und eilt die Straße entlang, zurück zum Palazzo. An der Ecke bleibt sie stehen, wischt kurz unter den Augen entlang, streicht ihr Kleid glatt und streckt den Rücken. The show must go on.
Die Dame am Empfang wirft ihr einen seltsamen Blick zu, macht aber keine Anstalten sie auf zu halten oder anzusprechen. Nouki lächelt ihr zu und bleibt dann im Türrahmen zum Restaurantbereich stehen. Leer. Ihr Tisch ist abgeräumt, kein Artjom zu sehen. Starr vor Schreck verharrt sie. Nur ihre Augen gleiten hektisch durch den Raum. Wo ist er? Belustigte Blicke der Gäste an den umliegenden Tischen machen es nur noch schlimmer. Was ist passiert? „Alles in Ordnung?“, ertönt jetzt doch die Stimme der Empfangsdame hinter ihr. "Ihr Begleiter ist vor ein paar Minuten gegangen.“ Nouki wirbelt herum und starrt sie sprachlos an. Blinzelnd kommt sie zu sich, nickt mit einem erzwungenen Lächeln und setzt sich langsam in Bewegung. “Ja. Vielen Dank.“ Keine Tränen, keine Tränen, keine Tränen. „Offensichtlich ist alles in bester Ordnung.“ Sie nickt wie bestätigend, wendet sich um und flüchtet, ohne einen Blick zurück, hinaus ins Freie.



(in Zusammenarbeit mit @Ripzha)

>>> Artjom geht nach >>>
>>> Nouki geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!