Bitte geben Sie einen Grund für die Verwarnung an
Der Grund erscheint unter dem Beitrag.Bei einer weiteren Verwarnung wird das Mitglied automatisch gesperrt.
San Sequoia - Haus S. Schmidt
Charaktere: Blaze
Geschichtsstrang: Alles was fehlt, ist ein Teil II
Auf dem Tresen, direkt neben ihm, steht die Nähmaschine wie ein Mahnmal. Sein Gesicht spiegelt sich dumpf im Display seines Handys. Die Suche läuft schon seit 2 Stunden. Zehn Tabs offen, immer dieselben Seiten. Immer dieselben Wörter. Er scrollt, wischt, tippt neu.
Fadentreiber Nähmaschine
Fadentreiber Ersatzteil
Nähmaschine Metallführung alt
Er setzt Anführungszeichen. Streicht sie wieder. Kombiniert. Trennt. Scrollt. Wiederholt.
Seine Augen brennen. Sein Nacken tut weh. Die Luft ist trocken. Das Handy wird warm in seiner Hand, aber das ist ihm egal.
Was ihm nicht egal ist: dass er nichts findet. Kein Ersatzteil, das „Fadentreiber“ heisst. Kein Foto, das das Wort zeigt. Kein Thread, kein Forum, keine scheiss PDF-Anleitung, in der irgendwer diesen Begriff auch nur erwähnt.
Ein Video öffnet sich, ein nerviger Jingle plärrt los – er schaltet sofort ab. Wieder zurück. Bilder von Explosionszeichnungen, aber kein Bauteil, das diesen Namen trägt. Irgendwas mit Spule, irgendwas mit Führung. Vielleicht ist es nur falsch benannt. Vielleicht hat Vaas einfach einen eigenen Namen dafür benutzt.
Blaze versucht es weiter. Verändert die Schreibweise. Gibt einen Bindestrich dazu. Lässt ihn weg. Simlisch. Englisch. Nichts, das eindeutig ist. Er scrollt durch Seiten, die alle gleich aussehen. Die Inhalte verschwimmen ineinander – technische Zeichnungen, veraltete Forenposts, unscharfe YouTube-Thumbnails mit Titeln wie "How to fix thread jamming (easy!)". Keine Spur von einem Teil, das exakt so heisst. Nur etwas Ähnliches. Thread shift driver, irgendwo in einer Zeichnung aus einem Maschinenmuseum.

Klingt fast gleich. Sieht aus wie ein gebogener Metallhebel. Könnte sein, dass Vaas einfach das englische Wort eingesimlischt hat.
Oder – und das brennt sich langsam wie Säure durch seine Geduld – es gibt den „Fadentreiber“ gar nicht.
Er lehnt sich zurück. Sein Nacken knackt. Er hat das dumpfe Gefühl, dass er gerade wie ein Idiot im Kreis rennt.
Wäre es nur ein Missverständnis. Ein dummer Übersetzungsfehler..... Aber da war dieser Satz. Diese Bemerkung, im Halbschlaf gesagt, Vaas-mässig provokant: „Was würdest du sagen, wenn gewisse Autoritätspersonen nicht so begeistert davon wären, dass du versuchst, unsere Bitch zu beeindrucken?“
Er hat gar nicht so richtig darüber nachgedacht. Aber jetzt, wo er sich zum dritten Mal durch dieselben zehn Foren klickt und versucht, etwas zu finden, das niemand kennt?
Er denkt plötzlich zurück an das Gespräch mit Dennah und Boom. Diese eine Nacht, der Joint, der 2k Alkohol, dieses Gefühl....

„Was ist mit deiner Schneidersache?“ hatte Boom gefragt.
„Kann mir doch eh keine Stoffe leisten“, hatte Dennah gesagt.
Und Blaze hatte sich gewundert. Hatte Boom darauf angesprochen. Dachte, sie wär reich. Oder zumindest versorgt. Wie Boom dann von der Nähmaschine sprach, die sie ihr geschenkt hatte – „die Beste auf dem Markt“ – mit dieser ungewohnten Zärtlichkeit in der Stimme. “Für meine Bitch nur das Beste”, hatte sie gesagt.
Die Schneidersache.....
Er hatte es sich gemerkt.
Dieses eine Detail.
Er kennt das Gefühl. Er hat früher auch verschenkt. Weil Geld da war. Mehr als genug. Es hatte nie Bedeutung für ihn, als er noch welches hatte. Er hat Dinge weitergegeben. Für Chip, für Fremde, für Leute, bei denen er das Gefühl hatte, sie könnten es brauchen.
Dennah sitzt auf dem Trockenen – und irgendwas daran passt nicht zusammen.

Er hält inne und schaut wieder zur Maschine.
Er nimmt den Schraubenzieher der daneben liegt und schraubt die Seitenplatte ab. Sein Blick fährt über das Innere, über Zahnräder und Federn, als suchte er etwas, das erklärt, warum er sich gerade wie der letzte Depp fühlt.
Dabei fällt ihm auf, dass Boom nie wieder was erwähnt hat. Kein Versuch, was Neues zu besorgen. Sie hat doch noch immer Geld. Boom ist keine, die spart. Warum hilft sie ihr nicht?
Wenn Blaze das Geld hätte, hätte er Dennah längst wieder eingedeckt.
Und jetzt steht diese gefundene Schrott-Nähmaschine vor ihm. Und das verdammte Bauteil fehlt. Angeblich. Wenn er ehrlich ist, dann... fühlt es sich an wie eine Ohrfeige.
Dennah antwortet nicht.
Nicht auf Sprachnachrichten.
Nicht auf Text.
Kein Like. Kein Herz. Kein Daumen hoch.
Blaze runzelt die Stirn.
Was, wenn das kein Zufall ist?

Charaktere: Blaze, Vaas, Boom Boom
Geschichtsstrang: Verarscht
Blaze steht vor der Tür zu Booms Zimmer. Die Faust schwebt kurz über dem Holz. Es ist spät, sie pennt tagsüber, also müsste sie jetzt wach sein, denn es wird dunkel draussen.
Ein dumpfes Klopfen. Blaze wartet. Keine Antwort.
Dann öffnet er einfach die Tür. Vorsichtiger als er will. Das erst was er sieht ist schummriges Licht. Dann Kleidung auf dem Boden, dann Vaas... Er ist grade dabei den Reissverschluss an der Hose zu schliessen und wendet ihm dabei den Rücken zu. Blaze fühlt sich, als wäre er gerade in einen Unfall hineingestolpert, und würde nun versuchen, wegzusehen, aber irgendwie schafft er es nicht.

„Nächstes Mal sag ich ihn“, meint Vaas zu Boom.
„Ich schwöre ich war so kurz davor.“, fährt Vaas fort und zieht genüsslich langsam den Gürtel zu. „Aber ich hat plötzlich dich im Kopf, wie du sagst: 'Sag es und ich kastrier dich, Digger'.“ Vaas grinst breit. „Damn, du bist so einschüchternd, Baby. Schon beim Gedanken krieg ich Puls. Ich glaub, ich steh drauf, dass du mir Sachen verbietest.“
Blaze fühlt sich fehl am Platz, doch bevor er etwas sagen kann, dreht sich Vaas um – und erst jetzt bemerkt dieser ihn.
„Sie an. Besuch.“ Vaas grinst schamlos, „Prinzessin! Na? Du hättest fünf Minuten früher kommen sollen. Wär aufklärender gewesen.“

Schmal grinsend lässt Boom Boom Vaas munter plappern. Irgendwie ist er schon putzig, wenn er monologisiert.
Hinter ihm öffnet sich die Tür und ein halb angewidertes Gesicht schiebt sich in ihr Blickfeld. Sie macht sich nicht die Mühe, ihren Körper zu bedecken. "Hey, Frühstück. Was los?"
Blaze hat keine Lust mit Boom zu reden wenn der Spinner anwesend ist. Wie aufs Stichwort, bestätigt er ihm auch den Grund.
„Komm her du kleiner Spanner.“ Vaas tritt näher, legt den Arm um Blaze' Nacken, drückt ihn nach unten und reibt ihm die Knöchel über den Scheitel. „Dafür dass du gelauscht hast… oder es nicht getan hast. Je nach dem.“ Blaze spannt sich unwillkürlich an, seine Schultern verkrampfen sich unter Vaas’ Griff. Er wäre stärker als Vaas, aber er erwischt Blaze ständig unvorbereitet. Kurz darauf lässt Vaas los und schlendert raus, als wäre er nur hier gewesen um eine Pizza zu liefern. „Beim nächsten Mal filmste mit, ja?“ hört man ihn noch durch die offene Tür sagen.

Eine seltsame Bitterkeit breitet sich in Blaze' Brust aus – er weiss nicht einmal, warum. Irgendetwas daran, dass Boom sich auf Vaas einlässt, während Dennah verschwunden bleibt und ihn nicht einmal mit einem kurzen „Hey“ würdigt, fühlt sich mies an. Um nicht zu sagen total unfair. Er sieht Boom an, ignoriert ihre Nacktheit, obwohl ein inneres Programm mit dieser Offenheit nicht klar kommt.
„Weisst du, wo Dennah ist?“
Den Mund schief gespitzt schielt Boom Boom an die Zimmerdecke, als würde sie scharf nachdenken. "Hmmmmmnö." Sie schwingt sich herum, steht auf und stemmt, direkt vor Blaze stehend, eine Hand in die Hüfte. "Solltest du das nicht wissen? Sie ist doch dein Crush."

Gespielt bedauernd schiebt sich ihre Unterlippe vor. "Sie ist doch nicht etwa wortlos verschwunden, oder? Das wäre ja total fies von ihr. Aber mach dir nichts draus, Frühstück." Ihre flache Hand tätschelt seine Wange, bevor sie sich Richtung begehbaren Kleiderschrank abwendet. "Das macht sie mit allen so, die zu viel von ihr wollen. Sie ist nicht so emotional stabil wie wir zwei." Frische Wäsche zusammensammelnd schlendert sie von einem Fach zum anderen, zieht Kleidungsstücke hervor, betrachtet sie, lässt sie auf den Boden fallen und entscheidet sich für etwas anderes. "Was willst du von ihr? Brauchst du was oder ist es nur die Sehnsucht, die nach ihr weint?"
Blaze bleibt stehen, während Boom sich mit einer Selbstverständlichkeit durchs Zimmer bewegt, die ihm plötzlich unangenehm vertraut vorkommt. Er sieht sie nicht an. Nicht direkt. Ihr Körper ist kein Geheimnis. Er kennt die Form ihrer Hüften, weiß wie sie schmeckt, wenn sie schwitzt, kennt das Geräusch, wenn sie kommt – damals, als sie ihn gebissen hat. Damals, als er sich gewünscht hatte, dass es nicht so leer in ihm klingt. Ohne dass es zählt. Aber das war, bevor Dennah ihn in Brindleton geküsst hat... zweifelt er gerade daran, dass es anders war als an seinem Geburtstag?
Booms Kommentar über hängt noch in der Luft wie ein Parfum, das er nicht mag.

Sie hat ihn doch längst in irgendeine Kategorie einsortiert – gebitcht worden - Stufe 3 oder 4, oder wie sies nennt. Alle in dieser verfluchten Villa wurden scheinbar irgendwann mal erwischt,
Was, wenn...
Er schluckt.
Was, wenn sogar Vaas?
Urgh.
Sein Magen zieht sich zusammen. Es ist dieses Gefühl, verarscht zu werden. Als wäre er der Einzige, der das hier ernst meint. Während er sich mit einer rostigen Nähmaschine abrackert, lacht vielleicht gerade jemand anderes mit Dennah.
Oder küsst sie.
Oder – fuck.
Was, wenn Boom recht hat?
Blaze spürt, wie sich in seinem Inneren ein dunkles Knäuel zusammenzieht. Bitterkeit, Schuld, Sehnsucht – und diese beklemmende Angst, es könnte kein Zufall sein, dass Dennah ihn ghostet. Vielleicht hat Boom etwas gesagt. Oder Vaas. Oder sie hat einfach entschieden, genug von ihm zu haben. Vielleicht will sie gar nicht gefunden werden.
Er hat keine Beweise. Es ist Angst, echte scheiss Angst. Dass alles, was in ihm tobt, nur in ihm tobt.
Sein Blick ist leer, seine Stimme fast zu ruhig, als er sagt:
„Ich will nur wissen, ob sie okay ist... Hast du mit ihr geredet die Tage?“

"Sicher willst du das." Boom Boom bleckt grinsend ihre Zähne. Für wie dämlich hält der sie eigentlich? "Und nein, habe ich nicht. Aber glaub mir, sie ist okay. Sie ist immer okay." Die ausgewählten Klamotten über dem Arm gelegt, kommt sie auf Blaze zu. "Und wenn nicht, dann hat sie ..." die freie Hand zieht wortsuchende Kreise in der Luft, "naja ... Mittel und Wege, sich aufzumuntern. Dafür braucht sie uns nicht." Kameradschaftlich schlägt sie Blaze mit der flachen Hand gegen die Schulter und setzt sich in Bewegung Richtung Bad. "Sie ist ein großes Mädchen." Die Klamotten wirft sie vor dem Waschbecken auf den Boden. "Ich mach mir viel mehr Sorgen um dich.", ruft ihre Stimme zu ihm herüber.
Etwas an ihrem Ton ist besorgniserregend. Er ist sich nicht sicher ob es die Tatsache ist, dass sie Dennah länger kennt als er - was ihm ins Bewusstsein ruft, dass er sich doch irren könnte. Dennah ist eine verdammt gute Schauspielerin. Das hat er gesehen als sie seinen Vater abgelenkt hat. Er verschränkt die Arme, scharrt kurz mit dem Fuss über den Holzboden. Den Blick zur offenen Badezimmertür wendend fragt er: „Wieso?“

Boom Booms Gesicht schaut aus dem Türrahmen, prüfend, überlegend, ob sie es ihm wirklich sagen sollte. Ihr Oberkörper fällt ein Stück nach vorn, als sie seufzend entscheidet, es ist das Beste. "Weißt du ..." Wieder kommt sie auf ihn zu, fixiert ihn mit glühenden Augen. "Du hast sie erlebt. Du weißt, dass sie launisch ist.", beginnt sie. "Ich will nichts Schlechtes über sie sagen. Sie ist meine älteste Freundin. Wir sind zusammen aufgewachsen. Ich liebe sie, wie eine Schwester. Aber sie ..." ein bedauerndes Kopfschütteln "Sie manipuliert Leute. Sie weiß genau, was sie tun muss, um zu bekommen, was sie will. Sie wickelt Kerle jeden Alters um den Finger. Und ..." Luft zwischen den Zähnen einziehend, schaut sie ihn mit erhobenen Brauen an, als würde sie ein heimliches Geständnis machen, "manchmal nicht nur Kerle." Tröstend legt sie beide Hände auf Blaze' Schultern. "Hey, ich weiß, dass du in sie verschossen bist. Das kreidet dir niemand an. Sie ist mega heiß. Aber sie spielt mit dir, Mann. Hör auf, was in ihr zu sehen, das nicht da ist."

Blaze‘ Inneres will sich zurückziehen, nachdenken. Er mag es nicht wie Boom vor ihm steht und sich und ihn auf eine Höhe stellt. „nicht so stabil wie WIR zwei.“ - „sie braucht UNS nicht.“ Und das, obwohl er Boom mal fast mehr getraut hat als Dennah. Weil sie ihm nicht so ein Rätsel war.
Bevor Dennah ihre Sorgen mit ihm geteilt hat. Ihr Spitzname. Die Sache mit Steph. Der Rückzug ins Bad… Die Tränen waren echt… oder? Scheisseverdammt.
Blaze sieht Boom mit leicht verengten Augen an. „Wenn das so ist…“ Fragt er testend, „warum hat sie sich dran gestört, dass WIR was hatten?“

Amüsiert schnaubend schüttelt Boom Boom den Kopf, als könne sie Blaze' Naivität nicht glauben. "Man, du bist ja echt ne Weichbirne." Augenrollend wendet sie sich um. "Weil SIE die Hauptbitch ist. Klar? Sie ist es gewohnt, dass jeder IHR die Stiefel leckt." Die Arme verständnislos ausbreitend dreht sie sich zu ihm zurück. "Was denkst du, warum sie Vaas nicht leiden kann? Er ist vielleicht ein Sprücheklopfer, aber er hat sie schneller durchschaut, als alle anderen. Und er lässt sie links liegen. Das passt ihr nicht. Er und ich haben hier grade keinen Häkelkurs veranstaltet." Die Hände abweisend vor den Körper ausstreckend räumt sie abschließend ein: "Hey, du bist alt genug, mach was du willst. Aber erinnere dich einfach mal an deine wilde Party, wo sie dich ungefragt abgeschlabbert hat. Oben ohne und vor den Augen deiner Freundin. Denk mal drüber nach, Blitzbirne." Ihr Zeigefinger tippt gegen die Schläfe, bevor sie Blaze erneut den Rücken zudreht und zurück ins Bad geht, um die Dusche anzustellen.

Blaze steht reglos da, die Schultern angespannt. Es brennt in seiner Brust, heiss und bitter. Irgendwas in ihm sinkt tiefer mit jedem Atemzug, wie ein Stein in einen Abgrund. Die Worte, die Dennah ihm gesagt hat, klingen mit jedem Herzschlag leiser, als würden sie einfach… verschwinden.
Sein Schritt ist zögerlich, aber er tritt näher ans Bad. Bleibt ausserhalb stehen, blickt nicht hinein. Die Hitze des Duschwassers vermischt sich mit der in seiner Kehle.
Er fragt leise, nicht schwach, aber… anders. Wie jemand, der eine Wahrheit ahnt und hofft, dass sie nicht stimmt.
„Und… was ist damit… dass sie sich gestellt hat? Weil sie Steph was angehängt hat, was er nicht getan hat? Sollte ihr doch egal sein wenn…“ er schluckt, unsicher ob er Boom das wirklich hätte sagen sollen und gleichzeitig mit dieser seltsam undefinierbaren Wut auf… wen? „wenn sie so ne Bitch ist…“ Reue.. aber es bleibt nur dieser eine letzte Strohhalm - wenn Boom darauf eine Antwort hat die so plausibel klingt wie die warum Dennah Vaas nicht leiden kann, dann.. glaubt er ihr.

Die Duschtür springt auf und Booms ungläubiges Gesicht starrt heraus. Sie hat WAS? Ihr Mund steht leicht offen, formt sich mit jeder Sekunde mehr zu sensationsgeiler Lüsternheit. Sie hat Steph etwas angehängt und es dann gestanden? Das ist total bescheuert. Hinter Boom Booms Stirn arbeitet es. Warum zieht Bitch es nicht durch - was auch immer es war. Hat sie ihm etwas untergejubelt? Nicht ganz ihr Stil, aber auch nicht ausgeschlossen. Ich brauch mehr Infos! "Sag nicht, sie hat dir von Steph erzählt." Ein stummes 'Wow!' formend nickt sie beeindruckt. "Sie muss irgendwas Besonderes mit dir vorhaben. Diese Geschichte ist sonst ihr Geheimnis." Imponiert schmunzelnd zieht sie sich wieder ins Innere der Dusche zurück. "Die beiden haben schon so manche krummen Sachen zusammen gedreht. Waren vor paar Jahren ein richtig dickes Team. Haben gut Kohle gemacht. Aber dann hat er sie über den Tisch gezogen und alles seinem Dealer gegeben. Tja, lass dich nicht mit Junkies ein." Das Wasser wird ausgestellt, die Tür öffnet sich erneut und Boom Boom tritt, nach dem Handtuch greifend, heraus. "Wer sagt dir, dass sie ihm wirklich etwas angehängt hat? Könnte es nicht auch sein, dass sie zusammen arbeiten?" Ihre Augen funkeln ihm entgegen, als sie sich das Handtuch um den Körper wickelt und feststeckt. "Dann hast du doch einen Anhaltspunkt, wo sie steckt. Vermutlich tüfteln sie grade an ihren nächsten Schritten. Nachdem sie angemessen ihren bisherigen Erfolg gefeiert haben. Oh man, Blitzbirne,", kopfschüttelnd lacht sie leise in sich hinein, "du bist echt nicht zu beneiden."

Das Brennen in seiner Brust flackert auf wie ein Brand, den jemand gerade mit Öl gefüttert hat. Ihre Worte prallen nicht ab – sie graben sich ein, schmerzhaft.
Mit jedem Satz wird das, woran Blaze geglaubt hat, kleiner. Dass Dennah ehrlich war. Dass sie was Besonderes zwischen sich hatten. Dass es etwas bedeutete.
Was, wenn er nur benutzt wurde, weil Dennah gerade jemanden brauchte, der zuhört? Jemanden, von dem man ein bisschen Nähe kriegt, um sich besser zu fühlen? Psych…
Er sieht nicht mal zu Boom. Seine Augen sind auf den Boden geheftet, seine Stirn liegt schwer in Falten, und als sie sich wieder zeigt – das Handtuch um den Körper und diese funkelnde, wissende Miene – hat Blaze längst das Gefühl, dass ihm der Boden unter den Füssen wegbricht.
Macht das Sinn? Sie steckt Steph in den Knast, weil sie wegen ihm zu jedermanns Bitch geworden ist?
Das Geld im Versteck war eine Entschuldigung von Steph an sie.
Sie nimmt die Strafe auf sich, er kommt frei und dann…?
Ignoriert sie Blaze. Hängt sie an Stephs Haken und Blaze an ihrem?
Sein Atem geht flacher. Keine Chance. Das ist viel zu.. wild. Total gestört. Alles in ihm schreit, das nicht zu glauben. Aber irgendwas ist gekippt.
Blaze nickt ganz leicht. Nur ein stummer Reflex, weil er nicht weiss, wie er sich in diesem Moment verhalten sollte. In seinem Inneren reissen Fäden. Und als Boom ihm diesen letzten, fast mitleidigen Blick schenkt, dreht er sich wortlos um und geht.
Er hört Vaas schon, bevor er ihn sieht. Der Schädelkopf holt schon grinsend Luft aber Blaze gibt ihm keine Chance. Mit einem Schulterstoss, der härter ist, als nötig, drückt er Vaas zur Seite: „Halt deine beschissene Fresse.“ zischt er scharf und geht weiter. Ohne zurückzusehen.

Blaze taumelt fast mehr, als dass er geht – raus aus der Villa, durch den staubigen Garten, als würde selbst das Haus ihn nochmal treten wollen auf dem Weg nach draussen.
Die Luft ist nicht frisch. Sie ist trocken, staubig und riecht nach heissem Asphalt. Er stoppt erst, als er an einer Mauer steht, an der jemand ein rostiges Fahrrad anketten wollte und es dann aufgegeben hat.
Er zieht sein Handy raus. Scrollt. Nicht, weil er jemand Bestimmten sucht – nur... irgendwen. Mit jedem wischen verschwimmt sein Blick etwas mehr, aber er schluckt alles runter.

Chip? Unmöglich..
Del? Scheisse. Der hat ihm die letzten Tage geschrieben. Drei Nachrichten, alle ungelesen.
Er beisst sich auf die Zunge.
Eve? Quatsch..
Verdammte Scheisse.
Nouki vielleicht?
Der Name bleibt einen Moment zu lang unter seinem Daumen. Lächerlich...
Er steckt das Handy weg und schluckt trocken. Der Klos ist schmerzhaft. Aus der Tasche fummelt er seine Zigaretten und steckt sich eine zwischen die Lippen. Er kriegt das Feuerzeug nicht auf Anhieb an. Bevor die Flamme kommt, gibt er auf.
Er zieht die Zigarette wieder aus dem Mund, lässt sie zwischen den Fingern hängen.
Ein Gefühl, wie betrogen werden – nicht von jemandem, sondern vom Leben. Von sich selbst.
Er starrt ins Nichts.

Was für ein verdammter Witz.
Alles ist beschissen gelaufen. Reine Zeitverschwendung. Alles wo für er brennt, bringt ihm am ende rein gar nichts.
Warum gibt er sich überhaupt noch Mühe? Damit er in einer kaputten Villa wohnt mit Leuten, die sich gegenseitig bumsen oder betrügen oder beides?
Er hat die Schule abgebrochen.
Er hat das Militär nicht ausgehalten.
Er hat Viola weggestossen, obwohl sie ihn geliebt hat – aber das war ihm nicht genug.

Ein Gedanke trifft ihn wie ein Tritt in den Magen. Er stellt sich vor, wie es wäre, jetzt seinen Vater anzurufen. Nur um zu hören: „Sullivan?“ – mit dieser Mischung aus Überraschung und Enttäuschung, die sein Vater immer draufhatte, wenn er seinen Namen sagte.
Und er würde total verrotzt, weinend, am ende, sagen: „Dad..? ..... Ich steck in der Scheisse.... .“
Völlig zerstört. Und irgendwie… wünscht er sich, dass das reicht. Dass sein Vater ihn hört und alles anders wird. Dass der Typ, der ihn rausgeworfen hat, plötzlich merkt, wie sehr Blaze am Arsch ist, und sagt: „Komm heim, Junge.“
Aber sein Daumen tippt nicht auf Anrufen.
Er kann nicht. Weil es blödsinnig ist.
Es gibt kein 'zu Hause'.

Er fühlt sich dumm. So richtig dumm.
Wie ein Kind, das sich stolz einen Plan zurechtlegt, und dann merkt, dass es das Spiel gar nicht verstanden hat. Und die Welt lacht und bemitleidet ihn.
Er schiebt die Kippe wieder in den Mund Fühlt das zittrige Feuerzeug in seiner Hand. Führt es an die Zigarette – und dann…
Geht nichts mehr.
Seine Kehle zieht sich zu. Der Druck in seiner Brust wird zu viel. Er sieht unscharf. Die Lippen verziehen sich, die Kippe fällt auf den Boden und rollt davon.
Atem, der sich überschlägt. Schultern, die beben. Tränen, die ihm über die Wangen laufen.
Er setzt sich auf die kalten Bordsteinstufen. Versteckt das Gesicht in den Händen.
Und weint.

>>> Vaas geht nach San Sequoia (2) >>>
>>> Blaze geht nach Newcrest Nr. 13 - Waisenhaus Heimathafen (2) >>>
<<< Stephen Schmitt kommt von Evergreen Harbor (2) <<<
<<< Vaas Del Toro kommt von San Sequoia (2) <<<
Charaktere: Steph, Vaas, Boom Boom
Geschichtsstrang: Steph kommt raus III

Ein flackernder Fernseher röhrt dumpf vor sich hin. So ein richtig schöner Kasten, 40 Kilo Glas, Staub und Nostalgie. Vaas hockt davor, einen Schraubenzieher im Mundwinkel, während er mit der anderen Hand an Kabeln nestelt. Auf dem Schirm tanzen Schneeflocken, als hätte ein Schneesturm einen epileptischen Anfall.
„Komm schon, du alter Schinken, gib mir was. Irgendwas. Notfalls die Tagesschau von ’97.“ murmelt er.
Vaas nimmt den Schraubenzieher aus dem Mund und hält ihn in das innere des Röhrenfernsehers. Er wendet dabei Körper und Gesicht leicht ab. „Wenn du jetzt explodierst, Kleiner, dann schwör ich, bau ich aus dir ne Lampe.“ Ein Zischen, dann ein leises Flimmer. Vaas grinst. Seine Finger sind schwarz vor Staub, sein Hoodie hat Brandlöcher, aber in seinen Augen blitzt es. „Na bitte. Gross, hässlich – und läuft. Wie mein erster Crush.“
Die Tür geht auf und plötzlich steht da Stephen wie in einem fremden Film. Vaas’ Kopf dreht sich halb zur Seite. Dann wieder zum Fernseher.
„Hey, guck mal. Die Vergangenheit lebt.“
Steph schaut sich um. Er hat zufällig erfahren das die Crew angeblich jetzt hier wohnt und so wie die Villa aussieht war das nicht gelogen. Vaas klopft auf die Kiste.
„Weisst du, was das Geile an so nem Teil ist? Keine Updates, kein Tracking, kein Smartscheiss. Du steckst den Stecker rein, und wenn er nicht brennt, läuft er. Voll oldschool.“

Stille.
Steph bleibt stehen. Es ist seltsam wieder bei der alten Crew zu sein aber irgendwie tut es ihm gut, dass Vaas sich verhält als wäre er nur 5 Minuten weg gewesen.
„Die Bullen waren bei dir.“
Vaas zieht eine Leitung raus, prüft sie gegen das Licht.
„Die sind immer bei mir. Liegt am an meim Gesicht.“
„Was hast du gesagt wegen Bitch?“
Jetzt hält Vaas inne. Nur kurz. Dann dreht er sich langsam um, hockt noch immer, aber sein Blick ist jetzt direkt. Er grinst.
„Hab ihnen erzählt, dass meine Mikrowelle so heisst. Hat sie verwirrt. War schön.“
Steph geht noch einen Schritt. Näher. Etwas in seinem Blick prüft. Sucht.
„Und Dennah?“
Vaas’ Blick verzieht sich nicht. „Nie gehört.“
Steph schaut ihn noch drei Sekunden an, dann nickt er. Ganz langsam.
„Gut. Aber du hast ihr nichts ausgerichtet...“
„Doch hab ich.“
„Hast du nicht. Es ist alles noch da gewesen.“

„Dann hat sies wohl nicht abgeholt.“
Steph starrt ihn an, als würde er ihn durchbohren wollen.
„Warum? Hast dus versaut?“
Vaas zieht die Brauen zusammen. „Ich habs ihr gesagt. Wort für Wort. War nicht schwer. Ich bin gut mit Worten. Meistens. Hättest ihr mal doch besser n Ring hinterlassen“
„Was?“
„Ach nichts... Was war das eigentlich? Die Nummer mit der Vergewaltigung.“
Pause.
„Ganz schön heikle Scheisse, Steph. Selbst für deine Verhältnisse.“

Verschlafen blinzelnd schleicht Boom Boom durch den Flur des Obergeschosses. Die Haustür öffnet sich, Stimmen schwappen herauf. Das ist doch ... Haben die den Penner also raus gelassen. Was will der hier?
Neugierig tappst sie die Treppe hinunter.
"Und Dennah?"
Klar. Alle suchen Bitch. Nicht dass das ungewöhnlich wäre. Nur die Motive scheinen sich geändert zu haben.
Boom Boom schmunzelt. Vaas ist gut mit Worten? Auf die eine oder andere Weise ... Dann stockt sie. Gerade als sie den Fuß auf den Boden des Erdgeschoss setzt. Vergewaltigung? Was zum - 'Weil sie Steph was angehängt hat, was er nicht getan hat.' Den vor Erstaunen geöffneten Mund schließend, lugt sie um die Ecke. Steph steht da wie ein geprügelter Köter. Nicht ganz so lässig wie sonst, obwohl bemüht, die Haltung zu wahren. Krasse Nummer, Bitch! Ein dreckiges Grinsen zieht über ihre Lippen. Man, muss die angepisst gewesen sein. "Welch Abschaum in meiner Hütte.", begrüßt sie den Gast mit einem Seitenhieb in Stephens Oberarm. "Du bist also endlich bei ihr gelandet? Und? Wars so, wie du es dir immer erträumt hast?" Ihre Augen leuchten auf. "Roh? Brutal?"

Steph ordnet grade noch ein wie er auf Vaas reagieren soll. Der Penner sagt ihm etwas über SEINE Verhältnisse? Sag mal hackts? Aber dann steht Boom da und drückt ihm noch ein Spruch rein.
Steph muss irgendwie reagieren. Also zieht er die Lippen schief, streckt das Kinn leicht vor. „Tz ich krieg sie alle irgendwann“, sagt er, als müsse er sich an seinem Ego festhalten.
Vaas lacht einen spöttischen laut: „Gnahaa aber diesmal hats dich gekriegt.“
Steph verschränkt in typischer Abwehrhaltung die Arme. „Ich steh hier, oder nich? Sie hat den Scheiss erfunden, klar? Was weiss ich warum.“
Vaas beobachtet ihn einen Moment. Nicht abwertend. Aber auch nicht nachsichtig. Er legt den Schraubenzieher ab, richtet sich halb auf. Dann kratzt er sich den Nacken.

„Und du hast echt keine Ahnung, warum jemand sich sowas ausdenkt?“
Sein Tonfall bleibt locker und neugierig. Als würde er sich nur so zum Spass durch Stephens Psyche graben.
„Gar keine Idee, was da vorgelaufen sein könnte? Wie man auf so ne Idee kommt?“
Stephs Kiefer arbeitet, aber er sagt nichts.
Vaas zieht eine Augenbraue hoch. „Naja. Wenn man sich nicht erinnern will, kann man sich ja auch nicht erinnern, ne? Praktisch.“
Steph schnaubt. „Glaub was du willst, Alter. Ich hab keine Ahnung, was bei ihr falsch lief. Sie wollte ficken, also hab ich sie gefickt. Und dann... keine Ahnung. Irgendwann lag sie da mit Kabelbindern und hat Theater gemacht.“ Steph schaut an die Decke, dann zu Vaas und Boom. „Sie ist nicht hier, oder? Weil dann verpiss ich mich.“

Abwertend schnaubt Boom Boom, während sie Stephen taxiert. "Das erklärt zumindest ihr miese Laune. Wenn ich mit dir gefickt hätte, wäre ich auch scheiße drauf. Obwohl ich zugeben muss, dass Kabelbinder lustig klingen." Sie schenkt Vaas ein breites Grinsen. "Sollten wir mal ausprobieren. Sieht bestimmt scharf an dir aus." An den Männern vorbeiziehend umrundet sie den Tresen. Missmutig betrachtet sie den Fernseher. Warum holt Vaas immer nur so einen Schrott? Er könnte doch einfach einen neuen kaufen. "Keine Ahnung, wo die sich rumtreibt.", murmelt sie auf Stephens Frage. Insgeheim nervt es sie, nicht zu wissen, wo Dennah ist. Zugeben würde sie es weder vor anderen, noch vor sich selbst. "Ist schon seit paar Tagen weg." Ihr Blick bohrt sich in seinen. "Wieso? Vermisst du sie so hart?"
Vaas zieht bei Booms Spruch über die Kabelbinder belustigt eine Braue hoch. Dann grinst er, dreht sich halb zu ihr, als wolle er sich anbieten.

„Aber meine Mama hat gesagt, ich soll mich nicht fesseln lassen von Weibern, die härter zuschlagen als mein Vater.“
Steph schnaubt abfällig. Er schaut kurz zu Boden, hebt dann das Kinn.
„Ich fick sicher besser als der Schraubenschlüssel da.“ meint er sein verletztes Ego ausgleichend und bereut den Spruch. „Und ich halt Abstand damit sie mich nich“ nochmal „bitcht. Und wenns das war, verpiss ich mich jetz, bevor ich mir die Augen ausstechen muss, weil ich euer Bild nicht mehr aus dem Kopf krieg. Du siehst übrigens echt abgefuckt aus, Boom“, Steph dreht sich halb zum Gehen. „Ich war nie hier, ok?“

"Aaaaww, du bist so süß, wenn du am Arsch bist." Amüsiert boxt sie Vaas in den Arm. "Ist er nicht süß?" Verspielt wackelt Boom Boom mit den Augenbrauen. "Vielleicht kette ich eure Schwänze zusammen und lass mich von euch beiden juckeln." Den Kopf gen Decke ruckend schickt sie Stephen einen Gruß hinterher, als er geht. "Überlegs dir. Das Angebot steht." Lachend greift sie in ihre Hosentasche, zückt das Portemonnaie und legt eine Kreditkarte auf den Tresen. "Hier. Hol uns was Anständiges. Diesen Schrott da", ein Blick deutet auf den Röhrenfernseher, "will doch keiner haben." Sie klopft ihm auf die Schulter, als sie Richtung Wohnzimmer geht. "Die Karte krieg ich aber wieder."

Mit dem Rücken zu beiden, gehend hebt Steph die Hand, „Nich mal wenn du mich anflehst. Du wirkst als hätte deine Muschi Zähne, ich hät angst um mein Schwanz.“ Dann ist er weg.
Vaas hebt eine Braue und schüttelt den Kopf bedauernd. „Der weiss nicht was gut ist.“
Als sie ihm die Karte gibt, nimmt er sie und lässt den Blick auf ihr ruhen. Sein Finger kreist langsam über den aufgedruckten Namen. Der echte. Der, den sie hasst. Der ihn irgendwie kitzelt. Als würde er damit ein kleines Stück Macht in der Hand halten – oder zumindest ein Knöpfchen, das sie garantiert nicht gedrückt haben will.
Ein Grinsen kriecht über sein Gesicht. Nicht breit. Nur schmal. Leicht schief.
Er schnalzt mit der Zunge. Dann kippt sein Blick ab, als wäre er plötzlich wieder woanders.
„Ich glaub, ich hab Bock auf Sex“, sagt er, als würde er sich das selbst gerade erst mitteilen. Seine Finger trommeln gegen die Kartenecke. „Oder…“ Er schaut wieder zum Fernseher. Der gibt einen leisen, elektrischen Seufzer von sich. „…ich fix erstmal den kleinen Rohri hier weiter. Der zuckt so schön, wenn ich ihn richtig anfasse.“
Er legt die Karte auf dem dicken Nostalgiegerät ab, als wärs eine Schraube. Er könnte sich einen neuen Ultra HDTV oder sogar OLED kaufen wo er sich jede Hautschuppe reinziehen könnte, aber…
„Später vielleicht“, sagt er und greift wieder in das Innere des Röhrenbildschirms, nur ahnend wie Boom das finden mag.

Nicht sein fucking Ernst! Was findet der nur an diesem Kram? Erst die scheiß Nähmaschine, jetzt dieses Klapperding? Das ist doch hier kein scheiß Museum.
"Ich kenn was, das zuckt, wenn ich es richtig anfasse." Die Oberlippe leicht angezogen, steht sie plötzlich dicht neben ihm, schaut provokant unter den Brauen hinauf und packt seinen Schritt mit einer Hand, mit der anderen gibt sie dem Gerät einen Schubs, so dass es krachend auf dem Boden landet. Elegant stützt sie sich an der Oberfläche des freien Tresens ab und zieht sich hinauf, wodurch sie sich auf Augenhöhe mit Vaas befindet. Ihre Augen blitzen auf, als sie ihn am Hosenstoff näher zu sich zieht.

Vaas’ Blick zuckt zum Fernseher auf dem Boden. Das Geräusch hallt noch in seinen Knochen nach, als hätte jemand seinem inneren Kind mit Anlauf ins Herz getreten.
„Mein armer Röhrich…“ sagt er theatralisch und hebt die Hände an die Schläfen. „Neein.. der hatte noch Puls, Mann…!“
Doch bevor er weiter lamentieren kann, dringt ihre Hand durch jede Schicht seiner Coolness. Seine Schultern versteifen sich einen Atemzug lang vor dieser plötzlichen Welle, die durch seinen Unterleib rauscht wie ein Kurzschluss.
Sein Atem wird ein Hauch flacher. Ihre Finger, zielstrebig wie ein Profi am Zündkabel, lösen ein Kribbeln aus, das ihm in den Rücken fährt. Es ist kein romantisches Feuerwerk – es ist ein geiler Stromschlag in Zeitlupe.
„Alter…“ flüstert er heiser und verengt die Augen leicht, „…du kannst nicht einfach in meinen Werkzeugkasten greifen, ohne vorher zu fragen.“

"Wieso nicht?" Unschuldig grinsend neigt sie den Kopf. "Musst du mich dann bestrafen? Versohlst du mir mit deinem Prügel den Hosenboden?" Mit Nachdruck schlingt sie die Beine um ihn, und zieht ihn noch ein Stück näher zu sich heran, bis ihre Körper sich berühren. Mit den Schneidezähnen beißt sie sich auf die Unterlippe. "Ich bin ein ... böses. Mädchen."
Vaas lehnt sich etwas vor, stützt die Hände lässig links und rechts neben ihren Hüften auf den Tresen. Sein Gesicht ist dicht vor ihrem, sein Grinsen frech.
„Hmm... naja böse... ich hab doch gesagt Eifersucht steht dir, Boom...“ Seine Augen beobachten ihre Lippen, dann die leuchtend blauen Augen und wieder die Lippen als wären ihm die Sprüche ausgegangen. Aber der Mundwinkel hebt sich wissend. Seine Hüfte drückt ein Stück vor, lässt sie fühlen, wie warm und verdammt lebendig ihr Griff ihn gemacht hat. „Ich mein.. hatte grade noch meine Finger ihn meinem Röhrenkumpel, kann schon verstehen, dass dich das nervös macht.“

Abwägend presst sie Mund und Augen zusammen, der Kopf neigt sich zur Schulter. "Nervös ist nicht das richtige Wort." Die flache Hand tätschelt seine Wange, bevor sie sich ein Stück weiter auf den Tresen schiebt, um sich aus seiner Nähe zu lösen. Sie hebt das Bein zur Seite und rutscht kontrolliert auf den Boden. "Tja, ich muss dann mal los. Kram regeln." Beschwingt geht sie zur Tür und verschwindet nach draußen, ohne sich noch einmal nach ihm umzusehen. Was für ein herrlicher Abend.
Die Tür fällt ins Schloss. Vaas bleibt einen Moment einfach stehen. Beide Hände noch am Tresen. Die Hose verdächtig gespannt. Der Fernseher tot.
Er atmet aus. Dann: ein trockenes Lachen.
Eine kehlige Mischung aus „fuck“ und „respekt“.

Er richtet sich auf, zieht die Hose ein Stück runter, guckt sich selbst an und hebt die Brauen.
„Sorry, Bro. War wohl nurn Testlauf.“
Dann zieht er ihn zurecht, dreht sich zum Fernsher, legt die Hände in die Seiten und kratzt sich am Kopf. „Tja, Röhrich. Hab echt versucht, dich zu retten. Aber was soll ich machen...? Wahrscheinlich war sie einfach beleidigt, weil du mehr Saft in dir hattest als sie heute Abend.“ Er hält inne,
schaut zur Kreditkarte auf dem Boden, hebt sie auf.
Tippt mit dem Finger auf ihren Namen. Er wirft einen letzten Blick auf die zertrümmerte Mattscheibe, schüttelt den Kopf und steckt die Karte in die Tasche. „R.I.P., alter Freund. Dein Tod wird gerächt.“ ... dann grinst er breit.

(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )
>>> Steph geht nach Windenburg - Neue Wege Klinik (3) >>>
<<< Boom Boom kommt von Tartosa - Haus Fam. Falck Sr. <<<
Charaktere: Vaas, Boom Boom
Geschichtsstrang: Kunstprojekt
Ein monotoner, summender Klang erfüllt die Luft, begleitet von einem statischen Knistern. Es klingt, als würden tausend kleine Elektromücken gemeinsam ein Liedchen summen.
In der Mitte steht Vaas. Beide Arme in die Hüften gestemmt, den Kopf stolz erhoben. Als würde er auf dem Gipfel eines Berges stehen, der ihm allein gehört. Sein Blick schweift liebevoll über seine neueste Errungenschaft.

Überall um ihn herum stapeln sich massive Röhrenfernseher. Einige alt, kantig, dickbauchig. Andere noch älter, rund und glänzend, mit Drehreglern, die leise knacken, wenn man sie benutzt. Ihre flimmernden Bildschirme werfen blasse, sprunghafte Schatten auf Vaas Gesicht und verleihen seinen kantigen Zügen etwas Entrücktes. Jede der Kisten zeigt eine andere Störung: vertikale Streifen, horizontale Linien, Schneestürme, hüpfende Bilder, sich unendlich wiederholende Muster... es ist die vollendete Ursache eines epileptischen Anfalls.
Er betrachtet sein Werk mit einer Mischung aus Stolz, Wahnsinn und … naja, Ersatzhandlung.
Die Überreste von Röhrich dem Ersten liegen in der Ecke.
Vaas schnalzt mit der Zunge, fummelt die Kreditkarte aus der Tasche und dreht sie zwischen den Fingern. Er hat die Kisten im Netz bestellt. Auf einer obskuren Plattform für Bastler, Prepper und Sammler. Wer da einmal klickt, kriegt nie wieder Ruhe vom Algorithmus. Vaas hat nicht mal verhandelt – er hat einfach auf „alle kaufen“ gedrückt.... und Express Lieferung.
7 Stunden später kamen sie per Spedition. Zwei schwitzende Sims, die ihn mit Blicken taxierten, als wär er Geisteskrank - aber das kennt er schon. Dafür muss er nur sein Gesicht in einer Bank zeigen.
Er hat die Dinger persönlich reingeschleppt. Einen nach dem anderen. Ohne Plan, aber mit dem tiefen Bedürfnis, das Loch zu stopfen, das Röhrich hinterlassen hat... jedenfalls würde er das sagen wenn man ihn fragt.

Jetzt wandert er durch das Labyrinth aus Röhrenfernseher. Mit einer Hand streicht er über ein besonders rundes Exemplar. Dann legt er beide Hände an das Glas, starrt in das flimmernde Rauschen, dass sich in seinen Pupillen widerspiegelt und nähert sich mit ehrfürchtigem Blick so weit, bis das statische Feld in seinem Gesicht zu kitzeln beginnt. Dann dreht er sich um und setzt sich davor. Sein Blick wandert über jeden einzelnen und er zählt im Kopf die Möglichkeiten auf: Aus einem könnte man eine versteckte Soundbox machen. Aus einem anderen ein Synthesizer-Gehäuse. Die dicke Frontscheibe von dem da – perfekt für Projektionsspielereien. Die Spulen – Gold wert für seine Tesla-Spielzeuge. Und das Metall hinten... shit, das wäre ein Traum für Mini-Turmreaktoren.
Aber... im Moment reicht ihm der Anblick. Das Bild, dass er jetzt schon im Kopf hat: Boom Boom, wie sie reinkommt, die Augenbrauen hochzieht, einen Spruch drückt – und dann merkt, dass sie ihn vielleicht doch ein kleines Bisschen unterschätzt hat.
Vaas steht auf auf und hebt beide Arme, als wolle er eine Ansprache halten. Sein Publikum sind die Bildschirme. Er macht eine bedeutungsvolle Pause, dann sagt er laut und in getragenem Tonfall:
„Meine Freunde. Wir haben uns heute hier versammelt, um an Röhrich den Ersten zu erinnern – meinen geliebten Begleiter, der tragisch und viel zu früh von uns ging. Er wurde auf kaltherzige, grausame Weise.... ermordet…“ Vaas wirft einen dramatischen Blick zur Seite, zu der Stelle, wo Röhrichs zertrümmerter Leichnam liegt und tut als würde er das dramatische 'tamm tamm taaammm' im Off hören.

Er fährt sich mit gespielter Trauer durchs Gesicht, spürt aber dabei diese kindliche Freude am 'so tun als ob'. „Aber in jeder Tragödie liegt auch Hoffnung. Ihr seid hier, um Röhrichs Vermächtnis fortzuführen. Gemeinsam werden wir die Tradition des stundenlangen Herumbastelns aufrecht erhalten. Denn wie heisst es doch vielleicht:“ Er legt eine Hand aufs Herz und schliesst die Augen, bevor er feierlich verkündet:
„In euren liebevoll zusammengepfuschten Kabeln, schlägt das wahre Herz eines Technikers.“
Er öffnet die Augen, lässt sinen Blick nochmal prüfend über die skurrile Ansammlung von Technik schweifen. „Also, benehmt euch. Macht keinen Scheiss und gebt euch ein bisschen Mühe, okay? Sonst mach ich aus euch allen Lampen!“
Zum unzähligen Mal schaut Boom Boom auf ihr Handy. Noch immer hat Dennah sich nicht bei 'Blaze' gemeldet. Dabei hatte sie erwartet, dass Bitch sich sofort der falschen Nummer widmen würde. Vorsorglich hatte sie die zweite SIM Karte auf lautlos gestellt, um nicht versehentlich aufzufliegen. Aber so ist es noch besser. Vielleicht haben die Zweifel über den Schmalspur-Romeo doch tiefer geschlagen, als gedacht.

Zufrieden mit sich und ihrem Verstand erreicht sie die Villa, stößt die Tür auf und wird erschlagen von einem Orchester aus Rauschen, Surren und schrillem Flirren. Eine Armee aus Antikfernsehern stapelt sich in der Küche, umgeben von wüst durcheinander laufenden Kabeln in Mehrfachsteckdosen auf dem Boden, als wäre dieser Raum eine Schlangengrube mit Trash-TV-Überwachung.
Inmitten des Konzertes steht Vaas, überdrehter als gewöhnlich - wie ein Kind, dass sich durch den neuen Süßigkeitenladen getestet hat. Mit offenem Mund tritt Boom Boom langsam in den Raum. Was! Zum! Fick! Sie wusste, dass der Typ irre ist. Aber das? Mit dem Gefühl, in eine vollkommen gestörte Saw-Verfilmung geraten zu sein, setzt Boom Boom behutsam einen Fuß nach dem anderen zwischen die Kabel und nähert sich dem König der Geisteskranken beinahe lautlos. Eine Hand stößt ihn unsanft ins Schulterblatt, so dass er strauchelnd nach vorn fällt.

Ohne Worte, aber mit vor Wut stechendem Blick funkelt sie ihn an, die Hände zu einer fragenden Geste ausgebreitet. Ihr ganzes Wesen strahlt diese eine Frage aus: Bist du jetzt völlig durchgeknallt?!
Vaas fängt sich gerade noch rechtzeitig, dreht sich mit einem breiten Grinsen zu Boom Boom um und wirft ihr einen Blick zu, der vor lauter Stolz und Schadenfreude beinahe überläuft. Er hebt entschuldigend die Hände, auch wenn seine Haltung alles andere als schuldbewusst ist.
„Boom! Perfektes Timing. Kennst du das Konzept einer Trauergruppe? Schau mal! Darf ich vorstellen?“ Er deutet mit einer ausladenden Bewegung auf die surrenden Geräte. „Röhrich Senior, Röhrich Junior, Röhrich der Dritte. Und hier drüben: Marilyn Monröhr – die hat die rundeste Bildröhre von allen, sehr sexy. Und das da ist Röhrlock Holmes, spezialisiert auf verschwundene Fernbedienungen, und da,“ er zeigt auf einen besonders grossen, schweren Kasten, „mein Backup, Don Röhrleone, da drin können wir sogar Leichen verstecken.“ er tätschelt den TV, lässt den Blick schweifen bis er vorfreudig etwas entdeckt, „Ahja er hat noch zwei Freunde hier guck, Jimmy ‚the Röhr‘ Malone und Röhrface.“ er hält die Handkante an die Lippen und flüstert, „Ihn mag ich am liebsten.“

Vaas noch nicht fertig mit der Tour, steigt durch die TVs nach hinten und taucht irgendwo zwischen zwei Stapel wieder auf. „Dann hätten wir hier noch Röhrberta zu meiner Linken, sie hat n bissel n Knacks, seit ihr Mann durchgebrannt ist….. und rechts Röhrfried, der hat ein Burnout, und Röhrdrigo, der ist aus Mexiko eingeschmuggelt worden. Super Typ, bisschen laut, aber absolut loyal.“
Während Vaas seinen Monolog hält, lässt Boom Boom ihn nicht aus den Augen. Die Lippen zu einer spitzen Schnute geformt, die Brauen tief ins Gesicht gezogen, muss sie heimlich eingestehen, von seinem radikalen Widerstand beeindruckt zu sein. So viel Energie und Entschlossenheit in eine Trotzreaktion zu stecken, schafft nicht jeder. Der innere Kampf zwischen Belustigung über seinen Einfallsreichtum und Wut, weil er denkt, sie verarschen zu können, wiegt schwelend hin und her.
Vaas' letzte Worte stehen im Raum, auf eine Reaktion wartend, und das penetrante Rauschen der Geräte breitet sich zwischen ihnen aus. Sekunden vergehen, in denen Boom Boom ihr Gegenüber regungslos ansieht, ohne zu blinzeln.

Wie in Zeitlupe beginnt sie in dem Trauerkreis herumzuschlendern, streicht gelegentlich mit dem Finger über Gehäuse, Antenne oder Bildschirm. "Das ..." weht ihre Stimme kontrolliert aus dem Chor herüber, "ist ... eine ziemlich umständliche Art,", ihr Blick hebt sich und trifft Vaas erwartungsvolles Gesicht, "Selbstmord zu begehen."
Vaas blinzelt langsam auf seiner erhöhten Position. Sein Grinsen verzieht sich zu einer theatralisch nachdenklichen Miene.
„Selbstmord, huh…“ Er nickt leicht, fast andächtig. Dann blickt er auf das flimmernde Chaos um sich herum. Er geht langsam einen Schritt auf sie zu, springt auf den Boden, den Kopf schief gelegt. Dann, fast ehrfürchtig:
„Weisst du, Boom, du hast recht.“ Er macht eine ausladende Handbewegung in ihre Richtung. „Ich könnte es mir tatsächlich viel einfacher machen. Einfach direkt in dein hübsches Gesicht gucken und sagen: ‚Boom, du siehst heute irgendwie fett aus‘.“

Er dreht sich halb, deutet mit einer dramatischen Armbewegung auf das bunte Elend.
Seine Lippen formen ein schmales Grinsen, während er auf Marilyn Monröhr klopft. „Dabei hab ich exakt das getan, was du gesagt hast. Deine exakten Worte waren, und ich zitiere dich gerne, damit es keinen Raum für Missverständnisse gibt: ‚Hol uns was Anständiges. Diesen Schrott will doch keiner haben.‘“ Er hebt unschuldig beide Hände, schulterzuckend. „Ich finde, ich habe hier eine äusserst anständige Familie versammelt.“
Vaas verschränkt demonstrativ die Arme, sein Kopf leicht geneigt, als hätte er soeben ein solides Argument präsentiert. „Du hättest halt präziser definieren müssen, was ‚anständig‘ heisst. Ich dachte dabei an Nostalgie, emotionale Stabilität, und ein warmes Flimmern, das dir sagt: ‚Willkommen zuhause, Vaas, du genialer Bastard‘.“ Er hebt erneut die Hände, grinst breit und tritt näher zu ihr.
„Beim nächsten Mal schreib mir halt ne Einkaufsliste. Oder du benutzt ein paar von deinen dominanten, knappen Kommandos, die dir sonst so Spass machen.“ Sein Grinsen wird anzüglich. „Vielleicht sowas wie: ‚Kauf einen OLED, Vaas, oder ich brech dir die Beine‘.“
Er lächelt: „Du weisst, ich steh auf klare Ansagen.“

Kontrolliert ausatmend schließt Boom Boom die Augen, bevor sie ihn mit einem zornigen Funkeln ansieht. Sie weiß, dass er mit ihr spielt. Dennoch ist ihr Geduldsfaden gefährlich gespannt. "Gut, dann kriegst du deine klare Ansage." Ihn fest im Blick kommt sie weiter auf ihn zu und bleibt dicht vor ihm stehen. "Schaff diese Wichse aus meinem Haus." Sie streckt sich ihm entgegen, die Stimme leise, von bedrohlicher Entschlossenheit. "Alles, was einen Bildschirm hat und sich in der Küche befindet. Sonst kastrier ich dich." Ihre Körperhaltung lockert sich ein wenig, doch das Leuchten ihrer Augen bleibt. "Und wenn du es wagst, die Dinger in den Garten zu schleppen, zwinge ich dich, deine Eier zu fressen. Ist das deutlich genug?" Die Brauen ziehen fragend in die Stirn. "Wenn ich am Nachmittag aufstehe, will ich nichts mehr von deinem jämmerlichen Freundeskreis sehen oder hören. Verstehen wir uns?"
Vaas starrt sie an. Dann hebt er langsam die Hände, ganz ruhig, ganz unschuldig, als wollte er sagen: Warte noch... Ich hab da was... das könnte deine Meinung ändern.

Er duckt sich, wühlt unter einem Stapel Kabelsalat und zieht triumphierend ein vergilbtes, bauchiges Gerät empor: ein VHS-Rekorder.
„Boom…“ Seine Stimme sachlich. „Ich geb dir n Deal. Einen einzigen.. hörs dir an.“
Mit einer theatralischen Geste greift er in seinen Hoodie und holt eine Kassette hervor, als hätte er gewusst, dass er diesen Move heute noch brauchen wird. Sie ist schwarz, alt, das Label halb abgekratzt. Nur ein dicker Titel und ein verblasstes Foto mit nackten Sims: 'Velvet Intrigue – Director’s Cut 1993'.
Er schiebt den Recorder auf die Arbeitsplatte und patscht drauf.
„Dieser Film… Wir reden hier nicht von drei Minuten 'Warum liegt hier Stroh?' und dann bums – nein. Handlung. Story-Arcs. Der Held hat einen inneren Konflikt. Die Frau mit den langen Beinen arbeitet verdeckt, nicht nur unter der Gürtellinie. Was folgt, sind 47 Minuten lang … geheimes, plotgetriebenes Ficken. Und Dialoge, Boom. Richtige. Sätze. Mit Pausen. Mit Blicken, die sagen: Ich hab Daddy-Issues und ein gebrochenes Herz.“
Vaas sieht sie wieder an, unterdrückt die Begeisterung wieder und spielt ernst. „Hier der Deal: Wir schauen das gemeinsam. Und wenn du...“ – er deutet mit einem Finger auf sie – „...es schaffst, diese Kassette von Anfang bis Ende zu schauen, ohne geil zu werden, ohne dass du mit der Zunge über deine Lippe fährst oder heimlich die Beine überkreuzt… – dann...“ Er seufzt, hebt eine Hand wie zum Schwur. „...dann trenne ich mich von meiner Familie. Röhrich für Röhrich. Und Röhrdrigo schlepp ich eigenhändig zur Grenze zurück.“
Er hebt den Finger.

„Aber…! Wenn du es nicht schaffst. Wenn du auch nur ein verdammtes Mal den Blick festhältst, weil du wissen willst, wies weitergeht oder wo sie die Taschenlampe genau reinschiebt, dann, ja dann… darf ich sie behalten. Und ich bau dir was draus. Ein Stuhl, der schnurrt. N Fernseherthron mit Geheimfach für Schnaps. Oder so ein geiles vibrierendes Ding, das mit Röhrenresonanz arbeitet. Irgendwas, das dir gefällt.. Und —“ sein Blick verengt sich schelmisch „—du bekommst jede Woche eine neue VHS von mir. Persönlich ausgewählt. Ich besorg dir Highlights aus den Neunzigern. Klassiker. Raritäten mit Titten. Popcorn. Decke. Du, ich, Röhrberta. Familienabend.“
Er hält inne, sein Blick intensiviert sich.
„Gib mir eine Chance.“
Er macht einen Schritt auf sie zu, hebt das Tape zwischen ihnen hoch.
„Deal?“

Fassungslos starrt Boom Boom ihn an. "Willst du mich verarschen?! Das ist kein Deal, sondern ein ziemlich peinlicher Erpressungsversuch." Mit einer schnellen Bewegung entreißt sie Vaas die Kassette, dreht sie zwischen spitzen Fingern hin und her, als würde sie etwas Ekelhaftes von allen Seiten betrachten. "Weder muss ich dir irgendwas beweisen, noch bist du in der Position, um Forderungen zu stellen. Das ist mein Haus und wenn mir deine Anwesenheit auf die Eier geht, ziehst du aus." Zweifelnd stemmt sie die freie Hand in die Hüfte.

Ein Mundwinkel hebt sich leicht, als ihr ein neuer Gedanke durch den Kopf schießt. "Wie wäre das: Ich gehe pennen. Du darfst diesen Mist behalten, schaffst ihn aber restlos in den Keller und verschonst mich mit deinem Trauergelaber. Und wenn du deine Sache gut gemacht hast, gibt's das hier", sie schwenkt die Kassette in der Luft, ehe sie sie vorn in ihren Hosenbund klemmt, "als Belohnung."
Vaas’ Gesicht friert ein. Für einen Moment denkt man, er würde gleich wieder loslabern, einen Spruch bringen, irgendwas. Aber nichts davon passiert. Stattdessen diese seltsame Stille. Das Lächeln verschwindet ganz. Sein Blick bleibt kurz an der Kassette hängen, dann an ihr, und was jetzt in seinen Augen liegt, ist weder Wut noch Trotz. Es ist… der Punkt, an dem er beschliesst, keine Energie mehr zu verschwenden.
In den Keller. Wiederholt er in Gedanken. Ein Kompromiss ist, wenn am Ende beide unglücklich sind. Und ihr Vorschlag ist der Inbegriff dessen. War ja klar.. Immer dann, wenn er etwas baut, das über ihn hinausgeht – was meist Zufall ist und nicht oft passiert, sondern eher so selten ist, dass er selbst davon überrascht ist – kommt irgendwann der Moment, in dem die Person....
„Weisst du was, Boom?“ Er spricht gelassen, ohne Vorwurf, dafür mit einer Ruhe, die umso tiefer schneidet. „Du bist spiessig geworden.“

Er hebt die Hände, stoppt sie, bevor sie ihm ins Wort fallen kann. „Früher hättest dus geil gefunden. Jetzt kommst du rein, nimmst alles so ernst, gibst mir Hausregeln und drohst mit Kastration, wenn ich nich aufräume. Gratulation. Du bist jetzt offiziell wie meine Mutter." Er schaut sie wieder an. Seine Finger formen ein loses Rechteck in der Luft, als würde er sie filmen. Mit einem Augen zugekniffen schaut er hindurch.
„Wenn ich erhlich bin.. Diese Vibes hast du schon länger irgendwie.“
Er lässt die Arme sinken und mustert sie.
„Ist das, weil Bitch weg ist?“
Seine Stimme bleibt ruhig, aber mit einer seltsam wissenden Art. „Oder brauchst du einfach wen, der dir konstant unterlegen ist? Damit du dich nicht hinterfragen musst?“

Gedanklich beerdigt er den letzten Rest Hoffnung, dass sie vielleicht doch noch lacht oder mitspielt.
Er greift in die Hosentasche, holt ihre Kreditkarte hervor und legt sie auf die Theke wo alles begonnen hat.
„Hier... Kauf dir n neuen Vibrator. Vielleicht wird ja der nicht müde von dir.“
Dann zieht er den VHS-Rekorder unter den Arm, greift sich Röhrich Junior wie ein Kind sein Stofftier – beiläufig, aber nicht ohne Bedeutung – und geht auf die Tür zu.
Die Kiefer mahlen, als sie ihm hinterher sieht. Spießig? Das ist ja wohl das Letzte! Sie gestattet ihm, sein total bescheuertes Hobby in ihrem Haus auszubreiten - sich einen ganzen Raum für diesen Bullshit herzurichten - und er wagt es, sich von ihr abzuwenden und nennt sie dann auch noch ... "spießig?! Haste sie noch alle?"

Ein kräftiger Tritt befördert einen der Türme krachend zu Boden. Wahllos greift sie nach irgemdwelchen Teilen, um sie Vaas nachzuwerfen. "Dann verpiss dich doch!" Mehrere mittelgroße Schalter fliegen durch die Luft. "Keiner braucht dich hier, du Wichser!" Ein kompletter Fernseher verfehlt ihn nur knapp und zerbirst splitternd auf den Fliesen.
Vaas zuckt zusammen, als das erste Gerät hinter ihm explodiert. Ein dumpfer Knall, gefolgt vom Splittern alter Röhrengläser. Instinktiv macht er einen Satz nach vorn, dreht sich halb um, den VHS-Rekorder fest an die Brust gepresst, Röhrich Junior noch in der anderen Hand.
Sein Blick wandert von den zertrümmerten Überresten auf dem Boden zu seinen Händen. Dann zu ihr. Dann wieder zum Chaos.

Kurz sieht es aus, als würde er zurückschiessen, sich rechtfertigen. Aber er lässt es.
Dann hebt er langsam die vollen Arme leicht an und zuckt mit den Schultern.
„Stell dir einfach vor, ich würd dir jetzt den Mittelfinger zeigen.“
Ein letzter Blick, so trocken wie seine Stimme. Dann dreht er sich um und ist weg.

(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )
>>> Vaas geht nach San Sequoia (2) >>>
#15
<<< Gereon kommt von Brindleton Bay Nr. 10 - Brindleton High (11) <<<
<<< Blaze kommt von Newcrest Nr. 13 - Waisenhaus Heimathafen (2) <<<
Charaktere: Gereon, Blaze
Geschichtsstrang: Keine Schuld
Gereon reibt sich die Arme, als er das Schulgebäude verlässt. Trotz sommerlich warmer Temperaturen liegt ihm dieser eisigkalte Schauer auf der Haut. Vielleicht hat er sich bei der Arbeit auf der Ranch erkältet, huscht ihm die Suche nach einer plausiblen Erklärung durch den Kopf. Doch daran glauben kann er nicht. Er fühlt sich nicht krank, obwohl ihn seit Tagen die Kälte überfällt und bald darauf wieder verschwindet. Ohne erkennbares System.
Am Fahrradstand angekommen, zückt er den Schlüssel, um sein Gefährt von der Vorrichtung zu lösen - und zögert. Sie haben nicht aufgeschlossen. Den Blick hebend, sucht der Teenager die Umgebung ab. Etwas liegt in der Luft. Kalte Nebelschwaden steigen vom Boden auf und beginnen, ihn zu umhüllen. Ausweichend folgt er seinem Instinkt, wendet sich wie in Trance um und schlägt den Weg zu den Bussen ein.
Während der Fahrt nach Westen ruht sein leerer Blick auf der Lehne des Vordersitzes. Er hat weder eine Ahnung, wo es ihn hintreibt, noch wie lange er unterwegs ist. Erst, als der Drang, auszusteigen ihn überkommt, steht er auf und tritt auf die Straße. Der schwere Geruch von Metall steigt ihm in die Nase, das Rasseln von ... einem Gitter ... erreicht ihn. Unsicherheit. Er will nicht hier sein. Doch er muss. Er will dazu gehören. Sein Fuß fühlt sich schwer an, als er den ersten Schritt setzt. Der zweite zieht ein wenig leichter nach. Wie von unsichtbarer Hand gesteuert geht er die Straße entlang, bis er vor einem Haus stehen bleibt - groß, dunkel, verwahrlost. Im Garten türmen sich Schrottteile und Abfälle, der Rasen wuchert ungestutzt in alle Richtungen.
Zwischen Pizzakartons, Plastiktüten und umherfliegenden Zeitungsseiten setzt Gereon seinen Weg fort und drückt neben der Tür die Klingel, die daraufhin ein sterbendes Surren von sich gibt, viel zu leise, als dass irgendwer im Haus davon Notiz nehmen könnte.
Ohne die Situation zu hinterfragen, drückt er die Klinke hinunter und betritt das Innere.
Aus einem Zimmer linkerhand ertönt das monotone Gebrabbel zweier Leute. Von einzelnen Wortfetzen nimmt der Besucher kaum Notiz, als er sich an den Küchentisch setzt, die Hände auf die Platte gelegt, und auf die nächste Eingebung wartet.

Blaze knallt die Tür auf, die Tüte in seiner Hand scheppert, Dosen klappern gegeneinander. Er stapft rein, schmeisst den Beutel auf die Anrichte. Es ist ihm scheissegal, ob was kaputtgeht oder nicht. Und das Zeug ist eh abgelaufen. Er hat es aus einem dieser Spendenkartons den Einkaufszentren manchmal rauslegen genommen. Er war sich nicht sicher ob er ein schlechtes Gewissen haben sollte. Fuck Mann... wie tief ist er eigentlich gesunken...
Er reibt sich mit dem Ärmel über die Stirn, Schweiss und Staub vermischt, sein Magen zieht sich zusammen, weil er den ganzen Tag nichts Gescheites gegessen hat und dieser dumme Druck in ihm sitzt, der nicht weggeht. Seit Tagen. Er hat diese Anzeige aufgegeben, für die Simswelt News. Alles, was er noch tun konnte. Natürlich liest sie wahrscheinlich keine fucking Zeitung. Aber hätte der Heimfuzi seinen Brief weitergegeben, hätte sie sich längst melden müssen. Aber zu viel Zeit ist vergangen... er gibt ihr noch eine Woche. Eine Woche die nur noch aus 6 Tagen besteht. Und dann lässt ers. Jedenfalls nimmt er sich das vor.
Am Tisch hockt irgend so ein Typ. Schlaksig, blass, sitzt da wie bestellt und nicht abgeholt, Hände brav auf dem Holz, starrt Löcher in die Luft. Blaze bleibt stehen, verengt die Augen, mustert ihn.
„Wer zum Fick bist du jetzt?“ zischt er, die Nerven blank.
Er schiebt sich näher, und dann dämmerts ihm. Er kennt das Gesicht. Waisenhaus. Seine Gedanken rattern. Scheisse. Warum ist der hier? Sein Herz hämmert gegen die Brust, der Magen dreht sich einmal. Er tritt noch näher, fixiert den Jungen.
„Was machst du hier? Scheisse... ist was mit Dennah?!“
Die Worte schleudern raus, bevor er nachdenken kann.

Zögerlich sieht der Jüngere auf, bis sein Blick an Klarheit gewinnt. Er weiß nie, wie er diese Dinge angehen soll. "Ich soll dir etwas sagen.", beginnt er mit ruhiger Stimme. "Es ist wichtig. Aber ... ich verstehe es nicht."
Blaze spannt die Kiefermuskeln an.
„Was?!“ faucht er, der Puls hämmert ihm bis in die Fingerspitzen. Alles in ihm zieht sich zusammen. Es muss um Dennah gehen. Sie hat irgendwas geschickt, eine Nachricht, irgendwas – sie hat diesen Typ aus dem Heim benutzt, weil sie selbst nicht kommen kann. Vielleicht… vielleicht gehts ihr schlecht. Vielleicht braucht sie Hilfe. Vielleicht—
Sein Handy klingelt. Erschrocken zuckt er. Das ist sie! Muss sie sein! Er greift sofort in die Tasche, schaut auf das Display doch die Enttäuschung überrollt ihn sofort. Del. Blaze stellt es stumm. Er ruft später zurück. Immer noch gespannt wie ein Drahtseil, sieht er wieder den Jungen an.
„Sag schon!“
Gereons Blick bündelt sich neben dem Aufgeregten ihm gegenüber, die Augen sind verengt, als er leicht nickt. "Du sollst dir nicht die Schuld geben." Die Stimme des Jungen ist monoton und sachlich. "Es geht ihm gut. Er ist nicht böse auf euch."
Blaze blinzelt, als hätte ihm jemand eine runtergehauen. Kurz steht er einfach nur da, das Hirn leergefegt, während die Worte langsam in ihm ankommen.
Ihm?
Gut?
Nicht böse?
Sein Herz stolpert,
„Was redest du da, Mann?!“ bellt er. „Wem gehts gut?!“

Widerwillig weicht Gereon dem strengem Blick aus. "Ich bin nicht sicher.", murmelt er zur Seite. "Beruhig dich, ich verstehe dich nicht." Wieder an den Älteren gewandt, zieht er entschuldigend eine Schulter in den Nacken. "Er ist aufgeregt. Und jung. Ein Kind. Sully? Nein, das passt nicht." Als würde er mit sich selbst reden, schüttelt er verhalten den Kopf. "Das bist du. Sidney. Ja, Sid."
Sein Blick verengt sich, scharf, misstrauisch. Das Herz hämmert so laut, dass es ihm in den Ohren rauscht.
„Was laberst du da, Mann...“, zischt er, aber die Luft reicht kaum noch zum Reden.
Sid ist tot. Seit Jahren. Gestorben, weil Blaze und Chip damals Scheisse gebaut hatten. Riesen-Scheisse. Woher sollte dieser Junge das wissen? Blaze fühlt, wie sein Hals trocken wird.
Ist irgendwas an die Medien gedrungen? Wahrscheinlich nicht in voller Wahrheit. Es hiess damals offiziell, Sid sei in einem „tragischen Unfall“ ums Leben gekommen. Kein Wort davon, dass zwei Kids ihn eingesperrt hatten.
Nur die Polizei weiss es - und das auch erst seit kurzem. Und sein Bruder. Und jetzt dieser Typ hier.
Er reibt sich hart übers Gesicht, als könnte er die Gänsehaut wegwischen.
„Sid...“, murmelt er, „ist tot.“
Er hebt den Blick, starrt Gereon an.
„Wer hat dir das erzählt?!“
Äußerlich ungerührt hält Gereon den Blick. Doch im Inneren machen sich Zweifel breit. Was, wenn Sullivan den psychiatrischen Dienst anruft, weil ein Irrer bei ihm sitzt? Er wollte keine Botschaften mehr überbringen. Das ging nie gut aus. Warum hat er sich dazu breitschlagen lassen? Dieser Moment, in dem er es erklären muss, ohne zu wissen, wie sie reagieren. Der Teenager seufzt leise, ehe er ansetzt: "Er spricht mit mir. Er will, dass du weißt, dass es in Ordnung ist."
Blaze starrt ihn an. Lang, ohne eine Miene zu verziehen.
„Er spricht mit dir.“ sagt er langsam. Keine Frage, eher ein trockener Kommentar.
Er atmet flach durch die Nase. Irgendwo in seinem Schädel hämmert es dumpf. Vampire gibts auch. Was weiss er schon, was sonst noch möglich ist. Aber trotzdem... das... Das hier kratzt an etwas, das er seit Jahren unter Verschluss hält.
Blaze lehnt sich zurück, schiebt die Hände in die Taschen, als würde ihn das Gespräch nichts angehen.
„Und? Was will er noch sagen?“
Sein Blick bleibt kalt. Weil wenn Sid wirklich irgendwas zu sagen hätte – dann wärs nicht in Ordnung. Nie gewesen.

Es ist deutlich erkennbar, dass Sullivan ihm nicht glaubt - vielmehr nicht glauben will. Aber darum geht es nicht. "Er hat zuerst nicht verstanden, warum ihr es getan habt." Gereons Blick ruht auf einem leeren Punkt irgendwo auf der Tischplatte, während er mit ruhiger Stimme spricht. "Aber er weiß jetzt, dass es keine Absicht war. Er vergibt euch. Und er will, dass ihr es auch tut." Er sieht auf, direkt in das Gesicht des Anderen, der ihn kühl taxiert. "Du musst wissen, dass es auf der anderen Seite keinen Groll gibt. Sie sind nicht wütend oder traurig über das, was in ihrem Leben geschehen ist. Das alles spielt für sie keine Rolle mehr. Sie lassen diese Dinge hinter sich. Und deshalb können sie verzeihen." Einen Moment schweigt Gereon. Sein Ausdruck ist ernst, aber beiläufig. Als würde er irgendwelche mathematischen Formeln analysieren. "Er wünscht sich, dass du dir vergibst."
Blaze fühlt, wie die Härte in seinem Gesicht zu bröckeln beginnt, auch wenn er es nicht will. Er ist gut darin, alles kalt zu stellen. Sechs Jahre lang hat er nicht darüber gesprochen. Und jetzt reisst dieser Junge Löcher in die Fassade.
Das erinnert ihn absolut unerwartet daran, wie dieser Geist in der Spukvilla ihn übernommen hat. Wie er plötzlich seine Hände um Violas Hals hatte.. ohne Kontrolle, nur Zuschauer seines eigenen Tuns. Noch etwas, was er erfolgreich in eine Kiste gepackt und in einer dunklen Ecke seines Gehirns versteckt hatte. Sein Herz schlägt ihm bis in die Kehle. Fuck, er weiss, dass so ein Scheiss existiert.
Blaze' Blick gleitet durch den Raum, als könne er irgendwo in der Luft Sids Anwesenheit erspüren. Ist er jetzt verdammt noch mal hier, zwölfjährig und tot und gefroren und sagt ihm, es wäre in Ordnung? Bullshit.
Seine Fäuste ballen sich in den Taschen, während sein Blick wieder hart wird, ein letztes Aufbäumen gegen den Kontrollverlust. Er zwingt die Stimme in eine kühle Ruhe zurück.
„Weisst du was?“, sagt er schroff, obwohl seine Stimme verdächtig rau klingt, „Sag ihm, oder was auch immer du da hörst, dass es verdammt nochmal NICHT in Ordnung ist. Er ist tot, Mann. Zwölf und erfroren. Da gibts nichts zu vergeben.“
Seine Nerven sind ohnehin schon blank. Dass der Typ jetzt mit ... mit... S... mit DER SACHE hier auftaucht, ist zu viel.
Einen Moment sieht Gereon ihn regungslos an. Erst ein Blinzeln löst ihn aus der Starre. "Wäre es nicht auf diese Weise passiert,", sein Blick wird durchdringend, als er spricht. Die Stimme gedrückt, als würde er ein Geheimnis ausplaudern, von dem niemand wissen sollte. "Dann auf eine andere. Er wäre so oder so nicht alt geworden."
Blaze ballt die Hände in den Taschen so fest zu Fäusten, dass die Nägel sich ins Fleisch graben. Seine Kiefer sind so hart aufeinandergepresst, dass es ihm in den Schläfen pocht.
„Was zum...“
Die Worte kommen tonlos. Das ist gefährlich. Weil alles in ihm kocht, aber sein Gesicht ist wie eingefroren – nur der Blick, der sich in Gereon brennt.
„Das kannst du nicht wissen.“
"Ich nicht, nein." Gereon senkt den Blick, schaut auf seine Hände, die noch immer ruhig auf der Tischplatte liegen. "Aber sie scheinen sich da ziemlich sicher."
„Verdammte Geisterpsychoscheisse...“, murmelt er. Er kann das jetzt nicht. Nicht mit diesem Typen, der redet wie ein Wahrsager auf Beruhigungsmitteln.

Er zieht die Hände aus den Taschen und reibt sich übers Gesicht. Dabei spürt er wie die Trotz-Hülle sich wieder um ihn schliesst wie eine Blase die kurz geplatzt war - nur kurz. Das... ist nicht der Richtige Zeitpunkt zu allem anderen. Er dreht sich um, geht zur Tür, reisst sie auf und hält kurz inne. Für einen Moment ist er knapp davor noch etwas zu sagen, dann lässt er es und tritt hin durch.
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha )
>>> Blaze geht nach San Myshuno (5) >>>
>>> Gereon geht nach Chestnut Ridge Nr. 8 - Pferderanch (4) >>>
#16
<<< Vaas und Jack kommen von San Sequoia (2) <<<
<<< Blaze und Dennah kommen von Tartosa - Haus Fam. Falck Sr. <<<
Charaktere: Vaas, Boom, Jack, Dennah, Blaze
Geschichtsstrang: Bitte ein Bit II
Vaas knallt die Tür zu, schlendert zur Villa. „Komm. Ich hol mein Bit, und vielleicht... lernst du ein paar Leute kennen.“
Die Tür quietscht, als er sie aufstösst. Drinnen riecht es nach abgestandener Pizza, altem Gras und irgend was Verbranntem. Sie passieren die Küche – eine Festung aus leerem Geschirr und dann ins Wohnzimmer.
Boom Boom, lässig, sitzt auf der Couch. Der Fernseher hängt immer noch schief an der Wand, seit Boom ihn im Streit halb rausgerissen hat.
Er bleibt stehen, eine Millisekunde still. Dann brichts aus ihm raus:
„Tibby-Tabby!“ ruft er, als wär nichts gewesen und springt sie direkt an, halb Klammeräffchen, halb menschlicher Knallfrosch. Er landet auf dem Sofa, an Boom Boom, schlingt die Arme um sie, schiebt das Gesicht gegen ihre Wange –
und leckt sie ab. Einmal. Quer. Von Kiefer bis Stirn. „Hast du mich vermisst, du zerstörerischer Pechkeks? Ich hab jemand Neues mitgebracht. Die kann Kupplung. Und denken. Also beides besser als du.“
Auf dem Sofa hockend geht Boom Boom gerade die Liste ihrer potentiellen Geschäftspartner durch. Es ist länger nichts mehr herein gekommen und es wird Zeit, denen mal ein bisschen Angst einzujagen. Kommt diese Aufgabe in anderen 'Unternehmen' für gewöhnlich den niederen muskelbehafteten Laufburschen zu, macht Boom Boom diese Dinge lieber selbst. Den Vollidioten um sie herum ist erstens nicht zu trauen und zweitens - und das ist viel wesentlicher - macht es ihr einfach Spaß, den Kunden die Konsequenzen darzulegen. Sie konnte schon immer gut mit Leuten.
Ein müdes Lächeln zeichnet ihr Gesicht, als Vaas hereinstürzt. War ja klar, dass der wieder ankommt. Er hats eben nirgends so gut wie hier bei ihr.
Der Krach mit ihm ist längst vergessen. Gespielt angewidert zieht sie eine Grimasse, als er sie umklammert und wie ein Köter ableckt. Fehlt nur noch, dass er gleich seinen kastrierten Schritt in die Seite rammt, als wäre sie sein verdammtes Wichsstofftier.
Betont uninteressiert wirft sie einen abfälligen Blick auf "die Neue". Die Nase rümpfend registriert sie den süß-würzigen Duft, der von Locke ausgeht. "Und was soll die hier? Mit ihrem Schädel Staub wischen? Oder wird sie die neue Dienstschlampe? Könnten eine brauchen, jetzt wo Bitch wohl ein anständiges Leben führt."

Interessant. Unerwartet. Jack betrachtet die Seltsame aus ruhigen, offenen Augen. Nachdem sie so freundlich adressiert wurde, lächelt sie knapp und stößt einen kurzen, belustigten Schnaufer durch die Nase aus, bevor sie sich einen grünen Plastikstuhl aus der Gegend hinter dem Sofa hervor holt. Betont langsam. Dabei lässt sie zwei der Stuhlbeine über den Boden schrammen. Mit 1,5 Metern Abstand platziert sie sich direkt vor ihr neues Gegenüber. Unbeeindruckt, sie offensichtlich abcheckend. Nach circa einer Minute, blickt sie sich demonstrativ im Raum um, bevor sie zur Antwort ansetzt. "Nun...", beginnt sie ihren Teil des Kennenlernendialoges, "so wie du guckst, hast du hier was zu sagen.", nickt Jack anerkennend. "Ist das deine Hütte oder bist du hier der Aufseher?" Schulterzuckend führt sie fort, ohne den Gesprächsraum zu öffnen. "Wie auch immer, so oder so hast du den Stall nicht im Griff, ich verstehe dass du nach jemandem Ausschau hältst, der so aussieht als könnte er deinen Job machen." Das unausgesprochene "besser" übermittelt sie stumm, dass es angekommen ist, kann sie fühlen. Um so besser. Die Chaos liebende provoziert noch ein bisschen weiter. "Nix für ungut" schmunzelt sie nun, "die von dir gesuchte Dienstschlampe werde ich nicht, aber ich kann dir folgendes Angebot unterbreiten." Sie setzt ihr schönstes und geschäftsmäßiges Lächeln auf. "Ich bin bereit, dir über deine andere Gesichtshälfte zu lecken, dann kann der Staub an DIR haften bleiben. Zumal deine Haare eine viel schönere Staub-Mob-Farbe haben als meine, da sieht man den Dreck auch besser drauf, welcher wiederum zu deinem stinkenden Ego gut passt." Sie legt ihren Kopf leicht schief und schaut ihrer Kontrahentin neutral entgegen.
Vaas bleibt mit einem Bein quer über Boom Booms Schenkeln hocken, den Ellbogen nonchalant auf ihrer Schulter abgestützt. Sein ganzer Körper vibriert, als müsste er sich aktiv festhalten, um nicht mit beiden Armen eine Laola zu werfen.
Er tuts trotzdem.
„BOOJAAAA!“
Er reisst beide Arme in die Luft, kippt dabei beinahe rückwärts von der Couch, fängt sich im letzten Moment am Sofarücken und brüllt:
„WO ist mein scheiss Popcorn?!“
Müde schmunzelnd wirft Boom Boom einen letzten Blick auf ihr Handydisplay, während der Gartenstuhl provokativ über den Boden schrammt. Denkt die etwa, das stört hier irgendwen? "Wie kommste denn darauf, dass es eine Dienstschlampe braucht, damit es hier läuft?" Mit einer Hand schiebt sie Vaas' Bein von sich herunter, um aufzustehen. Gemächlich geht sie auf Locke zu, das Handy schiebt sie in ihre Gesäßtasche. "Ganz ehrlich, Schädelfresse, ich weiß nicht, warum du ständig deinen Müll hier abwerfen musst." Sie erreicht die Neue, umrundet sie lässig, während ihr Blick sie taxiert. "Klar dass du sie geil findest. Bei der riesen Fresse. Aber vielleicht", mit einem kräftigen Ruck reißt sie Locke den Stuhl unter dem Hintern weg, so dass sie auf dem Boden landet, "ist das ja auch ne Einladung zum Abendessen. Nix für ungut." Mit einem zuckersüßen Lächeln zwinkert sie ihr aus glühenden Augen zu, ehe sie den Stuhl, ebenso geräuschvoll, wie es zuvor geschah, zurück zur Fensterfront schleift. "Ne Mitbewohnerin soll sie ja wohl nicht sein. Schließlich stellt man sich ja erstmal vor, wenn man irgendwo auftaucht."
Der Knall auf den Boden kam plötzlich, was ein geiler Move. Den wird sie sich merken. Ihr Steißbein kribbelt heftig, darum bleibt sie noch einen Moment sitzen, bevor sie sich defensiv und laut lachend auf den Rücken sinken lässt, so easy, wie es ihr mit dem Steißschmerz möglich ist. Sie stellt ihr linkes Bein auf und legt den Fuß des rechten Beines winklig auf dem aufgestellten Knie ab, während der Stuhl knarrend an seinen Ausgangsort zurück geschleppt wird. "Ich heiße Jack.", ruft sie in den Raum, dann hebt sie ihren Kopf um ihre Hände dahinter zu verschränken. Mit dem Kopf auf den Handflächen legt sie sich wieder ab. "Ich finde auch dass du etwas essen solltest, vielleicht wird die Laune dann etwas besser. Ich hatte vorhin Döner mit extra Zwiebeln, schmecke bestimmt extrem. Höchstwahrscheinlich werde ich auch vor Bissschreck mächtigst einen Fahren lassen. Das solltest du dir gut überlegen."

Vaas' Gesicht schmerzt schon vor lauter Grinsen. Er hangelt sich wie ein Ertrinkender an der Rücklehne des Sofas hoch und kommt in die Vertikale. Er kommentiert den 'Müll' nicht. Viel mehr ist er von der Dynamik gefesselt. Laute Dynamik. Bewundernd betrachtet er die Szene mit den Ellbogen auf den Knien und den Wangen in den Händen.
„Ich glaub, du hast dein Endgegner gefunden, Boom....... Oh oh oh oh! Wartet, wartet wartet!“
Wie von der Tarantel gestochen, als wäre ihm grade ein Geistesblitz durch den Rücken gedonnert, springt er auf. So, dass er auf dem Sofa steht und leicht nachfedert. In der Hand ein unsichtbares Mikrophon.
„UND DAMIT— meine Damen und Herren, Degenerierten — ist die erste Runde eröffnet!“ Er deutet dramatisch auf Jack. „In der Linken Ecke! Newcomer: Jack! Der wandelnde Fiebertraum eines jeden Friseurs, frisch importiert, maulstark, serviert zum Start eine Furz-Warnung als psychologische Kriegsführung!“ Er zeigt auf Boom. „Und in der anderen Ecke: unsere regierende Queen of Mean: Boom Boom, die Patronin der passiv-aggressiven Poesie, mit einer Erfolgsquote von hundert Prozent, wenns darum geht, Gäste rauszuekeln oder sie geil zu machen!“ Vaas hüpft aufgeregt auf und ab. „Ich bin emotional überfordert. Es ist wie Reality-TV, nur dass ich den Cast gevögelt hab!“ Er wischt sich eine imaginäre Träne aus dem Auge und zeigt auf Boom. „DING DING DING! Runde Zwei!“
Halb genervt, halb belustigt sieht Boom Boom Vaas dabei zu, wie er den Kommentator mimt und offensichtlich einen unheimlichen Spaß daran hat. Ein Teil in ihr muss zugeben, dass sie diesen Vollidioten ein winziges bisschen vermisst haben könnte.
"Da haste dir ja eine ganz Schlaue geangelt." Die Augen rollend setzt Boom Boom sich auf die äußerste Ecke des Sofas. "Seh ich so aus, als würden Fürze mich abschrecken? Jetzt mal ehrlich. Da muss schon ein bisschen mehr kommen." Die Beine überschlagend lehnt sie sich zurück, einen Arm auf der Lehne. "Also, was ist dein verfickter Auftrag? Außer dem Spinner hier die Eier zu lecken, weil das scheinbar euch beiden gefällt."

Was für eine starke und beeindruckende Person - Fuck. Die hat hier im Viertel nicht nur die Hosen an, sondern auch die dicksten Eier! Das zeigt ihre Präsenz eindeutig. Na gut! Dann eben unter die Gürtellinie.
"Ich schätze, du wirst deine Eier ungeleckt im Sack behalten, Boomielein. Zumindest von mir haste da nix zu erwarten. Aber danke für diese so simple und schöne Idee." Sie setzt sich auf und wendet sich aufgekratzt Vaas zu. Mit belustigten, funkelnden Augen schaut sie ihn an. Stumm aber überdeutlich signalisiert sie ihm, dass sie das ja vielleicht später unter vier Augen in Betracht ziehen können. Dann zwinkert sie ihm frech zu.
Jack schwenkt ihren Blick zur Queen, mit wieder verbal vernehmbaren Worten. "Aber vielleicht schlag ich dir als Friedensangebot mal wen vor, den du Teebeuteln kannst. Glaube du kannst das. Und das meine ich mit dem größten Respekt." Sie nickt ihr bekräftigend zu und setzt sich ihr entspannt gegenüber aufs Sofa. "Uuhhmmm und was mein Auftrag is, weiß ich nicht. Bisher Fahrer. Und nein, mehr als Fürze hab ich nicht im Angebot. Ausser, du stehst auf Flachwitze."
Vaas’ Augen verengen sich einen Moment, als Jack ihm das stumme Angebot serviert – dann macht es in seinem Hirn klick, bumm, Feuerwerk. Er schnauft scharf durch die Nase, grinst und lässt sich fallen. Direkt neben Boom Boom. Dabei federt die Polsterung so heftig, dass Boom automatisch mitwippt.
„BAM! Jackpotgefühl im Beckenboden!“
Er legt einen Arm um Boom, zieht sie kurz an sich ran wie ein Kumpel, den man gleich wieder ins Messer laufen lässt.
„Bitte. Bitte. Lass sie bisschen bleiben. Nur für eine Woche. Oder einen Tag. Oder eine Kippe lang. Ich zahl auch in… äh… naja, ich zahl nicht. Aber ich meins ernst, Boom. Wenn sie nich hierher passt, wohin dann? Stell dir vor was Ratte dazu sagt!“
Er sieht Boom nah an seinem Gesicht von der Seite an.
„Bei Prinzessin hats auch gedauert, bis er nützlich war. Und jetzt ist er mein verdammter Essenseintreiber und dein Frühstück in einem.“
Er wendet den Blick zu Jack.
„Und du… urteil mal nich zu schnell, ja? Ich hab das im Urin – wenn ihr zwei euch mal richtig an die Wäsche geht, dann kracht das. Und zwar nicht so mit Schlägen, sondern so mit… Schlägen, weisste? Ich leih euch auch meine VHS!“ er formt ein Herz mit Zeigefingern und Daumen und schenkt es beiden.
Die Arme vor der Brust verschränkt, lässt Boom Boom sich an ihn heran ziehen. "Hörst du? Deine Freundin will mich nicht. Hat wohl Angst, es könnte ihr gefallen. Oder weh tun." Kühl blitzen ihre Augen auf. Die Art, wie er bettelt, würde ihr im Normalfall ein Hochgefühl geben. Aber etwas daran widert sie gewaltig an. Er will unbedingt, dass Locke bleibt - weil er die Kleine gern hat? Er hat den Cast gevögelt. Ihr Kiefer spannt sich an. Nicht weil er es mit Anderen treibt. Er ist frei und kann sich reinschieben wo er will. Aber dass es ihm gefällt - so sehr, dass ihn der Gedanke anturnt, die kleine Grotte unter dem selben Dach zu wissen. Das muss Konsequenzen haben. "Was kann sie denn? Außer Kupplung und Flachwitz. Oh, und natürlich furzen."
Sie setzt das überschlagene Bein auf und stemmt sich kraftvoll vom Sofa, stellt sich direkt vor Jack auf, so dass ihre Präsenz den Körper der Sterblichen einengt, und schaut auf sie herunter. Die kräftige Narbe inspizierend, streicht sie das Haar unsanft aus der anderen Gesichtshälfte, ehe sie sie am Kinn packt, um ihren Kopf von links nach rechts zu wenden, als würde sie eine Ware auf Gebrauchsspuren untersuchen. Ihre Finger liegen nur sanft auf, erschaffen aber dennoch genügend Druck, dass sich kleine weiße Abdrücke in der Haut zeigen. "Woher kommt das?" Boom Boom würde es nicht zugeben, aber es gefällt ihr, dass Locke ihre Narbe so offen vor sich herträgt, als wäre sie eine Trophäe. "Ich sag dir was, Jack." Den Namen überdeutlich betonend, beugt sie sich ein Stück zu ihr herunter, spricht leise, aber mit scharfer Stimme. "Was sich in, an oder um diesem Gebäude herum befindet, gehört mir. Inklusive des Eiersalats da hinten." Sie muss nicht auf Vaas deuten, um klar zu machen, dass er gemeint ist. "Mit Betreten meines Bodens stimmst du automatisch den Nutzungsbedingungen zu. Verstehst du das?" Ihre Finger noch immer am Kinn zwingen Jack zu einem deutlichen Nicken. "Guuut. Bist ein schlaues Mädchen." Sie lässt von ihr ab, schenkt ihr einen letzten kühlen Blick, ehe sie sich abwendet. "Sie kann bleiben. Vorerst." Nach wenigen festen Schritten zurück zum Platz direkt neben Vaas, lässt sie sich dort in die Polster fallen. "Finde einen Zweck für sie. Einen der nichts mit rumvögeln zu tun hat." Beiläufig zieht sie ihr Handy aus der Tasche und öffnet das Display. Seit dem letzten Anruf hat Bitch sich nicht mehr gemeldet. Ist das gut oder schlecht? Stumm beschließt sie, mal wieder in Tartosa vorbeizuschauen. Nachdem sie gegessen und ein paar Dinge geregelt hat.

Die Vampirin erdrückt sie nahezu, obwohl sie noch eine halbe Armeslänge von ihr entfernt steht, bevor sie sie anfasst und dicht an ihr dran ist. Als Boom klarstellt, wie leicht sie sie zerquetschen könnte, hämmert ihr Herzschlag lauter. Bleib ruhig, bleib bei dir, stell die Furcht ab. JETZT. Was ihr dann schlussendlich dabei hilft ist die Tatsache(!), dass sie wie ein Stück Fleisch begutachtet wird. Ihr Puls geht runter. DU gibst dir deinen Wert, Jack! Niemand anderes. Der Druck der untoten Finger, treibt sie fast in den Wahnsinn. Sie ist hin und hergerissen. Sie liebt Stärke. Klarheit. Authentizität. Das ist alles da. Aber da ist auch viel im Hintergrund, was sie nicht wertschätzt. Wie bei sich selbst. Nach einem wütenden Grunzer gestattet der Schraubstock ihr zu reden, bevor sie sie über die Spielregeln aufklärt. OK. "Ich habe diese Narbe von meiner ersten Nahtoterfahrung mit Gedächtnisverlust.", nuschelt sie. "Diese Narbe hat mich wach gerüttelt, mir neue Ziele gegeben. Mich befreit und widerstandsfähig gemacht. D i e s e Narbe ist mein Ticket aus meiner alten Hölle!" Jack blickt ihr fest in die Augen, furchtlos und neugierig. Als Boom von ihr ablässt und sich wieder ihren Stammplatz einnimmt, starrt sie vor sich hin. Ihre Gedanken rasen. 'Einen Zweck für sie finden'? Etwas klickt, als würde es zwölf schlagen. Aber nicht auf die gute Weise. Sie hat es satt, für die Zwecke von anderen herhalten zu sollen. Damit ist sie durch. Ihr Blick hebt sich und wird hart, nachdem sie wieder normal atmen kann und zu den beiden schaut. "Das vergesst mal lieber." Sie massiert sich den schmerzenden Kiefer. "Schlagt mir Diverses vor und dann schauen wir, was ich alles noch so kann außer Fahren und Furzen. Aber schlussendlich entscheide ich für mich. Niemand. Sonst." Sie nimmt die Härte zurück, als sie auffordernd die Brauen hebt, "Hat von diesen Dingen etwas mit Ab- oder Aufriss zu tun? Dann bin ich zu zweihundert Prozent dabei."
„Gott, ich liebe dieses Haus. Wo sonst krieg ich ne Reality-Soap – gratis, live und in Farbe?!“
Er richtet sich auf und streicht sich durch die zerzausten Strähnen.
Dann, an beide gewandt:
„Ihr habt beide keine Ahnung, was für ne perfekte Scheiss-Symbiose ihr sein könntet. Boom Boom, du brauchst wen, der nicht nach jedem Streit wegrennt. Jack, du brauchst ne Umgebung, wo man dich nicht wie ein Porzellanbaby behandelt.“
Er schnalzt, lehnt sich grinsend zurück und breitet die Arme aus.
„Also! Vorschläge gefällig? Ich hab Jobs. Viele Jobs. Und alle sind geil. Willst du jemanden verfolgen? Willst du nen Sender heimlich irgendwo reinkleben? Willst du ein Kabel durch nen Luftschacht ziehen und dabei nicht sterben? Willkommen. Die Villa ist kein Zuhause. Sie ist ein Testgelände. Und du, Strubbel, hast grade bestanden.“
Er lehnt sich über Boom, fingert nach einer Zigarettenschachtel, steckt sich eine Kippe in den Mundwinkel und murmelt:
„Jetzt braucht ihr beide nur noch eins.“
Pause. Grinsen.
„Ein Safe-Word.“

Mit leicht gespitzten Lippen fährt Boom Booms Zunge über einen Eckzahn. Zugegeben - Vaas' Worte wecken ihr Interesse. Vielleicht kann Locke tatsächlich noch nützlich werden. Mumm hat sie auf jeden Fall. Allerdings könnte ihr eigener Wille ein Problem werden. Kritik muss früh unterbunden werden. Die Kleine wirkt zäh. Es wäre durchaus möglich, dass der Aufwand zu hoch für den Nutzen wäre. Und wer garantiert ihre Lockes Loyalität? Wer sagt ihr, dass sie nicht einfach ihre eigene Scheiße dreht, wenn ihr irgendwas nicht passt? Und vor Allem: Was, wenn Schädelfresse schon so tief in ihr drin steckt, dass er lieber der Locke folgt, anstatt ihr selbst? Ein Teil in ihr spürt, dass sie ihn zu verlieren beginnt. 'Du bist spiessig geworden.' Die Auseinandersetzung vor einigen Tagen machte es deutlich. Er wollte mit ihr spielen - und war beleidigt, weil sie nicht einstieg. Vielleicht hatte er recht. Vielleicht war es mal anders gewesen. Als sie noch auf einer Augenhöhe waren. Aber das Gleichgewicht hat sich geändert. Sie ist kein Spielzeug. Sie ist der Spieler. Sie kann es sich leisten, ihn zu verlieren. Aber nicht, an eine, die Booms Grenzen nicht einhält. Dies ist der Moment, in dem sie sich entscheiden muss. Den Anderen Wohlwollen vorgaukeln - sie an der langen Leine halten, Futter zuwerfen, damit sie ihr treu hinterher hecheln. Oder klare Kante - mit dem Risiko, allein dazustehen. Sie ist unsterblich. Sie kann sich teleportieren. Sie hat es weder nötig, irgendwem Honig ums Maul zu schmieren, noch hat sie Lust auf diesen ewigen Aufwand. Aber möglicherweise wäre es klüger, sich friedfertig zu geben und zu sehen, welchen Nutzen Locke bringt. Gedärme aus Körperöffnungen ziehen geht auch später. "Ein Safe-Word ..." Der Grund erschließt sich ihr bei näherer Betrachtung nicht. Das ist etwas für Leute, die sich an längst aufgestellte Regeln halten wollen. Hier allerdings ist sie diejenige, die die Regeln aufstellt.
Mit prüfend in die Stirn gezogenen Brauen fängt sie Vaas erwartungsvollen Blick auf. Den Streit im Hinterkopf, der vergessen war, doch nun mit einem bitteren Nachgeschmack aufzustoßen beginnt. Gut möglich, dass er anderer Meinung ist. Dann wird es nicht lange dauern, bis er die Tür hinter sich zuknallt - dieses Mal womöglich endgültig. Natürlich braucht sie ihn nicht. Sie braucht niemanden. Nicht wirklich. Aber etwas in ihr drängt sie dazu, ihn nicht achtlos zu vertreiben. "Wie genau soll das ablaufen? Sie sagt 'Eiersalat', wenn ihr ein ... Vorschlag... nicht passt und wir lackieren uns gegenseitig die Fingernägel? Wer erledigt dann den Job, der liegen bleibt?"
Vaas zündet die Kippe an. Dann – ganz plötzlich – richtet er sich auf, zeigt mit beiden Händen erst auf Boom, dann auf Jack.
„Okay. Time Out. Ich muss wohl n bisschen ausholen jetzt, weil ich offenbar der Einzige bin der… egal.“
Er steht auf, läuft ein paar Schritte, dreht sich mit ausladender Geste wieder um.
„Boom – ich liebe dich. Ehrlich. Auf die ganz verkorkste, toxisch-loyale, ‘jag mir ne Kugel rein, aber fass mein Werkzeug nicht an’-Art. Aber, du hast dein Haus voll mit Idioten. McRotz? Ehrlich? Was bringt der dir? Der kann nicht mal ne Tür eintreten ohne sich den Knöchel zu brechen. Und der Rest kommt nur wenns was zu rauchen gibt - oder wenns regnet.“
Er lacht kurz, doch die Augen bleiben ernst. Nachdenklich zieht er an der Kippe.
„Die verpissen sich alle, wenn du mal wirklich was brauchst. Wenns kracht, dann bleiben genau drei Leute: Ich. Bitch – maybe - keine Ahnung was jetzt mit der ist. Und wenns hochkommt Prinzessin, weil er halt an ihr klebt wie Honig am Dildo…“ er legt die Hand ans Kinn und denkt drüber nach. „ist vielleicht doch ne Fehleinschätzung - egal.“
Er lässt die Worte stehen, schaut Boom direkt an.
„Aber jetzt – tadaa! – bring ich dir hier Strubbel. Furchtlos. Abenteuerlustig. Ne echte Aufwertung für diese Gang. Sie hat dir gerade ins Gesicht gesagt, dass sie keinen Bock auf Spielchen hat – und ist immer noch hier. Immer noch hier, Boom!! Weisst du, was das heisst? Sie hat keinen Grund hier zu sein und ist trotzdem noch da. Da besteht Bedarf!“
Er deutet ehrfürchtig auf Jack. Dann grinst er, geht ein paar Schritte auf Boom zu, die Arme offen.
„Sie will was erleben! Gib ihr was. Dein Level von Wahnsinn. Und wenn sie dabei nicht abraucht… dann gehört sie dazu.“ Sein Blick wandert zu Jack. Er sagt es nicht, aber sein Blick wünscht sich, dass das passiert. Der Grund könnte alles sein. Dann lässt er sich wieder ins Sofa fallen.
„Oder… du schickst sie weg, holst McRotz zurück, und wir machen beim nächsten Überfall halt einfach ne Kissenschlacht. Auch schön…“ In seinem Tonfall verdreht er deutlich die Augen. Er drückt die Kippe aus und murmelt. „Da fällt mir ein, ich wollt ja eigentlich mein Bit holen…“

Boom Booms schmollende Lippen ziehen von einer Gesichtshälfte zur anderen. Sie weiß, dass er recht hat. Trotzdem - oder gerade deswegen - missfällt ihr die Bewunderung, die ihm aus jeder Pore quillt. "Ich sagte schon, sie kann bleiben. Was willst du noch? Ein Freundschaftsarmbändchen?" Sie greift nach der Zigarettenschachtel, um sich eine anzustecken, als im Hintergrund die Tür zu hören ist. "Kannst sie ja rumführen und ihr alles zeigen.", schiebt Boom Boom hinterher und wirft Jack die Kippen zu. Die Brauen ziehen sich tief ins Gesicht. Das klingt wie ... Energisch steht sie auf. Große Schritte bringen sie zur Küche. "Biiiiiitch!" Die Arme weit ausgebreitet setzt sie ihr wärmstes Lächeln auf. "Was tust du denn -" Ihr Lächeln erstirbt, als sie sieht, wen Dennah, an der Hand haltend, mit sich zieht. "Blitzbirne. Sieh an. Du hast sie gefunden. Hätte ich dir nicht zugetraut."
Blaze tritt mit Dennah im Schlepptau über die Schwelle, sein Blick fliegt routiniert durch den Raum. Nichts hat sich verändert. Nur eine Sache..
Dennah ist bei ihm. Ihre Finger in seinen. Und das ist das Erste, was Boom Boom sieht.
Blaze spürt den Moment, in dem sich die Atmosphäre ändert. Noch bevor sie „Blitzbirne“ sagt. Mit ihrem falschen Lächeln...
Er bleibt stehen. Locker, aber präsent. Der Rücken minimal aufgerichtet, als würde seine Körperhaltung sagen: Rühr sie nicht an.
„Boom“, erwidert er trocken. „Geh einfach aus dem Weg.“
Vaas’ Kopf schnellt zur Seite, als hätte jemand im Nebenzimmer eine Sprengladung gezündet. Er war grade noch dabei zu denken das Boom immer noch nicht gerafft hat was er sagen will, als sie losläuft. Tja die Tour de Villa muss wohl warten.
Er spitzt die Ohren, kneift die Augen zusammen, dann schiebt er sich langsam vom Sofa hoch. Im Türrahmen zur Küche bleibt er stehen.
„Wuaauuuu...“, haucht er mit einer Verwunderung, die man nur dann zustande bringt, wenn man Zeuge wird, wie ein Einhorn und ein Werwolf Händchen haltend in die Hölle spazieren. Sein Mund klappt kurz auf – dann grinst er. Er dreht sich zu Jack, schnippt mit zwei Fingern in ihre Richtung.
„Strubbel. Du wolltest Abenteuer? Jetzt gibts Drama in 4K.“
Dann winkt er sie zu sich heran, verschwörerisch, mit leuchtenden Augen.
„Vielleicht brauchen wir einen Spritzschutz. Komm schnell!“
Jack fängt die Packung. Dankbar etwas in der Hand zu halten, um ihren Fokus zu verschieben. Auf eine haptisches Objekt, welches sich außerhalb ihres Kopfes befindet. Da drin summt es wie in einem aufgewühlten Bienenstock. Gehörtes, gedachtes, empfundenes, Ideen, Sprüche... Alles durcheinander. Sie klappt mit dem rechten Daumen den Deckel nach hinten über und zählt. 2,4,6,8 Kippen. Moment, 9. Die letzte hatte sich etwas schräg gelegt. Das ist ihre. Die acht nebeneinander stehendenden sichert sie durch's Auflegen des linken Zeigefingers, dann dreht sie die Schachtel kurz und schnell auf den Kopf und klopft mit der Öffnung nach unten ein Mal kräftig in ihre rechte Handfläche. Erfolg. Nummer 9 liegt ihn ihrer Hand. Während sie einhändig die Packung schließt, beobachtet sie Vaas, der aussieht wie eine Mischung aus angespannter Sprungfeder und begeisterter, sensationslüsternder Bild-Zeitungs-Journalist. Sie schmunzelt, als er sie zu sich ranschnippst. Auf dem Weg zum Türrahmen, nimmt sie ein Feuerzeug auf und steckt sich im Gehen ihr kleines Ablenkungsmanöver an. Sie saugt kontrolliert am Filter und bläst langsam den ersten Rauch aus, als sie im Rahmen ankommt und das neue Dreiergrüppchen in Augenschein nimmt. "Drama, Spritzschutz? - Das klingt nach was!" Die Zigaretten landen samt Feuer übergangsweise hinten in ihrem Hosenbund. Nach dem zweiten, tiefen Zug ruckt sie mit dem Kinn in Richtung der Szenerie, "Hol mich mal kurz ab. Was läuft hier gleich für ein Gemetzel?" Ausatmend streckt sie ein Bein vor und stellt es zwischen seine Beine.

Müde und angespannt erreichen Dennah und Blaze das Grundstück zur Villa. Die Nacht war kurz und sie hatten sich viel zu früh aus den Kissen geschlichen, um Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Den gesamten Tag hatten Dennah und Blaze zusammen verbracht, über Zukunftspläne sinniert und wie sie die Ideen umsetzen könnten, ohne eine Bank ausrauben zu müssen.
Blaze' Hand fest umklammernd, erinnert Dennah sich beinahe sekündlich daran, was er ihr immer wieder sagte - nicht provozieren lassen. Rein gehen, Kram holen, raus gehen. Bei ihm klang es logisch und simpel. Doch nun, da sie die Küche betritt, schießt ihr der Puls in die Schläfen. Es sind nicht nur zerfressende Enttäuschung und kochende Wut über Boom Booms Verrat. Die Angst, ihre Reaktion über das gemeinsame Erscheinen nicht einschätzen zu können, macht sie nervös. Sie waren beste Freundinnen, solange sie denken kann. Jetzt hat Boom Boom sie bewusst und mit zusätzlichem Aufwand in die Irre geführt. Mit Gefühlen gespielt und das Ende ihrer so wertvollen Freundschaft billigend in Kauf genommen. Und wofür? Weil sie nicht ertragen kann, ihre angebliche Seelenschwester glücklich zu sehen? Die vergangenen Stunden musste Dennah sich immer wieder fragen, wie oft sie wohl manipuliert wurde, ohne es zu merken.
Wie eine Superschurkin zum Showdown steht Boom Boom nun dämlich grinsend vor ihnen, nennt Blaze Blitzbirne und zeigt keinerlei Scham über ihr Handeln.
Und Dennahs Finger pressen sich zornig in Blaze' Hand.
"Geh einfach aus dem Weg.", fordert er mit einer Bestimmheit in der Stimme, die Dennah beinahe die Feuchtigkeit ins Höschen treibt. Das ist so sexy! Boom würde Flutwellen kotzen, wenn die beiden es in ihrem Bett treiben würden.
"Aber aber. Warum denn so ernst?" Langsam setzt Boom Boom einen Fuß vor den anderen, durchquert die Küche, als wäre sie ihr versifftes Königreich.
Die Lippen aufeinander gepresst, würgt Dennah alle Worte herunter, die hinter ihrer Stirn übereinander poltern. Nicht. Provozieren. Lassen.
Blaze sieht sie an. Pokerface. Nichts dringt durch. Er war hin und her gerissen ob es klüger wäre zu kommen wenn sie noch schläft oder wenn sie wach ist. Kam dann zum Schluss, dass das Zimmer von ihr besetzt wäre tagsüber. Die Hoffnung sie wäre bereits in die Nacht ausgeflogen ging, wie es scheint, nicht auf.
Jetzt steht sie da. Und redet.
Aber er hat keinen Nerv mehr für ihre Versionen. Für das, was sie behauptet zu fühlen, zu wissen, zu deuten.
Nach allem, was passiert ist, fühlt es sich an wie ein Fehler, dass er ihr je geglaubt hat. Dass er sie mal in Schutz genommen hat. Fast peinlich, wie sehr er sich damals hinter sie gestellt hat, als würde sie sowas wie Loyalität kennen.
„Wir holen unsere Sachen und dann gehn wir wieder. Machs nich unnötig kompliziert“, sagt er, den Griff um Dennahs Hand unbewusst fest und bestimmt.

Vaas schwingt sich lässig auf die Küchenzeile, schiebt Teller, leere Chipstüten und einen Aschenbecher mit der Rückhand einfach achtlos zur Seite und klopft demonstrativ neben sich auf die Platte, um Jack den besten Platz der ersten Reihe anzubieten.
„Strubbel, Parkett-Plätze! Showtime, Baby!“
Seine Augen funkeln wild vor Vorfreude, während er theatralisch auf die Akteure zeigt, als würde er gerade den neuesten Plot-Twist einer Soap erläutern:
„Also pass auf – die da ist Bitch. Wenn du ordentlich Dampf ablassen willst, nimmst du sie. Kannste wörtlich nehmen, ich mein das sexuell. Den Namen trägt sie jedenfalls zu Recht, wenn du verstehst, was ich mein.“ Er zwinkert Jack dreckig zu, dann zeigt er auf Boom. „Boom kennst du ja jetzt. Die knutscht manchmal mit Bitch. Ist ihre beste Freundin. Oder Ex. Oder Mitbewohnerin. Oder… keine Ahnung, die Beziehung hat mehr Plot-Twists als ne Telenovela..“
Er lehnt sich verschwörerisch näher zu Jack und deutet dann mit dem Kinn rüber zu Blaze. „Und Prinzessin da drüben.. Sein Hoheitsgebiet endet bei seinem Ego. Die ölige Nähmaschine hier –“, er tätschelt die verstaubte Maschine neben sich, woraufhin prompt eine Schraube klirrend zu Boden fällt, „hat er extra für Bitch ausm Sperrmüll gezogen, als romantische Geste oder sowas. Hat mich sogar genötigt, das Ding zu flicken, aber dann kam B–“, er hält inne, sieht schnell zu Boom rüber, hebt beschwichtigend die Hände, „– jedenfalls wars plötzlich doch nicht mehr so wichtig. Und jetzt stehen wir kurz vor dem epischen Showdown weil… keiine Ahnung warum aber ist trotzdem geil.“
Er reibt sich begeistert die Hände und wirft Jack einen herausfordernden Blick zu.
„Was meinst du? Wettschulden sind Ehrenschulden. Ich setz ne Schachtel Kippen und nen Cunnilingus, dass Bitch als Erste schreit. Na?“
Mit Begeisterung verfolgt Jack den Schlagabtausch zwischen den dreien und Vaas' kommentatorischen Erläuterungen. Abgefahren, was für eine Dynamik, was für eine... eine... Es fehlen ihr die Worte. Zu guter letzt, weil sein abschließendes Wettangebot den ganzen Wahnsinn auf eine herrlich abstrakte Ebene holt.
Sie spürt, wie sich ihre Nackenhärchen bei dem einladenden Gedanken aufstellen, diese Form der Wettschulden von ihm einzufordern. Stürmisch, nachdrücklich und vielleicht sogar mehrfach?! Sie merkt, wie selbst ihr Mund feuchter wird, als sie sich zu ihm und weg von den Pulverfässern dreht. "Oohhh..." fängt sie seinen Blick auf, schiebt ihren Kopf zwischen den Schultern vor und beißt ihn sanft ins Ohrläppchen, bevor sie ihm ihren Favouriten und Wetteinsatz mitteilt. "Ich glaube, Prinzessin wird sich nicht mehr lange beherrschen können und detonieren." Mit der Nasenspitze fährt die zu allem bereite Neue langsam über seine Halsseite, bis zum Hoodie-Ansatz und wieder zurück an sein Ohr, diesmal mit ihrerm leicht geöffneten Lippen, seinen Duft einatmend. "Ich gehe mit den Kippen mit und ergänze um ne Packung Eiswürfel." Schalkhaft nickt sie ihm zu, "Ich werde dir dermaßen mit den kleinen Dingern den Verstand rauben, dass du einen halben Tag lang dein Tüftlerwissen nicht benutzen kannst." Sie dreht sich demonstrativ wieder dem Ring zu, Boom hat gerade einen theatralischen Schritt zurück gemacht und dem Dream-Team den Rücken zugewandt. "Mindestens einen halben Tag, kommt drauf an wieviel Zeit ich mit dir hab."
Das Bühnen-Geschehen zieht aprupt Jack's Aufmerksamkeit wieder auf sich. Gute Show, tatsächlich! Und mal abgesehen davon ob es stimmt was er über die Girls und deren Verbindung sagt... Es ist sehr aufschlussreich Boom Boom zu beobachten. Auch Vaas' Aussagen und sein Plädoyer - zu ihren Gunsten - haben tiefer Blicken lassen, auch in seine Rolle. Eine seltsame, nicht leicht zu greifende Truppe ist das hier. Eine spannende, sich in sich bewegende und verändernde Formation von Herrschaft, Crazyness, Machtmissbrauch, Freundschaft, Co-Existenz, Bewunderung, Eifersucht (?), Abscheu, Abhängigkeit, Sicherheit(?!), Manipulation, Verbindung... Wow. Und dabei ist sie noch nicht allen begegnet. Ein seltsamer, faszinierender Ort, mit interessanten Spielräumen.

"Ihr euren Kram?" Verächtlich schnaubt die Vampirin. Sie kommt ein Stück näher, bis sie schließlich direkt vor Blaze stehen bleibt. Instinktiv schiebt er sich einen halben Schritt vor Dennah.
"Schön." Eine Braue hebt sich kaum merklich in Boom Booms Stirn. "Du kannst dich verpissen. Aber Bitch bleibt hier."
"Auf keinen Fall bleib ich!" Dennahs Stimme zittert vor Zorn, doch es mangelt ihr nicht an Entschlossenheit.
Kühl wirft Boom Boom ihr einen Blick über Blaze Schulter hinweg zu, ehe sie sich an ihn wendet: "Du weißt schon, dass sie jeden Schwanz westlich von Sulani hatte, oder? Und es waren nicht nur Schwänze dabei. Pussy kann sie auch ganz gut." Die funkelnden Augen springen zurück zu Dennah. "Sieh es ein, Bitch. Du bist nicht sein Niveau. Mit solchen Schlampen gibt der sich nicht ab. Jedes Mal wenn er dich anguckt, denkt er an all die vielen Kerle, die du beglückt hast. Was denkst du, wie lange das gut geht? Wie lange kann er diese Bilder ignorieren? Von spritzenden Schwänzen und nassen Muschis." Zurück an Blaze gewandt: "Hm? Wie lange schaffst du das?"
Sie nimmt einen Schritt Abstand, wendet sich um und legt sich selbstgefällig beide Hände an den Brustkorb. "Ich hingegen habe kein Problem damit, wie du bist. Ich liebe es, wie du bist. Nur hier kannst du frei sein." Eine Drehung lässt sie wieder zu dem frischen Paar blicken. "Du selbst sein."
"Nein! Ich bin das nicht!" Die Hände zu Fäusten geballt tritt Dennah hinter Blaze hervor. "Du hast mich dazu gemacht!" Ihre Augen, zornig zusammengekniffen, füllen sich mit Tränen. Ihre Stimme schneidet lauter werdend durch den Raum.
"Oh bitte!" Boom Booms Mimik wird energisch. "Als ob ich dich in die Knie gezwungen und dir die Teile reingestopft hätte. Das warst du selbst. Deine Entscheidung, Bitch."
"Weil du mich hast glauben lassen, dass das mein Leben ist." Näher an die Vampirin herantretend, beginnen Dennahs Worte in ihrer Kehle zu kratzen. "Aber das stimmt nicht. Ich bin mehr. Und Blaze glaubt an mich."
"DU! wolltest unbedingt Anerkennung." Boom Boom tippt mit dem Zeigefinger in Dennahs Schulter, dass es sie seitlich herumreißt. "DU! wolltest, dass alle dich geil finden. DU! wolltest das wilde Leben deiner Alten führen."
"Ich wusste doch nicht, was das bedeutet. Ich war viel zu jung." Die Tränen rinnen über Dennahs Wangen.
"Oh,", humorlos lachend nickt die Ältere mit einer ausladenden Geste, "und jetzt bist du reifer und weiser? Und plötzlich ist dein altes Leben nicht mehr gut genug? Ist es das? Bin ich dir nicht mehr gut genug?"
Dennah schaut Boom Boom fassungslos an. Nicht mehr gut genug? Sie blinzelt hinter dem dichten Tränenschleier, als sie begreift. Sie kennt dieses Gefühl. Diese ... Angst. Ihr altes Leben. Ein nie enden wollender Rausch aus künstlichem Hochgefühl. Nur um diese Angst nicht fühlen zu müssen. Von einem Kick zum nächsten. Genau wie ihre Eltern. Nur, dass ihre Nadel aus Fleisch bestand. Der Junge aus Tartosa blitzt in ihren Gedanken auf. Luca. Sie hatte sich ihm an den Hals geworfen, weil sie nicht allein sein wollte.
Dennah schluckt. Plötzlich, als hätte jemand einen Hebel umgelegt, ändert sich etwas. Ein mitfühlender Schleier legt sich über sie, als die Wut ganz plötzlich verpufft. "Ich will glücklich sein, Boom." Dennah sieht sie nicht an. Ihr Blick ist auf einen nicht greifbaren Punkt zwischen ihnen gerichtet, ihre Stimme ist jetzt leise, beinahe kraftlos, aber auch klar. "Blaze macht mich glücklich." Sie hebt den Blick, wendet sich um und nimmt ihn an die Hand. "Komm, wir holen unser Zeug und verschwinden von hier." Zielstrebig und ohne noch einen Blick zurück zu werfen, führt sie ihn die Treppe hinauf.

„BOOOOOO!!" ruft Vaas, die Hände trichterförmig am Mund. Unerwartet. Laut. Lang. Enttäuscht.
Er schlägt sich die flache Hand gegen die Stirn. „Wie? Wie?! Ihr könnt nicht mit Spritzschwänzen, Pussy-Runden und 'Ich hab dir die Teile nicht reingestopft' anfangen und dann mit 'Ich will nur glücklich sein' aufhören?! Das ist wie... wie ein Porno, der in ner Steuererklärung endet!"
Er stemmt die Fäuste in die Seiten und schüttelt den Kopf wie ein Simgewordenes Meme.
„Was ist das denn für n Ende? Ich wollt Blut sehen, Bitch-Slaps, Haarezieherei, irgendwas mit Flaschenwerfen!
Und was krieg ich?! Charakterentwicklung?!"
Er rutscht von der Zeile, steht da wie ein enttäuschter Regisseur.
„Ich mein - ICH hätt Boom auf die Couch gedrückt und...“
Er bricht ab, schaut kurz zu ihr. „Okay, nein. Hätt ich nicht. Die zerlegt mich im Liegen."
Sein Blick geht zur Treppe, wo die Beiden verschwunden sind und ruft ihnen tadelnd zu:
„Hät ja wenigstens einer mit nem Messer werfen konnen... ODER NEM MIXER!!!!"
Sie sind weg.
Vaas greift sich einen random Keks vom Tisch, beisst rein und spricht mit vollem Mund sein Fazit:
„Bisschen lame... aber ich geb drei von fünf Punkte für Bitchs Verzweiflung und Booms heimliche Verlustangst. Soundtrack war okay."
Giftig wirbelt Boom Boom zu Vaas herum. Mit wenigen schnellen Schritten ist sie bei ihm, eine Hand rammt sein Brustbein, dass er strauchelnd nach hinten stolpert. "Besser?" Augenrollend wendet sie sich ab. "Scheiß Großmaul!" Ohne jemanden eines Blickes zu würdigen, hält sie auf die Tür zu. "Locke! Mitkommen. Wir verbreiten jetzt Stimmung."
„Houuuu…… ….. fuck“ Vaas steht gekrümmt, hält sich den Oberkörper, kippt in Zeitlupe und noch bevor er fällt, hebt er den Finger und keucht fast tonlos. „Das.. hab ich kommen sehn…. Ich schwörs.“ und dann fällt er um.
Jack ist erst ein bisschen enttäuscht, wegen des unkommentierten Sexangebotes ihrerseits und dem - zugegeben, taktisch vernünftigen - Deeskalationszug von Bitch und ihrer Begleitung. Aber nuuuun, tja nun steht die absolute Action vor ihrer Tür. Eine wütende Vampirin will sie mitnehmen um 'Stimmung' zu verbreiten. Das kann nur wild werden. Ihr Adrenalin wird angekitzelt. Vielleicht geht sie bei dem Unterfangen auch drauf? Definitiv eine Ausgangsmöglichkeit für diesen irren Abend, es war ja schon vor fünfzehn Minuten beinahe so weit für sie gewesen.
Bevor sie 'B' folgt, macht Jack noch einen Umweg. Sie hängt sich mit dem Kopf ins Waschbecken und trinkt gierig ein paar große Schlucke, bevor sie sich auf den Ausgang zusteuert. Als sie auf der Höhe des Niedergestreckten ist, bleibt sie stehen und kniet sich zu ihm. "Ich rücke jetzt erstmal mit dem blutsaugendem Oberfeldwebel aus und hol dich - hoffentlich - nachher wieder ab, ja?! 'S wird bestimmt spannend! Komm wieder auf die Beine und lass mir nen Keks übrig. Bis später." Mit einem kleinen Zupfknutscher über sein Doppel-Piercing - dass hat es ihr irgendwie angetan - stürmt sie der Hausherrin hinterher. Draußen angekommen, kann sie sich ein gieriges " Hmm." nicht verkneifen. Langsam macht sich Aufregung breit. Jetzt kann sie noch mehr beobachten und lernen. Und sich beweisen. Die Hausherrin denkt vermutlich, dass sie die talentierteste Queenbitchspielerin ist. Stimmt wahrscheinlich auch. Jedenfalls hier, in diesem Universum. Sie hat Energie, Kraft und wahrscheinlich auch Mittel, welche ihr viel ermöglichen. Klar, Vampir zu sein wird auch helfen. Boom erinnert sie schon auch an ihren Vater, der in Kombination mit ihrer Großmutter mütterlicherseits das härteste und furchteinflößendste Gespann ist, das sie kennt. Und trotzdem will sie sich dem stellen, sich durch die Konfrontation mit solchen krassen Leuten noch stärker machen, um den beiden die Stirn zu bieten. Irgendwann. Bis es soweit ist, muss sie erstmal einen anderen Boss für sich klar kriegen. Eines Tages wird sie, Jack, in der Position sein, Boom mal herauszufordern. In einem Kontext, der ihren eigenen Plänen (oder kann man schon Machenschaften sagen?) dient. An einer Stelle, an der sie als Sterbliche gegenüber ihrer Familie nix ausrichten kann. Der Lockpreis muss nur hart interessant sein, da ist sie sich sicher. Aber erstmal: Lernen, mitspielen, Sporen verdienen.

Im oberen Stock
———-
Die Klamotten sind schnell gepackt. Blaze lässt das letzte Shirt in die Tasche fallen, rollt es fester als nötig. Der Reissverschluss hakt, aber er zieht ihn trotzdem mit Kraft zu.
Die Worte hallen noch in seinem Kopf nach. „Jedes Mal wenn er dich anguckt, denkt er an all die vielen Kerle, die du beglückt hast.“
Er atmet durch. Scheiss drauf. Er glaubt Dennah. Sagt er sich wiederholt. Er glaubt ihr mehr als irgendwem hier.
Aber Boom Boom hatte diese verdammte Gewissheit in ihrem Ton. Eine die sich wie Wahrheit anfühlt, wenn man zu lange allein damit ist. Blaze hockt sich hin, kontrolliert die Gitarre. Lippen zusammengepresst. Er will jetzt einfach weg von hier.
Aber die Tür kracht auf.
Vaas steht im Rahmen, eine Hand theatralisch an der Brust, die andere um den Türgriff gekrallt, als hätte er sich gerade aus einem Schützengraben geschleppt.
Er tritt ein - oder stolpert. Die Luft im Raum ist schwer. Klamotten überall. Seine Stimme ist rau, halb keuchend, halb gespielt verletzt.
„Ihr meint das ernst.“
Er lässt sich wie ein Sterbender aufs Bett fallen, begräbt dabei ein paar Kleidungsstücke unter sich und macht eine enttäuschte Geste. „Was ist nur aus euch geworden?“
Keine Reaktion. Blaze packt weiter.
Vaas hebt nun beide Augenbrauen, setzt sich auf, das Shirt verrutscht, sein Brustbein pulsiert noch schmerzhaft.
„Ich mein, ist ja nicht so, als wär ich neugierig...“
Kurze Pause.
„Doch, bin ich. Verdammte Scheisse, ich verbrenn vor Neugier. Was ist passiert? Seit wann macht die kleine Bitch nicht mehr Sitz, wenn Boom pfeift?“
Blaze steht auf und dreht sich zu ihm um, der Kiefer angespannt.
„Das geht dich n Scheiss an.“
Vaas zuckt mit den Schultern. „Also um das zusammenzufassen, ich hab grad gehört, wie Boom ne Porno-Montage aus Bitchs Vergangenheit gebaut hat, während du daneben standest wie n zugekokster Türrahmen. Und du bist nicht mal zusammengezuckt. Das fand ich beeindruckend. Oder verstörend. Bin mir noch nicht sicher.“
Er zeigt auf ihn.
„Prinzessin Blaze, der Patronus gegen Slutshaming. Who would’ve thought.“
Blaze Augen werden schmal.
„Raffst dus nich? Halt die Fresse und verpiss dich.“
„Ooooh.“ Vaas grinst breit. „Da ist sie. Die Wut. Ich hab sie vermisst. Und was sagt Bit…“
Blaze macht einen Schritt auf ihn zu.
„Sag noch einmal ‘Bitch’. Ich schwör dir, Vaas…“
Aber der lacht aufrichtig und bereut es ansschliessend wegen dem Schmerz.
„Beruhig dich mal. ICH bin nicht euer Feind.“

Dennah eilt aus dem Nebenzimmer herbei, in der Hand eine große Tasche, in die sie geschäftig alles hineinstopft, was sich zu Geld machen lässt. Neben Medikamenten auch Markenaccesoires, Schmuck, kitschige Sammlerstücke. Ihr geübter Blick für Wertvolles, das sich gut transportieren lässt, macht die Aufgabe einfach. Das Haus ist voll mit Dingen dieser Art. Saskia legt Wert auf einen gewissen Standard.
Prüfend schaut Dennah in Vaas' amüsierte Fratze. Sie hat keine Angst, er könnte etwas gegen ihre Plünderung unternehmen. Trotzdem spricht ihre Körperhaltung Bände. Unterwerfung. Es gelingt ihr kaum, den Blick auf seinem Gesicht zu halten. Diese abscheuliche Schädelfratze, die sie an manchen Tagen kaum aus dem Kopf bekommt. Die ihr eine Gänsehaut über den Körper treibt, bis sie das Schaudern im Rückenmark spürt. Obwohl er ihr nie etwas getan hat. Sein einziges Verbrechen sind dieses Tattoo und die große Klappe. Er wird sie nicht davon abhalten, mit all diesem Zeug zu verschwinden. Warum sollte er? Boom Boom ist dieser Kram egal. So wie ihr scheinbar alles egal geworden ist.
"Was willst du?", schiebt sich ihre Stimme eingeschüchtert, aber trotzig durch den Raum. "Du hast deinen Spaß gehabt. Jetzt lass uns in Ruhe."
Vaas zieht ein scharfes Zischen durch die Zähne, presst sich eine Hand an die Rippen. „Ein verdammtes Schmerzmittel will ich“, sagt Vaas trocken und richtet sich mit verzerrtem Gesicht auf die Unterarme auf. Er mustert Dennah.
„Keine Sorge, ich halt euch nicht auf. Ich mein, wenn Boom dich wirklich zurückhaben will, dann naja... wird ihr schon was einfallen. Bis dahin nimm mit, was du kriegst..“
Blaze ballt die Fäuste. Seine Geduld ist gleich am Ende und seine Nerven gespannt. Er will Ruhe und verarbeiten was grade passiert ist.
„Ich krieg gleich Ausschlag von deiner Fresse. Ich sagte verpiss dich!“
Vaas lächelt nur müde.
„Okay. Drama-Queen-Modus noted. Aber ganz ehrlich, Prinzessin – du kannst mir deinen halbgaren Heldenblick so lang ins Gesicht ballern wie du willst… Ich seh trotzdem, dass du genau das selbe denkst, du Schisser.“
Blaze blickt zu Dennah. Ihre Haltung hat sich verändert als Vaas sie direkt ansprach. 'Was glaubst du warum Vaas nicht mit ihr...' Blaze verdrängt den Gedanken.
„Ignorier ihn“, sagt er zu ihr, „er zieht das selbe ab wie Boom.“
Vaas legt sich wieder hin, stöhnt langgezogen. Er wirkt als hätte er keine Energie mehr um clever zu kontern.
„Laaaaaber doch kein Scheiss...“
Betreten schaut Dennah vor sich her. Sie weiß, dass Vaas Recht hat. Ebenso wie sie weiß, dass Blaze es nicht hören will. Darum schweigt sie. Doch die Sorge, Boom könnte etwas einfallen, keimt in ihr auf.
Die Tasche auf dem Boden abstellend, beugt sie sich herunter und beginnt, darin herum zu wühlen. Irgendwo hier hatte sie doch ... Ah, da sind sie. Sie kommt hoch, einen Blister zwischen den Fingern, an Vaas gerichtet, sieht sie ihn aus großen Augen an. Es ist eine Art Friedensangebot. Sie wünschte, sie könnte ihn mögen. Er ist ein guter Sim. Irre, aber gut. "David hat Recht, weißt du?" Ihr Blick senkt sich. Sie kann ihn nicht lange ansehen. "Sie IST furchtbar. Ich wollte es nur nicht sehen." Ihre Lippen pressen sich aufeinander, um sie daran zu hindern weiter zu reden. Blaze fragend zunickend greift sie nach der Tasche. "Sag ihr, sie soll ihre Post endlich öffnen. Manches davon sieht wichtig aus." Den Blick auf den Boden gerichtet schleicht sie an ihm vorbei. "Machs gut, Vaas. Pass auf dich auf." Mit dem bedrückenden Gefühl, nie wieder herzukommen, kehrt sie diesem Teil ihres Lebens den Rücken.
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha und @S.Bin. )
>>> Boom und Jack gehen nach San Sequoia (2)
>>> Vaas geht nach San Sequoia - Greenridge Correctional Institution >>>
>>> Blaze und Dennah gehen nach Oasis Springs - Delsyns Camper (3) >>>
<<< Vaas und Jack kommen von Del Sol Valley (2) <<<
<<< Boom kommt von Tartosa - Haus Fam. Falck Sr. <<<
Charaktere: Vaas, Boom, Jack
Geschichtsstrang: Kein Pflanzensim
Auf Vaas Handy läuft im Keller der Villa dieser Typ namens Gary, von SimTube, der mit freundlicher Stimme erklärt, wie man „schon mit einfachen Mitteln einen erfolgreichen Indoor-Garten“ aufzieht. Die Stimme plätschert irgendwo auf der Werkbank aus einer Box, die an einen Eimer mit zerlegten Wasserhähnen gelehnt ist. Vaas hört nicht zu. Hat das Video schon zehnmal gesehen. Weiss längst, was er davon umsetzt und was Quatsch ist.
Das Ding mit den Samen war eigentlich einfach: Rulo, dieser schleimige Bastard, legte sie in einen toten Briefkasten am Hafen, Vaas holte sie raus. Fertig. Wäre nicht das Detail, dass er Rulo jetzt noch Geld schuldet, weil „ein kleines Startpaket“ eben nicht aus reiner Nächstenliebe kommt. Aber Vaas macht sich da keinen Kopf.

Er hockt im Schneidersitz auf dem kalten Beton, überall um ihn herum Haufen aus Kabeln, Rohren, Lüftern und Schaltern. Neben der alten Werkbank steht ein verbogener Edelstahlspind – Schrottplatzfund – aus dem jetzt eine Wasserpumpe ragt. Ein alter Küchenwecker vom Flohmarkt hängt dran, um die Pumpe alle paar Stunden automatisch laufen zu lassen. „Hightech à la Vaas.“ Kein Bock, jeden Tag mit der Giesskanne runterzukommen wie son Hobbyrentner.
Die Pumpe stammt aus der eigenen Waschmaschine. Seit zwei Tagen steht das Ding oben tot in der Küche, und McRotz hat gestern schon im Flur rumgebrüllt, dass er „gefälligst die scheiss Maschine wieder zum Laufen bringen“ soll. Vaas hat nur gesagt: „Mach ich dann...“ Das heisst übersetzt: geh mir nicht auf den Sack jetzt.
Der Zulaufschlauch führt zu einem blauen Plastikfass, das er vom Nachbar links geklaut hat. Darin: die Nährlösung für seine „Grünanlage“. Die Hauptleitung ist ein Regenrohr, das er nachts bei Nachbar rechts von der Hauswand gehebelt hat – das Stück, das jetzt diagonal quer durch den Keller läuft und mit Kabelbindern an zwei Gardinenstangen hängt.
In der Mitte des Kellers, steht ein wackliger Campingtisch, auf dem diverse Werkzeuge und Kleinteile liegen. Links davon drei auseinandergebaute Röhriche. Die Schalterleisten und Transformatoren hat er rausgerissen. Der Lüftermotor ist bereits am oberen Kellerbalken montiert, mit zwei Metallwinkeln aus dem Chassis fixiert und per Kabelbinder gesichert. Die Kupferspulen liegen in einer offenen Kiste in der Ecke, sauber nebeneinander, für späteren Gebrauch. Der Trafo ist zwischen Mehrfachsteckdose und Lampenverkabelung geschaltet, um die Spannung für die Baustrahler zu regulieren. Die Kippschalter sind in ein Stück Sperrholz eingelassen, das an der Lampenleiste hängt, jede Lampe einzeln ansteuerbar. Das Blechgehäuse wurde zu Reflektorschalen gebogen. Statt Reflektoren hat er innen Alufolie aus der Küche mit einem Bürotacker angebracht. Das Kabelgewirr hängt wie Eingeweide runter, aber er weiss genau, welches wo hinführt.
Jetzt fummelt er an der Schlauchschelle, damit der Zulauf zur ersten Pflanzkiste nicht wegsuppt. Er beisst das Plastikrohr kurz zwischen die Zähne, greift zum Schraubenzieher und zieht die Schelle an. Seine Hand zittert leicht weil der Körper immer noch nach dieser Pille schreit, die er sich für Davids Geburtstag eingeworfen hat. Die Kapsel kam von irgendeinem Bekannten, der „noch eine über“ hatte. Irgendein Amphetamin-Mix mit Wachbleib-Garantie. War für Vaas kostenlos als Gegenleistung für einen Gefallen. Vielleicht nicht seine beste Idee in diesem Fall. Aber Partys ohne Mittelchen sind keine Partys.

Er setzt die Schelle schief an was dazu führt, dass der Schlauch nicht richtig sitzt. Als er den Hahn am Fass aufdreht, arbeitet die Pumpe und Nährlösung spritzt in feinem Strahl gegen die offene Verteilerleiste unter den Lampen. Strom und Wasser treffen sich, der Trafo brummt ungesund, dann macht es ein hartes KRACK. Vaas wirft sich alarmiert hinter die Regentonne. Das Kurzschlusslicht lässt den Keller grell aufblitzen, Funken springen aus dem Schalterbrett, einer fällt direkt in einen offenen Eimer mit Kabelresten. Das Plastik fängt an zu schmoren. Der Lüftermotor oben zieht den feinen Rauch durch und bläst ihn Richtung Treppe. Im selben Moment, in dem Vaas davonhechtet, reisst er ein herumligendes Kabel mit und der provisorische Lampenhalter fliegt auf einer Seite aus der Halterung, schlägt gegen das Kupferrohrgestell und reisst den Kabelbaum mit.
Das alles dauert keine fünf Sekunden, aber der Lärm - metallisches Scheppern - fährt durch die ganze Villa. Vaas hebt den Kopf, blickt blinzelnd hinter der Tonne hervor und betrachtet das nun noch grössere Chaos.
„…Jo… Indoor-Garten, hat er gesagt. Wird spassig, hat er gesagt..“
Frisch geduscht und mit vollen Tüten steuert Jack auf die Einfahrt der Villa zu. Im Gepäck: Selbstaufblasbare ISO-Matte, geiler Doppelschlafsack, Wasserkocher und feeeeeeinste Instand-Getränke. Yum yum. Zufrieden lässt sie Besorgtes vor der Haustür fallen und zündet sich dann eine Zigarette an. 'Yes! Pause.' Nachdem sie den Glimmstängel zur Hälfte aufgeraucht hat, sortiert sie ihre Gedanken bezüglich ihrer Tagesplanung, als ein Ohren betäubender Lärm aus den Eingeweiden des Gebäudes erschallt. Strubbel zieht die Augenbrauen hoch, bläst beunruhigt den Rauch aus, lauscht. Es ist... Ruhig? Still? Totenstill? "Hmmmm. Dann woll wir mal nach Überlebenden suchen, was?", sagt sie zu sich und ihrer Kippen-Zippo-Kombo. Mit jedem Schritt den sie auf den vermuteten Ort der eventuellen Detonation zugeht, wird ihr unwohler. Im Aufräumen und Ordnung schaffen ist sie eine Niete, brauchte sie nie lernen - Hauspersonal rules! Was wird sie erwarten? Mindestens ein explodierter Raum, mit überallhin verteilten organischen und unorganischen Dingen, die.... Oh! Ein Rumpel-Geräusch. Gut, dass bedeutet wohl keine Leichenteile. Dann öffnet sie die Tür und es trifft sie fast der Schlag: Ja, es war so ziemlich die beschissenste Idee die sie jeh hatte, ihm ihre unprofessionelle Hilfe anzubieten, solange ihr Autolie (Porschita) in der Warteschleife hängen muss, weil Vaas ein Prio Eins Projekt zu laufen hat. Mit aufgerissenem Gesicht schiebt sie sich selbst - und ihn - verfluchend die Treppe runter, nicht ohne sich schmerzhaft einen Knöchel zu stoßen. Ein Fluchen, dann brüllt sie schmerz- und wuterfüllt den Unfallstellenverursacher an. "Bist du okay?"

Er schaut hoch, blinzelt gegen das Licht aus der Treppe, und grinst.
„Klar bin ich okay, Lady Boss.“ Er schiebt sich hoch, klopft sich den Staub von der Hose, als wäre das ein geplanter Testlauf gewesen. „Ich seh immer so aus, als wär ich grad vom Blitz gefickt worden..“
Er nickt zur halb herunterhängenden Lampenleiste, die an einem schiefen Gestell aus Kupferrohren befestigt ist. Die Rohre dienen als Träger für die Lampenverkabelung und als Stromleiter – wenn die ganze Konstruktion runterkracht, reisst sie die komplette Verdrahtung mit.
„Perfektes Timing. Du hast doch so feine Finger – halt das Ding mal fest, bevors mir komplett abrauscht. Wenn das Kupfer runterknallt, darf ich den ganzen Scheiss neu ziehen, und… naja, mein Bock-Level ist grad eher so minus zehn.“
Mit der Fussspitze schiebt er den Eimer mit den schmurgelnden Kabelresten beiseite. „Und keine Panik, Strom ist raus. Also… zu 98 Prozent. Pack einfach nicht ans blanke Kupfer wenn du weiter hübsch aussehn willst, klar?“
Er hockt sich unter die Lampe, packt die lose baumelnde Zuleitung, die von der Mehrfachsteckdose hoch zum Kupferrahmen führt, und klemmt sie kurzerhand zwischen den Oberschenkeln ein. Dann greift er zum Akkuschrauber und jagt eine lange Schraube aus einer seiner vielen Hosentaschen in die Wand, um eine provisorische Halterung zu setzen. Die Finger arbeiten schnell, nur ab und zu rutscht er leicht ab – der Entzug macht sie nervös.
Jack rollt mit den Augen und muss umgehend schmunzeln, als er aus dem Chaosberg an Gegenständen und teilerbauten Konstruktionen hochfedert, als wäre nix gewesen, als hätte er nicht fast die Villa hochgejagt. 'Der Typ ey!' Sie steckt sich die Kippe zwischen die Lippen, damit sie die Hände frei hat um sich im Notfall abstützen zu können oder den Weg frei zu räumen. Vorsichtig beginnt sie, sich krackselnd durch und über höchstwahrscheinlich vorsortierte Haufen zu ihm zu bringen, ihr linkes Schienbein brüllt noch immer vor Schmerz. Als sie vor Vaas ankommt, zieht und inhaliert Jack einmal kräftig, dann nimmt sie bedacht auf Nicht-Kupfer-Kontakt das zugewiesene Ding entgegen. Nachdenklich registriert sie, dass er mehrfach in Folge abrutscht?!? Ungewöhnlich. Seit sie ihn kennt und erst recht seit sie ihm gelegentlich beim Basteln und Werkeln zuschauen und mal was anhalten oder festspaxsen darf, ist das nicht vorgekommen. By the way: Akkuschrauber und sie... sind jetzt Team. Der Gedanke bringt sie zum lächeln. Mit der freien Hand nimmt die beinahe Schrauben-Expertin die Kippe aus dem Mund und ascht ab. Nach einem Moment des Nachdenkens entscheidet sie sich fürs Nachfragen. "Sag mal... was ist mit dir und deinen Händen los? Hast du neuerdings epileptische Anfälle oder ist da ein Elektro-Projekt schief gegangen?"

„Epileptisch werd ich nur, wenn du so fragst.“ Er richtet sich halb auf, eine Hand noch am Kabel, die andere stützt sich an der Wand ab. Sein Blick flackert einen Moment zu lange auf der Kippe in ihrem Mundwinkel, dann auf ihre Hand, dann zurück ins Gesicht. Kurz. Prüfend. Er sagt aus: was willst n jetzt von mir?
„…Du bist doch die Expertin in Anfällen. Hashtag Paintball.“
Der Satz hat Gift. Mehr als nötig. Dabei will er das gar nicht, nur... Er wendet sich wieder dem Kabel zu, presst die Zähne kurz zusammen und zieht es ruckartig straffer, sodass es in der Halterung knirscht.
Stille entsteht, nachdem Jack kurz mit einem 'Dein Ernst?'-Schnauben den Blick von Ihrem Halte-Auftrag hebt und zu ihm schwenken lässt. Ihre linker Mundwinkel ist wie festgefroren, nur der rechte zuckt leicht und getroffen. Regungslos steht sie für eine kleine Weile da, dann nimmt sie einen Zug von dem Nikotinstängel. Den Qualm durch die fast zusammengepressten Lippen schickend, wendet sie ihren Kopf mit nun in den Augen angekommenem Eisigkeit den Blick von ihm ab, in Richtung Katakombenausgang. Äußerlich ruhig bleibend überlegt Jack, wie sie auf seinen gegenfragen oder besser gesagt seinen Angriff reagieren will. Ihre Impulssteuerung sagt klar, 'Fick dich und mach deinen Scheiß alleine, ich mach mir indes nen geilen Kaffee und verschwinde.' Aber die Partner in Crime-Steuerung erinnert sie an ihre Zusage. Daran, dass es dieses Agreement des sich auch aufeinander verlassen wollens gibt. 'Fuck ey.'
Warum bringt es sie eigentlich so aus der Fassung? Nach außen die Stille haltend, beendet sie die Kippe. Sie hat nicht damit gerechnet, dass sie ohne Vorwarnung und vorherige Wappnung erneut in ihr zweites Trauma zurückkatapultiert wird, innerhalb von etwas mehr als vierundzwanzig Stunden. Das Flashback, dass sie gestern eingeholt hatte, steht zu allem Überfluss in direkter Konfrontation mit ihrem bevorstehenden Familienbesuch. Sie hat null Bock auf das Thema jetzt. Sie ist hier, um sich abzulenken. Um ein bisschen Spaß zu haben und um sich von Kiste ein bisschen Kram für ihren Heimattripp geben zu lassen - ohne Rauschzustände, wird sie es dort nicht aushalten. Aber zurück zum Thema: Sie ist definitiv nicht hier, um sich ihre Scheiße als Ablenkungsmaßnahme aufs Brot schmieren zu lassen. Nur weil Vaas sich ertappt fühlt.
"Gestern hat's dich nich interessiert, also brauchst du heute damit auch nicht anzufangen.", beginnt Jack, ruhig und klar, die Kälte hat sich etwas aus ihr verzogen.
"Hashtag GegenfragealsAblenkungsmanöver,
Hashtag NichtdeinFeind,
Hashtag Nurmalgefragt." Ihre Augenbrauen wandern fragend nach oben. Versöhnlicher fügt sie hinzu, "Wenn es dich tatsächlich interessieren sollte was da abgegangen ist - okay - dann bin ich unter Umständen bereit dir was zu erzählen. Aber nicht, wenns dir eigentlich egal ist und du nur nicht über dich reden willst. Diesbezüglich reicht auch einfach ein 'Geht dich nichts an', dass kann ich akzeptieren. So ne Nummer wie eben ist unnötig."

„Klar ist es unnötig“, sagt er trocken. „Unnötig is mein zweiter Vorname. Ich bin Vaas Unnötig Del-fucking-Toro.“
Er dreht sich zum Kabel, packt das Kupferbündel, das sie hält. Mit einer Hand schraubt er die zweite Halterung hoch, ruckartig, unsauber, aber sie hält. „So. Fertig. Lass los.“
Dann dreht er zu dem Gestänge. Noch mit einem Zucken im Kiefer nimmt er eine weitere Schraube, rückt näher an sie heran, beugt sich kurz neben ihr über die Wand, um den Rest auch wieder an die Wand zu befestigen. Er sagt nichts. Und die Schraube sitzt schief. Beim Versuch, sie mit einem schnellen Ruck geradezu ziehen, rutscht der Dübel weg. Die Halterung fällt scheppernd auf den Boden. Die schweren Kabel folgen, zischen als sie sich am offenen Ende kurz berühren. Vaas verharrt in der Bewegung, starrt das Ding an, als hätte es ihn beleidigt.
„Genau“, zischt er, „genau so unnötig wie das hier. Wie alles hier!“
Ohne Vorwarnung schleudert er den Akkuschrauber gegen einen leeren Kanister in der Ecke. Das Geräusch ist laut und unangenehm. Noch bevor es verklungen ist, kommt das nächste Fluchen:
„Gottverfickte Scheisse!!“
Sein Brustkorb hebt sich heftig, er steht keuchend da wie nach einem Sprint, Hände zu Fäusten geballt. Zwei Sekunden lang ist da nur zerstreute Wut. Dann sackt er ein Stück in sich zusammen. Zieht sich rückwärts an die Wand, lässt sich langsam in die Knie sinken, bis er auf dem blanken Betonboden sitzt. Stützt die Ellbogen auf die Oberschenkel, vergräbt das Gesicht in den Händen.
Ein langer Atemzug, dann nuschelt er:
„Okay, Vaas. Kein Breakdown jetzt. Hör auf Werkzeug rumzuwerfen.“
Er bleibt sitzen. Langsam gleiten seine Hände übers Gesicht und bleiben im Nacken liegen. "Und wenn die Pumpe, danach nicht absolut dicht-"
"HALT DIE FRESSE GARY!!" unterbricht Vaas das SimTubevideo in dem er irgendwas aus der Nähe greift und danach wirft.

Erst als ihr Freund gegen den Kanister geschleudert wird, zieht Strubbel ihr Gesicht kurz zusammen. Absichtlich vermeidet sie es, ihn anzuschauen oder etwas zu sagen. So kennt sie ihn noch nicht. Das Schmeißen von Nutzgegenständen kann scheinbar nicht eingestellt werden, aber solange sie hier noch nichts aufräumen oder finden muss, kann sie souverän reagieren und über ihren Schatten springen. "Was ist los? Was für einen neuen Handbucheintrag kann ich mir einprägen?" Ihn mit der Frage zurück lassend, bahnt sie sich ihren Weg zu Gary und schaltet ihn ab. Dann überwindet sie weitere leichte so wie einige herausfordernde Hürden und klaubt ihren neuesten Kumpel vom Boden auf. Ein kurzer Test bestätigt 'Spaxi' ist noch funktionstüchtig. Mit ihm im Schlepptau wurschtelt sie sich ihren Weg zu Vaas zurück und setzt sich wartend neben ihn.
Ein trockenes Lachen entweicht ihm. Dann gefühlt mehrere Minuten Stille. Schliesslich lehnt er sich zurück an die Wand, die Hände immer noch im Nacken, und starrt an die Decke.
„Kapitel drei“, murmelt er. „Wenn Vaas scheisse redet, liegt es selten daran, dass die Frage dumm war...“
Er reibt sich mit beiden Händen über das Gesicht, als könnte er damit den Druck rauswischen, dann sinken die Hände kraftlos in seinen Schoß.
„Aber passt schon. Hab schon oft genug verkackt und trotzdem irgendwie überlebt.“
Aber genau in dem Moment, als er glaubt, das Gespräch beerdigt zu haben, fällt ihm ein:
„Und bevor du jetzt denkst, du musst was retten: Chill. Du kannst das grad eh nicht fixen. Ich kanns auch nicht.“
Dann lässt er den Kopf gegen die Wand kippen, rollt den Blick zu ihr rüber. Ein schiefes Grinsen bricht durch. Schwach.
„...hast du Kaffee dabei? Oder Schnaps. Kaffee wär grad das Minimum.“

"In meinem Handbuch steht unter Kapitel drei, extreme Angriffs- oder Fluchtinstinkte bei Konfrontation mit schwierigen Themen.", nickt sie ihm zu. "Und unter Kapitel vier, hat in der Regel Kaffee dabei.", lächelt sie verschmitzt und steht auf. "Schnaps ist auch save." Dann ein Blick in den Raum, ein tiefer Seufzer folgt und Jack setzt sich in Bewegung. Wieder oben angekommen, installiert sie den Wasserkocher und jagt eine reinigende Ladung heißes Wasser durch und schüttet sie weg. Während das Gerät anschließend das Kaffeewasser vorbereitet, spült sie zwei verkrustete Becher und einen Löffel ab. Etwas von dem frisch importieren braunen Pulver landet in die beiden Trinkgefäßen. Anschließend noch zu zwei Drittel heißes Wasser drauf und aufgießen mit dem
Whiskey auf, den sie meist vorsorglich dabei hat, für Spontaneinsätze mit Boom, Busfahrten, oder eben Zwischennotfällen wie diesen hier. Der Flachmann verschwindet in der Hosentasche, bevor Strubbel ihren Weg zurück ins Krisengebiet einschlägt. Vaas sitzt noch immer an der gleichen Stelle. Mit einem sanften "Hier." übergibt sie ihm seinen Becher und setzt sich wieder zu Spaxi, nachdem sie den Flachmann aus der Hose gezogen und zwischen sich abgestellt hat. Zum Kaffee nickend erklärt sie, "Ist zwar nur Instant, aber wirklich guter." Mit auf ihren Becher gesenkten Augen nippt Jack ein paar wohltuende Schlucke ab und schaut dann mit einem Protokollanten Gesicht zum Projektleiter. "Also. Was sind die genauen Probleme und wieso kannst du das jetzt gerade nicht fixen?" Ihr Blick ist neutral. "Was sind die hindernden Umstände, die sich nicht durch Beschaffungsmaßnahmen, SimTube-Recherche, deinem Verstand sowie allgemeine Skills beseitigen lassen?"
Er nimmt den Becher, dreht ihn kurz in der Hand, nippt daran und zieht das Gesicht ein wenig zusammen. Anerkennendes Brummen. Ohne weiter zu überlegen, schüttet er was vom Flachmann hinein, rührt das Ganze mit einem lässigen Schwenk und setzt an. Ein tiefer Schluck. Dann lässt er den Kopf zurückfallen, stösst ein gedehntes „Aaaaaaaaaahhhhhh“ aus, das abrupt in ein genervtes „..rghKacke“ kippt, als hätte er selbst gemerkt, dass er gerade fast zufrieden geklungen hätte.
Er sagt nichts.
Nicht, dass seit drei Tagen seine Brust zu eng wird, wenn er den Fuss aus der Villa setzen muss. Nicht, dass er sich selbst versprochen hatte, nie wieder in so eine Sackgasse zu laufen, und jetzt genau da drin hängt.
Nicht, dass er das Gesicht seiner Mutter im Hinterkopf hat, wie sie den Kopf schieflegt und fragt, warum er seine Zeit mit Paintball, Drogen und Schrottautos verschwendet, wenn er doch „wichtigeres zu tun hätte“.
Und nicht, dass er sich verdammt noch mal eingestehen muss, dass sie nicht mal Unrecht hat.
Und auch nicht, dass es wehtut, das nicht zu sagen.

Stattdessen stellt er den Becher zwischen seinen Knien ab, dreht den Kopf halb zu ihr, blinzelt und zieht den Mund schief.
„Kapitel fünf,“ brummt er, „Vaas beantwortet keine Multiple-Choice-Fragen nach nem Breakdown.“
Das Chaos, das ihn eben noch wütend gemacht hat, sieht plötzlich aus wie eine Vorahnung. Als würde der ganze Keller schreien: So wird dein Kopf bald aussehen, Bruder.
Er hebt den Becher wieder, nimmt einen Schluck, leiser diesmal, fast bedächtig. Aber in seinem Schädel kreisen die Optionen: weiter gegen die Zeit ackern wie ein Irrer und am Ende gegen die Wand laufen. Oder irgendeinen Trottel einstellen – was wieder heisst, Kohle rausrücken, die er noch gar nicht hat. Oder Zeit schinden. Aber wie?
Sein Kiefer arbeitet, er hält den Blick auf den dampfenden Kaffee. Dann dreht er langsam den Kopf zu Jack, die Brauen tief, die Stimme rau und ungefiltert:
„Falls du zufällig nen reichen Onkel - bei dem ich nicht nach drei Wochen im Kofferraum ende - oder nen Bankraub parat hast, wär jetzt ne gute Gelegenheit, Strubbel. Echt jetzt.“
Vaas Anblick und seine Worte lassen ein Ziehen in ihr entstehen. 'Fuck.' Über Geld reden ist immer so eine Sache. Macht meistens viel kaputt. Jack wendet sich von ihm ab, trinkt ebenfalls ein paar kleine Schlucke und spürt in die wundervolle Wärme des Getränkes rein, in der Hoffnung, diese in sich halten zu können. Zu oft hat sie es erlebt, wie andere Sims ihr Verhalten und ihre Einstellung ihr gegenüber geändert oder angepasst haben, nachdem sie erfahren hatten aus welchem Stall sie gebürtig kommt. Aus Angst, aus Hoffnung, aus Verzweiflung.

Viele Freundschaften konnte sie nie haben, da es nie viele gleichaltrige um sie herum gegeben hat, bis zu ihrem Auszug nach Del Sol Valley. Ausser der Kids von Angestellten, Leibeigenen oder Geschäftspartnern ihrer Familie. Und somit fast alle vorsortiert oder handverlesen von einem tyrannischen Power-Duo, dass sich auch durch die Tatsache einer Blutsverwandschaft nie hatte erweichen lassen. Somit konnten Jack und ihre älteren Zwillingsschwestern sich nie wirklich eigene Leute aussuchen. Oder ihre Knast-Umgebung unbewacht verlassen, außer mit ihrem Großvater oder Bodyguards. Geld und Macht regieren nunmal Welten. Und ihre Familie spielt diesbezüglich in einer unerklärbaren Liga. Ganz. Weit. Oben. Und dadurch waren ihre Verbindungen zu anderen Sims stets gezeichnet. Gewollt, geliebt, bewundert oder abgelehnt, gehasst, verachtet: Weil zu reich. Was für ein beschissenes Hamsterrad, was für beschissene Spießrutenläufe hat sie hinter sich.
Den entstandenen Raum zwischen der Getränkeoberfläche und dem Rand des Bechers kippt Jack Vaas' Beispiel folgend ebenfalls mit dem Whiskey auf. Vorsichtiges abschlürfen und einen wohligen Schauer später räuspert sie sich. "Ich kann dir damit helfen.", sagt sie ruhig. "Glaube, ich hab schon mal fallen lassen, dass ich aus nem reichen Elternhaus komme?" Jack seufzt tief und umfässt ihren Becher so fest sie kann. "Weißt du Vaas, ich hab theoretisch kein Problem damit dir Geld zu geben, echt nicht. Ich tus gern. Aber nach meinen Erfahrungen verändert das meistens viel zwischen Leuten, oft nicht zum Guten." Ihr Blick wird bestimmender, aber auch weicher. "Und das will ich nicht. Ich mag, wie es zwischen uns läuft und ich möchte nicht, dass du mich irgendwann mit anderen Augen ansiehst." Jack macht eine Pause, dann erläutert sie einen Teil ihrer Bedenken.

"Das irgendwann Sprüche kommen oder du Angst kriegst. Weil ich absolut aus einer Leute-verschwinden-spurlos-wenn-es-sein-muss-Familie komme. Sowas von!" Ihr verächtlichs Schnauben deutet an, wie abstoßend sie diesen Umstand findet. "Was nicht bedeutet das ich ebenso ticke, ich hasse dieses vergiftete System. Aber solche Leute haben immer mal wieder ein Auge auf mich." 'Haben mich geprägt.' Strubbel stellt ihren Becher neben sich ab und umklammert ihre aufgestellten Beine. "Und wenn es um Geld geht, geht es es auch oft um eine gewisse Form von Abhängigkeit und oder Verpflichtungsgefühl. Und ich will nicht, dass sich ein Machtgefälle zwischen uns einstellt, dass sich außerhalb von Porschehauben befindet.", schmunzelt sie ihm nun doch noch zu, froh über eine kleine innere Stimmungswendung, trotz der empfundenen Schwere. Etwas mehr Kaffee mit Wumms landet in ihrem Bauch, dann schaut sie ihn durchdringend an. "Aber... Du bist auch anders als die meisten Sims die ich kenne. Vielleicht kann es ja funktionieren...", sagt sie mehr zu sich selbst als zu ihm. "Wieviel brauchst du denn?"
Vaas wiegt den Becher in der Hand. Er hat kein Problem, fremde Kohle durchzujagen. Frag Boom. Sein Blick bleibt auf der dunklen Oberfläche des Getränks, während er Jacks Worte nachhallen lässt. Reiches Elternhaus. Zugang zu Kohle. Er hat es gewusst, irgendwie, aber so konkret… hatte er nicht gedacht. Shiit, und ich brech mir den Rücken wegen ner verbeulten Haube. Hätt ich auch einfacher haben können. Er kippt den Rest runter, schnalzt mit der Zunge, dann hält er ihr den leeren Becher entgegen. „Du willst wirklich die Zahl hören?“ Seine Stimme klingt amüsiert. Dann zieht er den Becher wieder zurück, greift nach dem Flachmann und kippt nach. Mehr als nötig. „Da muss ich erstmal nachkippen.“

Sie erhascht seinen Blick, seine Bechergeste - das ging nach hinten los. 'Tsss... Und ich hab für einen Moment geglaubt.... N a t ü r I c h ist es wie mit allen anderen!', haut es in ihren Trigger. Bääm. Getroffen mit einer Wucht, die ihr die Übelkeit von Null auf Hundert bis in die Speiseröhre jagt, schnappt sie sich ihren Flachmann nachdem er sich nachgeschenkt hat und ext den verbliebenen Inhalt bis auf einen Anstandsrest, den sie ihm wieder reicht.
"Ja, ich will die Zahl hören. Sonst hätt' ich nicht gefragt.", bestätigt sie seine Frage, pampiger als gewollt. Mit zusammengepressten Kiefern sitzt sie da und funkelt ihn an. Enttäuscht, traurig, wütend, wartend. Das Vaas nicht so schnell reagiert wie sonst zerrt an ihren Nerven. Sie nimmt ihren Becher vom Boden auf und marschiert plötzlich von einem heftigen Abstandsreflex getrieben los, auf den kleinen Tisch in der Raummitte zu. Sicherheitsabstand. Dort angekommen trinkt sie ihren Becher zur Hälfte leer und wartet. Mit jeder Sekunde, beißt ihr ihre Entscheidung etwas von sich Preis gegeben zu haben in den Nacken. Aus einer alten Erinnerung heraus zischt ihr leise die Stimme ihrer verhassten Großmutter ins Ohr. "Du wirst nie woanders Anschluss finden, du gehörst zu uns, in unseren Kreis, ob du willst oder nicht. Nur hier weißt du, was du sicher bekommen wirst. Aber los, los. Versuch es ruhig. Wir sprechen uns bald wieder."

Er kippt den Rest runter, atmet scharf durch die Nase aus. Ein kurzes Zucken im Mundwinkel, mehr schon ein Grinsen. Dass sie sauer ist, ist nicht zu übersehen. Das lässt ihn relativ kalt.
„Sorry, dass ich zöger, ja? Aber dann mach nicht so ein Drama um die Kohle, bevor überhaupt was auf dem Tisch liegt. Da werd ich… dezent misstrauisch.“
Er dreht das Handgelenk, hält den Becher gegen das Licht, als müsste er prüfen, ob der leer ist.
„Boom hat auch Kohle. Naja.. hatte. Die knallte dir einfach ihre Kreditkarte ins Gesicht und sagt: mach. Das war easy.“
Ein schiefer Zug in seinem Mundwinkel. „Bei dir spür ich jetz schon zehn Leute mit Krawatte im Nacken.“
Er lässt die Schultern kurz kreisen und senkt den Kopf.
Die Wut rauscht ihr in den Ohren, sie versteht nicht was er mit dem Gesagten sagt. Strubbel atmet schwer aus und fährt sich durch die Haare, geht die letzten Sätze von im durch. Dann klick es. Moment. Sie soll kein Drama machen? SIE??? Boahh. Jetzt ist besser Zeit für mehr Whiskey. Oder etwas zum hauen. Sie bekommt grad richtig Lust ihn zu hauen. Aber das geht nicht. Gewalt ist keine Lösung innerhalb von... Partnerschaften. Sie ist nicht (!) wie ihre Familie. Sie wird nicht gewalttätig gegenüber ihren Geschäftspartnern.
Ihre Mine verfinstert sich und schlägt dann in einen vorwurfsvollen Ton um. "Wer hat denn hier bitteschön fast das Viertel eingerissen und nen Breakdown sowie eine vermutliche Existenskrise angedeutet?! Außerdem hast DU eine mögliche Geld-Verwandtschaft erfragt!" Mit geweiteten Nasenflügeln und Empörung in der Stimme fortert sie einen Abgleich ein. "Im Ernst, Vaas. Schieb das Drama machen jetzt nicht auf mich ab. Ich wollte nur helfen und ehrlich sein." Die Hände erst in der Hüfte, dann in einer halb defensiven Geste in der Luft, "Du musst auch nichts annehmen, es ist nur ein Angebot." Pause. "Bis zu einer gewissen Summe kann ich dir was von meinem unauffällig abgezweigten Geld geben.", schnautzt sie ihm entgegen.
"Ich hol jetzt noch was zu trinken, mir wird die Luft hier unten zu eng, ich geh erstmal abdampfen." Jack schiebt die Unterlippe vor und blinzelt prüfen in seine Richtung, sein Blick ist wieder erreichbar. "Kommst du mit oder knall ich dir in ner halben Stunde den Becher gefüllt zurück hier unten an den Kopf?"

In seinem Gesicht liegt nichts Aufgesetztes. Ein kleiner Tick in der Mimik vielleicht, als hätte ein Gedanke kurz gegen die Schädeldecke geklopft und dann beschlossen, wieder zu verschwinden. Dann zuckt er mit einer Schulter.
„Hast recht. Mein Fehler.“
Er stemmt die Hände in den Boden und drückt sich hoch. Der Zusammenbruch und das Drama – wie weggefaltet. Ein kurzes Strecken, der Nacken knackt, dann schiebt er mit einer beiläufigen Geste den Becher beiseite.
„Lass uns lüften. Ist nötig.“ es klingt, als sei das eine banale Feststellung. Er steigt die Treppe hoch, bewegt sich dabei bemüht nicht zu zittern.
Oben angekommen, tritt er über die Schwelle in sein Theater. Ein breites, selbstsicheres Grinsen zieht über sein Gesicht, und ohne Übergang bricht der Entertainer in ihm durch.
„Kiste!“ ruft er, als er sie entdeckt. Er tritt auf sie zu, legt ihr einen Arm um und fummelt ihr belustigt ins Gesicht.
„Glückwunsch, du stinkst nach nem Festivalzelt, drei Nächte durchgeschwitzt und...“ er schnuppert nochmal, „was ist das? Schwefel? Man könnte fast meinen, du willst mir Konkurrenz machen, Baby.“
Sein Griff um ihre Schulter ist halb Umarmung und mit der freien Hand deutet er grossspurig Richtung Tür – genau in dem Moment, in dem Jack erscheint. Sein Grinsen blitzt noch breiter, fast als hätte er nur auf diesen Auftritt gewartet.
„Kennst du schon Jack?“ fragt er, Tonfall locker, aber mit unterschwelligen Betonung. Er drückt Kiste leicht an sich, hebt dann die Augenbrauen in Jacks Richtung. „Sie ist nich wie die üblichen Gestalten, die ich so mitschleif. Die hat…“ er stoppt, schnalzt mit der Zunge, als müsste er sich die richtige Vokabel erst zusammensuchen, dann sieht er Jack direkt in die Augen und entscheidet sich für ein vielsagendes: „…Rückgrat.“
Wie in Zeitlupe wendet die zierliche Frau sich um, als Vaas schon längst neben ihr steht und sie berührt. Augen und Mund halb geöffnet guckt sie nichtssagend vor sich her, eher zufällig in seine Richtung. "Alta! Sdas nomal, dasse keine Haut hast?" Verzögert deutet sie ein Nicken an. "Svollgeil, man." Träge heben sich ihre Mundwinkel, als ihr dünner Blick schwerfällig zu Jack übergeht. "Dasja n schöner Staubwedel. So fluffich. Wieso nennst den Jack? Sieht aus wie ..." Den Kopf leicht neigend überkommt sie ein seliges Lächeln, hinter dem ihre schlechten Zähne hervorlinsen. "wien Tiffi. Kennste noch Tiffi? Das Ding ausm Fernseher? Das war voll schön."

'Hast recht?!' was zur Hölle... Hier passen gerade ein paar Dinge nicht zusammen, ganz klar. Hinter ihrer Stirn beginnt es zu arbeiten, als Vaas sich mit einer Tonlage in Bewegung setzt, als wären die letzten Minuten nicht gewesen. Was soll sie von diesem sprunghaften Wechsel von Problem zu Krise 3.000, zu Nicht-Problem halten? Was hatte sie gesagt, das ihn erst hatte leiser und resignierter werden lassen, bevor er dann wieder wie gewohnt überspielend lässig agiert hatte? Wieder LAUTER und somit auch ablenkender wurde? Das ist es, ja. Ablenkung und Show-Gehabe sind hier der Dreh und Angelpunkt. Der Hinweis. Aber warum??? Mit einem Stirnrunzeln folgt Jack ihm langsam, die nach wie vor geschlossenen Luckenfenster des Kellers Meter um Meter zurücklassend. Ihr Getränk deutlich weniger bedacht als auf dem Hinweg balancierend vor sich her tragend, bekommt die angefangene Gedankenkette ein paar weitere Registrierungen und Gedanken hinzugefädelt, die körperlichen Veränderungen vorerst mal ausgeklammert. Was hatte sie zuvor zu ihm gesagt? Sie hatte Drama und Schwäche im Sinne von seinem selbst betitelten Zusammenbruch zusammengefasst, oder vielmehr als Boomerang zurück fliegen lassen. Dann kam der Schalter. Mit der zurückgespielten Verantwortung, der Enttarnung (!?) seines Chaosquatschens wurden wie üblich über ablenkendes Verhalten und clownartige Bewegungen eine neue Manege eröffnet, wahrscheinlich um tiefer werdende Fragen und tiefer liegende Probleme nicht hervor zu holen. Jack kaut auf ihrer Unterlippe. Ellie hatte es beim Paintball ähnlich beschrieben, wenn ihre Erinnerung sie nicht täuscht.
Die Frage die sich ihr hierbei stellt, ist: 'Willst du anderen keinen Einblick geben Vaasi, weil du nicht vertrauen kannst oder willst oooooder, weil dich die Auseinandersetzung mit deinen eigenen Themen und Problemen selbst überfordert? Besonders dann, wenn sie benannt und AUSGESPROCHEN werden?' Er hat es ihr gegenüber mindestens schon zweimal deutlich gesagt und gezeigt, dass er ein auditiver Typ ist. Erinnernd nimmt Strubbel zwei große Schlucke und lässt die Gedanken und Empfindungen der Schaukel-Vereinigung genießend mit der Wärme des Erwachsenengetränkes in sich wirken. Oben auf dem Treppenabsatz formt sich in ihr eine definierte und fixe Idee, während Vaas sich auf eine offensichtlich noch woanders parallelexistierende Kiste stürzt. 'Bekommen diese Dinge für ihn als auditives Signal eine andere Greifbarkeit, wenn sie von einem anderen Sim ihm gegenüber AUSGESPROCHEN werden? Mehr Realität und Druck vielleicht?! Schottet er sich deßhalb ab und umgibt sich lieber mit 'Schweigendem Schrott'? Der fragt und urteilt nicht! Der lässt sich nach seinem Bild umkonstruieren und auch zu Geld machen las-' ZOOOM. Mit einem Blick der sich in ihr Innerstes schraubt und dem Wort 'Rückgrat', zieht er sie in seine neue Zirkus-Manege. Angerührt von ihm und ein bisschen genervt von Kiste greift sie auf ein paar Gesprächsfetzen zurück, die die junge, aber deutlich älter aussehende Frau von ihrem Peilo-Stapel lässt. Mit einem Seufzer, der ganz tief von unten, aus der Erschöpfungsecke kommt, erinnert sie: "Kiste! Na klar kennen wir uns. Wir haben uns letzte Woche sogar unterhalten und ich hab zu heute was bei dir bestellt!? 'Bitte lass mich nicht hängen!!!' Du erinnerst dich. Bisschen Speed, MDMA, und ein paar Pappen mit LSD. Hab dir ne Anzahlung gemacht, zusammengehalten von so nem Gaze-Säckchen, dass so schön geschimmert hat. Komm! Erinnere dich. Das hatte auch so kleine Holzperlen am Zugband, die dir total gefallen haben."

Eine Weile sieht es so aus, als wären alle in der Situation eingefroren, inklusive der ihr entgegengaffenden zwei Gesichter, bis ein sich erinnerndes Geräusch der kleinen Person entfleucht. Jack nickt ihr zu und deutet auf ihre Haare, "Und das ich für dich tiffig aussehe, hattest du schon mal erwähnt, ja. Ich bin auch g e r n e deine Tiffi, wenn du mich jetzt mit meiner Bestellung nicht hängen lässt! Ich übersteh die kommenden zwei Wochen sonst nicht. Ernsthaft. Es hat sich sonst ausgestrubbelt und getifft." Ein schräge und schwaches "Also?" krabbelt dem Satz noch hinterher, bevor ihr ihre Bedürftigkeit beginnt unangenehm zu werden und sie ihren Blick im Kaffeebecher versenkt.
Vaas Kopf fährt zu Kiste, sobald er checkt, was aus ihrem verwischten Mund gerade wirklich rausgefallen ist. Augen verengen sich, dann blitzt was in ihnen auf. Begierde, Ungeduld, Gier, aber überzogen mit diesem üblichen Vaas-Glanz, der immer wie Spass wirkt, auch wenn es keiner ist. Jack hat was bestellt? Das bedeutet…. Er zieht Kiste ein Stück näher an sich, atmet den Schweiss-Mix nochmal tiefer ein.
„Oaa, Baby, erzähl mir nicht, du hast noch Reste von dem Zeug, das dich grad so schön wegschmilzt.“
Er fingert an ihrer Schulter, fährt den Arm runter und durchsucht ihre Taschen relativ un-subtil und der Entzug macht den Rest. „Komm schon, Kiste. Ich seh das in deinen Pupillen. Also hol raus. Ich brauch das. Jetzt. Nur ne Kleinigkeit. N Zug, n Krümel, n Tropfen, scheissegal. Ich schwör dir, ich machs auch nicht kompliziert.“
Er blinzelt hart, schiebt die Zunge kurz über die Lippen, als könnte er schon schmecken, was sie vielleicht in irgendeinem verdreckten Beutelchen hat. „Komm, Kleine. Sei nett zu Vaas. Du darfst auch alle meine Spielstände überzocken… oder was du halt so willst. Ich bin kreativ, ich krieg alles hin - irgendwann.“

"Altaaa,", langsam wendet Kiste ihm die halbgeschlossenen Augen zu, "wenne mich fingern wills, biste da voll falsch, man." Ihre Hand hebt sich, die Finger patschen ein mal, zwei mal auf sein Gesicht. "Sja guuut. Griggst ja was." Den Hosenbund von der Hüfte streckend schiebt sie die Hand unter den Stoff und kramt an sich herum. "Hmmneeee... disses nich..." Die Zungenspitze flutscht konzentriert zwischen den zusammengepressten Lippen heraus, die Augen ungesund an die Zimmerdecke verdreht hüpfen plötzlich die Brauen eine Etage höher. "Daaa." Stolz präsentiert sie ein kleines zusammengezwirbeltes Päckchen. "Uuuund Tiffi ..." Abwesend hängt sich ihr Blick auf Jacks Haar. Einige Sekunden steht sie mit geöffnetem Mund da, ohne dass etwas passiert. Dann heben sich ihre Mundwinkel und sie flüstert verheißungsvoll: "Dein Zeug is im Klavier versteckt." Kichernd zieht sie den Kopf zwischen den Schultern ein. "Sags aber nich dem Schädel. Der plünnert doch alles." Ihr rechter Fuß hebt sich, um einen Schritt nach vorn zu machen. Doch statt auf dem Boden aufzusetzen, bleibt er in der Luft vor ihr, als hätte ihr Körper den Bewegungsablauf vergessen. Auf einem Bein das Gleichgewicht suchend, entweicht ihrem Gesicht jede restliche Intelligenz. Die Schultern sacken ein Stück herunter, ein klangvolles Schmunzeln folgt, dann neigt sie sich ein wenig nach vorn, so dass ihr Körper beinahe zu stürzen droht. Der Fuß kommt auf dem Boden auf, gib ihr das Gleichgewicht zurück und sie macht die wenigen Schritte zu Jack herüber. "Komma mit.", flüstert sie mit erhobenen Brauen, wie ein Kind, dass kurz davor ist etwas Verbotenes zu tun.
Was sie von Kiste halten soll und mag steht noch undefinierbar in den Sternen, irgendwo dort, wo sich ihre vielleicht neue Dealerin scheinbar von Stunde zu Stunde oder Minute zu Minute bewegt. Als das Tauschangebot Spielstände überzocken gedroppt wird, entweicht Jack ein ungläubiger Ton - dass sie in der L a g e sein soll irgendetwas an sich flink werden zu lassen... Schwer vorstellbar. Aber man sollte nie den Fehler machen sein Gegenüber zu unterschätzen. Und jeder Sim hat etwas, was er seine Stärke nennen kann, egal wie es von anderen Bewertet wird. Und vielleicht kann sie ihre Finger über Konsolen und andere Gegenstände (Mischpulte vielleicht?) huschen lassen. Oder was ganz anderes.
Als sie Kistes Reaktion auf Vaas penetrantes Schnorren betrachtet, kann sie sich nur mit Mühe ein Lachen wegbeißen, was ein Schauspiel! Vor unterdrückem Prusten beben Jack's Schultern leicht. Sie bekommt sich wieder in den Griff, als das verstrahlte Persönchen sie einweiht und mit sich nimmt. Auf dem langsamen, aber zielstrebigen Weg zum Klavier im Wohnzimmer, kreuzen sie den grünen Plastikstuhl nahe des Zielortes am Fenster, der Strubbel an ihre erste Begegnung mit der Hausgerrin denken lässt. "Hast du Boom in den letzten paar Tagen irgendwann mal gesehen?", erkundigt sie sich bei ihrer weiblichen Begleitung. "Ich wollte noch was mit ihr bequatschen.", lässt sie beiläufig fallen.

Vaas hängt Kiste praktisch im Nacken, sobald sie das Päckchen präsentiert. Seine Finger greifen schneller, als Kiste blinzeln kann. Er reisst es ihr aus der Hand, ohne mit der Wimper zu zucken. Papier raschelt. Er hält es sich direkt unter die Nase und atmet tief ein. Der Geruch – abgestandener Schweiss, ein Rest von Kistes Haut und dieser unverkennbar säuerliche Schimmer nach Fisch und kaltem Rauch – knallt ihm in die Sinne.
Ein kehliges „Mhooa Geil!“ entweicht ihm. Mit einem geübten Zupfen entzwirbelt er das Päckchen, zwei billig gepresste Pillen purzeln in seine Handfläche. Eine schiebt er sich sofort auf die Zunge, presst sie zwischen den Zähnen kaputt. Der bittere Staub breitet sich in seinem Mund aus und er schliesst kurz die Augen.
„Ja… ja, mann… das kickt.“ Er lacht. Dann dreht er sich wieder zu Kiste, nimmt die zweite Pille zwischen zwei Finger, hält sie hoch wie ein Trickmagier, der gleich was verschwinden lässt. Aber er schluckt sie nicht sofort. „Du bist mein Orakel, Kleines. Im Klavier, ja? Dann führ uns hin.“
Er legt ihr den Arm noch fester um Kistes Schulter, als wollte er sie buchstäblich in Bewegung schieben. Dabei tut er mit der andere Hand so, als würde die Pille in seiner Hand ihn magisch ins Wohnzimmer ziehen, als wäre sie eine Wünschelrute für Drogen.
„Seht ihr? Das Teil führt uns. Ziiieh mich, Baby… ziiieh mich ins Paradies.“
Dann lacht er, so schräg, dass man nicht weiss, ob ers ernst meint oder ob er sich über seine eigene Sucht lustig macht, während er „der Pille“ folgt.
Selig lächelnd lässt Kiste sich von Vaas ins Wohnzimmer schieben, ohne zu begreifen, woher die fordernde Bewegung an ihr kommt.
"Boom?" Den Mund zu einer verdutzten Schnute geformt blinzelt Kiste schwer. "Eeehh klar, man. Die wohnt doch hier. Nee sgehört ihr sogar alles." Die Brauen kämpfen sich mühevoll in die Stirn und geben dem Gesicht einen Ausdruck, als würden sie alle einen unfassbaren Traum leben. Drei Sekunden später zieht wieder Verwirrung in ihr Antlitz ein und sie beginnt sich, mit der Hektik einer Schnecke, umzusehen. "Alta, grade war die noch da. Echt ma, ich schwör. Kein plan, du. Vielleicht..." Ihr Wesen erstarrt, jemand - oder etwas - hat wieder auf Pause gedrückt. Momente vergehen, bis sie ohne erkennbaren Grund einfach weiter spricht: "ist die oben." Das Gesicht nimmt einen Ausdruck eines Verschwörungstheoretikers an. Der Kopf neigt sich nach vorn, als sie flüstert: "Jaaaahh, das glaubich ganz sicher."
Weitere Momente verstreichen ungerührt, bis ihr trüber Blick sich an Jacks Haarpracht verheddert. Irgendetwas wollte sie doch grade tun ... der plötzliche Wunsch, ein Schaf zu scheren, um sich in dem Berg Wolle zu wälzen, wie ein glücklicher Hund im Schnee, grätscht ihr in die Gedanken. Moment. Schnee - Koks - Bestellung. Ja, richtig. Im Klavier. "Guck mal bei C, A Moll, D Moll, G.", weist sie mit einer Selbstverständlichkeit an, als hätte sie Himmelsrichtungen aufgesagt. Die Melodie, die sie vor Jahren auf dem Klavier ihrer Großeltern gespielt hat, formt sich in ihrem Geist zu Tönen, die nur sie hören kann. Ohne es zu bemerken, wiegt sie sich sanft zu der Musik, als sie den Refrain "Für mich soll's rote Rosen regnen" zu summen beginnt.
Sie sind schon ein seltsames Trio, wie sie so um das Klavier herumstehen. Kiste abdriftend in seltsamer Musik, Vaas mit seiner Magnet-Pille und sie, Jack, ohne nen Plan davon, wie man diese Moll-Tasten entfernen soll, geschweige denn wo diese liegen! Lady Boss schließt ihre Augen und drückt sich eine Handfläche aufs Gesicht. Dabei atmet sie in ihren rechten Daumenballen und das Handgelenk. Ihr eigener Kaffee-Whiskey-Dunst schlägt ihr entgegen.
"Scheiße, Kiste, woher soll ich den bitteschön wissen, welche Tasten das sind?!", fragt Strubbel gereizt. Mit nun wieder geöffneten Augen sieht sie, wie Vaas mit Tellerpupillen und entrücktem Gesicht schon dabei ist, an der Tastatur rumzuprokeln. Wo sein zweites Pillchen hin verschwunden ist, hat sie nicht mitbekommen. Genervt über ihre Überreaktion, entschuldigt sie sich bei der sich nach wie vor selbst Wiegenden. 'Statt rumzupampen, könntest du auch einfach freundlich fragen.' Mit dieser Erkenntnis startet sie einen zweiten Versuch, deutlich freundlicher, ohne falsch zu klingen.

Ohne gross nachzudenken, setzt er sich mit gespielter Konzentration, auf die Sitzbank vor dem Flügel. Vaas’ Knöchel knacken, er lockert die Handgelenke, nimmt einen tiefen Atemzug und dann haut er mit theatralischer Geste beide Hände auf die Klaviatur. Ein wüstes Gekrächze aus Tönen scheppert durch den Raum, viel zu hart angeschlagen, ohne jede Melodie. Er legt den Kopf schief. Interessiert. Die Zunge schiebt sich über seine Lippen, das Grinsen wird breit. Er probiert ein paar Einzeltasten durch. Diesmal zärtlich, mit dem Ohr ganz nah dran. „Mhm mhm.“
Vaas springt auf, eine fixe Idee im Kopf. Der halb geöffnete Deckel knarrt, als er ihn weiter aufdrückt. Ohne Zögern legt er sich bäuchlings quer über die Kannte, zieht die Schultern durch den Spalt und gleitet mit dem Oberkörper in den Resonanzraum. Saiten schwingen dumpf, als er sie mit Armen und Händen berührt, Metall vibriert, Holz ächzt. Er kümmert sich nicht darum ob er das Instrument verstimmt oder beschädigt sonder verschwindet einfach bis zur Hüfte darin. Von innen klingt seine Stimme: „Jack! Drück mal ein paar Tasten!“
Jack fingert über die Tasten, bis Vaas von innen ein „Halt!“ ruft.
Die angeschlagene Note scheppert nicht hell wie die anderen, sondern stirbt sofort ab – dumpf und kurz. Ohne Nachklang.
„Da! Genau das!“, ruft Vaas, das Echo seiner Stimme dröhnt gegen den Resonanzboden. Mit beiden Händen tastet er sich an den Drahtreihen entlang. Sein Atem geht stossweise, weil ihm die Kante die Luft aus der Lunge drückt. Das Geräusch von Fingern über gedrehten Stahl mischt sich mit dem leisen Schnarren der nachbebenden Saiten.
„Hier klemmt was…“ Er drückt das Gesicht noch tiefer ins Gehäuse.
Seine Finger stossen auf Widerstand – ein kleines, unregelmässiges Etwas, das sich zwischen zwei Saiten verkeilt hat. Er streicht drüber, bevor er es zwischen den Drähten heraus reisst. Während die Saiten erneut nachklingen, bekommt er wieder Boden unter den Füssen. Breit grinsend, torkelt er zwei Schritte zurück, plustert die Backen auf, als wär ihm schlecht, dann schaut er seinen Fund an.
„Woaah… wasn Luxuspaket Kis. Wo kriegst n du das Zeug immer her, sag ma…“ Seine Stimme plötzlich träger.

Dümmlich grinsend verfolgt Kiste die Bemühungen der beiden. "Alter, als ob ich grade dir das -"
Die Türklingel unterbricht sie, so dass sie träge blinzelnd den Kopf neigt. "Wasn das? Habta jetzt das Geräusch kaputt gemacht?" Im Glauben daran, dass der Ton irgendwo aus dem Resonanzraum des Flügels kam, schiebt sie sich näher, um zu lauschen. Wieder ertönt das Klingeln, dieses Mal dreifach hintereinander. ungeduldig und penetrant.
Jacks Mine durchfahren amüsierte und dankbare Züge, als sich der Vollbluttüftler dazwischenklingt und ohne groß nachzudenken einfach das nahestehenste ausprobiert, ohne sich von mangelnder Kenntnis einschüchtern und bremsen zu lassen. Wieso ist ihr das nicht eingefallen? Warum steht sie mit dem dem Gefühl der Hilflosigkeit vor einem Ding, diesem Musikinstrument rum? 'Was ist nur los mit dir? Kürzlich hast du noch ohne mit der Wimper zu zucken nen Porsche inklusive Kind geklaut. Und nun das?' Noch bevor sie weiter in ihren Gedankenkreis abdriften kann, erreicht sie der Auftrag, Tasten zu drücken. Okay. Das ist machbar. Mit Schwung begibt sie sich an den Klangpatienten - ein wenig fühlt sie sich wie eine Assistenzärztin im 1. Lehrjahr, nur dass sie nicht Schere und Tupfer anreicht, sondern auf Kommando der heraushängenden Beine neben ihr auf weiß und schwarz drückt.
Vaas Stimme erreicht mit einem interessant klingenden Hall ihre Ohren, kurz nach dem Moment, indem sie einen kleinen aber feinen Unterschied beim Drücken der letzten Taste wahrgenommen hat. Nach dem Abbruchsignal hört sie es kratzen, Rascheln und noch etwas, was Strubbel gerade nicht beschreiben kann. Dafür hält sie gespannt die Luft an, und lässt sich von ihren neuen Gedanken mitnehmen. Vielleicht ist ein Vergleich mit einer Lazarett-Krankenschwester die dabei hilft, die störenden, wie auch verletzenden Fragmente eines Schrapnells zwischen den Rippen eines Soldaten heraus zu prokeln, passender. Nur dass es hier offensichtlich - ein gemeine Geräusch erklingt aus dem hölzernen Ungetüm - nicht darum geht den Patienten zu retten, sondern die Einzelteile des Störfaktors.
Die Ruckel-Bemühungen des Klavirdoktors sind flott erfolgreich. Als Vaas wieder inklusive seines Oberkörpers erscheint und das wahrscheinlich Todesurteil des Klavier präsentiert, atmet sie erleichtert und hoffnungsvoll auf. 'Kiste... Du rettest mir den Tag, ey.'
In ihr überreiztes Wahrnehmungsfeld 'tritt' buchstäblich mehrfaches geklingel. Jack runzelt verwundert die Stirn. Hat seit dem sie hier ein und aus gehen darf schon mal wer geläutert, statt einfach einzutreten? Ist es vielleicht Simazon? Andere, neue Bekannte von einem Villa-Bewohner? Oder... die Polizei? SHIT! Mit einem Mal ist Bonnie-Jack in einem ganz anderen Film. Unerwartet und so heftig, dass ihr schlecht wird. Nervös leckt sie sich über die Lippen.
Hat Eve ihr Versprechen brechen müssen? FUCK! Oder schlimmer! Hat das Kiddo mit dem Leatherman Scheiße gebaut und dann zugegeben, von wem sie das Ding hat? Hat der Teen jemanden damit schwer verletzt? Immerhin hat sie ihr - wenn man es genau nimmt - unter anderem eine Waffe geschenkt. 'STOPP JACK! Es ist nicht logisch, dass das auf dich zurück zu führen ist. Und selbst wenn, würde dann bei dir Zuhause, in Del Sol Valley geklingelt werden!' Um die Panik zu verdrängen, stößt sie die unbemerkt wieder angehaltene Luft aus sich heraus und steht vom Klavirstuhl auf. Warum hat sie solche Gedanken, was Triggert sie heute so scheiße, besonders, seit dem sie aus dem Keller raus sind??? Sie ist doch sonst nicht so drauf. Wo zum Teufel sind ihre Eier geblieben? Wie um sicher zu gehen das sie sie nur gerade nicht fühlen kann, blickt sie prüfenden auf ihre rostrote Joggpants, als ob sie tatsächlich ein Sackträger wäre.
Das Klingeln schneidet durch die Villa wie ein Alarm. Erst einmal, dann sofort wieder, dreimal hintereinander, penetrant. Vaas Kopf fährt ruckartig hoch, wie bei einem Hund der das Wort Tierarzt gehört hat. Seine Augen werden schmal. Dann werden sie schlagartig wie Untertassen. Wer hier reingehört, der klingelt nicht – der stolpert besoffen rein, klaut dir die Chips und schreit „Surprise“. Klingeln heisst: Lauf!
„Scheissdreck…“, faucht er, während das Päckchen in seiner Hand plötzlich schwer wird. Zu schwer. Ohne Zögern schiebt er es tief in seine Unterhose. Dann sieht er Kiste an, die komplett verstrahlt leicht hin und her schwankt. Er packt sie, ohne nachzufragen wirft sie über die Schulter. „Füsse einziehen, wir machen jetzt den Houdini!“ Ein paar schnelle Schritte Richtung Fenster, dann erstarrt er mitten in der Bewegung.
„Kacke!“ In der Tiefe des Hauses liegt noch die Tüte. Die Tüte, die man nicht finden darf. Wenn das ne Razzia ist, hat er keine Ware mehr die sich zu Geld machen lässt und keine Chance, die Schulden bei Rulo irgendwie glattzuziehen.
Er schwankt auf der Stelle, Kiste über der Schulter, wippt mit den Knien, als wolle er gleich losrennen. Hin und her gerissen, schaut er zum Fenster, dann zum Keller und zurück. „Fuck it!“ Er setzt Kiste hart wieder ab, so unsanft, dass sie beinahe kippt. „Zieh kurz die Handbremse, bin gleich wieder da.“ sagt er, dann schiesst er los, zurück in den Keller.
Er poltert die Treppe runter wie ein Berserker. In der Kurve rammt er mit der Schulter gegen die Wand. Unten kracht es laut, Metall scheppert, ein dumpfer Aufschrei, dann Stille. An der Tür klingelt es wieder. Dreimal, viermal. Jetzt gefolgt von einer tiefen Stimme die will, dass jemand die Tür öffnet.
Sekunden später stürmt Vaas zurück nach oben. Seine Augen fiebrig. Er keucht, packt Kiste grob an der Hand und reisst sie Richtung Fenster mit. Die Fensterfront hat einen Verschluss und Vaas hat keine Zeit jetzt zu lernen wie der aufgeht. Lüften ist in dieser Bude ein Fremdwort. Sein Blick fährt zu Jack: „Lady Boss – hilf mir! Zum Fenster raus oder wir sind alle gefickt!“
Gerade hatte Boom Boom noch vor der Kellertür gesessen und dem Gespräch im Untergeschoss gelauscht. Wer hätte gedacht, dass das Fräulein Scarface sich als so nützlich erweisen würde? Mit ihrer "Leute-verschwinden-spurlos-wenn-es-sein-muss-Familie" wirkt die Plaudertasche plötzlich ziemlich interessant. Daraus muss sich etwas machen lassen. Die Neugier ist geweckt und ihr Hirn windet sich grüblerisch. Wenn sie in dem Verein irgendwie einsteigen könnte ... Ein kleiner Drink hier und da zur richtigen Zeit könnte das Machtgefüge angenehm umlenken. Doch um dort die Party an sich reißen zu können, braucht sie mehr Informationen. Scar scheint bei all ihrem Geplapper nicht gern über dieses Kapitel zu reden. Ein tiefer Seufzer wälzt sich aus ihrer Brust bei dem Gedanken, dass sie sich wohl oder übel mit ihr anfreunden muss. Gut genug, um eine Vetrauensbasis zu schaffen. Sie braucht einen Plan. Etwas Konkretes. Angestrengt nachdenkend hockt sie sich aufs Bett. Doch gerade, als eine Idee in ihrem Kopf aufploppt, reißt die Türklingel sie aus dem Konstrukt. Das ist ein verdammtes Irrenhaus! Nicht mal fünf Minuten kann man hier in Ruhe nachdenken. Sie weiß ganz sicher, dass mindestens Vaas, Jack und Kiste da unten sind. Warum kriegen die es nicht hin, einen einfachen Vertreter zu verjagen?!
Augenrollend hievt sie sich aus dem Bett und poltert in den Flur hinein. "Kann vielleicht mal jemand diesen Krach abstellen?!" Bereits auf der Treppe angekommen registriert sie die fluchtartigen Geräusche im Wohnzimmer. "Nichtsnutzige Weicheier! Ich kümmere mich darum.", meckert sie lauthals durch die Küche. "Verpisst euch ruhig, ihr Feiglinge!" Ruckartig reißt sie die Haustür auf und weicht reflexartig einen Schritt vor dem Tageslicht zurück. "Was denn?", mault sie in die förmlichen Gesichter. Ein Typ in Anzug hält ein Stück Papier in die Luft und beginnt wie auf Knopfdruck irgendetwas zu schwafeln, dem Boom Boom nicht folgen könnte, selbst wenn sie konzentriert zuhörte.
Worte wie "Schuldensbegleichung", "Vermögensnachweis" und "Pfändungsberechtigung" schlagen ihr um die Ohren, schaffen es aber nicht, bis zu ihrem Verstand durchzudringen.
"Was zum Fick ?! Verpisst euch und geht wem anderen auf die Eier!" Schon halb abgewendet will sie die Tür zuschlagen, doch einer der größeren Kerle schiebt sich zwischen sie und den Anzug. "Ich fürchte, das müssen wir entschieden ablehnen." Hinter sich blickend gibt er irgendwelchen Affen ein Signal, woraufhin ein dutzend Möbelpacker selbstverständlich an ihr vorbei ziehend das Haus stürmen, sich ohne großes Umsehen die erstbesten Geräte und Möbel schnappen und alles abtransportieren.
"Hey! Was soll der Rotz?!" Die Besitztümer interessieren Boom Boom nicht sonderlich. Allerdings missfällt ihr die Art, wie hier über ihren Kopf hinweg entschieden wird. "Du verpisst dich lieber mit deinem Ameisenvolk!" Mit kalt glühenden Augen baut sie sich vor dem Anzug auf, sticht ihm mit dem Finger in die Schulter, doch der lässt sich nicht einschüchtern. Er ist diesen Umgang gewohnt. Professionell beschwichtigend will er auf die junge Frau einreden, doch ehe er ein Wort sagen kann, packt sie ihn am Kragen und schleudert ihn durch die halbe Küche. Stolpernd landet er in zwei der Museklmänner, die mitsamt ihrer Last umgerissen werden, dass es laut krachend im ganzen Haus widerhallt.
Strubbel räuspert sich angespannt. Das Vaas ausflippt und nen Betreuer zu brauchen scheint, macht sie nervös und aufgekratzt zugleich. Irgendwie hat sie gerade kein Bock auf sein Drama. Allerdings ist sie selbst auch verunsichert und kurz vorm abtillen. Es klingelt erneut. Jack merkt, wie sich ihr Pulsschlag erhöht. Es ist leider kein Drama, es liegt verdammter Ernst in der Luft vor der Tür.

Von oben, wie Kiste sagte, hört sie 'B' rumpöbeln, während ihre kleine Dealerin wie ein besoffener Pilz plötzlich aus der Erde gezogen wird, um dann wieder abgeparkt zu werden. Nun steht sie schwankend auf ihren dünnen Stielchenbeinen und starrt vor sich her. Lover Boy ist nach mittlerweile vertraut klingendem Kellergeschepper zurück und Jack's Gehirn überspringt die verlorenen gegangene Selbstsicherheit und landet direkt im eingeläuteten Fluchtprogramm mit Arbeitsanweisung. Es ist egal wer hier gleich am Arsch sein wird - Vaas, Boom, Kiste, sie selbst oder irgendwer anders - das verschlossene Fenster muss auf sagt er, sofort. 'Okay, los geht's!'
Entschlossen sieht sie sich um und macht keine hilfreiche Entdeckung, mit der es sich hier herum-MacGyvern lässt. Kein brauchbares Werkzeug was hier fehl am Platze liegt, nichts womit sie in einem Schloss drin rumprokeln kann. Scheiße. Sie hat nen Becher in der Hand und einen Wasserkocher in der Küche zu stehen. Die Küche! Besteckschublade - Los! Als Jacks Körper sich auf dem halben Weg zur Küche befindet, wird ihr klar das der Tummult von da kommt. 'FUCK!' Egal jetzt. Falls sie nichts findet, müssen sie gemeinschaftlich versuchen das Klavier durchs Fenster zu schieben, mittelgroßes Inventar mit Stahlecken herbei zaubern, oder... S p a x i! Ist ihr neuer Kumpel mit seinem anklinkbaren Akku schwer genug um mit Wucht diese Fensterklinkensicherung abzustoßen? Das wird sie ausprobieren!
In der Küche angekommen, dringen von Draußen Worte zu ihr, die sie erstmal zwei Gänge zurück schalten lassen. Nicht die Bullen, nicht der ehemalige Autobesitzer und Vater einer Ex-Entführten Minderjährigen, die das Multi-Tool an nem Mitschüler ausprobiert hat. Sehr gut. Jack verlangsamt ihr Gerenne, hält kurz am Wasserkocher an, um diesen mit dem verbliebenen Restwasser der vorausgegangenen Kaffeerunde neu aufzuheißen. Dann eilt sie weiter. Der Plan gegebenenfalls das Fenster einzuschlagen oder das Schloss aufzufummeln, bleiben bestehen. Kurz bevor sie im Kelleraufgang verschwindet, bekommt sie mit, wie Boomilein sich mit den Typen anlegt. Der Krach und die fremden, überraschten Schmerzensschreie, lösen etwas neues, altes in ihr aus. Mit benommenem, zum Teil tauben Gesichtsgefühl, scannt sie den Kellerraum nach ihrem Werkzeug der Wahl ab.
Vaas hält inne als er die Stimme an der Tür hört, wankt den Gang entlang, die Pille brennt warm in den Muskeln, während das Päckchen in seiner Unterhose pickst. Jeder Schritt reibt komisch, also läuft er leicht breitbeinig, als hätte er grad ein Rodeo hinter sich.
Am Türrahmen zum Wohnzimmer angekommen, hebt er den Kopf und genau in dem Moment fliegt einer der Typen knapp vor ihm vorbei. Vaas folgt dem Kerl mit dem Blick, als würde er einen Fussball beobachten, der an die Latte kracht, und zieht die Brauen hoch.
Unten auf den Fliesen landet der Typ neben einem Klemmbrett, das scheppert. Vaas geht in die Hocke, knackt dabei den Nacken und hebt das Ding auf. Blätter mit Stempeln, Zahlen, Paragraphen – für ihn Kryptisch. Er blättert durch, die Lippen geschürzt und grinst dann schief: „Na super. Monopoly für Erwachsene.“
Er klappt das Ding zu, steht auf und marschiert auf Boom zu, die gerade die nächste Wanddekoration aus Fleisch und Knochen plant.
„Boomie. Easy.“ Seine Stimme klingt gedehnt, die Pille macht ihn wieder langsamer, nachdem das Adrenalin abflacht und der Alarm wieder ausgeht. Er legt den Arm schwer um ihre Schulter und drückt sie kurz seitlich gegen sich. „Ich hab das bei nem Kumpel erlebt. Die nehmen sowieso alles. Ganz egal, ob du die Ficker durch die Wand klatschst oder ihnen n Drink hinstellst.“
Er tippt mit zwei Fingern an ihre Stirn, das Grinsen breit, aber nicht spöttisch: „Aber weisst du, was wir machen? Wir holen uns den Scheiss wieder. Besser. Grösser. Lauter. Ich hab n Plan! Also mach keine Scheisse jetzt, ja?“, für einen Moment, sieht er sich mit zwei Telefonhörern am Ohr im Besucherraum sitzen. „Das sind keine Gegner. Das sind Statisten. Oder willst du echt mit Nicky ne Zelle teilen..? Wegen scheiss Statisten?“
Er dreht sich Richtung Keller, hebt das Klemmbrett wie einen Beweis hoch obwohl sie es nicht sieht. „Lady Boss. Is kein Bullenfilm, nur Schuldenheinis.“ Dann lässt er es auf den Boden fallen, als wär es wertloser Müll.

Boom Boom seufzt, die Augen halb geschlossen. Geduldig sein nervt voll.
Nicky ist nicht die schlechteste Zeitgenossin. Eine Frau mit Eiern aus Stahl. Boom Boom verzieht die Lippen zu einem müden Schmunzeln. Als ob diese Weichflöten hier ihr was könnten. Die trinkt sie durch Strohhalmen zum Frühstück. Es ist deren Glück, dass das Denken sie ermüdet. Gelangweilt lässt sie sich zu einem gedehnten Gähnen hinreißen. "Hast vermutlich recht, Schädel." Den sich aufrappelnden Anzug fixierend, fragt sie: "Muss ich irgendwas unterschreiben?" Beiläufig hebt sie das Klemmbrett auf, blättert lieblos in den Zetteln herum, während er erklärt, dass ihre Unterschrift wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig sei. "Na, dann will ich mich mal kooperativ zeigen, was?" Ein freundliches Lächeln umspielt ihre Züge, als sie die Unterlagen wieder ablegt, sich darüber stellt und die Hose bis in die Knie herunter zieht, um sich hockend auf und über dem Papier zu erleichtern. Unaufgeregt zupft sie die hinterste Seite hervor, wischt sich von vorn Nacht hinten sauber und klemmt das besudelte Blatt wieder an seinen Platz, bevor sie sich erhebt und wieder anzieht. "Ich hab leider nie schreiben gelernt, aber das dürfte auch zählen." Unschuldig lächelnd hält sie dem Anzug das tropfende Klemmbrett hin. Mit aufgerissenen Augen starrt er es an, wie versteinert. Erst als sie es ihm mit etwas zu viel Kraft gegen die Brust drückt, taumelt er mit vor Ekel erhobenen Händen ein Stück zurück.
"Ich geh pennen.", wendet Boom Boom sich ab. "Ruft mich, wenns was Aufregendes gibt."
Während des Tumultes versucht Jack fieberhaft, nicht nur Spaxi, sondern auch den Hammer zu erspähen. "Warum zur Hölle hat er eigentlich in seiner Hose kein Dietrich-Set? Da ist doch alles drin! Von Gewinde-Dings über Mini und maxi Schrauben... Was is los mit dem Kerl?", brubbelt Strubbel vor sich her, während sie nach dem Werkzeug Ausschau hält und suchend auf Spaxi zustromert. Das Krachen von oben durchbricht immer wieder ihre Konzentration. 'Mach schoooooohooon Mädchen...', treibt sie sich an, mit dem Ziel, den Fokus mit ihren Erinnerungsbildern erfolgreich in Abgleich zu bringen. Nach ein paar vielen, wütenden Sekunden bricht sie die Suchaktion ab und wurschtelt sich zumindest mit Spaxi bewaffnet zurück zur Treppe, als sie die Entwarnungsrufe von Vaas dumpf erreichen. Zurück in der Küche, dampft es aus dem Kocher, den sie einfach statt des gewollten Ausbruchgerätes mitnimmt. Zwei nützliche Geräte in der Hand zu haben fühlt sich gut an. Der heiße Dampf hinterlässt einen beruhigenden Hauch auf ihrer rechten Gesichtshälfte. Als sie mit den Waffen ihrer Wahl gefächtsbereit für die benannten Eintreiber im Eingangsbereich der Villa ankommt, kann sie sich ein Schmunzeln nur schwer verbeißen. Boom entschwindet gerade mit ihrer üblichen gelangweilten Maske, die sie so oft aufsetzt oder tatsächlich so meint, ganz raus hat Jack es noch nicht.

Als ihr Blick über den nun wieder gewohnt vaasigen Vaas zu den beiden Fremden gleitet, beruhigt sich ihr Inneres merklich. Keiner ist halbtot oder schwerverletzt. Binnen kürzester Zeit hat sie Eins und Eins zusammengezählt und muss sich übelst beherrschen, nicht laut los zu lachen. 'Da hat die dem die Zettellage zugepisst und ihm anschließend aufgedrückt - herrlich.' Nach wie vor teilt sie Loverboys Begeisterung für Boomilein nur zum Teil. Aber die Nummer hier ist der Hammer! Das sollte sie mal bei ihrer Familie ausprobieren! Betont konzentriert nimmt sie Kurs auf den vor Ekel fast von sich aus sterbenden, traumatisierten Typen. Mit den erhobenen und seitlich leicht abgewinkelten Waffen ihrer Wahl kommt sie vor ihm zu stehen und hebt fragend die Brauen. Erst führt sie ihren Blick auf die linke Hand mit dem Akkuschrauber, dann langsam zum Wasserkocher mit dem aufsteigenden Dampf. "Nachschlag gefällig oder reichts für heute?", erkundigt sich Strubbel, nun um so mehr bemüht, das Lachen zurück zu halten.
Die Pille schiebt ihn in diesen Zustand, wo alles ein bisschen zu glänzen beginnt, sogar die Szene vor ihm: Boom mit der gelangweilten Fresse, der Anzugfuzzi mit Horror in den Augen, Jack mit Kocher und Akkuschrauber wie eine durchgeknallte Klempnerin.
Mit einem Schritt ist er bei Jack, fingert kurz am Griff des Kochers rum, ohne zu wissen was er eigentlich vorhat. Dann tippt er ihr grinsend auf die Stirn. „Du. Hast. Recht. Nachschlag!“
Während er den Arm um ihre Schulter legt und sie leicht zur Seite zieht, weg von den Schuldenleuten die sich eh nicht abhalten lassen:
„Es is Zeit für noch n Drink. Oder …“, er klopft sich auf den Schritt, dann blitzt das Grinsen zurück, „… n anderes Dessert.“
(In Zusammenarbeit mit @S.Bin. und @RivaBabylon )
>>> Vaas geht nach Sulani Festivalgelände >>>
>>> Jack geht nach Del Sol Valley - Jacks Eigentumswohnung >>>
>>> Boom geht nach Tartosa - Haus Fam. Falck Sr. (2) >>>
- Das Forum
- Foren Hub [Neulinge starten hier]
- Fragen zum Rollenspiel
- Spielwelt-Richtlinien
- Support & Feedback
- Ankündigungen und Neuigkeiten
- Das Grosse Sims 4 RPG
- Orte
- Willow Creek
- [Archiv]
- Oasis Springs
- [Archiv]
- Newcrest
- Magnolia Promenade
- Windenburg
- [Archiv]
- San Myshuno
- [Archiv]
- Forgotten Hollow
- [Archiv]
- Brindleton Bay
- [Archiv]
- Del Sol Valley
- [Archiv]
- Strangerville
- Sulani
- [Archiv]
- Glimmerbrook
- [Archiv]
- Britechester
- [Archiv]
- Evergreen Harbor
- [Archiv]
- Mt. Komorebi
- Henford-on-Bagley
- [Archiv]
- Tartosa
- Moonwood Mill
- [Archiv]
- Chestnut Ridge
- Archiv
- Copperdale
- [Archiv]
- San Sequoia
- Archiv
- Tomarang
- Ciudad Enamorada
- Ravenwood
- Nordhaven
- Innisgreen
- Granite Falls
- Selvadorada
- Orte außerhalb von Simswelt
- Vampirwelt - Bloodmoon Valley
- Charaktere
- Hauptcharaktere
- Nebencharaktere
- Randfiguren
- Passanten
- Inaktive Randfiguren
- Inaktive Passanten
- [OPTIONAL] CC für Charaktere
- Kreativ Ecke
- Kreationen und Geschichten
- Häuser und Grundstücke
- Sims
- Geschichten und Challenges
- Prequels
- Community Talk
- Forenspiele
- Sonstiges
- Schreibübungen
Jetzt anmelden!
Jetzt registrieren!
