Brindleton Bay Nr. 1 - Altersheim Shady Pines

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30.04.2025 11:35 (zuletzt bearbeitet: 20.07.2025 18:07)
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Bestseller-Schmied

Charaktere: Aidaria, Ambrosius
Geschichtsstrang: Wunder in Flaschen


Aidaria legt die Kette auf den Tisch vor sich, murmelt ein paar magische Worte. Daran, dass Magie an dem Schmuckstück verwendet wurde, daran besteht kein Zweifel. Doch welcher Art ist eine andere Frage.

„Nein, auf Düstersalz gibt es keine Reaktion. Das schließt aus, dass der Zauber Magie verstärken soll. Unsichtbarkeit ist auch ausgeschlossen, wenn Viola nie etwas dergleichen spürt.“ Versteckte Magie, und auch versteckte Wirkung des Zaubers.. das ist hohe Kunst. „Einen Gegenstand zu verzaubern ist hier nicht die Besonderheit. Sondern, dass man es nicht sofort merkt.“, erklärt sie Ambrosius, „Magische Gegenstände sind begehrt, und so ist es oft von Vorteil, den Zauber zu tarnen. Um weniger Aufmerksamkeit zu generieren. Reich mir doch mal bitte die blaue Phiole da drüben. Genau die, danke!“ Sie fährt fort: „Und das macht es auch so schwer, den genauen Zweck der Magie herauszufinden.

Ursprünglich wollte Ambrosius nur auf eine Tasse Tee vorbei schauen und den neuesten Klatsch mit Aidaria durchgehen. Unverhofft findet er sich in eine spannenden Untersuchung involviert und beobachtet interessiert, was seine Nachbarin mit dem Schmuckstück auf dem Tisch veranstaltet. Magie. Nie hätte er vermutet mit diesem Thema einmal konfrontiert zu werden. Als er Aidaria die Phiole reichen will, gleitet ihm das Glasfläschchen beinahe aus den unerwartet stark zitternden Händen. "Oh je, oh je." Ambrosius schüttelt den Kopf und seufzt, als das gute Stück doch noch sicher in den Händen der Magierin landet. "Gibt es keine Magie, die solche Sachen kurieren kann, Aidaria? Ich würde dir sämtliche Materialien sammeln, wo auch immer ich dafür hin krauchen müsste."

Aidaria nimmt die Phiole entgegen. "Es gibt jede Menge Tränke mit jede Menge Wirkung. Schließlich müssen auch Magier mit Altersbeschwerden kämpfen." Sie nickt. "Weniger stark als nichtmagische Wesen allerdings. Die Magie hilft, fit zu bleiben, bis zu einer gewissen Grenze. Ich werde mal überlegen, ob mir ein Trank einfällt. Aber manche Dinge sind auch mit Tränken nicht heilbar." Wie der Tod.



Sie erinnert sich an den Herbstausflug, als sie versehentlich den Zauber wirkte, der für eine Weile die Schmerzen vergessen ließ. Wenn sie doch nur wüsste, was das für Magie gewesen war, um das wiederholen zu können. Aber so oder so hielt die Wirkung auch nur ein paar Minuten an. "Und die meisten Zauber, die die eigene Kraft verstärken, sind vorübergehend. Wenn du möchtest, kann ich aber versuchen, etwas zu finden. Auch wenn es nur begrenzt hält ist es ja immer noch besser als nichts."

Sie träufelt ein paar Tropfen des Phioleninhalts nun auf die Kette. Nichts passiert. "Abwehrmagie ist es also auch nicht." Sie wagt es nicht, die Kette selbst zu tragen oder Ambrosius darum zu bitten, auch wenn sie vermutet, dass es keine gefährliche Verzauberung ist. Immerhin trug Viola sie ab und an ohne erkennbare Schäden davon getragen zu haben.

Nachdenklich hört Ambrosius ihren Ausführungen zu. "Es geht mir eigentlich nur um das zittern. Ich hab ja Medikamente, aber leider können die nur das Fortschreiten der Symptome etwas bremsen." Stirnrunzelnd neigt er den Kopf. "Die Probleme beim Laufen sind seit der letzten Dosiserhöhung besser geworden, die Hände nicht." Konzentriert stellt er die Tasse, aus der er eben getrunken hat, auf den Unterteller zurück. "Solltest du auf etwas stoßen, was hilft, bin ich natürlich dankbar, auch wenn ich es nur für ein paar Stunden einsetzen kann oder so." Fragend deutet er auf die Halskette. "Aber mal was anderes. Was ist das eigentlich für eine Kette? Ein Familienerbstück?"



"Ja, allerdings nicht von meiner eigenen Familie. Ein Freund von mir braucht Hilfe. Er wusste bis vor kurzem selber nicht, dass es überhaupt eine Verzauberung gibt."
Aidaria überlegt einen Moment. Wie viel von Viktors Geschichte kann sie ausplaudern? "Jedenfalls hat sein Feind Interesse am Schmuckstück und er will wissen, warum. Was dieser geheime Zauber also überhaupt bewirkt." Sie kratzt sich. "Hilft zumindest, um die Gründe einschätzen zu können." Sie sieht Ambrosius an. "Leider leichter gesagt als getan, wenn es gar keine Hinweise gibt. Und meine Expertise liegt eher bei Tränken, weniger bei Verzauberungen. Das macht es umso schwerer."

Leicht konsterniert zittert Ambrosius die Teetasse zurück auf den Unterteller. "Sein Feind sagst du? Wo um alles in der Welt bist du denn da rein geraten? Das klingt gefährlich." Misstrauisch beäugt er die Halskette, die so unscheinbar wirkt und doch dunkle Geheimnisse zu bergen scheint. "Sicher gibt es auch dunkle Magie...oder? Es gibt immer eine lichte und eine finstere Seite, egal worum es geht." Er krault nachdenklich seinen Bart. "Pass bloß gut auf. Ich kann dir vermutlich nicht helfen, wenn hier irgendein Fluch oder sowas frei gesetzt wird.."

"Ich bin vorsichtig
.", verspricht Aidaria, "Und es besteht keine Gefahr mehr von dem Typen. Der sitzt hinter Gittern." Sie verschweigt die Details und macht eine Pause. "Aber ja, es gibt nicht nur helle Magie." Fast schon, als tut es ihr leid, ein dunkles Thema angeschnitten zu haben, fügt sie schnell hinzu: "Vielleicht kann ich dir bei deinem Zittern helfen. Mir fällt grad ein, dass es so einen Trank gibt. Hab darüber in nem Buch gelesen." Das stimmt. Viola und Lucía hatten ihr einmal ein Buch über Zaubertränke mitgebracht und dort, wenn sie sich richtig erinnert, hat sie was darüber gelesen.



"Es gibt noch eine Sache, die ich bei der Kette ausprobieren würde, bevor ich damit Pause mache, und dann würde ich mich dem Trank widmen, wenn du willst." Sie lächelt. "Wenn du mir jetzt mal die gelbe Phiole reichen würdest, mach ich den letzten Test für heute."

"Hm.
" Das Angebot klingt verlockend- endlich wieder Hemdknöpfe schließen und sich selbst rasieren können. Schachfiguren aus erste Mal dort platzieren, wo man sie haben möchte und nicht die Hälfte der anderen dabei umwerfen...allerdings mit Hilfe von Magie. Das ist ein wenig furchteinflößend, zugegeben. Ambrosius wirft Aidaria einen langen Blick zu, dann nickt er bedächtig. "Einen Versuch wär's doch wert, oder?", sagt er mutig und übergibt ihr die goldgelb glitzernde Phiole mit unbekanntem Inhalt. "Was befindet sich eigentlich in diesen Fläschchen?" Jetzt hat ihn die Neugier am Wickel.

"Zaubersprüche in Flaschen.", erklärt die Magierin, "Normalerweise zum Trinken gedacht, nicht für Tests, aber die Magie, die in diesen Phiolen steckt, lässt sich auch dafür zweckentfremden. Der Trank hier..." sie hebt die goldene Phiole hoch, "dient zum Beispiel zur Verwandlung in einen Kanarienvogel. Wenn die Kette also entweder vor Verwandlungen schützen soll, oder die Magie so etwas ermöglicht, müsste sich eine Reaktion zeigen. Und dann kann ich weiter eingrenzen." Sie tröpfelt ein paar Tropfen drauf. Und stellt enttäuscht fest, dass nichts passiert. "Gut, zumindest wissen wir jetzt, dass der Zauber nichts mit Verwandlungen zu tun hat.", seufzt sie.

Sie legt alles zur Seite. "Aber nun wie versprochen zu deinem Problem." Sie holt das Buch hervor, blättert die Seiten durch.. bis sie die Gewünschte findet. "Trank des Lebensglück." Sie lässt ihn mit über die Schulter schauen. "Ist nicht speziell für Parkinson, aber hier steht ja: Kann vorrübergehend bei Altersbeschwerden helfen." Sie sieht ihn an. "Die Zutaten sehen auch so aus als könnte ich sie vorrätig haben. Bist du bereit es zu versuchen?"

Gerade noch fasziniert von all den neuen Informationen, die Aidaria ihm preis gibt, wirkt ihre Frage etwas ernüchternd auf Ambrosius. "Jetzt sofort?" Suchend überfliegt er die Seite in ihrem magischen Buch, kann aber mit dem Geschriebenen nicht viel anfangen. Fremdartige Worte und Schriftzeichen wechseln sich mit Fachbegriffen ab und wirbeln im Gehirn des Seniors wie ein Schwarm tanzender Mücken. "Also..jaaa..ja, ich versuch's. Ich vertrau dir." Mit seinem Lächeln versucht er Zuversicht auszustrahlen, aber der Ausdruck in seinen Augen bitte eher Aidaria darum, ihm diese zu vermitteln.

Aidaria beginnt. Der große Kessel steht zwar in Glimmerbrook, nicht hier, aber für kleinere Mengen hat sie sich einen kleineren Zauberkessel organisiert. "Ich freue mich jedenfalls über die Abwechslung!", sagt sie, während sie die Zutaten dort hineinfallen lässt, "ich habe nicht Viktors Konzentrationsfähigkeit auf lange Sicht." Sie lächelt. "Der besagte Freund. Wenn der sich auf etwas fokussiert, beißt er sich daran fest und lässt sich nicht ablenken. Aber ich für meinen Teil brauche irgendwann auch mal etwas anderes. Wird ja sonst langweilig."



Bald nimmt der Trank eine gräuliche Farbe an. "Die meisten Zutaten sind einfach zu besorgen. Bis auf Tränensalbei. Das ist selten. Aber für diesen Versuch habe ich noch was übrig." Nach ein paar Minuten ist der Trank fertig und Aidaria füllt eine Phiole ab, die sie Ambrosius überreicht. "Denke nur daran, dass die Wirkung nur vorübergehend ist. Wie lange es anhält, lässt sich schwer voraussagen. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Aber du wirst es ja merken."

Argwöhnisch hält Ambrosius das Fläschchens gegen das Licht. Nichts. Eine undurchdringliche, trübe Brühe. Tränensalbei.. wird er dann statt zittern nur noch heulen und schluchzen? Verschiedene Faktoren..auch nicht viel beruhigender. Tief aufatmend senkt er den Arm wieder, löst mit einem leisen Plopp den Verschluss und gestikuliert ein 'Prost' in Richtung Aidaria, ehe er entschlossen den Trunk an die Lippen setzt und schwungvoll den Kopf in den Nacken legt. "Pffftthpfff!"



Keuchend schluckt Ambrosius einen Teil des Gebräus und prustet den anderen in einem feuchten Tröpfchenregen über Tisch, Halskette und Aidarias Kleidung. Gepresste Laute und heiseres Husten wechseln sich kurzzeitig ab, dann dringt ein fast stimmloses 'Tschuldigung' aus seiner Kehle, gefolgt von einem weiteren Hustenanfall. Ambrosius stürzt den Rest Tee aus seiner Tasse hinunter und fängt sich schließlich schwer atmend wieder. "Dass das Zeug scharf wie die Hölle ist, hast du mir verschwiegen.", sagt er mit belegter Stimme und muss unfreiwillig grinsen. "Es tut mir sehr leid...chhhhcchhh...schlimmer als Chillie". Er zieht ein großes Stofftaschentuch aus der Hosentasche, tupft sich die tränenden Augen, schnäuzt einmal geräuschvoll und knüllt es wieder zurück in die Hose. Sein jetzt wieder klarer Blick bleibt an der Halskette hängen. "Oh, sieh mal Aidaria." Sein Zeigefinger weist auf das Schmuckstück ohne auch nur im geringsten zu beben. Das fasziniert ihn genauso, wie die Veränderung, die sich an dem magischen Objekt zeigt.

Zuerst fällt Aidaria in ein lautes Lachen. "Also meine Klamotten sind nicht altersschwach!", sagt sie mit einem Schmunzeln, "Die brauchen das nicht..." Erst als Ambrosius sie darauf aufmerksam macht, fällt ihr Blick wieder auf die Kette, und sie aus allen Wolken. "Oh wow!" Das Schmuckstück zeigt zarte, leuchtende Linien, wie kleine bläuliche Blitze, die zweifellos magischer Natur sind.

"Das war nicht gerade ein Trank, bei dem ich eine Reaktion erwartet hätte.", murmelt Aidaria erstaunt. Aufgeregt mustert sie das Schauspiel. Bis die Linien einige Zeit später wieder verblassen, als die Tropfen eintrocknen. "Eine Kette gegen Altersbeschwerden?" Lohnt es sich deshalb zu morden? Da muss mehr dahinter stecken. Aber es ist ein Anfang. "Wir sind auf dem richtigen Weg!", lächelt sie, bevor sie Ambrosius mustert. "Jetzt weiß ich zumindest eine grobe Richtung." Erleichtert, endlich Fortschritte gemacht zu haben, fällt ihr erst jetzt verspätet ein, dass es auch anderes gibt. "Wie fühlst du dich denn mit dem Trank?", hakt sie nach.

"Durchgewärmt vor allem.", schmunzelt Ambrosius, dann lehnt er sich nach vorne und greift behutsam nach der leeren Tasse. Sein Zeigefinger legt sich um den schmalen Porzellanhenkel, der Daumen stützt mit und wie selbstverständlich führt der ältere Herr das Trinkgefäß an seine Lippen. "Schau.", sagt er in andächtigem Tonfall. "Weißt du wie lang das her ist, dass ich das konnte? Es ist ein Wunder." Er erinnert sich an die Worte der Magierin. "Was für Faktoren beeinflussen denn die Dauer der Wirkung?"



Die Magierin freut sich, dass es gewirkt hat. "In erster Linie die Qualität der Zutaten.", erklärt sie, "und die war eigentlich gut. Ein weiterer Aspekt ist, wie viel von dem Trank getrunken wurde. Und was ebenfalls ein Faktor ist, ist das Individuum selbst. Manche Leute sind anfälliger für magische Veränderungen als andere. Das betrifft nicht nur die Magie aus den Tränken, sondern auch Zauber an sich." Sie verzichtet darauf, Vampire zu erwähnen und dass es auch bei ihnen Unterschiede gibt, wie stark sich der Körper nach der Verwandlung verändert. "Das ist bei Tränken aber nicht gefährlich, sondern ändert nur die Wirkungsdauer."

Sie wirft noch einen Blick auf die Kette, die nun wieder ganz ruhig da liegt, ohne Anzeichen von Magie. Doch sie hat eine Idee, was sie als nächstes testen könnte.

Anfällig für magische Veränderungen. Da gehör ich dann wohl dazu "Aidaria, ich muss jetzt ganz unhöflich sein und dich ohne weitere Umschweife verlassen." Ambrosius steht auf und drückt der Magierin herzlich die Hand. "Ich möchte einmal wieder unbeschwert Schach spielen. Vielleicht ist Chris im Dienst und hat Zeit für eine Partie." Er greift nach seinem Rollator und geht zur Türe. "Du hast mich sehr glücklich gemacht heute, ich werde mich revanchieren nach Möglichkeit. Danke Aidaria." Er winkt ihr noch kurz und verlässt freudig aufgeregt die Wohnung. Heute wird er ohne Einschränkungen jemanden Schach matt setzen, das ist sicher.

In Zusammenarbeit mit @simscat2

>>> Aidaria geht nach Forgotten Hollow Nr. 4 - Villa Blutrose (22) >>>
>>> Ambrosius geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>


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27.08.2025 19:16 (zuletzt bearbeitet: 03.09.2025 15:43)
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Bücherstapler

<<<Jarred komm von Brindelton Bay- 5<<<

Charaktere Jarred, Avaluna
Geschichtsstrang: Smaragd trifft auf Bernstein

Ava geht schwereren Schrittes als gewöhnlich. Die Nachricht, dass ihre einst so freche und lebensfrohe Großmutter bald ein Heim benötigen könnte, lastet schwerer auf ihrem Herzen, als sie anfangs geglaubt hat. Der Gedanke nagt an ihr, und die vertraute Heiterkeit weicht einer ungewohnten Schwermut.
Als sie in ihrer Tasche zu kramen beginnt, auf der Suche nach ihrem treuen Jolly, achtet sie für einen Augenblick nicht auf das, was um sie herum geschieht. Sie hat ihn für alle Fälle griffbereit gehalten – und gerade jetzt könnte sie ihn gut gebrauchen.
In eben diesem Moment öffnet ein fremder Mann die Tür, nach der Ava gerade greifen will. Erschrocken gleitet ihr der Jolly aus den Fingern und rollt, beinahe übermütig, direkt vor die Füße des Unbekannten.
Mit einem frechen Grinsen hebt Ava den Kopf. "Ups", meint sie verschmitzt, "das ist sonst gar nicht meine Art, etwas so Wertvolles fallen zu lassen



Freundliche, hellgrüne Augen schauen auf sie herunter, die sofort von einem warmen Lächeln eingerahmt werden. "Verzeihung." Gerade noch gedanklich abwesend, ist nun Jarreds ganze Aufmerksamkeit bei der unbekannten Frau, so dass er erst im zweiten Moment den Blick auf das Objekt vor seinen Füßen senkt.
Sein Arm hält die Tür weit geöffnet, als er sich auf ein Knie herunter stützend, niederhockt, um den Wertgegenstand aufzuheben. Kaum merklich zuckt eine Braue nach oben, als er erkennt, was er hier zwischen den Fingern hält. Vielleicht wäre das die Lösung seiner Sorgen. Schmunzelnd über diesen Gedanken schleicht sich das linke Grübchen in seine Wange. Nein, das würde nur den Moment verschleiern, nicht aber irgendwelche Situationen ändern. "Was wären wir ohne Ausnahmen?" Ihren verschmitzten Blick warmherzig haltend reicht er ihr den Joint, ohne eine Spur von dem, zu hinterlassen, was er von diese Art der Entspannung halten könnte.
Avalunas bernsteinfarbene Augen treffen auf das helle Grün der seinen – Augen, die sie augenblicklich an geschliffene Smaragde erinnern. Für einen Moment ist sie wie gebannt, als sei es das Schönste, was ihr seit langer Zeit begegnet ist. Doch überrascht von seiner unverhofften Höflichkeit legt sich ein Anflug von Skepsis auf ihr Gesicht, als wäre er nicht von dieser Welt. Schließlich nimmt sie den Jolly dankend entgegen und steckt ihn rasch fort – zu viel Aufmerksamkeit für ein so kleines Stück Habseligkeit.
Um die Stille zu überbrücken, zündet sie sich stattdessen eine gewöhnliche Zigarette an. Mit einem schelmischen Zug streckt sie ihm die Schachtel entgegen. "Rauchen Sie? Als Dank würde ich Ihnen eine anbieten."
Noch ehe er antworten kann, drängt sich eine junge Frau mit einem schreienden Kind auf dem Arm heran. Ihr genervter Blick trifft die beiden, die den Eingang versperren. "Wäre es zu viel verlangt, wenn man hier nicht im Weg herumsteht?"faucht sie.
Avaluna jedoch lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit gelassener Miene tritt sie zur Seite, stellt sich neben den Fremden und lässt die Frau passieren. Die Tür fällt hinter ihr scheppernd ins Schloss. Ein freches Grinsen huscht über Avalunas Lippen. "Das sind Szenen, die ich nur zu gut kenne", meint sie leichthin. "Die Menschen hetzen sich viel zu sehr. Offenbar hat heute keiner mehr Zeit." Mit einem Schulterzucken tut sie die Begegnung ab, als wäre es nichts weiter als ein beiläufiges Schauspiel des Alltags.



"Danke.", schüttelt Jarred leicht den Kopf. Wieder lugt das Grübchen unter dem gepflegten Drei-Tage-Bart hervor.
Das lautstarke Brüllpaket vollkommen wertfrei betrachtend, tritt er, noch immer die Tür offen haltend, mit einem aufrichtigen "Entschuldigung." beiseite. Unachtsam rauscht Mutter mit Anhang hindurch, wobei sie herrisch an der Tür zieht, damit "die scheiß Hitze nicht rein kommt".
Ich auch, denkt Jarred nach dem Kommentar der Raucherin, doch er sagt nichts. Sein Gesicht bleibt freundlich und geduldig, so wie er es gelernt hat. Das schuldbehaftete Stechen in der Brust, ist ihm nicht anzumerken. "Manche Sims sind Opfer ihres Alltags. Das muss nicht ihre Schuld sein.", entgegnet er friedfertig. Einen Atemzug lang schweigt er, beobachtet die feinen Züge des Gesichtes seiner Gegenüber. Wie ihre Wangen sich nach innen wölben, wenn sie am Zigarettenfilter zieht. "Ich habe Sie noch nie hier gesehen.", stellt er beiläufig fest, beinahe, als würde er lediglich einen Gedanken laut aussprechen. Sie sieht aus, wie eine Tänzerin, findet er. Der Gedanke lässt ihn sanft lächeln.
Ein Schmunzeln spielt um ihre Lippen, doch es trägt etwas Fragiles in sich. "Ja, das sind sie … und am Ende landen sie doch hier, oder …" Ava hält inne. Unwillkürlich steigen die Worte der Ärztin in ihr Gedächtnis, der nüchterne Rat, sich bald nach einem Heim für ihre Großmutter umzusehen. Ein Kloß schiebt sich ihr in die Kehle, für einen Augenblick droht die Schwermut zurückzukehren. Doch sie zwingt sich zu einem tiefen Atemzug, als wolle sie das Gewicht von sich abstreifen, und spricht weiter – mit neuer Kraft, fast trotzig gegen die Dunkelheit in ihr.
"Das Leben ist zu schön, um es nur mit Arbeit zu verbringen." Ihre Stimme klingt nun heller, und während sie es ausspricht, spürt sie, wie ein warmer Funke durch sie hindurchgeht. Ihre Augen beginnen zu leuchten, als hätte sie selbst die Sonne in sich entzündet. "Man sollte die Zeit, die man hier auf Erden hat, mit so viel Freude wie möglich füllen. Die Stunden sinnvoll nutzen – sei es, indem man Gutes tut, spendet, damit jenen geholfen wird, die weniger haben, oder durch andere gemeinnützige Dinge. Verstehen Sie?"
Sie hört, wie leidenschaftlich ihre Worte klingen, beinahe zu leidenschaftlich, und doch kann sie sich nicht bremsen. Es ist, als spreche nicht nur ihre Stimme, sondern ihr ganzer Herzschlag. "Das Leben ist so viel mehr als nur Arbeit!" Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, und für einen Moment fühlt sie sich leicht, fast befreit – als könne sie den Schatten in sich übertönen



Doch kaum endet der Satz, spürt sie wieder diese Leere in ihr. Sie nickt auf seine Frage. "Das stimmt. Ich wohne sonst in Sulani und war bisher nur an Feiertagen oder zu ihrem Geburtstag hier. Aber heute ist es anders – und wie es aussieht, stecke ich wohl erst einmal eine Weile fest." Ein Schatten huscht über ihre Züge, leise, fast unbemerkt.
Sie richtet sich auf, zwingt ein neues Lächeln hervor. "Ich hoffe nur, dass ich bis zum Festival wieder zurück in Sulani bin." Während sie das sagt, hebt sie den Blick. Ihre bernsteinfarbenen Augen suchen die seinen, tasten sich vorsichtig an das Grün, das ihr so fremd und doch so vertraut erscheint.
"Sie sind nicht zufällig ein Handwerker? Oder kennen sich wenigstens mit Hausbooten aus … wo der Motor versagt hat?" Die Frage entweicht ihr schneller, als sie will, beinahe hastig. Ihr Herz schlägt einen Takt schneller. Ein Hauch von Unsicherheit mischt sich in die Hoffnung, die sie in seinen Augen zu lesen versucht. Für einen Moment wünscht sie sich, dass genau dort – in diesem Blick – die Rettung verborgen liegt.
arreds warmes Lächeln breitet sich aus, während sie von der Schönheit des Lebens philosophiert. Wie recht sie hat. Wie schön all das sein kann. Und wie schwer das Leben es einem manchmal macht, diese Wahrheit nicht nur zu erkennen, sondern besonders, sie im Gedächtnis zu behalten. Der Bruch ihres Strahlens entgeht ihm nicht und so ist schnell klar: Unter der Begeisterung schlummern ganz andere Dinge. Erfahrungen, vielleicht Verluste, der Schmerz eines erfüllten Lebens.
Ein Seufzen unterdrückend ringt er den Drang nieder, sie mit Fragen zu löchern, um zu verstehen, welche Art von Trost ihre Seele sucht. Dies ist weder der Ort noch der Zeitpunkt, um Fremden Hilfsbereitschaft aufzudrängen.
Aufmerksam lauschend und bedächtig nickend stimmt er ihren Worten zu. Sie spiegeln wieder, was er Alma schon oft versuchte, zu vermitteln. Ja, das Leben macht es einem nicht immer leicht, es zu lieben. Einen kurzen Moment ziehen seine Gedanken Kreise zu der Frau, die er so sehr liebt und für die er so wenig tun kann. Das Leid, das ihre Familie ereilt hat, hinterlässt jeden Tag Spuren in ihr, in ihm und in ihrer Beziehung. Nichts ist, wie es war. Nichts wird bleiben, wie es ist. Geduld ist gefragt. Geduld und das Vertrauen, dass es eines Tages nicht mehr so entsetzlich schmerzen wird.
Als hätte man ihn bei einem kindlichen Streich ertappt, lacht Jarred leise, senkt kopfschüttelnd den Blick. "Nein, ich bin kein Handwerker. Und Hausboote", verlegen schaut er auf, "kenne ich nur aus dem Fernsehen. Aber ich habe schon Motoren repariert. Allerdings waren das eher einfache Geräte mit simplen Problemen." Vor einer Woche brachte ihm eins der Kids mit tränennassem Gesicht das ferngesteuerte Modellflugzeug. Das hatte er gerade so retten können. Er war der Held des Tages gewesen. "Wo liegt denn Ihr Boot?", fragt er mit offenem Blick.



Avaluna bemerkt sein warmes Lächeln – und es trifft sie tiefer, als sie es zugeben würde. Ein unwillkürlicher Gedanke schiebt sich zwischen ihre Worte, während sie spricht: Manchmal muss man einfach stehen bleiben. Sei es, um die zarten Blüten einer Pflanze zu bewundern… oder um sich für einen Atemzug länger in Augen zu verlieren, die einen fesseln".
Und da sind sie wieder – diese Augen. Grün wie flüssiger Smaragd, so klar, dass sie glaubt, in ihnen mehr erkennen zu können als nur Spiegelungen. Für einen kurzen Moment verliert sie sich darin, lässt sich treiben in diesem stillen Ozean. Dann reißt sie sich los, zieht kräftig an ihrer Zigarette, als wolle sie die flackernde Unruhe in ihrer Brust mit Rauch ersticken. Mit einem leisen Knacken erlischt der Stummel im Aschenbecher.
Sie sieht wieder zu ihm, blinzelt, genau in dem Augenblick, als die Sonne sich durch die schwere Wolkendecke schiebt und ihr Licht über sein Gesicht legt. Er verneint ihre Frage. Ein kleiner Stich – aber sie zwingt sich zum Lächeln, aufmunternd, vielleicht auch ein wenig trotzig. Murmelt leise:"War ja klar. Zu schön, um wahr zu sein." Laut sagt sie: "Aber ich werde schon noch einen finden.“ Mit einem Achselzucken hebt sie ihr Handy hoch, schüttelt es wie eine Trophäe. "Es lebe die Technik!“ Ein Lachen bricht aus ihr hervor, hell, fast unbeschwert. "Im Fernsehen zeigen sie immer diese ultraluxuriösen Modelle. Da kann meine Trudy nicht mithalten.“
Ihre Stimme wird fester, ihre Augen beginnen zu leuchten, als sie sagt: "Aber Trudy ist mein Heim. Sie ist Freiheit. Mein ganzes Leben steckt in ihr – die Weite, das Nicht-Einsperren-Lassen.“ Dieses Strahlen in ihrem Gesicht, sie fühlt es selbst, als würde ihr Inneres nach außen brechen.
Dann ein kleiner Seufzer, ein Schulterzucken. "Von Technik hab ich sowieso keine Ahnung. Motor ist Motor, oder? Und kaputter als jetzt kann sie ja kaum noch werden.“ Ein trockenes Lächeln huscht ihr über die Lippen. "Es ist ein Wunder, dass sie überhaupt noch läuft"
Schließlich erwähnt sie fast beiläufig: "Gerade steht Trudy im Hafen von Evergreen Harbor.“ Ihre Nase rümpft sich im selben Moment. Diese Luft… stickig, dreckig, als würde man jeden Atemzug durch einen Filter aus Rost ziehen. Laut sagt sie: "Widerlich dort. Hoffentlich kann ich bald weiterziehen.
Das freundliche Lächeln haltend schiebt Jarred das dumpfe Ziehen im Brustkorb weit nach hinten, als sie wenig begeistert vor sich her murmelt. Wieder nicht gut genug. Hatte er sich bis vor wenigen Minuten anhören müssen, dass seine Frisur die einer rebellierenden Göre sei, ist nun sein Angebot, sich dem Problem der jungen Frau trotz fehlender Kenntnisse zu widmen, nichts weiter als einen herabwürdigenden Kommentar wert. Den emotionalen Fußtritt zu all dem anderen Ballast drängend, lässt er dank jahrelanger Übung nichts davon erkennbar nach außen schimmern. Gerade, als er diesen Kloß hinuntergewürgt hat, folgt der nächste Schlag in die Magengrube: "Widerlich dort." Dabei ist Evergreen Harbor tatsächlich kein besonders schöner Ort. Aber eben ein bezahlbarer. Jetzt, wo Alma bei ihm wohnt - endlich gibt sie es offen zu - sind die Kosten noch weiter gestiegen. Nicht nur, dass sie kein Geld in den Haushalt einbringt - sie besteht auf ihr tägliches Entspannungsbad, statt zu duschen, trinkt gern und viel von seinem Wein und ist nicht zurückhaltend, was ihre Mahlzeiten angeht. Doch zu all dem sagt er nichts. Wie könnte er das? Alma ist nicht unbedingt kritikfähig und mit jeder Auseinandersetzung steigt in ihm die Sorge, sie könnte ihm den Rücken zuwenden. Gerade nach dem faniliären Schicksal ist sie emotional instabil und obwohl er großes Verständnis für sie hat, wagt er an manchen Tagen kaum, den Mund zu öffnen.
In seinem Geist nach Lösungen suchend, kann er wenigstens einen Gedanken verbalisieren: "Ich bin vielleicht kein Fachmann,", setzt Jarred erneut an, sein Blick hebt sich unter den Brauen zu dem Gesicht der Vielleicht-Tänzerin, "aber ich bin geduldig und prinzipiell nicht ungeschickt. Ich könnte es versuchen und wenn ich nichts ausrichten kann, besorgen wir Ihnen einen besseren Mann." Verlegen über seine eigene Wortwahl schmunzelt er klangvoll. Eine Hand im Nacken versucht, die Peinlichkeit des Moments aus den Poren zu wischen.
Er räuspert sich vernehmlich und fügt an: "Ich meine, ich sehe es mir gerne an.
Avaluna betrachtet den gedankenverlorenen Mann aufmerksam. Mit einem Mal spürt sie, dass ihn etwas belastet – oder hat sie etwa etwas Falsches gesagt? In ihr regt sich eine unbändige Neugier, gepaart mit diesem leisen Drang, zu helfen. Sie wollte ihn lachen sehen, wollte, dass er glücklich war. Doch wie sollte sie das bei einem Fremden anstellen, dessen Sorgen sie nicht einmal kennt?
Als er schließlich zustimmt, sich die alte Möhre“anzusehen, hellte sich ihr Gesicht sofort auf. Bevor sie sich bremsen kann, umarmt sie ihn kurz. Ein Hauch ihres milden Parfüms – nach Kokos und Vanille – schwebt in die Luft. Fast genauso schnell lässt sie ihn wieder los, bleibt aber dicht bei ihm stehen.



"So machen wir das! Und ich werde Sie gut bezahlen, egal ob der Motor danach schnurrt oder weiter stumm bleibt. Da gibt es auch kein Wenn und Aber! Immerhin nehme ich Ihre Zeit in Anspruch.“
Mit einem Schritt zurück streckt sie ihm strahlend die Hand entgegen. "Ich bin Avaluna! Aber Ava oder Luna reicht auch – suchen Sie es sich aus! Und es wird mir eine Ehre sein, wenn Trudy das erste Hausboot ist, das Sie live und in voller Farbe sehen werden.“ Neckisch zwinkert sie ihm zu.
Überrascht lacht Jarred auf, als der warme Körper sich an ihn wirft. Der Duft steigt ihm in die Nase und er weigert sich keine Sekunde, ihn aufzunehmen. Verlegen lächelnd folgen seine Augen ihrer Bewegung zurück in die vorige Position, weiten sich dann, als sie beginnt, über Geld zu sprechen. "Nein, das ist doch nicht nötig." Entschieden winkt er ab. "Eine Tasse Kaffee und ein nettes Lächeln reichen vollkommen aus." Das Grübchen blitzt auf, in seinem Blick ruht aufrichtige Wärme. "Jarred." Mit kräftigem Händedruck erwidert er ihre Geste. "Die Ehre ist ganz meinerseits. Aber das erfordert dringend einen Wechsel vom Sie zum Du
Avaluna ist überrascht, dass der Fremde nicht ausweicht. Viele Sims empfinden ihre spontane Nähe oft als zu viel, doch sie selbst ist offen, frei, beinahe ungestüm in ihrer Herzlichkeit. Dass er das Geld nicht annehmen würde, hat sie sich schon gedacht. Deshalb macht sie auch gar kein großes Aufheben darum.
Stattdessen fesseln sie seine Augen – tiefhellgrün, smaragdgleich, und in diesem verlegenen Blick liegt etwas, das sie unwillkürlich in den Bann zieht. Ein warmes Lächeln huscht über ihre Lippen.
"Jarred also!“ Sie lacht leise, nickt zustimmend und erwidert spielerisch: "Unbedingt – ich lasse keine Fremden auf mein Boot! Also, Jarred, schön dich kennenzulernen. In welche Richtung musst du eigentlich? Wollen wir ein Stück zusammen gehen? Dieses Gebäude hier … es bereitet mir irgendwie Unbehagen.“



Ein letztes Mal auf den Eingang zum Shady Pines schauend, hebt sich Jarreds Mundwinkel. Obgleich er sich dafür schämt, kann er ihre Aussage nachvollziehen. Jede Woche plagen ihn metaphorische Schweißausbrüche, wenn er her kommt - und tiefe Schuld, wenn er wieder geht. "Ich muss zum Bus." Ein flüchtiger Fingerzeig deutet an die rechte Straßenseite, kurz verharrt er, sein Blick stockt vielsagend, bevor die Verlegenheit in seine Mimik einzieht. "Nach ... Evergreen Harbor." Leise lachend setzt er sich in Bewegung - langsam, so dass sie unwillkürlich an seiner Seite bleibt. "Warum Unbehagen?", fragt er mit verständnisvoller Zurückhaltung. "Wenn es nicht zu aufdringlich ist, danach zu fragen
Sie geht dicht an seiner Seite, ihre Schritte im gleichen Rhythmus wie die seinen. Der Wind spielt mit einer Strähne ihres Haares, kühlt ihre Haut – nach den drückenden Tagen fühlt es sich fast wie eine Befreiung an. Sie schließt für einen Moment die Augen, atmet tief durch. Wie anders dieser Tag wirkt, jetzt, wo jemand neben ihr geht. Als Jar Harbor erwähnt, huscht ihr ein Lachen über die Lippen, leicht, um die Schwere der letzten Gedanken zu vertreiben. "Ups ich wollte wirklich nicht dein Zuhause beleidigen. Ich hoffe, deine Lungen machen das alles gut mit?“ Ihre Augen wandern zu dem glänzenden Chrom ihres Motorrads, und sie spürt, wie ein schelmisches Funkeln in ihr aufsteigt. "Weißt du … ich könnte dich ja mitnehmen– wenn du fahren kannst würde ich dich auch fahren lassen. Sie schnurrt wie eine Biene. Was meinst du? Der Fahrtwind ist einfach herrlich, er macht den Kopf frei.“Sie geht langsamer, als wolle sie den Moment ausdehnen, bis das Motorrad in Sicht kommt. Seine Frage lässt ihr Lächeln erlöschen
Ihr Blick wird ernst, die Stimme leiser. "Ehrlich gesagt … es fühlt sich für mich an wie ein Gefängnis. Entscheidungen, die dir abgenommen werden, fremde Gesichter, die kommen und gehen, und du bist mittendrin – eingepfercht. Keine Freiheit, keine wirkliche Wahl. So zu leben … nein, das könnte ich nicht.“Bei der Erinnerung an ihre Oma zieht sich etwas in ihrer Brust zusammen. Sie nickt nur, fast mechanisch."Ja … meine Oma. Wenn sie wirklich wüsste, wo sie ist … sie würde toben. Aber sie ist nicht mehr klar bei Verstand. Wir müssen jetzt ein Heim finden, das passt. Morgen … morgen wird ihr letzter Geburtstag hier sein.“ Die Worte klingen schwerer, als sie wollte, und für einen Augenblick kämpft sie gegen die Traurigkeit, die sich einschleicht.Dann hebt sie den Blick zu Jarred, sucht seine Augen, fast verzweifelt nach einem Funken Leichtigkeit. "Sag mal … wie feierst du Geburtstage? Vielleicht kann ich mir ja ein bisschen Inspiration holen. Ich will, dass morgen für sie ein schöner Tag wird – egal, wie viel sie noch davon begreift



In sich hinein schmunzelnd richtet Jarred den Blick auf den Weg vor sich. Vom Gebäude bis zur Haltestelle - das ist für gewöhnlich die Strecke, die er nutzt, um tief durchzuatmen, wenn er den Besuch bei seiner Mutter hinter sich gebracht hat. Die dunklen Gefühle zu vergraben, um wieder der allzeit angenehme Sim zu werden, den sein Umfeld kennt und schätzt. Weil er niemanden mit seinem wirklichen Ich belasten will - mit all den trüben Gedanken und Sorgen.

"Ist es eine Beleidigung, wenn es die Wahrheit ist?" Mit einem Blick, der deutlich macht, dass sie beide die Antwort kennen, schaut er auf. "Bisher erfreue ich mich bester Gesundheit.", hängt er leise lachend an.
Anstatt zur Haltestelle zu gehen, schwenkt er zu ihrem Gefährt um, weil sie ihn ganz natürlich mit sich führt. Beeindruckt betrachtet er das Fahrzeug. Vor einigen Jahren, in Übersee, hatte er ein Bike. Damals waren seine Finanzen deutlich stabiler gewesen als dieser Tage. "Eine schöne Maschine.", nickt er mit erhobenen Brauen. "Ich habe lange nicht auf einem Bock gesessen. Das ..." Ihr Angebot hallt ihm verlockend durch die Gedanken. "Nein,", schüttelt er verhalten den Kopf, wie jemand, der eine Geschichte nicht wahrhaben will, "das kann ich ..." Seufzend bricht er ab. Ohne es zu merken legt er die Hände ineinander, um die vor Aufregung kribbelnden Finger zu massieren.
Mit entschiedener Geste und vielsagendem Blick reicht sie ihm den Schlüssel und treibt Jarred damit einen kindlichen Glanz in die Augen. Freudestrahlend schluckt er die aufkommende Nervosität herunter, als seine Finger den Schlüssel annehmen.
Den Helm aufsetzend lauscht er ihren Gedanken über das Shady Pines. "Ich kenne einige solcher Einrichtungen.", nickt er verstehend. "Diese hier", sein Blick wendet sich kurz zum Gebäude, dann wieder zu Avaluna, "gibt den Bewohnern so viele Freiheiten wie möglich. Es ist weniger ein Heim, als ein betreutes Wohnen. Die Mieter hier leben ungewöhnlich selbstbestimmt." In Erinnerung an die anfänglichen Gespräche mit seiner Mutter, zieht die Suche nach den richtigen Worten sein Augenmerk zum Boden, als könne er dort Antworten auf nicht gestellte Fragen finden. "Natürlich kommt es auf den Einzelfall an. Als meine Mutter sagte, sie will in eine Einrichtung ziehen, war ich auch nicht begeistert. Aber es ist wirklich die beste Adresse für alle, die Unterstützung benötigen. Egal ob physisch oder psychisch." Er hebt den Blick, aufbauende Ehrlichkeit leuchtet ihr entgegen. "Loslassen ist immer schwierig." Damit kennt er sich wesentlich besser aus, als mit Motoren. "Ich finde es wundervoll, dass du ihr Freude schenken willst. Niemand kann sagen, was davon wirklich ankommt." Einen kurzen Moment streift ihn der Gedanke, sich daran ein Beispiel nehmen zu können.
Denn tief im Inneren - wenn er ehrlich zu sich selbst ist, weiß er es - sucht er doch, zumindest bei seiner Mutter, nur nach Anerkennung, anstatt Wünsche aus Selbstlosigkeit und Nächstenliebe zu erfüllen. Wie erbärmlich ist das...?!
"Geburtstage...", murmelt er gedankenversunken. Noch immer ist sein Ausdruck ungebrochen weich. "Ich habe immer geglaubt, dass das Geburtstagskind wie ein König gefeiert werden sollte." Warm lacht er auf. Es klingt albern, wenn man es so sagt. [b]"Ich meine, er sollte tun und lassen dürfen, was er will. Wir alle sind irgendwo Kind geblieben.", erklärt er, Avaluna jetzt wieder einen tiefen Blick schenkend. "Ich kann mir nicht vorstellen, das irgendwer keinen Spaß daran hat, Kind sein zu dürfen. Vollkommen urteilsfrei auf die Art und Weise, die das Geburtstagsherz erwärmt. Tun, was man liebt. Lieben, was man tut." Bekräftigend nickt er, als er seine Worte in Gedanken noch einmal Revue passieren lässt. "Ja. Ich würde ihr erlauben, Kind zu sein und konsequenzlos Spaß zu haben." Das Lächeln in seinem Gesicht wird breit und strahlend, so dass es sein ganzes Wesen einnimmt - bis es einem ernsteren Ausdruck weicht. Sein eigener Geburtstag wird dieses Jahr wohl wieder mal mau ausfallen. Er würde niemals von Alma verlangen, ihn zu bespaßen, während ihre eigene Welt zusammenbricht. Doch das ist schon okay. Er feiert seinen Tag seit Jahren nicht mehr ausgelassen. "Bei mir wird es eher ruhig werden. Aber für deine Oma ..." erneut nickt er, das Lächeln nimmt wieder zu, "ein Kindergeburtstag. Mit viel Naschen, Topfschlagen und Schokolade auspacken." Jetzt endlich zieht er den Gurt des Helmes unter dem Kinn fest und steigt aufs Motorrad, wartend, dass Avaluna hinter ihm Platz nimmt.
Ava bemerkt den kindlichen Glanz in seinen Augen – und er gefällt ihr. Viel mehr als der nachdenkliche Ausdruck, den er eben noch getragen hat. "Ja, die Einrichtung ist toll,“ sagt sie leise, „aber meine Oma hatte dort ihr Pflegepersonal. Sie kamen morgens und abends, um ihr beim Waschen zu helfen. Solange sie noch selbständig kochen konnte, war es kein Problem, dass sie dort lebte.
Sein Vorschlag reißt sie aus der Erinnerung. Mit strahlenden Augen klatscht sie begeistert in die Hände. "Das ist eine hervorragende Idee! Das werde ich unbedingt ausprobieren. Morgen soll sie noch einmal Königin sein dürfen!“ Sie lacht herzlich und fügt hinzu: "Mir gefällt deine Art zu denken. Wir alle sind im Herzen große Kinder – und du hast so recht damit!"
Kurz verliert sie sich in seinem Anblick, als sein Lächeln breiter wird und seine Augen einen besonderen Glanz annehmen. Ihr Herz macht einen kleinen Sprung vor Freude, doch dann verfinstert sich ihre Miene bei seinen nächsten Worten – dass sein eigener Geburtstag ruhig wird. Entschlossen greift sie nach seiner Hand, sieht ihn ernst an. "Er muss nicht ruhig werden. Wann hast du Geburtstag? Ich schwöre, ich organisiere dir eine unvergessliche Party. Wenn du mich machen lässt, wird das ein Tag, den du nie vergisst."
Als er sich schließlich den Helm aufsetzt und auf ihrer Maschine Platz nimmt, bleibt ihr für einen Moment die Luft weg. Das Sonnenlicht spielt auf seinen Konturen, und plötzlich findet sie ihn heiß – so richtig heiß. Ihre Augen verharren unwillkürlich auf seinem Hintern, und bevor sie sich bremsen kann, beißt sie sich auf die Lippe. Diese ungeahnte Reaktion überrascht sie selbst, doch sie fängt sich schnell wieder.
Mit einem entschlossenen Ruck setzt sie ihren Helm auf, steigt hinter ihm auf und rutscht so nah heran, dass ihr Körper fest an seinen gepresst ist. Die Wärme, die von ihm ausgeht, kribbelt über ihre Haut und löst etwas in ihr aus, das sie kaum unter Kontrolle hat. Sie legt die Arme um seinen Bauch, presst sich fester an ihn.
"Also,“ haucht sie mit einem frechen Lächeln, "los geht’s! Drück auf die Tube – und lass das Baby schnurren.
Avaluna drückt Jarreds Hand, als würde sie ihm ihr ganzes Inneres zuteil werden lassen. Trocken schluckt er, überrascht und gerührt von dieser Geste. Sie kennen sich erst seit einigen Momenten und trotzdem herrscht eine Energie zwischen ihnen, als hätten sie ein halbes Leben miteinander verbracht. "Das ist unglaublich lieb, aber wirklich nicht nötig." Ein unsicheres Lächeln lässt seine Mundwinkel zucken. "Am Sechzehnten. Aber ... Es wäre ...", nach Worten suchend schweift sein Blick zweifelnd ab, "nicht angebracht." Verloren ringt er sich ein Lächeln ab. "Die Familie meiner Freundin macht gerade schwere Zeiten durch. Da könnte ich nicht den Partylöwen mimen. Selbst, wenn ich wollte -", bekräftigend schüttelt er den Kopf, "es wäre nicht richtig." Dankbar für ihre Geste legt er seine freie Hand auf ihre, bevor er sich zurückzieht und der Maschine widmet.
Sie sitzt hinter ihm auf, schmiegt sich fest an ihn und für einen kurzen Moment durchfährt ihn ein sorgenvoller Gedanke. Wenn Alma ihn so sehen würde - das Haus ihrer Eltern liegt nur eine Straße entfernt - in ihrer Verletzlichkeit würde sie falsche Schlüsse ziehen. Die unbeschwerte Offenheit dieser jungen Frau hier bei ihm ... unter Umständen könnte es wie ein Flirt aussehen. Es steht außer Frage, dass Jarred nichts für Avaluna empfindet. Er kennt sie ja nicht einmal. Doch Alma hat schon auf andere Frauen empfindsam reagiert. Eva. Mayve. Stumm seufzend ringt er die aufkeimenden Gewissensbisse nieder und startet den Motor. Es ist nur eine Fahrt auf einem Bike. Da ist nichts dabei. Seine Rechtfertigungen glaubt er sich selbst nicht und so sieht er sich verstohlen nach vertrauten Gesichtern um, was nach außen hin schlicht und ergreifend nach gewissenhaft vorausschauendem Fahren aussieht. Als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan, schaltet er den Gang ein und bringt den Bock ins Rollen.
Verdammt, ist das großartig! Die Geschwindigkeit zu spüren, die Straße, den Fahrtwind. Geschmeidig legt Jarred sich in die Kurven, das Brummen vibriert in seinem ganzen Körper - es ist beinahe wie ein Rausch. Einer, dem ihm sonst nur die Musik geben kann, wenn er die Klänge mit allen Gliedern spürt, mit Haut und Haar, mit Herz und Seele. Ewig hat er es nicht gewagt, sich der Musik hinzugeben, sich von ihr tragen zu lassen, mit ihr und durch sie zu fühlen. Seit Alma heimlich bei ihm einzog - in dem Glauben, es wäre ihm nicht aufgefallen - hatte er sich nicht mehr frei bewegt. Zu groß war die Sorge, sie könnte seine heimliche Leidenschaft belächeln. Und nun, erfährt er ein ganz ähnliches Gefühl während des Tanzes mit der Energie der Straße. Geradezu befreit lenkt er das Bike auf die Schnellstraße, gibt noch etwas Gas und lässt selbstsicher die Landschaft an ihnen vorbei preschen.



Ava sieht ihn eindringlich an, doch in ihrem Blick liegt Wärme. "Das ist äußerst rücksichtsvoll von dir,“ sagt sie sanft. "Aber solltest du dir nicht wenigstens ein paar Stunden Pause gönnen? Gerade an deinem Geburtstag. Man muss Kraft tanken.“ Ihre Lippen umspielen ein leises Lächeln. „Du musst ja nicht feiern oder dich betrinken, als gäbe es kein Morgen …“
Für einen Moment überkommt sie das Verlangen, seine Wange zu streicheln, diesen ernsten Ausdruck mit einer zärtlichen Geste zu vertreiben. Doch sie hält inne. Jetzt, wo sie weiß, dass eine andere Frau an seiner Seite steht, wäre das nicht fair. Stattdessen spricht sie weiter, ihre Stimme weich, fast flüsternd. "Es klingt, als würdest du sehr viel Rücksicht nehmen. Aber man darf auch mal egoistisch sein. Wenigstens für ein paar Stunden. Du musst diese Zeit nicht mit mir verbringen – einer Fremden. Aber such dir jemanden, der dir gut tut, der dich für einen Moment von all dem Stress befreit. Vor allem an deinem Geburtstag. Denk darüber nach … eine kleine Verschnaufpause ist nicht zu viel verlangt. Und wenn deine Partnerin dich liebt, dann versteht sie das.“
Als er sich umsieht, klammert Ava sich instinktiv fester an ihn. Unter ihren Fingern spürt sie die harten Muskeln, die sich unter seinem Shirt abzeichnen. Ein freches Grinsen huscht über ihr Gesicht. In Gedanken schiebt sie die andere Frau für einen Augenblick zur Seite, spreizt die Finger aus und ertastet sein Sixpack. Ob er wohl Sport macht, um den ganzen Stress auszugleichen? Verdammt … heiß
Dann brüllt der Motor auf, und sie sind auf der offenen Straße. Ava strahlt, als das Tempo zunimmt. Viel zu lange ist es her, dass sie so hinten auf einer Maschine sitzen konnte – frei, losgelöst, eins mit dem Rausch des Augenblicks. Ein Jubelschrei entweicht ihr, wild, voller Lebenslust. Sie löst die Arme von ihm, breitet sie weit aus, als würde sie fliegen. Der Wind peitscht über ihre Haut, zerrt an ihrem Haar, und sie lacht.
Das ist das pure Leben. Das ist Freiheit. Das Adrenalin jagt heiß durch ihre Adern, und ihr Herz schlägt schneller, als hätte es Flügel bekommen. Lange hat sie so etwas nicht mehr gespürt – und schon gar nicht mit einem Mann. Vor allem nicht mit einem Fremden.


In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon


>>> Jarred und Ava gehen nach Evergreen Harbor (2) >>>


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05.09.2025 23:39 (zuletzt bearbeitet: 06.09.2025 10:17)
avatar  Salia
#83
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Bücherstapler

<<<Avaluna kommt von Evergreen Harbor<<<
Charaktere Avaluna

Geschichtsstrang: Ein ganz normaler Besuch

Ava ist auf dem Weg zu ihrer Großmutter. Seit sie Jarred begegnet ist, kreisen ihre Gedanken unaufhaltsam nur um ihn. Immer wieder versucht sie, ihn aus ihrem Kopf zu vertreiben, als könne sie ihn wie Rauch einfach hinausblasen doch je mehr sie sich bemüht, desto stärker brennt sich sein Bild in ihr Bewusstsein. Schließlich gibt sie auf. Selbst Hermann, der sonst stets herhalten muss, bleibt diesmal verschont; kein Blatt wird mehr von ihm gerupft. Der Geburtstag ihrer Großmutter war gestern ein voller Erfolg. Ava spürt die Wärme, der Runde noch immer und sie denkt daran, wie sehr sie Jarreds Rat zu Herzen genommen hat. Als sie das Gebäude betritt, schweift ihr Blick unwillkürlich durch die Räume.



Fast so, als würde sie nach etwas suchen. Oder nach jemandem. Ein flüchtiger Funke Hoffnung glimmt in ihr auf die heimliche Erwartung, vielleicht Jarred irgendwo zwischen den Gästen zu entdecken.
Fast ein wenig enttäuscht, dass Jarred nirgends zu sehen ist, wendet sich Ava schließlich ihrer Großmutter zu."Na, Oma, wie sieht’s aus?“, ruft sie mit gespielter Fröhlichkeit. Trudy blinzelt zu ihr hoch, die Augen ein wenig trüb. "Eva? Bist du es?“Ava lächelt warm, auch wenn ihr Herz bei diesen Worten schwer wird. "Natürlich, Oma. Du weißt doch, ich lasse dich nie im Stich.“"
.“
"Wie geht es der Kleinen… wie war gleich ihr Name? Av… av…?“Avaluna, die gerade in der Küche hantiert, dreht sich lächelnd um, während sie weiter am Kochtopf rührt. "Avaluna!“, wirft sie lachend ein.



"Richtig!“ ruft Trudy, und ihre Gesichtszüge hellen sich auf. „Wie geht es der, Kleinen? Ist sie noch immer ein Sonnenschein? “Ein scharfer Stich fährt Ava durchs Herz. Ihre Großmutter sieht sie nicht mehr so, wie sie wirklich ist erwachsen, stark, eine Frau mit eigenen Kämpfen. Für sie bleibt sie das kleine Mädchen von früher. Doch Ava schluckt die Wehmut hinunter und spielt die Rolle, die ihrer Oma Frieden schenkt. "Ja“, antwortet sie mit einem sanften Lächeln. "Sie strahlt mehr denn je.“
Nachdem Avaluna das Essen serviert hat, setzen sie sich gemeinsam an den Tisch.

Ihre Großmutter isst wie immer mit den Händen, da die Finger die Gabel schon längst nicht mehr richtig halten können. Ava beobachtet sie mit einem weichen Lächeln, voller Zuneigung, aber auch mit einem Hauch von Traurigkeit.Doch während sie dasitzt, schweifen ihre Gedanken wieder ab zurück zu Jarred. Dieser Mann, der ihr auf so merkwürdige Weise vertraut vorkommt, als würden sie sich schon ein ganzes Leben lang kennen. Sie versucht, die Erinnerung beiseitezuschieben, doch das Bild drängt sich ihr auf: jener kurze Moment, in dem sie ihm so nah war, dass es sich anfühlte, als hielte die Zeit den Atem an. Ein leises Kichern reißt sie aus ihren Gedanken .Etwas Warmes klatscht in ihre Dreads. Ava blinzelt überrascht eine Spaghetti hängt in den Strähnen.

Ihre Großmutter sitzt vor ihr, die Augen schelmisch funkelnd, und lacht wie ein Kind, das gerade einen Streich gespielt hat.Anstatt verärgert zu reagieren, bricht auch Ava in Lachen aus. "Na warte, Oma!“ Sie greift nach einer Nudel und schleudert sie zurück. Schon bald liefern sich die beiden eine kleine Spaghetti-Schlacht, ausgelassen wie zwei Kinder, die die Welt um sich herum für einen Augenblick vergessen.
Ava genießt diese kleinen Albernheiten mit ihrer Großmutter. Gerade in solchen Momenten, wenn das Lachen durch den Raum hallt, scheint die Krankheit fast ein Stück weit von ihnen abzufallen. Es macht ihr das Herz leichter zu sehen, dass ihre Oma trotz allem noch immer auf ihre ganz eigene, schelmische Weise Spaß haben kann. Ein warmes Gefühl breitet sich in Ava aus, als sie den roten Klecks Tomatensoße auf der Tischdecke betrachtet und das glucksende Lachen ihrer Großmutter hört. Für einen Augenblick fühlt sie sich zurückversetzt in die Zeit, als sie selbst noch ein Kind war, unbeschwert, behütet, ohne Sorgen.Natürlich weiß sie genau, dass sie gleich die ganze Sauerei beseitigen darf – Nudeln im Haar, Soße auf dem Boden, Spuren überall. Doch das macht ihr nichts aus. Im Gegenteil: Diese chaotische Ausgelassenheit ist ein kostbarer Beweis dafür, dass ihre Oma noch immer lacht. Und dieses Lachen lässt Avas Herz wärmer werden, als jede aufgeräumte Ordnung es je könnte.
Fast wie im Flug neigt sich der Tag dem Ende. Ava hat jede Minute genossen – trotz all der Pflichten, die er mit sich brachte. Sie hat die Wäsche gewaschen, die Wohnung geputzt, ihre Großmutter gebadet. All das sind kleine, unscheinbare Handgriffe, doch für sie sind es genau diese Gesten, die den Tag wertvoll machen.Als sie schließlich das Wohnhaus verlässt, huscht ihr Blick – fast gegen ihren Willen wieder suchend durch die Umgebung. Auch diesmal findet er keinen Halt, keinen vertrauten Schatten, kein Gesicht, das sie insgeheim erwartet. An der Tür bleibt sie einen Augenblick stehen, die Hoffnung klammert sich an sie wie ein Kind, das nicht loslassen will. Vielleicht… vielleicht taucht Jarred doch noch auf.Doch nichts geschieht. Mit einem leisen Kopfschütteln tritt sie hinaus, bleibt aber vor dem Gebäude noch stehen. Sie zündet sich eine Zigarette an, atmet tief ein, als könne der Rauch Ordnung in ihr Chaos bringen.

Der Abendwind ist kühl, trägt den Duft der Stadt und das Flackern ihrer Unruhe mit sich. Sie weiß, sie muss ihre Gefühle sortieren. Es lässt sich nicht länger leugnen: diese Begegnung hat mehr mit ihr gemacht, als sie sich eingestehen wollte. Mehr, als sie am Anfang angenommen hat. Und doch weiß sie auch, dass der Tag kommen wird, an dem sie verschwindet so, als hätte es Jarred nie gegeben.


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03.10.2025 12:40 (zuletzt bearbeitet: 11.11.2025 15:27)
#84
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Bestseller-Schmied

<<< Jarred kommt von Evergreen Harbor (2) <<<
<<< Arnim kommt von Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Arnim und Mayve <<<


Charaktere: Jarred, Arnim
Geschichtsstrang: kleine Gesten



Zitat von Andrew
'Hey, Red. Entschuldige, dass ich mich jetzt erst melde. Bei den Kids ist wieder mal die Hölle los. Teenager, was?! Wie auch immer, ich wünsche dir alles Gute nachträglich und hoffe, du hattest einen schönen Tag. Bis bald mal.'



Automatisiert huscht ein flüchtiges Lächeln über Jarreds Lippen. Ohne Tiefe, ohne das dazugehörige Gefühl. Wenigstens hat einer seiner Brüder an ihn gedacht. Wenn auch zwei Tage zu spät. Mit dem nagenden Gefühl, dass es im Grunde keine Rolle spielt, tippt er die Antwort:

Zitat von Jarred
'Danke dir. Es war ganz ruhig. Bitte grüße alle ganz herzlich von mir.'




Das Handy landet in der Hosentasche, zusammen mit dem enttäuschenden Wissen, niemandem genug zu bedeuten, dass er nur eine aufrichtige Gratulation bekommt. Niemand - außer ihr. Der Frau, die diese Schatten durchbrochen hat. Die linke Hand hebt sich, um die Tür zum Shady Pines zu öffnen und sein Blick trifft das Armband, das er von ihr bekam. Augenblicklich schießt ihm ein heißer Funke in die Brust - ein brodelndes Gemisch aus Leidenschaft, Sehnsucht, Trauer und Enttäuschung. Könnte er doch alles hinschmeißen und mit ihr fliehen. Irgendwohin, wo ihn keine Pflichten erreichen. Keine Scham, keine Schuld. Er ist es so leid. Immer diese Erwartungen, denen er doch nie gerecht wird. Immer wieder kalte Schultern und noch kältere Blicke. Das Bild von Alma schiebt sich gewaltvoll vor sein Inneres Auge. Nie zuvor hat sie ihn so abgeschmettert.
Er wollte sie lieben, ihr alles geben, was er hat. Vielleicht als Wiedergutmachung, dass es nicht Avaluna ist, mit der er verschmilzt, sondern Alma. Vielleicht um sein Gewissen zu beruhigen, vielleicht um sich zu beweisen, dass die Liebe für sie und zu ihr berechtigt ist, stark und ungebrochen. Doch sie stieß ihn von sich.
"Ich vermisse dich, Alma.", sagte er.
"Quatsch, du willst einfach nur ficken.", war ihre schnippische Antwort. "Um mehr geht's dir doch nicht."
Noch immer schmerzen ihre Worte. Stunden ist es her, dass sie ihn auf 'diese eine Sache' reduzierte. Er hatte geschwiegen. Ihr Urteil hingenommen. Vielleicht hat er es verdient. Obwohl er ihr und ihrer Familie die letzten Wochen unentwegt beigestanden hatte. Mit Leib und Seele hatte er alles gegeben und wieder war es nicht genug. Es ist nie genug.



Mit kneifendem Bauchgefühl nähert Jarred sich dem Empfangstresen. Niemand da. Und nun? Wie lange soll man warten, bevor man sich nach Personal umsieht. Er hasst Situationen wie diese. Das Gefühl, es ohnehin nicht richtig machen zu können, legt sich in seinen Nacken, dicht gefolgt von dem Gedanken, dass dies ein furchtbarer Tag wird. Er wird ständig mit seiner Laune zu kämpfen haben.
"Jarred.", hört er eine vertraute Stimme hinter sich und erkennt Arnim, als er sich herumdreht. Automatisiert kehrt das Lächeln zurück.
"Dabei ist doch gar nicht Sonntag.", stellt Arnim fest, als er neben dem Freund zu stehen kommt. "Was brauchst du?"
"Man hat mir hier etwas hinterlegt.", erklärt der Jüngere. "Das wollte ich abholen."
"Na, dann schauen wir mal." Arnim umrundet den Tresen und beginnt, in Fächern und Schubladen zu wühlen. "Wie geht's dir?", fragt er beiläufig, aber durchaus interessiert.
"Gut, danke."
Skeptisch hebt der Blonde den Blick. Irgendetwas sagt ihm, dass das nicht die Wahrheit ist. "Sicher?"
Jarred atmet klangvoll aus. Mist. Das kann er besser. "Ich hab nicht gut geschlafen.", hebt er die Mundwinkel. "Aber es geht mir gut."
"Na schön." Arnim nickt und kramt weiter, zieht in der nächsten Sekunde einen beschriebenen Umschlag hervor. "Da haben wirs. Für Jarred." Er reicht ihm den ausbeulenden Umschlag herüber. "Schöne Schrift."
"Danke." Murmelnd nimmt der Besucher das Papier entgegen. Die Verwirrung steht ihm ins Gesicht geschrieben, als er vorsichtig den kleinen Finger in die Öffnung des Umschlags schiebt. Das Papier reißt Stück für Stück der Länge nach auf und zum Vorschein kommt ... ein Schlüssel? Genauer gesagt, ein Satz Schlüssel an einem Ring. Zwei Finger greifen danach und heben sie auf Augenhöhe. Die Stirn runzelt sich vor Verwirrung.



"Wofür sind die?", fragt Arnim, doch Jarred zieht nur die Schultern in den Nacken. Er hat keine Ahnung. Sie sehen nicht nach einem Schließfach aus, oder nach Minisave. Eher wie ... Motorschlüssel. Das ergibt keinen Sinn. Die Gedanken sortierend umschließt Jarred die Schlüssel mit den Fingern, so dass sie in seiner Faust verschwinden. "Danke.", lächelt er Arnim entgegen. "Ich werde es wohl herausfinden."
"Viel Erfolg, man."
"Grüß Mayve herzlich.", lächelt Jarred ein letztes Mal zum Abschied und verlässt das Shady Pines.
Vor der Tür bleibt er nach wenigen Schritten stehen. Die Schlüssel noch immer in der Hand, sieht er sich um, ehe er das Metall genauer betrachtet. Er hat die doch schon einmal gesehen. Genau diese Art von Schlüssel.
Wie ein Blitzschlag fährt es ihm in Gedächtnis. Nein, das hat sie nicht! Eine böse Ahnung schleicht sich in seinen Verstand. Diese Dinger sehen exakt aus, wie die Schlüssel zu Avalunas Motorrad. Alle Alarmglocken, die Körper und Geist auffinden können, springen gleichzeitig an und versetzen ihn in Unruhe. Nervös sieht er sich vor dem Gebäude um und tatsächlich! Einige Meter entfernt vom Eingang steht es. Das kann doch nicht ... Ein Bike?! Hat die Frau jeden Bezug zur Realität verloren? Sie kann ihm doch kein Motorrad schenken! Ein Armband ist eine schöne, herzliche Geste. Aber das hier ... steht in keinem Verhältnis zu ihrer Beziehung. Wenn sie denn überhaupt eine haben. Es steht außer Frage, dass er dieses Geschenk annimmt. Entschlossen kehrt er um und betritt erneut das Shady Pines. Die Schlüssel in den Umschlag steckend hält er Ausschau nach einem Mitarbeiter und geht festen Schrittes auf eine Frau zu. "Verzeihung bitte."
Claudia stockt auf dem Weg in die Küche. "Hm?" Ein großer gutaussehender Mann kommt auf sie zu. Das ist doch der Sohn der Schreckschraube... "Ja?"



Den Umschlag in der Hand beginnt Jarred die Situation zu erklären - unnötige Details aussparend. "Würden Sie das der Dame bitte wieder zukommen lassen, wenn sie wieder herkommt?"
"Es tut mir leid,", Claudia stemmt eine Hand in die Hüfte, "aber wir sind doch keine Paketannahmestelle."
"Aber ich kann das nicht -" räuspernd bricht er ab. Sie hat natürlich recht. Solche Dinge unterliegen eher einer kulanten Ausnahme als der tatsächlichen Zuständigkeit. Den Ärger herunterschluckend korrigiert er den Oberkörper in eine aufrechte Haltung. "Danke trotzdem. Auf Wiedersehen." Unzufrieden und leicht überfordert begibt er sich wieder nach draußen. Er hat jetzt keine Zeit, sich damit zu beschäftigen. Seine Schicht beginnt in Kürze, zu der er ohnehin schon zu spät kommen wird. Diese Angelegenheit bedarf einer größeren Aufmerksamkeit, als erwartet. Er kann es nicht annehmen. Unter keinen Umständen. Selbst, wenn er es behalten wollte - wie soll er Alma erklären, dass er einfach so ein Motorrad geschenkt bekommt? Ganz davon abgesehen, müsste er Steuern, Versicherungen und Benzin zahlen. Der Gedanke, sich diese zusätzlichen Ausgaben keinesfalls leisten zu können, ist beinahe beruhigend. Ein sachliches Argument, das Geschenk abzulehnen. Aber wie soll er es zurück geben? Er kennt nicht einmal Avalunas Nachnamen - geschweige denn eine Adresse, unter der sie erreichbar wäre. Das hast du geschickt eingefädelt, Ava. Auch wenn die Geste eine gutgemeinte ist, spürt er Zorn in sich aufsteigen. Als wäre er ein Spielball, lässt sie ihm keine andere Wahl, als zu tun, was sie will. Aber er wird einen Weg finden. Auf keinen Fall wird er sich derart manipulieren lassen. Nicht dieses Mal.




>>> Jarred geht nach Evergreen Harbor Nr. 13 - Wohnung Jarred Cunningham >>>
>>> Arnim geht nach Sulani Festivalgelände >>>


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11.03.2026 15:13 (zuletzt bearbeitet: 05.04.2026 13:43)
#85
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<<< Maja kommt von Windenburg (3) <<<
<<< Arnim kommt von Sulani Festivalgelände <<<
<<< Yitzhak kommt von Chestnut Ridge <<<
<<< Tabea kommt von Windenburg Nr. 18 - Krankenhaus (3) <<<
>>> Samuel - Start <<<

Charaktere: Maja, Arnim, Samuel, Zac, Hilde, Tabea
Geschichtsstrang: Neue Gesichter




Der Griff ist kühl in ihrer Hand. Ein Übergang zwischen Außenwelt und Geschichten.
Maja hält inne. Atmet aus.
Vor einiger Zeit hatte ihr eine ihrer ältesten Kundinnen vom Shady Pines berichtet. „Altern ist kein Unglück“, hatte sie gesagt. „Aber Abhängigkeit ohne Vorbereitung ist eines.“
Eine bewundernswerte Dame, die von sich selbst sagt, jetzt habe sie noch die Chance, über ihr Leben zu entscheiden. Wer weiß, wann es andere tun. Maja lächelt. Sie erinnert sich. Die Dame brauchte mehrere Termine, nicht, weil der Auftrag besonders aufwendig war, sondern weil sie Maja vertraute. Weil sie immer wieder vom Schreiben abkamen. Sie hatte von den Angeboten gesprochen und von der Möglichkeit, den Bewohnern ein Lächeln zu schenken. Durch gemeinsame Momente. Durch Sims, die sich Zeit nehmen. Die einander zuhören. Maja geht durch die Tür, mit Hoffnung und dem Wunsch, heute zumindest ein einziges Lächeln zu schenken.
Das Erdgeschoss empfängt sie hell und offen. Große Fenster, durch die das Grün des Innenhofs fast in den Raum hineinwächst. Ein paar Bewohner sitzen bereits da. Hände auf den Tischplatten. Blicke zum Fenster. Oder zur Tür. Sie sieht sich um. Ihr Blick wandert. Ihr Blick bleibt an einzelnen Gesichtern hängen. An Augen, die mehr gesehen haben, als sie je erzählen werden.



Der Geruch von Duschgel und warmem Wasser hängt noch in der Luft, als Arnim das Handtuch zum Trocknen auf die Stange hängt.
Samuel sitzt aufrecht auf der Bettkante, der Oberkörper leicht nach vorn geneigt, die Hände ineinander verschränkt. Sein Kiefer bewegt sich lautlos in gleichbleibendem Rhythmus leicht öffnend und wieder schließend.
"Was sagst du, Sam,", zieht Arnim ein frisches Shirt aus dem Schrank, "nehmen wir heute das hier?"
Samuel gibt ein beinahe kehliges Geräusch von sich, wie er es immer tut, wenn ihm etwas gefällt. Zumindest glauben das diejenigen, die sich mit ihm beschäftigen.
"Er trägt dezente Farben.", erklärt der Pflegefachmann dem neuen Kollegen, als er die Kleidung auf dem Bett ablegt.
Yitzhak nickt registrierend. Samuel - sommerliche Farben - verstanden. Sein Blick fängt die winzige Schiefstellung des kleinen Zehs ein, während er Samuel die Socke überstreift. Eine minimale Drehung des Stoffes vermeidet unangenehmes Zwicken der Naht über den Tag.
Anerkennend zuckt Arnims Mundwinkel. Tabea hatte erwähnt, dass der Neue Erfahrungen in der Pflege mitbringt - was nicht immer etwas bedeuten muss, wie Arnim weiß. Dieser hier allerdings hat ein gutes Gespür für Feinheiten.



Geduldig wartet Yitzhak, bis Samuel den Fuß hebt, um ihm den Schuh überzustreifen. Erst als beide Füße versorgt sind, richtet er sich langsam auf, nimmt das gelbe Shirt in die Hand und dehnt den Stoff vorsichtig an den Ärmeln. Bereits im Bad wurde er darüber aufgeklärt, dass jegliches Engegefühl an Samuels Kopf möglichst zu vermeiden ist. "Die Arme zuletzt.", erinnert Arnim noch einmal mit geschärfter Aufmerksamkeit. Dies ist der heikelste Moment. "Der Kopf muss schnell durch. Wenns zu lange dauert, bekommt er Panik."
Das Shirt zusammengerafft dauert es nur einen Wimpernschlag, bis es überstanden ist. "Heute nicht.", lächelt Yitzhak kaum merklich. Mit wenigen Handgriffen sind die Ärmel an Ort und Stelle und der Stoff gut verteilt.
"Na, das klappt doch wunderbar." Arnim nickt dem Kollegen zufrieden zu. "Fertig für die große Welt, Sam. Jetzt gibts Frühstück."
Samuel steht auf, ein nasaler Laut begleitet die Bewegung.
"Ich bring ihn schon mal runter.", sagt Arnim. "Die wilde Hilde wartet in Wohnung zwei. Sie weiß, dass heute jemand Neues kommt. Sie geht gern eingehakt."
"Verstanden."
Zu dritt verlassen sie das kleine Appartement. Im Flur trennen sich ihre Wege.
Im Untergeschoss angekommen, sieht Arnim eine junge Frau im Empfangsbereich warten. "Guten Morgen." Samuel an der Seite bleibt er für ein paar Worte stehen. "Kann ich Ihnen etwas tun?"



„Entschuldigen Sie … Guten Tag.“ Ein ehrliches Lächeln spielt um ihre Lippen. „Mir wurde Ihr Haus empfohlen. Ich wollte mich erkundigen, wann es sinnvoll wäre, vorbeizukommen. Um Zeit zu schenken. Vielleicht vorzulesen. Oder einfach zu unterstützen.“ Sie atmet ruhig ein. „Nicht zwingend heute. Aber falls es passt, hätte ich auch jetzt Zeit. Ich richte mich ganz nach Ihnen.“ Ihr Blick wandert zu dem Bewohner. Bleibt einen Moment bei ihm.
„Guten Tag.“ Sagt sie leise und schenkt ihm ein freundliches Lächeln.Für einen Moment fragt sie sich, ob man vorbereitet sein kann auf all die Geschichten und unterschiedlichen Sims, die in diesen Räumen leben. Sie schüttelt kaum merklich den Kopf und sieht die beiden an.

Samuel reagiert nicht auf ihre Worte. Sein Blick verliert sich irgendwo in der Ferne des Raumes, während sein Kopf leicht auf und ab wiegt. Hin und wieder rückt sein Körper einige Zentimeter vor, als wolle er los gehen, doch von Arnims Griff gehalten, gibt er jedes Mal nach.
"Das kann ich nicht entscheiden.", erklärt der Angestellte der jungen Frau. "Warten Sie kurz? Ich bringe Sam zum Tisch, dann bin ich für Sie da."
Sie bekundet ihr Einverständnis und in weniger als zwei Minuten hat der Bewohner seinen Platz eingenommen, so dass Arnim gleich darauf zu ihr zurück kehrt. "Ich begleite Sie zum Büro der Heimleitung. Am besten besprechen Sie dort alles Weitere."



Prüfend mustert Tabea die Grünpflanze neben ihrem Schreibtisch. Die Blätter glänzen, die Erde ist feucht, aber nicht durchnässt und nichts müffelt mehr. Dieses Exemplar wird auf jeden Fall länger leben, als die Palme davor. Seit sie Hildes Gießplan angepasst haben, gedeihen sämtliche Grünpflanzen im Haus prächtig. Möglicherweise auch mit Unterstützung von Hr. Töpfer, da ist sie sich nicht ganz sicher, aber Hauptsache alle sind zufrieden. Es klopft. Auf ihr 'Herein', betritt eine junge Frau das Büro. Überrascht lächelt Tabea die Besucherin an. "Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?"

„Guten Tag“, sagt sie höflich mit einem Lächeln auf den Lippen, und reicht der Frau die Hand. Das Büro liegt im hinteren Teil des Aufenthaltsraumes, mithilfe der Begleitung des Mannes konnte Maja direkt dorthin und Glücklicherweise hat die Pflegedienstleitung direkt Zeit für sie. „Mein Name ist Maja.“
Sie tritt einen Schritt näher, bleibt jedoch respektvoll auf Abstand. „Mir wurde Ihr Haus sehr empfohlen. Ich würde den Bewohnern gerne Zeit schenken vielleicht auch Erinnerungen. Gespräche führen, vorlesen, einfach da sein. Und ich wollte mit Ihnen in Absprache darüber reden, was sinnvoll ist und was gebraucht wird. Ich möchte unterstützen. Nicht stören.“
Sie schenkt der Pflegedienstleitung ein warmes Lächeln.

"Na wunderbar." Mit einer einladenden Geste bietet Tabea ihr einen Platz an, umrundet den Schreibtisch und setzt sich gegenüber. "Das klingt gut. Wir haben immer wieder Praktikantinnen, die unterschiedliche Aktivitäten anbieten, aber derzeit ist Verschiedenes pausiert. Hoffentlich kann Julius bald wieder mit den Hunden kommen Ihr Angebot kommt also genau richtig." Interessiert mustert sie die zarte, junge Frau. "Haben Sie schon Erfahrung mit älteren Menschen? Vielleicht schon in einer anderen Einrichtung Ähnliches gemacht?"



Maja lächelt, setzt sich elegant. Sie legt die Hände locker ineinander. „Ich arbeite selbstständig, das gibt mir eine gewisse Flexibilität. Ich kann meine Zeiten gut anpassen und auch regelmäßig kommen, wenn es gewünscht ist und beide Seiten sich wohlfühlen.“ Ein kurzer Atemzug. „Und der Umgang mit älteren Sims begleitet mich schon lange. Viele meiner Kundinnen und Kunden sind deutlich älter. Ich höre ihnen zu, halte Erinnerungen fest, schreibe für sie, manchmal kommen wir vom eigentlichen Auftrag ab und sprechen einfach.“ Maja lächelt. Vor ihren Augen spielen sich kleine Erinnerungen der letzten Wochen ab. So viele kostbare Momente, die nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen aufbewahrt werden.
„Ich mag die Art Gespräche. Diese Ehrlichkeit. Die kleinen Details, die sonst niemand mehr wissen möchte, aber für sie alles bedeuten.“ Ihr Blick senkt sich zu ihren Fingern. „Ich habe großen Respekt vor dem, was sie erlebt haben. Und ich glaube, Zeit ist etwas, das in diesem Alter besonders wertvoll wird.“ Sie schaut ihr in die Augen, um zu zeigen, dass sie diesen Ort hier ernst nimmt. „Ich bringe Geduld mit und Interesse.“

Tabea liegt die Frage nach dem eigentlichen Beruf der Interessentin auf der Zunge, aber sie entscheidet sich dagegen. Das hat Zeit. Wichtig ist, dass es nicht ihr erster Kontakt mit Senioren ist und vor allem der Respekt, der aus ihren Worten klingt. Mit Wärme im Blick nickt sie bekräftigend. "Ja, es ist sehr wichtig, daran zu denken, dass jeder Sim hier ein Leben mit bringt. Wir sehen hier nur eine Momentaufnahme, wenn man so will. Das letzte Stück des langen Weges. Würdigen wir die Kämpfe des Alltags, die Liebe, die gelebt wurde, die Hürden die genommen wurden mit Respekt und liebevoller Unterstützung." Sie neigt fragend den Kopf. "Darf ich schenken also wörtlich nehmen? Sie wollen sich ehrenamtlich betätigen bei uns?", hakt sie zur Sicherheit noch einmal nach.

Ein kleines Lächeln legt sich auf ihre Lippen. „Ja“, sagt sie ohne Zögern. „Sie dürfen das wörtlich nehmen. Ich möchte das ehrenamtlich machen.“ Ein kurzer Atemzug. „Ich habe das Privileg, nicht auf jede Stunde angewiesen zu sein. Und ich finde, Zeit sollte nicht immer eine Rechnung haben.“

Schwungvoll steht Tabea auf und bleibt neben Maja stehen. "In diesem Fall möchte ich Sie gar nicht länger aufhalten, Maja.", sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. "Falls Sie mögen, könne Sie sich gerne vorstellen bei unseren Senioren und eine Lesestunde anbieten. Arnim oder Zac werden Ihnen dabei behilflich sein. Kommen Sie, wir gehen gemeinsam auf Suche nach den beiden."



Hildegard sitzt aufrecht im Sessel, die Hände im Schoß gefaltet, und lauscht dem sommerlichen Treiben vor dem geöffneten Fenster. Kinderlachen weht vom Nachbargrundstück herüber und legt ihr ein zartes Lächeln ins Gesicht. Sie liebt diese lebensfrohen Klänge.
Heute hat sie einen guten Tag. Sie hat es geschafft, allein die kleinen Knöpfe der Bluse zu schließen - nach ihrer Einschätzung sogar ohne verschobene Stoffleiste. Nur die Haare sollten sicherheitshalber noch einmal gecheckt werden. Hoffentlich kann der Neue sowas. Die Frisur war ihr immer wichtig. Schon als junges Mädchen.
Das Klopfen an der Tür reißt sie aus den Gedanken. "Immer herein.", flötet sie, mit den kurzen Beinen im Sessel vor rutschend, bis die Füße den Boden berühren.
"Guten Morgen, Frau Rix." Yitzhak spricht erst, als er die Tür leise hinter sich schließt. "Ich bin Zac. Ich begleite Sie heute zum Speisesaal."
"Der Neue." Sie tastet sich um den Sessel herum und winkt ihn zu sich. "Sind Sie jung und gutaussehend? Eine Dame zeigt sich gern mit so einer Begleitung."
Yitzhak schmunzelt. Er beginnt zu verstehen, wo ihr Spitzname begründet liegt. "Das mag jeder Betrachter anders sehen."
Fordernd winkt sie ihn näher heran. "Kommen Sie mal näher. Reichen Sie mir Ihre Hand."
Yitzhak tritt an die kleine Frau heran und legt seine Hand in ihre. Augenblick schlingen sich ihre dünnen Finger leicht zitternd um seinen Handrücken. Einige kräftige Venen erspürt sie und angenehme Wärme. "Gut, gut.", lächelt sie und tätschelt zufrieden mit der freien Hand seinen Unterarm, ehe sie loslässt. "Bevor wir gehen, müssen Sie noch meine Frisur kontrollieren. Ich sehe es ja nicht. Liegen die Haare ordentlich? Ick wull nich utkieken wie een Buendeern." Lachend tastet sie ihren Schopf mit der flachen Hand ab.
Yitzaks Lippen formen sich zu einem leisen Lächeln. Gründlich begutachtet er den Kopf der Seniorin, richtet eine feine Strähnen mit kurzem Kommentar. Sims wollen gesehen werden, selbst wenn sie nicht mehr sehen können. "Dien Frisur is nu adrett.", sagt er leise.
In Hildegards trüben Augen leuchtet für einen kurzen Moment etwas auf. Erfreut kichernd tastet sie nach seinem Arm, um sich einzuhaken. "Du klingst nich besünners jung." In kleinen Schritten tippelt sie neben ihm her, während er seinen Schritt ihrem Tempo anpasst.
"Dat höör ik fakener."



Im Speisesaal herrscht inzwischen reges Treiben. Geschirr klappert im Hintergrund, einzelne Gespräche vermengen sich zu leise darüber liegendem Gemurmel.
"Ik sitt ümmer ant Finster.", bekundet Hildegard. "Dor krieg ik beter Licht af."
"Natürlich." Yitzhak nickt kaum merklich und folgt ihrer Anweisung.
"Ja, das ist ein schönes Plätzchen.", flötet sie, nachdem sie sich auf dem Stuhl einrichtet. Die Hände streichen auf der Tischkante entlang. Das Geschirr wurde bereits zurechtgelegt, wie sie feststellt. "Wenn dien Tied dat verlöövt,", sie hebt das Gesicht in die Richtung, in der sie Yitzhak vermutet, "denn harr ik al en Koffi? Wenn dat mööglich weer?"
"Kaffee. Tee." Wie so oft mit genervtem Unterton stellt Claudia die beiden Kannen etwas zu laut in der Tischmitte ab und ist ebenso schnell verschwunden, wie sie in Erscheinung trat, um weitere Getränke im Raum zu verteilen.
"Koffi för Fru Rix. Sehr geern.", bestätigt der Neue. "Met Melk?"
"Höör mal mit Fru Rix nu op. Ik heet Hilde." Die Hände legt sie zur Sicherheit im Schoß ab - zu oft hat sie versehentlich irgendetwas umgestoßen. Sie bestätigt "een Schoot", als Arnim mit spitzen Ohren an den Tisch tritt. Unterhalten die beiden sich wirklich auf ihrem heißgeliebten Platt? Erstaunt schüttelt er den Kopf. Hätte er dem eher südländischen Typ nicht zugetraut. Kann man mal wieder sehen. "Ich störe eure Geheimsprache nur ungern,", grinst er, "aber es gibt noch ein oder zwei Dinge, die ich dir gern zeigen würde. Das heißt,", widmet er sich feixend an die Seniorin, "wenn du deinen neuen Freund kurz entbehren kannst, Hilde."
Ein fröhliches Auflachen ist ihre Antwort, bevor sie vorsichtig die Tasse zwischen die Finger nimmt.
Mit etwas Abstand zum sich weiter füllenden Saal will Arnim gerade zu einigen allgemeinen Ansagen ansetzen, als Tabea mit der jungen Frau an ihn herantritt. Ihr Blick ist klar - es gibt neue Informationen.



Während Tabea Arnim informiert, dass Maja sich ehrenamtlich einbringen möchte um Gespräche zu führen, vorzulesen, zunächst begleitend, um Abläufe und Bewohner kennenzulernen erklärt sie, dass Maja flexibel ist und mit ihr im regelmäßigen Austausch stehen wird, um den Bewohnern eine schöne Zeit zu schenken. Majas Aufmerksamkeit schweift ab und ihr Blick bleibt schließlich an einer Dame am Fenster hängen.An dem erhobenen Kinn. Dem hellen Lachen.
Die Sonne umschmeichelt ihr Gesicht. Wunderschön. Ein leises Lächeln legt sich auf Majas Lippen.„Sie hat eine wunderbare Ausstrahlung“, sagt sie mehr zu sich selbst. Erst dann bemerkt sie, dass Tabea bereits zu Ende gesprochen hat, und dreht sich leicht verlegen zu den beiden.
„Darf ich mich vielleicht zu ihr setzen?“ Ihr Blick wandert erneut zum Fensterplatz. „Ich würde sie gern kennenlernen.“

Arnim zuckt freundlich mit den Schultern. "Fragen wir sie einfach." Ein Arm in den Saal gerichtet, lädt er die Besucherin ein, mit ihm zum Tisch zu gehen, wo er die Frauen einander vorstellt. Während er selbst zu Samuel zurückkehrt, um ihm beim Frühstück zu unterstützen, nimmt Yitzhak neben Hildegard Platz. Geduldig und gewissenhaft folgt er den Servieranweisungen der Seniorin.
"Is dat sööt." Hildegard legt freudig die Handflächen zusammen, als sie begreift, dass Maja sie kennenlernen möchte. "Und was möchte die junge Dame mit mir vertellen?"

Maja tritt näher an den Tisch und setzt sich elegant. „Ich glaube …“, sagt sie mit einem sanften Lächeln, „ich würde erst einmal gern zuhören.“ Ihr Blick ruht auf Hildegards Augen. „Sagen Sie …“, beginnt sie leise, ein feines Lächeln auf den Lippen. Einen Moment lässt sie sich Zeit. Nicht, um zu überlegen, was man fragt.
Sondern was diese Dame gefragt werden möchte. Dann hebt sich ihr Blick wieder. „War das schon immer Ihr Platz am Fenster?“ Alles um sie herum tritt in den Hintergrund. Stimmen, Geschirr, Bewegung.
All die neuen Eindrücke, all die Reize verlieren an Bedeutung.
Nur der Tisch. Und Hildegard.



"Am Anfang hab ich da drüben gesessen." Hildegard deutet mit dem Finger in die MItte des Raumes. "Ich wollte nicht in der Mitte sitzen. Da ist man ja so auf dem Präsentierteller, nech? Das sollen mal die Anderen machen." Munter drauf los plappernd schleicht sich mit jedem Wort ein stärker rollendes 'R' in ihre Erzählungen. "Mein erster Mann, der hat ja immer gern in der Ecke gesessen. Da hatte er alles im Blick. Der war immer wie de Katt op de luder. Das war nicht leicht ihm das abzugewöhnen, kann ich Ihnen sagen." Der Zeigefinger fuchtelt nun hastig wackelnd durch die Luft, ehe sie die Hände auf der Tischkante ablegt und erst jetzt bemerkt, dass ihr Brötchen verzehrbereit ist. Zaghaft greift die rechte Hand nach einer Hälfte, als würde sie daran erinnern wollen, nach der Geschichte davon abzubeißen. "Ich fand das am Fenster ja schon immer schöner. Wenn man die Blumen sehen kann und die Vögel. Außer die Elstern. Die mag ich ja nicht. Die mögen ja ßick aussehen, aber das sind ja ganz gemeine Räuber." Beiläufig knabbert sie am Rand des Brötchens, kaut einmal vornehm und hält die Finger vor die Lippen, als sie weiter spricht: "Heute seh ich das ja alles nicht mehr. Darum brauch ich das hell. Darum sitt ik nu ümmer hier. Und ßön warm is dat ok." Zwei Sekunden lang liegt Stille zwischen ihnen. "Und Sie? Mögen Sie die Natur? Oder sind Sie ein ßtadtkind?"

Maja lächelt. Sie hört nicht nur die Worte, sondern sieht die Bilder dahinter. Die Erinnerungen. „Ein bisschen von beidem“, antwortet sie ruhig. Ihre Finger ruhen locker auf der Tischkante. „Ich wohne etwas abgelegen. Viel Grün, viel Stille. Das Licht morgens ist dort besonders schön. Ich komme aus Windenburg. Aus der Altstadt.“ Ein weicher Ausdruck legt sich auf ihr Gesicht. „Ich mag es dort. Die alten Häuser. Die Gassen. Die Geschichten, die sich zwischen den Mauern halten. Man begegnet sich ständig und ist trotzdem nicht mitten auf dem Präsentierteller.“ Ein sanftes Schmunzeln. „Es ist irgendwie genau die Mitte. Zwischen Stadt und Stille.“ Ein kurzer Moment. „Manchmal bleiben Geräusche ja länger als Bilder“, sagt sie leise. Ihr Blick ist aufmerksam, warm. „Gibt es einen Klang, den Sie besonders vermissen oder einen, der geblieben ist?“



Dem Dialog der Frauen stumm lauschend, legt sich kaum merklich ein Lächeln auf Yitzhaks Gesicht. Was für eine ungewöhnliche Denkweise und Wortwahl die Jüngere zeigt. Ohne sich zu sehr auf die Unterhaltung zu konzentrieren, lässt er den Blick über die Anwesenden schweifen. Hildegard ist fürs Erste versorgt und er hält sich bereit, einer neuen Aufgabe nachzugehen, wenn diese nach ihm ruft.

Kauend legt die Seniorin das Brötchen auf den Teller. "Oh da gibt das Einiges." Ihre dünnen Brauen heben sich, die Mundwinkel ziehen in die Wangen und legen die Haut in viele kleine Fältchen. "Mein erster Mann hat beim Zeitung lesen immer mit dem Finger übers Papier gerieben. Das hat mich wahnsinnig gemacht." Als wäre es gestern gewesen, sieht sie die Szene vor sich. "Wenn das dann plötzlich fehlt, ist das auch nicht richtig. Tja, was ist man doch manchmal komisch, nech?" Die Finger nehmen das Brötchen erneut auf, während sie weiter spricht: "Und mein letzter Mann hat geschnarcht. Mich hat das immer beruhigt. Dann wusste ich, dass er noch bei mir ist."

Maja lächelt. „Ich glaube nicht, dass das komisch ist.“ Ihre Stimme bleibt weich. „Wenn man jemanden liebt, liebt man ihn ja nicht in Einzelteilen.“ Ein kurzer Atemzug. „Man nimmt alles mit. Die Gewohnheiten. Die Geräusche. Selbst das, was einen manchmal zur Weißglut bringt.“ Ein feines Schmunzeln.
„Und irgendwann fehlt genau das, was früher gestört hat.“ Ihr Blick bleibt warm. Majas Eltern waren immer da. Immer zusammen. Aber oft versunken in Arbeit, in Pläne, in Termine. Sie hat über Liebe gelesen. In Büchern klang sie groß. Unerschütterlich. Wie ein Versprechen, das bleibt. Manchmal fragt sie sich, ob das nur zwischen Seiten existiert. Ihr Blick kehrt zu Hildegard zurück. Vielleicht, denkt sie, hat sie es einfach nur anders kennengelernt. Leiser. Praktischer. Ohne große Worte.
Und vielleicht ist das hier kein Märchen aus einem Buch. Wie ein Windhauch klopft jetzt ein Name in Majas Gedanken an. Ein leises Ausatmen und damit, wie so oft in letzter Zeit, auf später verschoben. „Meinen Sie, es gibt die große Liebe ?“



"Die große Liebe?" Sie schnaubt leise. "Ach, Kind,", winkt sie ab, "das ist ein Wort für Postkoarten." Ihre Finger streichen über die Tischkante, hinter ihren trüben Augen flimmert es kurz. "Ick glööv an dat, wat blifft, wenn dat Smetterlingens im Buuk all lang weg sünd." Sie lächelt schief. "Die große Liebe … das ist nicht das mit Herzklopfen und Hitze. Das ist das, was man aushält, über Jahre hinweg, weil man weiß, dass er das auch tun würde. Das ist das Streiten und Vertragen, nörgeln und hinnehmen, dass sich manches nicht ändern wird. Weil manchmal, zwischen dem ganzen Alltag und den langweiligen Routinen, ein kleiner Moment dazwischen ist. Ein Blick, als wärst du der einzige Mensch auf der Welt. Das Einzige, das wichtig ist." Leise neigt sich ihr Kopf hin und her. "Die große Liebe", setzt sie wieder an, "das ist nichts für Kino. Das ist weder romantisch noch Feuer. Harte Arbeit is dat." Zittrig legt sich ihre Hand auf Majas Unterarm, um ihn freundschaftlich zu tätscheln, ehe sie nach der Tasse Kaffee greift. Das Geschirr klappert leise unter den unsicheren Bewegungen ihrer Finger. "Ick glööv, dat se mööglich is. Aber se fallt nich vom Himmel." Die Tasse nähert sich den von Falten durchzogenen Lippen. "De musst di warmhollen.", nuschelt sie gedankenverloren gegen das Porzellan. "Jeden Dag."

Noch immer neben ihr sitzend, lauscht auch Yitzhak ihren Worten. Sein Gesicht bleibt offen, aber unbeteiligt. Tief in ihm allerdings lassen die Worte unzählige Bilder erblühen, die er längst verblasst glaubte. Er hat oft geliebt. Manchmal innbrünstig, andere Male halbherzig. Ein kaum wahrnehmbares Atmen hebt und senkt seine Brust.
So Vieles hat er festgehalten.
Und so Vieles weiterziehen lassen. Müssen.

Als Hildegards Hand ihren Unterarm berührt, dreht sie ihre eigene behutsam und legt sie sanft über die zarte, kühle Hand. Maja lächelt Hildegard sanft an. Doch ihr Blick wird einen Moment ferner.„Vielleicht … ist Liebe nur am Anfang das Feuer, das uns überwältigt, Reibung und Spannung, die durch den ganzen Körper spürbar sind. Aber … kein Feuer kann ewig so brennen. Die Flammen sinken. Die Hitze legt sich.“ Maja blickt auf. „Und dann entscheidet sich etwas … Ob man auseinandergeht, wenn es nicht mehr lodert … oder ob man bleibt.“ Ein Atemzug „Vielleicht … wird aus der Reibung Nähe. Aus der Spannung … Vertrauen.“ Maja atmet aus. „Aus dem Brennen … Wärme, ein Zuhause.“ Sie lächelt Hildegard entschuldigend an. „Ich glaube Ihnen“, sagt sie leise. „Aber vielleicht“, fährt sie sanft fort, „ist es genau das, was sie groß macht.“ Maja sieht in die Augen der älteren Dame. „Nicht das Herzklopfen. Sondern, dass man sich immer wieder füreinander entscheidet.“



Einen Moment stutzt Hildegard. Sie versteht nicht recht, warum die junge Deern ihre Ausführungen wiederholt. Vielleicht muss sie Inhalte für sich noch mal zusammenfassen, um sie zu begreifen. Bei manchen Sims funktioniert der Verstand scheinbar so. "Jaja, so is dat.", atmet sie klangvoll aus, aus reiner Ratlosigkeit, was sie den Worten der Jüngeren entgegnen soll.

Der Ausdruck Yitzhaks bleibt unverändert, während er die Besucherin mustert. Ihr Äußeres ist ebenso gepflegt wie ihre Wortwahl. Ungewöhnlich für einen so jungen Sim. Ihre Worte klingen bedacht, sehnsuchtsvoll. Doch es gibt etwas, das sie übersieht: Zwei Herzen können in aller Ehrlichkeit und Beständigkeit bedingungslos füreinander schlagen, doch irgendwann kommt unausweichlich der Punkt, an dem das Entscheiden allein nicht mehr genügt. Denn Zeit hinterlässt ihre Spuren. Immer.

(In Zusammenarbeit mit @simscat2 und @Simirechen )

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