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Oasis Springs Nr. 11 - Familie Töpfer
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Charaktere: Delsyn, Maryama, Marga, Bertl, Jinoh
Geschichtsstrang: Überfallen
Es ist schwer Zeit zu finden, wenn man sich um illegale Geschäfte, Geldwäsche und einen Bodybuilder Job kümmern muss. Immer mal wieder fuhr Jinoh in seinem Challenger langsam durch die Strassen von Oasis Springs und wartete auf eine Eingebung. Heute geht er zu Fuss, Perry wartete am Wagen. Mit genug frei geschaufelter Zeit und Geduld, spaziert er durch den Ort, notiert sich Namen und Gedanken.

„… er hat ihr geholfen den Frosch am Ufer zu begraben.“ sagt Delsyn und nippt an der Tasse Kaffe die Marga aufgebrüht hatte. „Dabei wollte er erst…“ Ding-Dong. Sein Blick wandert von Maryama zu Marga als es an der Haustür klingelt.

"Ich geh schon." Bertl schiebt seinen Stuhl zurück und erhebt sich. Die Geschichte mit dem Frosch hat ihm kurzzeitig den Appetit auf die selbstgebackene Kirschtorte genommen, so dass er froh ist, vor weiteren Einzelheiten flüchten zu können. Während er sich der Haustüre nähert, zieht er Hose und Strickjacke zurecht und räuspert sich zwei Mal. Die Glocke ertönt erneut. "Na, na, na..ich bin doch kein D-Zug." Die letzten Worte spricht er schon bei geöffneter Tür und sieht den jungen Mann, der ihm gegenüber steht mit gerunzelter Stirn an. Keine vertrauenserweckende Erscheinung. Zeitungen oder Staubsauger verkauft so einer auch nicht, kann sich nur in der Tür geirrt haben. Wahrscheinlich will er zu dem Spinner nebenan. "Ja?" fragt er daher nur knapp und bereitet sich darauf vor diesen Typen förmlich ab zu wimmeln.
Jinoh mustert den dicklichen Mann im mittleren Alter vor sich geduldig, in dem er den Blick von oben nach unten wandern lässt. Er hat hier abgehalten, weil Töpfer, der erste Name ist, bei dem es bei ihm klingelt. Bis dato wusste er nicht wo Chip wohnt, aber welch Zufall, dass er ausgerechnet aus dieser Gegend einen Brief erhalten hat. Beziehungsweise, hat seine Mutter ihn erhalten. „Ist Chip zu Hause?“ fragt Jinoh kühl und beugt sich bedrohlich vor um auf den Mann herab zu sehen.

Instinktiv schiebt Bertll die Tür weiter zu, als der muskulöse Mann sich zur vollen Größe aufrichtet und mit seinem Schatten die Türöffnung verdunkelt. Im Bedarfsfall kann er sie so schneller zuknallen. Sensibilisiert durch die Vorfälle beim Toleranzevent und insgesamt beim Thema Familie, kneift er die Augen minimal zusammen und blickt abweisend zu ihm auf. Kein dahergelaufener Rowdy braucht hier Fragen zu seinen Angehörigen stellen. "Hier gibt's keinen Chip. Du hast dich im Haus geirrt."
Jinoh greift mit dem Arm an die obere Kannte des Türrahmens und steht schon fast im Haus. Wie ein Riese der sich hereinduckt und sich umsieht. „Das ist doch das Haus der Töpfers, oder nicht?“
Vergeblich versucht Bertl die Tür weiter zu zu schieben. "Wer will das wissen?" Langsam wird ihm warm vor Ärger. "Hier ist es üblich sich vor zu stellen, bevor man Leute mit Fragen löchert." entgegnet er mit gerunzelter Stirn.

„Ich bin ein Freund. Ich will ihm nur eine Frage stellen.“ sagt Jinoh, dem langsam die Geduld ausgeht. Die Frage die der Mann stellte, bedeutet meistens ‚ja‘. „Sag mir einfach wo er ist und ich verschwinde.“
In der Küche wundert Delsyn sich warum Bertl so lange an der Tür braucht, „Vielleicht ein hartnäckiger Staubsaugerverkäufer.“ scherzt er.
"Oder er verhandelt noch...wenn ich 500 Beutel nehme gibt's 20% Rabatt? - Nein, nur wenn Sie auch den neuesten "Fleckweg 9000" plus alle Aufsätze und Schläuche dazu nehmen, dann lass ich Ihnen 15% nach. - "Hm...gebongt." greift Maryama schmunzelnd Dels Theorie auf.
Alarmiert blickt Marga die beiden an. Womöglich könnte da etwas dran sein. "Oh je, ich schau lieber mal nach." Schnell schiebt sie ihren Stuhl zurück und eilt nach draußen.
Maryama wirft Delsyn einen amüsierten Blick zu. "Lawine erfolgreich los getreten." Sie sticht von ihrem Kuchen ab und schiebt die sahnige Köstlichkeit vergnügt in den Mund.

Bertl steht halb von der Tür verdeckt im Rahmen und Marga kann nicht erkennen, mit wem er sich unterhält. "Erstens bleiben wir beim 'Sie' und zweitens sag ich dazu gar nichts mehr .", hört sie Bertl in reichlich unfreundlichem Ton sagen. Das geht doch nicht. Sie schiebt sich an ihm vorbei und lächelt den jungen Mann, zu dem sie aufsehen muss, freundlich an. Wie ein typischer Vertreter sieht er nicht aus, eher etwas zwielicht. Andererseits bekommen heutzutage straffällig gewordenen Sims viel Unterstützung bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Marga befürwortet diese Programme. Womöglich ist das sein erster Arbeitstag, man sollte ihn unterstützen. "Sie wollen etwas verkaufen? Dann bin ich für Sie die richtige Person hier im Haushalt."
Jinohs Blick wandert vom dicklichen Mann zu der Frau die an dessen Seite tritt. Er lächelt nicht und findet die Situation in keinster Weise amüsant.
„Ich will wissen wo Chip ist. Ich habe einen Brief bekommen und ich will mich mit ihm darüber unterhalten. Also raus damit, wo ist er?“ sagt er mit langsam reissenden Geduldsfaden. „Er geht nicht ans Telefon und es ist dringend.“ Bevor er am Haus klingelte, versuchte er ihn anzurufen. Aber seit dem Pokerabend, hat er weder von ihm noch von Blaze etwas gehört. Wenn er nicht bald eine Antwort bekommt, setzt es was.

"Ach so, das war ein Missverständnis. Entschuldigung." Marga lächelt weiterhin freundlich. Ein Bekannter von Adrian also. Warum braucht Bertl so lange ihm die Situation zu erklären? "Adrian ist nicht zuhause. Können wir ihm vielleicht etwas ausrichten?"
Wie immer ist Marga schneller mit dem Mundwerk als er. Bertl brummt missmutig, als sie dem Fremden so bereitwillig Auskunft gibt. "Ich denke nicht, dass das nötig ist, er wird schon ans Telefon gehen, wenn er es für richtig hält." Bertl will die Türe schließen, was durch Jinohs Fuß verhindert wird.
"Also, ich weiß ja nicht." Maryama blickt zur Küchentür und zurück zu Delsyn. "Jetzt bleibt Marga auch noch weg. Langsam werd ich neugierig. Gibt's da draußen was Spannendes und wir verpassen grade den Hauptact?"
Delsyn grinst, will zu einer Antwort ansetzen und erstarrt beim Luft holen weil ein Schrei ihn unterbricht. Eine halbe Sekunde starren sie sich an, bevor sie aufspringen und aus der Küche laufen. Del bremst und sieht entsetzt das lange Springmesser, dass gegen Marga zeigt.
„Ihr sagt mir jetzt VERDAMMT NOCHMAL wo Chip ist! Ich habe keine Zeit für diese SCHEISSE!“ Jinoh zeigt auf Marga, die Klinge funkelt, als sein Blick auf Del und Maryama fällt, die sich plötzlich sehr vorsichtig und überlegt bewegen. Jinoh sieht Militär-Hosen, Blaisdell-Gesichtszüge und weiss, Blaze. Er hat von seiner neuen Karriere gehört. Wutentbrannt wendet Jinoh seinen Zorn gegen ihn.

Del hebt leicht die Hände, als wolle er ein aufgeschrecktes Tier beruhigen. Er scannt die Umgebung in Sekunden und wägt ab. Ein überaus muskulöser Mann mit einer Waffe, Bertl erschrocken, Marga kreidebleich. Ist das Blut an ihrer Wange? Del fixiert den Fremden, „Was ist los?“ fragt er ruhig.
„Wusst ichs doch dass ich hier richtig bin.“ Jinoh funkelt Del an, „Lass mich raten, vor 5 Jahren, dass wart ihr? Du und Chip, stimmts? Ihr habt Sid diese Gang-Scheisse eingeredet.“
Irritiert, blickt Del kurz zu Maryama schräg hinter ihm. Ist der Mann verrückt?
„Legen Sie das Messer weg, okay?“ sagt Del und macht einen Schritt zur Tür, doch Jinoh wartet nicht so lange. Er stösst die Tür und Bertl ganz zur Seite, rempelt Marga auf die andere und macht zwei grosse Schritte auf Del zu der automatisch in die erlernte Verteidigungshaltung geht, „Ich habs schon immer vermutet, ihr kleinen Bastarde! Jetzt hab ich den Beweis, Schwarz auf Weiss!“ Jinoh kommt unaufhaltsam näher, „Sag mir wo dein Freund ist, oder ich mach dich alle, so wie er Sid!“

Maryamas Inneres gefriert, als der Fremde mit dem Messer auf Delsyn zu kommt. Sein wirres Gerede lässt Drogeneinfluss vermuten, was die Lage verschlimmert, da ihn das noch unberechenbarer macht. Starr den Blick auf den Angreifer gerichtet, bewegt sie sich beinahe unmerklich, Zentimeter für Zentimeter, hinter Dels Rücken in den Türrahmen der Küche zurück. Auf der Theke neben dem Herd steht eine Flasche von Margas Kirschschnaps, die einzige Waffe in Reichweite.
Ohne im Geringsten zu verstehen, was der Fremde sagt, realisiert Marga, dass etwas mit Adrian vorgefallen ist, was diesen Mann so zornig macht. Er ist kein Freund, sondern will ihm an den Kragen. Panisch sieht sie Bertl an, der schwerfällig taumelnd wieder ins Gleichgewicht kommt und sich schützend vor sie stellt. "Zurück." zischt er und wedelt mit der Hand hinter sich zum Wohnzimmer. Er drückt sie mit dem Rücken in die Richtung und versetzt ihr einen Schubs. Marga purzelt mit einem Schreckenslaut über die Seitenlehne des Sofas und beobachtet mit schreckgeweiteten Augen ihren Mann, der sich im Rücken des Aggressors positioniert.

Der Mann kommt auf Del zu, der wieder eine dieser Verwechslungen vermutet, und behält die Hand mit dem Messer im Auge. Als Jinoh ausholt, wehrt Del die Hand ab - nach unten, nach oben. Die Bewegungen sind schnell und kraftvoll. Sie erschüttern gefühlt das ganze Haus als der Angreifer Del gegen die Wand im engen Flur donnert. Dieser ist nur darauf konzentriert das Messer aus seiner Reichweite zu befördern. Er hat nicht vor den Mann zu verletzen, so wie es umgekehrt der Fall ist - nur unschädlich machen. Aber er ist aus der Übung.
Jinoh ist trainiert, das sieht man ihm nicht nur an. Del drückt sich von der Wand weg, knallt Jinoh mit zusammengebissenen Zähnen, gegen die Gegenüberliegende, das Handgelenk mit dem Messer im Griff, und schlägt es so lang gegen die Wand, bis Jinoh es endlich fallen lässt. Es fällt zu Boden, prallt ab und rutsch Richtung Maryama. Dabei vernachlässigt Del seine linke Seite und kassiert einen Faustschlag in die krebserkrankte Seite, der ihn zusammen zucken lässt.

Jinohs Augen glühen, er riecht nach kaltem Rauch und Gras. Als ob er vergessen hätte, dass er eine Information will, bleibt er mit seinem Zorn auf Del und schubst ihn wieder zurück an die andere Wand. Dem nächsten Schlag weicht Del aus, der Folgende trifft ihn ins Gesicht. Del erkennt, dass aus der Sicht des Stärkeren, den Kürzeren gezogen hat. Mit blutiger Lippe, hakt er sich mit dem linken Arm unter Jinohs Rechten, stellt ihm ein Bein, tritt um ihn herum und dreht ihm den Arm auf den Rücken. Das macht Jinoh kurz unbeweglich, aber es scheint als mache ihm dieser körperliche Schmerz weniger aus als der, der seine Wut auslöst. Jinoh beugt sich vor, lässt sich fallen und beide stürzen zu Boden, wo Del versucht weitere Fausthiebe abzuwehren, aber gegen beide Hände nicht ankommt. Der Schmerz im Gesicht und in der Seite schwächen seine Konzentration. „Ich.. bin nicht Blaze…“ versucht er noch zu sagen, als letzten Abwehr versuch.

Jetzt kommt Leben in Maryama. Blitzschnell hebt sie das Messer auf und schleudert es durch die Tür in die Küche, weit weg vom Geschehen. Der heftiger werdende Kampf und das wilde Gerangel machen es ihr unmöglich körperlich einzugreifen, bis die beiden am Boden liegen und der Angreifer über Del gebeugt weitere Fausthiebe austeilt.
Zeitgleich mit Chips Vater stürzt sie sich auf ihn, packt von hinten an den Schultern zu und zerrt ihn mit Bertl, der die Körpermitte umfasst, weg von Delsyn.
Fassungslos beobachtet Marga das Geschehen und springt auf, als ihr Mann sich mit Maryama auf den Fremden stürzt.
"Hört auf, hört sofort auf!! Er ist nicht Blaze. Das ist sein älterer Bruder!" übertönt sie die Kampfgeräusche und das Gepolter mit sich überschlagender Stimme. "Und Adrian wohnt nicht mehr hier, er ist ausgezogen!" schluchzt sie, das Gefühl ihren eigenen Sohn zu verraten unterdrückend. Delsyn blutet und der muskulöse Fremde scheint nicht zu stoppen. Diese Gewalt muss aufhören.
Stöhnend setzt Del sich auf und lehnt sich an die Wand. Er sieht zu wie Jinoh von ihm runter gezogen wird und sich aufrichtet. Grob stösst er die Hände von sich, rafft sich und sieht Del schwer atmend an, bevor er Marga ansieht. „Wohin?!“ fragt er barsch und als sie nicht sofort antwortet, geht er auf sie zu als gäbe es keinen Kampf, keine Maryama und keinen Bertl, „WOHIN?!“

Del vermag es nicht aufzustehen. Seine Seite brennt als wäre etwas gerissen. Sie pocht heiss und es fühlt sich an als fülle sich sein Inneres und die Kleidung mit Blut. Es ist das erste Mal, dass er wirklich versteht, weswegen sie ihn für untauglich befunden haben. Es war nicht der Krebs allein. Der Bauchschuss war kritisch und das Gewebe erholt sich schlecht. Dabei fühlt er sich an seine Sterblichkeit erinnert. Ein weiteres Paradoxon in seinem Leben. So realistisch sein Tod auch näher rückt, durch das Jahr nach dem Austritt - das nahezu unbeschwerte Jahr - hat sich seine Wahrnehmung dem sterben gegenüber verändert. Real und surreal zugleich.
Er tastet seine Lippe ab und betrachtet das Blut an den Fingern, ehe er wieder zu Jinoh sieht der Marga bedrängt. Mühevoll will er aufstehen.

Wimmernd weicht Marga zurück, bis sie die Wand im Rücken spürt. In die Enge getrieben wie ein Tier, blickt sie in die grimmigen Augen des Fremden , die sie bedrohlich anfunkeln. "Marga! Nicht!" Bertls warnende Stimme erreicht nur die Peripherie ihrer Wahrnehmung. "Nach Windenburg ...11...", kommt es ohne ihr aktives Zutun über ihre Lippen. So, als formten sich die Worte von selbst, während ihr Gehirn im Schockzustand wie eingefroren ist.
Als der Typ von Delsyn ablässt, geht Maryama sofort neben ihm in die Hocke. Er ist kreidebleich und scheint starke Schmerzen zu haben. Maryama hat den Schlag in die Seite gesehen und Dels schützend über die Stelle gehaltener Arm verheißt nichts Gutes. "Bleib unten, vielleicht bist du innerlich verletzt." sagt sie und legt besorgt stützend einen Arm um ihn, so dass er den Oberkörper stabil halten kann.

Eine weitere lange Sekunde wirkt Jinoh auf Marga. Dann dreht er sich um und verlässt das Haus mit einer knallenden Tür und dem Handy am Ohr. Drinnen wird es still.
Del bleibt sitzen, sieht an sich herab und kann nicht anders als zu kontrollieren wie es unter dem Oberteil aussieht. Er krämpelt den Saum hoch, legt die Narben an der Stelle frei und berührt sie. Nichts. Alles wie immer. Die Vorstellung die den Schmerz verstärkt hat, scheint abzuflachen. „Schon okay.“ sagt er zu Maryama und bittet sie, mit einer Geste, ihm aufzuhelfen. „Ruft die Polizei.“
Auf den Beinen, lehnt er sich an die Wand, leicht gebeugt. Dabei versucht er den meisten Schmerz zu verstecken.

Schluchzend gleitet Marga an der Wand herab und bleibt weinend am Boden kauernd sitzen. "Was hab ich getan? Er wird zu ihnen fahren...Adrian angreifen..womöglich Denize..oh mein Gott..." Weitere Schluchzer folgen. "Ruf ihn an Bertl, du musst ihn warnen!" Ihr Körper bebt und die Hände flattern unkontrolliert in der Luft herum.
Zum ersten Mal sieht Maryama Delsyns Narben bei Tageslicht aus der Nähe. Sie kennt die Geschichte dazu nicht, aber Größe und Anzahl sprechen für sich. Hoffentlich hat er keine inneren Blutungen. Seine Versicherung beruhigt sie nur mäßig. "Polizei und einen Arzt."Sie legt seinen Arm um Schulter und Hals, um ihn beim Gehen zu stützen. Ihr Handy liegt noch auf dem Küchentisch. Als Del sitzt, wählt Maryama mit zitternden Fingern den Notruf, schildert kurz den Vorfall, gibt die Adresse durch und blickt dabei immer wieder prüfend zu Delsyn.
Jetzt, wo die Anspannung nach lässt, werden die Knie weich und Übelkeit steigt in ihr hoch. Leicht schwankend erreicht sie einen Küchenstuhl und plumpst darauf. "..." - "Ja. Eine Person mit schwerem Schock und eine weitere, die gegebenenfalls innere Verletzungen hat." bestätigt sie noch einmal. " ..." - "Ja, mach ich." nickt sie. "Er hat sich allerdings schon bewegt." "..." - "Ja, ich achte darauf."
Sie legt auf und sieht Delsyn mit stumpfem Blick an. "Sind unterwegs. Bleib so ruhig wie möglich sitzen, ich bin da." Maryama rückt den Stuhl dicht an Del heran, stützt einen Arm mit dem Ellbogen auf den Tisch und fährt sich erschöpft über das Gesicht. "Was zum Teufel war das?"

Verdammt! Hastig zieht Bertl sein Telefon aus der Hosentasche und tippt zittrig auf die eingespeicherte Nummer. Es läutet und läutet, dann wird er weg gedrückt. Das gibt's doch nicht. Das Spiel wiederholt sich, bis beim dritten Versuch Adrians genervte Stimme verkündet, er sei bei der Arbeit und könne nicht telefonieren. "Vergiss die Arbeit!!" brüllt Bertl und geht dabei neben Marga in die Knie. Ein lautes Knacksen, verbunden mit stechenden Schmerz sagt ihm, dass das eine schlechte Idee war. "Hier war ein Verrückter mit einem Messer und wollte zu dir! Er hat uns bedroht und ist auf dem Weg zu euch. ".." - "Genau das was ich sage! Er hat mit einem Messer herum gefuchtelt, irgendwas von einem Sid und einer Gang gefaselt und kennt eure Adresse. Geh..." Verbindung unterbrochen, Adrian hat aufgelegt. In der Küche hört er Maryama mit der Polizei telefonieren. Mühsam lässt er sich auf den Boden fallen, streckt mit schmerzverzerrtem Gesicht das Bein aus und zieht die weinende Marga in seine Arme. Was für ein Alptraum. Nichts davon ergibt Sinn.
(In Zusammenarbeit mit @simscat2 )
>>> Delsyn geht nach Oasis Springs - Delsyns Camper (2) >>>
>>> Maryama geht nach Oasis Springs - Delsyns Camper >>>
<<< Chip kommt von Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Chip und Denize <<<
<<< Maryama kommt von Del Sol Valley <<<
Charaktere: Chip, Marga, Bertl, Maryama
Geschichtsstrang: Familienbande
Konzentriert die Risse und Unebenheiten im Asphalt studierend, schlurft Chip den Gehweg in Oasis Springs entlang. Ein absolut beschissener Tag. Denize hat in seiner Abwesenheit ihre Sachen und alles was für das Baby gebraucht wird abgeholt. Kommentarlos, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Ein Versuch ihr zu schreiben wurde im Keim erstickt. Geblockt.
Seit der Partynacht wohnt sie wieder bei ihrem Vater und offenbar ist er es nicht einmal wert, dass man ihm die Chance zum reden einräumt. Wenigstens Organisatorisches oder wie es überhaupt weiter gehen soll. Aus alter Gewohnheit angelt er mit dem Fuß nach einer zerbeulten Dose und beginnt sie vor sich her zu kicken.
Anscheinend ist jeder berechtigt ihn nach Belieben ins Boot zu holen und auch wieder raus zu kicken. Und nicht nur das.
Stirnrunzelnd kramt Chip seine Zigaretten heraus und zündet sich im Gehen eine an
Die Erinnerung an Blaze' Blick und seinen Abgang in der Nacht holt ihn ein. - 'Ich hoffe, das war's wert'-
Was soll die Scheiße? Wenn Denize ihren moralischen Zeigefinger auf ihn richtet, ist das berechtigt, aber Blaze? Nachdem sie Sid auf dem Gewissen haben? Audrey im Stripclub arbeitet, weil seine Erpressung sie aus dem Haus Blaisdell gezwungen hat? Eine gemeinsame Erpressung mit dem seltsamen Typen damals, zwar fehlgeschlagen ist, aber ernsthaft von ihnen beiden geplant war? Die Sache mit Vero beim Festival? Und all die kleinen Mobbereien und Gemeinheiten, die sie über die Jahre zusammen ausgeheckt haben? Come on..
Er fragt sich, ob Blaze den Satz auf Denize oder sich selbst bezogen hat.
Warum sollte er sich plötzlich für Denize engagieren? Nach der Party bei Steph war er auch gechillt. Aber wenn er dabei an Dennah gedacht hat, ergibt es auch keinen Sinn.
Was ist das überhaupt für eine Nummer mit ihr? Hat's dich erwischt auf Sulani? - Nee
Soll er sich doch EINMAL auskacken!
Blaze verbringt Tage und Nächte mit ihr und auf der Party packt Dennah dann IHN, Chip, am Shirt und schleift ihn ins Bad? Und jetzt ist er der 'Böse' in einer...nein...KEINER 'Bruder vor Luder' Sache. Sicher nicht. Als hätte er ihm die Freundin ausgespannt. Nicht im Ansatz. Chip saugt unversöhnlich zischend den Rauch ein, behält ihn kurz in der Lunge und lässt ihn nur langsam wieder frei. Kiffergewohnheit. Der Gedanke an die Situation im Bad treibt ihm das Blut heiß durch den Brustkorb.
Er hatte keine Zeit sich über irgendetwas bewusst zu werden. Dennah hat ihn überrumpelt. Sie ist ein Erdbeben und wer weiß, was für Pillen das waren, die sie eingeworfen hatte. Aber ist Geilheit ohne Hirn eine Rechtfertigung? Muss er sich überhaupt rechtfertigen und war es wirklich nur das? Es gab nichts zu denken, nur den Moment. Nicht mal seinen ziemlich kläglichen 'Abgang', hat sie bewertet. Jedenfalls nicht in Worten und die Gedanken sind frei. Auch dafür ist er ihr auf eine ihm noch immer fremde Weise .. dankbar. Ihm fällt kein passenderes Wort dafür ein.
Sollte in seinem Beisein jemals einer ihren Spitznamen gegen sie verwenden... sofort aufs Maul.
In ihm regt sich ein Abglanz des Gefühls, das sie wieder erweckt hat. Dieser Strom heißes Leben, so lange unterdrückt, ohne dass er sich dessen bewusst war. Als wäre dieser Teil in ihm rebootet worden. Es ist ihm jetzt noch wichtig, das Verbliebene davon fest zu halten, zu schützen, damit es nicht mehr verloren gehen kann.
Chip zieht noch einmal an der Kippe und schnipst den Stummel auf den Asphalt, wo er einen funkensprühenden Halbkreis zieht und schließlich trudelnd in einem Gulli verschwindet.
Schluss mit den Gedanken. Die nächsten Wochen ist noch genug Zeit zum schmerzhaften Grübeln. Im Hier und Jetzt ist die Kacke am dampfen und eine Lösung muss her. Er scheucht die Vorstellung, ab jetzt ohne besten Freund durchs Leben zu gehen, gewaltsam fort und scheppert bekräftigend die Dose mit einem letzten Tritt gegen den nächsten Zaunpfahl.
Denize' quer sitzende Tränen im Hals wollen nicht so leicht geschluckt werden, aber Chip kann verhindern, dass sie den Weg bis zu seinen Augen finden.
Sein Elternhaus ist in Sichtweite und außer Marga und Bertl glaubt er Maryama zu erkennen. Aus der Entfernung lässt sich nicht bestimmen, was genau vor sich geht, aber der Anblick lässt sein Herz sacken. Seiner Mutter das alles bei zu bringen. Der pure Horror. Chip hasst es, wenn sie weint und das wird sie tun. Und daneben Maryama..supergeil...
Unbewusst verlangsamen sich seine Schritte. So scheiße es ist, hierher zurück kommen zu müssen, sein Scheitern einzugestehen, es führt kein Weg daran vorbei. Unwillig den Atem ausstoßend, forciert er das Tempo wieder, sorgsam darauf bedacht, auf keinen Querriss im Asphalt zu treten. Eine Angewohnheit aus der Kindheit, die ihn manchmal unverhofft überkommt. Jetzt gerade hat sie oberste Priorität für die letzten 50 Meter.
Bei Töpfers im Garten
„Was meinst du Maryama..ich dachte an zehn Hühner.“ Mit gespitzten Lippen bewegt Marga mehrmals die Augen von rechts nach links.“Uuund wenn alles gut klappt, würd ich gerne aufstocken und bei euch zum Verkauf anbieten.“ Sie tunkt den Pinsel wieder in den Farbtopf vor sich und fährt liebevoll über die Holzplanke des Hühnerstalls, den Bertl vor ein paar Tagen fertig gestellt hat. „Natürlich sind sie nicht Bio, solch strenge Auflagen kann ich nicht erfüllen, aber ich werd die Hühner glücklich machen und das wird man an der Qualität erkennen.“ Zufrieden sieht sie auf. „Ich freu mich so.“
Warm erwidert Maryama ihr Lächeln. So gelöst hat sie Marga lange nicht erlebt. Die Vorfreude auf das Enkelkind und Bertls Engagement im Alltag tun ihr sichtlich gut. „Ja, so machen wir's. Du testest erstmal wie das alles läuft und dann sehen wir, wieviel Eier du uns zur Verfügung stellen kannst.“ Sie blickt über das Gelände, auf dem schon wieder Gemüse gedeiht und frische Pflanzlöcher für Bäume ausgehoben wurden. Delsyn war fleißig die letzten Tage. Er schafft es immer noch die beiden zu unterstützen, obwohl für die Pfadfinder so viel zu tun ist, vor dem Sommercamp. Maryama beschleicht ein klein wenig schlechtes Gewissen, weil sie selbst derzeit im 'Green Fingers' so viel Zeit verbringt. Ben und sie brüten noch an Ideen für die Eröffnung in ein paar Wochen und die Pflanzsaison hat auch wieder begonnen. Hier in Oasis ist alles deutlich früher dran, als im kühleren Klima von Brindleton Bay, was ihr sehr entgegen kommt. Der Startschuss in der Gärtnerei ist für Ben und sie ein Herzensprojekt und will gut vorbereitet sein. Nachdem Logan für die Bilder weg fällt um so mehr. Maryama schüttelt das aufkeimende, ungute Gefühl ab.
„Ich schau mal wie Bertls Bauprojekt voran kommt.“, sagt sie und sieht Marga auffordernd an. „Und dann hau ich ab zu Delsyn, ich will mit ihm über den neuen Wagen reden, den er gekauft hat. Ich glaube es wird Zeit, dass ich den Führerschein mache.“
Marga verpackt den Pinsel in eine kleine Plastiktüte, wischt den Rand des Farbtopfes ab und verschließt den Behälter sorgfältig. „Ich hab's auch fürs Erste. Das muss jetzt trocknen, dann kann ich nochmal drüber malen. Ich komm mit.“ Marga hakt sich unter und die beiden schlendern los. „Es sind nur noch circa drei Wochen bis zur Geburt, wenn das Baby termingerecht kommt. Ich hab einen kleinen Korb mit gestrickten Söckchen und Stramplern vorbereitet und auch deine Babydecke dazu gepackt. Zoé soll es schön warm haben, wenn sie nach Hause kommt. Ich werd es Adrian mit geben, wenn er das nächste Mal vorbei schaut.“ Sie überschlägt kurz in Gedanken die Tage. „Er hat länger nichts hören lassen, ich bin nicht sicher, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist.“
Gelassen winkt Maryama ab. „Du hast mir doch erzählt, dass er eine neue Stelle angefangen hat und erst noch mit dem Führerschein beschäftigt war. Denize hat sicher auch genug Termine und Dinge zu erledigen, jetzt, kurz vor der Geburt. Wäre etwas Wichtiges los, wüsstest du das.“
Oberflächlich beruhigt nickt Marga. „Wahrscheinlich hast du Recht.“ Sie kommen bei Bertl an, der breitbeinig vor einem fertig gezimmerten Sandkasten steht und nachdenklich seinen Bart reibt.
„Wie sieht's aus. Zufrieden?“
Bertl
Wenn er ehrlich ist, könnte er Tag und Nacht hier draußen an dem kleinen Spielplatz für Zoé bauen. Sanft gleitet Bertls Hand über das glatt geschmirgelten Quadrat aus Balken, die hoffentlich eine bequeme Sitzgelegenheit bieten werden. Keine Farbe, nur Ölfirnis ist der Plan für morgen, wenn das Wetter mit macht. Und dann feiner Sand. Den gibt’s in Oasis glücklicherweise zuhauf. Manchmal versinkt er derart tief in diesen handwerklichen Tätigkeiten, dass erst Margas Auftauchen mit einer Jacke oder etwas zu trinken, ihm signalisiert, dass einige Stunden vergangen sind. Es ist, als müsse er alles nachholen, was er in den letzten zehn Jahren versäumt...versoffen hat. Etwas mit seinen Händen zu erschaffen, gibt seinem Dasein wieder Berechtigung. Sinn wäre ein zu starkes Wort. Rau seufzt er auf und streckt den Rücken durch. Bald wird er Großvater sein. Bertl ist sich nicht sicher, wieviel mehr er diesem Kind geben kann, als das was unter seinen Händen hier entsteht. Margas Stimme lässt ihn den Kopf wenden. Er lächelt Maryama schmal zu und hebt eine Schulter mit Blick zu Marga. „Soweit.“
Vage deutet er auf einen Bereich links vom bereits Gebauten. „Ich dachte grade an eine einfache Wippe, hier.“ Verwundert dreht er sich um, als beide Frauen in leises Lachen ausbrechen. „Irgendwas verkehrt daran?“
„Nein, aber bis sie wippen wird, vergeht noch ein Weilchen.“, schmunzelt Marga und kneift ihn neckend in die Seite.
„Oder ihr beide wippt und wechselt euch ab damit, die Kleine auf den Schoß zu nehmen.“ Maryamas Blick huscht schelmisch zwischen den beiden hin und her. Die Vorstellung gefällt ihr.
Der Magenschwinger sitzt. Chip erreicht die Gruppe genau in dem Augenblick, als Maryama über Zoé scherzt. Unwillkürlich entfährt ihm ein dumpfer Laut. Drei Köpfe fahren herum und mustern ihn überrascht.
„Hi.“ Chip schiebt die Hände in die Hosentaschen und sieht zu seiner Mutter.
„Ach, da bist du ja, ich hab grade mit Maryama darüber geredet, dass ihr vermutlich viel um die Ohren habt und wir deshalb nichts hören von dir.“, lächelt Marga und setzt zu einer Umarmung an, die Chip stirnrunzelnd abwehrt.
„Ja...nein..also, es ist so.“ Er sieht mit dem rechten Fuß scharrend zu Boden. Warum ist das so scheiße schwer?
„..ich bin da, weil...ich hab Mist gebaut. Wir haben uns getrennt.“ Für den Bruchteil einer Sekunde trifft Chips Blick auf den seines Vaters, bevor beide Augenpaare fluchtartig zur Seite weichen. Der Moment schafft Intimität, von der Chip sich wünscht, es gäbe keine Grundlage dafür. Unangenehm berührt verschränkt er die Arme und sieht räuspernd zu Maryama.
Das ist übel. Unschlüssig, ob sie bleiben oder die Familie mit dem Gespräch allein lassen soll, zögert Maryama und erwidert Chips Blick hoffentlich gelassen genug, um ihm zu signalisieren, dass egal was kommt, die Welt sich weiter drehen wird. Ehe sie zu Wort kommt, nimmt ihr Marga die Entscheidung tatkräftig ab.
Was ist das für ein Fluch mit den Männern in ihrer Familie? Hört das denn nie auf?! Margas Herz brennt und gefriert gleichzeitig. Binnen weniger Sekunden steigt eine weiße, kalte Wut in ihr auf, die sie unzählige Male vorher in Filmen und Pralinen erstickt hat. Jetzt nicht.
Mit starrem Blick und versteinerter Miene packt sie ihren Sohn am Shirt. „Los, komm mit!“ Sie zieht ihn energisch mit ins Haus und schiebt ihn weiter bis in die Küche. „Auf den Stuhl.“ Unbarmherzig zeigt ihr Arm auf das Sitzmöbel, bevor sie beide verschränkt und Chip mit den Augen fixiert. „Was – hast – du - getan?“ Ihre Stimme ist leise, aber kraftvoll.
Chip, in einem weirden Deja vú gefangen, sinkt auf die hölzerne Sitzfläche und schweigt verwirrt. So hat er seine Mutter noch nie erlebt. Bestimmt und latent bedrohlich. Beinahe beängstigend diese Verwandlung.
„Rede!“. Wird Marga lauter. „Was hast du dem armen Ding angetan, dass sie dich verlassen hat?“
Es ist genau wie bei Denize. Chip weiß, was er sagen muss, aber im Grunde könnte er auch irgendwas anderes erzählen. Die Schuld wird im Endeffekt immer bei ihm landen. Er ist der Dreckskerl, der alles verbockt, sie die Gute, die das nicht verdient hat. Er spürt, wie Wut in ihm hoch steigt. Die Brust wird eng, sein Atem beschleunigt sich und Trotz ballt im Magen die Faust.
„Ich hab sie betrogen. Zum zweiten Mal und ich bereue es nicht.“, blafft er, wohl wissend, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Die Augen seiner Mutter weiten sich ungläubig. Jetzt kocht die rote Suppe in seinem Inneren richtig hoch. Er wird sich keine Moralpredigt anhören. Irgendwann reicht's mit den Fingern.
„Verdammte Scheiße! Hab ich auch ein Recht auf Gefühle? Werd ich mal zu IRGENDWAS gefragt? Oder ernst genommen?“ Chip schnaubt teils verächtlich, teils wütend. „SIE hat entschieden, dass wir das Kind bekommen, ich hatte nix zu melden! SIE hat entschieden, dass es keinen Sex mehr gibt und nichts von all dem, was mir sonst noch was bedeutet hätte. Nähe. GEGENSEITIGE Zärtlichkeit. Interesse an mir und was mir wichtig ist?“ Er haut mit der Faust auf den Tisch und steht auf. „Geben und nehmen. Ein verfickter Traum. Nein, ist nicht wichtig. Der verschissene Schulabschluss ist wichtig, dass ich Kohle ran schaffe und sie meine Zeit durchorganisiert! Für ein Kind, zu dem ich nicht gefragt wurde! Und ein Leben mit ihr, wo ich nichts zähle! Geil!! Danke!!“ Er hat keine Ahnung, aus welchen Tiefen diese Lawine hervor bricht, aber er könnte ewig so weiter machen. 
Unbeweglich verharrt Marga in der stehenden Position. Obwohl seine Worte zu ihr durchdringen, lässt sie nicht zu, dass sie etwas bewirken. „Setz dich sofort wieder hin!“ Ihr Ton duldet keinen Widerspruch.
Verblüfft fällt Chip wieder auf den Stuhl und verschränkt mit zusammen gebissenen Zähnen die Arme vor der Brust. Unkontrolliert kreist der Wörterstrom weiter in seinem Kopf, aber die Mimik seiner Mutter schiebt einen Riegel vor, so dass die Tore vorerst geschlossen bleiben.
Marga kneift die Augen zusammen und beugt sich in seine Richtung. „Was glaubst du, warum du heute hier mit mir in dieser Küche bist? Hm?“ Sie tritt näher an den Tisch und stützt sich mit den Händen auf der Platte ab. „Weil ich von deinem Vater so viel gefragt wurde? Weil ich so viel gezählt habe? Weil er so viel gegeben hat?“ Tränen treten ihr in die Augen und sie versucht nicht mehr das zu verbergen. „Oder weil er so zärtlich war?“ Ihre Kiefer malmen. „Das war vielleicht irgendwann einmal so, aber du kennst die vergangenen Jahre.“
Verunsichert sieht Chip sie an. „Was..was soll das?“ Unbehaglich rutscht er auf der Sitzfläche des Stuhles herum und versucht ihrem bohrenden Blick auszuweichen. Vergleicht sie ihn etwa mit seinem Vater?! „Was hat das mit..“
„Schweig.“, unterbricht ihn Marga harsch. „Das hat damit zu tun, dass es hier nicht vorrangig um DICH geht. Sei es wie es will. Mag sein, du hattest Gründe für dein Verhalten, aber die stehen jetzt nicht an erster Stelle. Das Kind, dass für eure ganze Situation NICHTS..“ Das Wort steht einen intensiven Moment lang im Raum. „.. aber auch GAR nichts kann und in ein paar Wochen in diese unbarmherzige Welt gesetzt wird, DAS steht an erster Stelle!“ Margas Brustkorb hebt und senkt sich schneller, ihre Stimme wird gepresst. „Und genau wie ich durchgehalten habe, damit ein unschuldiges Kind groß werden kann und ein Zuhause hat, wirst DU..“ Sie sticht mit dem Zeigefinger in Chips Richtung. „..das auch tun. Du wirst Rückgrat zeigen, arbeiten gehen und Geld verdienen. Über Denize vermag ich nicht zu urteilen, aber deine Tochter und unsere Enkelin hat ein Recht darauf. Punkt.“ Ein harter Schlag auf die Tischplatte lässt Chip zusammen zucken.
Auch wenn ihn ihre Worte bis ins Mark treffen, reckt Chip in Verteidigungshaltung den Kopf. „Ich hab nie gesagt, dass ich nicht ..“ Wieder fährt ihm seine Mutter über den Mund.
„Sei still.“ Marga gestikuliert energisch mit der Hand. „Es gibt auch nichts dagegen zu sagen, weil Zoé, um deine blumigen Worte zu benutzen, verdammt nochmal, völlig unschuldig ist, daran, was ihr verbockt habt!“ Jetzt rinnen die ersten Tränen über ihre Wangen. „Denize bringt das Baby zur Welt und glaub mir eins, das ist kein Zuckerschlecken. Du würdest alles dafür geben, lieber 24 Stunden jeden Tag zu schuften, als diese Tortur durch zu stehen. Sie ist die Mutter und wenn ihr getrennt leben müsst, dann wirst du sie trotzdem finanziell und in jeder Form, die nötig ist, unterstützen. Und jetzt geh, bitte.“ 
Unbeweglich bleibt Chip auf dem Stuhl sitzen und starrt vor sich auf den Tisch. Sie hat für ihn durchgehalten. Wäre vielleicht längst abgehauen von Bertl, der in seine Sucht abgetaucht war und nichts als weitere, unkalkulierbare Schwierigkeiten verursacht hat. Wie eine Slideshow auf Schnelldurchlauf tauchen Bilder in Chips Erinnerung auf. Marga, die ihn zuhause versorgt und in der Schule entschuldigt, nachdem ihn sein Vater verprügelt hatte. Die ihn immer mit Blicken gewarnt und geleitet hatte, bis er alt genug war, um zu erkennen, wann Bertl kurz vor einem cholerischen Ausbruch stand. Wie sie ängstlich und damals noch menschenscheu mit ihm zum Elternabend in die Schule ging, obwohl sie wusste, dass es nichts Gutes über ihn zu berichten gab. Wäsche von Hand geschrubbt...und Böden...Bertls stinkende Socken zusammen gesammelt...und seine..
Chip weiß, was sie ihm vermitteln will, trotzdem fühlen sich nicht alle Ebenen, die das Gesagte berührt, richtig an. Manches schwingt nicht synchron, vibriert unruhig nach. Er kann es nicht greifen und will es auch nicht. Chips Zorn wird abgelöst von einer tiefen Müdigkeit. Vergleichbar mit der, als er Denize die Wahrheit über die Party sagen musste.
Mit einem undefinierbarem Laut sinkt Marga auf einen der freien Stühle und sackt in sich zusammen. „Geh nach oben und räum dein Zimmer frei. Wir haben allerhand Gerümpel dort rein gepackt, aber dein Bett steht noch in der Ecke.“ Ein trockener Schluchzer entringt sich ihr. „Du kannst eine Weile bleiben, sofern du dich daran hältst, was ich gerade gesagt hab.“
„Danke.“ Die Tür klickt ins Schloss und kurz darauf knarren die Stufen der Treppe ins obere Stockwerk. Aufräumen ist angesagt. Platz finden..
>>> Chip geht nach Brindleton Bay Nr. 10 - Brindleton High >>>
<<< Chip kommt von Del Sol Valley - Wohnkomplex 4er Studenten-WG Betsy, Wade, Sam <<<
<<< Dominik kommt von Willow Creek - Denize' Haus <<<
Charaktere: Chip, Dominik, Marga
Geschichtsstrang: Lieferung frei Haus
Noch später, in Oasis Springs
Ein bisschen schwummrig vom leeren Magen und dem Abenteuer in Del Sol, steuert Chip sein Elternhaus an. Kurz streift ihn der Duft von gebratenem oder gegrilltem Fleisch und sein Magen läuft Amok. Auch wenn er es sich ungern eingesteht, die genialen Kochkünste seiner Mutter sind ein echter Pluspunkt. Wenn er aufpasst, weiterhin nicht mehr Speck anzusetzen, wird sie das Pensum auch sicher beibehalten. Ansonsten gibt es der häuslichen Situation derzeit nicht viel Gutes abzugewinnen.
Das dumpfe Grummeln in der Körpermitte verpasst seinen Füßen einen Temposchub. Auf dem Heimweg hat er wie so oft in Willow Creek gestoppt, sich möglichst unauffällig zu Denize' Haus geschlichen, um zu sehen, ob sich etwas rührt. Wie immer lag es friedlich da, als wäre es unbewohnt. Anfangs hat er noch Steinchen an ihr Fenster geworfen, wie in alten Tagen, aber nie eine Reaktion bekommen. Die Gardinen zu und das Rollo auf Halbmast. Beunruhigend.
Ihr Vater hat ihn einmal kurz abgefertigt am Festnetzanschluss, seitdem fehlt Chip der Mut nochmal anzurufen oder zu klingeln. Okay, er ist laut geworden und hat auf sein Recht als Vater bestanden, aber es IST sein Recht zu wissen wie es Mutter und Kind geht, egal was er verbockt hat.
Seine Mutter hat ihm angeboten, einen Vermittlungsversuch zu wagen, aber das ist keine Option. Irgendetwas muss er schließlich mal selber regeln, auch wenn sie mindestens so unter der verfahrenen Situation leidet, wie er selbst.
Mit dem feinen Unterschied, dass sie keine Meisterin im Verdrängen ist und keine Möglichkeit hat, sich 'vergnüglich' abzulenken von den düsteren Gedanken.
Einen Stein ins Gebüsch kickend blickt er auf und erstarrt mitten im Schritt. In einiger Entfernung kommt ihm Hr. Panera entgegen. Allein. Mit gesenktem Kopf. Scheiße. Ist irgendwas mit Denize? Hämmernd schaltet sich sein Herz mit den rasenden Gedanken kurz. Er will das nicht wissen. Will keine schlechten Nachrichten. Fehlgeburt. Verblutet. In einer Spezialklinik und das Baby tot. Das nagende Hungergefühl schlägt in Übelkeit um. Der Drang, sich ins Gebüsch zu schlagen und der Begegnung auszuweichen wird übermächtig.
Worüber nicht gesprochen wird, das ist auch nicht passiert. Das hat jahrelang funktioniert. Warum jetzt nicht? Wie festgefroren bleibt Chip an Ort und Stelle, setzt irgendwann, wie ein Roboter in Zeitlupe, einen Fuß vor den anderen, bis sie auf Augenhöhe sind.
„Hr. Panera, guten Tag.“, hört er sich sagen. Mehr will ihm nicht über die Lippen, als der Kopf seines Gegenübers sich hebt und er in die dunklen Augen blickt. Ihre Augen.
Dominik hebt leicht das Kinn, als hätte ihn Chips Stimme aus einem tiefen Tunnel geholt. Sein Blick bleibt kurz an Chips Gesicht, ohne dass sich seine Miene merklich verändert.
„Hallo Adrian.“
Die Stimme ist rau, als hätte er seit Stunden nicht mehr gesprochen. Einen Moment lang scheint er überlegen zu wollen, ob er etwas hinzufügen soll, aber er lässt es. Stattdessen zieht er den Reißverschluss seiner Jacke ein Stück höher, als ob es plötzlich kühler geworden wäre und geht einen Schritt zur Seite, um an Chip vorbei zu kommen. Seine Schultern sind leicht nach vorn geneigt, der Blick schon wieder auf den Boden gerichtet, als wolle er das Gespräch im Keim ersticken. 
"Hr. Panera.." Chips Magengegend ist bemüht, sich selbst auszuwringen. "Bitte warten Sie kurz." Er macht denselben Ausfallschritt, wie Denize' Vater, nur in die andere Richtung. Aufhalten ist alles was zählt.
"Wie geht es Denize und dem Baby?...Zoé?" Sein Ton ist eine Mischung aus Drängen und Bangen. "Ich muss es wissen..bitte."
Der Mann, der schon immer diesen traurigen Blick inne hatte, der sich noch mehr verfestigt hatte nachdem seine Frau sich das Leben nahm, bleibt stehen.
„Zoé ist bei euch“, die Stimme ohne Farbe. „Und Denize wird in zwei Tagen nach Spanien reisen.“ Dom blickt Chip nicht an, eher so knapp an ihm vorbei. Kein Wort darüber wem es gut geht, oder nicht.
Bei euch Unruhig zuckt Chips Blick hin und her, streift dabei immer wieder Denize' Vater, ohne ihn wirklich zu sehen. Sie hat entbunden, ohne ihm etwas zu sagen. In zwei Tagen nach Spanien. Sie ist also am Leben und gesund.. gesund genug, um.."W..wie? Spanien? Sie lässt das Kind im Stich?"
Sein Herz beginnt unregelmäßig zu pochen. Sie verleugnet ihr Mutter sein? Schiebt ihr Baby einfach ab? Alter..
Das Pochen in seiner Brust beschleunigt und schaltet eine Direktverbindung zu den Ohren. Jeder Schlag ein Dröhnen, wie von einer Stampede rasender Büffelhufe auf trockenem Prärieboden. Er starrt Hr. Panera an, als sähe er ihn zum ersten Mal.
Dominik atmet einmal tief durch, als müsse er den Satz, der gleich kommt, erst irgendwo aus der Tiefe seines Brustkorbs hochholen. Seine Stirn zieht sich vor Erschöpfung zusammen.
„Sie…“ Er bricht kurz ab, als suche er nach dem richtigen Wort. „…sie hat ihre Entscheidung getroffen.“ Die Stimme klingt flach, ohne Betonung, wie einer, der schon alles zigmal im Kopf durchgespielt hat und nichts Neues mehr dazu sagen kann. „Ich kann nicht allein auf Zoé aufpassen,“ sagt er leise. Dann ein kurzer Atemzug. „Deswegen ist sie jetzt bei Marga und Bertl… und dir.“
"Sie trifft immer! ALLE Entscheidungen!" Dominiks Worte treffen mitten in die offenen Wunde. "D..das. ." Keuchend atmet Chip aus und spürt, wie gleichzeitig Tränen in die Augen schießen. Verdammt. Nichts ist heil innen. Keinen winzigen Schritt ist er vorwärts gekommen. Pötzlich schlägt der Schmerz in Wut um. Mühsam beherrscht tritt er einen Schritt zurück, damit er ihren Vater besser ansehen kann. "Hr. Panera. Wenn sie solche Entscheidungen für uns ALLE im Alleingang trifft." Er unterbricht sich, weil der Drang, einen Urschrei in die trockenen Steppe von Oasis Springs zu schicken, fast unbezähmbar wird. "Dann..dann...finden Sie nicht, egal was ich für Scheiße gebaut hab.." Zwei Sekunden Augen schließen. Bleib fokussiert, das ist vielleicht deine letzte Chance "Dann hab ich doch das Recht auf ein Gespräch. Von mir aus kurz, aber von Sim...von Mutter zu Vater des Babys. Oder spinn ich? Denk ICH verkehrt?" Immer noch geht sein Atem unregelmäßig. "Sie ist noch hier, also ist es möglich. Es geht hier um unser Baby, nicht um eine Korb voll Kartoffeln."
Dominik hält inne. „Manchmal… tragen Leute mehr Entscheidungen mit, als man glaubt.“ Sagt er, ohne dass er erklärt, wessen Entscheidungen er meint. Er zieht die Schultern leicht an, atmet hörbar durch.
„Was willst du ihr sagen? Dass sies sich anders überlegt?“ Er schüttelt kaum merklich den Kopf.
Er lässt den Blick zu Boden sinken. „Es geht ihr nicht gut. Auch wenn sie in zwei Tagen ins Flugzeug steigt – das heisst nicht, dass alles heil ist.“ Die Worte klingen schlicht, doch etwas daran trägt mehr Gewicht, als er offen aussprechen will. „Glaub nicht, dass mir das leichtfällt. Aber… ich will meine Tochter nicht so... blickleer sehen.“
Bäm! Wie ein angepiekster Luftballon sackt Chip innerlich zusammen. Äußerlich sinken nur die Schultern nach unten und der Oberkörper neigt sich etwas nach vorn. Er wendet den Blick ab, weil in seiner Erinnerung ein Bild eingebrannt ist, das er tief vergraben hatte. Jetzt ist es da, als wär's gestern gewesen. Dieser Blick, der ihm so lang ein schlechtes Gewissen gemacht hat. Kein Fünkchen Lebensfreude mehr darin, in den letzten Wochen der Schwangerschaft..und dann in der Nacht, als er aus Sulani kam... Denize wirkte wie eine leere Hülse, nach seinem Geständnis und ihr Blick, als wäre jedes Leben aus ihrer Seele gewichen. Vollkommen tot.
Hr. Panera räuspert sich, das bringt Chip zurück in die Gegenwart. Ärgerlich beißt er auf der Innenseite seiner Unterlippe herum. Genau das wollte er doch nicht mehr. Die ganze Verantwortung auf seine Schultern nehmen für ihr 'Elend'. Sie hatte die Wahl und hat sich entschieden. Ohne ihn zu fragen. SIE wollte das Baby.
Wenn jemand Schuld trägt, dann sie beide. Und was macht sie? Zieht sich aus der Affäre und wirft ihm das Kind vor die Füße. Egal, ob ihr Vater mit gewirkt hat oder nicht. Sie hätte sich gegen ihn stellen können und zu Zoé und ihrem Entschluss stehen. Es gibt genug alleinerziehende Mütter. Genug Väter mit Umgangsrecht. Die Wut kehrt zurück.
Chip strafft die Schultern und mustert Ihren Vater verächtlich. Wie er sich gerade benimmt. Genauso rückgratlos wie sie. Es brodelt weiter in Chips Brust. "Richten Sie ihr aus, ich akzeptiere ihre feige Wahl." Seine Stimme gecrushtes Eis. "Zoé wird ein gutes Leben haben und liebevoll aufwachsen. Aber Denize soll niemals auf die Idee kommen, sie wiedersehen zu wollen. Das wird nicht passieren, dafür sorge ich." Er tritt erneut zur Seite, um an Dominik vorbei zu gelangen. "Schönes Leben noch, Hr. Panera.“ Fickt euch doch beide
Zuhause bei Töpfers
Die Haustüre öffnet sich mit einem leisen Knarren. Chip macht sie vorsichtig nur einen Spalt weit auf, schiebt sich lauschend durch und drückt sie leise wieder ins Schloss. Es ist still. Angespannt presst er den Rücken gegen die Tür, die Hände noch am Knauf und wagt kaum zu atmen. Warum hört man nichts? Sein Vater wird arbeiten sein, aber wenn seine Mutter Zoé in Empfang genommen hat, kann es doch nicht so totenstill sein? Es ist als hielte das Haus mit ihm den Atem an. Dann ein leises Räuspern. Es kommt aus dem Wohnzimmer, wo die Wiege steht, die Bertl vor kurzem gebaut hat. Er meinte für ein Neugeborenes sei das Kinderbett noch viel zu groß. Chip hat keinen Schimmer wie groß Zoé sein könnte.
Er ist hin und her gerissen zwischen dem Wunsch für immer hier stehen zu bleiben, um dieses Zwischenstadium zu halten und der energisch ins Bewusstsein drängenden Neugier, wissen zu wollen, wie sein Kind aussieht. Der nächste Schritt wird ihn in eine neue Realität beamen. Vater sein. Kein Babybauch mehr, der als abschirmender Kokon fungiert, ähnlich wie seine Bettdecke, wenn er sich morgens einrollt und das Leben noch eine Zeit lang aussperrt. Die Decke wurde weg gezogen, dem Baby der kalte Waschlappen Realität ins Gesicht geklatscht.
Es fühlt sich an wie ein drogengetränkter Fiebertraum. Die Angst packt ihn an der Kehle, würgt bis zum ersticken. Zischend saugt er die Luft zwischen den Lippen durch, schnappt nach und löst sich ruckartig von der Tür.
Da war doch ein Geräusch. „Adrian?“ Marga reißt den Blick von dem friedlich schlafenden Kind in den Kissen los und blickt hinter sich, wo zögerlich ihr Sohn erscheint. Ihr weicher Gesichtsausdruck wechselt von Besorgnis zu Entschlossenheit. Mit ein paar schnellen Schritten, eilt sie zu ihm. „Es ist etwas ..nein...heute war Hr, Pane..“
„Ich weiß.“, unterbricht Chip sie rüde und entzieht sich ihrer körperlichen Nähe, in dem er einen Schritt Richtung Wiege macht und stehen bleibt. „Ich hab ihn getroffen..und ich will nicht darüber reden, okay?“ Mit verschlossenem Gesichtsausdruck bleibt er zwischen Marga und seiner schlafenden Tochter stehen, unschlüssig wie er sich weiter verhalten soll.
Marga nimmt ihm die Entscheidung ab. Sanft fasst sie ihn am Ellbogen und lenkt ihn mit leichtem Druck zur Wiege. „Komm. Sie ist wunderschön.“ Ihr Tonfall, gepaart mit einem warmen Lächeln, bricht Chips Widerstand und weckt einen Teil der Neugier wieder auf. „Klar, bei den Genen.“, flachst er gewohnheitsmäßig, um die Aufregung zu überspielen, die ihn beim näher kommen erfasst. Dann ist es soweit. Auf einem hellen Kissen sieht er zuerst ihren Kopf. Sie hat keine Haare ... und rechts und links davon zwei kleine Hände, die mit den Handflächen nach außen neben dem Gesicht liegen. Forschend wandert Chips Blick weiter. Registriert die Nase, die aussieht wie die von Denize, den kleinen Schmollmund und dicke, wohlgenährte Wangen. Aber...
...wo sind die 'oh, wie anbetungswürdig diese kleinen Fingerchen sind' und 'goooldig, sie lächelt schon' oder 'oh mein Gott, sie ist natürlich! das schönste Kind der Welt' – Gedanken? Betroffen fühlt Chip ins sich hinein. Nichts dergleichen. Auch kein Bedürfnis, die bunte Wolldecke anzuheben und nach ihren Zehen zu suchen. Zero. Stattdessen schießen ihm plötzlich ganz andere Gedanken in den Kopf.
Das ist es also, was aus einem Alphaspermium wird. Das sich durchsetzt, an der Spitze der emsig wuselnden Schar bleibt und unbeirrt durch den weiblichen Unterleib prescht, um dann irgendwo im feuchten Höhlenlabyrinth triumphierend zu verschmelzen...mit einer Eizelle, die nicht weg kann...nicht weg will? Nur die einzige Bestimmung hat, diesen Draufgänger aufzunehmen und...
Sam schiebt sich in sein Bewusstsein. Nackt. Unter der Dusche. Wie sie Millionen seiner potentiellen Befruchtungshengste durch den Abfluss in die Kanalisation jagt, während die anderen auf einem zerrissenen Sonnenschirm jämmerlich vertrocknen. Sich verzweifelt winden, bis ihnen Staub und Baumwolltuch jeden Lebenssaft aussaugen...
Chip kann den Blick nicht von Zoé lösen, wagt es kaum zu atmen, so intensiv sind die Bilder und Gedanken. Es war ein Fehler, mit Sam den ersten Joint seit Wochen zu rauchen, bevor sie...
Der flashback ist verheerend.
Die Schar Spermien im Abflussrohr bekommt Gesichter. Alptraumhafte Fratzen, die ihn vorwurfsvoll anstarren, ehe sie in einem wirbelnden Strudel in der stinkenden, dunklen Tiefe verschwinden. Manche sehen aus wie Sam, andere weinen herzzerreißend aus Denize' Augen, eins sieht ihn todernst aus seinen eigenen, blauen Augen an, durchbohrt ihn regelrecht und entschwindet dann mit weit aufgerissenem Mund und tonlosem 'Neeeeiiiiinnn' in der Schwärze des Abflussrohrs. Chip schnappt hörbar nach Luft. Taumelnd sucht er mit der Hand nach Halt und erwischt Margas Arm, der sich ihm stützend entgegen stemmt.
„Ja, es wirft einen aus der Bahn, nicht wahr? Dieses wunderbare, kleine Wesen.“, sagt sie zärtlich und sieht in mit Tränen in den Augen an.“Unsere Enkelin...deine Tochter.“ Ein Schluchzen entringt sich ihrer Kehle. „Ich hab nicht gedacht, dass ich das einmal erleben darf, Adrian.“ Marga umarmt ihn fest und schmiegt ihr Gesicht an seine Schulter. „Wir schaffen das gemeinsam, hab keine Angst.“
Mit Ach und Krach gelingt es Chip, sich noch rechtzeitig abzuwenden, damit seine Mutter nicht das blanke Entsetzen in seinen Augen sieht. Das hier ist seine Tochter. Eins von zig Millionen möglichen Ergebnissen, die das kosmische 'Wer wird siegen'- Spiel ins Rennen geworfen hat. Unangenehm dringen Margas Tränen durch den Stoff seines T-Shirts. Er sollte sie umarmen. Zögernd setzt er dazu an, bremst, startet neu und legt schließlich locker seine Arme um sie. Warum kommt kein angemessenes Gefühl auf? Liebe? Überwältigt sein? Tiefe Verbundenheit, wie er es manchmal gespürt hatte, als er an Denize' Bauch gelauscht oder ihn gestreichelt hat? Ist irgendwas kaputt gegangen innerlich? Etwas, was für sein Gefühlsleben zuständig ist?
Ein lautes Schniefen, gefolgt von trötendem Nase putzen holt ihn zurück.
Unangenehm trocken und warm schiebt sich die Hand seiner Mutter in seine und drückt beruhigend. Das ist vermutlich die Absicht, löst aber nur Widerwillen aus. Chip zieht die Hand zurück und tritt ganz nahe an das Bettchen heran. Zoé zuckt zusammen, als könne sie seine aufgewühlte Energie spüren, blinzelt im Schlaf und atmet dann gleichmäßig weiter. Dieses erste bewusst wahrnehmbare Lebenszeichen rüttelt Chip auf. Sein Herz beginnt zu hämmern, als ihm mit einem Schlag bewusst wird, dass dieser Sim jetzt fester Bestandteil seines Lebens ist...bis das der Tod sie scheidet...
Er streckt zaghaft eine Hand aus und berührt mit seinem kleinen Finger sachte ihre rechte Handinnenfläche.
Mit ungeahnter Kraft packen die kleinen Finger zu, umschließen seinen, als wollten sie nie wieder los lassen.
Die Welt reduziert sich auf 6 Finger und in Chips Kopf und Brust trommelt ein überwältigendes Mantra: Der Pakt ist geschlossen .. budumm, budumm, budumm..der Pakt ist geschlossen...dududumm... ...dududumm!
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha)
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