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Chestnut Ridge Nr. 8 - Pferderanch
Charaktere: Flora, Marley und Raphael
Geschichtsstrang: Der Hof in neuen Händen
Gemeinsam mit Raphael tritt Flora aus dem Gästehaus und schlendern über das Gelände zum Haupthaus. Die Abschlussrunde ist erledigt und die letzten Punkte besprochen. "Der neue Mieter kommt morgen", sagt sie mit einem ernsten Blick. "Um die Vermietung der anderen Wohnungen solltest du dich in nächster Zeit kümmern." Da verdreht Raph auch schon die Augen. "Ja, Tante Flora, ich weiß ..." Für einen Moment schweigend gehen sie weiter über den Hof und vorbei am Büro, an der kleinen Wiese über die Brücke. Am Eingang zum Hofladen bleiben sie stehen. Dort stehen bereits Floras Koffer ordentlich nebeneinander bereit für die Abreise. "Das Taxi ist schon gerufen", bemerkt sie, während sie ihren Neffen mustert.

Als Raphael jemanden hinter sich rufen hört, dreht er sich um. "Ich hab dir ja gesagt, dass Marley dich auch noch verabschieden kommt", ruft er mit einem breiten Grinsen. Erleichtert lächelt Flora. "Schön, dass Du noch eine Augenblick Zeit hast."
Marley lächelt. "Natürlich.", sagt sie, "Immerhin ist es ein großer Vertrauensbeweis, dass die Ranch uns zur Pacht überlassen wurde." Sie lächelt. "Wir werden Anzeigen in die Zeitung setzen, damit wir hoffentlich bald weitere Mieter finden."
"Und ich bin froh, dass jemand meinem Neffen auf die Finger schaut. Ansonsten ..." Flora hebt eine Augenbraue, doch Raph fällt ihr sofort ins Wort. "Hey, ich hab das schon im Griff." Grinsend schüttelt sie den Kopf. "Du bist und bleibst unverbesserlich. Komm her." Sie zieht ihn fest in ihre Arme für einige Sekunden, bis sie sich von ihm löst und ihn mit einem warmen Blick ansieht. "Ich erinnere mich noch gut, wie du klein warst. So ein lieber, ruhiger Junge und doch so neugierig auf die Welt. Und jetzt sieh dich an!" Dann macht sie einen Schritt zurück und sieht auch Marley an. "Ich weiß, dass ihr das schafft! Aber vergesst bitte nicht: Ich bin immer für Euch da und wenn ihr was braucht, meldet Euch jederzeit!"
"Thanks! Die Nummer haben wir ja." Marley lächelt, als Billie plötzlich angestürmt kommt. Auch er schnuppert neugierig an Flora und leckt über ihre Hand, als sie den Hund streichelt. "Wir drei rocken das schon!", grinst sie und zieht damit auch Billie ein. "Sure thing!"

Sie hat noch nie davor zurück geschreckt, auch Herausforderungen anzunehmen. Im Gegenteil. Es reizt sie sogar, obwohl sie keine Erfahrung in diesem Bereich hat. Vieles hat sie bereits durch die Besprechung gelernt, die vorher stattfand. Flora hatte sie und Raphael gut unterwiesen.
Gerührt lächelt Flora über die Worte ihrer neuen Pächterin Einen Moment lang mustert sie die junge Frau, dann öffnet sie ihre Arme und zieht auch sie fest an sich. "Das ist die richtige Einstellung. Mit so viel Mut und Tatkraft kann eigentlich gar nichts schiefgehen."

Nachdem sich Flora von Marley gelöst hat, legt Raphael einen Arm um seine Herzensdame. "Ja, wir sind ein tolles Team." Auch wenn Raphael seiner Tante mehrfach versichert hat, es handle sich nur um eine lockere Verbindung und ein bisschen Verknalltheit, lässt sich Flora nicht täuschen. Anhand seiner Mimik und der Art, wie er Marley ansieht, erkennt sie deutlich, dass hier weit mehr im Spiel ist als bloße Anziehung.
Marley erwidert die Umarmung. Wenn auch Flora ihnen das zutraut... dann muss es einfach klappen. Lächelnd sieht sie erst Flora, dann Raphael an. Wer, wenn nicht er, ist der perfekte Partner dafür?
(In Zusammenarbeit mit @Murloc.)
Charaktere: Marley, Raphael
Geschichtsstrang: Family by Choice
Mit einem leichten Hungergefühl zieht Raphael die Schuhe vor der Tür aus und betritt die Wohnküche seiner Pächterwohnung. Es war anfangs eine große Umstellung gewesen, wieder in einer richtigen Wohnung zu leben und dann nicht allein, sondern mit Marley. Doch in den letzten Wochen hatte er sich daran gewöhnt. Mittlerweile gefiel es ihm sogar immer besser. Die Sehnsucht nach seinem alten Wohnwagen war längst verschwunden und er konnte sich nun voll und ganz auf die Ranch und seine Aufgaben konzentrieren.

Trotzdem ließ ihn ein Gedanke nicht los. Als er neulich die Buchhaltung bei der Steuer- und Rechtsanwaltskanzlei von Herrn Garcia-Lopez vorbeibrachte, hatte er ihn auch rechtlich um Rat gebeten. Schon seit Längerem spielt er mit dem Gedanken, die Pflegschaft für Gereon zu übernehmen. Seiner Meinung nach war ein Leben im Waisenhaus keine dauerhafte Lösung. Gereon kam auf der Ranch gut zurecht, zeigte Verantwortungsgefühl und Ruhe. Und nun, da sich die Wohnsituation geändert hatte, wäre im ehemaligen Gästehaus sogar eine kleine Wohnung für ihn frei ... perfekt, um Selbstständigkeit im Alltag zu lernen.
Doch als Raphael mit Herrn Garcia-Lopez darüber sprach, wurde ihm schnell klar, dass so eine Entscheidung nicht einfach war. Adoption oder Pflegschaft bedeuteten viele Voraussetzungen: Kurse, Eignungsprüfungen, Vermögensnachweise und jede Menge Bürokratie. "Gibt es denn keine andere Möglichkeit?", hatte Raphael verzweifelt gefragt.
Der Anwalt hatte daraufhin erklärt, dass es durchaus eine Alternative gäbe – eine, die in seinem Fall sogar sehr gut passen würde. Gereon könnte, mit Zustimmung des Jugendamts und natürlich, wenn er selbst es wollte, auf der Ranch leben. Das Ganze würde als betreutes Wohnen geführt werden. Gereon bekäme weiter Unterstützung vom Jugendamt, während Raphael und Marley offiziell als Alltagsbegleitung gelten würden – Sims, die ihn im Alltag unterstützen, ohne rechtlich Eltern zu sein.
Wichtig wäre nur, dass dies Gereons ausdrücklicher Wunsch sei und das Jugendamt regelmäßig nach ihm schaue.
Zwei Tage hatte Raphael gebraucht, um sich das alles gründlich durch den Kopf gehen zu lassen. Doch nun war er sich sicher. Er wollte Gereon auf die Ranch holen. Er erinnerte sich gut daran, wie sehr ihm seine Tante Flora nach dem Tod seiner Mutter geholfen hatte und jetzt wollte er dieselbe Chance weitergeben.
In der Wohnküche erblickt er Marley, wie sie gerade die Einkäufe ausräumt.
"Hey", grüßt er sie und gibt ihr einen Kuss auf die Wange. "Hast du eine Minute? Ich wollte mal was mit dir besprechen."

Marley hält den Vanillepudding in der Hand. Eigentlich ist das Zeugs ja ungesund. Aber beim Einkaufen hatte sie einfach nicht widerstehen können und gleich mehrere mit eingepackt. Keine Zubereitung nötig, einfach direkt aus der Verpackung naschen. Vielleicht könnte sie direkt mal einen davon essen, ohne ihn erst in den Kühlschrank zu stellen... Gerade in diesem Moment kommt Raphael vorbei.
Marley grinst. "Für dich habe ich doch immer Zeit." Sie reicht ihm den Pudding hin, während sie sich selber einen eigenen schnappt. "Do you want one?" Sie verstaut den restlichen Pudding und die anderen Einkäufe im Kühlschrank, holt sich selbst einen Löffel und reicht auch Raphael einen, ohne seine Antwort abzuwarten. "Worum geht es denn?"
Dankbar nimmt Raphael den Pudding entgegen und probiert einen Bissen. "Ich hatte dir schon öfter erzählt, dass mir Gereon in den letzten Wochen wirklich ans Herz gewachsen ist", beginnt er schließlich. "Wir haben ab und zu mal was unternommen. Und auch wenn er eher der stille Typ ist, habe ich das Gefühl, dass er hier richtig gut zu uns passt. Halt mich ruhig für verrückt, aber … es fühlt sich an, als wäre er schon ein Teil der Familie. Ich kann mir die Ranch ohne ihn kaum noch vorstellen." Lächelnd denkt er an sein letztes Gespräch mit dem Jungen. "Jedenfalls beginnt er bald seine Ausbildung. Dann werden wir ihn viel seltener sehen als bisher. Und da hab ich mir gedacht ...", er unterbricht und macht eine kurze Pause. "Was würdest du davon halten, wenn Gereon in die freie Erdgeschosswohnung im Gästehaus zieht? Wir könnten als seine Alltagsbegleitung fungieren und ihn unterstützen und helfen, wenn ers braucht. So als eine Art Ersatzeltern oder ... Nein, das hört sich komisch an. Als ... seine großen Ersatzgeschwister!"

Marley sieht ihn lange an. Fast fällt ihr der Löffel aus der Hand. "Dann meintest du das also wirklich ernst!" Schon vorher hatte Raphael dieses Thema angesprochen. Wenn er jetzt, auch nach Tagen, immer noch daran festhält, muss es ihm wirklich ernst sein. Sie zögert mit ihrer Antwort: "Ich habe nichts gegen Gereon, überhaupt nicht." Die Szene mit dem Pferdebiss ist Vergangenheit. Mittlerweile hat Gereon dazu gelernt, und sie selber auch. Es war damals keine böse Absicht gewesen, und sie empfindet keine Wut mehr deswegen. Auch der Hengst scheint nicht nachtragend zu sein. Aber Adoption? Muss das wirklich sein? "I... I don't know. Ich weiß nicht ob ich diese Art von Verantwortung möchte, wenn wir gleichzeitig auch den Hof am Laufen halten müssen. Wie stellst du dir das vor?"
Ihre Sorgen kann Raphael gut nachvollziehen. "Das verstehe ich, aber es ist ja nicht so, dass wir die ganze Verantwortung allein tragen müssen. Das Jugendamt steht uns jederzeit zur Seite. Und vergiss nicht, dass Gereon kein kleines Kind mehr ist. Er ist ein Teenager, der bald seine Ausbildung beginnt. Von daher braucht er keine Rundumbetreuung, sondern eher jemanden, der da ist, wenns drauf ankommt." Zögernd spricht er weiter. "Was das Finanzielle betrifft, das wäre auch abgesichert. Das Jugendamt übernimmt den Lebensunterhalt, also Miete, Verpflegung, Kleidung, solche Dinge. Uns würde keine zusätzliche Belastung entstehen."
Dann rückt er mit der Sprache raus. "Ich habe das alles mit unserem Rechtsanwalt Herrn Garcia-Lopez durchgesprochen. Er hält die Idee für realistisch und sogar sinnvoll. Gereon ist stabil, zuverlässig, keine besonderen Auffälligkeiten, keine geistige oder körperliche Behinderung. Es wäre wirklich machbar."
Marley hört Raphael genau zu. Er hat sich informiert, das wird deutlich. Ihm ist es wichtig. Hat er vielleicht sogar Recht? Verdient Gereon ein eigenes Zimmer, außerhalb des Waisenheims? "I see. Du hast dir bereits die Argumente zurecht gelegt." Sie denkt nach. Erinnert sich an ihre eigene Jugendzeit. Damals hatte sie sich von ihren Eltern noch nicht entfremdet, und schon damals hatte sie Simlisch lernen wollen. Sie hatte immer diesen Wunsch nach Abenteuer, und auf ein Leben außerhalb der USA. Und jetzt kam ihr diese Entscheidung zu Gute. Es hatte sie früh Verantwortungsbewusstsein gelehrt.

Und Gereon? Hat nicht auch er die Chance auf Eigenverantwortung verdient? In einer eigenen Wohnung kann er sowas in einem sicheren Rahmen lernen, ohne zu fallen, falls es doch nicht sogleich klappt. Und es gibt keinen Grund zur Sorge, dass er damit nicht klar kommen würde. Sie unterstützt Raphaels Einschätzung, dass er stabil sei.
"Es ist gut zu wissen, it's not just a half-baked idea... Wie sagtet ihr auf simlisch? Keine Schnapsidee. Du hast dir wirklich Gedanken gemacht.", muss Marley anerkennen. "You know what? Wir versuchen es. Du hast mich überzeugt." Es ist gut zu wissen, dass zumindest finanziell nichts weiter auf sie zukommt. Unter diesen Umständen ist es für sie viel einfacher, mit dieser Idee umzugehen.
Überglücklich springt Raphael vom Stuhl mit Pudding im Mund und umarmt Marley überschwänglich. "Ich danke dir! Ich kann dir versichern, dass es die richtige Entscheidung ist."

Er schaut auf die Uhr und dann wieder zu ihr. "Gereon müsste noch im Stall sein. Komm, gehen wir zu ihm und erzählen ihm von unseren Plänen. Jetzt müssen wir nur noch ihn überzeugen!"
In Zusammenarbeit mit @Spatz
<<< Phönix kommt von San Myshuno (5) <<<
<<< Bella kommt von San Myshuno (5) <<<
<<< Maryama kommt von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers (2) <<<
<<< Ben kommt von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers (2) <<<
Charaktere: Phönix, Bella, Marley, Raphael, Maryama, Ben
Geschichtsstrang: Zwischen Hufschlag und Erntekorb
Der herbe, intensive Duft von Lavendel weht Bella und Phönix entgegen, als sie durch das große, offen stehende, Tor zur Pferderanch in Chestnut Ridge gehen. Riesige alte Bäume bilden grüne Oasen rechts und links vom Weg, der nicht gepflastert, sondern mehr fest getretene und gefahrene Erde ist. In den Blütenduft mischt die warme Sommerbrise würziges Heuaroma und einen Hauch von Pferdedung. Phönix muss lächeln, obwohl ihm eigentlich immer noch nicht danach zumute ist. "Du hast recht, Bella.", sagt er liebevoll und zieht die Insulanerin an sich. "Es geht nichts über den Duft der Natur." Er küsst sie zärtlich und verweilt Nähe tankend in der Umarmung. "Ich freue mich, dass du mit gekommen bist...und über deine Offenheit. Das tut so gut.", sagt er leise.
Bella schließt die Augen, dreht sich zu ihm um und erwidert seinen Kuss. "Na klar doch!", lächelt sie, "Für dich doch immer." Es ist so schön, Phönix gefunden zu haben. Hoffentlich endet es mit ihm nicht genauso wie mit dem Vater ihrer Kinder... Doch sie verdrängt den Gedanken und folgt Phönix weiter über die Ranch.

Schlendernd überqueren sie die hölzerne Brücke, auf deren rechter Seite der Hofladen liegt. "Früher hab ich öfter hier eingekauft. Annett verkauft den besten 'Cabernet Chestnut', den du dir wünschen kannst und ab und zu haben wir zusammen ein Gläschen getrunken, während wir den neuesten Klatsch der Gegend ausgetauscht haben.", erzählt er leutselig und schmunzelt bei der Erinnerung. "Leider ist der Kontakt irgendwann etwas eingeschlafen, aber wir frischen ihn heute auf." Er lächelt Bella an. "Wenn du magst, bist du später auf ein Gläschen eingeladen." Oder darf ich das nach neuem Ernährungsplan auch nicht mehr?
Als sie den offenen Innenhof erreichen, dringen von den Stallungen her Gelächter und Stimmen. Phönix kann eine weibliche und eine männliche unterscheiden. Der Geruch von Strohballen und Pferd ist hier intensiver. Interessiert bleibt er an einer Anschlagtafel stehen. Öffnungszeiten des Hofladens. Diverse Reitkurse. Pferd zu verkaufen. Ein Angebot für therapeutisches Reiten erregt seine Aufmerksamkeit. Das könnte beruflich interessant werden. Vielleicht hilft das irgendwann einem seiner Klienten weiter, wer weiß. Im Inneren des Gebäudes ertönt ein leises Wiehern und scharrende Hufe untermalen das Geräusch. Die Doppeltür zum Gebäude steht offen und Phönix streckt neugierig den Kopf ins Innere. "Hallo! Ist hier jemand, der uns weiter helfen kann?"
Als Raphael die Stimme hört, fährt er erschrocken zusammen und löst sich von Marley. Obwohl sie inzwischen zusammen in einer Wohnung wohnen und jede Nacht das Bett teilen, kommt Zweisamkeit viel zu kurz. Ausschlafen ist kaum möglich und die gemeinsame Zeit im Bett, das Kuscheln am Morgen, all das ist in den letzten Wochen der harten Arbeit zum Opfer gefallen. Gerade hier im Stall hatte er gehofft, ein paar ruhige Minuten nur mit ihr zu haben.
Er richtet sich auf, sieht sich kurz um und lauscht erneut. Die Stimme kam eindeutig von der Tür her. "Ja!", ruft er schließlich zurück. "Wir sind im Stall!"
Die Stimme klingt vertraut, doch er kann sie nicht richtig einordnen. Durch die Streben der Stalltür sieht er nur Umrisse und kein Gesicht. Also tritt er aus der Box und geht in Richtung Eingang.
Marley seufzt. Ausgerechnet jetzt... Sehnsüchtig sieht sie zu Raphael zurück. Am liebsten hätte sie sich weiter an ihn gekuschelt. Die Pferde kümmert die Zweisamkeit nicht weiter. Aber ihre Professionalität siegt. Schauen wir mal, was daraus wird. Kurz darauf betreten tatsächlich zwei Menschen den Raum. Ein Kerl mit Cowbowhut und eine Frau mit grünen Haaren. Ungewöhnliche Farbe. "Was können wir für Sie tun?", fragt sie die beiden.

Angetan vom Anblick des Cowboyhutes auf dem Kopf der jungen Frau, lächelt Phönix offen und zieht den seinigen, während er sich und Bella vorstellt. "Ehrlich gesagt, wollte ich Annett besuchen, die Pächterin hier.", erklärt er. Mit dem Hut in der Hand macht er eine ausholende Bewegung in Richtung der Boxen. "Ich war länger nicht mehr da und hatte ganz nebenbei auch ein bisschen Pferdesehnsucht, ehrlich gesagt." Er setzt den Hut wieder auf und grüßt mit einem freundlichen Nicken auch den jungen Mann, der im Rücken von Marley aufgetaucht ist.
Als Raphael den Namen Annett hört, kratzt er sich verlegen im Nacken und wirft Marley einen kurzen Blick zu.
"Dann waren Sie wirklich schon länger nicht mehr hier", sagt er zögerlich. "Wir sind Raphael und Marley, die neuen Pächter der Ranch. Annett ist gar nicht mehr da."
Er hält kurz inne, bevor er weiterspricht. Es ist nicht das erste Mal, dass jemand nach ihr fragt, seit sie gegangen ist. Meist waren es Lieferanten oder Kunden und jedes Mal hatte er es vermieden, genauer auf die Gründe ihres Weggangs einzugehen.
Während er die Besucher mustert, bleibt sein Blick an dem Mann hängen. Er hat ihn auf der Ranch schon mal gesehen, doch er kann ihn nicht einordnen.

Marley lächelt, als sie als Pächterin bezeichnet wird. Ein Karrieresprung von einer einfachen Reitlehrerin. "Wir führen die Ranch in ihrem Sinne weiter.", fügt sie noch an Raphaels Erklärung mit an. "Mit Reitstunden, und der Möglichkeit, hier Pferde unterzustellen."
Bella sieht sich um. Es ist hier so anders als bei ihr auf Sulani...
Der Geruch von Pferd und Stall streicht ihr in die Nase. Sie kann sich nicht erinnern, jemals etwas vergleichbares gerochen zu haben. Sie hört ein Wiehern, als eines der Tiere seinen großen Kopf neugierig durch das Stallfenster steckt. Bella staunt. Es ist ihr gar nicht mehr bewusst gewesen, wie riesig Pferde eigentlich sind. Sie hält respektvoll Abstand. Besser, sie lässt sich vorher von Phönix zeigen, wie man sich diesen Tieren nähert.
"Ach?" Phönix zieht erstaunt die Brauen in die Höhe. "Das kommt überraschend. Allerdings war ich wirklich schon lange nicht mehr hier. Ich habe noch eine Dienstwohnung in Windenburg, wo ich mich viel aufhalte.", erklärt er leutselig. "Deshalb war ich nicht oft hier, um einzukaufen und den neuesten Nachbarschaftsklatsch bei einem Gläschen Wein mit Annett durchzukauen." Er schmunzelt und sieht zwischen den beiden jungen Leuten hin und her, dann nickt er anerkennend. "Sie hat gute Nachfolger gefunden, glaube ich." Er deutet in den Hof und zu den Boxen, die nicht vollständig belegt sind, aber alle sauber und ordentlich wirken. "Man sieht es dem Hof an, dass er mit Herz betrieben wird." Phönix linst fragend zu Bella. "Hast du Lust dich ein wenig umzusehen?" Bella nickt lächelnd, was Phönix' Herz kurz stolpern lässt. Wie schön wäre es, wenn sie seine Liebe zu Pferden teilen könnte. Gleichzeitig bremst er sich innerlich. Alles gut, es reicht schon, dass sie hier ist und dir hilft auf andere Gedanken zu kommen. Aufgeschlossen sieht er die neuen Pächter an. "Hätte einer von Ihnen vielleicht Lust und Zeit mit uns eine kleine Runde über das Anwesen zu machen? Ich hätte gegebenenfalls Interesse daran ein Pferd hier unter zu stellen." Bist du verrückt? Wo kam DAS her?

Zeitgleich in einem Pickup kurz vor der Ranch
"Yeeehaaa!", lachend fasst Maryama den Griff über der Türe und rückt sich auf dem Beifahrersitz des Pickups wieder gerade.Ihr buschiger, abfedernder Haarschopf hat gerade noch eine Beule am Kopf durch Autodachkollision, verhindert. Die letzten Meter bis zur Pferderanch sind mehr eine holprige Buckelpiste, als eine Straße. Erst als sie durch das große Tor fahren, wird der Untergrund ebener. "Chestnut Ridge ist wirklich eine wilde Gegend. Ursprünglich. Ich mag das." Sie sieht zu Ben, der das Fahrzeug routiniert steuert, obwohl er den Führerschein noch gar nicht so lange besitzt. "Du solltest dich vielleicht mal zu einer Gelände Ralley anmelden.", neckt sie ihn und reckt den Hals, weil sie über eine schöne Holzbrücke Richtung Innenhof fahren. "Ich bin gespannt, ob Annett sich noch an unser Gespräch erinnert."
Sie hatten sich in Brindleton Bay auf dem Wochenmarkt kennen gelernt. Maryama trug eine Korb voll mit Kohlköpfen und Annett war gerade am Äpfel kaufen. Noch immer muss sie grinsen, wenn sie an diesen Tag denkt. Browneye hatte einen spannenden Eimer mit Fischabfällen gewittert und war angeleint los gestürmt wie eine Rakete. Der Ruck und das Tempo rissen ihr den Arm weg, katapultierten sie direkt in Annett hinein und Äpfel und Kohlköpfe bunt durcheinander purzelnd auf den Boden vor ihnen. Das anschließende, von Gelächter uns Entschuldigungen geprägte, Aufsammeln wurde von begeisterten Hopsern seitens Browneye begleitet. Als das Chaos beseitigt war, hatten sie sich noch eine ganze Weile unterhalten und dabei kam das Thema Hofladen auf.
"Es wäre sooo genial, wenn wir auf der Ranch unser Zeug verkaufen dürften."

Ben lacht, als Maryama vorschlägt, ihn zu einer Gelände Ralley anzumelden. "Gelernt ist eben gelernt.", sagt er mit einem Zwinkern, "Was meinst du wohl, wie oft ich als kleines Kind mit nem Spielzeugauto durch die Gegend gebrettert bin? Das ist die beste Übung." Stolz wirft er den Autoschlüssel in die Luft, bevor er ihn wieder auffängt und in seiner Hosentasche verschwinden lässt. "Es wurde wirklich Zeit, das auch mit richtigen Autos nachzumachen." Er lächelt. "Aber ich hoffe auch, dass es klappt. Wir sollten uns von unserer besten Seite zeigen."
Im Stall
Angespornt von Phönix Kompliment, dass die Ranch mit Herz geführt wird, richtet sich Raphael auf und lächelt. "Ich kann Sie gern herumführen", sagt er. Dann sieht er kurz zu Marley, um sich zu vergewissern, dass sie einverstanden ist. "Wir waren hier eh gerade fertig, oder?"
"Correct!", bestätigt Marley. "Zumindest mit der Arbeit. Und was den Rest betrifft, den holen wir später nach." Sie zwinkert Raphael zu, als sie Motorengeräusch hört. Nun blickt Marley aus dem Stallfenster und erkennt einen Wagen, aus dem nun zwei Leute aussteigen. Nun siegt doch noch ihre Professionalität doch noch siegt. "Raphael, du übernimmst die Führung, und ich kümmere mich solange um die anderen Gäste."
Bei Marleys schelmischer Art mit Raphael, zucken Phönix' Mundwinkel für einen Moment amüsiert. Die beiden sind wohl auch privat ein Team. Er legt den Arm wieder um Bellas Taille als sie los schlendern. Ein gutes Gefühl. Im Grunde liebt Phönix seine Ungebundenheit und sich auf eine monogame Beziehung fest zu legen, lag bisher außerhalb seiner Komfortzone. Was nicht bedeutet, dass seine Gefühle nicht aufrichtig sind, nur festgelegt auf eine Person fühlte sich bisher nicht nach einem sinnvollen Lebensentwurf an. Als ihm der feine Duft nach Meersalz und Blüten aus Bellas Haar in die Nase steigt, stiehlt sich unwillkürlich ein zärtliches Lächeln auf seine Lippen. Er haucht ihr im weiter gehen einen Kuss auf den Scheitel und lässt den Blick über die Koppeln schweifen, die sie gerade erreichen.
"Wie fühlst du dich hier, umgeben von stolzen Rössern und Pferdeäpfelgeruch?"

Bella blickt von einem Pferd zum nächsten. Noch ist es ihr nicht ganz gelungen, den penetranten Geruch nach Stroh, Pferd und Arbeit auszublenden, so sehr sie sich auch bemüht. Sie vermisst den Geruch nach Meer, den sie gewohnt ist. Aber Phönix zuliebe reißt sie sich zusammen. "Ein wenig eingeschüchtert von den großen Tieren.", gibt sie schließlich leise zu. "Aber in deiner Gegenwart fühle ich mich sicher." Lächelnd drückt sie seine Hand. Wie schön, dass sie ihn gefunden hat.
"Ihr habt einige Pferde mehr hier mittlerweile.", sagt Phönix zu Raphael und zeigt auf eine Vierergruppe auf der Weide vor ihnen. Der Anblick der stolzen Vierbeiner, lässt sein Herz schneller schlagen. "Früher war ich oft reiten. Die Verbindung zu den Tieren gab mir das Gefühl von Heimat und die Ausritte, kombiniert mit zelten in der Natur, waren Freiheit pur.", fährt er mit nostalgischem Anflug fort.
Eines der Pferde hebt den Kopf und wittert in ihre Richtung. Was wenn die Erkrankung schlimmer wird..und ich nie mehr unbeschwert... Energisch würgt Phönix den Gedanken ab. Wie ein Blitz schießt ihm ein anderer durchs Gehirn. "Ich habe am Anschlagbrett gelesen, dass jemand sein Pferd verkaufen will, das hier untergebracht ist."
Fragend richtet er den Blick auf Raphael, der auf einem Grashalm kauend am hölzernen Zaun lehnt und die Tiere beobachtet, während er zu hört. "Ist das noch aktuell?"
Der junge Mann nickt leicht, während er Phönix prüfend mustert. "Ja, das stimmt", sagt Raphael schließlich. "Wir vermitteln hier auf der Ranch gelegentlich Verkäufe. Das Pferd steht aktuell bei uns im Stall, gehört aber einem externen Eigentümer. Die vertraglichen Details laufen dann direkt über ihn. Aber wenn Sie Interesse haben, können Sie sich das Tier natürlich gern einmal ansehen ... das ist gar kein Problem."

Liebevoll erwidert Phönix den Händedruck. "Das verstehe ich. Sie sind! respekteinflößend, auf eine wunderbare Weise." Beflügelt durch Bellas Worte wendet er sich wieder Raphael zu.
"Das würde ich gerne tun." Phönix nickt bekräftigend. "Eine Shirehorse Stute, wenn ich es recht in Erinnerung habe. Warum will der Besitzer sie verkaufen?" Verschiedene Beweggründe kommen ihm in den Sinn. Schlecht wäre es, wenn es am Wesen des Tieres liegen würde, was bei dieser Rasse aber eher ungewöhnlich wäre. "Sanfte Riesen" werden sie auch genannt und deshalb auch gerne als Therapiepferde eingesetzt.
Die Arme verschränkt überlegt Raphael kurz, wie er die Gründe am besten formuliert. "Nun ... Die Stute gehört einem älteren Herrn", erklärt er schließlich. "Er kann aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr reiten und sucht jetzt jemanden, der ihr gerecht wird. Ihm liegt viel daran, dass sie in gute Hände kommt. Deshalb möchte er den neuen Besitzer auch persönlich kennenlernen. Er ist da sehr ... achtsam, aber auf eine angenehme Art. Wenn er merkt, dass jemand das Herz am rechten Fleck hat, dann findet sich meist schnell Vertrauen."

Bella hat keine Ahnung, wie sich eine Shirehorse Stute von einem Hannoveraner oder Araberpferd unterscheiden würde, oder was es sonst noch so für Rassen gibt. Aber Phönix kennt sich eindeutig besser aus als sie. Doch nun ist die Neugier geweckt. "Auf die Stute bin ich jedenfalls schon gespannt.", sagt sie zu Phönix.
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Schwungvoll öffnet Maryama die Wagentür und springt aus dem Auto. Der Boden des Innenhofs strahlt die gespeicherte Wärme des sonnigen Tages ab, die sie wohlig einhüllt. Von irgendwo dringt das Scharren von Pferdehufe an ihr Ohr und ein paar Fliegen surren in halsbrecherischen Kurven um den Pickup. "Wo wir wohl jemanden finden? Vielleicht sollten wir den Hofladen suchen. Was meinst du, Ben?"
Noch bevor Ben antworten kann, kommt ihnen eine junge Frau entgegen, die offensichtlich zur Ranch gehört. Er hört den amerikanischen Akzent, als sie sich als Marley vorstellt und schließlich fragt: "Howdy. Kann ich helfen?" Sie sieht dabei zuerst ihn, dann Maryama an, ganz so als wüsste sie selber nicht, wer von beiden das Wort an sich reißen würde. Ben beschließt, den Anfang zu machen. "Hi. Maryama und ich betreiben einen kleinen Laden in Brindleton Bay, selbst angebaute Blumen und auch Gemüse. Wir haben von dem Hofladen gehört und uns überlegt, ob vielleicht eine Zusammenarbeit möglich ist. Wen müssen wir dafür ansprechen?" Er sieht zu Maryama, ob sie noch etwas hinzufügen möchte.

Interessiert mustert Maryama ihr Gegenüber. Die junge Frau wirkt recht energisch und zielstrebig. "Ich hatte mit Annett schon mal über eine Zusammenarbeit gesprochen, aber aus verschiedenen Gründen kam das bisher nicht zustande. Jetzt ist die Gärtnerei frisch eröffnet und wir würden uns freuen zu expandieren.", ergänzt sie Bens Ausführungen und lächelt Marley offen an.
"Ah, verstehe." Marley überlegt einen Augenblick. Sie erinnert sich dunkel daran, dass Annett irgendwann mal was von einer Gärtnerei erzählt hatte, auch wenn sie die Details nicht mehr ganz im Blick hat. Aber Annett ist nicht mehr da. Ganz egal was damals besprochen wurde, liegt die Entscheidungsgewalt nun bei Raphael und ihr. Schließlich gibt es keinen Vertrag. Aber vielleicht ist es ja gar nicht verkehrt, das Angebot des Hofladens aufzustocken. Die meisten Kunden sind Leute, die Pferde untergestellt haben. Manchmal auch Reitschüler. Aber Kundschaft von außerhalb gibt es kaum. "Do you.." Sie wechselt nun doch ins Simlische: "Was haben Sie anzubieten? Wie soll die Zusammenarbeit aussehen? Was haben Sie zum Verkauf anzubieten?" Wenn sie erst einmal Klarheit hat, was Sache ist, kann sie alles später mit Raphael genauer besprechen.
Nicht energisch..bißchen ZU tough die Dame Ist sie Annetts Sprachrohr? Oder nur irgendeine Angestellte, die sich in der Vordergrund drängt gerade? Irritiert von Marleys Auftreten und der Nichtbeantwortung von Bens Frage, wahrt Maryama den Schein und lächelt freundlich zurück. "Wir betreiben eine Gärtnerei mit eigenem, kleinen Laden, in dem wir unsere Produkte vertreiben." Sie hält inne, weil es keinen Sinn macht, dieses Gespräch weiter zu führen, wenn nicht klar ist, wen sie vor sich haben. Sie beschließt Klartext zu reden. "Wie gesagt, ich hatte schon ein Gespräch mit Annett. Sie leitet doch die Ranch? Ist sie da? Das könnte uns hier weiter helfen." Warum blockt Marley das Thema Annett so ab? In einem unbeobachteten Moment wirft Maryama Ben einen Blick zu der unmissverständlich sagt...Was geht?

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"Dann sehen wir sie uns an. Ich bin auch neugierig." Phönix wendet sich Raphael zu. "Wo steht sie denn? Im Stall oder auf einer anderen Koppel? Führst du uns hin?" Sie setzen sich in Bewegung. "Wo könnte man denn den Besitzer kennen lernen?" Innerlich ist Phönix jetzt Feuer und Flamme für die Idee, ohne das Pferd bisher gesehen zu haben. Dieser zweite Traum, wieder ein eigenes Pferd zu besitzen, steht eigentlich nicht oben auf der Agenda. Eher für die ruhigen, späteren Jahre. Seit heute ihm sitzt das Gefühl im Nacken, dass es nicht sicher ist, ob er diese Jahre überhaupt erleben wird. Allerdings spürt er, wie die Energie in seinem Inneren sich wandelt und wieder heller wird. Ergreif Chancen, die sich bieten. Also los.
"Klar, sie steht auf der großen Weide. Kommt, ich zeig euch den Weg." Während sie gemeinsam losgehen, schiebt Raphael die Hände in die Taschen und wirft Phönix einen kurzen Seitenblick zu. "Den Besitzer könnt ihr kennenlernen, sobald ihr möchtet. Wenn ihr euch wirklich für die Stute interessiert, ruf ich ihn an und wir machen einen Termin aus."
"Ja, nichts überstürzen. Vielleicht findet sie mich ja gar nicht sympathisch.", sagt Phönix schmunzelnd und verschränkt im Gehen seine Finger enger mit Bellas'. "Wenn die Chemie nicht stimmt, nützen alle Bemühungen nicht viel."

Er schiebt mit der freien Hand den Hut etwas aus der Stirn und verharrt in der Bewegung. Vor ihnen liegt eine ausgedehnte Koppel, auf der sich ein paar Pferde tummeln. Mittendrin versucht ein Fohlen auf noch etwas instabilen Beinen mit zu halten und etwas abseits steht eine, wie Phönix findet, beeindruckende Shirehorse Stute. Als sie die Umzäunung erreichen, stiebt die Gruppe samt Fohlen in ein andere Richtung, nur die Stute bleibt stehen und beäugt sie interessiert, ohne Anstalten zu machen näher zu kommen. Sie strahlt Kraft und Beständigkeit aus und wirkt gesund, auf den ersten Blick. Spontan befreit Phönix seine Hand, nähert sich der Umzäunung und geht ein Stück daran entlang, in Richtung des Tieres. In gebührendem Abstand verharrt er, sieht zu ihr und macht ein schnalzendes Geräusch mit der Zunge. Nichts außer einem kurzen Blähen der Nüstern passiert. Er wiederholt das Geräusch. Doch neugierig geworden, aber gelassen, trottet das Pferd in seine Richtung. "Sie hatte wohl schon einen Ausritt heute?", sagt er zu Raphael, der mit Bella inzwischen zu ihm aufgeschlossen hat. "Wie heißt sie? Ich hab den Namen gelesen, aber schon wieder vergessen."
"Ja", antwortet Raphael, während er an den Zaun tritt und die Stute beobachtet. "Sie wurde heute schon geritten. Es gibt noch eine Reitbeteiligung für sie, aber die läuft bald aus. Die junge Dame kommt alle zwei Tage vorbei, hat mir aber schon gesagt, dass sie aufhören wird." Ein kleines Schulterzucken folgt.
"Wenn du dich also wirklich für sie interessierst, hättest du freie Hand."
Locker verschränkt Raph die Arme vor der Brust, während die Stute Phönix mustert. "Sie hat einen schönen Namen, finde ich", sagt er leise. "Pearline."

Auch Bella betrachtet das Tier ehrfürchtig. Das seichte Fell, das in der Sonne glänzt. Die schönen Augen. Ohren nach vorne gestellt. Sie kennt sich nicht wirklich mit Pferden aus, aber selbst sie hat irgendwo schon mal gehört, dass diese Körpersprache freundliche Neugier ausdrückt. Ein schönes Tier, das muss auch sie zugeben. Trotzdem hält sie sich hinter Phönix zurück. Mittlerweile hat Pearline Phönix erreicht und stupst ihn mit der Schnauze an. Eine friedliche Begegnung, ein freundliches "Hallo, wer bist du?" Vielleicht sind diese Tiere doch nicht so furchteinflößend sondern sanfte Riesen.
"Hey.", murmelt Phönix leise und legt der Stute sanft eine Hand auf den Hals. Behutsam streichelt er sie und hält ihr abschließend die Hand hin, damit sie seinen Geruch aufnehmen kann. "Ich bin Phönix, Pearline." Er nimmt die Hand weg, legt seinen Arm um Bellas Schulter und raunt. "Und das ist Bella. Sie freut sich auch dich kennen zu lernen." Das Pferd schnaubt, als wolle es ihm zustimmen.

Phönix wendet sich mit einem ermunternden Lächeln zu Bella. "Magst du sie streicheln? Ich glaube sie genießt es sehr."
Die Angesprochene zögert einen Moment. Doch dann nickt sie. Langsam geht Bella näher auf die Stute zu, blickt nach oben. Dann, nach etwas Überwindungszeit, hebt sie ihre Hand, streicht dem Tier vorsichtig über die Nüstern. Das Pferd schnaubt.. und sie zuckt zurück. Hat sie was falsch gemacht? Aber nein, es wirkt noch immer so freundlich und neugierig wie zuvor. Nun macht Bella weiter. Zuerst die weichen Nüstern. Weicher, als sie es erwartet hätte. Dann macht sie weiter, streicht über die Stirn und die Mähne. "So ein schönes Tier.", sagt Bella anerkennend.

"Ich habe ernsthaftes Interesse an ihr und würde gerne wieder kommen für einen Probeausritt. Heute wird leider nichts daraus." Phönix kratzt sich den Bart und überlegt. Morgen ist der Terminkalender schon voll, aber Donnerstag steht nur ein Besuch in Oasis Springs an bisher. "Wie wärs am Donnerstag?" Man hört deutlich die Vorfreude auf diese Aktivität in seiner Stimme heraus, als er sich fragend an Raphael wendet.
Erfreut nickt Raphael. "Donnerstag passt gut. Hier ist eigentlich immer jemand von uns." Ein zufriedenes Lächeln huscht über sein Gesicht. Der Gedanke, dass Pearline vielleicht bald einen neuen Besitzer findet, gefällt ihm. "Ich hab da ein gutes Gefühl."
"Dann machen wir das so.", sagt Phönix und nickt ebenfalls bekräftigend, während er nebenbei beobachtet, wie Bella sich dem Pferd annähert. Das sieht gut aus Er blickt hoch, als der junge Pächter sagt, er hab ein gutes Gefühl. Zärtlich liegt Phönix' Blick auf Bella, dann sieht er wieder Raphael an und lächelt. "Ja, das habe ich auch. Sogar ein sehr gutes Gefühl."
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Überrascht vom Stimmungswandel, erwidert Maryama das Lächeln spontan und setzt die Puzzelstücke innerlich zusammen. "Wunderbar. Ich hatte keine Ahnung, dass Annett plant aufzuhören. Dann sind wir ja genau richtig bei Ihnen. Wir bieten regionales Bio-Gemüse und Kräuter an, arbeiten also nach den geltenden gesetzlichen Auflagen. Unser brandneues Angebot sind gesunde Snacks für Tiere, also auch für Pferde." Pass auf wo du hingaloppierst, Maryama. Sie dreht sich etwas seitlich. "Ben ist Spezialist für alles rund um Blumen und Sukkulenten. Egal ob Rosen, Kakteen oder Rankgewächse, er ist der Mann dafür." Jetzt gilt ihre Aufmerksamkeit wieder Marley. "Vielleicht können wir uns irgendwohin setzen? Dann führen wir das gerne genauer aus, natürlich nur, wenn Sie noch interessiert sind?"
"Of course!" Marley führt die beiden Gäste ins Büro. Unterwegs spricht sie das Thema Annett an. "Es war nicht wirklich geplant, dass sie aufhört. Aber nach dem Tod von..." Sie unterbricht sich. Darf sie darüber berichten? Oder ist das eher Annetts Sache? Sie setzt ihren Satz fort: "Also nicht ihr eigener Tod, aber ein guter Freund von ihr. Und danach wollte sie aufhören." So ist die Antwort wohl allgemein genug gehalten, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Sie öffnet die Tür zum Büro und bietet den Besuchern was zu trinken und einen Sitzplatz an. "Jedenfalls werden wir weiter machen. So wie sie es gewünscht hat."

Das tut mir leid zu hören.", sagt Maryama mitfühlend. "Gut, dass sie geeignete Nachfolger gefunden hat." Verständlich, dass einem nach so einem Verlust, die Verwaltung und Organisation eines solch großen Anwesens über den Kopf wachsen kann.
Nachdem die beiden sitzen, fährt Marley fort. "Momentan bietet der Hofladen verschiedene selbstgemachte Produkte an. Käse, Schnaps und anderes Gebranntes. Vermutlich wisst ihr bereits davon." Nun wendet sie ihren Blick zu Maryama. "Die Idee mit gesunden Pferdesnacks gefällt mir. So was haben wir bisher noch nicht im Angebot, aber es macht hier durchaus Sinn. Aber Gemüse haben wir bereits eigenes."
Ben blickt zu Maryama. "Ja, wir haben verschiedene Ideen, was die Snacks betrifft. Nicht jedes Pferd mag das selbe, so dass wir auch verschiedene Geschmacksrichtungen für Snacks anbieten könnten. Alle gesund für die Tiere." Er zwinkert seiner Partnerin zu. Während der Fahrt hatte Maryama noch nicht davon geredet. Die Idee muss ihr ganz frisch gekommen sein. "Oder andere Tiere, die es gerne vegetarisch mögen."
Etwas enttäuscht vernimmt Maryama, dass ihr Gemüse nicht gebraucht wird, aber die Snacks interessant sind. Jetzt heißt es improvisieren. Ben legt selbstbewusst vor und Maryama kombiniert intuitiv ihre rudimentären Kenntnisse über Pferde mit Fachwissen über Gemüse. "Wir können eine getreidefreie Variante
mit getrocknetem Gemüse, Obst und Kräutern anbieten." In ihrer Vorstellung nimmt die Idee Fahrt auf. "Damit wären sie auch für empfindlichere Pferdemägen geeignet. Statt Getreide ergänzen wir Haferflocken und Saaten, wie Sonnenblumenkerne oder Leinsamen. Alles schonend getrocknet, damit Nähr-und Mineralstoffe erhalten bleiben." Mit Enthusiasmus in der Stimme, fährt sie fort. "Wir könnten dreierlei Snacks als Grundstock anbieten, ergänzt durch saisonale Varianten. Wie klingt das?"
"Das finde ich eine gute Idee!", erkennt Marley an, "Bestimmt finden wir Abnehmer. Die meisten unserer Kunden sind entweder selbst Pferdebesitzer, oder nehmen zumindest Reitstunden. Pferdesnacks werden also immer Abnehmer finden. Natürlich muss ich das alles noch mit meinem Partner besprechen, aber an sich ließe sich daraus durchaus eine Partnerschaft bilden. Habt ihr denn schon einige Probeleckerli dabei, damit wir die Qualität testen können?"
Ben sieht kurz zu Maryama. Natürlich haben sie nichts dabei, die Idee kam ja ganz spontan. Aber zumindest scheint Marley grundsätzlich interessiert zu sein. "Leider nicht, wir wollten erst mal klären ob grundsätzlich Interesse besteht. Aber wir haben etwas Gemüse dabei, so dass die Qualität unserer Zutaten schon einmal überprüfbar ist."
Marley winkt ab. "Das wird nicht nötig sein. Ich schlage vor, wir wiederholen das Treffen dann in paar Tagen, dann mit den Proben. Dann wird auch mein Partner anwesend sein und wir können direkt in die Details gehen. Und zu diesem Treffen bringen Sie dann ihre Leckerli mit." Gemeinsam überlegen sich die drei einen Termin.

Als sie kurz darauf zurück zum Auto gehen, beherrscht sich Maryama innerlich eisern. Ihr Herz schlägt bis zum Hals, die Lippen zucken im selben Rhythmus wie sich die Nasenflügel blähen, aber selbst beim einsteigen, ist ihr der innere Aufruhr am Verhalten nicht anzumerken.
Kaum lenkt Ben den Pickup vom Hof, entlädt sich die ganze Anspannung. "Aaaaah!!Beeenn!! Was hab ich getan?" laut auflachend rauft sich Maryama die Mähne und hüpft aufgeregt auf ihrem Sitz herum. "Nein...was haben WIR getan?? Was für Pferdesnacks? Was für Proben in ein paar Tagen??" Wieder muss sie prustend lachen und sieht ihren Partner dann todernst an. "Wir brauchen einen Schlachtplan, Ben. Sofort!"
in Zusammenarbeit mit @simscat2 und @Spatz
>>> Ben geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers (2) >>>
>>> Maryama geht nach Willow Creek Nr. 17 - Magnolienblüten Park >>>
>>> Bella geht nach Chestnut Ridge >>>
>>> Phönix geht nach Chestnut Ridge >>>
#44
<<< Zac kommt von San Sequoia (3) <<<
Charaktere: Zac, Gereon
Geschichtsstrang: Anfänge und Übergänge
Friedvolle Stille liegt über der weitläufigen Kulisse, als Yitzhak den Zugang der oberen Mietwohnungen betritt. Von hier hat er einen herrlichen Ausblick über die Ranch. Seit mehr als drei Wochen nimmt er jeden Morgen diesen Platz ein, um den Tag mit einer Meditation zu beginnen, noch ehe die ersten Sonnenstrahlen den Hof in warmes Licht tauchen.
Er atmet tief durch, spürt die Kühle des Morgens auf der Haut, während der Himmel sich langsam von seinem violetten Schleier löst. Mit gekreuzten Beinen setzt er sich auf die hölzerne Plattform, schließt die Augen und lässt die Stille zu einem sanften Puls werden, der ihn durchflutet. Nichts als der ferne Atem der Pferde, das Rascheln der Bäume und sein eigener Herzschlag begleiten ihn.
Zeit vergeht. Zeit, die er nicht wahrnimmt und die dennoch existiert.
Als er aus der Meditation erwacht, kehrt auch in die Ranch das morgendliche Treiben ein. Die Sonne hebt sich über die Stallungen. Raphael steht unten am Paddock und prüft mit seiner gewohnten Ruhe die Zäune. Marley führt zwei Pferde zur Koppel, ihre Bewegungen klar und zielgerichtet, während ihr treuer Hund hinter ihr her hüpft.
Yitzhak erhebt sich, streift die leichte Jacke über und macht sich auf zu seiner Laufrunde. Der Boden ist noch feucht vom Tau, und seine Schritte hinterlassen kaum Spuren. Er liebt diesen Moment des Übergangs – wenn die Welt noch unberührt wirkt und jeder Atemzug nach Möglichkeit schmeckt.
Wie die vergangenen Tage, läuft er mit beständiger Geschwindigkeit den Fluss entlang, bis ein kleiner Pfad ihn in die Berge führt. Die zunehmenden Höhen bieten kilometerweiten Ausblick über die Landschaft, weit über die Täler hinaus, in denen er schon häufig kleine und größere Herden von freilebenden Tieren sah. Mit einem ehrfürchtigen Lächeln im Gesicht registriert er sie auch heute, während er die Schleife über das Gestein zieht, um anschließend zum Fluss zurückzukehren, wo er sich eine Abkühlung im kalten Wasser genehmigt.
Auf dem Rückweg zur Ranch wirkt Yitzhak zugleich wach und seltsam in sich gekehrt, als würde er mit jedem Kilometer eine tiefere Schicht seiner alten Seele abtragen.
An den kleinen Beeten neben der Wohnung angekommen, kniet er sich hin. Die Kräuter, die er vor Kurzem gesetzt hat – Salbei, Minze, etwas wilder Tabak – strecken sich bereits neugierig dem Licht entgegen. Liebevoll prüft er die Blätter, entfernt ein paar welke Reste, lockert behutsam die Erde. Der Duft, der dabei aufsteigt, vermischt sich mit dem Geruch der Ranch und gibt dem Tagesanbruch etwas beinahe Heiliges.
Schließlich lässt er sich auf dem Stuhl vor seiner Wohnung nieder, lehnt sich zurück und blickt über das wachsende Treiben. Inzwischen ist auch Gereon eingetroffen, den er mit unaufdringlicher Aufmerksamkeit verfolgt. Der Junge hat eine besondere Aura, ohne dass Yitzhak es bennen könnte. Der neugierige Teil in ihm fragt sich, ob er der Grund seines Hierseins ist.
Er zündet sich ein selbstgedrehtes Röllchen seines frisch getrockneten Krauts an. Der Rauch steigt langsam in die Luft, kräuterig, warm, ein wenig erdig – ein Duft, der perfekt zu ihm zu passen scheint. Er lässt den Blick über die Szenerie schweifen, beobachtet, lauscht, atmet einfach nur. Hier, in diesem morgendlichen Frieden, scheint alles Sinn zu ergeben. 
Ein leises Knirschen im Kies lenkt Yitzhaks Aufmerksamkeit nach außen. Schritte nähern sich, gleichmäßig, ohne Eile. Gereon bleibt einige Meter entfernt stehen, einen Eimer in der Hand, den Blick auf den Hof gerichtet, als hätte er keinen Grund, sich zu beeilen.
Yitzhak beobachtet ihn einen Moment lang, ohne ihn festzuhalten. Etwas an der Haltung des Jungen fällt ihm auf. Eine eigentümliche Neutralität, als würde er nichts erwarten, sondern geduldig in die Umgebung hineinlauschen.
Yitzhak zieht ruhig an seinem Röllchen und lässt den Rauch langsam entweichen. „Der Morgen ist heute ungewöhnlich still“, sagt er schließlich, mit einer Stimme, die sich in die Stille einfügt.
Gereon wendet den Kopf leicht zu ihm. „Das ist oft so“, antwortet er. „Kurz bevor alles in Bewegung kommt.“
Yitzhak nickt langsam. „Du nimmst Übergänge wahr.“
Der Junge zuckt mit den Schultern. „Ich finde sie einfacher als Anfänge. Anfänge verlangen immer etwas.“
Yitzhaks Blick ruht offen auf ihm. „Und Übergänge?“
„Die lassen einen meist in Ruhe.“
Ein Hauch von Zustimmung zeigt sich in Yitzhaks Gesicht. „Das ist wahr.“
Gereon stellt den Eimer ab, als wäre er ihm gerade erst bewusst geworden. Für einen Moment sagt keiner von beiden etwas. Dann, als wäre der Zeitpunkt gekommen, stellt er urteilsfrei fest „Sie sitzen jeden Morgen hier.“
„Ja“, antwortet Yitzhak. „Es hilft mir, aufmerksam zu bleiben.“
„Wofür?“
Yitzhak denkt kurz nach. „Für das, was nicht sofort sichtbar ist.“
Gereon sieht ihn nun direkt an. Sein Blick ist klar, fast sachlich. „Das ist anstrengend.“
„Manchmal“, sagt Yitzhak ruhig. „Aber es ist ehrlicher als wegzusehen.“
Der Junge nickt einmal, langsam. „Sie riechen nach Erde“, sagt er dann. „Und nach etwas, das viel älter ist.“
Yitzhak lächelt kaum merklich. „Und du trägst Dinge, die nicht die deinen sind."
Gereon verzieht keine Miene. Er nickt nur langsam, als hätte jemand etwas ausgesprochen, das ohnehin schon im Raum stand. Er nimmt den Eimer wieder auf. „Ich muss weiter“, sagt er schlicht.
„Natürlich.“
Gereon setzt seinen Weg fort, ohne zurück zu schauen.
Yitzhaks Blick hingegen ruht auf der jungen Gestalt, die sich langsam, aber stetig entfernt. Etwas hat sich verschoben. Nicht laut. Nicht sichtbar. Aber deutlich spürbar. Vor sich her nickend, nimmt er einen Zug, die Aufmerksamkeit wieder auf den Hof lenkend. Er versteht.
>>> Zac geht nach Chestnut Ridge >>>
>>> Gereon geht nach San Myshuno (6) >>>
#45
<<< Gereon kommt von San Myshuno (6) <<<
Charaktere: Gereon
Geschichtsstrang: Zuhause
Gereon sitzt in der Küche seiner neuen Wohnung.
Die Luft ist erfüllt vom Geruch nach frischem Holz. Ein Duft, den viele mögen. Gereon kann diese Meinung nicht teilen. Weder mag er ihn, noch mag er ihn nicht. Er ist einfach da. So wie die Stille, die den Teenager umgibt, seit Holger und Ronny vor etwa zehn Minuten zurück nach Newcrest gefahren sind.
Nun sitzt er allein in diesem fremden Raum, der ebenso wenig Persönlichkeit vorzuweisen hat wie sein neuer Bewohner. Die Schränke sind leer, bis auf ein paar Teller, zwei Gläser und eine Packung Nudeln, die Anna-Maria ihm in eine der Umzugskisten gelegt hatte.
Auf dem Tisch liegt der Wohnungsschlüssel. Ein kleines Stück Metall, das beweisen soll, dass dieser Ort nun zu ihm gehört.
Es ist noch kein halbes Jahr vergangen, seit Gereon zum ersten Mal die Ranch betreten hat. Damals als therapeutische Maßnahme. Es war ein Versuch. Einer von vielen. Nun soll dieser Ort sein neues Zuhause sein.
Zuhause.
Ein Begriff, mit dem er nie viel anfangen konnte. Die meisten Sims verwenden ihn, als wäre damit mehr gemeint als Wände, Möbel und ein Bett, in dem man schlafen darf. Für Gereon war es immer nur eine Adresse. Etwas, das auf Formularen steht, bis jemand entscheidet, dass eine andere Adresse besser zu ihm passt.
Mit dem Daumen streicht er über den Rand des Schlüssels. Und empfindet ... nichts.
<<< Eliah kommt von San Myshuno (6) <<<
Charaktere: Eliah, Gereon, Raphael
Geschichtsstrang: Ein Ort ohne Fragen
Nervös nähert sich Eliah dem Hof. Die Adresse hat er von Gereon bekommen. Der Duft von Pferden weht Eliah in die Nase. Mit diesen Tieren hat er noch nie zu tun gehabt. Im Grunde sind sie ihm auch egal. Aber wenn es darum geht, Arbeit zu finden, wird er sich damit auch arrangieren. Und wenn alles gut geht... dann kann er vielleicht auch den Mut finden, sich bei Ina zu entschuldigen und ihr alles zu erklären. Vielleicht bis auf den Taschendiebstahl.
Und wenn nicht? Noch wagt er nicht, wirklich zu hoffen. Nur eines weiß er: Wenn es nicht klappt, wird er Ina noch immer nicht unter die Augen treten können. Er atmet ein. Nun gut. Er hat nichts zu verlieren.
Eliah hebt den Kopf, sieht sich auf dem Hof um. Gereon ist nirgends zu sehen. Stattdessen sieht er einen Mann bei den Ställen arbeiten. Vielleicht kann er den ja fragen, an wen er sich wenden sollte.
Die Sommermonate sind die schönsten auf dem Hof. Und gleichzeitig die anstrengendsten. Ein paar der Mitarbeiter sind im verdienten Urlaub und deshalb bleibt gerade vieles an Raphael und Marley hängen. Die Ställe sind immerhin fast fertig. Kurz lehnt Raph die Mistgabel gegen die Wand und wischt sich mit dem Unterarm über die Stirn. Danach muss er noch die Zäune der Koppeln kontrollieren und später rüber ins Büro. Allein bei dem Gedanken daran verzieht er leicht das Gesicht.
Da fällt ihm der Fremde auf. Raphael richtet sich etwas auf und mustert ihn kurz, woraufhin er ein paar Schritte auf ihn zu geht. "Guten Tag", sagt er. "Kann ich dir helfen?"
"Ich.." Eliah zögert einen Moment. Die angelernte Unterwürfigkeit kann er auch jetzt noch nicht komplett ablegen, wo er den Kult hinter sich gelassen hat. "Ich bin wegen Gereon hier. Er meinte, es könnte vielleicht Arbeit für mich geben." Er kratzt sich am Hals. Es ist schwierig Arbeit zu finden, wenn er nicht einmal einen regulären Wohnort vorweisen kann oder ein Konto, auf das der Lohn überwiesen werden könnte. Aber Gereon hatte auch gesagt, dass man hier nicht allzu viele Fragen stellen würde. "Unter der Hand, meine ich." Noch erwähnt er nicht, dass er auch einen Platz zum Schlafen gebrauchen könnte. Aber notfalls gibt er sich auch mit einem Platz im Stroh in der Scheune zufrieden.

Leicht nickend versteht Raphael sofort, worauf das Gespräch hinausläuft. Und weil Gereon inzwischen zur Familie gehört, reicht ihm das als Erklärung eigentlich schon aus. "Gereon ist bestimmt in seiner Wohnung", antwortet er ruhig. "Komm einfach mit."
Er greift nach den Arbeitshandschuhen und geht langsam los. Dabei wirft er Eliah einen kurzen Blick zu. Der Junge wirkt angespannt. "Du suchst also Arbeit?", versucht er das Gespräch aufzulockern. "Ich bin übrigens Raphael", sagt er dann. "Ich leite die Ranch zusammen mit meiner Freundin."
"Eliah!", stellt er sich vor, "Und ja, ich suche Arbeit. Irgendwas, egal." Er folgt dem Mann. "Ich habe ein bisschen Erfahrung mit Möbel aufbauen oder auch mal was zu reparieren, aber ich denke, ich kriege auch anderes hin. Ställe ausmisten klingt jetzt auch nicht zu kompliziert." Es fühlt sich seltsam an, dem Mann in eine Wohnung zu folgen. Aber Eliah tut es ohne weiter nachzufragen.
Im ehemaligen Gästehaus angekommen, geht Raph zur Wohnung von Gereon und klopft ein paarmal an die Türe.
Das frisch gewaschene Shirt eine Armlänge vor sich haltend, inspiziert Gereon das Kleidungsstück. Es ist das erste mal, dass er seine Wäsche selbst und allein gewaschen hat. Obwohl er sich im Klaren darüber ist, dass das keine Wissenschaft sein kann, möchte er sichergehen, dass seine Kleidung wirklich sauber ist, bevor er sie in den Schrank räumt. Mit gutem Gewissen faltet er den Stoff zu einem kleinen Viereck zusammen und legt es auf einen Stapel auf dem Bett. Als er gerade das gleiche mit der Hose machen will, klopft es an der Tür. Sofort unterbricht er seine Tätigkeit, um zu öffnen.
"Hallo, Eliah.", sagt er, als wäre es absolut normal, ihn hier zu sehen. Dabei hätte er nicht mehr daran geglaubt, ihm auf der Ranch zu begegnen. Immerhin ist eine Weile vergangen, seit sie sich in San Myshuno trafen.
Gereons Blick haftet nun auf Raphael, um ihm seine Aufmerksamkeit zu signalisieren.

"Hi!", murmelt Eliah knapp. Er sieht sich um, sieht die gewaschene Wäsche. Es wäre wirklich schön, wieder Zugang zu etwas mehr Technik zu haben. Er achtet immer penibel darauf, seine eigenen Sachen nicht zu dreckig werden zu lassen, und falls es dann mal doch nicht anders geht, nutzt er lieber klares Wasser anstatt einen Waschsalon aufsuchen zu müssen. Gereons Kleidungsstücke sehen aber nicht so aus als seien sie handgewaschen. "Ich bin hier wegen Arbeit!", sagt er unnötigerweise. Dann dreht auch er sich zu Raphael um, wie es mit diesem Anliegen nun aussieht.
Seinen Blick hin und her wandernd, sieht Raphael die Jungen an. Er sagt nichts, bis er versteht, dass er Eliah noch eine Antwort schuldig ist. "Ja, eh klar kannst du hier anfangen. Auf dem Hof gibt es immer was zu tun." Während er sich an den Türrahmen lehnt, sieht er in die Luft. "Also ... Gereon, kannst du ihm vielleicht die Stallungen zeigen und wo man alles findet, was man braucht. Nicht zu vergessen die Gemeinschaftsküche?" Grinsend hebt er die Augenbrauen. "Und keine Sorge, mit Pferden muss man nicht sofort klarkommen. Die meisten hier tun nur so, als hätten sie Ahnung."
Gereon nickt, ohne Veränderung im Gesichtsausdruck. Auf den Hof tretend, zieht er die Wohnungstür hinter sich zu. "Ich wusste nichts über Pferde, als ich anfing.", bestätigt er Raphaels Aussage. Noch immer gibt es kaum eine Bindung zu den Tieren. Es ist beinahe, als würden sie einander tolerieren. Doch die Hoffnung, er könnte durch diese Arbeit emotionalen Zugang finden, blieb unerfüllt.
Überrascht läuft Eliah Gereon hinterher. Der Junge hatte nicht gelogen: Es werden keine Fragen gestellt. Aber wie wenig Fragen es dann doch waren, wundert ihn dann doch. Aber umso besser. "Ich erst recht nicht!", antwortet er knapp auf Gereons Kommentar. Er lässt sich von ihm die Ranch zeigen, stellt ein paar Fragen über die Arbeit, wie viel Geld er hier so verdienen kann. Vor allem die Gemeinschaftsküche hat es Eliah angetan. Wenigstens wird er hier nicht hungern müssen. Er streicht mit der Hand über den Kühlschrank. Doch eine Frage geht ihm nicht aus dem Kopf: "Ich wusste nicht, dass du hier auch wohnst!" Aus seiner Stimme hört man die Überraschung. Schnell ertappt er sich dabei, wird wieder vorsichtig. "Wäre es okay, wenn ich in der Scheune dann übernachte?"
So gut es ihm möglich ist, beantwortet Gereon alle Fragen. Er hat keine Ahnung, was man Eliah zahlen würde. Das einzige, was er weiß, ist, was er selbst verdient. Er hat sich zuvor nicht einmal Gedanken darüber gemacht. Geld bedeutet ihm nicht viel. Er muss nicht selbst für Verpflegung oder Kleidung aufkommen. Im Grunde führt er ein recht bequemes Dasein.
"Ich wohne erst seit einer Woche hier.", erklärt er, während er aus dem Kühlschrank zwei Dosen Limonade holt und Eliah eine in die Hand drückt. Heute ist wieder ein besonders trockener Tag. Es hat lange nicht geregnet. Heiße Luft aus Stranger Ville zieht herüber und heizt die Landschaft weiter auf, sodass man manchmal in der Ferne die Luft flirren sieht.
"Neben mir wohnt noch jemand.", kehrt er gedanklich zurück zur Unterhaltung. "Oben ist noch alles frei." Mit einem Zischen öffnet er die Dose und trinkt einen wohltuenden Schluck. "Ich weiß nicht, was sie dazu sagen, wenn jemand im Stall schläft. Ich kann das nicht entscheiden." Schließlich ist er selbst nur ein Angstellter. Noch dazu der Jüngste. "Aber Raphael und Marley sind nett und hilfsbereit. Sie haben bestimmt eine Lösung für dein Problem, wenn du sie fragst." Ein weiterer Schluck, ohne dass er den Jungen aus den Augen lässt. "Ich kann fragen, wenn du dich nicht traust." Als würde er nicht von etwas Existenziellem sprechen, zuckt er beiläufig mit einer Schulter. Es stört ihn nicht, Dinge dieser Art zu regeln. Im Heim war er oft derjenige, dan man verschickte, um etwas ins Rollen zu bringen.
Eliah hebt eine Augenbraue. "Marley ist dann die Freundin, von der Raphael sprach?" Gereon bestätigt diese Vermutung. Eliah nickt. Dann wird er sie früher oder später bestimmt noch kennen lernen. "Eine Wohnung wäre mir noch lieber als die Scheune.", stellt Eliah fest. Das letzte Mal, dass er in einer wohnte, war, als er noch bei seinen Eltern lebte... und noch immer den Children of Eternity angehörte. "Ich ... ich glaube, ich sollte ihn besser selbst fragen." Wenigstens einmal in seinem Leben sollte er etwas Mut aufbringen.
In Zusammenarbeit mit @Spatz und @RivaBabylon
Charaktere: Marley, Raphael, Eliah
Geschichtsstrang: Ein Platz zum Bleiben
Eliah kann es noch nicht glauben. Er hatte vor ein paar Tagen eine Lösung mit Raphael ausgehandelt: Er bekommt für die Arbeit auf der Ranch nur ein Taschengeld, aber dafür darf er in der kleineren Wohnung bleiben. Er schultert seinen Rucksack. Ein Dach über den Kopf! Das ist schon mal ein Anfang! Ob seine erbärmliche Gestalt für Mitleid gesorgt hat? Egal. Es ist erst mal nur zur Probe. Aber Eliah schert das nicht. Er weiß, dass er anpacken kann. So wie es auch im Kult von ihm verlangt wurde. Er nimmt sich vor, hart zu arbeiten, um bleiben zu können.
„... Du kannst Raphael dann bei den Zaunreparaturen helfen, wenn mal was ansteht.“, erklärt Marley gerade, „und ansonsten steht natürlich Ställe ausmisten auf dem Plan.“ Eliah mustert sie verstohlen. Er bemerkt ihren prüfenden Blick. Sie testet seine Reaktion. Eliah ist es gewohnt, auf die kleinsten Nuancen der Körpersprache zu achten, und so ahnt er, dass Marley ihm noch nicht zu 100% traut. Sie wirkt anders als Raphael, der wirklich keine Fragen stellte. Doch Eliah sieht keinen Grund, Gefahr zu wittern. Sie ist nicht feindselig, nur misstrauisch. Damit kann er umgehen. „Ich werde mir meinen Platz hier schon erarbeiten, keine Sorge.“, sagt er. Irgendwie findet er es beruhigend, dass Marley noch Zweifel hat. Dann erwartet sie nichts, das er nicht erfüllen kann. Er darf diesmal nicht fliehen. Es ist vielleicht seine letzte Chance.
Er dreht sich zu Raphael: „Gibt es denn momentan Zäune zu reparieren?“

Raphael ist für einen Moment gedanklich woanders und erinnert sich an das Gespräch mit Marley, bevor feststand, dass Eliah einziehen sollte. Begeistert war sie davon nicht gerade gewesen. Und wenn er ehrlich ist, versteht er das sogar. Wahrscheinlich hätte er Eliah sonst einfach sofort zugesagt, ohne groß darüber nachzudenken. Früher hat er Entscheidungen oft spontan getroffen auf eigene Faust. Schon damals, als seine Tante den Hof geleitet hatte, als auch bei Annett. Aber inzwischen ist es anders. Die Ranch führen Marley und er gemeinsam und genau das hat sie ihm auch deutlich gemacht. Es geht nicht mehr nur darum, was er für richtig hält, sondern darum, Verantwortung zusammen zu tragen und sie hat damit ja auch recht.
Raphael kommt wieder zurück ins Gespräch und sieht zu Eliah.
"Ja, tatsächlich", antwortet er dann. "Ich bin mit den Zäunen noch nicht fertig geworden. Das Gelände ist größer, als man denkt. Hilfe kann ich da auf jeden Fall gebrauchen."
Eliah lächelt. Er sieht eine Chance. "Das packe ich!", versichert er. Es läuft gut bisher. Besser als erwartet. Es war gut, Gereon getroffen zu haben. Wäre er wirklich gesprungen wenn Gereon nicht dazu gekommen wäre? Er weiß es nicht. Und verdrängt das Thema aus seinen Gedanken.
"Aber erst mal darfst du einziehen.", sagt Marley, etwas sanfter. Sie sieht zu Raphael. Am Ende hatte sie sich auf den neuen Bewohner eingelassen, und sie steht zu ihrem Wort, es zumindest auszuprobieren. "Wenn alles eingerichtet ist und wir bisschen Pause vom Einzug hatten, kannst du ja loslegen." Vielleicht hatte Raphael Recht. Eliah wirkt zumindest motiviert auf den ersten Blick. "Wann kommt denn der Umzugswagen?"
Nervös kratzt sich Eliah am Hals. "Es... es gibt keinen. Für die paar Sachen, die ich hatte, brauchte ich keinen Wagen. Mein Zeug ist hier im Rucksack..." Er zeigt auf diesen, "Und ein paar Möbelstücke habe ich hier in der Nähe schon mal abgestellt." Diese hat er auf dem Sperrmüll gefunden. Doch er schämt sich, dies zuzugeben. Marley hebt eine Augenbraue. "Nun gut, dann helfen wir dir zumindest bei den Sachen, die du hast."
Mit der Hand winkt Raphael leicht ab. "Ach man braucht gar nicht so viel." Locker lehnt er sich gegen die Wand. "Ich hab selbst eine ganze Zeit lang in einem Wohnwagen gelebt, bevor ich fest auf die Ranch gezogen bin." Unwillkürlich denkt er an die Zeit zurück und auch an Annett. Er hofft, dass es ihr gut geht.

"Eben!", stimmt Eliah zu, und er zeigt dabei sein breitestes Lächeln. Gereon hatte Recht. Raphael ist wirklich nett. Und auch Marley scheint in Ordnung zu sein.
Die paar Sachen sind schnell eingerichtet: Ein kleiner tragbarer Kühlschrank, ein Regal und Tisch vom Sperrmüll, ein Klappstuhl und andere Kleinigkeiten. Zufrieden lehnt sich Eliah an die Wand. Eine Wohnung! Eine eigene Wohnung! Endlich geht es auch für ihn mal etwas aufwärts! Sogar an die Wände hat er gedacht. Er hat ein paar kostenlose Poster aus verschiedenen Quellen eingesammelt, sobald er davon erfahren hat, dass es mit der Wohnung klappt. Lächelnd betrachtet er den Tiger und das Fußballbild. Beides Poster vom Vereinshaus der Britechester Tigers. Auch wenn er diesmal Ina nicht gesehen hat. Aber das war Absicht. Er kennt ihre Trainingszeiten mittlerweile. "Erst einmal abwarten wie es sich entwickelt, und wenn ich hier bleiben kann, dann kann ich sie wieder ansprechen!" Nicht, dass das hier doch nur ein unerfüllbarer Traum bleibt und er die Probezeit nicht besteht...

Marleys Frage holt ihn aus seinen Gedanken: "Kein Bett?" Sie blickt auf den Schlafsack auf dem Boden. Eliah zuckt die Schultern. "Das reicht schon. Ich bin es so gewohnt!" Marley versteht. Der Junge hat es wirklich nicht leicht gehabt.
"Wir können auch gerne gleich mit den Zäunen loslegen!", versichert Eliah in seinem Versuch, das Thema zu wechseln, und Ehrgeiz zu zeigen. "Hier war ja nicht so viel zu tun, dass ich mich groß erholen müsste!"
"Ja, klasse", sagt Raphael und nickt zufrieden. "Dann schauen wir uns direkt die hintere Koppel an. Da muss noch einiges gemacht werden."
Gemeinsam verlassen sie die Wohnung. Doch kaum sind sie ein paar Schritte über den Hof gegangen, läuft plötzlich ein Huhn an Raphael vorbei. Verwirrt bleibt er stehen. "Wie kommt das denn hierher?" Noch bevor er weiter überlegen kann, kommen zwei junge Mädchen auf sie zugelaufen. Eins der Mädchen wirkt ziemlich nervös. "Ähm … Raphael?", beginnt sie vorsichtig. "Wir sind auf den Zaun geklettert und … dabei ist da was kaputt gegangen." Während das eine Mädchen mit der Hand in die entsprechende Richtung zeigt, senkt das andere Mädchen sofort den Blick. "Okay ... dann sehen wir uns das direkt einmal an", sagt er zu den Mädchen und gibt Eliah ein Zeichen, mitzukommen.
Marley sieht den beiden hinterher. Vielleicht hat sie sich in Eliah getäuscht. Er ist ohne zu zögern los, um Raphael zu helfen. Und er hat sich nicht einmal eine Pause gegönnt. Sie wirft einen letzten Blick auf das karge Zimmer. Vielleicht könnte sie Eliah ihren alten Fernseher schenken, den sie noch hatte als sie noch nicht in die Hauptwohnung gezogen ist. Jetzt braucht sie ihn nicht mehr.
Lächelnd schließt sie die Tür zur Wohnung ab - Eliah ist so schnell fort, dass er daran nicht mehr hat. Sie wird ihm den Schlüssel später übergeben. Dann gemeinsam mit dem Fernseher, sollte der noch funktionieren.
In Zusammenarbeit mit @Spatz
<<< Ina kommt von San Myshuno Nr. A - Central Park (4) <<<
Charaktere: Marley, Raphael, Eliah, Ina
Geschichtsstrang: Risse im Paradies
Eliah fühlt sich wie im siebten Himmel. Nicht nur, dass Ina ihm verziehen hat, sie ist sogar mitgekommen, um die kleine Wohnung auf der Ranch zu begutachten. „Es ist nicht viel, aber es ist meine!“, erklärt er stolz. Wie gut, dass ihm diese Zukunft, und sei sie noch so klein, ihm endlich den Mut gegeben hat, sich ihr zu erklären. Er wirft den Wohnungsschlüssel hoch und fängt ihn wieder auf. Ein tolles Gefühl, nach der Zeit auf der Straße.
Ina kratzt sich nachdenklich am Hals. „Ich freue mich für dich, wirklich.“, sagt sie, freundlich, aber noch etwas distanziert. Eliah kann es ihr nicht übel nehmen, nach allem was passiert ist. Zweimal ist er abgehauen, doch diesmal wird er bleiben. Er schuldet ihr noch seine Geschichte. Aber nicht sofort. Erst einmal möchte er sich etwas sammeln.
„Aber zuerst führe ich dich über den Hof. Meine Wohnung gibt es dann am Schluss. Der Höhepunkt am Ende!“, grinst Eliah gut gelaunt. „Ich habe hart gearbeitet, habe Zäune repariert und Ställe ausgemistet. Da habe ich mir das kleine Zimmer dann durchaus auch verdient.“ Und dann wird er ihr alles erzählen.
Er sieht sich weiter um. „Und schau, da hinten, das sind Marley und Raph. Die haben hier auf der Ranch das Sagen.“ Eliah hält inne. Noch ist er außer Hörreichweite, aber er winkt ihnen dennoch zu. „Komm mit, ich stell dich den beiden vor!“

Genervt fährt sich Raphael durch die Haare, während er auf die Rechnung in seinen Händen schaut. Eigentlich sollte er sich darüber freuen. Die neue Ausrüstung wird den Trainingsbereich deutlich verbessern und genau das ermöglichen, was Marley sich für die Ranch gewünscht hat. Stattdessen steht er hier und diskutiert schon wieder.
"Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum du daraus jetzt so ein Drama machst." Kaum hat er die Worte ausgesprochen, bereut er sie auch schon wieder. Der Blick, den Marley ihm zuwirft, sagt ihm deutlich, dass das die falschen Worte waren.
In den letzten Wochen passiert ihm das häufiger. Zu wenig Schlaf, viel zu viel Arbeit und ständig das Gefühl, dass das, was er tut, nicht ausreicht. "Wir haben die Aufgaben doch nicht ohne Grund aufgeteilt", beginnt er sich zu rechtfertigen, während er versucht, dabei ruhig zu bleiben. "Du kümmerst dich um den Stall, die Pferde und das Training. Ich übernehme die Finanzen, die Mitarbeiter und den ganzen anderen Papier- und Orgakram."
Marley verschränkt die Arme. "Es geht darum, dass du wieder einmal über meinen Kopf hinweg entscheidest, was gekauft wird und was nicht. Vor allem, da der Trainingsbereich ja mir zufällt. Ist ja nett, dass du endlich mal daran denkst, Sprungstangen zu kaufen, nachdem ich dir da wochenlang in den Ohren liegen musste. Aber warum denkst du dann nicht wenigstens daran, noch mal mit mir kurzzuschließen, was genau wir brauchen? Du kannst doch nicht einfach die festen Hindernisse kaufen, es sind schließlich Anfänger!" Marleys Stimme wird lauter. Kann Raph nicht einmal mitdenken? Die Anfänger brauchen Hindernisse, bei denen sich das Pferd nicht verletzen kann. Stangen, die leicht herunterfallen können. Nicht die massiven fest verschraubten Elemente, die Raphael gekauft hat.

Eliah bleibt unschlüssig stehen. Noch ist er außer Hörreichweite, aber die Körpersprache ist eindeutig: Offenbar befinden sich die beiden gerade in einem Streit. Er weiß nicht, was er tun soll. Er blickt zu Ina, die ebenfalls keine Antwort kennt.
Kurz schließt Raphael die Augen und atmet hörbar aus. Eigentlich wollte er ruhig bleiben. Wirklich ... Doch langsam hat er das Gefühl, gegen eine Wand zu reden. "Weißt du was? Genau das meine ich." Er hebt die Hände, lässt sie aber gleich wieder sinken. "Egal, was ich mache, es ist immer falsch." Seine Stimme wird lauter, obwohl er sich fest vorgenommen hatte, dies zu vermeiden. "Du tust gerade so, als hätte ich überhaupt keine Ahnung vom Reiten. Als wäre ich irgendein Idiot, der noch nie auf einem Pferd gesessen hat." Genervt schüttelt er den Kopf. "Ich arbeite nicht erst seit gestern auf der Ranch, Marley. Ich weiß selbst, wie man Reitschüler trainiert." Seine Worte kommen schärfer heraus, als eigentlich beabsichtigt. "Und ganz ehrlich? Langsam habe ich das Gefühl, dass du sowieso immer denkst, alles besser zu wissen. Egal, worum es geht. Sobald ich eine Entscheidung treffe, erklärst du mir, warum sie falsch ist."

Gerade als er erneut ansetzen will, erblickt er im Augenwinkel zwei Personen. Er dreht sich ruckartig herum und erblickt Eliah mit einer jungen Dame.
Marley lässt nicht locker. "Ja, den Eindruck habe ich, wenn du so was kaufst! Dass du keine Ahnung hast von Pferden! Aber es geht auch um das Prinzip. Wir leiten die Ranch gemeinsam. Ist ja auch schon so bei Eliah gewesen, dass du da einfach über meinen Kopf hinweg entschieden hast, und..." Erst in diesem Moment bemerkt Marley, dass besagter Eliah plötzlich in der Nähe steht. Wieviel hat er noch mitbekommen? Doch nun hat sie sich so in Rage geredet, dass es ihr egal ist.
Eliah schluckt. Er weiß ja, dass Marley misstrauisch war, aber ist er so unerwünscht? Wo er sich so anstrengt? Warum musste er ausgerechnet jetzt Ina den Hof zeigen? Mit hilflosen Blick sieht er Raphael an. Die Angst, nun doch wieder fortgeschickt zu werden, ist groß. "Na du kennst vielleicht Leute!", sagt Ina, was die Situation für ihn nicht besser macht.
Für einen Moment herrscht unangenehme Stille. Mist! Nicht nur, dass sie ihren Streit offenbar vor Publikum ausgetragen haben. Ausgerechnet Eliah hat auch noch mitbekommen, dass sein Name gefallen ist. Kurz schließt Raphael die Augen und versucht sich zu sammeln.
"Eliah." Er geht den beiden entgegen, als wäre gerade nichts passiert. "Na was geht?", fragt er. Dann sieht er zu der jungen Frau. "Und wer ist deine Begleitung?" Er streckt ihr die Hand entgegen. "Raphael. Willkommen auf der Ranch." Den Streit mit Marley versucht er vorerst auszublenden. Dass dieser noch nicht beendet ist, weiß er jedoch ganz sicher.
Auch Marley hält für einen Moment inne. Ihr ist bewusst, dass sie gerade einen Bock geschossen hat. Doch ihr fehlt die Einfühlbarkeit Menschen gegenüber. So bleibt es bei einem "Tut mir leid, es war nicht gegen dich persönlich gerichtet sondern gegen Raph. Du kannst hier bleiben!" Sie wartet Eliahs Reaktion nicht ab, sondern funkelt Raph an. Ihr Blick macht klar, dass der Streit nicht beendet ist. Nur für einen Moment unterbrochen.

Ina blickt von einem zum anderen. Eliah wird klar, dass sie mit der gesamten Situation genauso überfordert ist wie er selbst. Irgendwie ist das beruhigend. Sie ist nicht die Lichtgestalt, die er noch vor gar nicht langer Zeit in ihr sah. Aber, und das ist wichtiger, sie ist trotzdem hier. Bei ihm. Trotz allem. Und so gelingt es auch ihm, stehen zu bleiben, auch wenn er immer noch nicht weiß, was er sagen soll.
"Ina!", sagt diese schließlich knapp, ohne Raphaels angebotene Hand anzunehmen. Sie schielt zu Eliah, fast so als befürchtete sie, dass er erneut die Flucht ergreifen würde. Er schüttelt fast unmerklich den Kopf, als er ihren Blick bemerkt.
Langsam lässt er seine Hand sinken. Marleys Worte kommentiert er nicht. Auch ihren Blick ignoriert er so gut es geht. "Freut mich dich kennenzulernen, Ina", sagt Raphael und schaut zu Eliah. Er versucht herauszufinden, was er denken könnte, doch sind seine Gedanken zusehr durch den Streit blockiert, anstatt klar zu denken. Dann sucht er nach einem unverfänglichen Gesprächsthema.
"Interessierst du dich für Pferde? Falls du noch nie geritten bist, können wir das gerne ändern. Wir haben ein paar sehr geduldige Schulpferde hier. Und wenn du schon Erfahrung hast, gibt es auch schöne Strecken zum Ausreiten."
Marley sagt nichts. Ihr ist bewusst, dass - sollte Ina Reitstunden annehmen - es an ihr liegen würde, es ihr beizubringen. Aber in diesem Fall ist das kein "über ihren Kopf hinweg entscheiden", sondern einfach Teil ihres Arbeitsvertrages. Es gibt regelmäßig neue Schüler, da wäre auch Ina keine Ausnahme.
Ina überlegt einen Moment. Sie erinnert sich daran, wie sie vor vielen Jahren wirklich Spaß auf dem Rücken eines Pferdes hatte, aber das ist ewig her! "Das letzte Mal, als ich geritten bin, war ich noch im Grundschulalter. Ich habe nichts gegen Pferde, aber ich bin wegen Eliah hier, nicht wegen ihnen. Ich spiele bereits Fußball, eine weitere Sportart kann ich momentan zeitlich auch nicht unterbringen." Ihr ist suspekt, wie sehr dieser Mann versucht, vom Streit abzulenken. Als ob das diesen ungeschehen machen würde!
Eliah hingegen ist erleichtert über die Ablenkung. Er versucht, den Streit aus seinen Gedanken zu verbannen. Marley sagte, er kann bleiben... daran sollte er sich halten und den Rest einfach vergessen. Es geht ihn nichts an. "Komm, ich führe dich weiter rum.", sagt er, um sich der Situation entziehen zu können.. aber diesmal mit Ina gemeinsam.
"Solltest du dich doch noch umentscheiden, sag einfach Bescheid", lässt Raphael offen, ehe sie ihren Rundgang fortsetzen. Die Verschnaufpause ist vorbei und ihm wird mulmig zumute. Dann sieht er in Marleys verärgertes Gesicht. Na toll.
"Ich möchte halt nicht das Gefühl haben, ständig übergangen zu werden, Raph, ist das so schwer zu verstehen? Das ist keine Kleinigkeit mit..." Das ist das letzte, das Eliah noch hört, bevor er außer Hörreichweite ist. Mit entschuldigendem Blick sieht er zu Ina. "Tut mir leid. Ich..." Er atmet tief ein und wieder aus, bevor er fortfährt: "Ich denke... ich sollte es endlich hinter mich bringen." Eine weitere Pause. Eliah lehnt sich an den Weidezaun. Barbie kommt neugierig näher getrabt und er streicht ihr gedankenverloren über die Nüstern. "Ich bin raus aus dem Kult. Das hast du ja schon verstanden. Mein Vater... wollte, dass ich dich nie wieder sehe. Ich hatte Angst und gehorchte. Damals zumindest." Er seufzt. "Bis es einfach nicht mehr ging. Bis er Mama erneut geschlagen hatte. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Erinnerst du dich an den Bully, dem du dich in den Weg gestellt hast? Du hattest mir eine Welt außerhalb des Kults gezeigt. Du hattest es mir ermöglicht, das nun selbst zu tun. Ich stellte mich ihm in den Weg, um Mama zu schützen. Und das einzige, was mir das gebracht hat, ist dass ich verstoßen wurde. Ich konnte sie nicht retten. Aber ich ... war frei."
Er schweigt einen Moment, blickt nicht Ina an, sondern das Pferd vor ihm. "Als ob es das besser gemacht hätte. Ich hatte nichts. Keine Wohnung, keine Arbeit." Sollte er Ina von seinen Schuldgefühlen erzählen? Dass er sich immer noch vorwirft, seine Mutter nicht ebenfalls mit aus den Children of Eternity gezogen zu haben? Sie steckte zu tief drin, sagte sogar, es sei ihre eigene Schuld, wenn sie geschlagen wird. Er hatte versagt....
Stattdessen lässt er dieses Thema fallen, und erzählt weiter. "Und jetzt dachte ich, ich hätte hier was gefunden! Aber wer weiß, ob das auch so bleibt. Auch dieses Paradies hat nun die ersten Risse!"
Ina sieht ihn lange an. "Danke.", sagte sie, "dass du den Mut hattest, mir davon zu erzählen." Sie ahnt, dass Eliah auch jetzt nicht alles erzählt hat. Aber in der Zwischenzeit ist die Distanz zwischen ihnen zu groß geworden, so dass sie sich damit zufrieden gibt. Er selbst muss den Mut finden, mehr zu sagen. "Ich wünsche dir, dass alles gut geht. Dass sich dieser Streit von selbst klärt, ohne dass es für dich Konsequenzen gibt. Du hast damit schließlich nichts zu tun." So viel hat sie schon verstanden. "Du weißt, wo du mich findest, wenn du doch wieder einen Neuanfang machen musst." Diesen Satz meint sie auch ernst. Dann fügt sie noch hinzu: "Aber für den Moment solltest du erst einmal abwarten, bevor du erneut die Flucht ergreifst. Wahrscheinlich klärt sich alles von selbst."
In Zusammenarbeit mit @Murloc
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