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Copperdale - Haus Familie Sølberg
#11
Charaktere: Lasse, Marina, Charlie
Geschichtsstrang: wirklich richtig gern III
"Sie hogde alßo vor mir, die Hände ßo in mein Gürdl und arbeitede an mir rum, weil sie unbedingt mehr wollde, als Händchen halden und knutschen und dann kam mein Mudder rein und stand da mit roden Kopf und ich natürlich total erschrocken und treh mich weg und will einpaggen und hau meiner Freundin mit den Ellenbogen direkt ins Geßicht. Sie kriegt ßofort Naßebluten und mein Mudder prüllt rum, ich ßoll gefälligß mit den Hund raus gehen und haut die Tür ßu." Schallend lachend liegt eine Hand auf seinem Brustkorb, die andere wischt über die Augen. "Wir haben fast ßwei Wochen kein Wort geredet. Und mein Freundin hat Schluss gemacht."
Lasse steht auf, räumt noch immer kichernd und inzwischen leicht beschwingt das Geschirr in den Spüler und öffnet eine weitere Weinflasche. Zurück am Esstisch, füllt er in beide Gläser nach. "Terasse?", fragt er mit einem Nicken nach draußen.
Marina folgt ihm willig und setzt sich auf einen freien Stuhl neben ihm. Sie nimmt das Weinglas entgegen und trinkt einen Schluck. "Wenn ich das nächste Mal vorbei komme und das Wetter gut ist, bringe ich meinen Badeanzug mit."
Lasse überlegt. Charlies Klamotten dürften ihr viel zu klein sein. Andere Frauenkleidung gibt es in diesem Haushalt nicht. "Vielleicht ...", es wäre etwas unkonventionell, aber wer weiß? "Du könntest ein Shirt von mir anßiehen." Die Stirn fragend in Falten gelegt, wartet er auf ihre Entscheidung. Der Wein lockert sein Gemüt und ein gemeinsames Bad würde ihm durchaus gefallen. Neckisch hebt sich ein Mundwinkel und unterstreicht den verspielten Ausdruck.
Marina zögert nur kurz, dann nickt sie zustimmend. "Warum nicht?", sagt sie leise mit einem Lächeln auf den Lippen. Der Wein hat sie bereits ein wenig gelockert und die Vorstellung eines gemeinsamen Bads scheint plötzlich ganz normal.
"Es ist so ein schöner Abend", murmelt sie, während sie sich die Haare zurückstreicht. Sie sieht Lasse an, ihre Augen mustern seinen Körper und sehen dann wieder in sein Gesicht. "Ich kann mich im Bad umziehen."
Zustimmend nickt er, steht auf, nimmt noch einen Schluck und stellt das Glas auf dem Boden ab. "Ich bin kleich ßurück." Eilig macht er sich davon, zu seinem Kleiderschrank, wo er gezielt einen Stapel ordentlich gefalteter Shirts anvisiert. Es muss etwas dunkel sein, lang genug, dass der Stoff ihr bis zu den Schenkeln reicht. Seine Gedanken verselbständigen sich und schieben diverse Bilder in seinen Geist - eins lasziver als das nächste. Marina völlig durchnässt mit seinem Shirt, eng an der Haut haftend. Lasse schluckt. 'Stop! Das Gefühl Ihrer Nähe keimt in ihm auf, das ihn vor nicht einmal zwei Stunden vollkommen aus dem Konzept brachte. Sie wollen es langsam angehen. Das bedeutet nicht, dass sie sich nichts erlauben können - wollen - dürfen. Den Gedanken beiseite schiebend, greift er nach einem schlichten Shirt, eine Sommershorts dazu, nur um ihr die Wahl zu lassen, und eilt zurück, ein wenig aufgeregter als auf dem Hinweg. Die Kleidung auf den Tisch ablegend betrachtet er sie, wie ein Schuljunge die Lehrerin, die erste fragwürdige Gefühle in ihm wachruft. "Ich hoffe, das ist okay ...", murmelt er halblaut.
Marina erhebt sich und geht zum Tisch, ihre Augen kurz auf die bereitgelegten Sachen gerichtet. "Ja, das geht schon", sagt sie mit einem kurzen Lächeln und mustert die Kleidung. Gut, dass eine Hose dabei ist, denkt sie erleichtert. Ihre Unterwäsche war ohnehin nicht darauf ausgelegt, besonders viel Eindruck zu machen – und das ist ihr jetzt nur recht.
Ohne weitere Worte verschwindet sie ins Bad und zieht sich schnell um. Die Kleidung ist zwar zu groß, aber genau das gibt ihr Sicherheit. Die weiten Stoffe verdecken alles, was sie noch nicht bereit ist, zu zeigen und das ist ihr im Moment wichtiger als alles andere.
Als sie schließlich wieder herauskommt, führt sie ihr Weg zur Terrasse, wo Lasse bereits auf sie wartet. Sie spürt, wie ihr Herzschlag sich beschleunigt. "Wir können", sagt sie nervös.
In der Zwischenzeit selbst umgezogen und Handtücher bereit gelegt, grinst er ihr ausgelassen entgegen. Wieder blitzt der unschuldige Schuljunge in seinen Augen auf, der sich einfach nur darauf freut, eine gute Zeit zu verbringen. Galant reicht er ihr eine Hand, während sie ins gewärmte Wasser steigt. Erst als sie sich bequem eingerichtet hat, folgt er ihr und gibt er ihr das frisch gefüllte Weinglas. Längst haben sie den Punkt erreicht, an dem für beide klar ist, dass eine bereits geöffnete Flasche geleert wird - alles andere wäre Verschwendung. 
Zufrieden ächzend setzt Lasse sich neben sie. Einen kurzen Moment schweigen sie, nur das leichte Plätschern des Wassers ist zu hören. "Du bist tran.", grinst er schließlich. "Erßähl mir eine peinliche Geschichte."
Marina schmunzelt und nippt an ihrem Weinglas. "Ich war 17 und hatte meinen damaligen Freund, zum ersten Mal zu Hause. Es war ein großes Ding für mich, weil er sehr charmant war. So ein Typ, den alle cool fanden. Ich wollte, dass meine Eltern ihn mögen." Sie lacht. "Wir saßen im Wohnzimmer und unterhielten uns. Alles lief eigentlich gut. Aber dann kommt mein Vater rein in seiner altmodischen Jogginghose und fragt meinen Freubd nach seinem beruflichen Status. Er war damals Aushilfe im Baumarkt." Marina hält kurz inne mit einem Grinsen auf den Lippen. "Mein Vater fragte ihn dann genauer aus. Welche Abteilung? Schrauben oder Dichtungen? Es ging soweit, dass er immer mehr spezifische Fragen stellte und mein Freund nicht mehr wusste, was er sagen sollte."
Sie kichert und trinkt ein Schluck Wein. "Mein Vater verschwand plötzlich und ich dachte - endlich Ruhe. Doch dann kommt er mit einer Tüte voller Schrauben zurück! Er kippte sie auf den Tisch und fragte meinen Freund ernsthaft, was das für Schrauben seien. Ich war so peinlich berührt, dass ich meinen Freund in die Küche gezerrt habe. Später habe ich meinen Vater zur Rede gestellt und er meinte das alles ernst!" Marina schüttelt den Kopf abschließend und sieht Lasse an. Obwohl sie schon einige Gläser Wein intus hat, kann sie den Moment genau spüren und genießen.
"Väter, was?! Du kannst nicht mit und nicht ohne.", lacht Lasse. "Ich habe auch mal in Baumarkt gearbeidet.", nickt er grinsend, als wäre das etwas besonders Beeindruckendes. "Mein erste Job. Ich hab alles falsch gemacht und war nach eine Woche entlassen." Ein großer Schluck folgt der kurzen Anekdote. "Ich nehm an, er wa-"
"Papa? Wo stecks- ach hier bist du." Energisch und gut gelaunt, schießt Karlotta auf die Terrasse und bleibt ruckartig stehen. Ihr Gesicht formt ein freches Grinsen. "Oh, sorry! Ich wollte nicht stören."
"Charlie!" Überrascht blinzelt ihr Vater sie an. "Du bist schon ßu Hause?!"
"Ehm, Papa," amüsiert hebt sie eine Braue in die Stirn, "es ist nach zwölf. Soll ich lieber ausziehen?" Ihr Grinsen spricht Bände.
"Erst wenn du die Schule beendet hast, junge Dame.", feixt er zurück.
"Alles klar, Papa.", nickt sie, den Kopf schief legend und unübersehbar auf Marina deutend.
"Oh, Skit!" Erschrocken schaut er zwischen seinem Gast und Karlotta hin und her. "Ehm, Marina, das ist Karlotta, Tochter, Gewissen und Augapfel. Charlie, ..." seine Stimme klingt plötzlich warm und verträumt, "das ist Marina."
"Hey.", Karlotta winkt hektisch mit der Hand durch die Luft. "Lieber Charlie."
Marina spürt, wie ihr Puls ansteigt, überrascht von Charlies plötzlichem Auftauchen. Gleichzeitig fühlt sie sich unsicher – das Letzte, was sie möchte ist einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Mit einem Lächeln hebt sie die Hand. "Hallo Charlie, schön dich kennenzulernen."
Innerlich fragt sie sich, ob der Wein sie bereits ein wenig lockerer gemacht hat, als es der Situation angemessen wäre. Sie atmet tief durch. "Ich hab schon viel von dir gehört."
"Das tut mir leid,", grinst die Jüngere, "war bestimmt langweilig." Ein prüfender Blick huscht zu ihrem Vater, gefolgt von einem herzlichen Lächeln. "Ich geh mal nach oben." Ihr wollt sicher ungestört sein. "Ich bin müde. Gute Nacht." Sie wendet sich ab und geht hinein, als sie von Lasse zurück gerufen wird. "Hm?" Fragend schaut sie aus der Tür.
"Haddest du einen schönen Abend?", fragt er bedeutungsvoll.
Karlotta lächelt erneut. Ihre Augen beginnen zu leuchten. "Ja. Es war schön. Aber nichts ... Besonderes." Ihr Blick zeigt deutlich eine Anspielung. "Gute Nacht."
"Nacht, Skatt.", lächelt Lasse ihr hinterher. Seufzend richtet er sich an Marina. "Wer hädde gedacht, dass es schon ßo spät ist? Das passier wohl, wenn man die ßeit mit einem beßonderen ßim verpringt." Seinen Gast anleuchtend, tippt sein Glas gegen ihres.
Nach dem Zuprosten trinkt Marina ihr Glas leer. Die Begegnung mit seiner Tochter ist besser gelaufen als gedacht. "Bist du schon müde?", fragt sie. In ihrem aktuellen Zustand weiß sie genau, dass Autofahren keine Option mehr ist, doch der Gedanke, ein Taxi zu rufen und diesen Abend zu beenden, gefällt ihr nicht.
Verhalten schüttelt er den Kopf. "Ich darf auf pleiben, ßolange ich will.", schmunzelt er. "Und Du?"
"Also, auf mich wartet niemand", sagt Marina leise und grinst verschmitzt. Sie rückt ein kleines Stück näher an Lasse heran, ihr Knie streift sanft seines, während sie ihn ansieht.
"Ich glaube, ich bleibe noch ein bisschen."
"Ja, bitte bleib noch." Lasses Gedanken schwirren wild durcheinander. Sie flirtet unverkennbar. Sein Blick tanzt zwischen ihren Augen und ihrem Mund hin und her. Ihre Lippen scheinen ihn magisch anzuziehen. Ohne hinzusehen, stellt er das Glas am Rand des Beckens ab und küsst sie. Durch den Alkohol ermutigt, fordert er mehr als zuvor in der Küche, dennoch bleibt er vorsichtig, beinahe scheu, als würde er um Erlaubnis bitten.
Für einen Moment hält Marina inne, überrascht von seiner plötzlichen Nähe. Doch sie weicht nicht zurück. Stattdessen lässt sie den Kuss geschehen und spürt die Wärme seiner Lippen.
Vorsichtig öffnet sie ihre Lippen und lädt ihn damit ein, seine Zunge mit der ihren tanzen zu lassen.
Ihre Hände gleiten langsam an seinen muskulösen Körper, bis sie vorsichtig an seiner Brust ruhen. Mit ihrer rechten Hand bleibt sie über seinem Herzen stehen und spürt seinen gleichmäßigen Herzschlag.
Er folgt ihrer Einladung, lässt sich in dem Moment fallen und hört auf sein Gefühl. Die klärenden Worte zuvor am Abend im Hinterkopf stärken ihm den Rücken. Es gibt keine Erwartungen zu erfüllen. Nur das Hier und Jetzt zählt. So wie es ist, ist es perfekt. Endlose Sekunden vergehen, bis er sich von Marina löst, langsam die Augen öffnet und sie eindringlich ansieht. "Du kannst hier schlafen.", sagt er sanft. "Wir haben beide getrunken. Und ich freue mich, wenn du pleibst." Sein Herz unter ihrer Hand macht einen Sprung, zeitgleich zieht ein warmes Lächeln über seine Mimik. Fragend kräuselt sich seine Stirn unter dem nassen Haar. "Ich nehm das ßofa.", schiebt er hinterher, nur um sicher zu gehen.
Lächelnd erwidert Marina seinen Blick, ihre Gedanken rasen, aber sie zwingt sich, ruhig zu bleiben. Wechselklamotten oder Zahnbürste hat sie nicht dabei, doch der Gedanke, jetzt ein Taxi zu rufen, fühlt sich falsch an. "Gern", antwortet sie schließlich auf seine Einladung.
Kurz schweigt sie und denkt nach. In den letzten Monaten war das Bett immer leer geblieben, sie hatte die Nähe vermisst – jemanden, der sie einfach nur in den Arm nimmt. Der Wein in ihrem Blut macht es ihr leicht. "Wenn du möchtest", beginnt sie zögerlich. "... kannst du auch ... neben mir schlafen."
"Das klingt schön." Lasse verliert sich in Marinas Augen und wieder herrscht Stille zwischen ihnen. Er stellt sich vor, wie es sein wird, neben ihr zu liegen, sie zu betrachten und ihrem Atem zu lauschen. Dann grätscht das Bild der Kinder in die friedvolle Szene. Sie werden denken, dass er mit ihr geschlafen hätte. Es könnte ihm egal sein. Es wäre sein gutes Recht. Schließlich ist er erwachsen und niemandem Rechenschaft schuldig. Aber es wäre gut, ihnen zu zu zeigen, dass man nichts übereilen muss. Zum unzähligen Male an diesem Tag schlagen seine Gedanken eine spontane Richtung zu Karlotta ein. Gerade jetzt sollte er mit gutem Beispiel voran gehen. Schwer seufzend legt er seine Hand in Marinas. "Ich ßollte das ßofa nehmen.", wiederholt er mit leichtem Bedauern in der Stimme. "Charlie ist ... das Alter ... und ihr Freund ..."
Leicht enttäuscht versteht sie jedoch seine Situation und nickt. "Vielleicht ein andermal", sagt sie erwartungsvoll. Dann kann sie sich ein Gähnen nicht mehr verkneifen und hält sich die Hand vor den Mund. "Wir sind schon eine Weile im Wasser", sagt sie schüchtern. " ... Am besten trocknen wir uns mal ab." Trotzdem lässt sie ihn nicht los.
Stumm nickt er und steht auf, um geräuschvoll aus dem Wasser zu waten. Vom kleinen Hocker am Beckenrand nimmt er ein großes Badehandtuch, zieht es auseinander und sieht sie auffordernd an. Die Kleidung hängt schwer an ihrem Körper herab, als sie aus dem Wasser tritt. Lasse senkt respektvoll den Blick, um nicht versehentlich etwas einzufangen, das ihm nicht bestimmt ist. Erst als Marina sich wärmend eingehüllt hat, legt er sich das zweite Tuch über die Schultern. "Ich lege ßachen für dich raus.", raunt er gerade laut genug, dass sie es verstehen kann, und geht ins Badezimmer. Schnell sind Waschlappen, Handtücher und Zahnbürste zurecht drapiert. "Wenn ich etwas vergessen hab, ßag es einfach." Zielstrebig geht er weiter ins Schlafzimmer, holt frische Bettwäsche aus dem Schrank und legt sie zum Beziehen auf der Matratze ab. Das erledigt er gleich, wenn er Wolldecke, Laken und Kissen zum Sofa gebracht hat.
Begeistert beobachtet Marina, wie Lasse sorgfältig alles zurechtlegt, damit sie die Nacht bei ihm verbringen kann. Es ist ihm offensichtlich wichtig, dass sie sich wohl fühlt, doch er erwartet nicht von ihr, das Bett zu beziehen, nur weil sie eine Frau ist. Nein, er geht selbstverständlich und respektvoll mit ihr um, ohne irgendeine Erwartung zu haben. Das gefällt ihr. In ihrem Blick spiegelt sich Geborgenheit und ein sanftes Lächeln breitet sich auf ihren Lippen aus. "Ich danke dir", raunt sie leise und hört dabei nicht auf zu lächeln.
"Nej, das ist ßelbsverschdl- verdsch- " Er schließt die Augen, atmet durch und schüttelt kaum merklich den Kopf. Er hatte im Großen und Ganzen keine Mühe, simlisch zu lernen. Aber es gibt Worte, die wollen ihm einfach nicht gelingen. "Ich mach das gern.", korrigiert er sich und zieht das Bett ab.
Während er das Bett bezieht, nutzt Marina die Zeit, um sich im Bad frisch zu machen. Sie nimmt sich die Zeit, ihre Haare einigermaßen zu trocknen und sich wieder in ihre Klamotten zu schlüpfen. Als sie zurückkommt, ist Lasse mit dem Bett fertig und sie geht zu ihm, setzt sich auf das frisch bezogene Bett und schaut ihn zufrieden an. "Ich werde heute Nacht sicher gut schlafen können. Ist die Couch auch bequem genug?" Ihr schlechtes Gewissen regt sich. Nicht, dass er noch Rückenschmerzen bekommt.
Die Frage treibt ihm ein berührtes Lächeln ins Gesicht. "Das geht schon.", nickt er. Einen Augenblick schaut er sie gedankenverloren an. Was für ein intensiver Tag. Mit tiefer Dankbarkeit, dass sich am Ende alles zum Guten wendet, lehnt er sich zu Marina vor und haucht ihr einen Kuss auf die Wange. "Gude Nacht.", sagt er, sammelt die Wäsche zusammen und verlässt das Zimmer.
(in Zusammenarbeit mit @Spatz )
#12
Charaktere: Marina, Charlie, Lasse
Geschichtsstrang: Frühstück
Marinas innere Uhr tickt. Obwohl sie am Vorabend lange wach war und eigentlich noch etwas länger im Bett bleiben könnte, ist sie um 7 Uhr bereits wach und steht auf. Im Haus Solberg herrscht noch Stille und leise geht sie ins Badezimmer, um sich frisch zu machen. Als sie sich bereit fühlt, blickt sie durch das Fenster auf die Terrasse und entdeckt die warmen Sonnenstrahlen. Das Wetter ist perfekt, um draußen zu frühstücken.
Um Lasse eine Freude zu bereiten, beschließt sie, den Tisch zu decken und alles für ein gemeinsames Frühstück vorzubereiten. Sie weiß, dass Lasses Tochter Charlie zu Hause ist, während sein Sohn die Nacht bei einem Freund verbracht hat. Deshalb deckt sie ein drittes Gedeck, damit Charlie ebenfalls mit ihnen frühstücken kann. Als Mutter versteht Marina, wie wichtig es ist, ein Kind einzubeziehen und fühlt sich weder genervt noch eifersüchtig. Sie weiß, dass es Sims gibt, die Schwierigkeiten damit haben, wenn der Partner bereits ein Kind hat und die Aufmerksamkeit nur für sich allein wollen. Marina hingegen empfindet das nicht so.
Während sie den Tisch deckt, denkt sie an den vergangenen Abend. Lasse hat sich als wahrer Gentleman gezeigt und sie hat sich in seiner Nähe geborgen gefühlt. Solche Eigenschaften hätte sie sich auch von ihrem Nochehemann gewünscht, als sie in einer intakten Ehe lebten. Doch Joachim war ein harter Mann, der nur selten Gefühle zeigte. Kuscheln war nie sein Ding und wenn es dazu kam, dann nur, um es schnell auf das Eine hinauslaufen zu lassen. Diese Erinnerungen holen Marina ein, während sie den Tisch deckt und sie seufzt. Warum denkt sie ausgerechnet jetzt an Joachim? Sie kann es sich nicht erklären und konzentriert sich stattdessen wieder auf das Frühstück.
Als der Tisch fertig gedeckt ist, blickt sie zufrieden in die Sonne. Es ist wirklich schön hier. Nach ein paar Minuten geht sie ins Wohnzimmer und sieht Lasse schlafend auf dem Sofa. Sie bringt es nicht übers Herz, ihn zu wecken und lässt ihn weiterschlafen. Nur weil ihre innere Uhr so früh tickt, müssen die anderen nicht aus dem Bett geholt werden. Mit einer Tasse Kaffee setzt sich Marina auf die Terrasse und genießt die wärmenden Sonnenstrahlen.
Im oberen Stockwerk tritt Karlotta verschlafen aus dem Badezimmer. Einen Moment horcht sie mit spitzen Ohren die Treppe hinunter. Kein
Mucks ist zu hören. Es ist bereits nach sieben Uhr - zu früh zum Aufstehen, aber Zeit, die Hunde von ihrem Hunger zu erlösen. Nur mit dem längst ausrangierten Hemd ihres Vaters bekleidet tappst sie die Stufen herunter. Laika hebt interessiert den Kopf und beginnt augenblicklich, die Rute geräuschvoll hin und her zu werfen. Zuerst freudig lächelnd stutzt Karlotta, als die Hündin sich ungeduldig erhebt und auf sie zugetrabt kommt. Wo ist Wumm? Das Mädchen sendet einen rufenden Pfiff ab und hört sofort darauf etwas hinten bei der Küche poltern. "Ja komm her, du Spinner.", lockt sie, auf den Oberschenkel klopfend. Beide Tiere wuseln aufgeregt um sie herum, werden an Ohren und Nacken gekrault, ehe das Trio den Weg zum Futterplatz einschlägt. Als Karlotta an der Couch vorüberzieht, stockt sie ruckartig. Papa? Irritiert wirft sie einen Blick zu seinem Zimmer. Warum liegt er auf der ... Ouh ... Verstehend schmunzelt sie in sich hinein. Dann wird Marina vermutlich auch noch schlafen. Auf leisen Sohlen macht sie sich an die Raubtierfütterung und erkennt schnell, dass sie sich die Rücksicht sparen könnte, bei dem Lärm, den Wumm und Laika veranstalten. Seufzend wendet sie sich um, ihr Blick fällt auf die geöffnete Terrassentür. Hm? Ist der Gast doch schon auf?
"Guten Morgen.", grüßt sie einen Augenblick später, auf die Veranda tretend.
Als Marina eine Stimme hinter sich hört, dreht sie sich um und entdeckt die Teenagerin. "Guten Morgen Charlie", grüßt sie freundlich und lächelt. "Noch eine Frühaufsteherin?" Sie mustert das Mädchen kurz und bemerkt die Hunde, die hinter ihr auftauchen. Sofort lockt sie die beiden zu sich und Wumm reagiert als Erster.
Der Hund trottet schwanzwedelnd zu ihr und drückt sich gegen ihre Beine, während sie ihn streichelt.
"Nicht SO früh, für gewöhnlich." Karlotta deutet mit einer Kopfbewegung auf die Vierbeiner. "Wenn Papa länger schläft, kümmere ich mich um die erste Mahlzeit. Normalerweise lege ich mich danach wieder hin." Sie tritt näher und bemerkt, den Tisch umrundend, die Frühstücksvorbereitungen. "Darf ich mich setzen?", fragt sie - nicht nur aus Höflichkeit, sondern auch, weil sie in Betracht zieht, dass der Gast gern allein sein möchte.
Marina nickt und deutet mit einem Lächeln auf einen freien Platz. "Natürlich, setz dich gern", sagt sie froh über die Gesellschaft. Es gefällt ihr die Gelegenheit zu haben, Charlie ein wenig besser kennenzulernen.
"Nach der Party gestern hätte ich auch gedacht, dass du länger schläfst." Sie beobachtet Charlie, wie sie Platz nimmt.
"Ach, das war ganz harmlos." Karlotta setzt sich der Frau gegenüber, die Unterarme auf den Tisch ruhend. "Wir waren unten am Pier. Ein bisschen mit der Knutschbahn und dem Riesenrad und so. Und Zuckerwatte.", grinst sie. Kurz beäugt sie ihr Gegenüber, greift dann zu einer der bereitgestellten Tassen und schenkt sich Kaffee aus der Kanne ein. "Ich muss zugeben, ich bin ein bisschen verunsichert.", beginnt sie dann offenherzig. "Normalerweise kenne ich es so, dass man ... Fremde siezt. Aber ...", sie stellt die Kanne ab und legt die Finger um die warme Tasse, "Fremde übernachten in der Regel nicht hier und werden auch nicht mit Vornamen vorgestellt. Ich weiß nicht, welche Anrede angebracht ist." Fragend schaut sie Marina an und schlürft aus der Tasse.
Lächelnd schaut Marina das junge Mädchen an mit einem warmen und ermutigendem Blick. "Du kannst mich ruhig duzen", sagt sie sanft. "Ich denke, über den Punkt fremd sind wir schon hinaus."
Sie nimmt einen Schluck aus ihrer eigenen Tasse und lehnt sich zurück. "Außerdem finde ich es schön, wenn wir hier einfach locker miteinander umgehen können. Das macht alles gleich viel angenehmer, findest du nicht auch?"
"Voll.", stimmt Karlotta zu. Sie musste trotzdem sicher gehen - das gebietet der Anstand. Die Lippen aufeinander gepresst, überlegt sie, wie sie die nächste Frage stellt, ohne zu unverschämt zu wirken. "Mmmhh, und ... wirst du öfter hier übernachten?" Nur mit Mühe kann sie sich ein vielsagendes Grinsen verkneifen.
Ein verlegenes Lächeln huscht über Marinas Lippen. "Ich hoffe", antwortet sie zögerlich. Sie erwidert Charlies grinsenden Blick.
Der Gedanke gefällt ihr mehr Zeit mit Lasse zu verbringen, die Abende mit ihm zu teilen und am nächsten Morgen wieder mit Sonnenstrahlen auf der Terrasse zu sitzen – zusammen mit ihm und seiner Familie.
"Ich meine, wenn ich eingeladen werde ..." Sie nimmt einen weiteren Schluck von ihrem Kaffee.
Neugierig saugt Karlotta jeden Wesenszug der Frau auf. Sie freut sich für ihren Vater, dass er jemanden kennengelernt hat. Dennoch muss sie zugeben: "Ist irgendwie eine merkwürdige Situation. Papa hat noch nie - ..." Sich bremsend schließt die den Mund zu einer schmalen Linie. Vielleicht ist es ihm unangenehm, wenn sie so über ihn redet. Karlotta räuspert sich, auf der Bank nach einer bequemeren Position suchend, rutscht sie vor und zurück. "Darf ich Fragen stellen?"
Auch für Marina ist die Situation ungewohnt und ein wenig unangenehm, doch sie bemüht sich, gelassen zu wirken. Mit einem freundlichen Lächeln antwortet sie Charlie. "Ja, natürlich. Stell mir ruhig Fragen." Sie möchte die Gelegenheit nutzen eine Vertrauensbasis zwischen sich und Charlie aufzubauen.
"Wie lange kennt ihr euch schon?", beginnt sie. "Wie lange lebst du ohne Partner? Ich meine, du bist doch allein, oder? Triffst du noch andere Männer? Warum? Oder Warum nicht? Habt ihr - " Immer weiter lehnt sich das Mädchen vor, von Neugierde und Begeisterung mitgerissen, bis sie schließlich selbst bemerkt, dass ihre Fragen eher einem hektischen Verhör gleichen. Die Peinlichkeit herunterwürgend richtet sie sich wieder auf. "Entschuldigung.", murmelt sie und greift zur Tasse, um ihren Mund zu beschäftigen.
Überrascht blickt Marina die Teenagerin an. Sie merkt, dass Charlie sich Gedanken um ihren Vater macht und nur möchte, dass es ihm gut geht. Dieses ehrliche Interesse rührt Marina. Das Verhältnis zwischen den beiden scheint wirklich eng zu sein – schließlich würde sie solche Fragen sonst wohl kaum stellen.
"Ich finde es gut, dass du Interesse zeigst", lobt Marina in der Hoffnung, Sorgen der Teenagerin zu nehmen. "Ich lebe seit ein paar Monaten allein und neben deinem Vater gibt es niemanden anderen." Sie wählt ihre Worte sorgfältig, um nichts vorwegzunehmen, was Lasse vielleicht selbst mit seiner Tochter besprechen möchte.
"Dein Vater und ich nehmen uns die Zeit, uns ganz in Ruhe kennenzulernen und zu schauen, wo es uns hinführt."
Einen Moment schaut Karlotta ihr Gegenüber an, senkt dann den Blick und lässt die Worte wirken. Es hört sich an, als wäre es ähnlich, wie bei ihr und Dylan. Ob sie danach fragen sollte? "Wie genau fühlt es sich an, wenn man verliebt ist? Ich meine, so richtig. Gibt's da Unterschiede? Ich hatte schon mal einen Freund. Aber das war ganz anders. Ich fand ihn gut und so. Aber jetzt ... vielleicht war das gar nicht Liebe ..." Dylans kräftiger Nacken kommt ihr in sen Sinn. Der Adamsapfel, der beim Sprechen unter seiner Haut tanzt. Sie mag seine breiten Schultern und die Hände, die viel größer sind als ihre. Vor sich her träumend bemerkt sie nicht, wie sich ihre Mundwinkel anheben.
"Verliebt sein." Marina schaut gehen Himmel und sammelt ihre Worte. "Es ist nicht immer dieses aufregende Gefühl, das man aus Filmen kennt. Es ist manchmal viel stiller, aber auch viel schöner. Wenn du jemanden anschaust und plötzlich lächeln musst, ohne genau zu wissen, warum. Weil du weißt, dass dieser Sim etwas besonderes ist. Man fühlt sich vertraut, geborgen ... und angekommen."
Sie sieht Karlotta an. "Vielleicht fühlt es sich bei jedem ein bisschen anders an, aber für mich ist es dieses Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit, das den Unterschied macht. Nicht nur das Herzklopfen, sondern die Ruhe, die ein anderer Sim in dir auslösen kann."
Fasziniert hört Karlotta zu und beobachtet jede Regung in Marinas Gesicht. "Das klingt voll schön.", sagt sie abschließend - und meint es so. In sich hineinhorchend versucht sie zu ergründen, ob sie etwas davon wiedererkennt. "Bei Dylan hab ich immer das Gefühl, ich muss ihn die ganze Zeit anschauen." Sie stutzt und hebt den Blick. "Heißt das, dass ich oberflächlich bin?"
Marina schüttelt den Kopf, während sie Karlotta ansieht. "Nein, das heißt es überhaupt nicht. Es zeigt nur, dass du ihn magst und gerne ansiehst. Daran ist nichts Oberflächliches." Verständnisvoll blickt sie zu ihr und ist nun selbst neugierig geworden. "Wie lange seid ihr denn schon zusammen?"
"Genau fünf Wochen.", strahlt sie und denkt an Sulani zurück - als sie sich das erste Mal küssten. Oder zählt das gar nicht? Sind sie erst seit Marvins Party 'so richtig' zusammen?
Für einen Moment wird Marina still und ihre Gedanken wandern zurück zu ihrer eigenen ersten Liebe. Sie erinnert sich an dieses unbeschreibliche Gefühl, als würde man schweben und die ganze Welt umarmen. Es war ein Gefühl, das sie lange nicht mehr so intensiv gespürt hatte – bis gestern Abend. Ob sie sich in Lasse verliebt hat? "Genieß es. Die erste Zeit ist etwas ganz Besonderes."
Die Frau ist Karlotta sympathisch. Ein bisschen ruhig vielleicht. Aber das könnte auch daran liegen, dass es früh am Morgen ist. Oder dass sie sich gerade erst kennenlernen. Oder dass sie an ... andere Dinge denkt. So oder so, sie scheint ein offenes Ohr zu haben, was nie verkehrt ist. Karlotta versucht sich Marina an der Seite ihres Vaters vorzustellen und bemerkt, dass sie keine Ahnung hat, wie er mit und auf Frauen reagieren könnte. Über zehn Jahre ist es her, dass ihre Mida die Familie verlassen hat. In all der Zeit gab es nie Hinweise darauf, dass er Interesse an einer Frau gehabt hätte. Karlotta hat diesen Zustand nie in Frage gestellt. Es war und ist normal für sie, dass ihr Vater allein ist. Bei dem Gedanken daran, dass diese Ordnung sich jetzt vielleicht ändern könnte, beschleicht sie erneut eine gewisse Unsicherheit. Natürlich soll er glücklich sein. Aber hieße das, er war die letzten Jahre unglücklich? Ihre Gedanken fangen an, sich zu drehen und ein Teil in ihr ist mehr als dankbar, als Lasse aus der Tür heraustritt und das Karussell zum Stoppen bringt. "Hey hey.", grüßt er die Damen. Seine Augen beginnen sofort zu leuchten, als sein Blick auf Marina fällt.
Krass, denkt Karlotta erstaunt, er mag die wirklich richtig gern.
Freudig dreht sich Marina um, als sie Lasses Stimme hört. Ein strahlendes Lächeln breitet sich auf ihren Lippen aus. "Einen wunderschönen guten Morgen", begrüßt sie ihn herzlich. "Gut geschlafen?", fragt sie und streift dabei mit ihrer Hand leicht seinen Arm.
"Ich hab geträumt von dir, alßo ja.", lächelt er zurück. Sein Blick trifft Karlottas verzückte Mimik und weicht dann verlegen ab. "Ihr habt schon Frühstück gemacht.", bemerkt er nach einem Räuspern. "Das ßieht richtig gud aus."
"Damit habe ich nichts zu tun." Karlotta winkt schmunzelnd ab. "Das war ..." deine Freundin "Marina."
"Danke dafür." Lasse setzt sich neben den Übernachtungsgast. "Worüber habt ihr gesprochen?", fragt er interessiert.
"Übers Verliebt sein.", entgegnet Karlotta neckisch.
"Oh." Mit der Situation überfordert erwecken Lasses Brauen die Stirnfalten zum Leben. "Ein ... komplißiertes Thema.", murmelt er vor sich her.
"Kompliziert und doch schön", entgegnet Marina und sieht von Karlotta zu Lasse lächelnd hin und her. "Lass es dir schmecken", sagt sie zu Lasse und wendet sich anschließend an seine Tochter. "Nimm dir auch gerne etwas zu essen. Ich habe extra für dich mitgedeckt."
"Also, ich weiß nicht, wie du es siehst, Papa, aber ich mag sie." Karlotta schenkt beiden Erwachsenen ein breites Lächeln. Ihren Segen hat sie damit erteilt. Über den Tisch angelnd, nimmt sie sich eine Scheibe vom selbst gebackenen Brot und greift kurz darauf zu Butter und Marmelade - ebenfalls selbst zubereitet mit Früchten aus eigenem Anbau.
Lasse schmunzelt klangvoll. Die ganze Situation ist neu für ihn. Er will unbedingt ein gutes Vorbild sein, dabei aber Marina nicht das Gefühl geben, nur die Zweite zu sein. Noch dazu muss er selbst sich erst darüber klar werden, was sich gut und richtig anfühlt. War das damals schon so einschüchternd? "Ich mag sie auch.", sagt er zurückhaltend mit einem scheuen Blick in Marinas Richtung.
"Warum hast du dann auf dem Sofa geschlafen?", poltert es Karlotta ungefiltert aus ihrem Kopf.
Wieder ploppen die Falten auf Lasses Stirn auf.
"Oh," die Tochter reißt die Hand vor den Mund "... zu viel?", fragt sie mit großen Augen.
Wehmütig lässt Marina die Szenerie auf sich wirken. Es sind genau solche Momente, die sie vermisst hat. Ein gemeinsames Frühstück, ein entspanntes Beisammensein und diese offenen Gespräche zwischen Kind und Elternteil. Der Morgen fühlt sich für sie fast ein wenig wie Zuhause an und sie genießt ihn in vollen Zügen. "Dein Vater ist eben ein richtiger Gentleman." Andere Männer hätten die Situation vielleicht ausgenutzt oder sich anders verhalten. Aber Lasse ist anders.
Neugierde sticht Karlotta aus den Augen, als sie kauend beide nacheinander mustert. Was zum Geier bedeutet das? Und warum grinst er so schief? "Heißt das, ..." behutsam wählt sie die nächsten Worte, "wenn Dylan hier schlafen würde, ..."
Lasses Blick schnellt alarmiert auf. Sie will es hier tun? Moment ... will sie ES hier tun?
"ßofa.", schießt es aus ihm heraus.
"Auch wenn ... ich meine, er ist auch ein ... Gentleman."
"Um ein Gentleman ßu ßein, muss man mindestens dreißig Jahre alt ßein. Lieber vierßig." Eindringlich betrachtet Lasse seine Tochter. Bei aller Offenheit kann er das nicht so stehen lassen.
Marina hält sich bewusst aus dem Gespräch heraus und konzentriert sich stattdessen darauf, sich eine Scheibe Brot mit Käse und Gurkenscheiben zu schmieren. Sie beobachtet Lasse und Karlotta unauffällig, versucht aber nicht, Partei zu ergreifen. Es ist offensichtlich, dass Lasse bemüht ist, seiner Tochter ein gutes Beispiel zu sein und sie zu schützen und Marina kann ihm das nicht verdenken.
Doch während sie sich äußerlich ruhig gibt, gehen ihr selbst Gedanken durch den Kopf. Natürlich versteht sie Lasses Haltung – kein Vater will sich zu früh mit solchen Themen auseinandersetzen. Doch sie weiß auch, wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Wenn Karlotta und Dylan tatsächlich bereit sind, diesen Schritt zu gehen, wird es passieren – egal, ob im eigenen Zimmer, in einem Hotel oder irgendwo anders.
Ein Teil von ihr möchte Lasse sagen, dass es vielleicht besser wäre, die beiden in einer sicheren und geschützten Umgebung zu lassen, anstatt sie in fremde Orte zu drängen. Doch Marina entscheidet, den Moment nicht unnötig komplizierter zu machen. Sie will dem sorgenvollen Vater keine weiteren Kopfkinos bescheren, die ihn nur zusätzlich belasten würden. Stattdessen beißt sie in ihr Brot und lässt die Unterhaltung ihren Lauf nehmen.
Seufzend legt Karlotta das Brot ab. "Aber du hast gesagt, ich kann tun, was ich tun will, wenn ich mir sicher bin. Und ...", ihre Lippen formen ein zaghaftes Lächeln, "... das bin ich."
"Ich hab auch geßagt, dass du ßu schnell erwakßen wirst."
Karlotta lacht leise. "Daran kann ich nichts ändern."
Lasse seufzt wehmütig. Er weiß, dass sie recht hat. Er muss damit zurecht kommen, dass sie inzwischen eine junge Frau ist. "Vielleicht ...", kurz hält er inne. Womöglich ist es zu viel verlangt, aber es mangelt ihm an Möglichkeiten. Flehend sieht er zu seinem Gast. "Vielleicht kann Marina dir einen Arßt empfehlen ..."
Zwei Augenpaare schauen sie erwartungsvoll an und es wird still am Tisch.
Überrascht blickt Marina auf. Einen Moment lang bleibt sie still, doch nachdem sie ihren Bissen hinuntergeschluckt hat, antwortet sie. "Ja, natürlich. Ich kenne eine gute Ärztin in Willow Creek. Wenn du möchtest, begleite ich dich."
"Echt?" Die Augen vor Freude geweitet strahlt Karlotta Marina an. "Mega! Danke!"
Lasse atmet auf, teils erleichtert, teils wehmütig. "Kannst du nicht noch eine Weile mit deine Rennbahn spielen? Nur ein Jahr."
Lachend erhebt sich seine Tochter und umrundet den Tisch. In seiner Höhe angekommen, drückt sie ihm einen Kuss auf die Wange. "Ich hab dich auch lieb.", säuselt sie ernst gemeint. "Ich bring mal die Kälber raus." Nach den Hunden pfeifend verschwindet sie in der Küche.
"Danke dir ßo ßehr.", richtet Lasse sich an Marina. "Du reddest mir den Hindern."
Grinsend beißt Marina in ihr Brot. "Immer wieder gern", sagt sie mit einem Zwinkern, bevor sie einen Schluck Kaffee nimmt und die Tasse wieder absetzt. "Ich werde nach dem Frühstück nach Hause fahren", sagt sie sanft und schaut ihn erwartungsvoll an. "Wann sehen wir uns wieder?"
Bei diesem Blick könnte er dahin schmelzen. "ßobald du kannst?" Lasse will nicht, dass sie geht. Aber natürlich muss sie irgendwann zurück. "Ich bin immer hier ab trei Uhr."
Marina und Lasse frühstücken gemeinsam zu Ende und sie hilft ihm dabei, den Tisch abzuräumen.
Schließlich nimmt Marina ihre Tasche und lässt sich von Lasse zur Tür begleiten. "Bis bald", sagt sie mit einem Lächeln und sieht ihm dabei tief in die Augen. Ein paar Sekunden herrscht Schweigen, bis sie von Lasse sanft an ihn gezogen wird und sich ihre Lippen treffen. Der Kuss ist intensiv und zärtlich. Die Welt um sie herum scheint still zu stehen, bis sie sich langsam voneinander lösen.
Sehnsüchtig schaut er ihr nach, bis sie eingestiegen ist, hebt die Hand, um ihr ein letztes Mal zuzuwinken und lässt den Wagen nicht aus den Augen, bis er hinter der Kurve verschwindet.
(in Zusammenarbeit mit @Spatz )
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#13
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Charaktere: Mikka, Lasse, Marina, Charlie
Geschichtsstrang: Szenen einer Familie IV - in Mikkas Hand
"Und dann bin ich einfach an allen vorbeigerannt, haste gesehen?!" Mikka tänzelt mit einem imaginären Ball vor den Füßen an seinem Freund entlang, wie er es vorher auf dem Spielfeld tat. "Und keiner konnte mich stoppen."
"Ich hatte dir aber fast den Ball geklaut.", kommentiert Flo grinsend. Er gönnt dem Mannschaftskumpanen den Erfolg, obwohl es ihn insgeheim wurmt, dass er heute schlechter abgeschnitten hat als Mikka.
"Aber nur fast. Ich war zu schnell für dich. Ich hab letzte Woche krass viel geübt. Hat Siggi auch gesagt."
An der heimischen Einfahrt angekommen, verabschiedet sich Mikka von seinem Freund und läuft eilig und gut gelaunt den Weg hinauf, bis er polternd die Tür ins Haus stößt. "Bin daaa. Was gibt's zu essen? Ich hab krassen Kohldampf." Jacke und Schuhe fliegen in die Ecken, eine Hand tätschelt beiläufig den Hundekopf, der sich ihm aufgeregt entgegenreckt, ehe Mikka mit großen Schritten in die Küche stürmt. "Siggi hat gesa-" Der Junge verstummt, als er die fremde Frau in der Essecke sieht, die offensichtlich jede Menge Spaß daran hat, mit Lasse den Tisch zu decken.
"Mikka.", lacht der Familienvater ihm fröhlich entgegen. "Du kommst genau pünglich. Heude gibt es Hot Dogs." Eine Hand deutet auf den Gast. "Das ist Marina. Marina? Das ist Mikka."
"Freut mich, dich kennenzulernen", sagt Marina mit einem Lächeln und streckt dem Jungen die Hand entgegen, um ihn zu begrüßen. Es ist das erste Mal, dass sie Lasses Sohn trifft, nachdem sie bereits die Gelegenheit hatte, Charlie kennenzulernen. Nervös, als auch freudig blickt sie dem heutigen Tag entgegen.
Mürrisch schaut Mikka unter den Brauen zu ihr auf. Die Hände hängen demonstrativ am Körper herunter. Er wird ihr doch nicht die Hand schütteln. "Und was will die hier? Ist die jetzt deine Freundin oder was?"
"Auf jeder Fall ist sie mein Gast und ich möchte, dass du freunlich ßu ihr bist. Ich bin auch nett ßu deine Gäste." Eine Hand streicht fürsorglich über Marinas Rücken. "ßeds dich. Wir essen kleich."
"Ich will in meinem Zimmer essen." Beleidigt starrt Mikka auf den Tisch.
"Keine Chance." Lasse schüttelt entspannt den Kopf und stellt weitere Zutaten zwischen die Teller. "Du kannst hoch gehen, wenn du willst, aber entweder du isst hier mit unß oder gar nicht."
Einen Moment denkt Mikka ernsthaft über die Optionen nach, lässt sich dann mit vor der Brust verschränkten Armen auf einem der Stühle ganz außen am Tisch fallen. Sein Gesicht ist vor Zorn gerötet, der Kiefer fest angespannt.
"Wie war das Training?", fragt Lasse interessiert, erntet aber lediglich einen bitterbösen Blick.
"Mikka spielt Fußball.", frischt Lasse Marinas Erinnerung auf. "Und er ist richtig gut." Der Stolz des Vaters ist nicht zu überhören.
Marina ist ein wenig gekränkt, bemüht sich jedoch, es als typisches Teenagerverhalten abzutun. Es wäre nicht das erste Mal, dass Jugendliche – insbesondere ihre eigenen Kinder – sie vor den Kopf stoßen. Währenddessen hört sie Lasse aufmerksam zu und versucht, das Gespräch entspannt fortzuführen. "Oh, Fußball? Das ist ja toll!", sagt sie mit einem Lächeln. "Im Verein oder von der Schule aus?"
Die Arme fester um den Brustkorb ziehend, sackt Mikka im Stuhl zusammen und schweigt.
Lasse schenkt Marina einen bedauernden Blick. Er hatte erwartet, dass sein Sohn sich quer stellt, aber nicht dass er sich so bockig verhält. "Tut mir leid.", zuckt er leise raunend unbeholfen mit einer Schulter. "Ich rede kurß mit ihn." Bei Mikka am Tischende angekommen legt er dem Jungen eine Hand auf die Schulter und signalisiert ihm, dem Vater ins Wohnzimmer zu folgen. Leise weht Lasses Stimme in die Küche herüber, fremde Worte seiner Muttersprache erreichen Marina. "Vad ska det betyda? ..." Während Lasse geduldig und ruhig spricht, entgegnet Mikka ihm umso lauter.
"Jag förstår inte vad det handlar om. varför är hon här?"
Einige Male wechseln Stimme und Tonfall sich ab. Trotz der Fremdsprache ist spürbar, wie aufgebracht Mikka ist.
"Det är viktigt för mig." Lasses Worte klingen energischer als zuvor.
"Men inte för mig!" Mikka stürmt an der Küche vorbei zur Haustür.
"Vart ska du?" Beinahe hilflos macht Lasse einige Schritte hinterher, die Arme ausgebreitet bleibt er auf halber Strecke stehen.
"Weg!" Mikka reißt die Tür auf und verschwindet aus dem Sichtfeld.
Eine Hand am Türrahmen gestemmt schaut Lasse ihm betreten hinterher. "Vad sägs om middag?"
"Ich hab keinen Hunger!"
Die Lippen geschürzt, den Kopf resignierend gesenkt schließt Lasse die Tür. Das lief gar nicht gut. 
"Was hat der denn?", fragt Karlotta, die plötzlich hinter ihrem Vater steht.
Lasse zuckt nur die Schultern. Es bedrückt ihn, seinen Sohn so zu sehen. Irgendetwas wühlt ihn seit geraumer Zeit auf und er blockt jedes Gespräch ab. Sich am Hinterkopf kratzend sendet er einen enttäuschten Blick in die Küche, wo Marina noch immer steht. "Lass uns essen." Er gestikuliert seiner Tochter am Tisch Platz zu nehmen und folgt ihr in die Küche. "Er ist krade ein bissen schwierig.", entschuldigt er die Situation vor seinem Gast. "Ich regel das.", nickt er.
Stumm nickt Marina und beginnt, ihren Teller zu füllen. Sie versteht nicht genau, worüber sich Lasse und Mikka unterhalten haben, doch sie ist sicher, dass es mit ihr zu tun hat. So hatte sie sich das Treffen nicht vorgestellt. Naiv war wohl der Gedanke, es könnte so unkompliziert verlaufen wie mit Charlie.
Sie nimmt einen Bissen, doch der Genuss bleibt aus. Was, wenn Mikka sie ablehnt? Würde Lasse sich dann gegen sie entscheiden? Ein dauerhafter Konflikt mit seinem Sohn wäre keine Basis für eine gemeinsame Zukunft, das weiß sie. Zumal sie und Lasse noch nicht einmal klar definiert haben, wohin ihre Beziehung führt, auch wenn die letzten Treffen andeuten, dass beide es ernst meinen.
Nach einigen Minuten der Stille setzt Marina ein Lächeln auf und wendet sich an Charlie. "Schmeckt dir das Essen?", fragt sie bemüht, die angespannte Stimmung etwas aufzulockern.
"Voll.", kaut das Mädchen hinter vorgehaltener Hand. "Hatte ewig keine Hot Dogs mehr. Und Papas Spezialsauce ist einfach der Hammer." Sie füllt sich vom Beilagensalat nach, den Marina eigens angefertigt hat. "Der ist auch richtig gut. Das Dressing ist super lecker."
Zaghaft lächelnd sieht Lasse von Karlotta zu Marina. Wenigstens verstehen die beiden sich gut. Mit Mikka wird er noch das eine oder andere Gespräch führen. Vermutlich fühlt der Junge sich zurückgesetzt. Er muss ihm irgendwie vermitteln, dass er seine Sorgen und Bedürfnisse ernst nimmt, ohne ihn dabei unter Druck zu setzen. "Hast du irgendetwas von dein Pruder mitbekommen?", fragt Lasse an Karlotta gerichtet. "Ich verstehe nicht, warum er ßich ßo benimmt."
Kauend schaut sie zwischen den Erwachsenen hin und her. "Nein, nichts Konkretes. Aber ..." Sie legt das Besteck ab und denkt einen Moment über ihre Worte nach, bevor sie etwas Falsches behauptet. "Ich hab drüber nachgedacht. Ich glaub, er ist so drauf, seit er weiß, dass ich nach Korea flieg."
Lasse nickt verstehend. "Er wurde nicht eingeladen.", denkt er laut.
"Ist schon ziemlich unfair.", bestätigt Karlotta. "Ich könnte ... naja, ich meine, ich muss ja nicht hin. Wenn es für ihn so schrecklich ist."
Nachdenklich gehen Marina viele Gedanken durch den Kopf. Erst verlieren die beiden ihre Mutter, dann lädt sie nur Karlotta ein und nun, da Lasse die ganze Zeit für beide Kinder da war, richtet er seine Aufmerksamkeit zunehmend auf sie. Für einen Teenager muss das alles ganz schön schwer sein.
Sie holt tief Luft, bevor sie vorsichtig spricht. "Wenn ich etwas dazu sagen darf." Ihr Blick wandert kurz zu Lasse nach Bestätigung suchend. "Ich glaube, es wäre gut, die Gelegenheit zu nutzen. Natürlich nur, wenn du dich damit wohlfühlst. Dein Vater kann sicherlich deinem Bruder helfen, wenn sie in Ruhe miteinander redet. Am besten ohne uns Frauen." Mit einem Grinsen sieht sie zu der jungen Frau.
"Du wirst das nicht abßagen.", stimmt Lasse sanft zu. "Der Schaden ist schon da. Auch wenn du nicht fliegst."
Karlotta nickt. Sie würde ungern die Reise absagen. Aber für den Familienfrieden hätte sie dieses Opfer gebracht.
Immer wieder wandert Lasses Aufmerksamkeit während des Essens zur Haustür, in der Hoffnung, Mikka könnte sich nach einer Runde um die Nachbarschaft abgekühlt haben. Doch nichts tut sich.
Halbherzig folgt er der Unterhaltung zwischen Karlotta und Marina, die sich angeregt über diverse Urlaubsziele austauschen, bis die Jüngere schließlich beginnt, die Teller zusammenzuräumen. "Ich mach das hier schon. Geht ihr nur raus zum Spielen.", lacht sie offenherzig und reißt Lasse mit. Dankbar legt er seiner Tochter eine Hand auf die Schulter, als er an ihr vorbei zieht.
Kurz darauf schlendert er mit Marina an seiner Seite durch den angebrochenen Abend. Seine Hände wissen nicht, was sie tun sollen, während sein leicht besorgter Blick gen Himmel schaut. Wenn er irgendwann Marinas Kinder kennenlernt, fragt er sich, wird es ähnlich schwierig werden, wie mit Mikka? "Es tut mir wirklich leid.", sagt er leise vor sich her. "Ich hadde gedacht, er wird ßich schon einfügen." Ein Seufzen folgt den Worten. "Ich hadde nie eine ... Du bist die Erßte, die nicht nur eine Freundin ist. Ich klaube, das hat ihn erschreckt." Lasse Blick gleitet in weichen Zügen zu ihr herüber, sucht ihr Entgegenkommen und ein schüchternes Lächeln umspielt seine Lippen. "Ich wünsche mir, dass wir ßusammen ßein können."
Sein letzter Satz rührt Marina. Sie versteht nur zu gut, wie sehr ihn die Ungewissheit belastet. Sanft bleibt sie stehen und ergreift seine Hände. "Gib Mikka etwas Zeit. Wenn Karlottas Reise tatsächlich der Auslöser ist, dann hat er gerade eine Menge, das er verarbeiten muss. Aber es wird alles gut, vertrau mir!" Mit einem ermutigenden Lächeln sieht sie ihm in die Augen. "Sag mal, was hältst du davon, wenn ich heute wieder bei Euch übernachte? Vielleicht können wir am Morgen mit Mikka sprechen. Ganz in Ruhe natürlich."
"Das klingt fantastisch." Lasses Blick verliert sich in ihren Augen. Obwohl er sich sorgt, kann er nicht anders, als zu lächeln. Sein Herz schlägt kräftig, aber aufgeregt in der Brust. Zu gern würde er mit Marina irgendwo hinfahren, wo sie ungestört wären, wo weder Kinder, noch Sorgen sie erreichen und sie einfach zu zweit sein können. Lasse macht sich keine Illusionen. Er ist erwachsen und kennt die verschiedenen Gefühlsstadien, die eine Liebelei mit sich bringen kann. Er ist verknallt bis über beide Ohren. Und er mag dieses Gefühl und würde ihm gern weiter nachgehen. Als Jugendlicher dachte er, die Dinge wären kompliziert gewesen. Er war sicher gewesen, dass es mit dem Alter leichter würde. Doch das war ein Irrtum. Es ist nur anders verzwickt.
Marina bemerkt Lasses Blick und erwidert ihn. Es ist, als ob die Welt um sie herum für einen Moment stillsteht. Langsam hebt sie eine Hand und streicht ihm sanft über die Wange, bevor sie näher tritt. Ihr Herz schlägt schneller. Sie schließt die Augen und küsst ihn zärtlich.
Voller Hingabe zieht Lasse sie näher an sich heran. Eine Hand zwischen ihren Schultern, die andere um ihre Hüfte gelegt, will er jeden Moment mit ihr genießen, bevor vielleicht alles vorbei sein kann. Marinas zartes Parfum lockt seine Lippen zu ihrem Hals. "Lass uns weg fahren.", flüstert er sehnsuchtsvoll in ihr Ohr. "Nächste Wochenende. Nur wir ßwei."
Marinas Augen leuchten bei der Vorstellung. "Oh ja, das hört sich wunderbar an", sagt sie leise.
Sie verharren noch eine Weile in der Umarmung, bis sich Marina langsam von ihm löst. "Wohin stellst du dir vor, dass wir fahren?", fragt sie mit einem Lächeln. "In die Berge oder an den Strand?" Zufrieden nimmt sie seine Hand. Nach langer Zeit fühlt sie sich wieder glücklich und angekommen.
Einen Moment überlegt Lasse. Seine faltige Stirn schiebt sich noch weiter zusammen, den Kopf leicht hin und her wiegend pressen sich seine Lippen aufeinander, bis sie sich zu einem Lächeln formen. "Da ist ein Wellness Hotel. Ich war nie da, aber ein Freund ßagt, das ist ßehr ... entspannend." Fragend tanzt sein Blick zwischen Marinas Augen hin und her.
Es ist kaum zu übersehen, wie begeistert Marina ist, denn ihr Gesicht strahlt vor Freude. Es ist eine halbe Ewigkeit her, dass sie sich etwas Entspannung oder Wellness gegönnt hat. Freudestrahlend wirft sie sich Lasse in die Arme. "Das ist ja noch viel besser!", ruft sie aus. Damit hätte sie wirklich nicht gerechnet. "Jetzt kann ich es kaum erwarten! Hoffentlich vergeht die Woche bis dahin schnell." Kichernd blickt sie zu Boden. Eine warme Frühlingsbrise weht an ihr vorbei. Es ist ein wunderschöner Abend, beinahe perfekt. Würde Lasse heute Nacht vielleicht bei ihr im Bett schlafen? Sie würde ihn nicht drängen, doch spätestens am Wellnesswochenende würde es soweit sein. Oder?
"Buchst du dann für uns ein ... Doppelzimmer?", fragt sie neugierig und ihre Wangen röten sich. Die Kinder würden nicht da sein. Was sollte sie davon abhalten?
Lasses Lächeln wird breiter. Er spürt eine plötzliche Wärme in seine Ohren steigen. "Ich will ßusammen ßein mit dir", wiederholt er mit funkelnden Augen. "Notfalls reiß ich eine Wand ein." Ihre Hand sanft aber bestimmend in seiner haltend, nimmt er den Weg zurück zum Haus. Er bemüht sich, entspannt zu bleiben, aber die Aufregung wühlt tief in ihm.
Pläne schmiedend tauschen Sie sich aus über Buchungspakete für die gemeinsame Zeit, Aktivitäten und Entspannungsmöglichkeiten, während Lasse es bewusst vermeidet, romantische Intimitäten zu erwähnen. Er wird es drauf ankommen lassen und sehen, was sich ergibt. Tief im Inneren weiß er sehr wohl, dass er es kaum erwarten kann, mit Marina weitere Schritte zu gehen. Doch noch immer ist da diese Stimme in ihm, die leise und heimlich Zweifel streut. Was ist, wenn es nicht gut wird? Wenn er ihren - und seinen - Erwartungen nicht entspricht? Es ist Jahre her, dass er mit einer Frau zusammen war. Stumm seufzt er in sich hinein. Es wird schon alles gut werden. Nur nicht so viel Druck machen. 
Gemeinsam betreten sie das Haus, abgesehen von leiser Musik aus Karlottas Zimmer, wirkt alles still. "Ich ßeh mal nach, ob Mikka ßurück ist." Er haucht Marina einen Kuss auf die Wange und verschwindet die Treppe hinauf.
Ein rascher Blick ins Zimmer seines Sohnes bringt ernüchternde Gewissheit. Mikka ist nicht nach Hause gekommen. Das ist nicht gut. Sorgenvoll klopft er bei Karlotta an, um zu fragen, ob sie etwas gehört hat. Kopfschüttelnd verneint sie und Lasse kehrt zurück zu seinem Gast. "Noch nichß Neues." Ein tapferes Gesicht aufsetzend zieht er das Telefon aus der Tasche und öffnet die Kontakte. Mikka war vor zwanzig Minuten das letzte Mal online, doch auf die versuchten Anrufe, die folgen, reagiert er nicht. Was denkt der Junge sich nur? Schließlich ist es das Telefonat mit Florians Mutter, das den besorgten Vater aufatmen lässt. "Takk, Kathrin. Ich weiß Bescheid."
Ein Moment der Stille folgt, um die aufgewühlte Stimmung zu verdauen, ehe Lasse sich wieder Marina widmet. "Entschuldige, ich musste das klären."
Besorgt betrachtet Marina den Vater. Die Gefühle, die er momentan durchlebt, sind ihr nicht fremd. Sie erinnert sich an Tanias rebellische Phase, die noch nicht allzu lange zurückliegt. Zum Glück weiß er, dass Mikka in guten Händen ist und versorgt wird. "Das verstehe ich", sagt sie mitfühlend, während ihre Hand sanft über seinen Rücken streicht.
Sie denkt einen Moment nach, was ihm jetzt guttun könnte. Ablenkung wäre sicher eine gute Idee. Ein Glas Wein vielleicht? Doch was, wenn Mikka abgeholt werden muss? Keine so gute Idee. Sie hatten vorhin erst gegessen und waren auch lange spazieren. Das fällt daher auch raus.
"Wie wäre es, wenn wir ein Gesellschaftsspiel spielen? Wir könnten Karlotta fragen, ob sie mitmachen möchte", schlägt sie vor. "Oder wenn dir danach nicht ist, kann ich dir auch ein Kapitel aus deinem Buch vorlesen." Sie lächelt. "Wir können es uns auf dem Sofa gemütlich machen oder legen uns entspannt auf dein Bett."
Verzückt lächelt Lasse ihr entgegen. Ohne zu antworten geht er zum Sofa herüber, wo er auf dem kleinen Tisch das Buch an sich nimmt und kurz darauf wieder vor Marina steht. Tief in ihre Augen schauend, ergreift er ihre Hand und führt sie ins Schlafzimmer.
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(in Zusammenarbeit mit @Spatz )
#14
Charaktere: Lasse, Mikka
Geschichtsstrang: Szenen einer Familie - In Mikkas Hand II
Scheinwerfer durchbrechen die Jalousien und werfen tanzende Schatten an die Wand. Lasse horcht auf. Ein Wagen hält vor dem Haus.
Vorsichtig hebt er sich aus dem Bett. Er muss eingedöst sein, während Marina ihm vorlas. Dankbarkeit durchströmt ihn warm, als er zu ihr herunrersieht. Das Buch liegt auf ihrer Brust, ein friedlicher Ausdruck auf ihrem Gesicht. Sie ist so schön. Er könnte sie die ganze Nacht anschauen - wenn es nicht etwas zu klären gäbe.
Gerade betritt Lasse das Wohnzimmer, als sich Mikka schleichend durch die Haustür schiebt. Den Kopf zwischen den Schultern gesenkt erstarrt er für einen Moment, als er seinen Vater sieht. "Ehhm, ja, ich
... geh dann mal in mein Zimmer."
"Wir ßollten erßmal reden." Mit ernstem Ausdruck setzt Lasse sich aufs Sofa.
Pokernd zieht Mikka an ihm vorbei. So schlimm wird es schon nicht sein. "Man, Papa, ich bin echt voll müde und so."
"Dann ßetst du dich lieber ßnell. Bevor du einschläfst."
Die Zähne aufeinander gepresst nimmt Mikka Platz. Innerlich bereitet er sich auf die kommende Standpauke vor. Bei jeder Gelegenheit predigt der Familienvater von Respekt und Toleranz, gegenseitiger Rücksicht und anderen Tugenden, die Mikka zum Hals heraushängen.
"Mikka..." Lasse seuzt leise, die Hände liegen gefaltet auf seinem Schoß. "Ich möchte mich bei dir entschuldigen."
Der Junge stutzt. Was? Entschuldigen? Wieso? Ist das eine neue Taktik? Hat die alte Ziege ihm das eingetrichtert?
"Ich klaube, ich war ßo beschäftigt mit mir und annere ßachen, dass ich dein Gefühl nicht geßehen habe. Das tut mir ßehr leid."
Irritiert schweigt Mikka, dem Blick seines Vaters standhaltend.
"Ich möchte wissen, was dich beschäftigt", fährt dieser fort. "Worüber du dir ßorgen machst und was dir Freude bereidet."
Verständnislos starrt Mikka ihn an. Was soll das werden?
"Was findest du davon, wenn wir angeln gehen? Morgen nach der Schule?" Angetan von seiner eigenen Idee leuchtet Lasse seinen Sohn an. Angeln hat die beiden immer verbunden.
"Ehm ... okay?" Mikka zuckt mit den Schultern.
"Toll. Darauf freue ich mich." Voller Elan klopft Lasse dem Jüngeren mit der flachen Hand auf den Schenkel.
"Kann ich jetzt gehen?" Mikka wirkt nach wie vor genervt, als sein Vater ihn liebevoll an sich drückt, bevor er ihn entlässt.
>>> Lasse geht nach Tartosa >>>
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