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San Myshuno - Wohnung Sibylle Wolff
#1
San Myshuno 6 - nicht in Welt
Grundriss
Wohnzimmer
Küche
Bad
Schlafzimmer
(derzeit noch) Arbeitszimmer
#2
Logan - letzter Post
Billie - letzter Post
Charaktere: Logan, Billie
Geschichtsstrang: Was die Zukunft bringt
Logan steigt aus dem Wagen und nimmt den Weg durch den Park. Als er gemeinsam mit Jake hier in San Myshuno wohnte, hat er sich oft in dieser Ecke aufgehalten. Meist, um seinen Dealer um einige Gramm zu erleichtern.
Bei dem Gedanken daran, spürt er ein aufgeregtes Kribbeln in den Gliedmaßen. Wenn er ohnehin schon mal hier ist, könnte er vielleicht ... nur um ein letztes Mal den alten Zeiten zu huldigen.
"Das ist keine gute Idee.", ermahnt Ahote.
"Das weiß ich selbst.", meckert er missmutig und steckt sich eine Zigarette an.
Einen Moment herrscht Schweigen, doch dann ergreift das Wesen erneut das Wort: "Denkst du, sie freut sich, wenn du so spät bei ihr auftauchst?"
"Vermutlich nich'."
"Warum willst du dann unbedingt zu ihr?"
"Keine Ahnung, man.", schimpft Logan vor sich her. "Muss seh'n, wie's ihr geht."
"Das hat dich bisher nicht sonderlich interessiert.", murmelt der Begleiter.
Logan bleibt abrupt stehen und funkelt das Wesen an. "Das is' nich' wahr!"
Ahote lächelt ihn sanft an.
"Ich war nur ..." Logan sucht nach Worten. Aber er weiß, welche Formulierung zutrifft. "... feige." Er lässt den Kopf sinken, enttäuscht von sich selbst und dennoch nicht einmal überrascht. Er ist schon immer davon gelaufen, wenn es schwierig wurde.
"Das stimmt so nicht.", belehrt ihn der Große. "Wenn das wahr wäre, hättest du nicht so viele Jahre in diesem Haus verbracht."
"Das war was anderes.", schüttelt Logan den Kopf.
"Sei nicht immer so streng mit dir. Und jetzt beeile dich. Je später du ankommst, desto erzürnter könnte sie sein."

Am anderen Ende des Parks führt die kleine Seitenstraße zu dem Gebäude, zu dem er vor Monaten regelmäßig geflüchtet ist. In Billies Wohnung hat er möglicherweise nicht weniger Zeit verbracht, als in seiner eigenen. Und so überkommt ihn ein merkwürdig vertrautes Gefühl, als er am Eingang steht und klingelt.
Einen Moment tut sich nichts, doch dann knistert etwas in der Gegensprechanlage und eine Frauenstimme ertönt:
"Ja?"
"Logan.", sagt er in den Lautsprecher.
Stille. Sekunden vergehen, ehe das summende Geräusch erklingt und er eintreten kann.

Die Blondine lässt die Tür einen Spalt offen stehen und setzt in der Küche Tee auf. Gerade füllt sie das heiße Wasser in die Kanne, als sie hört, dass die Wohnungstür sich schließt. Ohne ihren Gast eines Blickes zu würdigen, sagt sie: "Steh da nicht herum. Komm her und setz dich."
Logan kommt der Aufforderung nach. Sie scheint tatsächlich sauer zu sein.
"Warum bist du hier?", fragt sie in neutralem Ton, während sie Tassen, Zucker und Löffel auf den Tisch bringt.
"Wollte seh'n, wie's dir geht."
"Hat Jake dich geschickt?"
"Nein. Er weiß nich', dass ich hier bin. Well, vielleicht kann er's sich denken, keine Ahnung."
Die werdende Mutter setzt sich ihm gegenüber und schaut ihn an. Beschämt weicht er ihren Blicken aus.
"Dann hast du also mit ihm gesprochen.", stellt Billie fest.
Logan nickt.
Einige Sekunden herrscht betretenes Schweigen. Billie steht auf, entfernt die Beutel aus dem Tee und mit der Kanne in der Hand setzt sie sich wieder. Nachdem sie zuerst ihrem Besucher, dann sich selbst eingefüllt hat, richtet sie erneut das Wort an ihn:
"Es wird ein Junge."

Der Gast nickt. "Was is' mit dem Anderen?", fragt er dann.
"Welchem Anderen?"
"Der Typ. Der andere im Daddy-Finale."
Billie schmunzelt bei dem Begriff. Sie mag Logans flapsige Art und die unfreiwillige Komik, die daraus entsteht.
"Was soll mit ihm sein?", fragt sie weiter.
"Steht er dazu? Hilft er dir, wenn's seins is'?"
Die Blondine lächelt müde und senkt den Kopf. "Da er mich auf allen Kanälen ignoriert, würde mich das überraschen."
Logan seufzt besorgt. Es wiederholt sich. Eine sehr junge Frau, die noch nicht bereit ist, Mutter zu sein. Ein Erzeuger, der sie im Stich lässt - genau, wie ihre Familie, die sie lieber verstößt, als zu ihr zu halten. Ein unwohles Gefühl breitet sich in Logans Brust aus.
"Es ist nicht die gleiche Geschichte." Ahote steht hinter Billie und schaut tröstend zu seinem Schützling herüber.
Dieser wendet betroffen den Blick ab. "Es muss nich' alles gleich sein, um sich zu wiederholen.", murmelt er.
"Was?" Billie neigt den Kopf, die Augenbrauen tief ins Gesicht gezogen.

"Es liegt in deiner Hand.", setzt das Wesen nach. "Du kannst für beide da sein. Selbst, wenn er nicht dein Sohn ist."
"Ich pack das nich'.", flüstert der Lockige.
"Ich habe auch Angst, Logan.", gesteht die Blonde. "Ich habe mir zwar immer Kinder gewünscht, allerdings nicht so ... unter diesen Umständen." Sie seufzt und sucht den Blick ihres Gegenüber. "Ich werde mich dieser Aufgabe stellen. Und ich vertraue darauf, dass irgendwann irgendwie alles gut wird." Sie lehnt sich vor und stützt sich auf den Tisch. "Ich finde es schön, dass du her gekommen bist. Das zeigt mir, dass es ... dass ich ... nein,", lächelnd legt sie eine Hand auf ihren Bauch, "dass WIR dir nicht egal sind."
Logan schweigt. Was soll er schon sagen? Natürlich ist es ihm nicht egal. Er weiß allzu gut, wie es ist, in einer Hölle aufzuwachsen. Jemandem so etwas anzutun, ohne, dass derjenige etwas dafür kann ... Das wäre selbst für ihn undenkbar.
"Willst du mal fühlen?", lächelt sie ihn an.
Logan schluckt nervös. Zwar steigt die Neugierde in ihm, doch hat er mit Interaktionen dieser Art überhaupt keine Erfahrungen. Bevor er antworten kann, greift Billie über den Tisch nach seiner Hand und beginnt, ihn um das Möbelstück herum zu sich zu ziehen, bis seine Handfläche schließlich auf ihrem Bauch liegt.
Zuerst tut sich nichts, doch nach wenigen Sekunden nimmt er eine Regung wahr.
Die werdende Mutter strahlt. "Hast das gemerkt?", fragt sie.
Logan nickt. "Das is' ..."
"Faszinierend?", rät Billie, als er nicht weiter spricht.
"Surreal.", korrigiert er.

Ein herzliches Lächeln legt sich auf ihr Gesicht. "Ja. Surreal und wunderschön."
Der Gast nimmt die Hand zurück und massiert die Innenfläche mit dem Daumen. "Dachte mehr an creepy." Ernst blickt er zuerst auf ihren Bauch, dann in ihre Augen.
"Wieso denn das?", lacht sie verständnislos.
"Ohne Mist, man?! Das is' total gruselig. Wie 'n Parasit, der unbedingt da raus will. Der dich notfalls in Stücke reißt." Plötzlich steigt wieder das unwohle Gefühl in ihm auf. Dieses Bild erinnert ihn an die Bestie, die tief in ihm schlummert und immer wieder auszubrechen droht.
"Was für ein freudiges und charmantes Gleichnis." Ungläubig schüttelt Billie den Kopf.
"Haben wir nich' verhütet?", fragt Logan aus heiterem Himmel.
Die Blonde schmunzelt verlegen. "Naja ...", kurz druckst sie herum, "manchmal bist du ... recht stürmisch. Und irgendwie ..." Sie überlegt, wie sie die Zustände umschreiben kann, in denen er oft war, wenn er zu ihr kam.
"... high.", beendet er den Satz.
"Mhm." Sie nickt mit einem aufmunternden Lächeln.

"Ich sollte los." Ohne eine Reaktion abzuwarten, schnappt Logan seine Jacke und geht festen Schrittes zur Tür.
Billie begleitet ihn bis zum Hausflur und sieht ihm seufzend hinterher. Sie kennt diese überstürzten Aufbrüche bereits - daran gewöhnen konnte sie sich allerdings nie. Wie so oft fragt sie sich, was ihn derart rastlos macht. Sie schließt die Tür und beginnt, die Küche aufzuräumen. Es war wirklich schön, ihn wieder zu sehen. Wenn sein Sohn geboren ist, wird er hoffentlich öfter vorbei kommen.
Logan - nächster Post
Billie geht nach >>> San Myshuno 12 - Jazz Bar
#3
Billie kommt von >>> Windenburg 18 - Krankenhaus
Maryama kommt von >>> Mt. Komorebi
Logan kommt von >>> Britechester - Wohnung von Delaila
Charaktere: Billie, Maryama, Logan
Geschichtsstrang: Papa gesucht I
Der Fernseher läuft so leise, dass kaum zu hören ist, worüber der Bursche auf der Mattscheibe sich so herzlich freut. Völlig übermüdet, mit ihrem Baby auf dem Arm wippend, geht Sibylle hinter der Couch auf und ab. Eine geschlagene Stunde versucht sie nun, den kleinen Julian zu beruhigen. Hat er die Zeit im Krankenhaus problemlos und friedlich geschlafen, finden Mutter und Kind keine Ruhe, seit sie vor drei Tagen in der Wohnung ankamen. Die junge Mutter ist mit ihrem Latein am Ende. Nachdem sie ihren Jungen gestillt, gewickelt, vorgesungen und im Arm gehalten hat, weiß sie einfach nicht mehr weiter. Sie zückt das Handy und ruft ihre Hebamme an.
Geduldig gibt die erfahrene Frau ihr gleich mehrere Ratschläge, die Sibylle schnell und stichpunktartig notiert, während Julian ihr unbeirrt ins Ohr kräht.
"Okay, ich versuche es. Danke dir." Das Handy steckt sie in die Hosentasche, bevor sie sich auf die Couch setzt, ihr Neugeborenes auf den Schoß legt und beginnt, seine Beinchen zu bewegen, als würde er Fahrrad fahren. Es dauert nicht lange, bis sich die ersten Gase lösen und fiepsende Duftwolken aus dem Strampler aufsteigen. Die junge Mutter schmunzelt über das Pupskonzert, das der Kleine zum Besten gibt und schon nach wenigen Minuten wird das kräftige Weinen zu einem müden Quängeln, bis Julian endlich einschläft.
Dankbar seufzend lehnt Sibylle sich zurück und schließt ihrerseits die Augen.
Mit erleichtertem Gesichtsausdruck und einem Tablett, bestückt mit einer Thermoskanne Tee, Vollkornkeksen und zwei Tassen, kommt Maryama zum Sofa zurück. Während der Zubereitung an der Küchenzeile wurde sie genauso beschallt wie die junge Mutter und hoffte inständig, dass die Hebamme aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz etwas Passendes ausgraben würde. Es ist ein paar Tage her, seit Sibylle mit Julian nach Hause durfte und Maryama wollte heute nach den beiden sehen. Sie stellt die Sachen auf dem Tisch ab und schenkt den Tee in die Tassen. "So einfach kann das also sein." schmunzelt sie, während sie Billie ihren Tee zuschiebt. "Nur drauf kommen muss man. Ich mach auch Yogaübungen wenn ich Verdauungsprobleme hab." sagt sie leise, um das Baby nicht zu wecken. "Du kannst ihn gerne hier ins Bettchen legen und ich pass auf. Er hat ja erst gut getrunken, wird also nicht gleich hungrig sein, falls er früher aufwacht als gedacht." Sie sieht Billie leicht besorgt an. "Du bist müde. Sicher würdest du in deinem Bett erholsamer schlafen, als hier im Sitzen auf dem Sofa." 
"Erstmal freue ich mich auf den Tee... Gott, diese Ruhe ist herrlich...", stöhnt die Blonde. Vorsichtig steht sie auf, den Kleinen im Arm haltend, und geht herüber zur Wiege, um ihn dort abzulegen. "Wieso bin ich da nicht drauf gekommen?", wundert sie sich. "Ich hoffe, ich stelle mich nicht die nächsten Jahre so dumm an." Sibylle ringt sich ein Lächeln ab, als sie mit spitzen Fingern einen Keks nimmt und sich setzt.
"Sei nicht so hart zu dir." Maryama knabbert an ihrem Gebäckstück. "Ihr werdet euch kennen lernen und zusammen wachsen...wie in einer Partnerschaft. Wirst schon sehen." Sie lächelt Billie zuversichtlich zu und weist mit einer ausholenden Handbewegung in den Raum. "Sieh dich um. Deine Wohnung ist ordentlicher als es meine je sein wird und Julian geht es prächtig. Ihr habt das Stillen gemeistert und so geht's jetzt Schritt für Schritt weiter. Du machst das super." Sie muss lachen. "Ich red hier so schlau als hätte ich auch nur von irgendwas ne Ahnung."
"Ich hab dich richtig gern, Maryama." Die junge Mutter dreht sich halb zu ihr herum und schaut sie ernst an. "Und ich bin dir so dankbar. Was du für mich ... für uns getan hast, und noch immer tust, wird uns auf ewig verbinden." Nun muss auch sie lachen. "Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. Das hast du perfektioniert." Sibylle nimmt einen Schluck vom Tee und fährt fort. "Ich weiß, wir kennen uns noch nicht so lange. Aber ich bin jemand, der auf sein Bauchgefühl hört. Und ich möchte, dass du Julians Patin wirst." Ihr Gesicht wird zu einem breiten Lächeln. "Könntest du dir das vorstellen?"
Die Hand mit dem Keks verharrt vor den Lippen. Maryama glaubt sich verhört zu haben. Das Gebäck sinkt mitsamt der Hand auf ihren Schoß, während sie Billie leicht fassungslos anblickt. "Du meinst..du meinst das wirklich ernst?" Noch nie wurde ihr eine so verantwortungsvolle Aufgabe vorgeschlagen. Ein warmes Lächeln erhellt ihre Züge. "Ich mag dich auch, Billie und..ja, ich kann ..." Die Türglocke unterbricht den Satz. Fragend blickt Maryama zu ihrer Freundin. "Erwartest du wen?"
Reflexartig saugt Sibylle die Luft zwischen den Zähnen ein. Alarmiert springt ihr Blick zum Kinderbett. Erst als sie sicher ist, dass Julian nicht geweckt wurde, atmet sie erleichtert aus.
"Nicht, dass ich wüsste.", antwortet sie, steht auf und geht zur Wohnungstür, um den Hörer abzunehmen.
"Ja?" ...
"Oh, ehm ... ja, klar."
Große Augen starren Maryama fragend an, als die Blonde sich zu ihr herumdreht. "Das ... wird dir vielleicht ... nicht gefallen."
Sie öffnet die Tür einen Spalt, macht dabei keine Anstalten, zur Couch zurück zu kehren.
Nein, oder..? Maryama legt langsam den angebissenen Keks auf den Tisch und sieht Billie skeptisch an. "Willst du damit sagen...dass das Logan ist?" Ihr Ton ist eine Mischung aus 'war ja klar dass das im unpassendsten Moment kommt' und leiser Hoffnung, sie könnte doch noch verneinen.
"Ich kann ihn weg schicken.", schlägt die Andere hektisch vor.
"Nein, irgendwann muss die Begegnung eh statt finden. Vielleicht ist es besser in Gegenwart von dir und dem Baby." seufzt Maryama, wendet sich wieder dem Tisch zu und ergreift ihre Teetasse. "Ist schon okay." nuschelt sie, die Lippen schon am Porzellanrand, ehe sie einen wohltuenden Schluck der beruhigenden Kräutermischung trinkt.
Mit einem summenden Geräusch öffnet sich die Haustür. Logan tritt in den Hausflur, jemand eilt grüßend an ihm vorbei und er spürt düstere Gedanken in sich aufkommen. Er ist nervöser, als er erwartet hatte. Dieser Besuch verlangt ihm viel ab, doch er will - nein, er MUSS Gewissheit haben. Wenn dieses Kind von ihm ist, wird er Billie einiges erzählen müssen. Viele psychische Verhaltensstörungen sind erblich und sie soll wissen, was vielleicht irgendwann einmal wichtig werden könnte.
Logan würgt einen Brocken aus Sorge, Wut und Zweifel herunter, als er endlich auf die Treppen zugeht. Jeder Schritt fällt ihm schwer und sein ganzer Körper schreit danach, umzukehren und einfach abzuhauen. Vage erinnert er sich an übermütige Pläne, die er am Silvesterabend geschmiedet hatte. Zurück nach Kanada - dieser Drang kommt immer wieder in ihm auf. Doch er hat hier noch einiges zu Klären, bevor er aufbrechen könnte. 
Der erste Stock bewegt sich unter Logans Wahrnehmung weg. Als er die Ebene des zweiten Stocks erreicht, bricht eine Hitzewelle über ihn ein, die ihn erneut um ein Haar davon stürmen lässt. Doch auch dieses Gefühl schiebt er beiseite und erreicht schließlich die offen stehende Tür. Ein mal, zwei mal tief einatmen, dann klopf er leise mit einem Finger gegen das Holz.
Sibylles lächelndes Gesicht erscheint vor ihm und bittet ihn herein. Mit gesenktem Haupt schleicht er an ihr vorbei. Hektisch scannen seine Augen das Umfeld, auf der Suche nach einem Neugeborenen. Stattdessen fällt ihm ein bekanntes Gesicht auf. Stutzend bleibt sein Blick auf Maryama haften, bevor er ihr kaum merklich zunickt.
"Wie ... geht's dir?", wendet er sich leise murmelnd der Blonden zu.
"Ganz gut soweit." Sie schließt die Tür und deutet auf die Sitzmöbel. "Setz dich."
Mit erhobener Hand schüttelt er den Kopf. "Bin gleich wieder weg. Wollte nur nach dir sehen."
Maryama erwidert das Nicken und hält sich zurück. Sie hat nicht das Gefühl sich am Gespräch beteiligen zu müssen. Das betrifft Logan und Sibylle allein. Sich abwendend trinkt sie einen Schluck und fragt sich, warum er schon wieder so auf dem Sprung ist.
"Ich lebe noch. Dank Maryama. Sie hat mir die ganze Zeit beigestanden."
Wieder auf den Boden schauend, nickt er einige Male. "Das gut.", brummt er. "Das war ... " nett? Scheiße, nein. Ne verdammte Heldentat. Ein schweres Seufzen ringt sich aus seiner Brust. "Bill, ich ..." Bedrückt kaut er auf der Unterlippe herum. Zum Teufel, er kann es nicht. Wieso kann er nicht sagen, was er will?! Dieses Unvermögen kotzt ihn an.
"Schon okay." Sibylle lächelt herzlich. "Ich weiß." Sie wirft Maryama einen zufriedenen Blick zu, bevor sie sich wieder an den zweiten Gast wendet: "Willst du ihn sehen?"
Logan schaut auf, zuerst in Sibylles, dann in Maryamas Gesicht und schluckt den nächsten Brocken herunter.
Die Tasse auf halber Höhe haltend verfolgt Maryama das Gespräch und Logans wechselnde Mimik. Bei Sibylles Frage muss sie einfach grinsen. "Er ist sensationell." sagt sie mit leuchtenden Augen. Sie hebt das Trinkgefäß hoch als wolle sie Logan ein 'Hoch' darauf zu prosten und nickt nochmal bekräftigend in Richtung Bettchen, aus dem jetzt leise, kieksende Geräusche zu vernehmen sind. Vielleicht träumt der Kleine gerade.
T
Unruhig geht Logan einige Schritte in die Wohnung hinein, bleibt zwei Meter vor dem Bettchen stehen und dreht sich ruckartig zurück. "Du hast doch die Sachen für den Test hier, rite?"
"Ja, ich habe alles mit bekommen.", bestätigt die Blonde. Sie geht in die Küche und kramt in einem der Schränke herum, während Logan sich schnaufend in den Lesesessel setzt und versucht, Ruhe zu bewahren.
Es ist also doch nicht endgültig geklärt. Und sie hat ihn angebrüllt und Vorwürfe gemacht. In Maryama keimt das schlechte Gewissen auf, wird aber sofort wieder erstickt. Selbst wenn nicht. Das was Billie ihr über die Beziehung und sein Verhalten erzählt hat reicht aus, einer guten und vor allem 'jederzeit für ihn da' Freundin zur Seite zu stehen. Also neutral bleiben. Maryama beginnt sich unwohl zu fühlen mit der länger werdenden Stille, unsicher ob es überhaupt angebracht ist bei einem so privaten Thema anwesend zu sein. Als Billie wieder zurück kommt sieht sie auf. "Sagt mal, wär's euch lieber allein zu sein? Ich mein...ich kann ein andern Mal wieder kommen."
"Nein, ich möchte, dass du bleibst.", lächelt die Hausherrin bestimmt. "Oder stört dich ihre Anwesenheit?", fragt sie an den Lockigen gerichtet.
Der schüttelt nur kurz den Kopf. Ihm gehen ganz andere Sachen durch den Sinn. Wenn die beiden inzwischen so dicke mit einander sind, wird Billie ihr vermutlich ohnehin Vieles erzählen.
Die Blonde reicht ihm ein in ein Röhrchen verpacktes Wattestäbchen. "Schaffst du das allein?"
Unwirsch reißt er es ihr aus der Hand. Sie spart sich einen Kommentar und setzt sich schmunzelnd neben der Freundin auf die Couch. Während der mögliche Vater noch mit sich hadert, sendet Sibylle heimliche Signale, Maryama solle die Gelegenheit für ein Gespräch nutzen. Als langjährige Bekannte ahnt sie, dass seine bedrückte Stimmung ein günstiger Zeitpunkt sein könnte.
Obwohl sie Billies Blicke und unauffällige Gesten richtig deutet, zögert Maryama und beobachtet Logan, wie er mit dem Stäbchen zugange ist. Er wirkt gestresst und nicht gerade zugänglich. Wie überhaupt anfangen? Sie richtet sich gerade auf und stellt die Tasse ab. "Gut dass du da bist, Logan. Dachte eigentlich ich hätte dich endgültig vergrault mit meinem Auftritt bei der Party. Der Versuch dich in den Krankenwagen zu manövrieren ging gründlich in die Hose."
Mit ernster Mine verstaut er das Stäbchen in der Packung, schiebt es in die Tüte und legt alles zusammen auf der Kommode ab. "Ich erinner' mich nich' an viel. Nich richtig zumindest. Nur ... Bruchstücke.", erklärt er beiläufig. "Musst mir wohl auf die Sprünge helfen."
Der Ausdruck in Maryamas Augen wechselt von aufmerksam beobachtend zu leicht ungläubig. "Du hast vergessen dass ich dich angebrüllt hab, wie ich es noch nie vorher bei jemandem getan habe und du mir im Gegenzug beinahe die Faust ins Gesicht gegeben hättest? Remy hat uns Streithähne getrennt." Sie schweigt kurz. "Es war gruselig. Wir waren beide nicht bei Sinnen. Nur auf unterschiedliche Weise." Im selben Moment fragt sie sich, wie sich diese Sätze in Sibylles Ohren anhören müssen und verstummt.
"Glaubs oder lass es." Logan lehnt den Oberkörper vor, die Ellenbogen auf den Knien abstützend.
Die Gastgeberin beobachtet aufmerksam, was sich zwischen den beiden abspielt. Das Verhalten des Mannes ist ihr nicht fremd. "Warum bist du gegangen?", fragt sie sanftmütig.
Ohne den Blick zu heben, öffnet er den Mund und setzt zu einer Antwort an, schüttelt dann den Kopf und antwortet: "Is' schwer zu erklären."
"Versuch es.", fordert die Blonde weiter. "Wir hören dir zu."
"Ja." sagt Maryama schlicht, ohne den Blick von Logan zu nehmen. Das Gespräch mit Del in den Bergen kommt ihr in den Sinn. 
Nachdenklich brummend beißt er sich auf die Unterlippe. Was wollen die hören? Die Wahrheit glaubt ihm ohnehin niemand. Und wenn doch, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis ihn jemand einweisen lässt.
Sibylle würde ihn am liebsten an sich drücken. Ihn spüren lassen, dass er keine Sorge haben muss. Doch sie kennt ihn gut genug, um zu wissen, wie er darauf reagieren würde. Ein Teil von ihr beginnt zu zweifeln, dass er überhaupt sprechen wird. "Bitte, Logan. Es ist auch für mich wichtig.", drängt sie daher vorsichtig.
Unwirsch steht er auf und geht herüber in die Küche. "Haste Bier da?"
"Im Kühlschrank." Enttäuscht senkt Sibylle den Kopf. Das wird es wohl gewesen sein. Mit geschürzten Lippen wirft sie ihrer Freundin einen resignierenden Blick zu.
Hinter ihrem Rücken ist die Tür des Kühlschrankes zu hören, gefolgt von dem Öffnen des Bieres. "Ich konntes nich'." Noch immer in der Küche und auf sein Getränk fixiert, seufzt Logan tief. Er hätte sie gern unterstützt. Er wollte es. Aber als es dann losging ... Er schließt die Augen und ertränkt seine Erinnerungen in gierigen Schlucken, bevor er zurück ins Wohnzimmer geht. "Ich hatte nich' erwartet, dass ... " er unterbricht sich, wieder auf der Unterlippe herumkauend. Reden. Sich erklären. Zum Kotzen.
Maryama fängt den Blick von Billie auf und zuckt kurz ratlos mit den Schultern. Überrascht wendet sie den Kopf, als Logan doch noch zu sprechen beginnt. Das irritiert sie mehr als wenn er mit Türgeknalle hinaus gerannt wäre. "Dass..?" hakt sie nach, unsicher ob sie nicht besser Sibylle die Führung überlassen sollte.
"Okay, fuck it.", murmelt er leise, als er sich setzt. "Es fällt vielleicht nich' so auf, aber manchmal hab' ich 'n Rad ab." Logans Stimme klingt überraschend kräftig. "I know, ich kann das super verbergen und das is' für alle 'ne Überraschung. Aber wenn ich gestresst bin, ..." nach Worten suchend wendet er den Blick an die Decke, "dann ... passieren diese Sachen und ich kann nix dagegen tun." Kurz schweigt er, bevor sein Blick Maryama trifft. "Ich erinner mich an den Abend. Nur nich' so wie du."
Nachdenklich schweigend, innerlich die Szenen auf der Party nochmal abrufend, erwidert Maryama seinen Blick. "Magst du erzählen woran du dich erinnerst? Das würde vielleicht helfen dich besser zu verstehen." sagt sie schließlich. 
Schnaufend fährt Logan sich mit den Händen durchs Haar. Generell redet er nicht gern über diese Dinge. Außenstehende können so etwas nicht verstehen. Nicht nur, dass sie ihn für einen launischen Spinner halten - Sie stellen immer weiter Fragen und noch mehr Fragen, bis er sich vorkommt, wie bei einem Verhör oder einer Untersuchung, wo man ihm den Verdacht bestätigt, dass er ein verdammter Freak ist. Nicht normal. Unter Umständen vielleicht sogar eine Gefahr für Andere oder für sich selbst, was bedeutet, dass man ihn sicherheitshalber wegsperrt. In eine kleine Zelle, in der er all dem Mist ausgeliefert ist, der über ihn hereinbricht und er eines Tages die Welten nicht mehr unterscheiden kann.
Es hatte ihn so viel Mühe gekostet, wenigstens im Nachhinein zu kapieren, dass diese Szenen nicht wirklich stattgefunden haben. Nicht zu diesem Zeitpunkt, an diesem Ort. Manchmal ist es auch heute noch, mit dem Wissen, schwierig zu begreifen.
"Jemand hat geschrien.", beginnt er zu erzählen. So, wie er sich erinnert. "Bill is' zusammengebrochen und dann ..." Wie soll er das nur in Worte fassen? Es ist für ihn selbst kaum greifbar. "Dann war die Luft anders. Dicker oder fester oder so, keine Ahnung. Da waren Leute. Überall Stimmen. Und dann ..." Wieder schnauft er. Es ist anstrengend, daran zu denken. Hinter ihm fühlt er, wie sich der Luftdruck verändert. Unwirsch reibt er mit einer Hand über den Nacken. "Dann war alles weg. Nur ich und ..." und ER. "Kennst du das Gefühl, dass du drauf gehst, wenn du nich' abhaust?"
Obwohl sie das Szenario was Logan beschreibt nicht voll versteht, spürt sie die Intensität mit der er es erlebt hat und unter was für einem Druck er in diesem Moment stand. "Ich kenn das Gefühl, aber wahrscheinlich etwas anders gelagert." sagt Maryama, an die Flucht aus ihrem Elternhaus denkend. Logan schildert ihr Situationspanik, bei ihr selbst hatte sich dieses Gefühl langsam, über einen längeren Zeitraum aufgebaut, bis sie schließlich nicht mehr anders konnte, als Abstand zwischen sich und ihre Mutter zu bringen. "Also der nackte Überlebenstrieb?" fragt sie und versucht das mit ihren eigenen Eindrücken der Situation in Einklang zu bringen.
"Keine Ahnung." Er zuckt mit den Schultern. "Das Leben bedeutet mir nichts."
Sibylles Ausdruck wird traurig, während sie zuhört. Sie bleibt stumm, um Maryama die Gelegenheit zu bieten, das Gespräch allein zu führen.
Aus dem Kinderbettchen dringen glucksende Geräusche. Dieses neue Leben könnte vielleicht etwas an Logans Gefühlen ändern, denkt Maryama und sieht zu dem Röhrchen, das er auf der Kommode platziert hat. Sie seufzt und schaut ihn wieder an. "Du bist jedenfalls raus gestürmt und etwas später, als Billie abfahrbereit im Krankenwagen lag, wollte ich dich holen. Ich stand voll unter Adrenalin von der ganzen Action drinnen und hab dich angebrüllt, weil ich nicht verstehen konnte dass du sie allein lässt in der Situation. Du hast mit Ben geredet, erinnerst du dich daran noch?"
Ben. Der wurde von sonem grünen Kobold abgeleckt. Daran erinnert er sich gut. Auch, dass er mit ihm und seiner Braut gesprochen hat. Aber das muss vor der Dissoziation gewesen sein... Der Schrei, dann ER, er konnte flieh- konnte er IHM entkommen? Muss ja. Logan erinnert sich nicht daran, kauernd irgendwo gesessen zu haben. Also hat ER ihn nicht bekommen.
"Ich war ... irgendwo ..." Fieberhaft überlegt Logan. Irgendetwas war anders als sonst. "Das alte Feld. Ich wollte zur Hütte. Aber dann, ja, dann war Ben da und hat irgendwas gefaselt von ... Keine Ahnung ... Er hat die ganze Zeit gelabert. Und dann wurde wieder alles anders. Der Himmel, das Feld, die Hütte war weg und es war so, als ob ich wieder unten wär, nur dass Ben da nich rein passte. Verstehste? Hat alles keinen Sinn ergeben. Und dann kam Mon-..." Der Lockige stockt mitten im Redefluss. Verwirrt kneift er die Augen zusammen. "Die hat mich total zur Sau gemacht.", murmelt er vor sich her, hebt langsam den Blick und funkelt Maryama an. "Das ... das warst du. Hast mich angebrüllt.", erinnert er sich an ihre Worte vor wenigen Augenblicken. "Hab dich nich erkannt. Du ... sahst aus wie ..." Ein kalter Schauer überkommt ihn. Die Kehle wird trocken. Einige kräftige Schluck Bier verschaffen Linderung. "Bloody fuck, ich ... Ich hätte dir fast das Hirn ausm Schädel geprü-" Wieder stockt er. Die Hand übers Gesicht wischend wirkt er erschöpft. Den Kopf lässt er wie ein schweres Gewicht zwischen den Armen herunter hängen, so dass die schwarze Mähne sein Gesicht komplett verdeckt.
Langsam dämmert Maryama das ganze Ausmaß des Traumas bei Logan und wie sehr ihn seine Vergangenheit quälen muss, wenn seiner Seele nur dieser Ausweg bleibt, um mit den Erlebnissen fertig zu werden. Sie schluckt einmal schwer, erinnert sich an Del und sagt: “Ja, ich war das und deine Augen haben mir schon gezeigt, dass du mich nicht erkannt und für jemand anderen gehalten hast." Sie hebt bedauernd die Schultern. "Ich war nur schon zu sehr in Fahrt um mich noch bremsen zu können. Die Sorge um Billie und das Kind..“ Sie sieht zu der jungen Mutter, die aufmerksam zu hört. „.. und meine Annahme, dass du einfach so abgehauen bist und sie im Stich gelassen hast, haben mich komplett verrückt gemacht.“ Schweigend sehen sie sich für einen Moment an. „Dabei wollte Ben mich noch stoppen und sagte, dass er grade versucht zu dir durch zu dringen, aber ich..“ Sie macht mit dem Zeigefinger eine Kreiselbewegung an ihrer Schläfe und schüttelt leicht den Kopf. „Mal wieder nicht zu stoppen, obwohl ich viel nützlicher im Krankenwagen gewesen wäre. Tut mir leid, das Theater war nicht nötig, Logan. Das hätte man anders lösen können.“ Maryama kaut innen auf der Lippe herum, ehe sie fort fährt. „ Für wen hast du mich denn gehalten? Ich möchte ungern nochmal sowas provozieren.“ Jetzt lächelt sie. „Schon weil ich mich mit Schneidezähnen deutlich hübscher finde, als ohne.“ Das Lächeln wird durch einen Funken in ihren Augen ergänzt, bevor ihr Ton sich wieder ändert. “Nein, ernsthaft. Ich möchte nicht nochmal sowas erleben oder auslösen.“ 
Logan richtet sich auf und hört dem Wortschwall zu. Er könnte ihr die Gedanken nicht übel nehmen, selbst wenn er wollte. "Is' okay, dont worry." Tief einatmend starrt er vor sich her, während er überlegt, ob und wie er die Frage beantworten soll. Selbst, wenn wirklich Fürsorge der Grund für den Wissensdurst ist - die Antwort macht noch neugieriger, dessen ist er sich bewusst. Sicher könnte er ihr von Monica erzählen. Er müsste nicht einmal ins Detail gehen. Sie war einfach eine beschissene Mutter und Maryama könnte für sich interpretieren, was immer sie wollte. Und vermutlich läge sie damit nicht einmal falsch.
"Wozu is' das wichtig? Macht doch keinen Unterschied, obs 'n Lehrer, Nachbar oder sonst wer is'. Was ändert das schon? Du wirst weiterhin ausflippen und ich werd weiterhin durchdrehen."
Hinter der Couch ertönt ein leises Husten, gefolgt von zarten Quengeleien. Sibylle springt auf und eilt zum Babybett - er darf jetzt nicht aufwachen. Es hat so lange gedauert, ihn zu beruhigen. Vorsichtig legt sie ihre flache Hand auf den Bauch des Jungen und streichelt ihn zart im Kreis. Liebevoll summt sie eine Melodie dazu, woraufhin die Beschwerden verstummen.
Sie bemerkt nicht, dass Logan ihr einen leidigen Blick zuwirft. Sein Unterkiefer spannt sich an und seine Atmung wird tiefer. Hastig nimmt er einige Schluck, bemüht geradeaus zu schauen und die Eindrücke der liebenden Mutter auszuklammern.
Er verabscheut das Gefühl, das diese Szene in ihm auslöst. Eine Mischung aus Wut, Neid und Missgunst. Und er verabscheut sich selbst dafür, das alles zu empfinden. Wenn dieses Balg nicht sein Kind ist, wird er Billie für eine ganze Weile nicht wieder sehen. 
"Darum geht's doch grade." sagt Maryama kopfschüttelnd. "Dass sowas nicht mehr vorkommt oder eben vermieden werden kann. Wir hatten das Thema doch schon mal, erinnerst du dich? Du bist der Einzige, der mir oder uns ne Strategie an die Hand geben kann. Wie sollen wir entspannt zusammen arbeiten, wenn ständig dieses Damoklesschwert über uns schwebt?" Kann oder will er nicht verstehen was sie meint? Sie folgt Billie mit den Augen, als diese aufsteht und bemerkt Logans veränderte Mimik, als sie sich ihm wieder zu wendet. Sie erinnert sich wie fürsorglich er an dem Abend im Jazz Club war mit ihr, jetzt strahlt er gegenteilige Energie aus. Noch eine verwirrende Komponente.
"Scheiße, man, was willste hören?" Wieder fährt eine Hand durchs Haar. "Dass meine Mami gemein zu mir war? Denkste, mir macht das Spaß, so abzustürtzen? Meinste nich, ich würds verhindern, wenn ich könnte? Ich kanns nich'. Dieser Mist hält sich nich' an irgendwelche Regeln. Ich hab' dafür keine Bedienungsanleitung oder sowas. Was stellt ihr euch denn vor, verdammt?"
Geräuschvoll atmet Maryama aus und wiegt den Kopf. "Keine Ahnung...eben." 'Erwartungen' geht es ihr erneut durch den Kopf. Hat sie die gerade auch wieder? Nicht wirklich. "Ich such einfach nach irgend nem sinnvollen Ansatz." Sie verzieht den Mund. "Wenn die Situation für jemanden wirklich scheiße ist, dann für dich. Ich werd jedenfalls dran arbeiten nicht dauernd so aus zu rasten." Sie grinst ein bisschen verlegen. "Das hat bisher auch noch keiner so fertig gebracht wie du. Muss aber nicht zur Gewohnheit werden." Vielleicht ist es besser nicht weiter zu bohren im Moment bei Logan. Offensichtlich gibt es keine Patentlösung und sie werden eben irgendwie ihren Weg finden müssen. Es ist beunruhigend genug was er angedeutet hat.
"Vielleicht...", Sibylle kommt wieder zur Couch und setzt sich, "es ist nur eine Idee, und vielleicht funktioniert es auch gar nicht, aber wäre es eine Möglichkeit, dass du ein Signal gibst, wenn du merkst, es stimmt etwas nicht? Ihr könntet ein Codewort ausmachen." Fragend schaut sie von Logan zu Maryama und zurück.
Überrascht von diesem eigentlich nahe liegenden, praktischen Ansatz den Sibylle vorschlägt, hebt Maryama den gesenkten Kopf. "Das klingt vernünftig, ja." Ihr Blick geht zu Logan. "Wie hört sich das für dich an?"
Ebenfalls erstaunt zuckt er die Schultern. "Never tried."
"Na dann ist es doch einen Versuch wert.", lächelt die Blonde. "Was wäre ein gutes Codewort?"
"Rage alert?" sagt Maryama. "Das betrifft uns beide." Jetzt muss sie lachen. "Oder brauchst was Kürzeres?"
Für den Bruchteil einer Sekunde gleitet ein Schmunzeln über Logans Gesicht. "Werd ich mir vermutlich auf die Hand schreiben müssen. Aber ... finds gut."
"Passt." sagt Maryama erleichtert. Als hätte Julian verstanden worum es geht, ertönt aus dem bisher stillen Bettchen ein energischer Schrei, der sich in Lautstärke und Empörung blitzschnell steigert. Billie fängt Maryamas amüsierten Blick auf. "Rage alert zum Dritten, diesmal aber wohl Hungriger." 
Die Blonde lacht auf, während Logans Mine sich zu einer gequälten Maske verzieht. Rage alert deluxe! Obwohl die Mutter inzwischen etwas Übung hat, dauert es einen Moment, bis das Neugeborene verstummt und zu trinken beginnt. Endlose Sekunden, die Logan mit zusammengepressten Zähnen im Sessel verharrt, die Augen geschlossen und die Finger in die Lehne gekrallt. Vorsichtig öffnet er die Augen, als Ruhe einkehrt und wirft dem Kind einen argwöhnischen Blick zu. Baby und Mutter in glücklichem Einklang treiben ihm erneut einen Schauer aus negativen Gefühlen über und durch den Körper.
Maryama bemerkt aus dem Augenwinkel Logans angespannte Körperhaltung und seufzt innerlich. Sie hätte angenommen das wache Baby würde ihn neugierig machen oder wenigstens zu einem Gespräch mit Billie animieren. Eher das Gegenteil ist der Fall. Ohne den Blick von Mutter und Kind zu nehmen, sagt sie um die Stimmung etwas auf zu lockern. "Mir wurde vorhin eine sehr ehrenvolle Aufgabe angetragen." formuliert sie etwas gestelzt, was daran liegt, dass sie Billies Angebot immer noch mit Ehrfurcht erfüllt. "Ich darf Patentante von Julian werden." Jetzt sieht sie zu Logan und lächelt. "Ich hoffe ich erweise mich als seriös genug."
Im ersten Moment bleibt jede Reaktion aus. Die Worte dringen nur schwerlich zu Logan durch, als müssten sie sich durch eine massive Schutzhülle ihren Weg bahnen. Doch schließlich hebt er eine Augenbraue und schaut zu Maryama herüber. Ohne es zu registrieren, entspannt sich sein Körper ein wenig. "Du wirst das sowas von wuppen." Tonfall und Mimik lassen keinen Zweifel, dass er überzeugt von ihren Kompetenzen ist.
"Na...so viel Zuversicht aus deinem Munde, das muss ich ja glauben." sagt Maryama schmunzelnd, freut sich aber, dass der wahrscheinliche Kindesvater ihr das zutraut. "Und das, obwohl du am eigenen Leib erfahren hast, wie wenig geduldig ich manchmal sein kann." Warm sieht sie zu ihm und dann zu Billie, die eben Julian kurz aufstoßen lässt und dann an der anderen Brust anlegt. Maryamas Augen weiten sich plötzlich, als ein heißer Schreck ihr durch alle Glieder fährt. "Billie." sagt sie alarmiert aufblickend. "Bin ich dann 'nur' Patentante oder heißt das auch, dass ich Taufpatin werde?" Ihr Blick wandert unruhig auf der Tischplatte hin und her. "Ich bin nämlich nicht getauft, gehöre keiner Konfession an...das wäre mir wohl gar nicht erlaubt."
Gelassen schüttelt die Blonde den Kopf. "Ich weiß gar nicht, ob ich ihn taufen lasse. Das ist mir nicht wichtig. Vielleicht lasse ich es ihn selbst entscheiden, wenn er größer ist."
Erleichtert atmet Maryama auf, erhebt sich und geht neben Billie und dem Jungen, der mittlerweile an der anderen Schulter ruht, in die Hocke. Gerührt betrachtet sie das kleine, zufrieden satte Gesichtchen und streicht vorsichtig über eines der winzigen Fingerchen. "Kleiner Julian, ich geb mein Bestes, dass wir ein gutes Team werden." Dann lächelt sie abwechselnd Logan und Sibylle an. "Er hat genickt, ich hab's genau gesehen."
(in Zusammenarbeit mit @simscat2 )
Maryama telefoniert mit >>> Brindleton Bay Nr. 3 - Haus der Garcias
Logan geht nach >>> Evergreen Harbor Nr. 15 - WG Tom, Jim, Valentin (4)
#4
Maryama telefonierte mit >>> Brindleton Bay Nr 3. - Haus der Garcias
Charaktere: Billie, Maryama
Geschichtsstrang: Papa gesucht II
Wieder einmal hält Sibylle den Brief in der Hand. Nervös starrt sie die Lettern an, die den Absender verraten - Genetisches Labor, Kreiskrankenhaus Windenburg.
"Mach schon.", flüstert sie sich selbst zu. Doch ihr Körper gehorcht nicht. Als hätte er kurzzeitig die Gebrauchsanweisung verlegt, beginnt er stattdessen einen Überschuss an Adrenalin auszuschütten - Hitze steigt in der jungen Mutter auf und ihre Finger beginnen, zu zittern.
Im Geist geht sie die Möglichkeiten durch und die damit verbundenen Zukunftsvisionen verselbständigen sich. 
Jamal ist der Vater - sie wird ihn benachrichtigen und nie wieder etwas von ihm hören. Sie wird komplett allein dastehen. Abgesehen von Maryama, die ihr eine rührend gute Freundin ist. Im Grunde wird sich nichts ändern, sollte Jamal der Vater sein.
Die zweite Variante ist Logan. Der launische Giftzwerg, der zwar seine Unterstützung anbietet, aber von Zeit zu Zeit so instabil ist, dass er selbst eine Nany gebrauchen könnte. Sibylle zweifelt daran, dass er zu seinem Wort stehen wird - nicht weil er nicht will, sondern eher weil er dem Druck nicht standhalten wird.
Der Kloß in ihrem Hals schwillt unangenehm an, als sie begreift, dass es keinen Unterschied macht. Egal, was der Test ergeben hat - sie wird alleinerziehend sein. Wovor also hat sie Angst?
Ist es die Reaktion des jeweiligen Kindsvaters? Befürchtet sie, ihre Einschätzung könnte sich bewahrheiten und sie dennoch tief verletzen?
Während Sibylle den Umschlag anstarrt, wird sie immer unruhiger. "Ich kann es nicht.", hört sie sich leise sagen. Betreten wendet sie sich zu Maryama herum, schaut mit glasigen Augen auf und wiederholt: "Ich kann es nicht. Seit gestern Vormittag liegt der Brief hier herum." In langsamen Bewegungen schaut sie wieder herunter auf das Papier. Es fühlt sich so surreal an. "Ich dachte, ich wollte es wissen. Aber ... " Schwer seufzend bricht sie den Satz ab. Was wollte sie sagen? In ihrem Kopf kreisen so viele Gedanken umher, dass er sich wie leergefegt anfühlt. "Kannst ... du den Brief öffnen?" Zitternd hält sie der Freundin den Umschlag hin.
Beherzter als ihr tatsächlich zumute ist, nimmt Maryama mit einem Nicken den Umschlag entgegen. Warum bin ICH eigentlich so nervös? Um das leichte Zittern ihrer eigenen Hand zu verbergen, stützt sie den Handballen auf den Tisch und sieht Sibylle für einen Moment an. "Warte, ich komm zu dir." Sie steht auf, umrundet den Tisch und setzt sich dicht neben das Nervenbündel von Freundin. "So, jetzt gehen wir das gemeinsam an. Ich öffne und entfalte und du liest laut vor." Entschlossen schnappt Maryama einen herumliegenden Kugelschreiber und schlitzt damit den Umschlag auf. Ehe sie das Schreiben heraus nimmt lächelt sie Billie aufmunternd an. "Du wirst das auf jeden Fall gut machen mit Julian, unabhängig davon wer hier.." Sie wedelt mit dem Kuvert. "..als Vater drin steht." Langsam zieht sie das Papier heraus und legt es ausgebreitet vor Billie auf den Tisch. "Jetzt kommt dein Part." sagt sie und hakt die Freundin mit klopfendem Herzen unter.
Die junge Mutter atmet tief durch die Nase ein, lässt dann die Luft langsam aus dem gespitzten Mund ab. "Okay.", haucht sie wenig überzeugt. Leicht vorgelehnt erfassen ihre Augen die Buchstaben auf dem Papier. Die ersten Absätze zeigen Daten von Julian, ihr selbst und Logan auf, gefolgt von einem Absatz der Fehlerquoten und Rechtsbelehrungen.
Noch einmal atmet Sibylle tief durch, bevor sie zum vorletzten Absatz übergeht:
"Vaterschaftstest Zusammenfassung - Herr Jonah Logan besitzt in allen untersuchten DNA-Systemen die für den Vater des Kindes
Julian Wolff zu fordernden Erbmerkmale. Er kommt somit als Vater in Frage. Die biostatistische
Auswertung der PCR-Systeme erfolgte nach gesetzlichen Standards. Dabei ergab sich eine
Vaterschaftswahrscheinlichkeit von > 99.9999 %." 
Tränen steigen Sibylle in die Augen. Für eine Sekunde bekommt sie keine Luft. Schwer schluckend reißt sie sich ein letztes Mal zusammen. Zögerlich ließt sie weiter:
"Aufgrund der vorliegenden Untersuchungsbefunde und der biostatistischen Auswertung ist
es praktisch erwiesen, dass Herr Jonah Logan der biologische Vater des Kindes Julian Wolff ist."
Mit geöffnetem Mund starrt sie vor sich in den Raum. Sie hat endlich Gewissheit. Logan ist der Vater. Unschlüssig darüber, was das für sie, Julian und ihr gemeinsames Leben bedeutet, wendet sie den tränenbehafteten Blick zur Seite. Hinter einem flüssigen Schleier kann sie Maryamas Mimik nicht deuten und fühlt sich plötzlich verunsichert. Wie in aller Welt soll sie ihm das nur beibringen? Verängstigt macht sich ein neuer Gedanke in ihrem Kopf breit: Muss er davon wissen? Was wäre, wenn sie ihn belügt, um ihm und letztlich ihr selbst die Konfrontation zu ersparen? 
In das andauernde Schweigen hinein, seufzt Maryama vernehmlich auf. "Tut mir leid, obwohl ich wusste dass er in Frage kommt, bin ich grade etwas sprachlos." Sie zieht Billie untergehakt näher zu sich her. "Wie geht's dir damit?"
"Ich ..." Der Kopf ist voller Gedanken, die hektisch übereinander purzeln. Aber ... was fühlt sie?
Stille füllt den Raum. Nur aus dem Nebenzimmer ist hin und wieder ein leises Glucksen zu hören.
Schließlich schüttelt Sibylle den Kopf. "Ich weiß es nicht." Tief seufzend versucht sie, das Chaos in sich zu ordnen. Ihre linke Hand wischt die Tränen vom Gesicht. "Ich dachte, ... ich wollte, dass er es ist. Aber jetzt ... Vielleicht wäre es besser gewesen, es nicht zu wissen. Ich weiß auf einmal gar nicht mehr, was das ändert. Julian wird so oder so ohne Vater aufwachsen." 
Von Unruhe getrieben springt sie auf. Sie muss sich bewegen. Dieses Herumsitzen macht sie wahnsinnig. Hektisch läuft sie hinter der Couch auf und ab, fährt sich nervös mit der Hand durchs Haar und widersteht dem Drang, aus dem Haus zu laufen, nur mit Mühe. "Wie sag ich ihm das? Verdammt, du weißt, wie unberechenbar er ist. Was, wenn er sauer wird? Oder Schlimmeres... Nein. Nein, ich kann ihm das nicht sagen. Es ... es war ein Fehler, diesen Test zu machen. Gott, wie konnte ich nur so dumm sein?!"
"Warte." Maryama versucht ihre Stimme ruhig zu halten, obwohl Billies Nervosität ansteckend wirkt. "Wir bleiben jetzt ganz bodenständig und stellen keine Prognosen auf, von denen wir keine Ahnung haben, wie wahrscheinlich sie überhaupt sind." Lächelnd sieht sie ihre Freundin an. "Tiiiieeef durchatmen." Sie befolgt ihre Anweisung selbst und steht auf.
"Ich habe von einer wunderbaren Heilpraktikerin eine gute Übung gelernt, die machen wir jetzt zusammen. Stell dich neben mich." Nachdem Sibylle der Aufforderung etwas zögerlich nachgekommen ist, instruiert Maryama weiter. "Jetzt die Hände übereinander legen, Arme weit über den Kopf und dabei tief einatmen..." Es folgen vernehmbare Atemgeräusche der beiden. "Dann mit einem alles loslassenden Laut ausatmen, herunterbeugen und dir dabei vorstellen dass du alles was dich belastet mit den Armen weit von dir weg schwingst. Und...weiter geht's." Motiviert legt sie ein flottes Tempo vor und nach 10 Wiederholungen fallen beide lachend und außer Atem auf die Couch zurück. 
"So." japst Maryama. "Jetzt nimm das Telefon und ruf ihn an. Er ist ein Mensch und kein Monster. Du sagst ihm das und bittest ihn, erst vorbei zu kommen, wenn er alles verarbeitet hat." Sie schiebt das Handy in Richtung Billie. "Er hat ein Recht darauf das zu wissen und am Telefon kann nichts passieren." Ein aufmunterndes Lächeln folgt ihren Worten.
"Okay." Sibylle nickt entschlossen. Was würde sie nur ohne Maryama tun? 
Beherzt nimmt sie das Handy und wählt den Kontakt aus. Das Gerät am Ohr haltend, vernimmt sie das Freizeichen, das in ihrer Fantasie, begleitet von ihrem kräftigen Herzschlag, wie ein abstraktes Musikstück klingt. "Es klingelt.", flüstert sie der Freundin zu. Eine Sekunde später stockt ihr der Atem, als Logans Stimme erklingt.
(in Zusammenarbeit mit @simscat2 )
Maryama geht nach Willow Creek Nr 7 - Restaurant Panorama
<<< Jake kommt von Henford-on-Bagley Nr. 10 - Haus Frietmann / Wohnung Jacob Bresk <<<
Charaktere: Billie, Jake
Geschichtsstrang: Wo bist du Logan?
Sibylle stellt die Gießkanne zurück in den Schrank. Alle Pflanzen sind versorgt, der Haushalt ist einigermaßen bewältigt. Julian zum Einschlafen zu bringen, war trotz aller Tips und Tricks wieder einmal eine Herausforderung. So ganz hat die junge Mutter das Prinzip noch nicht verstanden. Warum war es heute so ein Drama? Spürt das Baby ihre eigene Unruhe?
Sibylle schaut auf die Uhr. Der Nachmittag ist längst angebrochen. Noch immer hat sie nichts von Logan gehört. Es ist nun einige Tage her, dass sie ihm die Vaterschaft mitteilte. Je mehr Stunden vergehen, in denen er sich nicht meldet, desto nervöser wird sie. Nachdenklich geht sie in die Küche, um sich einen Tee zu kochen. Der Abwasch muss noch erledigt werden, dann hat sie sich eine Pause verdient.
Mit den Gedanken beim Telefonat mit Logan lässt sie das Wasser ins Becken. Er hatte nichts gesagt. Sie hatte ihn seufzen hören, dann legte er auf. Hatte sie zu dem Zeitpunkt noch angenommen, er würde sich später melden, plagt sie nun die wachsende Sorge. Ist er abgehauen? Würde er sich etwas antun? Braucht er nur Zeit? Wieviel ist vertretbar?
Die Hände im Spülwasser verharrt sie. Nein, sie kann so nicht weiter machen. Sie muss dem nachgehen. Sie trocknet ihre Hände ab und greift zum Handy. Aus den Kontakten sucht sie eine Nummer heraus, wählt und wartet auf das Freizeichen.

Jake sitzt in der Zwischenzeit am Küchentisch und liest die Zeitung. Seine Gedanken kreisen um seine Schwester. Nicole hat ihm von Remy erzählt und dass er sie regelmäßig Beißen würde beim Liebesspiel. Die Geschwister sprechen seit Jahren offen über ihr Leben, so auch ihre Beziehungen, aber das musste Jake erstmal verdauen. Was, wenn der Blutverlust unkontrolliert hoch wird und sie ins Krankenhaus muss? Der Bruder hat seine Schwester über die Konsequenzen aufgeklärt, doch Nicole möchte diese körperliche Beziehung weiter führen.
Plötzlich wird Jake aus seinen Gedanken gerissen, als das Telefon klingelt. "Jacob Bresk, guten Tag", meldet er sich und ist gespannt, wer am anderen Ende des Hörers verweilt. "Hallo, Jake." Am anderen Ende spricht Sibylle leise und zurückhaltend. "Hier ist Billie."
Überrascht legt Jake die Zeitung weg. "Hi Billie, wie geht es Dir und deinem Kleinen?" - "Gut, danke." Sie zögert. "Eigentlich ... Es ist anstrengend." Ein müdes Lächeln mischt sich unter ihre Stimme. "Wie geht es dir? Hast du Silvester gut überstanden?" Noch immer etwas angespannt lässt sie sich im Wohnzimmer auf die Couch sinken. Es liegt ihr nicht, mit der Tür ins Haus zu fallen. Sie möchte dem Bekannten nicht belasten, doch sieht sie keine andere Möglichkeit.
Mitgefühl regt sich in Jake. Als junge Mutter allein ein Neugeborenes zu stemmen, ist sicherlich nicht leicht. "Mir gehts soweit gut, danke der Nachfrage. Silvester habe ich mit meinen lieben Nachbarn verbracht." Er überlegt kurz, ob er sie auf Logan ansprechen soll, doch lässt er das Thema lieber sein. Sie scheint so schon gestresst zu sein. "Wenn Du mal einen Babysitter brauchst, gib gerne Bescheid."

"Du bist so lieb, Jake." Sie seufzt. "Ich wollte dich etwas fragen. Wegen Logan." Verwundert lehnt sich Jake auf seinen Ellbogen. "Ja, was möchtest du wissen?" - "Hast du die letzten Tage etwas von ihm gehört?" Sorgenvoll presst sie die Worte heraus. Das schlechte Gewissen klebt ihr im Nacken. "Ich hatte mit ihm telefoniert. Und er hat einfach aufgelegt. Seitdem ist Stille. Ich weiß, dass er nicht immer zurück schreibt. Aber ich mache mir Sorgen. Weißt du, wo er stecken könnte? Oder hat er sich bei dir gemeldet?"
Das hört sich für Jake nicht gut an. Die letzten Tage hat auch er von Logan nichts gehört, doch das ist nichts neues. "Worüber habt ihr gesprochen, wenn ich fragen darf?"
Sibylle sackt in sich zusammen. Sie hat erwartet, dass Jake das fragen würde. Jeder würde das. Aber was soll sie sagen? Wenn Logan nicht will, dass seine Vaterschaft bekannt wird - und er wohlauf ist - wird er ihr den Hals umdrehen. "Eigentlich habe nur ich gesprochen.", beginnt sie. Mit zwei Fingern pult sie nervös an einem Faden an ihrem Pullover herum. "Ich kann nicht sagen, worum es ging. Ich weiß nicht, ob es ihm recht wäre."

Jake ist erstmal still. Worum es auch ging, entweder Logan ist es egal oder es wühlt ihn auf, sodass er sich zurück gezogen hat. Wo könnte er nur sein? "Hör zu, ich telefonier etwas herum und schau, dass ich Logan finde. Ich sag Dir Bescheid, wenn ich ihn gefunden habe, ja?"
Hektisch wischt Sibylle eine Träne aus dem Gesicht, die unerwartet über die Wange rollt. "Ich danke dir. Du bist wunderbar. Wenn ich helfen kann, sag es bitte."
Mit beruhigenden Worten versucht Jake sie zu trösten. "Du wirst sehen, es geht ihm bestimmt gut." Doch sicher ist sich der Freund dabei nicht. "Das hoffe ich." Schwer schluckend würgt die junge Mutter den aufkommenden Kloß im Hals herunter. Aus dem Nebenzimmer ertönt wehklagendes Gejammer, steigert sich binnen Sekunden und wird zu einem wütenden Gebrüll. "Ich muss nach Julian sehen." Erschöpft seufzt Sibylle in die Sprechmuschel. "Danke, Jake. Ich melde mich auch, sollte ich etwas hören. Machs gut."
Nachdem Jake sich verabschiedet hat und das Telefonat beendet ist, macht er sich Gedanken. Wo kann er nur sei? Die leichteste Methode wäre ihn anzurufen. Also tippt der Blonde auf seinem Display, bis er Logans Kontakt gefunden hat. Es dauert eine Weile, doch auch nach dem zehnten Freizeichen geht niemand heran. Jake legt auf und trinkt einen Schluck. Wo bist du Logan?
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon.)
>>> Jake geht nach Tartosa >>>
>>> Billie geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>
#6
<<< Billie kommt von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers <<<
<<< Raven Start >>>
Charaktere: Billie, Raven
Geschichtsstrang: Auf einen Kaffee
Den Kinderwagen leicht auf und ab wippend schiebt Sbylle das Gefährt durch die Gänge der kleinen Drogerie. Julians schlechte Laune hält sich seit den frühen Morgenstunden. Wangen und Stirn gerötet von leichten Fieberattacken und beständigen tränenreichen Schüben zappelt der Junge quirlig herum, wobei immer wieder Teile des Einkaufs zu Boden fallen. Den Beißring, den die junge Mutter vorsorglich an seine Seite gelegt hatte, mag sie ihm nicht anbieten, da der sich bereits über den Asphalt der städtischen Gehwege verselbständigt hatte und nun voller bedenklicher Spuren ein zu großes Gesundheitsrisiko darstellt. Ihre Nerven liegen blank. Nicht nur, dass sie sich die Wohnung, die sie besichtigt hat, unmöglich wird leisten können - auch die zunehmend urteilenden Blicke der Leute um sie herum sind kaum erträglich. Was soll ich denn machen, wenn er zahnt?!, zischt es ihr gereizt durch den Kopf. Sie weiß selbst, dass ihr Baby zu Hause sein sollte, umsorgt in einer ruhigen Atmosphäre. Doch das Datum ihres Zwangsauszugs rückt näher und noch immer hat sie keine neue Bleibe finden können. Hätte Maryama Zeit gehabt, hätte sie Julian liebendgern gehütet, doch manchmal steht eine alleinerziehende Mutter eben mit einem quängelnden Kind im Laden, weil es einfach anders nicht geht.
Ohne Julians Lieblingsbrei und Kamillentee wird sie diesen Tag nicht überstehen und so hetzt sie mit wild pochendem Puls zur Kasse. "Shhhhh, bitte beruhige dich doch endlich.", flüstert sie heruntergebeugt und legt liebevoll die Hand auf die Brust ihres Sohnes. "Ich weiß, dir geht's nicht gut, aber gönn Mama doch nur eine Minute." Ihre Stimme schafft es nicht, die dringend benötigte Ruhe zu transportieren, so dass Sibylle sich aggressiv durch die Haare fährt, als sie ungeduldig von dem Kassierer angesprochen wird. "Ja, natürlich.", seufzt sie und beginnt hastig nach dem Portemonnaie zu kramen, während das Baby den Lautstärkepegel erhöht. Scheiße, Scheiße, komm schon, du kleines Mistding. Tu mir das nicht an. "Ich habs gleich.", lächelt sie gequält, während sie mit einschießender Gesichtsröte die bohrenden Blicke der wartenden Kundschaft auf der Haut spürt. "Sie müssen sich vor Antritt des Einkaufs versichern, dass Sie ein gültiges Zahlungsmittel bei sich tragen.", vermerkt der Angestellte lautstark.
"Danke vielmals, das hilft mir wirklich enorm!", faucht sie über die Schulter. Zusammenreißend schließt sie die Augen, atmet tief durch und würgt eine Entschuldigung hervor. "Ich weiß, dass ich es eingepackt habe,", keucht sie dem Nervenzusammenbruch nahe, "tut mir wirklich leid. Es muss hier ..."

Ein lauer Sommerabend, es nieselt leicht. Viele Menschen drängen sich durch die Straßen. Raven beobachtet den einen oder anderen von der Parkbank aus, auf der er es sich gemütlich gemacht hat, während er den letzten Schluck aus seinem Bier trinkt. Er stellt sie auf den Rand der Mülltonne, damit jemand, der es noch nötiger hat als er, sie nehmen kann. Mit dem klaren Ziel im Kopf steht er auf und geht über den Parkplatz in den Laden.
Es ist voll. Überall Lärm und Gedränge. Er greift ins Regal, nimmt eine neue Flasche Bier, dreht sich um und marschiert in Richtung Kasse.
Boah, ich hasse lange Schlangen an den Kassen. Was wollen die bloß alle hier? Raven stellt sich in die lange Schlange. Es dauert ihm alles viel zu lange, bis er endlich bezahlen kann. Sein Geduldsfaden ist in diesen Situationen sehr kurz und zum Zerreißen gespannt. Raven hat nur ein Ziel: so schnell wie möglich diesen Laden wieder zu verlassen.
Er macht sich direkt nach dem Bezahlen auf den Weg Richtung Ausgang. Die Situation an einer der anderen Kassen erweckt seine Aufmerksamkeit. Kurz bleibt er stehen. Er beobachtet eine junge Frau, die verzweifelt in ihrer Tasche kramt. Das Baby im Kinderwagen hört er weinen.
Er geht näher und bleibt hinter der Frau stehen. Raven hält seine Karte hoch, sodass der Kassierer sie sehen kann. Er macht einen kleinen Schritt nach vorn, nah genug, um die Karte auf das EC-Gerät zu legen – nur ein Hauch, eine Berührung von ihrem Rücken entfernt.
„Eine Entschuldigung.“ Raven schaut den Kassierer an. Seine Stimme klingt wie ein Befehl und nicht wie eine nette Aufforderung.
Wie gerne würde ich diesen Fettklops über die Kasse ziehen. So lange auf ihn einschlagen, bis der nie wieder aufsteht.
Der Kassierer zuckt zusammen. Man sieht ihm an, dass die Angst in ihm hochsteigt. Direkt entschuldigt er sich bei der jungen Frau. Raven fällt es schwer, nicht auszurasten und seiner in ihm kochenden Aggression freien Lauf zu lassen. Er atmet einmal tief durch. Vorsichtig, leicht, sanft, kaum spürbar legt er seine warme Hand auf ihren Rücken. „Packen Sie Ihre Sachen ein.“ Seine Stimme klingt sanft, fast beruhigend. Ohne sie anzuschauen, geht er in Richtung Ausgang.
Draußen auf dem Parkplatz bleibt er irgendwann stehen. Er greift in seine Hosentasche, holt sein Feuerzeug heraus, öffnet seine Bierflasche und zündet sich eine Zigarette an.

Aus großen Augen schaut Sibylle den hochgewachsenen Mann erstaunt an. "Aber das ...." Maximal unangenehm! Am liebsten würde sie im Erdboden versinken. Beiläufig und vollkommen überfordert springt ihr Blick zu dem Kassierer. Der guten Kinderstube ist es zu verdanken, dass ihre Mundwinkel zu einem beschwichtigenden Lächeln zucken, ehe sie hastig den Einkauf in den Jutebeutel wirft und mit beschämt gesenktem Kopf den Kassenbereich verlässt. Der Fremde hat sich bereits entfernt, so dass ihr nur die Hoffnung bleibt, ihn draußen irgendwo zu finden. Gruselig, diese Parallele..., schießt es ihr in den Hinterkopf, begleitet von den penetranten Fragen, zu denen sie in den letzten Wochen langsam Abstand gewann: Wo mag Logan stecken? Ob es ihm gut geht? Was für ein Mist verfolgt ihn dieses Mal?
Draußen angekommen verharrt sie mit suchender Konzentration. Da vorn. Erleichtert atmet sie aus und schiebt schnellen Schrittes den noch immer lautstark schallenden Kinderwagen voran. Einige Meter vor dem Retter parkt sie den Buggy und hebt das kleine Bündel heraus. "Ssshhh, wir gehen gleich nach Hause, mein Schatz." Ihre Lippen hauchen einen Kuss auf die warme Wange des Kindes, bevor sie sich vorsichtig dem Fremden nähert. "Das war unglaublich nett. Vielen lieben Dank." Wohlwissend um die Lautstärke ihres kleinen Wunders dreht sie sich halb vom dem Mann weg, um wenigstens so zu tun, als könne sie etwas gegen den Lärm ausrichten. "Ich weiß nicht, wie ich das gut machen kann." Julian auf dem Arm wippend streicht sie mit der flachen Hand über das tränennasse Gesicht. "Er zahnt. Ich krieg ihn ihn einfach nicht beruhigt. Das ist die Hölle." Sie lächelt entschuldigend, als ihr die Hilflosigkeit aus den Augen sticht. "Ich wohne nicht weit von hier.", erklärt sie gegen das Geschrei an. "Darf ich ... Ich habe Geld zu Hause. Ich möchte Ihnen nichts schuldig bleiben. Wenn Sie uns ein Stück begleiten, kann ich sofort alles zurück zahlen. Und einen Kaffee spendieren. Oder irgendetwas anderes, ganz egal." Ihre letzten Worte gipfeln in einem beinahe verzweifelten Lachen. "Ich bin Julian,", fängt sie sich wieder, "und das kleine Stimmenwunder hier ist Billie." Stutzend kneift sie die Brauen zusammen. So ein Quatsch! "Andersrum. ICH bin Billie."

Er schaut Billie an. Kein Wort verlässt seine Lippen. Mit einem Blick, der keinen Raum lässt, irgendetwas in ihm lesen zu können. Er wirkt kalt, unnahbar.
Julian.
Dieser Name trifft Raven tief. Julian.
Er denkt an ihn, an das letzte Mal, als er ihn sah. Raven zögert. Er schiebt alle Gedanken an Julian zur Seite und sammelt sich kurz, ohne eine Reaktion nach außen zu zeigen.
Kurz überlegt er, wie er darauf reagieren soll. Soll er das Mädchen wirklich begleiten? Sie könnte sich, trotz ihres Pflichtbewusstseins, unwohl fühlen oder Angst bekommen, dass er die Situation ausnutzt und ihr etwas antun könnte.
Seine Gedanken kreisen wie ein Karussell in seinem Kopf. Er befreit sich aus diesem Strudel der Gedanken. „Ich bin Raven“, sagt er nach einer gefühlten Ewigkeit des Schweigens. „Billie … wäre es Ihnen wirklich recht, wenn ich Sie und den Kleinen begleite?“ fragt er schließlich mit ruhiger Stimme, bedacht darauf, nicht zu laut zu sprechen, um den Kleinen nicht noch mehr zu stressen.
Ein Teil der Anspannung löst sich schlagartig aus Sibylles Gesicht. Übrig bleibt zermürbte Müdigkeit, hinter der eine natürliche Wärme schlummert. Meine Güte, so viel Ähnlichkeit. Wenn er nur halb so anständig ist, ... "Natürlich!", lacht sie unbeschwert auf. "Wenn ich Zweifel hätte, würde ich es nicht sagen." Sie wendet sich ab, um den Buggy mit der freien Hand zu schieben. Julian behält sie auf dem Arm, eng an sich geschmiegt. Etwas körperliche Nähe wird ihm vielleicht gut tun. "Sie haben mich da drinnen gerettet, ein Kaffee ist das Mindeste, das ich tun kann. Und vielleicht, wenn es okay ist, das Du?"
Kurz und still betrachtet er Billie. Er sieht, wie ihr die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben steht. „Du ist super“, sagt er und lächelt sie an.
Sie verlassen den Parkplatz. Dort steht ein Mülleimer. Er stellt seine kaum getrunkene Bierflasche auf den Rand und wirft seine Kippe hinein.
„Lass dir helfen … Ich nehme den Buggy“, sagt er und greift nach dem Lenker des Buggys – direkt neben Billies Hand, die er dabei berührt. Er sieht sie an. Tief in die Augen.

Den Bruchteil einer Sekunde spürt Sibylle Irritierung in den Hinterkopf schießen. Doch ihr Lächeln zeigt, dass es keine Rolle spielt, ob diese Berührung Zufall oder Absicht ist. Etwas tief in ihr sagt ihr - nein brüllt ihr regelrecht in die Hirnwindungen, dass sie dem Fremden vertrauen kann. Noch darüber sinnierend, wie sie so naiv sein kann, lässt sie den Griff des Kinderwagens los und betrachtet Raven dabei, wie er das sperrige Gefährt mit Leichtigkeit die Stufen zur Straße hinaufträgt. In sich hineinseufzend registriert sie den Stich in der Brust, als es ihr klar wird. Sie vermisst diesen kleinen Griesgram so sehr, dass sie einem vollkommen fremden Mann, der zufällig eine ähnliche Art hat, das gleiche Vertrauen entgegenbringt. Rational betrachtet handelt sie äußerst unklug, das weiß sie. Dieser Mann ist nicht Logan. Äußerlich hat er nicht nur nichts mit ihm gemein - er entspricht sogar dem kompletten Gegenteil. Die eigenen Gedankengänge verhöhnend schüttelt sie schmunzelnd den Kopf und folgt ihm schließlich. "Danke.", lächelt sie mit einem unbeabsichtigten Blinzeln. "Wir müssen dort in die Nebenstraße." Ein Fingerzeig deutet an ihm vorbei, ohne den Blick von seinen Augen zu nehmen. "Ich hoffe, ich halte dich nicht von irgendwelchen Plänen ab."
Dass sie den Blickkontakt zu ihm nicht meidet, sondern ihn gezielt sucht, gefällt ihm. Er lässt sich gerne darauf ein und nutzt jede Chance, ihr in die Augen zu sehen. Sie wirkt nicht, als wäre sie es gewohnt, Hilfe von einem Mann zu bekommen. Der Kopf kurz vor dem Explodieren.
Wo der Vater wohl von dem Kleinen ist?
Er schaut auf den Finger, der an ihm vorbeizielt. Mit einem Lächeln sieht er sie noch einmal an, bevor er in die Richtung blickt, in die der Finger zeigt. Als klar ist, wohin die drei gehen, wandert sein Blick zurück zu Billie. „Pläne kann man ändern“, sagt er und schiebt den Buggy in die Seitenstraße.
Am Haus angekommen, schließt Billie die Tür auf. Raven sucht erneut den Blickkontakt zu ihr. „Welcher Stock?“ Sie zeigt vier Finger. Innerlich schüttelt er den Kopf, nimmt den Buggy unter den Arm. „Du gehst vor, ich folge dir.“
Irgendwo zwischen dem zweiten und dritten Stock kann er sich die Frage, die förmlich aus ihm heraus will, nicht verkneifen:
„Warum wohnt eine Mutter mit einem kleinen Baby im vierten Stock ohne Fahrstuhl?“
Hell und offenherzig lacht sie auf. "Das ist eine berechtigte Frage.", wendet sie sich um, insgeheim froh und dankbar für die kurze Verschnaufpause, denn entgegen den Gerüchten, man würde sich an die vielen Stufen gewöhnen, sieht die Realität ganz anders aus. "Weil die Wohnung schön und günstig war, als sie die Ausbildung begonnen hat und nicht vor hatte, ein Kind in der Halbzeit zu werfen." Schnaufend setzt sie den Aufstieg fort, auf der letzten Stufe erleichtert durchatmend zieht sie den Schlüssel aus der Hosentasche und stößt kurz darauf die Tür ins Wohnzimmer. "Bitte, komm rein.", schnauft sie die letzten Anstrengungen beiseite. "Setz dich, wo du magst. Entschuldige das Chaos." Zielsicher geht sie rechterhand in die Küche, setzt Julian in seinen Stuhl, ehe sie einen Waschlappen unter kaltem Wasser benässt und ihm in die Hand drückt, damit er darauf herumkauen kann. Kaffee aufsetzen ist die nächste Aufgabe, dicht gefolgt vom frisch befüllten Wasserkocher. Ein Handgriff nach dem nächsten abreißend wirbelt sie umher, als müsste alles zeitgleich erledigt werden. "Nimmst du Milch oder Zucker?", ruft sie halblaut durch die Wohnung, weil sie nicht registriert hat, dass er ihr bis zum Tisch gefolgt ist.
Ruhig betrachtet er das wilde Treiben von ihr in der Küche und schaut sich immer wieder um. Nach einem Moment geht er zu Julian und hockt sich neben seinen Stuhl, um mit Blicken die Aufmerksamkeit des kleinen Jungen zu erwecken. Dann hält er dem Kleinen seinen Finger hin, damit Julian ihn greifen kann. „Milch und Zucker bitte“, sagt er mit einem kurzen Blick zu Billie und widmet sich sofort wieder dem Jungen, der bereits seine Finger entdeckt hat und vergnügt daran zieht. Ravens Blick ist eine Mischung aus einem freundlichen und fürsorglichen Lächeln. Er bemerkt nicht, dass Billie sich bereits umgedreht hat und die beiden beobachtet.
Wie schön wäre es, wenn Julian eine Vaterfigur hätte, zieht es ihr durch Kopf und Brust. Es schmerzt sie, ihm dieses Grundbedürfnis nicht bieten zu können. Das Bild von Deslyn huscht in ihrem Geist vorüber, als er Julian so selbstverständlich und fürsorglich im Arm hielt. Wenigstens hat Julian endlich aufgehört zu weinen, bedankt sie sich stumm beim Universum. Der Arme muss vollkommen erledigt sein. Dass er nicht sofort in einen komatösen Schlaf fällt, grenzt beinahe an ein Wunder.
Liebevoll lächelnd betrachtet sie Raven, bis das Klicken des Wasserkochers sie wach ruft. Zwei Beutel der Kamille landen in einer Kanne, bevor sie das Wasser darüber gießt und alles weiter an die Wand zum Ziehen schiebt. Kurz darauf, Milch, Zucker und Tassen auf dem Tisch drapiert, befüllt sie letztere mit der dunklen Flüssigkeit und fällt der eigenen Erschöpfung zum Opfer, kaum dass sie sich gesetzt hat. Beide Hände verdecken kurz das Gesicht, als sie in die Innenflächen hineingähnt. "Meine Güte, das war ein anstrengender Tag.", stöhnt sie vor sich her, als ihre Hand zur Milchtüte greift. "Ich könnte acht Wochen durchschlafen." Wenn Julian sie nur ließe. Vermutlich wird er zu seiner gewohnten Zeit, irgendwann zwischen drei und vier Uhr morgens aufwachen und Sodom und Gomorrha schreien. "Also, Raven...", schwer blinzelnd schaut sie ihn an, "wo kommst du her? Was treibst du so - wenn du nicht gerade wildfremde Sims vor einem Nervenzusammenbruch bewahrst?"

Er steht auf, während Billie die Tassen auf den Tisch stellt, und setzt sich auf den Stuhl neben Julian. Seine Finger bleiben bei dem kleinen Jungen, der sie fest umschlossen hält und immer wieder hin und her zieht. Sein Blick ruht auf Billie, die ihre Hände vor das Gesicht legt, um ihre Müdigkeit zu verbergen. „Ich wohne in Willow Creek“, sagt er und greift nach seiner Tasse. „Billie, du bist müde. Du solltest schlafen gehen.“ Er nimmt einen vorsichtigen Schluck von dem noch heißen Kaffee.
Immer wieder wandert seine Aufmerksamkeit zu Julian. Schließlich steht er auf, nimmt den Waschlappen, der vor dem Jungen liegt, und lässt noch einmal kaltes Wasser darüber laufen, bevor er ihn den Kleinen wieder reicht. Dann blickt er zu Billie. „Wo ist der Vater von dem Kleinen?“
Beinahe gerührt von der Fürsorge um ihre Person stößt sie einen warmen Atemzug aus. "Ich kann jetzt nicht schlafen." Sie fährt sich durchs Haar, so dass eine Strähne abstehend in den Raum hineinragt. "Ich muss noch die Wäsche machen und Mittag für morgen vorbereiten und Rechnungen bezahlen und ... " fahrig springt sie vom Stuhl, macht einen Satz zum Küchenschrank, wo sie eine der Schubladen öffnet, um eine kleine Tasche hervorzuholen. "... eine Anzeige schreiben für die Wohnungssuche." Zwei Scheine zückend setzt sie sich wieder und schiebt das Geld zu ihrem Retter herüber. "Hier. Mit bestem Dank zurück." Beide Hände umklammern die Tasse, als suchte sie Halt für die folgenden Worte. "Das weiß niemand." Ihre Stimme wirkt kraftlos, abgekämpft und erschöpft. "Er ist ..." verschwunden? Untergetaucht? "abgehauen. Das tut er manchmal. Er meint es nicht böse. Er ist nur ..." nach Worten suchend seufzt sie tief, "ein Sim mit vielen Problemen."
Sein Blick wandert zu den Geldscheinen, die sie auf den Tisch vor ihn schiebt. Er legt seine Hand sanft auf ihre, die noch immer die Tasse umklammert. Ihre Blicke treffen sich und verharren ineinander. Für einen Moment ist es vollkommen still – nur Julians leises Spielen durchbricht die Ruhe. „Ich möchte dein Geld nicht.“ Seine Stimme klingt ruhig, fast weich, als sie die Stille zerschneidet. „Die Wäsche kann warten. Und das Essen kannst du morgen noch machen.“ Ein leises Seufzen entweicht ihm. „Es geht mich nichts an“, sagt er nach einer Pause. „Das weiß ich selbst. Trotzdem frage ich dich.“ Die ganze Zeit über liegt seine andere Hand bei Julian, der weiter damit spielt. Doch allmählich wird der Junge unruhiger, seine Stimmung kippt – der Tag war lang und erschöpfend. „Warum willst du eine Wohnungssuche schreiben?“ Diese Frage brennt ihm stärker unter den Nägeln als die, was das für ein Mann war, der die beiden einfach im Stich gelassen hat.

Sibylles Brauen verschwinden unter dem Pony. "Die Miete in San My ist teuer geworden. Letzten Monat kam die zweite Erhöhung." Ihr Oberkörper sackt erschöpft ein Stück zusammen, als sich ihr Blick in der Tasse verliert. "Im Herbst kann Julian endlich in die Kita gehen. Allerdings in Brindleton. Hier haben wir keinen Platz bekommen." Müde schaut sie auf. "Ich kann mir aber kein Auto leisten und jeden Tag mit der Bahn hin und her ..." Sie schüttelt seufzend den Kopf. Ihre Stimme wird leiser, bis nur noch ein schwaches Flüstern zu vernehmen ist. "Manchmal will ich einfach nur zur Tür raus gehen und verschwinden." Haut er deswegen immer wieder ab? Fühlt er sich so? "Ich kann meine Ausbildung weiter machen, wenn er da gut aufgehoben ist und vielleicht haben wir irgendwann eine Chance auf einen geregelten Alltag. Ohne Angst vor Post und Anrufen." Tapfer setzt sie ein freundliches Lächeln auf und trinkt einen Schluck aus der dampfenden Tasse. "Entschuldige, ich hatte nicht vor, dir die Ohren vollzujammern. Es wird sich sicher bald alles fügen."
In ihm steigt ein Gefühl von Mitleid auf. Ihm ist bewusst, wie schwer es eine alleinerziehende Mutter hat. Sein Blick bleibt an den beiden hängen. Er schweigt, versinkt in Gedanken. Ich hätte genug Platz, um sie – zumindest vorübergehend – aufzunehmen. Aber will ich das wirklich? Das wäre doch eine absolute Scheißidee. Ein kleines Kind und eine Frau. Ich kenne sie ja nicht einmal. Er atmet tief durch, sammelt sich. Ein zartes Lächeln huscht über sein Gesicht. „Schon okay … ich hab gefragt“, sagt er leise. „Es wird bestimmt bald besser für euch beide.“ Er will ihr Mut machen, auch wenn er sich selbst verbietet, dem spontanen Impuls zu folgen, ihr eine Unterkunft anzubieten.
„Du solltest jetzt schlafen gehen“, meint er schließlich. Mit einem leichten Nicken sucht er ihren Blick. „Ich geh dann.“ Er schenkt Julian ein letztes Lächeln. „Danke für den Kaffee“, sagt er, bevor er sich zur Tür wendet.
(In Zusammenarbeit mit @Quantico )
>>> Raven geht nach San Myshuno Nr. A - Central Park (4) >>>
#7
Charaktere: Billie
Geschichtsstrang: Aufbruch
Mit gemischten Gefühlen lässt Sibylle einen letzten Blick durch den leeren Raum schweifen. Erst in den vergangenen Tagen wurde ihr klar, wie sehr diese Wohnung ihr ans Herz gewachsen ist. Ihre erste eigene Wohnung. Mit Hingabe hatte sie jedes kleine dekorative Detail drapiert. Julian verbrachte die ersten sieben, beinahe acht Monate seines Lebens hier. Anfangs war es schwierig. Kaum eine Nacht hatte sie Schlaf bekommen. Doch mit der Zeit hatten die beiden sich kennengelernt und schon bald ergab sich so etwas wie ein Tagesablauf. Nicht zuletzt durch Maryamas hilfsbereiten Einsatz. Ohne die Freundin an ihrer Seite hätte sie nicht gewusst, wie sie die ersten Wochen überstanden hätte. Nicht nur ein Mal hatte Maryama das kleine Bündel zu einem Ausflug abgeholt, damit Sibylle sich erholen, ausschlafen und vor allem das Mindestmaß an Körperhygiene wieder herstellen konnte. Und nun sitzen Patenkind und -tante bereits unten an der Straße im Wagen mit den letzten Kartons, während Mama sich in Ruhe von diesen alles verändernden Lebensabschnitt verabschieden kann.

Brindelton Bay heißt die Zukunft. Verglichen mit Myshuno eine ruhige Kleinstadt. Verträumt, romantisch, familiär. Nie hätte sie geglaubt, an so einem Ort zu landen. Beinahe fühlt sie sich, wie eine Erwachsene. Mit all dem, was sie für gewöhnlich nicht auf die Reihe kriegt, passt sie kaum in die Kleinstadt der perfekten Harmonie. Dennoch ist das der beste Ort für die kleine Familie. Nicht nur Maryama wohnt nun deutlich näher, vor allem die Kita ist fußläufig erreichbar.
Zwar wäre ihr eine Wohngemeinschaft mit einer Frau lieber gewesen, aber das Angebot der neuen Wohnung ist schier unschlagbar verlockend und ihr neuer Mitbewohner Jim scheint in Ordnung zu sein. Ein ruhiger, genügsamer Geselle. Während der letzten Wochen hatten er und Sibylle sich einige Male getroffen, um sich kennen zu lernen. Sie hatte ihm beinahe jedes Wort aus der Nase ziehen müssen.
Dabei machte er nicht einmal einen schüchternen Eindruck. Eher wortkarg. Nichts, womit sie nicht umgehen könnte. Immerhin scheint er verlässlich zu sein. Er hat einen soliden Job, scheint geduldig und denkt pragmatisch.
"Eine letzte Frage.", hatte sie vor einer Woche beim dritten Treffen gesagt - die Stimme unsicher, die Mimik verlegen. "Das Ganze endet doch nicht damit, dass wir in einer Schlagzeile in der Zeitung landen?"
"Keine Sorge.", war seine trockene Antwort. "Ich mach sowas nicht."
Peinlich berührt wusste sie nicht so recht, ob sie lachen oder im Boden versinken sollte - und entschied sich für ein entschuldigendes Lächeln.

Noch immer ist ihr nicht ganz wohl bei dem Gedanken, mit einem Fremden zusammen zu ziehen. Nicht um ihretwillen. Mit wenigen Mitteln das Beste für Julian zu entscheiden, ist häufig eine Aufgabe, der sie sich kaum gewachsen fühlt. Und so drängt sie die leise Stimme der sorgenvollen Zweifel in den Hintergrund und redet sich ein, dass schon alles gut werden wird.
Ein tiefes Seufzen wälzt sich aus ihrem Brustkorb, bevor sie in den Flur tritt und die Tür zum letzten Mal hinter sich ins Schloss zieht.

>>> Billie geht nach Brindleton Bay Nr. 15 (A) - Wohnung von Jim und Billie >>>
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