Glimmerbrook

  • Seite 3 von 3
13.11.2024 17:01 (zuletzt bearbeitet: 10.01.2025 21:05)
avatar  Murloc
#21
avatar
Bestseller-Schmied

<<< Fuchs kommt von Moonwood Mill (2) <<<
<<< Hepzibah kommt von Moonwood Mill (2) <<<

Charaktere: Fuchs, Hepzibah, Drake
Geschichtsstrang: Tauschgeschäfte


Es ist tief in der Nacht, der Mond scheint nur schwach durch die Wolkendecke. Zwei Frauen gehen schweigsam einen Weg entlang. Unmerklich blickt eine von ihnen sich pausenlos in alle Richtungen um. Sie hat ein merkwürdiges Gefühl bei dieser Sache. Ein ungewöhnliches Treffen lockt sie an diesen Ort. In wenigen Minuten wird sie Geschäfte mit einem Feind in Erwägung ziehen. Unklar, ob ihm zu trauen ist, muss sie sich auf alles gefasst machen. Doch ihre Sinne bleiben ruhig. Bisher scheint keine Gefahr zu drohen.
Als sich der Weg gabelt, deutet die Rothaarige in eine Richtung, die die Straße verlässt. Sie führt die andere näher zu einem See.
"Hier ist es.", sagt sie leise.
"Wo ist er?", fragt die Helle.
Die Rote schaut sich um und zuckt mit einer Schulter. "Der wird schon kommen. Er war echt heiß auf den Deal."
"Wir warten zehn Minuten. Dann hauen wir ab
." Die Weiße lässt keinen Raum zur Diskussion und die Rote nickt.

Drake beobachtet, wie die beiden Wölfe ankommen. Er hat die Gegend abgesucht, doch keine Auren von versteckten Werwölfen feststellen können. Die Weiße war letztes Mal nicht dabei, doch sie zeigt sich offen... Das sieht jedenfalls nicht nach Hinterhalt aus.

Er landet. "N'Abend, Mädels!", sagt er, auch wenn er nicht ganz so locker drauf ist wie er tut. Mit Fuchs wäre er vielleicht noch fertig geworden. Gegen zwei Werwölfe hat er jedoch im Kampf keine Chance. Aber notfalls bleibt ihm ja noch seine Fledermausgestalt. Hoffentlich würde das nicht nötig sein. An dem Artefakt hängt er nicht wirklich. Es wäre einfach gewesen, die beiden in einen Hinterhalt zu locken, wenn er das vorgehabt und für Verstärkung gesorgt hätte. Doch Drake ist alleine hier.



"Ich habe meinen Teil dabei.", sagt er. Er fühlt das Artefakt bei sich. Die Macht ist ihm durchaus bewusst. Was er jedoch nicht weiß ist, wie es damals überhaupt in Raouls Besitz gekommen ist. Ist dessen Macht der Grund, warum Iris das Teil unbedingt haben wollte damals? Drake verwirft die Gedanken. Was damals war, ist gerade nicht relevant. Wichtig ist, dass es jetzt in seinem Besitz ist. Er holt es aus seiner Tasche. Der Schlüssel. Ein Artefakt, das kreeirt wurde, um die Macht des Tores zu brechen, das die anderen Wölfe dieser Welt fernhält. Vielleicht war es früher im Besitz der Vampire, die die Köter erst eingesperrt haben? Das könnte auch erklären, wie Raoul dort rangekommen ist.

Hepzibah tritt einen Schritt vor und betrachtet ihr Gegenüber. Fuchs hat die Wahrheit gesagt. Er riecht nach Vampir, besitzt aber keine spürbare Aura. Das muss eine hinterhältige List sein.
"Zeige es mir.", sagt sie kühl.

Drake bleibt auf Abstand. Nicht, dass es ihm aus der Hand gerissen wird. "Ich habe mit der Roten gehandelt, nicht mit dir.", sagt er kühl. "Aber gut. Da du in Fuchs' Begleitung bist, gehörst du wohl dazu." Er holt das Artefakt hervor. Es hat die Form eines Pumakopfes und sieht eigentlich recht unscheinbar aus. Doch die Macht ist spürbar. "Ich habe mein Wort gehalten.", sagt Drake kühl, ohne es aus der Hand zu geben.

Hepzibah vernimmt eine anziehende Vibration von dem Gegenstand. Ihre Vernunft möchte an der Echtheit des Geschäftes zweifeln, doch sie kann es nicht. Wenn dies die Chance ist, Ragnar und die anderen zu befreien, darf sie es nicht vermasseln.
Ohne das Objekt der Begierde aus den Augen zu lassen, gibt sie Fuchs ein Signal, dem Vampir zu geben, was er will. Mit unzufriedener Mine kommt sie näher und hält ihm ein Stück gefaltetes Papier hin. Darauf hat sie alles notiert, was sie über die Kontaktaufnahme mit Rasputin zu wissen glaubt.
"Vernichte das Papier, behalte es oder verkauf es. Das ist uns egal.", erklärt die Weiße. "Aber wenn du jemandem erzählst, wo du die Informationen her hast, finden wir dich." Sie hält ihm die offene Hand entgegen, bereit, das Artefakt anzunehmen.



Drake grinst schief. "Glaubt ihr etwa, das geht so einfach? Wer sagt mir, dass das, was da drin steht, wirklich von Nutzen ist?"

"Wer sagt uns, dass du nicht einen schicken Vibrator in der Hand hältst
?", entgegnet Hepzibah nüchtern. "Wir trauen einander nicht. Was willst du dagegen tun, Blutsauger?"

"Du weißt genau, was das ist.
", sagt Drake und schielt auf das Artefakt. "Du kannst spüren, dass es echt ist. Ein Stück Papier hingegen ist nur das: ein Stück Papier. Ohne Anzeichen von Magie." Er sieht die beiden an. "So kommen wir nicht weiter. So wie ich das sehe, habe ich mich an die Bedingungen gehalten. Und ich bin auch alleine hier, im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten." Er verdreht die Augen. "Dann bleibt es wohl dabei: Wir müssen beide ein Risiko eingehen." Fuchs scheint ihm die Person zu sein, die bereit ist, Rasputin zu hintergehen. "Oder hast du einen Beweis?"

"Ich habe mich auch an den Deal gehalten."
, protestiert die Wölfin ungehalten. "Du wolltest Informationen. Da hast du sie. Wenn du mehr wolltest, hättest du das vorher sagen müssen."

Drake betrachtet das Artefakt eine Weile schweigend... War es das alles wert gewesen? Drake funkelt mit den Augen. Iris darf das Artefakt nie erhalten. Sie würde es eher bei ihm vermuten als bei den Werwölfen. "Also gut.", sagt Drake. Er hält seine Hand nach dem Zettel aus und umfasst mit der anderen noch immer das Artefakt. "Dann tauschen wir die Sachen gleichzeitig."

"Müssen wir auch zählen, wie im Welpenlager?
", schmunzelt die Weiße. Sie fasst das Artefakt an und spürt dessen Energie in den Fingern.
"Fuchs, lass den Zettel los."
Zähneknirschend gehorcht die Rote und tritt einen Schritt zurück.



"Wenn ihr zählen könnt, gerne." Drake grinst sarkastisch.

Vorsichtig zieht die Alphawölfin das begehrte Objekt an sich. Sie lässt sich das Gefühl des Triumphes nicht anmerken - wohl auch, weil sie noch immer skeptisch ist, ob dieses Stück die Macht besitzt, von der es behauptet wird. Doch das wird sie in Kürze herausfinden.

Drake bleibt genauso skeptisch. Der Zettel beschreibt zumindest einen toten Briefkasten. Den zu finden sollte kein Problem sein wenn die Beschreibung passt. Aber es hat auch was gutes. Er ist das verdammte Teil von Artefakt endlich los. Er lässt sich nicht anmerken, dass er darüber auch ein wenig erleichtert ist.

"Wenn alles passt, ergibt sich von meiner Seite aus durchaus die Bereitschaft auf weitere Geschäfte.", schmunzelt Drake. "Die Vampire von Bloodmoon Valley interessieren mich nicht. Ich habe keine Allianzen mit denen. Doch an Informationen bin ich immer interessiert. Vielleicht kann ich meinerseits dann mit anderen Informationen bezahlen." Er sieht die beiden an. "Vorausgesetzt natürlich, dieses Geschäft hier funktioniert problemlos." Es kann nicht schaden, auch auf der pelzigen Seite Informationsgeber zu haben.

"Wir denken darüber nach.", gibt die Weiße neutral zurück. "Hab einen sicheren Heimweg, Vampir."
Ohne Drake aus den Augen zu lassen, ziehen die Wölfe sich zurück.

In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon

>>> Drake geht nach Moonwood Mill - Drakes Hütte >>>
>>> Hep geht nach Die Unterwelt >>>


 Antworten

 Beitrag melden
01.01.2025 10:57 (zuletzt bearbeitet: 11.01.2025 11:07)
avatar  Murloc
#22
avatar
Bestseller-Schmied

<<< Viola und Lucía kommen von Brindleton Bay Nr. 1 - Altersheim Shady Pines (8) <<<

Charaktere: Lucía, Viola, Laila
Geschichtsstrang: Ein Pferd will reden II


Nachdem sich Lucia und Viola auf den Weg gemacht haben, führt sie ihre Suche direkt nach Glimmerbrook. Das Silberblatt finden sie überraschend schnell, da es in der Gegend recht häufig vorkommt. Anschließend suchen die beiden Teenagerinnen die Höhle, in der das Dunkelsalz verborgen sein soll. Es dauert eine Weile, doch schließlich stehen sie vor dem dunklen Eingang. Während Viola entschlossen den schmalen Gang der Höhle entlanggeht, wird Lucia mit jedem Schritt unruhiger. "Findest du es nicht auch gruselig hier drin?", fragt sie mit zittriger Stimme.

Viola war schön öfters mal in irgendwelchen Höhlen. Sie hat davor keine Angst. "Ach, stell dich nicht so an. In einer Höhle habe ich sogar mal ein Mordopfer gefunden! Ganz skelettiert mittlerweile!" Das stimmt nur zur Hälfte. Sie hat während des Sommerfestivals tatsächlich ein Skelett gefunden, das allen Anschein nach auch zu einem modernen Menschen gehört hat und nicht zu einem prähistorischen. Aber sie hat keine Ahnung, wie lange es schon da lag und ob es wirklich ein Mordopfer ist oder sich ein Höhlenforscher einfach verirrt hat. Ein Mordopfer klingt halt einfach spannender. "Und trotzdem bin ich ohne Probleme lebend wieder rausgekommen." Ohne zu zögern schreitet sie voran. "Nun komm schon! Wir sind Vampire! Wir können auch im Dunkeln sehen."



Um nicht ängstlich zu wirken, hält Lucia ihre Sorgen zurück und folgt Viola tiefer in die Höhle. Plötzlich entdecken die beiden eine weiße Ablagerung an der Felswand. "Das könnte das Dunkelsalz sein!", flüstert sie aufgeregt.
Dank ihrer Fähigkeit im Dunkeln zu sehen, erkennen sie die kristallartige Struktur sofort. Lucia bleibt vorsichtig im Hintergrund und lässt Viola den Vortritt, um die Zutat zu sammeln. Lucia läuft plötzlich ein eiskalter Schauer über den Rücken. Sie atmet tief ein und aus. Hatte sie nicht eben Schritte gehört? Doch Viola scheint nichts zu bemerken.
Reiß dich zusammen, ermahnt sich Lucia. Du bist einfach nur zu schreckhaft. Hier ist nichts, und hier wird auch nichts sein.

Viola mustert die Kristalle, auf die Lucía zeigt. Sie holt ihr Handy hervor, öffnet das Foto des Buches. „Hm, ja könnte sein!“, findet nun auch sie, nach dem Vergleich. Langsam streicht sie mit den Fingern rüber. „Na also, ging doch recht einfach!“ Viola schabt etwas davon ab, bis sie genug hat. Für diesen Zweck hat sie extra eine Dose mitgebracht. Sie schiebt die Zutat in ihre Tasche... und hält inne. Nun spürt auch sie, dass etwas nicht stimmt. „Irgendetwas ist hier...“ Sie sieht zu Lucía. „Wir sollten hier weg...“ - Laila schleicht in die Höhle. Sie hat keine Ahnung, was die beiden Vampirinnen hier wollen, es ist ihr auch egal. Sie werden ihr davon schon noch erzählen... wenn sie ihnen die Gliedmaßen raus reißt. Sie wittert die Mädchen, folgt deren Geruch. Die Jägerin, auf der Jagd nach Beute. Sie weiß, dass sich manche Vampire verwandeln können. Und so freut sie sich über die engen Gänge der Höhle. Hier könnte sie auch Fledermäuse aus der Luft fangen, wenn es nötig ist. Nun steht sie vor den beiden. Der Geruch hat sie nicht getäuscht. Es sind noch Teenagerinnen, Kinder. Einen Moment hält sie inne. Erinnerungen kommen hoch. Wie ihr Bruder Marrok getötet wurde, als sie selber noch ein Kind war... Doch das Zögern dauert nicht lange. Der Vampir hatte auch keine Gnade gezeigt. Warum sollte sie?



Als sich Lucia langsam umdreht, steht die Kreatur plötzlich vor ihnen, groß und bedrohlich. Der Gang ist viel zu eng, um irgendwohin zu entkommen.
"Viola", flüstert Lucia kaum hörbar, während sie sich gegen die Felswand drückt. Verzweifelt schaut sie sich um, aber der Weg ist blockiert. Selbst wenn sie sich verwandeln würde, die Gänge lassen keinen Platz für eine Flucht. Wir sitzen fest, denkt sie sich.



„Hah! Angst?“ Laila eilt näher. „Tja, das hättet ihr euch vorher überlegen müssen. Aber keine Sorge. Ich werde euch nicht töten.“ Nicht sofort jedenfalls.Erst werde ich meinen Spaß haben!“ Viola drückt sich neben Lucía. Sie hat einiges erlebt... auch in Strangerville ist sie einer Werwölfin begegnet. Doch das war gar nichts gegen diese Begegnung. Sie müssen kämpfen... Sie greift zum Salz, wirft der Wölfin eine Handvoll in die Augen.

Lucia sieht ängstlich zu Viola, als ihr ein Stein am Boden auffällt. Instinktiv greift sie danach und schleudert ihn mit aller Kraft auf die Werwölfin. Diese scheint davon völlig überrascht und Lucia nutzt den Moment.
"Jetzt!", schreit sie laut. Wie auf Kommando verwandeln sich die Mädchen blitzschnell in Fledermäuse und nutzen die erste offene Stelle, um der Kreatur zu entkommen.

Das wütende Geheul der Werwölfin erschüttert die Höhle. Die Vampire drehen sich nicht um, sondern landen erst auf einem Baum, als nichts mehr zu hören ist. Viola fällt in ein Lachen... ein Lachen der Erleichterung nach dem Stress... "Tja, mit Salz und mit Steinen hat sie wohl nicht gerechnet!", sagt sie und holt die kleine Dose hervor, die nun nicht mehr viel Inhalt hat. "Ich hoffe, der Rest reicht für Aidaria."

Lucia ist überhaupt nicht zum Lachen. Die Angst sitzt ihr tief im Nacken. Glimmerbrook zu betreten kommt ihr nun wie ein großer Fehler vor. Nie wieder, denkt sie sich. "Ja, hoffentlich reicht das Salz, um Alvaro zum Sprechen zu bringen ... Lass uns noch einen Moment hier bleiben und dann zur Hütte von Aidaria gehen. Ich hoffe, sie ist schon mit Alvaro dort."

In Zusammenarbeit mit @Spatz

>>> Lucía und Viola gehen nach Glimmerbrook - Aidarias alte Hütte >>>
>>> Laila geht nach Glimmerbrook Nr. 1 - kleine Ruine >>>


 Antworten

 Beitrag melden
15.01.2025 18:52 (zuletzt bearbeitet: 07.01.2026 13:51)
avatar  Murloc
#23
avatar
Bestseller-Schmied

<<< Viktor kommt von Forgotten Hollow Nr. 4 - Villa Blutrose (20) <<<
<<< Drake kommt von Moonwood Mill - Drakes Hütte <<<

Charaktere: Viktor, Drake, Rasputin
Geschichtsstrang: Der letzte Akt

„Siehst du, hier ist es!“
, sagt Drake mit einem selbstgefälligen Grinsen. Viktor beobachtet den kleinen Baumstamm mit dem Loch aus der Entfernung. Das soll der geheime Briefkasten sein? Doch Drake hat Recht: Es riecht nach Rasputins Magie..

Also gut.“, sagt der Wissenschaftler, „Du weißt, was der Plan ist.“ Drake schnaubt leise, rückt seine Handschuhe zurecht und macht sich langsam auf den Weg. Mit jedem Schritt scheint sein Zögern größer zu werden. Während Viktor außer Sichtweite huscht, fragt sich Drake, worauf er sich hier eingelassen hat. Doch jetzt ist er zu weit gekommen um noch einen Rückzieher zu machen. Drake legt das Foto der Kette in das Loch. Es dauert nicht lange, als etwas passiert. Vor Drakes Augen löst sich das Foto auf. Gut. Rasputin hat seine Nachricht erhalten.



Nun hebt Drake seinen Blick, schaut Richtung Horizont. Wirkt der Köder?Whoa!“ Drake zuckt, als der Magieschwall ihn zu Boden wirft und sich kurz darauf jemand neben ihm materialisiert. Rasputin!

„Gute Arbeit, Remy!“ Die dunkle Stimme des Magiers dringt durch den Wald. Er hebt das Foto hoch, „Das ist, was ich suche. Nun…“ Rasputin unterbricht sich, in seinem Blick ist Verwirrung zu erkennen. „Moment, du bist nicht Remy. Was geht hier vor?



Viktors Herz setzt einen Schlag lang aus, als er Rasputin endlich sieht – keine vage Erinnerung mehr, sondern die Realität, in Fleisch und Blut. So oft hatte er sich diesen Moment ausgemalt, so oft hatte er ihn durchdacht und geplant. Doch jetzt, da Rasputin tatsächlich vor ihm steht, ist es, als würde die Vergangenheit ihn mit voller Wucht einholen. Die Bilder seiner Eltern flammen vor seinem inneren Auge auf, ihre Schreie, die Angst... Sein Griff um die Phiole wird so fest, dass seine Hand zittert. Nicht jetzt, Viktor. Noch nicht. Du hast eine Aufgabe.

Er hatte das Foto nicht selbst in den Briefkasten legen können. Wenn Rasputin ihn erkennt, wäre er vorgewarnt gewesen. Drake hingegen ist ihm fremd. Viktor muss näher ran. Langsam schleicht sich der Vampir in die Richtung seines Erzfeindes, immer darauf bedacht, verborgen zu bleiben. Hoffentlich gelingt es Drake, ihn lange genug abzulenken.



Ich bin im Auftrag von Remy hier. Wie sonst hätte ich von all dem erfahren sollen, wenn nicht durch ihn? Sonst wusste ja keiner etwas von der Kette.“ Rasputin bleibt misstrauisch. „Und warum kommt er dann nicht selbst? Bin ich es ihm nicht wert?“ Drake spielt seine Rolle weiter: „Das frage ich mich auch.“ Er lässt ein Seufzen ertönen. „Immer lässt er mich die Drecksarbeit erledigen und den Laufburschen spielen. Dabei bin ich zu Höherem geboren!“ Er spuckt aus, bevor er weiter spricht. „Aber für dich sollte das ja nichts ändern.“ Drake hebt das Objekt der Begierde hoch, steckt es dann aber wieder zurück in seine Tasche. „Ich habe das Gewünschte dabei! Das gibt es aber erst, wenn du das Tauschobjekt ebenfalls zeigst. Da war Remy sehr eindeutig. Du weißt schon… Vertrauen muss man sich verdienen und so.



Gut so, Drake! Viktor ist nun näher ran. Seine Muskeln spannen sich, als er die Phiole in Position bringt. Er fixiert Rasputin, misst den Abstand, berechnet den Wurfwinkel – alles scheint perfekt. Doch im entscheidenden Moment schießt ein Gedanke durch seinen Kopf: Das bringt deine Eltern auch nicht zurück! Seine Hand zuckt, nur ein Hauch, aber es genügt. Die Phiole fliegt, dreht sich in der Luft – und verfehlt ihr Ziel. Klirrend zerschellt sie auf dem Boden. Er hat versagt. Die einzige Chance, die sie hatten, liegt in Scherben.

Viktor!“ Rasputins Lachen dröhnt durch den Wald. „Wie erfreulich, dich hier zu sehen.“ Mit einer geschmeidigen Handbewegung entfesselt er einen Zauber. Ranken bohren sich aus dem Boden, und um die Vampire herum. Nein… Drake brüllt, als eine Ranke ihn in die Höhe zwingt. Er versucht, sich durch eine Verwandlung zu befreien, doch es ist zwecklos. Die Ranke umfasst ihn zu eng.



Viktor ergeht es nicht besser. Die Ranken packen ihn an den Armen und Beinen und zwingen ihn auf die Knie. Viktors Gedanken drehen sich um Lilly und Viola. Sie sollen das letzte sein, woran er denkt… Doch die Zweifel sind zu stark. Viktor ist zu keinem klaren Gedanken fähig. Lilly hatte recht. Er ist zu leichtsinnig. Hat er seinen Verstand verloren, nur um diesen einen Mann zu jagen? Er erblickt die Scherben am Boden. Vielleicht, wenn er den Arm frei bekommt…

Zuerst wendet sich Rasputin Drake zu. Der Zauber lässt die Ranke sich zu ihm bewegen, mitsamt des zappelnden Vampirs. „Remys Bote. Dass ich nicht lache.“ Rasputins graue Augen lassen sein Ziel nicht aus den Augen. „Weißt du, ich hätte wirklich fair mit Remy getauscht, ohne Tricks. Schließlich hätte ich seine Dienste irgendwann vielleicht erneut gebraucht. Aber so…“ Er lacht, „Ist es ja auch schon mal was.“ Er greift in Drakes Tasche, holt die Kette hervor, legt sie sich um. „Und nun… werdet ihr sterben!



In diesem Moment verschwinden die Ranken wieder und Rasputin sinkt auf den Boden. Rasputin starrt entgeistert auf seine Hände. Viktor rappelt sich auf. „Das kannst du vergessen!“ Er stürzt sich auf Rasputin, „Ich habe schließlich jemandem ein Versprechen gegeben!“ Auch ohne Magie wehrt sich Rasputin energisch. Doch gemeinsam mit Drake, der nun ebenfalls von der Ranke befreit wurde, gelingt es, ihn zu überwältigen. Viktor kniet sich zu Rasputin nieder. Er nimmt ihm die Kette wieder ab. „Und das…“ Die Faust trifft Rasputins Gesicht, … „Ist für meine Eltern.“



Irgendwann verrauscht die Wut. Der fluchende Magier wird gefesselt. „Oder glaubst du wirklich, dass wir ohne einen Plan B losziehen?“, ruft Viktor aus. Dieses Mal ist er es, der ein hämisches Grinsen zeigt. Nun mischt sich auch Drake ein und zeigt auf seine Hände. „Hast du dich denn nicht gewundert, warum ich bei diesem Wetter Handschuhe trage? Die Kette war natürlich präpariert!“ Nun dämmert es Rasputin: Anma-Sud!



Warum hast du meine Eltern getötet? Was wolltest du von der Kette und warum wusstest du überhaupt über alles Bescheid?“ Rasputin lacht. „Du bist doch sonst so ein Genie, Vik. Finde es doch selbst heraus.“ Viktor lässt sich nicht provozieren. Von Rasputin wird er vorerst nichts erfahren, das wird deutlich. Das Wichtige ist, dass es vorbei ist.

Nun gut. Dann auf nach Bloodmoon Valley. Lord Scar hat auch noch ein Wörtchen mit dir zu reden.“, sagt Viktor, etwas, das Rasputin trotz seiner Lage zum Lachen bringt. „Und nach all den Jahren hast du noch immer nicht den Mut, es einfach selbst zu beenden? Brauchst du den großen Lord, du Feigling?“ Viktor spuckt aus. „Du bist es nicht wert, dass ich mir wegen dir die Hände schmutzig mache. Lieber lasse ich dich auf Ewig im Verlies verrotten!

Drake hebt überrascht den Kopf. Auch er hatte damit gerechnet, dass Rasputin hier vor Ort getötet werden sollte. Aber gut, Bloodmoon Valley ist das Ziel. Vor dem Portal bleibt er jedoch stehen. „Ich warte hier auf dich, Vik. Und glaube ja nicht, dass ich vergessen habe, dass du mich noch bezahlen musst.“ Er würde keinen Fuß nach Bloodmoon Valley setzen. Besser, er lässt sich dort nicht blicken.



Etwa eine halbe Stunde später kehrt Viktor aus dem Portal zurück. „Es ist erledigt. Er steckt im Kerker und wird dort zusätzlich noch mit Eisenketten gesichert, die seine Magie blockieren.“ Er reibt sich die Hände. Die Jagd ist zu Ende… die Kette ist auch noch da. Aidaria wird sie untersuchen können, damit irgendwann klar ist, was die Magie eigentlich bewirkt. Vielleicht hilft das um herauszufinden, was Rasputins Motiv war. Viktor ist erleichtert. Es ist vorbei… Und doch… findet er keine Freude.

Um sich abzulenken, wendet sich Viktor nun an Drake, um ihm die restliche Bezahlung zu überreichen. „Finde ich übrigens gut Vik.“, sagt dieser, „dass du darauf verzichtet hast, Rasputin zu töten. Du bist Historiker, kein Soldat.“ In Gedanken fügt er noch hinzu: „Jemanden zu töten verändert dich…“ Ohne ein weiteres Wort verwandelt sich Drake in die Fledermaus und flattert davon.



Viktor sieht ihm nachdenklich nach, bis er aus seinem Blickfeld verschwunden ist. Das war seltsam...Für ihn selbst wird es auf eine lange Wanderung hinaus laufen. Als er Rasputin die Kette abgenommen hat, war er so auf die Frage nach dem Warum fokussiert, dass er in diesem Moment nicht daran gedacht hat, dass er ebenfalls keine Handschuhe trägt. Er seufzt. Gut, dass die Wirkung nur vorübergehend ist.

>>> Viktor geht nach Forgotten Hollow Nr. 2 - Vampir Bar (5) >>>
>>> Drake geht nach Moonwood Mill - Drakes Hütte >>>


 Antworten

 Beitrag melden
03.04.2025 15:49 (zuletzt bearbeitet: 14.04.2025 07:45)
avatar  Murloc
#24
avatar
Bestseller-Schmied

<<< Drake kommt von Forgotten Hollow Nr. 4 - Villa Blutrose (21) <<<

Charakter: Drake
Geschichtsstrang: Ein Vampir auf Beutezug


Die Sterne der Nacht zeichnen die Silhouette der Fledermaus ab. Nachdenklich flattert Drake durch Glimmerbrook. Der Besuch bei Viktor vor einigen Tagen geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Es ist mehr als offensichtlich, dass sein alter Freund momentan alles andere als in Bestform ist. Liegt es an Rasputin? Weil er nach dessen Ergreifung nun endlich die Zeit hat, sich seiner Trauer zu stellen? Drake schnaubt. Als ob. Aber wenn er trotz Viktors normalerweise makellosen Fassade etwas merkt, muss es ernst sein. „Dieser verdammte Trauerkloß! Dem fällt auch nichts besseres ein als mich da mit reinzuziehen!“ Drake streicht sich mit der Hand über das Kinn, eine Geste, die er selbst nicht bemerkt. Unruhe. Er weiß, wie sich eine Depression anfühlt.



Dann werde ich dem Idioten eben zeigen, was ich kann!“ Es fuchst Drake noch immer, dass die Runde „Anma-Sud“ an Viktor geht, dem es im Gegensatz zu ihm selbst gelungen ist, an das Zeugs zu kommen. „Jahrelange Geduld, pfff… Als ob man es nicht auch auf anderem Wege zu etwas bringen kann.

Und genau deshalb ist er jetzt hier. Der Vampir nähert sich dem Baumstumpf, der Rasputin als Briefkasten diente. Hier hatten sie ihn angelockt, und die Falle gestellt. Die natürlich Viktors Idee war. Typisch Stratege. „Ohne mich hätte er das trotzdem nicht geschafft. Ohne meine meisterhafte Manipulation!“ Zufrieden darüber landet Drake. Er streicht mit seinem Finger über das Holz. Und nun wird er ein weiteres Mal punkten. Indem er Rasputins Versteck findet.



Die Magie hängt nicht mehr so stark in der Luft wie damals. Der Baumstumpf zeigt keine Auffälligkeiten. „Pff, davon lässt sich ein Drake doch nicht abhalten!“ Voller Energie gibt er dem Stumpf einen kräftigen Tritt…. Nichts. Drake weiß, dass Teleportationszauber nicht auf unendliche Distanz wirken. Das Versteck muss hier in der Nähe sein. Er verwandelt sich in eine Fledermaus und steigt in die Luft. Mit geschärften Sinnen tastet er die Umgebung ab. Jetzt, da Rasputins Magie unterdrückt wird, könnte auch dessen Tarnzauber nachlassen.

Aus der Luft hat Drake einen besseren Überblick. Er flattert die Gegend entlang, untersucht Bäume und Felsen… ohne irgendeine Spur eines Verstecks zu finden. Er hasst diese Art von Arbeit. Manipulation.. ja, das hat Stil, das erfordert schnelles Denken und Anpassungsfähigkeit. Stundenlange Suche erfordert Geduld… und wäre eher Viktors Ding. Doch dieses Mal beißt Drake sich durch. „Das Nebelhirn kriegt momentan ja doch nichts auf die Reihe!“



Seine Gedanken landen wieder bei Viktor, bei seinem leeren Blick bei diesem Besuch. An seine Weigerung, sich auf ein Schachspiel einzulassen. Sonst hat er die Herausforderung nie sausen lassen. Die Depressiun muss tief sitzen... Drake verflucht sich selbst für den Moment der Schwäche. Was soll der Kram? Er ist doch ein Vampir, kein Babysitter. Aber der Gedanke bleibt. Und die stille Hoffnung, dass es besser wird. Die er sich nie eingestehen würde.

Vielleicht hat Rasputin irgendwelche Hinweise auf sein Motiv hinterlassen. Und wer weiß… vielleicht findet er mehr als das. Magische Reichtümer. Schätze! Artefakte! Es darf sich ja auch für ihn selbst lohnen. Dieser Gedanke gibt dem Vampir den nötigen Antrieb, auch diese nervige Suche fortzusetzen. Er flattert an einem Berg vorbei… als ihm plötzlich etwas auffällt. Ein Busch, dicht, und voller Blätter. Normalerweise wäre dies nichts Besonderes. Den Luftzug hätte er fast nicht bemerkt. Aber eben nur fast.

Drake landet, betrachtet den Busch genauer. Die Luft weht hier tatsächlich etwas kälter als sonst. Kaum merklich, und ein Mensch wäre sicher dran vorbei gelaufen, ohne sich etwas dabei zu denken. Doch er als Vampir hat schärfere Sinne als die Menschen. Es ist, als ob der Boden unter diesem Busch nicht die Wärme des restlichen Waldes speichert. Eine natürliche Öffnung? Drake schiebt die Äste des Busches auseinander. „Ein cleverer Zug!“, grinst er, als er einen niedrigen Gang zum Vorschein bringt. „Aber eben nicht clever genug!“ Ein Schimmer der Magie ist noch übrig.. doch Rasputins Abwesenheit sorgt dafür, dass diese sich langsam auflöst und die Tarnung schwindet. Nur die natürliche Tarnung durch den Busch bleibt.



In Fledermausgestalt flattert Drake durch den engen Gang. Ein Mensch würde nur kriechend hier durchpassen. Er stellt sich vor, wie sich Rasputin durchquälen muss, der nicht den Vorteil der kleineren Fledermaus hat… als ihm einfällt, dass der sich ja teleportieren kann. Doch Luftzufuhr ist auch für den Magier wichtig.

Kurz darauf weitet sich der Gang und gibt den Blick auf das Versteck frei. Es ist still hier. Nur sein eigener Atem durchbricht die absolute Stille. Auch für ihn als Vampir ist es in diesem Dunkel unmöglich, etwas zu erkennen. Seine Augen sind lichtempfindlich und der Mond reicht in der Regel aus. Hier unten gibt es jedoch nicht einmal das. Rasputin kannte bestimmt einen praktischen Lichtzauber, der für ihn ausreichte.

Mit einer fließenden Bewegung wird Drake wieder menschlich, zieht sein Smartphone hervor und aktiviert die Taschenlampe. Ein schwacher Lichtschein fällt auf Regale, gefüllt mit verschiedenen gefüllten Phiolen irgendeines Tranks. Er nimmt eine davon in die Hand, dreht sie hin und her. Staub tanzt im Lichtschein seines Smartphones, als hätte seit Ewigkeiten niemand mehr diese Regale berührt.



Kein Plan, wozu der Trank gut sein soll. Es gibt keinerlei Beschriftungen. Und Drake wird sich hüten, davon zu trinken, ohne die Wirkung zu kennen. Rasputins Geheimnisse gehen ihm am Ende doch am Hintern vorbei.
Ein alter Schreibtisch fällt ihm ins Auge, und eine Matratze. Nicht gerade ein Luxusappartment. Aber wer untertauchen möchte, gibt sich damit zufrieden. Drake bricht die Schubladen auf und bringt zwei Bücher zum Vorschein. Er blättert eines auf und sieht vergilbte Seiten mit einer filigranen, eindeutig weiblichen Handschrift. Ein Tagebuch. Und – der Name Amanda sticht ihm ins Auge. .



Er erstarrt und lässt das Buch sinken. Viktors Mutter hieß so. Ist das ihr Buch? Oder stammt es von jemand anderem mit dem selben Namen? Verdammt, das kann warten. Er steckt beide Bücher ein. Soll das Nebelhirn halt selbst schauen, ob sie ihm bei seiner Motivsuche von Nutzen sind. Mit seinen nun an die Dunkelheit gewöhnten Augen durchforstet er weiter den Raum. Die Beute ist mager. Ein Säckchen mit etwas Geld, ein paar Artefakte, goldene Ohrringe. Enttäuschend.



„Na toll, Rasputin. Ich hätte wirklich mehr erwartet!“ Drake sieht sich weiter um. Eine Kiste, die mit „Remy!“ beschriftet ist. Neugierig geworden kommt Drake näher, bricht diese auf… nur um ein undefinierbares Geräte zu finden, dessen Zweck er sich nicht im Traum ausmalen kann. Was auch immer das ist, es interessiert ihn wenig. Ungeduldig stößt Drake mit dem Fuß gegen die Kiste. Wertlos. Immerhin, es war nicht völlig umsonst. Drake streift die Tasche um die Schulter und verschwindet wieder in die Nacht.

>>> Drake geht nach Forgotten Hollow Nr. 4 - Villa Blutrose (21) >>>


 Antworten

 Beitrag melden
01.11.2025 20:00 (zuletzt bearbeitet: 23.11.2025 20:20)
#25
avatar
Bestseller-Schmied

<<< Rin kommt von Brindleton Bay Nr. 16 - Tierauffangstation (3) <<<
<<< Zac kommt von Brindleton Bay Nr. 15 (C) - Wohnung von Aurelia Blutzahn <<<


Charaktere: Rin, Zac
Geschichtsstrang: Gemeinsame Wege



Rin hat es zu Hause nicht mehr ausgehalten. Doch endlich ist ihm ein Durchbruch gelungen: Sein Virus lässt sich nun nicht mehr über die Luft übertragen. Ein Fortschritt, der vieles einfacher macht besonders, wenn er nur noch diesen einen Vampir damit infizieren will.
Er streift durch den Wald, während seine Gedanken unaufhörlich um den Todestag seiner Familie kreisen. Der Sommer neigt sich dem Ende zu; das Licht fällt weich durch das Blätterdach, die Luft riecht nach feuchter Erde und welkendem Grün.
In der Ferne bemerkt er einen fremden Mann, der gemächlich denselben Pfad entlanggeht. Als Rin sieht, wie dem Fremden etwas zu Boden fällt, beschleunigt er seine Schritte. Er hebt die Pflanze auf Mädesüß. Sofort erkennt er den süßlichen Duft und den Wert des Krauts.
"Ihnen ist da etwas heruntergefallen“, sagt Rin und reicht dem Mann die Pflanze, während sich seine Stirn leicht in Falten legt.
"Haben Sie Schmerzen? Dann ist das eine gute Wahl. Mädesüß lindert sie auf erstaunliche Weise.“
Begeistert betrachtet er das Kraut, das sanft in seiner Hand liegt. "Diese Pflanzen wachsen nur an feuchten Stellen an Bächen zum Beispiel. Wo haben Sie sie gefunden?“ fragt er, und sein Blick gleitet neugierig über den Fremden. Ein Teil von ihm würde am liebsten selbst welche pflücken.



Die Wälder von Glimmerbrook sind schon seit unzähligen Generationen bekannt für ihre innewohnende magische Aura, doch nur Wenige wissen, dass dies mehr als ein poetischer Gedanke ist. Nicht umsonst zeigen die hier wachsenden Kräuter eine besonders intensive Wirkung ihrer Eigenschaften. Es ist erstaunlich, dass ihm bisher niemand auf seiner Wanderschaft begegnet ist, findet Yitzhak, denn abgesehen von der Magie ist dieses Fleckchen Erde herausragend ruhig und schön. Die Umgebung atmend, nimmt er den kleinen Pfad, abschüssig des Hauptweges, als er die nahenden Schritte hinter sich bemerkt. Es hat also doch jemanden hierher verschlagen.
In der Hand trägt er den kleinen geflochtenen Korb, augenscheinlich aus dem letzten Jahrhundert, aus dem einige Blüten, Stängel und Blätter hervorlugen. Die Stimme seines zufälligen Verfolgers, von Natur aus kräftig und doch von einer inneren Blockade gedämpft, erreicht ihn, so dass er sich in einer leichten Drehung dem Fremden zuwendet. Zuerst sieht er in dessen eisblauen Augen, nimmt sich die Zeit, ihnen ein herzliches Lächeln zu schenken, ehe er die freie Hand öffnet und die Blume entgegennimmt und sie zu den anderen legt. "Herzlichen Dank.", neigt er sich ein winziges Stück vor, die Hand ruht nun auf seinem Solar Plexus. "Das ist sehr aufmerksam." Eine entspannte Haltung einnehmend, schaut er zu dem in vielerlei Hinsicht auffallendem Mann auf. "Nein, ich habe keine Schmerzen. Aber man tut gut daran, auf einen Ernstfall vorbereitet zu sein." Sein Lächeln ist von so zarter Leichtigkeit, dass es hinter dem Bart nur zu erahnen ist, doch die tiefbraunen Augen zeugen von der Ehrlichkeit der kleinen Geste. "Sie beschäftigen sich offensichtlich mit Kräuterkunde.", nickt er bedächtig. "Ziemlich genau ein Stadion in diese Richtung", die freie Hand deutet an dem Mann vorbei weiter in den Wald, "fließt ein solcher Bach. Verzeihung,", über sich selbst schmunzelnd neigt er den Kopf zur Seite, ehe er den Größeren wieder fokussiert,
"ich wollte sagen, hundertfünzig Meter. Sind Sie auf der Suche nach dieser Art? Ich überlasse Sie Ihnen gern."



Rin hört ihm aufmerksam zu und mustert ihn weiterhin, ohne eine einzige Bewegung des Fremden aus den Augen zu verlieren. Jede Regung, jedes Zucken im Gesicht versucht er zu deuten. Selbst auf den Herzschlag achtet er er verrät Lügner schneller als jedes Wort. Das ist das Einzige, was Rin an seinem Vampirdasein schätzt: Er ist ein wandelnder Lügendetektor. Der Mann wirkt aufrichtig, ungewöhnlich höflich eine Seltenheit in dieser Zeit. Rin nimmt das mit stiller Anerkennung wahr. Als sich der Fremde bedankt, winkt Rin nur ab.
"Nicht der Rede wert“, sagt er knapp, dann fügt er mit einem kaum merklichen Nicken hinzu:
"Das ist vorausschauend. Bewundernswert.“ Er schätzt solche Sim jene, die in die Zukunft denken. Mit denjenigen, die nur im Jetzt leben, kann er wenig anfangen. Für Rin war Zeit nie etwas, das man verschwenden durfte. Auf die nächste Frage nickt er erneut, doch sein Gesicht bleibt reglos, die Augen müde wie immer. "Ich finde die Kraft der Pflanzen faszinierend. Ich habe sie dutzende Male erforscht. Sie offenbar auch?“

"Man kann Jahrzehnte mit einem solchen Studium verbringen, wenn es einem um die Details geht. Und dennoch bewahrt das Leben manche Geheimnisse stets für sich." Yitzhaks Lippen formen eine verzückte Linie, sein Blick ruht vertrauensvoll auf dem Gesicht, das so bemüht ist, nichts von den inneren Schlachten zu verraten. Allein das genügt für die Erkenntnis, dass dieser Mann mit den Verlusten, die ein jedes Leben ereilen, noch lang nicht abgeschlossen hat. Ein Schicksal, das er mit unzähligen Sims teilt - unabhängig von der Spezies. "Wo führt Ihr Weg hin?", fragt er interessiert. "Möglicherweise liegt ein Teil des gemeinsamen Weges vor uns."

Rins Augen leuchten auf ein seltenes, fast vergessenes Aufglimmen. Endlich jemand, der weiß, wovon er spricht, ohne sich in endlosem Gerede zu verlieren. "Korrekt“, sagt er ruhig. "Man lernt nie aus. Und dank der modernen Technik wird es immer leichter, besser zu werden.“
Er zuckt leicht mit den Schultern. "Ich habe keinen bestimmten Weg im Sinn und auch kein Ziel, das mich ruft. Ich kann Sie also begleiten.“
Nun geht er neben dem Fremden her, sein Blick wandert über den Waldboden, suchend nach weiteren kostbaren Pflanzen, die zwischen Moos und Laub verborgen liegen könnten. "Mögen Sie Wissenschaft?“ fragt er schließlich, hebt den Kopf und mustert den Mann aus dem Augenwinkel.
Trotz der vielen Haare wirkt dieser erstaunlich gepflegt fast akribisch. Rin vermutet, dass er dafür viel Zeit aufwendet.



"Mögen ist nicht das richtige Wort.", lenkt Yitzhak ein. "Ich respektiere sie und ihren Fortschritt als einen Teil unseres Daseins. Obgleich sie viel Leid und Verlust brachte, bewundere ich, was durch sie möglich wurde - und werden wird. Wissenschaft ist ebenso vielfältig wie die Simheit, die durch sie positive, wie negative Veränderungen hervorbringt." Seine Aufmerksamkeit bleibt bei einer leuchtend gelben Blüte am Wegesrand haften, die er mit einem Zucken der Mundwinkel quittiert. In die Hocke sinkend streichen seine Finger am Stängel entlang bis zur Erde. Sie wirkt kräftig und stabil. Es ist einen Versuch wert, das 'echte Johanneskraut' mitsamt einem Großteil der Wurzel zu ernten. "Sind Sie ein Freund der Wissenschaft?", fragt er mit fester Stimme und ungebrochenem Interesse, ein Messer vom Hosenbund ziehend, und beginnt mit dessen Spitze zwei Fingerbreit um die Pflanze herum den Boden aufzulockern. Binnen einer Minute gelingt es ihm, sie unversehrt aus der Erde zu ziehen und legt sie andächtig in den Korb. Das Messer streift er am Unterarm ab, bevor er es zurück in die Lederhülle schiebt.

Bei den Worten seines Gegenübers nickt Rin zustimmend. "Die Wissenschaft ist das Faszinierendste, das es für mich gibt. Man kann den kleinsten Fortschritt erzielen und begreift doch nicht einmal einen Bruchteil dessen, wozu sie wirklich fähig ist. Sie fordert uns immer wieder neu heraus, zwingt uns, zu lernen, zu denken, zu zweifeln.“ Ein Schatten huscht über sein Gesicht. "Doch in den falschen Händen wird sie zu einer Waffe. Eine gefährliche vor allem für Sims.“
Er bleibt stehen und hockt sich neben den Fremden, beobachtet aufmerksam, wie dieser die Blume inspiziert. Jeder Handgriff, jede Bewegung zieht seinen Blick an ruhig, präzise, bedacht. Nach einer kurzen Pause richtet Rin sich wieder auf und nickt.
"Den Großteil meines Lebens habe ich im Labor verbracht“, sagt er leise. "Jetzt versuche ich, wieder am Leben teilzunehmen statt mich hinter Reagenzgläsern zu verbergen.“
Er hebt den Kopf, blinzelt gegen das Sonnenlicht, das durch das dichte Blätterdach sticht. "Ich hatte fast vergessen, wie hell die Sonne ist.“ Ein kaum hörbares Seufzen folgt, bevor er den Blick wieder auf den Mann richtet. "Sie sind sehr geschickt“, bemerkt Rin, sein Ton sachlich, aber mit einem Anflug von Anerkennung. "Sie achten darauf, die Pflanze nicht zu beschädigen. Nicht jeder hat ein Händchen dafür.“ Er selbst weiß nur zu gut, wie schwer es ihm manchmal fällt, seine Kraft zu zügeln. Bei dem Fremden wirkt es… mühelos.



Dankend neigt Yitzhak das Haupt. "Ein wenig Erfahrung in Kombination mit etwas Feingefühl.", lächelt er, den Fremden musternd. "Das Licht kann heller scheinen, wenn man sich von dem befreit, was man zu suchen glaubt. Sei es Fortschritt oder Schutz. Beides erlangen wir nur, wenn wir bereit sind zu vertrauen." Langsam hebt er sich in den Stand, um den Weg fortzusetzen. Einige Meter entfernt leuchtet ein weiteres Exemplar der gerade geernteten Pflanze. Es wäre reine Gier, auch dieses an sich zu nehmen, so entscheidet er sich dagegen. Er hat alles, was er benötigt, um seinem neuen Patienten in einigen Wochen etwas Gutes zu tun. Möglicherweise kann die Pflanze am Wegesrand irgendwann einmal einer anderen Seele helfen - selbst wenn sie sich nur an der kräftigen Farbe erfreut.

Rin schweigt einen Moment, lässt die Worte des Fremden in sich nachhallen. Ein Funken Wahrheit steckt darin das kann selbst er nicht leugnen.
Rin beobachtet ihn, den Blick ruhig, doch aufmerksam. Etwas an diesem Mann fasziniert ihn vielleicht seine Haltung, vielleicht die Art, wie er denkt. Es reicht, um in ihm den seltenen Wunsch zu wecken, eine fremde Meinung zu hören. "Was halten Sie von Rache?“ fragt er schließlich, leise, fast beiläufig. Ein kaum merkliches Zucken zieht über seine Lippen, das kein Lächeln ist. "Es ist ein zweischneidiges Schwert, nicht wahr?“ Sein Blick verharrt auf dem Fremden, durchdringend, unbeweglich. Keine Regung in seinem Gesicht, kein Zittern in der Stimme. Nur die müde Ruhe eines Mannes, der die Antwort vermutlich längst kennt sie aber trotzdem hören will.

Einen ruhigen Atemzug lang bewegt Yitzhak die Frage in sich. Seine Mimik bleibt warm, seine Stimme vorurteilsfrei, als er zu einer Antwort ansetzt: "Die Ausübung von Rache kann nur Leid bringen." Er schenkt dem Mann einen intensiven Blick voller Wohlwollen. "Obwohl sie ein Gefühl, wie jedes andere ist und damit ihre Existenz nicht falsch sein kann. Eng verbunden mit Wut, Schmerz und Zorn, konfrontiert sie uns mit Ungerechtigkeit, die uns widerfährt. Doch sie ist der denkbar schlechteste Ratgeber, weil sie starr und eigensinnig agiert." In seinen Augen erstrahlt ungreifbare Tiefe, die von der Überzeugung seiner Worte zeugt. "Sie heilt keine Wunden, sie verhindert deren Heilung. Bei der Bewältigung solch intensiver Gefühle kann nur eines helfen." Eine Pause, um das Gesagte wirken zu lassen. "Verstehen." Ein tiefer Atemzug treibt ihm einen seligen Ausdruck ins Gesicht. Er glaubt fest an das, was er sagt. "Hintergründe, Zusammenhänge - das große Ganze kann oft nur erahnt werden.", lenkt er ein. "Doch schon die vage Idee einer Erklärung kann einer Seele helfen, zu heilen." Die Brauen heben sich in die Stirn. "Rachsucht hat nicht diese Fähigkeit. Aber sie kann den Weg dorthin ebnen." Gedankenversunken hebt er den Blick, als würde er dort seine Worte bestätigt sehen. "Vielleicht ist sie eine Vorbereitung. Der warnende Hinweis darauf, dass der Weg zur Heilung aufreibend sein wird. Doch am Ende ...", ein leichtes Nicken, ein warmes Lächeln, "erreicht man eine Stärke, von der man nicht glaubte, sie zu besitzen. Eine Kraft, die weit über jede flüchtige Genugtuung der Rache hinausgeht."



Rin hört aufmerksam zu, die Stirn leicht angespannt, der Blick fest auf den Mann gerichtet. Kein Muskel in seinem Gesicht regt sich. Er weiß, dass der Fremde recht hat. Schon Vik hatte ihm gesagt, dass Rache nichts hinterlässt nur Leere.
Und doch … soll er dieses Wesen wirklich weiterexistieren lassen? Dieses Geschöpf, das so viele Leben auf dem Gewissen hat? Soll er zusehen, wie es lacht, wie es lebt, während in ihm selbst alles längst tot ist? Die Worte hallen in ihm nach, brennen sich in seine Gedanken. Er hat diesen Gedanken schon oft gewälzt, bis zur Erschöpfung. Doch wie könnte er einem Wesen wie ihr glauben – einer Vampirin, getrieben von Blutsucht, geboren aus Dunkelheit? Einen Augenblick lang, als das Bild vor seinem inneren Auge aufflammt, leuchtet sein Blick auf ein glühendes, zorniges Rot, kalt und schneidend wie Stahl. Dann zwingt er sich zur Ruhe, schließt die Finger zu einer Faust und hebt schließlich den Kopf.
"Manchmal“, sagt er leise, seine Stimme rau, „gibt es keine Heilung. Manchmal stirbt etwas und bleibt tot. Und manchmal gibt es keine Erklärung für eine Gräueltat.“ Er lässt die Worte zwischen ihnen stehen, schwer wie Blei, und denkt über jedes einzelne nach, bis sie sich in ihm festsetzen. Schließlich nickt er kaum merklich. "Ich danke Ihnen für Ihre Ansicht.“ Er weiß, dass er sie nicht vergessen wird. Diese Worte werden in ihm nachhallen, wie alles, was ihn nicht loslässt. Und Rin denkt – er wird sie noch oft genug zerdenken, bis nichts mehr davon übrig bleibt außer der Stille.

Unweit vor ihnen gabelt sich der Weg. Prüfend schaut Yitzhak in den Korb. Je eher er das echte Johanniskraut in die Erde pflanzt, desto kräftiger wird es neue Wurzeln schlagen.
"Nichts bleibt wie es ist.", stellt er den Worten des Weggefährten entgegen. "Aus Tod entsteht immer etwas Neues. Das ist der unabänderliche Werdegang unserer Welt." Die Baumkronen über ihnen spalten sich und geben mehr und mehr Fläche des nachmittäglichen Himmels frei. "Alles ist eins. Auch Gräueltaten gehören dazu." Er richtet das Augenmerk auf die kleinen Hinweisschilder an der Gabelung, deutet den Zweig nach Westen an und verharrt, als sein Begleiter nicht folgt.
Es wird also Zeit, sich zu trennen.
Die bedeutungsschweren Worte liegen nachhaltig zwischen ihnen. Yitzhak kennt diese zermürbenden Zweifel. Das alles hat er vor langer Zeit hinter sich gelassen. "Nur weil wir Erklärungen nicht sehen, ist das kein Beweis für ihre Nonexistenz.", weiß er aus heutiger Sicht. "Es gibt sie. Sie sind wie die Moleküle, aus denen alles in und um uns herum besteht. Sie müssen sich uns nicht beweisen. Dennoch sind sie da." In einer fließenden Bewegung stellt er den Korb neben sich ab und legt, wie zu Beginn ihrer Begegnung, die flache Hand auf seinen Brustkorb und neigt sich leicht vor. "Ich danke Ihnen. Für Ihre Gesellschaft, Ihre Wertschätzung und Ihr Vertrauen. Erlauben Sie mir, Ihnen etwas mitzugeben." Er schließt die Augen, die Hand noch immer am Solar Plexus, wenige Sekunden in sich versunken, um sich zu sammeln. Ein kurzer Moment, in dem er seine innere Energie auf diesen einen Punkt fokussiert, bis die wohlige Wärme sich binnen eines Herzschlags in ihm ausbreitet. Kaum hörbar murmelt er etwas hinter nahezu regungslosen Lippen, ehe seine flache Hand vom eigenen Brustkorb zu seinem Gegenüber fährt, wo sie dicht vor der Berührung verharrt. "Lokah samastah sukhino bhavantu."



Ein ausgedehnter Atemzug vergeht, während angenehme Wärme dem Mann entgegenströmt, um ihn mit tiefgreifender Ruhe zu erfüllen, wie eine strömende Welle aus Sorglosigkeit, und innerem Frieden. Ebenso bedächtig wie zuvor, zieht Yitzhak die Hand zurück an seinen eigenen Körper, wiederholt die unverständlich geflüsterten Laute und schenkt dem Fremden einen herzlichen Blick. Mehr kann er nicht für ihn tun. Wie lange der innere Frieden ihn begleiten wird, vermag er nicht zu beeinflussen. Doch wenigstens die Existenz dessen, was er eines Tages erreichen könnte, sollte der Fremde wahrgenommen haben. Den Korb an sich nehmend nickt Yitzhak ihm ein letztes Mal zu und macht sich auf den Weg zurück nach Chestnut Ridge.


(In Zusammenarbeit mit @Salia )
(Bilder von Salia)


>>> Rin geht nach Strangerville - Rin seine vier Wände >>>
>>> Zac geht nach Sulani Festivalgelände (2) >>>


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!