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Evergreen Harbor
Ort: Untersuchungshaft Evergreen Harbor
Charaktere: Stephen
Geschichtsstrang: Steph kommt raus II
Die Tür zur Zelle öffnet sich mit dem üblichen metallischen Quietschen, gefolgt vom dumpfen Schritt von jemandem mit festen Schuhen und ordentlicher Haltung. Steph hebt den Kopf, stützt sich mit dem Ellbogen auf dem Knie ab und sieht, wie Herr Feller, sein Pflichtverteidiger, eintritt.
„Herr Schmitt“, sagt Feller und nickt knapp, bevor er sich auf den Besucherstuhl setzt, den ein Wärter vorher hineingestellt hat. „Ich habe Neuigkeiten. Und ich vermute, Sie werden sie hören wollen.“
Steph hebt die Braue, versucht sein Herz im Zaum zu halten. Er verzieht das Gesicht zu einem abwertenden Grinsen, doch seine Augen bleiben wach. „Na dann, machs nich so spannend.“
„Das Verfahren gegen Sie wird eingestellt. Vorläufig – mit grosser Wahrscheinlichkeit endgültig. Die Anzeige wurde zurückgezogen, es liegt kein ausreichender Tatverdacht mehr vor, der für eine Anklage reicht.“
Stephs Miene bleibt ausdruckslos. Also ist es durch? Raus? Einfach so?
Innerlich zuckt etwas in ihm, eine Mischung aus Erleichterung, Unglauben – und Misstrauen. War’s das? Hat sie wirklich... weil er ihr seine ganze scheiss Kohle gegeben hat?
„Sie werden voraussichtlich morgen entlassen“, fährt Feller fort. „Es gibt allerdings eine Auflage. Ein Kontaktverbot.“
Steph verzieht den Mund, der Blick bleibt kühl. „War klar.“
Feller nickt langsam. „Ich möchte das unmissverständlich sagen: Wenn Sie gegen dieses Kontaktverbot verstossen, wird das als Verstoss gegen gerichtliche Auflagen gewertet. Das zieht Konsequenzen nach sich – schlimmstenfalls eine neue Inhaftierung oder sogar die Wiederaufnahme des Verfahrens. Sie verstehen das?“
Steph nickt mechanisch. „Jaja, schon klar.“
„Kein Kontakt, keine Nachrichten, keine Treffen – weder direkt noch über Dritte.“
Feller lässt eine Pause. „Und das bringt mich zu einer Sache, die die Ermittler sehr ernst genommen haben.“
Steph schaut jetzt doch direkt zu ihm auf.
„Das Telefonat, das Sie geführt haben. Ihre Formulierung darin wurde als mögliche versuchte Einflussnahme auf das mutmassliche Opfer gewertet. Ein heikler Punkt.“
Stephs Nacken spannt sich. „Gibts deswegen jetz Ärger?“
„Nicht in diesem Verfahren. Es wird dokumentiert, aber nach aktuellem Stand bleibt es bei der Entlassung. Aber ich rate Ihnen dringend, solche Spielchen in Zukunft zu unterlassen.“
Steph lehnt sich zurück. „Hat man Vaas befragt?“, fragt er beiläufig.
Feller zuckt leicht mit den Schultern, der Ton bleibt neutral. „Davon ist auszugehen.“
Steph schaut ihn an, versucht aus dem Gesicht etwas zu lesen. Wenn er was gesagt hätte, würde er ja nicht raus kommen oder? Steph nimmt sich vor, direkt nach der Entlassung sein Versteck zu prüfen.
„Und was ist mit Entschädigung? Ich hab hier gesessen, obwohl nichts war. Krieg ich was dafür oder war das jetzt einfach Pech?“
Feller atmet durch. „Eine Entschädigung für ungerechtfertigte Untersuchungshaft ist grundsätzlich möglich, ja. Sie haben Anspruch auf eine Entschädigung nach Artikel 431 der Simsweltlicher Strafprozessordnung, sofern die Haft sich im Nachhinein als unbegründet herausstellt.“
Stephs Stirn zieht sich zusammen. „Heisst?“
„Heisst: Ich werde einen Antrag auf Entschädigung einreichen. Die Summe wird von der Ortschaft festgelegt. Sie umfasst in der Regel einen Tagessatz von etwa 30 bis 60 Simoleons pro Hafttag – dazu gegebenenfalls eine Entschädigung für Verdienstausfall, sofern nachweisbar.“
Steph schnaubt trocken. „Geil. Reicht für n Sandwich und ne Busfahrt.“
„Gerecht ist es nicht“, sagt Feller ruhig. „Aber es ist das, was das Gesetz hergibt.“
Steph nickt langsam. Er kratzt sich am Kinn, der Blick geht zur Tür. „Morgen also. Schön. Dann kann ich ja wieder anfangen, alles kaputt zu machen.“
Feller steht auf, nimmt den Block. „Oder es lassen.“
Steph grinst schmal. „Ich überlegs mir.“
>>> Stephen geht nach San Sequoia - Haus S. Schmidt (2) >>>
<<< Theo, Julius und Nael kommen von Brindleton Bay Nr. 3 - Haus der Garcias (32) <<<
Charaktere: Theo, Julius, Nael
Geschichtsstrang: Ein letzter Roadtrip
Die Stimmung im Auto ist gelöst, während Theo das Steuer fest in der Hand hält. Musik ist im Hintergrund zu hören und die drei Männer reden und lachen miteinander. Julius lehnt sich entspannt auf dem Rücksitz zurück, während Nael einen Scherz auf seine Kosten macht. "Was meinst du Onkel Theo, wie lange Julius noch Single bleibt?", fragt er grinsend.
"Vielleicht länger als du denkst", antwortet Theo lachend und schaut kurz in den Rückspiegel. "Ich bin sicher, dass er irgendwann die Richtige findet. Aber ob ich das noch erleben werde?" Lachend schaut sein Sohn nach vorn. "Ach, macht euch keine Sorgen um mich. Ich habe Maryama überwunden, das ist schon viel wert … Aber jetzt gehts nicht um mein Liebesleben … Paps wird sich verloben!"
Mit einem Grinsen trinkt Nael einen Schluck aus der Schnapsflasche. "Endlich eine Hochzeit innerhalb der Familie, wo ich erwachsen bin. Aber wer wird meine Plus 1?" Theo lächelt nachdenklich. "Ich bin so glücklich und unfassbar erleichtert, dass es für Euch alle in Ordnung ist. Bärbel war schließlich deine Mutter Julius und ein wichtiges Familienmitglied." Er schluckt kurz und will gerade ansetzen, um das Thema zu wechseln, als ein helles Licht plötzlich den Wagen erfasst. Es ist so grell, dass alle drei reflexartig die Augen zusammenkneifen.
"Was ist das?", fragt Julius panisch. Theo kneift die Lippen zusammen, seine Hände krampfen sich ums Lenkrad. "Keine Ahnung, aber haltet euch fest!" Mit aller Kraft tritt Theo auf die Bremse, das Quietschen der Reifen ist kaum zu überhören.
Der Zusammenstoß ist unvermeidlich. Die Motorhaube wird zusammengefaltet wie Papier. Glas fliegt durch die Luft und das Auto wird zur Seite geschleudert. Die Karosserie des PKWs ist völlig zerstört und ebenso das Leben der drei Männer …

>>> Julius geht nach Windenburg Nr. 18 - Krankenhaus (3) >>>
>>> Nael geht nach Windenburg Nr. 18 - Krankenhaus (3) >>>
<<< Tim kommt von San Myshuno (3) <<<
Charaktere: Tim, Tobias
Geschichtsstrang: Der unausgesprochene Abschied
Gemeinsam mit seinem Vater Tobias räumt Tim die Umzugskisten voll. Bücher, Computerspiele, alles wird sorgsam eingepackt, findet irgendeinen Platz. Tim ist gerade dabei, einen Karton zu verschließen. DEKOZEUGS schreibt er in großen Lettern drauf, bevor er diesen zuklebt. Seine Gedanken schweifen ab. Die Schulzeit an der Brindleton High. Die Mitschüler. Bei den meisten von ihnen war er nicht sonderlich beliebt, aber irgendwie konnte er sich damit arrangieren. Er ist ohnehin eher Einzelgänger. Und ein wenig stolz auf das, was er erreicht hat: „Siehst du, es hat also doch geklappt! Ich wurde an der Uni angenommen!“ Und das mit einem wirklich guten Zeugnis. Ein Teil von ihm fiebert dem Ausland entgegen und dem Studium der Bibliothekswissenschaft.

Tobias ist unbeeindruckt. Er schaut nicht einmal auf, als er seine Antwort gibt: „Hmpf. Das ist ja auch das Mindeste!“ Wortlos schiebt Tobias die gepackten Kisten in den Flur, so dass sie nicht im Weg stehen.

Tims Herz setzt einen Moment aus. All die Jahre, die er gelernt hat... die er um Bestnoten bemüht war, um seinen Vater stolz zu machen. Selbst jetzt, kurz vor seinem Auszug, ist ihm das nicht gelungen. Ist es, weil der Studiengang nicht den Vorstellungen seines Vaters entsprach? In Tim brodelt es. Trauer, Frust, dieses alte, vertraute Gefühl: Nie genug zu sein. Aber er sagt nichts. Stattdessen schluckt er, so wie er es immer getan hat. Er zwingt sich zu einem kurzen, schiefen Lächeln. „Ich packe dann mal weiter.“
Tim schließt die Augen, denkt an seine viel zu früh verstorbene Mutter. Sie wusste, wie man Liebe zeigt. Wie man zuhört. Wie man da ist. Als sie noch lebte, war Tobias noch nicht ganz so hart. Irgendetwas muss ihr Tod in ihm zerstört haben. Oder war sein Vater schon immer so und er war noch zu jung, sich richtig daran zu erinnern? Tim muss sich eingestehen, dass er das nicht weiß. Nur eines ist ihm klar: Jetzt beginnt ein Neuanfang für ihn.
Die letzten Kisten werden eingeräumt und Tim lässt seinen Blick durch das nun mittlerweile leere Zimmer streifen. Auch der Möbelwagen ist mittlerweile angekommen.
Schließlich ist alles verstaut. Tobias begleitet seinen Sohn vor die Tür, sieht ihn lange schweigend an. Tim nähert sich ihm, abwartend. Doch die erhoffte Umarmung zum Abschied bleibt aus. „Ich meld mich dann, wenn ich angekommen bin!“, ruft er seinem Vater noch zu, dreht sich um und steigt in den Umzugswagen, der ihn zu seiner neuen Heimat bringt. Als Tim zurück blickt, steht sein Vater immer noch vor der Tür, mit verschränkten Armen.

Vielleicht ganz gut, dass er jetzt schon vor Semesterbeginn einen Platz gefunden hat. Eigentlich sind noch Ferien. Die WG wird sicher nicht so luxuriös sein wie die Villa seiner Familie. Aber wenigstens ist er frei von den Erwartungen seines Vaters, die er ohnehin nicht erfüllen kann.
Letzter Post für Tim
<<< Jarred kommt von Brindleton Bay Nr. 1 - Altersheim Shady Pines (9) <<<
<<< Avaluna kommt von Brindleton Bay Nr. 1 - Altersheim Shady Pines (9) <<<
Charaktere Jarred, Avaluna
Geschichtsstrang: Smaragd trifft auf Bernstein Teil 2
Mit einem gleichbleibend rhythmischen Grollen fährt das Motorrad in den Hafen Evergreen Harbors ein. Schon während Jarred die Maschine am Pier entlangrollen lässt, erblickt er Trudy - das Hausboot Avalunas. Wie sie es beschrieben hatte, ankert die schwimmende Unterkunft in dem gräulichen Gewässer und wirkt so Fehl am Platz, wie blühender Schmetterlingsflieder zwischen den Wolkenkratzern der amerikanischen Großstädte. Gebannt von der Ambivalenz des Anblicks stellt er die Maschine ab und richtet sich auf - Avaluna entgegen, die dicht hinter ihm sitzend noch immer ihre Körperwärme versprüht.
"Das ist unglaublich schön.", hört er sich leise sagen, als er den Helm vom Kopf zieht. Erst nachdem sie absteigt, tut er es ihr gleich. "Warum bist du nach Evergreen gekommen?", fragt er, sich erinnernd, dass sie noch vor weniger als einer Stunde kaum ein gutes Wort für diese Stadt übrig hatte.
Sie grinst breit.
"Nicht wahr? Das alte Mädchen hat eben seinen ganz eigenen Charme – genau so sehe ich das auch.“
Langsam zieht sie den Helm vom Kopf, fährt sich mit einer lässigen Bewegung durch ihre Dreads und tritt den schmalen Steg entlang, der direkt zu dem kleinen Hausboot führt.
"Ich bin wegen meiner Oma hier“, sagt sie, während ihre Schritte leise auf den Holzbrettern knarren. "Das Pflegepersonal hat sich Sorgen gemacht. Ich habe schon einen Termin beim Neurologen organisiert, damit geprüft wird, wie weit die Demenz fortgeschritten ist.“
Kurz hält sie inne, und für einen Moment wirkt sie stiller, fast verletzlich. "Manchmal ist sie noch ganz klar im Kopf… aber dann vergisst sie plötzlich wieder meinen Namen.“ Ein leiser Seufzer entweicht ihren Lippen, und ihr Blick senkt sich gedämpft, als läge ein Schatten auf ihm.
Doch nur Sekunden später hellt sich ihre Miene wieder auf. Sie strahlt ihn an, als wolle sie die Schwere des Themas sofort wieder verscheuchen.
"Also? Möchtest du etwas trinken? Ich hab alles da – von Bier bis hin zu O-Saft. Hau einfach raus!“
Verstehend nickt Jarred in sich hinein. Er kennt diese Momente - wenn seine Mutter nach Deborah fragt, als wäre es gestern gewesen, dass sie alle gemeinsam an einem Tisch saßen. Jedes Mal fährt ihm eine Gänsehaut über die Glieder.
"Saft ist hervorragend, danke." Interessiert tasten seine Augen die Räumlichkeiten ab. Die liebevollen Details entgehen ihm nicht. Freundlich-helle, feminine Eleganz empfängt ihn. Es muss herrlich sein, so zu leben. Frei und ungebunden zu sein und dennoch einen kleinen Platz zu haben, an dem man das Gefühl von Angekommen-Sein genießen kann. Vielleicht, eines Tages, wenn seine Mutter nicht mehr ist, ... "Wir sollten dankbar sein für jeden Tag, den wir mit unseren Lieben in Gesundheit verbringen dürfen." Seine Stimme ist sanft und voller Wärme. Ein bedächtiges Lächeln legt sich auf sein Gesicht, die Augen leuchten, als Avaluna ihm das Getränk reicht.
Sie nickt lächelnd, öffnet den knarrenden Kühlschrank und holt eine große Glasflasche hervor. Mit einem sanften Klirren stellt sie sie samt Glas vor ihm ab. Das Leuchten in seinen Augen, als er das Getränk erblickt, entgeht ihr nicht. Für einen flüchtigen Moment bleibt ihr Blick an ihnen hängen – diesem wunderschönen Grün, das sie auf eine beinahe magische Weise fesselt.
Nur widerwillig reißt Ava sich los, greift nach einem weiteren Glas und schenkt sich selbst Wasser ein. Sie nimmt einen kräftigen Schluck, als wolle sie sich damit sammeln. Seine warmen Worte lassen sie erneut lächeln, und sie nickt zustimmend.
"Ja, du hast vollkommen recht“, sagt sie leise. "Jeder Tag ist ein Geschenk. Ein Neuanfang – die Chance, endlich das zu tun, was man schon immer wollte."
Einen Augenblick lang herrscht Stille zwischen ihnen, dicht und voller unausgesprochener Gedanken. Dann hebt sie den Blick und ihre Stimme bekommt einen lebendigeren Klang:
"Wenn du soweit bist, zeige ich dir den Motor."
Was man schon immer wollte. Die Worte haften sich an seinen Nacken wie Kaugummi im Haar. Wenn es doch nur so einfach wäre.
"Natürlich, es kann los gehen.", nickt er, ehe er zwei Schlucke nimmt. Herrlich erfrischend. Im Ansatz, ihr durch die Küche zu folgen, zückt er das Handy aus der Hosentasche. Alma hat sich noch immer nicht gemeldet. Seinem Gesicht ist nicht anzusehen, dass die Sorge für einen Moment durch seine Gedanken schießt. Das sanfte Lächeln ist seiner Mimik so vehement antrainiert, dass es seinen Ausdruck nur selten verlässt. Doch im Inneren kreisen die Fragen in immer wiederkehrende Muster - Kommt sie zurecht? Hätte er sie begleiten sollen? Ist er genug für sie und ihre Familie da? Oder könnte er mehr tun?
"Wie haben du und Trudy zusammengefunden?", fragt er - aus ehrlichem Interesse, aber auch um sich von diesem einen Thema abzulenken, das ihn seit Wochen begleitet, wie ein giftiger Schatten.
"Pass lieber auf in der Küche,“ sagt sie mit einem leichten Schmunzeln. "Man stößt sich hier schneller, als man denkt.“
Mit einer beiläufigen Geste weist Ava den Weg und führt ihn hinaus auf das Deck. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel, die stickige Luft liegt wie ein schwerer Schleier auf der Haut und Lunge. Jarreds neugierige Frage bringt sie zum Lachen, hell und frei. "Das war eigentlich ziemlich ulkig,“ beginnt sie, während sie eine Strähne aus der Stirn streicht. "Ich hab damals mit einem Kumpel einen Jolly geraucht. Es war sein Boot – und er war felsenfest überzeugt, er könne mich unter den Tisch trinken. Er hielt mich für ein zartes Püppchen, völlig wehrlos. Also haben wir gewettet… um die Lady.“ Ihre Augen funkeln, als sie spricht. "Tja, er hat jämmerlich verloren und musste seinen Wetteinsatz lachend herausrücken. Besonders gehangen hat sein Herz ohnehin nicht an der alten Lady.“Während sie erzählt, strahlt Ava förmlich. Man sieht ihr an, wie lebendig die Erinnerung in ihr nachhallt. Fast spielerisch springt sie auf das Geländer, setzt sich mit fließender Bewegung darauf und zündet sich eine Zigarette an. Der Rauch kringelt sich träge in der heißen Luft, während sie Jarred mit einem neugierigen Blick mustert.
"Sag mal,“ sagt sie, die Zigarette zwischen den Fingern, "solltest du nicht lieber dein Hemd ausziehen? Deine Sachen sehen wirklich ziemlich fein aus. Wäre doch schade, wenn Motoröl oder so was darauf landet.“ Sie nimmt einen Zug, bläst den Rauch langsam aus und lässt ihren Blick weiterhin auf ihm ruhen. In ihrem Inneren regt sich ein stilles, prickelndes Gedankenflüstern – sie fragt sich, ob er ohne Hemd genauso gut aussieht, wie er sich anfühlt.
Belustigt hebt sich Jarreds Mundwinkel zu einem schiefen Grinsen. "Führst du diesen jugendlichen Lebensstil heute auch noch? Oder wie lange ist liegt diese Geschichte zurück?"
Mit einer angehobenen Braue schaut Jarred an sich herunter. Der Gedanke ist gut. "Sehr aufmerksam von dir.", nickt er, der Ausdruck unschuldig wie der eines wohlerzogenen Kindes. "Hast du Werkzeug?" Zuerst den linken Knopf des Ärmels öffnend, dann den rechten, betrachtet er das Motorengehäuse. Im Grunde hat er keine Ahnung von solchen Dingen. Von der Begeisterung für technische Spielereien hat er deutlich weniger in sein Wesen übernommen, als seine Brüder. Im Gegensatz zu ihm hatten sie einen Teil ihrer Jugend mit ihrem Vater in dessen Garage verbracht. Als der jüngste Spross der Familie hatte Jarred dazu kaum Gelegenheit gehabt, bevor die Familie auseinander riss.
Die Krawatte ist mit einem routinierten Fingerzug gelöst. Suchend schaut Jarred sich um, erblickt die kleine Sitzecke nur zwei Schritte entfernt und hängt das Stück Stoff über die Armlehnen, ehe er sich der Knopfreihe des Torso widmet und mehr und mehr das weiße Unterhemd frei legt. Die definierten Muskeln seines glatt rasierten Oberkörpers zeichnen sich gut sichtbar durch den dünnen Baumwollstoff ab, während er unaufgeregt das Hemd aus dem Hosenbund zieht und schließlich über die Arme abstreift. Es ist unübersehbar, dass er regelmäßig und gewissenhaft Sport treibt - und sich dabei in keinster Weise um Eitelkeiten zu kümmern scheint. Gewissenhaft schüttelt er das Hemd zwei Mal aus, um es möglichst knitterfrei über die Rückenlehne des Stuhls zu drapieren. "Ziemlich warm heute.", stellt er beiläufig fest, als sich die aufgeheizte Luft augenblicklich auf seine Haut legt und ihn wie eine Decke einzulullen scheint.
"Da sollte alles drin sein, was du brauchst.“
Ein Kompliment liegt ihr schon auf der Zunge, doch sie verbeißt es sich, kneift stattdessen die Augen gegen die flirrende Hitze zusammen und blinzelt in die Sonne. "Oh ja… und wie! Ich weiß genau, wo wir Abkühlung finden.“
Ihr Lachen klingt frei und herausfordernd, als sie den Schlauch von der Bordwand greift und das Wasser aufdreht. Mit einem schelmischen Funkeln in den Augen ruft sie:
"Na, bereit für eine Abkühlung?“
Doch noch bevor Jarred reagieren kann, zielt sie und spritzt ihn ohne Vorwarnung mit einem kräftigen Strahl nass.
Im ersten Moment überrascht, wendet er sich lachend halb herum. Der Oberkörper neigt sich schützend herunter, so dass der Wasserstrahl von der Schulter den äußeren Rippenbogen entlangstreift und eine peitschende Spur auf der nackten Haut hinterlässt. Eine geschmeidige - fast tänzerisch anmutende Bewegung führt ihn in einem Halbkreis ausweichend an Avalunas Seite, so dass er plötzlich dicht neben ihr steht. Seine Hand greift nach ihrem Unterarm, die Berührung ist fest und sanft zugleich und obwohl er kaum Kraft aufbringen muss, um ihren Angriff abzulenken, unterliegt sie seiner Stärke um ein Vielfaches. Sofort ist klar: Sie hat keine Chance.
Der Wasserstrahl schlägt seitlich aus und trifft auf die Sitzgruppe, wo Jarreds Kleidung auf dem Stuhl binnen eines Wimpernschlags durchnässt wird. "Das war hinterhältig.", sagt er beherrscht. Doch die Grübchen und ein amüsierter Schalk in den Augen verraten ihn, als er zu ihr heruntersieht - noch immer ihr Handgelenk fest im Griff.
Sein Lachen gefällt ihr – es klingt fast wie Musik in ihren Ohren. Jede seiner geschmeidigen Bewegungen fesselt sie, als würde er tanzen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ava kann kaum begreifen, wie ein so stattlicher, kraftvoll gebauter Mann zugleich solch leichte, verspielte Moves draufhaben kann.
Als er näherkommt, erreicht sie erneut sein Geruch – derselbe, den sie schon auf dem Motorrad an ihm wahrgenommen hat. Er ist intensiv aber nicht aufdringlich und gefällt ihr mehr, als sie es sich eigentlich eingestehen will. Sein spielerischer Angriff entlockt ihr ein helles Lachen, das von der Hitze der Luft zerrissen und doch von ihm getragen wird.
Dann hebt sie den Blick – und findet sich in seinen Augen wieder. Zum ersten Mal sieht sie sie aus solcher Nähe. Das Grün darin wirkt jetzt noch tiefer, noch schöner, so intensiv, dass sie sich fast darin verliert. Für einen Moment verfällt sie einer Trance, bis seine Worte sie wie ein warmer Stoß aus ihren Gedanken reißen. Sie lacht erneut auf, leicht atemlos.
Dass der Wasserstrahl die Sitzpolster der Ecke durchnässt, bemerkt sie gar nicht. "Vielleicht ein bisschen,“ gibt sie schließlich zu, noch immer schmunzelnd. "Aber für dein Lachen hat es sich gelohnt.“
Ihr Blick bleibt an ihm haften – an diesem Ausdruck in seinen Augen, der ihr noch besser gefällt als alles andere, was sie bisher von ihm gesehen hat. Gefesselt von diesem Moment rührt sie sich nicht, macht keinerlei Anstalten, sich seinem Griff zu entziehen. Es ist, als wolle sie gar nicht, dass er sie loslässt.
Sein Adamsapfel hüpft unter der Haut, als er trocken schluckt. Diese Leichtigkeit, die sie in den Moment bringt, ist beinahe betörend. Wie mit einem Donnerschlag wird ihm die Erkenntnis in den Hinterkopf geschlagen: Er vermisst sie so sehr, dass es schmerzt - die Leichtigkeit, die er anfangs mit Alma hatte. Die sie aufgrund der Ereignisse verlor - oder begann es schon vorher? Niemals würde ihm in den Sinn kommen, ihr deswegen Vorhaltungen zu machen. Aber in diesem Moment spürt er ganz deutlich, dass er die Leichtigkeit braucht, beinahe wie die Luft zum Atmen. Er liebt Alma so sehr. Und er ist dabei, daran zu ersticken.
Unendliche Sekunden ist er wie gefangen in dem Anblick der bernsteinfarbenen Augen dieser Frau. Ein Sim, den er bis vor einer Stunde nicht einmal kannte. Und doch ist es, als würden ihre Blicke sich ineinander verweben, sehnsüchtig halten und einander nicht loslassen wollen. Klangvoll atmet Jarred durch halb geöffnete Lippen aus, sein Herz pumpt zunehmend gegen den Brustkorb polternd. "Ich ..." der Griff seiner Hand löst sich, als seine Finger zart über ihre Haut streichend, über das Gelenk gleiten, ihren Handrücken entlang, bis er ihr schließlich den Schlauch entnimmt, "... sollte mir jetzt ... den Motor mal ansehen." Bedauern schwingt in seinen Worten mit. Doch er weiß, dass nur der Schritt zurück der Richtige sein kann. Selbst wenn er nicht in einer Beziehung wäre, ... Sein Ausdruck neutralisiert sich. Für manche Sims sind die Dinge eben nicht so einfach. Wieder in der Welt von Vernunft und Verantwortung angekommen, macht er einen Schritt seitwärts, wo er das Wasser abdreht und den Schlauch sorgsam aufrollend an der Halterung befestigt.
Diese Sekunden fühlen sich für Ava an wie ein Augenblick, den sie so lange nicht mehr erlebt hat – und den sie eigentlich nie wieder fühlen wollte. Doch in diesem Moment verdrängt etwas ihre Angst. Diese Augen vor ihr… sie haben eine Tiefe, die sie so noch nie gespürt hat.
Unwillkürlich gleiten ihre Blicke zu seinen Lippen, ehe er sich von ihr löst. Der leise Unterton des Bedauerns, der darin mitschwingt, trifft sie wie ein Spiegel. Sie spürt ihn genauso.
"Ja… deswegen bist du hier…“ murmelt sie fast unhörbar, mehr zu sich selbst als zu ihm. Erst jetzt begreift sie, was sie gerade gewollt hat. Etwas, das sie sich geschworen hatte, nie wieder zuzulassen – nicht nach dieser Beziehung, die sich wie ein Gefängnis angefühlt hatte, statt wie Liebe.
Ein Schauer läuft ihr über den Rücken. Die alte Angst schiebt sich zurück in ihr Bewusstsein, die Furcht, er könnte in ihr etwas wecken, was sie längst verbannt glaubte. Beruhig dich… er hat eine Freundin… du wirst dich schon nicht Hals über Kopf in ihn verknallen. Er schaut sich den Motor an, und dann… dann sehen wir uns sowieso nie wieder.
Wie versteinert steht sie da, unfähig, sich zu rühren. Erst als sie einen Schritt zurückweicht und sich am Geländer festhält, fällt ihr Blick auf sein Hemd – durchnässt, klebend am Stoff.
"Oh, Jarred! Dein Hemd… das tut mir wirklich leid.“
Die Fürsorge kommt ihr wie ein rettender Ausweg vor, eine Ablenkung von der Wucht ihrer Gefühle. Hastig greift sie nach dem Kleidungsstück, trägt es ins Innere und lässt Wasser in die Waschwanne laufen. Mit schnellen, fast mechanischen Bewegungen wäscht sie es mit der Hand, bevor sie es draußen zum Trocknen aufhängt.
ist eine willkommene Beschäftigung, eine Ausflucht aus der Situation, die sie noch immer aus dem Gleichgewicht bringt. Zu tief sitzt das Trauma, das ihr Ex hinterlassen hat – wie eine Narbe, die auch nach all den Jahren nicht verblasst.
Verstohlen folgt sein Blick ihr, als sie im Inneren der Kajüte verschwindet. Stumm wälzt sich ein tiefes Seufzen durch seine Eingeweide. Was war das gerade? Geht sein Temperament mit ihm durch? Ist er so verzweifelt auf der Suche nach Zuneigung, dass die Abenteuerlust einer fremden Person ihn derart mitreißt? Die vergangenen Wochen an Almas Seite waren durchzogen von erotisch aufgeladener Verwirrung und emotionaler Instabilität. Hat ihr Bedürfnis nach Trost und Nähe sie an manchen Tagen in wollüstige Rauschzustände getrieben, ertrug sie es an anderen nicht, auch nur angefasst zu werden. Und Jarred? Immer bemüht, ein fürsorglicher Gefährte zu sein, nahm er nicht wahr, wie sehr ihn die ständigen Stimmungswechsel seiner Freundin nachhaltig aufwühlten und irritierten. Er lernte schnell, Alma jeden Tag neu so anzunehmen, wie sie es gerade braucht - ohne dabei auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten. 'Es klingt, als würdest du sehr viel Rücksicht nehmen.' Avalunas Worte wehen ihm durch die Gedanken, wie der Wind durch ihr Haar. 'Aber man darf auch mal egoistisch sein. Wenigstens für ein paar Stunden.'
Jarred schließt die Augen, atmet tief ein, hält die warme Luft für einige Sekunden in seinem Brustkorb, ehe er sie langsam durch gespitzte Lippen wieder entlässt. Bewusst zu atmen, zu sein, sortiert seine Gedanken, fokussiert ihn auf seine innere Stärke. Energie bündeln. Wie beim Karate.
Avaluna ist ein aufregender Sim. Sie versprüht Freude am Leben, Lust an der Leidenschaft und jugendlicher Konsequenzlosigkeit. Das ist es, was ihren Reiz ausmacht. Eine Ablenkung von der grauen Tristesse, in die Jarred hineingezogen wurde. Sich mit ihr in ein Abenteuer zu stürzen, würde einen Nachmittag mit Spannung und Leben füllen, aber seine Probleme nur verschlimmern. Das ist es auf keinen Fall wert. Alma hat es verdient, mit Respekt und Güte behandelt zu werden - ebenso wie ihre Familie. Diese Sims sind ihm wichtig. Er wird sie nicht verletzen.
Mit einem zarten, geerdeten Lächeln im Gesicht öffnet er die Augen. Ein weiterer tiefer Atemzug streckt seinen Oberkörper. Entschlossen, das zu tun, wofür er her kam - und nichts Anderes - kniet er herunter zu dem Werkzeugkasten, öffnet den schweren Deckel und durchforstet den Inhalt. Schnell liegt ihm ein Schraubendreher in der Hand, mit dem er die Motorverkleidung in wenigen Handgriffen entfernt, um sich das Innere des künstlichen Herzens anzusehen. Mit gebündelter Aufmerksamkeit fürs Detail erkennt er einzelne Bauteile wie Filter, Tank, Batterie, Sicherungen, Flansch. Es ist ähnlich, wie bei dem alten Dodge, den er vor einigen Jahren besaß - in abgespeckter Variante. Der Filter könnte eine Reinigung vertragen, eine der Sicherungen zeigt deutliche Symptome eines Wackelkontaktes, die Verkabelung zur Batterie ist porös. Das wird es sein. Die durchbrochene Mantelisolierung an sich ist nicht ideal, aber kein großes Problem. Doch mit den einzelnen Drahtsträngen, die an der Unterseite aus dem Bruch herauslugen, kann die Maschine nicht laufen. Das Kabel muss erneuert werden.
"Ava, komm mal her." mit einem ausgestreckten Arm winkt er Avaluna zu sich heran, als sie das gewaschene Hemd in die Sonne hängt. "Ich denke, ich hab das Problem gefunden.", leitet er seine Berichterstattung ein - frei von jeder emotionalen Spannung, die zuvor noch zwischen ihnen lag.
Avaluna hängt das Hemd auf, langsam, beinahe bedächtig. Der Stoff gleitet durch ihre Finger, doch ihre Aufmerksamkeit gehört längst nicht mehr der Wäsche. Immer wieder schweift ihr Blick zu ihm hinüber. Nur flüchtig, nur so, als wolle sie sicherstellen, dass er dem Motor tatsächlich näherkommt. Aber in Wahrheit sind es nicht nur seine Hände, die sie beobachten – es ist die Art, wie er sich überbeugt, wie sein Stirnrunzeln verrät, dass er ganz in die Aufgabe vertieft ist. Ein seltsames Ziehen regt sich in ihrer Brust. Mit einem Mal spürt sie den Wunsch, einfach nach Hause zu fahren. Zu fliehen, bevor dieser Moment in ihr etwas zum Klingen bringt, das sie nicht hören will. Das flüchtige Lächeln, das eben noch auf ihren Lippen lag, verflüchtigt sich. Ihr Gesicht wird ernst, ihr Herz schwer.
Als er sie schließlich zu sich ruft, schreckt sie auf. Ihre Schritte sind langsam, fast widerwillig, als würde sie gegen einen unsichtbaren Widerstand ankämpfen. Der Abstand, den sie zwischen sich und ihn hält, ist deutlich – eine unsichtbare Mauer, die sie mit sich trägt. Sie bemüht sich, nichts anmerken zu lassen, doch innerlich rauscht es in ihr wie ein Sturm.
Sie will keine Erklärung, keine falsche Hoffnung. In ihren Gedanken ist alles längst entschieden: Für ihn war das eben kein magischer Moment, kein Knistern in der Luft. Nur sie allein hat es gespürt, nur in ihrem Kopf hat sich diese kleine Szene abgespielt, die sie so viel mehr fühlen ließ, als sie sollte.
Ich sollte eindeutig weniger rauchen, schießt es ihr durch den Kopf.
Als sie schließlich neben ihm steht, zaubert sie ein gespieltes Lächeln auf die Lippen – routiniert, fast elegant. Doch dann, als er sich aufrichtet, ihr Augen und mit einem kleinen Triumph in der Stimme verkündet, dass er den Fehler am Motor gefunden hat, geschieht etwas Unerwartetes. Ihr Lächeln kippt, löst sich von der Maske und wird echt, warm, voller Erleichterung.
"Das ist ja großartig!“, entfährt es ihr, und in ihrer Stimme liegt mehr Begeisterung, als sie zugeben möchte. "Dann kann ich ja bald nach Hause fahren! Also, sag schon – woran lag’s? Kannst du es gleich beheben?“
In ihren Augen flammt Hoffnung auf – ein helles, unruhiges Funkeln, das sie nicht mehr verstecken kann
Sein Blick trifft ihren und wieder rammt sie ihm ein Gefühl von Wärme in den Brustkorb. Auf ihre Wirkung vorbereitet, gelingt es Jarred, den Reiz ihrer Ausstrahlung in sich aufzunehmen, ohne daran zu verbrennen. Stattdessen genießt er ihre Anwesenheit in vollen Zügen.
"Wir müssen ein neues Kabel besorgen." Seine Stimme ist gedämpft, entspannt und ausgeglichen. "Das hier ist aufgeschlissen." Mit einem Ruck entfernt er das Kabel aus dem Motorraum, um es ihr zu zeigen. "Möglicherweise hat jemand daran geknabbert.", folgt er seinen Gedankengängen vernehmbar. "Du hast dieses Ding doch nicht mit Spaghetti verwechselt?!" Schelmisch blitzt es in seinen Augen auf - nur eine Sekunde, bis er wieder zum Pragmatismus zurück kehrt. "Ich kann dir sowas besorgen. Aber das wird natürlich heute nichts. Es ist Sonntag. Morgen vielleicht." Im Geist geht er die anstehenden Termine durch. Wenn er vor der Schicht im Laden vorbeischaut ... Dann schafft er es nicht mehr, das Ding am selben Tag einzubauen. Seufzend reibt er sich die in Falten gelegte Stirn. "Mit etwas Glück kann ich am Dienstag zwei Stunden frei schaufeln. Dann kann ich es dir einbauen. Aber ehrlicherweise ...", klangvoll atmet er mit einem entschuldigenden Lächeln aus, "kann ich mich jetzt nicht festlegen. Vielleicht klappt es auch erst Ende der Woche." Er kniet sich vor ihr herunter, um den Schraubendreher zurückzulegen. "Ich verstehe es, wenn dir das zu lang dauert. Immerhin ..." mit einem Schmunzeln im Gesicht, irgendwo zwischen Freundlichkeit und frechem Charme, richtet er sich wieder auf, "ist das hier nicht gerade dein Lieblingsort. Ein bezahlter Handwerker macht es dir vermutlich schon morgen. Wenn du ihm gleich sagst, was du brauchst." Erst als er den Satz beendet, wird ihm die zweideutige Formulierung klar.
Schmunzelnd schließt er die Augen für einen kurzen Atemzug. "Ich meinte ...", verlegen mischt sich ein leises Lachen unter die Worte, ehe er die Augen wieder öffnet und sie ansieht, "das Kabel. Du verstehst."
Sie sieht ihn direkt an, verliert sich für einen Moment in seinen Augen – und doch klammert sie sich daran, standhaft zu bleiben. Der Schock von eben sitzt noch tief, wie ein Stachel, der sie zwingt, sich zu beherrschen. Ihr Gesicht wird ernst, die Gedanken rasen. Zahlen wirbeln in ihrem Kopf: "Was würde die Reparatur kosten?"
Erst vor Kurzem hat sie all ihre Ersparnisse in die neue Maschine gesteckt, und nun steht sie ohne einen Cent da. Blank. Eigentlich wollte sie das Festival nicht nutzen, um zu dealen, aber welche Wahl bleibt ihr noch? Einen Moment lang schweigt sie, ganz gefangen in Rechnungen und Möglichkeiten. Woher könnte sie jetzt Geld bekommen? Da taucht plötzlich ein Bild in ihrem Kopf auf – das Autorennen. Doch wie sollte sie von hier aus bis nach San kommen?
Ein Hauch von Verzweiflung legt sich über sie, eng, erstickend. Gefesselt an diesen Ort, der ihr den Atem raubt. Doch es ist nicht nur der Ort, der sie so atemlos macht … Für einen Herzschlag lang heftet sie ihren Blick fester an Jarred, als könne sie dort Halt finden. Dann löst sie sich davon, lacht auf über seinen kleinen Witz mit den Spaghetti.
"Sicher,“ neckt sie und zwinkert spielerisch, "manchmal ist das Geld eben knapp, dann knabbert man halt an dem, was man gerade hat.“ Ihr Blick wird heller, fast verspielt. "Sag mal … kannst du das wirklich reparieren? Oder wird es mich ein Vermögen kosten? Ich kann warten, auch wenn es eine Woche dauert. Ich muss sowieso erst Geld organisieren.“
Als er die Handwerker erwähnt, hebt sie amüsiert eine Braue. "Ach ja? Und sind die Handwerker hier genauso ein Augenschmaus?“ Sie zwinkert erneut, lacht dann, als er sich verteidigt.
"Natürlich – das Kabel!“ ruft sie, und ihr Lachen mischt sich mit seinem, bis die Schwere für einen Augenblick von ihr abfällt. Der Moment ist leicht, fast unbeschwert.
Doch dann wird ihre Miene wieder ernst. "Meine Oma hat morgen Geburtstag – es ist also alles gut. Ich kann warten. Vielleicht finde ich hier ja einen Sommerjob. In den Ferien hat man ja Glück.“ Sie atmet tief ein, wirkt für einen Moment ganz still. "Ich weiß sonst wirklich nicht, wie ich mir das leisten soll. Und du sollst es auch nicht umsonst machen.“
Sanft hebt sie die Hand und legt ihm den Zeigefinger auf die Lippen. Ihre Stimme wird weich, fast verschwörerisch. "Und komm mir jetzt bloß nicht mit ‚Ein Lächeln reicht‘ oder ‚Ein Dankeschön genügt‘.“ Ein schelmisches Funkeln huscht durch ihre Augen. "Ich akzeptiere keine Ausreden.“
Jarreds Schultern ziehen leicht an, der Kopf pendelt seicht von links nach rechts. "Ich hab keine Ahnung, was sowas kostet." Eine Hand wischt über die Stirn. "Vielleicht an der Grenze zum dreistelligen Bereich? Das ist nur eine Schätzung. Ich bewege mich normalerweise nicht in dieser Materie."
Schamhaft versucht er sich gegen ein verlegenes Lachen zu wehren, als das Wort 'Augenschmaus' fällt. Mit ihrem Blick im Nacken wendet er sich dem Motor zu, um das Gehäuse wieder zu schließen. Etwas mit den Händen tun zu können, gibt ihm das Gefühl von Sicherheit. Knackend rastet die Kante in die Halterungen ein. Gerade will er gegen ihr Entlohnungsangebot protestieren, da legt sich schon ihr Finger auf seine Lippen. Sein Herz setzt einen Schlag aus, seine Augen sehen sie flehend an - nicht erkennbar, ob es um das Geld oder die Berührung geht. Seine Hand legt sich an ihre, um sie mit sanfter Bestimmtheit sinken zu lassen. "Wir finden eine Lösung.", sagt er leise. Es klingt wie das Versprechen, dass ihre Situation ihm nicht egal ist.
Sie nickt verständnisvoll. Natürlich – er ist kein Mechaniker, das weiß sie. "Ja, das wäre gut möglich“, murmelt sie, ihre Stimme weich, doch in den Augen blitzt ein Schimmer von Zuversicht. "Aber Trudy ist mir jeden Cent wert.“
Mit einem leisen Schmunzeln beobachtet sie, wie er die Klappe des Motors schließt. Seine warmen Worte hallen in ihr nach, geben ihr den Mut, die Situation wieder in den Griff zu bekommen. Zum ersten Mal seit Stunden fühlt sie sich nicht ganz so verloren. "Danke, Jarred … wirklich“, sagt sie, und in ihrem Ton liegt eine ehrliche Wärme.
Kurz wandert ihr Blick zu dem Hemd, das in der Sonne hängt, dann wieder zurück zu ihm. "Also … bei der Hitze wird es schnell trocken sein. Der Stoff ist ja dünn.“ Sie wiegt den Kopf leicht zur Seite, ein schelmisches Funkeln in ihren Augen. "Aber sag mal … darf ich dich zum Essen einladen?“
Ein Lächeln huscht über ihre Lippen, und frech fügt sie hinzu: „Ich könnte uns etwas kochen – nichts allzu Kalorienreiches … man muss ja auf deine Muskeln achten.“ Mit einem breiten Grinsen tippt sie auf seinen Arm, als wolle sie ihre Neckerei unterstreichen. "Oder…“ Sie zieht das Wort in die Länge, als würde sie eine kleine Pause für Dramatik machen. "Vielleicht doch lieber eine Pizza bestellen?
"Das ist doch nichts.", lächelt er herzlich - und meint es so. Widerwillig löst er den Blick von ihr, um das Hemd einzufangen. Es hat bereits aufgehört, zu tropfen. Im Grunde könnte er auch so zur Wohnung gehen. Mehr als zwanzig Minuten würde er zu Fuß nicht brauchen. Wenn er ohne Hemd bekleidet vor Alma aufschlägt, wird sie das sofort in Panikattacken stürzen. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass sie noch immer in Brindleton Bay ist und erst spät nach Hause kommt - wenn überhaupt. Den Rest des Tages allein zu verbringen, wartend, ohne die Zeit produktiv nutzen zu können, findet Jarred wenig verlockend. Allein sein liegt ihm nicht. Das Handy aus der Tasche ziehend vergewissert er sich, dass Alma noch immer nichts von sich hat hören lassen. Wäre es zu viel verlangt, einen einzigen Satz zu schicken? Nur damit er weiß, dass sie okay ist. Rasch öffnet er den Chat mit ihr und tippt: 'Hey, wie gehts dir? Seid ihr okay?'
Seufzend schiebt er das Gerät zurück. "Sieht so aus, als hätte ich noch etwas Zeit." Die Schulter hebt sich zu einer Geste nahe der Ratlosigkeit. "Ich möchte dir aber keine Umstände machen.", entgegnet er schließlich. "Eine Pizza dann und wann vertragen die Muskeln schon."
Ihr Blick wird zum ersten Mal sanft – und doch liegt darin eine Ernsthaftigkeit, die keinen Zweifel zulässt. In diesem Moment zeigt sich, dass sie es vollkommen ernst meint.
"Aber genau das ist es“, sagt sie leise. "Wir sind quasi Fremde. Es ist nichts Selbstverständliches, was du tust. Es zeigt einfach nur, wie hilfsbereit du bist.“
Eine kleine Sorgenfalte zeichnet sich auf ihrer Stirn ab. Sie weiß, dass es ihr eigentlich nicht zusteht, ihn so persönlich anzusprechen. Doch irgendetwas in ihr weigert sich, ihn einfach gleichgültig zu behandeln. "Bitte denk daran“, fährt sie fort, ihre Stimme wird weicher, "es ist nichts Verwerfliches, auch mal an sich selbst zu denken. Man braucht das, um dann wieder mit vollem Herzen für die Menschen da zu sein, die einem wichtig sind.“
Weil sie spürt, dass ihr dieses ernste Thema nicht lange liegt, hellt sich ihre Miene wieder auf. Die Verspieltheit kehrt zurück in ihre Augen. "Umstände? Ach was. Ob ich nur für mich koche oder für einen Gast, den ich bewirten darf – das macht doch keinen Unterschied. Ganz im Gegenteil: Ich esse sowieso viel lieber in Gesellschaft.“
Mit einem Schwung zückt sie ihr Handy, tippt eine Nummer ein und bestellt kurzerhand für beide. Doch bevor sie das Gespräch fortsetzen können, frischt der Wind plötzlich auf. Heftige Böen zerren am Schiff, die Wolken ziehen sich dunkel zusammen, und das Deck beginnt leicht zu schwanken. Besorgt hebt Ava den Blick zum Himmel.
"Lass uns besser reingehen“, sagt sie hastig. "Das sieht ganz nach Regen aus.“
Drinnen befreit sie sich sofort von ihren Stiefeln, die sie schon seit Stunden genervt haben. Mit einem erleichterten Seufzen dreht sie die Musik auf – eine Playlist, die so speziell ist, dass die meisten Leute in ihrem Umfeld damit nichts anfangen können. Mit einem neugierigen Seitenblick mustert sie Jarred, gespannt auf seine Reaktion.
"Setz dich“, fordert sie ihn schließlich auf und lässt sich selbst in ihren Hängesessel fallen, der sanft hin und her schwingt. Ihre Augen ruhen interessiert auf ihm, während sie ihr Wasserglas vom Tisch nimmt und einen Schluck trinkt. Eine Frage brennt ihr auf der Zunge, unausgesprochen, aber sie hält es nicht mehr aus.
"Was machst du eigentlich beruflich, Jarred?“
Das Lied was im Hintergrund läuft: https://www.youtube.com/watch?v=dLmklMPt...&rv=THDsoEvl9HI
Er weiß, dass sie recht hat. Jedem anderen würde er die selben Worte sagen. Warum fällt es ihm so schwer, Ratschläge dieser Art bei sich selbst anzuwenden? Es ist, als läge eine lähmende Angst über seinen Handlungen, man könnte ihn zurückweisen, sobald er an sich selbst denkt. Seine eigenen Bedürfnisse waren nie von Belang. Sein ganzes Leben tat er, was andere wollten, kam ihnen entgegen, nur um angenommen zu werden. Denn die Wahrheit ist, dass seine Empfindungen falsch sind. Wann immer er Wünsche äußerte, waren sie unangebracht, albern oder nicht der Norm entsprechend. Und das war, was zählte - normal sein. Er hat nie verstanden, was das bedeuten könnte. Doch bis heute ist Eines vollkommen klar: Er ist es nicht.
Den Blick senkend nickt er. "Ich weiß. Ich werde das beherzigen, wenn ein wenig Normalität einkehrt. Aber bis dahin ...", seufzend schüttelt er verhalten den Kopf, "sind andere Dinge wichtiger." Ein ungläubiges Lachen mischt sich in seine Züge. Allein die Tatsache, dass er hier ist, jagt ihm das schlechte Gewissen unter die Haut, wie Nadeln unter die Fingernägel. Wenn Alma wüsste, dass er sich auf dem herzzerreißend schönen Hausboot einer aufregenden Frau befindet, mit ihr allein, ... sie darf davon nie erfahren. Vermutlich hat es auch Vorteile, dass sie derzeit kein großes Interesse an seinen Aktivitäten zeigt. Es zerreißt ihn, ihr nicht die volle Wahrheit erzählen zu können. So viele Geheimnisse. Und jetzt das hier.
Als würde die Umwelt seine innere Stimmung spiegeln, schlägt das Wetter binnen weniger Augenblicke um. Überrascht sieht er in den Himmel, bevor er seine Kleider zusammensammelt und Avaluna nach drinnen folgt, wo er den Bügel mitsamt dem Hemd an einem der Fenster aufhängt. Um gut zu seiner Gastgeberin sehen zu können, lässt er sich auf dem hinteren Platz der Couch sinken.
Kurz darauf erfüllt Musik den Raum. Klänge, die er kennt. Ein sehnsüchtiges Lächeln huscht über seine Züge, während die anmutigen Töne durch seine Haut tief in sein Inneres dringen. Es ist einige Jahre her, dass er zu diesem Song tanzte. Doch hinter geschlossenen Lidern erinnert er sich an jeden einzelnen Schritt der selbst ausgearbeiteten Choreografie. Damals hatte er die heimliche Leidenschaft noch nicht lange für sich entdeckt. Franky war es gewesen, der ihn dazu ermutigte, dem Gefühl zu folgen, ohne zu ahnen, dass die Konsequenzen die gemeinsame Beziehung zerstören sollte. Weitere Geheimnisse, die Jarred in sich trägt. Seither hält er das Feuer für Musik und Tanz klein, darauf bedacht, niemandem einen Grund zu geben, ihn zu belächeln oder gar zu diskriminieren.
Von Avalunas Frage aus der Erinnerung gerissen, löst er sich widerwillig von dem inneren Drang, aufzustehen und den Klängen zu folgen. Stumm in sich hinein seufzend greift er nach dem Getränk, um sich neu einzufüllen. "Ich bin Security im Waisenhaus in Newcrest.", antwortet er. Zwei Schlucke später fügt er hinzu: "Und drei mal die Woche gebe ich Karateunterricht in San Myshuno." Einen winzigen Moment zögert er, bevor er einen weiteren Schluck nimmt und das Glas behutsam wieder abstellt. "Was tust du?"
Für einen Moment ruht ihr Blick besorgt auf ihm. Nicht über die Situation selbst, sondern über seine Worte, seine Ansicht. Langsam geht sie auf ihn zu, hebt mit dem Zeigefinger sein Kinn an, zwingt ihn, ihr in die Augen zu sehen. Ihr Kopf schüttelt sich leise, aber bestimmt.
"Sag das nicht.“
Dann löst sie sich wieder von ihm, als wäre nichts geschehen, und im nächsten Augenblick ist sie wieder ganz bei sich. Bei ihrer Lieblingsstelle des Liedes trällert sie vergnügt mit, ihre Stimme frei und ungekünstelt, während sie im Hängesessel im Takt mitwippt. Ava hat sich nie darum geschert, was andere von ihr denken könnten – sie hat schon immer getan, wonach ihr der Kopf stand.
Als sie das kurze, fast sehnsüchtige Lächeln auf seinem Gesicht entdeckt, blitzt Neugier in ihren Augen auf. Was hat es damit auf sich?[/i} fragt sie sich Dann lacht sie auf, ihre Stimme tänzelt spielerisch. "Das sieht dir ähnlich – Jobs wie diese überraschen mich bei dir überhaupt nicht, Jarred. Sie passen einfach zu dir.“
Ava ignoriert die Frage mit einer beinahe spielerischen Leichtigkeit, als hätte sie sie gar nicht richtig gehört. Anstatt zu antworten, lässt sie sich von der Musik treiben, die durch den Raum flutet. Getrieben von der Musik springt sie plötzlich aus dem Hängesessel auf. Ihr Körper bewegt sich geschmeidig, fast selbstverständlich im Rhythmus. 
Kein Profi, nein – aber die Jahre Tanzunterricht in ihrer Kindheit haben Spuren hinterlassen. Jeder Schritt, jede kleine Drehung sitzt mühelos, als fließe der Takt direkt durch sie hindurch.
Mit einem Funkeln in den Augen hält sie ihm die Hände hin. "Komm. Lass uns tanzen! Das macht frei. Den Kopf leer, das Herz leicht.“ Ein helles Lachen entweicht ihr, als das Boot plötzlich stärker schwankt und sie beinahe über ihre eigenen Füße stolpert. Doch sie fängt sich schnell, richtet sich wieder auf – und sieht ihn nun mit einer Mischung aus Herausforderung und Schalk an.
"Also, was ist?“ Ihre Hand bleibt ausgestreckt, fordernd, ungeduldig. Der Rhythmus pulsiert um sie herum, ihr Blick hängt an ihm
Noch ehe Jarred überlegen kann, was ihr Kommentar bedeutet, steht sie vor ihm, ihre Augen funkeln ihn herausfordernd an. Erstarrt blickt er auf ihre offene Hand. Sie will, dass er tanzt? [i]'Du solltest dich nicht schämen. Du bist wunderschön.' Frankys Worte legen sich über seine Gedanken. Die Kehle vor Aufregung zugeschnürt, schluckt er zwei, drei Mal ohne sich zu regen. Sein Mund öffnet sich, um etwas zu sagen, einen Grund zu äußern, warum er ihrer Aufforderung nicht nachkommen kann, doch kein Ton entweicht ihm. Ihm fällt nichts Plausibles ein. Es ist Jahre her, dass er im Beisein Anderer diesem Gefühl folgte - ohne sich zu verstecken. Nicht einmal vor Alma hat er bisher getanzt. Es hier und jetzt vor Avaluna zu tun, wäre mindestens ebenso intim, wie mit ihr zu schlafen. Er sollte diesem Drang nicht folgen. Doch ihr Blick, das Funkeln ihrer Augen, ihr erwartungsvolles Lächeln - sie gepaart mit der Musik, mit DIESEM Song, bringt nicht nur seinen Körper zum Beben. Auch sein Geist, schlimmer noch - seine Seele schreit danach, sich der Magie des Tanzes hinzugeben. Ohne etwas dagegen tun zu können, legt sich seine Hand in ihre. Wehrlos lässt er sich von ihr in den Stand ziehen. Sie lacht ihm fröhlich entgegen und er spürt, sie hat nicht die geringste Ahnung, was all das für ihn bedeutet. Ihre Hüften schwenken elegant von einer Seite zur anderen und zurück, während sie ihn mit kleinen Schritte weiter in den Raum führt. Jarreds Herz schlägt mit einer Intensität, als würde es den Brustkorb durchbrechen wollen. Gefangen in dem Sog des Moments hat er keine andere Wahl, als ihr zu folgen. "Ich darf nich...", haucht er kraftlos, kaum hörbar, während seine Augen sich langsam schließen. Noch immer seine Hand in ihrer, folgt er Avalunas Energie, die ihn durch die seichte Berührung erreicht.
Zuerst wiegt sich seine Hüfte im leichten Rhythmus vier Takte lang, bevor seine Schultern beginnen, anmutige Kreise zu zeichnen, die Arme schweben elegant neben dem Oberkörper her. Fließend geht die Bewegung in die Beine über, die Füße heben sich kaum vom Boden ab und scheinen geradezu schwerelos über das Holz zu gleiten. Sein ganzer Körper ist eine harmonische Schwingung, alles im Rhythmus, losgelöst von allem, was ihn an die Schwerkraft hält, als hätte er sich ihr auf magische Weise einfach entzogen. Als würden die Gesetz der Physik für ihn nicht mehr gelten. Und obwohl sein Tanz zart und zurückhaltend ist, wie die ersten herantastenden Schritte in eine andere Welt, macht seine Anmut deutlich, dass tief in ihm weitaus pulsierendere Ebenen existieren, die nur darauf warten, endlich ausbrechen zu dürfen.
Avalunas Lächeln gefriert für einen Herzschlag, als sie sein gehauchtes Wort hört. Unsicherheit flackert in ihr auf – hatte sie das richtig verstanden? Doch bevor der Zweifel sie packen kann, setzt er sich in Bewegung.
Und wie er das tut, raubt ihr den Atem. Elegant, fast schwerelos gleitet er über das alte, knarzende Holzparkett, als würde er schweben. Für Ava ist es der schönste Anblick seit Langem, und ihr Gesicht beginnt unwillkürlich zu strahlen. Gebannt verfolgt sie jede seiner Bewegungen, wie die Muskeln im Rhythmus mitspielen, wie jede Geste voller natürlicher Anmut wirkt.
Ein Schauer läuft ihr über den Rücken – und sie spürt, wie sehr sie sich anstrengen will, ihm in nichts nachzustehen. Mit ungewohnter Hingabe gibt sie ihr Bestes, achtet auf ihre Schritte, auf die Leichtigkeit, die sie in ihre Bewegungen legt. Und dabei hält sie seine Hand fest, als wäre sie ihr einziger Halt.
Doch dann schlägt das Schicksal einen unerwarteten Takt: Eine kräftige Welle trifft das Boot, lässt es abrupt zur Seite kippen. Das Gleichgewicht entgleitet ihr, und ehe sie reagieren kann, stolpert sie direkt in seine Arme, prallt an seine Brust, hart und warm zugleich.
Ein Schreck durchfährt sie, ihre Augen reißen auf. Für einen Moment glaubt sie schon, unsanft auf den Boden zu stürzen. Doch er steht fest, unbeweglich wie ein Fels in der Brandung, und nur deshalb bleibt sie bewahrt.
Beschämt hebt sie den Blick zu ihm, ihre Wangen glühen. Die Nähe ist überwältigend, jeder Herzschlag pocht lauter als die Musik. Ihre Stimme ist kaum mehr als ein gehauchtes Flüstern:
"Danke …“
Der unerwartete Ruck des Bootes reißt Jarred aus seiner Traumwelt, ehe er vollkommen darin verloren geht. Dank hervorragendem Gleichgewichtssinn und trainierten Reflexen reicht ein Ausfallschritt, um ihm stabilen Stand zu geben. Eine Millisekunde später prallt Avaluna gegen ihn. Instinktiv packt er sie an den Oberarmen, um sie aufzufangen und vergisst darüberhinaus, seinen Unterleib wegzudrehen, so dass sie zumindest einen Eindruck dessen bekommen muss, was er zu verheimlichen versucht. Dicht an ihn gepresst schaut sie zu ihm auf, sein hämmernder Herzschlag kann ihr kaum entgehen. Sie haucht ihm entgegen und er nickt kaum merklich. Momente vergehen, in denen sie einander anschauen. Gefangen zwischen Beherrschung und Kontrollverlust bemerkt er nicht, dass seine Lippen von ihren angezogen werden, bis er ihren Atem auf der Haut spürt. Wie ein zarter Windhauch, der ihn kitzelt und wachrüttelt. Als würde ein Teil in ihm die Finger von hinten auf seine Schulter legen, um ihn zurück zu ziehen, richtet er sich auf. 
Ernst sieht er sie an, ihre Augen schimmernd wie frischer Harz im Licht der Sonne. Das Bedauern, das schon einmal in ihm zu sehen war, kehrt zurück. "Ich kann nicht.", flüstert er. "Alma ... ich liebe sie."
Seit Langem fühlt es sich in den Armen eines Mannes wieder schön an – selbst wenn es nur für den Hauch einer Sekunde ist. Sie ist überrascht, dass sie ihn so deutlich spüren kann, jede Kontur, jede Wärme. Sein Herzschlag hämmert stark gegen ihre Wange, so fest, dass er sie völlig ablenkt.
Umhüllt von seinem Geruch verschwimmen die Gedanken. Für einen Augenblick vergisst sie alles um sich herum. Es gibt nur sie und ihn – und das sehnsüchtige Verlangen, ihm nah zu sein, näher als alles andere. Selbst die Angst, die sonst so hartnäckig in ihr lauert, ist wie weggeblasen. Ihr einziger Wunsch ist, dass seine Lippen endlich die ihren finden.
Doch dann reißt sie ein geflüstertes Wort abrupt zurück in die Realität. Ein Stich durchfährt sie, als sich ihre Gedanken unweigerlich an die Frau an seiner Seite klammern. Stimmt … da ist doch jemand.
Sie lächelt trotzdem – ein kleines, bitter-süßes Lächeln, das zugleich verrät, wie sehr sie seinen Charakter bewundert. Er ist nicht der Mann, der die Grenzen verwischt, und gerade das macht ihn so gefährlich für ihr Herz. Unwillkürlich löst sie sich aus seiner Umarmung, auch wenn ein Teil von ihr schreit, bleiben zu wollen. Sie will noch etwas sagen, doch im gleichen Moment klingelt es.
Der schrille Ton durchbricht die Spannung wie ein Messer. Zum ersten Mal seit Langem ist sie verlegen, unsicher, und die Worte stolpern aus ihrem Mund. "D-die Pizza … ich hol sie eben.“
Die kleine Verschnaufpause ist ein Segen. Seine Anziehungskraft ist überwältigend, doch die Minuten am Eingang geben ihr Raum, Luft zu holen. Mit einem Trinkgeld in der Hand verabschiedet sie den Lieferanten und kehrt mit zwei warmen Schachteln zurück. Sie stellt die Pizzen auf den Tisch, nimmt sich einen Moment, um die Stimmung wiederzufinden – nicht verkrampft, sondern leicht, so wie sie es kann.
"Also!“ ruft sie schließlich mit einem Strahlen, das ihre Augen leuchten lässt. "Die Pizza hast du dir redlich verdient! Immerhin hast du die Diagnose für Trudy gestellt.“ Sie lacht und hebt die Schachtel wie ein Geschenk in die Höhe. "Dr. Jarred!“
Avaluna entfernt sich von Jarred und er senkt mit geschlossenen Augen den Kopf. Was geschieht hier nur? Er ist doch sonst nicht so ... anfällig. Die rechte Hand fährt durchs Haar, als könne sie damit all die Zweifel abstreifen. Er sollte gehen. Das hier ... wird böse enden. Es wird - nein ER wird Sims verletzen. Aber nun hat sie extra Pizza bestellt. Es wäre ziemlich unhöflich, sie damit stehen zu lassen. Mitnehmen wäre noch dreister. Er hat keine Wahl. Jarred schnaubt. Er ist erwachsen. Er wird das schon schaffen. Nach dem Essen wird er sich bedanken und verabschieden. In einigen Tagen repariert er den Motor und dann ... ist diese Prüfung bestanden. Und schon bald wird er auf diesen Tag zurück blicken und darüber lachen. Nun ja, vielleicht nicht unbedingt lachen. Die Gedanken abschüttelnd fängt sein Blick das Hemd ein, das noch immer am Fenster hängt. Mit wenigen Schritten erreicht er es, zieht es vom Bügel und streift die Arme hinein. Noch klamm, aber egal jetzt. "Heißt das, damit sind wir quitt?" Tapfer und bereit, sich nichts anmerken zu lassen, legt er sein freundliches Lächeln auf, obwohl ihm kaum dazu zumute ist. Gewissensbisse fressen sich durch sein Inneres. Er hat sich von ihr verführen lassen. Es spielt keine Rolle, dass sie sich nicht geküsst haben. Allein für den Drang, es zu tun, sollte er sich schämen.
"Für heute denke ich schon“, murmelt Avaluna und nickt knapp.
Ein grollender Donnerschlag lässt sie zusammenzucken. Draußen peitscht der Sturm über das Meer, das Schiff schaukelt heftiger, knarrt unter den Böen. Sie öffnet hastig die Pizzaschachteln, greift sich ein Stück, als könne sie sich an dem heißen, vertrauten Duft festhalten.
Kurz wandert ihr Blick zu Jarred hinüber. Doch anstatt beruhigt zu sein, wächst ihre Unsicherheit. Normalerweise hat sie immer ein Gesprächsthema parat, Worte fallen ihr leicht, fast spielerisch. Doch jetzt liegt eine seltsame Spannung im Raum, dick wie die Gewitterluft draußen und sie findet keine Worte dafür.
Der Regen prasselt gegen die Fenster, dumpf, hart, unaufhörlich. So fühlt sie sich in diesem Moment: durcheinander, zerrissen, überflutet von etwas, das sie nicht einordnen kann. Immer wieder grollt der Donner, als spiegele er ihr eigenes Chaos.
Jarred bleibt still. Er hat auf ihre neckische Bemerkung von eben nicht reagiert. Das bohrt sich in ihr fest. Wahrscheinlich hat er längst die Nase voll von ihr. Scham flackert in ihr auf, ohne dass sie genau weiß, wofür eigentlich.
Die Stille wird erdrückend. Nur die Musik füllt den Raum, doch selbst die Melodie scheint in der Enge gefangen. Ava beißt nur kleine Häppchen von der Pizza ab, kaut langsam, als könnte sie damit Zeit gewinnen. Ihr Blick schweift hin und her, ruhelos.
Sie will etwas sagen. Irgendetwas. Hauptsache, diese schreckliche Leere zwischen ihnen zerreißen. Ihre Stimme klingt heller, als sie beabsichtigt hat:"Die Pizza ist wirklich gut! Deine auch?“
Besorgt schaut Jarred aus dem Fenster. Ob es in Brindleton auch so zugeht? Ein Blick aufs Handy zeigt weiterhin keine Neuigkeiten an. Sie werden schon zurecht kommen.
"Ja, ist sie.", antwortet er, Avalunas Verlegenheit deutlich wahrnehmend. Wenn Sims in sich gefangen sind, reden sie oft übers Wetter oder über Offensichtliches. Hauptsache möglichst trivial. "Es ist nur ungewohnt, dass alles so stark schwankt." Auf einem Bissen herumkauend pausiert er die Gedankengänge einen Moment, bevor er warm schmunzelnd hinterherschiebt: "Du musst einen festen Schlaf haben."
Sie nickt nur und stößt ein leises Seufzen aus. Natürlich weiß sie, was für ein Unsinn ihr eben über die Lippen gekommen ist. Warum rede ich bloß so viel Quatsch? fährt es ihr durch den Kopf. Trotzdem wagt sie die vorsichtige Frage:
"Bereitet es dir Unbehagen?“
Seine nüchterne Feststellung trifft sie im ersten Moment, doch als er es ausspricht, kann sie nicht anders, als aufzulachen. Das Lachen löst einen Teil der Anspannung, die sich wie ein Knoten in ihrer Brust verhakt hat.
"Ja, ich denke … das ist wirklich eine Sache, in der ich gut bin“, gibt sie schließlich zu, ihre Stimme halb belustigt, halb unsicher.
Warum sie so reagiert, weiß sie selbst nicht. Irgendwo tief in ihr wächst das Bedürfnis, sich bei ihm zu entschuldigen – für das viele Gerede, für ihre Unsicherheit, vielleicht sogar einfach dafür, dass sie ihn mit ihrer Art überrollt hat. Doch sie hält sich zurück. Ein "Tut mir leid“ würde hier nur seltsam wirken, fehl am Platz. Also verschluckt sie die Worte, bevor sie Gestalt annehmen können.
Draußen hingegen scheint das Wetter kein bisschen Ruhe geben zu wollen. Der Regen peitscht weiter gegen die Scheiben, und das Donnern rollt in immer neuen Wellen über das Schiff hinweg. Das Gewitter grollt munter weiter, als wolle es sie daran erinnern, dass in dieser Nacht noch längst nichts zur Ruhe gekommen ist.
Ihr Lachen hebt seine Mundwinkel an. Auch wenn die Stimmung deutlich unentspannter ist als vor einigen Momenten, strahlt ihr Wesen noch immer etwas Leichtes aus. Es ist ein fester Teil von ihr, mal mehr, mal weniger, aber immer irgendwie spürbar. 
"Nein, das stört mich nicht." Der Versuch, die Faszination für sie abzuschütteln, misslingt und so entscheidet er sich, offen und ehrlich zu sein. Die Finger an einer Serviette abwischend, wendet er sich ihr zu. "Ava, ich möchte dir etwas sagen." Nach Worten suchend schweift sein Blick zum Fenster, wo gerade ein greller Blitz die Welt erhellt. "Du bist eine unglaublich aufregende Frau." Ein leises Seufzen lenkt seine Aufmerksamkeit zu ihr zurück. "Unter anderen Umständen ... ", etwas in seinen Augen leuchtet auf, die Grübchen graben sich durch den kurzen Bart, "würden wir jetzt nicht hier sitzen und Pizza essen." Lügner! "Aber ich möchte wirklich niemandem weh tun." Daumen und Zeigefinger sammeln einen Krümel von der Pappe, der gleich darauf hinter den Lippen verschwindet. "Ich wünsche mir, dass wir Freunde sein können. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob das eine gute Idee wäre." Vielsagend sieht er auf, direkt in Avalunas Augen, ein tiefes Seufzen unterdrückend.
Sie sieht ihn eindringlich an. Fast erleichtert nimmt sie seine Abfuhr an, auch wenn sie nicht leugnen kann, dass sie Spuren bei ihr hinterlässt. "Jarred, mach dir keine Gedanken. Du musst dich nicht erklären. Du bist ein wundervoller Mann, von dem, was ich bisher kennenlernen durfte. Ich möchte deiner Liebe nicht im Weg stehen. Sie kann sich glücklich schätzen, einen wie dich an ihrer Seite zu haben. Ich würde gerne deine Freundin sein, aber ich verstehe, was du meinst. Du bist für mich unglaublich anziehend, und ein Teil von mir wünscht, es gäbe diese andere Frau nicht. Es wäre gelogen, wenn ich etwas anderes behaupten würde. Ein Teil von mir würde dich am liebsten völlig erforschen und nein, das meine ich nicht auf körperliche Weise.“ Sie schmunzelt. " Du hast nichts falsch gemacht.
"Nachdem mein Boot repariert ist, kann ich wieder aus deinem Leben verschwinden – als hätte es mich nie gegeben, wenn du das möchtest.“ Ihre Stimme klingt ruhig, doch das Bedauern, das in jedem einzelnen Wort mitschwingt, lässt sich nicht überhören. Für einen Augenblick ist nur das Heulen des Windes zu hören, das an den Fenstern zerrt, als wolle es die Stille sprengen.
Eigentlich möchte sie ihn fragen, ob er sie zum Festival begleitet. Der Gedanke pocht in ihr, drängt nach außen, liegt schon fast auf ihrer Zunge. Doch sie hält ihn zurück, verschluckt die Worte, bevor sie Gestalt annehmen können. Stattdessen bleibt nur ein unerfülltes Sehnen, das zwischen ihnen im Raum schwebt unsichtbar, aber unübersehbar.
Den Blick senkend nimmt Jarred ihre Worte auf. Alma sagt nie solche Dinge. Sie ist kein Sim, dem Kommunikation liegt. Weder spricht sie über sich, noch über ihre Gefühle oder Erfahrungen. Häufig hat er den Eindruck, dass sie ihm ausweicht, etwas verheimlicht. Aber ist er wirklich in der Position, mit dem Finger auf sie zu zeigen? Er weiß, dass ihre Verbindung nicht nur körperlich ist. Er spürt, dass es um mehr als das geht. Aber wäre es nicht schön, sich darüber austauschen zu können? Avaluna möchte ihn kennenlernen. Ihn erforschen. Das ist intimer als alles, was er mit Alma hat. Liebt sie ihn überhaupt? Oder ist die Angst vor der Einsamkeit, die sie beide aneinander bindet?
"... kann ich aus deinem Leben verschwinden ...", sagt Avaluna. "... wenn es das ist, was du möchtest."
Das ist ganz und gar nicht, was er möchte. Dennoch nickt er. Es ist vermutlich das Sinnvollste in ihrer beider Situation. "Warum ...", setzt er zögerlich an, greift dann zu einem Pizzastück und lächelt ihr zuversichtlich entgegen. Es nützt keinem von beiden etwas, hier Trübsal zu blasen. Die können ebensogut das Beste aus dem Nachmittag machen. "Erzähl mir von dir. Wo bist du mit Trudy schon gewesen? Was habt ihr gesehen? Was habt ihr zusammen erlebt?"
In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon
>>> Ava geht nach Brindleton Bay Nr. 1 - Altersheim Shady Pines (9) >>>
<<<Jarred kommt von Brindelton Bay Nr 1<<<
<<< Avaluna kommt von Brindelton Bay Nr 1 <<<
<<< Alma kommt von Windenburg <<<
Charaktere Alma Avaluna Jarred
Geschichtsstrang: Wiedersehen macht Freude?
Ava stellt ihr Motorrad auf dem Parkplatz ab und nimmt den Helm vom Kopf. Für einen Augenblick bleibt sie stehen und atmet tief durch. Ob sie sich wohl jemals an diese Luft hier gewöhnen wird? Der Gedanke nagt an ihr, während sie die Blicke bemerkt, die man ihr hin und wieder zuwirft. Es ist deutlich zu spüren: Sie gehört nicht hierher. Doch davon lässt sie sich die Laune nicht verderben.
Heute will sie sich etwas Gutes tun, etwas Frisches kochen und allein dieser Vorsatz zaubert ihr ein kleines Lächeln auf die Lippen. Gut gelaunt betritt sie den Einkaufsladen. Zum ersten Mal seit Langem kreisen ihre Gedanken nicht um diese eine Person. Befreit wandert sie zu den Kühlregalen, lässt den Blick über die verschiedenen Wurstsorten schweifen bis plötzlich eine vertraute Stimme ihre Ohren erreicht.
Nein… das bilde ich mir jetzt ein. Oder etwa nicht?
Noch ehe sie den Gedanken zu Ende fassen kann, ertönt eine zweite Stimme, weiblich. Ava hält den Atem an. Leise wie eine Assassine schleicht sie ums Regal, lugt vorsichtig auf die andere Seite und tatsächlich: dort stehen die beiden. Ein Stich fährt ihr durch die Brust. Hastig zieht sie sich zurück und drückt sich hinter die Regale, damit keine Chance besteht, dass sie entdeckt wird.
Die eben noch heitere Stimmung zerbricht in Sekunden. Mit gesenktem Kopf und schnellen Schritten flüchtet sie in die Obst und Gemüseabteilung dorthin, wo sie sich sicher glaubt. Tollpatschig – etwas, das ihr sonst kaum passiert entgleitet Ava auf dem Weg zur Gemüseabteilung plötzlich der Motorradhelm. Mit einem lauten Knall schlägt er auf den Boden und hallt durch die Gänge des Ladens. Mehrere Köpfe drehen sich erschrocken in ihre Richtung.
Ava spürt, wie ihr das Blut ins Gesicht steigt. Hastig bückt sie sich, greift nach dem Helm und drückt ihn fest an sich, als könne sie ihn so vor weiteren Missgeschicken bewahren. Ohne aufzusehen setzt sie ihren Weg fort, schneller als zuvor
Almas Hand in seiner schlendert Jarred mit ihr durch die engen Gänge des kleinen Supermarktes. Sein Blick schweift halbherzig über die Produkte in den Regalen. "Ich finde es schön, dass du mitgekommen bist. Es ist zwar nur ein Einkauf, aber es ist auch ein erster Schritt zurück in die Normalität." Sein Daumen streicht sanft über ihren Handrücken, als sein Blick sie trifft. Nicht sicher, ob sie ihm überhaupt zuhört, seufzt er stumm in sich hinein. Er kann und wird ihr keinen Vorwurf für ihre ständige Fragilität machen. Und doch - bei allem Verständnis - die Situation ist unglaublich kräftezehrend. Beinahe ist er froh, in einigen Stunden im Dienst erscheinen zu müssen.
Am Kühlregal bleibt er stehen, erfasst die Ware mit untersuchendem Blick und greift nach einem großen Sparpaket Naturjoghurt. Die kann er immer brauchen und sie sind im Angebot.
Ein polterndes Geräusch irgendwo hinter ihm lässt ihn zurückschauen, doch auf den ersten Blick erkennt er keine Ursache und beschließt mit einem inneren Schulterzucken, dass das Geräusch für ihn keine Relevanz hat.
"Ja ...", murmelt Alma leise vor sich hin.
Heute Vormittag war sie schon im Krankenhaus bei Nael. Doch er spricht kaum. Das Einzige, was er sie gefragt hat, war, wie es bei der Beerdigung gewesen ist. Die liegt nun auch schon einige Tage zurück und alle wissen, dass es jetzt weitergehen muss, dass der letzte Schritt getan ist und der Alltag langsam zurückkehren soll. Aber noch immer fühlt sich alles kompliziert und schwer an.
Ihr Blick wandert zum Regal, das voller Essen steht. "Ich habe echt Hunger", murmelt sie und streicht sich über den Bauch. Erwartungsvoll schaut sie zu Jarred. "Können wir uns etwas zu essen holen?", fragt sie leise, fast vorsichtig, als wüsste sie selbst nicht, ob sie überhaupt schon essen sollte oder nicht.
Ava packt einige Sorten Gemüse in ihren Korb, das, was sie für ihr Essen braucht. Dabei wandert ihr Blick immer wieder zu den Gängen, in denen sie die beiden eben gesehen hat. Erst als sie sicher ist, dass niemand sie entdeckt hat, atmet sie erleichtert aus. Gut… alles im Griff. Sie beschließt, nur noch das Fleisch und die Sahne für die Soße zu holen dann direkt zur Kasse, ohne Umwege.
Mit wachsamer Aufmerksamkeit bewegt sie sich durch den Laden, bedacht darauf, den beiden bloß nicht erneut in die Quere zu kommen. An der Kühltruhe für Wurst bleibt sie stehen, greift nach frischem Hühnchen doch als sie den Kopf hebt, stockt ihr der Atem. Dort vorne sind sie.
Unwillkürlich gleitet ihr Blick über Almas Gesicht. Etwas darin wirkt ungewohnt, bedrückt, fast traurig. Avas Herz macht einen Sprung. Warum sieht sie nur so aus? Für einen Moment überlegt sie, einfach an ihnen vorbeizugehen, zur Sahne zu greifen und sich zu zeigen. Eigentlich spricht nichts dagegen. Und doch die Angst vor einem einzigen falschen Blick, einem unbedachten Wort, hält sie zurück.
Habe ich mich wirklich im Griff, wenn ich ihr wieder in die Augen sehe?
Die Unsicherheit schnürt ihr die Kehle zu. Schließlich entscheidet sie sich dagegen. Lieber nicht. Also bleibt Ava hinter den beiden stehen, verharrt still
"Worauf hast du Appetit?", fragt Jarred entgegenkommend. "Ich koche uns was Schönes. Alles, was du willst."
Aus einem merkwürdigen Gefühl heraus, beobachtet zu werden, will er sich gerade herumdrehen, doch er stockt in der Bewegung, als ihm weitere heruntergesetzte Produkte ins Auge stechen. Asiatische Saucen auf Kokos-Basis. Hm, mit Hühnchen vielleicht. Mit einem sicheren Handgriff landet die Sauce im Korb, ehe er sich langsam dem Gang entgegenwendet, aus dem sie gerade kamen.
Daraufhin folgt Alma Jarred. "Irgendwas mit Nudeln wäre geil", meint sie schließlich und während sie es ausspricht, spürt sie mehr und mehr, wie sehr der Hunger in ihr hochkommt. Es fühlt sich erleichternd an, dass Jarred für sie kochen will. Sie selbst hätte wohl nur eine Tütensuppe warm gemacht, ohne große Lust oder Kraft. Jetzt aber entsteht in ihr das erste Mal seit Tagen so etwas wie Freude.
Ava wiegt sich bereits in Sicherheit, überzeugt davon, den beiden nicht zu begegnen. Gerade will sie noch ihre letzte Zutat besorgen, als Jarred und Alma direkt auf sie zukommen. Für einen Augenblick starrt sie sie mit geweiteten Augen an wie ertappt. Fast mechanisch setzt sie ihren Schritt fort, während die beiden unaufhaltsam näher rücken. In ihrem Kopf rattert es. Soll sie einfach stumm vorbeigehen? Oder doch ein Wort sagen? Bestimmt weiß Alma längst Bescheid, dass Jarred bei ihr am Boot arbeitet. Schweigen wäre unhöflich.
Also hebt Ava den Blick, schenkt Alma ein Lächeln und achtet gleichzeitig penibel darauf, Jarred nicht in die Augen zu sehen. Ein falscher Blick, und alles könnte sie verraten. Stattdessen flieht ihr Blick zu seiner Brust, während sie hastig ihre Worte herausstößt:
"Heeeey! Du auch hier!?“Der Versuch, lässig zu klingen, überdeckt kaum die Unsicherheit, die in ihr bebt
Typisch Alma, schmunzelt Jarred in sich hinein. Sie könnte jeden Tag Nudeln essen.
Im Gehen hebt er den Blick - und seine Mimik erstarrt für eine überraschte Sekunde. "Ava!" Er schluckt trocken. Verdammt! Das ist ... könnte ... Nein, Moment mal, es ist alles in Ordnung, ermahnt er sich. Es war nichts zwischen ihnen. Eine flüchtige Begegnung, weiter nichts. Luft ausstoßend ringt er sich ein freundliches Lächeln ab. "Alma, das ist ... Avalua. Wir haben uns kürzlich kennengelernt." Unsicherheit sticht der aufregenden Bekannten entgegen, etwas Flehendes liegt in seinem Blick. "Das ist Alma. Meine Freundin." Wie zur Demonstration legt sich sein Arm um die Hüfte der Kleineren, um sie ein wenig näher zu sich heran zu ziehen.
Überrascht mustert Alma die Unbekannte. "Hi", sagt sie zögerlich. Gesehen hat sie die Frau bisher noch nie. Ganz schön aufgetakelt, denkt Alma und fragt sich, wo sich die beiden wohl kennengelernt haben.
"Ehm.. danke, sehr freundlich.", stammelt Jarred unbeholfen vor sich her. Immer wieder rasen ihm die Szenen vom Hausboot durch die Stirn - sein nackter Oberkörper, der spritzende Schlauch, der Tanz. Und das schuldige Gefühl, das er seitdem nicht mehr loswird. Es war nur ein Tanz. Ganz harmlos., versucht er sich einzureden. Doch irgendwo tief in ihm ist dieses Flüstern, das vehement dagegen hält. Viel zu sinnlich, um harmlos zu sein. Beinahe hast du sie geküsst. Gibs zu, du stehst auf sie. Du willst von ihr kosten. Du bist neugierig, ob sie so aufregend schmeckt, wie sie riecht. In seinen Handrücken hineinräuspernd, schwebt sein hilfloser Blick irgendwo zwischen ihnen. 
Am liebsten würde er schreiend davon laufen und sich die Decke über den Kopf ziehen. Wie damals als Junge, wenn sein Bruder meinte, er müsste Horrorfilme ansehen, um ein Mann zu werden. "Ja, also, ... Wir müssen ..." Seine Worte verlaufen ins Leere, als seine Augen Avalunas Ausdruck einfangen. Ist das Enttäuschung? Trauer? "Es war schön, dich zu sehen.", sagt er leise, beinahe flüsternd und mit viel zu viel Wahrheit in der Stimme. Seine Mundwinkel zucken ein Lächeln andeutend, ehe er widerwillig einen Schritt an ihr vorbei macht - noch immer Almas Hüfte umklammernd, löst seine Hand sich in der Bewegung leicht von ihrer Wärme, weil sie zögert, seinem Ausweichen zu folgen.
"Danke, das finde ich auch", sagt Alma stolz der Unbekannten entgegen, bevor sie sich von Jarred mitziehen lässt. Als sie ein paar Schritte entfernt sind, sieht sie zu ihm hinüber. "Wo hast du die denn bitte kennengelernt? Die ist doch nicht aus dem Heim, wo du arbeitest, oder?"
Sie nickt leicht. "Dann euch beiden noch viel Spaß.“ Das Stimmengewirr um sie herum verschwimmt für einen Moment, als sie Jarreds Blick auf sich spürt. Es ist, als würde der ganze Markt stillstehen. Ein winziger Augenblick reicht, und ihre Augen treffen auf sein grünes Leuchten vertraut und gefährlich zugleich. Wärme durchzuckt sie, doch sie reißt sich sofort wieder los. Bei seinen freundlichen Worten schiebt sich dennoch ein ehrliches Lächeln auf ihre Lippen. "Ja… hat mich auch gefreut.“ Zum ersten Mal klingt ihre Stimme nicht gespielt. 
Der Geruch von frischem Brot und reifen Tomaten hängt in der Luft, während sie die Finger fester um ihren Helm schließt. Hart, kalt, glatt als könnte das Stück Plastik ihr Halt geben, als könnte es sie vor dem Chaos in ihrem Inneren schützen. Doch ihr Gesicht verrät nichts. Noch immer liegt dieselbe freundliche Maske auf ihren Zügen, als sei sie unerschütterlich. Mit einer hastigen Bewegung greift sie nach der letzten Zutat, die sie braucht, und drückt sie an sich. Dann wendet sie sich ab, ihre Schritte hallen auf dem Steinboden, schnell, fast gehetzt. Sie drängt sich durch die Menschenmenge, als wäre sie auf der Flucht nicht nur vor Jarred und Alma, sondern vor sich selbst.
Einen Teil in ihm schmerzt es, Avaluna dort stehen zu lassen, haltsuchend an ihren Helm gekrallt. Doch ein anderer Part atmet erleichtert auf. Das war beinahe souverän. Abgesehen von 'Danke, sehr freundlich'. Wie dämlich kann man eigentlich sein! Almas giftiger Unterton reißt ihn aus den Selbstzweifeln. "Hm? Nein. Nicht die Arbeit." Beinahe beschämt fängt er ihren bohrenden Blick auf. "Sie ... das Shady Pines.", versucht er seine Gedanken zu ordnen. "Ihre Großmutter lebt dort. Wir sind letzte Woche ineinander gelaufen." Er räuspert sich noch einmal. Ist es heiß hier in dem Laden? Ist sein Kragen irgendwie enger geworden? "Und ins Gespräch gekommen."
Überrascht hebt Alma die Augenbrauen. "Vielleicht sehe ich sie ja auch mal, wenn ich Opa ins Seniorenheim bringe", bemerkt sie daraufhin. Ihr Magen knurrt plötzlich. "Okay, jetzt sollten wir uns beeilen."
In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon @Spatz
>>> Alma geht nach Evergreen Harbor Nr. 13 - Wohnung Jarred Cunningham >>>
<<< Nari kommt von Windenburg
Charaktere: Nari Avaluna
Geschichtsstrang: Cousinchen
Nari sitzt in ihrem neuen Zuhause und starrt gelangweilt an die Decke. Die Ferien ziehen sich endlos dahin, jeder Tag scheint sich träge über den nächsten zu legen. Richtige Freunde hat sie in dieser fremden Stadt noch nicht gefunden, und die Stille zwischen den Wänden beginnt sie zu erdrücken.Also greift sie zum Handy und ruft Ava an. Ein Glück ihre Cousine sagt sofort zu, dass sie für einen Tag vorbeikommen kann.Noch im Morgengrauen macht sich Nari gut gelaunt auf den Weg.
Der Zug rattert durch die Landschaft, bis er schließlich in Evergreen einfährt. Als sie gegen Mittag aussteigt, rümpft sie unwillkürlich die Nase die Luft hier riecht irgendwie nach Eisen und altem Regen. Doch kaum erblickt sie Ava, verwandelt sich die Müdigkeit in ein strahlendes Lächeln. Nari wirft sich ihrer Cousine ohne Zögern in die Arme. "Was zur Hölle hat dich hierher verschlagen, Cousinchen?
“ fragt sie lachend. Ava erwidert das Lächeln, aber in ihren Augen liegt ein Hauch von Geheimnis. "Das ist eine lange Geschichte Sie senkt die Stimme. "Komm, lass uns schnell hier weg.“ Sie schaut sich verstohlen um. Offenbar will sie auf keinen Fall noch einmal dieser unschönen Begegnung gegenüberstehen, die irgendwo in dieser Stadt lauert.
Schließlich erreichen sie Trudy. Kaum betritt Nari das alte Schiff, überkommt sie ein vertrautes Gefühl fast so, als wäre sie hier mehr zuhause als in ihren neuen vier Wänden in Windenburg. Das Knarren der Planken, das gedämpfte Glucksen des Wassers gegen den Rumpf, selbst der salzige Geruch in der Luft all das umfängt sie wie eine alte Decke. Hier, auf Trudy, hat sie die schönste Zeit ihres Lebens mit Ava erlebt. Damals, noch bevor Nari auf der Straße ihrer Pflegemutter begegnete –jener Frau, die sich später als Avas Tante entpuppte. Ein Zufall? Nari ist sich da manchmal nicht so sicher. Vielleicht gibt es so etwas wie Bestimmung doch.
"Nun sag schon, Ava! Was verschlägt dich eigentlich hierher?“ Nari blinzelt ihre Cousine neugierig an und beugt sich verschwörerisch näher. "Und vor allem erzähl mir endlich mehr von diesem mysteriösen Fremden, der dein Boot repariert. Sieht er gut aus?“
Ava zuckt ertappt zusammen, und obwohl sie versucht, lässig zu wirken, verrät ihr Blick sie sofort. Mit einer fahrigen Handbewegung wiegelt sie ab. "Ach, der ist doch gar nicht mysteriös. Er ist einfach nur ein netter, einfacher Mann …“ Ihre Stimme wird leiser. „Mit unglaublich schönen Augen …“
Naris Augen beginnen zu funkeln. "Aha!“ Doch Ava fährt schnell fort: "… den ich zufällig getroffen habe und der jetzt an meinem Boot arbeitet.“
Ein verräterischer Gedanke huscht durch ihren Kopf, und für einen Moment malt sie sich Jarred in der Sonne vor – ohne Hemd, vielleicht sogar … nackt. Erschrocken hebt sie den Blick, als hätte Nari ihre Fantasie laut gehört. "So ist das also?“ Nari grinst triumphierend. "Sieh mal einer an, da hat dir aber jemand mächtig den Kopf verdreht.“ "Waaas? Nein!“ Ava schüttelt hastig den Kopf, ihre Hände wedeln wild durch die Luft. "Ja, vielleicht sieht er gut aus … aber das spielt keine Rolle! Er hat eine Freundin.“ Nari zuckt nur beiläufig mit den Schultern, als ginge es um eine Kleinigkeit. "Na und? Das ist vielleicht ein Grund, aber sicher kein Hindernis.“ "Nein, Nari!“ Ava funkelt sie an, die Stimme plötzlich fest. "Ich will ihr nicht wehtun. Außerdem er liebt sie. Das Thema ist vom Tisch.“ 
Doch Nari lässt sich nicht so leicht abspeisen. Sie legt den Kopf schief, ihre Stimme wird sanft, beinahe traurig. "Du solltest auch mal mehr an dich denken. Du gibst anderen so viel, Ava … aber du selbst verlangst nie etwas zurück.“ Ava wendet sich ab, ihre Gedanken fliehen. Die Begegnung mit Jarred liegt ihr immer noch schwer im Magen zu nah, zu intensiv, zu gefährlich.
Ava lächelt nun sanft und lehnt sich zurück. "Genug von mir. Erzähl du doch mal wie läuft’s in Windenburg? Hast du schon jemanden kennengelernt?“
Nari senkt beschämt den Blick und vergräbt ihr Gesicht halb in einem Kissen, das sie sich demonstrativ auf den Kopf drückt. Ihre Stimme klingt gedämpft, als würde sie am liebsten gar nichts sagen. "Ich hab das coolste Mädchen der ganzen Stadt getroffen … und mich dabei total zum Affen gemacht. Die denkt bestimmt, ich bin eine von diesen Vollzeit-Tussis.“ Sie zieht das Kissen wieder herunter, seufzt tief und fuchtelt genervt mit einer Hand in der Luft. "Guck mich doch an! An mir ist nichts Besonderes. Ich bin so … normal. So ein graues Mäuschen.“ Mit einem Schnauben pustet sie eine widerspenstige Locke aus ihrem Gesicht, die prompt wieder zurückfällt."Aber …“ fährt sie leise fort, "ich treffe sie wieder. Auf dem Fest. Ich hab nur nicht den Mum, sie vorher anzurufen. Stattdessen starre ich lieber die Wand an und langweile mich zu Tode. Voll ätzend.“
"Deswegen bin ich hier, Ava!“ Nari wirft das Kissen beiseite und setzt sich auf. Ihre Stimme klingt eindringlich. "Du musst mir helfen. Mein ganzes Geld ist für Essen draufgegangen. Kannst du mir nicht was für neue Klamotten geben? Ich weiß aus sicherer Quelle, dass du diesen Monat nicht gespendet hast. Wieso eigentlich? Du benutzt dein eigenes Geld doch sonst nie für dich selbst.“Avas Kopf fährt hoch, ihre Augen blitzen vor Zorn. 
"Du hast Kessi angerufen?“ Ihre Stimme schneidet scharf durch den Raum. "Das geht dich überhaupt nichts an, Nari! Ich habe mir das Geld nicht aus Langeweile auszahlen lassen. Und nein – ich kann dir davon nichts abgeben. Trudy repariert sich schließlich auch nicht von allein. “Nari hebt spöttisch eine Augenbraue. "Trudys Reparatur kostet aber garantiert keine sechstausend Simoleons. Ach komm, Ava! Ich weiß genau, dass du dir die volle Summe geholt hast. Nur fünfzig würden schon reichen.“ Doch Ava schüttelt entschieden den Kopf, ihre Lippen sind fest aufeinandergepresst. "Es geht diesen Monat wirklich nicht, Nari. Gerne nächsten oder übernächsten. Aber jetzt nicht.“ Nari stößt hörbar die Luft aus, genervt, trotzig. Ihre Arme verschränkt sie vor der Brust, als wollte sie eine unsichtbare Mauer zwischen sich und Ava errichten. Ava schüttelt lachend den Kopf, greift nach einem Kissen und trifft Nari mitten ins Gesicht. "Hör auf zu schmollen“, ruft sie grinsend. "Du kannst dir jederzeit etwas von mir ausleihen!“ Nari prustet los, packt nun ebenfalls ein Kissen und hält es wie eine Waffe vor sich. "Du weißt genau, dass mir deine Sachen viel zu groß sind!“ Ohne zu zögern, holt sie aus und schlägt zurück. Und schon beginnt eine wilde Kissenschlacht. Die beiden rennen kichernd durch den Raum, schlagen nach Herzenslust aufeinander ein, während Federn durch die Luft wirbeln wie Schneeflocken. Lachen hallt von den Wänden wider, und für einen Moment gibt es keine Sorgen, keine Geheimnisse nur zwei Mädchen, die sich fast die Seele aus dem Leib lachen und dabei jede Menge Spaß haben.
>>> Nari geht nach Sulani Festivalgelände >>>
Charaktere Jarred Avaluna
Geschichtsstrang: Geburtstagsfunken 
Mit pochendem Herzen steigt Jarred aus der Bahn, die ihn von Newcrest mal mehr, mal weniger zuverlässig nach Evergreen bringt. Die Arbeit war heute anstrengend. Bei dem Wetter herrscht reges Kommen und Gehen im Heim, vermehrte Kontrollen und hohe Aufmerksamkeit waren gefordert. Und schließlich wollte sich ein Elternteil wieder einmal kaum überzeugen lassen, vom eigenen Kind abzulassen. Jarred ist dankbar, dass so etwas nicht jede Woche vorkommt, dennoch mehren sich Fälle dieser Art. Und die Verzweiflung der Angehörigen hinterlassen Spuren in seinem Gemüt. Es gefällt ihm nicht, der harte Hund sein zu müssen. Das ist einfach nicht sein Naturell - auch wenn er den Sinn hinter dieser Aufgabe durchaus versteht und befürwortet.
Und nun wird er in wenigen Minuten vor Avaluna stehen. Der Frau mit dieser unglaublich anziehenden Ausstrahlung, der er nur mit aller Mühe widerstehen kann. Kabel, Nervosität und Gewissensbisse im Gepäck erspäht er schon von weitem das Boot im Hafen. Vielleicht ist sie ja gar nicht da, versucht er, sich zu beruhigen.
Die Luft ist heiß und stickig, was nach der klimatisierten Fahrt deutlich mehr ins Gewicht fällt. Hat er normalerweise keine Schwierigkeiten mit hohen Temperaturen, setzt ihm die Hitze heute ungewohnt zu. Den Gedanken, es könnte an ihr liegen, schiebt er bewusst weit in den Hintergrund, am liebsten direkt durch den Schädelknochen hinaus.
Ein letztes Mal atmet er tief durch, ehe er den schmalen Steg betritt und die kleine Klingel ertönen lässt.
Die Sonne steht tief über dem Wasser und malt goldene Flecken auf die hölzernen Wände des Hausboots. Sanft schaukelt Avalunas kleines Reich, während draußen eine warme Brise spielt und irgendwo eine Möwe ruft.
Avaluna liegt entspannt auf dem Bett, halb in ein Kissen gekuschelt, als plötzlich die Klingel ertönt.
Sie fährt erschrocken hoch. Wer kann das sein?
Ein Blick auf die Uhr – mitten am Nachmittag. Sie hat niemanden erwartet. Mit einem verwunderten Seufzen streckt sie sich, fährt sich durchs Haar und ruft beiläufig: „Bin gleich da!“
Gemütlich schlendert sie Richtung Tür. Ihr T-Shirt, das sie noch vom entspannten Lesen trägt, reicht gerade so, um ihren Po zu bedecken. Auf dem Boot ist das nichts Ungewöhnliches – hier lebt sie frei und ungezwungen. Doch wer auch immer draußen steht, bekommt diesen Anblick nun unvermittelt serviert.
Als sie die Tür öffnet, ist der Moment wie ein kleiner Stromschlag.
Er.Ihre Augen weiten sich überrascht. Ausgerechnet er steht auf ihrem Steg Jarred. Breit gebaut, vertraut, und doch wirkt er noch besser als beim letzten Mal. Das Licht der Nachmittagssonne fängt sich in seinem Haar und lässt seine Konturen fast leuchten.
Und er sieht sie nun so, wie sie gerade ist: ungeschminkt, leicht verschlafen, in diesem viel zu kurzen Shirt.
Es gefällt ihr nicht, so gesehen zu werden – aber nicht wegen der Kleidung. Sondern weil sie ihr Gesicht sonst gerne ein wenig herrichtet, wenn sie ihm begegnet. Doch da steht er nun, und sie hat keine Chance, irgendetwas zu verbergen.
Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – breitet sich langsam ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.
Diesmal halte ich mich nicht zurück. Nari hat recht … so jemanden lasse ich mir nicht wegen einer Fremden entgehen.
Noch ehe er etwas sagen kann, tritt Avaluna vor und schließt ihn spontan in eine Umarmung.
"Jarry! Ist das … wirklich schon heute?“ Ihre Stimme klingt heller, als sie gedacht hat, fast ein wenig überrascht vor Freude.
Sie ergreift seine Hand und zieht ihn einfach hinein, ohne ihm Zeit zu lassen, sein Werkzeug oder sonst etwas zu ordnen.
"Komm rein! Ich mach dir einen O-Saft. Bevor du anfängst zu arbeiten, gönnen wir uns einen Moment. Du hattest sicher einen anstrengenden Tag, oder?“
Sie lacht, schubst ihn sanft auf das weiche Sofa in der kleinen, gemütlichen Kajüte und verschwindet barfuß in die kleine Küche. Während sie ein Glas frisch gepressten Orangensaft einschenkt, hört sie das leise Knarzen des Holzbodens unter seinen Schritten.
Der Duft von Kaffee füllt den Raum, als sie ihre Maschine startet. Draußen plätschert das Wasser sanft gegen den Rumpf, und irgendwo schlägt ein Tau gegen den Mast.
Avaluna spürt, wie ihr Herz schneller schlägt.
Heute ist sie bereit, ihm zu zeigen, dass er ihr gefällt. Keine Versteckspiele mehr.
Beide Brauen schnellen in den Haaransatz, als sie sich in seinen Arm wirft. Jarry? Schmunzelnd hebt sich ein Mundwinkel. Ihr Duft umwirbt ihn, zieht seine Hände lockend in ihren Rücken, so dass er zaghaft, regelrecht schüchtern, die Umarmung erwidert - darauf bedacht nicht versehentlich nackte Haut zu berühren. Natürlich muss er das Glück haben, sie ohne Hosen anzutreffen. Ihr praller Po in engen Shorts genügt scheinbar nicht.
Mühevoll hält er Gedanken und Absichten beisammen, während sie ihn mit ungebremster Freude ins Innere des Bootes zieht. Ihre Worte stolpern verzögert durch seinen Verstand, der sich bewusst immer wieder Almas Bild wachruft. Er ist nur hier, um den Motor zu reparieren. Danach hau ich sofort wieder ab. "Das ist eigentlich nicht ..." zu spät, das Glas landet bereits in seiner Hand. "Danke.", lächelt er und lässt sich auf das Sofa sinken. "War viel los heute, ja." Verlegen nimmt er einen Schluck. Herrlich frisch und angenehm kalt. "Ich habe das Kabel dabei." Sein Blick ruht auf dem Glas in seiner Hand. Die Sorge, sie anzusehen, könnte ihn den Grund seines Besuches vergessen lassen, legt sich wie ein schwerer Mantel um seine Schultern. "Ich wäre früher hier gewesen, aber ..." ich hab mich nicht getraut? Wie alt bist du? Zwölf? "Es ... gab viel zu tun. Entschuldige."
Avaluna winkt lächelnd ab. "Jetzt bist du ja da.“
Mit einem kleinen Funkeln in den Augen beugt sie sich über ihn, um etwas zu greifen, das neben ihm auf dem Sofa liegt. Dann – ohne Zögern – setzt sie sich einfach auf seinen Schoß.
Bevor Jarred reagieren kann, nimmt sie ihm sanft das Glas Orangensaft aus der Hand, stellt es vorsichtig auf den niedrigen Tisch und schnappt sich behutsam seinen Arm. Ihre Finger sind warm und geschmeidig, als sie ein Lederarmband mit bernsteinfarbenen Perlen um sein Handgelenk legt und es sicher verschließt.
"Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag, Jarry“, sagt sie leise, fast zärtlich, und drückt ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. Dann lehnt sie sich etwas zurück, sieht ihn strahlend an voller Stolz, aber auch mit einem Hauch von Nervosität in den Augen.
"Ich hab es selbst zusammengestellt und geknüpft“, erklärt sie mit warmer Stimme. "Die bernsteinfarbenen Perlen stehen für Sonne, Schutz und Lebensfreude – Dinge, die du nie verlieren solltest. Und das Armband soll dich daran erinnern. Außerdem sagt man ihnen nach, dass sie harmonisch auf Geist und Seele wirken.“
Für einen Moment hält sie den Atem an. Sie hofft so sehr, dass es ihm gefällt. Sie hat jedes Detail sorgfältig ausgewählt, jede Perle bewusst ausgesucht. Es ist nicht einfach nur ein Schmuckstück – es ist ein Stück von ihr, eine stille Botschaft, die sie ihm geben möchte.
Verzweifelt klammert Jarred sich an dem Glas fest, als sie sich zu ihm beugt. Sie lässt sich auf seinen Schenkeln nieder und Überforderung schießt ihm durch alle Körperzellen. Beide Hände in die Luft erhoben, als könne er sich an ihr verennen, zieht er reflexartig das Becken weiter in die Polster. Das ist ein Albtraum! Ein wunderbar duftender, unglaublich aufregender, anturnender Albtraum. Schwer schluckend will er gerade ansetzen, ihr Einhalt zu gebieten - höflich, aber bestimmt - da legt sie ihm das Lederband ums Handgelenk. Ungläubig sieht er zu ihr auf. "Du ... du hast daran gedacht?" Langsam und tief gerührt neigt sein Blick sich zu dem Geschenk. Niemand hat gestern an ihn gedacht. Weder die Geschwister, noch seine Mutter - nicht einmal Alma. Er hat den Abend allein verbracht. In einer Bar mit zwei Gläsern Wein und den Ausreden im Hinterkopf, dass sie alle viel um die Ohren haben. Und nun schenkt ihm diese Frau ein Armband. Ein selbstgemachtes auch noch. Sie hat Mühe und Zeit investiert. Etwas von sich selbst gegeben.
Es hat die Farbe ihrer Augen und die Wärme ihrer Seele. "Es ... ist wunderschön.", murmelt er, um Fassung ringend. In seinen Augen leuchtet die Sehnsucht, als er sie wieder ansieht. "Ich danke dir." Wie in Zeitlupe, sinkt sein anderer Arm endlich in die Polster zurück. Ohne es zu beabsichtigen, berührt die Hand ihr Schienbein, glatt und warm. Der Körper missachtet den ersten Impuls, die Hand zurückzureißen. Jarreds Herz überspringt zwei Schläge, bevor es lautstark in doppeltem Tempo voranprescht. Und so bleibt die Hand dort, wo sie ist. Wo sie sich gut anfühlt. 
Avaluna nickt lächelnd.
"Natürlich habe ich das. Wir haben uns doch darüber unterhalten.“
Ihre Stimme klingt spielerisch, fast ein wenig stolz. "Ich hoffe, du wurdest wie ein König gefeiert. Ich hab sogar für dich mitgeraucht!“
Sie deutet mit einem kleinen Grinsen auf die Bong, die auf der Kommode steht. Dann strahlt sie, als sie spürt, dass ihm ihr Geschenk gefällt. Die Freude lässt sie unwillkürlich aufquieken, und sie wirft sich ihm noch einmal leicht stürmisch in die Arme.
"Du glaubst gar nicht, wie sehr mich das freut!“
Als sie ihn ansieht, ist ihr Blick warm, beinahe weich. Man kann ihr ansehen, dass sie es liebt, Geschenke zu machen – dass ihr Herz daran hängt, jemandem eine Freude zu bereiten.
Plötzlich spürt sie seine Hand, ist einen Moment überrascht … doch sie beschließt, nicht darauf zu reagieren. Sie will nicht, dass er sie zurückzieht. Stattdessen schaut sie ihm wieder direkt in die Augen, warm und strahlend.
"Ich hab sogar gebacken“, sagt sie mit einem kleinen, fast entschuldigenden Lächeln. "Gut, meine Backkünste sind nicht die besten. Aber ich wusste auch nicht, dass ich dich heute sehen würde … sonst hätte ich mir bestimmt noch mehr Mühe gegeben.“
Sie bleibt auf seinem Schoß sitzen.
Der Kuchen bleibt in der Küche, verborgen. Noch holt sie ihn nicht. Nicht jetzt.
Sie möchte diesen Moment nicht brechen möchte seine Nähe spüren, seine Berührung, die Wärme zwischen ihnen auskosten. Wenigstens noch einen kleinen Augenblick, bevor irgendetwas ihn unterbrechen könnte.
Wie ein König... Sein Blick senkt sich, ein belegtes Lächeln umspielt seine Züge. Er weiß, dass er für die meisten Sims nicht von so großer Bedeutung ist, wie er es gern wäre. Wenn er nicht in verschiedene Beziehungen investieren würde, wären sie längst vergangen. Mit dieser Art Ungleichgewicht hat er sich längst abgefunden. Die Anmerkung in sich hineinseufzend übergehend, genießt er die Umarmung. Dieses Mal zögert er nicht, sie zu erwidern. Avalunas Freude ist so ehrlich und energiespendend, dass er sie am liebsten nie wieder loslassen würde. Sie ist so anders als Alma. So viel offener und wärmer. Wieder wird ihm bewusst, wie sehr ihm solche Energie im Alltag fehlt. Seit Wochen gibt es nur Trauer, Wut und Schuld, selten durchbrochen von stillen Momenten der zunehmenden Gleichgültigkeit. Unter der Last der Tragödie stirbt auch die Leidenschaft. Körperliche Nähe wird zu Trauerbewältigung, die frühere Zuneigung scheint wie ein inflationäres Zahlungsmittel, das seit dem Unfall immer wieder eingefordert, aber nur selten gegeben wird. Jarred weiß um die Fragilität, die dahinter steckt. Dennoch spürt er mehr und mehr, dass er bald am Ende seiner Ressourcen ist. Wann darf er wieder Ansprüche stellen? Wann sieht sie ihn wieder als gleichwertigen Partner statt als Prellbock für ihre facettenreiche Empfindungspalette? Wo kann er seinen Frust abladen, seine Bestürzung und seinen Zorn? Nicht einmal hat jemand gefragt, wie es ihm mit all dem geht. Und nun liegt Avaluna in seinem Arm, so warm und lebensfroh, dass er am liebsten sofort mit ihr durchbrennen würde. In ihrer Nähe scheint all das nicht mehr relevant zu sein. Sie ist die Befreiung, nach der er sich so sehnt. Und die er nicht finden darf.
Sie lehnt sich zurück, schaut ihn an und es ist, als würde die Sonne hinter den Bergen hervorlugen. Das alles geht in eine falsche Richtung. Irgendwer wird verletzt werden. Es liegt an ihm. Wieder einmal ist er es, der die Objektivität behalten muss.
Sein Blick streift ihre Gesichtszüge. So weich und sanft in ihrer natürlichen Schönheit. "Ich bin sicher, er ist großartig.", sagt er liebevoll lächelnd. "Aber ich sollte jetzt an die Arbeit gehen." Eine Hand in ihrem Rücken erhört den Druck gegen sie - das Signal für sie, ihn aufstehen zu lassen. Er könnte seinen Unterkörper einfach gegen sie stemmen, sie anheben und von sich bugsieren. Nur ginge er damit das Risiko ein, sie auf seine Bestückung aufmerksam zu machen. Von Unsicherheit zurückgehalten hofft er darauf, dass sie ohne grobes Drängen seinerseits von ihm ablässt.
Avaluna schmunzelt. Sie kennt das Gerede der Männer.
Ein Gentleman schweigt und genießt so hat sie es gelernt. Also bohrt sie nicht weiter, sondern denkt sich ihren Teil.
Sie sieht Jarred fest an, genießt die Wärme seiner Hand auf ihrer Haut. Ihre Finger nutzen die Gelegenheit und streichen sanft über sein Gesicht. Zart, fast zögerlich, und doch voller Neugier. Sie hält seinen Blick dabei, verliert sich in seinen Augen. Sie sind so schön, so unergründlich. Wie gern würde sie wissen, was darin vorgeht, welche Gedanken sich hinter diesem ruhigen Ausdruck verbergen.
Ihre Lippen formen ein warmes Lächeln, bevor sie ihn spielerisch an der Nase stupst. Dann rutscht sie vorsichtig von seinem Schoß, richtet ihr kurzes Shirt und sagt mit einem entschlossenen Funkeln:
„Tüchtig! Aber in der Pause wird der Kuchen gegessen da lasse ich keine Widerrede zu. Es fehlt zwar ein Stück … weil ich gestern schon genascht habe.“ Mit einem leichten Schwung steht sie auf, geht zur kleinen Küchenzeile und holt sich den Kaffee, der längst durchgelaufen ist. Der Duft breitet sich angenehm in der Kabine aus.
Ohne groß nachzudenken, klettert sie die schmale Stufe hoch in den kleinen Schlafbereich, um sich etwas anzuziehen. Sie greift nach einem Kleid, hält es kurz an sich und schaut auf den kleinen Geldumschlag, den sie für Jarred Abschiedsgeschenk vorbereitet hat.
Ein leises Stechen zieht durch ihre Brust.
Der Gedanke, ihn irgendwann nicht mehr zu sehen, gefällt ihr gar nicht.
In der Pause … gehe ich aufs Ganze. Oder aber …
Ein schiefes Grinsen huscht über ihr Gesicht.
Ob er schon mal einen Jolly geraucht hat? Das könnte ihn echt mal entspannen. Er wirkt immer so schwer.
Avaluna legt die Klamotten zurecht und verschwindet ins kleine Badezimmer.
"Wäre möglich, Hermann, ich klau dir noch mal zwei Blätter“, murmelt sie schmunzelnd zu dem großen Zimmerpflanzen Baum, der still in der Ecke steht, und zwinkert ihm zu, als wäre er ein alter Freund.
Dann dreht sie die Dusche auf. Das leise Rauschen von Wasser füllt den Raum, während sie beschließt, sich zurechtzumachen frisch, schön, bereit für das, was dieser Nachmittag noch bringen könnte.
Danach will sie nachsehen, wie weit Jarred gekommen ist … und vielleicht, nur vielleicht, den Moment finden, um ihm näherzukommen.
Währenddessen widmet Jarred sich dem Motor - bewusst hat er sich ein altes Shirt angezogen, so dass er nicht wieder genötigt ist, mit freiem Oberkörper zu arbeiten.
Die Verkleidung ist schnell entfernt, das Werkzeug ist bereitgelegt und so dauert es nicht lang, bis das neue Kabel angebracht ist. Nach weniger als zehn Minuten und der Überprüfung aller Verbindungen zieht er an der Schnur, um den Motor für einen Test zu starten. Ratternd tut er seinen Dienst und entlockt Jarred ein zufriedenes Nicken. Die Ausrüstung mag nicht neuwertig sein, doch sie wirkt stabil und zuverlässig. Er stellt den Motor wieder aus, ehe die letzten Handgriffe folgen. Hier etwas Schmiere abputzen, dort eine Schraube nachziehen - wenn er ohnehin schon einmal dabei ist. Zum Schluss das Gehäuse einrasten und fertig. Gewissenhaft wischt er das Werkzeug ab, legt es zurück in die alte Kiste und will sie gerade beiseite stellen, als Avaluna aus der Küche zu ihm kommt. Die Begeisterung steht ihr ins Gesicht geschrieben. "Sie läuft.", verkündet er knapp mit einem jungenhaften Grinsen im Gesicht.
Frisch geduscht, geschminkt und zart parfümiert kommt Avaluna zurück an Deck. Das Wasser glitzert draußen im Nachmittagslicht, und ein leichter Duft von Kaffee liegt noch immer in der Luft.
Als sie Jarred sieht, fällt ihr sofort sein Grinsen auf warm, ansteckend. Sie kann gar nicht anders, als zurückzulächeln.
"Ich kann nach Hause!“ platzt es plötzlich aus ihr heraus, bevor sie sich bremsen kann.
Ein leiser Freudenschrei entweicht ihr, fast ein Quietschen, und dann läuft sie schon los – direkt in seine Arme.
"Ich kann endlich nach Hause!“ ruft sie noch einmal lauter, ihre Stimme voll heller Erleichterung.
Dass sie sich dabei vielleicht an ihn schmiegt, ohne zu überlegen, dass sie frisch geduscht und noch leicht duftet, vergisst sie in ihrer Freude völlig. Auch das dieser geruch dann an ihn klebt "Danke, Jarry! Du bist ein echter Schatz!“
Stürmisch schnappt sie seine Hand, zieht ihn hinter sich her wie ein viel zu großes Spielzeug und drückt ihn zu dem kleinen Tisch mit den Stühlen.
"Setz dich! Nun hast du dir deinen Kuchen mehr als verdient!“
Sie strahlt, zeigt bestimmt auf einen Stuhl.
"Setz dich! Nicht weglaufen. Der Kaffee müsste noch heiß sein.“
Dann eilt sie in die kleine Küche. Man hört, wie sie Schranktüren öffnet, etwas sucht und dabei leise vor sich hin lacht. Schließlich findet sie, was sie braucht: ein paar Kerzen – gerade genug, um einen kleinen Kreis auf der Erdbeer-Sahne-Torte zu formen.
Sie stellt alles bereit, und als sie zurückkommt, trägt sie die Torte mit einem leisen Kichern in den Händen.
Schon von Weitem beginnt sie singend den Happy-Birthday-Song, ihre Stimme hell und voller Freude.
Die Torte hat bereits ein fehlendes Stück – ein verräterischer Beweis, dass sie gestern wirklich schon gegessen hat.
Avaluna stellt sie vor Jarred auf den Tisch, strahlt ihn an und beendet den Song mit einem kleinen, fast schüchternen Lachen.
"Los, alles auspusten und dir was wünschen!“
Ihre Augen leuchten, und in ihrem Blick liegt etwas Kindliches, Aufgeregtes – als hätte sie selbst gerade Geburtstag.
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"Ja," Jarreds Stimme, nah an ihrem Ohr, klingt weniger erfreut, als beabsichtigt, "du kannst nach Hause fahren." Ihr warmer Körper presst sich an ihn und ein weiteres Mal atmet er ihren Duft tief ein. Er gibt sich große Mühe, sich den Widerwillen, sie loszulassen, nicht anmerken zu lassen. Schmunzelnd tapert er hinter ihr her in den kleinen Wohnraum, wo sie ihn aufgeregt auf dem Stuhl drapiert. Er spielt das kleine Spiel mit. Noch ein Kaffee, ein Stück Kuchen, dann wird er gehen. Und sie nie wieder sehen. Die Schwere in seiner Brust lächelt er bemüht in den Hintergrund, während die innere Stimme immer lauter auf ihn einredet, dies sei sein letzte Chance, vielleicht doch noch Glück zu finden. Doch er weiß, dass es nur ein Abenteuer wäre. Er liebt Alma und er wird sie nicht hintergehen. Bald - irgendwann wird es wieder besser werden. Er muss nur noch ein wenig durchhalten.
Rührung leuchtet erneut in ihm auf, als Avaluna singend aus der Küche herüber kommt. Immer wieder redet er sich ein, sein Geburtstag sei nichts Besonderes. Er muss nicht gefeiert werden. Doch bei diesen kleinen Gesten, die Avaluna ihm entgegenbringt, spürt er, dass es nicht die Wahrheit ist. Als Junge liebte er seinen Geburtstag. Das ganze Jahr hatte er darauf hingefiebert. Bis es plötzlich keinen Platz mehr dafür in der Familie gab und alles nur noch beiläufig, halbherzig und aus einer Art Pflichtgefühl abgehandelt wurde. Nicht nur sein Geburtstag verlor an Bedeutung - er selbst, seine Existenz wurde mit diesem Schatten belegt. Auch wenn vergangene Liebschaften sich bemühten, es wurde nie wieder wie früher. Dass sein Ehrentag in diesem Jahr vollkommen außer Acht geblieben war, verletzte ihn mehr, als er zugeben würde. Er weiß, dass es nicht mit Absicht geschah. Aber das ändert nichts daran, dass es weh tut, egal zu sein. Hätte Alma ihm diese Aufmerksamkeit geschenkt, wie es Avaluna tut, wenn sie nicht vollkommen neben der Spur wäre? Sicher hätte sie das. Schließlich liebt sie ihn. Tut sie das? Oder liebt sie es nur, geliebt zu werden?
Das Lächeln in seinem Gesicht wirkt ehrlich, wenn auch nicht von Gedanken befreit. Ein tiefes Seufzen versteckt sich dahinter und endet in einem bescheidenen Lachen, als Avaluna zum Auspusten auffordert. Das hat er seit Jahren nicht getan. Sich etwas gewünscht. Er sieht in die kleinen Flammen und wie von selbst ploppt es in ihm auf. Er schließt die Augen, Ich wünsche mir, dass Alma wieder glücklich wird. und pustet.
Avaluna strahlt ihn an, will noch einen Moment länger in seinen Armen verweilen … doch Jarred löst die Umarmung sanft. Einen Augenblick lang fühlt es sich merkwürdig an, weiter an ihm zu kleben, also lässt sie ihn los.
Sie schaut ihm einfach zu, während er die Kerzen ausbläst und sich etwas wünscht. Ihre Augen hängen an seinem Gesicht, neugierig, fast zärtlich. Als er fertig ist, klatscht sie freudig in die Hände, um den Moment abzuschließen.
Dann verschwindet sie in die kleine Küche, holt Kaffee und gießt beiden etwas ein. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee füllt wieder die Kajüte.
Als Nächstes kramt sie einen Topf hervor, einen Kochlöffel und einen Schal. Mit den Utensilien in den Händen bleibt sie schließlich grinsend vor ihm stehen.
"Na, weißt du, was nach dem Kuchenessen kommt?“ fragt sie schelmisch und hebt die Augenbrauen.
Draußen schaukelt das Boot sanft im Wind, die Leinen knarzen leise, und irgendwo glitzert die Sonne auf dem Wasser. Ava atmet tief durch. Morgen kann sie von diesem stinkenden Hafen, diesem Ort voller Gestank und trüber Erinnerungen, endlich wegfahren. Und das alles nur, weil Jarred geholfen hat.
Doch während die Erleichterung sie warm umhüllt, liegt auch eine kleine Schwere in ihrem Herzen.
Ja … sie wird ihn wohl vermissen.
Denn was hatten sie eigentlich? Keine enge Freundschaft, nicht mal regelmäßigen Kontakt. Nur ein paar Begegnungen – aber jede davon war für sie wie ein kleines Abenteuer gewesen. Jarred gab ihr ein Gefühl, das sie lange nicht mehr spüren durfte: Leichtigkeit, vielleicht sogar so etwas wie Sicherheit.
Sie weiß nicht einmal, warum.
Im Grunde macht er nichts anderes, als nett zu sein.
Und doch reicht genau das.
Nach all dem, was Ava in letzter Zeit durchgemacht hat, nach allem, was sie so oft allein stemmen musste, fühlt sich seine bloße Freundlichkeit wie ein kleiner, kostbarer Schatz an.
Eine Sekunde starrt er sie ungläubig an - dann muss er lachen. Leise und zurückhaltend, denn es ist nicht seine Art, etwas ausbrechen zu lassen. Doch der belustigte Ausdruck hält sich auch dann, als er eine Hand vor den Mund legt. Das ist nicht ihr Ernst. "Topfschlagen? Wirklich?" Als könne er nicht fassen, was sie ihm bietet, weicht sein Blick zur Seite aus. Als er sich 
wieder nach vorn wendet, scheint es, als würde es feucht in seinen Augen glänzen. "Kommt danach das Schokolade auspacken?", fragt er mit Zögern in der Stimme, weil er selbst bemerkt, dass sie zu brechen beginnt.
Mit so einer Reaktion hat Avaluna nicht gerechnet. Doch als sie ihn so lachen sieht, lacht sie einfach mit leicht überrascht, aber ehrlich und hell.
Sie setzt sich zurück auf ihren Stuhl, schiebt ein Stück Torte auf seinen Teller und eines auf ihren.
"Jaaaa, wirklich!“ sagt sie gedehnt und strahlend. "Ich hab da noch eine Kleinigkeit! Aber die sollst du dir verdienen.“
Sie lehnt sich ein wenig vor, die Augen glitzern belustigt, während sie ihn mustert.
Ja, sie mag diesen Jarred Mehr, als sie sich eingestehen will Umso mehr sie Zeit mit ihm verbringt, umso mehr Spaß macht es ihr mit ihm.
Als er eine Frage stellt, lacht sie laut auf, schüttelt amüsiert den Kopf und antwortet verspielt:
"Also ich wäre ja dabei! Schokolade hab ich immer im Haus.“
Sie grinst schelmisch und denkt einen Moment lang an, die große Pflanze in der Ecke.
Allein wegen Hermann …
Ihre Stimmung ist leicht, verspielt, fast kindlich fröhlich und doch spürt sie unter der Oberfläche dieses kleine Ziehen in der Brust, das sie jedes Mal fühlt, wenn sie merkt, wie gern sie ihn hat.
Diese ganze Situation ist absurd und vollkommen surreal, denkt Jarred. Das Lachen bleibt stumm in seinem Gesicht haften, als er den Blick senkt. "Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Schokolade hatte.", hört er sich sagen. Als ob das eine Rolle spielen würde. Das alles hier, lässt in ihm den unbändigen Wunsch reifen, sie zu packen, zu küssen und nie wieder loszulassen. "Und ich weiß nicht,", beginnt er leiser, gedrückter, und verstummt mit einem Räuspern. Dann hebt sich sein Blick. Mit aller Kraft kämpft er gegen die aufsteigenden Tränen an. "Danke Ava. Wirklich, das ...", ein tiefes Seufzen unterbricht ihn, "ist mehr, als ich mir wünschen könnte."
Avaluna sieht ihn bei seiner Antwort über die Schokolade überrascht und fast mitleidig an.
Eine Welt ohne Schokolade für sie unvorstellbar.
"Dann wird es aber mal wieder Zeit!“ sagt sie warm, aber mit einem kleinen Funkeln in den Augen, als wolle sie ihm Mut machen.
Als sie merkt, wie sehr er mit sich ringt und wie ehrlich er sich bei ihr bedankt, verändert sich etwas in ihr. Seine Worte treffen sie tiefer, als sie erwartet hat. Ihre Augen werden glasig. Mit so einer Reaktion hat sie nicht gerechnet.
Ein warmer Schauer breitet sich in ihrer Brust aus, sie fühlt sich plötzlich so nah bei ihm, so unerwartet berührt. Bevor sie darüber nachdenken kann, steht sie auf und geht zu ihm.
Dieses Mal umarmt sie ihn fest.
Nicht spielerisch, nicht nur zum Spaß sondern richtig.
"Das mach ich gerne … immer, wenn du mich lässt“, sagt sie leise, fast zärtlich, ohne zu überlegen.
In diesem Moment spürt sie, dass sie gar nicht weg will nicht für immer. Nicht ihn aus den Augen verlieren, nur weil irgendwo eine Frau sitzt, die ihn vielleicht gar nicht zu schätzen weiß.
Während ihre Gedanken kreisen, fragt sie sich, was er nur an seinem Geburtstag erlebt hat, dass ihn so etwas Kleines, so eine verspielte Geste, so aus der Fassung bringen kann.
Ohne es zu merken, streicheln ihre Finger sanft über seinen Kopf.
Sie hält ihn noch immer an ihre Brust gedrückt, beschützt, ein wenig tröstend.
Für einen Herzschlag fühlt sich das Hausboot wie eine kleine Insel an, nur für sie beide draußen Wasser, Wind und Möwen, drinnen diese stille, warme Nähe, die plötzlich so viel mehr bedeutet als sie erwartet hatte.
Die Augen geschlossen, der Atem ruhig, liegt er in ihrem Arm. Ihr Herz schlägt kräftig, führt ihn in einen meditativen Zustand der Entspannung. Die sanften Berührungen durch sein Haar vertreiben schwere Gedanken und er spürt, wie sein Körper an Spannung abbauend, tiefer in ihre Umarmung taucht. Er genießt diesen Moment so sehr, dass jedes Zeitgefühl verschwindet. Er könnte bis in alle Ewigkeit so liegen, an nichts denken und sich einfach in ihrer Nähe fallen lassen.
Als sein Verstand sich plötzlich wieder einschaltet, bemerkt er, dass geschlafen haben muss. Wie lange liegt er schon hier? Es könnte eine Minute, oder auch eine Stunde sein. Räuspernd richtet er sich auf und wischt sich durchs Gesicht. Kaffee und Kuchen stehen noch immer auf dem Tisch. Verlegen wirft er ihr einen Blick zu. "Entschuldige. Das war unangebracht." Die Hand widmet sich der nächsten Aufgabe - der Kuchengabel.
Avaluna verharrt so, ihn in den Armen haltend, und streichelt ruhig weiter über seinen Kopf.
Ihn so nah bei sich zu haben, seinen Duft einzuatmen, der in ihrer Nase kitzelt und sich mit ihrem eigenen mischt, fühlt sich überraschend richtig an. Warm. Geborgen.
Sie gibt sich diesem Moment hin und kostet ihn in vollen Zügen aus.
Wann hat sie sich zuletzt so gefühlt?
Oder … hat sie sich überhaupt jemals so gefühlt?
Es ist seltsam vertraut – fast unheimlich vertraut , obwohl er eigentlich noch immer ein Mann ist, den sie kaum richtig kennt. Und doch fühlt es sich an, als würde ihr Herz ihn längst erkennen.
Sein Geruch vermischt sich mit ihrem, und in ihrer Vorstellung entsteht daraus eine wunderbare, sanfte Mischung. Ein Duft, der irgendwie passt.
Dann räuspert Jarred sich leise.
Das kleine Geräusch holt sie abrupt zurück in die Wirklichkeit.
Avaluna löst langsam die Umarmung, fast widerwillig, und setzt sich wieder auf ihren Stuhl.
Seine leise Entschuldigung versteht sie nicht ganz und sie geht auch nicht weiter darauf ein. Stattdessen wendet sie sich ihrer Torte zu, nimmt einen kleinen Bissen und lässt die Süße langsam auf der Zunge schmelzen.
Für einen Moment herrscht stille zwischen ihnen. Keine unangenehme Stille – eher eine nachklingende Ruhe, als würden beide versuchen, diesen eben geteilten Augenblick innerlich zu ordnen.
Dann wird Ava unruhig. Sie mag keine zu langen Pausen, wenn die Stimmung so voller Möglichkeiten ist.
Sie steht auf, kramt den Schal hervor, den sie zuvor beiseitegelegt hatte, und geht mit einem verschmitzten Lächeln zu ihm.
Mit einer schnellen, verspielten Bewegung bindet sie ihm den Schal sanft um die Augen, sodass er nichts mehr sehen kann.
"Also … bereit für deine letzte kleine Überraschung?“ fragt sie grinsend, ihre Stimme einladend und voller Vorfreude.
Das Boot wiegt sich sanft im Wind, irgendwo knarzt eine Planke, und in diesem Moment wirkt alles wie ein kleines Abenteuer, das nur den beiden gehört.
Der erste Bissen zergeht im Mund wie ein Traum. "Mhh,", entfährt es Jarred. Die linke Hand leicht vor die Lippen gelegt, sieht er sie aus großen Augen an. "Ava, das ist köstlich.", raunt er genüsslich. "Wie ist das Ergebnis, wenn du dir Mühe gibst?" Kurz schweifen seine Gedanken zu dem Apfelkuchen, den er und Alma einigermaßen hinbekommen haben. Trotz aller Mühe, war er nicht gut genug. Eben nicht Debbie. Was würde seine Mutter wohl zu dieser Köstlichkeit sagen? Beinahe ist er versucht, ein Stück beiseite zu legen, um sie am kommenden Sonntag probieren zu lassen.
Kaum ist - den Gedanken zum Trotz - das letzte Stück hinter seinen Lippen verschwunden, springt Avaluna auf und wirbelt kurz darauf um ihn herum. Manchmal hat sie etwas von einem jungen Hund, findet er - ohne jemals einen eigenen gehabt zu haben. Überrascht von dem Überfall lässt er sich ein Stück nach hinten reißen, als das Tuch vor seine Augen gelegt wird. "Habe ich denn eine Wahl?", schmunzelt er der plötzlichen Energie entgegen. Nicht ohne sich ein wenig zu sorgen, was ihn jetzt wieder erwartet.
Avaluna schmunzelt und zuckt mit den Schultern .Sie findet ja wirklich, dass die Torte hätte besser sein können – umso mehr freut es sie, dass er sie mag. "Danke, Jarry!“ sagt sie und lacht kurz, als er sie lobt.
"Besser! Viel besser!“ ruft sie gespielt stolz und freut sich sichtlich. Seine nächsten Worte bringen sie wieder zum Lachen.
"Nein, hast du nicht! Ich möchte, dass du es bekommst. Bleib kurz sitzen ich versteck eben den Topf.“
Mit einem verschwörerischen Grinsen geht sie in die kleine Küche, kramt herum und versteckt ihre Überraschung. Den Topf stellt sie so vor die Kommode, dass man nicht lange suchen muss, für aufwendige Verstecke fühlen sie sich inzwischen zu alt; sie will nicht, dass er ewig lange am Boden herumkriechen muss. Dann kehrt sie zurück und nimmt seine Hand.
Einen Moment lang schaut sie ihn gedankenverloren an, ihre Finger liegen warm in seinen.
Es hat was von Fesselspiele … er würde nicht merken, wenn ich ihn einfach küssen würde …
Ein Prickeln kriecht ihr die Wirbelsäule hinauf, und sie beißt sich auf die Lippe.
Aber sie verkneift sich den kleinen Überfall. Sonst würde ihre andere Überraschung verpuffen, und die soll er genießen können.
Also lächelt sie stattdessen, dreht ihn spielerisch zwei Mal im Kreis und lotst ihn geschickt in die richtige Richtung, bis er genau vor dem Topf steht.
"Stopp! Perfekt!“ ruft sie lachend, klatscht in die Hände und hebt den Topf schließlich an.
Darunter liegt eine Tafel Schokolade – die sie nach ihrem Gespräch noch schnell dazugelegt hat und ein kleiner Zettel.
Darauf steht in ihrer schwungvollen Handschrift:
Eine letzte Überraschung habe ich für dich. Geh morgen zum Wohnheim an den Empfang, dort wird man dir etwas überreichen. Danach siehst du mich nie wieder.
In Liebe,
Ava.
P.S.: Ich mag dich mehr, als ich sollte.
Avaluna hält den Atem an, während er das liest.
Ein Hauch Nervosität mischt sich in ihre Freude diese kleine Botschaft bedeutet mehr, als sie zeigen will.
Aber der Moment fühlt sich richtig an.
Jarred versucht nicht einmal, durch den Stoff hindurchzublinzeln. Ihm gefällt dieses Spiel und er mag es, sich treiben zu lassen. Die Sinnlichkeit, die in solchen Momenten entsteht, ist greifbar, wenn man es nur zulässt.
Ihre Hand ruht in seiner und es fühlt sich so vertraut an, als würde er sie schon sein ganzes Leben halten. Es gibt keinen Grund, ihr nicht zu vertrauen und so lässt er sich ohne Widerstand von ihr im Kreis drehen, wirkt dabei tänzerisch anmutig und strauchelt keine Sekunde. Seine Füße kennen diese Bewegungen und beinahe muss er sich zusammenreißen, nicht eine Pirouette nach der nächsten zu vollführen. Seine Lippen zeichnen ein neugieriges Lächeln, bis sie ihm das Tuch abnimmt. Schokolade. Eine ganze Tafel. Bei seinem Süßigkeiten-Pensum wird er Wochen brauchen, um sie zu vernichten.
Stumm lacht er auf. Im Wohnheim haben sie etwas für ihn? Avaluna versteht es, die Spannung zu halten. Sie wird es ihm mit Sicherheit nicht verraten - und er wird nicht fragen. Es fühlt sich an wie eine Schnitzeljagd und er ist kurz vor der Auflösung.
Dann erlischt sein Lächeln für einen Moment. Er wird sie nie wieder sehen. Wie oft musste er sich schon von Sims trennen? Unzählige Abschiede hat er hinter sich gebracht, auf verschiedensten Ebenen mit unterschiedlichsten emotionalen Folgen. Avaluna gehen zu lassen zerreißt ihm das Herz. Obwohl er sie kaum kennt. Er könnte sie bitten, zu bleiben. Nicht in Evergreen, wenn es ihr nicht gefällt, aber irgendwo in erreichbarer Nähe. Doch er schweigt. Reisende soll man nicht aufhalten, heißt es. Von Anfang an war klar, dass ihre Begegnung eine flüchtige sein sollte. Und schließlich gibt es auch noch Alma. Die er liebt und die ihn jetzt an ihrer Seite braucht. Was wäre er für ein Sim, wenn er das missachten würde? Er wäre nicht besser, als sein Vater. Der die Familie in der dunkelsten Stunde verließ, weil er zu schwach war.
Wieder und wieder liest Jarred die Worte auf dem Zettel, wieder und wieder stechen sie ihm tief in die Brust. Lange hat er sich bei niemandem so wohl gefühlt, wie bei ihr. Seufzend faltet er den Zettel einmal in der Mitte. Mit sehnsuchtsvollem Leuchten im Blick hebt er ihn andeutend zwischen ihnen in die Luft, als wolle er der Geste eine tiefe Bedeutung mitgeben, ehe er ihn in die Hosentasche schiebt. Ein weiteres Utensil für seine Erinnerungskiste. Wo er all die kleinen und großen Momente verwahrt. Mit schwebender Eleganz macht er einen Schritt auf Avaluna zu. Sein Herz schlägt laut in den Ohren, als er sich zu ihr herunterneigt, mit dem Gesicht nah neben ihrem, so dass die Luft zwischen ihrer beider Wangen zu flirren beginnt. "Mir gehts genauso.", flüstert er nahezu stimmenlos. Eine winzige Bewegung zieht ihn zurück, seine Lippen bleiben leicht geöffnet dicht vor ihren stehen, die Augen halb geschlossen ruhen auf ihrem schwungvollen Mund, als würde er sie anflehen, endlich die letzte Barriere zu durchbrechen - weil er es nicht kann. Doch tief im Inneren weiß er, es macht keinen Unterschied. Wie er es dreht und wendet - es ist nicht möglich. Er kann nicht. Er darf nicht. Er will ...
Lange hat Avaluna nicht mehr so viel Spaß gehabt wie in den letzten Stunden mit ihm.
Sie beobachtet ihn, wie er sich bewegt anmutig, kontrolliert, fast selbstverständlich. Es erinnert sie an das letzte Mal, als sie ihn tanzen sah.
Diese Spannung in seinem Körper, diese stille Kraft, die darin liegt, beeindruckt sie jedes Mal aufs Neue.
Als er ihre kleine Überraschung entdeckt, kann sie nicht anders, als ihn zu mustern.
Jeden einzelnen Gesichtszug studiert sie, als wollte sie ihn in sich einprägen: die Art, wie er die Stirn leicht hebt, wie ein Lächeln um seine Lippen spielt, wie seine Augen plötzlich weicher werden. Sie beobachtet, wie er den Zettel bedeutungsvoll in die Luft hält und ihn dann sorgfältig einsteckt. Und dann ist er auf einmal nah. So nah, dass ihr Herz sofort schneller schlägt, als wolle es sie verraten.
Seine geflüsterten Worte sind leise, fast unscheinbar und doch treffen sie sie tiefer als alles, was jemand seit Langem zu ihr gesagt hat. Ihr Herz droht fast aus der Brust zu springen. Sein Blick verrät so viel unausgesprochenes.
Und in diesem Moment weiß sie: Diese Chance wird sie sich nicht entgehen lassen. Nicht noch mal.
Auch wenn es vielleicht nur ein einziger Augenblick ist, den sie von ihm bekommt sie wird ihn genießen.
Langsam durchbricht sie die letzte unsichtbare Barriere zwischen ihnen.
Sie schmiegt ihren Körper an seinen, spürt die Wärme, die von ihm ausgeht.
Noch ein letzter, suchender Blick in seine Augen.
So schön, so schwer zu lesen und doch voller Tiefe.
Dann schließt sie die Augen.
Ihre Lippen berühren seine, sanft zuerst, zögernd, als wolle sie ihm Zeit geben, zurückzuweichen
Sein Duft ist aus der Nähe noch intensiver.
Er vermischt sich mit dem zarten Hauch ihres Parfüms, und gerade diese Mischung macht den Moment für sie einzigartig.
Sie drückt sich etwas fester an ihn, als wolle sie diese Wärme in sich aufnehmen, sie behalten, wenn auch nur für jetzt.
Tief in ihr weiß sie, dass seine Vernunft ihn gleich zurückhalten wird.
Dass er sich wahrscheinlich lösen wird, bevor sie sich verlieren.
Aber das hält sie nicht ab.
Sie legt eine Hand sanft an seine Wange, spürt die leichte Rauheit seiner Haut unter ihren Fingern.
Und für diesen kleinen Augenblick gibt sie sich vollkommen hin ohne Angst, ohne Reue.
In brennender Erwartung auf das, was kommt, schließt er die Augen. Ihr Körper schmiegt sich an ihn, wie greifbare Sehnsucht. Und schließlich spürt er ihre Lippen auf seinen. So weich, so warm und so erfüllend, als wäre es das Einzige, was er jemals wirklich gewollt hätte.
Heißes Kribbeln jagt zuerst über seine Lippen, dann die Wangen und das ganze Gesicht, bevor es die Ohren, den Nacken und schließlich den Rücken flutet. Sie ist so sinnlich, dass es ihm das Innere zerreißt. Wie von einer riesigen Flutwelle getroffen, werden alle Bedenken gewaltsam in den Hintergrund gespült, wo sie kaum wahrnehmbar in einem Meer aus brodelndem Verlangen unterzugehen drohen. Es ist ein Befreiungsschlag, der ihm die Sinne raubt. Avaluna schiebt sich ihm entgegen, ihre Hüfte presst sich gegen seinen Schritt und er spürt die wallende Hitze einschießen. Seine Hände legen sich auf ihren Rücken, wandern auseinander - eine Richtung Nacken, die andere verharrt am Kreuz - ziehen sie noch ein Stück näher heran, als seine Zungenspitze auf ihre trifft. Ein Stromschlag durchfährt ihn. Sein Oberkörper beugt sich vor Verlangen nach ihr ein Stück vor. Er will sie unbedingt, schon vom ersten Tag an wollte er sie. Sie schmeckt nach Lust, einem Hauch Vanille und vor allem nach Geborgenheit. Und er ist es leid, verwundet zu sein. Die Sehnsucht nach Heilung treibt ihn an - Heilung, die sie ihm gibt, als wäre es das Natürlichste der Welt. Als wäre sie das Gegengift für all den Schmerz, den er in sich trägt. Mit jeder Sekunde, jeder Berührung von ihr, fühlt er die Wirkung tiefer in sich graben.
Es ist falsch, flüstert die kaum hörbare Stimme des Gewissens. Doch es ist längst zu spät. Er wird sie nie wieder sehen. Nur ein einziges Mal will er sie spüren. MUSS er sie spüren. Es ist seine einzige Chance, jemals Geborgenheit zu erfahren.
Avaluna kann es kaum glauben.
Ihre Lippen liegen tatsächlich auf seinen und seit sie in diese Augen geblickt hat, in denen etwas Unerklärliches schimmert, sehnte sie sich genau danach. Es ist, als hätte sie ein Zuhause gefunden, als wäre sie angekommen, verstanden … vielleicht sogar, als stünde ihr ein Seelenverwandter gegenüber. Dass er den Kuss nicht sofort löst, sondern ihn zulässt, überrascht sie. Und mit jedem Atemzug wächst in ihr das Verlangen, diesen Augenblick nicht nur auszukosten, sondern tiefer in ihn einzutauchen, ihn Schicht für Schicht zu erforschen.
Zum ersten Mal spürt sie seinen Körper dicht gegen ihren gedrückt. Wärme strömt durch sie hindurch, prickelnd, fordernd. Dieser Kuss ist so viel mehr, als sie sich je ausgemalt hat. Er küsst intensiver, besser, voller als alles, was sie sich heimlich vorgestellt hat.
Seine Hände gleiten über ihre Haut, über ihre Kurven sanft, aber bestimmt. Jede Berührung jagt ihr einen Schauer über den Rücken, so viel zärtlicher und doch kraftvoller, als sie es je erlebt hat.
Sie will mehr. Viel mehr. Ihre Neugier ist unersättlich, sie möchte jeden Atemzug, jede Regung von ihm aufnehmen.
Ihre Finger wandern in seine Haare, vergraben sich in der weichen Fülle, während ihre andere Hand seinen Rücken entlangstreicht. Mit den Fingerspitzen zeichnet sie seine Konturen nach, ihre Nägel kitzeln sanft die Linie seiner Muskeln, bis sie die Hand ausbreitet und ihn fester an sich zieht. Sie möchte ihn so nah wie nur möglich spüren.
Hofft, dass er diesen Hunger, dieses Verlangen, genauso sehr teilt wie sie. 
Sein Geschmack auf ihren Lippen macht sie süchtig. Je länger sie ihn küsst, desto mehr verschwindet die Welt um sie herum. Es gibt nur noch ihn – seinen Atem, seine Wärme, den Rhythmus seiner Lippen auf ihren.
Jeder kleine Druck, jedes Nachgeben lässt sie erbeben, als würde er Saiten in ihr berühren, von denen sie nicht wusste, dass sie existieren. Sie sehnt sich nach mehr, nach allem, was er zu geben hat.
Ihre Finger verkrallen sich tiefer in sein Haar, als wollte sie ihn festhalten, ihn daran hindern, jemals wieder Abstand zwischen ihnen zu schaffen. Mit der anderen Hand gleitet sie unaufhaltsam über seinen Rücken, tiefer, weiter, spürt die feste Spannung seiner Muskeln unter dem Stoff.
Sie zieht ihn näher, noch näher, bis kaum mehr Luft zwischen ihnen bleibt. Sein Körper ist stark und warm, und gegen sie gedrückt fühlt es sich an, als könnte er sie beschützen und zugleich völlig aus der Fassung bringen.
Ein Zittern läuft ihr über die Haut, als ihre Lippen sich hungriger bewegen. Sie lässt sich fallen, gibt sich dem Moment ohne Zögern hin, als gäbe es kein Morgen, als sei dies die einzige Wahrheit, die zählt.
Avaluna weiß nicht, ob sie ihn jemals wieder so nah spüren wird. Doch gerade deshalb will sie jede Sekunde aufsaugen, will nichts unversucht lassen. Jeder Kuss, jeder Atemzug, jede Berührung brennt sich in ihr Herz wie ein unauslöschliches Zeichen.
>>> optionale Szene
Im nächsten Moment zieht sie sich aus seiner Umarmung, zieht die Beine eng vor die Brust. Traurig und verwirrt zugleich sieht sie ihn an, ihre Augen glänzen von verletzter Unsicherheit.
"Es tut mir leid… du hast sicher mehr erwartet. Besseres. Was habe ich falsch gemacht?“
Sie wagt es nicht, ihn anzusehen. Stattdessen kauert sie sich dicht neben ihn zusammen, wie ein Kind, das sich eben vor der ganzen Klasse blamiert hat. Und dennoch nagt die Neugier an ihr, die verzweifelte Sehnsucht nach einer Antwort: Was genau hat sie falsch gemacht?
Verwirrung und Schuld spiegeln sich in Jarreds Blick. Weil sie sich zurückzieht. Weil sie sich unwohl fühlt. Weil sie sich selbst beschuldigt. "Du?" Sein Unglaube wirkt absolut echt. Sich aufrichtend zieht auch er die Beine nah an den Körper, so dass sie den Blick auf den Intimbereich verdecken. "Nein, Ava, du hast doch nichts ..." Tiefes Bedauen legt sich über seine Mimik. "Du bist wundervoll. Du bist alles, was ich mir wünschen könnte." Betrübt senkt er den Blick. "Ich bin das Problem. Nicht du." Seine Stimme wird leiser, durchzogen von tiefer Aufrichtigkeit, als er sie ernst ansieht. "Lass dir niemals einreden, du seist nicht gut, wie du bist."
Bei seinen ersten Worten hebt Avaluna den Kopf. Ihr Blick bleibt an ihm hängen, sie mustert ihn, hört genau hin. Jede Silbe dringt tief in sie ein. Sie spürt die Aufrichtigkeit, die Ehrlichkeit, die in seinen Worten liegt.
"Alles, was er sich wünschen könnte…“
Ihre Gedanken schreien auf: Dann trenn dich! Bleib bei mir!
Plötzlich tut er ihr leid. Bei seinen letzten Worten schimmern ihre Augen glasig, Tränen wollen hervorbrechen. Langsam richtet sie sich aus ihrer kauernden Pose auf, tippt mit den Fingern gegen seine angezogenen Beine und drückt sie sachte hinunter. Dann setzt sie sich einfach auf seinen Schoß, schlingt die Arme um ihn und hält ihn fest.
Das Schiff schaukelt leicht, als wollte es die beiden wiegend trösten. Avaluna schmiegt sich an seine Brust, presst sich an ihn, als wolle sie diese Nähe für immer in sich speichern. Sie will keinen Abschied voller Schwere, keine Trennung im Streit oder mit Schuldgefühlen. Nur diesen Augenblick so warm, so nah.
Sanft streicht sie mit den Fingern über seinen Arm, fährt mit leichten Bewegungen die Konturen nach. Beim Reden wagt sie es nicht, den Kopf zu heben, ihre Stimme bleibt weich und leise:
"Es war trotzdem wunderschön. Du bist heiß, Jarry. Du weißt, wie man eine Frau berührt. Lass dich nie kleinreden, bitte…“
Einen Moment zögert sie, ringt mit sich, ob sie es aussprechen soll. Obwohl sie nicht miteinander geschlafen haben, obwohl sie noch immer nicht versteht, warum er glaubt, er sei das Problem. Liegt es an der anderen Frau? Oder an etwas anderem, das er ihr nicht zeigt?
Die Fragen bleiben unbeantwortet.
Und doch brennt ein Wunsch in ihr – so stark, dass er kaum zu unterdrücken ist. Hat sie überhaupt das Recht, es zu sagen? Ihn zu bitten, das Leben, das er kennt, für sie aufs Spiel zu setzen, nur für ein paar kurze Treffen? Es ist egoistisch, sie weiß es. Aber noch nie hat sie sich etwas mehr gewünscht, als diese Chance, diese Beziehung, egal wie sie verlaufen würde. Selbst wenn sie ihn nur alle paar Wochen kurz sehen dürfte – es wäre genug.
Sie weiß, sie hat nur diesen Moment. Nur diese wenigen Stunden. Danach könnte alles vorbei sein. Vielleicht stößt er sie von sich, vielleicht verschwindet er – für immer.
Doch die Frage brennt ihr auf der Zunge, unausweichlich, dringlich.
Zögerlich senkt Jarred die Beine und lässt Avaluna gewähren. Es ist schön, sie bei sich zu spüren. Ihre Energie aufzusaugen, die Intimität und die Nähe zu ihr. Und obwohl all das sich so richtig anfühlt, bleibt es falsch. Sie ist ein wundervoller Fehler in der Matrix, die für ihn kreiert wurde. Es ist sicherlich gut, dass er versagt hat. Sie ist ihm nicht vergönnt - so wie das Leben schon häufig mit verführenden Preisen vor seiner Nase herumwedelte, nur um ihm zu zeigen, was er nicht bekommen wird. Stets lässt das Universum ihn einen kurzen Blick auf das Schöne werfen, um es ihm dann zu entreißen. Er ist nicht der Sim, der Erfüllung findet. Er ist der, der andere dabei unterstützt. Das ist seine Rolle. Möglicherweise seine Strafe.
Die Umarmung erwidernd, küsst er sie sanft auf die Stirn, lehnt dann die Wange an ihren Kopf und schweigt. Lauscht ihrem Atem, fühlt ihren Herzschlag, spürt ihre Wärme. Er taucht tief ein in die Sehnsucht, die der bevorstehende Abschied schon jetzt in ihm weckt. Nie wird er sie vergessen. Sie wird immer der herzerwärmend schöne Ausblick bleiben, den er für einen kurzen Moment genießen durfte. Ein Traum, den er fortan für immer in sich tragen wird.
In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon
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