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Granite Falls Nr. 6 - Camp Firefly
Maryama - letzter Post
Delsyn - letzter Post
Charaktere: Delsyn, Maryama
Geschichtsstrang: Allzeit bereit?
Delsyn trifft Maryama vor Ort. Er ist früh aufgestanden und mit dem Rad nach Granite Falls gefahren, weil es gesünder ist. In letzter Zeit ist er wieder öfter Müde. Es gibt diese Phasen. Sie sind bisher aber immer vorbei gegangen. Er weiß irgendwann wird es nicht mehr so sein. Er hat soviel Zeit wie er eben hat. Und sich fit halten verlängert bekanntlich das Leben.
Er fährt offroad durch den Wald bis er den Pfad erreicht der zum Camp führt. Es liegt abgeschieden, und manchmal funktioniert das Wasser nicht, aber auch dafür hat Del denen, denen das hier gehört, eine Lösung vorgeschlagen. Wenn die Kids motiviert sind, überstehen sie die Woche schon. Del steigt vom Rad und blickt das Eingangstor hinauf über dem mit selbst gemalter Schrift ‚Camp Firefly‘ und ein paar Glühwürmchen als Verzierung prangen. Das Schild wirkt schon alt und die Farbe blättert. Das kommt auf die Liste, denkt Del und grinst. Er unterquert das Holzbanner, schiebt das Rad auf die Seite und stellt es ab. Er ist nicht zum ersten Mal hier, aber es wirkt gefühlt jedesmal ein klein wenig schäbiger. Die Holzhütten hätten mal einen neuen Anstrich vertragen und die Büsche einen Haarschnitt. Halb so wild. Die Statue in der Mitte hingegen wirkt heroisch und unverrückbar. Die Witterung hat diesen Eindruck verstärkt. Del klopft dagegen und stellt fest, dass sie nicht morsch ist. So ist es richtig. Er dreht sich um, als er am Tor ein Geräusch vernimmt.
Es ist immer so eine Wohltat, wenn Maryama den Helm abnehmen und ihre Locken schütteln kann. Die Haarpracht passt gerade mal so drunter und sie hat ständig das Gefühl, dass sie gleich den Helm vom Kopf stoßen wird, wie ein airbag, der jeden Moment ausgelöst werden kann. Sie stellt ihr Fahrrad ab, hängt den Helm an den Lenker und sieht sich um. Delsyn ist nicht zu sehen, wahrscheinlich nimmt er schon das Gelände unter die Lupe. Camp Firefly? Das ist ja goldig. Maryama schmunzelt und begibt sich zum Eingang des Pfadfinderlagers.
Sie entdeckt Del, der bei einer großen, hölzernen Staue steht und ihr entgegen blickt. Sie winkt ihm fröhlich und staunt wie groß das Lager ist. Bei ihm angekommen, knufft sie ihn leicht zur Begrüßung. "Hi Del, das ist ja ein richtig cooles Camp, gefällt mir schon auf den ersten Blick bevor ich alles gesehen hab." Ihr Blick schweift über die riesige Holzfigur ."Wen haben wir denn hier? Ist das unser Lagermaskottchen? Wie heißt es denn?"
"Wir teilen ihn uns mit ganz Granite Falls." antwortet Del und legt nochmal die Hand auf das Holz, "Franz-Günther Rasselbock, heißt er aber ich habe keine Ahnung wer sich das ausgedacht hat." er grinst. "Hast du gut her gefunden?" fragt Del Maryama freundlich und sieht sie an.
"Bin einmal falsch abgebogen auf dem Waldweg und hab nen autodidaktischen Crash -Kurs im Mountainbiken absolviert anschließend , aber es hat sich am Ende als eine Abkürzung herausgestellt...also Ja." Sie lacht. "Allerdings setze ich wirklich noch auf einen kleinen Lehrgang in Sachen Kompass und Orientierung, da fehlt's sicher noch bei mir." Sie dreht sich einmal im Kreis, während sie den Blick schweifen lässt. "Wollen wir?" fragt sie Delsyn unternehmungslustig. "Ich möchte mal sehen wie die Jugendlichen untergebracht sind, wo und wie sie schlafen und so." Die beiden gehen los und Maryama stoppt schon nach ein paar Schritten wieder. "Oh, es gibt nicht nur die Hütten, sondern sie können auch in Zelten schlafen wenn sie Lust haben? Cool, das wär dann auch so mein Revier. Ich schlaf auch lieber im Zelt oder unter freiem Himmel, als in einem Haus." Sie nimmt die Planen unter die Lupe. "Na, die könnten wir mal zusammen reinigen und ein bisschen flicken, hoffentlich halten die Nähte dicht." Sie schmunzelt. "Stabil sehen sie jedenfalls aus."
„Denkst du wirklich die sind noch zu retten?“ Del geht durch die schmutzigen, halb zusammengefallenen Zelte und hebt eines mit dem Fuß leicht an. „Ich habe ein kleines Budget erhalten, vielleicht lohnt es sich hier zu investieren. Nicht dass die Kids noch krank werden…. wobei…“ Del dreht sich nachdenklich um und erblickt die zwei Zelte im Schatten. „Die scheinen noch zu gehen. Ich denke die reissen wir alle ab, dann kann sich der Boden ein wenig erholen. Und dann machen wir einen Tag Zeltaufbaukurs mit allen zusammen, wie hört sich das an?“ Del stemmt die Hände in die Seiten und wirkt voller Tatendrang. Sein Blick schweift zu der linken Hütte hinauf. Er zeigt zum oberen Fenster. „Da oben ist ein Teil der Baracken. Wenn ich mich nicht irre wurde schon geputzt.“ Wenigstens etwas. Aber einen Gärtner wollte man nicht schicken. Delsyn lächelt belustigt.
"Ja, das ist eine gute Idee mit dem Kurs. Fördert außerdem den Zusammenhalt. Da können die Älteren den Neuen helfen und ein bisschen von ihrem Wissen weiter geben. Ich werd ihnen dann noch etwas über Ausrüstung erzählen, die man beim Zelten dabei haben sollte und warum das wichtig ist." Delsyns Energie steckt Maryama an. Sie folgt seinem Blick, begutachtet die Bepflanzung und den Zustand der Büsche. "Na ja...die Pflanzen könnten mal einen kräftigen Rückschnitt vertragen. Ich hab erst eine neue Heckenschere angeschafft und mein Geschäftspartner Ben würde uns bestimmt helfen dabei. Er ist auch Gärtner und sehr tatkräftig." Sie gehen weiter in Richtung Baracken.
"Oh, was sehen meine entzückten Augen denn da?" Maryama lacht und zeigt auf ein paar Pflanzkisten. "Sehr cool...wir nehmen Stecklinge im Wald, graben Kräuter aus, dann pflanzen wir sie hier wieder und Marga kann mit den Teens ernten und zusammen kochen. Die Kisten werden wir noch ein bisschen anders anordnen, dann haben vielleicht noch zwei, drei mehr Platz." Bei den Unterkünften angelangt schlägt ihnen ein muffiger Geruch entgegen als Maryama die Eingangstür öffnet. Sie wedelt kurz vor ihrer Nase herum. "Puh..sag mal...gibt es in den Betten Wäsche? Mieft die hier so? Erinnert mich an Zeug das lang in einem feuchten Keller gelagert wurde oder so. Vielleicht wär's besser das abzuschaffen und jeder bringt seinen eigenen Schlafsack mit? ...ziemlich sauber ist es ja sonst."
Delsyn, der angetan ist von Maryamas Motivation grinst. "Hier wurde wohl einiges liegen gelassen. Wir ziehen die Wäsche ab. Einen Teil können wir waschen und draußen aufhängen. Aber ich tendiere dazu, die Kids ihren eigenen Kram mitnehmen zu lassen, da hast du recht." Del wischt mit dem Finger über eine Kommode. Kaum Staub. "Ich weiß nicht wie es mein Vorgänger gemacht hat. Jetzt können wir es machen wie WIR wollen." er lächelt und öffnet ein Fenster, dann die Tür zur Brücke. "Da drüben sind noch mehr Baracken. Die Jungs wenn ich mich nicht irre." Auf der Brücke lässt sich hervorragend auf das Camp hinunter blicken. "Wenn du Unterstützung hast, nur her damit. Dann werden wir bestimmt fertig bis das Lager beginnt. Der Gemeinschaftsraum mit der Küche wird Marga gefallen. Es ist genug Platz auch zum zusammen kochen." Sie gehen weiter und kommen in einer Art Museum an. Die Vitrinen sind leer aber sauber. "Genug Platz für Jagdtrophäen." grinst Del.
"Das meinst du aber jetzt nicht ernst?" Maryama bekommt große Augen. Im Geiste sieht sie in den Vitrinen ausgestopfte Eichhörnchen, Wiesel und anderes Kleingetier und ein imaginärer Hirschkopf prangt an der Wand und mustert sie mit sanftem, aber vorwurfsvollem Blick . Alles, aber keine Jagd! "Delsyn?" hakt sie mit gehobenen Brauen nach, als ihr Gegenüber sich für einen Augenblick Zeit mit der Antwort lässt.
Delsyn muss lachen. „Hast du noch nie ein schönes Blatt oder eine Blume in einem Buch gepresst?“ er öffnet eine der Vitrinen und findet ein Überbleibsel, ein getrocknetes Ahornblatt und nimmt es heraus. „Die Wälder sind voller Schätze.“ sagt er und reicht es ihr wie eine Blume damit sie es betrachten kann. Dabei schaut er sie an, ihre Hände berühren sich bei der Übergabe, dann lässt er los „…und Insekten.“ grinst er anschließend zwinkernd
Für eine Sekunde stockt Maryama der Atem als sich ihre Fingerspitzen berühren. Die Begegnung der Hände kribbelt noch fein nach, als sie das Ahornblatt kurz in ihren Fingern hin und her dreht, ehe sie es in die Haare steckt, nahe beim Ohr. In ihren zerzausten Locken hält es gut. Erleichtert kickt sie ihn mit dem Ellbogen in die Seite. "Und mich hat schon fast der Schlag getroffen." sagt sie mit einem leisen Lachen. "Blumen sind mir lieber in lebendigem Zustand, aber womöglich findet man mal eine Abwurfstange von einem Rehbock oder einen Fuchsschädel, das ließe ich mir eingehen." Sie gehen weiter durch den Raum."Apropos Insekten..wenn wir Federn finden basteln wir Traumfänger davon...und wenn eins der Kinder Angst vor Spinnen hat, erzählen wir ihm, dass man ihn nur übers Bett hängen muss , einen bestimmten Spruch sagen und schon bleiben die Krabbler fern." sie schmunzelt. "Sag mal, woher kommt eigentlich deine Liebe zur Natur? War das immer schon so?" Seine Worte haben sie berührt. Es ist selten einen Sim zu treffen, der ähnlich fühlt was Mutter Natur und ihre Schätze angeht.
Innerlich ist Delsyn ein wenig baff. Sie ist… so positiv, so voller guter Dinge und er muss lächeln als sie fragt. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es je nicht so war.“ Sie verlassen das Haus und steuern den Gemeinschaftsraum an. „Die Natur hat mir das Leben gerettet, als ich in den Wäldern… verschollen war.“ er fragt sich wie gut sie das auffasst was er nun sagt. „Im… Feindgebiet wurde ich von meinen Leuten getrennt. Ich musste eine ganze Weile allein klar kommen. Das war schwierig, aber auch lehrreich. Der Grundstein für alles was ich über die Wälder weiß, stammt von damals.“ Er öffnet die Tür zur Küche und dem Gemeinschaftsraum. Er lässt Maryama zu erst eintreten und folgt ihr. „Ich war so fasziniert, es gibt in allen Ecke etwas Schönes oder Hilfreiches zu entdecken und wenn man sonst nichts hat, schätzt man jedes davon.“ Es war schlimmer als es sich anhört, damals. Er war ausgehungert und krank gewesen, aber am Leben. Und trotzdem würde er nur für diese Erfahrung, alles nochmal so machen. „Die Natur hat mein Leben verändert, könnte man sagen.“ Del lächelt.
Warm lächelt Maryama zurück. Er spricht ihr aus der Seele. Auch wenn sie keine so dramatischen Erlebnisse hatte ist die Liebe zur Natur in ihr seit Kindertagen tief verwurzelt. "Das war sicher hart." Sie schweigt für einen Moment. "Du sagst Feindgebiet..das war in deiner Militärzeit..in Amerika?" Sie erinnert sich an ein länger zurückliegendes Gespräch mit Del. "Als du auf dem Heimweg vom Schulball erzählt hast, dass du eine Weile in der Wildnis gelebt hast, dachte ich das wäre freiwillig gewesen."
Er nickt. Ja, Amerika. Als er noch gearbeitet hat, bevor man sein Schicksal besiegelte."War 's auch, nachdem ich alles an den Nagel gehängt hab, bin ich raus gegangen." Er grinst. "Nur etwas vorbereiteter." Er knipst den Lichtschalter um, doch es passiert nichts. Wegen dem Gebüsch vor den Fenstern ist es hier drin ein wenig dunkel. Vom Gurt nimmt er die Lampe, die er auch ans Fahrrad dran machen kann und leuchtet den Raum und die Küche ab. "Du und dein Freund, kriegen hier wieder Licht ins Dunkel, nicht wahr?" leicht fragend, sieht er Maryama schmunzelnd an.
"Klar." Maryama nickt dass die Locken hüpfen. "Und das Holz und die Äste sammeln wir irgendwo, dann können es die Kinder zu Feuerholz verarbeiten. Für die großen Lagerfeuer braucht's einiges davon" An einem Ende des Raumes führt eine Treppe in den nächsten Stock. "Was ist denn oben?" Sie erklimmen die Stufen und Maryama schaut sich überrascht um. "Das ist wohl so eine Art Aufenthaltsraum." An der Wand hängen Flaggen und in den Regalen befinden sich noch einige Pfadfindertrophäen. Sie sind angelaufen und stumpf . "Die müsste man mal aufpolieren, wofür werden die denn eigentlich verliehen? Hier, das Goldenen zum Beispiel?" Sie zeigt auf eine Trophäe, die wie ein stilisiertes Lagerfeuer geformt ist und sicher irgendwann am schön geglänzt hat.
Als sie weiter im Raum umher gehen, fällt Maryama ein Schaukasten auf. Die Scheiben sind fast blind, man kann nicht richtig sehen, was sich darin befindet. Kurzerhand zieht sie einen der kleinen Übervorhänge ab und reibt damit das Glas etwas sauber. "Die kommen sowieso weg," sagt sie grinsend zu Delsyn. "Bei dem ka..komischen Braun bekommen die Kiddies ja Depressionen. Da findet sich ein Stoff mit frischeren Farben und Vorhänge nähen kann ich grade noch." Sie beugt sich über die Vitrine. "Sag mal...ist das ein Modell von Brindleton Bay? Schau mal der Leuchtturm und die Umgebung sieht doch genau so aus. Cool."
Freudig schaut sie zu Del. "So ein Tag am Strand wär doch auch mal was. Etwas über die Gezeiten lernen und wenn 's dunkel ist kannst du auf den Leuchtturm klettern und Morsesignale mit einer Lampe geben und die Kinder müssen es deuten." Maryama kommen immer mehr Ideen. Die Besichtigung und die Aussicht darauf diese Anlage wieder zum strahlen zu bringen beflügeln sie regelrecht. Schon die Arbeit mit den Mädels und Ben am Gartengrundstück macht ihr so viel Spaß. Scheinbar liegen ihr Renovierungsarbeiten. Was man nicht alles für Seiten an sich entdeckt.
„Hervorragende Idee.“ antwortet Del, „das könnte Teil der Schnitzeljagd werden. Vielleicht nicht das Meer, das ist etwas weit, aber die Morsezeichen.“ Er freut sich über ihre vielen Ideen und ist froh sie ins Boot geholt zu haben. „Ein Ausflug ans Meer kriegen wir hin. Aber wir brauchen einen Bus.“ überlegt er. Dann kann er das Wissen aus Hawaii doch nochmal gebrauchen. „Vorher müssen wir uns ein Programm ausdenken. Damit alle immer was zu tun haben.“
"Ein Fahrzeug, hm.. also, leider hab ich nicht mal einen Führerschein, meinst du ich sollte ihn machen? Finanziell könnte ich mir das mittlerweile leisten." Sie überlegt kurz. "Kann uns denn nicht die Gemeinde ein Fahrzeug zur Verfügung stellen? Die können das doch von der Steuer absetzen oder was es da nicht alles für Kniffe gibt."
„Ja die Jugendförderung spendiert uns sicher was.“ er blickt Maryama an. „Zur Not hab ich einen Führerschein.“ lächelt er, „Autofahren ist sicher nützlich hin und wieder, wenn du denkst es lohnt sich für dich, mach ihn.“ Del hat den Führerschein in der Armee gemacht. Zwangsläufig. Stellte sich später aber auch als vorteilhaft heraus als er entschied die Welt zu erkunden. Er blickt auf die Uhr. „Lass uns nochmal rein gehen und die Ideen fürs Lager aufschreiben. Zu Hause schreib ich ein Programm welches wir dann zusammen verfeinern können. Klingt das nach einem Plan?“
"Nach einem Plan?" Maryama schmunzelt. "Nein, das klingt nach einem GUTEN Plan. So machen wir's."
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha)
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Charaktere: Delsyn, Maryama
Geschichtsstrang: Ruhe vor dem Sturm
„So.“ Mit Schwung platziert Maryama einen vom Wasser glatt geschliffenen Gesteinsbrocken aus dem nahe gelegenen Fluß auf einem Stapel Karten, die den Kindern zur Orientierung im Camp dienen sollen. Den Stein hat sie auf einer Flusswanderung mit Delsyn gefunden. Er stach ihr ins Auge, weil die weißen Adern, die ihn durchziehen, mit etwas Fantasie aussehen wie eine Lotusblüte. Auf den nun darunter liegenden Karten sind sämtliche Gebäude, Spiel-und Sportplätze im Camp eingezeichnet, damit sich niemand auf dem Weg zu Treffpunkten verläuft.
„Jetzt wird sich keine mehr selbstständig machen.“, sagt sie schmunzelnd und hält ihre rechte Hand hoch, in der sich ein paar zerknitterte und von Erdspuren gekennzeichnete Exemplare befinden. Noch vor ein paar Minuten ist sie den, von der leichten Sommerbrise verwehten Exemplaren, hinterhergesaust. Glücklicherweise haben sie genug davon, so dass die paar Ausbrecher nicht ins Gewicht fallen.
Sie lässt eine Hand auf den Holztisch gestützt und blickt über das Gelände. Die neu angeschafften Zelte stehen im Halbkreis um das vorbereitete Lagerfeuer und leuchten farbenfroh in der Vormittagssonne. Ihr Blick wandert weiter zu Delsyn, der in die Arbeit mit seinem Schnitzmesser vertieft, auf einem Holzklotz daneben sitzt. Noch gestern Abend haben sie zusammen einigen Pfosten und Umzäunungen den zweiten Anstrich verpasst und Dels Gesichtsausdruck beim heutigen Kontrollgang nach zu urteilen, ist er zufrieden mit dem Ergebnis. Langsam steigt eine feine Mischung aus Vorfreude und Nervosität in Maryama auf. Über dem Eingang des Camps wippen und tanzen munter die Wimpelketten, als könnten sie es auch kaum erwarten, dass die Kinder eintreffen. Sie schubst sich leicht von dem grob behauenen Tisch ab, schiebt die Hände in die Hosentaschen und schlendert Lässigkeit vortäuschend hinüber zu Delsyn.
Sein Kopf ist über den Holzstock gebeugt und ein geringelter Holzspan hat sich in seinen Nacken verirrt. Die Hand heben, um ihn vorsichtig weg zu pflücken und sie zurück ziehen, als hätte allein der Gedanke daran sie verbrannt, ist eins. Trotz Herzklopfen gelingt es ihr, völlig natürlich auf dem Holzsitz neben ihm zu gleiten. Sie ruft sich zur Ordnung und fokussiert dir Gedanken auf das bevorstehende Ereignis. Ihr Herz verändert den Rhythmus, bleibt aber beschleunigt. Die baldige Ankunft der Pfadis macht sie zappelig.
„Alles gut? Oder fehlt noch irgendwas?“ Die Frage dient nur dazu, den beginnenden inneren Aufruhr einzudämmen. Sie sind oft genug alles durchgegangen, haben noch Kleinigkeiten überarbeitet, neu überdacht.
Delsyn sitzt am Lagerfeuer. Es brennt nicht, aber er schnitzt mit seinem weissen Wolfsmesser am letzten Stock. Die Holzschnipsel fallen ihm vor die Füsse und er schiebt sie immer mal wieder näher zum Steinkreis. Zufrieden pustet er die Spitze frei und begutachtet sie. Damit können die Kids abends ihre Marshmallows rösten. Er hatte mit Maryama diskutiert, ob sie ihre Stöcke nicht selbst schnitzen dürfen sollten. Allerdings ist es schwer achtzehn Kinder im Auge zu behalten die mit einem scharfen Messer herumhantieren - in der Dunkelheit... und selbst wen jeweils nur eines an einem Stock schnitzt, dann warten die anderen was zu Unruhe führt.
Del hat keine Ahnung wie es wird, auf so viele Kinder aufzupassen, aber er ist zuversichtlich mit der Unterstützung von Maryama, Alma, Marga und Marina.
"Ich glaube das wars." sagt er und legt den Stock auf den Haufen neben sich.
Sie haben sich gut vorbereitet, wissen wie der Plan läuft. Ihre Mitstreiter sind eingeweiht. Die Kids werden bei Aktivitäten in drei Gruppen geteilt, von denen jeweils Alma, Maryama und er eine beaufsichtigt. Die Aktivitäten rotieren, so das über die Tage jedes Kind alles gemacht haben wird. Die drei Aufsichtspersonen haben frei, wenn eine Gruppe beim Posten von Marina und Marga ankommen. Es ist fair aufgeteilt und keiner muss non-stop durchackern. Del ist ausserordentlich zufrieden mit der Aufstellung.
Zudem sind Blaze, Dennah und Chip als die Ältesten vor Ort um auszuhelfen.
Del ist stolz auf Blaze. Seit seinem Entschluss sich sein eigenes Geld zu verdienen, wirkt er weniger verschlossen. Es bestätigt Dels Annahme, dass dem Jungen ein Ziel gefehlt hat. Selbst wenn es ein relativ schwieriges Ziel ist, was er sich gesetzt hat. Hoffentlich frustriert es ihn nicht mit der Zeit. Wobei Liebe eben doch ein starker Antrieb sein kann.
Lächelnd schaut er zu Maryama auf und blickt auf seine Uhr.
"Nur noch zwei Stunden bis Alma, Marina und Marga eintreffen und drei bis die ersten Eltern ihre Kinder absetzen", sein Lächeln wird zu einem leicht schiefen Grinsen. "Was machen wir so lange?" 
"Vielleicht doch nochmal ein paar Sachen besprechen?" Der gepresste Klang ihrer Stimme passt Maryama gar nicht. Sie sollte entspannt und locker sein. "Ich weiss gar nicht, warum ich so nervös bin." Sie greift nach einem der fertig geschnitzten Stöcke, stellt ihn vor sich auf und piekst nacheinander ihre Finger darüber. "Ich fühl mich ein bisschen wie an meinem ersten Schultag...und die Kids sind die Überraschungen in der Tüte." Jetzt muss sie doch lachen. "Gestern Nachmittag hab ich noch eine wunderbare Wiese im Wald entdeckt. Jede Menge Zutaten frei Haus. Damit können wir Marga und Marina auf jeden Fall mit Material für die Feldküche beglücken. Bestimmt kreiieren wir ein Festmahl morgen." Mit einem leisen Schmerzenslaut zieht sie ihre Hand zurück. Delsyn hat einen perfekten Spieß geschnitzt. "Also kein Grund nervös zu sein...eigentlich."
„Vorsicht.“ sagt er reflexartig, als sie sich am Stock piekst. Doch es scheint nichts passiert zu sein. Er nimmt nochmal jeweils einen Stock und einen Stein und beginnt die Spitzen zu stumpfen. Es wäre ein Desaster würde sich eins der Kids nebst dem Marshmallow auch gleich die kleine Hand aufspiessen.
„Es wird alles gut gehn.“ meint er mit typisch beruhigender Stimme und lächelt Maryama an. Ihre Körperspannung untermalt subtil ihre Nervosität und Dels - er weiss nicht wie er es anders ausdrücken soll - Herz schmilzt. Er schaut ihr eine Sekunde zu lange zu, bevor er den Stock und den Stein weglegt und in die Tasche greift. 
„Hier.“ Er reicht ihr ein etwas zerknittertes Blatt Papier. Darauf ist ein Zeitplan und eine Tabelle. An den Rändern, überall wo es weisse Stellen gibt, sind in Dels Handschrift Notizen und Gedanken festgehalten. Manche sind wieder verworfen und durchgestrichen worden.
„Ignorier das Gekritzel.“ sagt er und rückt etwas näher um auf den Plan in ihren Händen zu sehen. Er berührt ihre Schulter mit Seiner, als er die Hand hebt und auf das Papier tippt um ihr seine Gedanken mitzuteilen. „Ich habe die angemeldeten Kinder in diese drei Gruppen verteilt. Vögel, Igel und Hasen.“ er rutscht von der Namensliste zum Zeitplan. „Heute, sobald alle angekommen und sich ausgebreitet haben und wir hier zum ersten Mal zusammen sitzen, gebe ich ihnen ihre Gruppe bekannt und wir quatschen ein wenig über das was kommt und ihre Erwartungen.“
Als ob er spürt, dass er sie zu lang berührt, richtet er sich wieder auf. „Oder findest du sie sollten selbst wählen in welche Gruppe sie wollen? Ich frage mich zum einen immer, ob das zu Streit führt oder ob sich jemand ausgeschlossen fühlt wenn er oder sie unsicher ist und noch keinen kennt… vor allem wenn sich Kinder zusammen tun, die sich schon kennen. Verstehst du was ich meine? Was denkst du?“
Auf unerklärliche Weise beruhigen Dels Stimme und Tonfall Maryama auf der Stelle. Wie schon unzählige Male vorher. Es ist nicht, als ob er sagt: es wird alles gut gehen. Es wandelt sich zur Tatsache, sobald er es ausspricht. Es scheint aus einer tiefen, inneren Sicherheit zu kommen, die jeden oberflächlichen Widerstand ausschaltet. Vermutlich deutet sie zu viel hinein, aber so fühlt es sich an. Jedesmal. Dankbar lehnt sie sich ihm entgegen, als er das Papier entfaltet. Innere und äußere Wärme vereinen sich zu dieser Energie, die ihr das Gefühl gibt, sie können alles schaffen. Vor sich sieht sie eine übersichtliche Tabelle, fein säuberlich gestaltet. Rätselhaft, wie man ein solch geordnetes Werk erschaffen kann. Im Geiste sieht sie den chaotischen Wust an Papierkram und zig Haftzettelchen, mit nur für sie selbst lesbaren Anmerkungen und Notizen, für das 'Green Fingers' vor sich. Ein Kritzeldschungel. Lichtjahre entfernt von für jedermann verständlichen Anschauungsobjekten, wie diesem Plan. Bewundernswert und absolut hilfreich.
"Ich finde es eine gute Idee, wenn wir sie einteilen. Neutral und wertfrei. Sollte ein Kind traurig sein, wegen dem Gruppennamen, fällt mir schon was positives ein, warum es super Spaß macht zum Beispiel ein Hase zu sein."
Sie überlegt kurz und schmunzelt dann. "Ich war mal ein paar Tage in einem Sommerlager als Kind und musste mit einem Jungen in unserem Gemeinschaftszelt auskommen, den ich furchteinflößend fand. Ich weiß nicht mehr warum." Bei der Erinnerung daran, vertieft sich ihr Lächeln. "Am Ende der Woche, waren wir Freunde geworden und traurig, dass sich unsere Wege trennen."
Sie folgt Dels Bewegung und richtet den Oberkörper auf. "Es kann eine wichtige Erfahrung fürs Leben sein, mit unbekannten Kindern etwas zu schaffen und vielleicht anfängliche Bedenken oder Ängste abzubauen." Sie sieht ihn an. "Wir fördern das und stehen als Ansprechpartner bei Sorgen zur Verfügung. Das vermitteln wir und gut.“, schließt sie zuversichtlich. 
„Ob ihnen der Name nicht gefällt, habe ich noch gar nicht bedacht.“ grinst Del. Dann nickt er, einverstanden mit ihrer Geschichte. Er kreist auf dem Papier die Aktivitäten ein.
„Morgen macht jede Gruppe eine davon und das rotiert die nächsten 4 Tage.“ Er weiss, dass Maryama das schon kennt. Trotzdem gibt es Sicherheit die Dinge zu wiederholen. „Abends treffen wir uns immer hier und reden über ihre verdienten Abzeichen. Sollten die Kids wider Erwarten wenig gesprächig sein, gibts noch Plan B, wir spielen eins der Spiele oder Plan C singen was oder..“ er schmunzelt, „Plan D erzählen Lagerfeuergeschichten. Ich glaube wir haben für alle Fälle einen Plan.“ Seine Stimme klingt amüsiert und er blickt auf, in Maryamas grüne Augen direkt neben ihm. Sie sitzen Schulter an Schulter und es wäre leicht sich einfach hinzulehnen und… Del blinzelt, hebt die Mundwinkel und faltet das Blatt. „Und… für das grosse Jagd-Event, sind fast alle Vorbereitungen getroffen. Wir sollten vorher in der Früh einfach nochmal alles ablaufen.“ endet er. Kurz bleibt er sitzen und wirkt in Gedanken versunken, bis er den Kopf erneut hebt. „Maryama? … Danke. Ohne deine Hilfe wär das hier nur halb so grossartig - das mein ich ernst.“
Sonst nicht um eine Antwort verlegen, ist Maryamas Gehirn plötzlich wie leer gefegt. 
Sie setzt zu einer Erwiderung an, bewegt aber nur minimal den Mund. Nervös benetzt sie ihre Lippen und endlich formen sich Wörter. "Das hier.." Sie macht eine ausholende Armbewegung. "..ist mir sehr wichtig. Es ist unser Projekt und .." Sie schluckt trocken und sieht ihm in die warmen, dunklen Augen. "..ich finde wir sind ein tolles Team." Ein Leuchten aus tiefstem Inneren begleitet die nächsten Worte. "Ich möchte nicht, dass du mir dankst. Hier zu sein, mit dir.." Ihre Lider zucken kurz. "..und den Kindern..", fügt sie rasch hinzu. "..ist ein Geschenk und ich bin dafür, wie genießen es in vollen Zügen."
Sie wendet den Kopf und blickt über ihre Schulter. "Wie wär's wenn wir uns noch ein bisschen Spaß gönnen?" Ein unternehmungslustiges Grinsen untermalt ihre Worte, als sie auf die neue Seilrutsche mit dem Autoreifen zeigt, die von einer kleinen Anhöhe zur Lagermitte führt. „So schnell werden die Kids die nicht mehr frei geben.“Delsyns bejahendes Funkeln in den Augen, reicht, um den letzten Rest Nervosität zu vertreiben. "Weihen wir sie gebührend ein."
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha)
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Charaktere: Delsyn, Blaze, Eve
Geschichtsstrang: Willkommen in Camp Firefly
Es ist soweit.
Zwölf Kinder sitzen jetzt im Kreis um das Lagerfeuer, in ihren Pfadfinderuniformen, mit einem flirrenden Gemisch aus Neugier, Unsicherheit und aufgedrehter Vorfreude auf eine Woche, von der noch keiner genau weiss, was sie mit einem machen wird. Vierzehn waren angemeldet gewesen. Bei einem Kind kam krankheitsbedingt am Morgen die Absage, vom anderen hatte Del gar nichts mehr gehört. Damit hatte er gerechnet. Irgendwas ist immer. Zwei Ausfälle sind in Ordnung. Zwölf reichen völlig, um aus einem Camp etwas Grossartiges zu machen.
Er lässt den Blick über den Kreis wandern. Zwölf Gesichter. Zwölf verschiedene Arten, auf das Feuer zu schauen. Manche offen und hibbelig, manche mit hochgezogenen Schultern, manche schon jetzt mit einer Wachheit, die verrät, dass sie alles mitkriegen, auch wenn sie kein Wort sagen. Del weiss, dass nicht jedes von ihnen am Ende der Woche wissen wird, wie man einen Knoten perfekt bindet oder welche Pflanze man bedenkenlos in einen Topf werfen darf. Vielleicht bleibt von all den geplanten Dingen erstaunlich wenig reines Wissen übrig. Kein Problem. Viel wichtiger ist, dass sie hier draussen erleben, wie es sich anfühlt, in einer Gruppe Platz zu haben. Dass sie merken, wann sie sich trauen, den Mund aufzumachen. Dass sie einander helfen, obwohl sie sich erst seit ein paar Stunden kennen. Dass eins von ihnen am Ende etwas mutiger in eine neue Situation geht als vorher. Oder ein bisschen weniger allein.
Das Feuer knackt vor sich hin. Der Rauch zieht in schmalen, grauen Fäden nach oben und trägt den Geruch von Holz, Erde und Russ über den Platz. Zu seiner rechten sitzt Eve.
Natürlich hat sie sich den Platz neben ihm gesichert, lange bevor die anderen begriffen haben, dass dieser Platz überhaupt etwas Besonderes sein könnte. Sie sitzt geschniegelt in ihrer Uniform, mit einer Haltung, die vor Spannung knistert. Stolz schimmert ihr förmlich aus dem Gesicht. Stolz darauf, hier zu sein. Stolz darauf, manches schon zu kennen. Stolz darauf, mitreden zu können, wenn es um Pfadfinder geht. Del kann ihr ansehen, wie sehr es sie freut, dass sie bei ein paar Dingen nicht einfach nur Neuling ist.
Vieles von dem, was hier heute ganz selbstverständlich wirkt, hat er durch sie überhaupt erst in dieser Form verinnerlicht.
Sie hatte ihm vom Pfadfindergruss erzählt, mit dieser ernsten Begeisterung, die sie immer kriegt, wenn ihr etwas wirklich wichtig ist. Hatte erklärt, verbessert, ergänzt, und zwar mit so viel Nachdruck, dass Del irgendwann nur noch dagesessen und zugehört hatte. Der Linkshänder-Handschlag, weil diese Hand näher am Herzen ist und für Vertrauen steht. Der Drei-Finger-Gruss mit der rechten Hand. Die drei Finger für die Versprechenspunkte. Gott, Mensch und Gesetze. Der Daumen auf dem kleinen Finger als Zeichen dafür, dass der Stärkere den Schwächeren schützt. Eve hatte jedes Detail gekannt und so darüber gesprochen, als würde sie etwas weiterreichen, das grösser ist als sie selbst. Er erinnert sich noch genau an ihr Gesicht dabei. Den Glanz in den Augen und dem dringenden Wunsch, dass er es richtig versteht. Und er hatte es verstanden.

Es hatte ihn vorhin ehrlich gefreut, zu sehen, wie aufmerksam die Kinder zugehört hatten, als sie den Gruss lernten. Wie ihre anfängliche Scheu beinahe sofort in Neugier gekippt war. Erst vorsichtig, dann eifrig hatten sie die Finger gehoben, sich gegenseitig den Handschlag gegeben, gelacht, verbessert, nochmal versucht. Schon diese kleine Sache hatte gereicht, um sie ein Stück zusammenzubringen. Ein gemeinsames Zeichen. Eine Geste, die plötzlich aus ein paar fremden Kindern eine Gruppe macht. Del spürt bei dem Gedanken ein warmes Ziehen in der Brust.
Links von ihm sitzen Blaze und Dennah dicht beieinander. Auch das fühlt sich gut an. Er ist froh, dass sie da sind. Für die Hilfe. Aber vor allem, weil Blaze hier gerade etwas hat, das ihm sichtbar Halt gibt. Del sagt nichts dazu. Muss er nicht.
Das Feuer sackt kurz in sich zusammen, fängt sich wieder. Ein paar Funken steigen hoch. Del atmet einmal ruhig ein. Dann aus.
Da ist sie, die Nervosität. Leicht und lebendig. Die Art Aufregung, die einen daran erinnert, dass etwas wichtig ist. Dass man es nicht routiniert herunterspult, sondern ehrlich meint.
Er legt die Unterarme locker auf die Knie, sieht in die Runde und wartet, bis die letzten kleinen Bewegungen abebben. Dann sagt Del:
„Okay.“ Seine Stimme trägt ruhig über das Knistern hinweg. „Uns steht eine spannende Woche bevor, das verspreche ich euch.“
Ein paar Augen werden noch grösser. Irgendwo wird verhalten gelächelt.
„Ihr habt euch jetzt eingerichtet, habt euer Zeug verstaut und konntet euch schon ein bisschen anschauen. Das ist gut. Heute muss noch niemand irgendwas perfekt können. Ihr müsst nicht sofort Freunde fürs Leben finden, ihr müsst nicht die Mutigsten sein und ihr müsst auch nicht so tun, als wäre euch nie was peinlich. Es reicht völlig, wenn ihr neugierig seid.“
Er lässt den Blick weich lächelnd wieder über die Kinder gleiten, bleibt an keinem zu lang hängen und doch lang genug, dass sich jeder gemeint fühlen kann.
„Wir machen hier in den nächsten Tagen einiges zusammen. Ihr werdet draussen unterwegs sein, Dinge ausprobieren, Aufgaben lösen, euch manchmal ärgern, euch manchmal kaputtlachen und hoffentlich abends ziemlich müde ins Bett fallen. Und ganz wichtig: Niemand muss mit irgendwas allein bleiben. Wenn ihr eine Frage habt, wenn euch was komisch vorkommt, wenn ihr Hilfe braucht, wenn euch jemand auf die Nerven geht oder wenn ihr einfach nicht weiterwisst, dann kommt zu uns.“
Er hebt leicht die Hand und deutet nacheinander in die Runde der Erwachsenen.
„Zu Maryama. Zu Alma. Zu Marina. Zu Marga. Zu mir. Und auch zu den Älteren.“ Sein Blick geht kurz zu Blaze, Dennah und Chip.
„Was mir für die Woche wichtig ist, ist eigentlich ziemlich einfach“, sagt er dann. „Dass ihr euch gegenseitig mit Respekt begegnet. Dass ihr zuhört. Dass ihr niemanden absichtlich ausschliesst. Und dass ihr euch traut, Sachen auszuprobieren, auch wenn ihr sie noch nicht könnt. Genau dafür seid ihr hier.“
Er spürt aus dem Augenwinkel, wie Eve neben ihm fast platzt vor Zustimmung.
„Und weil man in so einer Woche nicht alles mit allen gleichzeitig machen kann, teilen wir euch in Gruppen ein. Das heisst, ihr werdet zusammen Aufgaben lösen, euch gegenseitig helfen und wahrscheinlich ziemlich schnell merken, dass es praktisch ist, Sims bei sich zu haben auf die man sich verlassen kann.“
Jetzt kommt Bewegung in den Kreis. Erwartung. Neugier. Del nimmt die kleine Liste zur Hand, obwohl er die Einteilung im Kopf hat.
„Es gibt die Vögel, die Hasen und die Igel.“
Allein die Namen reichen schon um eine Reaktion hervor zu rufen. Ein helles „Ich will nicht Igel sein“ von irgendwo links, direkt gefolgt von empörtem Widerspruch eines anderen Kindes, das Igel offenbar grossartig findet. Del hebt beschwichtigend eine Hand.
„Ganz ruhig. Erst mal abwarten.“ Er schaut auf die Liste. „Zu den Vögeln gehören Theo, Eve, Jubilee und Jonah.“ Del fährt fort, nennt die übrigen Kinder nacheinander und achtet darauf, nicht zu hastig zu sprechen. Während er die Gruppen vervollständigt, steht Alma auf und geht reihum. In ihrer Hand die kleinen Buttons mit den Tieren darauf. Einer nach dem anderen wandert an Uniformen, wird mit ernster Wichtigkeit entgegengenommen, festgedrückt, betrachtet, dem Nachbarn gezeigt. Sofort beginnt der Vergleich. Wer hat den schönsten? Wessen Tier ist am schnellsten? Können Igel schwimmen? Sind Hasen schlau? Eve wirft den Vögeln einen Blick zu, der schon jetzt verrät, dass sie in ihrer Gruppe nicht alles unkommentiert durchgehen lassen wird.
Das Feuer knistert leise. Del greift neben sich in eine kleine Kiste und holt einen weichen, etwas abgegriffenen Stoffball hervor. Er hält ihn kurz hoch.
„Eine Sache machen wir noch, bevor wir den Abend langsam ausklingen lassen.“
Die Kinder schauen neugierig. Del dreht den Ball leicht in seinen Händen.
„Der Ball hier wandert jetzt einmal durch die Runde. Wer ihn in der Hand hält, darf kurz sagen, was er sich von dieser Woche wünscht. Oder worauf er sich freut. Oder vielleicht auch, wovor er oder sie ein bisschen Angst hat.“
Ein paar Kinder sehen sich sofort gegenseitig an. Andere wirken plötzlich nachdenklich.
Del schaut kurz hin und her, dann sieht er Eve neben sich an und reicht ihr den Ball einladend etwas als erste zu sagen. Eve nimmt ihn überrascht. Einen Moment lang hält sie ihn fest, als würde sie erst überlegen, ob sie alles sagen soll, was ihr durch den Kopf geht. Dann richtet sie sich ein bisschen auf.
„Ich…“, beginnt sie, und man hört sofort, dass sie versucht, erwachsen zu klingen. „Ich freue mich rauf, dass wir draussen schlafen. Und dass wir vielleicht wilde Tiere sehen.“ Sie schaut kurz zu Delsyn, als bräuchte sie eine Bestätigung. „Und ich hoffe, dass wir alle Abzeichen kriegen.“
Ein paar Kinder lachen leise. Eve grinst. Dann blickt sie auf den Ball, dann zum Kind neben ihr und reicht ihn weiter.
<<< Theo kommt von Sulani (2) <<<
Charaktere: Theo
Geschichtsstrang: Willkommen in Camp Firefly
Nachdenklich hält Theo den Ball in seinen Händen. Es ist der erste Urlaub ohne Mutter und Schwester, und er hat sich wirklich darauf gefreut. Aber dass Manuel kurzfristig nun doch krank geworden ist, gibt ihm dann doch einen Dämpfer. Er fühlt sich seltsam einsam. Er kennt Maryama, Delsyn und auch Eve nur vom Sehen, und wusste bis eben nicht einmal deren Namen. Die restlichen Leute sind ihm völlig fremd. Was ist nur los mit dir? Du bist doch sonst nicht schüchtern!
Theo räuspert sich, und steht feierlich auf. „Und ich...“, beginnt er mit lauter Stimme, „bin der Inselkönig!“ So hat Manuel ihn während des Rituals betitelt, dem er seine Tattoos verdankte, erinnert er sich. Wirklich schade, dass er nicht hier sein kann. Niemand sonst von den Kindern ist tätowiert, aber Theo weiß mittlerweile, dass seine Traditionen und Bräuche nicht überall gültig sind. „Aber ihr dürft mich auch Theo nennen. Theo, der Inselkönig.“ Sein Blick wird feierlich: „Die Tattoos sind Schutzsymbole, die mich vor den Gezeiten schützen und den Wellen.“ Hier in Granite Falls ist das Meer weit entfernt, aber der See wird dennoch zur Abkühlung dienen können. Er beginnt sich in der neuen, etwas reiferen Rolle wohlzufühlen. Superpirat Zen ist fort, zumindest für den Moment. Und an seiner Stelle steht nun der Inselkönig. Die Unsicherheit schwindet.

Theo wirft den Ball hoch, fängt ihn wieder auf, und fährt mit seiner Erzählung fort: „Ich bin ein Freund der Natur und der Wildheit, die damit einher geht. Ich freue mich darauf, sie auch außerhalb der mir bekannten Welt zu erleben, außerhalb der Strände Sulanis.“ Er muss beinahe selber über seine Ausdrucksweise lachen. Aber er ist der Inselkönig. Er muss diese Rolle mit Stil tragen. „Und ich hoffe, dass ein Inselkönig auch im Wald zurechtkommt.“ Mit diesen Worten überreicht er den Ball an das Mädchen neben ihm.
#6
<<< Jubilee kommt von Forgotten Hollow Nr. 1 - Haus von Pablo Garcia-Lopez (5) <<<
<<< Dennah kommt von Tartosa <<<
~Jubilee~
Während Theo redet, mustert Jubilee ihn neugierig. Sie ist vom Heim zwar viele unterschiedliche Kinder und Jugendliche gewohnt, aber so einen wie ihn hat sie noch nie gesehen. Er ist in ihrem Alter, hat sie vorhin mitbekommen, und trotzdem hat er schon so viele Tätowierungen. Manche der Erzieher können es nicht einmal leiden, wenn man sich mit Stiften bemalt und dann erlauben ihm seine Eltern so etwas? So sehr sie darüber nachdenkt, weiß sie einfach nicht, was sie davon halten soll. Außerdem glaubt sie nicht, dass er ein König sein soll. Vielleicht ist er ein Spinner. Davon gibt es ja überall welche. Sie kennt einen Haufen komischer Kinder. Die meisten von ihnen sind trotzdem irgendwie nett. Nur eben etwas merkwürdig. Und wer weiß? Vielleicht denken andere das auch über sie ...
Jubilee nimmt den Ball entgegen und legt ihn von einer Hand in die andere. Steht sie ohnehin schon die meiste Zeit unter Strom, ist sie durch die Aufregung geradezu aufgekratzt. Niemals wird sie diese Nacht ein Auge zu tun. Von Eve hatte sie schon einige spannende Details erfahren. Sie selbst war noch nie in so einem Camp und hat auch nie gezeltet. Schon bei ihrer Ankunft hatte sie die Erwachsenen mit einer Reihe von Fragen gelöchert - ob sie angeln werden und im See baden, ob sie schnitzen, jagen und Gruselgeschichten erzählen werden und Lieder am Lagerfeuer singen und gefährliche Höhlen erforschen und auf Bäume klettern und vielleicht sogar ein Baumhaus bauen. Ob es jeden Tag Würstchen und Marshmallows gibt, ob sie Sonnenauf- und Untergänge beobachten und Vogelstimmen imitieren lernen und viele andere Dinge, die ihr beinahe sekündlich in den Kopf schossen. Die Frau mit dem großen Busen, deren Namen sie sich vor lauter Aufregung nicht merken konnte, hatte sie freundlich angelacht und ihr gesagt, sie solle sich einfach überraschen lassen. 
"Ja, also,", beginnt das Mädchen, ohne eigentlich zu wissen, was sie sagen will, "ich freue mich, dass ich hier bin und dass wir ganz viele coole Sachen machen werden. Und dass wir das Lagerfeuer haben. Aber am meisten freue ich mich auf die Gruselgeschichten." Breit grinsend wippt sie einige Male mit dem Oberkörper auf und ab, der Blick geht erwartungsvoll zu den Erwachsenen. "Ich liebe Geschichten und erst recht die zum Gruseln." Einen Moment überlegt sie. "Angst hab ich nicht. Glaube ich. Aber ich wünsche mir, dass ich Sachen machen kann, die ich noch nie gemacht hab und dass wir alle Freunde werden, weil ich finde, dass mit Freunden alles besser ist." An dem Jungen vorbei blickend schenkt sie Eve ein breites Lächeln, bevor sie den Ball weiter gibt.
~ Dennah ~
Eng an Blaze geschmiegt, hört Dennah den Worten der Anderen nur halb zu. Verträumt schaut sie ins Feuer, atmet den Duft ihres Freundes und kann nicht so recht glauben, dass das alles tatsächlich passiert. Sie ist hier in der Wildnis, zusammen mit ihm. Eine ganze Woche werden sie sich jeden Tag sehen. Nachdem er die vergangenen zehn Tage viel zu tun hatte, um diesen Ort mit vorzubereiten, sind die endlich wieder nah bei einander, ohne dass irgendwer ihr predigende Blicke hinterher wirft.
Dass Chips auch hier ist, hatte sie für einen kurzen Moment verunsichert, weil sie nicht wusste wie sie ihn begrüßen sollte. Da die Jungs aber ihre Deferenzen bereinigt haben, entschied sie, einfach ihrer Natur zu folgen. Obwohl sie noch immer eine kleine unterschwellige Spannung wahrzunehmen glaubt, kann sie nur immer wieder feststellen, dass sie Chips mag. Er ist lustig. Auch wenn der Funke in seinem Blick dann und wann ein wenig zu heiß glüht. Ob Blaze dieses Glimmen auch bemerkt, wagt sie nicht, zu fragen. Ebensowenig, wie sie Chips darauf ansprechen wird. Vielleicht ist es nur in ihrem Kopf. Die Gewohnheit, so angesehen zu werden. Die Zerrissenheit, daraus ihr Selbstvertrauen zu ziehen und es gleichzeitig abstoßend zu finden. Diese Ambivalenz war ihr nie bewusst gewesen. Bis vor einigen Wochen war das schlicht und ergreifend ihr Leben und demzufolge ganz normal. Doch je mehr Zeit sie an Blaze' Seite verbringt, desto klarer wird ihr der innere Widerspruch. Und desto fester wird der Entschluss, sich dem entgegenzustellen. Sie hält kaum aus, wie gern sie bei Blaze ist, ihn berührt und seine Stimme hört. Sie liebt das Gefühl, dass er ihr gibt, wenn er sie ansieht, als wäre sie das Schönste, was er jemals sah. Selbst in diesen peinlichen Kinderklamotten fühlt sie sich sexy, weil es in seinen Augen steht - anders, als bei anderen Typen. Ohne das Geifern. 'Und du wirst doch sehr offensichtlich und schwer geliebt.', hallen Jacks Worte in ihr nach.
"Das ist lächerlich.", hatte sie vor einigen Stunden gesagt, als sie sich umzog. "Ich sehe aus wie ein Trottel. Selbst die Nerds werden mich verprügeln wollen." Er hatte sie in seine Arme gezogen und sie wissen lassen, dass er ihre Meinung absolut nicht teilt.
Nun sitzt sie hier, bei und mit ihm und hat die Gelegenheit, ihn mit seiner Familie zu erleben. Dem Teil der Familie, den er nicht ablehnt.
Es ist wundervoll, Delsyn wieder zu sehen und Eve kennen zu lernen. Die Kleine gefällt ihr auf Anhieb. Sie ist aufmerksam und niedlich und versprüht eine Unschuld, von der Dennah bezweifelt, sie jemals selbst gehabt zu haben. Und es ist unverkennbar, dass das Mädchen ihre Brüder verehrt. Bei der Beobachtung regt sich ein seltsames Gefühl in Dennahs Brust. Etwas Großes, dass sie zwingt, tiefer zu atmen, weil sie sonst platzt. Sie ist jetzt ein Teil davon. Von seiner Welt. Von dieser Familie, die so viel wärmer und behutsamer ist, als alles was sie von ihrem alten Leben kennt.
<<< Marina kommt von Brindleton Bay Nr. 15 (E) - Wohnung von Marina Winter <<<
<<< Alma kommt von Brindleton Bay Nr. 3 - Haus der Garcias (33) <<<
Während sich Marina am Lagerfeuer wärmt und sich auf die nächsten Tage freut, sowohl auf das Kochen mit den Kindern als auch auf die Zeit, die sie mit Marga verbringen kann, sitzt Alma nachdenklich auf ihrem Platz und schaut sich um.
Ihre Mutter hatte sie ermutigt mitzumachen. Unter anderem auch deshalb, weil sie wusste, dass ihre Tante dabei sein würde und ein Auge auf Alma haben könnte. Hannah macht sich noch immer Sorgen um ihre Tochter. Sie ist sich sicher, dass Alma die Trennung von Jarred noch nicht richtig verkraftet hat. Zwar gibt sie sich nach außen hin cool, doch Hannah weiß, dass in ihrem Inneren viel Schmerz steckt. Auch wenn sie es nicht zugeben würde, ist Alma traurig über das Ende der Beziehung. Schließlich schien Jarred ein großer Halt für sie zu sein, besonders in der Zeit, als sie Abstand von der Familie hatte. Auch wenn Hannah froh ist, dass ihre Tochter wieder zurück ist, bleiben die Sorgen über Nael in der Familie weiterhin sehr präsent und auch darunter leidet Alma.
Letztlich hat sie sich doch dazu entschlossen mitzufahren, obwohl sie eigentlich gar keine große Lust auf Kinder hat. Doch als sie erfahren hat, dass nicht nur ihre Tante Marina dabei sein wird, sondern auch ihre zwei Freunde Maryama und Delsyn, stieg ihre Motivation deutlich.
Eines hat sich Alma fest vorgenommen: Sie braucht keinen Mann an ihrer Seite. Sie kann alles selbst. Nach dem Motto: Selbst ist die Frau. Und genau danach will sie jetzt leben. Es ist ihr egal, was andere sagen und diese Haltung will sie auch mit ins Camp bringen. Auch wenn sie am liebsten nur die Mädchen unterrichten würde, reißt sie sich zusammen. Sie will den Kindern zeigen, dass sie vieles alleine schaffen können, wenn sie wollen mit dem richtigen Geschick. Und Geschick ist hier ein großes Stichwort. Denn bevor sie überhaupt mitmachen konnte, musste Alma erst einmal einige Fähigkeiten lernen. Für José war das eine willkommene Ablenkung von seiner Trauer um Naels Unfall. Trotzdem verzweifelte er zwischendurch an der mangelnden handwerklichen Begabung seiner Tochter.
Wie oft musste er ihr zeigen, wie man einen einfachen Knoten bindet? Oder sie davon abhalten, beinahe den Gartenbusch in Brand zu setzen, weil sie das Thema Feuer machen missverstanden hatte? Nicht zu vergessen die vielen Zelte, deren Heringe plötzlich eher im Zelt als im Boden landeten, weshalb sie bei Regen nun nicht mehr besonders dicht sind. Doch nach längerem Training hat er es schließlich geschafft, seiner Tochter die Grundlagen beizubringen ... zumindest ohne dabei andere in Lebensgefahr zu bringen.
Auch die Kleidung war für Alma zunächst ein absolutes No-Go. Eigentlich hatte sie vor, sich eher aufreizend anzuziehen, um zu zeigen: Mich kann keiner haben, das gehört alles mir. Doch nachdem ihre Freunde ihr erklärt haben, dass die Kleidung einfach dazugehört, lenkt sie zumindest teilweise ein. Eine Sache will sie aber unbedingt anders haben: Das Halstuch. Wer will schon eine braune Kugel am Hals oder ein schlichtes oranges Tuch tragen? Nein, die Streifen müssen sein, aber auf ihre ganz eigene Art und Weise. Rebellion bleibt schließlich weiterhin ihr zweiter Vorname.
<<< Jonah Start <<<
Charakter: Jonah
Geschichtsstrang: Willkommen in Camp Firefly
Jonah blinzelt wachsam aber müde in die Runde der sich Vorstellenden. Heute wurde schon viel geredet und das ausschließlich von Fremden. Obwohl er sich die Namen der meisten Kinder und die des Campleiters schon eingeprägt hat, fühlt er sich ein bisschen schwerelos und unzugehörig. Die alle gleich stellende Uniform ändert nichts daran - sie gibt ihm nicht das versprochene Zugehörigkeitsgefühl. Im Gegenteil. Er fühlt sich beengt und bevormundet, auch wenn er den Sinn dahinter versteht. Sein Onkel, der der Vermittler seiner Misere ist, hat es ihm zwar oft genug vorgeschwärmt, aber es widerspricht seiner Art, sich frei für Dinge und Sims zu entscheiden. Er wurde hierher bestimmt, gegen seinen Willen.
Das es im Leben nicht immer nach persönlichen Wünschen und Vorstellungen läuft, weiß er selbstverständlich. Immerhin ist er schon zehn und hat sein Leben und seine Aufgaben im Griff. Nur mit seiner Bestimmung ist er sich noch nicht sicher, da fehlt ihm jeder Ansatz, wie seine Granny ihm erklärt hat. Obwohl er weiß, dass er eines Tages den Beruf seines Vaters machen möchte. Und zwar aus Ehrgefühl und Überzeugung! Missmutig schnauft er aus. Aber das hat nichts mit "seiner innewohnenden Bestimmung" zu tun, wie alle Erwachsenen von Zuhause immer betonen, die er kennt. Und hier soll er nun danach suchen?! 'Pffffffff' entzischt es es ihm, woraufhin er von dem Chef spielenden blondem Mädchen einen Blick kassiert, der ihn nicht weiter juckt. Dafür hat er keine Zeit, denn erneut wird ihm seine freie Wahl abgesprochen, als er der Vogeltruppe zugeteilt wird und ein Badge bekommt, dass er nach kurzer Betrachtung in seiner linken Hand verschwinden lässt. Ob er dieses Abzeichen tragen und Eve folgen wird, entscheidet sich nicht mehr heute. Er wird sich die Zeit nehmen, die er braucht. So wahr er Jonah Omaciw Caleb Cheechoo heißt. Als er den Tennisball erhält, steht er mit geradem Rücken aus seinem Schneidersitz auf und erklärt:
"Ich bin Jonah und zu Besuch aus Kanada."
Er blickt einmal in die Vorstellungsrunde.
"Ich bin ein Sohn des Stammes der Moose Cree und fühle mich nicht wohl an diesem Ort."
Eine bedrückende Pause entsteht, in der die ihm zugewandten Gesichter teils beleidigt, teils irgendwas anschauen. Er nickt ehrlich, ohne Feindseligkeit, dann fährt er fort, "aber ich bin trotzdem neugierig auf ein paar von euch und freue mich darauf, euren Wald und die Natur hier zu ergründen."
Mit klopfendem Herzen setzt er sich und reicht den Ball zu seiner Rechten weiter, mit glasigem Blick. Die Anstecknadel seiner Gruppe hält er fest mit der herzseitigen linken Hand umklammert.
<<< Chip kommt von Oasis Springs <<<
Chip
Vorgeneigt, die Unterarme auf die Schenkel gelegt, schaut Chip ins Feuer, genießt die einlullende Wärme und lässt die Worte der Kinder vorbei ziehen. „Aber ich wünsche mir, dass ich Sachen machen kann, die ich noch nie gemacht hab und dass wir alle Freunde werden, weil ich finde, dass mit Freunden alles besser ist." Er blickt auf und mustert die Kleine, die das in die Runde wirft. Recht hat sie. Sein Blick wandert träge zu Blaze und Dennah. So wenig Zeit mit ihm etwas zu unternehmen. Sie sehen sich kaum, weil Chip zwischen Arbeit und Baby pendelt und jedes Mal ein schlechtes Gewissen hat, wenn er sich eine Auszeit erschwindelt, wie beim Fallschirm springen mit Viola, vom zocken ganz zu schweigen. Hier mit ihm zu sitzen ist Luxus. Einer der ihn mit innerem Frieden erfüllt. Er muss nicht mit Blaze reden, es reicht sich ab und zu einen wissenden Blick zu zu werfen, die Andeutung eines Grinsens zwischendurch, das Zucken einer Augenbraue. Dennah neben ihm ist wie immer eine Augenweide, aber alles was mit ihr zu tun hat, erscheint ihm wie aus einem anderen Leben. Hammer, dass die beiden immer noch unzertrennlich sind. Für ihn ist das Thema Beziehung gegessen. Unwillkürlich spannt sich sein Kiefer an. Er greift nach einem am Boden liegenden Ast und rückt ein verrutschtes Stück Holz im Feuer gerade. Funken stieben auf, die Flamme wächst wieder. Um nicht eins der Kinder zum nachmachen anzuregen, belässt er ihn ihm Feuer und lenkt seine Aufmerksamkeit auf Maryama, die neben ihm sitzt. Wie immer fühlt er sich in ihrer Gegenwart etwas befangen. Die Uniform betont ihre Figur extrem und ob er will oder nicht, beschäftigen ihn ihre Rundungen. Auf der anderen Seite strahlt sie eine solch klare Energie aus, die ihn automatisch in die Schranken weist, wenn auch nicht gedanklich. Wie sie da sitzt, Rücken gerade, tanzende Schatten vom Feuer auf ihrem Gesicht, wirkt sie völlig im Reinen mit sich und dem Moment. Beneidenswert. Chip hat in seinem ganzen Leben noch keinen Gedanken an Pfadfinder verschwendet, aber das ist völlig egal. Er wird in dieser Woche so viel Zeit wie möglich hier verbringen. Das Camp ist seine Pausetaste von Babygeschrei und Schichtarbeit.
Maryama
Als Delsyn anfängt zu sprechen, breitet sich in Maryamas Brust ein andächtiges Gefühl aus. Alle sind da. Funkelnde Kinderaugen. Junge Seelen, die bereit sind sich mit ihnen in dieses Abenteuer zu stürzen. Schon jetzt geht ihr jedem Kind gegenüber das Herz auf. Sie kann nicht anders, als dauerlächeln. Der nächste Traum, der sich erfüllt. Erst das Green Fingers, jetzt das Camp. Hat sich das Blatt endlich gewendet? Kann sie es wagen, dem Leben endlich wieder zu trauen und sich Kopf über hinein stürzen in alles, was sich ihr bietet? Hier, in diesem Camp mit all den wunderbaren Kindern auf jeden Fall. Der Stoffball wandert weiter im Kreis und landet schließlich in Chips Händen, der keinerlei Anstalten macht, etwas zu sagen und stattdessen anfängt ihn auf jede erdenkliche Weise hoch zu werfen und aufzufangen. Kurz beobachtet Maryama sein Treiben, dann schnappt sie den Ball in einem geeigneten Moment und behält ihn fest in ihren Händen. Chips Überraschungslaut und Blick lassen sie schmunzeln. Aus der Laune des Augenblicks heraus, schaut sie in die Runde. „Ich bin Maryama wie ihr wisst und darf euch durch diese spannende Woche begleiten. Ich habe das Camp zwar mit organisiert, aber es ist auch für mich mein erstes richtiges Pfadfindererlebnis. Ich bin wohl ähnlich aufgeregt und neugierig wie ihr und freue mich auf sämtliche Abenteuer, die wir zusammen erleben werden.
Das Schöne ist, dass oft genau die Sachen, vor denen man erst ein bisschen Respekt hat, später die Erlebnisse sind, an die man sein Leben lang denkt und davon erzählen möchte. Ich glaube dieses Camp wird so etwas sein. Ich wünsche mir, dass ihr mit der Zeit innerlich ankommt, euch wohl fühlt, aufeinander achtet und wir am Ende der Woche, als starke Gemeinschaft wieder am Feuer sitzen und die tollsten Geschichten zu erzählen haben.“ Sie hält inne und zwirbelt kurz eine Locke an der Schläfe. „Meine Ängste...hmmm.“ Ein Funken Schalk zeigt sich in ihrem Blick und die Mundwinkel formen ein vergnügtes Schmunzeln. „Vielleicht dass ihr, natürlich nur theoretisch, länger auf bleibt als wir Betreuer und ich die einzige beim Frühsport bin? Oder noch schlimmer! Dass uns der Marshmallow Vorrat ausgeht! Nicht auszudenken.“, sagt sie mit entsprechender Mimik, wirft den Ball lächelnd wieder Delsyn zu und steht auf. „Aaaaber..noch sind genügend da. Hiermit ernenne ich Chip zum offiziellen Marshmallowbeauftragten. Er ist dafür verantwortlich, dass meine Angst unbegründet bleibt und hilft mir jetzt beim verteilen. Lassen wir den Abend genüsslich ausklingen.“
Blaze // Delsyn // Eve
Blaze sitzt rechts von Dennah und tut so, als wäre er halbwegs entspannt. Del muss sich ein Grinsen verkneifen, sobald er hinüber sieht. Der Junge ist völlig verloren an sie. Trotzdem hält er sich augenscheinlich zurück. Kein Herumgeknutsche mitten in der Runde. Dafür zeigt sich das andere Zeug umso deutlicher. Wie er den Blick nicht von ihr wenden kann, wie seine Hand immer wieder den Weg zu ihrer findet, wie er sich zu ihr neigt, ihre Nase mit seiner streift und wie er ihr ab und an was zuflüstert und danach am liebsten das Gesicht an ihrem Hals vergraben würde um für fünf Minuten alles um sich herum zu vergessen.
Del sieht auch, wie verdammt glücklich er auf eine rohe, ungeschützte Art ist. Und das, obwohl er hier in einer Uniform sitzt, die ihn schon beim Anziehen beleidigt hat. Er schlägt sich tapfer, denkt Del amüsiert, und der Gedanke wärmt ihn. Vor ein paar Wochen hätte Blaze wahrscheinlich eher Glas gefressen, als geschniegelt am Lagerfeuer eines Kindercamps zu sitzen und sich halbwegs zusammenzureissen. Jetzt sitzt er mit diesem widerwillig anständigen Gesichtsausdruck da und kriegt es tatsächlich hin.
Del lehnt sich ein kleines Stück zurück, den Blick auf den Kreis gerichtet und hört jedem Kind aufmerksam zu. In seinem Kopf beginnt er zu sortieren wie er wen einordnen kann. Er hat diesen Blick schon oft gehabt, wenn er Leute kennenlernt. Nur dass er es diesmal nicht mit Erwachsenen zu tun hat, die sich längst Schichten über Schichten aus Gewohnheiten, Scham und Taktiken zugelegt haben. Es sind Kinder und sie sind direkter und... unverpackter. Was sie sagen, zeigt oft schon ziemlich genau, wo sie stehen. Del fragt sich bei jedem von ihnen, ob sein erster Eindruck trügt oder ob er in den nächsten Tagen noch recht behalten wird.
Eve kennt er ohnehin am besten. Trotzdem hört er ihr so aufmerksam zu wie den anderen. Sie hält den Ball mit beiden Händen fest, richtet sich auf und klingt dabei fast ein bisschen zu reif für ihr Alter. Sie will gut wirken. Kompetent... Pfadfindermässig.
Del sieht sofort, wie sehr sie in dieser Rolle aufgeht. Und doch liegt unter ihrer Begeisterung noch etwas anderes. Sie will zeigen, dass sie hier hingehört. Sie will als jemand ernst genommen werden, der schon etwas weiss. Jemand der die Zeichen, die Rituale und Regeln der Pfadfinder kennt. Del denkt, dass sie in dieser Woche aufblühen wird, sobald sie merkt, dass Wissen etwas zählt. Sie wird stark sein wollen und hilfreich. Del weiss schon jetzt, dass er sie irgendwann daran erinnern muss, dass sie hier nicht die zweite Lagerleitung ist.

Theo ist da schon anders. Del merkt schon beim Räuspern, wohin das geht, und als Theo sich mit voller Stimme zum Inselkönig erklärt, spürt er links von irgendwo ein unterdrücktes Kichern. Sein Blick bleibt ruhig auf dem Jungen. Keine Spur von Spott. Der Junge sucht Halt in einer Figur, die grösser ist als seine Unsicherheit. Er gibt sich einen Titel. Dahinter sitzt wahrscheinlich ein Kind, das heute doch nicht so cool ist, wie es gern wäre. Del erkennt die Konstruktion und mag sie sofort. Da steckt Fantasie und Stolz drin. Theo will nicht einfach nur einer von vielen sein. Er will als jemand gesehen werden, der schon etwas mitbringt. Del wettet innerlich, dass Theo sich im Wald wohl fühlen wird. Mehr Aufgaben, mehr Bewegung und jede Menge Zeug zum Anfassen. Und er ahnt, dass in dem Jungen auch ordentlich Showman steckt. Die Sorte, die plötzlich mit einem Ast auf einem Baumstumpf steht und eine Rede hält. Del ist gespannt, ob er recht behält.
Bei Jubilee muss Del keine zwei Sekunden überlegen. Das Kind steht unter Strom wie eine Lampe mit zu viel Spannung. Und dann legt sie auch schon los. Gruselgeschichten. Abenteuer. Neue Sachen. Freunde. Schon beim Zuhören zieht sich bei Del ein zufriedenes Lächeln in die Mundwinkel. Jubilee hat Hunger auf die Woche. Sie will alles! Sie will Erlebnisse sammeln wie andere Muscheln am Strand. Alles anfassen, alles wissen, überall dabei sein. Der Satz mit den Freunden bleibt bei Del am meisten hängen. Mit Freunden ist alles besser. Sie klingt wie jemand, der Gemeinschaft nicht voraussetzt, sondern sich danach sehnt. Und sie wird - so viel ist Del klar - entweder das Herz der Gruppe oder deren wandelnde Unruhequelle.
Bei Jonah wird Del unsicher. Neugierig unsicher. Die Art, wie er das Abzeichen nicht sofort ansteckt. Wie er den Ball nimmt. Wie gerade sein Rücken wird… Und dann sagt er, dass er sich hier nicht wohl fühlt. Der Junge lügt nicht, um gemocht zu werden. Er sagt, wie es ist, und bleibt trotzdem da. Das ist für Del ein gutes Zeichen. Stolz hat Jonah genug für drei. Identität auch. Wahrscheinlich sogar mehr, als so manche Erwachsene. Del respektiert das. Und er macht sich eine mentale Notiz, dass Jonah keiner sein wird, den man mit aufgesetzter Lagerfeuerromantik kriegt. Del ist ziemlich neugierig darauf, was den Jungen zum ersten Mal wirklich packen wird.
Während die Stimmen nach und nach im Kreis verklingen, bleibt Del einen Moment still sitzen. In seinem Kopf liegen die ersten Eindrücke bereit. Noch unsortiert genug, dass alles offen ist. Vor dem Feuer sitzen zwölf Kinder und ein paar Erwachsene, die für eine Woche gemeinsam in diesen kleinen Mikrokosmos gekippt worden sind. Eine Woche mit Potential für Streit, Schürfwunden, Heimweh, peinliche Momente, Freundschaften und Geschichten, die in zehn Jahren immer noch erzählt werden.
Del beugt sich zur Seite und greift nach der Gitarre, die neben seinem Stumpf gelehnt hat. Schon die Bewegung reicht, damit ein paar Kinder aufmerksamer werden. Er zieht das Instrument zu sich, legt den Korpus auf den Oberschenkel und fährt mit dem Daumen prüfend über die Saiten. Das Holz vibriert leicht unter seiner Hand.
„Es ist schön dass ihr alle hier seid und euch auf das Camp freut“, sagt er und schaut in die Runde. „Und bevor ihr nacher ins Bett fallt und morgen früh so tut, als hätte euch niemand gesagt, dass ihr schlafen sollt, lernen wir jetzt noch unser erstes Lagerfeuerlied.“
Der Blick bleibt einen Moment bei Blaze, dann wandert er weiter zu Chip. Blaze versteht schon bevor er ihn ansieht. Die Gitarre ist das Stichwort. Er lächelt ergeben. Es ist der Ausdruck eines Sims, der weiss, dass er gleich etwas tun wird, das nicht unbedingt in sein übliches Metier gehört.
Del erinnert sich noch gut daran, wie sie beide an diesem Lied gesessen haben. Blaze mit einem Gesicht, als würde man ihn wieder auf die Schulbank zwingen. Trotzdem hat er Akkorde ausprobiert, gefragt, ob man die Stelle vielleicht ein bisschen weniger… naja, kitschig machen kann, und irgendwann sass er da, spielte die Folge sauber durch und zuckte mit den Schultern, als wollte er sagen: „Joa. Geht schon.“
Die restliche Crew; Alma, Maryama, kennen das Lied auch und Chip hat es auf seiner Mundharmonika geübt.
Dafür hat Blaze Dennah kaum etwas davon erzählt. Hauptsächlich, weil das Ganze nicht wirklich in das Bild passt, das er von sich selbst gerne zeichnet. Lagerfeuerlied statt Punkrocksong…
Aber er hat sich trotzdem darauf eingelassen. Für Del und das Camp.
Blaze streckt die Hand aus und übernimmt die Gitarre ohne grosses Theater. Das Instrument landet auf seinem Knie.
Noch vor dem ersten Akkord, lädt Del die Kinder zum mit klatschen ein. „Macht mit“. Eve ist sofort dabei und klatscht begeistert mit Delsyn mit. Sie sieht zu Blaze und kann fast nicht glauben, dass er gleich spielen wird. Immer wenn sie ihn drum gebeten hatte, hat er nein gesagt. Deshalb freut sie sich jetzt noch mehr.
Blaze steigt erst mit dem Fuss, dann mit der Gitarre in den Takt der Anwesenden ein. Del setzt mit der Stimme ein. Der Klang trägt über das Feuer hinweg und Blaze macht einen Atemzug später mit. Wie damals in Henford, als sie diesen anderen Song erfunden haben… es kommt Blaze vor als wäre das Jahre her.
Während er spielt, wandert Blazes Blick immer wieder zur Seite zu Dennah. Ein Grinsen huscht über sein Gesicht. Peinlich ist ihm das Ganze nicht. Eher ungewohnt in diesem Umfeld und es fällt ihm schwer vollkommen ernst zu bleiben, während er singt.
Dennoch ist er ziemlich glücklich.
1. Punkt für Del.

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