Granite Falls Nr. 6 - Camp Firefly

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14.03.2026 08:52
avatar  Murloc
#11
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Bestseller-Schmied

Theo macht es sich auf seinem Baumstamm gemütlich. Musik ist etwas, das versteht er. Wie die meisten Meersims hat auch er eine feine Stimme, wenn es ums Singen geht. Doch da er den Text nicht kennt, belässt er es beim Klatschen und singt nur den sich wiederholenden Refrain mit, sobald er verstanden hat, wie dieser geht.

Alles ganz nett. Instrumentale Musik gibt es auch in Sulani, mit Lauten, unterstützt mit Trommeln und rhythmischen Klängen. Selten jedoch Lagerfeuermusik mit Gitarre, auch wenn seine Schwester ab und an mal dieses Musikinstrument spielt – eher mittelmäßig. Sie spielt zu selten um wirklich in Übung zu bleiben. Das Singen liegt ihr mehr.

Es macht Spaß und schafft ein Gemeinschaftsgefühl, als die Kinder gemeinsam singen und klatschen. Doch Theo hat trotzdem das Gefühl, dass irgendetwas fehlt. Die Trommeln! Er greift sich Äste vom Boden, und schlägt damit im Takt auf den Baumstamm, auf dem er sitzt. Wir sind wild und laut und frei. Und jetzt mit Trommelrhythmus!

Besser als nur das Geklatsche. Theo grinst. Der Inselkönig hat schließlich Rhythmus im Blut. Es stört ihn nicht, dass so ein Baumstamm deutlich dumpfer klingt als eine richtige Trommel. In seiner Fantasie passt es trotzdem ziemlich gut.


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14.03.2026 21:26
#12
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Bestseller-Schmied

~ Jubilee ~

Keine zwei Takte ziehen an Jubilee vorüber, als sie begeistert in die Hände klatscht. Sie hat keinerlei Taktgefühl, aber ihr Herz schlägt für diesen Moment. Der Mund ist vor Freude geöffnet, ihre Augen tanzen strahlend von einem Sänger zum nächsten. Theo greift zu den Stöcken und beginnt zu Trommeln, was das Mädchen mit aufgeregtem Lachen quittiert. Das ist alles so mega! Ohne auch nur eine Zeile des Textes zu kennen, stimmt sie mit Fantasieworten und geratenen Lauten in den Gesang mit ein und hat ganz offensichtlich die Zeit ihres jungen Lebens.




~ Dennah ~

Dennahs Mimik wird einen Hauch kühler, während Maryama spricht.
"Das Schöne ist, dass oft genau die Sachen, vor denen man erst ein bisschen Respekt hat, später die Erlebnisse sind, an die man sein Leben lang denkt und davon erzählen möchte."
Eine Braue zieht zweifelnd Richtung Haaransatz. Das kann sie ja mal so gar nicht bestätigen. Alles, wovor sie bisher 'ein bisschen Respekt' hatte, würde sie am liebsten aus ihrem Erinnerungsvermögen verdrängen. Aber vermutlich lebt Frau Megatitte in einer Welt aus Zuckerwatte und Einhornfürzen. Kein Wunder. Riesen Vorbau, große strahlend grüne Augen und wollüstige Lippen. Schön für sie. Soll sich bloß von Blaze fern halten. Dennah registriert nicht, dass sie bei dem Gedanken noch näher an ihn heran rückt, die Finger umfahren mit sanftem Druck seinen Oberschenkel. Erst als er die Gitarre an sich nimmt, rückt sie etwas widerwillig wieder einige Zentimeter von ihm weg, um ihm Platz zu geben.
Neugierig betrachtet sie ihn, als er zu spielen beginnt. Viel zu selten erlebt sie ihn dabei. Das ironische Grinsen in seinem Gesicht steckt sie an, so dass ihre Mundwinkel immer weiter in die Wangen ziehen. Die Kinder klatschen, manche stampfen auf den staubigen Boden auf, und der Grüne fängt sogar an mit Stöcken herumzutrommeln. Das Ganze könnte halbwegs cool sein, wenn es nicht so krass peinlich wäre. Kinderlieder, Uniformen, Pfadfinderabzeichen. Das Alles riecht ganz schön nach Geek oder Nerd, was auch immer der Unterschied sein soll.
Dennah macht keine Anstalten, mitzusingen und der Text interessiert sie herzlich wenig. Die Wärme und das Knistern des Feuers bringen ihr ein wohliges Gefühl. So wie es vor Jahren unter der Brücke war. Beinahe hat dieser Teil des Hierseins etwas Heimisches an sich und gerät immer wieder in Streitereien mit dem anderen, leicht beschämten Part. Wessen Idee war es eigentlich, hier mitzumachen? Dunkel erinnert sie sich an einen Abend voller Begeisterung und Überredungskunst, Blaze möge doch bitte bitte zustimmen. Hätte sie geahnt, dass es so laufen würde ... in ihrer Vorstellung hatte sie viel nackte Haut in verschwitzten Zelten gesehen, baden im See und Herumtollen im Wald. Aber was nicht ist, ... Ihr Lächeln wird zu einem schiefen Grinsen. Leicht nach hinten geneigt, zieht sie mit spitzen Fingern die Zigarettenschachtel aus Blaze' Hosentasche und steckt sich eine Kippe an, ohne auf die Blicke zu achten, die ihr aus einigen Augenpaaren entgegengebracht werden. Sie überschlägt die Beine, das obere wippt im Takt zur Musik. Die Zigarettenhand ruht schräg hinter ihr auf dem Holzstumpf, während die andere sich in Blaze' Nacken legt, wo ihre Fingernägel sanfte Bahnen über seine Haut ziehen. Verspielt fängt sie seinen Blick auf und antwortet mit einer erhobenen Braue und einem rau geflüsterten "Du Rockstar.", das gerade leise genug ist, dass nur er es hören kann.


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15.03.2026 09:11 (zuletzt bearbeitet: 15.03.2026 19:29)
avatar  S.Bin.
#13
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Bücherstapler

Jonah

Nachdem er sich gesetzt hat, spürt er für einen Moment die ruhigen Augen des Campleiters auf sich, so, wie er auch die anderen Kinder, inklusive seiner Schwester beguckt hat. Anschließend folgen erneut Abschlussrundenworte, bevor die Gitarre an den Bruder weitergeht. Soviel hat er sich gemerkt. Es ist gut zu wissen, wer die Hauptverantwortungsträger sind.

Das Lied beginnt und als der zweite, halbe Erwachsene mit der silbernen Schiene einsteigt, gefällt ihm etwas daran. Er wird ihn bei Gelegenheit fragen, wie sein Instrument heißt. Er lauscht aufmerksam dem Text und beobachtet genau die anderen Kinder aus seiner Gruppe. Ihnen allen scheint die Musik zu gefallen, wobei der Inselkönig mit seinem Einsatz am besten trifft. Jonahs Kopf folgt dem Trommelrhythmus. Trommeln haben in seinem Kulturkreis einen hohen Stellenwert. Die Mädchen bekommen nur sein halbes Interesse, als ihn Textzeilen treffen, die ihn mehr als nur nachdenklich stimmen.

"Wir sind laut und wild und frei, wir reißen uns das Herz entzwei - Damit die ganze Welt versteht, Liebe weiß den Weg", wehen die Stimmen der Brüder zu ihm übers Feuer. Jonah drückt den flachen Gegenstand in seiner linken Hand.

"Punkt, Komma, Strich - ohne Heimweg geht es nicht" ¡, bringen Delsyn und Blaze ihm das innere Bild seiner Familie näher. Er schluckt, dabei fühlt sich sein Hals trocken und dick an.

"X, Y, Z, wir wollen nicht immer nur das eine, nein, wir haben unser Ziel gesetzt" wird weitergesungen. Jonah Omaciw Caleb Cheechoo hat sein Ziel noch nicht selbst gesetzt.

"Oh ho hooo, seid ihr dabei, wir zählen bis drei" fangen die musizierenden die ganze Runde ein - alles wippt, schunkelt und klatscht. Jonah steigt innerlich und äußerlich aus. Sein Körper wird wieder ruhig und still. Sein Blick wandert gen Himmel, der in diesem Camp in Sims-Welt so wie in seiner Heimat, bei seiner Familie der selbe ist. Sein Herz trommelt und singt in seiner Heimats- und Stammessprache seine eigene Lagerfeuermusik.


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16.03.2026 18:02
#14
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Schicksalslenker

Maryama und Chip

Maryama legt den ersten Schwung Marsmallows auf dem groben Holztisch neben dem Feuer bereit und zählt nochmal die Stöcke zum Aufspießen durch, während Chip schon wieder am Lagerfeuer sitzt, die Mundharmonika zückt und mit Blaze und Del in den Song einfällt. Eigentlich wollte sie die Restlichen Süßigkeiten auch gleich holen, aber die Stimmung am Feuer wirkt ansteckend. Schade, dass sie nicht an ihre Bongos gedacht hat. Sie lehnt sich mit dem Hintern an die raue Tischkante und fällt in das rhythmische Klatschen der Kinder mit ein. Theo, der mit seiner Baumtrommel die Instrumente perfekt ergänzt, weckt erneut ihr Interesse. Unglaublich wie reif er geworden ist, im Vergleich zur Eröffnugsfeier im Green Fingers. Sarah hat ihr von dem Einweihungsritual der Insulaner erzählt, weil Manuel wohl den Tag mit ihm dort verbracht hat. Es muss hart sein, dieses Tätowierungsritual zu überstehen. Ihr Blick verweilt kurz auf den filigranen Mustern, die ihren eigenen Handrücken und Teile des Unterarms zieren. Gegen das Ritual der Insulaner wirkt ihre eigene Sitzung am Strand plötzlich wie Wellness.
Während sie lautstark in den Refrain mit einstimmt, geht ihr Blick zu dem Jungen, der sagte er fühle sich nicht wohl, freue sich aber auf die Natur und was es zu entdecken gibt. Seine Ehrlichkeit geht ihr unter die Haut. Sie hat noch nie ein Kind erlebt, dass mit einer solchen inneren Sicherheit Gefühle ausdrückt, die die meisten Sims aus Scham oder Unsicherheit verbergen würden. Das kann ermutigende Wirkung auf andere haben. Sie ist gespannt darauf, wie er sich einbringen wird, bei den Aktivitäten. „Wir sind wild und laut und frei!“
Maryamas Seele schwingt mit, sie singt lauter, strahlt - bis ihr Blick auf Dennah fällt, die gerade an einer Zigarette zieht und sich an Blaze schmiegt.
In Sekunden begreift sie, dass sie jetzt verantwortlich ist. Verantwortlich dafür, dass die Regeln eingehalten werden, dass niemand aus der Reihe tanzt, Pfadfinderwerte hoch gehalten werden. Sie selbst ist nur ein paar Jahre älter als Dennah und der Anblick, wie sie sich an Blaze kuschelt, erinnert Maryama an Abende am Strand mit Chris...
Keine schöne Aufgabe in die traute Zweisamkeit hinein zu platzen, aber wohl unumgänglich. Kurz ficht Maryama noch einen inneren Kampf aus. Sie kennt Dennah nicht, hat keine Ahnung wie sensibel sie ist, wie sie mit Kritik umgeht. Jetzt, in der Runde ansprechen, vor allen? Sie könnte sich bloß gestellt fühlen, was nicht das Ziel ist. Andererseits haben einige der Kinder durchaus bemerkt, was vor sich geht und es sollte ein deutliches Signal gesetzt werden, dass Regeln für alle verbindlich sind, egal wie 'erwachsen' sie sein mögen. Wäre es Chip, könnte sie das mit einem humorvollen Spruch lösen, aber mit einer Unbekannten?
Na dann mal los, Frau Pfadfindercampleiterin, motiviert sie sich selbstironisch, löst sich aus der lehnenden Position und beugt sich nach ein paar Schritten zu Blaze' Freundin hinunter. „Dennah, rauchen ist innerhalb des Camps tabu. Mach bitte die Zigarette aus. Danke.“, sagt sie gedämpft, aber durchaus hörbar für die am nächsten sitzenden und richtet sich wieder auf. Der letzte Takt verklingt und die Kids klatschen Applaus. „Wenn du magst, kannst du mit Chip die restlichen Marshmallows holen und die Stöcke für die Kinder mit bringen.“
Aufblickend schiebt Chip die Mundharmonika in die Hosentasche und kann sich ein Grinsen kaum verkneifen. Es ist deutlich, dass Dennah nicht vor hat Pfadfinderqueen zu werden. Vermutlich ist sie Blaze zuliebe mit gekommen. Er nickt und macht mit belustigtem Funkeln in den Augen eine in Richtung Süßigkeiten weisende Kopfbewegung. „Ja, machen wir die Kids glücklich.“, sagt er und sieht zu Blaze, der gerade die Gitarre weg legt. „Jemand zum Holz tragen wär auch noch ganz nützlich.“


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03.04.2026 22:19
avatar  Ripzha
#15
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Bestseller-Schmied

Noch bevor Frau Knutschmaul neben ihr steht, fängt Dennah die Bewegungen der Erwachsenen aus dem Augenwinkel auf. So überrascht es sie nicht, dass das Gesicht dicht neben ihrem eigenen erscheint. Der freundliche Ton in der Ansage rauscht an ihrer Wahrnehmung vorbei. Übrig bleibt nur die Tatsache, dass diese Frau ihr scheinbar sagen will, was sie zu tun und zu lassen hat.
Abschätzig zuckt eine Braue. Beinahe zeitgleich lehnt sie einige Zentimeter zurück, bis sie Blaze' Körperwärme im Rücken spürt. Langsam, den Blick auf den grünen Augen haltend, hebt sich die Zigarettenhand zu den Lippen. Ein betont langer Zug folgt. Was will die schon machen? Ihr den Hintern versohlen? Sie raus werfen? Fein, dann müsste sie diesen grauenvollen Fummel nicht mehr tragen.
Dennahs Lippen öffnen sich ein winziges Stück, so dass der Rauch in dichtem Grau zwischen den Gesichtern aufsteigt. Dann sickert das Jobangebot zu ihrem Verstand durch. Marshmallows holen. Wenn sie mag. Dieses Pädagogengequatsche kennt sie noch aus den Tagen im Heimathafen. Ist sie zwölf? Sie versteht sehr wohl, dass dahinter nur der Gedanke steht, sie aus den Weg zu schaffen. Als obs die Kids zerstören würde, jemanden qualmen zu sehen. Die Hälfte von denen klaut doch selbst Kippen von Mommy und Daddy und quarzt heimlich hinterm Haus.
Chips Worte ticken gegen ihre Aufmerksamkeit und Dennahs Blick springt für eine Sekunde missbilligend zu ihm herüber. Ist der ihr Schoßhündchen oder was? Klar, dass er mit dem Schwanz wedelt - bei dem Vorbau. Chips ist eben einfach gestrickt. "Hol doch selber.", haucht ihre Stimme der Frau zu. "Ich kenne andere Wege, glücklich zu machen."
In Maryamas Kopf blitzt ein Bild auf: Sarah und sie auf der Schultoilette, der Rauch noch in der Luft, als sie erwischt wurden. Es war Hr. Fischer, der einzige Lehrer, den sie je respektiert hat. Er gab ihr Halt, als sie von zu Hause abgehauen war und Hilfe für ihre Mutter brauchte. Dennah ist ein perfekter Spiegel für ihr eigenes Verhalten damals. Mit dem Gedanken an den Vertrauenslehrer, kommen die Worte wie von selbst über ihre Lippen. „Dennah, das ist nichts Persönliches. Aber im Camp wird nicht geraucht. Mach sie bitte aus."
Irgendetwas an dem, was oder wie Marilinda es sagt, lässt Dennahs Blick für einen Moment weich werden. Ob es das 'bitte' ist oder die Betonung, es hätte nichts mit ihr zu tun ... für den Bruchteil einer Sekunde sieht sie sich tatsächlich gehorsam die Kippe löschend. Wäre eigentlich gar nicht so dramatisch.
Doch bevor sie dem Drängen nachgeben kann, treibt von irgendwo dieses Gefühl in ihr hoch. Seit sie von zu Hause weg ist, heißt es überall nur noch 'tu dies' und 'lass das'. Früher hat ihr nie jemand gesagt, was sie tun sollte. Außer dieses eine Mal. Sie erinnert sich an den weichen, flehenden Tonfall ihrer Mutter. Und an das Gefühl, keine Wahl zu haben. Es war das erste Mal, dass sie nicht für sich selbst entschied. Und es war der Anfang vom Ende. Dennahs Kiefer spannt sich, als Jacks Stimme in ihrem Hinterkopf aufblitzt. 'Ich finde absolut nicht falsch, dass du dich für DICH entschieden hast und deiner kaputten Welt gezeigt hast, dass sie nicht mehr alles mit dir machen können.' Wenn sie jetzt nachgibt, macht sie wieder nur, was man von ihr will. Was bleibt dann noch von ihr übrig? Das fühlt sich falsch an.
Ein kurzer lachender Laut fällt ihr aus dem Gesicht. Sie schüttelt ungläubig den Kopf, ihr Blick schweift einmal über die Runde. Die Anwesenden, die nah genug sitzen, um die Unterhaltung mitzubekommen, beobachten gespannt, was passiert. "Das ist doch total bescheuert.", lacht Dennah mit einer Mischung aus Verzweiflung und Fassungslosigkeit. "Ihr singt von jung und wild und frei und sitzt hier mit gebügelten Hemden in der Hose und ertragt nicht mal ne Kippe?" Sie springt auf, deutet auf die Kinder, hält den Blick aber auf der Erwachsenen. "Ihr züchtet euch kleine Spießer zurecht." Energisch wendet sie sich der Runde zu, klemmt die Zigarette in den Mundwinkel und beginnt, das Halstuch aus der haltenden Kugel zu lösen. "Soll ich euch mal zeigen, wie wild und frei aussieht?" Das Tuch fliegt vom Hals, direkt in Blaze' Hände, ehe sie den Stoff des Hemdes aus dem Hosenbund pflückt und die ersten Knöpfe öffnet. Ein frivoles Grinsen kann und will sie sich nicht verkneifen.
Während Dennah sich offenkundig beginnt frei zu machen - anders als das Lied es angedacht hatte - geht Blaze' Kopf in den Leerlauf. Unfähig etwas zu sagen oder tun, da er eigentlich noch mit dem Gedanken beschäftigt war, dass Maryama Dennah und Chip los schicken wollte um etwas zu tun. Er war grade noch erleichtert, weil er im Nachgang eine Aufgabe bekam, bei der er mitgehen kann, da eskaliert die Situation bereits. Blaze ist noch nicht an dem Punkt zu begreifen was grade passiert, dafür jemand anderes der die Sache beobachtet hat.
"Oookay, das lassen wir jetzt lieber." Ehe Dennah sich versieht, heben ihre Füsse ab und sie findet sich über Delsyns Schulter wieder. Dann macht er einen grossen Schritt über den Baumstamm der als Sitzgelegenheit dient, dreht sich um und deutet mit der freien Hand auf den Kreis. "Schaut bitte mal kurz auf das Rudel, ja?" Damit meint er Blaze, weil er Partei für Dennah ergreifen würde, Maryama, weil sie scheinbar der Auslöser war und er das Gefühl von 2 gegen Dennah vermeiden will und Chip, weil er keinen Nutzen darin sieht wenn er mitkäme.
Dann geht er.
Auf dem Weg wiederholen sich die Sätze die er gehört hat. 'Das ist doch total bescheuert - ertragt nicht mal ne Kippe - soll ich euch mal zeigen...'
Nahe des überdachten Sitzplatzes, stellt er sie wieder ab. Es ist viel dunkler und auch kühler, da das Feuer nicht so weit reicht.
Del macht einen halben Schritt zurück und versucht sich weiter vorzustellen, wie sie sich fühlt... wegen einer Kippe. Wegen etwas was ihr verboten wurde...
"Entschuldige den Übergriff." sagt er, "Ich habe aber keine Lust 24 Eltern erklären zu müssen, was deine Interpretation von frei ist." Seine Stimme ist weder hart noch schroff. Vielmehr liegt eine Beiläufigkeit darin, die dem Ganzen den Druck raus nimmt, ohne zu verheimlichen wie daneben er ihr Verhalten findet.
"Schon klar." wendet er ein bevor der Teenager es auch nur denken kann. "Das ist dir egal. Ist mein Problem. Und das stimmt... Deshalb stehst du jetzt aber halt hier." Er sieht sie an. "Ich werd dir nicht sagen was du tun sollst. Du bist alt genug und dumm bist du auch nicht... Ich will dir nur eine Frage stellen okay?" Del blickt kurz nachdenklich zur Seite und dehnt den Nacken in eine Richtung ehe er Dennah in der immer noch zerzausten Uniform ansieht. "Stell dir kurz vor du gehst da jetzt hin und machst genau da weiter wo ich dich unterbrochen hab. In etwa 2 Stunden sind die Lichter aus und 12 junge Pfadfinder, 3 Erwachsene und 2 Teenager gehen mit der Erinnerung daran ins Bett. Ich finds an sich ja eine echt mutige Sache drauf zu scheissen was andere denken, aber... - und das interessiert mich ehrlich -" Del hebt die Brauen. "ist das wirklich etwas, auf das du später noch stolz bist?"
Beinahe klingt Dennahs überraschtes Jauchzen vergnügt, als Delsyn sie packt. Sie wehrt sich nicht einmal, formt stattdessen mit beiden Händen ein Victoryzeichen und streckt grinsend die Zunge aus. Dass die Zigarette verloren ging, als er sie über die Schulter warf, scheint innerhalb weniger Sekunden vergessen.



Mit einem torkelnden Ausfallschritt findet sie wieder festen Boden unter den Füßen und verschränkt noch im selben Moment die Arme vor der Brust. Sein Geruch und seine Haut sind ganz anders als bei Blaze, funkt es ihr in die Aufmerksamkeit, während er beginnt zu sprechen. Blinzelnd versucht sie sich auf seine Worte zu konzentrieren. Weil sie ihn gut findet. Nicht, weil er das Sagen hat.
"Dreiundzwanzig.", korrigiert sie trotzig. "Judas Priest hat keine Eltern."
Dennahs Brauen ziehen sich stutzend zusammen, als seine Frage ihren Verstand trifft, dort aber nicht so recht andocken will.
Stolz.
Das Wort hängt einen Moment in ihrem Kopf fest, als hätte es sich verlaufen. Sie versucht, es irgendwo einzuordnen. In eine Schublade zu stecken, in der Dinge liegen, die für sie Sinn ergeben. Aber es passt einfach nirgends hinein.
Während es hinter ihrer Stirn arbeitet, wird ihre Körperhaltung ein wenig weicher. Die Schultern sacken ein winziges Stück zusammen. Die Arme noch immer verschränkt, strahlt sie weniger Abwehr aus, beinahe so, als würde sie es vor lauter Nachdenken schlicht und ergreifend vergessen.
Es dauert lange, bis sie den Mund leicht öffnet, um zu einer Antwort anzusetzen. "Was meinst du damit?", kratzt sie sich schließlich am Haaransatz.
Delsyn erinnert sich an das was Blaze ihm vor Wochen erzählt hatte, als er noch nicht wusste wie er mit Dennah umgehen soll. Del selbst hatte ins Blaue geraten, dass es sich um eine einsame und möglicherweise unsichere junge Frau handelt. Sie sollte nicht denken, Blaze würde sie benutzen und wegwerfen. Und den Gedanken hatte er nur, weil das offenbar die Regel war. Also wird sie entweder nichts fühlen oder glauben es sei normal.
Delsyn ist sich nicht wirklich sicher ob sie einfach nur impulsiv im Moment ist und Reue sowas wie Kollateralschaden für sie ist, oder ob sie sich später wirklich innerlich verurteilt wenn sie merkt wie die Reaktionen von aussen sind.
„Ich wüsste gern was du dir von der Aktion erhoffst." sagt er offen neutral. „Nur damit wir vom selben sprechen."
"Was ich ...", Dennahs Brauen wandern weit in den Haaransatz. Die Arme sinken jetzt kraftlos herunter und hängen einen Augenblick schlaff neben dem Körper. "Wieso fragst du mich sowas? Ich weiß nicht, warum ich Sachen mach." Ihre Mimik nimmt einen beinahe verzweifelten Ausdruck an, als sie seinem Blick auweicht. Irgendwo in ihr ballt sich ein fester Kloß zusammen, als hätte jemand seine Faust in ihre Eingeweide gerammt und dann dort stecken lassen. Seit der Richter diese Dinge über sie gesagt hat, fühlt sie ständig diese zermürbende Unsicherheit. Als wäre sie falsch. So grundsätzlich. 'ihrem Alter nicht entsprechend entwickelt.' Ihre Kehle schnürt sich beißend zu, Tränen steigen ihr in die Augen. "Ich will nur ..." Schulterzuckend bricht sie ab. Ja, was will sie eigentlich? Gesehen werden? Unterhalten? Bewunderung? Aber wofür? Dafür dass sie sich auszieht - und Bitch ist? Ist es nicht genau das, was sie nicht mehr wollte? Für Blaze ... oder vielleicht doch eher für sich selbst? Aber was ist schlecht daran, ungehemmt zu sein? Ein schweres Ausatmen lässt ihre Körperhaltung vollends zusammenbrechen. Beide Hände wischen übers Gesicht. Das ist so verwirrend. Und anstrengend. 'Kein Empfinden für Richtig und Falsch.' Schwer atmend hebt sie das Gesicht aus den Händen und sieht Delsyn an. Beinahe hilfesuchend flirrt ihr glasiger Blick hinter dem Tränenschleier. "Ich will ich sein. Aber in letzter Zeit ..." wieder lenkt sie den Blick zur Seite, irgendwo ins Gestrüpp. Eine Träne rollt über ihre Wange, obwohl sie dagegen ankämpft. Ihre Lippen pressen sich aufeinander, sie würgt den stechenden Kloß herunter. "... weiß ich einfach nicht, was das heißt." Ihre Schultern ziehen ratlos in den Nacken. "Ich war immer so und das war richtig. Und jetzt ist alles, was ich war, falsch."
Delsyns Blick wird weicher, während er ihr zuhört und langsam begreift, woran sie da eigentlich rührt. Als er nach der Untauglichkeitserklärung aus der Militärbubble herausfiel, hatte es sich auf eine andere Weise ähnlich angefühlt. Fast alles, was er tat, war dort Hand in Hand gegangen mit dem, was ihnen als richtig eingetrichtert worden war. Du führst Befehle sofort und ohne Diskussion aus. Du setzt Anweisungen genau so um, wie sie gegeben werden. Du übernimmst Verantwortung für dein Handeln. Du hast dein Auftreten unter Kontrolle. Und viele weitere Regeln, mit denen er längst nicht mehr einverstanden ist und die trotzdem noch immer irgendwo in ihm stecken. Du stellst Loyalität über persönliche Überzeugungen. Du wendest Gewalt an, wenn es verlangt wird. Du versteckst Schwäche. Alte Muster verschwinden nicht einfach. Schon gar nicht, wenn man lange nicht einmal merkt, dass es welche sind.
Del sieht sie an. Ich war immer so und das war richtig. Es macht ihn für einen Moment beinahe sprachlos, wenn er darüber nachdenkt, was es für eine Siebzehnjährige bedeutet, so etwas zu sagen und es offenbar auch genau so zu meinen. Gleichzeitig wird ihm klar, dass das nichts ist, was sich in ein paar Minuten tiefgreifend untersuchen lässt.
„Danke", sagt er schlicht. Dann entsteht eine kleine Pause. Er sieht sie warm an, während sie gegen die Tränen ankämpft. „Du hast meinen vollsten Respekt dafür, dass du so ehrlich sein kannst. Davon können viele nur träumen", sagt er ruhig. „Es ist okay, etwas nicht zu wissen."
Er lässt den Satz stehen. Erst nach einem Moment fährt er fort.
„Du hast noch sehr viel Zeit, um rauszufinden, wer du bist und was sich für dich richtig anfühlt. Das geht nur, indem du Sachen ausprobierst. Indem du irgendwo aneckst und danach ehrlich genug bist, dich zu fragen, ob du genau so sein willst." Sein Blick geht kurz zur Seite, dann wieder zu ihr.
„Dabei tritt man Leuten auch mal auf die Füsse. Das macht nichts. Aber du kannst entscheiden wie du damit umgehen willst." Er atmet ruhig aus und nickt leicht zurück in Richtung Feuer.
„Du könntest die Woche hier als Experiment sehen. Als die Chance, etwas auszuprobieren, das du vielleicht noch nicht kennst." Seine Stimme bleibt ruhig, ohne Druck. „In einer Gruppe zu sein, in der alle aufeinander acht geben und sich gegenseitig helfen. Sich an Regeln halten, die nicht dafür da sind, dich kleinzumachen, sondern damit alle gleich fair behandelt werden. Regeln sind manchmal nervig, das versteh ich. Aber sie sind nicht automatisch ein Angriff."
Er hebt leicht die Schultern. „Vielleicht merkst du hier, dass es dir gar nichts gibt, dich anzupassen und auf andere zu achten. Kann sein. Vielleicht denkst du am Ende der Woche: War alles Mist. Auch das ist was wert. Dann weisst dus. Für dich... weil dus ausprobiert hast. Und so eine Erkenntnis nimmt dir niemand mehr weg. Sie gehört dir ganz allein."
Seine Miene wird wieder ein wenig weicher. „Vielleicht merkst du aber auch, dass es sich besser anfühlt als gedacht. Dass Rücksicht nehmen in bestimmten Fällen nicht automatisch heisst, sich selbst aufzugeben."
Er zögert kurz. Ein zu grosses Thema für diesen kleinen Moment. Del sieht die Tränen im schwachen Licht glänzen. Dann deutet er eine Umarmung an, ohne sie zu bedrängen.
„Du musst nicht jetzt antworten... oder entschieden. Überlegs dir. Okay?"
Einen Moment steht Dennah einfach nur da. Die Mundwinkel hängen herunter, die Brauen weit in der Stirn, schaut sie Delsyn aus großen glänzenden Augen an. Seine Worte kullern in ihrem Kopf hin und her, wie ein Ball, der in einen leeren Raum geworfen wurde und nun mit abnehmender Geschwindigkeit zwischen den Wänden herumrollt.
Irgendetwas an dem Inhalt kommt ihr bekannt vor. Vor Kurzem erst hatte Jack etwas Ähnliches gesagt. 'Da läuft auch noch viel schief und es kommt automatisch zu Fehlern. Dafür ist das Junge-Erwachsene-sein da.'
Dennah blinzelt einmal kräftig. Als würde sie dadurch aus der Starre geweckt, seufzt sie tief auf. Den Blick von ihrem Gegenüber losreißend schaut sie in den dunklen Himmel. Warum ist immer alles so schwierig und anstrengend? Warum kann sie nicht einfach sein, was sie ist, ohne darüber nachzudenken?
Sie senkt den Blick, bis er auf Delsyn trifft. Die Lippen aufeinander gepresst nickt sie kurz. Dann macht sie einen beinahe lautlosen Schritt nach vorn und legt sich in seinen Arm.

Inzwischen...

Die Intensität von Dennahs Ausbruch fasziniert Chip. Sie ist in allem was sie tut voll präsent. Von sich selbst kennt er das in Form von Wutausbrüchen, aber nicht als Energie, die sich wie ein roter Faden durchs Leben zieht. Er mag das an ihr, seit er sie zum ersten Mal gesehen hat an der Brindleton High, aber das jetzt? Hier vor den Kids? Halb belustigt, halb bedauernd sieht er ihre zappelnden Beine über Delsyns Schulter im Dunkeln verschwinden. Bedächtig wendet er sich zu Blaze, der bisher noch wenig Reaktion gezeigt hat, außer den Abtransport zu beobachten. "Alter...was schiebt Dennah für n Film?" Seine Stimme ist gedämpft, im Ton schwingt eine Spur Ratlosigkeit mit. "Das hier is kein Bootcamp und Maryama nich der drill instructor." Schulterzuckend sieht er seinen Freund an. "Warum rastet sie so aus?"
Ein reflexhaftes Grinsen zuckt über Blazes Gesicht, als Dennah ihm das Victory-Zeichen zeigt und davongetragen wird. Aber es verschwindet in der Sekunde, in der er sie nicht mehr sieht. Sein Blick sinkt auf das Halstuch in seiner Hand – und schliesslich auf die eigene Uniform. Werden sie hier zu spiessigen Langweilern?
Es war cool, mit Del zu arbeiten. Zeit mit ihm zu verbringen. Er interessiert sich offenbar für alles, was man erzählt, aber er ist kein stumpfer Ja-Sager. Jetzt verbringt Blaze die Zeit nicht mehr nur mit Del. Und erst jetzt, wo er darüber nachdenkt, wird ihm heiß vor Scham.
„Ist doch offensichtlich", gibt Blaze zurück. Kurz war er versucht, Chip zu fragen, ob er nicht auch findet, dass das hier zu viel ist. Aber der unterrichtet Kinder im Snowboarden – irgendwie glaubt er nicht, dass er auf Zustimmung trifft.
Blaze zieht sein eigenes Halstuch ab. Dann steckt er sich eine Kippe in den Mund, ohne sie anzuzünden, und steht auf. Er kann nicht sagen, ob es Trotz gegen das System ist oder Loyalität zu Dennah. „Was ist das Problem, wenn alle im Rauch vom Lagerfeuer hocken und jemand ne Kippe raucht?" Er wirft einen Blick zu den beiden im Schatten, dann zurück zu Chip – die Kippe immer noch im Mundwinkel. „Find ich nich ok, dass sie jetzt dran ist deswegen."
Als Blaze spricht, tut sich in Chips Wahrnehmung ein innerlicher Spalt auf, der ihn von seinem Freund separiert. Nicht sicher, ob sich eine Brücke bauen lässt, sieht er ihn einen Augenblick regungslos an, bevor er hörbar angesäuert zu einer Antwort ansetzt. "Dein Ernst?" Aus den Augenwinkeln nimmt er wahr, wie Maryama mit einigen Marschmallow Packungen in den Kreis am Feuer zurückgeht. "Du checkst nicht den Unterschied zwischen Kippe rauchen vor Kids und Lagerfeuerqualm? Willst vielleicht gleich noch ne Line ziehen, weil..staubt ja eh schon überall?" Er schüttelt den Kopf und zuckt eine Schulter. "Was geht? Wir sehen uns kaum. Ich dachte wir machen hier n Chilligen und gut."
"Du hast gefragt was mit ihr geht, und das denk ich." Blaze hebt eine Braue und sieht zum sitzenden Chip. Am liebsten würde er fragen ob sein Kind ihn zu einem möchtegern Übererwachsenen gemacht hat... "Reagier halt noch mehr über, alter.. Ich finds bescheuert und ich rauch jetz eine. Komm mit oder lass stecken."
Sie gehen Richtung Lagereingang und Chip schnorrt unterwegs eine Kippe von Blaze. "Ganz ehrlich. Mir ist das scheißegal, was ich hier gesagt kriege. Wenn ich das Halstuch als Turban tragen soll, mach ich's. Wenn ich n Vorbild abgeben soll, von mir aus. Mir geht's nur drum, dass ich hier ne Auszeit hab von Kackwindeln und vollgekotzten T-Shirts." Sie erreichen das große Tor und Chip lehnt sich genüsslich inhalierend gegen einen der hölzernen Pfosten. "Warum machst du's? Wegen Del?"
Während sie das Tor ansteuern, blickt Blaze hinüber zu den dunklen Strichen, die Del und Dennah darstellen. Sie stehen sich gegenüber. Mehr kann er nicht ausmachen. Ohne den Blick abzuwenden, antwortet er auf Chips Frage. „Geld." Das Feuerzeug schnippt auf, erhellt sein Gesicht für einen Augenblick, dann wird es wieder still. „Ich werd nach Tartosa ziehn, schon vergessen?" schickt er hinterher.
Er steckt die Hand mit dem Feuerzeug in die Tasche, zieht an der Kippe und schaut unverhohlen zu Del und Dennah – damit er ihr ein Zeichen geben kann, wenn sie zum Feuer zurückgeht, und sie sich nicht fragt, wo alle sind. „Heisst aber nicht, dass ich hier auf Vorbild mache. Hab Del schon gesagt, das läuft nicht." Das hat er nicht ganz so gesagt. Aber gemeint. Blaze korrigiert sich nicht.
Stattdessen nimmt er wahr, wie die beiden dunklen Silhouetten sich zusammenschieben und eins werden. Blazes Brauen sinken.
"Ich hab da nix dagegen. Kann Spaß machen, wenn du der Hero bist für nen Knirps." Beim snowboarden war das nicht schwer, wie's hier im Camp laufen wird, kann sich Chip noch nicht vorstellen. Er folgt Blaze' umwölktem Blick und zuckt überrascht mit den Brauen. "Sieht nicht aus, als würd Dennah Anpfiff bekommen. Hätt mich auch gewundert bei Del."
Super spassig, wenn er dich gar nich für die coolen Sachen, wie zum Beispiel rauchen, verehrt. Wofür denn dann? Nicken und gehorsam sein? Toller Hero.
Blaze sagt nichts. Er wendet den Blick von Dennah und Del ab. Muss er Chip doch recht geben. Del schimpft nie wirklich. Aber irgendwas muss er ihr ja trotzdem gesagt haben. Er wird sie fragen, nachher.
Blaze zieht an der Kippe, dann rollt er die Asche aus dem Stummel und tritt auf die Glut. Innerlich ist er unruhig und weiss nicht warum.
„Ich seh mal nach was geht." er gibt kurz die Faust an Chip - wie früher - und zieht ab Richtung Del und Dennah. Das Gewissen beruhigt er damit, dass sie ja noch die ganze Woche vor sich haben um zu quatschen.


(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon und @simscat2 )


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05.04.2026 09:42
avatar  Spatz
#16
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Schicksalslenker

Titel: Tag 1 im Camp - Vom Wald in den Topf
Charaktere: Marga und Marina

Glücklich legt Marina ihre Schürze an und beginnt, Besteck vor sich auszubreiten. Sobald die Truppe vom Sammeln zurückkehrt, wollen sie gleich mit dem Zubereiten des Essens starten. Als ihre Freundin Marga sie gefragt hatte, ob sie sich um die Verpflegung für das Camp kümmern sollten, war sie sofort begeistert gewesen. Die beiden Mütter hatten in den letzten Wochen kaum Gelegenheit gehabt, miteinander Zeit zu verbringen. Und jetzt bot sich die perfekte Chance, gleich mehrere Dinge miteinander zu verbinden. Zeit zusammen, über ihre beruflichen Ideen reden und dabei einfach Freude haben. Gestern beim Ankommen im Camp hatten sie schon so viel zu besprechen gehabt. So hatte Marga viel von ihrer Familie erzählt, von ihrem Enkelkind, das inzwischen bei ihr lebt. Ein wenig Wehmut durchfährt Marina, wenn sie dabei an ihre Kinder denkt, die nun alle ausgeflogen sind. Doch gleichzeitig genießt sie ihren zweiten Frühling mit Lasse und der zurückgewonnenen Freiheit. Das Leben hat ihr eine zweite Chance geschenkt, trotz all der schmerzhaften Erfahrungen der letzten Monate. "Maryama wird mit den Kindern bestimmt viele tolle Zutaten aus dem Wald finden, die wir verarbeiten können. Die Rezepte, die du mir letzte Woche geschickt hast, hab ich auch schon im Kopf. Damit sollten wir einige richtig schöne Gerichte zaubern können ... Ich sollte wirklich öfter auf Produkte aus der Natur zurückgreifen, das macht das Kochen gleich noch einmal intensiver. Wie siehst du das?", fragt sie ihre Freundin.

Geschäftig platziert Marga einen Metallrost auf der Konstruktion aus Backsteinen über einem der zwei Lagerfeuer. Mittlerweile haben beide fast das ideale Gleichgewicht aus aus sachte loderndem Feuer und vorhandener Glut, so dass auf jeden Fall mit dem kochen begonnen werden kann, wenn Maryama mit den Kindern wieder im Lager eintrifft. Neben jeder Feuerstelle stehen zwei Eimer. Einer mit Sand und einer mit Wasser, damit im Notfall schnell gelöscht werden kann. Über der zweiten Kochstelle hängt, mit einer Kette befestigt, an einem Dreibein ein großer Topf. Der Speiseplan für die Woche ist noch nicht vollständig festgelegt und so sind sie für alles gerüstet. Auf einem Tisch an der Seite stapeln sich Metallpfannen und diverse, kleinere Töpfe. Als Marina über Produkte aus der Natur spricht, richtet sie sich aus der gebückten Haltung auf und nickt zustimmend. "Ja, du hast vollkommen Recht." Marga greift nach einem Paar feuerfester Handschuhe und wedelt damit beim reden durch die Luft. "Es gibt so viele Kräuter und Wurzeln, mit denen man was anfangen kann, das hätte ich nie gedacht." Sie stülpt einen der Handschuhe über und rüttelt kurz am Dreibein, um zu sehen, ob er wirklich stabil genug steht. "Ich hab quasi eine Fortbildung bei Maryama gemacht, weisst du? Das ist sehr spannend." Sie verstummt und macht ein nachdenkliches Gesicht, während sie noch einen Stein an einem Fuß des Dreibeins platziert. Sicher ist sicher. "Wir könnten an einem Tag in der Woche so etwas anbieten. Wildkräuterküche. Der Kraut und Rüben-Tag.", sagt sie aufblickend und muss lachen.

Marina hört Marga aufmerksam zu und ist ganz begeistert. "Das klingt richtig gut", sagt sie. "So eine Art Wildkräuterküche ... ich glaube, das würde viele interessieren." Während sie ein paar Teller zurechtrückt, denkt sie nach. Eine Schulung bei Maryama, das wäre genau das Richtige für sie. So viel Wissen, das sie bisher kaum genutzt hat. Sie nimmt sich fest vor, sie bei Gelegenheit darauf anzusprechen. "Und ganz ehrlich", fährt sie fort. "Immer mehr Leute achten doch inzwischen darauf, was sie essen. Nachhaltigkeit, regionale Produkte ... das wird immer wichtiger!" Sie nimmt sich einen Löffel und spielt mit ihm gedankenverloren zwischen ihren Fingern. "Gerade auch wegen Allergien und Unverträglichkeiten, Viele nüssen ja sowieso genauer hinschauen. Da passt so ein Angebot doch perfekt rein." Sie sieht zu Marga. "Ich glaube, damit könnten wir wirklich etwas bewegen. Und diese Woche können wir das schon testen. Junge Leute dafür begeistern ist der erste Schritt in die richtige Richtung."

"Oh ja!" Marga wird wieder zappeliger. "Das ist alles so aufregend hier, Marina. Ich liebe es, von Kindern umgeben zu sein und ihnen noch etwas fürs Leben zeigen können...das ist das Schönste." Nach und nach sickern die Worte ihrer Freundin ins Bewusstsein. "Wo du's grad erwähnst. Allergien .. hoffentlich ist keins der Kinder hier allergisch auf die Kräuter oder Pflanzen." Sie blickt mit großen Augen ins Leere. "Ich denke das werden sie vorab geklärt haben.", sagt sie leise mehr zu sich selbst. Dann ruckt ihr Kopf nach oben uns sie fixiert Marina. "Auf jeden Fall müssen wir alles haarklein deklarieren, wenn wir solche Sachen anbieten wollen. Weißt du, ich habe schon überlegt, ob ich ein zusätzliche Ausbildung machen soll in Sachen Gastronomie. Wir haben zwar kein Restaurant, aber das wäre sicher von Vorteil." Nachdenklich schweigt sie einen Moment. "Bertl wird das nicht gefallen glaub ich."

Ein wenig lehnt sich Marina zurück und denkt über die Idee mit der Zusatzausbildung nach. Auch ihr könnte das nicht schaden und sie stellt sich schon vor, wie sie mit Marga gemeinsam im Kursraum sitzt und sich dabei Notizen macht. Wie damals in der Schule. Doch dann stoppen ihre Gedanken bei Margas letzter Aussage. Sie legt den Kopf leicht schief. "Wieso sollte ihm das nicht gefallen?"

"Na ja, er ist ziemlich konservativ in seinen Ansichten. Es gefällt ihm nicht so gut, wenn ich meine eigenen Wege einschlage. Andererseits..." Marga überlegt. In letzter Zeit war ihr Mann recht zurückhaltend mit Kritik. Beteiligt sich sogar an Aktivitäten, die mit Zoé zu tun haben. Und sie haben noch ein für Bertl unangenehmes Thema offen. Ein Mundwinkel hebt sich und in Margas Augen zeigt sich ein kleiner, vergnügter Funke. "Ich denke, ich werde das Thema einfach in einem günstigen Augenblick anschneiden. Ich erzähl's dir dann."



Marina lächelt ihre Freundin an und nickt. "Ich drück dir die Daumen." Ihre Gedanken driften in die Vergangenheit zu Joachim. Anfangs war er auch nicht begeistert gewesen, als sie in der Autowerkstatt angefangen hatte. Doch wusste sie zu dem Zeitpunkt noch nichts von seiner Affäre. Jetzt ist sie sich nicht mal mehr sicher, ob seine Abneigung wirklich an der Arbeit lag. Doch bald ist ihre Ehe auch rechtlich vorbei. Ende des Jahres soll die Scheidung vollzogen werden. Es ist bereits alles geregelt und eine reine Formsache. Sie kehrt gedanklich zurück in die Gegenwart und lächelt Marga an. "Ich bin jedenfalls schon ziemlich aufgeregt, wenn wir mit unserem Geschäft starten ... Ich fühl mich in letzter Zeit irgendwie ... wie neu geboren. Der Umzug, meine neue Liebe und jetzt das hier. Der Tod meines Schwagers hat mir nochmal gezeigt, wie schnell sich alles ändern kann und dass wir unsere Zeit nutzen sollten, so gut es geht."

"Da bin ich ganz deiner Meinung." Als Marina über ihr Gefühl spricht, kickt das etwas in Marga an. In ihrem eigenen Leben sind auch viele neue Impulse und Ereignisse eingetreten. Ihr erstes Enkelkind, Bertl ohne Alkohol, Adrian mit geregelter Arbeit. Sie sieht Marina an und ihr Lächeln wird immer breiter. "Das freut mich so sehr für dich. Wir werden unsre Chance nutzen, Marina. Das werden wir."

(In Zusammenarbeit mit @simscat2)


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07.04.2026 15:37
#17
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Schicksalslenker

Tag 1 - Sammeln Auftakt

Maryama

Angeregt vom Frühsport im Camp und mit einem kräftigenden Müslifrühstück im Magen, geht Maryama inmitten der Gruppe Pfadfinder, mit der sie heute Zutaten für das Mittagessen sammeln wird. Der Wald ruht noch, ab und zu huscht ein neugieriges Eichhörnchen über die Wurzelpfade, eilt den Stamm hinauf, und bringt die Äste der Bäume munter zum wippen. Ein dezent modriger Duft von Waldboden und Pilzen liegt in der Luft, aber die gesamte Würze des Tages muss sich erst noch entfalten. Wenn sie mittags ins Camp zurückkehren, werden diverse Düfte und Geräusche mehr ihre Sinne kitzeln.
Ich hoffe ihr seid alle motiviert? Immerhin geht es um unsere bald schon wieder knurrenden Mägen.“ Ein paar der Kinder kichern, andere nicken aufgeregt. Zufrieden mit der Reaktion der Kids, fährt sie fort. „Wir wollen Marga und Marina heute überraschen. Das Tagesmenü steht nur zum Teil fest und die beiden zaubern uns etwas Leckeres aus all den Zutaten, die wir ihnen bis mittags bringen werden.“
Die Kinder haben Schaufeln zum graben und Messer zum sauberen schneiden und zerteilen, wenn nötig. „Alles was wir mit nehmen, transportieren wir in den Jutetaschen, die ihr dabei habt. Das ist wichtig, darin können die Pflanzen atmen und schwitzen nicht.“ Sie vergewissert sich kurz, ob alle Gruppenmitglieder noch auf Kurs sind und niemand zurückbleibt, dann erklärt sie weiter. „Wir starten mit Wurzeln und Knollen. Sie sind so etwas wie die Vorratskammer der Pflanzen. Alles, was sie an Energie sammeln, speichern sie unter der Erde – für schlechte Zeiten, für den Winter oder um neu auszutreiben.“
Sie erreichen eine Lichtung, auf der die langsam kräftiger werdende Sonne schon ein paar Bienen zum Morgenflug aktiviert hat. Ihr leises, helles Summen ergänzt sich mit dem tieferen Brummeln einer einzelnen Hummel, die zwischen den Blüten umher taumelt. Ab und zu senkt sich ein Blütenkelch unter ihrem emsigen werkeln darin Richtung Erdboden, um dann erleichtert wieder in die Höhe zu schnellen, wenn das Insekt weiter zieht. Das Gras steht hoch, nur noch vereinzelt hängen Tautropfen an den Halmen.
Diese Kraft machen wir uns zu Nutze. Sie stärkt uns, wenn wir die Wurzeln zubereiten und essen.“ Maryama stoppt ein paar Kids, die schon auf die Wiese vorpreschen wollen.
Moment. Wir achten beim sammeln darauf, möglichst wenig zu zertrampeln und nehmen nur so viel, wie wir für unsere heutige Mahlzeit brauchen. Die ganze Wurzel einer Pflanze zu ernten, bedeutet ihren Tod. Deshalb ernten wir mit Bedacht. Wir graben auch nicht jede Pflanze aus, sondern lassen welche stehen, damit der Bestand sich erholen kann und die Art erhalten bleibt. Vielleicht möchten wir irgendwann wieder kommen und erneut sammeln.“, sagt sie abschließend. „Haltet eure Grabausrüstung parat. Dann kann es los gehen.“
Nach wenigen Schritten, stoppt sie und kniet nieder. Vorsichtig teilt sie einige Gewächse und schiebt sanft ihre Hand unter die gefiederten, filigranen Blätter einer Pflanze.
Heute geht es nicht nur ums Finden“, sagt sie. „Heute geht es auch darum, zu verstehen, was die Natur uns schenkt, wenn wir Augen und Ohren offen halten – und was wir besser in Ruhe lassen.“ Ihre Stimme nimmt eine liebevolle, respekterfüllte Färbung an.
„Schaut euch die Blätter an“, erklärt sie und zeigt auf die markanten Strukturen. „Das ist wilde Möhre. Im ersten Jahr, vor der Blüte, kann man ihre Wurzeln sammeln und verwenden wie normale Karotten. Zu dem Zeitpunkt sind sie noch schön zart.“ Zärtlich streicht ihre Hand über das Gewächs.


Wilde Möhre Laub

„ Das ist eine der Pflanzen, nach der wir Ausschau halten. Prägt sie euch gut ein. Aber die Natur hält noch mehr für uns bereit.“
Die Gruppe geht langsam weiter am Rand der Wiese entlang, bis Maryama einen erfreuten Ruf ausstößt. Ihre Erinnerung hat sie nicht getrogen, was den Standort der Pflanze angeht.
Hier, die Klettenwurzel. Ihre Wurzel kann man roh in Salaten verwenden oder als Wildgemüse kochen.“ Sie beugt sich über die Pflanze, lenkt die Aufmerksamkeit der Kids auf die stacheligen, lila gekrönten Pflanzenköpfchen und weist noch auf die Blätter. “Es besteht wenig Verwechslungsgefahr mit anderen Gewächsen, trotzdem zeigt ihr mir jeden Fund, bevor ihr zu graben beginnt. Die Natur bringt oft giftige Doppelgänger von essbaren Pflanzen hervor, deshalb ist Vorsicht und Achtsamkeit erstes Gebot. Habt ihr noch Fragen bevor es ins Feld geht?“


Große Klette


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08.04.2026 13:26 (zuletzt bearbeitet: 12.04.2026 14:25)
#18
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Bestseller-Schmied

~ Dennah ~

Die halbe Nacht hatte Dennah wach gelegen, bei all den anderen Mädchen, wie in einem christlichen Kinderheim, anstatt an Blaze' Seite. Umgeben von Atem- und Murmelgeräuschen wuchs ihr Unwohlsein mit jeder Sekunde. Sie hatte sich so auf diese Woche gefreut und nun war alles ganz anders, als in ihrer Vorstellung. Voller Regeln, die sie nicht ärgern sollen und es trotzdem tun. Zu wissen, dass Blaze nur einen Katzensprung entfernt lag und sie nicht bei ihm sein durfte, setzte all dem die Krone auf. Es gab nur diesen einen Weg, das grauenvolle Gefühl zu beseitigen. Und so hatte sie sich zu ihm herüber geschlichen, um ihn zu einem der Zelte zu führen. Es war herzerweichend süß, wie er ihr schlaftrunken folgte. Beinahe hätte sie ihn einfach schlafen lassen. Doch seine Wärme, die Nähe zu ihm und die Suche nach Trost führten dazu, dass sie beide erst viel später schliefen. Eng aneinander geschmiegt und endlich so, wie es sein sollte.
Nun trottet Dennah als Schlusslicht hinter der Gruppe her, Blaze' Hand fest in ihrer haltend. Delsyns Worte hatten ihr gestern lange im Kopf herumgespukt und den Entschluss, hinauszuschleichen erschwert. Doch sie war und ist froh, es getan zu haben. Irgendwie hatte sie erwartet, das Thema damit abgeschlossen zu haben, doch auch heute früh war jede noch so kleine Entscheidung von der Frage nach dem von Delsyn angesprochenen Stolz begleitet. Es ist beinahe, als hätte er sie damit manipuliert, statt sie zu stärken. Und obwohl sie diesem unglaublich angenehmen Mann kaum so viel berechnende Kälte zutraut, empfindet sie sich schlichtweg zu dumm, das zu durchschauen. Fakt ist, die Unsicherheit ist durch diesen Satz gewachsen. Und es nervt sie. Noch immer versteht sie es nicht. Es ist, als ob dieser Begriff über ihr schweben würde, ohne dass sie an ihn heran kommt.
Kann man stolz auf alles sein, was man tut? Je mehr sie darüber nachdenkt, desto weiter entfernt sie sich von der Formulierung. Vielleicht geht es darum, ob man dazu steht, wer man ist und was man tut, denkt sie, während Meggylou weiter vorn irgendwas über Blumen palavert. Der Gedanke lenkt ihren Blick von dem Weg vor sich hin zu Blaze und sie muss lächeln. Sie steht dazu, dass sie die Nacht bei und mit ihm verbrachte. Bisher gab es noch keinen Kommentar von den Campleitern dazu und so versteht Dennah es als Erlaubnis, den Rest der Woche im Zelt zu wohnen.



Ihr Blick ist noch immer auf ihn gerichtet, während er die meiste Zeit auf den Boden schaut. Dennoch ist sie sich sicher, dass er bemerkt, wie sie ihn betrachtet. Die Uniform sieht nicht nur an ihr albern aus. Doch irgendetwas daran, wie dieses brave, gehorsame, unschuldige Hemd seine muskulösen Arme umspannt, treibt Dennah wallende Hitze in den Leib. Als würden sie sich in einer Gruppe von Idioten verstecken und niemand außer ihnen beiden würde wissen, dass sie unter diesem Spießertum wild und ungestüm sind. Dass sie in Zelten und an Baumstämmen übereinander herfallen, wie ausgehungerte Tiere. Oder als wären sie in der Wildnis gestrandet und besäßen nichts außer diesen Sachen, mit der Zeit vom rauen Leben im Wald abgetragen und zerrissen.
Ein freches Schmunzeln hebt ihren Mundwinkel an. Gleich bei der nächsten Gelegenheit wird sie ihr Outfit etwas ... anpassen. Wie sie es schon gestern vor hatte. Bevor Delsyns geschickt verpackte Standpauke ihr ins Gewissen grätschte. Es sollte kein Problem sein, ihm und Maggyanne zu zeigen, dass sie noch immer Entscheidungen treffen kann. Ein Messer hat sie schließlich dabei. Und vielleicht macht Blaze ja mit. Er hat sich gestern nicht viel geäußert, als sie erzählte, worüber sie und sein Bruder sprachen. Doch sie spürte, dass er zu ihr steht. Und das ist mehr als alles, was er sagen könnte. 'Ich bin nich so gut in dem Zeug. Gefühle und sowas.', erinnert sie sich an seine Worte. Wieder gleitet ein warmes Lächeln über ihr Gesicht. Er ist sehr wohl gut in diesem Zeug. Er muss nicht aussprechen, was er anders zeigen kann.
Abrupt bleibt Dennah stehen, so dass es an Blaze' Arm zieht, als er einen Schritt weiter geht. Seinen fragenden Blick fängt sie mit einem lasziven Wimpernschlag auf, ehe sie sich mit durchgestrecktem Rücken an ihn lehnt. Er spürt jede Rundung ihres Körpers, als sie ihre Hände um ihn legt und ihn innig küsst. Der Drang, die drei Worte auszusprechen, wälzt sich in ihr hoch und ihr Herz beginnt aufgeregt zu pochen. Von ihm ablassend sieht sie ihn aus leuchtenden Augen an, die Worte auf der Zunge. Doch anstatt etwas zu sagen, lächelt sie nur, in der Hoffnung, er sieht es ihr an. Sie hat keine Ahnung, wann man sowas wie in welcher Situation sagen darf, kann, soll oder muss. Vielleicht ist es hier und jetzt zu viel. Lieber später, wenn sie allein sind und er sich ihr ganz widmen kann.



Die Hände noch immer in seinem Nacken, lehnt sie sich vor, so dass ihr Mund seinem Ohr nahe kommt. Ihr Atem haucht warm an seine Haut, als sie mit tiefer Stimme raunt: "Wenn die ausschwärmen, um Blumen zu pflücken,", kunstvolle Pause, ein zarter Kuss auf seine Ohrmuschel, "lass uns ein ruhiges Plätzchen suchen. Wo WIR ein bisschen ... schwärmen können." Sanft beißt sie in sein Ohrläppchen, bevor sie nur widerwillig Abstand nimmt. Ein prüfender Blick geht zur Gruppe vor ihnen, dann ein einladendes Zucken der Brauen und schließlich nimmt sie den Weg wieder auf, den Spießern hinterher.




~ Jubilee ~

Jedes Wort der Campleiterin aufsaugend stapft Jubilee durch den Wald. Mit Jutebeutel und Werkzeug bewaffnet, scannt ihr Blick den Boden nach den Pflanzen ab, die Maryama ihnen zeigte. Sie hat sich die beiden Pflanzen ganz genau angesehen, so schwer kann das nicht sein. Eifrig schüttelt sie den Kopf. Keine Fragen, lieber loslegen.
Maryama gibt das Go und Jubilee beginnt sofort mit der Suche. Konzentriert setzt sie einen Fuß vor den anderen. Theo, Jona und Eve bleiben in ihrem Sichtfeld, weiter hinten hört sie Bruchstücke einer Unterhaltung, ohne die Worte abzuspeichern. Gefiederte Blätter... Lila Blüten... Ihre Zungenspitze lugt frech zwischen den Zähnen hervor, während sie immer wieder in die Knie geht, um etwas hochgewachsenes Gras beiseite zu lenken. Nichts. Prüfend schaut sie zu den anderen herüber. Maryama lobt gerade eins der jüngeren Kinder, das offensichtlich etwas Brauchbares ausgemacht hat. Das kann doch nicht ... Ein plötzliches Rascheln fordert ihre Aufmerksamkeit. Da drüben, weiter am Waldrand, bewegt sich etwas. Von der Neugier gepackt, wird die aktuelle Mission in den Hintergrund gedrängt. Schritt für Schritt nähert sie sich dem dichten Gestrüpp, ohne zu registrieren, dass die Truppe hinter ihr immer leiser wird.


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08.04.2026 17:45
avatar  Murloc
#19
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Bestseller-Schmied

Theo

Theo betrachtet die fremde Pflanze. Eine wilde Möhre? Oder doch eine von denen, die nur so aussehen und eigentlich giftig sind? Er vergleicht seinen Fund mit dem Ausdruck, der ihm mitgegeben wurde. Die Zeichnung stimmt erstaunlich gut überein. Vorsichtig beginnt er, die Wurzel freizulegen und schließlich zu pflücken. Ganz in der Nähe entdeckt er noch weitere der gesuchten Kräuter. „Die Kräuter sind wichtig, um die Inselgötter zu ehren“, sagt er halblaut, mehr zu sich selbst als zu irgendwem sonst.

Er zerreibt ein paar Blätter zwischen den Fingern und hebt sie an die Nase. Der Geruch ist fremd. Anders als alles, was er aus seiner Heimat kennt. Und doch fühlt es sich vertraut an. Auch in Sulani werden Pflanzen für Rituale genutzt, um den Göttern zu huldigen. Jede Gottheit hat ihre eigenen Vorlieben. Ob sie wohl auch mit diesen fremden Kräutern zufrieden wären? Der Gedanke gefällt ihm. Vielleicht nimmt er einige davon mit nach Sulani. Aber nicht jetzt. Alles, was er im Moment sammelt, ist für das Essen bestimmt.

Oder? Wie von einer plötzlichen Eingebung geleitet, pflückt er ein paar Blätter von einem nahen Baum und steckt sie sich ins Haar. Mit geübten Fingern bindet er sie fest. Auch das kennt er aus Sulani – dort sind es oft Muscheln, manchmal auch Pflanzen, die als Schmuck dienen. „Der Inselkönig mit der Blätterkrone“, murmelt er zufrieden. Niemand hört ihn. Aber das spielt keine Rolle. Er gehört zu den Älteren der Gruppe und hat sich längst ein Stück von den anderen entfernt. Zwischen den Bäumen ist es ruhig geworden.



Nach einer Weile beginnt seine Haut zu jucken. Ein unangenehmes, kribbelndes Gefühl, das sich langsam ausbreitet. Theo verzieht kurz das Gesicht. Eigentlich hatte er vorgehabt, gleich am Morgen in den See zu springen, um sich abzukühlen. Doch die lange Reise von Sulani hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er war so erschöpft, dass er erst dann aufwachte, als der Weckdienst seinen Job erfüllte. Bis zum Mittag wird er wohl warten müssen. Der See ist schließlich nicht mitten im Wald, sondern in der Nähe des Lagers.

Moment? Was ist das? Er hört etwas Vertrautes, lässt sich von dem Rauschen leiten. Ohne dass es ihm bewusst wird, entfernt er sich nun noch weiter vom Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen. Der Entdecker in ihm schiebt ein paar Blätter eines Busches zur Seite. Der Anblick, der sich dem Meersim bietet, lässt ihm die Sprache verschlagen. Ein Fluss! Genährt von mehreren Wasserfällen! Selbst eine kleine Insel hat sich gebildet.

Zu schade, dass Manuel jetzt nicht hier ist!“, seufzt Theo. Ihm hätte das gefallen. Aber das wird ausreichen, in die Nässe einzutauchen. Theo lässt zuerst die Füße ins Wasser baumeln, und bald folgt sein Körper. Es ist zwar nicht besonders tief, aber es reicht, so dass auch sein Fischschwanz Platz findet. Fröhlich jauchzend dreht er ein paar Runden im Fluss. Es sollte kein Problem sein, den Weg zurück zu finden. Er muss einfach dem Flusslauf folgen. Bestimmt nährt dieser Fluss den See in der Nähe des Lagers.


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09.04.2026 10:31 (zuletzt bearbeitet: 25.04.2026 06:15)
avatar  S.Bin.
#20
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Bücherstapler

~ Jonah ~

Jonah wird wohl der letzte sein der sich in Bewegung setzt, da er noch damit beschäftigt ist, die Umgebung zu betrachten und die schöne Natur in sich aufzunehmen. Es duftet herrlich nach frischer Morgenluft, Wiese, Sonne und… Freiheit. Er schließt seine Augen und spürt, wie die beklemmenden Gefühle und Gedanken ihre Krallen aus ihm herausziehen. Sein Atem wird ganz ruhig. Er lauscht den Vögeln, dem knarzen der Bäume und folgt hinter seinen geschlossenen Liedern dem Licht- und Schattenspiel mit seinen bunten Punkten und Farben, immer dann, wenn er direkt in die Sonne schaut. Als der sich innerlich zufriedener fühlt, startet er.

Die anderen sind schon alle eifrig dabei – das Mädchen mit den dunklen, kurzen Haaren ist losgeschossen wie eine Rakete. Jonah muss nun schmunzeln. Er weiß nichts über diese Wilde Möhre, aber er weiß alles über die Große Klette, da sie auch in Kanada, als ehemalig von Siedlern eingeschleppte? – nein, eingebürgerte Pflanze verbreitet ist. Sogar mehr. Sie ist Teil seiner Jagd- und Erntezeit mit seiner Familie und seinem Stamm. Diese Pflanze lässt sich fast das ganze Jahr sinnvoll sammeln, je nachdem ob sie in ihrem ersten oder zweiten Jahr ist. Mit einem klaren Ziel macht er sich auf, so viele Wurzeln und Blattrosetten zu ernten, wie er kann. Er ist ein schneller und findiger Sucher, wie er von seiner Gran immer gesagt bekommt. Und da hat er auch schon die erste Klette gefunden. Später, wenn sein Beutel halb voll und er zufrieden mit seiner Arbeit ist, wird er sich bemühen, neues über diese Möhre zu lernen. Eins nach dem anderen. Schritt für Schritt.

Er wird sehen, was die Camp-Leiterin und die Frau in der Küche, die ihn heute früh nicht hatte sein geliebtes Bannok-Brot backen lassen, drauf haben. Er wird sehen, ob sie sich auf ihr Handwerk verstehen oder ob er sich zukünftig selbst nebenher versorgen muss. Denn dieser Haferschleim von heute Morgen ging gar nicht.


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