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Forgotten Hollow Nr. 4 - Villa Blutrose
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Charaktere: Viktor, Gary, Lilly
Geschichtsstrang: Wenn Magie Ideen weckt
Langsam schreitet Lilly über die knarzigen, dunklen Stufen nach oben. Es mag ein altes Gebäude sein, doch die Atmosphäre der Villa gefällt ihr noch immer.
„Siehst du? Ich habe dir doch gesagt, dass wir hier oben auch eine Orgel stehen haben!“ Zufrieden, und auch ein wenig stolz, führt Lilly Gary zum begehrten Musikinstrument. „Kann dir gerne was vorspielen. Der Unterschied im Klang zwischen einer Orgel und dem Flügel im Musikzimmer kann nicht unterschiedlicher sein!“ Sie grinst. „Das liegt auch daran, dass die Melodien auf völlig unterschiedliche Weise entstehen. Beim Flügel wird...“

So leidenschaftlich, wie Lilly beim Thema Musik wird, bemerkt sie Viktor erst jetzt, der sich nach hier oben zurückgezogen hat, um ein Arbeitsprojekt fortzusetzen. „Oh, hi Vik!“, ruft sie fröhlich, „ich hoffe dich stört es nicht, wenn ich Gary die Orgel zeige.“ Dieser lacht. „Dessen Melodie auf dem Prinzip des Luftstroms basiert, im Gegensatz zum Flügel, der die Töne durch Saiten erzeugt.“, vervollständigt Viktor Lillys Erklärung, nur um dann zu grinsen. „Siehst du? Ich hab auch was gelernt.“ Er mag es, ihrer Leidenschaft zu lauschen, und hört diese Erklärung nicht zum ersten Mal. „Aber nein, es stört mich nicht. Spiel ruhig. Die alte magische Schrift läuft mir schon nicht weg.“

Die Stunden in der Villa Blutrose sind für Gary eine willkommene Abwechslung zum noch ungewohnten Zeltleben im Sommercamp. Dort spielt er zwar auch jeden Abend Geige am Lagerfeuer, aber hier in der alten Villa hat das gemeinsame musizieren einen ganz anderen Reiz. So lässt er sich gerne von Lilly die Treppe nach oben zur Orgel entführen. In seiner Kindheit klang dieses Instrument immer Imposant und ein wenig bedrohlich. Wenn er in der harten Kirchenbank kniete und der Organist in die Vollen griff, hatte er oft das Gefühl, die anschwellenden Töne drangen tief in sein Innerstes, wirbelten dort alle Sünden auf und drängten ihn so schnell wie möglich zur Beichte zu gehen, um wieder Ruhe in seiner Brust zu verspüren. Die Kirche schien schon groß, aber wenn die Orgel sie erfüllte erschien sie ihm doppelt riesig und er fühlte sich genau wie der Priester von der Kanzel gepredigt hatte. Wie ein armseliger, kleiner Sünder.
Oben angekommen begrüßt er Viktor mit einer freundlichen Geste und lächelt amüsiert über seine Ausführung. Die beiden wirken so harmonisch und das fast immer. Beneidenswert.
"Na, dann lass mal hören, Lilly. Ich hoffe mich überkommt danach nicht der Drang meine Sünden zu gestehen.", scherzt er. Als Lilly die Orgel erwähnte, musste er einfach von seinen Gefühlen damals erzählen.

Die Vampirin mag die sanften Töne, die sie am Flügel erzeugen kann, doch die Orgel ist ein ganz anderes Kaliber. Sie legt ihre Finger auf die Tasten und ein tiefer, wogender Ton erhebt sich, füllt den Raum wie ein aufziehender Sturm. Die Wände der Villa scheinen mitzuschwingen, als die Orgel ihre volle Klangfülle entfaltet. Der Klang der Orgel ist durch den Luftfluss sehr stabil und kontinuierlich. Um Gary den Unterschied deutlich zu machen, zeigt Lilly, wie sie die Töne halten kann, und diese durch den Druck der Taste variiert.

Viktor mag den feinen Klang des Flügels lieber. Er verbindet dessen Zartheit auch eher mit Lilly als die Orgel. Aber ganz egal, welches Musikinstrument seine Gefährtin spielt, er kann nicht anders als ihr einfach nur zuzuhören. Er selbst mag kein großer Musiker zu sein, doch Lilly hat ihm die Augen geöffnet und sein Verständnis darüber vergrößert. Er lauscht, wie sie ihre Melodie raumerfüllend erklingen lässt, wie sie die Töne anhalten und wieder fallen lässt, und wie sie, als sie sich schließlich dem Ende ihres Stücks nähert, die Musik ausklingen lässt und...
Ein Misston zerschneidet die Harmonie und reißt Viktor aus seiner Versunkenheit. Hat Lilly sich verspielt? Doch dann erkennt er das Störgeräusch: das schrille Klingeln ihres Handys. Ausgerechnet jetzt muss dieses klingeln!
Auch Lilly wirkt nicht gerade begeistert, aus ihrer Welt der Musik gerissen zu werden. Doch sie hebt ab: „Oh hallo Irina!“ Lillys Blick, der eben noch genervt wirkte, entspannt sich wieder bei der Stimme ihrer Freundin. „Hör mal, ich ruf dich zurück, okay? Gerade ist es schlecht und... oh.. ja verstehe.“ Entschuldigend dreht sich Lilly zu Viktor und Gary um. „Tut mir leid, ich muss Irina kurz helfen. Dauert nicht lange!“ Mit dem Handy verlässt sie den Raum, um in Ruhe telefonieren zu können. Viktor hört noch das Wort 'Schwangerschaftsübelkeit', bevor Lilly die Treppe herunter verschwindet.

Das hatte er längst verdrängt! Pablo setzt also ein weiteres Gör in die Welt. Viktor verzieht das Gesicht und unterdrückt ein Augenrollen. Doch es macht auch Sinn, dass Irina bei Lilly Hilfe holt, die ja bereits mit Viola Schwangerschaftserfahrung hat, und nicht bei ihrem Lover.
Gary folgt Lilly mit dem Blick, bis sie auf der Treppe nach unten verschwunden ist und wendet sich dann Viktor zu, der wieder an seinem Schreibtisch Platz genommen hat. "Darf ich fragen woran du gerade arbeitest, Vik? Alte, magische Schrift klingt geheimnisvoll und interessant."

Viktors Augen leuchten auf als er Gary das alte Pergament rüber reicht. Auch wenn er normalerweise nicht sonderlich extrovertiert ist, liegt das Thema genau in seinem Interessenbereich. "Ich versuche den Text zu entschlüsseln.", erklärt der Vampir, "der stammt sogar noch vor meiner Zeit und das macht es besonders interessant. Es geht um die Entstehung von damals neuen Zaubern, so viel habe ich schon herausfinden können."

Er lächelt. Bestimmt hätte das sogar für Viola ihren Reiz die das Abenteuer sucht, oder für deren Freundin Lucía. "Auch wenn ich diese Zauber als Vampir nie anwenden kann. Wir nutzen eine andere Art der Magie als die Magier." Dass diese Arten der Magie nicht kompatibel sind deutet er jedoch nur an ohne ins Detail zu gehen. Sein Blick erhellt sich jedoch beim Thema der Schriften selbst. "Schau doch nur..." Er knipst das Licht aus und zeigt das Eigenleuchten der Schrift, "Ein Hauch der Magie ist noch immer übrig geblieben."

Neugierig tritt Gary näher und beugt sich mit über das an den Rändern und Ecken schon vergilbte Schriftstück. Teile der fremdartigen Schriftzeichen glimmen ohne erkennbares Muster immer wieder leise auf, ganz so, als wolle eine dem Text innewohnende Macht den Blick des Betrachters darauf lenken. "Das ..das ist äußerst faszinierend.", sagt er leise und beobachtet gespannt die Veränderungen auf dem Papier, als Viktor den Bogen leicht hin und her bewegt. Gary wendet den Kopf und sieht zu Vik. "Ist das ein offizieller Auftrag oder machst du das quasi zu deinem Privatvergnügen?"
Viktor freut sich ehrlich über Garys Interesse. Zuvor hatte er mit dem Geigenspieler nur am Rande interagiert. Aber jetzt schaut er mit der selben ehrlichen Faszination auf das Pergament die auch Viktor in sich spürt. „In dem Fall ist es ein Privatvergnügen. In alten Antiquitätenläden findet man manchmal unglaubliche Schmuckstücke! Aber manchmal habe ich so etwas in der Art auch als Auftrag.“
"Das heißt, du hast wechselnde Auftraggeber? Privatleute?" Gary richtet sich wieder auf. "Oder hab ich dich falsch verstanden und du arbeitest für ein Unternehmen?"

"Früher mal. Als Lilly mir von ihrer Schwangerschaft erzählt hat, habe ich aber beschlossen mich selbstständig zu machen. So dass ich mehr Zeit zu Hause verbringen kann." Nicht, dass es so läuft wie bei Viola, für deren Erziehung er oft wenig Zeit hatte. Bei ihrem Schwesterchen oder Brüderchen soll das nicht mehr nur auf Lillys Schultern liegen. "Aufträge können also von Privatleuten kommen. Manchmal sind es auch Institute." Viktor mustert Gary. Auch beim Toleranz-Event konnte er ihn ja ein wenig näher kennen lernen. Doch jetzt, wo Viktor sich für ein Thema begeistern kann, das auch Gary interessant zu finden scheint, taut er so langsam auf.
Während Viktor spricht, wird Gary zum ersten mal in aller Deutlichkeit bewusst, dass er und Lilly unsterblich sind. Wie alt mag Vik sein? Er schöpft vielleicht aus Quellen, die anderen, modernen Sims niemals zugänglich sein werden. Vielleicht aus jahrhundertealtem Wissen? Lilly ist, soweit er aus ihren Erzählungen geschlossen hat, ein sehr junger Vampir, aber ihr Mann? "Ist es unverschämt zu fragen wie alt du bist, Viktor? Ich überlege gerade aus welchem Wissensschatz du schöpfst, bei deiner Arbeit. Mich fesselt die Vorstellung, dass du aus längst vergangener Zeit vielleicht sogar erlebtes Wissen mit einfließen lassen kannst, das heutzutage in dieser Form niemandem mehr zur Verfügung steht." Aufrichtig interessiert blickt er dem Vampir in die unergründlichen Augen.
Amüsiert betrachtet Viktor den Gast. „Immerhin schon 210. Es gibt deutlich ältere Vampire als das.“ Seine Finger streichen vorsichtig über den Rand des Papiers, fast so, als könnte es zerfallen, wenn er nicht behutsam genug ist. „Aber es gibt immer Wege, an noch ältere Informationen heran zu kommen.“ Das Glühen der Rune beleuchtet sein Gesicht. „Hier zum Beispiel, dieses Zeichen...“ Er zeigt auf eine der Runen auf dem Text, „steht entweder für Feuer oder Glut. Aber in einem anderen Kontext kann es auch ganz allgemein für Magie stehen.“ Stolz über seine Expertise fährt Viktor fort: „Siehst du diese kleinen Linien unter dem Zeichen hier? Erinnert ein wenig an Serifen, nicht wahr?“ Viktor hat meistens mit anderen Wissenschaftlern zu tun, so dass es ihm nicht in den Sinn kommt, dass Gary dieser Begriff möglicherweise nicht bekannt ist. „Doch während Serifen keine magischen Kräfte haben, ändert sich in diesem Fall die Kraft des Zaubers. Die Linien lenken die Magie. Sie wirken wie winzige Kanäle, die die Energie bündeln und formen, statt sie wild zu zerstreuen. Ohne sie wäre die Rune nur ein chaotisches Symbol, das leicht entgleisen könnte. Die Linien zähmen das Feuer sozusagen, und das sorgt für das leichte Leuchten der Zeichen.“

Obwohl er nur die Hälfte versteht, kann sich Gary dem Bann von Viktors Erklärungen nicht entziehen. Er hat sich noch nie ernsthaft Gedanken darüber gemacht, ob und wenn ja, in welcher Form Magie existiert. Viktor spricht darüber, als gäbe es nicht den Hauch eines Zweifels daran, das macht ihn neugierig. "Du sagst es gibt Vampirmagie und Magiermagie..und du sagst es mit einer Sicherheit, als hättest du keinen Grund an der Existenz von Magiern zu zweifeln. Für normale Ohren wie meine, klingt das sehr exotisch." Er lächelt und sein Blick bittet um Verständnis. "Exotisch und äußerst interessant, das muss ich zugeben." Nach kurzem Zögern blickt er den Vampir offen an. "Kennst du einen Magier? Bist du dir deshalb so sicher?"
Viktor lächelt, als ihm ein Name in den Sinn kommt. „Ich kenne tatsächlich eine Magierin, seit ich ein Teenager war,“ beginnt er, „Sie war damals meine beste Freundin – Aidaria.“ An Rasputin oder Malecantus verschwendet er keinen weiteren Gedanken. Die sind es nicht wert. „Magie existiert in vielerlei Formen,“ fährt er fort, „dunkle Magie, Naturmagie…“ Sein Lächeln wird breiter, fast schelmisch, „und natürlich Lillys Musik. Auf ihre eigene Weise ist das auch eine Art von Magie.“
"In der Tat, das ist eine sehr besondere Art von Magie.", bestätigt Gary lächelnd und verschiebt den Gedanken, die verschiedenen Formen der Magie zu vertiefen, auf später. "Weißt du, manchmal denke ich, sie sollte ihr Können wirklich in einem passenden Rahmen präsentieren dürfen. Nicht auf irgendeiner Allerweltsbühne wie beim Event." Er sieht Viktor an, um zu sehen wie er auf seine Worte anspricht. "Man müsste dafür sorgen, dass sie einem breiteren Publikum bekannt wird. Ihr Talent wäre eine Bereicherung für die Musik-und die Simswelt gleichermaßen."

„Das sage ich ihr auch jedes Mal.“ Viktor nickt zustimmend. „Sie hat Talent. Jeder würde sie lieben.“ Er kratzt sich am Kinn, sieht zur Treppe hinunter. Lilly scheint noch immer am Telefonieren zu sein. „Aber seit Letizia will sie...“ Er unterbricht sich, als er Schritte hört. Lilly erscheint. „Tut mir leid. Ich muss unsere Unterrichtsstunde leider heute vorzeitig abbrechen. Irina hat Probleme und ich muss ihr helfen.“ Sie streicht sich über ihren eigenen Bauch. Mittlerweile zeichnet sich auch bei ihr die Schwangerschaft ab, auch wenn es noch nicht ganz so deutlich ist wie bei ihrer Freundin. Mit einem verzeihendem Lächeln wendet sie sich Gary zu. „Die restliche Musikstunde holen wir mal nach, versprochen.“
"Klar." Gary überlegt kurz und entscheidet sich zu fragen. "Ist die Übelkeit das Hauptptoblem? Wenn ja, Sarah schwört auf Ingwertee mit Zitrone. Ich hab allerdings keine Ahnung, ob solche Rezepturen auch für Vampire wirksam sind." Etwas ratlos zuckt er mit den Schultern. Das Thema versetzt ihm einen kleinen, wehmütigen Stich. An den Wochenenden, die er zuhause und nicht mit Überstunden im Büro verbracht hat, kochte er mit frischen Zutaten und viel Liebe auch mehrmals täglich diesen Tee für Sarah. "Wichtig ist, dass man frische Zutaten verwendet, keine Teebeutel.", ergänzt er noch und lächelt zuversichtlich.

Lilly lächelt schief. Ungewohnt, von Gary Schwangerschaftstipps zu erhalten, zumal sie diese Erfahrung mit Viola bereits gemacht hat. Noch überraschter ist sie, dass zumindest der Tee ein neuer Tipp für sie ist. „Zitrone ist wirklich gut. Hat mir auch damals schon geholfen.“, erklärt sie wissend, „Da unterscheiden wir Vampire uns wohl nicht so von Menschen. Gemeinsam mit Ingwertee habe ich das nie probiert, aber es klingt wirklich gut. Danke. Als weiteres Tipp hatte man mir damals auch Pfefferminzbonbons empfohlen.“ Mit Blick auf das Handy fügt sie noch hinzu: „Ich weiß nicht, ob es auch bei Irina helfen wird, aber ich werde diese Tipps weiter geben.“ Sie verabschiedet sich und geht die Treppe hinab.
Viktor sieht ihr nach. Erinnerungen kommen hoch. Wie sehr Lilly ihm vertraut hat, erstaunt ihn noch immer. Ein Lächeln stiehlt sich in sein Gesicht. Sie war bereit, sich von ihm verwandeln zu lassen, und bald darauf ging auch ihre Schwangerschaft los. Ihr Vertrauen in ihn – diese Bereitschaft, alles zu riskieren – scheint sich für sie ausgezahlt zu haben. Sie ist noch immer hier bei ihm, und er liebt sie heute sogar noch mehr als damals. Er stützt sich mit einer Hand auf den Schreibtisch und lässt den Blick in die Ferne schweifen. Wie ist es möglich, dass ausgerechnet er dieses Maß an Glück verdient hat?
"Wo waren wir noch gleich stehen geblieben?" Stirnrunzelnd geht Gary geistig ein paar Minuten zurück. Ein Name war gefallen.. "Ach ja." Er wendet sich zu Viktor. "Du wolltest etwas sagen zu Letizia."
„War ne Freundin von ihr.“, erklärt Viktor, „vor ihrer Verwandlung in eine Vampirin. Sie wollten ursprünglich mal als musikalisches Duo durch die Gegend ziehen...“ Viktor erinnert sich. „Moment, du bist ihr schon einmal begegnet. Beim Toleranz-Event.“ Er erhebt sich vom Stuhl, während er Gary weiterhin mustert. „Doch seit ihrer Verwandlung ist die Beziehung der beiden ehemaligen Freundinnen eingebrochen. Viele ihrer Freundinnen hatten Lilly zurück gelassen und so kam es, dass sie von sich aus auch weniger mit Letizia zu tun hatte. Sie gibt sich selbst die Schuld dafür.“ Er seufzt. „Dabei glaube ich nicht, dass es nur an Lilly alleine liegt. Aber diese Angst, zurückgelassen zu werden, sitzt bei ihr tief. Seitdem will sie dieses Gefühl nicht wiederholen und brauchte lange Zeit, bis sie überhaupt für das Toleranz-Event bereit war.“
"Ja, sie hat mir die Geschichte mit Letizia einmal erzählt, auf einem Spaziergang." sinniert Gary. "Nachdem Vorfall wird die innere Hürde öffentlich aufzutreten sicher nicht kleiner geworden sein." Mit Blick auf die geheimnisvollen Papiere sagt er halb zu sich selbst, halb zu Viktor: "Schade, dass es dafür nicht eine einfache Magie gibt. So.." Er schnipst mit zwei Fingern. "Und wir könnten sie überzeugen Ihr Talent der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren."

Viktor horcht auf. Gary scheint einen Plan zu haben. "Was hast du vor?", fragt der Vampir. Doch sein Blick zeigt, dass er nicht abgeneigt ist. Vielleicht können sie Lilly wirklich helfen, wenn sie ihr gemeinsam die Angst nehmen.
"Vor?" Gary sieht auf. "Das ist nicht die richtige Formulierung." Er fasst kurz das Gespräch mit Lilly am Feuer in seinem Sommercamp zusammen. "Verstehst du? Sie blüht auf, wenn sie über ihre Musik spricht. Mehr noch, als bei den Romanen. Aus tiefster Seele.." Sein Gesichtsausdruck wird nachdenklich. "Das beschäftigt mich. Es wäre schön, sie könnte das leben, darum geht es. Leben und dafür wertgeschätzt werden." Lächelnd neigt er den Kopf seitlich. "Und mit Sicherheit hätte sie auch finanziellen Erfolg damit." Er setzt sich seitlich über die Ecke von Viktors Arbeitstisch. "Hast du eine Idee, wie wir das fördern könnten, ohne sie zu überrollen damit?"

Viktor überlegt eine Weile, während vor seinem inneren Auge ein klares Bild entsteht: Lilly auf einer Bühne. Nicht irgendeine Bühne, sondern eine, die ihr ganz allein gehört – mit einem Publikum, das nur ihretwegen gekommen ist. Keine anonyme Menge, sondern Menschen, die ihre Musik wirklich schätzen. Ein sanftes Lächeln umspielt seine Lippen. Das ist der Platz, an dem sie sein sollte.
„Vielleicht gibt es eine Musikakademie, die ein Konzert für sie organisieren könnte. Wenn wir ein Video hinschicken, das sie beim Musizieren zeigt, können sie gar nicht anders, als ihr Genie anzuerkennen.“ Seine Stimme klingt entschlossen, aber auch ein wenig zuversichtlich. Er lächelt schief. „Ich könnte sie heimlich aufnehmen.“
Er stockt kurz und senkt den Blick. Ein Moment der Unsicherheit schleicht sich ein. Würde Lilly das überhaupt wollen? Er weiß, dass er damit eine Grenze überschreitet. Aber es ist das Richtige für sie, oder?
Er schüttelt den Gedanken ab. Er kennt sie zu gut, um sich von diesen Zweifeln leiten zu lassen. Sie würde der Sache nicht abgeneigt sein, wenn er es richtig anpackt. Bestimmt kann er sie überreden, wenn es tatsächlich zu einer Zusage kommt. Und falls nicht ... dann wird er ihren Wunsch akzeptieren – auch wenn es ihn einiges kosten würde.
Er atmet tief durch und richtet sich auf. Zuerst müssen die Vorbereitungen stimmen. „Wie wäre es damit?“ Seine Stimme klingt jetzt fester. „Ich übernehme das Video und du die Recherche? Also, welche Akademie sich anbieten würde und solche Dinge?"
Innerlich noch abwägend, nickt Gary zustimmend, bevor er recht zu Ende gedacht hat. „Wir überraschen sie damit. Schöner Plan, Viktor.“
In Zusammenarbeit mit @simscat2
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Charaktere: Lilly, Viktor
Geschichtsstrang: Ein Lied für die Akademie I
Lilly hatte angerufen, dass sie länger fortbleiben würde. Offenbar ist es bei Irina etwas Ernsteres. Viktor bleibt alleine im Musikzimmer zurück, sein Blick auf das Klavier gerichtet. Ohne Lilly an den Tasten wirkt es wie ein verlassenes Relikt, ein stiller Zeuge, der auf seinen Spieler wartet. Der polierte Lack schimmert im schwachen Licht, doch die Melodie, die sonst den Raum erfüllt, fehlt. Es fühlt sich leer an. Und verloren. Und doch ist nicht alles daran schlecht: Im Moment kann er etwas Zeit gebrauchen, um sich einen Plan zu überlegen.
„Wie schaffe ich es, ein heimliches Video von ihr zu machen?“ Viktor macht nur selten Selbstgespräche, doch dieses Mal hilft es ihm, seine Gedanken zu ordnen. Er weiß, dass sich Lilly beim Spielen oft in ihrer Musik verliert.. dass sie die Welt um sich herum ausblendet. „Ist es möglich, dass ich mir grundlos Gedanken mache?“ Gut möglich, dass sie so oder so nicht merken würde, wenn er mit einer Kamera hantiert. Eine Kamera auf einem Stativ wäre zu auffällig – das ist klar. Aber was, wenn er sie in der Hand hält, unauffällig? Er schüttelt den Kopf. Nein, darauf kann er sich nicht verlassen. Es ist zu riskant. Ein Handy unter dem Sofakissen zu verstecken ist auch keine Option. Zum einen würde das Kissen die Tonqualität nur dämpfen, und zum würde dann ihr Bild fehlen. Das Bild ist entscheidend: Ihre Leidenschaft, ihre Hingabe – all das muss sichtbar sein.
Und wenn er Lilly ganz öffentlich aufnimmt? Mit der Ausrede, ein Erinnerungsvideo machen zu wollen? Wenn das Baby dann da ist? Sie muss ja nicht wissen, was er wirklich mit dem Video vor hat. Er streicht sich mit den Fingern durch die Haare, während er diesen Gedanken vertieft. Ja, das kann funktionieren!
Viktor eilt in den Keller. Dort, in einer staubigen Kiste, liegt sie – seine alte Kamera. Mittlerweile verstaubt. Aber noch immer in guter Qualität. Wertarbeit. Lilly verdient es, im bestmöglichsten Licht dargestellt zu werden. So, dass die Musikakademie erst recht beeindruckt ist.

Der Vampir wischt den Staub ab und macht einige Testaufnahmen. Es funktioniert tatsächlich noch. Die Tonqualität ist sogar besser, als er es in Erinnerung hat. Auch das Stativ ist noch vorhanden. Jetzt muss er nur noch auf Lillys Rückkehr warten und darauf hoffen, dass sie sich wirklich dazu bereit erklärt.
Die Wartezeit nutzt er, sich vorzubereiten. Die Kamera wird in Position gebracht. Gerade, als Lilly wieder zurück kommt, wird er fertig. „Irina liegt im Krankenhaus.“, erklärt seine Gefährtin, „Wegen…“ Sie überlegt eine Weile, doch der medizinische Name, den die Ärztin genannt hat, will ihr einfach nicht wieder einfallen. „Wegen ihrer Übelkeit. Sie bekommt Zwillinge, und das war die Ursache dafür. Aber die Ärztin meinte, die Schmerzen seien behandelbar. Und für den Blutdruck und der Dehydrierung kommt sie zur Sicherheit erst mal ins Krankenhaus.“, fügt sie schließlich noch hinzu. Viktor hebt eine Augenbraue. Hoffentlich hat das nicht Lillys Laune so versaut, dass sie gar nicht spielen möchte. Sie scheint jedoch einigermaßen relaxt zu sein. „Zwillinge, hm. Pablo scheint sich dieses Mal ja sehr ins Zeug gelegt zu haben.“, witzelt Viktor. „Nicht nur er.“, lacht Lilly. Ein Lachen, das nun auch Viktors letzte Zweifel nimmt. Sie ist in der richtigen Stimmung.
Lillys Blick fällt auf das Stativ mit der Kamera. „Warum hast du dieses alte Teil wieder hochgeholt?“ Alt? Viktor schmunzelt. Als 210 Jahre alter Vampir hat er ganz das Zeitgefühl verloren. Damals, in seiner Jugend, gab es die Technik noch gar nicht, Videos zu filmen. Die ersten Filmaufnahmen gelangen 1927. Und erst in den 1960ger Jahren fing es so langsam an, dass Kameras auch für Hinz und Kunz erschwinglich wurden. Da seine Kamera sogar schon die Möglichkeit hat, Filme digital aufzunehmen und nicht nur analog, hätte er sie als „modern“ eingeschätzt. Aber das ist vermutlich nur ein Trugschluss. Heutzutage entwickelt sich die Technik viel schneller als damals. Seine Kamera, die ihm vor etwa zehn Jahren von einem Freund geschenkt wurde, ist mittlerweile sicherlich auch längst überholt. Aber sie wird schon ausreichen. Wenn Lilly zustimmt.

„Ich hatte sie zufällig wiedergefunden und dachte, warum testest du sie nicht einfach mal wieder aus? Vielleicht mit Videos von dir am Klavier.“, erzählt er. „Als Erinnerung.“ Er umfasst Lillys Bauch. „Das Baby freut sich später bestimmt, das auch sehen zu können. Oder die Babys, wenn es wie bei Irina gleich zwei werden sollten!“ Lilly schmunzelt. „Das glaube ich nicht. Bisher verläuft es bei mir ohne große Schmerzen.“ Sie überlegt einen Moment. Ein Erinnerungsvideo wird schon nicht schaden. „Also gut.“, grinst sie und setzt sich an das Musikinstrument. „Dann mach mal dein Video.“
Viktor zögert keinen Moment. Er lässt sie verschiedene Stücke spielen, in verschiedenen Stilen und Schwierigkeitsgraden. Das Video wird länger, als er geplant hat. Doch Lilly genießt es – und das sieht man ihr an. Als er ihr das Ergebnis zeigt, ist sie zufrieden. Natürlich wird er das Video wirklich auf dem PC speichern, als Erinnerung. Doch welchen Verwendungszweck es sonst noch bekommt, wird sie noch früh genug erfahren. Ob Gary mittlerweile weiter ist mit seiner Recherche? Viktor beschließt, ihn anzurufen.
>>> Viktor telefoniert nach Willow Creek Nr. 11 - Archiv von Willow Creek (2) >>>
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Charaktere: Viktor, Lilly
Geschichtsstrang: Verlorene Harmonie
Viktor spürt den Zettel in seiner Tasche. Seine Finger spielen unruhig mit den Ecken. Eine Falle für Rasputin... Das würde Zeit kosten. Zeit, die er eigentlich lieber Lilly widmen würde. Er hatte die Akademien längst angeschrieben, das Ganze ins Rollen gebracht. Bis die Antworten kommen, könnte ich doch... Vor der Tür der Villa bleibt er kurz stehen, bevor er den Briefkasten öffnet. Leer. Nicht einmal Reklame. Er schnaubt leise und lächelt. Wenigstens das. Es gibt ihm tatsächlich etwas Spielraum, sich um Rasputin zu kümmern.

Er schließt auf, tritt ein, und seine Gedanken setzen sich wie ein Puzzle zusammen. Drakes Worte hallen in seinem Kopf: „Denk dir was aus, ein cleverer Plan, ein bisschen Drama – dann gehört er uns!“ Viktors strategischer Verstand springt sofort an, jetzt, wo der Enthusiasmus langsam zurückkehrt. Rasputins Verbindung zu Remy könnte der Vorteil sein, den Viktor braucht. Wenn er...
Seine Gedanken werden unterbrochen, als ihm Lilly wütend entgegen läuft, kaum dass er die Villa betreten hat. „Was soll das heißen, Vik?“ Der Vampir stoppt abrupt. Er muss nicht lange überlegen, worum es geht. Er sieht den Brief in ihrer Hand und die enttäuschte Mine auf ihrem Gesicht. Verdammt.. Es kam also doch Post an.

„Warum sendest du das Video einfach weiter, ohne mich zu fragen?“ Wie eine Waffe hält ihm Lilly den Brief vor die Nase:
Zitat
… zunächst möchten wir Ihnen für Ihre Einsendung und die Möglichkeit danken, Ihre beeindruckende Darbietung am Klavier zu erleben. Ihr Spiel zeigt sowohl technische Perfektion als auch eine bemerkenswerte emotionale Tiefe, die uns tief beeindruckt hat.
Nach sorgfältiger Prüfung müssen wir Ihnen jedoch schweren Herzens mitteilen, dass wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt keinen Platz in unserem Programm anbieten können. … begrenze Kapazität …
Viktor versucht gar nicht erst, Lilly daran zu erinnern, dass eh nichts aus der Sache wird. Er weiß genau, dass es hier nicht um die Absage geht. „Ich...“ Viktor schämt sich. Er hat Lillys Vertrauen missbraucht. Er hat Grenzen überschritten, die ihm nicht zustanden. Und das alles nur, weil ER wollte, dass sie Erfolg hat. „Verzeih mir, Lilly. Ich dachte, sie würden zusagen. Ich dachte... ich könnte dich überraschen, dich motivieren, dein Talent zu nutzen..“, stammelt er.

Lilly funkelt Viktor an, die Wut in ihren Augen kaum gedämpft durch das, was er gesagt hat. „Du dachtest, du könntest mich überraschen?“ Sie hebt den Brief, wedelt damit vor seinem Gesicht. „Das hier ist keine Überraschung, Vik. Das ist eine Demütigung! Du hast mich in eine Situation gebracht, die ich weder wollte noch kontrollieren konnte!“
Lillys Worte brechen wie Nadelstiche auf Viktor hinein. Sie hat Recht. Es war nicht richtig gewesen. „Ich wollte, dass dein Talent die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.“, versucht er mit ruhiger Stimme. „Ich weiß, ich bin zu weit gegangen. Deine Musik... deine Leidenschaft... sie verdient eine Bühne, Lilly. Trotzdem hätte ich dich mit einbeziehen müssen. Es tut mir leid.“
Lillys Hände zittern. „Ich dachte, wir wären ein Team. Ist dir meine Entscheidung nicht wichtig genug??“ Sie dreht sich um, fast so, als wollte sie nicht, dass Viktor ihre Verletzlichkeit sieht. Ohne ein weiteres Wort lässt sie sich im Musikzimmer nieder und lässt die Tür knallen... den Brief noch immer in ihrer Hand. Viktor spürt den Schmerz, den dieser Anblick in ihm verursacht. Er spürt wie ihm das Herz schwer wird. Er folgt ihr nicht. Er muss die Sache wieder in Ordnung bringen.
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Charaktere: Viktor, Lilly, Gary
Geschichtsstrang: Versöhnung ist auch eine Kunst
Viktor betrachtet die große gestrickte Katze mit dem handgeschriebenen Brief in der Pfote. Er setzt das Tier auf das Klavier, dort, wo es Lilly auf jeden Fall sehen wird, wenn sie wieder kommt. Nicht nur Lilly: Auch Misty, die dem Stricktier als Vorlage diente, springt hinterher und stupst die bunte Kollegin neugierig mit der Pfote an. Viktor lässt sie gewähren. Wenn Lilly beide Katzen sehen würde – die echte, neben der gestrickten, würde ihr das bestimmt auch ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Gerade, als er dabei ist, mit Lilien eine Spur zu legen um das Szenario zu vervollständigen, klingelt es an der Haustür. Der Vampir hebt eine Augenbraue. Oben rührt sich nichts. Lilly scheint zu sehr mit ihren Krimi beschäftigt zu sein, um den Gast zu bemerken.. oder sie möchte jetzt einfach keine Gesellschaft. Einen Moment überlegt auch Viktor, es einfach klingeln zu lassen, bis der Besucher wieder aufgibt. Doch als er Gary bemerkt, öffnet er ihm dann doch. Der Gruß fällt nur knapp aus. Viktor war nie jemand, der viele Worte nutzt. Vor allem jetzt nicht, wo der Streit mit Lilly einen dunklen Schleier über seine Emotionen gelegt hat...
Die Türe wird geöffnet und Gary sieht sich Viktor gegenüber, der ihm, die Hände voller Lilien, knapp zu nickt und gleich wieder Richtung Salon verschwindet. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Gary ist nicht verwöhnt, was Umgänglichkeit seitens des Vampirs angeht, aber die Blumen.. Ist das ein Zeichen dafür, dass Lily angenommen wurde? Will er ihr mit Blumen gratulieren? Schnell hängt Gary die Jacke an der Garderobe ab und folgt dem Vampir neugierig. Lilly ist nirgends zu sehen, aber auf dem Flügel thront eine große Katze aus Wolle, zu deren Füßen sich eine der Hauskatzen zusammen gerollt hat und zufrieden vor sich hin schnurrt. "Also...entweder ihr habt Hochzeitstag, Lilly hat Geburtstag ooooder.." Gary strahlt Viktor an. "..unsere Aktion ist erfolgreich verlaufen. Gab es eine positive Rückmeldung? Sag bitte ja."

"Nichts dergleichen!", sagt Viktor kurz angebunden, "Ich hab's vermasselt!" Sein Gesicht ist ausdruckslos, als er weiter spricht: "Ne Absage kam rein und nun fühlt sich Lilly übergangen, weil ich das Video ohne ihr Wissen verschickt habe." Er sieht zu Misty und krault das Tier, das ihm zum Dank über die Hand leckt. Seit dem Streit hatte er auch nicht die Ruhe gefunden, sich um das Problem namens Rasputin zu kümmern, trotz der neuen Spur. "Wir waren wohl zu voreilig. Ich weiß, dass sie es genießen würde aufzutreten. Aber wir hätten das anders angehen müssen."
Betroffen setzt sich Gary auf das Sofa an der Wand. "Sie fühlt sich übergangen? Das hab ich ehrlich gesagt, nicht erwartet." Seine Augen wandern umher während er denkt und bleiben ohne Wahrnehmung an dem gestrickten Tier haften. "Und eine Absage schon gar nicht." Durch die Gespräche mit Lilly hatte er geglaubt genug heraus gehört zu haben, um die Überraschung zu wagen. Der Schuss ist wohl nach hinten los gegangen. "Wie war die denn begründet? Die Absage?"
"Angeblich gibt es nicht genug Kapazität. Vielleicht, weil es viele Pianisten gibt, und es somit nichts Besonderes für sie ist. Kunstbanausen!" Viktor lässt sich auf das Sofa fallen. "Doch was macht das jetzt noch für einen Unterschied?" Vielleicht hätte Lilly anders reagiert, wenn es tatsächlich eine Zusage gegeben hätte, mit der er sie überraschen könnte. Doch die Absage war nicht, was er sich erhofft hat.

"Es gibt auch viele Geiger, aber nur einen Paganini." Ärgerlich runzelt Gary die Stirn und gibt Viktor im Stillen mit den Banausen recht. "Du hast ja mehrere verschickt, es heißt noch nicht, dass sie nicht woanders angenommen wird." Seine empörte Musikerseele gibt noch keine Ruhe. Bestimmt ist es die Demütigung der Absage und nicht die Tatsache, dass sie Lilly nicht gefragt haben. Sie hat ihren Stolz, das weiß Gary. Es ergibt Sinn für ihn, dass sie durch die Ablehnung Viktor gegenüber Scham empfunden haben mag. Während er noch dabei ist seine Theorie innerlich zu überprüfen, schiebt sich das Wolltier verstärkt in sein Bewusstsein. Lag nicht schon bei einem seiner früheren Besuche ein Strickzeug herum? Jemand habe es vergessen, hatte Lilly erklärt, wenn ihn seine Erinnerung nicht trügt. Das Geschöpf auf dem Flügel sieht nach Handarbeit aus. Gekonnter Handarbeit. Und die Knöpfe, die als Augen dienen kommen ihm auch bekannt vor. Es sind dieselben, die er im oberen Stock am Sitzkissen von Viktors Stuhl gesehen hat, als Lilly mit ihm nach oben gegangen war. Der Mittelteil ähnelt auffallend den schlitzförmigen Pupillen einer Katze. Ob die Tochter des Hauses vielleicht strickt? Nein, die Kombination der wolligen Katze mit der Lilienspur legen einen anderen Schluss nahe. Teils um die unangenehmen Folgegedanken was Lillys Verärgerung angeht zu unterdrücken, teils weil ihn seine Folgerung verblüfft, sieht er zu Viktor auf. "Sag mal Vik, strickst du?", bricht es ungefiltert aus ihm hervor.

Der Vampir blickt auf. "Nein, das habe ich ihr als Entschuldigung gekauft!", verteidigt er sich aus der Gewohnheit heraus. Gary wirkt jedoch nicht so, als würde er sich darüber lustig machen. Und das Tier ist eindeutig Misty nachempfunden.. Viktor seufzt noch einmal. Er merkt, dass er Gary nichts vormachen kann, auch schon wegen der Knöpfe, die Garys besondere Aufmerksamkeit bekommen haben. "Also gut, ja. Ich war es selbst. Ich gebe das nicht oft zu... Wie sieht das aus für einen Wissenschaftler, wenn er strickt? Für einen Vampir? Aber bei Lilly..." Er streicht über das Stricktier, "ist mir auch das nicht peinlich. Sie weiß schon lange davon." Er erinnert sich daran, wie sie auch beim ersten Besuch Gary davon erzählt hat, jemand hätte es vergessen. "Und sie deckt mich." Warum erzähle ich das einfach so frei raus? Das mit den Knöpfen hätte ja auch einfach Zufall sein können... Doch nach all der Planung mit Gary fühlt er eine gewisse Verbundenheit.
"Stricken ist auch eine Wissenschaft, jedenfalls sieht es für mich schwer danach aus.", erwidert Gary lächelnd. "Allen Respekt dafür Viktor." Er steht auf und begutachtet die Handarbeit näher. "So gleichmäßige Reihen und das Muster wie Misty. Du hast es perfektioniert und wirklich keinen Grund dich für dein Können zu schämen." Er seufzt und blickt wieder zu Viktor. "Apropos schämen... was machen wir denn jetzt mit Lilly? Ich würde dich schon gern dabei unterstützen, diese Sache wieder in Ordnung zu bringen."
Viktor lächelt, seine spitzen Zähne blitzen kurz auf. Die meisten Menschen meiden Vampire, und so fällt es ihm nicht schwer das Geheimnis zu wahren. Aber Gary ist offenbar anders. Er winkt ab. "Ach, das muss ich selber regeln. Was wäre das für eine Entschuldigung, wenn ich andere den Part übernehmen lasse?" Er denkt nach. "Obwohl... du kannst sie unter einem Vorwand hierher locken. Sie wird die Lilien auf dem Flur dann bestimmt schon finden." Der Vampir deutet nach oben. "Sie müsste oben am Tippen sein."

"Puh.." Gary hebt überrascht die Brauen. "Das ist nicht gerade meine Stärke, aber gut..ich versuch mein Glück." In Gedanken steigt er die Treppe in die nächste Etage nach oben und verharrt lauschend vor der Tür. Leise Tastengeräusche sind zu vernehmen, sie schreibt also wirklich. Unschlüssig verharrt Gary noch ein paar Augenblicke, während seine Augen über das Mobiliar gleiten, als könne er dort die Lösung für die gestellte Aufgabe finden. Für solche taktischen Manöver fehlt ihm die Fantasie, muss er sich schließlich eingestehen. "Lilly?" Er klopft fest, aber nicht zu laut gegen das Holz. "Ich bin`s, Gary." Äußerst originell "Ich komme gerade von Lydia. Sie hat mit mir ein neues Stück auf dem Klavier eingeübt..magst du runter kommen und es dir anhören?" Er entfernt sich zur Treppe und geht zwei knarrende Stufen nach unten. "Ich würde mich sehr freuen." Etwas lauter folgen die nächsten Stufen. "Ich geh schon mal und spiel mich warm." , ruft er am Fuße der Treppe nach oben und steuert den Salon an. Wieder bei Viktor angelangt, atmet er tief durch. "Du hast ihr nichts gesagt von meiner Beteiligung an dem Ganzen, nicht wahr?"
"Nein, dazu gab es keinen Grund.", murmelt Viktor schnell, "Ich wollte dich nicht auch noch mit reinziehen und..." Weiter kommt er nicht, denn Lilly steht in der Tür, die Lilien in ihrer Hand. "Heißt das, Gary war auch Teil des Plans?" Lilly mustert den Menschen, "Ihr zwei habt euch ja mächtig ins Zeug gelegt, was?" Ihr Blick fällt auf das gestrickte Tier auf dem Klavier. Die echte Misty liegt nun zusammengerollt davor und döst. Nun huscht doch noch ein Lächeln über ihr Gesicht.

"Ja, Gary war auch Teil des Plans." Entschuldigend hebt selbiger die Schultern und sieht zerknirscht zu Lilly hinüber. "Sogar ein nicht unerheblicher." Er senkt den Kopf und tippt mit dem Zeigefinger sachte eine der Klaviertasten an. "Weißt du, dein Können und das Wissen darum, dass du ohne die Ereignisse in der Vergangenheit vielleicht schon längst wieder an eine Bühnenkarriere gedacht hättest, hat uns wohl übermütig werden lassen." Er registriert Lillys kleines Lächeln und lässt sich auf die Bank am Flügel gleiten. 'If i could turn back time' ...einer von Sarahs Lieblingssongs. Es hat eine Zeit gegeben, in der Gary dieses Lied mit Lydia eingeübt hatte. Sie am Klavier, er an der Geige. Vielleicht reicht seine Erinnerung, wenigstens den Anfang zu intonieren, schräg oder nicht, egal. Der Text ist, worauf es ankommt. Beherzt greift Gary in die Tasten, beginnt mit voller Stimme zu singen, die ersten Zeilen abwandelnd, so dass Viktor mit einbezogen wird.

If we could turn back time
If we could find a way
We' d take back those words that have hurt you
And you'd stay
We don't know why we did the things we did
We don't know why we said the things we said
We didn't really mean to hurt you
We didn't wanna see you go...
kürzt er den Refrain ab und schließt mit einem Missklang von Akkord, der das Gesungene wirksam unterstreicht. Die Töne verhallen und Gary schwingt sich weg vom Flügel, hin zu Lilly und Viktor. Fragend ruht sein Blick auf dem Vampir.
Viktor muss grinsen. Er zeigt zum gestrickten Tier. "Nun, ich bin nicht musikalisch genug um selber was zu singen..." Er schielt zu Gary, "Aber du hast die Katze ja bereits gesehen." Lilly muss lachen. "Ja, ihr habt euch wirklich ins Zeug gelegt. Wie kann ich euch da lange böse sein?" Mit den Fingern streicht sie über das Klavier, bis hin zu den beiden Katzen. Die echte Misty hebt ihren Kopf und schnurrt, als Lilly das Tier streichelt. Mit der anderen Hand greift sie nach dem Brief in den Pfoten der Strickversion.
Zitat
Liebe Lilly, ich weiß, dass Worte nicht immer ausreichen, um die Dinge geradezubiegen. Ich hoffe, dass du ihnen trotzdem zuhörst. Ich habe dich verletzt, als ich dich übergangen habe. Es war falsch von mir, hinter deinem Rücken zu handeln. Ich wollte dir eine Freude bereiten, dich auf die Bühne bringen auf die du gehörst. Aber ich hätte das anders angehen sollen und mit dir absprechen. Ich habe Misty für dich gestrickt, um dir etwas zu schenken, das so einzigartig ist wie du. Mit jedem Stich wollte ich meine Liebe zu dir ausdrücken. Bitte lass uns darüber reden, wenn du bereit bist. Viktor
Lilly nimmt die Strickkatze nun in beide Hände und hebt sie hoch. "Ich bin bereit, Vik!", sagt sie mit einem Lächeln. Sie setzt sich mitsamt der Katze neben den Vampir. "Ich würde schon gerne auf einer Bühne auftreten.", sagt sie, "aber ich möchte den Zeitpunkt selbst entscheiden. Nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden." Viktor lächelt. "Möchtest du, dass wir gemeinsam überlegen, was wir besser machen können, damit es beim nächsten Mal nicht in einer Absage endet?" Er zögert kurz, fügt dann noch hinzu: "Natürlich nur wenn du willst." Lilly sieht ihn an, lächelt. "Das wäre ein guter Anfang." Ihr Blick fällt auf Gary. "Wärst du auch dabei? Beim Brainstormen?"
Abwartend beobachtet Gary die Szene. Unsicher, ob er noch gebraucht wird, oder es nicht klüger wäre, die beiden das unter sich ausmachen zu lassen, jetzt, da wieder Friede herrscht. Lilly nimmt ihm mit ihrer Frage die Entscheidung ab. Erleichtert nickt Gary uns setzt sich wieder auf die Polsterbank am Flügel. "Gar nicht so einfach. Es würde helfen, wenn wir den genauen Grund für die Absage kennen würden. Durchschnitt ist es schließlich nicht, was die Leute auf dem Video zu sehen bekommen haben. Alles andere als das."

Viktor sieht zu Lilly, dann zu Gary. "Laut Brief mangelnde Kapazitäten.", sagt er. Er spricht nicht aus, dass das nur ein vorgeschobener Grund gewesen sein könnte. Was, wenn es wegen ihres Vampirdaseins ist? Dann hätte sich Lillys Angst bewahrheitet... Er spricht es jedoch nicht laut aus. "Dann müssen wir ihnen ein Video geben, das sie nicht ablehnen können. Ein Video, das sie zwingt, sich Kapazitäten zu schaffen!", meldet sich Lilly zu Wort. Überrascht sieht Viktor zu ihr. An Enthusiasmus mangelt es ihr wohl nicht, jetzt da der Streit beendet ist. Sie hat wohl Blut geleckt. "Richtig.", stimmt der Vampir vor, "Bei der nächsten Akademie versuchen wir ein anderes Video. Etwas, das dich noch mehr aus der Menge hervorstechen lässt, als dein Talent ohnehin schon tut." Er verengt seine Augen. "So, dass selbst die Kulturbanausen kapieren, was für eine Virtuosin vor ihnen steht!"

"Das mit der Kapazität klingt nach einer Phrase, finde ich." Gary sieht anerkennend zu Lilly. "Bin ganz bei dir. Wir werden sie aufrütteln, der Kampfgeist ist da." Er kratzt sich nachdenklich den Bart, während seine Gedanken zum Toleranzevent und diversen Gesprächen zwischen ihnen wandern. "Wie wäre es, wenn du dein anders sein, dein Vampir sein irgendwie mit einwebst. Dir eine kleine Bühnenshow ausdenkst und ein Teil davon ist, eine Gabe, die nur Vampire haben."
Lilly überlegt. "Das ist ein guter Anfang. Aber ich glaube kaum, dass es ausreicht, als Fledermaus zwischen den Liedern durch die Gegend zu flattern. Und die Leute anzugreifen um ihr Blut zu rauben ist wohl eher kontraproduktiv.." Viktor mischt sich ein: "Aber die Grundidee ist nicht schlecht: Verschiedene Talente verbinden." Lilly nickt. "Ja, aber was? Und wie,.." Sie unterbricht ihren Satz. Ihr Gesicht erhellt sich. "Ich habe eine Idee!" Sie erzählt den beiden Männern von ihrem Plan.
In Zusammenarbeit mit @simscat2
>>> Lilly geht nach Evergreen Harbor Nr. 6 - Old Station Bar (2) >>>
Charakter: Viktor
Geschichtsstrang: Ein magisches Objekt I
Viktor sitzt am Computer. Er liest sich noch einmal die Notizen durch, die er bei Remy gefunden hat. Am liebsten hätte er seinen Halbbruder darauf noch einmal angesprochen. Aber Remy bleibt verschwunden, jede Spur von ihm ist verloren. Viktor atmet schwer aus, lehnt sich zurück und starrt auf den Bildschirm. Auch ohne Remy ergeben die Puzzlestücke langsam ein Bild. Der Auftraggeber – alles deutet auf Rasputin hin. Und Remy hatte den Auftrag, ein bestimmtes Objekt zu beschaffen. Etwas, das seiner Familie gehört. Aber was? Und wusste Rasputin von der Verwandtschaft und hat sich deshalb an Remy gewandt? Vielleicht ist es auch nur Zufall.
Laut Remys Beschreibung ist das Objekt der Begierde handlich und unauffällig, gut zu transportieren und es ist vergoldet. Mit Magie versetzt. Viktor kratzt sich am Kopf. Remy war ein paar Mal in der Villa. Hat er dort schon etwas gefunden und mitgenommen? Wenn, dann wäre es Viktor jedenfalls nicht aufgefallen. Aber unwahrscheinlich. Der Auftrag war noch als „offen“ markiert gewesen.

Viktor erhebt sich, um sich die Beine zu vertreten. Während er auf und ab läuft, lässt er seine Gedanken schweifen. Vergoldet, leicht zu transportieren... Magie... Ein Schmuckstück vielleicht? Und wenn es wirklich mit Magie versetzt ist, könnte das Objekt auch schon sehr alt sein.
Eines von Lillys Schmuckstücken vielleicht? Unwahrscheinlich. So alt sind Lillys Sachen nicht, und der Mord an seinen Eltern geschah lange bevor er sie traf. Seine Eltern...Was, wenn der Mord an Silas und Amanda geschehen ist, weil Rasputin auch damals schon auf der Suche nach diesem Objekt war? Viktor verfolgt den Gedanken weiter: Das heißt dann auch, dass es ein Erbstück sein kann, etwas, das vorher im Besitz seiner Eltern war.
Seine Gedanken springen zurück zu den wenigen Gegenständen, die er damals übernommen hat. Es gab Schmuckstücke: Ohrringe, die er Lilly geschenkt hat – aber die sind nicht vergoldet. Ein Armreif... ja, der könnte passen. Den hat er ebenfalls an Lilly weitergegeben.

Im Schmuckkästchen findet der Vampir was er sucht. Er hält den Armreif nun in seinen Händen, dreht das Schmuckstück. Es ist tatsächlich vergoldet. Er mustert die feinen, filigranen Linien. Es erinnert ihn schon ein wenig an magische Verzierungen. Ist das das Objekt der Begierde? Doch wenn, dann ist die Magie selbst gut versteckt. Viktor kennt sich mit Magie nur in Theoretischen aus. Als Vampir hat er nur Zugang zur dunklen Magie.. verderbte Magie, wie einige hochnäsige Magier behaupten. Aber keine Magie, um Objekte zu verzaubern. Wenn es also wirklich verzaubert ist, braucht er Aidaria, um ihm weiter zu helfen. Er beschließt, ihr bald einen Besuch abzustatten.
Mit neuer Energie lässt Viktor das Schmuckstück in seiner Tasche verschwinden. Hoffentlich wird Lilly es so schnell nicht vermissen. Er möchte ihr nicht sagen, dass er die Spur nach Rasputin wieder aufgenommen hat. Aber der Zeitpunkt ist einfach zu gut, um ihn ungenutzt zu lassen: Veronika kann schließlich auch nicht hexen, und es dauert noch, bis der Mantel fertig ist, der für Lillys Video gebraucht wird. Wenn er Rasputin während der Zwangspause aus seinem Kopf bekommt, kann er sich danach voll und ganz auf Lillys Karriere konzentrieren.
>>> Viktor geht nach Brindleton Bay Nr. 1 - Altersheim Shady Pines (8) >>>
<<< Viktor kommt von Britechester Nr 7 - Violas kleine Hütte <<<
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Charaktere: Viktor, Lilly
Geschichtsstrang: Das Versprechen
Viktor eilt in den Keller, wühlt in den Kisten. Wo hatte er es damals nur versteckt? Staub kitzelt seine Nase, während er eine Kiste nach der anderen aufreißt. Nichts. Doch dann bleibt sein Blick an dem alten Schrank hängen. Natürlich! Er öffnet ihn mit einem Ruck, und da ist es. Er greift hinein, holt die Phiole raus. Sein Finger streift über die kühle Keramik und betrachtet diese skeptisch. Funktioniert der Sud noch immer? Er muss es ausprobieren. Er seufzt. Er hasst es, selber das Versuchskaninchen zu sein. Aber er möchte nicht erst im Kampf feststellen müssen, dass die Wirkung nach all den Jahren längst verflogen ist.

Viktor öffnet die Phiole vorsichtig. Er schnuppert. Doch der Inhalt der Phiole ist geruchsfrei. War das immer so? Er zögert. Doch dann wagt er es doch. Er tunkt seinen Finger in den Sud. Zuerst passiert nichts. Doch dann spürt der Vampir ein leichtes Kribbeln. Nicht sehr stark, und es hört schnell wieder auf. Reicht das schon? Er probiert, sich in die Fledermaus zu verwandeln. Er findet nicht den Zugriff dazu... Viktor lächelt. Dann funktioniert es noch so wie es soll.
„Was machst du denn hier?“ Lillys Frage holt ihn aus seinen Gedanken. Viktor schließt die Phiole wieder, während er antwortet: „Ähm nichts...“ Er mustert Lilly. Sie vertraut ihm. Bestimmt könnte er sich sonst eine Ausrede einfallen lassen, um was es sich hier handelt und sie hätte keinen Grund, ihm nicht zu glauben. Aber was, wenn es schief geht? Wenn er nicht zurück kommt? Dann soll Lilly wenigstens wissen, was los ist. Und nach dem Debakel wegen des Briefes der Akademie will er sie in diesem Moment auch nicht anlügen. „Okay, es gibt doch etwas. Das hier...“, mit diesen Worten hält er die Phiole in die Luft, „ist Anma-Sud und stammt noch aus dem Krieg der Vampire gegen Magier.“ Als er geboren wurde, herrschte bereits wieder ein brüchiger Frieden, auch wenn das Misstrauen noch blieb. Er lächelt bei der Erinnerung, als eine damals noch junge Magierin allem Misstrauen zum Trotz seine Freundschaft wollte.

„Okay?“, hakt Lilly verwirrt nach. Viktor antwortet ihr auch ohne dass sie die Frage laut stellen muss: „Anma steht für Anti-Magie. Einmal auf der Haut unterdrückt es alle Arten von Zaubern. Zwar hält die Wirkung nur kurz an, aber es sollte mir bei Rasputin helfen.“ Lilly sieht nicht gerade begeistert aus. „Heißt das, du bist wieder auf der Jagd? Ausgerechnet jetzt?“ Viktor seufzt. Er lässt Lilly nicht gerne im Stich. Tröstend legt er seine Hände auf ihre Schultern. „Ich weiß, dass du mich nicht verlieren willst. Ich passe auf mich auf. Und ich bin auch nicht alleine. Aber Drake hatte mir eine neue Spur zukommen lassen, und ich darf jetzt nicht zögern, bevor er mir doch wieder entkommt.“ Lillys Stimme wird lauter. „Ich bin schwanger. Soll das Baby ohne Vater aufwachsen, nur weil dir doch irgendwas passiert? Ich weiß, du bist klug, aber das macht dich auch leichtsinnig!“ Tränen schimmern in ihren Augen. Der Vampir senkt den Kopf. „Ich bin den Plan hundertmal durchgegangen. Ich komme zurück. Ich verspreche es dir.“

Lilly blickt auf die Phiole in Viktors Hand. „Woher hast du das Zeugs überhaupt? Das ist doch schon uralt.“ Froh über den Themenwechsel lehnt sich Viktor zurück. „Ist schon seit zwanzig Jahren in meinem Besitz. Als ich noch beim 'Institut der Geheimnisse' arbeitete. Als Experte für Okkulte Historie hatte ich die Möglichkeit, das Zeugs genauer zu untersuchen. Eine der Proben habe ich wohl – versehentlich – mitgehen lassen.“ Das Fehlen einer Phiole unter mehreren fiel nicht weiter auf. Aber den Sud kann man mittlerweile auch gar nicht mehr herstellen, da eine der Pflanzen, die als Zutat dienten, mittlerweile ausgestorben ist. Viktor fragt sich, ob das nicht auch das Werk der Magier sein könnte. Gerüchte darüber gibt es jedenfalls.
„Versehentlich. Soso.“ Lilly sieht ihn an. Ein Anflug eines Lächelns spielt um ihre Lippen. „Du weißt schon, dass ich dir die Hölle heiß mache, wenn du dein Versprechen nicht hältst, oder?“ Viktor tritt näher und zieht sie in eine feste Umarmung. „Ich weiß“, murmelt er und küsst sie sanft. „Ich lasse dich nicht im Stich.“

>>> Viktor geht nach Glimmerbrook (3) >>>
>>> Lilly geht nach Forgotten Hollow Nr. 2 - Vampir Bar (5) >>>
<<< Viktor kommt von Forgotten Hollow Nr. 2 - Vampir Bar (5) <<<
<<< Lilly kommt von Forgotten Hollow Nr. 2 - Vampir Bar (5) <<<
Charaktere: Viktor, Lilly
Geschichtsstrang: Jäger ohne Jagd
Die innere Unruhe ist zu groß. Ein Muster aus gleichmäßigen Linien wird unterbrochen. „Ach verdammt!“ Viktors fluchende Stimme durchbricht die Stille. Was ist nur los mit ihm? Schon wieder ist ihm eine Masche flöten gegangen. Der Vampir versucht zu retten, was zu retten ist. Es ist nicht der erste Fehler, der ihm passiert, nicht die erste Masche, die er fallen lässt.

Sonst findet er doch immer Ruhe beim Stricken. Doch jetzt... jetzt ist alles anders. Er bemerkt einen weiteren Fehler in seinem Strickprojekt und gibt dieses nun endgültig auf. „Hrmpf!“ Frustriert wirft er das Strickzeug Richtung Kiste, verfehlt diese jedoch. Die Nadeln landen auf dem Boden. Viktor blickt zu seinem Getränk auf dem Tisch. Auch dieses bekommt keine Gnade. Klirr! Viktors Hände zittern vor Wut, als er das Glas ebenfalls vom Tisch fegt, wo es in Scherben zerspringt. Wie Blut aus einer tiefen Wunde breitet sich der Wein auf dem Fußboden aus.

Der Vampir blickt auf das Chaos, die Scherben spiegeln seinen Gemütszustand wieder. Wann hat er das letzte Mal so die Kontrolle verloren? Viktor schnaubt. „Kontrolle...“ Er wiederholt das Wort wie ein Mantra. Er muss sich ablenken von seinem Frust. Vielleicht kann er die Übersetzung des alten Textes fortsetzen, den er im Antiquariat gefunden hat...
Er marschiert durch die Scherben, ohne auf diese zu achten, und geht nach oben, dort wo er das alte Pergament zuletzt platziert hat. Dieses Mal sitzt Lilly an ihrem PC. Viktor atmet tief durch. Ihr Anblick hilft. Sie ist das Licht in seinem dunklen Leben. Ein paar Minuten bleibt er stehen, beobachtet sie beim Tippen. Bis er seine Fassade aus Rationalität wieder etwas aufbauen kann. Dann tritt er aus dem Schatten, geht zur Schublade und holt das Pergament hervor.
Lilly lächelt, als sie ihn bemerkt. „Hey, schön, dass du da weiter machst.“ Sie speichert ihren Text ab, lehnt sich in ihren Stuhl. „Finde das sehr faszinierend.“ Viktor zwingt sich nun doch zu seinem Lächeln. „Das ist es auch.“, sagt er kurz angebunden. Er wendet sich wieder zum Gehen, nach unten, Richtung Bibliothek. „Alles in Ordnung?“ Viktor hält inne. Lilly hat es schon wieder geschafft. Hat in ihm gelesen, wie in einem Buch. Wie macht sie das? Er nutzt die Chance nicht. Stattdessen nickt er wortlos und setzt seinen Weg fort. Er kann sie nicht mit reinziehen in seine Dunkelheit. In die aufkommende Depression. Das verdient Lilly nicht.

Unten angekommen breitet er das Schriftstück auf dem Schreibtisch aus. Liebevoll, fast zärtlich, streicht er mit dem Finger über die magischen Runen. Ganz so als hoffte er, dort die Antwort zu seinem Problem zu finden. Es hilft nur bedingt. Schnell muss Viktor merken, dass er heute nicht die Ruhe aufbringen kann, nicht die Konzentration für diese Art von Arbeit. Er starrt auf seine Hände. Er hatte die Geduld, Rasputin jahrzehntelang zu verfolgen.. und jetzt gelingt es nicht einmal, eine halbe Stunde konzentriert zu arbeiten?

Er ist ein Wrack. Rasputin hat ihn gebrochen. Die Erkenntnis trifft Viktor wie ein Schlag. All die langfristige Planung, um den Kerl zu erwischen. Und dabei hat er eines vergessen: Pläne zu machen für die Tage nach der Jagd... Es ist ihm immer so fremd vorgekommen, dass er sein Ziel irgendwann auch erreichen kann. Wer ist er, ohne die Jagd??

All die Ruhe, die er mühsam versucht hat, wieder aufzubauen, schwindet. Viktor erhebt sich so hastig, dass der Stuhl nach hinten kippt. Seine Faust knallt auf den Tisch, ein Zeichen seiner angestauten Wut und seines Schmerzes. Und er hat immer noch nicht genug. All die Jahre hat er seine Gefühle gedämpft, hat sie der Rationalität untergeordnet. Und jetzt, wo das Ventil geöffnet ist, kann er sich nicht halten. „Raahh!“ Mit einem Wutschrei kippt er den Tisch mit aller Wucht um, lässt das Pergament durch die Luft segeln...

… im selben Moment, als auch Lilly die Tür öffnet. Ihr Reflex lässt sie das Schriftstück aus der Luft greifen, bevor es den Boden erreicht. Dann blickt sie perplex auf das Chaos, das Viktor hinterlassen hat. Sie blickt auf den Schreibtisch, und dann auch auf das Glas Wein, das ihm schon vorher zum Opfer gefallen ist. Ohne ein Wort zu sagen und ohne sich zu rühren.
Auch Viktor hält in seinem Tun inne. Er mag ein seelisches Wrack sein, doch er würde nie so tief sinken, Lilly auch nur ein Haar zu krümmen. Bitte, Lilly, bleib bei mir.. Ich ertrag es nicht alleine... Sein Hilferuf bleibt stumm. Viktor bekommt nur ein leises „Lilly!“ aus seinem Mund. Dunkle Gedanken formen sich in seinem Kopf: Sie hat etwas besseres verdient als dich.. Sie ist extra runtergekommen, um nach dir zu sehen, um für dich da zu sein... Und wie dankst du es ihr? Indem du das Mobiliar demolierst??
„Lass uns das wieder in Ordnung bringen, okay?“ Lillys Stimme strahlt eine Ruhe aus, die im Kontrast zu Viktors Gemütszustand steht. „Ich helfe dir dabei!“

Sie stellt keine Fragen, sie verlangt keine Erklärungen... Viktor schließt die Augen. Lillys Worte hallen in seinem Kopf nach. Ich helfe dir dabei .. Er ist sich sicher, dass Lilly das nicht nur auf das Chaos im Zimmer beschränkt hat. Er atmet tief ein. „Okay!“, sagt er schließlich, „Und danke!“
Charaktere: Lilly, Viktor
Geschichtsstrang: Kleine Schritte
Lilly sitzt am Klavier. Ihr Blick fällt auf Viktor, der mit geschlossenen Augen auf dem Sofa liegt. Sie sieht, wie sich sein Brustkorb hebt und senkt. Die Rothaarige seufzt leise. Ihre Musik hat ihn wieder zu etwas Ruhe verholfen, zumindest äußerlich. Doch um ihm wirklich zu helfen wird das nicht reichen. Sie erhebt sich, setzt sich neben ihn. Liebevoll streicht sie über seine langen Haare.

Sie hat ihn immer bewundert. Für seine Zielstrebigkeit. Seinen Intellekt. Seine Loyalität. Aber vor allem, weil trotz seiner kühlen Fassade immer noch Platz für seine Hingabe bleibt. Sie kann ihn nicht im Stich lassen, auch wenn es jetzt nicht so gut für ihn läuft. „Wir finden deinen Frieden, wenn Rasputins Ergreifung ihn dir nicht brachte.“, sagt sie leise. Trotz ihrer Aussage bleiben Zweifel, beißend und laut. Und was, wenn nicht? Was, wenn sie bei Viktor an ihre Grenzen kommt? Hat er den Mord an seinen Eltern überhaupt jemals richtig verarbeiten können? Sie hat doch keine therapeutische Ausbildung. Und Viktor ist noch nicht bereit dazu, einen Experten zu Rate zu ziehen.
Viktor regt sich noch immer nicht. Offenbar ist er eingeschlafen. Ungewöhnlich, ihn so zu sehen, an diesem Ort, um diese Uhrzeit. Doch nach allem, was passiert ist, wird er erschöpft sein. Wenn sie für Viktor nur… Eine plötzliche Eingebung durchbricht ihre Gedanken: Violas Turmzimmer! Der Auszug ist noch nicht lange her. Aber vielleicht kann man dem Raum einen neuen Zweck geben… Doch diese Entscheidung wird sie nicht alleine treffen.

„Viktor, du musst mir helfen.“, sagt sie, kaum dass dieser wieder die Augen geöffnet hat. „Komm mit!“ Sie eilt vor, ins Turmzimmer. „Ich dachte mir, wir könnten den Raum neu einrichten. Irgendetwas neues daraus machen!“ Viktor streicht mit den Fingern über die leeren Wände. Nur einzelne Poster, die Viola hängen gelassen hat, sind noch übrig. „Okay…“, sagt er nachdenklich, „Was schwebt dir vor?“
„Das frage ich dich, Viktor.“ Lilly mustert ihren Gefährten. „Mir fällt nichts ein.“

Ihr fällt nichts ein? Viktor mustert Lilly skeptisch. Das klingt eher nach einer Ausrede. Aber warum sollte sie… Seine Mundwinkel zucken nach oben, als er versteht. Sie will ihm eine Aufgabe geben, ein zumindest kurzfristiges Ziel, um ihm von seinem Schmerz abzulenken. Eine Welle von Dankbarkeit durchströmt ihn. Wo wäre er nur ohne sie? Für einen kurzen Moment sieht er seine Verzweiflung wieder vor sich… den fliegenden Tisch… Wenn Lilly nicht im richtigen Moment da gewesen wäre, er wäre noch weiter ins Loch der Depression gefallen und in seinen Selbsthass.
Viktor lässt sich nicht anmerken, dass er sie durchschaut hat. Er lässt seinen Blick schweifen, mustert jeden Winkel. Was könnte hier rein? Ein Gästezimmer haben sie bereits, und so oft gibt es ohnehin keinen Besuch, der auch zur Übernachtung bleibt. Er könnte sich hier ein Arbeitszimmer gut vorstellen, wo er die Bücher und Dokumente, die er als Historiker braucht, unterbringen kann. Bisher liegen diese in der Bibliothek – die von Lilly ebenso genutzt wird. Ein eigener Rückzugsort, ein Ort der Ordnung inmitten seines inneren Chaos. „Vielleicht…“, beginnt er leise, während vor seinem inneren Auge bereits Bilder entstehen.
Die beiden schleppen Möbel und Bücher hin und her, machen Überlegungen, was noch nachgekauft werden soll. Auch wenn noch Gegenstände fehlen, so nimmt der Umbau einige Stunden später so langsam Gestalt an. „Und das kommt hier hin.“ Viktor stellt das kleine Foto auf den Schreibtisch. Lilly schaut ihm über die Schulter. Das neueste Foto der Familie, kurz vor Violas Auszug entstanden.

Das erinnert sie an etwas: Beim Umräumen ist sie im Keller auf eine alte Kiste gestoßen. „Und was ist hiermit?“, fragt sie und reicht ihrem Gefährten den Fund. Sie mustert ihn aufmerksam, während Viktor die Kiste öffnet und einige alte Familienbilder zum Vorschein bringt.. noch mit Amanda und Silas und einer jungen Version seiner selbst... einem Viktor noch ohne Narben, der in die Kamera lächelt.
Der heutige Viktor zeigt keine deutlichen Emotionen. Die rationale Seite ist wieder in Kontrolle. Doch Lilly kennt ihn lange genug, um die kleinen Nuancen der Traurigkeit zu erkennen, die er nicht vor ihr verstecken kann. Hoffentlich wird er irgendwann dazu bereit sein, sich wirklich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen, um endlich heilen zu können. Bis dahin wird sie geduldig sein und ihn kleine Schritte machen lassen.
„Die könnte ich eigentlich auch aufhängen.“, sagt Viktor schließlich.

Charaktere: Viktor
Geschichtsstrang: Ein Bild zu viel
Der Füller huscht über sein Notizbuch. Auch wenn Viktor mittlerweile etwas mehr Erfahrung mit den technischen Errungenschaften hat als bevor er auf Lilly traf, so bevorzugt er nach wie vor handschriftliche Notizen. Viktors Hände zittern leicht, doch seinem Schriftbild sieht man dies nicht an. Er hat seine Arbeit wieder aufgenommen, hat tatsächlich auch ein gutes Stück der Übersetzung fertig stellen können. Und doch ist es nicht dasselbe wie früher… bevor er ihn endlich erwischte…

Viktor seufzt tief. Jetzt hat die Ruhe wieder die Oberhand. Doch wie lange wird es dauern, bis die Emotionen erneut zu kämpfen beginnen? Sein Blick fällt auf die eingerahmten Fotos an der Wand. Seine Eltern… und sein altes Ich, das ihn dämlich angrinst.. und das ihm so fremd geworden ist. Er kann es nicht ertragen. Viktor erhebt sich, nimmt sein Foto ab. Wie naiv er damals noch war, und wie unbeschwert… Er presst seine Finger gegen den Rahmen. So viele verlorene Jahre… So viele Jahre hat er mit der Jagd nach dem Mörder seiner Eltern verbracht, hat sich selbst dafür aufgegeben.. und am Ende seiner Jagd nicht einmal den erhofften Frieden finden können.

Immer stärker pressen seine Finger gegen den Rahmen, ganz so als wollte er diesen und das Foto mit seinen bloßen Händen zerbrechen. Doch er widersteht dem Impuls, genau das zu tun. Er darf seinem Frust nicht erneut das Ventil öffnen.. Stattdessen verstaut er das Foto umgedreht in seiner Schublade. Da kann es ihn wenigstens nicht mehr so dämlich angrinsen. Und nicht mehr an das erinnern, das er verloren hat.
Viktor lehnt sich im Sessel zurück, atmet erleichtert aus. Viel besser. Er hatte die Bilder Lilly zuliebe aufgehängt, hatte noch gedacht, dass er damit klarkommen würde. Aber Lilly würde es verstehen, dass er eines davon nun doch abhängen musste. Würde ihn dafür nicht verurteilen.

Lässt du dich jetzt schon von einem banalen Foto triggern? Wie tief bist du gesunken, Viktor?
Der Vampir versucht, die dunklen Gedanken zu verdrängen. „Ich bin nicht alleine!“ Dann wiederholt er den Satz, diesmal mit lauterer Stimme. „Ich bin nicht alleine!!“
So viele kluge Texte hatte er in seinem langen Leben schon gelesen, mit so vielen Gelehrten gesprochen. Doch die wichtigsten Worte seines Lebens waren eigentlich ganz simpel: Lass uns das wieder in Ordnung bringen, okay? Ich helfe dir dabei! Ob Lilly sich dessen bewusst ist? Vielleicht nicht. Für sie ist es einfach nur eine Selbstverständlichkeit, für ihn da zu sein. Doch für ihn bedeuteten die Worte in diesem Moment die Welt, gaben ihm den Halt, den er so dringend brauchte. Ein leichtes Lächeln bildet sich. Ein Hoffnungsschimmer.
Und sie gibt sich für dich auf, so wie du dich für die Jagd aufgegeben hast! Du bist eine Belastung, Viktor!
Sein Lächeln schwindet. Haben die inneren Dämonen Recht damit? Es stimmt schon… Lilly hat in den letzten Tagen darauf verzichtet, sich mit Freunden zu treffen, etwas zu unternehmen. Weil sie da sein wollte, wenn er sie braucht. Sie verzichtet auf ihr Leben.. stellt sich selbst in den Hintergrund… für ihn… Aber was, wenn es zu lange dauert? Wann wird es zu viel für sie?

Nein. Nein, so darf er nicht denken. Er muss vertrauen. Sie weiß, was sie tut... „Ich werde ihr alles zurück geben, wenn ich wieder in der Lage dazu bin.“, sagt Viktor bestimmt. Hoffentlich ist Veronika bald soweit, damit es bei dem Projekt weiter geht, Lillys Karriere voran zu bringen. Dann wird er sich für sie aufopfern, ihr mit seiner eigenen Zielstrebigkeit helfen, bis es klappt und sie ihren Traum erfüllen kann. Und wenn er sie dann auf der Bühne beobachten kann… am Klavier und in ihrem Element … dann ist das auch für ihn selbst eine Therapie.

Die Dämonen schweigen – zumindest für jetzt. Er atmet tief durch, entspannt langsam die Finger, die sich unbewusst in die Tischkante gekrallt hatten. Dieses Mal hat er gesiegt.
Charaktere: Gary, Lilly, Viktor
Geschichtsstrang: Virtuose Schattenjagd
Lilly lehnt sich entspannt zurück und wirft einen letzten prüfenden Blick in den Raum. Sie hat sich heute richtig in Schale geworfen – ganz in Schwarz, elegant und schlicht. Die Vorbereitungen waren mühsam, aber das Video muss einfach perfekt werden. Dieses Mal soll es klappen. Kurz hat sie sogar darüber nachgedacht, die Eventhalle für den Dreh zu mieten. Die Idee war verlockend, aber am Ende hat sie sie verworfen. Zu groß, zu leer ohne Publikum, und außerdem zu teuer – gerade für ein Projekt, dessen Erfolg noch in den Sternen steht. Hier in der Villa ist es zwar schwieriger mit Lichteffekten zu arbeiten und sie mussten die Möbel bis auf den Flügel in den Nebenraum transportieren, um mehr Platz zu haben. Aber dennoch ist es die richtige Wahl gewesen.

Eine Kombination aus ihrer Musik und ihren Krimis. Mit dieser Idee ist sie hoffentlich einzigartig genug, um Interesse zu wecken, zumal das Publikum ja auch Meisterhaftes zu hören bekommt. Wenn es wirklich klappt. Langsam lässt sie ihre Finger über die Tasten des Flügels streifen. Tasten, die ihr so vertraut sind. Sie schließt die Augen. Sie schafft es ohne Probleme, auch blind zu spielen. Die Noten fließen wie von allein aus ihr heraus und helfen ihr, die Nervosität zu dämpfen. Die sanfte Melodie. Die Ruhe.

Als sie die Augen wieder öffnet, lässt sie ihren Blick schweifen. Das Musikzimmer hat sich auch verändert. Mit Hilfe von Gardinen und Stoffen wird eine Atmosphäre geschaffen, die auch ohne professionelles Equipment beeindruckt. Viktor steht hinter der Kamera und zeigt ihr den Daumen nach oben, als Zeichen, dass er bereit ist. Lilly lächelt. Sie hätte ihn gern an ihrer Seite vor der Kamera, doch das Rampenlicht ist einfach nicht seine Welt. Er fühlt sich hinter der Kamera wohler – im Hintergrund, aber unersetzlich. Gary jedoch war interessiert. Und so ist er es, der in die Rolle des Kommissars Jan Berger schlüpft.

Veronika hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Berger trägt jetzt seinen berühmten extravaganten Mantel, der sich, wie in den Büchern beschrieben, wenden lässt, um bei Bedarf unscheinbarer zu wirken. Lilly muss lächeln. Es ist ein seltsames Gefühl, den Charakter, den sie erschaffen hat, so lebendig vor sich zu sehen – als wäre er direkt aus den Seiten ihrer Bücher getreten.
„Und Gary? Wie fühlst du dich in deiner neuen Mode?“, fragt sie ihn. Ihr Lächeln ist herausfordernd, beinahe schelmisch und ihre Augen blitzen voller Vorfreude.
Gary blickt an sich herunter, streicht über den seidigen Stoff, die akkuraten Nähte und nickt anerkennend. „Als wär‘s für mich gemacht.“, sagt er lächelnd. „Deine Freundin ist auch eine Künstlerin. Eine mit Nadel und Faden. In dem Mantel fasst Jan Berger jeden Täter und sein Talisman hat auch Platz.“

Ohne jemals geschauspielert zu haben, hat ihn die Idee eine Fusion aus Musik und Krimi mit Lilly umzusetzen, sofort elektrisiert. Gut dass das Equipment gestellt wird. Der Sommer steht vor der Türe und Garys Garderobe bedarf einer Anpassung. Wühltischtour nennt er das im Stillen, wenn er in den überquellenden Altkleidercontainern nach gut erhaltenen Sachen kramt. Meistens liegen vollbepackte Tüten daneben, aus denen er sich bequem ein neues Jahreszeitsortiment zusammen stellen kann. Bisher steht diese Runde für die warme Saison noch aus und in der Winterkiste hätte sich nichts passendes gefunden für die Bühne. "Jan Berger ist bereit sich allem zu stellen damit die Gerechtigkeit siegt.", sagt er mit breitem Grinsen. "Was hast du dir für ein Szenario gedacht? Eine bestimmte Szene aus einem der Bücher? Stellen wir die nach oder willst du, dass ich frei interpretiere?" Sein Blick hüpft zwischen Lilly und Viktor hin und her. Der Vampir hebt nur lächelnd die Schultern und weist mit amüsiert zuckenden Brauen gen Lilly. Aha, er ist nur für das Filmen zuständig. "Was ist der Plan?" Gary wendet sich schwungvoll um und signalisiert Tatendrang, in dem er, wie Berger in den Büchern, von einem Bein auf das andere tritt, ohne sich von der Stelle zu bewegen.
„Die kleinen Details des Charakters beherrscht du jedenfalls schon perfekt.“, freut sich Lilly lächelnd. Sie holt ein Buch hervor, und reicht es Gary zum Lesen: Das letzte Indiz „Ich habe an diese Szene hier gedacht.“ Sie wartet, bis Gary fertig gelesen hat. „Ich sagte ja schon, dass Berger von Viktor inspiriert wurde. Und wenn du etwas über Viktor wissen solltest, dann, dass er verdammt zielstrebig ist und...“ - „Wie ein Bluthund.“, ergänzt dieser zynisch. Sein Gesichtsausdruck lässt keinen Schluss zu, was er gerade denkt.

Lilly ahnt, worauf er anspielt, doch sie klärt Gary nicht auf. Stattdessen fährt sie fort: „Berger lässt sich also nicht leicht ablenken, zumindest nicht, solange es hell ist. Vielleicht kannst du also an Viktor denken, wenn du mal nicht weißt, wie genau du ihn ausspielen sollst, mal außerhalb der kleinen Details, die jetzt nichts mit ihm zu tun haben.“ Sie lächelt. „Aber wenn du dich gut einfinden kannst, darfst du auch gerne improvisieren. Solange es zum Charakter passt und die Szene richtig rüber kommt. Was meinst du? Traust du dir das zu?“ Die Szene beschreibt Berger bei der Verfolgungsjagd am Bahnhof, bei der auch der Mantel eine Rolle spielt, als er sich verkleiden muss.
Gary wirft Viktor einen Blick zu. Die Tatsache, dass er Lilly zu ihrer berühmten Romanfigur inspiriert hat, berührt ihn irgendwie. Schon öfter hat er gedacht, dass die beiden außer ihrem Vampirdasein nicht allzu viel verbindet, wenn man dem äußeren Schein glauben mag. Der in sich gekehrte Viktor, schweigsam und schwer zugänglich und die offene, der Welt zugewandte, Lilly. Sicher liegt auch manches in ihrer menschlichen Vergangenheit begründet, sie hat keine mehr als hundert Jahre Vergangenheit auf dem Buckel. Kaum vorstellbar, was Vik in dieser Zeitspanne alles erlebt haben muss. Immer wieder bekräftigt einer der beiden, die gegenseitige Zuneigung durch Worte oder Gesten wie diese. Viktor ist Lillys Muse. Romantisch. "Ich werd an die Vorlage denken. Lass uns anfangen."

Lilly lächelt... Und beginnt.
Das Stück beginnt langsam, geheimnisvoll. Perfekt für Bergers Ankunft am Bahnhof. Die Musik zeigt seinen Charakter... Diese stoische Ruhe.. Ein Stück, das es leicht macht, das Tempo zu erhöhen, wenn die Szene es verlangt und Berger seine Zielperson entdeckt oder den Manteltrick durchführt...
Viktor lächelt, während er der Musik lauscht. Irgendwie fühlt er sich an seine eigene Jagd erinnert.. nur, dass er diesmal den Gejagten spielt. Bereits jetzt ist seine Schattenfigur bereit, die er mit Lichteffekten projiziert. Das Target für Berger. Doch noch wartet er auf seinen Einsatz.
In Resonanz zu Lillys Spiel pirscht sich Gary bedächtig durch die imaginäre Bahnhofshalle. Bewegt sich drei Schritte vor, einen zurück. Schlängelt sich an Grüppchen von Schattenreisenden mit Gepäck vorbei, die Viktor als Umrisse projiziert und nähert sich im typisch wippenden Gang des Kommissars, unauffällig der verfolgten Zielperson: Percy Manson, einem Meisterdieb auf der Flucht ins Ausland. Ein intensiver Anschlag von Lilly lässt ihn inne halten. Passend zur Musik schlüpft er aus seinem extravaganten Mantel, schwingt ihn auf Links und präsentiert nun mit einem zufriedenen, siegessicheren Grinsen die unauffällige Seite, die es Berger ermöglicht in der Masse unter zu tauchen, ohne Blicke auf sich zu ziehen.

Viktor lässt die Schattenschnitte der Reisenden nun fallen. Diese Figuren haben ihre Schuldigkeit getan. Für die Verfolgungsjagd sollte er sich nur noch auf eine Figur konzentrieren: Percy Manson. Als Lillys Stück langsam ausklingt, lässt er Percy inne halten, suchend. Wie sich Rasputin wohl gefühlt haben muss, als er am Ende dann doch noch überwältigt wurde? Percy will dieses Schicksal jedenfalls nicht. Er bemerkt den Kommissar trotz dessen Tarnung... und die Verfolgungsjagd nimmt an Tempo zu.
Am liebsten hätte sich zurück gelehnt und Lilly einfach nur gelauscht... anstatt sich darauf zu konzentrieren, Percy im richtigen Takt und Tempo zu bewegen. Aber wenn Lilly das schafft, dieses Tempo beizubehalten, ohne auch nur einen Fehler zu machen... sollte er es auch hinkriegen, eine einzelne Figur zu steuern. Sobald auch Gary das Tempo erhöht, lässt Viktor Percy die Flucht ergreifen. Wenn das wirklich klappt mit den Konzerten, wird jemand anderes die Schattenfiguren übernehmen, und ich genieße einfach nur die Show...

Mit zunehmendem Tempo des Klavierspiels schlägt Garys Schattengegner Haken, die dem Kommissar alle Raffinesse bei der Verfolgung abverlangen. Wie Ballettpartner umkreisen sich die beiden Gestalten, verlieren sich, sichten sich wieder und beschleunigen erneut die Verfolgung. Gary legt sich mit wehenden Mantelschößen ins Zeug, reckt den Arm schon nach Percy, der sich um hundertachtzig Grad dreht, seinen Verfolger spöttisch umtänzelt und in die Gegenrichtung entflieht. Berger setzt nach. Gary spurtet zu Lillys anspornendem Tastenlauf über die gesamte Länge der Kulisse, aber ein großes Schattengepäckstück, dass Manson ihm in den Weg wirft, streckt ihn der Länge nach nieder. Zu den letzten Klängen sieht Berger dem entschwindenden Täter nach, während er sich mit frustrierter Miene wieder auf die Beine rappelt. Gary denkt an Viktor, ehe er kampfesbereit die Faust ballt und drohend in Richtung geflohenem Meisterdieb erhebt. So leicht lässt sich ein Jan Berger nicht abschütteln.
Viktor hebt den Mundwinkel. Das Timing war kompliziert gewesen, als er mit der einen Hand Percys Figur steuerte und mit der anderen den fliegenden Koffer. Aber irgendwie hat es doch noch geklappt. Die stundenlangen Proben vorher - ohne Kostüm und Video - haben sich bezahlt gemacht. Es tut ihm gut, sich auf etwas anderes konzentrieren zu können und nicht nur auf die Depression, die er noch immer nicht vollständig überwunden hat. Doch bei Garys gespieltem Stolpern muss er sogar kurz auflachen. "Also das war fast ein bisschen zu theatralisch.", grinst er. Trotzdem bleibt die Szene so im Kasten.

Lilly wischt sich eine einzelne Träne aus dem Auge, als sie Viktors Lachen hört. Wie schön es doch klingt, nach all dem Stress... Doch sie kennt Viktor. Langfristig braucht er eine neue Herausforderung.
Sie streckt sich. "Das waren die Bahnhofsszenen. Gute Arbeit! Es geht dann weiter in der verregneten Gasse. Zeit, für einen Bühnenumbau." Sie nutzt die Pause, um den Männern Getränke anzubieten und sich selbst etwas Orangensaft zu gönnen. Vor Garys Augen verzichtet sie auf einen blutigen Drink. Etwas neidisch blickt sie zu Viktor und dessen Wahl. Auf Rotwein hätte sie auch mal wieder Lust. Aber nicht, so lange sie schwanger ist.
"Um dich auf die kommende Szene einzustellen: Es geht um Kontrolle, verstehst du?" Viktor schleppt gemeinsam mit Gary Irinas großes Bild vor die Kamera, der Szenenwechsel. "Berger versucht anfangs noch, alles zu kontrollieren, trotz der Dunkelheit. Versucht, eher auf Geräusche zu achten, nicht in Panik zu geraten. Aber nach und nach passiert das trotzdem. Und niemand verliert gerne die Kontrolle.. Erst recht niemand, der mir nachempfunden wurde..." Vor seinem inneren Auge wiederholt sich die Szene, als die Verzweiflung Überhand nahm und der Tisch das Fliegen lernte. Für einen kurzen Moment verliert er sich erneut in der Melanchonie.

Nachdem die Kulisse steht, ruft sich Gary noch einmal Viktors Worte und Tonfall ins Gedächtnis. Kontrolle. Die Eindringlichkeit mit der ihm der Vampir das eingeschärft hat, verwundert Gary etwas. Das Thema scheint ihn sehr zu beschäftigen. Sein eigener Fokus bei Berger lag mehr auf der Strategie, mit der er seine innere Anspannung in der Dunkelheit bekämpft, die seine große Schwäche und wunden Punkt darstellt. Viktors Augenmerk scheint mehr auf dem Erhalt des Status quo zu liegen. Mal sehen wie er seine Interpretation des Themas finden wird.
Sein Glas mit Rotwein hebend, prostet er der Reihe nach Lilly und ihrem Mann zu. "Auf unsere Autorin und Virtuosin des Abends. Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß, wie mit Jan Berger heute.", sagt er lächelnd und nippt an der tiefroten Flüssigkeit. Trocken und vollmundig. Vik ist also auch noch ein Weinkenner. "Dieser Kommissar wird mich zur Leseratte machen."
Lilly muss schmunzeln. "Das freut mich. Neue Leser sind immer willkommen." Die Finger auf die Tasten gelegt, überprüft sie das Zimmer um sich herum. Alles scheint bereit. Die Kamera wird wieder eingeschaltet. Und Lilly ist wieder in ihrem Element..
Der Regen beginnt langsam, fast sanft. Lillys Musik lässt die Tropfen deutlich hörbar fallen, immer schneller. Sie schließt die Augen, spürt den Regen, den die Töne simulieren, spürt die Atmosphäre. Viktors Arbeit am Scheinwerfer - der sich diesmal nicht um Schattenfiguren kümmern muss - unterstützt die Szene. Ihr Lebensgefährte lässt das Licht flackern, lässt die Schatten tanzen. Bis es schließlich ganz erlöscht...

Berger betritt mit suchendem Blick die Szenerie. Es herrscht gedämpfte Beleuchtung, die Dämmerung setzt ein. Zielstrebig schreitet Gary vorwärts, spürt regelrecht wie Lillys Regentropfentöne auf seinen Mantel treffen, zieht den Nacken ein und schüttelt die Klangtropfen spielerisch von den Händen ab. Er scheint jemanden zu entdecken, wechselt die Richtung und nimmt, locker in den Knien wippend, die Verfolgung auf. Plötzlich hält er inne. Seine Miene verfinstert sich bei Lillys Molltönen, ein besorgter Blick geht gen Himmel. Langsam wird es dunkler, Viktor simuliert einen Blitz, das Licht schwindet immer mehr. Lillys Spiel wird intensiv, beklemmend, steigert sich im Tempo. Berger wickelt sich enger in seinen Mantel, eine Hand fährt in die Seitentasche und scheint etwas zu packen. Garys Körpersprache wird mit zunehmender Dunkelheit fahrig und unsicher. Die weit aufgerissenen Augen signalisieren sich steigernde Angst. Je finsterer es wird, desto panischer und planloser bewegt sich der Kommissar.

Das Licht erlischt. Für ein, zwei Sekunden herrscht Schwärze. Lillys Spiel untermalt dramatisch, bis ein weiterer Blitz aufflammt. Jan Berger, kauert verängstigt in der Hocke . Dann zieht er eine kleine, schwarze Plüschkatze aus seiner Manteltasche und hält sie ins Licht. Ihre grellgelben Augen leuchten angriffslustig. Sie macht einen Buckel und das gestickte Gesicht faucht bösartig.
Garys Hand schließt sich fest um den Talisman, während ringsherum das Licht wieder zu flackern beginnt. Diese Katze ist Bergers Rettung, wenn die Angst vor der Dunkelheit ihn zu überwältigen droht. In den Büchern greift er heimlich, im Tascheninneren nach ihr, aber für die Szene auf der Bühne braucht es Sichtbarkeit. Katzen gehen mit Argusaugen durch die Dunkelheit, bewegen sich schlafwandlerisch in ihrem Schutz und jagen äußerst effektiv in der Nacht. Das ist es, was sich der Kommissar in diesen Momenten in Erinnerung ruft, das ist es, was auch seine Stärke im Beruf ist. Anpirschen, jagen und ergreifen. Das Tier erinnert ihn an sich selbst, lässt ihn die Spur wieder finden.
Lillys Spiel wird wieder verhaltener. Sanft perlen die Töne in den Raum. Viktor schickt langsam Licht in die Szene und Gary richtet sich zu seiner vollen Größe auf. Entschlossen verschwindet das Maskottchen wieder im Mantel. Berger sieht sich konzentriert um, grinst und schlägt gewohnt zielstrebig die Richtung ein, in der er sein Schattenziel wieder entdeckt hat.
Lillys Finger bleiben noch auf den Tasten liegen, auch nachdem das Lied geendet hat. Sie grinst, stolz auf das, was sie gemeinsam geschafft haben. "Super, Jungs!" Sie lächelt erst Gary, dann Viktor an. "Ich danke euch für eure Mithilfe."

Viktor nickt nur. Nein, er hat ihr zu danken. Er hat tatsächlich durchgehalten, bis zum Ende. Trotz seiner momentanen Rastlosigkeit. Weil sie es wert ist, dass er sich für sie ins Zeug legt. Weil sie mehr als einmal bewiesen hat, dass sie für ihn da ist. Weil sie und ihre Musik sein Anker ist. Es war an der Zeit, ihr etwas zurück zu geben. Er winkt ab und widmet sich der Kamera. Nun kommt auch Lilly hinzu. Zu dritt überprüfen sie die Aufnahmen, die allesamt gut im Kasten sind. Jetzt muss die Akademie sie nur noch annehmen... Die eigentlichen Konzerte werden länger werden, mit mehr Liedern und Akten. Doch um ihr Konzept zu verdeutlichen, sollten diese Beispielszenen ausreichen.
"Das war eine faszinierende Erfahrung für mich. Ich hätte nie damit gerechnet, einmal in dieser Form auf einer Bühne zu stehen. Ich danke DIR dafür, Lilly." Er wendet sich zu ihrem Mann.. "Du hast es mir leicht gemacht, mit deinen genialen Licht-und Schattenspielen, Vik. Ich finde, wir drei sind ein richtig gutes Team geworden heute." Die Freundschaft mit Lilly hat ihm schon einige Gelegenheiten zur Horizonterweiterung geschenkt, das ist nicht selbstverständlich für Gary. Er ist auf der Suche nach seiner Bestimmung, der einen Sache oder Beschäftigung, die ihm das Gefühl gibt, angekommen zu sein. Musik zu machen erfüllt ihn, ist aber nur ein Teil der Sinnhaftigkeit, die Gary anstrebt.

Er möchte sich weiter und tiefer entdecken, um irgendwann etwas schaffen zu können, aus tiefster Übereinstimmung mit seinem Wesen, seiner Seele. Die heutige Erfahrung, ist eine neue Facette seiner Persönlichkeit, die er entfalten durfte. Überraschend intensiv packt ihn das Gefühl, dass es richtig war, seinem alten Leben den Rücken zu kehren, auch wenn er damit seiner Familie Schmerz zugefügt hat. Es gilt noch einen langen Weg der Entdeckung zu gehen.
"Den Mantel kannst du bestimmt auch mal privat nutzen, wenn du ihn brauchst.", bietet Lilly schließlich noch Gary an. "Du verkörperst Berger so, wie ich ihn mir vorgestellt habe."
Gary wehrt lächelnd ab. "Nein, den lass ich besser in deiner Obhut, Lilly. Bei meinem Lebensstil würde er schneller Schaden nehmen, als uns lieb ist. Der Mantel gehört Jan Berger und wird ihm bestimmt noch oft gute Dienste leisten.", bekräftigt er optimistisch die Zukunftspläne, für die sie heute einen soliden Grundstein gelegt haben.

Viktor nickt nur nach Garys Lob. Er weiß nicht, was er erwidern soll. Dass Lilly ihm hilft, den Fokus zu bewahren? Dass er ohne sie noch immer in seinem dunklen Loch stecken würde? Er schweigt lieber, als Gary Hinweise zu seiner Depression zu geben.
Lillys Enthusiasmus ist nicht zu übersehen. "Es ist gut zu wissen, dass Musik nicht nur verbindet, sondern auch neue Wege öffnet." Sie scheint nicht beleidigt zu sein, dass Gary ihr Angebot ablehnt und faltet den Mantel nun zusammen, "Und wer weiß schon, wohin uns diese Wege führen werden."
In Zusammenarbeit mit @simscat2
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