Sulani

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23.04.2023 16:29 (zuletzt bearbeitet: 26.04.2023 15:55)
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Hausmeister

Shane - letzter Post

Charaktere: Shane / Jordyn
Geschichtsstrang: Sing mir ein Lied für den Ozean II


In der Hütte ist Stille eingekehrt. Außer dem gleichmäßigen Atem der Zimmergenossin, vernimmt Jordyn nur das leichte Rauschen des Meeres vor den Fenstern.
Der Teenager greift nach der kleinen Uhr auf dem Nachttisch und tastet vorsichtig über die kräftigen Zeiger. In zehn Minuten ist Mitternacht.
Jordyn klappt die Decke an Fußende und steht auf. Leise nimmt er seine Jogginghose vom Stuhl und verlässt das Zimmer, um schließlich nach draußen zu gehen.
Seine Füße graben sich in den kühlen Sand ein und er atmet die salzige Luft. An der Seite des Grundstückes hatte er am Tag eine Bank entdeckt, auf die er jetzt mit einem ausgestreckten Arm zusteuert und beinahe in die Büsche läuft. Er bleibt stehen und versucht die Eindrücke der Ankunft wachzurufen. Doch hatte er scheinbar nicht genug Zeit gehabt, sich alles einzuprägen. Schließlich lässt er sich in den Sand sinken und zieht sich die lange Hose über.



Shane war noch nie in Sulani. Er hatte immer angst zu verbrennen. Die langen Nächte im Winter kommen ihm gelegen und er freut sich auf das Treffen mit seinem neusten Freund. Er muss immer mal wieder landen um den Standort zu checken den dieser ihm geschickt hatte bis er Endlich das Gebiet erreicht hat. Da er als Fledermaus nicht besonders weit sehen kann, fliegt er tief den Radius in dem Jordyn sich befinden muss ab und landet schließlich neben ihm im Sand. Der Boden ist so weich. Weicher als in Oasis Springs. Der Vampir kann sich nicht erinnern jemals in seinem Leben am Strand gewesen zu sein. Naja, die Insel, auf der das Festival stattgefunden hatte, aber.... "Hi Jordyn." sagt er freundlich und lässt sich neben ihm in den Sand fallen, da er davon ausgeht dass er hier absichtlich sitzt und den weichen Untergrund direkt neben der Natur zu genießen. Kurz darauf muss er sich den Pullover über den Kopf ziehen. "Wie warm es hier ist." bemerkt er, jetzt im T-Shirt. "Total schön."
"Hey, mein Freund.", grüßt der Blinde. "Schön, dass du es geschafft hast. Ich hoffe, die Reise war nicht zu anstrengend."
"Ich bin schon weiter geflogen." entgegnet er mit kaum hörbarem, bestürztem Unterton. Shane blickt sich um und bleibt beim Meer hängen. "Bist du schon den ganzen Tag hier? Was habt ihr gemacht? Warst du schon im Wasser? Ist es kalt?" fragt er mit neuer Energie.
Jordyn lacht bei dem Schwall an Fragen. Beinahe kommt ihm der Vampir wie ein aufgeregtes Kind vor.
"Wir sind gegen Mittag angekommen. Und im Wasser war ich auch schon." Er zieht die Augenbrauen in die Stirn. "Es ist ziemlich kalt. Bist du trotzdem bereit dazu?"



Shane sackt ein wenig zusammen. Wasser ist nicht sein Ding. Er hat auch nie wirklich schwimmen gelernt. Alles was er kann ist wie ein Hund herum paddeln, was zum einen ultra Anstrengend ist auf Dauer und zum anderen macht es alles andere als Spass. Aber er will Jordyns Freude nicht dämpfen und sagt: "Ja klar." Die kälte spielt dabei weniger eine Rolle. "Habt ihr heute schon eine coole Stelle dafür gesehen?" Shane verstummt. Verdammt. "Äh.. ich meine... ........ ich bin so blöd. Tut mir Leid. Ich wollte sagen ob ihr schon an einem guten Ort wart..." beschämt senkt der Vampir den Kopf.
Noch einmal lacht der Brunette, dieses Mal etwas leiser, aber dennoch klingt es ehrlich. "Schon okay, das macht nichts.", sagt er mit warmer Stimme. "Hinter dem großen Wasserfall ist ein Vulkan. Dort ist vielleicht eine geeignete Stelle."
Shane schaut auf, "Ich glaub in einem Vulkan schwimmen ist nicht so ne gute Idee."
"Nicht darin. Obwohl es bestimmt wärmer ist. Ich dachte an dahinter.", erklärt Jordyn.
Shane kennt sich hier nicht aus. „Kommt man denn da leicht hin?“ er bedenkt, dass sie laufen müssen und er muss noch mehr auf die fremde Umgebung achten als sonst.



"Da ist angeblich eine Wanderroute.", murmelt der Blinde. Das hat er nur aufgeschnappt. "Die Alternative ist, dass du dich umsiehst. Vielleicht entdeckst du etwas..."
Schweigend denkt der Vampir darüber nach und erinnert sich an Jordyns Abenteuerlust. Lächelnd steht er auf, "Lass uns einfach los gehen.
Jordyn erhebt sich aus dem Sand und klopft sich die Jogginghose ab. In der Hand hält er seinen zusammengefalteten Stock. Sie verlassen das Grundstück und betreten die Straße ins Dorfinnere. Vereinzelt hört Jordyn Geraschel in den Büschen, irgendwo linkerhand knistert ein Lagerfeuer am Strand.
Shane geht neben ihm her und beobachtet die dunklen Palmen die im Wind rauschen, und die Wellen die am Strand brechen. Er mag es hier. Die Nacht ist wunderschön und die Sterne funkeln klar am unbewölkten Himmel.



Nach einer Weile wird das Geräusch von fallendem Wasser immer lauter und Shane entdeck die Wolke aus Wassertropfen die sich in die Luft verflüchtigt. "Da ist es!" freut er sich und blickt die Klippe hinauf. "Woa.." Vor dem Wasser bleiben sie stehen und Shane beugt sich hinab um die Hand ins Wasser zu halten. Kalt. Aber vor allem Nass. Die Vorstellung da rein zu gehen, beschert ihm eine Gänsehaut.
Jordyns Gesicht umspielt ein breites Lächeln. Es muss ein atemberaubender Anblick sein. Das Wasser dröhnt laut in seinen Ohren. Einige helle Klangspritzer verraten ihm, dass Shane eine Hand oder einen Gegenstand ins stürzende Nass gehalten haben muss.
"Und?", fragt er mit lauter Stimme. "Ist das ein guter Ort?"
Shane schaut sich die Felsen an die den Wasserfall umgeben. Etwas unterhalb gibt es einen Vorsprung der ohne klettern zu erreichen ist. Er betrachtet das Wasser, was tief genug wirkt. Es ist schwer zu sagen was am Boden des klaren Wassers ist, aber es wirkt nicht als ob dort spitze Steine liegen würde. Er sieht im Dunkeln besser als andere und vertraut darauf, dass er sich nicht irrt. "Ja ich glaub schon." nickt Shane und wird ein wenig nervös. Was wenn etwas schief geht? Jordyns überfürsorgliche Mom wird ihm das nie verzeihen.



"Keine Ahnung.", entgegnet der Blinde. Er hat sich lange überlegt, ob er dieses Abenteuer tatsächlich wagen will. Noch blinder kann er nicht werden. Er könnte sich das Genick brechen und ... drauf gehen. Oder im Rollstuhl enden. Einen Moment ist er kurz davor, umzudrehen. Aber etwas in ihm, lässt das nicht zu. Er will springen. Er muss springen. Ein Sturz vom Dach brachte ihn vor sechs Jahren ums Augenlicht. Lange hatte er Albträume deswegen. Aber seit einer Weile wächst in ihm der Drang, die Höhe zu erleben. Zu springen. Zu fallen. Vielleicht ist es wie der Gedanke, wieder aufs Pferd aufzusitzen, obwohl man gefallen ist. Jordyn weiß nicht, was ihn dazu treibt, aber er weiß, dass er es tun muss. Er muss sich seiner Angst stellen. Nur so, hat er das Gefühl, kann er mit dem Unfall abschließen.
"Ich habe echt Angst.", fasst er seine Gedanken zusammen. "Aber ich muss das machen." Er streckt den Arm nach vorn und spürt die Kälte, die vom herabstürzenden Wasser ausgeht. Sein Herz beginnt heftig zu schlagen.
"Wenn was schief geht, ...", er dreht sich zu Shane herum und sucht mit der Hand seine Schulter. "... dann warst du nie hier.", sagt er ernst. "Versprich mir, dass du nicht in Schwierigkeiten kommst wegen mir."
Das hilft dem Vampir nicht besonders sich zusammen zu reissen. Er fühlt sich verantwortlich. Shane senkt den Kopf. "Ich bin kein guter Lügner.." sagt er so ernst, das es fast wieder herzerwärmend ist.
Jordyn lächelt sanft. "Danke, dass du dich sorgst.", sagt er. "Es tut mir leid, dass ich dir das antu. Du kannst jetzt entscheiden, ob du gehen oder bleiben möchtest."
Shane denkt darüber nach und schüttelt den Kopf, „Nein, wir machen das…“ er seufzt geräuschlos, sollte er ihm sagen… nein er schafft das. Mit gezwungenem Lächeln sagt er, „Das wird cool…“



"Okay." Jordyn atmet gepresst durch spitze Lippen aus. Der Versuch, die anwachsende Angst unter Kontrolle zu bringen, gelingt nur mäßig. "Gib mir einen Moment.", sagt er leise und faltet den Stock zusammen. Links neben ihm verflüchtigt sich der Schall in offenes Gelände, während rechts nichts hindurchdringt. Das laute Rauschen des Wasserfalls verschluckt viele Geräusche, also spart Jordyn sich das Schnipsen. Stattdessen orientiert er sich am Luftstrom der von vorn an seinem Gesicht vorbei zieht. Mit den Füßen scharbt er einige Male leicht über den Boden und tastet sich Zentimeterweise bis zum Abgrund vor. Drei Fuß misst er rückwärts ab und zieht mit der Ferse eine Linie in den Staub, die so breit ist, dass man nicht an ihr vorbei kommt. "Ist das sichtbar?", fragt er dann.
Shane beobachtet sein tun und blickt dann auf die gebogene Linie. "Ja?" fragt er ein wenig irritiert. "Wofür ist die?"
Aus der Hosentasche zieht er einen dünnen Gurt mit zwei Schnappverschlüssen. Ein Ende hält er Shane entgegen.
"Das kommt um die Hüfte. Damit merke ich dich, wenn wir rennen.", erklärt er. "Wenn ich den markierten Bereich betrete, sagst du 'Jetzt'. Dann weiß ich, dass es Zeit ist...", er amtet noch einmal kräftig aus und kann sich ein aufgeregtes Grinsen nicht verkneifen, "... zu springen." Einen kurzen Moment schweigt er und sammelt seine Gedanken. "Wenn du den Finger auf dem Verschluss lässt, kannst du ihn schnell öffnen, wenn irgendwas ist. Ich meine,", er hebt den Kopf und lacht leise, "spätestens im Wasser sollten wir uns trennen. Laufen geht mit dem Teil gut, aber beim Schwimmen behindert es irgendwie." Den Gurt legt er um die Hüften und tritt nervös von einem Fuß auf den anderen. "Alles klar?"
Shane sieht den Gurt eine Weile an und nickt. „… ich meine ja.“ den Kopf zu Jordyn wendend, „Weisst du wo oben und unten ist Unterwasser?“ fragt er zweifelnd.
Überrascht ziehen sich für eine Sekunde die Augenbrauen des Blinden zusammen. "Ich hatte nicht vor, Purzelbäume zu schlagen, aber im Notfall kriege ich das hin, ja."



"Gut." sagt Shane, mehr um sich selbst zu beruhigen. Sein Atem wird flacher. Das andere was er neben Wasser nicht leiden kann ist Fallen. Wobei das Fallen nicht der Punkt ist sondern eher der Aufprall. Es ist Wasser, kein Beton. Sagt er sich. "Also gut." er kann das Zittern in der Stimme nicht ganz verbergen. Er geht rückwärts und zieht dabei am Gurt. Er schaut das beide bereit in die Richtige Richtung blicken und zählt runter. "Drei...." Shane räuspert sich, "Zwei..." Sein Herz klopft laut. "Eins..." Shane setzt sich in Bewegung, achtet dabei auf Jordyn der es ihm gleich tut und als dieser die Linie betritt ruft er laut, "Spring!"
Jordyn versucht bewusst zu atmen. Sein Herz rast. Einatmen, kurz anhalten, ausatmen. Vom Gurt wird er sanft nach hinten gezogen und folgt. Er konzentriert sich auf seine Umgebung und auf den Gurt. Seine Beine kribbeln. Es fühlt sich an, als würden sie unter ihm zusammensacken. Shane beginnt, rückwärts zu zählen. Jordyn hört ihn kaum - sein Herzschlag liegt ihm schwer in den Ohren. Doch als Shane losläuft, rennt er selbst einfach mit.
"Oh, scheiße, scheiße, scheiße, ..." Da ist das Signal.
Jordyn springt.
Er merkt nicht, dass er beim Absprung panisch schreit. Er spürt die Luft an ihm vorbei ziehen. Für einen Moment weiß er nicht, was geschieht. Er ist schwerelos, haltlos. Seine Arme rudern in der Luft, suchen irgendetwas, an das sie sich halten können. Das Herz pocht schmerzend gegen die Brust.
Dann fühlt er seinen Magen, wie damals beim wilden Ritt in der Achterbahn. Ein merkwürdiges Gefühl, als würde sich etwas in seinem Inneren verschieben. Er wird sterben. Er ist schon gestorben. Er wird gegen einen Felsen prallen, und für einen Moment wird er nichts spüren als - ein dumpfer Schlag auf den Kopf. Eine merkwürdige Art der Taubheit. Schwarz.
Dann spürt er einen leichten Druck an den Füßen. Als würde ihn jemand packen. mit beiden Händen fest zugreifen. Der Druck steigt die Beine herauf und beinahe zu spät registriert er, dass es Wasser ist, das ihn umarmt.
Es fühlt sich an wie in Zeitlupe, als sie abheben, der Gurt zieht, der Boden ist weg und die Schwerkraft zerrt an ihnen. Der Fall wird schneller, Shanes Füsse kribbeln weil sie den Aufprall erwarten und kurz bevor er mit Jordyn ins kalte Wasser eintaucht, verpufft Shane zu einer Fledermaus, der Gurt auf seiner Seite leert sich und fällt ohne ihn ins Wasser. Noch bevor der schwarze Rauch sich ganz auflöst, landet Shane keuchend am Rand in seiner Sim-Gestalt und Schrecken steigt in ihm hoch. Wo ist Jordyn? Müsste er nicht längst auftauchen? War doch was im Wasser? Unsicher und gehetzt geht Shane am Rand auf und ab, einen winzigen Impuls davon entfernt in das verhasste Nass zu springen.
An der Wasseroberfläche regt sich etwas. Blasen steigen auf.



Plötzlich ein laut plätscherndes Geräusch und Jordyns Oberkörper schießt aus dem dunklen Meer heraus. Kopfschüttelnd schnappt er nach Luft und sinkt einige Male im Wasser auf und ab. Ein, zwei Sekunden vergehen - dann reißt er die Arme in die Luft - "WOOOOOHOOHOOOOO!!"
Erleichtert atmet Shane aus und sackt dabei ein bisschen zusammen. Es ist alles gut. "Yeeeh. Haha!" Shane klatscht für Jordyn in die Hände und jubelt vom trockenen aus mit, den Gedanken unterdrückend ein Feigling zu sein.
Ein Moment vergeht, bis der Blinde sich orientieren kann. Nur durch die Zurufe des Vampirs erkennt er, ich welche Richtung er schwimmen muss. So arbeitet er sich Meter für Meter voran und folgt den leichten Wellen, die er in Rücken und Nacken spürt. Irgendwann wird er auf Land stoßen.
Als er schließlich den weichen Boden unter den Füßen bemerkt, ist er bereits ziemlich durchgefroren. Die Entfernung zum Land hat er deutlich unterschätzt. Völlig außer Atem und eiskalt erreicht er den Strand.



Shane beobachtet wie der Junge ihm zitternd endgegenkommt aber glücklich wirkt. Da er selbst keine kälte spürt, fragt er ihn als erstes, mit glücklichem Unterton; "Wars so wie erhofft?"
Jordyn stolpert steif gefroren der Stimme entgegen. Als seine ausgestreckte Hand gegen die Brust des Vampirs trifft, fällt der Blinde ihm fröhlich ächzend in die Arme.



"Oh, man! Das war der absolute Wahnsinn!", jubelt er mit zitteriger Stimme. "Ich glaube einfach nicht, dass ich das gemacht habe."
Der Vampir umarmt ihn und beginnt unwillkürlich mit Jordyn auf und ab zu hüpfen weil er sich mit ihm freut. Er ist glücklich, dass er glücklich ist. Als er zurück tritt ist Shanes Kleidung forne durchnässt aber er beschwert sich nicht. "Das war der Hammer!" Shane sieht ihn an, "Komm." er greift ihn am Arm und zieht ihn direkt mit. Nahe dem Vulkan an dem sie zuvor vorbei kamen, wo die Lava brodelt wird es warm und Shane bleibt stehen. "Willst du das nochmal machen?"



"Oh, das werde ich nicht schaffen." Jordyns fröhliches Grinsen scheint für eine Weile in sein Gesicht gemeißelt zu sein. "Es ist wirklich, wirklich irre kalt.", erklärt er. "Aber ich bin happy, Shane. Ich habe es tatsächlich gemacht. Und das wäre ohne dich nicht möglich gewesen. Ich danke dir ..." , er unterbricht sich selbst und schüttelt leicht den Kopf. "Ich habe keine Worte dafür. Ich werde dir das nie vergessen.
"Ich hab gern geholfen." sagt Shane lächelnd. "Vielleicht sollten wir jetzt dafür sorgen, dass du keinen Ärger bekommst.." meint er und blickt in die Richtung aus der sie hergekommen waren. Shane hat immer ein wenig ein schlechtes Gewissen wenn er gegen regeln verstößt, aber das hier war für einen guten Zweck.



Sie gehen zurück und plaudern munter über verschiedenste Dinge. Der Weg kommt Jordyn wesentlich kürzer vor, als auf der Strecke zum Berg hin. Ein Teil in ihm hätte Lust, weiter mit Shane Zeit zu verbringen, doch er weiß, dass er schlafen gehen sollte. Für den kommenden Tag ist eine Wanderung in der naheliegenden Höhle geplant.
"Wir sehen uns bald, mein Freund.", verabschiedet sich der Blinde, als sie vor der Hütte stehen.
Im Badezimmer duscht er sich kurz ab, bevor er sich leise ins Bett legt. Die Aufregung über das unglaubliche Erlebnis steckt noch in seinem Gemüt und es dauert, bis er schließlich einschläft.



(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )
Jordyn - nächser Post
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07.09.2024 21:37 (zuletzt bearbeitet: 09.10.2024 17:08)
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Charaktere: Bella, Theo, Sarah, Manuel
Gesichtsstrang: Der Vulkan ruft! Ein Tag voll Legenden und Heldengeschichten

"Die Legende besagt, dass der Vulkan entstanden ist, als die Götter einen Wettstreit hatten!
", erklärt Bella lächelnd, "Dabei ging es darum, wer das unvergänglichste entstehen lassen würde." Mit ehrfürchtigem Blick schaut sie zum Vulkan hinauf. "Der Gott Vehat hat aus Sand einen riesigen Berg erbaut, doch die Göttin des Meeres zerstörte diesen mit den Fluten einfach. Bis sich Vehat mit der Feuergöttin Mahuika zusammentat und gemeinsam den Vulkan errichtete, erhärtet und stark genug, den Wellen standzuhalten. Dass der Berg Feuer speit gilt als Zeichen des Sieges." Wie immer, wenn sie von ihrer Kultur erzählen kann, leuchten Bellas Augen. "Im Nachhinein mag die Zusammenarbeit vielleicht als geschummelt gelten, aber das zeigt auch, dass man zu zweit mehr erreichen kann als einer alleine. Auch unter Göttern."



Theo hat seine Schuhe ausgezogen und trabt barfuß, und mit Piratenkostüm, neben Manuel her. "Superpirat Zen meldet sich zur Stelle.", spricht er in das Walkie Talkie, das Manuel mitgebracht hat. "Habe verdächtige Aktivitäten am Strand beobachtet. Der Superschurke Meteor ist unterwegs und gefährlich. Erbitte Verstärkung vom Superhelden Kutsu." Er lächelt, und fügt schließlich noch ein "Over!" an seine Nachricht. Zufrieden betrachtet Theo das Spielzeug. Noch sind sie nah genug, so dass sie sich auch ohne die Walkie Talkies verstehen würden. Aber so macht es einfach mehr Spaß! Zu schade, dass Bella ihm so etwas nie kauft!



Ausgestattet mit ihren neuen festen Schuhen, Wanderkleidung und Rucksack, mustert Sarah Bella unauffällig, während sie ihrer Erzählung lauscht. Theos Mutter ist in leichte Gewänder gekleidet und trägt nur Sandalen. Sarah fühlt sich mit ihrem Outfit overdressed und wahrscheinlich hätte die Hälfte an Proviant und Getränken auch genügt. Bei solchen Unternehmungen drückt ihr Erzieherinnen-Ich durch, das für alle Eventualitäten gerüstet sein muss.
Als sie Maren bei Maryama abgegeben hatte, konnte sich ihre Freundin ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Welchen Viertausender besteigt ihr nochmal?“ hatte sie liebevoll geneckt und Sarahs Jüngste in Empfang genommen. Es ist das erste Mal seit langem, dass Sarah spontan eine Einladung angenommen hat. Noch länger zurück liegt ihre letzte Wanderung und um so mehr freut sie sich, die gewohnten Bahnen verlassen zu haben und hier mit ihrer neuen Bekanntschaft durch die Landschaft zu spazieren. Mit einem genießerischen Seufzen, lässt sie den Blick über die liebliche, hügelige Landschaft von Sulani gleiten. Die Natur glänzt in sattem Frühlingsgrün wie frisch gewaschen. Überall blühen exotisch duftende Pflanzen und gerade umtanzt sie ein großer dunkelblauer Schmetterling, mit schwarzen Flügelrändern und gelber Maserung, die an ein Labyrinth erinnert. Die Brise vom Meer her trocknet ein paar Schweißperlen auf ihrer Stirn. Sie wendet den Blick zum Vulkan, zurück zu Bella und nickt. "Hm, aus Sicht der Meeresgöttin sicher nicht in Ordnung, aber die beiden waren auf Zack.", lächelt sie. „Ich glaube sie grollt heute noch manchmal deswegen und dann schickt sie eine Sturmflut oder eine besonders große Welle, die Sandburgen auflöst und Lagerfeuer am Strand auslöscht. Nur der Vulkan, der thront über ihr und trotzt allen Bemühungen. Das ist eine wunderbare Geschichte, Bella." Sarah zieht am Bauchgurt ihres Rucksackes und rückt ihn wieder gerade. "Und du hast ja so recht. Zusammen geht alles leichter als allein, davon können wir beide wohl ein Lied singen.", spielt sie auf den Alltag als Alleinerziehende an. "Darf ich dich fragen Bella? Hast du noch Kontakt zu deinem Exmann? Bei mir ist es so, dass Gary mich unterstützt, soweit es ihm zeitlich möglich ist und regelmäßig an den Wochenenden mit den Kindern etwas unternimmt. Wie ist das bei euch?"



"Hier Kutsu. Habe verstanden.
" antwortet Manuel, die Lippen dicht an das Walkie-Talkie gepresst, dass er zu Weihnachten von Opa und Oma geschenkt bekommen hat. Es sind keine Profigeräte, aber auch kein reines Kinderspielzeug und der Junge ist mächtig stolz darauf. Er senkt die Stimme. "Ich habe Meteor gesichtet. Er ist in Begleitung eines Verbündeten." Jetzt wird sein Ton eindringlich. "Sie tarnen sich als Frauen und haben soeben den Strand verlassen. Wir sollten unauffällig folgen. Over." Grinsend blickt er Theo an und macht eine Kopfbewegung in die Richtung, in der seine Mutter und Bella verschwunden sind.

Zen weiß ganz genau, auf wen Kutsu anspielt. Mit Meteor ist wirklich nicht zu spaßen. "Roger!", meldet er sich über den Superhelden-Spezial-Funk, "Ziel ist erfasst! Wir müssen die Lage peilen und auf unsere Chance warten. Wer weiß schon, was Meteor in seinem Rucksack so alles für Superwaffen versteckt hat. Wir müssen vorsichtig sein. Sie dürfen uns nicht bemerken. Nehme Verfolgung auf. Over!"



Bella muss lachen bei Sarahs Weitererzählung der Legende. Doch als das Thema auf ihren Ex wechselt, wechselt auch Bellas Blick. Traurigkeit kommt zum Vorschein. "Nein..", seufzt sie, "Er ist abgehauen. Ich weiß nicht, wohin. Wollte nichts mehr mit uns zu tun haben." Es ist nicht einfach. Die Hütte, in der sie wohnt, ist ein Erbstück und somit bleibt ihr zumindest Miete erspart. Doch die Instanthaltung ist auch nicht umsonst, zumal sie noch zwei Kinder und eine Katze mit durchfüttern muss. "Auch finanziell ist von ihm keine Unterstützung zu erwarten. Dieser Drückeberger. Mit zwei Jobs komm ich schon über die Runden, und auch Bea verdient sich in der Vulkanbar ab und zu mal was dazu um mitzuhelfen. Aber es ist immer knapp." Doch Bella ist kein Kind von Traurigkeit, und so sieht man ihr ihre Geldsorgen nicht an. Sie lächelt bereits wieder, als sie von ihrem Date erzählt: "Bin derzeit auch auf der Suche nach einer neuen Beziehung. Das erste Date mit Richie war eigentlich schon vielversprechend. Zumindest wirkte das am Anfang so. Er war witzig, charmant, und einfach angenehm in Gesprächen ... und wahrscheinlich hätte ich ihm auch das Chaos verziehen, das in seiner Wohnung herrschte. Aber er hat mir schließlich gebeichtet, dass er nichts langfristiges sucht und die Sache wurde beendet." Zu dem Zeitpunkt hatte sie allerdings auch schon geahnt, dass es nichts wird. "Aber das war ja auch der erste Versuch. Noch gebe ich nicht auf."



Der Schotterweg führt jetzt vom Meer weg und schlängelt sich durch Palmenhaine und Grünflächen in höhere Lagen. Mit gesenktem Kopf studiert Sarah die Steine auf dem Gehweg, während sie Bella konzentriert zu hört. Überrascht von der Leichtigkeit, mit der die Insulanerin über ihre gescheiterten Beziehungen spricht, blickt sie auf und sieht sie an. "Du klingst, als hättest du dem Vater deiner Kinder verziehen und hängst dem nicht mehr nach.", sagt sie nachdenklich. "Ich wünschte ich wäre schon so weit.", fügt sie leiser an. "An eine neue Beziehung wage ich gar nicht zu denken. Es ist schwierig mit zwei Kindern wieder einen Partner zu finden. Er muss auch mit ihnen harmonieren, nicht nur mit mir." Sarah lächelt etwas gezwungen. "Woher nimmst du die Kraft das so weg zu stecken? Auch die Erfahrung mit dem...Anderen?"



"Roger. Kutsu ist am Start
." entgegnet Manuel gedämpft. "Wir müssen ihnen den Rucksack weg nehmen, sonst reißen sie uns ins Verderben. Ich bin sicher, der andere ist der Nebellord, der grausame Herrscher von Tyrannia. Man erkennt ihn an den grünen Haaren, die kann er in giftspritzende Fangarme verwandeln. Immer in Deckung bleiben! Over." Er senkt das Funkgerät und schleicht langsam, in geduckter Haltung los. Plötzlich beschleunigt er das Tempo, wirft sich seitlich abrollend hinter einen Felsen und zückt das Gerät wieder. "Das war knapp. Meteor hat seine Augen am Hinterkopf aktiviert. Wir brauchen einen Schleichweg. Das ist dein Revier Zen, können wir sie von weiter oben verfolgen? Over."



Natürlich kennt Zen einen Schleichweg. Wozu ist er Superheld und Pirat in einem? „Es gibt einen Pfad, der so geheim ist, dass Meteor und der Nebellord ihn auf keinen Fall kennen! Den können wir nutzen!“, haucht er in das Walkie Talkie, „In ein paar Metern von deiner Position liegen drei Felsen. Zu unauffällig, um von Normalos oder von Schurken als das erkannt zu werden, was es ist: Eine Markierung, die die Superhelden-Liga dort platziert hat. Dort beginnt der Pfad. Over!“ Tatsächlich liegen schon seit Theo denken kann, drei Felsen am Wegesrand. Viele Touristen setzen sich dort drauf, um zu rasten, ohne den Trampelpfad in der Nähe auch nur zu beachten. Doch der Junge kennt den Weg wie seine Westentasche.

Sarah hat Recht. „Es ist nicht einfach.“, gibt Bella zu, „Aber wenn wir es nie versuchen, kann es auch nicht klappen. Bea wird bald ausziehen. Sie will nach Britechester, um dort zu studieren, sobald das Semester los geht. Dann ist nur noch Theo im Haus. Ich möchte nicht irgendwann alleine da stehen, wenn auch er irgendwann das Nest verlassen wird.“ Sie lächelt. „Ich bin Optimistin. Es liegt nicht in meiner Natur, mir lange Sorgen zu machen.“ Bella zieht die Sandalen aus und geht eine Weile barfuß weiter. Sie spürt den Sand unter ihren Füßen und weiß ganz genau, warum sie Sulani so liebt. „Und das Meer gibt mir Kraft. Wenn ich dort eintauche lasse ich gewissermaßen auch die Sorgen an der Oberfläche zurück.“



Bellas Kinder sind älter als Manuel und Maren, aber Sarah beschäftigen immer öfter ähnliche Gedanken. Warum kann sie sich nicht lösen? Hängt gedanklich immer noch der Beziehung und den Problemen mit Gary nach? Liegt es etwa in ihrer Natur, sich dauerhaft Sorgen zu machen? Das war doch nie so.. "Ich bewundere deine Zuversicht.", sagt sie aufrichtig.
Als Bella ihre Schuhe auszieht und leichtfüßig neben ihr her geht, kommt es Sarah noch mehr so vor, als schleppe sie selbst ein Stahlkugel aus ungelösten Problemen um ihren Knöchel mit. Mit gesenktem Kopf beobachtet sie, wie sich die gebräunten Füße ihrer neuen Freundin wie selbstverständlich über den Untergrund bewegen.
Meine letzte Pediküre ist erst drei Tage her. Ob ich ohne jede Hornhaut hier auf dem Sand-Kieselgemisch laufen könnte?
Sarah stoppt spontan und geht in die Hocke. "Ich versuch's auch mal barfuß." sagt sie und löst ihre Schnürsenkel. Eine Minute später stecken ihre Socken sicher in den am Rucksack festgebundenen Wanderschuhen und Sarah sieht Bella schmunzelnd an. "Normalerweise laufe ich nur am Sandstrand mit bloßen Füßen, mal sehen ob es klappt. Kann sein wir müssen erstmal etwas langsamer gehen."



Vorsichtig setzt sie einen Fuß vor den anderen, spürt die gespeicherte Hitze und den Kontrast des weich durch die Zehenzwischenräume dringenden Sandes und der ihre Fußsohlen pieksenden Steinchen. Zu ihrer Überraschung gewöhnen sich ihre Schmerzrezeptoren rasch an die neue Herausforderung und sie können das Tempo wieder etwas beschleunigen. "Ja, ein Bad im Meer reinigt wirklich Körper und Seele, ähnlich wie eine Dusche unter einem Wasserfall.", greift sie den Gesprächsfaden wieder auf. "Und du hast das beneidenswerterweise jeden Tag vor der Haustür." Sie gehen schweigend ein paar Schritte, dann hakt Sarah nach. "Du sagtest eintauchen. Meinst du das wörtlich? Tauchst du öfter hier im Meer? Mit Ausrüstung und so weiter?"



Bella erkennt, dass sie noch gar nicht gesagt hat, was sie eigentlich ist. Normalerweise braucht sie nicht lange, um ihren Okkult zuzugeben. Doch beim Gespräch mit Sarah waren andere Themen im Vordergrund, so dass Bella erst jetzt bemerkt, dass das Thema "Meersim" nie aufkam. Wird Zeit, das zu ändern. "Ich tauche tatsächlich öfters, aber ich brauche dazu keine Ausrüstung." Sie lächelt, während sie weiter den Pfad entlang geht. "In der Nähe des Vulkans ist auch ein kleiner Sandstrand. Dort können wir nach dem Vulkanbesuch auch noch hin. Dann möchte ich es dir gerne zeigen." Einen Moment überlegt Bella, ob sie Sarah einfach damit überraschen soll. Sie erkennt, dass ihre neue Freundin eine andere Auffassung über das Leben hat als sie selbst, aber diese plötzliche Verwandlung sollte trotzdem nicht gleich zu einem Herzinfarkt führen, oder? Trotzdem entschließt sich die Meerfrau dazu, Sarah lieber vorzuwarnen. "Ich bin ein Meersim, weißt du?" Neugierig wendet Bella den Blick, um Sarahs Reaktion einzuschätzen. Ihr Blick landet auf Sarahs nackten Füßen. Auch barfuß laufen hat Sarah schon Überwindung gekostet. Aber Bella ist auch stolz darüber, dass Sarah sich dennoch dazu entschieden hat, es einfach mal zu wagen. Früher war auch Bella vorsichtiger. Bis sie Per kennen gelernt hat, der in den Tag hinein lebte und auch sie damit ansteckte. Eigentlich schade, dass die Beziehung mit ihm endete. Doch Per ist nicht der Typ, Verantwortung zu übernehmen. Er war fort, als Theo noch ein Baby war.



„Ach?“ Überrascht lächelnd wendet sich Sarah der Meerfrau zu. „Das ist interessant.“ Sie biegen um einen Felsvorsprung und plötzlich tut sich ein Panoramaausblick über den bergigen Teil Sulanis und die vielen kleineren Inseln, die das Haupteiland umgeben, auf. „Wow!“, entfährt es Sarah atemlos. Sanfte Wellen umspielen einen langen Sandstrand links neben ihnen und das Wasser glitzert in der Sonne wie mit Diamanttropfen übersät.



Es ist für mich schon ein Traum, aber ich verstehe jetzt, dass dieses Paradies für dich noch viel mehr bedeutet.“, sagt sie auf das Wasser deutend. „Du bist der erste Meersim, den ich kennen lerne.“ Sie schweigt kurz und denkt an den Kindergarten. „Vielleicht auch nur der erste, der sich mir offenbart.“ sagt sie nachdenklich und sieht Bella an. „Wie erlebst du uns ‚normale‘ Sims im Umgang mit dem Thema? Ich frage mich gerade , ob unter meinen Kindergartenkids womöglich eins oder mehrere sind, die sich nicht trauen, darüber zu sprechen.“



Drei Felsen? Vorsichtig schiebt sich Manuel etwas aus seiner Deckung und checkt die Umgebung. "Roger. Ich sehe das Ziel. Over." Geduckt pirscht er weiter und folgt einem schmalen, fast vollständig überwucherten Pfad, bis zu einer kleinen Anhöhe. Unter sich kann er etwas weiter weg seine Mutter und Bella auf dem Pfad Richtung Vulkan erkennen. Er nimmt sein Funkgerät zur Hand, als er Theo auf sich zu schleichen sieht. Grinsend empfängt er ihn. "Wohin jetzt? Bleiben wir oben?"

"Ja, wir bleiben oben
.", bestätigt Zen seinem Superheldenkollegen. "Wir fangen unser Target am Vulkan ab! Over!" Der Pfad verschwindet fast unter all dem Gestrüpp. Erwachsene passen hier nur schwer durch, so überwachsen, wie der ist. Früher ist das mal anders gewesen. Da wurde der Weg regelmäßig von Einheimischen genutzt, um den Vulkan zu ehren. Doch die Tradition ging irgendwann unter, als immer mehr Touristen die Gegend als Urlaubsparadies erkannten. Die Natur holte sich den Pfad zurück. Theo, dem die Vergangenheit des Weges erzählt wurde, taucht in seine eigene Fantasiewelt ein, als er erklärt: "Die Superheldenliga hat gute Arbeit geleistet, den Weg zu tarnen! Sie wissen nicht, dass wir hier sind!" Tatsächlich führt der Weg an den Erwachsenen vorbei, bis die Jungs Bella und Sarah überholt haben.



Manuel steckt das Funkgerät vorerst weg, da sie jetzt zusammen vorwärts huschen. Geduckt pirscht er sich hinter ein Gebüsch und teilt vorsichtig das stachelige Geäst, um hindurch zu spähen. „Autsch!“ Ein kleiner Dorn bohrt sich in seinen Daumen. Mit einem leisen Schmatzgeräusch saugt er den Blutstropfen ab und schiebt sich noch etwas weiter vor. „Meteor hat seine Schuhe ausgezogen, was hat das zu bedeuten? Das gefällt mir nicht.“ Sein Blick schweift Richtung Meer. „Was ist das?“ Er deutet auf eine runde Felsformation, unter der ein Schatten eine Öffnung vermuten lässt. „Ist das eine Höhle?“ raunt er aufgeregt und sieht Theo mit leuchtenden Augen an. „Das ist das Superligahauptquartier der Insel!“



Bella lässt ihren Blick schweifen. Der Vulkan erhebt sich stolz und ist auch vom Strand aus schon gut zu sehen. Doch auch das Meer ist einladend. Vielleicht sollten sie doch sich zuerst am Strand entspannen, bevor sie den Weg fortsetzen. „Ich gehe mit dem Thema immer sehr offen um.“ Die Meerfrau erinnert sich daran, wie nervös Bea am Anfang war, bis sie schließlich doch gewagt hat, sich zu offenbaren. Doch Bella ist das ganz anders angegangen. „Ich habe das Glück, in einer Schule zu arbeiten, in der Offenheit und Toleranz wichtig sind.“ Sie geht zum Strand, hält ihre Füße in das Wasser. „Und bisher habe ich Überraschung erlebt, und auch Unglauben, aber nie Abneigung. Was natürlich nicht heißt, dass es das nicht auch gibt. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück. Um deine Frage zu beantworten: Natürlich ist es möglich, dass einige Kids im Geheimen Meersims sind.“ Sie umfasst ihre grünen Haare: „Ein Erkennungszeichen vieler Meersims sind grüne oder blaue Haare. Als Naturfarbe, und nicht gefärbt. Aber das trifft auch nicht auf jeden einzelnen Meersim zu.“ Sie lächelt. „Vielleicht könntest du den Kids von Meersims erzählen? Ich kann vorbei kommen, so dass sie so was auch in Person sehen. Das könnte helfen, den Kids den Mut zu geben, sich zu outen, sollten Meersims unter ihnen sein. Und den anderen wird es zeigen, dass es kein Grund für Angst ist, nur weil jemand anders ist.“ Bella stellt sich vor, wie sie von den Kindern bestaunt wird. Würde ihr bestimmt Spaß machen, Sarah auch mal in ihrer Arbeitsstelle zu besuchen. Irgendeinen Termin würde sie sicher dafür finden.



"Die Brindleton High..hm." Sarah überlegt. Fanny hat ihr erzählt, dass sie wegen des Kindergartenfestes in Kontakt mit der Leitung des Seniorenwohnheims 'Shady Pines' steht. Es soll dieses Jahr gemeinsam mit den Bewohnern gestaltet werden. Allgemein möchte sie Kinder und Senioren näher zusammenbringen und immer wieder einmal gemeinsame Aktionen durchführen. Einen Fuß in der Tür der Brindleton High wäre ebenfalls praktisch. Wer weiß was sich eventuell dort für Ideen ergeben könnten, die Schüler und Kiga-Kinder zusammen umsetzen. "Könntest du dir vorstellen im Kindergarten etwas mit uns Erziehern zusammen zu planen? Eine Art interaktive Stunde, in der die Kinder ganz spielerisch mit deinem Meerfrau Dasein vertraut gemacht werden?" Sarah lächelt Bella an. "Das fände ich ehrlich gesagt eine sehr schöne Sache."



„Das klingt nach einer schönen Idee!
“, freut sich der Meersim, „Ich bin auf jeden Fall dabei. Die Details müssen wir natürlich noch klären. Vielleicht können wir uns ja an das Brainstormen setzen, sobald wir etwas mehr Ruhe haben. Dann kriegen wir das schon hin. Zuerst will ich es dir aber zeigen!“ Sie geht ins Wasser. Nach ein paar Metern taucht Bella unter. Anstelle ihrer Beine zeigt sie Sarah nun ihren grünen Fischschwanz.

Der weiche Sand fühlt sich an wie Samt an Sarahs Fußsohlen. Er ist sehr warm, aber gerade noch auszuhalten, ohne dass man in Storchengang verfallen müsste.Für ein paar Momente schließt sie die Augen, während Bea sich ins Meer begibt. Langsam fällt alle Anspannung vom Berufsalltag und den Grübeleien über Gary und die Kinder von ihr ab. Sarah weiß, dass ihr Visualisierung hilft, effektiver los zu lassen, deshalb formt sie in ihrer Vorstellung kleine Sorgenkugeln und schleudert sie weit hinaus, bis zu Bea, die sie mit ihren Schwanzflossen hoch in die Luft wirbelt. Sie zerstieben zu winzigen Silberperlen, die auf die Wasseroberfläche fallen, sich auflösen, bis sie als glitzernde Partikelchen auf den Wellen im Sonnenlicht tanzen. Als Bea ihr zu ruft öffnet sie die Lider und winkt ihr unbeschwert zu. Schnell eilt Sarah in die Brandung und beobachtet wie die Meerfrau geschmeidig ihren Körper durch das Wasser bewegt. "Kannst du eine Pirouette und dann da drüben wieder auftauchen?" fragt sie ausgelassen, weil der Anblick sie regelrecht beflügelt. Unbedingt muss Bella den Kindergarten besuchen.



Bella spürt die Freiheit, die sie immer spürt, wenn sie im Meer unterwegs ist. Auch nach all den Jahren. Hier will sie nicht weg. Hier kann sie nicht weg. Lächelnd denkt Bella an ihre Tochter. Bea ist da etwas anders, sie ist reiselustiger. Bereits im Sommer ist mit ihrer Freundin Charlie eine große Reise geplant. Doch Bella braucht das Meer. Sie wagt sich nicht an lange Reisen. Mit schnellen Schwanzschlägen erfüllt sie Sarahs Wünsche.



In Zusammenarbeit mit @simscat2
Fortsetzung folgt...


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09.09.2024 01:29 (zuletzt bearbeitet: 20.07.2025 18:05)
#13
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Schicksalslenker

Charaktere: Bella, Sarah, Manuel, Theo
Geschichtsstrang: Der Vulkan ruft! Ein Tag voll Legenden und Heldengeschichten II



Theo bemerkt, dass die Targets nun doch nicht zum Vulkan gehen. Sie haben ihre Pläne geändert. Doch bevor er sich darüber ärgern kann, wird er von seinem Kollegen abgelenkt. „Das ist das Hauptquartier!“, bestätigt er, „Ich zeig es dir!“ Er hat eine Taschenlampe mitgenommen, weil er von der Höhle wusste und ohnehin geplant hat, diese mit Manuel zu durchsuchen. Die Höhle bietet genug Platz für Erwachsene. Einige Zigarettenstummel am Höhlenboden zeigen, dass sie auch von Touristen untersucht wurde. Der Naturfreund Theo seufzt. „Manchmal müssen Superhelden auch diese Art von Arbeit machen um die Welt zu retten!“, sagt er, während er sich danach bückt um den Müll aufzusammeln. Als keine Stummel mehr zu sehen sind, leuchtet er mit der Taschenlampe auf den Weg vor ihm. „Bereit?“, fragt er.



Vor sich hin schimpfend klaubt Manuel mit Theo die Kippen vom Boden auf. "Wir sollten das Quartier beobachten und sofort eingreifen, wenn sich solche Übeltäter hier einschleichen." Er folgt dem Lichtstrahl von Theos Lampe mit den Augen und nickt wild entschlossen. "Klar. Kutsu ist allzeit bereit." Er zieht sein Funkgerät wieder aus der Tasche. "Lass uns nochmal überprüfen ob alles funktioniert. Nur für den Fall, dass wir uns trennen müssen." Zu ihrem Leidwesen ist der Empfang in der Höhle zu schlecht, da hilft auch kein schütteln der Geräte. "Wir lassen uns nicht entmutigen. Klopfzeichen gehen auch im Notfall." Vorsichtig pirscht Manuel hinter seinem Freund und spitzt die Ohren, um ja keinen Laut zu verpassen. Beinahe geräuschlos waten sie durch wadenhohes Wasser, als sich plötzlich ein paar Meter vor ihnen die Wasseroberfläche zu kräuseln beginnt. "Stopp!", zischelt Manuel. "Das könnte eine Falle der Eindringlinge sein! Vielleicht haben sie ein Monster hier zurückgelassen!" "Er klingt nach Superheld Kutsu, aber in Wirklichkeit packt ihn die Angst und sein Herz hüpft und poltert in seiner Brust, wie ein Ball, der einen steinigen Hang hinunter kullert. "Wir müssen es blenden." gibt er die Verantwortung an Theo weiter.



Theo leuchtet auf die Stelle, die Manuel meint. „Das hat bestimmt Meteor hierher gebracht!“, lässt er sich auf das Superheldenspiel ein, „Wir müssen auf der Hut sein.“ Er hört die Nervosität in der Stimme des Jüngeren. Jetzt kann er auch im wirklichen Leben ein Held sein... Theo geht langsam vorwärts, stellt sich neben Manuel, um seinen Freund nicht alleine zu lassen. „Ist bestimmt nur ein Fisch...“, redet Theo sich ein. Je länger er auf die Stelle starrt, desto sicherer ist er, damit auch Recht zu haben. Doch nun rührt sich nichts mehr. Der Fisch, oder was auch immer es war, scheint fort zu sein. Das ergibt allerdings eine neue Möglichkeit für ihr Spiel: „Vorsicht, das Monster kann sich unsichtbar machen!“, ruft er aus.

"Ja, wir müssen sehr wachsam bleiben, der Feind ist raffiniert." Erleichtert, dass das grelle Licht von Theos Taschenlampe das 'Was auch immer in den Tiefen lauert' -Wesen im Wasser vertrieben hat, fängt sich Manuel und taucht wieder in die Superhelden Geschichte ein. Darauf bedacht möglichst geräuscharm voran zu kommen, waten sie weiter. Die Höhlendecke wird niedriger, so dass sie ein ganzes Stück geduckt weiter forschen müssen. Zuerst bemerkt Manuel, das sich die Akkustik in dem Gang ändert und dann tut sich unvermittelt hinter einer Biegung eine weitere Höhle auf. "Boooaaah! Wie cool!", staunt er, korrigiert sich aber gleich mit einem Räuspern. "Das ist die Höhle der Zeit, davon hab ich schon viel gehört."
Von Decke und Boden ragen Stalaktiten und Stalaktmiten, Tropfen schlagen perlend neben ihnen auf die Wasseroberfläche und zu ihrer Rechten ergießt sich ein kleiner Wasserfall hinter einer Sandbank in ein natürliches Becken. Durch ein Loch in der Höhlendecke fällt Sonnenlicht und erhellt einen Teil des unterirdischen Strandes, den sie vorsichtig betreten.



"Sie mal Zen." Manuel bückt sich und beginnt vorsichtig mit einem kleinen Stock, den Sand rund um ein Objekt, das aus dem Boden ragt, zu entfernen. "Das ist ein Knochen...mit Zähnen dran." ruft er begeistert und zieht das Fundstück aus dem Sand. Triumphierend hält er einen tierischen Unterkieferknochen hoch, an dem noch ein Reißzahn und zwei andere Kauwerkzeuge sichtbar sind. "Das sind die Überreste eines Spions, der die Gesetze dieser Höhle missachtet hat. Der Liga entgeht nichts." ruft er. "Wir müssen die Zeitmaschine finden, dann können wir uns schnell nach draußen beamen."

Auf einem Stein im flachen Wasser setzt Bella sich nun nieder und lässt ihren Fischschwanz in der Sonne glänzen. Eine Weile sitzt sie da, lächelnd. Dann ruft sie zu Sarah rüber: „Komm doch her! Hier ist es flach!“ Das Wasser, das Sarah durchqueren muss, um zum Stein zu kommen, ist nur knöcheltief.

Lächelnd winkt Sarah und nickt. Ohne langes nachdenken läuft sie los, wirbelt das Wasser auf und fühlt sich wie ein Kind im Sommerurlaub. Etwas außer Atem erreicht sie Bella und lässt sich auf einem flachen Felsen neben ihr nieder. "Ist das herrlich." Jetzt schon recht nahe, ragt der Vulkan wie ein brauner, majestätischer Wächter aus dem umgebenden, in allen Grüntönen leuchtenden, Palmenland auf. Eine dünne Rauchfahne zieht vom Krater über das Meer und Sarah stellt sich vor, welche Geschichten von Feuer, Asche, Zerstörung und Fruchtbarkeit mit dem Wind zu ihnen herüber wehen.
"Es ist beeindruckend, wie nahe Tod und Leben beieinander liegen, in der unbarmherzigen Gerechtigkeit der Natur.", sinniert sie. "Die Lava zerstört alles Leben und doch entsteht genau daraus wieder fruchtbarer Boden für einen Neuanfang." Sie wendet den Kopf und sieht Bella an. "Ich war mit meinem Exmann einmal in Simdonesien im Urlaub. Wir hatten eine kleine Hütte nahe eines Vulkans gemietet und jeden Morgen opferten die Einheimischen in Schälchen Reis und andere Gaben, um die Vulkangeister zu besänftigen, ehe sie sich auf den umliegenden Feldern zu arbeiten begannen." Nachdenklich schweigt sie einen Moment und sieht wieder zu dem Gesteinskoloss, der in der Inselidylle so friedlich wirkt. "Ist der Vulkan noch aktiv? Wie lang liegt der letzte Ausbruch zurück?" erkundigt sie sich interessiert und beginnt mit den Füßen liegende Achten im Wasser zu formen.

Auch Bella wendet ihren Blick zum Vulkan. „Es ist lange her, dass der letzte Ausbruch stattgefunden hat. Der letzte wurde...“ Sie muss eine Weile überlegen, „vor etwa 350 Jahren registriert. Es gibt alte Überlieferungen aus dieser Zeit. Wir fühlen uns also einigermaßen sicher hier.“ Sie denkt an ihren Arbeitsplatz. „Wäre auch schwierig für die Bar, wenn es zu einem erneuten Ausbruch kommen sollte.“ Sie lächelt und genießt es, wie das Wasser den Felsen umspielt. „Die Einheimischen nennen ihn übrigens Mt. Wangai. Während das Mt. später hinzukam, heißt Wangai in Altsulanisch etwa sowas wie Wellentänzer. Jetzt, wo Ebbe herrscht, ist das Wasser einigermaßen ruhig. Doch zu Flutzeiten sieht es wirklich so aus, als gäbe es einen Tanz zwischen den Wellen und dem Vulkan. Ganz so, als würde die Meeresgöttin noch immer versuchen, diesen zu stürzen.“
Sie schließt die Augen, genießt das Wetter. Der Frühling sorgt für etwas Wärme, zumindest solange die Meeresstürme fernbleiben. „Aber ja, Leben und Tod liegen immer nah beieinander.“ Sie zeigt auf ihre dunklen Tattoos. „Die Tradition sieht vor, dass alle geschlechtsfähigen Sulaner daher mit Schutztattoos ausgestattet werden. Das soll gegen Stürme schützen oder gegen die Wellen. Und die Götter besänftigen.“ Noch immer ist ihr diese Tradition wichtig, auch wenn der Aberglaube mittlerweile nicht mehr ganz so ernst genommen wird wie früher. „Und aus dem selben Grund gibt es auch bei uns Rituale für den Vulkan. Hättest du denn Lust, mit daran teilzunehmen? Ich kann dir dann alles zeigen!“



Aufmerksam hart Sarah den Ausführungen der Insulanerin zu. "Es gibt noch Rituale?" Überrascht, aber auch fasziniert nickt Sarah. "Ja, ich würde gerne dabei sein oder dir sogar zur Hand gehen dabei. Immerhin habe ich heute die Ehre als Gast der Insel mit dir dort hin zu gehen." Sie hält mit den Fußbewegungen inne und lächelt Bella an. "Wollen wir noch ein wenig in der Sonne trocknen und dann aufbrechen?"

Die Superhelden-Liga ist einfach top!“, grinst Theo. Ganz spontan erfindet er einen Song dafür:

Superhelden, Schützer, Wärter...
kommt zur Liga, macht uns stärker!
Auf dass die Schurken vor uns erzittern.
Wir sind der Sturm, lasst uns gewittern!“

Ein wenig peinlich ist ihm sein spontaner Ausbruch nun schon, doch er überspielt das schnell: „Aber du hast natürlich Recht mit der Zeitmaschine. Wir dürfen nicht den selben Fehler machen wie der Spion und die Gesetze der Höhle unterschätzen.“ Lächelnd blickt er zu den Knochen, die sein Freund gefunden hat. Was das wohl für ein Tier war? Es sieht zumindest nicht nach einem Raubfisch aus. Füchse gibt es hier in der Gegend nicht.. Ob es ein verwilderter Hund war? So genau kennt sich Theo dann auch nun wieder nicht mit Knochen aus. Ist ja auch egal. Weiter mit dem Superhelden-Spiel. „Da vorne liegt ein Hinweis!“ Er eilt vor und fischt eine handgroße Muschel aus dem Wasser. Nicht so cool wie der Tierschädel, trotzdem behält Theo seinen Fund. „Damit sollten wir den Ausweg finden können!“, erklärt er und hebt die Muschel hoch.

Begeistert lässt sich Manuel zu einem rhythmischen Klatschen als Begleitung für Theos Heldensong hinreißen. Dann legt er einen Finger an die Lippen und hebt bedeutend die Brauen. "Pssssst. Meteor und Nebellord müssen sich sicher fühlen, sie dürfen auf keinen Fall etwas hören." Er begutachtet die Muschel in Theos Hand. Sie ist weiß, mit bräunlich-gelben Schattierungen, gewölbt und am Rand stehen stachelförmige Gebilde ab, die ihn an kurze Tentakel oder 'Meeresantennen' erinnern. "Halt sie an dein Ohr. Es sind Geheimbotschaften in ihr gespeichert, für den Fall , dass wir das Quartier schnell räumen müssen. Erst klingt es wie rauschen, aber sie weist uns den Weg." Die beiden stellen sich unter das Loch in der Decke und Theo presst die Muschel an sein Ohr. "Und?" Flüstert Manuel. "Was sagt sie?"



Theo hält die schöne Muschel an sein Ohr. Er lauscht dem Meeresrauschen, das eigentlich keines ist. Und lächelt. Er kennt die Höhle hier gut. Er weiß, welcher Weg zum Ausgang führt. Und auch, dass es mehr als eine Möglichkeit gibt. Er entscheidet sich für den „Geheimausgang“, wie er ihn vor langer Zeit schon mal getauft hat. Theo tut einfach so, als würde die Muschel ihm den Weg weisen. „Hier lang!“, führt er seinen Freund durch die Höhle. Der Lichtschein der Taschenlampe flackert. Die Stalaktiten und Stalagmiten bleiben noch eine Weile erhalten, bis sich schließlich eine kleine Öffnung zeigt. Ein weiterer Ausgang. „Dort ist es!“, erklärt Theo. Dieser Ausgang lässt ein Gebüsch erkennen, das ihn von außen vor den Blicken der Menschen versteckt. Doch vom inneren der Höhle aus ist er gut zu erkennen, auch wenn er enger ist als der Haupteingang. Erwachsene könnten es hier schwer haben, aber die Jungs passen durch.

Eine Weile bleiben die beiden Frauen noch am Strand, bis sie sich schließlich weiter Richtung Vulkan aufmachen. Unterwegs nimmt Bella einige Palmblätter mit und gibt Sarah die Hälfte davon. „Symbolisch stehen die Blätter als Opfergabe.“, erklärt sie, „Mach mir dann einfach nach, wenn wir am Vulkanrand sind.“
Die orangene Lava zeigt einen deutlichen Kontrast zu dem grünen Urwald in der Gegend. Die Statue des Gottes Vehat, derjenige, der gemeinsam mit der Feuergöttin den Vulkan erschaffen hat, thront auf einem Felsen und überblickt stolz sein Werk. Die Frauen bleiben dabei, die Statue nur aus der Ferne zu beobachten. Heutzutage ist der Weg dorthin zu gefährlich. Das war mal anders, als die Urvölker dort ihre Götter ehrten. Doch auch von ihrem Standort aus ist die Lava für Bella und Sarah gut zu erkennen. Als Vorbereitung steckt sich Bella einen Teil der Blätter in die Haare. Die restlichen zerreibt sie zwischen ihren Fingern. „Ich ehre euch, ihr Götter des Feuers. Ihr Götter des Vulkans!“ Bellas Stimme hallt laut und deutlich. Sie lässt die Blätter los, die langsam in die Lava schweben.

Beeindruckt schaut Sarah vom Rande des Lavabeckens hinauf zu der mächtigen Statue, die über den gesamten Archipel zu blicken scheint.



Auch wenn sie nicht hier aufgewachsen ist, erfüllt sie die Naturgewalt des Berges mit Ehrfurcht. Es grenzt an ein Wunder, dass der letzte Ausbruch so lange zurück liegt. Die erhitzte Luft flirrt vor ihrem Gesicht und der eigentümliche Geruch von heißem Gestein und fremdartigen Gasen steigt ihr in die Nase. Damals im Urlaub, durften Gary und sie nicht bis zum Gipfelkrater wandern. Der Bergführer hatte Angst, sie könnten die im Vulkan wohnenden Geister stören und ihr Zorn würde vielleicht zu einer Eruption führen. Jetzt, neben Bella, überträgt sich deren demütige und dabei trotzdem kraftvolle Energie auf sie selbst. Es ist, als dringe die gewaltige Kraft des Vulkans durch ihre Fußsohlen und verteile sich in ihrem gesamten Körper. Sarah fühlt sich gleichzeitig klein und doch von einer uralten Präsenz erfüllt.
Vorsichtig tut sie es Bella gleich, steckt ein Blatt in ihren Zopf und zerkleinert die anderen zu würzig duftenden Streifen. Tief durchatmend lässt sie die Opfergabe in die Lava fallen und spricht Bella nach. "Ich danke euch für eure Güte und Wohlwollen, mich als Gast auf eurer Insel willkommen zu heißen.", fügt sie noch hinzu, faltet andächtig die Hände vor der Brust und verbeugt sich in Richtung Statue. Das ganze Ritual fühlt sich vollkommen natürlich an, als gehöre es wie selbstverständlich zu ihrem Besuch hier auf der Insel. Trotzdem ist klar, dass sie für eine Rast am Berg wieder etwas weiter nach unten müssen.

Ächzend quetscht sich Manuel Zentimeter für Zentimeter durch den engen Spalt, der ins Freie führt. Von draußen weht ihm ein Luftzug entgegen, der vulkanische Wärme mit sich bringt. Er geht etwas in die Knie, stemmt sich schließlich mit einem befreienden Laut hinaus und schiebt sich durch ein struppiges Gebüsch, das die Öffnung verdeckt.
"Gut, dass Superhelden nen Sixpack haben und schlank sind.", sagt er zu Theo, der hinter ihm aus der Öffnung auftaucht und klopft sich grinsend auf den Bauch. Er sieht sich um und stößt einen überraschten laut aus. „Boah, wir sind ja ganz nahe am Vulkan.“ Dramatisch packt er Theo am Arm. „Da sind die Schurken.“ Er weist auf Sarah und Bella, die aus ihrer Position gut zu erkennen sind und gerade Palmblätter zerkleinern.
Sie sind abgelenkt, führen aber nichts Gutes im Schilde. Nebellord beschwört die Vulkangeister. Wir müssen eingreifen, sonst übernehmen sie die Insel.“ Er zieht sein Funkgerät heraus und gestikuliert, Theo solle seins auch wieder benutzen. „Wir trennen uns. Ich komme von rechts und du von links, dann gibst du das Kommando zum..“ Er pausiert einen kurzen Moment. „..Zugriff.“, zischelt er leise, stolz, dass er sich das Wort aus einem Film, den er mit seinem Vater geschaut hat, merken konnte.



Bella freut sich, wie gut Sarah sich in die alte Tradition einfinden kann. Fast wie eine Einheimische. Bei dem Gedanken muss sie lächeln. Es heißt, dass es zuerst nur Meersims in Sulani gab. Irgendwann kamen die ersten Menschen dazu, die den Göttergeschichten des Meervolks lauschten und von ihrem eigenen Glauben erzählten. Beide Völker agierten miteinander und tauschten sich aus, und dadurch vermischte sich auch der Glaube. Die Traditionen und Rituale, die heutzutage vorherrschen, sind eine Mischung aus dem uralten Glauben beider Völker. Das ist so viele Tausende von Jahren her, dass sich nur schwer unterscheiden lässt, welcher Part der Rituale von welchem Volk stammt, oder ob die erst gemeinsam entstanden. Wenn Völkerverständigung doch immer so gut funktionieren würde…
Sehr schön!“, lobt sie ihre neue Freundin, als das Vulkanritual vollendet ist und sich beide wieder auf dem Rückweg befinden. „Freut mich, dass du offenherzig bist und dich darauf eingelassen hast. Das bedeutet mir wirklich viel.“ Sie lächelt. „Wenn du Lust hast, könnten wir ja noch… Woah!“ Bella unterbricht ihren Vorschlag, als ihr Sohn plötzlich aus seinem Versteck hervorprescht und sie an den Beinen festhält. „Hab ich dich erwischt, Nebellord!“, ruft Theo aus. Gleichzeitig stürmt auch Manuel von der anderen Seite auf seine Mutter zu.

"Das ist dein Ende, Meteor!" Manuels siegesgewisser Schrei und Theos Attacke auf Bella, lassen Sarah erschrocken zusammen fahren. Woher kommen die beiden so plötzlich? Sie wollten doch am Strand bei der Hütte bleiben und baden. Ehe sie reagieren kann, schlingt sich auch um ihre Beine ein Paar Arme und zwingt sie zum stehen bleiben. "Die Superhelden-Liga übernimmt das Ruder und fordert den Rucksack mit den Geheimwaffen. Übergabe jetzt!" Grinsend lockert Manuel den Griff etwas, damit Sarah das Behältnis vom Rücken gleiten lassen kann. "Ich ergebe mich, Kutsu...jedenfalls für heute.", kapituliert Sarah, angesichts der Superheldenübermacht, und öffnet den Rucksack. Sie entnimmt ihm eine Packung Müslischokoriegel und streckt sie ihrem Sohn entgegen." Das sind die Multipowerbarren, unsere letzten. Sie gehören euch, aber bitte verschont unser Leben." Lachend lässt Manuel los, schnappt die Packung Süßigkeiten und läuft triumphierend damit zu Theo.
"Die Superhelden-Liga hat gesiegt!" grinst er und die beiden setzen sich zufrieden ihre Beute mampfend, hinter ihren Müttern in Bewegung. Schmunzelnd wendet sich Sarah wieder der Meeerfrau zu. "Superheldenrasselbande." Sie wirft einen Blick über die Schulter, aber Zen weist sie sofort mit einer Geste in die Schranken und bedeutet ihr, geradeaus zu gucken. Mit einem leisen Lachen folgt Sarah der Anweisung. "Was wolltest du gerade sagen, ehe Zen und Kutsu die Macht an sich gerissen haben?" raunt sie, um die Superhelden nicht weiter zu provozieren. "Ob ich Lust hätte...wozu?"

Bella lacht „Mit der Superhelden-Liga sollten wir uns besser nicht anlegen!“ Sie freut sich, dass Theo sich wirklich gut mit Manuel versteht. Weiteren Treffen, bei der Sarah ihren Sohn mitbringt, steht also nichts im Wege. Oder sie selbst besucht Sarah mal und bringt Theo mit. „Ich dachte an die Vulkanbar!“, erklärt Bella ihrer neuen Freundin, „Noch was trinken gehen und so.“



Ihr fällt ein, dass die Kinder noch etwas zu jung dazu sind. „Die Superhelden...“, wendet sie sich an die beiden, „können solange ja nach Hause...“ Theo unterbricht sie: „In unser Superheldenversteck!“ - … „in euer Superheldenversteck“, korrigiert Bella sich,
Jaaaaa!“ Manuel und Theo rennen, wild den 'Pack Powerriegel' durch die Luft schwenkend voraus. Sarah sieht zu Bella. „Ich komme gern mit in die Bar. Superspionin Bea wird die zwei Wilden schon in Zaum halten.“



In Zusammenarbeit mit @Murloc)

>>> Bella geht nach Brindleton Bay Nr. 10 - Brindleton High >>>
>>> Theo geht nach Sulani Nr. 3 - Familie Greentail (2) >>>
>>> Sarah geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>


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09.10.2024 00:24 (zuletzt bearbeitet: 17.10.2024 22:29)
#14
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Bestseller-Schmied

<<< Blaze und Boom kommen von Sulani - Clemens Ferienhütte <<<



Charaktere: Blaze, Boom
Geschichtsstrang: Wie man ein Vampir wird IV



Vier köstlich dampfende Mahlzeiten, die wie ein Schawarma verpackt sind aber irgendwie anders heissen hier auf Sulani, werden über die Theke des kleinen Imbisses gereicht. Blaze bezahlt, nimmt sie entgegen und reicht die Hälfte an Boom Boom weiter. Er merkt erst jetzt wie verflucht hungrig er ist. Nahe dem Stand stehen ein paar von der salzigen Luft verwitterte Tisch-Bank-Kombinationen an die sie sich setzen. Bevor Blaze sich der Mahlzeit widmet, sieht er Boom an. Er hat ihr auf dem Weg erzählt, wie Dennah meinte sie sollten zu David nach Britchester gehen und dass der Vampir sagte was Hunger-technisch auf sie zu kommen wird. Er erzählte ihr außerdem was hinter der Sulani-Idee steckte. „Jedenfalls…“ führt er den Satz, bevor sie bestellten, fort, „bist du noch genau so Irre wie vorher, also alles bestens… oder?“ er grinst.
"Keine Ahnung. Ich fühl mich komisch." Gierig reißt sie die Verpackung vom Bündel ab, ohne darauf zu achten, wo der Müll landet. Hauptsache endlich was futtern. Die Zähne in die warme Rolle versenkt, stöhnt sie lustvoll auf. "Mmmhhh ..." Boom Boom kann sich nicht erinnern, jemals so hungrig gewesen zu sein. Kauend nickt sie Blaze zu, will etwas sagen, erkennt allerdings, dass der Mund zu voll ist, und beginnt, grobe Teile der Portion herunterzuwürgen. "Dietsch kann so ein Arsch sein.", nuschelt sie noch immer kauend. "Als ob ich gleich alle killen würde." Erneut abbeißend nölt sie bemüht deutlich weiter: "Daf hatta von wein Alken. Päkschwörkhippies." Ein Brocken gemischtes Irgendwas, fällt aus ihrem Mundwinkel und hinterlässt eine dicke Spur Soße am Kinn, bevor es auf den Tisch klatscht. "Wieso sollken wir zurück gehen? Wer ist der Penner, dass er uns befiehlt, wo wir zu sein haben?"



Blaze, der verglichen mit Boom wie in einem Edel-Restaurant isst, beisst in sein Gericht. Kauend schweift sein Blick über das im dunkeln liegende Wasser. Keine Ahnung was sie im mittelteil sagt, aber ist auch egal. Er nickt zustimmend dann schüttelt er den Kopf. Er erinnert sich an das Festival vor einem Jahr und sagt, "Ja, fands irgendwie beschissen... aber jetzt wo wir schon hier sind... ich glaub er verpisst sich demnächst und ich glaub es is besser wenn wir zusehn dass du tagsüber Schatten hast... lieber die Hütte als ne feuchte Höhle... und Dennah ist auch noch da...." er beobachtet unauffällig ob Boom irgendwie darauf reagiert und schlägt sich in Gedanken die Hand ins Gesicht als er seine Wortwahl Revue passieren lässt.
Das Endstück von Boom Booms erstem Nicht-Schawama verschwindet hinter ihren Lippen, während sie schon den nächsten auswickelt. Dabei behält sie Blaze im Auge, als würde sie etwas in ihm lesen. "Was hastn angestellt?", fragt sie unverblümt, ehe sie zubeißt.
Ihre direkte Frage trifft ihn unerwartet, und er merkt, dass er sich für einen Moment zu lange Zeit lässt, eine Antwort zu finden. "Was ich angestellt hab?" Er lehnt sich zurück, nimmt einen weiteren Bissen und kaut langsam, als ob er die Zeit hinauszögern will. "Wie kommst n darauf...?"
Schief grinsend senkt sie den Kopf, der Blick allerdings bleibt auf Blaze haften. "Oh bitte! Bitch war total pissed."
Blaze ist sich nicht sicher was er jetzt sagen soll und schüttelt den Kopf. "Ok kann sein." Am liebsten würde er einfach sagen, dass er aus ihr nicht schlau wird, aber er entsinnt sich, das er hier mit ihrer besten Freundin redet. "Ich kann keine Gedanken lesen, ok? Sie ist ins Wasser gesprungen und dein Ex hat ihr n Handtuch gebracht, wo ist das scheiss Problem..?"
"Vielleicht wollte sie ja, dass du ihr das Handtuch bringst. Oder ... " Boom Boom bleckt grinsend die Zähne, "ihr Handtuch bist." Sie stopft einen weiteren Bissen in sich hinein, kaut kurz und deutlich weniger gierig als zu Beginn und lenkt den Blick unschuldig auf das Essen in ihren Händen. "Ich glaub, du bist scharf auf sie. Oder hast Schiss vor ihr. Oder beides."



Wollte sie? Bullshit. Blaze rollt mit den Augen, „Sie wirft sich doch jedem an den Hals der nich bei drei aufm Baum ist… Danke, aber ne danke.“ er schiebt den letzten Bissen in den Mund und kramt schon nach den Kippen. „Alfo…“ er kaut zu ende, schluckt, und sagt mit der Zigarette zwischen den Lippen, „Nichts für ungut, okay. Kann sie ja machen..“ das Feuerzeug flammt auf und erhellt kurz sein Gesicht. Schachtel und Feuerzeug liegen auf dem Tisch. Dann streckt er ein Bein auf der Bank aus und schaut zum Wasser. Er spürt wie er sich zwingen muss hinter dem zu stehn was er grade sagte. „Sie war total fertig wegen dir und dann bist du wach und alles woran sie denkt ist pissig auf mich zu sein?“ er schüttelt den Kopf, „Versteh ich nich.... is auch egal.“ versucht er das Thema zu wechseln, denn irgendwie verstrickt er sich nur immer mehr.
Boom Boom nimmt eine der Servietten, wischt sich über die untere Gesichtshälfte und trägt ein verkniffenes Grinsen auf den Lippen, als sie den Stoff zusammenknüllt. Stimmt, er versteht es nicht. Ihr scheint aber, dass er sich in der Rolle ganz gut findet, also spart sie sich die Erklärungen. Stattdessen greift sie zu der Zigarettenschachtel. Nur noch eine handvoll Filter strecken sich ihr entgegen. Bei drei Rauchern wird es Zeit für Nachschub. "Wir brauchen mehr davon.", nuschelt sie. "Außerdem muss ich Kohle holen. Und dann sollten wir zurück gehen. Bitch ist nicht gern allein." Schwer blinzelnd wischt sie sich über die Augen. Diese vernebelte Sicht ist anstrengend und nervig. Ihre Augen fühlen sich gereizt an.



„David ist doch da…“ murmelt er.
Blaze erinnert sich an Booms Dilemma mit dem Geld abheben. Weiter weg als Sulani geht fast nicht. Während seine Gedanken noch um Dennah rattern und er sich einzureden versucht das er kein Hellseher ist und dumm sein darf, klingelt sein Telefon. Überrascht nimmt er es und schaut aufs Display.
„Ja? Was gibts?“
„Ne mir gehts gut. Ich bin auf Sulani.“
„Lange Geschichte.“

Blaze hört zu und rappelt sich auf.
„Scheisse. Ja… ähm…“
„Ne ich schaff das.“

Er sieht Boom an.
„Ja ne is klar, kein Ding. Ich bin bis dahin zurück.“
„Jo.“
„Okay. Tschau.“

Blaze sieht sein Display an und legt auf.
„Geld abheben ist ne gute Idee.“ sagt er zu der angehenden Vampirin und steht auf.
Die Augen skeptisch zusammen gekniffen folgt Boom Boom dem einseitigen Gespräch. "Ärger?", fragt sie neugierig, bereit ihm zu folgen, welche Richtung er auch einschlägt.



Dem Straßenverlauf folgend gelangen sie schnell in den Dorfkern. Unkonzentriert liegt das Mädchen einen Meter hinter Blaze, schaut sich immer wieder irritiert nach allen Seiten um, als würde sie etwas suchen. Der Himmel ist leicht bewölkt, doch der Mond scheint kräftig auf die Teenager herab, so dass sie auch ohne künstliche Beleuchtung dem Weg folgen können. Boom Booms Augen fühlen sich immer gereizter und trockener an, als hätte sie den halben Strand auf die Netzhaut eingerieben. Schwer blinzelnd erkennt sie hinter dem dichter werdenden Schleier Blaze' Gestalt nur vage. Hinter ihm herstolpernd fühlt sie sich zunehmend unsicher auf den Füßen. Der Boden verschwimmt in ihrer eingeschränkten Wahrnehmung zu einer unklaren Masse, in der sie jederzeit durch etwas ins Taumeln geraten könnte.
Blaze redet und merkt erst nicht, dass Boom nicht mithält. Er lässt sie wissen, dass er keinen Ärger hat aber Geld braucht, unter anderem weil seine Fahrprüfung ansteht und er dafür zurück muss. Er weiss, er hat nicht mehr all zu viel auf dem Konto und er wird nach dem Schein wieder so gut wie Pleite sein. Er hat keine Ahnung wie viel Geld noch… Blaze sieht sich um und bleibt stehen. Als er sich um dreht bemerkt er ihren Gang und die Mühe die sie plötzlich hat. Er geht die paar Schritte zurück. „Was hast du?“ fragt er und stoppt die Versuche die nicht mehr nach Gehen aussehen.
Mit beiden Händen die Augen reibend bleibt sie stehen, als sie Blaze' Berührung spürt. "Fuck man, ich seh einfach nichts. Ist alles verschwommen." Als sie den Blick angestrengt hebt, sind ihre Augen rot angeschwollen. "Da ... ist irgendwas ... tut voll weh ...", stammelt sie vor sich her.



Dem Drang nachgebend, zu kratzen, setzen ihre Fingernägel auf den geröteten Augäpfeln auf und suchen etwas, das dort nicht hingehört. Am linken Auge erkennt der Finger eine Unebenheit - eine Kante, unter die er sich haken kann, was er schließlich tut. Unter der Fummelei beginnt sich etwas zu lösen. "Scheiße, was isn das?!" Jetzt mit zwei Fingern greift Boom Boom das verhärtete Etwas und holt eine glibberige Masse unter den Lidern hervor. Schmierige Fäden ziehen sich, kitzeln dabei am Auge, bis sie sich lösen und eine angenehme Kühle eintritt. "Besser.", flüstert sie erleichtert, blinzelt einige Male und stellt fest, dass das Bild auf dem Auge erklart. Neugierig betrachtet sie das Zeug in ihren Fingern. Wie eine halbfeste Schale geformt, mit einem Loch in der Mitte, sieht ihr die eigene Iris entgegen. "Is ja krass...", murmelt sie fasziniert. "Soll das so?"
Blaze tritt einen Schritt zurück. Angewidert verzieht er das Gesicht als sie sich vorbeugt und schliesslich dieses glibberige Etwas auf dem Finger hat. Sein Hals zieht sich zusammen und er würde am liebsten kotzen. Sie sieht auf und eins ihrer Augen ist plötzlich weiss. Durchzogen mit roten Adern aber keine Iris mehr zu sehen und lässt sie grotesk aussehen. „Psych..“ wispert er und schluckt schwer. Woher soll er wissen ob das normal ist? „Fuck alter… gehts dir gut?“ Vielleicht verschieben sie die Geld-Sache für den Moment.
"Schon." Sie zuckt mit einer Schulter. "Hier, halt mal." Ohne darüber nachzudenken, drückt sie ihm die abgelöste Hornhaut ihres Auges in die Hand und beginnt sogleich damit, im anderen herumzukratzen. Dort ist die Schicht weniger stark gelöst und Boom Boom kneift aggressiv mit den Fingernägeln in den Augapfel. "Aaaargghh ... " es dauert eine Weile, aber sie lässt nicht locker und zieht schließlich den vom Körper abgesonderten Teil unter den Lidern heraus. Blinzelnd richtet sie sich auf und sieht sich um. "Woah ... das ja krass ...", flüstert sie vor sich her. Die Welt um sie herum erstrahlt in völlig neuem Licht. Alles wirkt viel schärfer. Selbst die Schatten scheinen drei Dimensionen zu haben. Berge, Bäume, ebenso Blaze ist von einem zarten Leuchten umhüllt, als würde er von hinten mit indirektem Licht bestrahlt werden. Jedes noch so kleine Detail der Landschaft hebt sich so vom Hintergrund ab und offenbart ihr eine magische Welt, deren Existenz sie niemals für möglich gehalten hätte.



Keine Sekunde vergeht bis Blaze das Teil in den Sand fallen lässt. Alter ist das widerlich. Eine Gänsehaut zieht sich über seinen Körper in die Arme und er schüttelt sich reflexartig während er sich die Hand an der Hose abwischt. Als er aufschaut, sieht Boom Boom aus als sähe sie etwas was er nicht sieht. Der Körper stirbt, hatte David gesagt. Vielleicht hat es damit zu tun. „Sollen wir zurück gehn?“ fragt er schliesslich und hat Mühe ihr in die Augen zu sehen die jetzt wirken wie in einem Horrorfilm.
"Bist du irre?? Ich will alles sehen." Stürmisch reißt sie Blaze am Ärmel, um ihn mitzuziehen. "Komm schon, big boy, it's Party time!"




(in Zusammenarbeit mit @Ripzha )

>>> Blaze und Boom gehen nach Sulani - Clemens Ferienhütte >>>


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16.12.2024 22:43 (zuletzt bearbeitet: 20.01.2025 09:59)
#15
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Schicksalslenker

<<< Viola kommt von Sulani - Clemens Ferienhütte <<<
<<< Chip kommt von Sulani - Clemens Ferienhütte <<<



Charaktere: Chip/Viola

Geschichtsstrang: Aftermath I



Draußen schlägt ihnen vom Meer her mild temperierter Wind entgegen. Kurz taumelnd stützt sich Chip an Violas Schulter ab. "Sorry." Sie fädeln sich durch das quietschende Gartentor und gehen eine Weile schweigend auf der Straße, die parallel zum Meer verläuft. In hypnotischer Gleichmäßigkeit, schwappen seichte Wellen an den Strand und bilden einen krassen Gegensatz zu Chips fahrigen Gedanken. Er schlingert immer wieder, behält die Flasche fest in die Armbeuge geklemmt, als könne sie ihm helfen, den Kurs zu halten. Körperlich spürt er den Alkohol, geistig scheint jedes Zurückweichen der Gischt einen Teil der Vernebelung in seinem Kopf, mit sich weg zu tragen.
Zusammenhangslos tauchen Sätze und Bilder auf. Denize, die vom Arzt erzählt. Blaze und Stephen auf der Party. Dennah auf dem Pausenhof. Alles dreht sich, verknüpft sich, löst sich wieder auf. "Warum bissu schuld?" Er wankt und sieht zu Viola. "Mit Blaze?"

Viola sieht sich um, doch hier draußen hört niemand sonst zu. Warum sollte sie nicht mit Chip darüber reden? "Nicht alleine, schätze ich. Solange es bei ner platonischen Freundschaft bleibt, läuft alles gut. Aber..." Sie kratzt sich am Kinn, "... mit meiner Empathie klappt es auch nicht immer. Dabei lief es so gut zwischen uns, vor dem Streit." Blaze' Anwesenheit hat ihr eines gezeigt: So sehr sie es sich auch einzureden versucht, sie hat ihn noch nicht komplett überwunden.

"Ich bin einfach n Arschloch." Chip löst den Arm vor der Brust und lässt ihn samt der Flasche neben dem Körper pendeln. "Un ssu blöd für ..Beziunngn." Ein seltsames Lachen dringt aus seiner Kehle. "Das is so ähnlich wie bei dir."

Viola fällt in das Lachen mit ein. "Als Vampirin muss ich das auch. Zu einem gewissen Grad. Sonst würde ich mich nie dazu überwinden können, Blutopfer zu suchen. Aber eigentlich will ich Freunde trotzdem nicht verletzen. Seit ich mit Lucía befreundet bin, mach ich mir Sorgen, wie das klappen wird, wenn wir in die WG ziehen. Ich möchte sie nicht auch irgendwann verletzten. Und dich auch nicht."



Es dauert einen Moment, bis Chip ihre Worte ordnet. Sie erzählt was von Lucía. "Wieso mich?"

"Wer soll mir denn sonst beim Skateboardkauf helfen, wenn ich es mit dir verscherze?" Viola denkt in diesem Moment nicht daran, dass Chip nicht die selbe Alkoholresistenz hat wie sie und wackelig auf den Beinen ist. Sie klopft ihm auf die Schulter, so dass er fast das Gleichgewicht verliert. "Rein freundschaftlich natürlich."

"Ich skate nimmer." Ein Gesprächsfetzen streift ihn. „Du ziehs aus von daheim?“

He, glaubst du, ich will ewig bei meinen Alten wohnen?“ Viola muss lachen. Es tut ihr gut, hier draußen zu sein. Mit Chip ist noch alles in Ordnung. Vielleicht… ist nicht alles verloren „Mom ist schwanger. Ich möchte nicht noch da wohnen bleiben, wenn das Babygeschrei dann los geht…“ Ihr Lachen verebbt kurz, als sie an Denize und ihr Baby denkt – und daran, dass Chip der Vater ist. Schnell wechselt sie das Thema und stellt selber eine Frage: „Warum skatest du nicht mehr? Ich mache das auch nur ab und zu und nicht regelmäßig, aber ich habe es nicht komplett an den Nagel gehängt.“

Babygeschrei. Chip fühlt den Magenschwinger und schließt die Augen. "Keine Zeit." Die Flasche findet den Weg zum Mund. "Hassu ne Kippe?" Er bringt es nicht fertig, auf das Thema Schwangerschaft und Ausziehen zu antworten.

"Leider nicht. Rauchen würde mir etwa genauso wenig nützen wie Alkohol. Ich spüre davon nicht viel." Sie sieht sich um. Wenn ein Kiosk in der Nähe ist, der jetzt noch offen hat, würde sie Chip sogar ne Packung ausgeben. Doch jetzt ist davon keine Spur. Viola wechselt das Thema: "Du weißt auch nicht, wieso Boom plötzlich zu den Vampiren gewechselt hat, oder?" Vielleicht hätte sie das die Irre selbst fragen sollen. Was die wohl denkt, dass ich nun die Party schon verlassen habe, trotz ihrer Herausforderung? Sie zuckt die Schultern. Dieses Mal ist es ihr wirklich egal. Anders als bei Blaze.

Stimmt. Sie merkt ja nichts. "Keine Ahnung." Er schweigt kurz, trinkt und reicht automatisch an Viola weiter. "Vielleich is sie auch n Arsch.. und so hat sie kein Problem damit." Er stoppt und bleibt schwankend stehen. "Was denks du? Wird das mal anders? Oder sin wir einfach so?"

Viola hebt die Brauen, wirkt einen Moment überrascht von seiner Ehrlichkeit. Dann zuckt sie die Schultern. „Frag Vero.“, antwortet sie mit einem schiefen Lächeln.„Ein bisschen Arsch sein ist ja okay. Aber ich will das nicht bei Freunden sein. Ich... arbeite dran, schätze ich.“

"Ja..n bisschen is okay.." Chip saugt gierig die Nachtluft ein. Betäubt bleiben. Er kann nicht greifen, was er sie gern fragen würde. Die Gedanken kommen und gehen zu schnell. "Und arbeitn...ja." Bedächtig setzt er wieder einen Fuß vor den anderen. "Für mich gibts nix mehr zum arbeitn. Ich hab 's verkackt...Aus." Dennah, die nicht fragt, nicht wertet, einfach IST. Plötzlich löst sich ein dünner Faden aus dem dunklen Knäuel im Bauch, steigt nach oben und formt sich zu einem greifbaren Gefühl. Greifbar und ernüchternd. "Weissu was dreckig is daran? Es fühlt sich ehrlicher an, als dran arbeitn." Er stoppt und rüttelt Viola an der Schultern. "Scheiße mann, wie kann sich das anfühlen als wärs richtig?" Lauter werdend fixiert er ihre im Halbdunkel glühenden Augen. " Wenns der größte bullshit is, den ich grad machn kann?" Erschrocken nimmt er die Hände weg und gestikuliert entschuldigend. "Sorry. Ich packs nich." Chip weiß nicht, ob sie versteht was er sagt, es ist auch egal. Er ist dankbar dafür, dass sie da ist. Dass er einfach raus lassen kann, was ihm durch den Kopf geistert, was ihm die Luft abschnürt.



"Glaubst du für mich ist es einfach?" Violas Stimme wird lauter, doch die Wut ist nicht gegen Chip gerichtet. Es ist der Frust über die Situation, der aus ihr spricht. "Ich bin es nicht gewöhnt, auf andere zu achten, war zu lange Einzelgängerin. Manchmal klappt es mehr, dann wieder weniger." Frustriert kickt Viola einen Stein, der im Weg liegt. "Genauso wie mit meinen Gedanken. Es gibt Tage, da denke ich gar nicht mehr an Blaze. Und an anderen, da mache ich mir Vorwürfe, weil es besser hätte laufen müssen. Von beiden Seiten." Sie sieht Chip in die Augen. "Und an anderen Tagen werde ich nur wütend, weil auch er eine Mitschuld hat.".. Sie macht eine kurze Pause. "Ist es bei dir öfters passiert?" Auch wenn Viola nicht ins Detail geht, sollte er wissen, worauf sie anspielt.

Eine Mitschuld. Sind es immer beide? Denize Augen tauchen auf. Diese unschuldigen, wunderschönen Augen. Die ihn schon so lange ohne Funkeln anblicken und jetzt ganz stumpf geworden sind. Ist es nur das Baby? Hier, weit weg von Windenburg, fühlt Chip diese Energie, die ihn in ihrer Nähe beinahe magisch umfängt und an sie bindet, kaum mehr. Violas Worte arbeiten in ihm. "Du machs dir auch Vorwürfe...aber hättst du s besser machen könn? Ohne dich anzulügn?" Chip blickt dem Stein hinterher und kickt ihn ein paar Schritte weiter ebenfalls an. "Oder ihn?" Langsam arbeitet die frische Luft für ihn. Er ist sich nicht sicher, ob es gut ist, wenn er nüchterner wird.

"Ich weiß es nicht. Offenbar nicht. Und obwohl ich das weiß und im Hinterkopf behalten sollte, rutsche ich immer wieder in das selbe Loch." Bei Blaze. Bei Vero. Und wer weiß, bei wem ihr das als nächstes ein Problem wird. Hatte sie bei Nio auch schon Probleme gehabt, die sie damals nicht bemerkt hat? Bei ihm lief es gut, oder? Bis sie sich aus den Augen verloren. Aber mit Nio war es auch nie zur Romanze gekommen.

"Nein, hättst du nich." Chips Stimme ist fest. "Das isses ja...drum bringn die ganzn Vorwürfe nix." Sid. Jessica. Dennah. "Glaub mir ich weiss was ich sag.." Plötzlich klingelt etwas verspätet. "Was is bei mir öfter passiert?"

"Naja... das mit Dennah auf der Party hat sich herum gesprochen.", antwortet Viola mit einem unschuldigen Lächeln. "Was mir ehrlich gesagt egal ist, solange wir keine romantische Beziehung haben.", fügt sie hastig hinzu. Nur Denize ist das sicherlich nicht egal. Diesen Teil spricht sie jedoch nicht laut aus.

Verblüfft über ihre Direktheit, atmet Chip hörbar aus. Andererseits bedeutet das, er braucht nicht herumeiern. Solange..keine romantische...? Beinahe muss er grinsen. Das hat sie nicht gemeint. "Das is der Punkt...Denize hat's mir einmal verziehen. Verstehs du? Wie fuckin' unglaublich das is?" Chips Brust zieht sich schmerzhaft zusammen und dann dröselt sich ein weiterer Faden in sein Bewusstsein. Die ganze Zeit hat er krampfhaft die Augen davor verschlossen. Jetzt prangt es in flammender Schrift vor seinem inneren Auge. Verräter. "Und heute Dennah ...mit der Blaze irgendwas oberstranges am laufen hat..oder ebn nich..was weiß ich...aber irgendwas is und ich hab auf beide geschissen." In seiner Kehle formt sich ein dicker Kloß. „Auf meinen besten Freund und die Mutter meines Kindes.“ Er sieht Viola verwirrt an. "Das war trotzdem das Ehrlichste was ich seit langem gemacht hab.", hört er sich sagen und keucht auf. "Das is...komplett kaputt. Beschissen kaputt.." Er lacht humorlos auf. "Ich hab glaub n größeres Em..Empathieproblem als du."

Violas Ohren zucken, als sie Blaze‘ Namen vernimmt. Es ist vorbei, sagt sie sich. Soll er mit Dennah doch was ‚oberstranges‘ am Laufen haben. Aber warum muss er sie dann belästigen weil er doch wieder was von ihr will? Ob nun unter Substanzen oder nicht. „Oberstrange trifft es gut.“, antwortet Viola amüsiert, „Vor allem, da Dennah wohl eher deine Nähe gesucht hat.“ Aber sie ist nicht Dennah. Sie kann sich nicht jeden um den Hals werfen.. oder ins Bett steigen, wie es ihr passt. Das liegt nicht in ihrer Natur oder ihren Interessen.

Sie hat nicht meine Nähe gesucht.“ Chip dreht die Flasche um und lässt den Rest Schnaps beim gehen neben sich auslaufen. „Sie wollte bumsen..und ich auch.“ Wie zur Bestätigung, gellt der Schrei eines Nachtvogel durch die Dunkelheit. „So einfach ist das.“ ..nicht.




(In Zusammenarbeit mit @Murloc)

>>> Viola geht nach Britechester Nr 7 - Violas kleine Hütte >>>
>>> Chip geht nach Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Chip und Denize >>>


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01.08.2025 23:32 (zuletzt bearbeitet: 24.08.2025 18:49)
#16
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Schicksalslenker

<<< Bella kommt vonBrindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers <<<
<<< Bea kommt von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers <<<
<<< Manuel kommt von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers <<
<<< Theo kommt von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers <<<
<<< Phönix kommt von Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers <<<

Charaktere: Bella, Bea, Theo, Manuel, Phönix
Geschichtsstrang: In den Sand gesetzt?


Mürrisch sitzt Manuel am Strand und hackt mit seiner Ferse einen Krater in den rieselnden Sand, während sich etwas entfernt der Unimog mit Getöse seinen Weg durch den weichen Untergrund gräbt. Seine Mutter hat ihm nicht erlaubt mit zu fahren und das macht ihn wütend. Er ist doch kein Baby mehr! Warum zu gefährlich? Theo und Bella sitzen doch auch in der Viererkabine und haben Spaß. Als ob Bella ihren Sohn nicht genauso lieb hat und aufpasst, dass ihm nichts passiert. Als ob das Ding umkippen würde...Phönixdoch fahren. Mitfahren wollte sie auch nicht und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als zuzuschauen und zu hoffen, dass es irgendwann vielleicht doch noch etwas zu tun gibt für ihn.
Sich Sarah zu widersetzen kommt ihm nicht in den Sinn. Schließlich ist ein Superheldenehrenwort verbindlich und wird auf keinen Fall gebrochen. Wenigstens darf er bei Theo übernachten. Seufzend verschränkt er die Arme auf den angewinkelten Beinen und legt das Kinn darauf ab. Ein schwacher Trost.



"Wuuuhuuu!" Lachend balanciert Phönix die leichte Schräglage des Fahrzeugs aus, steuert gefühlvoll Gas und Lenkrad und bringt das schwere Gefährt wieder auf Kurs. "Sand im Getriebe, so mag ich das." Auch wenn ihm schon wieder der Schweiß aus allen Poren bricht, das ist die erste Fahrt auf dem Untergrund, für die er so viele Monate lang geschraubt und geflucht hat. Jeder Meter ein Genuss. "Ich glaub du bist zu schwer, Theo.", neckt er den Jungen, gegen die lauten Motorgeräusche antönend. "Siehst du?" Er verlangsamt das Tempo unauffällig, schaltet zurück, was der Unimog mit untertourigem Brummen quittiert, und gibt vor mit dem Oberköper mit zu schieben. "Jetzt müssen wir glaub ich mehr Gas geben, da vorne kommt eine kleine Düne. Ob er das schafft, der Moby Dick? Was meinst du?" Er tritt auf das Pedal und lässt den Motor kurz aufheulen. Grinsend wirft er seinen beiden Beifahrern einen Seitenblick zu.

Theo fühlt sich wie ein echter Abenteurer. Der Unimog rumpelt über den Sand, der Wind peitscht die Körner gegen die Scheiben, der Motor dröhnt wie ein wildes Tier – und mittendrin sitzt er, ganz in seiner eigenen Welt. „Superpirat Zen ist zur Stelle!“, ruft er mit leuchtenden Augen und reckt den Finger in Richtung einer aufragenden Düne. „Schneller, Phönix! Nimm die da vorne mit!“ Bella lacht laut auf, der Fahrtwind zerrt an ihrem Haar. Auch sie genießt jede Sekunde – vielleicht nicht mit ganz so viel Fantasie wie ihr Sohn, aber mit ebenso viel Freude.
Ein Stück abseits sitzt Bea im Schatten eines Felsens und beobachtet das Schauspiel. Am liebsten würde sie selbst am Steuer sitzen – aber das lässt ihr verletztes Knie nicht zu. Dass sie nur zuschauen kann, frustriert sie mehr, als sie sich eingestehen will. Der Wind trägt Theos Rufe bis zu ihr – und in ihr Lächeln mischt sich ein Anflug von Wehmut.
Aber Bea wäre nicht Bea, wenn sie sich nicht zu helfen wüsste. Sie greift zum Funkgerät, drückt die Taste und legt sich eine tiefe, bedeutungsschwere Stimme zu: „Hier spricht Funkoffizierin Einbein-Bea vom Festlandstützpunkt – feindliches Handelsschiff gesichtet, Steuerbord voraus!“ Eine dramatische Pause. Dann fügt sie mit gespielt ernster Miene hinzu: „Könnte ein Versorgungskonvoi sein… oder Sandratten mit Bananenvorräten!“
Das Knacken des Funkgeräts ist kaum verklungen, da kommt Theos Stimme zurück, kratzig und voller Spannung: „Verstanden.“
Bea lächelt. In Theos Welt gibt es keine Grenzen – Piraten, Superhelden und Funkoffiziere existieren Seite an Seite. Und schon hört sie ihn wieder, aufgeregt und voller Tatendrang: „Steuerbord voraus! Klar machen zum Entern!“
Beas Blick fällt auf Manuel, der ebenfalls gerne mitgefahren wäre. Nach etwas Überlegung überreicht sie ihm das Funkgerät. „Und du bist mein Assistent!“



Langsam wird es sehr unangenehm. Phönix rinnt der Schweiß in Strömen über Schläfen und Stirn. Einzelne Tropfen brennen in den Augen und vernebeln ihm die Sicht. Während Theo munter den Funkkontakt aufrecht erhält, stupst er Bella mit dem Ellbogen an, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Kannst du bitte kurz das Lenkrad fest halten? Nicht steuern, einfach auf Kurs halten. Keine Angst, wir haben das im Griff, ist nur ganz kurz.“

Ein wenig nervös ist Bella schon. Sie hat keinen Führerschein. In Sulani sind Boote das häufigere Verkehrsmittel, und es gibt nur wenige Straßen auf der Insel. Aber sie soll ja nur kurz halten, nichts steuern. Das kriegt sie schon hin, oder?
„Klar!“, sagt sie und versucht sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. Sie greift zum Lenkrad, ein ungewohntes Gefühl. „Ich krieg das hin!“ So schwer kann das ja auch nicht sein. Ihre Hände sind ruhig... das ist bei der Seefahrt ebenso wichtig, und so ist es Bella gewohnt, ruhig zu bleiben.

„Super, danke.“ So schnell es ihm möglich ist, zieht Phönix ein großes Tuch aus der Hosentasche und reibt sich rasch das Gesicht damit ab. Hörbar ausatmend knüllt er es danach zusammen und pfeffert es auf die rückliegende Sitzbank. Er lächelt Bella etwas gezwungen zu, weil ihn leichte Übelkeit überkommt. Ein Griff in die Seitentür fördert eine Wasserflasche zu Tage, die er hastig öffnet und gierig hinunterstürzt. Der leere Behälter folgt mit Schwung dem Tuch, dann legt er eine Hand auf Bellas, die eisern das Lenkrad hält. „Ich übernehme wieder. Du bist eine tolle Copilotin, Bella.“ Trotz seines ungewohnten Zustandes registriert er, die zarte Haut ihres Handrückens. Als sie sich wieder weg beugt, um auf ihren Sitz zurück zu rutschen, spürt er fast so etwas wie Bedauern.
„Ihr müsst ausweichen.“, knistert Manuels Stimme aus dem Funkgerät. „ Sie haben Kanonen und feuern mit Sandkugeln. Fallt ihnen in den Rücken!“

„Verstanden. Wir ändern den Kurs.“, antwortet Phönix laut und nach außen hin vergnügt, obwohl ihm immer noch mulmig zu Mute ist. Behutsam lenkt er das Fahrzeug in eine weite Kurve. Der Sand ist griffig, aber plötzlich ändert sich der Untergrund. Der Unimog wird langsamer, die Räder graben sich tiefer in den Sand. Phönix hält sich für einen guten Fahrer und er kennt seinen 'Moppel', wie er die Karre liebevoll nennt, schon recht gut. Dieser Untergrund ist allerdings Neuland mit dem schweren Gefährt. Bisher hat er sandige Gegenden im Jeep durchquert. Es hilft alles nichts, eine halbe Minute später stecken sie fest. Ein Blick zu Bella und Theo, dann grinst er. „Davon lassen wir uns doch nicht unterkriegen, oder?Wozu haben wir Sandbleche dabei? Dann haben die auch gleich Generalprobe.“ Er zeigt auf Theo, der ihn mit großen Augen ansieht. „Ruf Hilfe über Funk. Wir brauchen jede Hand, um die Räder frei zu schaufeln.“

„SOS! SOS!“ Theo ruft in das Funkgerät. „Es war eine Falle! Sie wollen uns festsetzen! Brauchen Verstärkung! Ende!“

Bea schaut über Manuels Schulter, der das Funkgerät noch immer in den Händen hält. Er bestätigt die Hilfe, während Bea bereits ihre Krücken schnappt und in Richtung des Unimogs schaut. Sie stecken tatsächlich fest. „Komm, dann zeigen wir den Piraten da drüben mal, dass sie sich auch auf die Bodenmannschaft verlassen können!“, ruft sie Manuel zu, bevor sie sich auf den Weg macht. Die Insassen steigen auch bereits aus und begutachten den Schaden. Das Fahrzeug ist jedoch unbeschädigt geblieben, es steckt nur fest.



Phönix verteilt Schaufeln, lässt die Räder befreien. „Na los, ihr Landratten!“, mischt sich Bea ein, die wegen ihrer Verletzung nicht selber mithelfen kann, „ihr schafft das!“ Sie sieht zu, wie der Sand fliegt, wie immer mehr Reifen zu sehen ist...
Wenn ich selbst schon nicht mithelfen kann, muss ich halt die Befehle übernehmen.“

„Hey, ich bin hier der Kapitän!“, ruft Theo dazwischen, „Und ich sage, macht weiter so!“ Er hilft jedoch auch selbst fleißig mit... bis seine Schaufel plötzlich gegen einen Widerstand stößt. Er bringt ein Sandförmchen zu Tage, das wohl ein Tourist hier verloren hat. „Hier gibt es sogar Schätze!“, ruft er lachend.

Froh, endlich auch ein Teil des Teams sein zu können, stürmt Manuel los, das der Sand nur so nach allen Seiten spritzt. Superheldenkräfte werden benötigt, das ist seine Chance. Vor Ort empfängt ihn Phönix mit einem kräftigen Handschlag und drückt ihm eine handliche Schaufel in die Hand. "Danke Kutsu, du bist uns eine große Hilfe."
Stolz reckt Manuel die Schaufel in die Luft und wirft sich dann neben Zen auf die Knie in den Sand. "Auf geht's!" Emsig buddeln die beiden Kopf an Kopf. Als Theo das Förmchen entdeckt, lacht Manuel und reckt seinen Daumen in die Höhe, ehe er weiter gräbt. "Bestimmt gibt's noch eine Kiste irgendwo."
Phönix montiert in der Zwischenzeit zwei Sandbleche von den Seiten des Unimogs ab und stößt kurz darauf wieder zu den Anderen. Die gelochten Metallteile stellen eine Art Schiene dar, auf der die Räder des Fahrzeugs wieder Halt finden sollen, um weiter fahren zu können. An den Seiten befinden sich Aussparungen, damit man sie gut platzieren und auch wieder entfernen kann.

"Ich denke das müsste genügen. So sehr tief ist der Sand hier nicht.", sagt er nach einem prüfenden Blick auf die frei gelegten Reifen. "Komm Bella, wir legen das erste drunter, die Jungs können vorsichtshalber hinten noch ein bisschen schaufeln.“
Kurz darauf sind die Bleche in Position und Phönix dreht sich zu den Jungen um. "Kutsu!Zen! Wir brauchen jetzt eure mentalen Kräfte. Ich werde gleich Moppel starten und ihr setzt eure Gedanken und Stimmen ein, damit die Aktion gelingt. Wir brauchen eure gesamte Energie. Könnt ihr das leisten?"
Sein Ton ist seriös und der Blick unterstreicht den Ernst der Lage. "Ohne eure geistige Unterstützung und anfeuernde Rufe, wird es nichts werden." Dann blickt
er zu Bella und streckt ihr lächelnd eine Hand hin. "Komm, du unterstützt mich mental in der Fahrerkabine. das ist auch wichtig."
Er hilft ihr beim einsteigen und schwingt sich selbst hinter das Lenkrad. Dröhnend startet der Motor. "Es geht los!“, ruft Phönix aus dem herunter gekurbelten Fenster.
Schwungvoll nimmt er seinen Hut ab und drückt ihn Bella auf den Kopf. „Der geht mir grade im Weg um.“, kommentiert er grinsend, beugt sich auf den Ellbogen gestützt seitlich etwas aus dem Fenster, um die Kinder und die Räder sehen zu können. und beginnt sachte den Unimog in Gang zu setzen.

„Natürlich schaffen wir das!“, rufen die Kids fast gleichzeitig. Bella grinst. Sie rückt etwas näher Phönix. „Maschinen sind startbereit!“, mischt sich nun auch Bella in das Spiel mit ein, „Und mit Zens und Kutsus Hilfe kann ja gar nichts mehr schief gehen.“ Sie fasst sich an die Stirn. „Mentale Unterstützung aktiviert!“

Selbst Bea kann sich ihr Grinsen nicht verkneifen, als sie sieht, wie Theo damit anfängt, irgendwelche lustigen Bewegungen zu machen, die wohl seine Mentale Magie darstellen sollen. Sie selbst unterstützt mit Rufen: „Schaltet den geheimen Flugmodus ein! Dann sollte es klappen!“ Das Fahrzeug ruckelt, sträubt sich. Offenbar reicht es noch nicht ganz. „Ja, der geheime Flugmodus! Den dürfen wir nicht vergessen!“, greift Theo die Idee seiner Schwester auf. Es ist ihm nicht anzusehen ob es ihn stört oder nicht, dass es nicht die seine ist.
Ein letztes Schaukeln, ein letzter Ruck, dann setzt sich der Unimog doch noch in Bewegung. Die Crew – sowie draußen als auch drinnen – fällt in einen lauten Jubel.

"Die beste Wüstencrew, die es gibt!", ruft Phönix aus dem Fenster hinaus, wendet sich zur Seite und drückt grinsend Bella kurz an sich. "Daaaaankeeee!!" Er winkt dem Bodenteam zu, kurbelt die Scheibe hoch und wartet bis Theo wieder im Führerhaus sitzt. "Wie sieht's aus? Nach Hause? Soweit ich verstanden habe, ist es nicht weit von hier."
Phönix sieht die beiden fragend an. "Und ich glaube Kutsu hätte auch nichts gegen ein bisschen Heldengesellschaft.", sagt er mit Blick auf Manuel, der sehnsüchtig von unten zu ihnen hoch blickt.



Phhönix nimmt das Verbot nicht persönlich. Er kennt den Typus der besorgten Mutter aus dem Arbeitsalltag und auf eine gewisse Weise, kann er es Sarah nicht verdenken. Auf der Straße war die Fahrt genehmigt, aber auf dem unwegsamen Gelände am Strand nicht mehr. Was soll's.
"Ich verstau noch schnell die Sandbleche und dann halten wir uns wohl besser an den festeren Sand, weiter landeinwärts."

„Das klingt gut.“, stimmt auch Theo zu, „Kutsu und ich haben sowieso noch andere Heldentaten zu erledigen.“ So langsam hat er auch etwas Hunger.“ Bella lächelt. „Ich habe für euch Kids gekocht, und ihr dürft heute ausnahmsweise mal so lange fernsehen wie ihr wollt.“ Sie lächelt. „Ich komme erst spät wieder.“ - „Jaja“, grinst Theo, „Ich weiß schon!“



Theo, Bea und Manuel sitzen bald am Lagerfeuer vor dem Haus, jeder mit einem Teller vor sich, wo sie die abendliche Stimmung genießen. Bella hat jedoch andere Pläne.

(in Zusammenarbeit mit @Murloc)

Fortsetzung folgt...

>>> Theo geht nach
>>> Manuel geht nach


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06.08.2025 13:30
#17
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Schicksalslenker

Charaktere: Bella, Phönix
Geschichtsstrang: Alle Bedenken über Bord


Bella lässt ihre Füße ins kühle Wasser baumeln, während sie mit Phönix im Kanu treibt.
Prost!“, sagt sie lachend, und ihre Gläser stoßen mit einem leisen Klingen zusammen. Das Picknick auf dem offenen Meer – ihre Überraschung für ihn. Die Wellen wiegen das Boot sanft hin und her, der Sekt schwankt in den Gläsern, schwappt aber nur ein wenig über den Rand. Bella lacht, blinzelt in die Sonne und wirft ihm einen verschmitzten Blick zu. Der Picknickkorb steht zwischen ihnen, bereit, seine Schätze preiszugeben.



Seit der Schweiß-und Übelkeitsattacke im Unimog, sind ein paar Stunden vergangen. Immer noch begleitet Phönix ein leicht mulmiges Gefühl und eine unterschwellige Instabilität. Das Gefühl, sein Allgemeinbefinden könnte jede Sekunde wieder kippen, hält sich hartnäckig. Es gelingt ihm weitere, eventuelle Risiken, die sich in sein Bewusstsein schieben wollen, zu verdrängen.
Eine leichte Brise kräuselt die Meeresoberfläche und verwandelt die sich darin spiegelnde, langsam golden werdende Sonne, in ein surreales Gemälde ineinander fließender, glitzernder und tanzender Farbkleckse. Als Bella den Sektkorken knallen lässt und ihm gleich darauf ein Glas herüber reicht, lässt ihn das sein Unwohlsein vergessen.
Nur zu gerne lässt er die Ruder sinken und stößt mit ihr an. In dieser entspannten und gleichzeitig intimen Atmosphäre im Boot, gleicht sie selbst einem Gemälde. Hingestreckt, die tätowierten Beine über der Bootskante, leise mit den Füßen im Wasser pritschelnd, ihr Haar, mit dem türkisklaren Wasser um die Wette strahlend.. ein Gesamtkunstwerk. Er könnte einfach hier sitzen und sie anschauen. Minuten, vielleicht stundenlang. Genießen, wie das wechselnde Licht andere Reflexe zaubert, jede ihrer Bewegungen, ihr Lachen neu beleuchtet... Was ist los mit dir? Hallo Bodenkontakt!
Blinzelnd schwenkt Phönix aus dem verträumten in den 'live' Modus. "Worauf möchtest du trinken?"

„Auf den Unimog.“ Bella lächelt. „Auf einen gelungenen Abend, mit Spannung und Abenteuer. Und auf uns.“ Das Kanu schaukelt leicht im Meer.

Wie ein zarter Hauch wehen ihre letzten Worte zusammen mit dem Abendwind zu ihm herüber, streifen prickelnd über Phönix' Haut und bescheren ihm eine Gänsehaut. Beiläufig registriert er das Schaukeln des Bootes, ist aber zu gefangen im Augenblick, um weiter zu denken.
Er nippt am Sekt - gar nicht sein Getränk, aber im Augenblick köstlicher als jeder Whiskey - und neigt interessiert den Oberkörper vor. "Du bist eine Genießerin, Abenteuerin und genau richtig verwegen.", sagt er, die Stimme eine Spur rauer als sonst. "Bella, ich mag dich." Die Gläser klirren nochmal, ihre Blicke treffen sich und der elektrisierende Funke in der Luft, spiegelt sich in ihren Augen wider. Phönix lässt alle Bedenken fahren, gibt der eigenen Abenteuerlust nach und leert das Glas auf ex.
Der Schampus steigt ihm in den Kopf, im Magen perlt es mehr, als ihm gut tut, hilft aber seinen ganzen Mut zusammen zu nehmen. Rülps jetzt bloß nicht!
"Ich finde, wir sind viel zu weit auseinander..es gibt weichere Plätzchen für dich zum anlehnen.", sagt er leise und erhebt sich, bemüht den Fokus auf Bella zu lassen und das Wasser ringsherum zu ignorieren. Das filigrane Kanu widersetzt sich knarzend der nicht unerheblichen Masseverschiebung und schaukelt protestierend. Eben noch den Blick auf Bellas zierlichen Knien, spürt Phönix die eigenen erst weich, dann wackelig werden. Nein! Bitte nicht!! Heiße Panik arbeitet sich wie ein glühender Lavastrom durch seine Brust, schießt ins Gehirn und löscht jeglichen klaren Gedanken aus.
Die Hände greifen ins Leere auf der Suche nach Halt, rudern ziellos durch die Luft. Phönix versucht sich zu bücken, bei Bella Halt zu finden, verfehlt und klatscht ungebremst, mit einem lauten Schrei ins Meer.
Für einen Moment blubbert und gurgelt es unter Wasser, Blasen steigen wirbelnd auf, dann folgt Phönix. Panisch nach Atem ringend, klammert er sich an den Bootsrand. Unkontrolliert strampeln seine Beine unter Wasser, er rutscht ab, krallt sich erneut fest und hustet spuckend und würgend Salzwasser aus. "Hilf ..! ..kann nich... schwimm!", brodelt er keuchend , ehe er wieder am glitschigen Bootsrand abzugleiten droht.

Die Panik in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Bella fackelt nicht lange. Sofort greift sie unter Phönix' Arme um ihn wieder hinauf zu ziehen. „Keine Sorge, ich hab dich!“
Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Das Meer ist zwar ruhig, aber Phönix ist kein Leichtgewicht und sie kein Kraftchampion. Auch das jetzige Übergewicht an einer Seite bereitet Schwierigkeiten. Was die ruhige See nicht vermochte, gelingt dem wackelnden Kanu: Die Flasche Sekt, samt Gläsern kippen allesamt ins Meer. Nur der Korb mit dem Essen hängt noch unter den Sitzen fest und neigt sich, bleibt jedoch tapfer am Bord.
Bella strengt sich an. Das Wackeln wird wilder, das Kanu droht zu kippen. Aber es gelingt endlich, auch durch Phönix' eigene Mithilfe, ihn wieder an Bord zu ziehen. Dass letztendlich auch der Korb über Bord geht, bekommt sie nur mit, als sie diesen in Begleitung von Phönix' Hut im Meer treiben sieht... bis er sich mit Wasser vollgesogen hat und nun endgültig versinkt.



Egal. Völlig egal. Phönix ist es, worauf es ankommt. Und er liegt nass, aber gerettet, auf dem Kanu. Auch das Wasser, das an Bord schwappte, reicht nicht aus, um gefährlich zu sein, auch wenn es für nasse Füße sorgt. Erschöpft, aber erleichtert über die Rettung, fällt Bella ins Lachen. Ein Versuch, die angespannte Situation zu lockern. „Sekt und leckeres Essen... Die Fische haben jetzt auf jeden Fall einen Grund zum Feiern!“
Wie schön dieser Mann doch ist. Auch die Nässe kann daran nichts ändern. Sie sieht ihm in die Augen, noch ganz außer Atem, noch voller Sorge, und merkt, wie alles in ihr sagt: Jetzt. Jetzt oder nie. Sie zieht ihn an sich. Dann gibt sie ihm einen liebevollen Kuss.

Ihre zarten Arme ziehen und heben ihn mit ungeahnter Kraft und Energie. Das hilft Phönix die letzten Reserven zu mobilisieren, bis er schließlich japsend, mit wummerndem Herzen auf dem Kanuboden zum liegen kommt. Er schließt die Augen, versucht sich zu sammeln. Jetzt macht das Sinn. Nach Luft schnappen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Das Bild schießt ihm ungefiltert in den Kopf, reizt seine Lachmuskeln und Bellas Bemerkung gibt ihm den Rest. Immer noch Salzwasser ausprustend lacht er lauthals los. Befreit, erlöst, dankbar. Er lebt! Hahaha! Und diese unglaubliche Frau hat ihn ger..
Wie eine weiche Fata Morgana treffen ihre Lippen auf seine, lassen ihm immer wieder kurz Zeit zum Luft holen und liebkosen erneut. Phönix' Lebensgeister explodieren, verschmelzen mit dem unbändigen Gefühl dem Tod entronnen zu sein, zu einem wilden Tanz in seinem Inneren. "Bella..." Mehr ein heiserer Laut, als ein gerauntes Wort. Er umschlingt sie, küsst, umfasst ihr Gesicht, küsst weiter und lässt sich in die Intensität des Augenblicks fallen, bis sie sich schließlich irgendwann, außer Atem, von einander lösen.
Mühsam rappelt er sich ein wenig auf, rutscht vorsichtig , bis er sich stabil anlehnen kann und zieht sie, mit dem Rücken zu sich, in seine Arme. Pitschnass aneinander geschmiegt, verharren sie kurz schweigend. Vergeblich versucht Phönix sein Inneres zu ordnen. Zu viel Eindrücke, zu intensiv. Er legt seine Wange an ihre und atmet hörbar aus. Für eine Erkenntnis reicht es. "Ich bin so ein Idiot.", sagt er leise und umschlingt sie eine Spur fester mit seinen Armen.

Bella schweigt eine Weile, genießt den Augenblick. Ihr Temperament ist mit ihr durchgegangen, der Kuss war nicht geplant gewesen. Aber Phönix wirkt nicht so als hätte er ein Problem damit. Sie streicht ihm über die Wange. "Schhh.", murmelt sie, "Nichts davon ist deine Schuld. Ich war es, die die Idee mit der Kanutour hatte, und ich hätte mich schlau machen sollen ob du schwimmen kannst oder nicht.. oder für Schwimmwesten sorgen müssen. Tut mir leid, dass ich das versäumt habe."

Jetzt ist es an ihm 'Schhhh' zu flüstern. "Ich bin ein Idiot, weil ich nichts gesagt habe. Wollte nicht, dass dieser Schrank von einem Mann zugeben muss, dass er im tiefen Wasser eine Memme ist. Ich hatte Angst, du würdest das bemitleidenswert finden, wo du doch quasi mit dem Meerwasser verwachsen bist.. kurz, ich wollte nicht blöd dastehen, sondern der Held sein, der jedes Terrain meistert." Zärtlich streicht er ihr eine nasse Strähne aus der Stirn. "Siehst ja was uns mein Abenteurerstolz gebracht hat.. obwohl..." Nach einem weiteren, langen Kuss lächelt er verschmitzt. "Das Ergebnis ist perfekt."

Ihr schlechtes Gewissen ist echt. Aber auch ihr wird klar, dass Phönix nichts von einer Entschuldigung hören will. Er braucht das Abenteuer. Also hält auch sie sich nicht lange mit dem Gedanken auf: "Perfekt, hm? Das kannst du laut sagen. Und du hast Recht: Es wäre auch langweilig, sich an jede Regel zu halten." Ihre Augen blitzen verschmitzt. Das Drama, das nur ein paar Minuten her ist, ist längst wieder vergessen, als ihr plötzlich eine Idee kommt: "Da das Essen nun buchstäblich ins Wasser gefallen ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens könnten wir nun doch zurück fahren und dort etwas futtern. Oder..." Sie schmunzelt. "... wir steuern eine der Inseln an. Oft gibt es dort Früchte zu finden, und das ganz umsonst. Wie Bananen oder Kokosnuss. Was sagst du?" Sie genießt es, ihn so nah bei sich zu haben.

Unwillkürlich muss Phönix grinsen, bei ihren letzten Worten. "Wie Adam und Eva im Paradies? Nur mit Bananen?" Er bebt vor unterdrücktem Lachen. "Ich glaube damit hast du mich...", flüstert er zu ihr vor geneigt und beißt sie sanft ins Ohr. "..am Haken." Versonnen ihren Arm streichelnd, geht die Fantasie weiter mit ihm durch. "Vielleicht hast du ja irgendeinen, geheimen Trick, ein Feuer zu entfachen, wenn alle Utensilien durchnässt und unbrauchbar sind.. dann könnten wir unsere Sachen am Feuer trocknen und in Palmblätter gehüllte Bananen im Feuer backen. Wie klingt das?"

Bella muss lachen. Der Vergleich mit Adam und Eva passt sehr gut. "Das klingt super. Leider muss ich dich enttäuschen. Ich habe keine Ahnung wie man ohne Feuerzeug ein Feuer entzündet. Hier in Sulani sind Pfadfinder nicht so verbreitet, als dass dies meine Jugend hätte sein können." Sie zwinkert ihm zu. "Aber vielleicht kannst du mir dabei ja zeigen, dass auch in dir ein Held steckt."
Sie steuern die nächste Insel an, wie es sie hier viele gibt. Zu klein, um von Menschen bewohnt zu sein. Bella zieht das Kanu an Land wo sie es, gemeinsam mit Phönix, umkippt und vom Wasser befreit.

Nachdem das Boot versorgt ist, spürt Phönix erst bewusst, wie unangenehm ihm die Kleider am Körper klatschen und..er tastet suchend auf seinem Kopf. Klar. Natürlich ist der Hut weg. Nicht dass er keinen mehr hätte, aber der war besonders. Genau richtig weich und zerknautscht. Was soll's. "Sieht aus, als müsste ich erstmal ohne meine Lieblingskopfbedeckung auskommen." Er grinst. "Fühlt sich direkt nackt an."

Bella sieht Phönix an. [b]"Ich habe ihn fortschwimmen sehen, als ich dich wieder an Bord zog. Aber glaub mir, du warst mir dann doch ein klein bisschen wichtiger."
Einen Moment bleibt sie schweigend stehen. Dann zwinkert sie ihm zu. "Ein Hut lässt sich ersetzen. Ein Phönix nicht." Aber da er grinst, wirkt es so, als würde auch er mit dem Verlust klarkommen.

Für einen Moment sprachlos, kann Phönix sie nur ansehen. Unglaublich, wie frei diese Frau mit ihm umgeht. Sein Herz hat weniger Probleme, sich zu artikulieren als er und verdoppelt umgehend die Aktivität. „Das ..äh..ja, ist wohl wahr.“, stammelt er, immer noch angenehm verwirrt von ihrer Direktheit und lenkt sich ab, indem er sich wieder auf seine nasse Kleidung konzentriert.
Ein abwägender Seitenblick auf Bella, dann zieht er sich entschlossen das Hemd über den Kopf. „Ich kann das nicht ertragen, wie alles an mir dran klebt, sorry.“ [i[ Was für Unterwäsche hab ich an? Die gestreifte? ok[/i]
Seine Shorts landen flugs neben dem Hemdknäuel im Sand. „Wenigstens so.“ Er zuckt halb belustigt, halb entschuldigend mit den Schultern.
„Wir könnten uns aufteilen. Du suchst die Früchte und ich schau..“
Er geht in die Hocke, kramt kurz in dem durchnässten Kleiderbündel und reckt triumphierend ein Taschenmesser in die Höhe. „..dass ich hiermit ein wenig trockenen Zunder herstelle.“ Suchend gleitet sein Blick über das Buschwerk und die Palmen etwas weiter abseits vom Strand. „Ich denke die Palmen liefern Fasern genug und dann heißt's testen, was von den survival Übungen noch parat ist.“, sagt er, sich an die Schläfe tippend. "Held bin ich vielleicht keiner, aber für die Wüste hab ich geübt."

Bellas Blick wandert von Phönix' Figur zu seinen Tattoos, die normalerweise verdeckt sind. Ihr gefällt, was sie sieht. Sie schämt sich nicht einmal dafür, und schenkt Phönix ein fröhliches Lächeln. „Das klingt wie ein guter Anfang. Sandig wie in der Wüste ist es hier auch.“ Sie selbst wringt ihre nassen Sachen etwas aus, behält sie aber an. Für sie als Meersim ist die Nässe nicht das Problem. „Ein guter Plan. Palmen sind zwar kein tolles Brennholz. Meistens zu feucht. Aber als Zunder sollte es reichen. Vor allem jetzt im Sommer.“ Sie sieht ihm tief in die Augen. „Ich glaube an dich!“ Das ist nicht gelogen. „Und ich mach mich so lange mal auf die Fruchtsuche.“



Ein Stück trockene Palmrinde, Fasern und ein angespitzter Stock. In der Theorie ausreichend, um etwas Glut zu entfachen.
Phönix hat dünne, kleine Stöckchen im Gebüsch gesammelt, einige trockene Blätter dazwischen gepackt und schon größere Äste für das Feuer zurecht gelegt. Jetzt kommt' s drauf an.
Arnim und er haben schon als Jugendliche öfter im Freien gecampt und hatten gewetteifert, wer es schneller schafft, durch Reibung die Funken und Anfangsglut zu erzeugen. Also los.
Phönix kniet sich hin, packt das mit einer Vertiefung präparierte Rindenstück zwischen seine Beine, legt die Fasern darauf, setzt den spitzen Stock in die kleine Mulde dazu und beginnt energisch mit beiden Händen das Holz zu quirlen. Hoffentlich tropft mir nicht der Schweiß genau da rein, denkt er besorgt, als auch schon ein erster, hauchdünner Qualmfaden zu erkennen ist. Weiter. Seine Arme werden schwerer und die Handflächen brennen, wie er sich das vom Feuer wünschen würde. Zähne zusammen beißen. Der Rauchfaden wird kräftiger, das beflügelt. C'mon bitch..mach schon!“, zitiert innerlich er einen seiner Helden aus einem Dschungelfilm und beißt die Zähne zusammen, dass es knirscht.
Der Funke zündet, entfacht die Fasern und das glühende Häufchen landet mit einem Freudenruf im vorbereiteten Lagerfeuer.

Tatsächlich dauert es nicht lange, bis Bella fündig wird. „Na also!“, freut sie sich. Bananen! Perfekt für dieses Klima. Hier gedeihen sie prächtig. Gekonnt pflückt Bella sich ein Bündel. Wilde Bananen sind kleiner als ihre Verwandten im Supermarkt, aber hier gibt es genug um trotzdem satt zu werden. „Und es bleibt ja nicht nur bei Bananen!“, sagt sie zu sich selbst, als sie noch eine Kokosnuss erblickt, die bereits von selbst vom Baum gefallen ist. Ein gutes Zeichen, dass sie reif ist. Sie greift nach ihrer Beute und macht sich auf den Rückweg. Schon von weitem erkennt sie die Flammen am Ufer.

Yes! Jetzt wird’s gemütlich!“, lacht Phönix. Das muntere Knistern der trockenen Blätter und Ästchen klingt wie Musik in seinen Ohren. Kurz darauf liegen die Kleider zum trocknen neben der Feuerstelle im Sand und Phönix rückt so nahe wie möglich an die Flammen. Wie gern würde er auch diesen nassen Klumpen von Boxershorts dazu packen. Die Abendsonne taucht Strand und Meer in rotgoldenens Licht. „Ich würde wirklich gerne mal mit dir kochen. Am liebsten hier auf Sulani, im Freien. Was ist denn die Spezialität, die du am liebsten zubereitest?“, lenkt er sich mit Fragen, von anderen Gedanken ab, die ihn streifen, während er das Spiel von Licht und Schatten genießt, das die flackernden Flammen auf Bellas Haut zeichnen.



Bella genießt die Wärme am Feuer sofort. „Du bist wirklich der Feuerheld!“, lobt sie. Sie setzt sich dicht neben ihn, dicht genug, um seine Haut neben der ihren zu spüren. Erst dann beantwortet sie seine letzte Frage. „Ich dachte an ein leckeres Bananendessert mit Kokos für heute.“, sagt sie scherzhaft, ganz so als hätten sie eine Alternative. „Das ist ein 5-Sterne Gericht, sag ich dir!“ Ihr Grinsen ist echt. Gut, dass das Messer das schaukelnde Kanu überlebt hat. Damit lässt sich die Kokosnuss gut öffnen.
Wie schön dieser Tag doch ist! Insgeheim freut sich Bella darüber, dass es doch nicht bei einem Picknick auf dem Meer geblieben ist. So wie jetzt... ist es sogar noch viel besser! „Und zum Nachtisch Bananen-Kokos-Spieße!“, fügt sie lachend noch hinzu.

Ein echtes 'Fünf-Sandkörner-Menü, ich verstehe.“, flachst Phönix.“Klingt köstlich.“

Die Vorbereitungen für das Kochen sind schnell erledigt: Die Bananen sind kleingeschnitten, auch das Kokosfleisch geraspelt. „Die müssen wir jetzt in die Bananenblätter einwickeln.“, erklärt sie Phönix, „denn das Ganze wird später auf die Glut gelegt. Und die Blätter verhindern, dass unser Essen anbrennt.“ Sie ist glücklich darüber, ihr Kochwissen über sulanische Spezialitäten weitergeben zu können.

Fasziniert verfolgt Phönix, wie geschickt Bella Bananen und Kokosraspel in die Palmblätter wickelt. "Ein bisschen wie beim Sushi zubereiten.", sagt er beeindruckt von ihrem Tempo, ohne den Blick abzuwenden. Dann nimmt er sich selbst eines der Blätter und beginnt es zu füllen. "Das hab ich noch gar nicht so lange her zum ersten Mal mit Freunden zubereitet. Auch spannend ..und sehr lecker." Er platziert sein erstes, gefülltes Päckchen auf dem Stapel und sieht auf. "Nur glaube ich, dass mir das einfache Mahl heute tausend Mal besser schmecken wird."



Bella lächelt. „Es schmeckt immer am Besten, wenn es selbst gekocht wurde.“, sagt sie schmunzelnd, während sie weiterhin die Bananen klein schneidet und auf die Blätter verteilt. „Und auch die Palmblätter haben eine wichtige Aufgabe dabei: Sieh es als natürliches Backpapier! Und außerdem dient es dazu, für etwas Aroma zu sorgen.“ Sie legt die eingewickelten Bananen sorgfältig in eine Mulde neben dem Feuer.

Phönix hört zu und gleichzeitig spürt er dem Klang ihrer Stimme nach. Melodisch. Das ist schön und fiel ihm schon bei ihrem ersten Treffen in der Schule auf. „Du bist eine gute Lehrerin.“, lobt er. „Ich würde gerne noch mehr von dir lernen.“ Er fängt ihren Blick auf und nickt bekräftigend. „Weißt du, jetzt muss ich mich ja nicht mehr genieren, weil ich nicht schwimmen kann. Du kennst das 'Geheimnis'.“ Er schmunzelt . „Ich bin gern im Wasser, hab nur nie richtig schwimmen gelernt. Möchtest du meine Lehrerin dafür sein? Von wem könnte ich es besser lernen, als von einer Meerfrau?“



Bella lächelt. "Ich danke dir für dein Vertrauen. Und ich nehme an!" Für sie ist es schwer vorstellbar, nicht schwimmen zu können. Es ist ihr als Meersim einfach angeboren. "Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht gemeinsam schaffen werden!" Voller Vorfreude malt sie sich die Schwimmstunden bereits aus.

Ihre ungebrochen positive Energie macht Phönix das Herz weit. Mit dem Leben mit fließen, sich anpassen an unverhofft wechselnde Bedingungen und dabei vergnügt bleiben. Eine hohe Kunst, die nicht viele Sims meistern.
Bella scheint sie in die Wiege gelegt worden zu sein. Ihr Lachen wirkt ansteckend. Ihre Augen blitzen vergnügt, als sie aufblickt und ihn ansieht. Phönix tut, was ihm sein ganzes Wesen sagt. Er zieht sie in seine Arme und küsst diese fröhlichen, , verführerischen Lippen mit seiner ganzen Seele. Sanft, ein wenig fordernder, um dann wieder genüsslich ihrem Tempo zu folgen.
Weich und seidig gleitet ihr Haar über seine Hände, die zärtlich ihre Haut erforschen. Am Rande nimmt er wahr, wie sie mit einer Hand herumtastend, ein fertig gerolltes Bananenblatt zur Seite legt. Das bringt ihn leise zum lachen. "Du wolltest unser Essen nicht los lassen, was?" Lächelnd rückt er etwas ab und sieht ihr in die Augen. "Ich würde gerne den Hauptgang etwas verschieben...", raunt er leiser werdend und zieht sie sachte mit sich in den warmen Sand. "Und den Augenblick genießen...", murmelt er dicht an ihrem Mund, die prickelnden Sekunden auskostend, bis er ihre Hände sanft streichelnd am Rücken spürt und seine Lippen erneut die ihren finden.

Bella erwidert den Kuss leidenschaftlich. Wer hätte das gedacht? Noch bei Green Fingers hatte sie darüber nachgedacht, ob es je mit Phönix etwas werden kann. Sie spürt, wie sehr sie diese Nähe berauscht. Sie genießt die Vorspeise, schließt die Augen, und streicht mit ihren Fingern sanft über seinen Rücken. Die Bananen und das Feuer sind längst vergessen. „Jetzt bin ich erst recht hungrig“, haucht sie schließlich, mit dem Lächeln das so typisch ist für sie, „Hungrig auf mehr!“



(in Zusammenarbeit mit @Murloc)


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24.08.2025 18:48 (zuletzt bearbeitet: 24.08.2025 18:49)
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Bestseller-Schmied

<<< Nari kommt von Windenburg (2) <<<

Charaktere: Bea, Nari
Geschichtsstrang: Sommerliche Begegnung


Zu Hause liegt eine drückende Schwere in der Luft. Nari spürt sie bei jedem Atemzug, als würde der Druck der unerledigten Dinge sie Stück für Stück erdrücken: kein Rucksack, keine Wohnung, und stattdessen lässt sie die letzten Tage eher träge verstreichen. Es ist, als ob die Wände immer näher rücken, als wollten sie sie verschlucken. Da weiß sie: Sie muss raus. Jetzt.
Die Ferien bieten ihr die perfekte Flucht, und Sulani liegt zum Glück gleich um die Ecke. Also steigt sie auf die nächste Fähre, ohne groß nachzudenken. Kaum legt das Boot ab, streckt sie ihr Gesicht dem Wind entgegen. Die salzige Brise zerzaust ihr Haar, Möwen ziehen schrille Kreise über den Wellen, und die Sonne tanzt glitzernd auf dem Wasser. Für einen Moment ist all der Druck, all die Last, wie fortgeweht. Ein Lächeln huscht über ihre Lippen – eines, das immer breiter wird, bis sie über das ganze Gesicht strahlt. So fühlt sich Leben an.
Ihre Gedanken wandern kurz zu Dennah und Blaze. Allein die Vorstellung, die beiden später wiederzusehen, lässt ihr Herz schneller schlagen. Das Fest – sie kann es kaum erwarten. Gleichzeitig kribbelt eine leise Unsicherheit in ihrer Brust: Was wird sie an diesem besagten Abend wohl erwarten?
Die Stimmen und Bewegungen der anderen Passagiere verschwimmen zu einem dumpfen Hintergrundrauschen. Nari verliert sich lieber im Anblick des endlosen Blaus, lässt ihre Gedanken treiben wie das Boot auf den Wellen.

Dann reißt ein abruptes Rucken sie aus ihrer Trance – die Fähre legt an.
Wie elektrisiert springt sie auf, ihre Augen glänzen. Quitschend vor Aufregung huscht sie über die Planken, als könnte sie die Welt gar nicht schnell genug betreten. Palmen wiegen sich im warmen Wind, und zum ersten Mal sieht sie die Insel mit eigenen Augen. Es ist überwältigend, fast zu viel für einen einzigen Augenblick – Farben, Gerüche, Geräusche prasseln auf sie ein.
Ein Blick auf die Uhr beruhigt sie. Noch Zeit bis heute Abend. Ein Grinsen breitet sich auf ihrem Gesicht aus. Also los – ab an den Strand!
Der Weg dorthin fühlt sich an wie ein Traum. Kaum berühren ihre Füße den feinen Sand, breitet sich in ihr eine tiefe Ruhe aus. Der Wind ist warm, das Meer glitzert, als hätte jemand tausend Diamanten über die Wellen gestreut. Nari atmet tief durch, und zum ersten Mal seit Langem fühlt sie sich wirklich frei. Alle Sorgen, der ganze Druck von zuhause – sie sind wie weggeblasen. Jetzt zählt nur dieser Moment: sie, die Sonne, und das Meer, das im Licht funkelt wie ein Versprechen.

Beas Fischschwanz peitscht durch die Wellen. Die junge Meerfrau hat Spaß. Eigentlich ist ihr Knie immer noch nicht richtig verheilt. Und sie hätte es langsam angehen müssen. Doch Bea hat es nicht mehr ausgehalten. Sie hat es einfach versucht. Immerhin belastet sie ihr Bein nicht, solange ihr Körper in einem Fischschwanz endet und sie im Wasser ist. Das Meer zu spüren, die Wellen, das Nass... Wie hatte sie das doch nur vermisst! "Da hätte ich auch vorher drauf kommen müssen! Wenn doch nur alles vom Meer aus erreichbar wäre."



Einen Moment hebt sich ihr Körper elegant aus den Fluten, ihre Schuppen glänzen im Sonnenlicht. Im nächsten taucht sie bereits wieder unter, und nur noch ein Platschen verrät, wo sie eben noch gewesen ist. So lässt es sich leben!

Nari zieht sich die Schuhe aus und tritt mit nackten Füßen ins Wasser. Die Wellen tanzen um ihre Knöchel, kühl und verspielt, während scharfe Muscheln an ihren Sohlen kitzeln. Jeder Schritt fühlt sich an, als würde sie über heiße Steine laufen, und doch kann sie nicht aufhören, weiterzugehen. Fast ohne es zu merken, treibt es sie immer näher zum Hafen.
Plötzlich bleibt sie stehen. Vor ihr glitzern unzählige Tropfen in der Sonne – wie flüssige Sterne, die das Meer für sie allein verstreut hat. Sie hält den Atem an, überwältigt von der Schönheit dieses Augenblicks. Und dann … sieht sie es.
Eine Schwanzflosse durchbricht das Wasser.



Die Schuppen schimmern in strahlenden farben, funkeln wie Edelsteine, die das Sonnenlicht verschlucken und wieder freigeben. Nari blinzelt, doch das Bild verschwindet nicht. Ihr Herz schlägt schneller. Das kann doch nicht echt sein … oder?
Fasziniert starrt sie auf die Gestalt im Wasser. Jede ihrer Bewegungen ist so anmutig, so fließend, dass es fast übermenschlich wirkt. Kein plumpes Treten wie bei Schwimmflossen, sondern ein Schweben, ein Gleiten – als würde das Meer selbst sie tragen. Wie eine echte Meerjungfrau …
Der Zauber ist so stark, dass Nari die Welt um sich herum vergisst. Nur sie, das glitzernde Wasser und diese geheimnisvolle Gestalt existieren noch. Ihr Blick klebt an den funkelnden Schuppen, ihr Atem stockt – bis plötzlich ein lautes Klingeln alles zerreißt.
Ihr Handy.
Wie aus einem Traum reißt es sie zurück. Auf dem Display leuchtet eine Nachricht von Dennah. Sofort huscht ein Lächeln über ihre Lippen. Ihr Herz hüpft. Das coolste Mädchen der ganzen Stadt – und sie schreibt mir. Wirklich.

Bea spürt, wie sie beobachtet wird, lächelt, und dreht eine Extrarunde für das Mädchen am Ufer. Sie weiß, dass viele es nicht gewohnt sind, Meersims zu sehen und so versteht sie die Neugier. Mit einem schiefen Lächeln erinnert sie sich daran, wie nervös sie noch war, ihren Okkult zu zeigen, als sie damals auf die Schule kam. Gut, dass sie diese Unsicherheit längst abgelegt hat.

Sie taucht unter, schwimmt unter Wasser weiter. Bis ihr Kopf erneut aus den Fluten ragt. Bea ist etwas enttäuscht, als ihr auffällt, dass die Aufmerksamkeit des Mädchens mittlerweile ihrem Handy gilt. Schade. Ihr gefällt es, wenn sich jemand für fremde Kulturen interessiert. Aber Bea ist gerade in guter Laune und sie sprüht vor Energie. Von einem Handy lässt sie sich nicht die Show stehlen!

Mit einem eleganten Sprung kommt sie näher. Tropfen sprühen wie kleine Diamanten durch die Luft, während sie lachend ihre nassen Haare aus dem Gesicht streicht. „Hey!“, ruft sie spielerisch, „Ist das Ding wirklich interessanter als das hier?“ Mit einem breiten Grinsen schlägt sie mit ihrer Flosse durchs Wasser, sodass einige Tropfen in Richtung des Mädchens spritzen.

Nari starrt noch immer auf die Nachricht. Es wirkt völlig unwirklich – sie hält tatsächlich die Nummer in den Händen, nach all dem Chaos beim ersten Treffen, bei dem sie sich so furchtbar dämlich angestellt hat. Noch immer könnte sie sich dafür ohrfeigen, wie unbeholfen sie damals dagestanden hat, verloren zwischen Worten und Gesten.
Feine Tropfen, die in der Sonne wie winzige Kristalle glitzern, platzen auf ihrer Haut auf und rinnen über ihre Wangen. Sie steckt das Handy weg, wischt sich mit einem kleinen, verlegenen Lächeln übers Gesicht – und richtet den Blick dann auf die Gestalt im Wasser.
Die Meerjungfrau.



Für einen Moment weiten sich Naris Augen, ungläubig starrt sie hinüber. Meint sie wirklich mich?
Noch ehe sie die Gedanken zu Ende führen kann, rauscht eine richtige Ladung Tropfen auf sie herab. Das kalte Wasser prasselt ihr ins Gesicht, und plötzlich lacht sie laut und herzlich. Die Kühle erfrischt, als würde sie den Augenblick erst jetzt wirklich spüren.
Da wird ihr klar: Ja, die Meerjungfrau meint tatsächlich sie.
Mit leuchtenden Augen hebt Nari die Hand und winkt freudig hinüber.
"Auf keinen Fall!", ruft sie lachend. "So einen Anblick erlebt man nicht alle Tage!"



Bea lächelt freudig. Offenbar steckt in dem Mädchen mehr, als man auf den ersten Blick ahnt. Nicht nur Schüchternheit, sondern auch Lebensfreude. „Das freut mich“, ruft sie mit einem breiten Grinsen. „Ich gebe mir schließlich Mühe mit meiner Show.“ Mit einem Zwinkern gleitet sie näher ans Ufer, stemmt sich kraftvoll aus den Wellen und lässt das Wasser in glitzernden Bahnen von ihrem Körper tropfen. „Und an Land ist es momentan etwas schwieriger für mich.“ Als ihr Fischschwanz das Ufer berührt, schimmert er noch einmal im Sonnenlicht, bevor er sich vor den Augen der Zuschauerin in zwei Beine verwandelt. Auch die Knieverletzung wird nun erkennbar.
Sportunfall!“, erklärt Bea mit einem Schulterzucken, als wäre das nichts Besonderes. Für einen Moment wirkt sie fast verletzlich, doch ihr Lächeln bleibt strahlend. „Ich bin übrigens Bea!“ Mit einer schwungvollen Geste streckt sie ihrer neuen Bekanntschaft die Hand entgegen, ihre Augen funkelnd dabei.

Nari erwidert das breite Grinsen der Meerjungfrau, erst zögerlich, dann immer freier, bis sich auch ihr eigenes Lächeln in ein strahlendes Grinsen verwandelt. Ein leises Lachen entweicht ihr, angesteckt von dieser warmen Leichtigkeit.
Doch im nächsten Augenblick hält sie den Atem an. Vor ihren Augen beginnt sich die Gestalt zu verändern: Schuppen lösen sich wie schimmernde Splitter im Licht, die Flossen verschmelzen, bis plötzlich zwei Beine sichtbar werden. Da steht sie – nicht länger eine Gestalt aus Geschichten, sondern ein Mensch.
Erst jetzt spürt Nari die Bestätigung, dass sie wirklich einer echten Meerjungfrau begegnet ist. Und nicht nur das – einer so herzlichen, dass es ihr den Brustkorb weit macht. Zum ersten Mal seit Tagen hat Nari das Gefühl, sie könne einfach sie selbst sein. Ohne Maske, ohne Druck. Genau das, was sie jetzt braucht nach all dem Chaos.
Ihr Blick fällt auf eine Wunde, die sich über die Haut der anderen zieht. Das Lächeln auf Naris Lippen verblasst, und Mitleid zieht in ihre Züge. "Ich hoffe, das verheilt wieder ganz", sagt sie leise.
Um die Schwere zu vertreiben, hebt sie ihren Arm, auf dem noch ein Stofffetzen von Dennah hängt, und tippt mit dem Zeigefinger auf die kleine Verletzung. "Blödheit!", fügt sie kichernd hinzu, als wolle sie die Stimmung damit wieder auflockern.
Dann schnappt sie sich die Hand der jungen Frau, ihre Augen leuchten dabei. "Freut mich! Ich heiße Nari. Aber du kannst auch einfach Ari zu mir sagen!"

„Alles klar, Ari.
“ Bea schüttelt die Hand, zieht sich auf die Beine. Sie hinkt ein paar Meter weiter. „Aber das wird schon noch heilen, keine Sorge.“ Sie tritt auf... und spürt den Schmerz. Verdammt. Vielleicht hätte sie doch darauf achten müssen, die Krücken mitzunehmen. Sie versucht sich nichts anmerken zu lassen, setzt sich auf die Bank in der Nähe.

„Ist es dein erstes Mal hier in Sulani? Oder möchtest du, dass ich dich etwas rumführe?“ Sie grinst schief, schaut auf ihr Knie. „Am besten, während ich im Wasser bin.“



Nari beobachtet besorgt, wie Bea hinkt. Ohne eine Aufforderung stellt sie sich an ihre Seite und hilft ihr, den Weg bis zur Bank leichter zu bewältigen. "Stütz dich ruhig ab", sagt sie mit einem warmen Lächeln. "Ich bin stärker, als ich aussehe."
Sie setzt sich neben Bea und lässt den Blick schweifen. Vor ihnen richtet ein kleiner Fischerstand gerade seine Auslage her; der Duft von Salz, Seetang und frischem Fang liegt in der Luft. Daneben wuseln schon die ersten Touristen umher, vermutlich auf der Suche nach einem Platz zum Frühstücken. Obwohl es noch so früh am Morgen ist, pulsiert hier bereits das Leben.
über ihnen ziehen Möwen schrille Kreise, ihr Rufen mischt sich mit dem gleichmäßigen Rauschen der Wellen. Für Nari ist es überwältigend – all das Treiben, diese Lebendigkeit. Und dann, zur Krönung des Ganzen: Bea. Eine waschechte Meerjungfrau. Noch immer kann sie kaum glauben, dass sie tatsächlich hier neben ihr sitzt.
Auf Beas Frage hin lächelt Nari sanft. "Ich bin zum ersten Mal hier“, gesteht sie. "Aber sicher nicht zum letzten. Mach dir also keine Umstände. Selbst im Wasser wirst du deine Schmerzen haben, oder?" Sie wirft Bea einen liebevollen Blick zu. "Wir können auch einfach ein bisschen hier sitzen. Allein das Rauschen der Wellen und die Ruhe, die es mit sich bringt… das ist schon ein Erlebnis. Und genau das, was ich gerade brauche."

Bea hebt ihr Bein etwas hoch. „Sitzen, das klingt auch super.“ Sie lächelt. „Aber keine Sorge, im Wasser war es auch okay. Solange ich das Knie nicht belaste ist alles gut.“ Die Meerfrau lehnt sich zurück. Jetzt, wo die Verletzung wieder das Thema ist, kommt auch die Traurigkeit zurück. „Hat mich nur eine Reise nach Südkorea gekostet. Mit der Verletzung konnte ich nicht fliegen.“, seufzt sie, für einen Moment wieder in der Verletzlichkeit gefangen. Sie schüttelt traurig den Kopf.

Sie macht eine Pause, hebt den Kopf wieder. „Aber halb so wild. Ich hab immerhin eine gute Ausrede, um die Treppen hochgetragen zu werden.“ Sie zieht eine Augenbraue hoch und stupst Ari sanft an. „Also… falls du dich bewerben möchtest?“ Sie lacht, ihre gute Laune kehrt zurück. „Aber genug von meinem Knie! Erzähl mir lieber von dir. Ari, was hat dich nach Sulani verschlagen?“



Nari nickt. Auch sie genießt es, einfach hier zu sitzen und die Sonne auf ihrer Haut zu spüren – angenehm warm, noch nicht stechend, sondern wie eine sanfte Decke.
Als Bea erwähnt, dass sie wegen der Verletzung ihre Reise nicht antreten kann, spürt Nari ein dumpfes Ziehen in der Brust. Ein schlechtes Gefühl breitet sich in ihr aus. „Das tut mir echt leid“, sagt sie leise. "Vielleicht kannst du sie ja eines Tages nachholen?"
Beas trockene Bemerkung über die Treppen bringt Nari zum Lachen. "Sehr guter Einwand“, antwortet sie, und für einen Moment hellt sich ihre Stimmung auf. Doch das Gefühl verfliegt schnell wieder, weicht einer dumpfen Schwere.
Kann sie Bea wirklich anvertrauen, weshalb sie hier ist?
Nari senkt den Blick, als suche sie Halt im Muster des Holzes. "Ich möchte heute Abend eine alte Bekannte treffen", sagt sie schließlich. Kurz und knapp, eine Antwort, die nicht zu viel verrät. "Hast du eigentlich gesehen, dass hier in Sulani demnächst ein Festival stattfindet?" Naris Stimme klingt ein wenig zu hell, fast bemüht, als wolle sie die Stimmung in eine leichtere Richtung lenken. Ihre Augen suchen Beas Gesicht, während sie rasch nachsetzt: "Wirst du auch dort sein?" Ein funken Hoffnung blitzt in ihr Gesicht.



Bestimmt kann ich die Reise irgendwann nachholen.“, sinniert Bea. Sie verschweigt die Hochzeit, die sie dadurch verpasste. Sie möchte die gute Laune nicht schmälern. Gerade, als Bea weiter nachfragen wollte, was es mit der Bekannten auf sich hat, wechselt Nari bereits das Thema. Wollte sie bewusst vom Thema ablenken? Doch Bea akzeptiert, dass Nari offensichtlich nichts genaueres preisgeben möchte und hakt nicht weiter nach. Auch sie hat schließlich nicht alles verraten, so lange kennen sie sich ja auch noch nicht.

„Oh ja, da gab es schon so einige Plakate, die mir hier aufgefallen sind. Musikfestival. Das klingt wirklich nach Spaß.“ Sie grinst. „Ich werde auf jeden Fall dabei sein. Bis dahin sollte mein Knie hoffentlich auch wieder verheilt sein.“



"Das hoffe ich sehr für dich! Es ist bestimmt ein tolles Land.

Nari bemerkt, dass auch Bea manches verschweigt, was ihre Reise betrifft. Doch sie verkneift sich, weiter nachzufragen. Immerhin kennen sie sich erst seit ein paar Minuten – und Neugier könnte leicht wie Unhöflichkeit wirken.
Als Bea das Festival erwähnt, lacht Nari zustimmend. "Ja, selbst auf dem Schiff haben sie Werbung gemacht. Das muss ein riesiges Fest sein. Ich kann es kaum erwarten!“ Ihre Augen leuchten, doch plötzlich stockt sie, und ein Schatten huscht über ihr Gesicht. "Das wird hoffentlich das Highlight meiner Sommerferien …“ Ein kurzer Seufzer entweicht ihr. "Aber so wie ich mich kenne, könnte es auch ein Desaster werden.“
Sie kichert, ehrlich und etwas verlegen, weil sie genau weiß, wie sie manchmal sein kann. In ihrem Inneren wächst die heimliche Sorge, es sich mit Dennah und Blaze zu vermasseln. Doch genauso stark keimt die Hoffnung auf, dass sie das Gegenteil erreicht – und vielleicht im nächsten Schuljahr schon Menschen an ihrer Seite hat, die sie wirklich kennt.
Als Bea ihr schließlich versichert, dass auch sie dort sein wird, hellt sich Naris Gesicht schlagartig auf. Sie strahlt. "Ich nehme dich beim Wort! Dann wird getanzt, ja? Na, was sagst du?"



Bea legt ihren Kopf schief, mustert Ari neugierig. Ihre Stimme wird warm. „Mach dir keinen Kopf, Ari. Festivals sind zum Spaßhaben da, nicht zum Perfektsein. Glaub mir, die meisten denken sowieso nur daran, wie sie selbst wirken.“ Sie stupst sie sanft in die Seite. „Und ganz ehrlich? Mit deiner Energie wird das bestimmt eher ein Highlight.“ Sie lächelt, schließt die Augen und fährt fort: „Und auf jeden Fall wird getanzt, das kannst du mir glauben! Ich liebe tanzen!“ Ein helles Lachen durchfährt sie. „Nichts kann mich davon abhalten! Auch kein kaputtes Knie. Schließlich hat es ja noch ein paar Tage Zeit, um zu heilen.“

Bea lässt ihren Blick über die Fressbuden streifen. Ein Eisverkäufer fällt ihr ins Auge. Zwar kein typisches sulanisches Traditionsessen, aber lecker. „Hast du Bock auf Eis?“, fragt sie daher, „die Sonne ist warm, da kommt Abkühlung wie gerufen!“ Sie schmunzelt. „Und manchmal braucht es auch Süße, um das Leben rund zu machen.“

Nach Beas lieben Worten hellt sich Naris Stimmung merklich auf. !Ohh, da hast du sowas von recht!“ Sie lacht ausgelassen, ihre Augen funkeln. "Und wie wir tanzen werden – selbst wenn ich dich tragen muss!“
Kurz darauf wird ihr Lächeln ein wenig schief, fast verlegen. "Ja, mal abwarten … da magst du recht haben. Aber ich hab nun mal einen Hang dazu, mich in dumme Situationen zu bringen.



Als das Gespräch auf Eis fällt, nickt sie lebhaft. "Ich liiiiebe Eis! Auch wenn ich es aktuell gefühlt jeden Tag esse – bei Eis sage ich niemals nein.“ Ihr Blick schweift über die Umgebung, bis er an einer bunt geschmückten Bude hängen bleibt. Plakate flattern leicht im Wind, und ein handgeschriebenes Schild kündigt das Eis des Tages an.
Neugierig bleibt ihr Blick daran kleben. „Ich glaub, ich gönn mir mal das Eis des Tages. Was meinst du?“ Ein schelmisches Funkeln huscht über ihre Augen. "Gerade wegen dem Überraschungs-Topping … ich liebe Überraschungen!“ Ein kindliches Lächeln umspielt ihre Lippen, als hätte sie für einen Moment alle Sorgen vergessen.

Überraschungen klingen doch immer gut. Ich nehme das selbe!“, freut sich Bea. Neugierig beobachtet sie, wie der Eisverkäufer die Bestellung zubereitet – erst für Nari, dann für sie. „Das Topping weiß selbst nie, was es wird, also seid nett zu ihm.“, murmelt der Mann mit einem frechen Zwinkern. Bea lacht. „Ich werde es versuchen. Also, Topping, darf ich vorstellen? Das ist Ari.“ Sie lächelt. „Ari, darf ich dir Topping vorstellen?“ Sie grinst, und reicht Aris Eis an sie weiter, nachdem sie es vom Verkäufer entgegen genommen hat. Dann schnappt sie sich ihr eigenes.

Skeptisch betrachtet sie ihr eigenes Eis. „Na gut, Topping, enttäusch mich nicht!“ Es sieht eigentlich recht lecker aus. Sie probiert.. und ein breites Lächeln bildet sich. Schmeckt sie da Banane raus? Aber nicht nur... auch Beeren, Äpfel, sogar einen Hauch Kokos.Schmeckt nach... Früchten, Freiheit und nach Sulani!“, lächelt sie, „Super lecker!“ Neugierig blickt sie zu Ari. „Ist es bei dir das Selbe, oder hast du eine andere Überraschung?“

Nari lächelt Bea warm an, muss dann aber über die scherzhafte Bemerkung des Eisverkäufers lachen. Als Bea ihrerseits etwas Neckisches sagt, grinst Nari frech. "Freut mich, die Bekanntschaft mit Topping zu machen!“ Mit einem schelmischen Funkeln in den Augen nimmt sie das Eis entgegen.
"Boah, dein Topping klingt irre gut – ich koste mal!“ Ohne zu zögern schaufelt sie mit dem Löffel in ihre eigene Portion und probiert. Augenblicklich weiten sich ihre Augen überrascht. "Tatsächlich! Meins schmeckt ganz anders … ein Hauch von Zitrone, gemischt mit Mango und Kiwi. Richtig exotisch! Das ist wirklich lecker. Ich hätte es mir selbst nie so ausgesucht.
Sie will gerade noch etwas hinzufügen, da vibriert plötzlich ihr Handy. Das Display flackert auf, und ein Seufzer rutscht ihr heraus. Mürrisch knurrt sie, als sie die Nachricht liest. Sie hatte doch geglaubt, noch bis heute Abend Zeit zu haben.
"Tut mir echt leid, Bea“, sagt sie, spürbar enttäuscht. „Aber ich muss los. Meine Bekannte möchte sich jetzt schon treffen – später hat sie keine Zeit mehr. Unzuverlässig wie eh und je …"
Ihre Stimme klingt grummelnd, und sie verdreht leicht die Augen. Dann aber rafft sie sich auf, lächelt wieder, wenn auch wehmütig. "Aber wir sehen uns ja ganz bald wieder.“ Sie kramt hastig in ihrer Tasche, zückt einen Zettel und kritzelt ihre Nummer darauf. „Hier – ich geb dir meine Nummer, ja?“ Ohne Beas Antwort abzuwarten, drückt sie den Zettel in ihre Hand, ihre Finger berühren sich dabei kurz. "Es war wirklich toll, dich kennenzulernen, Bea. Du bist echt unglaublich lieb.
Mit einem letzten Winken tritt Nari den weg zu Avaluna an um sich Gras zu kaufen für das Fest. Ein letzter Gedanke huscht ihr durch den Kopf: Was für ein Morgen. Und was für eine Begegnung.

In Zusammenarbeit mit @Salia
Bilder von @Salia


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21.09.2025 18:41 (zuletzt bearbeitet: 11.11.2025 18:57)
avatar  Murloc
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Bestseller-Schmied

Charaktere: Theo, Manuel, Bea, Bella, Phönix
Geschichtsstrang: Wenn die Ahnen rufen


Theo grinst breit. Dreizehn! Endlich ist er kein Kind mehr. Jetzt beginnt das Teenagerleben! Und endlich… endlich darf das Ritual stattfinden.
Sein Blick schweift hinaus aufs Meer, das in der Nachmittagssonne glitzert. Noch ein paar Stunden Geduld... und doch fühlt es sich an wie eine Ewigkeit. Seine Finger umklammern die Muschelkette um seinen Hals, als könne er sich an ihr festhalten. Jedes Stück wurde von Bea und Bella gesammelt. Er streicht mit den Fingern über die Muscheln, als könnte er die Erinnerungen und Zuneigung darin spüren. Das stille Versprechen, dass die Familie ihn auch später, mitten im Ritual, begleiten würde.

Theo lächelt. Während der Morgen traditionell dem inneren Familienkreis gehört, so werden seit jeher schon die großen Feste ab dem Nachmittag gefeiert. Die ersten Gäste sind auch bereits vor Ort. Auch Manuel steht neben ihm. „Heute wird Superpirat Zen eine neue Superfähigkeit bekommen!“, erklärt Theo, um seine Nervosität zu überspielen, „den Turbo-Schwimm!“



Mühsam reißt Manuel seinen Blick von der Umgebung los. Er ist eingeladen an Theos Initiationsritus teil zu nehmen und kommt gerade aus dem Staunen nicht heraus. Am nahe gelegenen Strand ist ein großes Lagerfeuer aufgeschichtet, für das Theo ganz alleine das Holz sammeln musste, als Teil der Vorbereitung auf das Ritual. Der traditionelle Festplatz vor dem Gemeinschaftsgebäude auf Stelzen ist wunderschön geschmückt. Überall stehen Fackeln, Wasserschalen und geschnitzte Figuren aus blankpoliertem, dunklem Holz. Bunte Blumengirlanden schmiegen sich an den fransigen Rand des Strohdachs und schwingen munter in der leichten Meeresbrise.
Der Boden wurde von hiesigen Künstlern mit Ascheornamenten bemalt, die ein bisschen gruselig, aber sehr spannend aussehen. Fische, Delphine, Schildkröten, aber auch drachenähnliche Wesen, die aussehen als würden sie Feuer spucken. Am Ende jeder Flamme, die aus den weit geöffneten Mäulern und Nüstern dringt, steht eine Feuerschale bereit, um zum rechten Zeitpunkt entzündet zu werden. Immer mehr Sulaner treffen ein. Alle bringen selbstgemachte Köstlichkeiten mit. Spezialitäten der Insel, die sie auf einen eigens dafür vorgesehenen Tisch platzieren, um sich danach unters Volk zu mischen. Einige lassen sich mit ihren Familien auf den Holzbänken nieder, andere im Sand, mit untergeschlagenen Beinen. Kinder rennen fröhlich herum und überbieten sich im ausgelassenen Geschrei. Als Theo ihn anspricht, beobachtet Manuel gerade eine Truppe Musiker, die Trommeln in verschiedenen Größen aufbauen. Es wird also auch Musik geben. Das ist alles sooo aufregend. "Wahnsinn!" Er sieht seinen Freund an und strahlt. "Du bist heute nicht Zen.", lacht er. "Du bist Inselkönig!"



Interessiert verfolgt auch Phönix das muntere Treiben um sich herum. Er fühlt sich mehr als geehrt, von Bella zu diesem wichtigen Fest für ihren Sohn eingeladen zu sein. Was für ein fröhliches Volk die Insulaner doch sind. Er lässt den Blick zum Meer schweifen und zurück zur immer größer werdenden Menge an Sulanern, die auf dem Platz eintreffen. Kein Wunder. Das ganze Jahr Sonne. Glitzerndes Meer und üppige Vegetation. Obwohl Phönix eigentlich mehr für das karge Wüstenklima und sandige Weite schwärmt, kann er sich dem Zauber der Insel nicht entziehen. Beruhigend krault er Nacho hinter den Ohren, der durch die belebter werdende Umgebung, unter dem Tisch zu hecheln beginnt und unruhig im Liegen mit den Pfoten scharrt. Die Spannung in der Luft ist spürbar und überträgt sich auf das Tier, auch wenn es eine positiv geladene Energie ist. Als Bella eine Platte mit Essen zum Tisch trägt, hebt er grüßend die Hand und hofft, dass sein Lächeln wenigstens ansatzweise wiedergibt, was er bei ihrem Anblick fühlt.

Feierlich stellt Bella das Mahl ab. Gekocht nach sulanischer Tradition, Gemüse gebraten über dem Feuer, eingewickelt in Bananenblätter. Lange hat sie darüber gesessen, hat gekocht, gewürzt und alles vorbereitet. Bella zwinkert Phönix zu und sieht zu ihrer Tochter, die nun ebenfalls ein Tablett mit Essen daneben stellt. Bella greift zu einem kleinen Glöckchen am Tisch, lässt ein helles Klingeln ertönen. Die Gäste drehen sich zu ihr, während sie laut den ersten Satz ertönen lässt: "Wir danken den Inseln für ihre Früchte…" Sie übergibt den Rest des Satzes an ihre Tochter, die laut mit "…und den Göttern für ihre Wellen." fortsetzt.



Für einen Moment herrscht Ruhe. Dann beginnen auch die ersten Gäste, mitgebrachte Speisen hinzuzufügen. Die Tradition ist in diesem Fall offen. Speisen mitbringen ist keine Pflicht, aber wer möchte, darf dies tun. Wichtig ist nur, dass der enge Familienkreis beginnt. Der Duft von gegrilltem Gemüse und gewürztem Fisch hing in der Luft, gemischt mit der süßen Note von gebackenen Bananen. Gerade als Theo seinem Freund antworten will, hört er das Klingeln. "Es geht los mit dem Futtern!", grinst er, "Schließlich muss der Inselkönig fit sein für das Ritual nachher." Er grinst und vergisst für einen Moment seine Nervosität. Die Aufregung macht ihn hungrig.

"Bin dabei!" Das sieht alles sooo lecker aus!" Manuel überlegt kurz, ob es unhöflich ist, sich den Teller voll zu laden. Seine Mutter würde sagen, geh zweimal und nimm nicht so viel. Sie ist aber nicht dabei. Mit einem Schulter zucken greift er noch nach einem Spieß mit kandierten Früchten und packt ein vielversprechendes Bananeblattröllchen daneben, das einen unsagbar köstlichen Duft verströmt. Theos Teller sieht seinem ziemlich ähnlich, das vertreibt die letzten Bedenken. Auf dem Weg zu einem freien Tisch, wird Theo immer wieder von Sims angehalten, die ihn in ein kurzes Gespräch verwickeln oder ihm wohlwollend auf die Schulter klopfen. Endlich sitzen sie und beginne zu futtern. "Kennst du die denn alle?" So viele? Kauend sieht er seinen Freund an und hebt die Brauen. "Das ist wie ein riesige Familie irgendwie." Insgeheim keimt eine Spur Neid in ihm auf. Nicht darauf, dass Theo seinen Ehrentag feiern darf und im Mittelpunkt steht. Es sind die vielen Sims, die ihn dabei begleiten und eine bunte, große Gemeinschaft bilden. Zusammen gehören.

„Sin imm‘ soffil da“, nuschelt Theo mit vollem Mund. Er erkennt an Manuels Blick, dass der kein Wort verstanden hat. Er kaut weiter, und wiederholt den Satz erst, als der Bissen heruntergeschluckt ist. „Sind immer so viele Leute da, wenn das Ritual der Verwandlung ansteht.“, erzählt er, nicht ohne Stolz. „Ist ganz normal hier bei uns.“ Der Junge wendet seinen Blick, schaut in die Menge. Er sieht seine Schwester, die mit einem jungen Mann spricht, an dessen Namen sich Theo nicht erinnert. Er sieht, dass seine Mutter mit zwei Teller füllt. Erst dann dreht er sich zu Manuel zurück. „Aber dass du da bist, ist das Beste!“

Phönix hat sich mit Nacho einen Weg durch das bunte Treiben gebahnt und hebt einen Arm zu Bella, die mit zwei Tellern beladen in seine Richtung steuert. "Ich hoffe einer davon ist für mich? Mir ist schon ganz schummerig von all den köstlichen Düften hier." Zärtlich legt er einen Arm um ihre schmale Taille und küsst sie auf die Wange. "Darf ich dir Nacho vorstellen? Den verfressensten und gleichzeitig verlässlichsten Begleiter, den man sich wünschen kann." Er deutet auf den Vierbeiner und schmunzelt. "In der Hinsicht sind wir uns recht ähnlich."



Bella lächelt. „Natürlich ist der Teller für dich! So groß ist mein Hunger dann auch nun wieder nicht.“ Sie hat für eine bunte Mischung gesorgt, und verschiedene Gerichte aufgetischt, in der Hoffnung, das Richtige für Phönix zu finden. Mit einer schwungvollen Verbeugung stellt sie beide Teller elegant auf einen kleinen Tisch, außer Reichweite des Hundes. Kaum richtet sie sich wieder auf, legt sie ihren Arm um Phönix‘ Schulter, während der andere Arm sich Nacho nähert, um ihn zu kraulen. „Hallo Nacho.“ Der Hund schnuppert an der Hand, leckt diese einmal kurz. Doch bald gilt seine Aufmerksamkeit eher dem Tisch. Bella merkt es. „Hast Hunger, wie? Schade, dass ich nichts für Hunde gekocht…“ Sie schafft es nicht mal, den Satz zu beenden. In diesem Moment hat sich Nacho bereits auf seine Hinterfüße gestemmt und ein Stück Fisch von Phönix‘ Teller gemobst. Bella lacht auf. Sie hätte nicht erwartet, dass Nacho da noch rankommt.

"Du frecher..!" Phönix reagiert blitzschnell. "Aus." Er fixiert Nacho mit seinem Blick und greift gleichzeitig in sein Maul, um ihm den Bissen zu entwenden. Das Tier lässt sich die Maßregelung widerwillig gefallen, dreht Phönix aber beleidigt den Rücken zu, als der die Beute weit weg in ein Gebüsch schleudert. Mit einem knappen 'Platz!", bringt sein Herrchen ihn zum liegen, der Hundekopf sinkt missmutig auf die Pfoten und Nacho verschließt mit einem tiefen, schmatzenden Ausatmen die Augen vor der ungerechten Welt. "Meine Güte, man merkt, dass er sehr viel Zeit bei meiner Schwester verbracht hat in den letzten Monaten. Sie verwöhnt ihn maßlos.", entschuldigt Phönix sich mit einem schiefen Lächeln bei Bella.



"Moment, ich wasche mir eben die Hände." Er entfernt sich zu einem der Wasserbecken, schöpft daraus und reibt solange, bis auch der letzte Rest von Nachos Appetitsabber abgespült ist. Bella vertilgt schon genüsslich die Inselspezialitäten, als er zurück an den Tisch kommt. Er könnte einfach da sitzen und ihr dabei zu sehen. So unverstellt, ohne Attitüden, einfach genießen was der Moment bietet. Schön. Ähnlich wie sie vorher, legt er einen Arm um ihre Taille, greift mit der anderen nach seiner Gabel und spießt etwas vom Gemüse darauf. "Ich bin beeindruckt. So eine Riesenfeier habe ich nicht erwartet. Was steht denn als nächstes auf dem Programm?"

Bella sieht mit staunendem Blick zu, wie Phönix mit Nacho umgeht. Streng, aber ohne Gewalt. Der Hund gehorcht, wenn auch widerwillig. Er hat das Tier gut im Griff. Das Vogelgeschrei holt sie aus ihren Gedanken: Einige Möwen streiten sich bereits um das weggeworfene Stück Fisch. Doch ihre Aufmerksamkeit gilt Phönix. „Die Riesenfeier ist Tradition hier. Das Ritual der Verwandlung ist nicht nur ein einfacher Geburtstag, sondern der Wandel in Richtung Erwachsenenleben.“, erklärt Bella. Sie lehnt sich ihrerseits an seine Schulter. Wie gut er doch riecht... Sie nimmt einen Bissen vom traditionellen gekochten Gemüse. „Das Ritual besteht aus zwei Teilen: Der Feuer- und der Wasserprüfung.“



Das Essen geht weiter. Die Wellen, die Möwen, die leisen Gespräche... all das sorgt für die Geräuschkulisse, während die Musiker noch immer auf ihren Einsatz warten. Bis die Sonne schließlich langsam im Meer versinkt. Der Abend beginnt. „Es ist soweit.“, haucht Bella ehrfürchtig. Sie erhebt sich, wandert zum Feuer am Strand. Dort lässt sie einen Gong ertönen, wie es seit jeher Tradition ist. Die engste Familie ist für das Läuten verantwortlich, ein symbolischer Akt, ein Zeichen der Reife für die Kinder, um die sich ein Leben lang gekümmert wurde. Jetzt beginnt der Wandel.

Der tiefe Ton scheint das ganze Fest zum Schweigen zu bringen, und Theo spürt ein Kribbeln in der Haut. Gänsehaut läuft ihm über die Arme. Für einen Moment ist er einfach nur sprachlos, gefangen zwischen Staunen und Ehrfurcht. Er blickt zu Manuel, dann zu seiner Mutter, die noch immer den Gong in den Händen hält. „Wow, das war laut!“ Er versucht, sich die Nervosität nicht anmerken zu lassen. „Komm, jetzt kommt der interessante Teil des Abends!“
Ehrfürchtig erhebt er sich, schleicht langsam zum Strand. Die Feuerprüfung ist noch der einfachste Teil des Rituals. Er hört, wie Bella die rituellen Worte spricht: „Tanze, mein Sohn. Die Flammen sind die Stimmen unserer Ahnen – lass sie sehen, dass du ihren Ruf gehört hast.“ Theo nickt. Auch er hält sich genau an das Ritual, als er mit lauter Stimme verkündet: „Hört mich an, ihr Ahnen. Gebt mir die Kraft der Meere.“ Er entzündet eine Fackel am brennenden Lagerfeuer. Eine Weile betrachtet er das Feuer in seiner Hand. Der Feuertanz. Einerseits Ausdruck von Freude und Kraft, andererseits auch Teil des Rituals. Schon oft hat er geübt. Mit Stöcken, an die rote, gelbe und orangene Tücher gebunden waren, um das Feuer zu symbolisieren. Aber noch nie mit echtem Feuer. Er spürt die Wärme. Aber auch die Nervosität. Er hört, wie die Musiker zu spielen beginnen, als wollten sie ihn auffordern mit dem Tanz anzufangen. Ein letztes Mal schließt Theo die Augen. Dann legt er los. Er tanzt barfuß, lässt die Fackel durch die Luft schlagen und die Dunkelheit vertreiben.



Auch Bea erhebt sich, um ihren Bruder zu beobachten. Sie erinnert sich an ihr eigenes Ritual vor einigen Jahren, an die Angst, die sie damals hatte. Theo schlägt sich super. Sie lächelt voller Stolz.

Der Tanz endet, zu Theos eigener Verwunderung ohne Katastrophe. „Die Ahnen haben gesehen. Die Flammen haben geantwortet. Nun darf das Wasser ihn prüfen.“, verkündet Bella laut. Theo lächelt erleichtert. Der erste Teil der Prüfung ist geschafft.

Gebannt verfolgt Manuel jede Bewegung seines Freundes beim Tanz. Er hat ihm ab und zu beim Üben für das Ritual zu gesehen. Das war spannend, auch wenn es dafür nur Tücher gab. Er selber durfte unter Theos Anleitung auch ein paar der Figuren versuchen. Theos heutige Darbietung hat nichts zu tun mit dem, was in den Übungsstunden, unterbrochen von Blödeleien und Lachanfällen, statt gefunden hat. Mit vor Staunen geöffnetem Mund saugt Manuel die funkensprühende Feuershow in sich auf. Er will später alles ganz genau seinen Eltern erzählen. Wie die Trommeln weit in die Nacht hinaus dröhnen. Er hat das Gefühl man müsste sie noch am anderen Ende des Meeres hören können, wenn es sowas gibt. Das ist der Hammer!

Beruhigend krault Phönix Nacho hinter den Ohren, während er Bella dabei beobacht, wie sie den Initiationsritus ihres Sohnes eröffnet. Ihre schlanke Gestalt strahlt Anmut und Stärke aus. Es ist zu spüren, dass sie tief verwurzelt mit der Inselgemeinde und den Traditionen ist. Eine mystische Aura umgibt sie und er vergisst für einige Augenblicke die Simsmenge um sich herum, gefangen im Zauber der Meerfrau und ihrer geheimnisvollen Heimat.



Theo blickt in die Menge. Stolz breitet sich in ihm aus. Das war doch gar nicht so schwer wie gedacht! „Ha, so geht das also!“, ruft er übermütig. Er fängt sich sofort einen strengen Blick seiner Mutter ein. Verstummt presst er die Lippen zusammen. Erst die zweite Prüfung, dann der Jubel… Theo fängt Beas Blick auf. Ihr wohlwollendes Lächeln gibt ihm Mut. Er kann es schaffen!

Der Junge blickt zum Feuer zurück, sieht die Funken fliegen. Die Götter haben ihn erhört. Schon lange hat er sich auf diesen Tag vorbereitet. Er nimmt von Bella eine Muschel entgegen. Laut bläst er hinein. Ein tiefer Ton hallt übers Wasser, dann Stille. Auch die Gäste verstummen, genauso wie die Musiker. Sie alle wissen, dass es nicht an ihnen liegt zu antworten. Das Meer entscheidet, ob es Theo erhört oder nicht. Selbst die Möwen sind still, fast so, als ahnen auch sie, was auf dem Spiel steht.



Die Nervösität lässt seine Finger erneut die Muschelkette umfassen. Der Gedanke an seine Familie gibt ihm Kraft. Beherzt schreitet Theo weiter in Richtung des Meeres. „Warum so nervös?“, versucht er sich Mut zu machen, „Hast du je erlebt, dass das Meer sich jemandem verweigert?“ Kaum, dass seine Füße das Wasser berühren, fällt ihm ein, dass er beinahe den rituellen Spruch vergessen hat. Laut erklingt nun seine Stimme: „Ich schwöre, das Meer und Sulani zu schützen. Ich bin ein Teil. Von heute an und für immer.“ Er schreitet immer tiefer ins Meer, bis es ihm bis zum Hals steht. Nun schließt er die Augen, konzentriert sich auf die Magie. Bald prickelt es in seinen Beinen, erst leicht, dann immer stärker und stärker. Bis ein Ruck durch ihn fährt. Als er wieder die Augen öffnet, blitzt im Wasser Schimmer auf. Er stößt sich ab, taucht tiefer, und mit einem Jubelruf taucht er wieder auf: Ein kräftiger, glänzender Fischschwanz wirbelt das Wasser auf. „Das ist so cool!



Am liebsten hätte er sofort seine neue Schwimmtechnik ausprobiert, doch er weiß, dass das Ritual noch nicht vollendet ist. Erst wird gefeiert. Er kehrt schweren Herzens zum Ufer zurück, nutzt die selbe Magie, um wieder seine zwei Beine zurück zu erhalten. Wieder an Land hört er den Jubel der Gäste. Auch die Musiker schlagen nun eine laute Melodie an, voller Tempo, voller Freude.

Mit einem offenen Lächeln empfängt Phönix die beiden. "Respekt Theo, das hast du perfekt gemeistert. Gratulation." Er klopft ihm anerkennend auf die Schulter und muss lachen, als Manuel wie ein Wirbelwind in die Szene platzt. "Maaannn, das war Wahnsinn!" Aufgeregt herum hibbelnd tritt der Junge von einem Bein auf das andere, während er in buntesten Bildern seinem Freund schildert, wie er ausgesehen hat beim Ritual. "Wie ein Feuerball..nein...als ob Feuergeister um dich herum tanzen. Das sah sooo cool aus." Er strahlt Theo an. "Und dann deine Flosse." Ehrfürchtig verstummt er für ein paar Sekunden und registriert jetzt erst die Veränderung an seinem Freund. Er wirkt älter. Ein bisschen wie die Jungs, die Manuel manchmal in der Stadt beobachtet. Die schon Skateboards haben und lange Haare. Aus irgendeinem Grund bleiben ihm die weiteren Worte im Halse stecken udn er grinst nur. "Ich bin gespannt, wie du damit schwimmst. Das probieren wir morgen alles aus, ok?"



Theo kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus. "Auf jeden Fall testen wir das! Ich bin mir sicher, das eröffnet erstaunliche Möglichkeiten!" Er sieht sich um. Wird schwierig, sich jetzt rar zu machen, wo die Aufmerksamkeit der Gemeinschaft ihm gilt. Doch die Abenteuerlust ist geweckt. "Komm mit, vielleicht kann ich dich beim Schwimmen sogar mitnehmen!" Er will gerade wieder ins Wasser laufen, als er den Ruf seiner Mutter hört: "Denk daran, dass das Tätowieren noch ansteht! Entferne dich nicht zu weit!" Theo schnaubt genervt, doch er antwortet nicht darauf.

Bellas Arm schlingt sich um Phönix' Taille und er wendet lächelnd den Kopf. "Sehr beeindruckend alles. Wirklich." Zärtlich küsst er sie auf ihren Scheitel und vergräbt eine Hand im Nacken unter ihren Haaren. "Mmmh, du riechst nach Meer und Freiheit. Betörend.", raunt er nahe an ihrem Ohr. Dann lauter, um auch die Jungen mit ein zu beziehen. "Dann wollen wir mal feiern gehen. Wer lernt mir einen Inseltanz und hat viel Geduld mit zwei linken Füßen?", fragt er grinsend.

Phönix holt Bella aus ihren Gedanken. Sofort dreht sie sich zu ihm um. Sie umfasst seine Hüfte, sieht ihm tief in die Augen. "Zwei linke Füße, hm? Das wollen wir doch mal sehen!" Sie streift ihre Schuhe ab, läuft barfuß durch den Sand, lässt sich von der Musik leiten. "Komm, mit mir zusammen wirst du es noch lernen." Langsam führt sie ihn weiter.



Theo nutzt aus, dass Bella abgelenkt ist. "Komm mit, jetzt!" Er zieht Manuel weiter den Strand entlang, immer darauf achtend, dass Bella weiter tanzt. Er müsste hier außer Hörreichweite sein. "Wer weiß, vielleicht kann ich dich beim Schwimmen sogar mitnehmen. Und du hälst dich an mir fest!", schlägt er in seinem jugendlichen Leichtsinn vor. "Hättest du da Lust drauf?"

"Klar!"
Begeistert nickt Manuel, schlüpft blitzschnell aus seinen Kleidern, legt sie sorgfältig gefaltet in den Sand und watet, nur noch mit der Unterhose bekleidet, zu Theo, der sich schon im seichten Wasser tummelt. Sein Schuppenkleid glitzert im Mondlicht und verleiht dem frischgebackenen Meermann eine geheimnisvolles Aussehen, wie Manuel findet. Er steigt auf seinen Rücken und schlingt die Arme um seine Schultern. "Los! Wir erobern das Meer! Juchuuh!" Die letzten Silben gehen in ein Husten über, als Theo los prescht und Manuel ein Schwall Gischt entgegen schlägt.

Theo genießt es, das Wasser zu spüren. Er achtet darauf, nicht zu tief zu tauchen, so dass Manuel noch atmen kann. Er hört die Jubelschreie des Jungen, und die anspornenden Rufe. Sein ganzes Leben wurde Theo auf diese Verwandlung vorbereitet und jetzt, wo es endlich so weit ist, spürt er die kindliche Freude. Doch das zusätzliche Gewicht auf seinem Rücken strengt an. „Ich brauche mal eine Pause!“, sagt er daher bereits nach einer Viertelstunde. Ein letzter Sprung, um Manuel noch etwas zu gönnen, dann steuert Theo wieder den Strand an. Etwas abseits vom Lagerfeuer. Von hier aus kann er immer noch erkennen, dass seine Mutter und Phönix am Tanzen sind. Offenbar haben sie den kleinen Ausflug nicht einmal bemerkt. Er legt sich erschöpft an den Strand, außer Hörreichweite der weiteren Gäste. Einige zeigen in seine Richtung, aber niemand kommt näher. Theo lächelt. Sie respektieren, dass er gerade etwas Raum für sich und seinen Freund braucht. „Das ist soo cool!“, wiederholt Theo lachend.

Die nächtliche Brise ist warm und sorgt dafür, dass Manuel trotz nasser Haut nicht friert. Es ist cool mit Theo hier im Sand zu sitzen, ohne dass ein Erwachsener kommt und sie zu Vernunft ermahnt. Seine Mutter hätte sicher gesagt, er soll sich etwas anziehen, weil er sich sonst erkältet. Sie ist lieb, aber immer viel zu besorgt. Und sein Vater? Der würde sagen, komm wir machen ein Wettrennen am Strand, bis wir wieder trocken sind. Es ist ja warm. Komisch, wie unterschiedlich Erwachsene denken...
Beim Gedanken an Gary zieht sich sein Magen zusammen. Es ist schon ein paar Tage her, seit er ihn zuletzt gesehen hat. Er war mit Freunden verreist und holt Maren und ihn erst am Wochenende wieder ab. "Theo?" Er sieht zu seinem Freund, der aufs Meer hinaus blickt und gräbt eine Hand in den Sand neben sich. "Wo ist eigentlich dein Vater?"



Theo wird aus seinen Gedanken gerissen. Die Frage kam unerwartet. "Ich weiß nicht.", muss er schließlich zugeben, "Habe ihn kaum kennen gelernt, da war er wieder fort. Wollte die Verantwortung für uns Kinder nicht." Einen Moment schweigt der Meersim. Wie ist es eigentlich, mit einer Vaterfigur aufzuwachsen? Bella tut ihr bestes, aber mit zwei Jobs, um die Familie zu versorgen, hat sie auch nur wenig Zeit. So ist es oftmals Bea, die sich um ihn kümmert. Beim Gedanken an seine Schwester blickt er zum entfernten Lagerfeuer zurück, kann sie jedoch nicht erblicken. Er seufzt.

"Das ist nicht schön.", sagt Manuel betroffen und schaut auf seine Zehen, die vom vor-und zurückschwappenden Meerwasser umspült werden. "Mein Vater ist auch weggegangen. Ich vermisse ihn oft." Die Kehle wird ihm eng und er schweigt einen Moment. "Ich hab heute gedacht, bestimmt hättest du ihn gern dabei gehabt..beim Ritual und ihm den Feuertanz gezeigt." Seine Stimme wird immer leiser, bis er beinahe unhörbar anfügt: "Er wäre sicher stolz auf dich." Manuel legt das Kinn auf den angezogenen Knien ab und seufzt.

"Stolz..." Nachdenklich wiederholt Theo die Worte. "Ich war noch ganz klein, als er abgehauen ist. Noch zu jung, um überhaupt zu versuchen ihn zu beeindrucken. Er weiß wahrscheinlich nicht mal, dass heute mein Ritual war. Er hat uns einfach im Stich gelassen." Er schaut trotzig in Richtung des Feuers zurück. "Bella ist stolz auf mich. Bea auch. Das ist mir das Wichtige."
Theo macht eine Pause, bevor er sich wieder Manuel zuwendet. "Aber dein Vater ist stolz auf dich. Er ist nicht völlig fort." Für einen kurzen Moment wirkt Theo verletzlich. "Du kennst deinen wenigstens."

Stumm anteilnehmend nickt Manuel und überlegt, ob es stimmt, was Theo über seinen Vater sagt. "Ja, manchmal ist er stolz, wenn wir Geige spielen zusammen und es klappt richtig gut." Sein großer Zeh bohrt emsig einen größer werdenden Krater in den nassen Sand. "Ich versteh nicht, dass er sich nicht wieder mit Mama vertragen hat, sondern weg gegangen ist." Er blickt auf und sieht seinen älteren Freund fragend an. "Wenn man jemand mag und sich streitet, dann versöhnt man sich wieder, oder nicht?" Er runzelt die Stirn. "Das sagt jedenfalls Mama, wenn ich mich mit Maren streite...und selber macht sie es nicht." Resigniert sinkt sein Kinn wieder nach unten und der Große Zeh beginnt erneut zu arbeiten. "Das macht mich manchmal wütend.", sagt er leise. "Weil es ungerecht ist.."

Theo zieht seine Knie an den Körper. "Manchmal ist es nicht leicht. Manchmal ist es ungerecht." Er wendet seinen Blick auf das Meer, sieht den Wellen zu. "Das Beste ist, dass wir zusammen halten, ganz egal was mit unseren Vätern ist."

Manuel blickt auf. "Du meinst wir beide?"

Theo lächelt nun ein wenig. "Natürlich. Wir sind doch Freunde! Und Freunde lassen sich nicht im Stich. Wir gehen ja auch gemeinsam zum Karatekurs." Er kann sich kein Szenario vorstellen, dass die beiden auseinander brechen würde.



Jetzt gleitet ein freudiges Lächeln über Manuels Züge. "Ja, wir machen es anders und zeigen es den Erwachsenen." Er hält Theo die Hand zum einschlagen hin und steht auf. "Weißt du, ich hab gedacht..also..du bist seit heute auch ein bisschen erwachsen irgendwie und ich ...na ja...ich hatte Angst, du findest unsere Freundschaft jetzt vielleicht kindisch, weil...weil ich erst irgendwann in hundert Jahren sieben werde." Sein Herz pocht wild, weil er sich getraut hat diesen Gedanken auszusprechen.

Theo betrachtet Manuels Hand für einen Moment. Stimmt, der Altersunterschied ist schon groß. Aber er mag Manuel und seine Fantasie, ganz egal wie jung er ist. Aber im nächsten Jahr wird er die Brindleton High besuchen. Eine andere Schule als Manuel. Jetzt kommen ihm doch noch Zweifel. Wird ihr Verhältnis wirklich so stark bleiben wie bisher? Doch er lässt sich nichts anmerken und schlägt ein. „Wir sind Freunde!“, wiederholt er.

Kaum, dass er diesen Satz ausgesprochen hat, wird er von Bea unterbrochen, die sich zu den Jungs gesellt: „Es ist alles vorbeitet, Theo. Es geht los!“ Er nickt, und erhebt sich. „Jetzt kommt der letzte Part“, erklärt er Manuel. Dann geht er mit dem Jungen und seiner Schwester zum Lagerfeuer zurück. Nervös blickt Theo auf den Tätowiertisch, der in der Zwischenzeit vorbereitet wurde. Der Älteste hat die Asche des Ritualfeuers genutzt, vermischt mit Kokosöl und Tintenfischtinte, um die Farbe vorzubereiten. Tiefschwarz. Theo zuckt leicht bei dem Gedanken, was ihm bevorsteht. Er weiß, dass es schmerzen wird. Er weiß, dass es dauern wird. Aber er weiß auch, dass das Teil der Prüfung ist. Er ist bereit. Schweigend erklimmt er den Tisch, lässt zu, dass man ihn mit Öl einreibt.

Dies ist die Farbe der Ahnen. Geboren aus Feuer, genährt vom Meer. Sie soll Theo schützen, solange er atmet.“ Die Schale mit der Farbe wird neben dem Tisch aufgebaut, der Älteste macht sich bereit. „Das Meer hat entschieden. Das Meer hat ihn angenommen.“, erklärt er feierlich. Er taucht es in die schwarze Flüssigkeit und setzt die Spitze auf Theos Rücken. Dann nimmt er den kleinen Schlägel zur Hand, beginnt mit dem ersten Schlag auf sein Werkzeug.



Sofort spürt Theo den heißen Schmerz auf seinem Rücken, doch er bleibt standhaft. Die Trommeln setzen wieder ein, im Schlagrhythmus des Tätowiermeisters. Theo beißt die Zähne zusammen, hört kaum noch den leisen Gesang, der die Prozedur begleitet. Ein Teil von ihm will fliehen, will den Schmerz nicht mehr ertragen müssen. Ein anderer Teil fühlt Stolz. Jetzt ist er wirklich ein vollwertiger Meersim.

Wieder und wieder setzt der Meister an, hämmert die Farbe auf Theos Körper, wieder und wieder. Rücken, Brust, Arme, Beine… alles bekommt sein traditionelles Muster, seine Bedeutung. Schutz vor den Wellen, Natur. Zeichen der Stärke, des Feuers… Der rituelle Gesang endet erst, als auch der letzte Strich vollendet ist und der Meister die Worte ertönen lässt: „Er trägt die Zeichen der Ahnen!“



Theo sackt erschöpft zusammen. Er spürt, wie ihm Heilpflanzen und Öl auf die geschundene Haut gelegt werden um die Schmerzen zu beruhigen. Schließlich wird er in weiße Tücher gewickelt, ein Zeichen der Erneuerung. Es ist vollbracht. Der Wandel vollendet.

In Zusammenarbeit mit @simscat2

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