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Windenburg
#21
<<< Maja Trasker kommt von Majas Haus <<<
<<< Jacob Bresk kommt von Henfrord-on Bagley- Haus Frietmann / Wohnung Jacob Bresk <<<
Charaktere: Jacob, Maja
Geschichtsstrang: Der Anfang einer Geschichte
Die Seite ist immer noch leer. Maja starrt darauf, als würde sie ihr etwas schulden. Sie sitzt auf einer Steinmauer, ein Bein angewinkelt, das andere locker baumelnd. Das Notizbuch liegt auf ihren Oberschenkeln, der Stift dreht sich zwischen Daumen und Zeigefinger. Sie setzt den Stift an. Ein Wort. Dann noch eins. Maja hält inne, liest es wieder, schüttelt kaum merklich den Kopf. Zu kontrolliert. Nochmal neu. Passt nicht.Sie kennt diese Blockade. Alles ist sichtbar, aber unerreichbar.Maja lehnt sich leicht zurück, stützt die Hände neben sich auf der Mauer ab. Sie beobachtet Menschen, lässt den Blick schweifen, ohne sie wirklich zu sehen. Silhouetten. Haltungen. Stimmen vermischen sich. Maja atmet aus. Ihre Schultern sinken ein Stück. Der Stift liegt jetzt still, als hätte auch er aufgegeben.So wird das nichts, denkt sie. Sie greift nach dem oberen Rand des Blattes, zögert einen Moment, reißt es heraus und knüllt es zusammen. Ihr Blick sucht den Mülleimer ein paar Meter entfernt. Maja visiert ihn an. Ein lockerer Wurf aus dem Handgelenk. Das Papier fällt zu Boden. Nicht getroffen. Maja erstarrt. Irritiert folgt ihr Blick dem zerknüllten Blatt. Erst da merkt sie, dass es nicht einfach nur daneben gefallen ist. Da steht jemand. Sie richtet sich ein wenig auf der Mauer auf. Ihr erster Impuls ist eine Entschuldigung. Eine Erklärung.Doch bevor sie sprechen kann, passiert etwas anderes.Ihr Blick hebt sich.Moment mal…Das ist doch…?Maja schluckt.„Jacob..?“
Mit einem Lächeln beugt sich der Angesprochene hinunter, hebt das Papier vom Boden auf und kommt anschließend auf sie zu. "Hallo Maja! Lang nicht mehr gesehen!" Während er spricht, schiebt er sein Handy in die Hosentasche. Gerade hatte er noch ein paar Dinge erledigt und war erleichtert gewesen, dass für heute kein weiterer Termin mehr ansteht. Umso überraschter war er, als er plötzlich von einem Papierball getroffen wurde. Er muss einen Moment überlegen, wann er Maja zuletzt gesehen hat. Seit seinem Umzug nach Henford haben sich viele Kontakte verlaufen, alte Freundschaften sind eingeschlafen, ohne dass es ihm bewusst aufgefallen wäre. Und doch fühlt es sich vertraut an, sie jetzt hier wieder vor sich zu haben. "Was machst du hier? Passanten abwerfen?" Ein amüsiertes Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus.
Ihr Blick wandert auf das zerknüllte Papier. Für einen Sekundenbruchteil schießt ihr der Gedanke durch den Kopf, dass er es auseinanderfalten könnte. Leicht nervös, aber auch positiv überrascht, beobachtet sie ihn, während sie sich sortiert. Zwei Leben, die in völlig unterschiedliche Richtungen gelaufen sind. Umzüge, neue Orte, vielleicht neue Versionen von sich selbst.
Maja atmet tief ein.„Weißt du … eigentlich hat sich mein Traum von damals erfüllt.“ Ein kurzes, schiefes Lächeln.„Also. So halb.“Sie hebt die Schultern.„Ich schreibe.“Eine kleine Pause, dann ehrlicher..„Nur nicht meine Geschichten.“ Ihr Blick wandert kurz nach unten, dann zurück zu ihm.„Ich leihe anderen meine Worte. Ihre Ideen, ihre Erinnerungen, ihre Gefühle, und ich bringe sie in Form.“ Sie atmet aus „Manchmal fühlt es sich gut an. Manchmal frage ich mich, wo meine eigenen Texte geblieben sind“, sagt sie nachdenklich. Es fühlt sich wie immer an, als wäre keine Zeit verstrichen zwischen den beiden, als würden sie nicht einige Kilometer trennen. Sie sucht seinen Blick.„Und du? Was machst du hier?“ Ein Grinsen blitzt auf.„Außer Papierbälle abfangen.“
Interessiert hört Jake Maja zu. Sie hat es tatsächlich geschafft, ihren Traum ein Stück weit Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn auch nicht ganz so, wie sie es sich vielleicht einmal ausgemalt hatte. Trotzdem liegt etwas Erfülltes in ihren Worten, das ihn beeindruckt.Er setzt sich neben sie auf die niedrige Steinmauer, legt das Stück Papier zwischen sie beide und wendet ihr den Blick zu. "Ich hatte heute noch ein paar Dinge zu erledigen", sagt er ruhig. "Und dann dachte ich mir, ich genieße einfach den Nachmittag und die warme Luft." Kurz hebt er den Kopf und lässt den Blick schweifen. "Ich komme viel zu selten raus. Tut ganz gut, heute mal den Kopf freizukriegen." Verlegenes grinst er, während sein Blick zu Boden wandert. Ganz frei wird sein Kopf wohl nie sein ... das weiß er selbst. "Beruflich lebe ich leider nicht meinen Traum", fährt er fort. "Aber ich habe einen guten Job. Er reicht zum Leben und ermöglicht mir ab und zu Homeoffice." Er lächelt und reibt sich gedankenverloren über das Bein. Dann sieht er wieder zu ihr. "Aber erzähl du. Du schreibst für andere?" Seine Neugierde ist geweckt. "Wie kann ich mir das vorstellen? Eher so in Richtung Memoiren? Oder kommen Leute mit einer Romanidee zu dir und du bringst das Ganze in Form?" Seit seiner Krankheit greift er häufiger zu Büchern. Der Fernseher bleibt öfter aus und der Laptop zugeklappt. Er hat seine Bildschirmzeit bewusst reduziert ... schließlich starrt er bei der Arbeit schon genug darauf. Das Lesen hilft ihm, die Konzentration zu schulen. Auch wenn es nicht immer gelingt, fühlt es sich an wie ein kleiner Schritt zurück zur Normalität.
Maja hört ihm zu, wirklich zu. Als er von der warmen Luft spricht, vom Rauskommen, vom Kopf freikriegen, legt sich ein nachdenklicher Ausdruck auf ihr Gesicht. Sie nickt langsam.„Das klingt… gesund“, sagt sie schließlich leise.„Diese kleine erlaubte Pause…“Als er von seinem Job spricht, von Sicherheit statt Traum, schaut sie ihn einen Moment lang an.
„Weißt du… es ist niemals zu spät, das zu tun, was du liebst. Ich meine, ganz gleich, ob beruflich oder im Leben. Was hält dich davon ab, glücklich zu sein?“ Sie schenkt ihm ein warmes Lächeln.„Es ist niemals zu spät dafür…“
Maja hält inne.All die Geschichten, all die Erinnerungen, das Vertrauen, das die Sims in Maja haben das ist Glück. Und vielleicht ist es ein Traum, den sie nicht gewählt hat, aber der viel besser ist als das. Aber der Gedanke, Sims zu bewegen, sie zu erkennen, zu verstehen, zu hinterfragen. Maja hat so viel zu sagen, so viele unausgesprochene Gedanken. Es ist immer ihr Traum, einen kleinen Teil der Sims Welt zu ändern, aber vielleicht kann sie beides haben? Maja schüttelt den Kopf.„Meistens kommen Sims zu mir, die etwas in sich tragen, das raus will, aber keine Sprache hat.“ Ein kurzer Blick auf den Boden. „Erinnerungen. Gedanken. Manchmal auch nur Unruhe.“
Dann sieht sie ihn wieder an. „Ich höre zu. Wirklich zu. Und ich bringe Ordnung rein. Worte, Struktur, eine Stimme, die sich für sie richtig anfühlt.“
Sie lächelt, und ihre Augen funkeln dabei. „Es ist wunderschön, wenn die Sims mein Büro mit vollem Kopf und Herz betreten und mit einem Lächeln verlassen.“
Majas Worte hallen in Jake nach. *Es ist niemals zu spät.* Der Satz kreist beharrlich in seinem Kopf und für einen Moment bleibt er stumm. Er denkt darüber nach, wie oft man sich selbst Grenzen setzt, ohne genau zu wissen, warum. Während sie weiter spricht, spürt er, wie sehr sie in dem aufgeht, was sie tut. Er mochte schon immer ihre Gabe aufrichtig zuzuhören und einfach da zu sein, wenn man etwas loswerden wollte. "Weißt du", beginnt er schließlich und räuspert sich. "Ich bin vor einiger Zeit krank geworden. Und das verändert ehrlich gesagt alles." Ernst schaut er zu Boden. "Im Moment steht meine Gesundheit an erster Stelle." Dann sieht er sie wieder an und zuckt leicht mit den Schultern. Mit seiner Erkrankung hat er sich abgefunden, doch die Einschränkungen machen ihm noch immer schwer zu schaffen.
Maja sagt zuerst nichts. Sie hört zu, ohne ihn zu unterbrechen. Sie zieht ein Bein näher an sich heran, als würde sie sich innerlich sammeln. „Das erklärt einiges“, sagt sie leise.Maja hält inne. Die richtigen Worte zu finden, fällt ihr mit einem Zettel und einem Stift definitiv leichter. Sie atmet einmal schwer aus.
Sammelt sich kurz. „Es ist gut, dass du das ernst nimmst. Wirklich. Unsere Gesundheit haben wir nur einmal, nur ein einziges Mal…“
„Wenn die Gesundheit wackelt, rückt alles andere automatisch nach hinten“, fährt sie fort. „Das ist keine Schwäche… was ist passiert, Jacob?“
Auf ihre Frage hin sieht er sie grinsend an. "Die Kurz- oder die Langfassung?", fragt er mit einem schelmischen Blick und sein ernster Gesichtsausdruck verfliegt im Nu. Er wartet einen Moment. "Für die Langfassung würde ich allerdings vorschlagen, wir gehen in ein Café." Er nickt in Richtung der Straße. "Ich lade dich auch ein."
„Natürlich die Langfassung“, sagt sie ohne Zögern. Sie folgt seinem Nicken zur Straße, dann wieder zurück zu ihm. Ein kleines Lächeln legt sich auf ihre Lippen.Sie schiebt das Notizbuch von ihren Oberschenkeln, steht von der Mauer auf und klopft sich den Staub von der Kleidung. Ihr Blick wandert erneut über die Straße. Erst im zweiten Moment registriert sie das Café. Ein kurzes Zögern. Maja atmet ein, dann aus, richtet sich wieder auf. Natürlich.Das Café, in dem sie Chase kennengelernt hat. Und da ist er wieder. Nicht laut. Nicht ganz da. Aber präsent genug, um sie durcheinanderzubringen.Warum eigentlich immer du?Warum schaffst du es jedes Mal, dich dazwischenzuschieben, egal, mit wem ich hier stehe?, denkt sie. Sie merkt, wie ihr Kopf anfängt, in diese Richtung zu kippen, und bremst sich selbst.Nein. Nicht jetzt Maja. Ihr Blick richtet sich auf Jacob. Ein Lächeln spielt um ihre Lippen.„Lass uns gehen.“
Im Café angekommen, setzen sich die beiden an einen kleinen Tisch am Fenster. Kaum ist der Kellner bei ihnen, bestellen sie. Erst als er wieder verschwindet, legt Jake die Hände auf den Tisch und verschränkt die Finger ineinander. Der eben noch entspannte Ausdruck in seinem Gesicht weicht einem ernsten Blick. "Ich habe vor über einem Jahr die Diagnose Epilepsie bekommen", beginnt er schließlich. "Der erste Anfall kam völlig unerwartet. Keine Warnzeichen, nichts." Sein Blick senkt sich kurz. "Ich war über eine Woche im Krankenhaus, um die Form festzustellen und die richtigen Medikamente zu finden. Und das war ehrlich gesagt erst der Anfang." Der Kellner kehrt zurück und stellt die Getränke ab. Jake bedankt sich leise und wartet einen Moment, bis sie wieder allein sind, um fortzufahren. "Es war nicht leicht. Nach einem epileptischen Anfall gibt es unglaublich viele Dinge, die man mindestens ein Jahr lang nicht mehr machen darf." Er atmet ruhig ein. "Und die Medikamenteneinstellung hat mir ziemlich viel abverlangt. Vor allem, weil die ersten Präparate nicht gewirkt haben." Er reibt sich kurz über die Hände, als müsse er sich sammeln. "Ich musste noch einmal komplett umgestellt werden, bis ich endlich anfallsfrei war. Und dennoch kann ich jederzeit einen Anfall bekommen. Ich bin noch nicht über dem Berg."
Ihre Hände liegen ruhig auf dem Tisch. Maja sagt erst einmal nichts. Wirklich nichts. Sie sortiert ihre Gedanken. Ein Atemzug lang.„Danke, dass du mir das sagst“, sagt sie leise. „Ich glaube nicht, dass Dinge einfach so passieren.“ Ihre Stimme sinkt. „Nicht solche Dinge.“Sie atmet langsam ein. „Manchmal fühlt es sich an, als würde das Leben einen testen. Unfair, hart, ohne Vorwarnung.“ Ein nachdenklicher Blick fällt auf ihre Tasse.„Aber ich glaube, es ist Teil deines Weges. Nicht um dir etwas wegzunehmen, sondern um dir etwas zu zeigen, was viele nie lernen.“Ihre Stimme wird warm.„Dass kein Moment selbstverständlich ist. Dass Zeit kostbar ist. Dass Anwesenheit ein Geschenk ist.“ Ein sanftes Lächeln legt sich auf ihre Lippen.„Es gibt noch so viel, das auf dich wartet“, fährt sie fort.„Musik, die du noch nicht gehört hast. Orte, die sich anfühlen werden wie Ankommen. Träume, die sich verändern dürfen. Wünsche, die dich hoffen lassen. Menschen, Gespräche, die dich sehen.“ Sie atmet aus. „Vielleicht gehst du langsamer als früher“, sagt sie leise. „Aber du gehst auch bewusster. Und das ist eine Stärke, keine Einschränkung.“Maja sieht ihm in die Augen, überlegt kurz.„Weißt du … hast du schon mal überlegt, deine Geschichte aufs Papier zu bringen?“ Sie nimmt einen Schluck Früchtetee und schenkt ihm ein warmes Lächeln.
Nachdenklich schaut Jake sie an. "Puh … da fragst du mich was", sagt er schließlich nach einer kurzen Pause. "Ich habe tatsächlich schon darüber nachgedacht, meine Erfahrungen mit der Krankheit zu teilen. Einfach, um anderen Betroffenen vielleicht ein bisschen Orientierung oder Halt zu geben."
Er zögert und sieht nach draußen, ehe er sich Maja erneut zuwendet. "Aber das wirklich aufs Papier bringen? Das alles zu verschriftlichen?" Sein Blick geht in Richtung der anderen Sims im Café, während er sich vorstellt, wie das aussehen könnte."Ich weiß nicht, ob ich das hinbekomme", gibt er ehrlich zu. "Meine Konzentration ist seit der Krankheit ziemlich im Eimer. Und vermutlich würde es ewig dauern, bis dabei etwas Vernünftiges rauskommt."
Maja hört ihm zu und lässt die Stille zu, die nach seinen Worten entsteht. Ihr Blick bleibt ruhig bei ihm, offen, ohne Erwartung.„Das ist völlig in Ordnung“, sagt sie leise. „Du musst das nicht können. Und du musst das auch nicht jetzt können.“Sie schüttelt kaum merklich den Kopf. „Das war nur ein Gedanke. Mehr nicht.“ Ein kleines, ehrliches Lächeln.„Sag mal … was ist denn sonst anders geworden für dich?“ Ihre Stimme bleibt ruhig.
Ein wenig zurück gelehnt versucht Jake Chaos in seine Gedanken zu bekommen. Er löst die Finger voneinander und hält die Tasse in einer Hand. "Vieles", antwortet er ihr. "Mehr, als ich anfangs dachte."
Für einen Moment blickt er zu den anderen Gästen, doch dann fährt er fort. "Ich merke, wie sich mein Umfeld verändert hat. Vor allem, nachdem ich es bestimmten Sims erzählt habe." Ein flüchtiges Grinsen ist auf seinem Gesicht erkennbar, bis er ernst zu seiner Tasse schaut. "Sie meinen es gut. Wirklich. Aber plötzlich schauen sie anders auf mich ... Meine Schwester Nicole wohnt seit kurzem bei mir. Sie nimmt unglaublich viel Rücksicht. Und ja … das ist schön. Es zeigt mir, wie wichtig ich ihr bin." Doch ein lauter Seufzer überkommt ihn. "Trotzdem fühlt es sich seltsam an. Ich bin der große Bruder. Ich will für sie da sein, Verantwortung übernehmen. Nicht, dass sie ständig auf mich aufpassen muss." Er nimmt einen tiefen Atemzug, ehe er Maja in die Augen sieht. "Manchmal fühlt es sich an, als hätte sich das Gleichgewicht verschoben. Und ich weiß noch nicht so recht, wie ich damit umgehen soll."
„Vielleicht hat sich das Gleichgewicht wirklich verschoben“, sagt sie leise. „Aber das heißt nicht, dass es weg ist. Nur, dass es gerade neu gesucht wird.“ Eine kleine Pause. Ihre Stimme bleibt sanft. „Und vielleicht darf das für eine Weile so sein, ohne dass es etwas über deine Stärke aussagt.“
Sie hält seinen Blick. „Du bist nicht weniger der große Bruder, nur weil andere dich gerade mittragen. Und du musst noch nicht wissen, wie sich das künftig anfühlen soll.“Ihre Stimme bleibt ruhig. „Du darfst dir Zeit lassen.“
„Ich glaube, das Schwierige ist nicht, dass sie auf dich achten“, sagt sie leise.„Sondern dass du gerade nicht weißt, wo dein Platz darin ist.“
Sie nimmt einen Schluck von ihrem Früchtetee und lächelt ihn an.„Was hilft dir im Moment mehr Halt oder Abstand von deiner Situation?
Mit einem Lächeln im Gesicht sieht Jake Maja an. Er mag ihre Art zu reden, empathisch und verständnisvoll auf andere Sims eingehend. Das konnte sie schon früher und genauso wie damals fühlt er sich auch jetzt in ihrer Nähe erstaunlich wohl.
"Ich gehe gern raus in die Natur", sagt er schließlich. "Spazieren, Tiere beobachten … das bringt mich runter." Sein Blick wandert zum Fenster. Für ein paar Minuten sagt er nichts und ihre Worte hallen in ihm nach. Dann sieht er wieder zu ihr. "Ich verstehe deine Berufswahl nur zu gut. Du hast einfach ein gutes Gespür für Worte." Er grinst. "Vielleicht solltest du meine Geschichte verschriftlichen."
( in Zusammenarbeit mit Spatz )
>>> Maja geht nach Granite Falls >>>
>>> Jake skypt nach Toronto (4) >>>
<<< Jack kommt von Tartosa <<<
<<< Maja kommt von Granite Falls <<<
Charaktere: Jack, Maja
Geschichtsstrang: Reingeknallt - Wenn Sturm auf Stille trifft
Der Duft von heißem Tee steigt auf. Süß und vertraut. Maja umschließt die Tasse mit beiden Händen. Früchtee... wer hätte gedacht, dass so eine simple Sorte von Bedeutung wird? Sie sitzt am selben Tisch wie vor Wochen. Ihrem Tisch. Ihrem und seinem. Die Sonne fällt genau so durch die Fenster, wie sie die Erinnerungen im Kopf abgespeichert hat. Und plötzlich zieht sich ein zartes, warmes Lächeln über ihr Gesicht. Tage vergehen, an denen sie sich kontrollieren kann, doch an manchen Tagen sucht sie aktiv Verbindungen zu ihm, heute ist so einer. Maja erinnert sich zurück. Gestern wollte eine Frau ein Gedicht für ihren Verlobten verfassen. Sie war eine dieser Kundinnen, die wirklich jedes Detail ihrer Geschichte erzählen, als wären sie beste Freundinnen. Sie hat ihn immer „Meinen Lieblingsmenschen“ genannt, statt ihn mit seinem Namen anzusprechen.
„Lieblingsmensch...“, murmelt sie. „Habe ich einen und was beinhaltet das...?“
Sie rührt in ihrer Tasse herum und wird von der Klingel der Ladentür aus ihren Gedanken geholt, sie blickt auf. Eine junge Frau mit einer Energie, die Maja direkt fesselt. Sie ist definitiv ein Sim, den man sich zweimal anschaut. Die Narbe um ihr Auge ein Zeichen, dass es vermutlich auch anders hätte ausgehen können. Sie kann nicht anders, als sie einen Moment zulange anzusehen.
Tief einatmend kommt Jack zum Stehen, als die warme und einladende Holztür des Cafés hinter ihr zugeht und das Bimmeln des Glöckchens leise in die nicht minder warmen Geräusche des Ladens übergeht und ausklingt. Sie weiß es jetzt schon: Das war die absolut richtige Entscheidung. Alles an diesem Ort ist einladend, willkommen heißend und warm. Das Interieur mit seinen gemütlichen Tischchen und Stühlen aus zweiter Hand, der knarzige Holzfußboden, die Lichtinseln und das Personal, dass mit
entspannter Geschäftigkeit hinter dem Tresen zugange ist. All das ist angenehm und so anders, als ihre eigenen vier Wände. 'Memo an dich, Jack. Farben und Pflanzen zu kaltem Designer-Scheiß hinzu zu fügen ist nicht ausreichend. Du brauchst Holz! Alter is das schön hier!' Von der eigenen Begeisterung überrascht, schwingt sie sich an den Tresen um eine Bestellung aufzugeben, die ihren Appetit anregen und befriedigen soll. Während sie darauf wartet das der Kunde vor ihr bedient wird, lässt sie ihren Blick durch den Raum wandern, um noch einen freien Spot auszumachen. Die Hütte ist recht voll, es gibt noch zwei freie Tische. Einer vorne am Fenster und einer ganz hinten im Raum. Als Jack ihren Blick wieder in Richtung Theke zieht fällt ihr auf, dass eine junge Frau etwa in ihrem Alter sie nicht weniger freundlich und offensichtlich anschaut. Sie nimmt und hält den Augen Kontakt für ein paar Sekunden, bevor sie ihn für ihre Bestellung abbricht. Kurze Zeit später hält sie zielstrebig auf die zierliche Brünette mit den langen Haaren der Mitte des Raumes zu und hängt ohne zu zögern den Motorradhelm an der Stuhllehne vor sich an. "Hi. Ist der Platz bei dir noch frei?"
Maja hebt den Kopf, als die Frau an ihrem Tisch zum Stehen kommt. Es ist dieser unscheinbare Moment, in dem die Atmosphäre im Café einen anderen Rhythmus bekommt, nicht lauter, nur anders. Lebendiger.
Sie ist es nicht gewohnt, dass jemand Fremdes so direkt fragt, aber es fühlt sich nicht aufdringlich an, eher belebend. Maja richtet sich ein wenig auf, löst die Finger von ihrer Teetasse und schiebt sie sanft zur Seite, als würde sie dem Moment bewusst Platz machen.
„Ja... natürlich.“ Ihre Worte sind zart, fast vorsichtig. „Ich bin Maja.“ Sie schenkt der jungen Frau ein sanftes Lächeln. Als sie den Motorradhelm an die Lehne hängt, wandert Majas Blick unwillkürlich dorthin. Für einen winzigen Moment zieht etwas in ihr zusammen, eine Erinnerung, die schnell und still auftaucht, wie ein Schatten. Ihre beste Freundin ist vor zwei Jahren bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Seither wünscht sie jedem Motorradfahrer, dem sie begegnet, dass er sicher ankommt. Nachdem ihr Blick zu lange auf dem Helm hing, stolpert sie wieder ins Hier und Jetzt. „Das Café... es ist heute etwas voller als sonst, ein Zeichen, dass der Sommer die Leute wieder nach draußen treibt... vermutlich. Kommst du von hier?“
Jack registriert die leise Willkommensgeste ebenso wie den kurzzeitig abdriftenden Blick. Als Maja sich wieder ihr zuwendet, nickt sie. "Ja da hast du womöglich recht." Den Stuhl vom Tisch und auf sich zu ziehend, stellt sich der Wuschelkopf vor, bevor sie sich zufrieden auf der hölzernen Sitzgelegenheit plumpsen lässt. "Hallo Maja.", greift die erst den weich klingenden Namen auf, der zu der jungen Frau so viel besser passt als zu dieser Biene aus dem damaligen Kinderfernsehn. Der Gedanke lässt sie kurz innehalten. Was ist denn das in letzter Zeit mit ihren Assoziationen?! Egal. Den seltsamen Bezug bei Seite schiebend, stellt sie sich vor. "Ich bin Jack. Und tatsächlich habe ich keine Ahnung, was die Leute hier in Windenburg so tun.", grinst sie verschmitzt. "Eventuell bin ich hier, um es heraus zu finden, dass hängt von der Dauer meines Aufenthaltes ab." Bevor sie weiter reden kann, ziehen feste Schritte und der Duft von herrlich starkem Kaffee ihre Aufmerksamkeit ab und Strubbel fährt nachdem sie sich für ihre gelieferte Bestellung bedankt und diese in Empfang genommen hat, fort. "Del Sol Valley ist seit kurzem mein neuer Wohnort. Bist du von hier?"
„Del Sol Valley... das klingt nach einem ziemlich großen Schritt.“ Ihre Stimme bleibt ruhig, weich. „Und... nach sehr viel mehr Trubel, als wir hier haben.“ Maja nimmt ihre Tasse wieder auf, berührt sie aber nur, statt zu trinken.
„Windenburg ist... langsamer“, fügt sie hinzu, fast entschuldigend. „Man kann hier gut ankommen, glaube ich. Zumindest für einen Moment. Eigentlich... bin ich noch gar nicht so lange hier.“ Sie legt den Satz sanft ab. Ihr Blick schweift kurz zum Fenster, wo das Licht über die Kopfsteinpflaster der Altstadt fällt. „Ich bin vor ein paar Monaten erst nach Windenburg gezogen. Und irgendwie... hat die Stadt mich sofort abgeholt. Die Menschen hier tragen Geschichten, die auf den ersten Blick verborgen scheinen.“ Ihr Lächeln ist vorsichtig. „Ich bin eine Art Ghostwriterin und trage viele Erinnerungen der Sims mit mir... das macht diesen Ort bedeutungsvoller, magischer.“ Sie zögert einen Moment, bevor sie fragt „Wie lange bleibst du denn ungefähr und was trägt einen Tag in Del Sol Valley?“
Ein wenig überrumpelt von so viel sanftheitlichen Bewegungen verharrt Jack einen Moment zu lange. In diesen wenigen, kleinen Gesten, die Maja von sich zeigt, liegt mehr Bedachtheit und Sanftmut, als sie verträgt. Holy... Jack fährt sich mit der rechten Hand durch ihre vor der linken Gesichthälfte liegenden Haare und schafft es, dass sie sich für einen Moment oben halten, sodass sie das elfengleiche Wesen vor sich uneingeschränkt betrachten kann. Bevor ihr Pony wieder in ihre Gesicht kippt, greift sie nach der bauchigen Tasse mit ihrem Heißgetränk und nippt ein paar Mal daran, die Augen abgesenkt. Als sie den Blickkontakt wieder aufnimmt, stellt sie die Tasse ab, lehnt sich zurück und legt ihre beiden Hände auf den Oberschenkeln ab. Ihre Handflächen spürten das feste, Schutz gebende Leder. Sie schluckt, lässt Majas Augen wieder los und scannt die ihr fremde Umgebung. Diese Räume passen exakt zu der Zusammenfassung, die sie soeben über Windenburg gehört hat. Weshalb sie sich diesen Ort zum Halten ausgesucht hat. Alles ruhig und entschleunigt. Keiner kennt sie hier, es gibt niemanden gegen den sie anrebellieren muss oder mag. Einfach mal Ruhe einnehmen, einfach mal anders Jack sein. Ungewohnte Ruhe, ungewohntes fallen lassen ausprobieren. Und nun? Nun ist sie von all dem überrumpelt, sobald es ihr in Simsgestalt begegnet. Und dann auch noch so... ruhig und... bedeutungslastig, fast schon schwer. Strubbel weiß, dass ihr Gegenüber ihre Befangenheit spürt. Sie räuspert sich und lehnt sich ein Stück vor, neugierig. "Aaaaalsooo", beginnt Jack gedehnt, "wenn ich dich, deine Worte und dieses Städtchen hier richtig einschätze, dann ist es trotz magischer Momente auch für dich ein großer Schritt gewesen?" Unsicher über ihren Einstieg in das Gespräch kneift sie den Mund kurz zusammen und zieht ihn fast spielerisch von links nach rechts. "Für mich war es das, ja. Also nach Del Sol. Aber dort ist es... Es ist nicht meine neue Heimat?! Ja ich will es so sagen." Majas Ausstrahlung hat etwas beruhigendes und vertrauensweckendes, Strubbel kann nur weiterreden. "und im Gegensatz zu dir habe ich noch keinen erlernten Beruf, ich führe zwar ab dem Herbst mein Studium fort, aber ich werde wohl bis zum Abschluss in ein paar Jahren vorerst im Berufsstatus Tochter bleiben. Abhängig von meiner zum verachten reichen Familie." Sie atmet aus, tief und in Achtung vor der Reaktion der neuen Bekannten, die den Schein erweckt, ähnlich wie eine Ameise das zehnfache ihres Eigengewicht tragen zu können. Um nicht bei sich zu enden und das Gespräch umzulenken, erkundigt sie sich nach Majas genaueren Definition ihrer schreiberischen Tätigkeit. "Was meinst du mit einer Art Ghostwriterin?"
Die kleine Stille, die zwischen ihnen entsteht, fühlt sich für sie nicht unangenehm an, sie gibt Zeit zum Fühlen. Als Maja schließlich wieder aufschaut, ist in ihren Augen dieser weiche Ausdruck, der immer dann auftaucht, wenn sie versucht, etwas in Worte zu legen. „Ich glaube, große Schritte fühlen sich immer so an. Egal, wie viele magische Ecken ein Ort hat. Und Heimat...“ Ein kleiner, fast unsicherer Atemzug. „Heimat findet man selten dort, wo man sie erwartet. Vielleicht braucht man Abstand, um herauszufinden, was sich wirklich danach anfühlt.“ Maja senkt für einen Moment den Blick auf ihre Hände, als Jack von ihrer Familie spricht. „Das klingt.. .schwer“, sagt sie leise. „Familien, die viel haben, erwarten manchmal..sehr genau, wie man zu sein hat.“ Sie hält inne. Maja weiß nur zu gut, wie es sich anfühlt, ihre Eltern wollten nie, dass sie schreibt, sie hatten andere Pläne für sie.
Nachdem sie sich aus den Gedanken löst, versucht sie, die passenden Worte zu formulieren. „Manchmal...“, beginnt sie langsam, „Tragen Eltern Bilder von uns mit sich herum, die sie schon lange, bevor wir sprechen konnten, gemalt haben.“ Ihr Blick wird nachdenklich.
„Aber diese Bilder gehören ihnen. Nicht uns. Es ist in Ordnung, wenn man eine Weile braucht, um das zu unterscheiden. Was studierst du?“, fragt Maja freundlich, um Jack die Möglichkeit zu geben, selbst zu entscheiden, wie tief das Gespräch wird. Maja holt sich Jacks Frage wieder in den Fokus. „Ich leihe Menschen meine Sprache. Ich nehme ihre Gedanken, ihr Erleben, ihre Bruchstücke und setze sie so zusammen, dass sie klingen, wie sie selbst klingen würden... wenn sie die richtigen Worte hätten.“ Ein warmer, Ausdruck legt sich auf ihr Gesicht. „Das ist für mich Ghostwriting. Geschichten tragen. Für einen Moment halten. Und dann jemand anderem zurückgeben, nur besser lesbar.“ Sie denkt kurz an Chase, es fällt ihr schwer, nicht an ihn zu denken, das Café, der Tee und die Frage von Jack. Es ist nicht so, dass diese Frage nicht oft gestellt wird, aber sie wird nicht von jedem hinterfragt.
Jack löst mit jeder voranschreitenden Minute weitere Teile ihrer Restpanung auf, bishin zum völligen ankommen bei Maja. Als die durchweg zarte Person ihre Leidenschaft beschrieben hat, lächelt Jack. "Es klingt schön, wie du über deinen Beruf sprichst, obwohl ich es deiner Erklärung nach ehr als deine Berufung beschreiben mag." Die zusätzlich wärmende Tasse wieder aufnehmend, führt sie ihren Gedanken weiter aus. "Es ist für dich viel mehr als einfach nur anderen unzugängliche Sprache und Worte zu geben. Hmmm. Die Bezeichnung Ghostwriting find ich, auch wenn es technisch gesehen so ist, unpassend. Du machst Dinge ja greif- UND fühlbar. Das ist für mich was anderes." Nachdenklich schaut Jack zur Zimmerdecke, um nach einem treffenderen Begriff zu suchen. Nur will keiner kommen. Auch nicht, als sie mit den Zähnen ihre Unterlippe bearbeitet. Die wieder entstandene Stille ist angenehm, sie lässt sich Zeit. Nach einer Folgeminute gibt sie auf. "Tja... Ich finde leider keine Beschreibung, die ich dir statt Ghostwriting auf den Türschild schreiben würde. Noch nicht.", kneift sie wie sie es so oft macht, ein Auge zu und mustert Maja. "Wenn es mir einfällt, sag ichs dir, okay? Besonderes verdient die Abhebung von 08/15." Ein leichter, schmerzlich neidvoller Zug huscht durch Strubbels Gesicht. Sie selbst hat nichts was sie so gut kann, außer Autofahren. Oder überhaupt gut können will?! Sie funktioniert und bricht gelegentlich aus, um sich und das Leben zu spüren. "Ich habe nichts dergleichen, mein gewählter Karriereweg ist so ziemlich das Gegenteil von einem liebevollen Gespür für Mitsims und entspricht dem Bild, dass meine Eltern von mir haben, seit ich gezeugt wurde." Den verächtlichen Schnauber, der ihre Eltern und sich selbst zu gleichen Teilen bedenkt, entfährt ihr nahezu unkontrolliert. Jack stellt die Tasse ab und nimmt eine Hälfte des belegten Sandwiches in die Hand und beißt herzhaft ab. Die Geschmakskomponenten vermischen sich herrlich und sie gibt sich dem Genuss der getoasteten kleinen Köstlichkeit hin. Mit halbvollen Backen nennt sie den Namen ihres Studiums. "Strategic Communication & Leadership." Wieder gefasster schließt sie ihren Teil der beruflichen Kennenlerneinstiegsphase ab, "ich lerne unter anderem, wie man Sims so bequatscht, dass sie im Rahmen ihres Schaffenskreises sich so bewegen, wie ich es möchte, ohne dass sie sich gesteuert fühlen." Jacks Blick wird eine Spur weicher, bleibt im Grundton aber resigniert, als sie anfügt, "Fies oder? Manchmal nehme ich sogar ihre eigenen Worte und ersetze sie durch meine. Wenn notwendig."
„Manchmal...“, sagt sie leise, „Braucht es eine Weile, bis man merkt, was man gut kann. Und oft noch länger, bis man erkennt, was man gut können will.“
Sie beobachtet, wie Jack ihr Sandwich genießt, und etwas an dieser Unkompliziertheit lässt sie sanft lächeln.
„Strategic Communication & Leadership“, wiederholt sie. „Das ist... ziemlich weit weg von dem, was die meisten sich trauen würden.“ Ein feiner Ausdruck wandert über ihr Gesicht, fast nachdenklich. „Jemandem das Gefühl zu geben, frei zu handeln, obwohl man ihn führt... das braucht mehr Feingefühl, als es zuerst wirkt. Es ist nicht das Gegenteil von Empathie.“ Ihre Stimme bleibt weich. „Es ist nur ein anderes Spiegelbild davon. Nicht jede Form von Einfluss ist Manipulation.“
Ihre Augen suchen Jacks.
„Manchmal ist es einfach... Führung. Und auch die kann ehrlich sein.“ Sie nimmt ihre Tasse wieder zwischen die Hände, trinkt den letzten Schluck Früchtetee heraus und stellt die Tasse auf den Tisch. Zögernd, fast vorsichtig, überlegt sie sich folgende Frage. „Wenn du möchtest...“, ein kleines, zartes Angebot, „Können wir, nachdem du gegessen hast, kurz an die Luft gehen, um den Kopf zu lüften?“
Maja zieht ihre Energie aus solchen Gesprächen, aber Jack wirkt auf sie wie jemand, der Bewegung, Freiheit im Denken braucht, um Energie zu haben.
Es ist ein bisschen so, als hätte man ihr eine wirklich geile Sahnetorte ins Gesicht geklatscht. Lachend erwidert Jack, "Wow Maja! Also den Umgang mit Wörtern hast du wirklich drauf... ich bin fast soweit, es tatsächlich als Möglichkeit für mich in Betracht zu ziehen, dass ich irgendwie auch ein empatischer Sim sein kann", hebt sie den rechten Zeigefinger bekräftigend in die Luft. "Obwohl ich absolut unsozial und unter ständiger Giftzufur groß geworden bin." Ihr erneutes, lautes Lachen ist echt und auch als solches gemeint. Mit so einer Aussage hat sie im Leben nicht gerechnet, Maja hat sie erneut überrumpelt. "Du siehst das positive in den Sims, oder? Selbst, wenn sie es bei sich selbst nicht sehen?" Jack spült den letzten Bissen runter und rückt mit ihrem Stuhl näher an den Tisch und die junge Frau heran. "Feingefühl für Führung, sagst du. Hm." Eine Erinnerung kreuzt ihre Gedanken. Ihr erster Lady Boss Einsatz mit ihrer einstigen Überlegung, dass beispielsweise Kompromisse einem guten Projektmanager ausmachen. Sie zieht eine Schnute. Geben und Nehmen mit Achtsamkeit. Das hatte bei der Porschita-Beschaffung und Einweihung gut geklappt aus ihrer Sicht uuuuund... Vaas' Beitrag war einfach irre gewesen. Strubbel zieht die Luft ein und merkt, wie dieses herrlich elektrisierende Kribbeln in ihr aufsteigt. "G e f ü h l v o l l e s führen also. Wie sagtest du doch gleich? Ehrliche Führung als eine andere Seite von Empathie... Das klingt gut, muss ich gestehen. Verlockend. Es wäre schön, wenn du recht behältst." die zweite Hälfte des belegten Supersnacks landet zu einem Drittel in ihrem Mund. Nachdem sie den Bissen verschlungen hat, nickt sie Maja, dem Raum und sich selbst kräftig zu. "Ich werde das nochmal ausprobieren, ich traue deiner Meinung mehr als meiner." Nach kurzem wühlen in der Jackentasche befördert sie ihr Telefon zutage. "Warte mal kurz, ich werde - bevor wir zusammen rausgehen und ich dich um deine Handynummer bitte - meine Chance zur Überprüfung deiner These einleiten." Jack zwinkert Maja zu. "Unsere Unterhaltung", sie deutet zwischen sich und ihrer Tischpartnerin hin und her, "hat mich an jemanden denken lassen, den ich seit ein paar Tagen nicht gesehen habe und der mir vielleicht bei meiner Empathiesuche im Leadership-Bereich helfen kann. Immerhin steht er auf zumindest eine bestimmte Art von Anweisungen, ich werd ihn diesbezüglich mal nach seiner Meinung fragen." Nach kurzer Zeit ist eine Nachricht an ihren lieblings Multimechaniker abgeschickt. "Darf ich dich auf deinen Tee einladen?"
Als Jack lacht, legt Maja ein warmes, fast scheues Lächeln auf ihre Lippen.Als sie näher rückt, bleibt Maja ruhig sitzen. Ihre Hände ruhen beobachtend um die leere Tasse. „Ich glaube, alles hat einen Grund, auch das für uns Negative kann das Positive brauchen und... auch andersherum.“ Ihre Stimme sinkt.
„Vielleicht... ist Empathie nicht etwas, das man von Anfang an hat. Manchmal wächst sie dort, wo man selbst nie genug davon hatte.“ Jacks Worte über Führung, Empathie, Ehrlichkeit berühren einen Punkt in Maja, den sie selten zeigt.
Sie hebt den Blick, klar fast still.
„Ehrliche Führung ist nicht der Schritt nach vorn“, sagt sie, „Sondern der Schritt zurück, damit jemand anderes Raum hat, sich selbst zu erkennen.“ Ihr Blick wird wieder sanfter, als Jack das Handy hervorzieht, so unmittelbar, so ohne Zögern. Maja braucht einen kleinen Moment, um die Geschwindigkeit von Jacks Welt mit der Langsamkeit ihrer eigenen in Balance zu bringen. Als Jack anbietet, den Tee zu übernehmen, schaut sie ihn überrascht an. „Danke. Aber nur, wenn ich das nächste Mal übernehmen darf.“
Jack lauscht wartend den Worten und prägt sich Satz für Satz ein. Dabei ist sie froh, den letzten Rest von ihrem Sandwich in sich rein schieben zu können. Gru-sel-lig, was hier gerade abläuft! Es ist, als würde Maja eine Vielzahl von verschlossenen und zugestellten Türen aufschließen. Die zum Glück (!) zugestellten lassen sich noch nicht öffnen, aber die anderen... die haben sich auf Spaltesbreite geöffnet. Fuck! Das ist nicht gut. Sie will jetzt keine Konfrontation mit alten und gegenwärtigen Wunden und Ängsten aka ihrer Persönlichkeitsfehlsteuerung. Schon gar nicht in der Öffentlichkeit und erst recht nicht in einem Moment, in dem sie sich anderen bereit ist zu öffnen, um lockeres, zufälliges Kennenlernen zu bewältigen, dass sie selbst eingeläutet hat. Es geht auf keinen Fall, dass sie die Kontrolle über die von ihr selbst ausgesuchten Situation verliert und in einer tiefenpsychologischen Reise landet.
"Deal", wendet sie sich dem freundlichen und so eindeutig lieben und aufrichtigen Gesicht zu. Strubbel zieht das Geschehen wieder in eine steuerbare Richtung als sie sich auffordernd nickend nach Majas Nummer erkundigt. Ein paar Augenblicke später ist der Deal über die Tischplatte gegangen und auch Maja hat ihre Kontaktdaten. "Ich geh mal fix bezahlen und aufs Klo, bis gleich.", informiert sie ihre neue Bekanntschaft und macht sich auf den Weg.
Als Jack nach der Nummer fragt, zögert sie keinen Moment, schiebt ihr das Handy über den Tisch. Anstelle von großer Worte, schenkt sie ihr ein nickendes Lächeln. Ein kurzer Augenblick zum innehalten. Maja versucht das Gespräch zu sortieren. Jack spricht schnell. Direkt. Mit Bildern, Brüchen, Humor. Mit Viel Energie, viel Bewegung.
Maja merkt, dass das Gespräch sie nicht überfordert hat aber es hat Konzentration gebraucht. So, wie Gespräche das tun, in denen viel gleichzeitig gesagt wird. Maja hebt den Blick, als Jack zurückkommt, und steht beinahe zeitgleich mit ihr auf.
Sie wirft einen letzten, kurzen Blick auf den Tisch. Ein Lächeln spielt um ihre Lippen, als würde sie sich heute von diesem Ort verabschieden aber wissen, sie kommt wieder. Neue Erinnerungen spielen sich ab, Jacks lachen,diese lebende Energie und das Gefühl das beide sich auf ihren verschiedenen Wegen in der Mitte getroffen haben und es dort gleich ist. Dann denkt sie an Chase. Nicht absichtlich. Es muss an diesem Ort liegen. Chase hatte keinen Raum eingenommen. Er hatte Raum gelassen. Und genau das hatte sie berührt. Maja merkt, dass beide Begegnungen etwas Verschiedenes in ihr berühren. Jack spricht die Seite in ihr an, die sich bewegen, austauschen, denken will. Chase die, die innehält, nachspürt, nachklingt. Keines von beidem steht über dem anderen. Beides ist wahr. Und vielleicht, denkt Maja, ist genau das die Erkenntnis, dass Menschen nicht dasselbe auslösen müssen, um Bedeutung zu haben. Sie merkt, dass diese Erinnerung bleibt. Nicht als Vergleich. Nicht als Konkurrenz. Sondern als Spur. Ich werde wiederkommen sagt sie zu sich selbst. Sie geht elegant mit Jack zur Tür. Das Glöckchen klingelt ein letztes Mal über dem Eingang als sie aus dem Café heraustreten. Sie bleibt einen Moment neben Jack stehen. Die Luft ist kühler geworden und der Wind streicht ihr durch ihr Haar. Ohne Nachfrage wo es hingehen soll, geht sie mit Jack die Straße runter. Ihre Schritte finden ein gemeinsames Tempo Die Schaufenster ziehen vorbei wie kleine Bühnen. Ihr Blick wandert zu Jack. „Gibt es etwas, das dich gerade anspricht oder bleibst du lieber in Bewegung?“
Die Toilettenspülung rumpelt geräuschvoll und erwartungsgemäß ein Weilchen, ziemlich solange wie Jack braucht, um sich die schwere Hose hochzuziehen, das Hemdchen in den Bund zu stopfen und sich die Hände zu waschen. Vor dem Spiegel stehend betrachtet sie ihre Züge und überlegt, ob sie ihre Gedanken hinter ihrer Mine halten kann. Sie mag Maja, dass weiß sie. Aber sie schlägt auch beunruhigend eine Seite in ihr an, die sie - bis sie nach Del Sol kam - seit über zehn Jahren nicht hat anschlagen lassen. Es gab kürzlich Momente, auf Sulani und danach, da ließ Jack es bewusst zu. Nachdem sie sich dafür e n t s c h i e d e n, es also sich und anderen erlaubt hatte. Das was hier gerade abgeht, ist eine völlig andere Nummer. Prinzipiell kann sie in überraschenden und unerwarteten Situationen ruhig bleiben. Innerlich wie äußerlich.
Aber nicht heute.
Nicht hier.
Nicht bei Maja.
Nicht unter dieser Fühlung.
Die noch frisch etablierte und mit noch frischerem geklautem Motorrad versehene Ladyboss ist aus dem Gleichgewicht gekommen, wenn auch nur ein bisschen. Jack betätigt den Papierspender und entnimmt drei Blätter. Der kleine Raum der übertrieben nach Zedernholz und sanften Öko-Reinigungsmitteln riecht, hilft ihr ein wenig. Die Wände sind ähnlich wie der Bewirtungsraum gemütlich und warm gehalten. Jack seufzt tief und schaut sich über ihr Spiegelbild selbst in die Augen.
"Okay Mädchen... diese kleine, offensichtlich ausschließlich liebe Person bringt dich ein großes Bisschen aus dem Gleichgewicht!" Es wird still, Jack lauscht in sich hinein. Dann tritt sie mit einer Entscheidung aus dem kleinen Raum und kehrt zu Maja zurück, schnappt sich ihre Siebensachen, leert den Kaffee und schon stehen sie auf dem kleinen Bürgersteig und bewegen sich gemeinsam die Gasse hinunter, dem Licht der Sonne entgegen. Das gemeinsame Schweigen ist angenehm und der Gleichschritt den die beiden Frauen gefunden haben, ist zielstrebig aber entspannt. "Eigentlich habe ich kein bewusstes Ziel hier in Windenburg," erklärt Jack, "allerdings könnte ich eine nervige Sache erledigen, die ich schon seit Wochen vor mir her schiebe. Ich brauche fürs kommende Semester noch Literatur." Ihre Blicke treffen sich. "Kennst du eine gut sortierte Buchhandlung?"
Bei dem Wort Literatur hebt sich ihr Blick.„Es gibt hier eine Buchhandlung, die ich mag.“ Sie deutet mit einer kleinen Bewegung die Straße hinab, als wäre der Weg bereits klar. „Nicht groß. Aber gut sortiert.“ Ein kurzes Lächeln legt sich auf ihr Gesicht. „Man findet dort selten das, was man sucht, aber oft das, was man braucht.“ Sie geht ein paar Schritte weiter, passt ihr Tempo unauffällig an Jacks an. „Wenn du möchtest, zeige ich sie dir.“ Maja geht neben Jack her, lässt den Blick wandern. Sie war in dieser Gegend nur ein einziges Mal und sucht anhand der Fassaden und der Atmosphäre der Häuser Orientierung.
Wie von selbst bleibt sie vor einem Schaufenster stehen, ohne es bewusst zu entscheiden. Das Glas spiegelt die Straße, Jacks Silhouette, ihr eigenes Gesicht, nur angedeutet. Sie sucht Jacks Blick. Genauso wie Maja bleibt sie ganz automatisch stehen. „Siehst du auch das, was ich sehe?“
"Scheiße, ja!", poltert es aus Strubbel heraus. Mit vor Begeisterung geweiteten Augen scannt sie das Schaufenster. "Ich liebe Krimis und das da" pausiert Jack für eine Atempause, "sieht nach ner verdammt coolen Neuauflage eines alten Klassikers aus..." Den Impuls sofort los zu stürmen und Maja mit sich durch die Tür zu ziehen, kann sie man eben noch unterdrücken.
Sie neigt den Kopf minimal, betrachtet noch einmal das Schaufenster.
„Krimis passen hier gut her. Zu der Straße. Zu der Art, wie man hier stehen bleibt, statt durchzugehen.“ Dann wandert ihr Blick zurück zu Jack, ein Lächeln spielt um ihre Lippen. „Wollen wir?“
Ihr Antwortsgrinsen ist so breit, dass es ihr fast in den Wangen weh tut. "Mega! Los, komm...", stürmt Jack los, Majas Lächeln im Rücken. Zum zweiten Mal geht am heutigen Tage eine Türglocke, diese hier hallt jedoch viel länger nach. Ruhe, dumpfe leichte Wärme und der Geruch von... von... Jack bremst sich so heftig und unerwartet selbst aus, dass die beiden Frauen beinahe in einander krachen. Ein "Fuck!" entfährt ihr, dann lässt Jack Jacke und Helm zu Boden fallen und donnert durch die Tür, an Maja vorbei wieder nach draußen an die frische Luft. Fast hätte sie sich mit der nach innen aufgehenden Tür selbst ausgeknockt. Schwer keuchend landet ihre Wirbelsäule an der Hauswand neben dem Eingang der Buchhandlung, die so herrlich einladend und unschuldig ihre Arme für sie beide ausgebreitet hatte. Woher die Faust kam, die sie zurück auf den Gehweg geschläudert hat, kann sie noch nicht greifen. Jack probiert die Augen zu schließen, aber das ist keine gute Idee, merkt sie schnell. Sie ist so mit ihren überreizten Körperempfindungen beschäftigt, dass sie nicht merkt wie ihre Begleiterin sich neben ihr materalisiert.
Der Geruch trifft sie zuerst. Papier. Staub, der sich über Jahre gelegt hat. Holz, alt und warm. Die Tür der Buchhandlung steht noch einen Spalt offen. Von hier aus kann Maja Regale erkennen, dicht an dicht, das Licht ein Ort, der nichts fordert. Der wartet. Für einen Moment bleibt ihr Blick dort hängen. Und mit ihm eine Erinnerung. Das leichte Stolpern damals. Der Griff nach einem Buch, das höher stand, als sie dachte. Der kurze Schreck und der Wunsch, dass sie so niemand sieht. Aber zu spät. Er ist da, als hätte das Schicksal entschieden. Chase. Nicht laut.
Nicht fragend.
Einfach da.
Die Erinnerung ist weich, fast zärtlich, und hätte noch bleiben können. Doch dann reißt Jacks Bewegung sie zurück. Das hastige Zurückdrängen durch die Tür.
Der dumpfe Aufprall an der Wand. Maja erschrickt. Nicht sichtbar. Aber tief genug, dass es sie sofort handeln lässt. Sie hebt Jacke und Helm auf. Der Geruch der Bibliothek liegt noch in der Luft, während sie sich zu Jack dreht. Jetzt ist sie ganz im Hier. Sie tritt neben sie, lässt Abstand, wo Abstand gebraucht wird.
„Hey…“, sagt sie leise.
Einen Moment später: „Ist alles in Ordnung?“ Ihre Stimme bleibt ruhig, fast werdend. Nach einem kurzen Durchatmen streckt sie Jack vorsichtig ihre freie Hand hin. "Wir können es nochmal versuchen“, sagt sie sanft. „Langsam…“
Ihre Augen sind wild und ihr Puls ballert dumpf und schnell durch ihren Oberkörper. "Fuck, Fuck, FUCK!", brüllt Jack ungehalten und ignoriert die ihr zur Hilfe ausgestreckten Hand. Es ist erneut passiert, ohne dass sie es hat kommen sehen. Ihre Hände liegen nun den schmerzenden Torso stützend auf ihren Oberschenkeln. Jack atmet lang aus und ein. Aaaaaaaus und ein, aaaaaaasus und ein. Es wird besser, das Muster der grau-braunen Gehwegplatten wird deutlicher, sie kann langsam die feine Maserungen und natürlichen Zeichnungen erkennen. Mit dem letzten ausatmen schwingt sie ihre Mähne zurück und richtet sich auf. "Tja. Willkommen zur Freakshow.", lächelt Jack, mit einem Anflug von Bitterkeit. Sie überlegt kurz, prüft Majas Präsenz und trifft eine Entscheidung, die sie höchstwahrscheinlich nicht bereuen wird. Dieser Gedanke beruhigt ihr Kopf- und Körperkuddelmuddel zwar nicht, aber ihr innerer Kompass hat sich bereits ausgerichtet und eingenordet. "Ich kann da jetz nicht rein. Dieser Geruch nach ALLEM da drin, geht nicht. Ist scheinbar an meine Beinahe-weg-vom-Fenster-Erinnerung geknüpft." Ihr Blick hält Maja bei sich, sie sieht nur ihre Augen. Ruhig und fest, trotz dieser verwirrenden Sanftheit. "Bücheransammlungen sind wohl wie Paintballmasken", strafft sie ihre Schultern. "Gibst du mir bitte meine Jacke, ich muss jetzt erstmal eine rauchen. Und nachdenken."
Einen Moment bleibt sie stehen, ihr Blick offen, aufmerksam, ohne etwas zu erwarten. Dann fügt sie leise hinzu „Wir müssen da jetzt nicht rein.“ Sie atmet einmal kurz durch. „Ich bleibe hier. Weißt du… letztens war ich in einer schönen Bibliothek hier in Windenburg und dachte, ich greife mir einfach ein Buch aus dem Regal.“ Ein kleines Lächeln huscht über ihr Gesicht. „Das Buch hat nachgegeben. Ich nicht.“ Sie hebt kurz die Schultern, beinahe entschuldigend.
„Ich bin ziemlich unspektakulär gestürzt. Mehr so… langsam. Peinlich langsam.“
Ein kurzer Blick zum Geschäft, dann wieder zu Jack. „Seitdem weiß ich, dass ich in Buchhandlungen eine gewisse… Fallhöhe habe.“ Ein Hauch von Selbstironie in der Stimme. „Sehr poetisch. Sehr tollpatschig.“ Sie lehnt sich neben Jack an die Wand, nicht zu nah, aber weiterhin beobachtend.
Jack verzieht ihr Gesicht. Wovon spricht Maja da? Von einem peinlichen Sturz und das sie Fallhöhe hat?! Es ergibt gerade null Sinn für sie. "Soll das heißen, ich kann in dem Laden da notfalls auf dich drauf fallen oder das du dort dann mit mir zusammen umkrachst?" Jack beugt sich vor und zieht eine Spur zu dolle an ihrer Jacke in Majas Hand und hat sich nach einer kurzen Weile eine Zigarette angesteckt. Nach drei Zügen schaut sie Maja fragend an.
Maja muss lachen, ehrlich und warm.
„Ja, im Notfall kannst du auf mich drauf fallen“, sagt sie amüsiert. „Das wäre dann wohl Teamarbeit.“ Ein entschuldigendes Lächeln spielt um ihre Lippen. „Ein Versuch, dich abzulenken“, gesteht sie.
Maja zieht die Augenbrauen minimal hoch. „Okay… Plan B.“ Sie schaut die Straße entlang. „Sag mir das erste Blaue, das du siehst. Kein Nachdenken.“
Jack schnaubt, dass ist ja einlächerlich putziger Versuch. "Na schön," begibt sie sich auf den Kompromisspfad "weil du so übelst nett bist und ich dich sympathisch finde. Anderenfalls würde ich dir jetzt sagen, was ich von diesem Kindergartentrick halte", brummt sie und schaut sich aufmerksam um. Der Himmel, der Gehweg, Fußgänger und ihre Dinge, die sie mit sich führen. Und eine schwarze Katze. Und dann, nichts blaues, aber dafür Stimmen und Geräusche, die deutlicher werden und ebenfalls einen Teil ihrer Aufmerksamkeit haben wollen. Der Kindergartentrick funktioniert - natürlich tut er das. Jack muss nun Maja angrinsen, dann zieht sie cooler als sie sich fühlt an der Zigarette und lässt sie wissen, "Es geht halbwegs wieder, Danke." Maja lächelt, die Asche fällt auf den Boden. "Nimm's mir nicht krumm, aber ich kann dein Slow-motion-Sturz nicht ernst nehmen, ebensowenig wie ich da jetzt wirklich nicht reinzugehen schaffe." Jack verlagert ihr Gewicht um und wendet sich nun ganzheitlich der zarten Person zu. "Du hast lediglich was peinliches erlebt." versucht sie so freundlich es eben geht ihre Heftigkeit zu erklären. "Sorry für die arrogante Wertung, aber bei mir ist es... ernster."
Maja nickt langsam.
Nicht zustimmend, eher, weil sie es versteht. „Ich weiß“, sagt sie leise. „Und ich wollte das auch nicht gleichsetzen.“
Ein kurzer Blick auf den Boden, dann wieder zu Jack. Ihre Stimme bleibt ruhig.
„Und auch nicht, um deins kleiner zu machen. Ich weiß, dass das für dich gerade etwas anderes ist. Und das darf so sein. Du musst hier nichts beweisen, nicht bei mir.“ Maja hält inne. Ihr ist bewusst, dass sie sich nicht kennen, dennoch schwingt das Bedürfnis mit, sie zu verstehen. Sie bleibt stehen, lässt den Abstand, den Jack braucht.
„Du musst da nicht rein“, sagt sie ruhig.
„Und du musst mir nichts erklären. Was brauchst du jetzt?“
Und noch mehr Verständnis und Freundlichkeit. 'Puuuuuhhh.', seufzt Stuubbel innerlich auf. Äußerlich streicht sie sich mit der linken, freien Hand die Haare energisch zurück. Wären doch bloß Vaas' große rauhe Hände hier und an ihrem Schädel. Alles suboptimal. Strubbel saugt so heftig und tief an dem Filter, dass die Glut intensiv, beinahe aggressiv aufglimmt. In bemüht ruhigerem Tonfall versucht sie sich zu erklären. "Ich weiß, dass du das so nicht meinst, nix für ungut. Und das ist irgendwie auch gerade ein zusätzliches Problem für mich." Rauch fließt ihr sacht gepresst aus dem Mund. "Ich kenne es nicht, dass jemand aufrichtig und hilfsbereit ist, ohne etwas dabei im Hinterkopf zu haben. Oder das auf Schwäche mit Verständnis statt mit runter treten reagiert wird." Strubbels Blick wandert zu der ruhigen Kraftquelle neben ihr. Als Maja den Blick annimmt, zieht sie erneut an der Zigarette. "Zumindest läuft es so innerhalb meiner Familie. Ich habe erst seit kurzem selbstgewählte Freundschaften und Verbindungen, die ich aufbaue. Und das du jetzt und ein paar wenige andere Sims anders... also ehrlich freundschaftlich mit mir umgehen, ist neu. Da hab ich mich noch nicht dran gewöhnt, fällt mir einfach schwer, anzunehmen. Das ist alles." , beendet sie ihren Monolog, drückt den Rest der Zigarette unter ihrem Stiefel aus und schnippt den den fast aufgerauchten Stummel auf die Straße. Ein lauter Ausruf folgt. "Und Fuck it! Ich muss genau doch da rein. Weil ich es nicht zulassen kann, dass mich dieses Erlebnis schwach und krank hält. Das akzeptiere ich nicht."
Ihr Blick ist aufmerksam.
„Und ich nehme dir das nicht übel. Wirklich nicht. Wenn man gelernt hat, dass Freundlichkeit immer einen Haken hat, dann fühlt sich echte Unterstützung nicht wie etwas Gutes an, sondern wie etwas Unbekanntes. Und Unbekanntes macht misstrauisch.“ Ein kleines, ehrliches Lächeln legt sich über ihr Gesicht. „Dass dir das schwerfällt, heißt nicht, dass du undankbar bist. Es heißt, dass du noch lernst, dass du nichts dafür bezahlen musst.“ Sie hält einen Augenblick inne. Da ist Härte in ihr, ja. Aber darunter liegt etwas anderes, denkt sie. Eine Frau, die gelernt hat, zu überleben, nicht zu bitten. Die Nähe nicht verweigert, sondern ihr misstraut, weil sie weiß, wie weh falsche Nähe tun kann.
Dann zeig ich ihr eben, wie schön es sein kann.Maja atmet einmal langsam aus.Sie hält Jacks Blick, lässt ihn nicht ausweichen. „Das, was du beschreibst, ist keine Schwäche. Aber weißt du, was es wäre?“ Ihre Stimme ist klar, wach. „Jetzt stehenzubleiben und zu glauben, dass dieses Gefühl das letzte Wort hat. Also. Bist du bereit?“
Uuuuuuuund noch mehr Verständnis. Fuck. Okay. Jack pustet so lange stotternd Luft aus sich heraus, bis sie gefühlt keine mehr im Torso hat, dann holt sie win paar frische Atemzüge wieder rein. "Alles klar."
Pause. Dann schnappt sich Ladyboss entschlossen und mit wieder härter werdenden Herzschlägen ihre Klamotten und entert zum zweiten Mal den Eingang des Geschäftes. Dabei muss sie irgendwie an Anfisa mit ihrem Hammer denken und brüllt den Schlachtruf, den sie mit ihrem Opa wieder und wieder gefeiert und okkupiert hat, für die Verwendung in besonderen Lebenslagen. "Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!"
Maja hält einen halben Schritt inne, als Jack losschießt. Dann lacht sie leise auf. Ehrlich. Überrascht. „Okay“, sagt sie ruhig, mit einem schiefen Lächeln. „Das ist… eine sehr entschlossene Strategie.“
Sie erkennt diesen Moment. Nicht aus eigener Erfahrung, sondern aus dem Zuschauen. Aus all den Situationen, in denen Menschen sich selbst einen Schubs geben müssen, weil niemand sonst es kann. Maja denkt, dass Mut manchmal genau so aussieht. Laut. Unpassend. Ein bisschen verzweifelt. Und dass er trotzdem echt ist. Sie weiß, dass Jack gerade nicht geführt werden will.
Sondern Raum braucht. Und den gibt Maja ihr. Ruhig geht sie ein paar Schritte hinter ihr her, während ihr wieder dieser vertraute Geruch von eben in die Nase steigt.
'Dieses Mal, haut es mich nicht um, ich halte das aus, es gibt keine reale Gefahr! Es gibt keine reale Gefahr, es gibt keine-' Der Geruch klickt. Viele Bücher, geduldiges Papier, stumme Beobachter die mit rettenden oder vernichtenden Wörtern aufwarten und eine passive Beständigkeit ausstrahlen. Strahlen?! Ja, es fühlt sich tatsächlich so an, also würden diese Nachschlagewerke und literarischen Ansammlungen strahlen! Wie verschissene Kernkraftwerke..., mit dicken festen Mauern. Undurchdringlich... , wie eine Festung... 'STOPP, JACK!' "Huuuhhh" dröhnt es aus ihrem Brustkorb und sie kommt zum Stehen. Ihre schwitzigen Hände ballen sich zu Fäusten und strecken sich wieder. Scharf atmet sie ein, dreht sich um zu ihrer Begleitung und nickt der brünetten Bekannten zu.
Sie ist da.
Okay.
Gut.
Beruhigend.
Strubbels Augen huschen durch den Raum und versuchen, sich an etwas zu klammern, dass nicht aus Seiten und einem Einband besteht. Der erste Versuch scheitert. "Mädchen, diese Bücher werden dich weder angreifen, noch schützen, ES SIND NUR GEGENSTÄNDE, sie sind einfach nur da UND SCHWEIGEN AUF DICH UND WAS MIT DIR GEMACHT WIRD HERAB." Sie schluckt schwer den schmerzhaften Kloß in ihrem Hals herunter, während die Umgebung ihres Wahrnehmungsfeldes versucht sich an das Büro ihres Vaters anzugleichen. 'NEIN! DIESES MAL SCHAFFST DU ES NICHT IN MEINE WELT.' Mit einer Hand an der Stirn und der anderen am Bauch, findet sich Jack plötzlich an einem Tresen. Wie sie durch den Raum gekommen ist, ist zwas offensichtlich, aber es ist fast so, als gäbe es keine Erinnerungen dazu. Den Fachverkäufer am Handgelenk anfassend, erteilt die Panikattaken Wegkämpfende dem Mittdreißiger einen unmissverständlichen Auftrag. "Ich befinde mich gerade in einer Extremsituation und möchte mich jetzt von Ihnen ablenken lassen, egal mit und von was!" Ein Bild schießt ihr vors innere Auge. "Los! Erzählen Sie mir was über Ihre Präsentation im Schaufenster, sofort bitte. Ohne Pause und bis ich wieder alleine zurechtkomme, ja?", schaut sie flehend und bestimmend auf sein Handgelenk unter ihren Fingern der rechten Hand.
Maja beobachtet Jack. Sie würde es gerne verstehen, aber vermutlich ist das einer dieser Wege, die man nur begleiten, aber nicht ändern kann. Vielleicht ist es Schicksal, dass Jack und Maja aufeinandertreffen, möglicherweise besteht die Chance, Jacks Schatten der Vergangenheit mithilfe von Majas Worten zu verarbeiten? Die Schatten müssen natürlich erst einmal erkannt werden, aber die Situation wirkt nicht neu für Jack. Eins hat sich im Laufe der Wochen gezeigt: Jeder Sim hat Wunden, die ein Pflaster benötigen. Jeder hat Erinnerungen, die einen prägen und herausfordern, aber was diese mutige Seele so blockiert, bleibt wohl noch ein Rätsel.Wenn Maja eins gelernt hat, dann, dass jeder Sim in deinem Leben bedingungslos geliebt werden sollte. Es zählt nicht der Anfang, wie leicht und schön es war, sondern ob man in solchen Momenten, die eben das Leben sind, da bleibt. Liebe ist eben kein Schicksal, sondern eine Entscheidung - jeden Tag aufs Neue. Diese Stadt hat Maja verändert, all die Sims mit ihren Geschichten sowie Schicksalsschlägen und all diese Begegnungen, die für Maja von Bedeutung sind. Nach dem Tod ihrer besten Freundin Emilia fiel es ihr schwer, Sims an sich ranzulassen. Maja konzentrierte sich darauf, Sims verarbeiten zu lassen, da zu sein und ihnen Hoffnung zu geben. Vielleicht hätte Maja damals auch genau so einen Sim gebraucht. Sie möchte mit Jack geduldig sein. Maja hat ihr gesagt, sie ist da, und jetzt will sie es zeigen. Am Tresen angekommen, schenkt Maja dem Fachverkäufer ein höfliches Lächeln. „Gut, Maja, du nimmst Sims nicht nur, wenn sie am wenigsten Probleme machen, zeig’s genau jetzt.“ Der Verkäufer atmet schwer aus, vermutlich eine Mischung aus Respekt und dem totalen Schreck. Womöglich würden Jacks aufgelöste Worte jeden Sim aus der Fassung bringen, aber tatsächlich gibt er sich alle Mühe, sich nichts anmerken zu lassen, und willigt freundlich ein. Maja schenkt Jack ein freundliches Lächeln und bleibt als Ruhepol an ihrer Seite.
Den Überfall steckt der junge Mann, den sie noch immer festhält, gut weg. Erst als Maja neben ihr auftaucht, kann sie ihn loslassen. In den Hautkontakt nachspürend, zieht sie ihre Grabschhand zurück und versucht, eine entschuldigende Geste zu transportieren. Jack drückt sich anschließend noch etwas mehr Halt findendend gegen den Tresen, als der Fachverkäufer abrupt seinen Platz wechselt und losmarschiert, in Richtung Ladeninneres. Ohne zu zögern, findet ihre freche und übergriffe Rechte von eben Majas Linke und zieht sie mit sich, dem Schnellschrittigen hinterher. Strubbels Blick heftet sich starr auf seinen Rücken und fixiert die Stofffalten seines Hemdes. Genauso plötzlich wie er losgespurtet ist, sind sie nun zu dritt vor einem ovalen Tisch im hinteren und wirklich schönen Teil der Buchhandlung. Eine große Fensterfront rahmt den schon fast als Wohnzimmer bezeichenbaren Verkaufsraum.
Nach einer Sortierpause, legt der Verkäufer los, mit geradem Rücken und einer Miene, die ganz klar ausdrückt, dass er ein bisschen zu begeistert ist, um ein neutrales Verkaufsgespräch zu führen. Jack schließt kurzzeitig die Augen und massiert sich die Nasenwurzel. Ein Spiiiiele-Nerd! 'Ach du Scheiße!' Sie lässt Maja los und konzentriert sich auf die sehr lange und anstrengende Rede, die sie beide verpasst bekommen. Auch wenn es sie nervt, ist es doch genau das, was sie jetzt braucht und worum sie gebeten hat. Gefühlte siebzehn Minuten später hat Maja sich entgegen Jacks Erwartungen von irgendwelchen Büchern ablenken und von ihrer Seite ziehen lassen. Jack steht nun vor dem Strahlemann und nimmt eine der Spielverpackungen in die Hand und begutachtet diese.
'Was zum-' Jack kneift sich. Ist das hier gerade real?! Der Typ vor ihr hat sich selbst dermaßen in seinem Fan-Verkaufs- und Marketing-Erklär-Bär-Scheiß verloren, dass sie sich fast wünscht, ihr Flashback möge sie wieder heimsuchen. Sie schaut sich um, ihre brünette Stütze des Tages ist nicht mehr zu sehen. Wahrscheinlich war sie so in ihrem Pannikbekämpfungsmodus gefangen, dass sie eine Ansprache oder Verabschiedung zum Klo nicht mitbekommen hat. Ein komisches Gefühl beschleicht Strubbel, ohne dass sie es zuordnen kann. In ihr Sichtfeld wedelt sich penetrant ein begeistertes Gesicht mit den Worten, "Sie können exklusiv an der Verlosung teilnehmen und mit Glück werden SIE eine von acht möglichen Personen sein, die nicht nur ein unvergessliches, so noch nie da gewesenes Pre-Launch-Krimi-Event des renumierten Buntbartverlages miterleben dürfen! NEEEEEIN!" pausiert der Blonde mit den großen Zähnen und dem nun entgültig verstrahltem Blick.
"Sie wären auch eine von nur ACHT möglichen Sims, die die Chance haben einen atemberaubenden Realitätsausstieg genießen zu können, innerhalb dessen sie sich voll und ganz in eine Ihnen zugeteilte Rolle schlüpfen können und Teil eines komplexen Mordfall zu werden. Finden Sie heraus, was in Ihnen steckt. Vielleicht sind Sie eine Komplizin oder sogar... Der Mörder?!" Begeistertes Klatschen sorgt für eine kleine Unterbrechung.
"Begegnen Sie sich und anderen ganz neu und lassen Sie sich obendrein kulinarisch verwöhnen. Tauchen Sie ein, in eine fiktive Welt, inspiriert durch das Werk einer DER Krimi-Autorin schlechthin... Nur anders und HAUTNAH!" Das letzte Wort wieder betonend, greift er unter den Tisch und holt eine Los-Trommel hervor. Diese platziert er neben dem Turm der zur Warenpräsentation aufgebauten Boxen und beginnt sofort, an dem Hebel zu kurbeln. Dabei nickt er ihr ermuntern zu. "Nehmen Sie Teil, an der Mörderischen Dinner-Party, dem 'Mord im London-Express'. Los, los." Das ratternde Geräusch hat etwas einlullendes und da sie hier irgendwie gestrandet und zurückgelassen ist, nickt sie ihm bestätigen zu, "Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke, zeig was du drauf hast!"
>>> Jack geht nach Del Sol Valley - Jacks Eigentumswohnung >>>
>>> Maja geht nach Brindleton Bay Nr. 1 - Altersheim Shady Pines >>>
(In Zusammenarbeit mit @Simirechen)
(Bild 3 in Zusammenarbeit mit @Simirechen)
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