Bitte geben Sie einen Grund für die Verwarnung an
Der Grund erscheint unter dem Beitrag.Bei einer weiteren Verwarnung wird das Mitglied automatisch gesperrt.
Oasis Springs
<<< Sullivan 'Blaze' Blaisdell kommt von Newcrest (2) <<<
<<< Adrian "Chip" Töpfer kommt von Oasis Springs <<<
<<< Delsyn Fisher kommt von Newcrest (2) <<<
<<< Secco DeVir kommt von Windenburg Nr. 11 - Wohnung von Chip und Denize <<<
Charaktere: Blaze, Chip, Delsyn, Secco, Zero, Jinoh, Perry, Asael
Geschichtsstrang: Showdown

Die Angst krabbelt mit Spinnenfingern Chips Nacken empor, als er sich im Dunkeln der Lagerhalle nähert. Die Lampe über der Stahltreppe, die am Pokerabend noch geflackert hatte, ist heute tot und in der Finsternis kann er nicht erkennen, ob Jinoh schon am vereinbarten Treffpunkt auf ihn wartet. Mit schwitzigen Fingern rückt er den Jackenkragen zurecht. Seine Nervosität steigt und mit ihr das Jucken und Reiben gefühlt jeder Naht und Unebenheit der Kleidung auf seiner Haut.
Wie 'einfach' die Welt noch war, als Blaze und er hier nur zum Geld verdienen aufgeschlagen sind. Zwar eine ruinöse Schnapsidee, aber im Vergleich zu der Bombe, die Jinoh unwissentlich am Pokertisch gedroppt hatte, peanuts.

Sid. Sein Bruder und der Grund dafür, dass Chip jetzt doch den Weg der direkten Konfrontation geht. Genug Leute sind mit rein gezogen wurden durch ihn, das muss ein Ende haben. Er hat die Lawine ausgelöst, er muss es auch zu Ende bringen.
Ein leises Rascheln lässt ihn zusammen fahren. Ein Schemen löst sich aus dem Schatten des Gebäudes. Er sticht dich nicht ab, das wagt er nicht...auf die Fresse, paar Zähne raus..das wird’s vielleicht...bleib cool

„Lass uns rein gehn.“ sagt Delsyn und setzt sich in Bewegung. Blaze folgt ihm missmutig. Es gefällt ihm nicht, sich von Polizisten zu umzingeln aber er vertraut auf Del.
Es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis sie die Möglichkeit haben mit einem Beamten zu sprechen.
Ein Mann, der sich als Detective Grimes vorstellt, hört Dels Ausführungen aufmerksam zu. Er erzählt von Jinoh Cooper und von dem Angriff auf das Haus der Töpfers.
„Und wie sicher sind Sie, dass es sich um Jinoh Cooper handelt?“

Del blickt kurz zu Blaze der nervös mit dem Bein wippt, die Arme verschränkt hat und den Kopf gesenkt.
„Die Beschreibung passt auf einen Mann den er vom Skateplatz in Oasis kennt.“ sagt Delsyn.
Zero macht sich Notizen und nickt. „Und der Grund für seinen Angriff..?“
Blaze atmet sichtbar ein und aus. Nachdenklich hört er weiter zu wie Del versucht Blaze‘ Bitte nachzukommen und muss feststellen, dass es sich als schwieriger als erwartet herausstellt. Der Detective braucht mehr Infos um zu handeln.
Blaze schaut schliesslich auf. „Jinoh ist der Anführer einer Gang die Drogen vertickt. Er bedroht meinen Kumpel und dessen schwangere Freundin. Reicht das nicht um ihn zu verknacken? Del hat sogar ein blaues Auge von ihm!“

Grimes schaut kurz zu Del, dessen Gesicht die Spuren der Auseinandersetzung zeigt. Er atmet tief durch, bevor er ruhig antwortet: „Ich verstehe, was Sie meinen. Ein blaues Auge allein wird bei jemandem wie Jinoh, der in den kriminellen Kreisen agiert und sich rechtlich absichert, nicht ausreichen. Wenn wir ihn verhaften, könnte er argumentieren, dass es sich um Selbstverteidigung handelte oder dass er nichts damit zu tun hat. Ohne eindeutige Beweise, die seine Schuld untermauern, wird er schnell wieder auf freiem Fuß sein.“
Blaze nickt langsam, während Grimes fortfährt: „Wir müssen es schaffen, dass wir etwas in der Hand haben, das ihn wirklich festnagelt. Ein blaues Auge ist ein Teil des Puzzles, aber wir brauchen das ganze Bild – und das bedeutet, wir müssen mehr über seine Drogenoperation und seine Aktivitäten wissen. Wenn wir das haben, können wir ihn nicht nur für den Angriff, sondern auch für viel schwerwiegendere Verbrechen drankriegen.“

Blaze schürzt die Lippen nachdenklich und entscheidet, „Na gut. Er ist sauer auf mich und meinen Kumpel. Wir haben vor 5 Jahren scheisse gebaut und er hats rausgefunden.“
Überrascht sieht Del Blaze an, mischt sich jedoch nicht ein. Blaze zögert, aber schließlich erzählt er alles – von dem Fehler, den sie damals gemacht haben, bis zu Jinohs Rachegelüsten und der gefährlichen Lage, in der Chip jetzt steckt. Er weiß, dass Chip in die Höhle des Löwen gehen wird, ob er will oder nicht.
Grimes lehnt sich zurück und überlegt einen Moment.
„Wie alt ist dein Kumpel?“ kommt die Frage vom Schreibtisch gegenüber.

Blaze und Del blicken zu dem Polizisten der sich einklinkt. Er hat gut erkennbar, zwei verschiedene Augenfarben.
„18… warum?“
Secco sieht von Blaze zu Zero und zurück. „Vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit…“

Es klatscht langsam in die Hände bis sich aus der Dunkelheit eine breite, muskulöse Gestalt materialisiert.
„Chip, mein Freund…..“ sagt es so unfreundlich, dass es einem die Haare aufstellt und ehe Chip sich versieht, ist er von drei Leuten auf dem Platz umzingelt.
Fuuuuck Die Dunkelheit kommt Chip zugute. So kann Jinoh nicht sehen, dass seine Gesichtsfarbe von blass, zu leichenblass wechselt. Chips Atem geht schnell und flach, nur mühsam bringt er seine Stimme unter Kontrolle. Als er zum sprechen ansetzt, hat er das Gefühl es kommen nur kieksende Laute aus seiner Kehle, was die Anspannung noch steigert. Sein Mund ist staubtrocken, die Nerven zum zerreissen gespannt.

Sein Blick gleitet über Jinohs Schergen und bleibt an dem Bandenboss hängen. Jinoh macht einen kleinen Schritt auf ihn zu, was ihn in Chips Wahrnehmung noch um einige Zentimeter wachsen lässt. Mühsam beherrscht sieht er ihm in die unheilvoll glitzernden Augen. "Ich dachte das ist eine Sache zwischen dir und mir." hört er sich wie aus weiter Ferne in festem Ton sagen. Die Silbe 'Ehren' schluckt er im letzten Moment mitsamt dem dicken Kloß im Hals herunter.

"Auch noch frech werden? In der Position bist du nicht, Kleiner." gibt Jinoh zurück und positioniert sich im Dreieck. Links Perry, rechts Asael. Beide wirken angriffslustig. "Also..." sagt Jinoh und zündet sich eine Kippe an, "Was hast du mir zu sagen...?"
Mit einem Mal frischt der Wind auf und schubst ein Paar Wolken am Himmel in eine spielerisch anmutende Verfolgungsjagd. Ein blasser, kraftloser Mond zeigt sich für wenige Augenblicke, ehe er wieder hinter einem neuen Vorhang verschwindet und die Szenerie wieder in diffuse Dunkelheit taucht.
Chip versucht krampfhaft die richtigen Worte zu finden, aber alles was er sich zurecht gelegt hat verflüchtigt sich und sein Kopf fühlt sich immer mehr an wie ein Vakuum.

„Die vollständige Geschichte..und ich würde alles dafür geben, ich müsste sie dir nicht erzählen, könnte das irgendwie ungeschehen machen.“ Er sieht auf, wohlwissend, dass er bei Jinoh nicht auf Verständnis oder Mitgefühl setzen kann. „Du weißt schon einiges aus dem Brief. Wo soll ich anfangen?“
„Sag dus mir.“ entgegnet Jinoh und wird scheinbar zunehmend ungeduldiger. Der kleine Schläger, Asael, spuckt verächtlich auf den Boden.

Chips Herz stolpert nervös. Die machen nichts, ohne den Befehl vom Boss Den Blick unverwandt auf Jinoh gerichtet spürt er wie sich ein Schweißrinnsal kitzelnd den Weg sein Rückgrat hinab bahnt. Aus Angst irgendetwas könnte verrutschen wagt er nicht sein Shirt darüber zu reiben.Sag dus mir Hallt es in Chips Kopf wider. In Sekundenschnelle zieht ein Kaleidoskop an Bilder von Sid in seinem Inneren vorbei und für einen Moment überkommt ihn die Sehnsucht, Jinoh einfach zu sagen: räch ihn, mach mich alle, es ist dein gutes Recht. Er selbst hat keinen Bruder, aber die Vorstellung, er würde dem Sim gegenüber stehen, der Blaze auf dem Gewissen hat, rechtfertigt für diesen einen Moment alles. Bis sich zwei sanfte, braune Augen in den Film mischen und ihn kurz die Erinnerung streift an seine Hand auf Denize' Bauch und die zarte Bewegung darin unter seiner Handfläche. Mit einem Schlag kommt er zu sich und besinnt sich darauf, was er zu tun hat. Mit belegter Stimme beginnt er zu sprechen.

„Ich war zwölf, zum Geburtstag mein erstes Skateboard bekommen. Das war das Größte damals. Sid hat mich öfter beobachtet.. mit dem Bord in der Stadt und wollte mit machen. Aufgenommen werden bei den 'coolen' Jungs.“ Chip atmet hörbar aus. „Wir waren nur kleine Pisser, die sich groß gefühlt haben wegen ein paar Skateboardtricks.“
Er senkt den Kopf und blickt unauffällig kontrollierend an Kragen und Shirt herunter. Es zeichnet sich nichts ab, auch wenn er das Gefühl hat, sein Shirt klebt schweißgetränkt am Körper.
„Irgendwann hab ich gesagt, wenn er dabei sein will, muss er beweisen, dass er mutig ist und starke Nerven hat, weil er sonst später die Pipe und alles nicht schafft. Da kam die Idee für die Mutprobe.“ Chip fährt sich mit der Hand über Nase und Mund. „Den Rest kennst du aus dem Brief.“
Jinoh verengt die Augen zu Schlitzen und Chip sieht aus dem Augenwinkel wie Perry und Asael gleichzeitig die verschränkten Arme lösen.

„Ich hab alles versucht mit der Tür, aber als der Hausbesitzer mit dem Auto anrollte bekam ich Panik. Ich wusste dass er einen bissigen Hund und ein Gewehr hat..ich war ein zwölfjähriges, dummes Kind und bin kopflos davon gerannt. Ich hab gebetet und geglaubt, dass er Sid schnell entdecken würde.“ beeilt er sich weiter zu reden. „Jinoh, ich schwöre, ich kannte nur seinen Vornamen. Bis zum Pokerabend. Ich hätte nie mein Gras bei dir gekauft und wär am Skatepark rumgehangen, wenn ich gewusst hätte...“ Er verstummt.

Zum zerreißen angespannt, wippt Blaze mit dem Bein, bis Grimes ihm einen verärgerten Blick zu wirft. Er sagt ihm schon seit mehreren Minuten, dass er damit aufhören soll und jedesmal kommt Blaze der Bitte nach, mit dem Ergebnis, dass sein nervöses wippen von selbst zurückkehrt.
Durch Kopfhörer, die sich gefühlt schon bis zum Anschlag mit Schweiss vollgesogen haben, hört Blaze einem Dialog zu, zu dem er sich selbst eingeladen hat. Nein, er hat darauf bestanden im Wagen mit zu fahren, nachdem Detective DeVir seinen Plan offengelegt hat. Keiner war sonderlich begeistert darüber. Am wenigsten Denize, die zusammen mit Delsyn in SanMyshuno wartet. Chip hat eingewilligt, denn hingehen würde er so oder so, wenn die Polizei Jinoh nicht vorher festnehmen kann.

Dank Secco ist er jetzt immerhin nich allein. Jedesmal wenn er sich kratz, oder an seinen Kleidern zupft, raschelt es unangenehm laut in Blaze‘ Ohren und er zuckt zusammen.
Grade hat er die Hände wie zum Gebet verschränkt, ist auf die Oberschenkel gestützt vorgelehnt und lauscht kopfschüttelnd. Chip muss Jinoh zu mehr bewegen als nur Gras. Wenn er so weiter macht dann…

„Deine Feigheit hat Sidney das Leben gekostet.“ schliesst Jinoh. „Du warst es. All die verdammten Jahre. Du ganz allein?“ Als ob er auf etwas bestimntes hinaus will, führt er aus, „Ich weiss das Sid nicht nur mit einem Bastard rumgehangen hat. Der andere… das war Blaze, stimmts? Sicher dass dieser kleine Schwanzlurch nichts mit der Geschichte zu tun hatte? Überleg dir gut was du jetzt sagst.“ Jinoh tritt einen Schritt näher. Jegliche Freundlichkeit ist aus seinem Gesicht gewichen. In seinen Augen lodert purer Hass.

Zum Schweiß kommt noch aufsteigende Übelkeit und Magensäure. Chip würgt die beissende Flüssigkeit herunter, um ein verräterisches Krächzen zu verhindern. Jetzt kommt's drauf an. Entweder das Geschäft mit dem Teufel klappt, oder...
„Blaze hat nichts damit zu tun. Wir waren da noch gar nicht befreundet. Ich steh hier, weil ich schuldig bin. “ betont er und zeigt auf sich. Gleichzeitig weicht er etwas zurück und bewegt dann die Arme in einer ergebenden Geste zur Seite, die Handflächen nach oben. „Und weil ich irgendwie etwas gut machen will.“ Chips Ton ist intensiv, kämpft um Jinohs Akzeptanz. „Für Sid kann ich nichts mehr tun, aber für dich, seinen Bruder, kann ich was tun.“ Eine weitere Portion ätzendes Sekret wandert schmerzhaft Richtung Magen zurück. Chip senkt die Arme. „ Lass mich für dich arbeiten, egal was.“ Sein Blick zuckt kurz zu den beiden Hünen und zurück zu Jinoh.

„Ich mach alles. Ich kann Kurier spielen, egal für was. Gras, Pulver, Pillen. Was du willst. Ich hab connections in der Schule. Da ist immer Bedarf für Ecstasy und so weiter. Ich mach was sonst keiner tun will, du musst nur sagen was du brauchst.“ Chip hofft inständig, dass Jinoh die Chance auf einen lebenslangen Sklaven, den er und sein Clan nach Lust und Laune schikanieren können, verlockend genug findet, um weiter zu reden. Rache in unendlich vielen Raten, statt ihn hier und jetzt fertig zu machen. „Ich bin jung und hab bald ne Familie...ein Baby. Unauffälliger geht’s nicht.“

„Habt ihr das gehört?“ fragt Jinoh seine Leute, die darauf hin zu lachen beginnen, als hätte Jinoh es ihnen befohlen.
Der Boss kommt noch einen Schritt näher. „Ich bewundere wie hartnäckig du deinen Kumpel beschützen willst.“ sagt er, streckt die Hand aus und packt Chip mit seiner grossen Pranke am Kinn. „Aber verkauf mich nicht für dumm.“ Sein Zeigefinger und Daumen bohren sich schmerzhaft in Chips Wangen. „Ich will wissen wer der zweite war.“ die andere Hand hebt sich für eine Ohrfeige die sich wahrscheinlich gewaschen hat. „So lange du mich anlügst, Chippi, machst du gar nichts für mich.“ Jinohs Stimme hat noch nie so ruhig, tief und gleichzeitig so bedrohlich geklungen.

Verdammt. Als Jinoh sich nähert rattert Chips Gehirn los. Zieht der Bandenboss wirklich in Erwägung, sich auf Chips Angebot einzulassen, oder braucht er nur Gewissheit, ob er einen oder zwei zu Brei schlagen muss?
Blaze jetzt bloß zu stellen, wirkt, als würde Chip einknicken, wenn man ihm nur genug zusetzt und dann sogar seinen besten Freund verraten...und folglich irgendwann auch seinen Boss.
Wie ein Plappermaul, das im Verhör bei den Bullen plaudert, sobald es ein bisschen in die Mangel genommen wird. Will man so jemanden als Drogenkurier einsetzen? In illegale Geschäfte einweihen? Sicher nicht.
Andererseits muss! Jinoh das Gefühl bekommen, dass Chip vertrauenswürdig und ihm bedingungslos ergeben ist, sonst kann er jedes weitere Gespräch vergessen. Was für eine verfickte Zwickmühle.

Der Klammergriff des Bandenchefs unterbricht Chips Gedanken. Mit schmerzverzerrtem Gesicht geht er dem Zug folgend langsam auf die Zehnspitzen, gibt einige unverständliche Laute von sich und signalisiert, soweit der Schraubstock es zulässt, nickend, dass er kapiert hat. Gleichzeitig erfüllt ihn Panik, dass Jinoh das Kabel des Mikros entdeckt, wenn er weiter so dicht dran bleibt oder ihm eine rein haut. Der Griff um seinen Unterkiefer lockert sich und Jinoh versetzt ihm einen verächtlichen Schubs vor die Brust. Die dunklen Augen mustern ihn kalt. Das einzig lebendige ist die Erwartung, die sich darin spiegelt.
Taumelnd kämpft Chip um festen Stand, checkt vornübergebeugt die Technik und richtet sich keuchend wieder auf.
Einen Moment lang sieht er sein Gegenüber zögernd an, dann beginnt er den Ärmel seiner Jacke hoch zu krempeln, bis die Narbe des 'Blutsbrüder' Schnitts von Blaze, Stephen und ihm sichtbar wird. Er legt seinen anderen Unterarm darauf und gibt damit die Bedeutung des Wundmals preis. „Ja,es ist Blaze.“ Er senkt die Lider und schluckt. „Sorry Bruder.“, sagt er gerade so laut, dass Jinoh es hören kann und fühlt sich wie der letzte Dreck. Dann löst er die Arme wieder und lässt den Stoff an der Haut herunter gleiten. Er hat Jinohs Bruder auf dem Gewissen und dafür seinen Blutsbruder geopfert, mehr kann er dem Dealer nicht mehr bieten.

Blaze sitzt still, der Rhythmus seines nervösen Beinwippens ist für den Moment wie abgeschnitten. Als Chip in der Leitung seinen Namen nennt, durchzieht ein kalter Schauer seinen Körper. Sein Kiefer ist angespannt, und seine Finger sind so fest um seine Knie geschlossen, dass sie zittern. Es ist nicht Wut, die er fühlt, nicht wirklich. Er weiß, dass Chip ihn nicht verraten hat – zumindest nicht im Verräter-Sinn. Er schüttelt kaum merklich den Kopf, als ob er sich selbst zur Ordnung rufen muss. Neben ihm im Wagen werfen ihm die Polizisten flüchtige Blicke zu, spüren vielleicht die Veränderung in der Atmosphäre. Blaze bemerkt es kaum. „Alles okay?“ fragt Detective Grimes mit einer leichten, aber besorgten Stimme.

Blaze nickt nur, seine Stimme scheint irgendwo tief in seiner Kehle festzustecken. „Ja...“ bringt er schließlich leise hervor.
Das Schweigen im Wagen wird immer schwerer. Blaze' Kopf ist voller Bilder von Chip, umringt von Jinoh und seinen Schlägern.
„Was jetzt?“ fragt er schließlich und wendet sich an Grimes, der neben ihm in den Sitz gesunken ist. Der Detective blickt ihn mit einem ernsten Gesichtsausdruck an.
„Wir warten.“ sagt Grimes leise, „Wenn wir zu früh eingreifen, riskieren wir alles.“
Blaze nickt langsam, obwohl er spürt, dass das Warten ihn umbringt. Sie müssen Jinoh das Gefühl geben, die Oberhand zu haben, damit er sich sicher fühlt – sicher genug, um vielleicht einen entscheidenden Fehler zu machen...

Die Luft ist dicht, geladen mit unterdrückter Gewalt, und Jinoh könnte Chip in diesem Moment mit einem einzigen Befehl töten lassen. Es wäre so einfach – ein Zeichen an Perry und Asael, und Chip würde auf dem Boden liegen, blutend und hilflos. Aber Jinoh tut nichts dergleichen. Denn ein schneller Tod? Das wäre eine viel zu milde Strafe für das, was Chip und Blaze getan haben. Ein schneller Tod würde das Leiden, das Sid durchmachen musste, nicht widerspiegeln. Nein, Jinoh will, dass Chip jeden Tag daran erinnert wird, dass er versagt hat.
„Blaze,“ murmelt er, die Worte voller Abscheu. „Nicht dass ich es nicht gewusst hätte." Jinoh lehnt sich näher zu Chip. Einen Moment lang scheint es, als würde Jinoh abwägen, ob er Blaze hiernach zur Strecke bringen soll oder Chip einfach für beide bezahlen lässt. Doch dann kehrt unerwartet das grausame Grinsen auf seine Lippen zurück, während er die Situation neu bewertet. Er nimmt einen tiefen Zug von seiner Zigarette und schnippt sie achtlos gen Chip. Sie prallt von seiner Brust ab und landet auf dem Boden. Mit einem langsamen Tritt drückt Jinoh sie aus, die Augen unverwandt auf den zitternden Jungen gerichtet.

„Ich weiß nicht, ob ich lachen oder kotzen soll,“ sagt er schließlich, während er die Hände in die Taschen seiner Jacke schiebt und vor Chip auf und ab schlendert. „Einerseits ist das hier das erbärmlichste, was mir je untergekommen ist. Andererseits...“ Er bleibt stehen und sieht Chip von oben herab an. „... ist es auch irgendwie faszinierend.“ Er lacht leise, trocken, und sofort stimmen Perry und Asael in das Lachen ein.
„Du willst also für mich arbeiten? Drogen verkaufen in deiner kleinen Schule?“ Jinoh schüttelt den Kopf, als ob die Idee absurd wäre. „Fast schon süß,“ sagt er, verschränkt die Arme vor der Brust und mustert Chip eingehend. „Hör zu, Chip,“ sagt er gespielt sanft. Seine Augen wandern kurz zu Perry und Asael, die sich sofort gerader aufrichten. „Du darfst etwas für mich erledigen. Ein Job, um zu zeigen, dass du es ernst meinst und nicht davon läufst wie damals.“ Jinoh macht eine kurze Pause, bevor er fortfährt, „Morgen Nacht gibt es eine Lieferung. Nichts Großes, nur ein paar Pillen und ich brauche jemanden, der den Transport überwacht, aber... es könnte gefährlich werden. Das wird dein Test.“ Er tritt einen Schritt zurück, die Augen fest auf Chip gerichtet. „Wenn du den Job überstehst, reden wir weiter. Und wenn nicht... naja, dann... wird dein letzter Gedanke Blaze sein, den ich dank dir in dieselbe verdammte Hölle schicke, in der du gerade steckst..“

Ganzkörperpudding. Erleichterung durchflutet Chip und entkräftet beinahe vollständig sämtliche Glieder. Seine Knie drohen den Kampf gegen die Schwerkraft zu gewinnen und das Gefühl, den ganzen aufgewühlten Mageninhalt Jinoh ins Gesicht zu befördern, sobald er den Mund zum sprechen öffnet, verstärkt sich zunehmend. Hart schluckend rafft er den letzten Rest mentale Stärke zusammen, sieht dem Dealer ins Gesicht und nickt mit vorgeblich entschlossener Miene . "Ich beweis es dir."

Blaze sitzt stocksteif im Überwachungswagen, während jedes Wort, das Jinoh spricht, ihm wie ein Schlag in den Magen fährt. „Blaze... in dieselbe verdammte Hölle schicke...“ Die Drohung hängt schwer in der Luft, als ob sie das Gewicht der ganzen Lagerhalle in den Wagen drückt.
Aber Jinoh macht einen Fehler. Er erwähnt die Lieferung – die Pillen, den Ort. Blaze' Herz beginnt schneller zu schlagen, als er realisiert, was das bedeutet.

Neben ihm wechseln die Polizisten bedeutungsvolle Blicke, als ob sie wortlos das Gleiche denken. Grimes beugt sich leicht nach vorne, die Hände fest um das Funkgerät gekrallt. Sie alle wissen, dass dies der Wendepunkt sein könnte.
Die Unruhe in Blaze lässt ihn nicht los. Was, wenn es ein Trick ist? Was, wenn Jinoh nur testet, ob Chip wirklich erscheint? Er könnte den Ort bewusst nennen, nur um zu sehen, ob Chip trotz der Angst auftaucht, um seine Loyalität zu beweisen.
Blaze starrt auf die Monitore, die ihm nichts sagen. Das flimmernde Schwarz und die statischen Bilder wirken leer, als könnten sie das Chaos in seinem Kopf nicht widerspiegeln. „Er hat nen Fehler gemacht, oder?“ murmelt er mehr zu sich selbst, obwohl Grimes es sofort aufgreift.

„Wenn diese Information korrekt ist,“ sagt Grimes ruhig, aber bestimmt, „haben wir ihn.“
Blaze nickt langsam, kann die nagende Angst nicht abschütteln, dass alles immer noch schiefgehen könnte. Jinoh ist schlau, und wenn irgendjemand es schaffen könnte, sie zu überlisten, dann er.
Der nächste Schritt liegt bei der Polizei. Und Blaze kann nur hoffen, dass sie ihn rechtzeitig machen.
(In Zusammenarbeit mit simscat2)
>>> Blaze geht nach Forgotten Hollow (3) >>>
>>> Delsyn geht nach Oasis Springs - Delsyns Camper (3) >>>
>>> Secco geht nach San Myshuno Nr. 19 - San Myshuno Police Department >>>
Charaktere: Chip
Geschichtsstrang: Hört das denn nie auf? (Teil I )
Im Geiste geht Chip nochmal die Einkaufsliste durch, die Denize ihm mitgegeben hat. Der Job im Supermarkt mag stupide sein, aber er ist nicht schlecht bezahlt und Chip bekommt Prozente beim Lebensmitteleinkauf. Beiläufig stößt er mit dem Fuß die Tür des Mitarbeitereingangs auf und prallt beinahe mit einer Kollegin, die eigentlich nur vormittags arbeitet, zusammen.
„Was machst du denn hier um die Zeit?“ Überrascht hält er inne und sieht sie kopfschüttelnd an. Ihre Anwesenheit bedeutet vermutlich, dass schon wieder jemand krank ist. Verdammt. Womöglich muss er ebenfalls Sonderschichten schieben und dann bleibt wieder kaum Zeit zum lernen.
Sie mustert ihn mit einem schwer zu deutenden Blick. „Hi Chip, ich hab..“ Aus dem Büro des Abteilungsleiters ertönt ein ungeduldiger Ruf. „Schick ihn zu mir.“
Mit einem entschuldigenden Schulterzucken sieht ihn Michaela an und verschwindet nach draußen zum rauchen.
Chip beschleicht ein mulmiges Gefühl. Als er das letzte mal zum arbeiten hier war, kam der Anruf von seinem Vater, dass Jinoh nach dem Überfall in Oasis nach Windenburg unterwegs sei. Denize war allein zuhause zu dem Zeitpunkt und Chip hatte dem Vizechef in Panik die Cornflakes vor die Füße geknallt, die in alle Richtungen stoben und im Hinausrennen noch einen Aufsteller mit Fertigterrinen und Gemüsebrühegläsern umgestoßen. Natürlich wäre es klüger gewesen, anzurufen und sich unter irgendeinem Vorwand dafür zu entschuldigen, aber die Ereignisse der letzten Tage haben ihn so beansprucht, dass alles andere in den Hintergrund getreten ist.
Obendrein hat er durch die vorbereitenden Gespräche für seinen polizeilich unterstützten Einsatz bei Jinoh, eine Schicht verpasst. Der Masterplan für heute, war, jetzt kleinlaut eine Erklärung abzugeben und zu hoffen, das sein Vorgesetzter einen verständnisvollen Tag hat.
Kaum hat Chip einen Fuß in dessen enges Dienstzimmer gesetzt, trifft ihn ein kühler Blick. „Du brauchst gar nicht erst zu langatmigen Erklärungen ansetzen, Adrian. Ich hab dafür wahrlich keine Zeit.“
Chips Magen rutscht Richtung Knie.
„Du hast Materialschaden verursacht und bist unentschuldigt der Arbeit fern geblieben. Die Kosten übernimmt großzügigerweise der Arbeitgeber, aber deine Stelle ist zum nächsten Ersten neu besetzt. Es sind Ferien und wir haben genug motivierte Bewerber.“ Er hebt die Brauen, als wolle er sagen: Noch Fragen? Egal.Verschwinde und geh an die Arbeit. „Werd erwachsen, Junge.“
Zornig blitzt Chip ihn an, eine gepfefferte Erwiderung schon auf den Lippen, aber er besinnt sich und macht kommentarlos auf dem Absatz kehrt.
Im Gang vor dem Büro lässt er den Gefühlen freien Lauf und tritt geräuschvoll gegen einen einsamen Spind. 
Die Tür schlägt scheppernd auf und knallt gegen die Wand. Chip ballert sie frustriert in die Gegenrichtung zurück, schlägt die Richtung zu den Personalräumen ein und stoppt abrupt in der Bewegung. Keinen Finger macht er für den Arsch mehr krumm. Scheiß auf die paar Kröten.
Mit geballten Fäusten stapft er am Büro vorbei, reckt kurz den Mittelfinger gen geschlossene Türe und stößt die Schwingtür ins Freie auf.
Michaela drückt gerade ihre Kippe im Standaschenbecher aus und mustert ihn teilnahmsvoll. „Er ist ein arroganter Sack. Tut mir leid für dich, Chip.“ sagt sie gedämpft, mit Blick zum Kippfenster des Büros. Chip zuckt mit den Schultern und schlägt absichtlich eine lauten Ton an. „Ich find was Neues. Bin auf den Pisser nicht angewiesen.“ Er drosselt grinsend die Lautstärke. „Hast du ne Zigarette für mich?“ - „Klar.“ Sie reicht ihm die Packung und gibt Chip Feuer. „Muss wieder rein..mach's gut. Ich drück dir die Daumen.“ Michaela lächelt mit zusammengepresssten Lippen, hebt beide Fäuste mit entsprechender Geste und verschwindet wieder im Gebäude.
>>> Chip geht nach Windenburg
<<< Dennah Delany und Sullivan 'Blaze' Blaisdell kommen von Oasis Springs - Delsyns Camper (3) <<<
Charaktere: Dennah / Blaze
Geschichtsstrang: Ein Team
Unweit des Geländes von Delsyns Camp parkt der dazugehörige Wagen im Dunkeln zwischen sich auftürmendem Geröll und wuchernden Sträuchern. Von der Straße ist kaum zu erkennen, dass die Scheiben von innen beschlagen sind, doch das geräuschvolle Wippen der Achsen würde vorüberziehenden Passanten kaum entgehen - wären sie um diese nächtliche Zeit unterwegs.

Im Inneren des Wagens kommt Dennah, auf Blaze' Schoß sitzend, gerade wieder zu Atem. Dem Genuss nachspürend sackt sie in tiefer Entspannung in sich zusammen, ihre Schläfe ruht an seiner. Anders als vorige Nacht konnte sie sich heute vollkommen in seine Nähe fallen lassen - keine Zweifel, keine Ängste, die sie bremsen.
Seine Hände bewegen sich sanft streichelnd über ihre Haut - als ihr Körper ganz plötzlich schreckhaft zuckend seiner Berührung ausweicht. Mit einem Jappsen kichert sie in sein Ohr hinein und greift erst im zweiten Moment nach seiner Hand, um ihn zu stoppen. Elektrisiert breitet sich schlagartig eine Gänsehaut auf ihrem Körper aus. Seine zweite Hand noch immer in Bewegung, reißt sie mit einem lachenden Ausruf den Kopf nach hinten. "Huh! Das kitzelt!"

Blaze liegt noch völlig schwer atmend da, die Stirn leicht feucht und die Wangen gerötet. Sein Kinn ruht an ihrer Schulter, während ihre Haare seinen Hals kitzeln. Alles an ihr ist weich und warm und echt. Es gibt keinen Stress, ob irgendwer gleich anklopft oder ob er performt wie ein scheiss Hengst. Sie ist eine wandelnde vergiss-alles-und-geniess-es-Pille. Seine Hände gleiten instinktiv noch immer über ihre Haut. Ein Teil von ihm will einfach berühren, spüren, halten. Bis sie plötzlich lacht. Ihr Körper zuckt unter seinen Fingern zusammen und es dauert eine Sekunde, bis er realisiert, was passiert ist.
„Ach was“, lacht er mit, zieht die Hand zurück, aber nicht ganz. „Wo? Da?“ Er grinst und testet die Stelle gleich nochmal. Sie wehrt sich, er weicht ihrem Griff aus und sie lacht beinahe nur noch von der Vorstellung, dass er sie da erwischt. Aber er will es nicht übertreiben – nicht jetzt, in diesem zarten Nachhall.
„Das merk ich mir für später“, grinst er. Ihr Gesicht im schwachen Licht, das durch die Autoscheiben sickert ist so frei und glücklich. Und er denkt grade nur, wie unbeschreiblich schön sie ist.

Sie ist vollkommen überrascht von ihrer eigenen Empfindlichkeit. Sie war nie kitzelig. Oder hat es nur nie jemand getestet? Dieser Zustand geht weit darüber hinaus. Ihre Haut ist ein Minenfeld an Empfindungen. Jede Berührung von Blaze, selbst sein streifender Atem, breitet ein empfindliches Feuerwerk in ihr aus, so dass sie letztlich seine Hände ergreift und über seine Schultern hält. "Ich warne dich.", jauchzt sie mit einem breiten Lächeln. Einen Moment sieht sie ihm in die Augen. Die Zeit bleibt stehen, als sie ihm einen letzten innigen Kuss gibt.
Langsam, wie in Zeitlupe, löst sie sich von ihm, wischt sich mit einer ihrer Socken sauber und reicht ihm die andere. "Brauchst du?"

Blaze nimmt die Socke automatisch entgegen, sein Grinsen noch auf den Lippen. Doch während er sich säubert, kippt innerlich etwas. Die Hitze, die eben noch wohlig in ihm brannte, verlagert sich in den Magen. Er wird blass. Scheisse. Seine Finger verlangsamen sich. Er wird nachlässig. Sonst denkt er immer weiter.
Er versucht, ruhig zu atmen. Blickt auf die Socke in seiner Hand, als könnte die Antwort irgendwo zwischen dem Stoffflaum stecken. Dann hebt er langsam den Kopf, sieht sie an. „Ähm…“ Seine Stimme ist plötzlich tiefer – aber nicht entspannt. „Sag mal… hast du… also…“ Er zögert. Es klingt so peinlich plump. Dann bringt er es hinter sich.
„Sind wir eigentlich.. safe?“
Dennah stößt die Autotür in die Nacht, angelt ihre Unterwäsche von den Sitzen und steigt mit einem Ballerinafuß ins Höschen, als sie zu Blaze aufschaut. "Was? Du meinst ... Babymäßig?" Amüsiert grinst sie ihn an. "Scheiße du, meinst das ernst." Sie zieht die Unterhose zurecht und richtet sich auf. Die Augen blinzeln Blaze groß entgegen. "Also, ehrlich gesagt ...", sie beißt sich verhalten auf die Unterlippe, "nein. Ich hatte ja vor dir keinen in mir drin. Das heißt, du bist der erste seit - " Ihr Blick senkt sich, die Lippen zusammen gepresst. Ein tiefer Atemzug bei geschlossenen Augen, bevor sie ihn wieder ansieht. "Aber ich kümmer mich darum. Versprochen. Gleich morgen. Ich mein,", seufzend hebt sie die Schultern, "das ist ja nicht dein Problem."

Er starrt sie an. Erstarrt. Dann sackt er bei ihrer Lockerheit regelrecht in sich zusammen, lässt die Stirn aufs Lenkrad sinken und atmet hörbar aus. „Fuck. Klar is das auch mein Problem….“ Und er hat damals Chip verurteilt wegen dessen Dummheit. Jetzt steckt er selbst in so einem Mist. Und dann ist es nicht der selbe Mist, sondern der NOCH dümmere Mist. Chip hats wenigstens versucht.
Blaze hebt langsam den Kopf, sieht sie an.
„Ich meins ernst, ich bin scheiss 18 und dumm und hab nich nachgedacht.“
Blaze atmet noch einmal tief ein und aus, greift dann nach den Hosen, die immer noch an seinen Füssen hängen, und zieht sie hastig hoch. Dabei wiederholt sein Kopf in Endlosschleife: Das geht schon gut. Wird schon irgendwie… Muss. Hört man doch oft, dass Leute es sogar versuchen und es klappt nicht… Oh Gott, Boom war ja auch nicht… Wie bescheuert bin ich eigentlich?!
Nein, das wird jetzt ignoriert. Sofort und gründlich. Blaze schluckt hart, dreht sich nach seinem Shirt auf der Rückbank um, zieht den Kopf durch das Loch und krempelt den Saum nach unten. „Ich komm morgen mit, oke? In ne Apotheke oder? Ich hab noch ein paar Simoleons, reicht vielleicht.“ Und dann kann er sich direkt einen Vorrat an Gummis zulegen.
Einen Moment betrachtet sie ihn, als wäre er etwas, das sie noch nie gesehen hätte. Er ist sowas von kein Weichei! Er ist lieb und fürsorglich. Ein bisschen zu verkopft vielleicht. Aber irgendwie gefällt ihr selbst das. Zaghaft schiebt sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Er würde es wirklich zu seinem Problem machen. Soweit ließe sie es nicht kommen. Eine Abtreibung ist ein kleiner Eingriff, ein paar Tage Ruhe und die Sache hat sich erledigt. Sie setzt sich auf den Beifahrersitz und nimmt seine Hand. "Du bist nicht dumm." Ihre Stimme ist warm und liebevoll. Ein zarter Kuss trifft seine Lippen. "Ich kümmer mich darum.", wiederholt sie mit Nachdruck. "Lass uns fahren. Ich muss braves Mädchen spielen." Über die Rückenlehne angelnd greift sie nach Shirt und Rock und lässt sich wieder in den Sitz fallen. Den Rock drapiert sie auf ihrem Schoß, das Shirt ist schnell über den Oberkörper gestülpt. "Blaze?" Ein Augenaufschlag trifft ihn. "Versprichst du mir was?"

Als sie das zweite Mal sagt, „Ich kümmer mich darum“, nickt er. Immer noch leicht beschämt, aber er glaubt ihr.
Er greift nach dem Schlüssel im Schloss, dreht ihn bis vor die Zündung und lässt das Fenster ganz runter, damit das Kondenswasser verwischt. Dann stellt er die Lüftung auf 4, damit die Frontscheibe trocknet. Als sie seinen Namen sagt, sieht er sie an. Dreht die Lüftung leise. Da ist dieser Blick, der ihn jedes Mal kurz leer räumt, bevor sein Kopf hinterherkommt.
„Klar“, sagt er leise. „Was denn?“
"Versprich mir, dass wir immer offen und ehrlich sein können." Eindringlich sieht sie ihn aus großen Augen an. "Ich will nicht, dass du dich für irgendwas schämst." Sie nimmt seine Hand, drückt sie sanft. "Du kannst mir alles sagen, was dich bewegt. Immer." Ihr Blick senkt sich zu ihren Händen. Etwas verloren streicht ihr Daumen über Blaze' Fingernägel. "Und ich ... will nicht, dass wir über einander urteilen. Das darf nicht passieren." Sie sieht auf, ihre Augen glänzen im abgedämpften Licht. "Wir sind ein Team. Da ist man füreinander da. Richtig?"
Blaze sieht sie an – still, aufmerksam, irgendwie ein bisschen überfordert von der Klarheit in ihren Worten. Für einen Moment wirkt er, als würde er nach einem tieferen Grund suchen. Er fragt sich, ob sie etwas weiss, was er nicht weiss. Aber er fragt nicht sofort.
Stattdessen streicht er mit dem Daumen über ihren Handrücken und nickt langsam.
„Ja… na klar“, murmelt er.
Sein Blick bleibt bei ihren Augen.

„Ich bin nich so gut in dem Zeug. Gefühle und sowas… Aber ich geb mir alle Mühe. Und ich bin immer für dich da, versprochen.“ Er hebt die Hand an ihre Wange und zieht sie zu sich. Küsst sie sanft, fühlend, und lässt dann langsam ab.
Es arbeitet hinter seiner Stirn. „Hat… Del irgendwas gesagt oder so?“ fragt er dann. Boah wenn der was peinliches gedropt hat, dann…
Dennah schüttelt den Kopf. "Wir haben über sein Camp gesprochen und dass ich nicht weiß, ob ich mitmachen darf." Schwungvoll wendet sie sich nach vorn. "Du hattest Recht. Er ist richtig nett. Schön, dass du ihn hast." Ihre Worte drücken nicht annähernd die Erleichterung aus, die sie fühlt. Erleichterung, dass Blaze jemanden wie ihn in seinem Leben hat. Dem er vertraut. Zu dem er aufschauen kann. Gleichermaßen erfüllt es sie mit Schwermut, dass sie selbst nicht dieses Glück hat. Aber vielleicht, wenn es gut läuft, ... Ein Seufzen unterdrückend schenkt sie Blaze ein warmes, beinahe sehnsüchtiges Lächeln - nur einen Moment, ehe sie wieder auf ihre Finger schaut. Der Nagel des rechten Zeigefingers fährt unter der Naht des Rockes entlang, der auf ihrem Schoß liegt. Luftholend setzt sie zu neuen Worten an, stockt dann und atmet stumm aus. Ihre Bitte um Offenheit und Ehrlichkeit war ernst, aber nicht einseitig gemeint. Sie selbst trägt vieles mit sich herum, das sich immer wieder in ihren Verstand drängt. Ein Teil von ihr weiß, dass sie ihm irgendwann einige Dinge sagen muss. Doch die Angst, dass er es nicht versteht, bremst sie immer wieder.

„Ja… ich hät ihn echt gern schon früher gekannt“, sagt er, während sein Blick kurz auf ihrer Hand liegt, wie sie nervös die Rocknaht bearbeitet. Er misst der Bewegung nicht wirklich Bedeutung bei. Ohne mehr zu sagen, greift er nach dem Schlüssel und startet den Motor. Das Brummen füllt den Raum. Es ist fast beruhigend. Er legt den Gang ein, fährt zurück auf die Strasse und greift dann mit der Rechten nach ihrer Hand. Lächelnd, lehnt er sich zurück und steuert Tartosa an.
Die Schneidezähne in die Unterlippe gepresst, betrachtet Dennah die Straße vor sich, ohne viel von der Umgebung wahrzunehmen. Ihre Gedanken krallen sich an das Bild von vorhin, als Blaze mit Chips am Straßenrand stand. Und redete. Mach schon! Innerlich bis drei zählend setzt ihr Atem erneut an, zögert. Feige Kuh! "Es ist nur, ..." sie schließt die Augen. Großartig. Jetzt MUSS sie etwas sagen. Die Augen öffnen sich, fangen das Bild der Straße ein, die sich unter ihnen hinwegschiebt. "Ihr habt über mich geredet, oder?" Ihre Stimme klingt weniger neutral, als gewollt. Ein Hauch Sorge mischt sich unter den Tonfall. Zögerlich sieht sie auf, wendet sich Blaze zu. "Was hast du ihm gesagt?"
Das Motorbrummen und der dunkle Asphalt unter den Rädern, rauschen dahin. Blaze schaut nicht sofort zu ihr. Vielen Dank auch Del... Dann atmet er einmal tief durch, während sein Herz einen komisch dumpfen Druck in sein Gehirn jagt. Er braucht die Zeit um sich richtig zu erinnern.
„Ach.. das war noch…“, er zögert als ihm die Bedeutung davon auffällt. „Also das war vor… der Sulaniparty… ewig her“, tut er ab.
Nachdenklich zieht er die Nase kraus und nutzt das um sich mit der rechten Hand dran zu kratzen. Dann legt er die Hand ans Steuer.
„Ich hab ihm gesagt, dass ich dich mag und dass ich nich will, dass du denkst, ich wär wie alle andern.“
Er schluckt trocken, der Blick noch immer nach vorn gerichtet. ‚Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole…‘
„Weil…“, nochmal zögert er. Die Worte nicht findend. Er hat angst, es klingt dämlich. Und es IST dämlich. Weil Del Recht hatte und Blaze keine Eier. Innerlich unruhig, stützt er den linken Ellbogen an die Fahrertür und fährt sich mit dem Daumennagel über die Unterlippe. Schliesslich sagt er:
„Und er sagte halt, ich sollte es dir sagen… aber hab ich nich…“ und dann hattest du Geburtstag. Und dann war da Steph... Blaze zuckt die Schultern. Nicht weil es egal ist, sondern um zu sagen, dass er verkackt hat und es weiss. Er greift wieder ans Lenkrad aber wagt es nicht zu ihr zu sehen. Hätte er ihr gesagt, dass er sie mag, wäre das mit Steph und Chip gar nicht passiert.„Bin halt doch dumm“, fügt er an und hebt gezwungen den Mundwinkel.

Nicht sicher, ob sie Blaze' Worten folgen kann, zieht Dennah die Brauen ins Gesicht. "Ihr habt drüber gesprochen, dass du nichts gesagt hast?" Das macht irgendwie keinen Sinn. Aber vielleicht hat sie auch nur keine Ahnung von Jungsgesprächen. "Seid ihr ... klar miteinander?"
Er schüttelt den Kopf. „Ne, es ging darum, was du denkst. Nachdem du sagtest es gibt ‚nur‘“, er hebt kurz die Finger beider Hände in die Luft, „mögen und wollen. Und ich wusste nich was ich damit anstellen soll, damit… du nich das falsche von mir denkst… weil ich dachte mögen findest du zu langweilig und wollen ist wie bei den anderen sabbernden Vollidioten… und dann sagte er halt, ich müsse dir sagen wies is, und ich habs nich getan, weil ich dachte…“ grade noch im Redefluss mit leicht ironischem Unterton, bricht er ab. Traust dus ihr nicht zu?
„Keine Ahnung. Is auch egal“, sagt Blaze.
Liebevoll hebt sich ein Mundwinkel, als Dennah ihn von der Seite betrachtet. Er ist nicht gut mit Gefühlen und so. Will kein Weichei sein. "Wenn du dumm bist,", sie wendet sich nach vorn, "dann bin ich es erst recht." Auf den Rock schauend, streicht sie die Naht glatt, die sich durch ihr Gefummel hochgeklappt hat. Sie weiß, wie man das andere Geschlecht bedient, was sie tun muss, um Gelüste zu befriedigen. Sie weiß, wie sie jemanden aufheizt und zur Not auch, wie sie sich gegen zu viel Hitze wehren kann. 'Als hätte es irgendwann mal irgendein Kerl gut mit dir gemeint.' Aber das hier ... sich auf einer Gefühlsebene zu bewegen ... "Das alles ist total neu für mich, weißt du?" Sie sieht ihn nicht an, als sich ein tiefes Seufzen aus ihrer Lunge wälzt. "Ich werd bestimmt Fehler machen. Sei dann nicht zu enttäuscht von mir, ja? Du musst mir glauben, dass ich dir nicht weh tun will." Sie schaut auf, ihre Augen flimmern ihm ernst entgegen. "Egal, was man über mich redet." Wieder senkt sich ihr Blick. Auf ihren Fingern prangt das Tattoo, als wollte es sie verhöhnen. 'Bitch'. "Das bin ich nicht mehr."
„Ich will dir auch nich weh tun“, sagt er. „Und ich seh dich auch nicht als das.“ Er sagt das Wort nicht. Will es nicht. Du kannst ihr doch sagen…
Blaze Hände klammern sich etwas fester ums Lenkrad bevor sie sich wieder lockern.
„Denkst du…“, er atmet ein, hält ihn kurz. „Also, ist vielleicht ne blöde Frage… aber… hast du das Gefühl, das hier….“, mit einer Handbewegung umfasst er sie beide ohne sie anzusehen. „könnte dich irgendwann… langweilen?“ Blaze denkt über die Frage nach und stellt fest wie gemein sie ist. Nicht nur weil sie ihren bisherigen Lebensstil beinhaltet. Auch weil er darüber nachdenkt ob er bei Viola sowas verspürt hat und keine klare Antwort darauf findet. Die Gefühle die verschwanden hatten irgendwie was ähnliches wie Langeweile, aber gepaart mit einer grossen Ladung Schuld.

Überraschung steht Dennah ins Gesicht geschrieben. Er fragt sie am zweiten Tag ihrer definierten Freund-Freundin-Sache, ob ihr langweilig werden könnte? Mit ihm? Niemals hätte sie gedacht, dass er dermaßen unsicher ist. "Ich weiß nicht." Ihr Blick wird weich, als sie eine Hand auf seine legt. "Wird es irgendwann langweilig, das sein zu können, was man ist? Anstatt allen etwas vorspielen zu müssen?" Ihr Finger fährt die Linie seiner Vene auf dem Handrücken nach. "Ich weiß nur, wenn sich einer von uns langweilt, dann wird der Andere bestimmt eine coole Idee haben. Ein Einkaufswagen zum Beispiel. Wir werden aufeinander achten. Ich hab zwar keine Ahnung von" Beziehungen? Pärchen? ... Liebe ...? "so Sachen. Aber ich glaub, wenn man aufeinander aufpasst, wird alles gut gehen."
Blaze versucht zu lächeln, aber es bleibt mehr ein schiefes Zucken seiner Mundwinkel. Er fühlt sich ertappt – von sich selbst. Von der eigenen Angst, nicht zu reichen. Er drückt sanft ihre Hand.
„Ja“, murmelt er. „Hast recht.“
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )
>>> Blaze und Dennah gehen nach Del Sol Valley (2) >>>
<<< Eve Monahr kommt von Newcrest Nr. 13 - Waisenhaus Heimathafen <<<
<<< Delsyn Fisher kommt von Oasis Springs - Delsyns Camper (3) <<<
Charaktere: Delsyn / Eve
Geschichtsstrang: Der Tod an sich

Die Sonne steht tief, das Wasser spiegelt sie in langen goldenen Streifen. Libellen tanzen über die Oberfläche, es riecht nach warmem Holz und Schilf. Eve steht Barfuss am Ufer, die Angelrute in der Hand. Neben ihr steht Del, sieht ihr zu und justiert ihre Schnur nebenbei.
"Warum beisst eigentlich nie was, wenn ich angel?" Eve verzieht das Gesicht. "Bei den anderen immer gleich, zack. Und ich? Sitze hier und füttere die Fische durch."
Del lacht bei der Resignation in ihrer Stimme leicht. "Vielleicht sind es schüchterne Fische."
"Schüchterne Fische." wiederholt sie trocken und überlegt. "Könnte auch ein Buchtitel sein."
"Ein Buchtitel?"
"Ja. Aber nur ein Dünnes. Und mit einem dummen Ende."

Del zieht die Brauen hoch. "Was wäre ein dummes Ende?"
"Na sowas wie: Der Fisch war die ganze Zeit da, aber du hast die Angel falsch gehalten."
Er grinst. "Klingt mehr wie eine Lektion fürs Leben."
Eve ist sichtlich am Ende ihrer Geduld. "Was mach ich falsch? Bei dir beissen die immer."
"Vielleicht, weil ich ihnen nicht ständig drohe, sie in die Pfanne zu hauen."
"Ich hab ihnen höflich gesagt, dass ich Hunger hab." gibt Eve zurück.
"Das war eine Kriegserklärung." grinst Del.
Sie grinst auch, zieht dann die Angel wieder ein. Nichts dran. "Ich könnte auch einfach ein Schild ins Wasser halten: 'Hier bitte nicht beissen'."

"Du meinst, du tust das nicht schon?"
Sie zeigt ihm die Zunge. Dann wird sie still. Del merkt, wie sich etwas verändert. Ihr Gesichtsausdruck verliert das Strahlen und es ist als würde eine dunkle Wolke über ihr aufziehen, während sie den wurmlosen Haken betrachtet.
"Ich glaub, mein Papa hat mal geangelt", sagt sie plötzlich.
Dels Blick wandert zu ihr. Neugierig aber nicht aufdringlich wartet er.
"Ich hab ihn auf einem Foto gesehen. So ein altmodisches mit Eimer und so nem blöden Fischerhut. Mama hat gesagt, dass er angeln nicht 'angeln' nannte sondern 'taktisches warten' oder so..."

"Sympathischer Mann." kommentiert Del lächelnd.
"Er hatte auf dem Foto auch ein doofes T-Shirt. Mit einem Hai drauf, der 'Ich bin der Boss' sagt. Voll peinlich."
Ihre stimme klingt spöttisch, aber es wirkt als stecke mehr dahinter. Del sagt nichts. Aber in ihm bewegt sich etwas.
Wie beiläufig sie ihn abwertet. Als müsste sie sich ein bisschen von ihm distanzieren. So hat er Eve eigentlich nie eingeschätzt..
"Ich hab das T-Shirt irgendwo noch", sagt sie. "Es riecht nach Schrank."
Aus den Gedanken gerissen, blickt Del auf. "Nach was?"

"Na, so muffig. Nicht mehr nach ihm." Sie zuckt die Schultern. "Ich hab vergessen, wie er gerochen hat."
Sie sagt das, als sei es nichts wichtiges und trotzdem spricht sie es aus. Del registriert es.
"Ich wusste, dass er stirbt", sagt sie dann, so beiläufig wie vorhin über die Fische. "Mama hat es mir gesagt. Sie hat gesagt: 'Eve, er wird nicht mehr gesund.' Ich war 8." Del sieht sie an. Sie schaut aufs Wasser.
"Ich hab dann beschlossen, dass ich nicht weinen will, wenn er stirbt", sagt sie. "Jemand hat gesagt, das der letzte Moment bevor man stirbt genau so wichtig ist wie der erste von allem." sie runzelt die Stirn. "Oder nein.. das ging anders..." Sie schüttelt den Kopf und wimmelt den Gedanken ab.
"Und? Hast dus geschafft?" fragt Del neutral.
"Ja." Sie nickt. "Ich hab ihm vorgelesen. So ein doofes Kinderbuch mit Enten, die auf Weltreise gehen. Er hat nicht mehr reagiert, aber ich hab trotzdem weitergelesen. Ich glaub, das war wichtig."
Sie wirft die Angel wieder aus.

Del hält inne in seinen Gedanken. Ein kleines Mädchen, auf einem Stuhl neben einem Bett. Die Beine baumeln. Die Stimme leise, aber deutlich. In der Hand ein Kinderbuch, abgegriffen an den Ecken. Vielleicht mit einer umgeknickte Seite. Sie sitzt da, mit gerunzelter Stirn, die Lippen ein wenig gespitzt beim Lesen. Ernst. Konzentriert. Ein bisschen stotternd. Der Mann im Bett atmet schwer. Vielleicht auch nicht mehr. Aber sie liest weiter.
Er spürt, wie sein Brustkorb enger wird. Was für eine Sturheit muss in so einem kleinen Körper gesteckt haben. Und was für eine stille Liebe. Del fragt sich, ob sie damals wusste, was sie da tat. Wahrscheinlich nicht.
Er weiss, wie der Tod aussieht. Hat ihn gesehen. Aus nächster Nähe. Hat ihn auch gebracht. Aber dieser Tod, den Eve beschreibt – der ist anders. Und dass sie inmitten davon vorgelesen hat – das sagt ihm mehr über sie, als sie jemals sagen könnte.

"Ich find den Tod nicht schlimm", sagt sie nach einer Weile. "Ich find ihn eher wie... wie das Ende von einem guten Buch. Wo man weiss, da kommt nichts mehr. Und man ist traurig, weil man die Geschichte mochte. Aber man klappts trotzdem zu und wartet darauf dass... hm.. das leere Gefühl weg geht indem man was anderes macht. Oder so."
Del mustert sie. "Das nennt man Verdrängung." Er versteht jetzt besser, warum sie sich über den Hut lustig macht und warum der Hai peinlich ist.
"Was heisst das?" fragt sie, den Kopf zu ihm gedreht. Ihre Augen neugierig.
"Wenn du dich von etwas Schmerzhaftem abwendest, anstatt es zuzulassen.... in dem du eben Dinge tust um nicht dran denken zu müssen." sagt er.
Sie denkt drüber nach. Ohne grossen Gesichtsausdruck. Nur ein kurzes Zusammenziehen der Brauen. "Ist das was schlechtes?"

"Nur wenn man es dabei belässt.", sagt Del.
Sie spielt nachdenklich mit der Angelrolle, dreht den Griff hin und her. Dann wirft sie ihm einen kurzen Blick zu, vorsichtig.
"Kennst du das?"
Er nickt ehrlich. "Ja, sehr gut sogar."
"Vom Militär?" Ihre Stimme ist leise.
"Auch. Vor allem daher", sagt er und schaut sie offen an. "Manchmal passieren Dinge, mit denen man nicht umgehen kann. Nicht sofort jedenfalls. Dann macht man weiter, als wäre alles normal. Bis man irgendwann nicht mehr so tun kann, als ob..."
"Also ist mein Buch-Ende-Vergleich auch sowas?"
"Kommt drauf an… Hast du das Entenbuch noch, aus dem du vorgelesen hast?"

Eve nickt langsam. Dann: "Ja. In meiner Schublade.... Ich habs aber nie wieder gelesen. Dann mach ich den letzten Moment kaputt.. glaub ich.. es ist jetzt sein Buch, weisst du?"
Del sieht sie von der Seite. Ihre Schultern sind ruhig, ihre Stimme klar. Und trotzdem ist da ein Zittern zwischen den Sätzen. Ganz fein.
"Ich verstehe… Was denkst du passiert, wenn du es nochmal liest?", fragt er.
Sie antwortet nicht sofort. "Nichts wahrscheinlich..."
Del verzeiht den Mundwinkel nachdenklich und meint, "Erinnerst du dich an das Geschenk von Sullivans Mutter?"
"Ja?"
"Er wollte es nicht aufmachen, weisst du noch?"

Eve nickt nachdenklich. Sie erinnert sich. Sie wollte wissen was drin ist und Del hat gemeint, dass er entscheiden muss wann es aufgemacht wird.
"Ich denke es ist wie dein Entenbuch. Es ist schwer Schmerz zurückzuholen, von dem man denkt, dass er vorbei ist. Es klingt auch nicht logisch. Warum sollte man das tun?" er lächelt leicht. "Aber er wird nicht verschwinden wenn du ihn verdrängst. Er wird sich verändern und sich anders zeigen."
"Anders?" Eve wirkt etwas verwundert.
"Stress, Wut auf Dinge auf die man sonst nicht wütend wäre, manchmal richtige körperliche Beschwerden... je nach dem.. Wenn du breit bist, solltest du es lesen. Und du solltest alles was dann passiert, zulassen. Es ist okay zu weinen und es ist auch okay wenn nichts passiert. Verstehst du das?"
Eve schluckt trocken. "Hm...."

"Es ist auch okay angst zu haben." erwidert Delsyn.
"Wenn nichts passiert... heisst das dann, dass ich ihn nicht lieb hatte?"
Ergriffen und ein wenig erschrocken lacht Del leise. "Nein, natürlich nicht."
Sie atmet langsam aus. "Mama hat so viel geweint damals. Ich dachte, wenn ich auch noch anfange, tut ihr das noch mehr weh."
Del denkt, da hat es wohl angefangen. Eve schaut wieder auf den See. Die Angel rührt sich nicht.
"Ich hab ihr sogar Tee gemacht, damit sie sich beruhigt."
"Das ist traurig", sagt Del.
"Was?"

"Hat sie dich gefragt, wie es dir geht?"
"Immer", sagt sie sofort. Dann leise: "Aber ich hab immer gesagt, es geht mir gut."
"Und wenn du heute drüber nachdenkst – geht es dir gut?"
Sie antwortet nicht. Ihre Augen flackern, als würde sie nach einer sicheren Antwort suchen. Dann schüttelt sie den Kopf.
"Ich weiss nicht. Ich sag mir, dass er ja noch da ist. In Erinnerungen und so." Sie sagt es schnell. "Ich mein, das sagen doch alle. Dass die Leute weiterleben in einem."

Del beugt sich leicht vor. Seine Stimme ist warm.
"Was Alle sagen, ist nicht so wichtig. Wenn du trauern willst, dann tu es. Auf deine Weise."
Da blinzelt sie. Einmal. Zweimal. Dann sagt sie:
"Ich hab das Gefühl, wenn ich jetzt damit anfange... dann denkt sie, sie hat was falsch gemacht."
Del sagt, "Wenn sie merkt, dass du ihn vermisst, wird sie sich nicht schuldig fühlen. Sie wird sehen, wie sehr du ihn liebst. Glaub mir, das wird sie beruhigen."

Sie schaut ihn an. Endlich. Ihre Augen glänzen. Und für einen Moment sieht sie aus, wie das Mädchen am Bett. Nur ohne das Buch.
"Ich weiss nicht, wie das geht.", flüstert sie.
"Wenn du soweit bist, spürst du es", sagt Del.
"... ich... bin traurig...aber ich weiss nicht warum." gibt sie zu. Ihr Flüstern hat kaum noch Ton.
"Das verstehe ich..." Del legt den Arm um sie. Sie zögert keine Sekunde und rutscht zu ihm. Sie vergräbt das Gesicht in seinem Shirt. Er nimmt ihr mit der anderen Hand die Angel ab und streicht sanft über ihren Rücken.
Leicht melancholisch blickt er aufs Wasser und wünscht sich, dass sie ihm niemals ein Entenbuch vorlesen muss.
>>> Delsyn geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>
>>> Eve geht nach Brindleton Bay Nr. 9 - Green Fingers >>>
<<< Blaze kommt von Windenburg <<<
<<< Chip kommt von Oasis Springs Nr. 11 - Familie Töpfer <<<
Charaktere: Chip, Blaze
Geschichtsstrang: Fundament
Blaze steht schweissnass am Wagen und wuchtet eine Kiste nach der anderen hinein. Es ist Zeug fürs Camp, wie Del gesagt hat. Zeug was geliefert wurde, damit er es rüber ins Lager bringt. Das Zeug ist schwer. Geschirr und Töpfe und sonstiger Küchenkrimskrams. Die Sonne brennt gnadenlos, Oasis ist noch heisser als sonst. Sein Shirt hat er längst ausgezogen, der Schweiss läuft ihm den Rücken hinunter. Am liebsten würde er jetzt einfach kalt duschen.
Als die letzte Kiste verstaut ist, knallt Blaze den Kofferraumdeckel zu und geht ins Haus. Er leert ein Glas Wasser in einem Zug, wischt sich mit dem Handrücken über den Mund und zieht sich ein frisches Shirt über. Danach macht er sich auf den Weg zum Fluss. Dort soll er Chip treffen.
Es fühlt sich an wie eine kleine Ewigkeit, seit sie das letzte Mal normal miteinander gesprochen haben. Immer wenn sie grossen Streit hatten, war es komisch, danach wieder nebeneinander zu sitzen. Trotzdem kennen sie das, es gehört irgendwie zu ihnen. Vielleicht ist es diesmal komischer, weil er jetzt mit Dennah zusammen ist. Er zwingt sich, nicht zu lange darüber nachzudenken und den Moment zu nehmen, wie er ist.
Am Fluss sitzt Chip schon da. Blaze geht ohne zu zögern auf ihn zu, lässt sich neben ihm in den Sand sinken und zieht die Zigarettenpackung hervor. Er reicht sie ihm hin, steckt sich selbst eine an und lehnt sich zurück. „Yo“, sagt er und stösst den Rauch aus. „Du wirkst übelst frustriert. Alles okay?“
Dieser Platz. So oft war er schon hier um nachzudenken, Abstand zu gewinnen von Bertl, der Vergangenheit oder manchmal auch Denize, wenn ihn ihre Distanziertheit innerlich aufgefressen hat. Das leise Gluckern und Plätschern des hier noch schmalen Flusses beruhigt und manches Mal hat er im Geiste seine Sorgen auf ein Papierfaltschiffchen gepackt und es flußabwärts treiben lassen. Fort damit ins große Meer irgendwo weit weg. Das Treffen heute mit Blaze ist mehr oder weniger aus der Not heraus entstanden. Er hatte Nouki getextet, ob sie was zusammen unternehmen wollen, vielleicht wäre eine weibliche Sicht auf die momentane Situation ganz hilfreich gewesen. Die Antwort war ernüchternd. Sie würde aus Rücksicht auf ihre Beziehung derzeit keine Verabredungen treffen, wäre nicht so günstig im Moment. Aha.
Das schmälert aber nicht seinen Redebedarf, also doch Blaze. Besprochen wars ja eh...na ja lose, aber mehr muss auch nicht. Sein Gefühl sagt, passt schon.
Als Blaze neben ihm zum sitzen kommt und ohne viel Gedöhns die Zigarettenpackung rüber schiebt, muss er unwillkürlich schmunzeln. Das Gefühl hat ihn nicht getrogen. Was ne Wohltat. Er nimmt eine Fluppe aus der Packung, raucht an und legt die Schachtel vor Blaze ab. "Danke." Ein tiefer Zug, hörbares ausstoßen des Rauchs und ein leicht verzweifelter Laut dabei, sprechen Bände. "Frustriert triffts nicht ganz. Scheiß müde und sauer." Er zieht die Beine an, lässt die Arme locker über die Knie hängen und nimmt nochmal einen tiefen Zug, eher er den Kopf zu Blaze wendet.
"Denize hat das Baby bei uns abgegeben und sich nach Spanien verpisst." Er stampft kurz unruhig mit einem Fuß auf den sandigen Boden. "Sie chillt am Strand und ich schlag mir die Nächte mit Babygebrüll um die Ohren, weil meine Mutter sagt, dass muss so...damit sie wenigstens zu mir ne Bindung bekommt...Zoé." 
Blaze zieht die Brauen hoch und die Mundwinkel nach unten. „Scheiss Move“, sagt er. Das hat er von Denize nicht erwartet. Er denkt zurück an diese Bank, irgendwo im Park, wo sie nebeneinander sassen. Sie hatte damals vom Sprachen lernen gesprochen. Wie begeistert sie war, als er ein paar Bruchstücke Spanisch rausgehauen hatte, die er von seiner Stiefmutter aufschnappte. Und wie sie geschwärmt hat... war da nicht irgendwas mit Kindern? Dass sie mit denen arbeiten wollte? Tz. Ihr ganzes Verantwortungsgefühl scheint nur zu greifen, wenns um sie selbst geht. Nicht mal bei ihrem eigenen Kind. Das ist hart... das... klingt nach seinem Vater.
„Was ne Fotze…“, murmelt er unbedacht, mehr zu sich als zu Chip. Dann blinzelt er ins Sonnenlicht, stösst den Rauch langsam durch die Nase aus und schaut zur Seite.
„Wer kümmert sich denn jetz? Deine Mom? Was is mit ihrem Dad?“
Bei 'Fotze' regt sich Widerspruch in Chip, was ihn noch wütender macht. Klar ist sie das. Und scheinbar lebt immer noch der Beschützer in ihm, der sie verteidigen muss, egal worum es geht. "Wir kümmern uns...alle. Ihr Dad hat Zoé abgeliefert und meinte, wäre sowas wie ne gemeinsame Entscheidung gewesen. Er kann das Kind nicht allein versorgen, drum isses so am besten.."
Er kickt die Ferse in den Sand. "Pffff! Danke, dass ihr euch so einig seid. Geht doch nix über familiäre Harmonie.", sagt Chip bissig und schnippt den heiß gerauchten Stummel im hohen Bogen weg. "Ist mir entgegen geschlappt wie n nasser Handschuh und wollte nix preis geben, was Denize betrifft...außer dass es ihr nicht gut geht.", schließt er und schweigt. "Wird sich schon bessern, im Urlaub.." Wieder kurze Stille. "Zoé hat voll ihre Nase. Das ist megastrange, wenn ich sie trag und anschau..." Er schielt zu Blaze. Spottet er innerlich? "Macht's nicht grad leichter derzeit." 
„Verstehe“, sagt Blaze leise. Ehrlich gesagt kann er sich nicht im Geringsten vorstellen, wie das sein muss – Nächte voll Geschrei, Verantwortung für so ein winziges Wesen, das völlig von einem abhängt. Soweit er sich erinnert, hat er noch nie ein Baby von nahem gesehen, geschweige denn auf dem Arm gehabt.
Seine Gedanken wandern zurück nach Windenburg. Er sieht die Wohnung von Denize und Chip vor sich. Das Sofa, auf dem sie damals sassen. Chip hatte herumgealbert und Sprüche geklopft. Dass er mit ihr fein essen geht, während Blaze als Babysitter einspringt, quasi als Miete. Blaze hatte damals nur gelacht, weil es absurd klang. Er konnte sich schlicht nicht vorstellen, wie das überhaupt laufen sollte. Aber in dem Moment wirkte die kleine Familie… gut... so... overall.
Jetzt, am Fluss, passt diese Erinnerung nicht mehr. Er drückt die Zigarette mit einer fahrigen Bewegung in den Sand. Mit einem Seufzen streckt er die Beine aus, lehnt sich ein Stück nach hinten und lässt den Blick über die Wasseroberfläche schweifen.
„Brauchst du was?“, fragt er dann, vorsichtig tastend. „Keine Ahnung… Hilfe oder so. Mit irgendwas.“ Seine Stimme klingt ernst, ohne den Versuch, die Situation kleinzureden.
Das ist Blaze. Nicht viel Worte, aber die richtigen. Ein Teil der inneren Anspannung fällt von Chip ab und macht etwas schwer zu beschreibendem Platz. Vertraut und doch neu. Nähe mit gepflegter Distanz. Teilen der Last und doch wissen, dass er es im Grunde allein tragen muss. Den ehemals besten Freund wieder fühlen und neu einordnen in der Welt, in der die alten Bahnen ausgedient haben. Trotzdem ist da dieses Fundament, das gerade vom Schlamm befreit wird, in dem es zeitweise versunken war. Er lehnt den Rücken an den warmen Felsen und schließt die Augen für einen Moment. Dankbar, dass er sich nicht verstellen muss und so etwas wie Ruhe in seiner Brust einkehrt.
"Zum Babysitten ist es noch zu früh...aber ein neues Leben wär cool, falls du irgendwo eins rum liegen hast.", sagt, er ohne die Augen zu öffnen, und verzieht den Mund.
Durchatmend öffnet er die Lider und sieht Blaze an. "Wo wir grad dabei sind. Was geht bei dir so? Wo wohnst du? Was treibst du?" Das Baby nimmt jetzt schon so viel Raum in seinem Leben ein, dass alle anderen Themen in den Hintergrund treten. Ehrlich interessiert mustert er Blaze. Er wirkt stabil. Insgesamt kräftiger. Ausgeglichen. Aber wer weiß das schon bei ihm.
Blaze zuckt kurz die Schulter. Das gewohnte runterspielen von fantastischen Neuigkeiten, weil … er bescheiden ist? Näh. Weil er sich schämt? Weil er es nicht verdient?
„Ich wohn im Camp von Del und verdien mir paar Kröten, damit ich nach Tartosa ziehn kann. Dennah wohnt da jetzt bei ner Pflegefamilie… deswegen“, Während er redet, wandert sein Blick nach unten, auf seine Hand, die locker über dem angewinkelten Knie hängt. Er reibt mit dem Daumen über die eigenen Fingerknöchel, dann hebt er den Kopf wieder und sieht Chip an. Ein kurzer Moment, in dem man fast glauben könnte, er überlegt ob er überhaupt weitersprechen soll.
„Die Tage ist das Sommerfestival auf Sulani“, sagt er und es klingt fast wie ein Versuch, das Thema zu wechseln. „Wär eigentlich ganz nice. Aber ich schätze mal, es ist ein beschissener Zeitpunkt, dich zu fragen, ob du mitkommst...“
In einer Pflegefamilie? So recht vorstellen kann Chip sich Dennah nicht in einem geregelten, familiären Umfeld. Er sieht sie in der Schule auf den Stuhl springen und durchs Klassenzimmer rufen, wild auf der Tanzfläche herum wirbeln, fühlt, wie sie ihn am T-Shirt gepackt und mitgeschleift hat. Jetzt wird sie also erzogen..
"Es wird wohl langsam ernst mit euch, was?", sagt er, ohne eine Antwort von Blaze zu erwarten. "Freut mich für dich .. für euch." Es ist ihm ernst damit. Blaze hat's verdient was Schönes zu erleben. Reicht schon die ganze Scheiße, die ihnen das Leben serviert hat bisher. Angefangen von den Vätern bis zu der Horrorstory mit Sid. Der Fluss murmelt vor sich hin. Ab und zu springt ein Fisch und schnappt nach, für Simsaugen, unsichtbaren Flugobjekten in der Luft. Blaze' letzter Satz, lässt ihn gedanklich ähnlich spontan zuschnappen und genauso schnell wieder in den Alltagsgedankenfluss abtauchen. Festival. Sound. Spaß haben und all das noch vor der Sulani Traumkulisse. Chips Brustkorb hebt und senkt sich mit einem geräuschvollen Ein-und Ausatmen. "Nein, das is nicht drin zeitlich." Er sieht Blaze an. "Jetzt und wohl auch länger nicht. Ich will meine Mutter nicht als Babysitter ausnutzen, macht eh schon genug." Chips Mundwinkel verziehen sich leicht spöttisch. "Schätze ich werd ab jetzt so n bleicher Simstajunkie werden, ohne Sozialleben, dafür emsig in dem anderer stöbernd." Schnaubend stößt er die Luft durch die Nase aus. "N' Onlinezombie."
Es ist keine Story, die Blaze gross ausschmücken muss. Es reicht, dass sie da ist, und er weiss, dass er nicht allein geht. Das macht ihn stärker. Ruhiger.Ein bisschen, als wäre er ein Stück mehr er selbst geworden. Oder so..
Er schüttelt den Kopf, kaum dass Chip fertig ist. „Keine Chance, Alter“, sagt er mit fester Stimme.
Er steht auf. „Wir machen jetzt was.“ Sein Tonfall duldet keine Ausrede. Er kickt Chip leicht mit dem Fuss an, gerade so, dass der Stupser provozierend, aber nicht böse rüber kommt.
„Los. Wir fahren zur Promenade, holen uns ein paar Dosen und sprayen die Unterführung nach Newcrest voll. Maximal zwei Stunden, dann bist du wieder zurück. Aber die gönnst du dir.“
Er lehnt sich leicht vor, die Hände in den Hosentaschen, und fixiert Chip mit einem fordernden, grinsenden Blick, der kein Nein akzeptiert. „Steh auf. Das machen wir jetzt.“ 
Nicht nur die Stiefelspitze an seinem Hintern kickt. In Lichtgeschwindigkeit zaubert das Wort 'sprayen' ein überdimensional breites Grinsen in Chips Gesicht und bringt sein Herz zum hüpfen. Seine Beine folgen. Mit einem leichtfüßigen Satz springt er auf und schlägt mit Blaze ein. Wie gut einfach. Abtauchen und los legen. Wie früher. "Ha, ha, beste Idee ever. Let's go."
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha)
>>> Chip geht nach Del Sol Valley - Casino Royale >>>
>>> Blaze geht nach Del Sol Valley (2) >>>
<<< Chip kommt von Del Sol Valley - Casino Royale <<<
<<< Viola kommt von Del Sol Valley - Casino Royale <<<
Charaktere: Chip, Viola
Geschichtsstrang: Freier Fall
Der Sand knirscht unter den Füßen. Langsam gehen die beiden Teenager weiter. Der Flugplatz ist schon in Sichtweite, und auch jetzt schon sieht man den heruntergekommenen Style. Aber Viola ist zuversichtlich. Nur weil etwas älter ist, heißt es nicht, dass es gleich schlechter ist. Chip kannte diesen alten Flugplatz in Oasis, und er war es auch, der die Tickets für den Sprung organisiert hat… hier, an diesem vergessenen Ort, an dem die Wartezeiten darauf nur gering sind. Und deutlich günstiger als an den modernen Flughäfen. „Ich mag die Atmosphäre hier!“, grinst Viola. „Keine Show. Nur echte Flugzeuge.“ Sie sind jetzt nah genug dran, um das alte, verwitterte Metallschild erkennen zu können: Desert Wind Airfield. Eine alte Baracke dient als Hauptgebäude und beide steuern darauf zu. „Und? Schon aufgeregt?“ Sie dreht sich zu Chip.
Gute Frage. "Ja." Angesichts der Tatsache, dass das heute der letzte Tag seines Lebens sein könnte und er möglicherweise Zoé zur Halbwaise macht, ist das wohl auch angebracht. Daran, dass er seiner Mutter erzählt hat, er müsse für einen Kollegen in der Abendschicht einspringen, will Chip jetzt auf keinen Fall denken. Wenigstens das 'springen' war nicht gelogen, denkt er mit einem Anflug von Ironie und blickt kurz in den Himmel, der sich schon abendlich verfärbt. Die Sonne sinkt, das Firmament ist durchzogen von Wolkenschleiern, die sich langsam golden färben, als würde innen ein Feuer glühen. Vielleicht sollten sie sich beeilen? Wieviel Tageslicht hält Viola aus, ohne dass es ihr schadet? In der Schule war es nie ein Problem, aber Chip hat keine Ahnung, wie das hier draußen ist, auch wenn die direkte Sonne nicht mehr strahlt. "Teils weil es total geil ist, dass wir das machen und teils, weil ich vielleicht mit Viola Nebeljäger in den Tod springe." Mit amüsiert gehobenen Brauen und einem schiefen Grinsen erwidert er ihren Blick. "Wer hätte an sowas gedacht?", schließt er leise lachend. Ein prüfender Blick aus den Augenwinkeln trifft sie. "Und du?" Seine Augen verengen sich minimal bei der nächsten Frage. "Könntest du dich im Ernstfall eigentlich befreien? Also falls der Schirm nicht aufgeht...könntest du dich trotz der Gurte und alldem in eine Fledermaus verwandeln und davon flattern?"
Viola klopft ihm lachend auf die Schulter. "Glaub mir, nichts verbindet so gut wie gemeinsames In den Tod springen. Wenn man das einmal hinter sich bringt, dann ist die Freundschaft erst recht echt." Sie grinst, in Gedanken versunken. Kann sie sich im Ernstfall befreien? Bestimmt. Immerhin ist sie kleiner in Fledermausgestalt und sie könnte aus den Gurten schlüpfen. Aber es wird sicher auch gar nicht nötig sein. "So genau weiß ich das nicht, ob ich mich befreien könnte.", sagt sie ernst. "Vielleicht nicht. Aber wahrscheinlich schon. So ehrlich sollte ich dann schon sein. Könnte ich dich tragen, falls es schief geht? Ich würde es zumindest versuchen. Ich halte mehr aus als eine normale Fledermaus. Vielleicht würde es den Sturz zumindest genug abbremsen können, dass du überlebst." Sie lacht, um der Stimmung die Schwere zu nehmen. "Und das hat nicht jeder: Eine Fledermaus als Fallschirm." Nach einer Pause fügt sie noch hinzu: "Es wird schon alles gut gehen." Einen Moment zögert sie. Der Flugplatz hat nur wenig Kundschaft. Daher ging der Termin so schnell, und daher war auch ein Flug um diese Uhrzeit möglich. Aber das liegt wohl eher an der Abgelegenheit als dass die Ausrüstung nichts taugt, oder?

Wie immer, knickt Chip unter Violas Schlag leicht ein und rollt kurz mit den Augen. Wann ist das eigentlich passiert, dass sie über Freundschaft sprechen und es sich richtig anfühlt? Seit Sulani? Seit sie regelmäßiger am Handy chatten? Manchmal geschehen Dinge einfach wie von selbst. Chip kann es nicht konkret bestimmen, aber es ist gut, so wie es ist.
"Weißt du was?" Abrupt bleibt er stehen und mustert Viola mit wachem Blick. "Ich finde es wär fair und ein Zeichen, dass wir auf Augenhöhe sind, wenn wir dieselben Bedingungen hätten." Er neigt leicht den Kopf zur Seite, während er den Blick hält. Aus Gesprächen und auch der Zeit, in der sie mit Blaze zusammen war, weiß Chip, dass Viola Werte wie Mut, Loyalität und Ehre ernst nimmt. Er hat nicht vor an ihrer zu kratzen, aber vielleicht einen Kitzeltest machen. "Fledermausgestalt ist tabu. Gleiches Risiko für beide." Jetzt stiehlt sich ein herausforderndes Glitzern in seine Augen. "Challenge accepted?" Er hält ihr die Faust hin.
Viola mustert Chip, doch sie zögert nicht eine Sekunde um einzuschlagen. "Deal!" Würde sie das wirklich tun, wenn es schief geht? Oder würden ihre Überlebensinstinkte übernehmen und sie verwandeln lassen, selbst wenn sie jetzt plant es nicht zu tun? Doch was sie weiß ist, dass die Bedingung nur fair ist. "Gemeinsam in den Tod springen. Was auch sonst ist der Plan?" Sie lächelt. "Ich werde die Fledermausgestalt erst dann wieder nutzen, wenn wir am Boden sind. Nicht vorher." Sie könnte es nie mit ihrem Gewissen vereinbaren, Chip zu überleben, wenn der ganze Sprung überhaupt erst ihre Idee gewesen ist. Selbst wenn die Überlebensinstinkte einspringen würden, hätte sie es womöglich dann auch selbst schon beendet.
Obwohl ihm bewusst ist, dass es im Ernstfall keine Garantie gibt, dass Viola nicht unwillkürlich die Flatter machen würde, nötigt Chip ihr Einverständnis Respekt ab. Aus irgendeinem Grund zweifelt er nie etwas an, das sie mit diesem entschiedenen Ton und Blick ausspricht. Eine leichte Brise wirbelt Sandkörnchen auf. Sie tanzen wie unternehmungslustige Wegweiser vor ihnen her, bis sie vor dem Eingangstor des kleinen Flugplatzes ankommen. Plötzlich ploppt bei Chip ein Erinnerungsfetzen auf.
Bertl, der sich mit dem Besitzer unterhält und anschließend mit dem herumzappelnden Chip an der Hand einen Rundgang über das Gelände macht. Er hört sich selbst fragen, ob der Propeller der Maschine so etwas wie eine Säge ist, nur für Luft. Und sein Vater lacht so herzhaft, dass er mit einstimmen muss. Surreal.
Chip mustert das Metallschild, das auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Luftsprung? Er lacht kurz laut auf. Die Leute haben Humor. „Hoffentlich machen wir den danach auch noch.“, sagt er scherzend zu Viola und berührt das herabbaumelnde Metall 'L', um es kurz wieder in Position zu schieben.
„Klar!“, grinst die Vampirin. „Die Frage ist halt nur, ob wir dann wieder sicher runter kommen, oder ob der Fallschirmsprung auch unser letzter Luftsprung ist.“ Sie streicht mit den Fingern über den ausrangierten Propeller, der mittlerweile als Deko neben der Eingangstür lehnt. Hinter dem Gebäude stehen alte Maschinen, um die sich zwar liebevoll gekümmert wurde, denen man das Alter aber dennoch ansieht. Doch Viola schafft sich in ihren Gedanken keinen Platz für Sorgen. So lange sie noch flugtüchtig sind, spielt das Alter keine Rolle. Sie legt ihre Hand auf die Türklinke. „Automatische Türen sind hier aber auch fehl am Platz!“, schmunzelt sie, „das würde nur die Atmosphäre zerstören.“ Bevor sie das Innere betritt, dreht sie sich noch einmal zu Chip um: „Bereit?“

Kaum eingetreten, kommen ihnen zwei Personen entgegen. Dem Aussehen nach vielleicht Vater und Sohn. Der Ältere kommt Chip bekannt vor. Sie stellen sich mit ihren Vornamen vor, Gus und Jamie, und wie sich herausstellt ist Gus der Seniorchef, Jamie wird bald in seine Fußstapfen treten. "Ihr seht unternehmungslustig aus, dann wollen wir mal zur Einweisung schreiten." Er zeigt auf seinen Sohn. "Jamie wird dein Flugbegleiter, Viola und ich bin für ..." Den Kopf neigend unterbricht er sich. "Sag mal, bist du der junge Töpfer?" Über sein ganzes Gesicht breitet sich ein Grinsen aus. "Natürlich! Der kleine Adrian. Du wolltest unbedingt eine Runde mit unsrer 'Molly' fliegen und als es ernst wurde, hattest du die Hosen voll." Dröhnend bricht er in Gelächter aus, haut Chip auf die Schulter und lässt die Hand dort verweilen. Unangenehm berührt wirft Chip einen verstohlenen Blick zu Viola. Warum muss der Typ den alten Kram auspacken? Fuckin' peinlich. Fehlt nur noch, dass er ihn in die Wange kneift. "Aber heute bist du da und versuchst es erneut. Das gefällt mir." Jetzt wird das Grinsen von einer wohlwollenden Tätscheln seiner Schulter begleitet, ehe Gus sich umwendet und in Richtung eines angrenzenden Raumes geht. "Kommt mit, hier gibt es Instruktionen und Ausrüstung."

Viola versucht sich das Lachen zu verkneifen. Es gelingt nur knapp. „In dem kleinen Adrian steckt halt mehr, als man auf dem ersten Blick sieht!“ Sie klopft ihm auf die Schulter. „Mensch, Chip, das hättest du mir ruhig sagen können, dass du hier Stammkunde bist!“ Nun kann sie das Lachen doch nicht mehr zurück halten. Lauthals prustet sie los. „Ich hoffe, wir nehmen dann wirklich die alte Molly und nicht irgendein anderes Flugzeug. Die Ehre verdient der kleine Adrian dann wirklich.“
Sachte taumelnd, aber zunächst schweigend, wirft Chip der Vampirin nur einen Blick zu. „Ja, ich hab Ahnung. Ich häng' s eben nicht an die große Glocke. Oder weißt du zum Beispiel, was ein A.K.I.A., ist?“, fragt er dann provozierend. Sein Ton impliziert, dass Violas Ahnungslosigkeit außer Frage steht. Jamie wendet sich um und kommentiert das Gespräch mit einer amüsiert gehobenen Braue und verschmitztem Gesichtsausdruck, während Gus schon verschiedene Schutzanzüge von Wandhaken nimmt und die Größe checkt.
Einen Moment starrt Viola ihn an. Sie hat keine Ahnung, wofür A.K.I.A. steht. Hätte sie das wissen müssen? Hat es was mit dem Flugzeug zu tun? Sie überlegt einen kurzen Moment. „Klar weiß ich das. Das steht eindeutig für ‚Alle kennen ihn: Adrian!‘“ Sie grinst. „Offensichtlich.“ Viola sieht den beiden Männern bei den Vorbereitungen zu. Es wird ungewohnt sein, diese armeegrünen Schutzanzüge zu tragen, wenn sie fliegen in Fledermausgestalt gewohnt ist. Aber es ist eine interessante Erfahrung.
"Jaaaa, netter Versuch, aber.." Chip macht einen Ausfallschritt in Richtung Viola. "...aber leider heißt es 'Air-Kick-in-the-ass' und weil's in der Luft wahrscheinlich nicht klappt.." Spielerisch verpasst er ihr besagten Tritt und schubst Viola damit einen Schritt vorwärts. "...bekommst du ihn hier." Lachend weicht er Violas Konterhieb aus. "Das kommt von der frechen Klappe.", feixt Chip. Auch Viola fällt in das Lachen mit ein. Sie rächt sich, indem sie Chip über den Kopf streichelt. "Och, passt das dem kleinen Adrian nicht? Der arme Junge!" Sie streckt ihm kurz die Zunge raus, belässt es aber dabei. Nun sind sie quitt. Kein Grund, die freundschaftliche Neckerei noch weiter zu treiben. Auch Gus fängt sie beiden ab: "Nu mal langsam mit euch zwei Wildfängen. Ich seh schon, es wird Zeit, dass wir in die Luft kommen."
Kurz darauf stecken Viola und er in den tarnfarbenen Anzügen und Jamie, in rotem Anzug, gibt noch die letzten Infos. Draußen hört man das dröhnende Starten eines Flugzeugmotors. Gus bereitet mit dem Piloten die 'alte Molly' vor. Jamie erklärt die Anzüge und Gurte, lässt sich über das Flugzeug und die Sprunghöhe aus und erklärt dann ausführlich das bevorstehende Geschehen.
„Jetzt reden wir erst noch kurz über Notfälle. Keine Panik – die passieren so gut wie nie, aber ihr sollt wissen, was los ist, falls doch mal etwas schief läuft.
Jeder Tandem-Fallschirm hat zwei Schirme: den Hauptschirm und den Reserve. Der Hauptschirm ist das, was wir immer nutzen. Er wird automatisch geöffnet – entweder von mir, oder bei manchen Sprüngen sogar per kleiner Sicherungsleine, die automatisch zieht. Der Hauptschirm ist groß, stabil, und trägt uns sanft durch die Luft."
Im Geiste sieht sich Chip, wie eine Pusteblume, taumelnd zu Boden segeln, was ihn wieder grinsen lässt.
„Der Reservefallschirm ist euer Sicherheitsnetz. Er ist genau gleich stark, aber er hängt separat in einem eigenen Behälter. Sollte es wirklich vorkommen, dass der Hauptschirm sich nicht richtig öffnet – was extrem selten ist, müsst ihr euch also keine Sorgen machen – dann ziehe ich diesen Reservefallschirm. Er öffnet sich sofort, zuverlässig, und trägt uns genauso sicher nach unten.
Ihr selbst müsst nichts tun. Ich zeige euch nur kurz, wo der Griff für den Reserve ist – das ist für den Fall der Fälle, falls ich bewusstlos sein sollte.“

Beim Wort bewusstlos, hängt an Chips Pusteblume plötzlich ein riesiger, roter Käfer, der die ganze Aerodynamik versaut und die zarte Blume plump in die Tiefe zieht...wie?...bewusstlos? Stirnrunzelnd verscheucht er das Bild mit einem leichten Kopf schütteln.
Unbeeindruckt fährt Jamie fort: „Aber wie gesagt, das passiert fast nie. Fast alle Probleme, die auftreten könnten, werden automatisch oder von mir gesteuert, ihr müsst euch nur zurücklehnen und die Position halten.
Also noch einmal: Hauptschirm öffnet automatisch, Reserve ist wie ein Backup, alles ist mehrfach gesichert. Unser Job ist es, dass ihr sicher landet – und ihr könnt die Aussicht genießen, statt euch Sorgen zu machen.“
Nachdem die Einweisung abgeschlossen und die Schutzanzüge übergezogen sind, geht es weiter zum Flugzeug. Ehrfürchtig bleibt Viola stehen. Ein alter Hochdecker steht vor ihnen. Mit roter Farbe hat jemand „Molly“ auf die Cockpit-Tür gemalt. Doch ansonsten ist der weiße Lack an vielen Stellen bereits abgeblättert und nur notdürftig ausgebessert. Liebevoll, fast ehrfürchtig, streicht Gus der Maschine über den Rumpf. „Ja, das Mädchen ist etwas in die Jahre gekommen. Baujahr 1968!“, erklärt er stolz, „Aber sie fliegt noch immer wie eine Eins! Da war noch mehr Metall als Plastik drin.“ Er macht eine Kunstpause, bevor er fortfährt: „So eine Cessna 182 lässt sich so schnell nicht unterkriegen!“ Es ist deutlich, wie sehr das Herz des Mannes an diesem Flugzeug hängt. Viola fragt sich, wie viele Stunden er wohl damit verbracht haben mag, damit die Lüfte zu erkunden. „Mein Vater ist noch älter und der hebt auch noch ab. Ich sehe also kein Problem.“, erklärt sie grinsend, „Auf mich wirkt Molly sehr vertrauenswürdig.“

Als sich Chip dem Flugzeug nähert, erfasst ihn die aufgewirbelte Luft des Propellers und lässt ihn kurz den Atem anhalten. Der dröhnende Motor übertönt sein pochendes Herz mit Leichtigkeit und ein erster Schwall Adrenalin flutet seinen Körper. Er spürt seine Hände erst heiß, dann feucht werden. Brust -und Schultergurte des Anzugs pressen ihm plötzlich eine Botschaft in die Muskeln. Es ist real. Wir machen das JETZT.
An der Flanke des Flugzeug steht die Einstiegsluke offen. Ohne nachzudenken steuert Chip die gähnende Einladung an, wird aber von Gus nochmal aufgehalten und zu Viola auf die Seite gewinkt. Die Cessna setzt sich langsam in Bewegung und nach einem kurzen Fahrmanöver des Piloten, steht sie in der richtigen Startposition. Jamie gestikuliert, dass sie jetzt an Bord gehen werden. "Okay, für den Fall, dass das jetzt die letzte Gelegenheit ist in diesem Leben.", kämpft Chip stimmlich gegen den Lärm des Flugzeuges an und beugt sich zu Viola. "Du hast sexy Ohren, aber dass du mir dauernd auf die Schultern haust ist extrem nervig." Die Aufregung und das Adrenalin lassen ihn ein bisschen irre auflachen, dann setzen sie sich in Bewegung.
Einen Moment hält Viola inne. Sie hätte mit allem gerechnet, aber nicht, über 'sexy Ohren' zu hören. Nachdenklich streicht sie sich über diese, bevor sie grinsend antwortet: „Kein Schulterklopfen. Got it. Wird nicht mehr vorkommen.“ Manchmal geht ihre gute Laune eben mit ihr durch. Doch sie respektiert Chip genug, sich seinem Wunsch anzupassen.
Gus versperrt ihm beim Einstieg kurz die Sicht mit seinem großen Rucksack, der Haupt-und Reservefallschirm beinhaltet. Er setzt sich und bedeutet Chip, vor ihm Platz zu nehmen. Als Viola und Jamie ebenfalls sitzen, bleibt wenig Bewegungsspielraum in dem kleinen Flugzeugcorpus. Gus hat einen Arm links von Chip platziert und gewährt ihm so den Blick auf den Höhenmesser. Mit einem tiefen, vibrierenden Brummen, dass sich in Chips Brustkorb fortsetzt, beschleunigt der Motor, heult auf und los geht's! Endlich!
Durch die geöffnete Luke sieht Chip den rissigen Boden der Startbahn vorbei ziehen. Schneller und schneller werdend, ein immer mehr verschwimmender brauner Streifen, bis die Maschine mit einem weichen 'Wupp' abhebt. Sein Herz hopst mit, der Magen mit einer Sekunde Verzögerung auch. In unglaublicher Geschwindigkeit verwandelt sich das Gebäude der Firma unter ihnen in einen, grauen Würfel. Die Straßen werden zu Linien, die wenigen Felder in Oasis Springs wandeln sich mit diversen braunen Flächen zu einem Flickenteppich, der ihn an zuhause erinnert. Marga hat irgendwann einen ähnlichen für den Hausgang genäht. Energisch zergelt der Seitenwind an seinen Hosenbeinen, als wolle er sagen; gleich hol ich mir dich. Niemals hätte Chip gedacht, dass sie die Luke offen lassen würden. Es ist genial. Betont die rohe Wildheit des gesamten Unternehmens. Ein Gefühl absoluter Lebendigkeit durchströmt kribbelnd seinen Körper. Er unterdrückt ein Juchzen und sieht stattdessen auf Gus' Handgelenk. Schon fast 1000 Meter!
Nun verdeckt Jamie die Luke wieder mit der Plane und nur die Fenster bieten noch einen Ausblick nach draußen. Viola starrt hinaus. Mittlerweile 1100 Meter, 1200... Sie hält den Atem an. So weit oben ist sie auch in Fledermausgestalt nie. Sie hält sich an eine weniger anstrengende niedrigere Flughöhe, abhängig vom Gelände. Während sich die Cessna weiter in die Höhe schraubt, beginnen die Sprungvorbereitungen. Erst jetzt macht sich Jamie daran, die Karabiner zu befestigen, die sie mit ihm verbinden. Zwei an den Schulterringen, zwei an der Hüftbefestigung. Viola hält den Atem an. Wird auch Chip für den Sprung schon vorbereitet? Sie schielt zu ihm, und erkennt, dass auch Gus schon mit den Befestigungen begonnen hat. Doch wie ihr bereits mitgeteilt wurde, wird sie mit Jamie zuerst abspringen. Sie wird Chip zeigen, dass sie sich an die Abmachung hält, jetzt wo er sie im Auge behalten kann. Keine Fledermaus, bis zur Landung. Viola zuckt zusammen, als sie das Ziehen vernimmt. Jamie ist nun ganz nah an ihr befestigt, näher, als ihr eigentlich lieb ist. Die Aufregung ist jedoch stärker als das. Ein letzter Check, ob alles sitzt. Dann robbt das ungleiche Paar noch näher zur Tür. Viola erhascht einen Blick auf das Höhenmeter: 3000 Meter. Definitiv höher als sie je selbst geflogen ist. Erst jetzt öffnet Jamie die Plane erneut. Viola schließt für einen Moment die Augen, lässt den Wind an ihren Haaren zerren. Die Kälte macht ihr nichts aus. Und da muss sie gleich runter? Nun macht sich das Adrenalin doch breit. „Jetzt geht es los!“, ruft Jamie gegen den Lärm an. Viola nickt tapfer. Und die beiden stürzen sich in die Tiefe.
Angespannt beobachtet Chip, wie Jamie die Plane entfernt. Freier Blick auf Miniland Oasis! Schneller als sein Gehirn registrieren kann, wird Viola für den Sprung präpariert, Jamie instruiert noch und kurz darauf verfolgt Chip mit weit aufgerissenen Augen, wie die beiden als gut geschnürtes Bündel in die Tiefe stürzen. Gus hat alle Gurte fest gezurrt und wippt kurz mit ihm vor-und zurück, um den korrekten Sitz zu prüfen. Sie rutschen gemeinsam weiter zur Absprungluke. Der Wind wird zu lautstarkem Getöse, der Motor dröhnt und eine Kommunikation ist kaum mehr möglich. Chips Kehle ist wie zugeschnürt. Sein Herz rast unerbittlich in Infarktgeschwindigkeit und gleichzeitig grinst er von einem Ohr zum anderen. Gus schiebt seinen Mund an Chips Ohr. "..auf mich hören. - ..Kopf nach hinten...anlehnen - ..Arme an die Gurte..festhalten..Zeichen ..mir..ausstrecken..--Beine unt..Flugzeug." Die relevanten Bruchstücke der Sprunganweisung erreichen Chips Gehirn, den Rest weiß er noch aus der Einführung. Die Beine dürfen nicht Richtung Erde gestreckt werden, sondern sollen unters Flugzeug weisen. Nicht zappeln oder irgendwo Halt suchen, nicht nach unten sehen. "Bei drei geht's los!"
Gus schaukelt einmal vor und zurück und Chip verkrampft sich innerlich. Plötzlich nimmt er mit unwirklicher Schärfe jedes Detail der Umgebung wahr. Den matten Glanz der Kreuzschlitzschrauben an der Lukentür, eine blätternde Spur Rost an der Absprungkante, die hereinströmende kalte Höhenluft. Als hätte er das beste Gras seines Lebens geraucht.
Beim zweiten Mal schaukeln sieht er Zoé vor sich, Blaze, seine Mutter. Verdammt! Er will sie wieder sehen. Was für eine bescheuerte Idee in dieses... "Bereit?" Chip nickt automatisch, legt wie angewiesen den Kopf nach hinten an Gus'Schulter und im nächsten Moment stürzen sie auf "Drei!" ins Ungewisse. Der Gedankenstrom reißt ab. Für den Bruchteil einer Sekunde versteht Chips Körper nicht was geschieht. Sein Kopf ist leer, es gibt keinen Boden, keinen Widerstand. Nur Weite und freien Fall. Die Erde rast auf ihn zu, der Wind packt ihn mit Wucht wie eine riesige Faust. Chip versucht vergeblich zu atmen. Es ist, als strecke man bei voller Fahrt den Kopf aus dem Fenster eines ICEs um gegen die Fahrtrichtung Luft zu holen. Er schnappt ein paar Mal panisch wie ein Fisch auf dem Trockenen mit weit geöffnetem Mund, bis Gus' nach oben weisender Handschuhfinger in daran erinnert, dass er den Kopf oben halten soll. Das Flugzeug über ihnen verschwindet, der Flickenteppich unter ihnen nähert sich mit rasender Geschwindigkeit. Ich bin im Himmel! Frei!Freiiiiiii!" Die Adrenalinexplosion treibt einen unkontrollierten Jubelschrei über Chips Lippen, gefolgt von keuchendem, atemlosen Lachen. Alle Angst wird von der überwältigenden Intensität des Augenblicks gelöscht.
Viola hört nichts von Chips Ausruf. Der Puls pocht in ihren Ohren. Der Wind zerrt an der Kleidung und den Haaren. Viel kühler hier oben als am Boden, auch wenn sie es weniger intensiv spürt als die Sterblichen. Sie bleibt ruhig. Ohne Panik, ohne Angst. Die kleine Miniaturwelt rauscht in beeindruckender Geschwindigkeit immer näher. Es fühlt sich seltsam fremd an und gleichzeitig sehr vertraut. Nun kann auch Viola sich nicht mehr zurück halten. Ein lauter Jubelschrei.

Und schließlich endet der freie Fall: Ein Ruck, der den ganzen Körper durchschüttelt. Ein kurzes Ziehen am Gurt, und dann wird alles langsamer. Der Hauptschirm hat sich geöffnet. Viola spürt den sofortigen Widerstand des Fallschirms, der sie sanft nach oben zieht, als hätte jemand ein unsichtbares Seil gespannt. Sie erkennt nun einzelne Details unter ihr, die Häuser und Flüsse der Landschaft, sogar einzelne Autos. Auch der Luftdruck ist hier nicht mehr ganz so stark. Sie atmet aus, genießt den Anblick unter ihr. Fast in Gedanken versunken bekommt sie nur am Rande mit, wie Jamie ihr die Lenkung des Fallschirms erklärt. Sie darf es selbst versuchen, und greift in die Schlaufen. Doch erst beim zweiten Versuch klappt es, eine Drehung zu vollziehen. In Fledermausgestalt ist das Lenken einfacher.
Ein harter Ruck, der Fallschirm spannt sich auf und Chips Körper wird kurz nach oben gezogen, als hätte ein unsichtbarer Marionettenspieler beschlossen, die Choreografie zu ändern. Das tosende Windrauschen ebbt ab, nur ein Pfeifen begleitet den beginnenden Schwebeflug. Chip erhascht einen Blick auf den Höhenmeter. Auf 1500 Metern hat Gus die Leine gezogen. "Schirm ist offen! Alles klar bei dir?" Immer noch gefangen im Gefühl und Lärm des Sturzfluges, wirkt der Flug und auch die Möglichkeit sich mit Gus zu verständigen, surreal. "Ja, hammergeil!", ruft er mit wildem Glücksgefühl in der Brust. Sie schweben sanft tiefer. Sein Herz rast nach wie vor, aber langsam lässt die Spannung nach. Die Beine baumeln locker unter ihm, die Schultermuskeln lösen sich und Chip spürt, wie verkrampft seine Kiefermuskulatur die ganze Zeit war. Gus' Hand schiebt sich in sein Blickfeld und lenkt ihn vom betrachten der detaillierter werdenden Welt unter ihm ab. Er schwenkt die Lenkleinen in Chips Gesichtsfeld und weist ihn an zuzugreifen. Auf beiden Seiten in den Schlaufen, versucht Chip erst links, dann rechts eine Wendung zu schaffen. Ohne Erfolg. Ihm fehlt die Konzentration und scheinbar auch die Kraft dafür. Mit Unterstützung von Gus gelingt dann doch ein eleganter Rechtsschwung. Der Horizont kippt in die Schräge, der Boden dreht sich unter ihnen und Chip kann Violas Schirm erkennen. "Woooohoooo!"

Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, wird plötzlich alles ruhig in seiner Brust. Die Angst wird abgelöst von ehrfürchtigem Staunen. Er schwebt über allem. Häuser, Bäume, Fabriken, der Himmel trägt ihn. Sie sind eins. Noch nie in seinem Leben hat er sich in ähnlicher Form getragen gefühlt. Es gab nie einen Fallschirm, immer nur freien Fall. Bertl, Sid, Denize, Zoé...so wie in diesem Moment muss es sich anfühlen, wenn man 'geborgen' aufwächst. Jemand da ist, der den rasenden Sturz in die Tiefe abfängt, dich bremst und sanft durch das Unkontrollierbare, genannt Leben, weiter leitet. Die Erkenntnis, dass er diese Person für Zoé sein sollte, trifft ihn hier, in der Weite, wie ein Hammerschlag. Gus leitet eine Linkswendung ein und reißt Chip mit Anweisungen zur Körperhaltung beim Landen, aus den Gedanken. Mittlerweile sind Bäume, Häuser und Straßen wieder klar umrissen. Das Leben kommt näher und Chip würde am liebsten an einer dritten Leine ziehen, um nochmal in die Höhe zu steigen.
Mehr Details werden sichtbar, als Viola sich dem Boden nähert. Diese Höhe kennt sie. Jetzt, nur noch etwa 600 Meter vom Boden entfernt, erinnert Jamie noch einmal an die Anweisungen für die Landung: Beine hochnehmen, er ist derjenige, der zuerst auf dem Boden aufkommt. Arme an den Schulterriemen lassen, damit nicht die Gefahr besteht, sich in den Leinen zu verheddern. Körper aufrecht halten. „Ich lande ja nicht zum ersten Mal.“, grinst sie, ohne zu erwähnen, dass dieser Prozess in Fledermausgestalt ganz anders abläuft. Oder ist genau das ein Problem? Weil sie es ganz anders gewohnt ist und ihre Landeinstinkte übernehmen? Zum ersten Mal wird auch sie etwas nervös. Nicht der Flug war ein Problem, nicht die Höhe. All das kennt sie, wenn auch in einer etwas anderen Form. Aber eine Landung, die so anders abläuft als die, die sie gewohnt ist, erinnert sie doch wieder daran, dass all das hier keine Routine ist.
Normalerweise landet sie mit den Füßen voran, nachdem ihre Flügel das Tempo abbremsen. Anders als eine natürliche Fledermaus, die sich eher an Wänden oder Bäumen festkrallt, hat ihr vampirischer Instinkt kein Problem damit, auch direkt den Boden anzusteuern. Aber nicht mit oben gehaltenen Beinen. Bei einem Tandemsprung muss sie Kontrolle abgeben und sich auf Jamie verlassen. „Ich klinge schon so wie mein Vater...“ Sie wird sich einfach konzentrieren müssen, dann klappt das schon. Doch viel Zeit bleibt ihr nicht, darüber nachzudenken. Nur noch wenige Minuten bis zum Boden, einem freien Feld im Wüstensand. „Jetzt!“, ruft Jamie noch einmal aus. Viola blickt nach unten.
Noch etwa 20 Meter. Einzelne Steine werden sichtbar, der Wind ist hier auch einfacher zu ertragen. Ihr Instinkt berechnet bereits den Winkel, die Geschwindigkeit, die Entfernung. Ihr Körper macht sich bereit, ihre Beine senken sich, um die Landeenergie abzufangen.
10 Meter. „Beine hoch!“, hört sie Jamies Erinnerung. Viola wird wieder zurück in die Konzentration gerufen. Sie zwingt ihre Oberschenkel wieder nach oben, gegen ihren Instinkt. Nicht eingreifen. Nicht eingreifen. Nicht eingreifen!
Bodenkontakt. Jamie setzt zuerst auf. Er fängt den Großteil der Energie ab, stolpert noch ein, zwei Schritte durch den Sand. Der Schirm fällt raschelnd hinter die beiden. Eine holprige Landung, aber eine erfolgreiche. Viola schluckt. Wenn Jamie sie nicht im letzten Moment wieder an die Abmachung erinnert hätte, hätte ihr Muskelgedächtnis übernommen, auch in humanoider Gestalt. Obwohl sie sich vorgenommen hatte, dass dies nicht passiert. Aber nun sind sie unten. Erleichterung macht sich breit. Es hat alles geklappt. Und alles in allem hat es Spaß gemacht. „Das war cool!“, ruft sie lachend, noch bevor sie sich aus den Gurten befreit hat. Nun kommt auch Chips Fallschirm in Sicht. Wie er sich wohl bei der Landung schlagen wird?
Fasziniert beobachtet Chip die Landung von Viola. Viel Zeit bleibt nicht, bevor er die Beine hoch nimmt und wie auf einem unsichtbaren Stuhl mit vollem Gewicht in seinen Gurten hängt. Es fühlt sich merkwürdig an und ruft ihm die Erdnähe deutlich ins Bewusstsein. Sie nähern sich dem Boden, schneller als vorher kommt es Chip vor. Sein Herz startet einen Trommelwirbel, er blickt noch einmal nach oben zum flatternden Schirm, dann zieht Gus die Leine nach unten, sie bremsen ab und plötzlich findet sich Chip zusammen mit seinem Flugbegleiter lachend auf der Erde sitzen. "Alter, war das geil!" Wieder muss er lachen. Atemlos und ein wenig ungläubig. "Krass...das war voll krass!" Gus hilft ihm grinsend auf die Beine, mustert ihn prüfend, dann schlägt er mit ihm ein. "Lass dir gratulieren, Mann! Das hast du super gemacht." Ein anerkennendes Schulterklopfen, dann hilft er Chip die Gurte zu lösen. "Ich guck mal nach Viola.", sagt Chip ungeduldig, weil er es kaum erwarten kann zu sehen, wie sie alles überstanden hat. Im gehen streift Chip die Handschuhe ab und winkt damit enthusiastisch der Vampirin zu. "Yeeehaaa!" Seine immer noch leicht wackeligen Knie knicken kurz zur Seite, was ihn wieder zum lachen bringt. "Hey, brauchst du noch ne Portion Adrenalin? Bei mir pulsiert noch genug." Atemlos kommt er bei Jamie und Viola an. "Was kickt mehr? Fallschirm, Blut oder Roulette?" Irritiert wendet sich Jamie um, sieht zwischen den beiden hin und her und schüttelt dann schmunzelnd den Kopf. Zusammen mit Gus beschäftigt er sich mit dem zusammen sammeln der Schirme.
Viola lacht. "Vielleicht alles drei auf einmal. Das wäre mal eine Erfahrung." Sie grinst, bevor sie dann doch einen Moment überlegt. "Ich bin das Fliegen ja schon gewohnt. Von daher wähle ich Roulette. Da auf die Null zu setzen - und zu gewinnen - war wirklich ein Hammergefühl. Sollten wir öfters mal machen!" Ihre Erinnerung kommt hoch: Wie sie auf die rollende Kugel gestarrt hat. Wie diese tatsächlich auf der Null landete. Das Geräusch der Jetons. Und wie sie am Ende die Geldscheine in den Händen halten konnte. Das wird sie nie vergessen! Sie sieht zu Gus und Jamie zurück. "Aber auch der Sprung war eine geile Erfahrung. Gut, dass du einen Platz kanntest, der verrückt genug ist, dies auch abends zu tun." Sie schenkt beiden Männern ein Grinsen und den Daumen nach oben, wohl wissend, dass sie außer Hörreichweite sind und mit den Gesten mehr anfangen können.

Verrückt genug ist gut. In der Einöde von Oasis erfolgreich so ein Unternehmen zu halten, ist sicher nicht einfach. Ob sie die einzigen sind, die Sprünge am frühen Abend durchführen? Egal. Alles hat gut geklappt, was soll's? Immer noch adrenalintrunken strahlt Chip die Vampirin an. „Lady Luck, wir haben noch was vor. Ich will dieses geile Prickeln in den Adern noch nicht so schnell verlieren.“ Er wirft einen Blick zu den sich nähernden Fluglehrern. „Lass uns zocken gehen.“ Seien Augen leuchten. „Automat. Ich hab noch zwei Stunden Zeit, bis ich Nachtschicht mit Zoé hab.“
In Zusammenarbeit mit @simscat2
>>> Chip geht nach >>>
>>> Viola geht nach Forgotten Hollow Nr. 4 - Villa Blutrose (23) >>>
#17
<<< David uns Abs kommen von Ciudad Enamorada <<<
Charaktere: David, Abs
Ort: Dino Park
Geschichtsstrang: Geburtstag wider Willen III
Das Rauschen des Motors liegt schwer im Innenraum des Wagens. David fährt der tieferstehenden Sonne entgegen, während Abeena auf dem Beifahrersitz kauert und zum Seitenfenster hinausschaut. Kein Wort haben sie gewechselt, seit sie vor etwa fünfzehn Minuten losfuhren. Sie gibt sich Mühe, leise zu sein, doch David weiß, dass sie weint. Unterbrochen von kurzen Momenten, in denen sie zur Ruhe zu kommen scheint — und dann bricht der nächste stumme Schwall aus ihr heraus.
David sagt nichts. Hinter seiner Stirn wiederholen sich die Szenen der letzten Stunde in Endlosschleife. Warum hat er nicht bemerkt, wie grauenvoll es ihr ging? War er so sehr damit beschäftigt, sein Ding durchzuziehen? Wieso hat sie nichts gesagt? Er hatte ihr doch extra ein Safeword gegeben. Ist er mitschuld daran, dass alles aus dem Ruder lief? Hat er es zu weit getrieben? Nein, das war doch nur er ein harmloser Spaß.
Oder?
Aus dem Augenwinkel schaut er zu ihr hinüber. Was er dort sieht, ist ganz und gar nicht harmlos.
Ja, vielleicht hat er es zu weit getrieben. Und sie hat ihn nicht unterbrochen. Niemand von den Anwesenden hat sich richtig verhalten. Er wollte ihr Gesellschaft leisten. Sie unterstützen. Und jetzt geht es ihr schlechter als vorher. Richtig gut gemacht, Dietschman. Wie willst du das wieder gradebiegen?
Sein Blick streift das Hinweisschild am Straßenrand. Wo fährt er eigentlich hin? Erstmal war es nur wichtig, die Feier zu verlassen. Abeena war seinem Blick ausgewichen, wollte keine tröstende Umarmung. Das ist neu für ihn. Und er hat keine Ahnung, wie er damit umgehen soll. Er kann einen kühlen Kopf bewahren, wenn es Stress gibt. Rational denken, analysieren und durch Katastrophen hindurchorganisieren macht er mit links. Aber mit Trauer kann er nicht gut umgehen. Diese Bedrücktheit liegt ihm einfach nicht. Darf er sie ansprechen, wenn sie das ganz offensichtlich nicht will? Macht er damit alles nur schlimmer?
Das nächste Schild huscht vorbei. Er muss wissen, wo er hinfahren soll. Ankündigend räuspert er sich. "Abs?"
Sie reagiert nicht.
Eine Sekunde lang sieht er zu ihr. Ihre Stirn lehnt am Fenster.
"Willst du ... soll ich dich nach Hause fahren?"
Wie Abs ins Auto gekommen ist, weiß sie nicht. Sie ist gerade dabei, sich zurück in die Gegenwart zu fühlen. Sie ist jetzt sicher, immer ferner von dem Ort der Demütigung und des Schmerzes. Warum lernt sie es nicht? Wieso hat sie geddacht, könnte es dieses mal ein wenig anders laufen? Sie erinnert sich. Es bestand in ihrer Vorstellung die Möglichkeit, dass Antonia nur halb Antonia rauslässt, da sie in der Öffentlichkeit ist. Über die Jahre war es Abs aufgefallen, dass in Eiscafés und Restaurants ihre Erzeugerin ein reduzierteres Verhalten an den Tag legt und sich früher ausbremsen lässt. Plus, sie hatte darauf vertraut, dass ihre Moms ihr beistehen würden. Und das taten sie nicht. Sie spürt, wie der bittere Kloß in ihrem Hals ihr die Luft abdrückt und ihr Körper das Verlangen nach neuer Atemluft meldet. Sie schluchzt lauter auf als gewollt. Sie hasst es, dass sie sich nicht unter Kontrolle hat, denn sie will David nicht auch noch mit durchgehendem Geheule belasten. Und es muss belastend sein, bestätigt ihr ihr Seitenblick. Zum ersten Mal seit sie ihn kennt sieht es so aus, als würde er sich in seiner Haut nicht wohlfühlen. Sie erträgt seinen Anblick nicht, weil sie ihn nicht ansprechen kann. Weder um entlastende Konversation zu betreiben, noch um sich selbst auszudrücken. Alles ist schwer und dunkel. Sie kann nichts tun. Nicht für sich und auch nichts für den Freund an ihrer Seite, der ihr mehr Kraft gibt, als jeder andere Sim.
Abs lehnt ihren Kopf gegen die Scheibe der Autotür. Dann zählt sie von siebenundvierzig auf dreiundachtzig hoch. 'Jetzt nimm dich zusammen. Steig aus diesem Hamsterrad aus. S t e i g a u s, Abs. Steig aus!' Davids Räuspern und seine Frage dringen zu ihr durch. Abeena hebt ihren glasigen Blick und zwingt sich in eine aufrechte Sitzposition und horcht in sich rein. "Nein ich möchte noch nicht nach Hause, denk ich. Kennst du einen Ort, der einfach nur Freude bringt? Nicht mehr, nicht weniger?"
So lange der Verkehr es ihm ermöglicht, sieht David sie an. Die Brauen leicht erhoben, erhellt sich sein Gesicht unter einem vorsichtigen Lächeln. Klingt nicht, als wäre sie wütend auf ihn.
"Einige."
In Gedanken beginnt er, die Orte durchzugehen, an denen er Kraft sammelt. Die meisten davon sind Tanzschuppen, weil er trübe Gedanken am liebsten mit Musik und Bewegung vertreibt. Doch irgendwie zweifelt er daran, dass das jetzt das Richtige für Abeena ist.
"Mir fällt schon was ein", murmelt er, die Straße wieder im Blick.
Das nächste Hinweisschild verkündet Del Sol Valley linkerhand, Oasis Springs bei rechter Spur. Davids Mundwinkel zuckt.
"Ich weiß, wo wir hinfahren."
Entschlossen beschleunigt er, ein Blick in den Rückspiegel, dann setzt er den Blinker. Je weiter die Stadt hinter ihnen zurückbleibt, desto leerer werden die Straßen. Irgendwann verschwinden die letzten Häuser, werden von staubiger Erde, Felsen und Kakteen ersetzt.
David greift zum Telefon, tippt einige Male darauf herum und reicht es Abeena mit der Bitte, es an das Kabel anzuschließen und lässt das Fenster herunter. Kurz darauf ertönt eine schrille Melodie, die er sofort lauter dreht und mit schiefem "Baaabababaaa Baaaaababaaabaaa ..." begleitet. Der Takt setzt ein und seine linke Hand streckt sich in den Fahrtwind. Vom Song mitgerissen bewegt sich sein Körper im eigenen Chaos, soweit Raum und Straße es erlauben.
'Ich zieh' das Messer raus.
Dieses Messer ist mein Schmerz.
Ich hab' dich still gebeten:
Beiß nicht mein stures dummes Herz.
Ich hab' dich angeschrien
Mit Fahnen und Trompeten.
Ich habe stumm gefleht,
Mich nicht so schlimm zu treten.'
Seine Stimme quäkt unschön über den Frauengesang, als das Arrangement ruhiger wird. Dass er nicht singen kann, stört ihn keineswegs.
'Und jetzt ist alles was ich hab'.
Und jetzt ist alles was ich will.'
Mit dem Beat setzt er einen Schlag aufs Lenkrad, sein Körper wippt hin und her. Immer wieder schenkt er Abeena ein einladendes Lachen.
'Ich schlag' dir mitten ins Gesicht.
Darum hast du schon oft gebeten.
Beiß' meine eigene Zunge nicht mеhr.
Keine Rücksicht Hände knеten.
Lass den Schmerz heraus.
Ich kotz' ihn vor dir auf den Asphalt.
Reiß' die Augen auf.
Deine Blicke brauch' ich nicht mehr.'
Er dreht noch ein bisschen lauter, sieht sie eindringlich an. Dieser Song gehört ab heute ihr, wann immer ihn hört.
'Mein Zorn ist nicht bequem.
Meine Gefühle sind nicht schicklich.
Brülle und ich schrei'.
Damit ich nicht im Schmerz ertrink'.
Meine Waffe ist Verletzlichkeit.
Ich zeig dir was ich fühl
Seh' nicht schön dabei aus,
Aber das ist alles for real.'
Wieder setzt der ruhigere Part ein. David sieht Abeena mit ernstem Leuchten an. Als er den Blick wieder nach vorn wendet, greift er nach ihrer Hand, um sie fest zu drücken. Doch irgendwie genügt das nicht. Er führt sie in seine Richtung und gibt ihr einen freundschaftlichen Kuss auf den Handrücken.
'Und jetzt ist alles was ich hab.
Alles was ich kann und fühl.'
Seine Hand lässt ihre los, um das Lenkrad zu übernehmen.
'Ich bin alles was ich hab.'
Plötzlich stemmt er sich mit dem Arm auf die Tür und streckt den Oberkörper soweit aus dem Fenster, dass er mit der rechten noch immer das Lenkrad halten kann. Inbrünstig brüllt er die laufende Textzeile in den Abend:
"UND ICH BIN ALLES, WAS ICH WILL!"
Unsanft, aber kontrolliert, landet er wieder hinterm Steuer, strahlt über das ganze Gesicht und schenkt seiner Beifahrerin ein aufforderndes Grinsen.
Dankbar über den Mini-Auftrag mit dem Kabel und dem Mobile lenkt Abs ihr Gedankenkarussell um in Neugier. Frische Zugluft trifft sie linksseitig ins Gesicht und kühlt ihr das verweinte Gesicht angenehm. Erlösend. Die schräge Pop-Musik zerrt einladend an ihren Sinnen, zumal David mit Leibeskräften und Seele alles gibt, was ein Sim zu Musik geben kann. Abs lächelt ihn jetzt, wo sie sich ganz dem Wind auf ihrem Gesicht zugewendet hat, an. Die Textzeilen schallen nur so übertönt von Davids misstönigem Gesang durch das Auto und der Text treibt sich ihr in die Knochen. Zeile um Zeile. Es ist, als würde ihr Körper mit ihrem Geist alles gemeinschaftlich ausspucken. Gefesselt vom Zuhören und den energetischen Bewegungen des DJ's, nickt Abeena im Takt mit und versucht mehr und mehr in die Musik einzutauachen, die da scheinbar für sie geschrieben und aufgenommen wurde. Es fällt ihr schwer, da sie sich gewöhnlich nichts aus Musik macht. Sie taucht in geschriebenes ein und verliert sich in Geschichten, kann komplett in ihnen versinken sich nahezu auflösen. Aber das hier? Ist komplett neu für sie. Als ob in Davids einladenden, durch sein Lächeln noch schönere, kraftvolle Moves der Schlüssel zur Selbstbefreiung liegt, beobachtet sie ihn genau und mit voller Wonne. 'Ich zeig dir was ich fühl - seh nicht schön dabei aus - aber das ist alles for real.' Plärrt es zweistimmig durch den Wagen und gefühlt materialisiert sich der Schlüssel schimmernd in dem kleinen Raum, der zwischen ihnen durch Herzenswärme, Fahrtwind, tanzen, singen, trommeln und warmen Lichttönen zu einem Kraft und Heilung verheißendem Empfindungsbad wird. Abs lässt die Schultern sacken und berührt den imaginären Schlüssel mit einer Fingerspitze. Dann nimmt er ihre Hand und augenblicklich überträgt der Schlüssel Wärme in ihre Fingerspitze.
Mit dem Kuss auf ihren Handrücken kann sie mit einem zweiten Finger und dem Daumen den Schlüsselbart greifen. 'Ich bin alles was ich hab.'
Davids Schwung aus dem offenen Fenster bringt sie zum laut aufschreien. "WOOOOOOOOOOOOOH!" ruft sie und schüttelt ihren Kopf, dass ihre Dreads nur so fliegen. Als er wieder neben ihr im Sitz landet und sie anstrahlt, ertönt der Refrain. Abs steigt wippend mit ein. "... mitten ins Gesicht, darum hast du schon oft gebeten..." Tränen und Gedanken kommen auf. "Lass den Schmerz heraus, ich kotz ihn vor dir auf den Asphalt..." würgt sie halb hervor, die zwei Zeilen zuvor und folgend an sich vorbei ziehen lassend. Und mit aller Kraft beendet sie den Song intuitiv gemeinsam mit der Frauenstimme und David, wobei sie nur sich hört und mit dem unsichtbaren Schlüssel in der Hand auf ihren Brustkorb schlägt. "ICH SCHLAG DIR MITTEN INS GESICHT UND DANN KANN ICH AUCH OHNE DICH"
Die Musik läuft leise im Hintergrund, David ist noch immer in seinem Element, wenn auch deutlich gedämpfter.
Die Sonne ist dem Horizont inzwischen nah genug, um den Himmel in warmes Rot zu tauchen, als sich ein vorfreudiges Lächeln auf Davids Gesicht legt. "Wir sind fast da." Seine Worte sind leise, aber voller Feuer. "Ich kann schon das Köpfchen sehen." Ein übertriebenes Zwinkern trifft Abeena und eine Kopfbewegung deutet auf den Mamenchisaurus, der vor ihnen seinen gigantischen Hals in den Himmel streckt. "Schon mal einen Dino geritten?"
Kurz darauf setzt er den Blinker zum Parkplatz. Erstaunlicherweise ist niemand sonst hier.
"Hm", seine Brauen heben sich, "ist ja wie ausgestorben." Den Flachwitz bestärkend, grinst er Abeena debil an. "Ich guck mal, was da los ist."
Entschlossen zieht er den Schlüssel und steigt aus. Das Schild mit den Öffnungszeiten bestätigt: 'Wochenende 10-17 Uhr'
Überrascht heben sich Davids Brauen in die Stirn. Früher war hier länger offen. Kurz überlegt er. Er hat Abeena nicht hierher gefahren, um ihr die Mauer von außen zu zeigen. Pff, scheiß drauf. Wir gehen da rein. Sein Blick wandert über Tor, Steinwand und die Umgebung. Keine Kameras. Kein Wachhäuschen. Nicht einmal Bewegungsmelder, soweit er erkennen kann. Hier draußen scheint man nicht mit Eindringlingen zu rechnen. Hätte er seine Dietriche dabei, hätte er das Schloss in kurzer Zeit geknackt. Für heute muss das Autodach als Einstiegshilfe herhalten. Kurzerhand kehrt er zum Wagen zurück, startet den Motor und parkt direkt vor der Mauer. Wenn Abeena aufs Dach klettert, sollte er sie locker an der anderen Seite auffangen können.
Noch immer hält sich die auslaugende aber schöne Spur der Ventilöffnung durch den Song. Abeenas Atem geht ruhig und auch die letzten Spuren des vielen Weinens und der Wut haben sich aus ihren Zügen verzogen. "Köpfchen?" fragt sie verwirrt und sucht den Himmel vor ihnen ab. Und tatsächlich! Da ist ein längliches Dino-Gesicht, welches man - läge es im Wasser und wäre um ein vielfaches kleiner - auch mit dem Kopf eines Krokodils verwechseln könnte. Findet zumindest der Bücherwurm, der bisher keine Affinität für die Urzeittiere hatte. Aufgeregt schüttelt sie Ihren eigenen Kopf und rückt voller vorfreudiger Spannung auf die Sitzkannte ihres Beifahrerplatzes. Wenige Minuten später ist klar, dass der Ausflug hier scheinbar endet, was superschade ist. Oder doch nicht? Das wohl liebste und energetischste Gesicht verschwindet samt großem, langen Körper kurz nach draußen, um dann wieder zu kommen und das Auto dicht an die Mauer zu fahren. "David? Was wird das?"

"Ich geh vor", erklärt er, ohne seinen Entschluss infrage zu stellen. "Du kletterst aufs Dach und ziehst dich über die Mauer. Ist nicht so hoch, ich fang dich drüben auf." Als wäre es vollkommen natürlich, in einen Vergnügungspark einzubrechen, steigt er aus und hat im nächsten Moment schon den Fuß auf der Kante der Steinwand. Kurz verharrt er. Prüfend wirft er einen Blick über das Gelände. Vielleicht haben die Wachhunde, schießt es ihm in den Hinterkopf. Wie es damals auf den alten Schrottplätzen üblich war. Das würde die ganze Sache spannender machen. Nicht jeder Hund lässt sich problemlos von seiner Aufgabe abbringen. Die Narbe an Davids Wade beweist es.
Nur zur Sicherheit pfeift er einmal laut und lauscht.
Nichts tut sich.
Na dann, riskieren wir's. Mit einem Satz und angehaltenem Atem landet er gute zwei Meter tiefer auf dem Boden. Kurz bleibt er in der Hocke, um noch einmal zu lauschen. Nur die Stille eines aussterbenden Vergnügungsgeländes umgibt ihn. Schließlich richtet er sich auf, darauf wartend, dass seine Begleitung über ihm erscheint.
Zack - und weg ist er. Abs schnallt sich ab und krabbelt erst über die Schaltkonsole und dann über die Fahrerseite aus dem Auto heraus. Hm. Davids Einschätzung wird hinkommen. Rein werden sie es ohne große Schwierigkeiten schaffen, da der PKW eine solide Räuberleiter ersetzt. Aber zurück? Wie wollen sie das machen? Sie merkt, dass sich Unruhe in ihrer Magengegend breit macht. Aber jetzt einen Rückzieher machen? Das geht auf keinen Fall. David ist schon auf der anderen Seite verschwunden und sie WILL zu diesem Dino. Will ein kleines, großes Abenteuer erleben. Eins, das sie höchstens aus leichten Urlaubsromanen kennt. "Okay Abeena... mach einfach. Du vertraust ihm, er weiß was er tut. Und ihr seid zu zweit." Sie geht zum Heck des Wagens und prüft verschiedene Stellen auf Druck und Gewicht ihrerseits. Angespannt entscheidet sie sich für die linke Seite, an der Rahmen und Kofferraum aufeinander treffen. Ein letztes Mal lehnt sie sich mit ihrem ganzen Gewicht auf die auserwählte Aufsteigestelle. Fix zieht sie sich ihre Schuhe aus und bindet sie an den Schnürsenkeln zusammen und wirft unter einem warnenden Zuruf ihre Chucks über die Mauer - sie muss das fremde Auto nicht mehr als nötig unflätig behandeln. Nachdem sie einen dumpfen Aufprall ohne Schmerzensschrei gehört hat, bringt sie sich mit einem Hocksprung und angespannter Ganzkörpermuskulatur auf die Mauer. Ihr Abenteuerritter steht direkt unter ihr und ohne eine weitere Rücksprache drückt sich das aufgeregte Frollein Silva aus dem Sitz ab und hüpft halb fallend mit einem kleinen "Huuh" in seine Arme.
Die geschäftigen Geräusche hinter der Mauer treiben David ein neugieriges Schmunzeln ins Gesicht. Was genau tut sie da? Sie muss doch nur ... Ihre Stimme schallt über die sie trennenden Steine und beinahe im selben Moment fliegen ihre Schuhe auf ihn zu. Mit einem Schritt zur Seite weicht er aus. Das ist irgendwie ... schräg.
Er schaut auf, als sich gerade ihr Kopf hinter der Mauer hochschiebt und zu ihm hinunter lächelt. Etwas unbeholfen, mit der Grazie eines achtwochenaltem Kätzchens, findet sie eine Sitzposition, die ihr genügend Halt gibt, um sich anschließend in den Fall zu stürzen. Ihre Position abschätzend, macht David einen kleinen Schritt vor. Die Arme sind ihr entgegengestreckt, bereit, sie sicher aufzufangen. Eine Sekunde später landet ihr warmer Körper schwungvoller als erwartet an seiner Brust, sodass er einen ausgleichenden Schritt nach hinten taumelt. Er hält sie fest in seinen Armen, die Hände an ihrem Rücken, und betrachtet sie aufs Genaueste. Noch nie war er ihren Herbstlaub-Augen so nah. Für einen Atemzug scheint die Zeit stillzustehen. Weder Geräusche, noch Bewegungen umgeben sie. Nur ein Herzschlag außerhalb des sonst so gewohnten Rhythmus erinnert ihn daran, dass er nicht in einem Standbild lebt. Beinahe verlegen zucken seine Mundwinkel, bevor er sie endlich sanft auf dem Boden absetzt, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Mit einem kaum hörbaren Räuspern bringt er sich aus diesem merkwürdigen Schwebezustand ins Hier und Jetzt zurück. Sie braucht ihre Schuhe, sagt eine innere Stimme und lenkt seine Aufmerksamkeit dorthin, wo er sie zuletzt gesehen hat, um sie aufzuheben und ihr zu reichen.
Während sie die Treter voneinander löst und anzieht, schweift sein Blick über die Landschaft, die vor ihnen liegt. In weiter Ferne ragen gewaltige Felsen in die Höhe, durch die Abendstunden in ein warmes Rot getaucht. Wie eine in sich geschlossene Welt, erstreckt sich bis zu den Felsformationen das Land, das David vor einem halben Leben in seine Fantasie entführte. Ein nostalgisches Lächeln liegt auf seinem Gesicht, als er zu erzählen beginnt:
"Mein Vater hat mich mal hergeschleppt. Als ich klein und bockig war." Er lacht leise. "Das war nicht sehr klug von ihm. Er musste danach öfter mit mir herkommen." David sieht Abeena mit einem breiten Grinsen an. "Ich hab mir angewöhnt, so lange rumzunerven, bis wir losgefahren sind."
Fall und Landung haben ein gemeinsames Feeling. Es ist, als würde man sich in der Achterbahn befinden und nach dem Stürzen in die Tiefe vom Sicherheitsgurt fest umklammert in den Sitz gedrückt werden. Nur das die Bahnfahrt ein unbedeutender Plumps ist und der Sitz Davids 'rettender' Oberkörper. Abs Umarmung ist erst Reflexgesteuert. Binnen zwei Sekunden will sie ihn nur noch fester umklammern und einfach so bleiben, bis der Tag endet, oder der nächste. Das Bedürfnis hatte sie schon einmal, erinnert sich ihr Körper. Genug Kroketten gegessen hat sie, um vorerst nichts weiter zu brauchen als genau das hier. Wärmende Nähe, HALT, 'diese hellen Wolken-Wattepuffer-farbrnen Augen, in denen ich frei durch die Lüfte schweben kann' und... plötzlich berühren ihre Füße den Boden. Ihre Wangen werden rot und sie schaut verlegen zur Seite. "Alsooo" beginnt sie, doch da hat David schon die rettende Übersprungshandlung parat und sie zieht sich ihre Turnschuhe wieder an. Sofort lässt sie sich von seiner Kindheitserinnerung mitreißen. Schmunzeln muss sie, als er ihr womöglich eine seiner Grundsteinübungen für seine Penetranz erzählt. Zumindest vermutet sie, dass er eine ausdauernde Penetranz hat. "Das seh' ich total bei dir, ja" lacht sie jetzt und geht ein kleines bisschen auf ihn zu. "Hast du damit immer noch Erfolg? Ich bin ehr der Typ 'Okay, dann nicht, dann les' ich eben ein Buch und mach mir nen Tee', muss ich gestehen. Ich mag nicht ausdauernd meine Wünsche oder meinen Willen an jemanden richten, bis der- oder diejenige aufgibt." In ihr eben noch heiteres Gesicht zieht ein leichter Schatten. "Antonia löst den Großteil ihrer "Probleme" auf genau diese Art, wie sie es heute ja auch bei dir versucht hat." Mit aufeinander gepressten Lippen scharrt sie mit dem rechten Fuß über die ockerfarbene Erde. Seufzend blickt sie auf. "Ich glaube manchmal, alles was ich mach und wofür ich mich entscheide hat damit zu tun, dass es absolut gegenteilig ist von dem, was sie tut." Nun schnaubend erklärt sie, "Irgendwie armselig, oder nicht?" Nachdenklich fügt sie an "Komischer Weise stört es mich bei dir nicht."

"Ja, manchmal." Davids schelmisch-stolze Grinsen weicht schnell einer neugierigen Skepsis, als sie weiter spricht. Seine Aufmerksamkeit folgt jeder ihrer kleinen Regungen. Beinahe jedes ihrer Gefühle zeigt sich deutlich in Mimik und Gestik. Entweder kann sie sich nicht verschließen oder sie will es gar nicht erst. Eine Eigenart, die er — ohne es zu merken — unglaublich sympathisch findet. Viel zu viele Sims verstellen sich, sobald jemand bei ihnen ist. Sei es bewusst oder unbewusst. Aber Abeenas offene und ehrlich ungeschönte Art spricht ihn mehr an, als ihm selbst klar ist.
Er reicht ihr einladend die Hand, um mit ihr den Weg zum Inneren des Parks aufzunehmen. Gemütlich neben ihr schlendernd, betrachtet er sie von der Seite. Es ist beinahe grotesk, wie gut sie mit ihrem Stil in diese Umgebung passt. Die Farben ihres Haars, der Sommersprossenhaut und ihres Outfits fügen sich so natürlich in den erdigen Rotton des Hintergrunds ein, dass man meinen könnte, all das wurde extra für sie geschaffen.
"Hmnee", wiegt er den Kopf zur Seite, "nicht armselig. Eher ... fremdgesteuert." Vor sich hinnickend wendet er den Blick nach vorn. Einige Meter vor ihnen lädt eine abgetrennte Grube zu archäologischen Ausgrabungen ein. Der Eingang ist lediglich mit einer hüfthohen Kette versperrt. Über dem angrenzenden Wartshäuschen prangt ein großer Schriftzug.
'Grabe echte Dinoknochen aus!' Ein Schmunzeln huscht über Davids Züge. Er erinnert sich daran. Scheinbar hat er schon immer gern im Sand gegraben.
Auffordernd ruckt er mit dem Kopf zur garantiert echten Ausgrabungsstätte und steigt kurz darauf über die Kette, während er seine Gedanken zu Antonia weiter formt:
"Wenn sie will, dass du nach links gehst, braucht sie nur nach rechts zu gehen."
Mit einer Werkzeugkiste, die am Rand des Geländes ausliegen, kniet er sich nieder, reicht Abeena eine handgroße Schaufel und beginnt selbst mit den bloßen Händen, die oberste Sandschicht hin und her zu schieben.
"Wäre es nicht viel schöner, wenn du die Richtung selbst bestimmen würdest? Vollkommen frei von ihrem Einfluss?"
Sein Gesicht erhellt sich plötzlich, als seine Finger auf etwas Festes stoßen. "Hier ist was." Seine Stimme trägt eine Spur kindlicher Aufregung. Dass die Suche im Grunde viel zu einfach ist, stört ihn nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil — hin und wieder tut ein leichtverdienter Erfolg dem Ego ganz gut. Er bietet seiner Abenteuergefährtin die Kelle für feinere Freilegungen an und lehnt sich selbst beobachtend zurück, während sie beginnt, den Knochen von Sand zu befreien.
"Du bist ein wirklich toller Sim, Abeena Silva", setzt er erneut an und meint jedes Wort so, wie er es sagt. "Aber mit dem Hintergrund frage ich mich, was von dir wirklich du bist und was ist 'Hauptsache nicht Antonia'."
Sein Blick springt zwischen ihrem und dem knöchernen Gesicht vor ihnen hin und her. Was sich unter ihrer vorsichtigen Arbeit mehr und mehr zeigt, wirkt beinahe wie der Schädel eines Vogels, nicht größer als eine Krähe.
"Ich glaube, der Unterschied zwischen ihr und mir ist, dass ich nicht um jeden Preis gewinnen muss. Ich spiele, weil es Spaß macht." Beide Brauen heben sich betonend, als sein Blick ihren sucht. "Solange es Spaß macht." Einen Moment sehen sie einander an. Er sieht sie trocken schlucken. "Ich hab wirklich große Lust, dich kennenzulernen. Dich. Nicht Nicht-Antonia. Wer bist du, wenn sie keine Rolle in deinem Kopf spielt?"
Abs ergreift seine Hand und versinkt schamerfüllt in 'fremdgesteuert'. Sie fühlt sich einerseits getroffen und irgendwie ertappt, andererseits in einer abwehrenden Haltung. Das Erreichen des Buddelareals registriert sie nur beiläufig, so sehr arbeitet es hinter ihrer Stirn. Es waren ihre eigenen Worte, die David theoretisch nur wiederholt und mit seinen Worten weiter definiert hat. Trotzdem ist es nicht ok, es aus einem anderen Mund als dem ihren zu hören. Aber warum? Während ihre Begleitung mit ruhigen Handbewegungen den Untergrund vorbereitet, steht sie einfach nur da und guckt auf die Schaufel in ihrer Hand. 'Scheinbar ist es jetzt Zeit zu graben, Abs.' Sie steht da und starrt nun auf das Werkzeug in ihrer Rechten, solange wie David redet und knifflige, schwere Fragen stellt, vor denen sie lieber wie bisher weglaufen würde.
'Und jetzt ist alles was ich hab'. Und jetzt ist alles was ich will.' purzeln ihr die Liedzeilen des Songs von vorhin in den Kopf.
Sie hat einen Kopf.
Ein Herz.
Gefühle.
Sie schützende und unterstützende Hilfe.
Begleitung.
UND: Sie will ihn auch kennen lernen.
Sich selbst aber auch. Weiter, erneut, bewusster.
Abs schluckt ein zweites Mal, dann erst sieht sie tatsächlich, was sie da freigelegt hat. An den Beginn des Ausgrabens erinnert sie sich nicht. "Okay. Ich versuch's." sagt sie zu dem Skelett. Dann noch einmal lauter mit wieder aufgenommenem Blick zu David. "Wenn ich nicht Nicht-Antonia bin, mag ich Holz, die Natur und Tiere" beginnt sie. "Ich liebe Bücher, meinen ruhigen Fridolin, meine Mom's und Gespräche mit Inhalt." Abs muss lächeln. Es tut gut. Weiter nachdenkend, bürstet sie vorsichtig mit ihren Fingerkuppen über die einzelnen Knochen, die sie an Kleine Donner denken lassen. Wie es ihr wohl geht? Wo sie wohl ist? Ob sie sie sich auch Mal fragen wird, wer bin ich und warum? Abeena betrachtet ihre Hände auf den Überresten. "Ich mag auch meine Piercings!" ruft sie laut und überrascht aus. Das ist beinahe sogar eine Gemeinsamkeit, die sie mit ihrer Erzeugerin hat und trotzdem hat sie sich damals klar dafür entschieden. Es war kein Rebellionszug gewesen, der sich in Form von Edelmetall in ihr Gesicht geschlichen hatte. Grübelnd gräbt sie in ihrem Inneren und ihren Gedanken weiter, bis sie etwas mehr die Röte des Bodens in sich aufgenommen hat. Gehemmt kommt es ihr über die Lippen. "Und ich glaube, ich bin doch mindestens Bi-sexuell. Das... ehrrm... ist... glaub ich so. Mindestens." Mit lautem Pulsschlag versucht sie, ihn anzusehen. Unklar nervös.
"Hmm ...", nickt David mit breiter werdendem Lächeln. Sie ist schon süß, wenn sie sich geniert.
Nach außen hin unbemerkt versucht er den kleinen Teil in sich zu bändigen, der freudig ihre Erkenntnis bejubelt. Aus reiner Sturheit hatte er Antonias Urteil, Abeena stünde auf Frauen, ignoriert. Dass es nun in ihm johlt und feiert, registriert er mit vorsichtiger Missbilligung. Schließlich ist er derjenige, der entscheidet — nicht irgendein spontan aufploppender Gefühlszustand. Gefühle sind wichtig und richtig und man muss auf sie hören. Das hat Anita ihm immer wieder gesagt. Aber ihnen die Führung zu überlassen, bedeutet Chaos. Sie sind wie stürmische Welpen, die aus lauter Freude ein liebevoll eingerichtetes Zimmer zerlegen. Sie dürfen herumtollen, aber es ist gut, ein Auge auf sie zu haben und gegebenenfalls in ihre Körbchen zu setzen, wenn sie zu wild werden.
Mit einem ruhigen Atemzug nimmt er einen Welpen nach dem anderen auf den Arm und setzt sie in die für sie vorgesehenen Ecken.
"Sind das nicht nur irgendwelche Begriffe, um sich selbst Grenzen zu setzen? Oder anderen?" Sein Blick bleibt bei ihr. Einer der Welpen krabbelt aus seinem Körbchen. David schluckt, setzt den kleinen Racker zurück und greift dann zu dem Pinsel in der Kiste neben sich. "Damit macht man die Feinheiten." Erklärend beugt er sich zu den Knochen vor und zeigt, wie er es in seiner Kindheit einige Male gemacht hat. "Man legt so viel frei, bis man es packen kann, ohne dass es bricht." Er reicht Abeena den Pinsel. "Das ist ein Archaeopterix. Er ist ein ultimativer Beweis für die Evolutionstheorie." David schluckt trocken, als er ihren Blick einfängt. In dem dämmernden Abendlicht kommt das Grün ihrer Augen stärker zum Vorschein. "So wie übrigens auch das Schnabeltier." Hör auf zu labern, du Angeber.
Dankend nickt sie ihm zu, als er ihr den Pinsel gibt. Nachdenklich streicht sie über die erstaunlich weichen Borsten des Arbeitsgerätes. "Sicher sind es Grenzen, aber auch Freiräume - die Möglichkeiten verdoppeln sich", zwinkert sie ihm zu, kesser als beabsichtigt. Dann guckt sie schnell und kurz zu Seite, um sich zu fangen. Ihn anzuschauen, ist gerade zu viel. Vorsichtig testet sie den Pinsel auf dem hinteren Teil des ehemaligen Flugtieres. Sie schaut anerkennend und mit einer hochgestellten Braue abschätzend in sein Gesicht. "Wow! Ist das jetzt Flexen oder alltägliches Klugschnacken von dir?", lacht sie ihm entgegen und lässt die Augenbrauen erst wieder in ihre Ausgangsposition zurück wandern, als er zu einer Antwort ansetzen will. Schnell setzt sie hinterher. "So oder so: das war fast beeindruckend, wenn man bedenkt das du früher öfter hier warst" erklärt sie, eine unterstreichende Geste mit Daumen und Zeigefinger dazu steuernd nun wieder lachend. "Ich kann dir nur etwas über Testrale erzählen. Aber sag, was weißt du über Schnabeltiere?"
David lacht leise. Dass der Versuch, mit dem erstbesten Thema eine Unterhaltung zu führen, wie Angeberei klingt, sagt wohl auch etwas über ihn aus. Scheinbar haben die Leute recht. Er ist wirklich ein Klugscheißer.
Er öffnet den Mund, um all sein Wissen freizulassen. Und schließt ihn wieder. Sicher könnte er jetzt zwanzig Minuten über Schnabeltiere referieren. Dass sie eine der spannendsten noch lebenden Spezies des Planeten sind, weil sie so viele absurde Besonderheiten in sich tragen. Als die ersten Exemplare nach Europa kamen, glaubten manche Wissenschaftler tatsächlich, jemand hätte verschiedene Tiere zusammengenäht. Und das sind nur die äußeren Merkmale. "Das würde in einen mehrstündigen Monolog ausarten." Selbstironisch schuldbewusst hebt er die Brauen und senkt den Blick zum Archaeopterix. Vorsichtig hebt er das inzwischen freigelegte Knochenimitat aus dem Sand, pustet die feinen Körnchen fort und reicht es ihr. "Der gehört jetzt dir. Pass gut auf ihn auf."
Er stellt sich auf und klopft den Sand aus der Kleidung, wobei er beinahe das Gefühl eines Dejavues hat. Zwei mal mit dem selben Mädchen im Sand gespielt. An nur einem Tag. Nicht schlecht für einen Flexer. Mit einem verkniffenen Grinsen reicht er Abeena die Hand, um ihr aufzuhelfen. "Wenn dich das Ornithorhynchus anatinus wirklich interessiert, erzähle ich dir gern alles, was ich weiß. Aber nicht heute." Er nickt ihr frech grinsend zu. "Und ja, DAS war flexen." Er verlässt die Archäologengrube und wartet, bis sie zu ihm aufschließt. "Komm, wir haben noch bisschen was vor." Das jungenhafte Grinsen kann und will er sich nicht verkneifen. "Jetzt bist du dran. Dieses ... wie hieß das? Tentrairgendwas ... Klingt wie ein Hautausschlag. Oder ein Pilz." Er hat das Wort schon mal irgendwo gehört, doch er kann es einfach nicht zuordnen. "Klär mich auf, Abs." Neugierig sieht er zu ihr, während sie den Weg weiter gehen. Nur einige Meter entfernt wartet ein Triceratops auf sie, fest installiert in der Mitte einer dick gepolsterten kreisförmigen Arena. Im Alter von acht bis elf Jahren hat er unzählige Male auf diesem Dreihorn gesessen, fest entschlossen, sich bis zum Schluss des Rodeokampfes auf dem Rücken zu halten. Geschafft hat er es nie.

Abs ist gerührt. Was für eine schöne Erinnerung. Als sie nachzudenken beginnt, wo in ihrem Zimmer sie einen Ehrenplatz finden kann, fällt ihr ein, dass sie sich bei all dem vorfeldigen Geburtstagsdrama noch gar nicht für die Karikatur von Kleine Donner bei ihm bedankt hat. Alles an und um sie herum war so angespannt gewesen. Uff. Sie schaut auf das Skelett in ihren Händen, dann zu ihm. Das ist schon das zweite Geschenk, dass er ihr macht. Und es gefällt ihr, trotz der Ambivalenz, die durch die Ähnlichkeit zu einem Rabenvogel in ihr schwingt. 'Du müsstest jetzt auch in etwa so groß sein, meine Kleine. Meine Donner.' Abs blinzelt sich halb über die Schulter gedreht wieder in das schöne Gefühl das sie bis eben noch hatte und folgt ihrem Park-Führer. Dankbar über ein neues Ziel, eine weitere neue Sache, die sie noch nie in ihren achtzehn Lebensjahren ausprobiert hat. Prustend kommt sie zum stehen. "Du kannst aus dem Stand den lateinischen Namen von Schnabeltieren abrufen? Liebe Güte, David!" Eine Redepause entsteht, in der sie überlegt, ob sie ihm sagen soll, dass sie nun w i r k l i c h und schwer beeindruckt ist. Die Jungs die sie kennt, haben so spannende Skills wie Zigarettenfilter-Weitschnipsen und die Namen sowie Trikotnummern ihres Lieblingsfußballers abrufbereit zu haben. Okay. Um fair zu bleiben, die des ganzen Vereines bis hin zur Gründung. Aber das ist nicht der Punkt. "Du bist so anders, das ist sehr, sehr angenehm" entscheidet sie sich. "Gerne kannst du mich mal mit allem beeindrucken, was du über diese possierlichen Tierchen weißt", zwinkert sie vergnügt, dann schiebt sie den Geschenke-Gedanken vorerst endgültig bei Seite und beginnt ihren Vortrag. "Tja also erstmal muss ich mich korrigieren, habe mich eben versprochen - wohl vor Aufregung. Ehhhm... Sie heißen Thestrale, mit 'th'. Vermutlich ist das irrelevant, aber wer so detailliert mit Namen ist..."
Mitten im Satz stoppt sie, sowie auch im Lauf. "Nein! Das glaub ich jetzt nicht! Ist das ein Rodeo-Cera?" will sie wissen, vergessen sind die geflügelten, fleischlosen Skelettpferde aus ihren Lieblingsbüchern von J.K. Rowling, dem Harry Potter-Kosmos. Mit leuchtenden Augen beschleunigt Abeena ihre Schritte, um zu Littlefoots Freundin aus 'In einem Land vor unserer Zeit' anzukommen. Moment. Cera ist orange. Das ist dann wohl ehr eine Cousine. Vorsichtig legt sie ihre neue Zimmerdeko ab und klettert auf das Spielgerät. "Bekommst du es zum laufen? Brauchen wir Münzen? Ich habe keine Münzen..." jault Abs den letzten Satz mehr als das sie spricht.
David bleibt einen Moment stehen und sieht ihr nach, als sie überraschend losstürmt. Über Thestrale mit th wird er nun wohl doch nichts erfahren. Nicht schlimm. Wozu gibt's das Internet ...
Ein bisschen stolz ist er auf sich, als die Freude ihr aus allen Poren bricht. Wenn er das Ding zum Laufen bringt, hat er es geschafft.
Mit gespielter Würde steigt er über die gepolsterte Umrandung der Arena. Der Triceratops hängt ein wenig schief in seiner Ruhestellung, als hätte er seit Jahren darauf gewartet, endlich wieder jemandem den Hintern zu ruinieren. David legt eine Hand auf den gepolsterten Hals des Tieres und klopft zweimal dagegen.
"Das hier ist kein gewöhnlicher Cera. Das ist ein würdevoller, alter Kriegsdino." Prüfend beugt er sich an der Seite hinunter, sucht mit den Fingern unter dem Sattel nach der kleinen Metallklappe, die schon damals nie richtig geschlossen hat. Das hatte er vor Jahren bei einer missmutigen Unterhaltung zweier Angestellter aufgeschnappt. "Wahre Freude braucht keine Münzen." Ein leises Klicken folgt. Dann ein zweites.
Nichts passiert.
David hält inne. "Okay. Manchmal braucht wahre Freude Strom." Er richtet sich halb auf, schaut zu dem kleinen Bedienhäuschen neben der Arena und dann zurück zu Abeena. Sein Blick leuchtet auf. "Bleib genau da sitzen. Beweg dich nicht. Sieht großartig aus." Mit langen Schritten ist er beim Bedienpult, duckt sich hinter die halbhohe Absperrung und tastet über Schalter, Knöpfe und ein vergilbtes Warnschild. Vaas würde das Ding nicht nur binnen Sekunden in Gang bringen, sondern auch noch dem ganzen Park einen Extradrive verpassen. Bei dem Gedanken kehrt das breite Grinsen zurück. Vielleicht sollte er Vaas mal herbringen. Dann käme wieder Schwung in die Bude.
"Wenn ich gleich gegrillt werde", ruft er zu Abeena hinüber, "erzähl bitte allen, ich sei bei etwas Sinnvollem gestorben."
Ein dumpfes Brummen erwacht unter der Arena. Die Lichter am Rand flackern einmal, zweimal, dann glimmen sie schwach auf. Der Triceratops zuckt.
David richtet sich langsam auf. Sein Grinsen ist pures Unheil. "Na also." Er legt eine Hand an den großen roten Startknopf, neigt den Kopf und sieht Abeena über die Distanz hinweg an. "Halt dich fest, Frau Silva. Cera erwacht zum Leben."
Abs drückt sich mit einem bestätigendem Nicken so fest sie kann in das schon wegbröselnde, über Jahre bis auf die unterste Schicht abgenutzte PVC-Material. Jede Faser ihres Körpers ist auf das Reittier fokussiert, als David aus ihrem Sichtfeld verschwindet und in dem Häuschen zu hantieren beginnt. Sie kann gerade noch den Auftrag des Festhalten bestätigen, als es auch schon mit zwei knarzigen, festen Rucken losgeht.
Nach vorn,
dann zurück.
In einer halben Drehung kracht Cera wieder vorwärzt, jedoch mit einer sofortigen, zu steilen Abwärtsbewegung, um sofort zurück zu schnellen. Abennas Dreads fliegen ihr um den Kopf, während sie versucht, sich mit den Beinen festzuklammern. Leider vergebens. Im hohen Bogen befördert sie das bockende und ruckende Kampftier sie über seinen Kopf und auf den Boden. Der erste Ritt auf einem Dino ging voll in die Hose, findet sie. Aber das stört sie keineswegs. Ob sie sich besser mit beiden Händen hätte festhalten sollen? "Du bist nun dran! Zeig mir wie lange du es aushältst." Begeistert klatscht sie in die Hände und platziert sich am Rand. "Danach bin ich wieder dran, ja?"

Gespannt beobachtet David den Ritt. Die wild herumfliegenden Haare lassen den Kampf beinahe episch aussehen, auch wenn es nur einen Moment dauert, bis Abeena in die weichen Matten fällt.
Ihr helles, lebendiges, vollkommen echtes Lachen wärmt seine Brust und geht auf ihn über. Per Knopfdruck stoppt er das Reittier, ehe er sich auf den Weg zur Arena macht. "Alles dran?" Seine ausgestreckte Hand hilft ihr, aus den Polstern zu krabbeln. Sie richtet sich vor ihm auf und zupft das Kleid zurecht. "Du wurdest nach drei Sekunden abgeworfen und willst direkt wieder drauf?" Er hebt beide Brauen, sichtbar beeindruckt. Er erinnert sich, dass der erste Ritt der Schwierigste ist. Man weiß nicht so recht, was einen da oben erwartet, hat keine Ahnung, wie man sich dem Boss entgegenstellen soll. "Das ist genau, was ich hören wollte." Das breite Grinsen verleiht seinem markanten Gesicht etwas Jungenhaftes. Ihrer Aufforderung zunickend macht er einige große Schritte auf Cera zu. Der Gegner steht wieder in seiner Ausgangsposition — nicht nur harmlos, sondern direkt einladend, als hätte er nicht gerade versucht, Abeena in die Erdumlaufbahn zu katapultieren.
"Der Trick ist", David legt eine Hand auf den Sattel, zieht prüfend daran und schwingt sich hinauf, "den Oberkörper entspannt zu halten. Das federt die Richtungswechsel besser aus." Er rückt sich zurecht, die Beine pressen sich fest an den Leib des Tieres, die linke Hand umfasst den Griff vor sich. "So jedenfalls die Theorie." Sein Vater hatte es ihm damals immer wieder gesagt. Geholfen hatte es nicht. "Du musst da drinnen den roten Knopf drücken. Dann kann die Show starten." Die rechte Hand deutet auf das kleine Häuschen. "Ich möchte aber daran erinnern, dass es gute zehn Jahre her ist, seit wir das letzte Vergnügen hatten. Und überzeugend waren meine Leistungen schon damals nicht."
Abs verschwindet in dem winzigen Kabuff und nur einen Wimpernschlag darauf, erweckt das elektronische Brummen das Untier zum Leben. Unelegant zieht der Vorderkörper steil nach oben, lässt sich wieder fallen und dreht nach rechts ab. Die ersten Bewegungen sind langsam, stocken aber schlagartig genug, um den Reiter schnell ins Taumeln zu bringen.
"Okay, okay." Davids Stimme ist leise, sodass nur er und Cera sie hören. "Oberkörper entspan- woah!" Als hätte Cera beschlossen, seine Worte als Herausforderung anzusehen, reißt er ruckartig den Hintern in die Luft, wirbelt ein winziges Stück nach links, stockt und entscheidet sich doch für die rechte Drehung. Davids Knie pressen sich so fest an den Körper, dass sie beinahe schmerzen. Egal. Wofür hat er die Dinger, wenn nicht zum Halten? Cera reißt erneut herum, stellt sich vorne auf, schraubt sich durch eine ganze Umdrehung, in der er immer wieder auf und ab bockt. Davids Finger klammern sich fest um den Griff. Die Knöchel werden weiß, trotzdem spürt er, wie sein Hintern den Halt verliert und seitlich vom Sattel zu rutschen beginnt. Reflexhaft klemmt er das gegenüberliegende Bein fester an Ceras Leib, während er fast schon verzweifelt versucht, sich wieder auf den Rücken zu ziehen. Die Sehnen an seinem Unterarm treten hervor und er registriert gar nicht, wie stark er die Kiefer aufeinanderpresst. Die Körperkraft, die er sich über Monate beim Demo- und Blockadentraining aufgebaut hat, nützt ihm hier rein gar nichts. Er weiß, wie man einzelne Muskelgruppen anspannt, wie man den Körper schwer macht, wie man Druck hält. Cera ist davon aber keineswegs beeindruckt.
Sechs, maximal sieben Sekunden schafft David es, sich im Sattel zu halten, bevor er mit einem halbgelachten "Scheiße!" seitlich davon geschleudert wird und in die kühlen Matten sinkt. Das mechanische Geräusch des Endgegners surrt noch kurz in seine Niederlage hinein, bevor es in die statische Grundposition zurückfährt und schweigt.
Einen Atemzug lang bleibt David liegen, schaut lachend in den dunkler werdenden Himmel und genießt diesen Rückblick in längst vergangene Tage.

Das befürchtete Schwindeltrauma bleibt zum Glück aus, trotz der hartnäckigen Challenge, die die beiden sich erst auf Cera und anschließen auf dem Kinderkarussell geliefert hatten. David ging aus ersterem klar als Sieger hervor, aber dass sie sich ein Mühchen verbessern konnte, reicht ihr völlig. Lachend und taumelnd steht sie nun vor der "Kotzmühle", wie das Spielgerät in ihrer Jugend genannt wurde und streckt nun ihrem Begleiter eine Hand zum Aussteigen entgegen. Ihr Magen hat ein wildes, schönes und flaues Gefühl. Was für eine schöne Erfindung für kleine und große Kinder. Davids Hand schließt sich warm und groß um ihre und die wilden Drehungen in ihrer Magengegend bitzeln ganz ganz leicht. Als der große Blonde sein Lachen in die Ruhe zwingt und nur noch ein breites Strahlegrinsen mit leuchtenden Augen zurückbleibt, hält sie sich kurz an seinem lieben Gesicht fest und erdet sich und ihren Körper. Dann schaut sie sich um. Was gibt es hier noch zu entdecken? Abeenas Blick tastet die Umgebung ab und findet ihr Ziel auf Littlefoot. "Begleitest du mich nach oben? Ich möchte da hoch."
Für einen Moment steht David einfach da, die Hand noch in Abeenas, die Wangen schmerzen fast schon vor Lachen. Ihr Blick ist plötzlich so nah, dass jeder schlaue Spruch aus seinem Kopf gefegt wird und nur noch angenehme Leere herrscht, während er sie ansieht.
Ihre Finger an seiner Wange spürt er noch, als sie sich schon wieder umdreht. Er folgt ihrem Blick zu dem riesigen Langhals, der sich über den Park erhebt. Littlefoot. Natürlich. Der musste irgendwann kommen. Dabei war Littlefoot eigentlich ein anderer Langhals als dieser hier. Er verkneift sich die Berichtigung. Niemand mag Klugscheißer.
Im Halbdunkeln der jungen Nacht wirkt der Dinosaurier beinahe lebendig, als würde er den langen Hals über die Palmen und Attraktionen strecken, um zu prüfen, welche zwei Idioten nach Feierabend noch immer durch sein Revier streifen.
"Du fragst den Falschen, wenn du hoffst, dass jemand dich von einer schlechten Idee abhält." Er stellt sich neben sie, sieht zu ihr hinunter, dann wieder zu Littlefoot. Der alte Aufstieg liegt auf der Rückseite, wenn er sich richtig erinnert. Eine schmale Metalltreppe am Schwanz des Tieres. Damals hatte sein Vater unten gewartet, mit verschränkten Armen und diesem geduldigen Gesicht, das David nie infrage gestellt, aber insgeheim immer gemocht hatte.
"Ja", sagt er und drückt ihre Hand, bevor er losgeht und sie mit sich zieht. "Ich begleite dich nach oben." Er hebt warnend einen Finger. "Aber wenn da irgendwo ein Schild steht mit 'Betreten nur mit Personal', muss ich dich leider darauf hinweisen, dass wir das sehr ernst nehmen." Ein eindringlicher Blick trifft sie. "Wir lesen es vollständig. Dann ignorieren wir es informiert." Er führt Abeena in Richtung Mamenchisaurus, dessen Schatten lang über den Boden fällt. Je näher sie kommen, desto mehr wirkt das Tier wie ein grüner Hügel mit Beinen und einem Hals, der bis in den Nachthimmel ragt.
David bleibt am Fuß des Dinosauriers stehen und sucht die Rückseite nach dem Eingang ab. "Da." Er nickt zur Seite, wo eine halb versteckte Tür zwischen bemalten Farnen und Plastikfelsen liegt. Sie quietscht schwerfällig, als er sie öffnet. Eine einladende Geste gibt ihr den Vortritt.
Obwohl die Fenster im Hals des Dinos den Blick in den Park freigeben, ist es bereits zu dunkel, um die Stufen dadurch sichtbar zu machen. David zückt sein Telefon und leuchtet den Weg nach oben mit der Taschenlampe. Er hat keine Ahnung, wie es um Abeenas Fitness bestellt ist. Trotz guter Gesundheit sind unzählige Stufen für die meisten Sims ein einschüchternder Gegner. Er selbst schafft gute vier oder fünf Stockwerke, ohne in Schweiß und Atemnot auszubrechen. Darüber hinaus wird es sich zeigen.
Abs kommentiert David's Schild Androhung mit einem Grinsen, das 'abgemacht' übermittelt. Mit deutlichem Herzklopfen folgen ihre Augen dem Lichtschein des Handys. Die Stufen sind etwas schmaler als bei gewöhnlichen Treppen. Perfekt für Kinderfüße. Sie schaut prüfend auf die beiden Schuhpaare, die noch immer anständig gebundene Schleifen zieren, trotz der wilden Ritter und Schleudermühlenmomente. "Passen deine Füße auf die Stufen?" erkundigt Abs sich leicht sorgenvoll. "Das scheinen mir viele Stufen zu sein, dass wird bestimmt anstrengend für dich."
David bleibt auf der ersten Stufe stehen und sieht erst auf seine Schuhe, dann auf Abeenas. Tatsächlich wirkt die Treppe, als hätte jemand sie für überengagierte Grundschulkinder gebaut. Seine Fußspitze ragt ein gutes Stück über die Kante hinaus. Er hebt langsam den Blick zu ihr und grinst breit. "Ist das ein Angebot, mich huckepack zu tragen? Denn ich muss dir leider sagen, dass Littlefoot große Sims diskriminiert." Probeweise setzt er den Fuß etwas schräger auf die nächste Stufe, findet Halt und nickt, als hätte er gerade ein kompliziertes technisches Problem gelöst. "Ich denke, es geht schon. Um ehrlich zu sein, hatte ich schon schlimmere Gegner als Kindertreppen." Sein Mundwinkel zuckt. "Cera zum Beispiel."
Er leuchtet mit dem Handy nach oben. Der Lichtkegel frisst sich in den engen Hals des Dinosauriers, bis er irgendwo in einer Biegung verschwindet. Es sind zwar einige Stufen, doch sie sind niedrig angelegt und der Aufstieg ist nicht vergleichbar mit dem Rattenpalast. David schmunzelt. Alles wirkt plötzlich kleiner, wenn man nicht mehr zehn Jahre alt ist.
Er sieht wieder zu Abeena und sein Grinsen wird weicher. "Wir müssen ja nicht hochrennen. Du gehst vor, ich leuchte. Und wenn ich dramatisch zusammenbreche, darfst du behaupten, ich sei beim Versuch gestorben, Wissenschaft und Aussicht zu verbinden." Er macht eine einladende Handbewegung mit dem Telefon. "Na los. Erobern wir den Langhals."
Abs startet den Aufstieg, nachdem sie David ihr Versprechen gegeben hat, ihm im Zweifelsfalle einen ritterlichen Nachruf zu schreiben. Dumpf und erstaunlich leise hallen ihre Schritte zwischen den metallenen Wänden des Dinos hin und her, während sie beide Stufe um Stufe erklimmen. Der Lichtschein, der schräg unter Abeenas linker Seite hindurchleuchtet, vertreibt sie dunklen Schatten fast freundlich - vielleicht kommt es ihr auch nur so vor, weil sie Davids achtsame und fürsorgliche Gegenwart wie eine warme Decke in ihrem Rücken spürt. Wie ein Sicherheitsnetzt. Obwohl sie sich eher darum sorgt, dass er abrutschen und sich was umknicken oder brechen könnte. Aber ihre Sorge kann sie schnell über Bord werfen, der große Junge hinter ihr kommt gut zurecht und es gibt auch eine erlösende Strecke durch den Bauch des riesigen Urzeittieres, der einfach nur gerade aus und ohne Treppen zu durchlaufen ist. Nachdem sie den zweiten, noch etwas anstrengenderen Aufstieg geschafft und hinter sich gebracht haben, werden sie von einem wahnsinnigen Panorama auf dem Kopf des Dinos in empfang genommen. Abs bekommt eine Gänsehaut, so überwältigt ist sie von dem Ausblick. Mit offenem Mund und einem "Wow" hält sie sich an dem Geländer fest. "Das ist ja kaum auszuhalten, so schön ist das hier."

David tritt hinter ihr aus dem Hals des Dinosauriers und bleibt für einen Augenblick direkt in der Öffnung stehen. Der seichte Wind streicht ihm über das Gesicht, nimmt die angestaute Wärme aus dem Aufstieg mit und trägt sie über den Park davon.
Er schaltet die Taschenlampe aus und steckt das Handy weg.
Abeena steht am Geländer, mit offenem Mund, Gänsehaut auf den Armen und diesem Staunen im Gesicht, das ihm ein weiches Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Langsam tritt er neben sie und legt beide Hände auf das Geländer. Das Metall ist vom Tag noch warm. Die Sonne ist bereits untergegangen. Das letzte Licht klammert sich an den Horizont, doch seine rotgoldenen Nuancen erreichen den Boden hinter den Grundstücksmauern längst nicht mehr. Der Park liegt im Dunkeln, als würden sie über seinen Schlaf wachen.
Davids Blick wandert über das Panorama. Er erinnert sich daran, wie hoch ihm dieser Kopf früher vorgekommen ist. Als stünde man nicht auf einem zwölf Meter hohen Dinosaurier, sondern auf dem Rand der Welt. Sein Vater war damals unten geblieben, viel kleiner als sonst, mit verschränkten Armen und nach oben gelegtem Kopf. David hatte gewunken, als hätte er gerade ein fremdes Land erobert.
Die Ruhe der Wüste hatte ihn damals nicht erreicht. Er hatte nichts damit anzufangen gewusst. Heute spürt er deutlich, wie sie seinen Blick auf sich zieht. Wie sie Erwartungen, Gefühle und Konflikte irgendwo weit draußen tief in ihrem Inneren versiegelt. Ein Grab voller Geheimnisse, auf das niemals ein Sim stoßen wird.
David atmet langsam aus. Der Gedanke ist schwer, aber vertraut. Wie eine alte Freundschaft, die sich durch gemeinsame dunkle Zeiten verändert hat.
"Ich glaube, ich mochte die Wüste immer ein bisschen lieber als das Meer." Beinahe klingt es, als würde er die Worte versehentlich aussprechen. "Sie ist irgendwie eigener." Er schenkt Abeena einen neugierigen Blick. "Was findest du besser?"
David's Frage reißt sie aus ihrem beginnenden Tagtraum. "Hm? Was?" Er erkundigt sich erneut nach ihrer Meinung. Nachdenklich zieht sie ihre Nase und Mundpartie leicht kraus, so wie Abeena es seit kleinauf tut, wenn sie konzentriert Gedankenprozesse verfolgt. "Ich weiiiiiß es grad nicht" spricht sie gedehnt, "ich habe zu wenig Vergleiche. Das hier ist mein erster Tripp in eine Wüstenregion." Erneut saugt sie die Landschaft förmlich über jede Pore auf. Die trockene, kaum noch vorhandene Wärme, die Kakteen, der rote Sandboden, der tiefgraue Asphalt der Zufahrtsstraße. Und über allem: das Himmelsbild in seinen letzten satten und weichen Abendrot Tönen. Abs seuftz. "Das Meer mit seinen wohligen und einlullenden Geräuschen ist immer wie ein nach Hause kommen. Aber das hier ist... ist magisch." Langsam wendet sie sich ihm wieder zu. "Ich kann es nicht miteinander vergleichen. Beides ist einzigartig."
Plötzlich und ohne Vorankündigung wird sie müde. David ruhig anzusehen, der lange Tag voller williger und widerwilliger Aktionen, Anspannung, Erschöpfung, Freude und Nervenkitzel. On top kommen all die schönen Momente zwischen ihnen. Das sich wohl und sicher fühlen. Sie fasst Mut und den kleinen Funken zusammen, der in ihr in dieser Sekunde zündet und sagt, "du fühlst dich auch irgendwie wie ein kleines Zuhause an. Ähnlich wie meine Mom's. Aber sie waren heute nicht meine Zuflucht. Und ich habe sie nicht vermisst. Das erschreckt mich." Traurigkeit steigt in ihr auf. Unsicher, ob das nicht ein bisschen zu melodramatisch ist, horcht sie nochmal in sich hinein. Nein, es ist genau so. Wie mit dem Meer und der Wüste. Heute waren ihre Ziehmütter kühl und unerreichbar wie das Meer. Und David war da und warm wie der Sand der Wüste - der Sand vorhin im Sandkasten. Ohne zu zögern löst sie sich vom Geländer, um ihn in eine kurze aber feste Umarmung zu nehmen.
Uff! Damit hat er nicht gerechnet. Sein Inneres sucht noch nach dem richtigen Winkel, um ihre Worte aufzunehmen, als sie sich schon an seine Brust schmiegt.
Zuhause.
Er lässt sich in Abeenas Umarmung fallen. Seine Arme legen sich fest um sie, während sein Blick von der nächtlichen Wüste davongetragen wird, bis er sie kaum noch sieht. Vielleicht kommt sie einem Zuhause am nächsten.
Er spürt Abeena an seiner Brust, ihr Gewicht, ihre Nähe, dieses seltsame Vertrauen, das sie ihm in die Hände legt.
"Das ..." Seine Stimme verliert sich beinahe in einem Atemzug. "Das ist das Schönste, was man mir jemals gesagt hat." Die Worte verlassen ihn leiser, als er beabsichtigt hatte. Und doch fühlen sie sich richtig an. Abeenas Satz breitet sich warm in ihm aus und findet eine Stelle, von der er nicht gewusst hat, dass sie so lange leer war. Trotz aller ehrlichen Bemühungen seiner Familien hatte er sich bei keiner von ihnen ganz zuhause gefühlt. Es hatte Zimmer gegeben, Umarmungen, vertraute Stimmen und Sims, die sich Mühe gaben. Aber erst jetzt wird ihm klar, dass genau dieses von ihr beschriebene Gefühl die ganze Zeit gefehlt hatte.
Vor einigen Jahren hatte Pita etwas ähnliches zu Vaas und ihm gesagt. 'Ihr seid meine Familie', hallt es durch seine Gedanken.
Damals hatte er den Worten vertraut. Und trotzdem hatte ihre leibliche Familie sie an den Rand der Zerstörung getrieben. Sie hatte sich ihnen nicht anvertraut und schließlich entschieden, aus allem zu verschwinden. Ganz allein.
So etwas darf nie wieder passieren!
Der Gedanke legt sich kalt unter Abeenas warme Nähe.
Das hier ist anders. Ein weiterer Atemzug vergeht, ehe er das Wort ergreift:
"Abs, du musst mir etwas versprechen." David löst den Griff um ihren zierlichen Körper, ohne sie ganz loszulassen. Seine Hände bleiben auf ihren Oberarmen, als er sie einen halben Schritt von sich rückt, damit er sie ansehen kann.
"Wenn es dir irgendwann mal schlecht geht, und ich meine WIRKLICH schlecht, bitte komm zu mir." Das helle Funkeln in seinen Augen ist einer beinahe schon erschreckenden Ernsthaftigkeit gewichen. "Es ist vollkommen egal, was passiert ist. Egal ob es peinlich, hässlich oder verstörend ist. Auch wenn du denkst, du musst das alleine regeln." Ein leises Seufzen erzwingt eine kurze Pause. "Ich kann vielleicht nicht immer alles gleich gut nachvollziehen oder verstehen. Aber ich werde immer an deiner Seite sein. Wenn du mich nur lässt." Suchend sieht er zu ihr hinunter. "Okay? Versprichst du mir das?"

Seine Züge sind von ungewohnter Schwere gezeichnet und lassen Abs sorgenvoll und fragend seinen Blick erwidern. Nun ist sie um ihn besorgt. Eine Weile sucht sie stumm nach Antworten und einem Ansatz. 'Warum sagt er das so belegt, was hat ihn so berührt und verletzt?' "Es ging mir heute stellenweise sehr schlecht. Und ich wollte bei niemand anderem sein, habe ich gemerkt." Ein leichtes Rot fließt ihr in die Wangen. "Ich bin erleichtert und dankbar, dass ich und mein Drama dir nicht zu viel gewesen sind. Dass du mich so rührend umsorgt und abgelenkt hast! Und auch noch immer bei mir bist... das bedeutet mir mehr, als ich sagen kann." Abs Hände legen sich auf seine große, breite Brust, ihre Rechte auf die Stelle über seinem Herzen. "Du bist längst an meiner Seite. Und ich auch an deiner."
David sieht zu ihr hinunter.
Herbstlaub.
Dann senkt er den Blick zu ihrer Hand auf seiner Brust. Unter ihren Fingern setzt sein Herz einen Schlag aus, als müsste es selbst kurz Luft holen, und stolpert dann doppelt so schnell voran. Ein schmales Lächeln schiebt sich in die Ernsthaftigkeit seines Gesichts, vorsichtig, aber echt. Sie muss es bemerkt haben. Er schämt sich nicht dafür. Es ist nichts falsch daran, jemanden lieb zu gewinnen.
'Du bist längst an meiner Seite. Und ich auch an deiner.'
David hebt eine Hand und legt sie über ihre. Sein Daumen streicht einmal über ihre Knöchel, bevor er den Blick wieder zu ihr hebt. "Ich sollte dich vielleicht warnen. Ich bin nicht sehr gut darin, Hilfe zu brauchen."
Wie schön sich das anfühlt. Abeenas Augenlider legen sich für den feinen Moment der Daumenbewegung ab. "Das überrascht mich nicht im geringsten" antwortet sie ihm Ieise. "Aber ich bin sehr gut darin Hilfe anzubieten oder einfach nur da zu sein. Weil zusammen ist man weniger allein. Und auch "Alleinträgern" tut gelegentliche Unterstützung gut. Du wirst sehen."
(in Zusammenarbeit mit @S.Bin. )
>>> David geht nach Del Sol Valley - Haus Clemens >>>
- Das Forum
- Foren Hub [Neulinge starten hier]
- Fragen zum Rollenspiel
- Spielwelt-Richtlinien
- Support & Feedback
- Ankündigungen und Neuigkeiten
- Das Grosse Sims 4 RPG
- Orte
- Willow Creek
- [Archiv]
- Oasis Springs
- [Archiv]
- Newcrest
- Magnolia Promenade
- Windenburg
- [Archiv]
- San Myshuno
- [Archiv]
- Forgotten Hollow
- [Archiv]
- Brindleton Bay
- [Archiv]
- Del Sol Valley
- [Archiv]
- Strangerville
- Sulani
- [Archiv]
- Glimmerbrook
- [Archiv]
- Britechester
- [Archiv]
- Evergreen Harbor
- [Archiv]
- Mt. Komorebi
- Henford-on-Bagley
- [Archiv]
- Tartosa
- Moonwood Mill
- [Archiv]
- Chestnut Ridge
- Archiv
- Copperdale
- [Archiv]
- San Sequoia
- Archiv
- Tomarang
- Ciudad Enamorada
- Ravenwood
- Nordhaven
- Innisgreen
- Gibbi Point
- Ondarion
- Granite Falls
- Selvadorada
- Orte außerhalb von Simswelt
- Vampirwelt - Bloodmoon Valley
- Charaktere
- Hauptcharaktere
- Nebencharaktere
- Randfiguren
- Passanten
- Inaktive Randfiguren
- Inaktive Passanten
- [OPTIONAL] CC für Charaktere
- Kreativ Ecke
- Kreationen und Geschichten
- Häuser und Grundstücke
- Sims
- Geschichten und Challenges
- Prequels
- Community Talk
- Forenspiele
- Sonstiges
- Schreibübungen
Jetzt anmelden!
Jetzt registrieren!
